| FÖRDERKREIS
VERMESSUNGSTECHNISCHES MUSEUM E. V.
POSTANSCHRIFT: POSTFACH 10 12 33 D-44012 DORTMUND Tel. +49 (0) 231 50 2 56 86 Fax +49 (0) 231 50 2 54 28 Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Hansastraße 3 D-44137 Dortmund (5 Minuten vom Hauptbahnhof) |
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| ARCHIV zu Aktuelles "Erinnern heißt danken" | |
| Redaktion: Harald Lucht |
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| Archivierte Mitteilungen -
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325.
Die Sammlung Zurhorst – eine wertvolle Dauerleihgabe für unser Museum
Das Vermessungstechnische Museum in
Dortmund hat am 12. Dezember 2009 eine großzügige Spende erhalten. Die
Familie Zurhorst aus Werne, Öffentlich bestellte
Vermessungsingenieure in dritter Generation, übergab dem Museum einen
wesentlichen Teil der über Jahrzehnte gesammelten wertvollen historischen
Instrumente als Dauerleihgabe. Anlaß war der 85. Geburtstag des
verstorbenen Firmengründers Bertold Zurhorst. Nahezu 30
Familienmitglieder waren angereist, darunter die Ehefrau des Firmengründers.
Im Rahmen einer kleinen Feierstunde übergab Michael Zurhorst, seit
2008 auch Präsident des Bundes der Öffentlich bestellten
Vermessungsingenieure, insgesamt 32
Instrumente aus der Familiensammlung. Er betonte die langjährige
Verbundenheit der Familie Zurhorst zum vermessungstechnischen Museum.
Daher falle es ihm auch leicht, die sehr gepflegte Sammlung nun in
historisch-fachliche Hände zu legen und sie damit der Öffentlichkeit zeigen
zu können. Sichtlich erfreut konnte der Erste Vorsitzenden des Förderkreises, Ingo von Stillfried, die großzügige Spende entgegennehmen. Mit ihm erfreuten sich die Vorstandsmitglieder Manfred Gombel, Ulf Meyer-Dietrich, Norbert Kalischewski, Klaus Lehmann und Rudolf Uebbing. Ingo von Stillfried erläuterte, gerade auch für die nicht so tief in der Instrumententechnik beheimateten Familienmitglieder der Familie Zurhorst, wie vielfältig die Vermessung auch in gesellschaftliche Veränderungsprozesse eingebunden ist; wie neben den technischen Details, ablesbar am Beispiel unserer ausgestellten Instrumente, die Vermessung für allgemeine Veränderungsprozesse Bedeutung hat. So spiele z. B. auch der übergebene Borda-Kreis in einer Sendung der Serie "Terra-X" des ZDF (ausgestrahlt etwa im April 2010) über die Entstehung des Meters eine besondere Rolle, als eine der zentralen Requisiten. Die wertvolle Dauerleihgabe der Familie Zurhorst ist eine ideale Ergänzung der seit 1985 in den Räumen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte bestehenden Sammlung.
Die Ruhrnachrichten in Dortmund haben jetzt am 5. 1. 2010 ausführlich und mit
Foto des "Holländischen (Borda-) Kreises" und vom Ersten
Vorsitzenden über diese für das Museum großartige Leihgabe berichtet. –
18. 12. 09/05.01.10
324.
Der Wiehen-Wagen von 1772
- eine Geographische Maschine
Unser Bibliothekar war hartnäckig. Es entstand die Idee, wenn man das Buch
kaufen würde, dieses nicht einfach im Regal verschwinden zu lassen, sondern
den Wagen nach den sehr detaillierten Konstruktionszeichnungen und
-beschreibungen auch nachzubauen. Doch durch wen? Hartwig
Junius knüpfte Kontakte zu Volkswagen.
Dort gab es Interesse, weil ja in
modernen Fahrzeugnavigationssystemen ähnliche Funktionen wirken nur eben auf
elektronische und nicht auf mechanische Weise wie im „Wiehen-Wagen“.
Im Oktober reisten Hartwig Junius
und unser Erster Vorsitzender Ingo von
Stillfried zu einem Besuch nach Kassel-Baunatal
in die VW-Lehrwerkstatt. In großer Runde mit 7 Personen wurde in sehr
angenehmer Umgebung konstruktiv und kreativ über den Nachbau des „Wiehen-Wagen“
diskutiert. In Frage käme kein historischer, sondern ein historisierender
Nachbau; wichtig sei die Funktionalität; VW kann den mechanischen Teil
beisteuern, eine bereite Modellbauschule könnte für die Gestaltung der Kutsche sorgen. Der Herstellungsmaßstab würde nach Sichtung
aller Unterlagen gemeinsam besprochen. Unser
Ehrenmitglied Helmut Minow hat
inzwischen die alten Maße übersetzen können.
Das „Marketing“ kann später ein Highlight für den Förderkreis
werden. Ein Zeitrahmen wurde noch
nicht festgelegt – erstmal war überhaupt das Buch zu erwerben.
In unserer Vorstandssitzung im November haben wir dann gerne dem Kauf des
wertvollen kleinen Werks zugestimmt – und sind nun alle gespannt über den
Fortgang dieser wundersamen Geschichte. – 12.12.09
323.
Ex Oriente
Lux ? – Wege zur neuzeitlichen Wissenschaft – eine Ausstellung in
Oldenburg
Oldenburg – Stadt der Wissenschaften 2009. Das Landesmuseum Oldenburg
präsentiert eine Sonderausstellung Ex Oriente Lux ? – bewußt mit
Fragezeichen. Die Ausstellung nimmt Schlüsselbegriffe des Oldenburger
Konzepts „Übermorgenstadt“ auf, eine Symbiose von Geschichte und
Zukunft. Ausgewählte Themen aus der Geschichte der Naturwissenschaften, deren
Ursprüngen, der Entwicklung in Mesopotamien, im Alten Ägypten,
über die klassische Antike und das europäische Mittelalter, der Berücksichtigung
der Blütezeit der arabisch-islamischen Wissenschaften und deren Rezeption in
Europa bis zum Ende der Aufklärung.
Die Ausstellung ist gegliedert in zwei große Bereiche: In den Themen der Wissenschaft geht es um die Geschichte der
naturwissenschaftlichen Disziplinen, in den Räumen der Wissenschaft werden die wichtigsten Städte und Regionen
vorgestellt, in denen geforscht wurde.
Rund
300 Exponate aus allen Zeiten und Räumen zeigen eine bisher nie dagewesene
Zusammenschau. Astronomie,
Mathematik, Ingenieurskunst, Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie,
wie sie das
Weltgeschehen beherrschten. Besondere
Inszenierungen führen durch Paris, Bagdad, Toledo, Alexandria und
Florenz. Eine Stadtplan-Rekonstruktion des alten
Stadtzentrums von Alexandria, Bagdad als „Stadt des Friedens“,
Keilschrifttafeln, ein Himmelsglobus aus der Zeit um 200 v. Chr., die
riesige Weltkarte des arabischen Geographen Al-Idrisi von 1154
- Beispiele einer ungemein reichhaltigen Fülle historischer Exponate.
-
Am Festakt im Oldenburger Schloß zur feierlichen Eröffnung der
Ausstellung am 25. 10. 2009 hat unser Erster Vorsitzender Ingo von
Stillfried teilgenommen. 6 Exponate unseres Museums sind in der
Ausstellung zu sehen, u.
a. der Holländischen Kreis aus Leiden von um 1655 (siehe unser
Museumshandbuch S. 128). Unser früherer Kuratoriumsvorsitzender, Prof. Dr.-
Ing. Wolfgang Torge, hat im wissenschaftlichen Beirat der
Ausstellung mitgewirkt und als Autor für das begleitende Handbuch einen
hochinteressanten Überblicks-Beitrag geschrieben: „Von Eratosthenes bis
Delambre – die Geodäsie entsteht“ (S. 170 – 181).
Die außerordentlich sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar 2010
in 26135 Oldenburg, im Augusteum, Elisabethstr. 1 zu sehen.
- 08. 12. 09
322.
Dr. Kurt Kröger zum besonderen Geburtstag.
Am 6. Dezember dieses Jahres vollendet Dr. Kurt Kröger sein 85.
Lebensjahr. 1924 in Ennepetal geboren, mußte er in den unseligen
Krieg ziehen, wurde schwer verwundet, kam durch guten Rat von Kriegskameraden
in die Geometer-Laufbahn, „ein Traumberuf“, wie er gerne sagt.
Stationen seiner Ausbildung waren u. a. das Katasteramt Lüdenscheid und
das Studium an der Ingenieurschule in Essen. Am Beginn seiner aktiven Tätigkeiten
standen die Vereinigten Stahlwerke in Essen, die spätere Ruhrkohle
AG, dort
folgte bald der Einsatz in der Bezirksdirektion Dortmund. Seine ersten
praktischen Aufgaben umfaßten schon das breite Spektrum von hochpräzisen
Ingenieurvermessungen bis hin zu Grundlagen für den Siedlungsbau.
Er verfaßte im doch schon fortgeschrittenen Alter seine Dissertation
„Das Vermessungswesen im Spiegel der Hausväterliteratur“,
abgeschlossen 1985. Diese Arbeit ist ein faktenreiches Kompendium des Grenz-,
Eigentums- und Nachbarrechts des 16. – 18. Jahrhunderts im Heiligen Römischen
Reich deutscher Nation, eine aus umfangreichem Quellenstudium erwachsene fachtechnisch
wie fachrechtlich ungemein reichhaltige Arbeit, wie sie kaum jemand hinter
dem Titel vermutet.
Dankbar für sein unermüdliches Wirken gratulieren wir Dr. Kurt Kröger zu
seinem besonderen Geburtstag, wünschen unserem Ehrenmitglied im VDV und
im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum weiterhin alles Gute, ganz
besonders auch für seine Gesundheit. Und siehe auch VDVMagazin 6/2009 S. 523 und
541-542. - 1. 12. 09
321. 20 Jahre nach dem Mauerfall - Geodäten ohne Grenzen - 15. Baltisches Geodätengespräch in Fischland auf dem Darß am 13. und 14. November 2009 In einer mit weit über 40 Teilnehmern sehr gut besetzten Vortragsveranstaltung sind Situation, Folgen und Entwicklungen reflektiert worden, wie sie sich vor 20 Jahren, nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR ergeben haben. Themen waren u. a. sehr persönliche Rückblicke in die Wendejahre (Hagen Graeff, Hamburg, Frieder Mrosek, Schwerin, Prof. Hermann Seeger, Bad Neuenahr) sowie die Auswirkungen aus dem Wechsel von der zentralisierten Staatswirtschaft mit gesellschaftlichem Volkseigentum bis 1989 hin zur sozialen Marktwirtschaft mit dem Grund und Boden als Wirtschaftsfaktor, der wieder zentralen Bedeutung der Sicherung des Privateigentums in Grundbuch und Liegenschaftskataster, Grundlagen der Stadtplanung, von Bodenordnung und Wertermittlung (Prof. Christian Killich, Brandenburg, Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen aus Sicht des Städtetages, DVW-Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne, Erfurt). "Die Einführung von westdeutschem Verfassungs- und Verwaltungsrechts von einem Tag auf den anderen wirke ungefähr so, als ob bei uns im Westen Chinesisch als Amtssprache eingeführt würde," formulierte 1991 Manfred Rommel, der Präsident des deutschen Städtetages. - Prof. Dr. Wolfgang Torge, Hannover erläuterte weit rückblickend historische geodätische Netzarbeiten vor und nach 1945 mit Vergleich auch der Arbeiten in der DDR und der alten Bundesrepublik, Prof. Dr. Schlosser gab einen Abriß über 20 Jahre Trigonometrische Vermessungen. ÖbVI Mill aus Rügen und Prof. Robert Scholz, Neubrandenburg, zeichneten Wege und Erfolge des freien Berufs in den Wendejahren und aktuell nach. Die Professoren Rolf-Werner Rebenstorf und Dr. Foppe berichteten vom Aufbau und der umfassenden Breitenwirkung der Hochschule Neubrandenburg, letzterer mit dem hochinteressanten Schwerpunkt der automatischen Bauwerksüberwachung. Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne entwarf mit seinem Rückblick auf die INTERGEO Karlsruhe (dem "Flaggschiff der Geodäsie") die Zukunftsaufgaben des Vermessungswesens, setzte sich engagiert für das Leitbild des Geodäten als Kern unseres Berufsstands ein und betonte den guten Ruf des Diplomingenieurs. Er gratulierte Jörg Scheffelke zu der inzwischen zur wertvollen Tradition entwickelten Veranstaltung, die den Rang eines kleinen Geodätentages gewonnen habe. Er überreichte ihm als Anerkennung das Museumshandbuch Vermessungsgeschichte unseres Förderkreises. Einen besonderes Highlight bildete zum Abschluß die Vorstellung der Arbeiten des Leibniz-Instituts aus Leipzig und der landeskundlichen Bestandsaufnahme der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und des Barther Landes - Band 71 der Schriftenreihe des Leibniz-Instituts - durch Dr. Haik Thomas Porada (jetzt Leipzig , vormals Greifswald), einen Bildband, den alle Vortragenden als Dank erhalten. Wulf Schröder aus Wiesbaden umrundete zusammenfassend noch einmal die Vielfalt der Beiträge dieser beiden Tage. Zum guten Schluß erinnerte der Senior unter den Teilnehmern, Paul- Gerhard Ramseger aus Schwerin, an eine vor 130 Jahren in der ganz in der Nähe in Wustrow abgehaltene erste Geodäten-Konferenz vom damaligen Deutschen Geometerverein. Und Ihr Berichterstatter dankte im Namen der Teilnehmer dem Veranstaltern Jörg Scheffelke und Heiko Schröder von der Bezirksgruppe Vorpommern im Landesverein Mecklenburg - Vorpommern des DVW und ebenso den Sponsoren für das ungewöhnlich reiche und reizvolle Kaleidoskop des dargebotenen historisch und aktuell hochinteressanten Programms. - Berichte über das 5. und das 10. Geodätengespräch dieser zu einer besonderen Tradition gewordenen Veranstaltung im Fischland siehe in zfv 2000 S. 30-31 und zfv 2005 S. 57. - 22. 11. 2009
320.
Aus der Vorstandssitzung des Förderkreises Vermessungtechnisches Museum in
Dortmund
In der jüngsten Vorstandssitzung sind die Weichen gestellt worden u. a. für -
die Verleihung des Eratosthenes-Preises an Dr. Rudolf Hafeneder in der Mitgliederversammlung
am 22. 02. 2010 (vergl. Mitt. Nr. 302 und 263) in der Rotunde des Museums
für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund -
den Haushaltsentwurf für 2010 -
den Ankauf besonderer alter Vermessungsinstrumente (vergl. u. a. Mitt. Nr.
319), -
Buchankäufe für unsere umfangreiche Bibliothek -
die weitere Werbung für den Verkauf des neuen Museumshandbuches
(vergl. Mitt. Nr. 313), -
die Erweiterung dieser viel besuchten Homepage. - 15.11.09
319.
Ein Breithaupt-Theodolit von 1863 - und eine hochherzige Spende
Unsere Museumsexperten Manfred Gombel und Ingo von Stillfried sind
immer auf der Suche nach besonderen Raritäten für unsere Schausammlung –
und sind jüngst beim Dorotheum in Wien fündig geworden: Ein
besonderer Theodolit, signiert am Horizontalkreis "F. W. Breithaupt
& Sohn in Cassel. 1863", Fernrohr 29 cm lang, Objektivdurchmesser
28 mm, Teilung mit Nonius, Silber, Vertikalkreis von 11 cm Durchmesser. Ein
31,5 cm hoher Theodolit mit schöner Zaponierung gehört
uns. Doch möglich wurde dies erst durch eine hochherzige Spende unseres
ehemaligen ersten Vorsitzenden Dr. Kurt Kröger. Denn unser
Instrumenten-Haushalt für dieses Jahr gab den benötigten Betrag nicht mehr
her. Kurt Kröger gab ganz spontan einen großen Betrag hinzu – so
wird dieses Instrument sehr demnächst unsere Schausammlung im
Vermessungsmuseum, Abt. 22 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in
Dortmund bereichern - 06.11.09
318. 6 Jahrzehnte Flurbereinigungsgesetz Professor Dr.-Ing. Erich Weiß hat seine lange Berufserfahrung und wissenschaftliche Durchdringung der Flurbereinigungsgesetzgebung in seinem neusten Werk "Zur Entwicklung des Flurbereinigungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten" auf 224 Seiten in Band 18 der Sammlung "Kommentare zu landwirtschaftlichen Gesetzen" zusammengefaßt (Agricola-Verlag in 26969 Stollham - ISBN 978-3-920009-056, Preis € 35). Wir haben an dieser Stelle kürzlich in Mitt. Nr. 310 aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres auf das segensreiche Wirken von Professor Weiß hingewiesen. Mit seinem neuesten Werk beleuchtet Erich Weiß zahlreiche Änderungen, Anpassungen an andere Gesetze im Flurbereinigungsrecht, dokumentiert deren Entstehungsgeschichte in materieller und formeller Hinsicht. Der Verfasser greift dabei auf zahlreiche eigene Veröffentlichungen wie ebenso auch auf die Materialien des Bundestages zurück. Siehe auch http://agricola-verlag.de/detail_weiss.html und Buchbesprechung in zfv 5/2009 S. 330-331. - 28.10.09
317. 15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - Geodäten ohne Grenzen Die Bezirksgruppe Vorpommern des LV Mecklenburg-Vorpommern im DVW lädt ein zum 15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - unter dem Thema "Geodäten ohne Grenzen - Beiträge zum Vermessungswesen in Deutschland nach der politischen Wende 1989". Auf Initiative von Jörg Scheffelke und eingeladen vom Bezirksgruppen-Vorsitzenden Heiko Schröder werden die damaligen Veränderungen und Umwälzungen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in einer Reihe von Kurzvorträgen beleuchtet. Vortragende sind u.a. die Professoren und Fachkollegen Schlosser (Schwerin), Seeger (Bad-Neuenahr), Torge (Hannover), Graeff (Hamburg), Scholz (Neubrandenburg), Mill (Rügen), Rebenstorf (Neubrandenburg), Zölitz (Greifswald), Grewe (Schwerin) und Ihr Berichterstatter Lucht (Bremen). Die Themenpalette reicht von der wissenschaftlichen Forschung bis hin zur kommunalen Praxis, angereichert durch zwei besondere historische und kulturelle Themen (Lubinsche Karte von 1618, Landvermesser und Maler Carl Malchin). Die Veranstaltung findet statt vom 13. - 14. November 2009 im Ostsee-Hotel Dierhagen. Näheres und Anmeldungen unter Tel. 03834 500066, Jörg Scheffelke, Arndtstr. 4 in 17489 Greifswald - eMail scheffelke@gmx.de . - 22.10.09
316. 20. Goldenes Lot für Fritz Pleitgen - Museumshandbuch für Wolfgang Kramer Mit dem "Goldenen Lot" des VDV ist am 16. 10. 2009 Dr. h. c. Fritz Pleitgen, Journalist, Intendant des WDR a. D., Vorsitzender der Geschäftsführung der RUHR 2010 GmbH (Kulturhauptstadt Europas 2010) ausgezeichnet worden. An der Festveranstaltung im blauen Salon der Köln-Messe nahmen über 100 Personen teil. Präsident Wilfried Grunau sagte u.a. über den Preisträger des Jahres 2009: „Sein herausragendes nationales wie auch internationales kultur- und medienpolitisches Engagement ist außergewöhnlich und beispielhaft gleichermaßen, wir ehren einen Menschen, dessen Haltung zu bewundern ist, für seinen Mut öffentlich Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.“ Diese Auszeichnung hat inzwischen eine 20-jährige (Vermessungs-) Geschichte. Stifter des Goldnen Lots ist Dipl.-Ing. Wolfgang Kramer, Ehrenvorsitzender des Bezirks Köln, der auch für die künstlerische Herstellung des jährlich vergebenen Ehrenpreises sorgt - ein vergoldetes Lot auf einem symbolischen Miniatur-Grenzstein, wohlproportioniert angeordnet auf einem runden Edelstahl-Sockel. War die Preisverleihung ursprünglich vom VDV-Bezirk Köln des VDV ausgerichtet worden, hat inzwischen der Bundesverband des VDV die Ausrichtung übernommen. In der Laudatio für Fritz Pleitgen hat traditionell der Vorjahrespreisträger Arved Fuchs, Stationen Pleitgens u.a. in Moskau, Ostberlin, beim WDR, besonders hervorhebend dessen tiefe Verbundenheit zur Kultur begeisternd nachgezeichnet; sie münde aktuell geradezu selbstverständlich in seiner jetzigen Funktion für die Kulturhauptstadt Europas 2010. Und der Geehrte reflektierte souverän und werbend über kommende kulturelle Aktivitäten. Anwesend waren neben dem Preisträger 2009 Fritz Pleitgen und dem Laudator Arved Fuchs auch die Preisträger früherer Jahre, so Norbert Burger, ehem. OB aus Köln, der Astronaut Ulf Merbold, Prof. Manfred Bonatz aus Bonn, Wilfried Grunau, Eberhard Burger aus Dresden. Wie stets waren die Preisträger früherer Jahre gebeten, aus ihrem gegenwärtigen Engagement zu berichten - der Präsident des Förderkreises und Preisträger 1998 Harald Lucht überreichte in dem festlichen Rahmen dem Initiator des Goldenen Lotes, Wolfgang Kramer, das neue Museumshandbuch (Siehe Mitt. Nr. 313). Grußworte sprachen u.a. die Kulturbürgermeisterin der Stadt Köln, der Präsident des BDVI, Michael Zurhorst, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kartographie Dr. Peter Aschenberner, Udo Stichling, Präsident des DDGI e.V., Dt. Dachverband für Geoinformation. Erster Preisträger des Goldenen Lots war 1990 der Ehrenvorsitzende des VDV, Wolfgang Beicken, zu den Preisträgern der folgenden Jahre gehörten u.a. Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Ministerpräsident Johannes Rau, Rita Süßmuth und Hans-Joachim Gauck. Die vollständige Ehrentafel ist unter www.vdv-online.de verzeichnet. - 18.10.09
315.
9.
Dortmunder Museumsnacht Die
Vorführungen zur 9. Dortmunder Museumsnacht am 26. 09. 09 waren für
unser Museum ein SUPER-Erfolg mit einem überraschen guten
Publikumszuspruch. Wir hatten das Motto gewählt "Hand-Werk
Rechnen" und Ingo von Stillfried zeigte die Benutzung von Abakus,
Rechenschieber, Rechentafeln, Logarithmentafeln, Kurbelrechenmaschinen bis
hin zum PC, engagiert unterstützt von unserem Mitglied Carl-Wilhelm
Schmälter. In den 4 stündlich angebotenen Führungen waren jeweils ca.
25 Zuhörer beteiligt - auch eine Reihe von Jugendlichen, die unseren beiden
Fachleuten „ein Loch in den Bauch“ fragten. „Nun kann ich nicht
mehr reden, das war toll!“ stellte am späten Abend unser Erster
Vorsitzender fest. –
314.
Wir erinnern an Professor Dr.-Ing.
Horst Peschel
aus Dresden -
geboren heute vor 100 Jahren. Horst Peschel war lange Professor
für Landesvermessung und Katasterwesen an der Technischen Hochschule
Dresden und 15 Jahre Ordentliches Mitglied der Deutschen Geodätischen
Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften in München
seit 1952 - als Dresdner! 1967 mußte zu er seinem großen
Bedauern aufgrund der politischen Gegebenheiten aus der DGK austreten. Ihr
Berichterstatter erinnert sich sehr gerne an eine persönliche Begegnung
1971 in Moskau bei der Tagung der Internationalen Assoziation für Geodäsie
IAG. Offizielle Kontakte waren damals bereits von Seiten der DDR verpönt –
dennoch gab es persönliche Gespräche, die in lebhafter guter Erinnerung
geblieben sind. Unsere Professoren mußten in ihren Gesprächen manche Rücksicht
nehmen und Prof. Horst Peschel sich sehr zurückhalten. Sein
Hauptforschungsfeld war u. a. das Nivellement, mein Vortrag dort über
Korrelationen im Präzisionsnivellement lagen auf der gleichen Ebene wie die
Arbeit eines seiner Doktoranten. –
Horst Peschel wurde am
29. September 1909 in Dresden
geboren. 1919 bis 1928 besuchte er die Annenschule
in Dresden, 1928 Abitur. Sein Vater war
Vermessungsingenieur.1928 bis 1932 folgte das Studium des Vermessungswesens an der TH
Dresden, 1932 war er einer der ersten Diplomingenieure, Wissenschaftlicher
Assistent am Geodätischen Institut der TH Dresden bei Prof.
Werkmeister, 1936 Promotion, bis 1938 Referendar und 2. Staatsprüfung;
1938 bis 1939 freischaffender Vermessungsingenieur, dann bis 1944 Öffentlich
bestellter Vermessungsingenieur.
Nach den Schrecken des Krieges mit dem
Totalverlust aller Habe wurde Peschel 1950 zum Professor auf den
wieder eingerichteten Lehrstuhl für Landesvermessung und Katasterwesen an der
Technischen Hochschule Dresden berufen. Hier führte er u. a. 1952 die
Große Vermessungsübung im Lehrfach Landesvermessung ein. Er
war Mitbegründer der Zeitschrift
„Vermessungstechnik“. Im Vorwort des ersten Heftes schrieb er:
„Unsere Zeitschrift wird uns helfen, neue Freude an der Vielseitigkeit des
schönen Vermessungsberufes zu gewinnen, sie wird ihm auch weitere Anerkennung
verschaffen“ - sie erlangte bald ein hohes wissenschaftliches Renommee.
Und er schrieb weiter „In ihr wird das Bewußtsein der Berufskollegen zum
Ausdruck gebracht werden, daß Deutschland eine Einheit ist, die nicht
durch willkürliche Schranken und Zonengrenzen zerrissen bleiben darf.“ –
1953 bis 1956 war Prof. Peschel Rektor der TH Dresden.
Die Einrichtung der Zentralstelle für
internationale Dokumentation der Geodäsie am Geodätischen Institut 1956 war
sein Werk. Er bearbeitete die deutschen Ausgaben dreier russischer
Lehrbücher von Sakatow, Urmajew, Molodenski
und verfaßte etwa 60 Aufsätze in wiss. Fachzeitschriften. 1959 bis 1974 war Prof.
Peschel Präsident der Kammer
für Technik (KdT) der DDR, später deren Ehrenpräsident. Nach
der 1968 im Zuge der dritten Hochschulreform in der DDR vollzogenen Auflösung
des Geodätischen Instituts der Technischen Universität Dresden war er
1969 bis 1974 Leiter des neu gebildeten Wissenschaftsbereichs Geodäsie. In
der wissenschaftlichen Arbeit galt seine besondere Vorliebe dem Feld der Höhenmessung.
Diese Forschungen gipfelten in der unter seiner Führung entwickelten
praxisreifen und auch international genutzten Technologie des motorisierten
Präzisionsnivellements. 1963 bis 1984 leitete Prof. Peschel das
Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik der DDR und konnte so an den
Generalkonferenzen der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik IUGG
sowie der IAG teilnehmen – wie erlebt und oben geschildert. Daher rührten
Freundschaften mit u. a. Prof. Dr. Rudolf Sigl und Prof. Dr. Helmut
Wolf, den er aus gemeinsamer Studienzeit kannte.
Professor Dr.- Ing. Horst Peschel wird als ein verdienstvoller
Forscher und großer Wissenschaftsorganisator gerühmt, der die Fähigkeiten
eines Wissenschaftlers mit denen eines Praktikers vereinte. Für
die meisten seiner Berufskollegen war er der Inbegriff eines Geodäten überhaupt,
wohl der bedeutendste Geodät der DDR. Er starb am 11. 4.
1989 in Dresden. So war es war ihm nicht mehr vergönnt, die demokratische
Wende und die Öffnung jener Grenze zu erleben, deretwegen auch er 1967 alle
offiziellen Kontakte zu den wissenschaftlichen Kollegen im Westen hatte
abbrechen müssen. –
313. Das neue Museumshandbuch - ein voller Erfolg! Auf der INTERGEO Karlsruhe vom 22. bis 24. September 2009 war die 3. Auflage unseres Museumshandbuchs ein echter "Renner" - von dem neuen Werk fanden weit über 200 Exemplare geneigte Leser. Die Käufer erwarben nicht selten 2 Bücher ( eines gleich als Geschenk), Verbände erwarben 10, auch 20 Exemplare. Die 3. Auflage des bekannten Werkes besticht mit über 600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem Aufsatzteil, erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im Umfang von 300 Seiten.
Es hatte sich herumgesprochen, daß hier etwas ganz besonderes angeboten
wurde, ein werbender Flyer tat ein übriges. So ist z.B. auf der
Doppelseite 116-117 die Waldseemüller-Weltkarte von 1507 in
bestechender Qualität abgebildet, die Großtheodoliten Pistor und Martins
von 1861 (S. 61), Sartorius von 1907 (S. 63), auch unser aus einer
besonderen Spendenaktion 2005 von erworbener Dollond-Theodolit von um
1770 (S. 299). Mehrere neue Aufsätze im 11 Beiträge umfassenden Textteil
beleuchten Vermessungsgeschichte von ersten Grenzdarstellungen, vom
Urkataster, bis zur digitalen Datenbasis und zur Satellitengeodäsie. Dabei
ist das grundsätzliche Ziel des
Handbuchs unverändert geblieben: Eine insbesondere auch für
Nichtfachleute aussagefähige Quelle zur Vermessungsgeschichte zu sein, die
darüber hinaus fachhistorisch von hoher Qualität ist. Präsident Harald Lucht und unser Erster Vorsitzenden Ingo von Stillfried sorgten mit ihren guten Kontakten zusätzlich für regen Besuch. So konnten wir neben den Präsidenten Dr. Karl-Friedrich Thöne vom DVW, Michael Zurhorst vom BDVI und Wilfried Grunau vom VDV u.a. Rolf Bull und Willibald Dores für das VDV-Magazin, Christiane Salbach für die DVW-Nachrichten, Martina Wolkowa vom BDVI-Forum begrüßen. Aus der großen Reihe weiterer Besucher seien Prof. Dr. Ekkehard Bartsch, Prof. Dr. Hubertus Hildebrandt, Hans Killer, unser ersten Eratosthenes-Preisträger Frank Reichert, Dr. Jens Riecken vom DVW-NW, der AdV-Geschäftsführer Wilhelm Zeddies besonders erwähnt, der Stand war zeitweilig von Interessenten umlagert. Die Standbetreuung lag wieder wie schon so lange in den bestens bewährten Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef Lehmann, sowie von Jürgen Lagoda und Rudolf Uebbing, erstmals mit viel Engagement unterstützt vom neuen Vorsitzenden unseres Kuratoriums, Prof. Dr. Bertold Witte. Neben Ingo von Stillfried, dem rührigen Vater dieser Neuauflage des Museumshandbuchs, war Frau Sabine Koczy zu Besuch, der wir die technische Bearbeitung des Handbuchs und zahlreiche Neuzeichnungen verdanken. Es war ein für alle Beteiligten großer Erfolg - sicher wird dies Handbuch viele weitere Interessenten finden. Zu beziehen über unseren Geschäftsführer Klaus-Detlef Lehmann, Tel. 0231 5025686, eMail Klaus-Detlef.Lehmann@stadtdo.de zum Preis von 35 €, darin Verpackung und Versand eingeschlossen. - 24.09.09
312.
C. F. Müller – diesmal der Prediger
311. DAS NEUE BUCH ist da Heute
kam die erlösende Meldung von unserem Ersten Vorsitzenden Ingo von
Stillfried: Unser Museumshandbuch liegt in seiner 3. Auflage
fertig gedruckt vor. Wir stellen das Werk auf unserem Stand in
Halle 4, Stand Nr. 4.637 bei der INTERGEO
Karlsruhe vor, es kann dort erworben werden. - 300 Seiten über wiegend
farbigen Fotos - für nur 30 € ! (vergl. auch Mitt. Nr. 308) - 18.09.09
310.
Professor Erich Weiß zur
Vollendung des 70. Lebensjahres
Professor Dr.-Ing. mult. Erich Weiß ist seit einer Reihe von Jahren
eine tragende Säule im Vorstand des Förderkreises Vermessungstechnisches
Museum. Wann immer wissenschaftliche Fragestellungen zu beurteilen und zu
entscheiden waren, beförderte er in seiner kompetenten und überlegenen Art
umsetzbare Lösungen. Erich Weiß ist einer der Väter des vom Förderkreis
ausgelobten Eratosthenes-Preises; er hat sich eingesetzt, als es um die
Einrichtung der Ehrenmedaille ging und wirkte und wirkt zukünftig
weiter als Hauptverantwortlicher für unsere alle 3 Jahre stattfindenden Symposien
zur Vermessungsgeschichte – ein Ideengeber mit zurückhaltender doch
wirksam eingesetzter Durchsetzungskraft. Sein nächstes großes Vorhaben ist
die Ausrichtung des Symposiums im Jahre 2011 zum 500. Geburtstag von
Mercator im Jahr 2012, dessen Leben und Wirken aus verschiedenen
Blickwinkeln beleuchtet werden wird. Wir im Förderkreis gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden jetzt zur Vollendung seines 70. Lebensjahres am 13. September 2009. Geboren in Halle an der Saale, gegen Ende seiner Gymnasialzeit nach Schwierigkeiten in der DDR – sein Sinn stand anders als der jener dortigen Machthaber – nach Westberlin gegangen, Abitur in Schöneberg 1959, Studium in Bonn. Erich Weiß wirkte in der Flurbereinigungsverwaltung in Nordrhein-Westfalen, hatte seit 1977 einen Lehrauftrag an der Universität Bonn, hier führte er ab 1990 im Lehrstuhl für Bodenordnung und Bodenwirtschaft die gute Tradition von Prof. Dr.-Ing. Walter Seele fort. So sehr wir Erich Weiß zu schätzen wissen, so wenig vermögen wir an dieser Stelle seine großen wissenschaftlichen Leistungen hinreichend zu würdigen. Wir erinnern stellvertretend an sein segensreiches Wirken als Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft, seine ungemein zahlreichen wertvollen Veröffentlichungen, seine Einsatz für seine Studenten und Assistenten. Hervorgehoben seien neben seinen Veröffentlichungen zum Bodeneigentumsrecht u. a. seine umfänglich dokumentierten und kommentierten Quellen zur Entstehungsgeschichte der Flurbereinigung, Landeskulturgesetze in Deutschland, eine Sammlung historischer Gesetze zur Gemeinheitsteilung, Zusammenlegung und Umlegung sowie zur Reallastenablösung (siehe auch www.uni-bonn.de/probobo/dt_ew.htm). Gleich nach der Wende half er bei der Umorientierung der Praxis in der DDR auf ein dort ganz neues Bodenrecht, er hatte über 10 Jahre einen Lehrauftrag an der Universität Rostock „Grundzüge des Boden-, Planungs- und Baurechts“. Die Universität Rostock ehrte Erich Weiß 1998 mit der Ehrendoktorwürde. Weitere Ehrungen für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er in Litauen und in der Türkei. Wir gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden mit den besten Wünschen, vor allem auch für seine Gesundheit, und hoffen auf eine lange Fortsetzung der fruchtbaren Zusammenarbeit. – 13. 09. 09
309.
Alerdinck kartierte einst Münster in drei Dimensionen – Vortrag Mesenburg
Die Veranstaltung der Deutschen
Gesellschaft für Kartographie e. V. Sektion Rhein–Ruhr
findet
statt am Dienstag, den 27.
Oktober 2009,
18.00
Uhr,
Regionalverband Ruhr, Sturm-Kegel-Raum (Erdgeschoss), Kronprinzenstraße 35, 45128
Essen (Nähe Hbf).
Weitere Infos unter http://rhein-ruhr.dgfk.net
. - 05.09.09
308. Groß-Ereignis in Sicht - neues Museumshandbuch Auf der kommenden INTERGEO in Karlsruhe werden wir unser neues Museumshandbuch vorstellen, die 3. Auflage des bekannten Werkes, mit über 600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem Aufsatzteil, erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im Umfang von 300 Seiten, Preis 30 Euro. Präsident Harald Lucht und Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried präsentieren das neue Werk auf dem Stand des Förderkreises in Halle 4, Stand Nr. 4.637 am Dienstag, 22. September ab 11:30 Uhr. Zur Präsentation eingeladen sind eine Reihe von Persönlichkeiten, so insbesondere auch die Präsidenten von DVW, BDVI, VDV. Die Standbetreuung liegt wieder in den bewährten Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef Lehmann, unterstützt von Rudolf Uebbing und Jürgen Lagoda - 27.08.09
307.
Förderkreis erhält aus
der Schweiz eine terrestrische
Stereomeßkammer WILD C12
306.
Der Limes – eine Grenzanlage quer
durch Deutschland, Weltkulturerbe seit 2005
Der Obergermanisch-Raetische Limes hat eine Länge von rd. 530 km und verläuft
von Rheinbrohl (nördliches Rheinland-Pfalz) bis Hienheim
an der Donau (südwestlich von Regensburg), durch die Länder Rheinlad-Pfalz,
Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Grenze zwischen der römischen
Provinz Raetia und Germania markierte einst ein großes
Zivilisations- und Wohlstandsgefälle. Der Limes stellte keine unüberwindliche
militärische Verteidigungsanlage dar. Er diente in erster Linie der Kontrolle
des grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehrs. Zahlreiche Limesdurchgänge
kanalisierten den „Kleinen Grenzverkehr“. Diese römisch-germanische
Grenze wurde einst durch mehr als 900 Türme überwacht. Der anfänglichen
Holzbauweise folgten Steintürme, die ab 146 n. Chr. verputzt wurden. Die
Wachtposten (Wp) wurden oft in Sichtweite zueinander angelegt. Der Limes ist
am 15. Juli 2005 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen
worden. Besonders beeindruckt waren jetzt die Fachkollegen Günter Cummerwie aus Wuppertal, Dieter Grewe aus Schwerin, Hans-Joachim Huberti aus Kaiserslautern, Harald Lucht aus Bremen, Horst Luft aus Taunusstein und Harry Pahl aus Hamburg, ehemalige Mitglieder der Fachkommission Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Deutschen Städtetag, als sie zusammen mit ihren Ehefrauen am 6. August 2009 den rekonstruierten Limesturm Wp 3/26 bei Idstein besichtigten. Geführt von Ottmar Weigel, dem Initiator der Rekonstruktion dieses Turms, wurde die alte Grenzbefestigung zwischen dem damaligen römischen Reich und Germanien ins Bewußtsein gerufen. Der Turm beherbergt eine hochinteressante Ausstellung mit Exponaten und Übersichten zum Limes, siehe hierzu auch www.roemerturm-idstein.de und das lesenswerte Heft „UNESCO-Welterbe Limes, römisches Erbe in Hessen", herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen, www.denkmalpflege-hessen.de/Archaeologie . Und - eine der ersten Mitteilungen auf dieser Seite wies bereits 2004 auf die geplante Aufnahme des Limes in Deutschland als UNESCO-Weltkulturerbe hin (Mitt. Nr. 30) . - 10.08.09.
305. Museumshandbuch 3. Auflage - Layout ist fertig, Druck bis zur INTERGEO
304. Bayerischer Vermessungskompaß Der „Bayerische Katastervermessungskompass“, © 2005, ist ein von ehrenamtlichen Autoren verfaßtes, freies Internetprojekt, das sich ausschließlich mit der Thematik Kataster und Geodaten beschäftigt. In einem ersten Schritt soll das Bayerische Kataster dokumentiert werden. Es weist darüber hinaus eine ganze Anzahl von einschlägigen Links nach. Näheres siehe unter www.by-bayern.de . Gegenwärtig ist eine Reihe von fachhistorischen Daten chronologisch zusammengestellt (beginnend 1801 mit Hinweisen auf die Katasteranlegung in Bayern ab 1808), Fachbegriffe werden erläutert. Kontaktadresse Erwin Knott über erwin.knott@googlemail.com . - 28.07.09
303.
Soldnermedaille
für Hubertus Hildebrandt und Max Engelsberger.
302.
Eratosthenes-Preisträger 2009 ist Rudolf Hafeneder
Das Stifterkollegium des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum (Präsident
Prof. Dr. Harald Lucht, Kuratoriumsvorsitzender o. Prof. Dr. Bertold
Witte, Erster Vorsitzender Ingo Frhr. von Stillfried) ist in Dortmund
zusammengetreten und hat den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis
2009 vergeben. Aus mehreren vorgeschlagenen und
preiswürdigen Arbeiten ist die Dissertation 2008 von Dr.-Ing. Rudolf
Hafeneder zur Deutsche Kolonialkartographie 1884-1919 als eine
herausragende Forschungsarbeit ausgewählt worden. Der Vorschlag zur
Preisverleihung kam von Professor Dr.-Ing. Dieter Morgenstern. Wir
hatten die Arbeit bereits in unserer Mitt. Nr. 263 besprochen. Die
Preisverleihung wird in der Mitgliederversammlung unseres Förderkreises
am 22. Februar 2010 in Dortmund stattfinden. In der
Vergangenheit ist der Eratosthenes-Preis während der Eröffnung der INTERGEO
überreicht worden. Der DVW hat ab diesem Jahr, beginnend
in Karlsruhe, den Gesamtablauf der INTERGEO verändert,
insbesondere entfällt die große offizielle öffentliche Eröffnungsveranstaltung.
Der Präsident des DVW hatte den Förderkreis daher gebeten, die
Preisverleihung in einem anderen würdigen Rahmen vorzusehen. Das ist
selbstverständlich für unseren Förderkreis unsere Mitgliederversammlung.
Herr Dr. Rudolf Hafeneder wird dann zugleich über seine Arbeit
berichten. - 08.07.09
301.
Bierfaß im Koordinatenkreuz – Studenten-Ulk vor 40 Jahren.
300.
Erinnerungen an Carl Strinz
Vor Zeiten, als es noch keine Computer gab (also heute kaum mehr
vorstellbar!), war die Koordinatenumformung mit graphischer Ausgleichung lange
als Strinz’sches Verfahren bekannt und beliebt, weil elegant – im
vergangenen Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit, auch noch bis in die Anfang
60-iger Jahre. Carl Strinz hatte das Verfahren in einem grundlegenden
Aufsatz 1925 vorgestellt und dann später mehrfach weiterentwickelt. Und dies,
obwohl sein Haupttätigkeitsfeld auf
ganz anderem Gebiet lag.
Carl
Strinz wurde vor 140 Jahren am 10. Juli 1869 in Köln geboren. Er
war Leiter der Vermessungs- und Liegenschaftsämter in Düren und
Bonn und arbeitete stets auch im Bebauungsplanwesen. So gewann er 1905
einen ersten Preis in einem Wettbewerb zur Umarbeitung des Bebauungsplans der
Stadt St. Johann a. d. Saar (unter 47 eingereichten Entwürfen), er
nahm an weiteren Wettbewerben teil, u. a. in Kopenhagen, Breslau und
Wetzlar. 1912 wechselte er nach Magdeburg. Carl Strinz war
außerordentlich vielseitig und insbesondere mathematisch begabt, „mit
vielfachen künstlerischen Veranlagungen und Interessen … eine Persönlichkeit
mit festem eindeutigen Charakter.“ … schrieb Nadermann in seinem
Nachruf 1943. Strinz
veröffentlichte eine Reihe wegweisender Artikel zu allen Fragen aus dem
kommunalen Vermessungswesen, noch 1939, 70-jährig: „Kommunales Vermessungs-
und Liegenschaftswesen, Rückblick und Ausblick“ – fußend
(mit konkreten Zahlen) auf seinen reichen Erfahrungen insbesondere in Magdeburg.
Darin umreißt er die ganze Breite der Arbeitsgebiete des
Vermessungsingenieurs im Kommunaldienst, für die Planunterlagen, die
Bebauungsplanbearbeitung, den Grunderwerb …. bis hin zur Grundstückswertermittlung,
zur Bodenordnung. Carl
Strinz war Vermessungsingenieur, bodenpolitisch breit engagiert und
mathematisch klar denkend, eine hochinteressante Persönlichkeit. Sein
eingangs erwähntes, 1925 veröffentlichtes Verfahren zur graphischen
Ausgleichung von Abweichungen bei Koordinatentransformationen mit einer größeren
Anzahl identischer Punkte führte er in der praktischen Anwendung auf die
Konstruktion von Linien gleicher Abweichung von Koordinatenverbesserungen zurück,
ein elegantes Verfahren – bevor der Computer Einzug gehalten hat. Carl
Strinz starb am 29. November 1942 in Magdeburg. Literatur
(Auswahl): Zentralblatt der Bauverwaltung, Hrsgg. im Min. f. öff. Arbeiten,
Berlin, 1906 S. 32; Strinz, C.: Koordinatentransformation mit graphischer
Ausgleichung, zfv 1925 S. 289 – 300; ders.: Das Reichsgesetz über die
Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten vom 22. September 1933, ZfV 1934 S.
16 – 21; ders.: Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen, Rückblick
und Ausblick, AVN 1939 S. 253 – 263; Nadermann: Vermessungsdirektor Karl
Strinz †, zfv 1943 S. 48;
299.
Ungewöhnliche
Fundsache - Erinnerungen an Siegfried Stahnke Jürgen
Lamping aus Bad Abbach hat uns kürzlich ein ungewöhnliches
Zeitdokument überreicht, eine
Original-Kassette mit Tonaufnahmen von Ansprachen, die 1976 für den Gründungsvater
unseres Förderkreises Siegfried Stahnke anläßlich von dessen
Verabschiedung aus dem aktiven Dienst gehalten worden sind, dem Vor-Vorgänger
von Norbert Kalischewski in der Leitung des Vermessungs- und
Katasteramts Dortmund. Rudolf Uebbing hat die Bänder umformatiert
und digitalisiert. Die Kassette enthält Worte u. a. von Jürgen Lamping,
Helmut Minow, Prof. Dr. Timm (mit Hinweisen auf unser Museum)
und Dankesworte von Siegfried Stahnke. Dr.-Ing. Fritz Lehmann,
seinerzeit Dezernent des Regierungspräsidenten in Osnabrück erinnerte
in seinen Dankesworten daran, daß eine Reihe von Referendaren aus Niedersachsen
sich gerne in ihrer „Freien Wahl“ nach Dortmund abordnen ließen,
weil sich dort im Bereich der Planung, Bodenordnung und im kommunalen
Vermessungswesen eine hervorragende Ausbildungsmöglichkeit bot, Herr
Stahnke habe sich stets auch viel Zeit für die persönliche Betreuung der
Referendare genommen.. - 18.06.09
298.
Das Ruhrrevier 1956 - das Wirken
von Overhoff und Stahnke
Als
1956 der 41. Deutsche Geodätentag in Essen stattfand, hat
Verbandsvermessungsdirektor Diedrich August Overhoff (1899 – 1978)
vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (später Kommunalverband Ruhrgebiet,
seit 2004 Regionalverband Ruhr) das Ruhrrevier in den Allgemeinen
Vermessungsnachrichten AVN in einem faktenreichen Überblicksartikel
vorgestellt, Siegfried Stahnke aus Dortmund dokumentierte das
kommunale Vermessungs- und Liegenschaftswesen .
Overhoff
schrieb, der Gedanken- und Erfahrungsaustausch des Geodätentages sollte
„…. den mit den Verhältnissen des Ruhrgebiets nicht so vertrauten
Vermessungsfachleuten einen Einblick in die vielseitigen fachlichen Aufgaben
und Probleme des Ruhrreviers bieten.“ Das Ruhrrevier des Siedlungsverbandes
umfaßte damals 11 Großstädte, Essen hatte 700.000 Einwohner, Dortmund
616.000 (heute je 580.000); der Bergbau war beherrschender Wirtschaftszweig,
der Anteil an der deutschen Steinkohlenförderung lag bei 93%. Beim
Wiederaufbau des Ruhrgebietes war insbesondere Overhoff Wortführer der
Interessen der kommunalen Vermessungsämter.
Stahnke
berichtete (acht Jahre nach der „Eingliederung“ der Katasterämter, vergl.
unsere Mitt. Nr. 244), daß die meisten Städte die Chance genutzt und zum
Vorteil beider Vermessungszweige die Personalunion herbeigeführt hätten und
zeigte eine eindrucksvolle Aufgaben-Breite der Städte vom u. a. Vermessungs-
und Katasterdienst, über Reproduktion, Herstellung von Fluchtlinien- und
Durchführungsplänen, über Grundstückserwerb, Bodenordnung, Enteignung,
Lagerbuchführung und bezifferte ebenso den konkreten Personalstand der Städte
(damals z.B. Essen 293, Dortmund 169).
Beide
Fachkollegen waren lange überregional im Deutschen Städtetag aktiv. Diedrich
August Overhoff gründete zusammen mit Ludwig Spelten (1877 –
1953) den Fachausschuß „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“
im Deutschen Städtetag (vergl. unsere Mitt. Nr. 192) und war dessen
Vorsitzender 1947 bis 1965, Siegfried Stahnke (1911 – 2008) dessen
Nachfolger bis 1976 – und 1975 Gründungsvater unseres Förderkreises
(vergl. unsere Mitt. Nr. 243). Diedrich August Overhoff starb vor nun
über 30 Jahren.
Literatur:
Overhoff, D. A.: Das Ruhrrevier. Ein weites Betätigungsfeld für den
Vermessungsingenieur, AVN 1956 S. 285 – 290; Stahnke, S.: Das Kommunale
Vermessungswesen und der Wiederaufbau der Städte, AVN 1956 S. 300 – 305;
Stahnke, S.: Vermessungsdirektor a. D. Overhoff 70 Jahre alt, zfv 1969 S.
530-531 und Stahnke, S.: Vermessungsdirektor a. D. Overhoff †, zfv 1979 S.
42 – 43. - 12. 06.09
297.
Zweite Auflage "des Torge" ist erschienen.
Der neue Klassiker zur Geschichte der Geodäsie in Deutschland von
Professor Dr.-Ing. Wolfgang Torge war bereits nach anderthalb Jahren
vergriffen: dieses Standardwerk zur Vermessungsgeschichte ist jetzt in zweiter
Auflage erschienen. Die Änderungen bleiben naturgemäß gering und dürfen es
bleiben, denn mit seinem Werk zur Geschichte der Geodäsie in Deutschland war
und ist Wolfgang Torge ein großer Wurf gelungen (vergl. unsere Mitt.
Nr. 222 und die ausführliche Rezension in zfv 6/2007). In dieser zweiten
Auflage sind insbesondere die
Kartenbeispiele vergrößert und neuere Literatur eingearbeitet worden. Der
Gesamtumfang ist um wenige Seiten erweitert. Das Cover ist neu gestaltet
worden. ISBN 978-3-11-020719-4. - 04.06.09
296.
Vor 50 Jahren startete die
automatisierte Datenverarbeitung in Hamburg, vor 80 Jahren die
Luftbildvermessung.
294.
Heinrich Christian Schumacher, der
Altonaer Astronom und die Vermessung
Vor gut 180 Jahren 1827/28 haben Carl Friedrich Gauß und Heinrich
Christian Schumacher „aufs genaueste den Breitenunterschied zwischen Göttingen
und Altona“ zwischen den damaligen Sternwarten vermessen. Nachdem die
Gauß-Sternwarte in Göttingen vom Denkmalschutz restauriert worden war
(vergl. unsere Mitt. Nr. 253), regte die Gauß-Gesellschaft Göttingen
an, auch den Altonaer Bezugspunkt wiederherzustellen.
Gerd Hoffmann und Karl-Heinz Nerkamp vom Landesbetrieb
Geoinformation und Vermessung in Hamburg nahmen sich dieser Aufgabe an.
Sie erarbeiteten eine Extra-Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift des Hamburger
Landesbetriebes – eine wissenschaftlich fundierte Studie zur Geschichte der
1821 gegründeten Altonaer Sternwarte sowie zu den trigonometrischen
Arbeiten von Schumacher und Gauß einschließlich ihrer
Bedeutung für die Hamburger Vermessung. Der ehemalige Standpunkt des
Meridiankreises der Altonaer Sternwarte wurde wiederhergestellt und mit
einer TP-Platte gekennzeichnet, die Richtung zum ehemaligen Meridianstein ist
in der Örtlichkeit markiert.
Der reich bebilderte Bericht schildert den historischen Hintergrund der
bis 1866 dänischen Stadt Altona, der dortigen Sternwarte und ihrer
weiteren Entwicklung, umreißt die wesentlichen Lebensdaten von Schumacher
und dessen Verbindungen zu Gauß, erwähnt die bekannte Beobachtung des
in der Sonne blinkenden Fensters der Michaeliskirche von Gauß,
dessen erste Anregung zur Erfindung des Heliotrops. In der Schrift werden
weitere einschlägige Erinnerungsstätten erwähnt und im Bild gezeigt, so
auch das Olbers-Denkmal und das Kunstwerk Besselei in Bremen
(Vergl. unsere Mitt. Nr. 157), Bestandteil der historischen Route des
Astro-Walk. Weitere Themen sind das Wirken von Gauß an der Göttinger
Sternwarte, die Braaker Basis als Teil der Dänischen Gradmessung,
der Beginn der Hamburger Triangulation durch William Lindley mit der
Michaeliskirche als Nullpunkt.
Zum 150. Todestages von Schumacher 1950 erinnerte der damaliger
Leiter des Vermessungsamtes Hamburg, Baudirektor Wilhelm Peters,
anläßlich einer Gedächtnisfeier der Landesgruppe Nordmark des DVW an dessen
Wirken. 1979 wurde an der S-Bahnhaltestelle Königsstraße ein
„Meridiandenkmal“ eingeweiht.
Das Sonderheft enthält auf 28 Seiten zahlreiche auch farbige
Abbildungen und erläutert detailreich wesentliche historische Aspekte Hamburger
Vermessungsgeschichte. Den beiden Autoren Gerd Hoffmann und Karl-Heinz
Nerkamp und dem Landesbetrieb darf man zu dieser engagierten Arbeit
gratulieren und eine gute Verbreitung des Heftes erhoffen. Interessenten
wenden sich an karl-heinz.nerkamp@gv.hamburg.de
- 12.05.09
293. Vor 50 Jahren - Bundespräsident mit Geodäsiestudium Aus Anlaß der bevorstehenden Wahl des Bundespräsidenten: Wir erinnern daran, vor 50 Jahren wurde als Nachfolger von Theodor Heuß mit Dr. h. c. Heinrich Lübke ein Geodät zum 2. Bundespräsidenten gewählt. Heinrich Lübke hatte 1913 ein Studium der Geodäsie, Landwirtschaft und Kulturbautechnik an der Landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf begonnen und später die Landmesserprüfung abgelegt. Wir haben dazu vor 5 Jahren in unserer Mitt. Nr. 45 ausführlicher berichtet. Siehe dort unter Archiv(Aktuelles). - 05. 05. 09
292.
Wir bekommen einen ganz großen Bruder
Der Bundestag des Deutschen Fußballbundes hat am 24. April 2009 in Düsseldorf
beschlossen, das Deutsche Fußballmuseum nach Dortmund zu
vergeben. Es wird bis 2012 direkt am Hauptbahnhof entstehen. Von kompetenter
Stelle wurde dazu gesagt, "Vereine und auch Verbände werden sich mehr
und mehr ihrer Vergangenheit bewußt. Sie merken, daß die Geschichte eine
Bedeutung hat auch für die Gegenwart eines Vereins. ….Wir erleben es oft,
daß Leute vor einer Vitrine stehen und sagen: Bei dem Spiel war ich im
Stadion“.
In unserem Vermessungstechnischen Museum ist es nicht anders, wenn ein
(älterer) Besucher ein (relativ noch jüngeres) altes Instrument sieht …
„damit habe ich noch gearbeitet!“ – Besuchen Sie unsere Schausammlung, Abteilung
22 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte – nur 5 Minuten vom
Hauptbahnhof Dortmund. - 25.04.09
291. 1908 - 2008: 100 Jahre Entwicklung geodätischer Systeme in Jena Carl Zeiss (1816 - 1888), Ernst Abbe (1840 - 1905), Otto Schott (1851 - 1935), Heinrich Wild (1877 - 1951) - Namen von bedeutenden Instrumentenbauern, die in der Geodäsie einen ganz besonderen Klang haben. Sie wirkten lange in Jena, schon beginnend im 19. Jahrhundert und dann bis in die 30-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Instrumentenbau und -Entwicklung der Fa. Zeiss in der DDR als VEB Carl Zeiss Jena fortgeführt. In der Bundesrepublik wurde eine neue Tradition bei Carl Zeiss Oberkochen aufgebaut. - Eine große Jubiläumsfeier aus Anlaß des Beginns der Entwicklung geodätischer Instrumente und Systeme fand in Jena statt am 26. und 27. Mai 2008 - jetzt hervorragend dokumentiert in der jüngsten Ausgabe des VDVmagazins vom Chefredakteur Dipl.-Ing. Rolf Bull: Zahlreichen Fotos geodätischer Instrumente und historischen Eckdaten jener 100-jährigen Epoche, ein reich bebilderter Bericht in prägnanter Kurzform. Ausrichter jener Jubiläumsfeier war Trimble Jena GmbH, veranstaltet in der Nachfolge jener ruhmreichen Entwicklung - "aus Zeiss wurde Trimble (2001)". Quelle: Rolf Bull: 1908 - 2008: 100 Jahre Entwicklung geodätischer Systeme in Jena, VDVmagazin 2009 S. 122 - 130. - 19.04.09
289.
Geodäsie und Briefmarken
Der Förderkreis verfügt über eine recht umfangreiche
Briefmarken-Motivsammlung. Aufgebaut in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg,
sind in der Sammlung Motiv-Marken aus der Geodäsie und der Kartographie aus
den Jahren seit 1924 enthalten. Die Sammlung ist von der Familie Dieter
Hertling dem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum als Dauerleihgabe
zu treuen Händen gegeben worden. Die Betreuung der Sammlung ruhte in den vergangenen
Jahren – ein ruhender Schatz unseres Förderkreises.
Gerne verweisen wir in diesem Zusammenhang auf eine neue Homepage von Herrn Markus
Wydera. In dieser im Aufbau befindlichen Homepage sind schon jetzt
hochinteressante Briefmarken, Poststempel, Absenderstempel aus der Geodäsie
wiedergegeben. Jeweils im Zusammenhang mit (auch zahlreichen internationalen)
Briefmarken werden Vermessungs-, Kataster- und Bodenordnungs-Institutionen und
–Verfahren allgemeinverständlich erläutert. Ein Besuch der Homepage
www.wydera.de/vermessung/index.html
führt in eine hervorragend aufbereitete Welt kleiner graphischer
Kostbarkeiten. - 03.04.09
288. Die schwedische Landesvermessung von Vorpommern vor 300 Jahren - das erste deutsche Kataster Während des 30-jährigen Krieges 1618 bis 1648 wurde auch Pommern stark verwüstet, hatte einen bedeutenden Teil seiner Einwohner verloren. Seit 1630 von den Schweden unter Gustav Adolf II besetzt war das Land auch finanziell schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Zur Fortführung der schwedischen Großmachtpolitik sollte die Einführung einer Grundsteuer erfolgen. In Schweden existierte bereits eine effektive Steuerpolitik, die auf genauer Kenntnis des Landes beruhte. Wert und Notwendigkeit einer kartographischen Aufnahme waren in Schweden bekannt. - Wegen des hartnäckigen Widerstandes der pommerschen Landstände, welche die aus der Vermessung resultierende Steuereinschätzung verhindern wollten - und auch am Mangel an Landmessern - scheiterten jedoch zunächst die Pläne einer Vermessung. Doch nach Vorarbeiten einer vom König von Schweden entsandten Landmesserkommission begannen 1692 die Vermessungen im Raum Stettin. Es folgten1694 das Gebiet um Anklam, 1695 Rügen, 1696-98 das übrige Festland, Wismar um 1700. Nachdem viel wüster Acker wieder in Kultur genommen war wurden 1703-05 Revisionsmessungen vorgenommen. Die Landmesser vermaßen mit 2 Gehilfen, fertigten Skizzen und bereiteten die Urkarten vor. Besitzer, Pächter, Bauern, Pastoren wurden nach Eigentums- und Besitzverhältnissen, nach Erträgen der Ländereien befragt. Über Winter erfolgten die Reinzeichnungen und Reinschriften. Die größeren Städte Stettin, Stralsund, Greifswald, Wolgast und Anklam sind 1705-1708 vermessen worden. Sämtliche Grundstücke und Häuser wurden nach Größe, Aufbau, Bauzustand und steuerlicher Klassifizierung beschrieben. Bis zum Herbst 1709 waren alle Karten gezeichnet und die Registerbände fertiggestellt. Der Kartenmaßstab lag bei 1:8210. Die Nutzungsarten in den insgesamt 1.455 Matrikelkarten sind farbig angelegt. Die Fassaden z. B. der Bürgerhäuser in Stettin zeigen das typische Bild damaliger hanseatischer Bauweise (Stettin gehörte seit 1278 zur Hanse). Ergebnis der Arbeiten war das "Catastrum oder Huefen-Matricul des Königlich-Schwedischen Hertzogs-Thumbs Vorpommern und Fürsten Thumbs Rügen". - Nach der Schwedenzeit hat Friedrich Wilhelm, König von Preußen, im Friedensschluß von 1719/20 Vorpommern und das Herzogtum Stettin von Schweden zurückgekauft, wie eine lateinische Inschrift am ehemaligen "Brandenburger Tor / Berliner Tor" verkündet, dem heutigen "Hafentor" in der bis 1945 deutschen und seitdem polnischen Stadt Stettin. In einer Untersuchung aufgrund vertiefter Archivforschungen von 1920/23 hat der preußische Landmesser Carl Drolshagen herausgearbeitet: "Die schwedische Landesaufnahme und Hufenmatrikel von Vorpommern" (sind das) "älteste deutsche Kataster." - Quelle: Heiko Wartenberg: Katalog zu einer Ausstellung in der Stiftung Pommern im Rantzaubau des Kieler Schlosses vom 16. 02. bis 04. 04. 1994, Herausgeber: Stiftung Pommern, Kiel, Vorpommersches Landesarchiv, Greifswald und H. Wartenberg. - 25.03.09
287.
Neuauflage des Museumshandbuchs zur INTERGEO Karlsruhe
Im
Vorstand des Förderkreises ist nach möglichen Lösungen für eine Neuauflage
gesucht worden. Unser rühriger Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried hat
es sich dann zu seiner Aufgabe werden lassen, die Diskussionen anhand von
weitreichenden Vorschlägen für eine Neugestaltung zu befördern. Der Aufsatzteil
ist insbesondere mit Unterstützung der in den früheren Auflagen
engagierten Autoren aktualisiert (vornehmlich Landesvermessung, Satellitengeodäsie)
und ergänzt worden, zusätzlich auch um das abgeschlossene Kapitel der
analogen Führung des Liegenschaftskatasters. Einige neue Autoren konnten
gewonnen werden. Im November 2007 hat es ein Redaktionstreffen der
Herren Prof. Wolfgang Torge, Dr.
Harald Lucht, Manfred Spata, Ingo
von Stillfried, Norbert Kalischewski und
Klaus Lehmann zur Gestaltung der Neuauflage und
zur weiteren Vorgehensweise gegeben.
Die kommende 3. Auflage des Museumshandbuchs wird im Format DIN A4 und
mit weitgehend farbigen Bildern erscheinen. Als Katalog der Ausstellung
wird das Werk um eine Reihe von Ausstellungsstücken ergänzt. Darüber hinaus
werden weitere Instrumente aus der Sammlung aufgenommen, die die Schausammlung sinnvoll ergänzen, jetzt oder zukünftig in der neuen
Schauvitrine in einer Wechselausstellung präsentiert oder aus anderen Gründen
abgebildet werden sollen. Die Fotos hat unser Foto-Profi Rudolf Uebbing aufgenommen,
erst jüngst wieder unterstützt von Frau Uthardt.
286. Buchbesprechung Dissertation von Dajana Baum über Benzenberg
Über das neue Werk Johann Friedrich Benzenberg (1777 - 1846) - Verfassungskonzeptionen
aus der Zeit des ersten preußischen Verfassungskampfes - ist in der jüngsten zfv
eine ausführliche Buchbesprechung erschienen. Das als Dissertation
erarbeitete Werk von Dajana Baum hat 429 Seiten und ist
insbesondere auch ein Dokument der Zeitgeschichte zu Beginn des 19.
Jahrhunderts. Wir erkennen in diesem Buch einen uns Vermessungsingenieuren
doch sehr wenig bekannten Benzenberg. Nicht jenen des Katasters und der
Landesvermessung Berg, stattdessen eine viel belesene und streitbare Persönlichkeit.
Benzenberg galt als
ambivalenter Zeitgenosse.1821 schrieb ein Kritiker seiner Bücher und
Schriften: „Der Adel sieht in Benzenberg den Demokraten, die
Liberalen den Ministeriellen, das Ministerium den Konstitutionellen …." .
Siehe auch unsere Mitt. Nr. 254. Literatur:
Baum, D.: Johann Friedrich Benzenberg
– Verfassungskonzeptionen aus der Zeit des ersten preußischen
Verfassungskampfes 429 Seiten, 1. Auflage Juni 2008, € 39,90 – Klartext
Verlag, Essen, ISBN 978-3-89861-858-8. - Lucht, H.: Besprechung zu
vorstehendem Werk in zfv 1/2009 S. 68-69
285. 100 Jahre Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation Unter dem Motto Zukunft mit Tradition lädt die Deutsche Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation zu einer Festveranstaltung am 24. März und zu ihrer Jahrestagung am 25. und 26. März 2009 nach Jena ein. Nach Begrüßung durch die Präsidentin, Frau Prof. Dr. rer. nat. Cornelia Gläßer folgen Grußworte und Vorträge u. a. von Prof. Dr. Jörg Albertz, Berlin und Prof. Dr. phil. nat. Markus Rothacher, Zürich. In der Festveranstaltung werden mehrere Ehrenmedaillen verliehen, u.a. die Meydenbauer-Medaille (vergl. unsere Mitt. Nr. 245). Während die Festveranstaltung insbesondere dem Ereignis des 100-jährigen Bestehens der Gesellschaft gewidmet ist, folgen am 25. und 26.3. Arbeitssitzungen mit abschließenden Plenumsvorträgen zum Thema Blicke in die Zukunft. Weitere Informationen unter www.dgpf.de. - 02.03.09
284. Karte des Deutschen Reiches vor 1920
Von Günther Bolze aus Berlin hat das Vermessungstechnische
Museum eine kartographische Spende ganz besonderer Art erhalten: Die fast
vollständige Sammlung der Karte 1:100.000 des damaligen Deutschen Reiches.
Beginnend im hohen Nordosten mit dem Kartenblatt Nr.1 "Nimmersatt-Krotingen",
insgesamt aus 674 Blättern
bestehend, Andruckversion, versehen mit einigen
Fehlvermerken zu ca. 50 Blättern; dazu im gleichen Maßstab Karten von Oberitalien.
Eine ebenfalls beigegebene
Übersichtskarte hat einen Bearbeitungsvermerk von 1920, die einzelnen Karten
haben ältere Bearbeitungsstände.
Der
Eigentümer und Spender Günther Bolze berichtet dazu, das besondere
Kartenwerk stamme aus dem Nachlaß des früheren Vermessungsdirigenten der Königlich
Preußischen Landesaufnahme Paul Seliger, einer insbesondere auch
photogrammetrisch interessierten Persönlichkeit aus der militärischen Laufbahn.
- Günther Bolze übergab dem Förderkreis zusätzlich eine fast 100
Jahre alte (veröffentlicht 1911) Monographie „Die stereoskopische Meßmethode
in der Praxis“ aus gleicher Herkunft. Es ist eine Erstfassung eines späteren
umfangreichen Werkes von 1926, das der Förderkreis in seiner umfangreichen
Bibliothek besitzt – für die beiden wertvollen Spenden ist der Förderkreis
besonders dankbar. - Zu vermessungsgeschichtlichen Aktivitäten von Günter
Bolze vergl. auch unsere Mitt. Nr. 240. – 24.02.09
283. Mitgliederversammlung und drei Auszeichnungen 16. Februar 2009 - Mitgliederversammlung des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte mit mehreren Höhepunkten. Museumsdirektor Wolfgang E. Weick begrüßte die etwa 50 Teilnehmer von nah und fern mit freundlicher Reminiszenz an das 125-jährige Bestehen des Museums im vergangenen Jahr. Der Präsident des Förderkreises übermittelte Grüße des ehemaligen Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang Torge, von Dr. Kurt Kröger und Helmut Minow, die alle krankheits-bedingt nicht teilnehmen konnten. Ein besonderer Gruß galt dem neuen Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Dr. Bertold Witte aus Aachen - und dem aus Königsstein bei Dresden angereisten Eratosthenes Preisträger Dipl.-Ing. Mario Bauch.
In seinem Vortrag
schilderte
Mario Bauch mit hervorragend gestalteter Powerpoint-Präsentation das
Wirken von C.F. Schellig (1765 –
1809) und Heinrich
Cotta (1763 - 1844),
den beiden ersten Direktoren der Forstvermessungsanstalt in Sachsen.
Schellig war Mathematiker, hatte bei einer ersten Landesvermessung
mitgearbeitet und schuf ab 1802
weitsichtig die Grundlagen der Forstvermessung auf trigonometrischer Basis.
Sein Dr. Harald Lucht nahm gerne die Schöne Aufgabe wahr, die Ehrenmedaille des Förderkreises an zwei verdiente Persönlichkeiten zu verleihen, an Dipl.-Ing. Konrad Peters aus Münster und Dipl.-Ing. Manfred Gombel aus Dortmund. Konrad Peters wurde für sein Lebenswerk geehrt, gewidmet der Vermessungsgeschichte mit über 60 wertvollen Veröffentlichungen, vielen Nachbauten von Meß-Instrumenten und -Geräten des Altertums, gezeigt in zahlreichen Ausstellungen, vom Fernsehen gewürdigt. Manfred Gombel gilt zurecht als Vater unserer Schausammlung, hat seit über 3 Jahrzehnten den Auf- und Ausbau unserer Instrumentensammlung befördert und immer wieder sein großes Fachwissen in den Dienst des Museums gestellt. Seine Ehrung in und für das Vermessungsmuseum heiße, so der Laudator, die berühmten Eulen nach Athen zu tragen Konrad Peters und unser Ehrenmitglied Manfred Gombel, zwei "Urgesteine" im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum, waren 1975 Gründungsmitglieder unseres Förderkreises - beiden galt für ihre Ehrung langer Beifall der des Auditoriums. Nach einer Kaffeepause folgte zunächst der Bericht des Ersten Vorsitzenden Dipl.-Ing. Norbert Kalischewski - und in seinen Vortrag eingebettet der Rechenschaftsbericht unseres Museumsbeauftragen Dipl.-Ing. Ingo von Stillfried, eine breite Bilderfolge neu erworbener Instrumente, über Ausstellungsbeteiligungen und zum Museumshandbuch: es soll in diesem Jahr in neuer Auflage erscheinen. Schatzmeister Franz-Josef Gocke erstattete den Kassenbericht - und für Entlastung sorgten Kassenprüfer Dipl.-Ing. Burkhard Kreuter und Dr. Hartwig Junius für den Vorstand. Der Erste Vorsitzende Norbert Kalischewski hatte seinen Bericht mit der Ankündigung beendet, nicht erneut zu kandidieren. Präsident Harald Lucht dankte ihm für seine über 3 Wahlperioden währende Vorsitzendenzeit und seine über 20-jährige Mitwirkung im Vorstand - und war erfreut über dessen Bereitschaft, im Vorstand weiterzuwirken; dies gilt auch für die Wiederwahl von Dipl.-Ing. Axel Kolfenbach im Vorstand. Die Mitgliederversammlung wählte einstimmig Dipl.-Ing. Ingo von Stillfried zum neuen Ersten Vorsitzenden, der seine mit Begeisterung wahrgenommene Aufgabe als Museumsbeauftragter zunächst in Personalunion weiterführen wird. Ins Kuratorium neu gewählt wurden Präsident a. D. Wulf Schröder aus Wiesbaden und Dipl.-Ing. Friedel Pfeifer, wiedergewählt wurden Manfred Gombel, Dr. Klaus Grewe, Dipl.-Ing. Klaus Hahn, Ltd. Min. Rat Friedrich Vogel. - 17.02.09/01.03.09
282. Sonderausstellung Ballon-Theodolite in der Schausammlung
In einer neuen Vitrine in unserer Schausammlung im Vermessungsmuseum
zeigen wir 4 Ballon-Theodolite einer Bauart, die für die normale
Vermessung ganz unüblich ist. Sie verfügen als
Besonderheit über ein geknicktes Fernrohr, um die Beobachtung von
Wetterballonen in größeren Höhen zu erleichtern. Sie wurden wegen der
bewegten Ziele von mehreren Beobachtern bedient, um Horizontal- und
Vertikalwinkel gleichzeitig zu beobachten. „Keimzelle“ dieser kleinen Sonderausstellung
ist ein Ballon-Exkursions-Theodolit aus dem Nachlaß von Dr. Wolfgang
Pötzschner. Ein von Otto Fennel & Söhne, Kassel, um 1925
gebautes Instrument haben wir 2003 angekauft – und die beiden weiteren
Instrumente hat unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried bei eBay
günstig ersteigert – das „jüngste“ Instrument russischer
Herkunft vor wenigen Tagen. – Die neu erworbene Vitrine konnte
wesentlich aus einer hochherzigen Spende der Ehefrau von Wolfgang Pötzschner
finanziert werden. – Ingo von Stillfried und wir alle freuen uns,
diese „alten Neuheiten“ am Rande der kommenden Mitgliederversammlung am Montag,
den 16. 2.09, unseren Mitgliedern und Besuchern vorzustellen. - 11.02.09
280. Erinnerungen an Professor Günter Paul
Anfang 2006 wurden noch einmal besondere Erinnerungen wach an einen Kollegen,
der den geodätischen Fachbereich in der Bodenordnung und der Bodenwirtschaft
seiner Zeit wesentlich mitgeprägt hat. Anlaß war die Vollendung des 85.
Lebensjahres von Professor Dipl.-Ing. Günter Paul und dessen Würdigung
in der Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung fub.
Günter Paul war am 17. 3. 1921 in Hirschberg am Fuße
der Schneekoppe in Schlesien geboren worden, hatte dort auch
Volksschule und Gymnasium besucht und das Geodäsiestudium 1939 in Berlin begonnen;
er konnte es in den schwierigen Zeiten 1943 in Bonn noch beenden, doch
die Assessorenausbildung kriegsbedingt erst 1951 abschließen. - Jetzt
erreichte uns die traurige Nachricht von seinem Tod am 15. 1. 2009 in Brombach/Odenwald.
Günter Paul
begann seinen Berufsweg in Essen an der Seite von Prof. Dr. Willi
Bonczek (vergl. unsere Mitt. Nr. 213), und dort insbesondere mit der
Bearbeitung innerstädtischer Umlegungen in der stark zerstörten Innenstadt.
Bereits 1954 wechselte er dann nach Offenbach und übernahm für mehr
als 20 Jahre die Leitung des Vermessungsamtes der Stadt mit dem Schwerpunkt
der Arbeit in der Grundstücksbewertung und in der Bodenordnung. Die mehrfach
ausgezeichnete Sanierung der Innenstadt und die begleitenden
Umlegungsverfahren standen unter seiner Leitung.
Sein Wirken an der TU Darmstadt begann Ltd. Vermessungsdirektor Günter
Paul dann 1973 noch in seiner aktiven Dienstzeit als Amtsleiter. In dieser
Zeit seiner Neuorientierung war er noch mehrfach Gast im Ausschuß Kommunales
Vermessungs- und Liegenschaftswesen des Deutschen Städtetages. 1976
wechselte er vollständig in die wissenschaftliche Laufbahn auf die neu
geschaffene Professur für Bodenordnung und Bodenwirtschaft. Auf der
Grundlage seiner reichen praktischen Erfahrungen konnte er an der TU
Darmstadt die Fächer Liegenschaftswesen, Bauleitplanung, Bodenordnung und
Grundstücksbewertung betreuen. Zahlreiche Diplomarbeiten entstanden in dieser
Zeit und bis zu seiner Emeritierung. „Seine Persönlichkeit
und sein fachliches Wirken erfuhren eine Vielzahl von Ehrungen“
schrieb Prof. Dr.- Ing. Hans-Joachim Linke in seiner Laudatio zum 85.
Geburtstag.
Auch Günter Paul war eine zunächst aus der Geodäsie geprägte Persönlichkeit,
die dann vor dem Hintergrund eines reichen Erfahrungsschatzes aus der Praxis
des städtischen Liegenschaftswesens in die wissenschaftliche Laufbahn
gewechselt war – ähnlich wie andere herausragenden Persönlichkeiten mit
langjähriger Praxis im ländlichen oder städtischen Liegenschaftswesen, so
insbesondere die Professoren W.
Seele, Uni Dortmund, Uni Bonn, TU Dresden; H. Möser TU München; R. Hoisl, TU
München; G. Oberholzer, Uni BW München; E. Weiß, Uni Bonn; H. Magel, TU München.
Quelle: Linke, Hans-Joachim, Prof. Dipl.-Ing. Günter Paul vollendet das 85. Lebensjahr, Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung fub, 2006 S. 96
278. Ihr Interesse an unseren Seiten wächst. Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche auf unserer Homepage zeigt, wir treffen auf ein beständig steigendes Interesse: 2008 hatten wir 16.300 Besuche (nach 11.750 in 2007 und 9.600 in 2006). Die Seitenaufrufe stiegen auf 24.000 (nach 17.400 und davor 15.000). Diese Seite Aktuelles zählte 2008 über 7.200 Besuche (nach 2.600 und davor ebenfalls 2.600). Immer mehr Besucher und Besucherinnen haben offenbar diese Seite als Favorit gespeichert: Der Einstieg auf unsere Homepage erfolgte 2008 von 6.150 Besuchen über Aktuelles. Sammlung, Bibliothek und Instrumentenfotos sind die weiteren angesteuerten Seiten. Wir wollen Sie auch weiterhin mit Kurz-Mitteilungen über interessante historische Ereignisse, Gedenktage, Veranstaltungen, Schriften informieren und insbesondere auch jüngere Besucher und Besucherinnen für die Vermessungsgeschichte interessieren. - 19./22.01.09
277. Besuch aus Aarau in der Schweiz Vom 23. bis 25. Januar 2009 werden die Herren Aeschlimann und Münch, Frau Rössler und das Ehepaar Sauerländer aus Aarau unsere Schausammlung im MKK und das Magazin im Museum am Westpark besuchen, um Anregungen für eine eigene ähnliche Einrichtung in der Schweiz zu erhalten. Die Führungen werden neben Ingo von Stillfried auch Manfred Gombel und Jürgen Lagoda gestalten. Daneben ist auch ein Empfang beim Direktor des MKK, Wolfgang E- Weick, vorgesehen. Vor dem Besuch in Dortmund wird die Ausstellung "200 Jahre Landesvermessung" in Bonn-Bad Godesberg besichtigt werden (vergl. dazu unsere Mitt. Nr. 211), dort werden die Herren Lüders und Sager vom ehemaligen Landesvermessungsamt (heute Bezirksregierung Köln) die Gäste führen. Den Abschluß bildet ein Besuch im Mercatormuseum in Duisburg. - 13.01.09
276.
Mitteilungen aus dem Förderkreis
Unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried berichtet über
erfreuliche Instrumentenspenden und einen Besuch Schweizer
Fachkollegen.
Die Bezirksregierung Arnsberg überließ uns u. a. ein AGA
Geodimeter, 2 Meßtische, einen Bussolentachymeter –
ausgemustert nach organisationsbedingter Einstellung des
vermessungstechnischen Außendienstes. Daneben erhielten wir von privat auch
ein photogrammetrisches Kleinauswertegerät Kartoflex. Allen Spendern
herzlichen Dank.
274.
In diesen Tagen: 200 Jahre Preußische Städteordnung
Mit
Kabinettsorder vom 19. November 1808 hatte der preußische König jene Städteordnung,
die „Ordnung für sämtliche Städte der preußischen Monarchie“, zum
Gesetz ausfertigen lassen. Bemerkenswert: Um Druckkosten zu sparen, ließ man
dieses Reformgesetz in äußerst spartanischer Ausgestaltung als
Zeitungsbeilage erscheinen, in vier Teilen über den ganzen Monat Dezember
1808 verteilt – in diesen Tagen vor 200 Jahren.
273. Manfred Gombel gelten alle guten Wünsche zur Vollendung des 80. Lebensjahres
Am 20. Dezember 1928 in
Duisburg geboren, noch vom bitteren Kriegsgeschehen betroffen, studierte Manfred
Gombel an der Staatsbauschule und späteren Fachhochschule Essen
Vermessungswesen. Hier wohl ist von dem unvergessenen Dozenten Heinrich
Ochsenhirt der Funke der Vorliebe für Geodätische Instrumente übergesprungen:
Manfred Gombel war, blieb
und ist fasziniert von Instrumenten, historischen wie jüngeren, und davon, daß
Instrumente zu bauen einst als besondere Kunst galt. Beginnend schon
1947 im Vermessungs- und Katasteramt Dortmund, war er später in
leitenden Funktionen aktiv, zuletzt lange in der Abteilungsleitung des
Vermessungsbereichs. Und er hat danach weiterhin aktiv den
sprichwörtlichen Unruhestand gepflegt. Sein
in den vergangenen Jahren erstelltes Hauptbuch zur Instrumentensammlung des Förderkreises
legt Zeugnis dafür ab – und ist eine inzwischen unverzichtbare und
wertvolle Dokumentation. Ebenso seine Veröffentlichungen, so jüngst
„Konstrukteure und Mechaniker von geodätischen Instrumenten“
Schriftenreihe des Förderkreises Band 32 oder sein kenntnisreicher Beitrag
zum Dollond-Theodoliten zusammen mit Manfred Spata in der Zs.
Der Vermessungsingenieur. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V. gratuliert seinem Gründungs- und Ehrenmitglied Manfred Gombel und wünscht ihm für die kommenden Lebensjahre alle Gute - und erhofft natürlich weiter seine Unterstützung. - 18.12.08
272. Bücher aus dem ehemaligen Landesvermessungsamt NRW in Bad Godesberg Unser Bibliothekar Dr. Hartwig Junius hat kürzlich im ehemaligen Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen in Bad Godesberg Bücher aus deren aufzulösender Bibliothek übernommen. U. a. sind darunter die kompletten Mitteilungen des Reichsamtes für Landesaufnahme, die schweizerische und österreichische "ZfV", ebenfalls jeweils komplett. Die Auswahl erfolgte zusammen mit Manfred Spata. - Einmal mehr wird damit deutlich, welchen Weg diese so kompetente Institution Landesvermessungsamt zu gehen hat, heute als Teil der Bezirksregierung Köln, Abt. 7 GEOBasis NRW. Die Auflösung der Fachbibliothek liegt auf der gleichen Linie, wie die Einstellung des Vertriebs der gedruckt vorgehaltenen amtlichen und auch der historischen Kartenwerke zum 31. 12. 2008. Doch dafür bietet GEOBasis NRW ab sofort die Digitale Topografische Karte 1:25.000 von NRW an, weitgehend automatisch erzeugt auf dem kürzlich fertiggestellten Digitalen Landschaftsmodell. - Siehe auch VDVMagazin 5/2008 Seite 427 zum Ende einer langen guten Tradition, "Ist der Name 'Landesvermessungsamt' so unmodern". - Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund dankt für die Übergabe und wird die Bücher in seine umfangreiche Bibliothek integrieren. Unser Bibliothekar hat dazu aktuell festgestellt, die Bücherei umfasse inzwischen 4444 katalogisierte Bände zur Vermessungsgeschichte.....! - 13.12.08
270.
Erinnerungen an Herbert H. Ahrens, geboren vor 100 Jahren.
Wer kannte ihn nicht in den Jahrzehnten nach 1945 – Herbert H. Ahrens.
Als Eisenbahner im Hauptberuf wirkend seit 1937 und bis 1973 (mit bitterer
Kriegsunterbrechung) war er in 11 verschiedenen Dienstorten tätig, u. a. in Danzig,
Hannover und zuletzt als Leitender Bundesbahndirektor in München.
Unvergessen sind die „Ahrens’schen Mitteilungen“, die
DVW-Nachrichten alter und aller Art in laufenden Nummern in jedem Heft der zfv
seit 1950 und bis 1990. Sie verführten viele Leser, diese große
wissenschaftliche Zeitschrift zunächst von hinten beginnend zu lesen. In
jenen über 40 Jahren (!) hat er so mit mehr als 14.000 Mitteilungen
informiert – aus Bildung, Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft, über
fachliche Highlights, über Fachveranstaltungen und neue Bücher, Gedenktage,
Ehrungen, Personalien, aus dem DVW, Termine: Jeweils
die letzten Seiten in jedem Heft der zfv gehörten Herbert Ahrens.
Insgesamt 2727 Druckseiten, eine unglaubliche Leistung, bewundernswert!
Und alles ja noch auf der klassischen Schreibmaschine. – Seine unermüdlich-interessante
Arbeit haben dann ab 1991 zunächst Frank Heinrich und in neuerer Zeit Christiane
Salbach fortgesetzt und weiter ausgebaut. –
Gleich nach dem Kriege war Herbert H. Ahrens maßgeblich beteiligt an
den Wiederbegründungen des Deutschen Vereins für Vermessungswesen (DVW), er
war DVW-Sekretär, wurde 10-mal wiedergewählt. Er wirkte zusammen mit den
Vorsitzenden Egbert Harbert BS, Helmut Bodemüller BS, Heinrich Röhrs HB,
Ludwig Jäger BA, Gerhard Eichhorn DA, Gerhard Hampel S, Karl-Heinz Bastian
MKK; Hans Josef Platen VIE, daneben in einer Reihe von Ehrenämtern, als
Vorsitzender in verschiedenen Sozialeinrichtungen, Vorsitzender von Prüfungsausschüssen,
in Normen-Ausschüssen. Herbert Ahrens hat den Teil III der Geschichte
des DVW 1945/50 bis 1990 geschrieben, dokumentiert in Sonderheft 25 der zfv.
Geboren am 17. August 1908 in Kiel, studierte Herbert H. Ahrens
zunächst Jura und Mathematik an der Uni Berlin und Geodäsie dort an
der TH in Charlottenburg. Das Studium mußte er kriegsbedingt
unterbrechen, holte dann die Diplom-Hauptprüfung noch 1955 in Bonn
nach. 1978 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1983 wurde er Ehrenmitglied
der FIG und geehrt mit der Helmert-Gedenkmünze des DVW. Herbert H.
Ahrens wirkte für den Berufsstand bis ins hohe Alter. Er verstarb am 1.
Mai 2000 in seiner Wahlheimat Wasserburg am Inn. Gerhard Eichhorn
schrieb über Herbert H. Ahrens zu dessen 70. Geburtstag, er sei
„geprägt von preußischer Pflichterfüllung im edelsten Sinn, aufopfernder
Menschlichkeit und immerwährender Fröhlichkeit des Herzens. Er bereicherte
allein durch seine Anwesenheit, seine Großzügigkeit, Offenheit und seinen
Humor jede dienstliche und private Zusammenkunft …. und darum lieben wir
ihn.“
Quellen: Gerhard Eichhorn: Herbert H. Ahrens 70 Jahre alt, zfv 1978 S. 354 –
355; Karl-Heinz Bastian: Leitender Bundesbahndirektor a. D. Dipl.-Ing. Herbert
H. Ahrens 80 Jahre alt; Herbert H. Ahrens: Bilanz: 40 Jahre DVW-Nachrichten
unter einer Schriftleitung, Seiten XIV – XV in zfv 12/1990. Hans-Josef
Platen: In memoriam Herbert Ahrens, zfv 2000 S. 220. – 29.11.08
269. Nikolaus Kopernikus Mit Hilfe einer DNA-Analyse konnten polnische und schwedische Wissenschaftler jetzt nachweisen, daß die bei Grabungen im Jahre 2004 im Altarraum des Doms von Frombork (früher Frauenburg) gefundenen sterbliche Überreste von Nikolaus Kopernikus (1473 - 1543) stammen. Er starb in Abgeschiedenheit im Alter von 70 Jahren in der heute polnischen Stadt. Der Astronom veränderte das über 1000 Jahre bestehendes Weltbild, indem er nachwies, daß sich die Erde und andere Planeten um die Sonne drehen und nicht die Sonne um die Erde, wie etwa die damals Kirche glaubte. Kopernikus bekam durch seine Entdeckung große Probleme mit den Mächtigen seiner Zeit. - Der Identitätsbeweis gelang mit der DNA eines Haares, das in einem von Kopernikus jahrelang benutzten Buch in der Universitätsbücherei von Uppsala gefunden wurde. Die DNA ist identisch mit der DNA des Schädels. Quellen: FAZ vom 21. 11. 08, dpa vom 20. 11.08. - 21.11.08
268.
Handschrift Geodäsie-Vorlesung von 1888/89 „Die Vermessung der Erde teilt sich … in die höhere Geodäsie … und die niedere Geodäsie...“, so heißt es einleitend in einer in gestochener Latein-Handschrift geführten Vorlesungsmitschrift: „Vorlesung des Herrn Prof. Josef Schlesinger an der KK Hochschule für Bodencultur in Wien“. Der Verfasser: E. Spongiaf, stud. forest. im Wintersemester 1888/9. Im Text entdecken wir, in Paragraphen gegliedert, Texte und Skizzen zur Instrumentenlehre, über die Linealtriangulierung (Dreiecksnetz für Detailaufnahmen), die Bogenformel, das Mykrometerwerk der Alhidade, das geodätische Fernrohr, umsetzbare Libellen bis hin zur ausführlichen Beschreibung der „Rectification“ eines Theodoliten. Bei den Fehlern lernen wir, daß es neben jenen aus der Bauweise des Instruments und aus äußeren Umständen auch solche gibt, „welche aus der Sorglosigkeit des Geodäten entstehen“….. Die Mitschrift endet mit der Darstellung der "Triangulierung mit dem Messtisch". -
Prof. Josef Schlesinger (1831 – 1901) war österreichischer Geodät,
Naturphilosoph seit 1889 Rektor der Hochschule für Bodenkultur in Wien
und als Christlich-Sozialer Politiker Reichsratsabgeordneter 1891 – 1901.
Ausführlich zu Schlesinger siehe bei Wikipedia. – Den
antiquarischen Fund dieser besonderen Rarität verdanken wir unserem Eratosthenes-Preisträger
2003 Frank Reichert. - 18. 11. 08
267. Franz Allmer verstarb im 92. Lebensjahr
in Graz Quelle u. a.:
Web-Seite des Österreichischen
Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen BEV unter www.bev.gv.at
266. Olbers, Gauß und die ersten Kleinplaneten Zum 250. Geburtstag des Amateur-Astronomen Wilhelm Olbers ist sein Wirken in Bremen mit einer Reihe von Veranstaltungen gewürdigt worden. Wir berichteten von der Auftaktveranstaltung in unserer Mitt. Nr. 262. Sie fanden ihren vorläufigen Abschluß am 30. 10. 08. Die Besucher der Veranstaltung im FinanzCentrum der Sparkasse in Bremen wurden von der Pressesprecherin, Frau Elke Heussler, begrüßt. Sie berichtete mit Stolz, 1825 bei der Gründung der Sparkasse in Bremen sei Wilhelm Olbers der erste Kontoinhaber gewesen, mit einer Einlage von 23 Talern. Den weiteren Teil des Abends begleitete Frau Gaus - ein weiterer bemerkenswerter freundlicher Hinweis auf die Verbundenheit zum Themenkreis des Abends. Initiiert von Lieselotte Pézsa und Hans-Joachim Leue von der Astronomischen Vereinigung Lilienthal lasen zunächst Senta Bonneval, Ralf Knapp, Christian Schliehe und Hans-Joachim Wolf aus Briefen von Olbers, Gauß, von Zach mit Astronomen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der Zeit der Entdeckungen der Kleinplaneten Ceres, Pallas, Juno und Vesta - nach einer Textauswahl von Hans-Joachim Leue. In dieser Lesung mit verteilten Rollen wurde die Freude und Leidenschaft der Wissenschaftler erkennbar über die grundsätzlich erwartete Entdeckung der Ceres, wie sie dann tatsächlich unabhängig voneinander erfolgte - Silvester 1801 in Gotha und Neujahr 1802 in Bremen. Das Wiederauffinden der Planetoiden auf Grundlage der Bahn-Berechnungen von Gauß aus nur wenigen Beobachtungen bedeutete eine wissenschaftliche Sensation . In der damals berühmten Privatsternwarte des Amtmanns Hieronymus Schroeter in Lilienthal trafen sich Astronomen aus Deutschland und gründeten die erste astronomische Vereinigung. - Der Autor dieser Zeilen und Redakteur dieser Seite dankte als Moderator im Namen der Olbers-Gesellschaft Bremen den Initiatoren und Akteuren und stellte dann Prof. Klaus Kertscher aus Oldenburg vor. Leiter der Katasterbehörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften in Osnabrück, Honorarprofessor der Fachhochschule Oldenburg und Vorsitzender der Deutschen Vereins für Vermessungswesen, Landesverein Niedersachsen/Bremen - in letzterer Eigenschaft hatte er den Anstoß gegeben für die kürzlich in Bremen veranstaltete INTERGEO (siehe unsere Mitt. Nr. 261). In seinem Vortrag "Carl Friedrich Gauß - sein geniales Wirken als Mathematiker, Physiker, Astronom und Geodät" beleuchtete er gekonnt und allgemeinverständlich dessen astronomisches Wirken, den ersten Einsatz der Ausgleichungs-Methode der kleinsten Quadrate zur Bahnberechnung der Ceres und zeigte in seinen Powerpoint-Folien u.a. die Original-Planetenbahn-Zeichnung von Gauß. Die historischen geodätischen Arbeiten von Gauß nahmen ebenso einen breiten Raum ein, die Erdfigur als Rotationsellipsoid, als Geoid-Kartoffel wie dann auch die zahlreichen Gauß-Denkmale. Klaus Kertscher führte die Zuhörer auch durch die Lebenssituationen des "Fürsten der Mathematik". stellte dessen Soziales Engagement heraus und vergaß nicht auf die Ehrung in der Walhalla aufmerksam zu machen (Siehe unsere Mitt. Nr. 203), wie ebenso die Bekanntheit, die Gauß durch den Bestseller "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann erfahren hat (unsere Mitt. Nr.n 258, 175, 155, 136). Langer Beifall belohnte den Vortragenden und damit gleichzeitig auch die Veranstalter und den Gastgeber Sparkasse Bremen. Abschließend konnten die Teilnehmer den Nachbau von 2001 des 7-füßigen Spiegelteleskops Newtonscher Bauart (nach Wilhelm Herschel) bewundern, der von Hans-Joachim Leue aus Lilienthal in der großen Halle der Sparkasse Bremen publikumswirksam aufgestellt worden war. - 01. 11. 08
264.
Neues aus Dortmund
Rudolf Uebbing hat unsere Homepage auf einigen Seiten modernisiert und
vereinheitlicht.
263.
Das Vermessungs- und Kartenwesen
der Kolonialzeit erforscht
Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder hat
im September 2008 die Druckfassung einer umfangreichen Forschungsarbeit zur
Vermessung, Aufnahme und Kartierung der ehemaligen deutschen Kolonien
in Afrika (Togo, Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika),
in der Südsee (Deutsch-Neuguinea und -Samoa) und in Ostchina
(Kiautschou-Gebiet) vorgelegt. In seiner Dissertation „Deutsche
Kolonialkartographie 1884-1919“ an der Universität der Bundeswehr München
erforschte er den seinerzeitigen Informationsbedarf und die in den Kolonien
eingesetzten Kräfte und Mittel für die Aufnahme eines Gebiets von tatsächlich
der fünffachen Größe des damaligen Deutschen Reiches. Er ging den
Spuren der Kolonialverwaltung und des Reichsmarineamtes nach und analysierte
die Beteiligung des Militärs, das im Dt. Reich für die
Landesvermessungs-Aufgaben zuständig war.
Die politischen und
organisatorischen Rahmenbedingungen werden umrissen. Reichskanzler Bismarck
setzte in den Kolonien vorrangig auf Privatinitiative. Eingangs der Arbeit wird die
Einbindung der Fachgeschichte in die Geschichte gegen Ende des 19.
Jahrhunderts skizziert. Weitere Kapitel sind der Expeditions- und der
amtlichen Kolonialkartographie gewidmet. Das Mitwirken der Privatkartographie
wird hervorgehoben, Namen wie Reimer in Berlin, Bertelsmann in
Gütersloh, Perthes in
Gotha, Westermann in Braunschweig u.v.a.m. Rudolf
Hafeneder berichtet mit Bewunderung über die Leistungen der Trigonometer,
Topographen und Kartographen in Relation zu den Produkten der anderen europäischen
Kolonialmächte. Kartenoriginale sind entstanden als Kupferstich, auch als
Steingravur. Ein herausragendes Charakteristikum der deutschen
Kolonialkartographie war die Erkenntnis einer vielfachen Privatinitiative
von Missionaren, Kaufleuten, Offizieren, Farmern, Landmessern, Beamten und
Forschern. Rudolf Hafeneder präsentiert
im Anlagenband seiner Doktorarbeit Ausschnitte aus den amtlichen
Kolonialkarten, die die Meisterschaft der Kolonialkartographen unterstreichen.
Schließlich untersuchte er die geodätisch interessante Frage, wie
Deutschland seine ausländischen Gebiete für die Bestimmung der Erdfigur im
Rahmen der Internationalen Erdmessung genutzt hat.
Die von Prof. Kurt Brunner und
Prof. em. Albert Schödlbauer betreuten Dissertation ist eine umfassend
recherchierte Dokumentation eines hochinteressanten und ungewöhnlichen
Kapitels deutscher Kartographie- und Kolonialgeschichte. Der Förderkreis
dankt seinem Mitglied Rudolf Hafeneder für ein gedrucktes Exemplar
samt Anlagenband für unsere Bibliothek. Die wertvolle Dokumentation ist auch
im Internet unter http://www.rudolf-hafeneder.de
einsehbar – einschl. zusätzlicher
Forschungsergebnisse, die den Rahmen der schriftlichen Publikation gesprengt hätten
(z.B. Übersetzung ins Englische, Denkschriften, Dokumente,
Besprechungsprotokolle).
Quelle: Rudolf Hafeneder: Deutsche Kolonialkartographie 1884 – 1919,
Diss. Fak. F. Bauingenieur- und Vermessungswesen der Uni der Bundeswehr München
2008. - 19.10.08
262.
Wilhelm Olbers
vor 250 Jahren
geboren Der Arzt und große Astronom Wilhelm Olbers war Entdecker der wissenschaftlichen Begabung von Friedrich Wilhelm Bessel (1784 – 1846), jener prägenden Persönlichkeit der Geodäsie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bessel hat in seinem langen wissenschaftlichen Wirken in Königsberg (1810 bis zu seinem Tode 1846) als Astronom, Geodät und Mathematiker Bahnbrechendes geleistet.
Bessels Wirken in
der Geodäsie gehörte u. a. durch seine Ostpreußische Gradmessung
(1830-38), der Besselschen
Basisapparat und die 1841
durchgeführte Berechnung des Besselschen Erdellipsoids, sämtlich
Meilensteine von nachhaltiger Bedeutung. – Bessel lebte seit 1799 als
Handelslehrling in Bremen. Seine erste
wissenschaftliche Leistung war
(1804, er war gerade 19 Jahre alt) die Bahnberechnung des Halley'schen
Kometen aus wieder aufgefundenen Beobachtungen von 1607. Bessel berechnete
nach den Formeln der seinerzeit berühmten Veröffentlichung des Bremer Arztes
und Amateurastronomen Wilhelm Olbers "Abhandlungen über die
leichteste und bequemste Methode, die Bahn eines Kometen zu berechnen".
In seinen Lebenserinnerungen schilderte er die Begegnung mit Olbers: "Als ich meine Arbeit über den Kometen von 1607
beendigt und sauber geschrieben zu Papier gebracht hatte, fasste ich mir ein
Herz, schnitt Olbers, den ich eine Straße langsam hinab gehen sah,
durch Betreten einer Nebenstraße ... den Weg ab und bat ihn um die Erlaubnis,
ihm einen geringen astronomischen Versuch, den ich gewagt hätte, vorlegen zu
dürfen. Ich erhielt diese Erlaubnis, und Olbers erhielt dagegen eine
Stunde später meine Abhandlung. Dies ereignete sich an einem Sonnabend, den
28. April 1804". Olbers sorgte alsbald für deren Veröffentlichung
in den Astronomischen Nachrichten bei von Zach in Gotha –
Geburtsstunde des Wissenschaftlers F. W. Bessel. Wilhelm Olbers wurde am 11. Oktober 1758 in Bremen-Arbergen geboren - vor 250 Jahren. Er studierte 1777 bis 1780 in Göttingen Medizin, hörte nebenher mathematische Vorlesungen und beschäftigte sich mit der Astronomie. Seine Dissertation behandelte Untersuchungen des menschlichen Auges. 1797 veröffentlichte er die oben erwähnte Abhandlung zur Kometenbahnberechnung. 1885 heiratete er, seine Frau starb nach einem Jahr nach der Geburt der Tochter Doris. Aus zweiter Ehe stammt sein Sohn Georg Heinrich (1790 – 1861), später Senator in Bremen. Wilhelm Olbers hatte ausführliche Briefkontakte mit C.F. Gauß (den 1806 erstmals persönlich traf) und später mit F. W. Bessel, seit dieser ab 1810 in Königsberg wirkte. Wilhelm Olbers starb in hohem Ansehen am 2. März 1840 in Bremen. In den Wallanlagen in Bremen nahe der Kunsthalle steht seit dem 11. 10. 1850 ein Denkmal, geschaffen von Carl Steinhäuser. Aus Anlaß der 250. Wiederkehr des Geburtstags von Olbers finden in Bremen eine Reihe von Gedenk-Veranstaltungen statt. Zur Eröffnung der Gedenkfeiern sprach am 11. 10. 2008 Dr. Axel Wittmann, Göttingen über "Die astronomischen Arbeiten von Carl Friedrich Gauß im Spiegel seiner Korrespondenz mit Olbers, Bessel und Schumacher" im Olbers-Saal im Haus der Wissenschaften in Bremen, unweit der früheren Wirkungsstätte von Olbers in der Sandstraße. Er entwarf ein historisch breites Bild der astronomischen Forschungen Anfang des 19. Jh. Er wußte darüber hinaus auch die Arbeiten von Gauß in seinem Engagement für die Landesvermessung ins rechte Licht zu rücken (und ging auf die Einreden von Bessel ein, der ja später mit seiner Ostpreußischen Gradmessung auf gleichen Spuren wandelte). In seinen sehr interessant zusammengestellten Folien hat A. Wittmann auch mehrere Briefe von Gauß und seinen Zeitgenossen gezeigt. Dessen Beobachtungen auf dem Angari-Kirchturm, die von Gauß selbst aufgefundene Sicht nach Zeven wurden ebenso herausgestellt, wie der Gauß'sche Punkt in Bremen. Dr. Axel Wittmann erhielt für seinen umfassenden Bericht viel Beifall eines großen Publikums. - Das Kunstwerk „Besselei“ des Künstlers Jürgen Goertz wurde am 150. Todestag von Wilhelm Olbers, am 2. März 1990, auf dem Hanseatenhof in Bremen eingeweiht und erinnert in künstlerisch-spielerischer Art an Bessel – siehe unsere Mitt. Nr. 157. Quellen
(Auswahl): Nachrichten der Olbers-Gesellschaft Nr. 223 Oktober 2008, Lucht,
H.: Bessel-Denkmal in Bremen, ZfV 1990 S. 450 – 451,
Lucht, H. Bremen - gestern und heute, zfv 4/2008 S. 197 - 205
261.
Nach
48 Jahren wieder in Bremen.
Vom 30.9. bis 2. 10. 2008 kommt die INTERGEO (bis 1996 Deutscher Geodätentag)
nach Bremen. Veranstalter ist der Deutschen Verein für
Vermessungswesen (DVW) – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und
Landmanagement. 1960
fand - erstmals in Bremen - der 45. Deutsche Geodätentag statt, vom
Mittwoch, den 21. September bis Sonnabend, den 24. September. Schirmherr war
der legendäre Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen. Finanzsenator Dr. Nolting-Hauff
begrüßte im großen Glockensaal Gäste aus dem In- und Ausland und erinnerte
daran, daß einst bremische Stadtoberhäupter persönlich eine erste bremische
Landesvermessung beobachtet und ein Landeskartenwerk angefertigt hatten.
Der damalige Vorsitzende des DVW und Amtsleiter der bremischen
Kataster- und Vermessungsverwaltung, Dr. phil. Heinrich Röhrs, warb für
Bremen als der ältesten deutsche Seestadt mit zugleich modernem
Welthafen. Mit Hamburg und den schweizerischen Kantonen „gehöre Bremen
zu den ältesten aller auf der Erde bestehenden Republiken“.
Den Eröffnungsvortrag hielt 1960 Prof. Dr. K. Schwidewsky (TH
Karlsruhe) zum Thema „Vermessungswesen und Technik“. Außerdem
referierten Prof. Dr. J. Nittinger (MdI Hannover), OVR W. Oldenhage (MdL
Hannover), Mr. Ir. S. M. Meelker aus den Niederlanden und ORuVR
Dr.-Ing. W. Höpcke (Hannover) „mit Lichtbildern“. Die Themen
rankten sich wesentlich um Kataster, Agrarstruktur, die Lage im amtlichen
Vermessungswesen, erste elektronische Meßverfahren. In der Fachausstellung
waren 28 Firmen vertreten. Mit dem lochstreifen-gesteuerten
Zeichentisch Graphomat Z 64 der Konrad Zuse KG deutete sich die neue
Zeit der automatisierten Kartenzeichnung an. Ein klassischer
Gesellschaftsabend („dunkler Anzug“) beschloß das offizielle Programm. Kongreß und
Ausstellung fanden statt im Konzerthaus „Die
Glocke“. 1200 Besucher bedeuteten damals einen lebendigen Beweis für
die Wertschätzung Bremens, des DVW
und für Heinrich Röhrs – und welch’ ein weiter Weg zur heutigen INTERGEO Bremen 2008 mit 512 Ausstellern, über 60
Fachvorträgen und rd. 10.000 erwarteten Besuchern!
– Von Johannes
Nittinger ist übrigens die nette Story überliefert von dem Geodäten, der
einst zum Geodätentag in Bremen eilte und von zwei wißbegierigen Damen
gefragt wurde: „Was ist das eigentlich - ein Geodät? Gehört der vielleicht
zu einer Sekte??“ (zfv
1995 S. 527). Quellen:
Programm-Heft des 45.
Deutschen Geodätentags, Grothenn, D.:
45. Deutscher Geodätentag, ZfV 1960 S. 451 -453 , Erxleben, B.: Bericht über
den 45. Deutschen Geodätentag Bremen 1960 AVN 1960 S. 345 - 350 -
29.09.08
260.
Militärisches
Kartenwesen des außerdeutschen Europa um 1900
Ein ungewöhnliches Werk hat der Förderkreis als Geschenk von einem Ehepaar
aus Bremen erhalten: „Skizze der Entwicklung und des Standes des Kartenwesens
des außerdeutschen Europa“ von W. Stavenhagen,
Gotha: Justus Perthes 1904 (Umfang 376 Seiten). Das Buch ist vom Autor dem
Andenken von Emil von Sydows (1812 – 1873) gewidmet, der zu den Schülern
von Alexander von Humboldt gehörte, er war zuletzt Chef der
geographisch-statistischen Abteilung des Preußischen Generalstabs.
Der Autor begreift in seiner Einleitung die monumentale und wissenschaftliche
Kartographie zunächst als darstellende Kunst, zugleich aber auch als
mathematische und technische Wissenschaft. Er umreißt das Thema von den
Geographischen Karten ganzer Länder und Kontinente bis hin zu dem Meßtischaufnahmen,
weist hin auf die Jahrzehnte währenden Aufnahmezeiträume der Kartenwerke in
den verschiedenen Ländern im 18. und 19. Jahrhundert hin, vermisst eine
ordnende Zusammenarbeit aller geographischen wie wissenschaftlich-technischen
Kräfte und fragt rhetorisch „Wo ist aber der Bayer der Kartographie?“
Die Entwicklungsgeschichte der Kartographie für „Europa als Ganzes“
wird zunächst beginnend im Altertum bei den Phöniziern über Ptolemäus
und Eratosthenes, über Mittelalter und Neuzeit skizziert. Ein ausführlicherer
Überblick gilt der Periode der Triangulationen und der geodätischen
Aufnahmen mit manchen bekannten aber auch heute unbekannten (oder vergessenen)
Wissenschaftlern und Vermessungsarbeiten und endet in einem Überblick zur (um
1900) modernen Kartographie.
Im Hauptteil des Buches finden wir geordnet nach Ländern jeweils ausführliche
Beschreibungen der Entwicklungsgeschichte von Geländedarstellungen, von
Kartenwerken und wirkender Persönlichkeiten, so z.B. auch einen Hinweis auf
das Relief der Zentralschweiz: wir erinnern uns an die vorzügliche
Arbeit unserer Eratosthenes-Preisträgerin 2005 Frau Dr. Niederöst.
Und wir finden durchaus häufige Hinweise auf die militärische Bedeutung der
Karten: Der Autor Professor Willibald Stavenhagen war in seiner militärischen
Laufbahn Hauptmann und später Militärschriftsteller. - Das antiquarisch aus einer ehemaligen tschechischen Militär-Bücherei stammende Buch ist eine besondere Rarität.- 21.09.08
259. 60 Jahre AdV - Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der
Bundesländer
Die Situation im deutschen Vermessungswesen nach dem zweiten Weltkrieg war
zutiefst beklemmend (vergl. unsere Mitt. Nr. 240, 192) .
Einer der Gründungsväter der AdV, Hugo Reist aus Stuttgart, zitierte
aus dem von ihm als Testament bezeichneten Manuskriptdruck von Albert
Pfitzer (1882 – 1948) „Vermessungswirklichkeit und
Vermessungshilfen“ (Berlin 1948)
über „das Trümmerfeld des amtlichen Vermessungsdienstes“: Verlust an
Grundmaterial und Instrumenten, Notdächern über Ruinen dienstlicher
Behausungen, überall Zeichen des Unheils, die dem totale Krieg und der
totalen Niederlage folgten.
Historische Quellen berichten, Friedrich
Kurandt, Max Kneissl und Hugo
Reist fuhren in „gedrückter Stimmung“ Ende April 1948 im
Nachtschnellzug gen Süden. Sie kamen von der Gründungsversammlung des DVW
– Nordwest. Man verabredete, eine Zusammenkunft der Vermessungsverwaltungen
der amerikanischen Zone in Stuttgart
zu organisieren. Aus Bayern
sollte (durch Kneissl)
eine schriftliche Anregung kommen – Reist
erhoffte, am ehesten ministerielle Einladungen nach Stuttgart zu erreichen. Kurandt
war damals 56 Jahre alt, Kneissl und Reist Anfang 40. So kam es zur Gründungsversammlung der
Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der amerikanischen Zone am 24.
und 25. Mai 1948. Über die denkwürdigen
wirtschaftlichen Umstände am Rande der Gründungsversammlung 1948 hat der Präsident
des Landesvermessungsamtes Hansjörg
Schönherr 2004 in der
zfv berichtet. Es gab Wein auf
Bezugsschein, einmal 8 und einmal 12 Flaschen. Empfang von 200 gr.
Brot, 100 gr. Nährmittel und 10 gr. Fett - Quittungen mit den Unterschriften
u. a. von Kneißl, Kurandt, Reist, Geodäten-Persönlichkeiten von
damals ….. die das wenige
(sicher dankbar) empfangen haben für die Zeit einer Tagung der
Vermessungsverwaltungen der US-Zone in
Stuttgart, der Gründungsversammlung der AdV (Vergl.
unsere Mitteilung Nr. 61).
Im Oktober 1949 konstituierte sich in Marburg dann die um die
Vermessungsverwaltungen der britischen und französischen Zone erweiterte
Arbeitsgemeinschaft und führt seit dieser Zeit ihre heutige Bezeichnung Arbeitsgemeinschaft
der Vermessungsverwaltung der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV).
Später traten Westberlin (1952), das Saarland (1957) sowie nach
der Wiedervereinigung die fünf neuen Bundesländer der AdV bei. Neben
den für das amtliche Vermessungswesen zuständigen Fachverwaltungen der Länder
wirken die Bundesministerien des Innern, der Verteidigung sowie für Verkehr,
Bau und Stadtentwicklung in der AdV zusammen. Als Gäste gehören ihr die
Deutsche Geodätische Kommission (DGK) als Vertretung der geodätischen Lehre
und Forschung sowie die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Landentwicklung als
Bund-Länder-Vertretung für die ländliche Neuordnung an. Die Organe der AdV
sind das Plenum und der Vorsitzende. Seit 1981 ist die AdV der Ständigen
Konferenz der Innenminister und Innensenatoren zugeordnet.
Im Plenum sind regelmäßig die in den technischen Arbeitskreisen der AdV
entwickelten Grundsätze für die Pflege der Landesvermessungswerke der Lage, der Höhe
und der Schwere beraten und möglichst weitgehend umgesetzt worden. Dies
gelang nicht immer ohne Schwierigkeiten, entwickelten doch ländspezifische
Besonderheiten und auch ebensolche Interessen durchaus Eigengesetzlichkeiten.
Große Verdienste hat sich die AdV erworben mit der Entwicklung von Großverfahren
in der fachlichen Datenverarbeitung, so u. a. des Automatisierten
Liegenschaftsbuches ALB, der Automatisierten Liegenschaftskarte ALK, des
Amtlich-Topographisch-Kartographischen Informationssystems ATKIS, des
Amtlichen Festpunktinformationssystems AFIS, des
Satellitenpositionierungsystems SAPOS. – 1948-1958
Friedrich Kurandt, Hessen – 1959-1960 Prof. Dr. phil. Ernst Pinkwart,
Nordrhein-Westfalen – 1960-1971
Prof. Dr.-Ing. Johannes Nittinger, Niedersachsen – 1972-1973 Dr.-Ing. Adam
von der Weiden, Rheinland-Pfalz – 1974-1975 Prof. Dr.-Ing. Franz Xaver Graf,
Bayern – 1976-1977 Werner Gundt, Baden-Württemberg –
1978-1979 Prof. Günter Hübner, Berlin – 1980-1981 Helmut Watermann,
Nordrhein-Westfalen – 1982 Erich Lämmerhirt, Freie und Hansestadt Hamburg
– 1983-1984 Dr.-Ing. Harald Lucht, Freie Hansestadt Bremen –
1985-1988 Wulf Schröder, Hessen – 1989-1990
Jürgen Schlehuber, Niedersachsen – 1991-1992 Günter Herzfeld,
Rheinland-Pfalz – 1993-1994 Dr. Max
Engelsberger, Bayern – 1995-1996 Hans Vetter, Baden-Württemberg –
1997-1998 Hagen Graeff, Freie und Hansestadt Hamburg – 1999 Dr.-Ing.
Friedrich Rokahr, Berlin, 2000 – 2001 Heinrich Tilly, Brandenburg, 2002–
2003 Friedrich Wilhelm Vogel, Nordrhein-Westfalen – 2004-2005 Reinhard Klöppel,
Hessen – 2006-2007 Prof. Dr.-Ing. Klaus Kummer, Sachsen-Anhalt
– 2008 – 2009 Hans Gerd Stoffel, Rheinland-Pfalz.
Wie der Verfasser aus eigener Vorsitzer-Zeit erinnert, gab es immer wieder konstruktive wie ebenso
langwierige Beratungen, nicht zuletzt, weil Fachkollegen oft den
(zukunftsweisenden) Verabredungen der Fachebene nur unter
Finanzierungsvorbehalt zustimmen konnten.
Die Geschäftsführer der AdV waren eine beständige große Unterstützung der
„Vorsitzer“ (und später Vorsitzenden). Die Geschäftsführer kamen in
guter Kontinuität aus Hannover. Verfasser hat seit 1973 Wolf-Erich
von Daack erlebt, der (in der Nachfolge von Dr. Konstanzer) diese
Funktion von 1972 bis 1997 mit großem Geschick ausfüllte. Nach Peter
Creuzer hat dann seit 2002 Wilhelm
Zeddies diese Aufgabe übernommen.
Einleitend hatte der AdV-Vorsitzende Ltd. Ministerialrat Hans Gerd Stoffel
aus Rheinland-Pfalz frühere und aktive Plenumsmitglieder begrüßt.
Er lobte die beständige gute Partnerschaft zwischen den Plenumsmitgliedern
als wesentliche Konstante für gemeinsame fachliche Entwicklungen und große
technische Fortschritte.
In Grußworten sprachen der Vorsitzende des BdVI, Michael Zurhorst zur
wachsenden guten Zusammenarbeit und DVW-Präsident Hagen Graeff mit
einem Bekenntnis zum Geodäten als dem klassischem Berufsträger.
Einblicke und Rückblicke auf die AdV-Arbeit gab Präsident a. D. Dr. Viktor
Eisele, der die gewaltige technische Entwicklung seit 1948 umriß – von
der 48-Stundenwoche und reiner Handarbeit bis in die heute allenthalben digitale
Gegenwart. Und Präsident a. D. Wulf Schröder ergänzte mit Anmerkungen zu
manchen kontroversen Themen im Plenum, so auch zu seinerzeit zukunftsgewandten
maßstabsunabhängigen Landschaftsmodellen und praxisbezognen maßstabsorientierten
kommunalen Informationssystemen – Gedanken von der Vielfalt in der Einheit.
Daß es bei aller Ernsthaftigkeit in der Arbeit der vergangenen 60 Jahre
durchaus auch Unkonventionelles gab, zeigt beispielhaft eine Protokollierung
von vor 20 Jahren. Es gelang, die Deutsche Fußballmeisterschaft 1988 von
Werder Bremen im Plenums-Protokoll unterzubringen – im TOP 5.2 der 82.
Tagung vom 4. bis 6. Mai in Berlin steht’s im Zusammenhang mit
Maßstabsorientierung, wer-der meist-er …. Zur
Einstimmung der Festversammlung in Stuttgart zeigte die AdV ein
professionelles Video zu den Leistungen des amtlichen Vermessungswesens –
von Eratosthenes bis zu heutigen 3-D-Modellen, Navigation, GIS, SAPOS,
Grenzherstellung, Grundstücksbewertung – eine außerordentlich gelungene
kurzweilige Show über alle amtlichen allround-Vermessungsleistungen. In einem ausführlichen Tätigkeitsbericht 2007/2008 wird die Geschichte der AdV kurz beleuchtet und aus dem Wirken der Arbeitskreise berichtet. Geobasisdaten und die Mitwirkung der AdV in nationalen und internationalen Gremien sind dargestellt, eine Liste aller Tagungen ist dokumentiert.
60 Jahre – die AdV setzt grundsätzlich das Wollen und Wirken fort, das der
frühere Beirat für Vermessungswesen seit 1921 segensreich begonnen hatte.
Jener Beirat stand auf breiterer Basis (vergl. unsere Mitt. Nr. 41). 1952
lehnte die AdV ein Mitwirken in einer konzipierten breiteren
Vermessungskonferenz ab, um die Stellung als Repräsentanz des amtlichen
deutschen Vermessungswesens zu stärken und für die Zukunft zu sichern. Heute
wird erkennbar, daß von dieser Basis aus ein Zusammenstehen über die Grenzen
von Institutionen möglich ist und notwendig wird, soll sich das deutsche
Vermessungswesen in Europa behaupten. Siehe auch www.adv-online.de
. – 10./11.09.08
257. Sitzung von Vorstand und Kuratorium - Prof. Dr. Witte übernimmt Kuratoriumsvorsitz Einer Anregung unseres Eratosthenes-Preisträgers von 2003 Manfred Spata folgend, trafen sich Vorstand und Kuratorium des Förderkreises vermessungstechnisches Museum e.V. am 27. 08. 2008 im Haus Martfeld in Schwelm - zugleich im Gedenken an das Wirken von Pastor Friedrich Christoph Müller (1751 – 1808). Zu Beginn der Beratungen im Kuratorium versammelten sich die Teilnehmer zu einem Gruppenfoto an dessen Denkmal im Park von Haus Martfeld - wir werden es in unsere Nachrichten 2/2008 einfügen. - Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge hatte 1998 den Vorsitz im Kuratorium als Nachfolger von Prof. Dietrich übernommen und jetzt gebeten, diese Aufgabe in jüngere Hände zu geben. Stellvertretender Vorsitzender Dr. Hartwig Junius dankte für die über 10 Jahre geleistete konstruktive Begleitung der Museumsaktivitäten, insbesondere auch für die kenntnisreiche Moderation der Symposien zur Vermessungsgeschichte. Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte wurde im Kuratorium einstimmig in den Vorsitz gewählt. Präsident Harald Lucht dankte Prof. Wolfgang Torge im Namen des Vorstandes, zugleich für die beständig-wertvolle Unterstützung und hob besonders die angenehme Zusammenarbeit im Stifterkollegium für den Eratosthenes-Preis hervor. Nach seiner einstimmigen Wahl in den Kuratoriumsvorsitz dankte Prof. Bertold Witte für das ihm ausgesprochene Vertrauen und sagte, er begreife seine Aufgabe im Sinne einer kontinuierlichen Weiterführung der Kuratoriumsarbeit. Themen in den Sitzungen von Vorstand und Kuratorium waren u.a. die Neuherausgabe des Museumshandbuches (von Ingo von Stillfried tatkräftig vorangetrieben, es soll voraussichtlich zur INTERGEO 2009 erscheinen), eine sich anbahnende Zusammenarbeit mit historisch engagierten Fachkollegen aus der Schweiz, die kommende Mitgliederversammlung mit Vortrag des Eratosthenes-Preisträgers 2007, Dipl.-Ing. Mario Bauch, die Betreuung der Briefmarkensammlung des Förderkreises sowie Überlegungen zukünftiger Arbeitsziele. Aus dem Vorstand konnte dankbar über zwei hochherzige Spenden berichtet werden, eine persönliche Spende stammt von einem langjährig hoch-engagierten ehemaligen Vorstandsmitglied. Die
Webseite des Förderkreises findet zunehmende Anerkennung, sie hatte im
vergangenen Jahr monatlich zwischen 800 und bis zu 1600 Besucher. Erkennbar
ist, daß immer mehr Besucher direkt diese Aktuell-Seite ansteuern. Diese
aktuellen Mitteilungen lesen regelmäßig zwischen 25 bis 50 % der Besucher. -
29.08.08
256. .....
255.
Wir
erinnern an Professor Dr.-Ing.
Walter Höpcke – geboren heute vor 100 Jahren
Walter Höpcke wurde am 19. 08. 1908 in Kiel als Sohn eines
Lehrers geboren, besuchte die Oberrealschule in seiner Vaterstadt und
studierte später Geodäsie an der TH Berlin
bei den Professoren Eggert und
Brennecke. Sein Weg in die Praxis führte ihn ab 1935 in das Reichsamt
für Landesaufnahme, wesentliche Schaffensjahre wurden durch Krieg und
russische Kriegsgefangenschaft 1941 bis 1949 blockiert. 1950 holte ihn Prof. Großmann
für ein Jahr als wissenschaftlichen Assistenten an die TH Hannover,
Beginn einer großen wissenschaftlichen Laufbahn. Höpcke geht jedoch
zunächst Leiter als
der Trigonometrischen Abteilung zum Landesvermessungsamt Hannover.
Während dieser Zeit vollendet er seine Dissertation „Die
Hannoverschen Libellenprüfer – Ein Beitrag zur Anwendung von Federgelenken
und Lichtinterferenzen in geodätischen Instrumenten“.
Ab 1954 folgt ein Lehrauftrag „Entfernungsmessung
mit neueren physikalischen Mitteln“, 1961 eine
Honorarprofessur, 1963 die Professor für Theoretische Geodäsie und 1968 (als
Nachfolger von Prof. Großmann) bis 1975 für Allgemeine Vermessungskunde.
Sein
Wirken in Praxis, Lehre und Forschung war zunächst geprägt von Arbeiten in
großen Triangulationsnetzen, daraus entwickelten sich seine praktischen wie
Forschungsschwerpunkte in der elektronischen Entfernungsmessung, den Einflüssen
von Refraktion und Brechungsindex der Atmosphäre, bis zu grundlegenden
Untersuchungen zur Korrelation geodätischer Beobachtungen. Er war Pionier
des Einsatzes der Matrizenrechnung in der Ausgleichungsrechnung. Später förderte
er sogar die Anwendung der mathematischen Statistik bei der Ermittlung von
Grundstückswerten. 1980 erschien sein Lehrbuch „Fehlerlehre und
Ausgleichungsrechnung“ im Verlag de Gruyter.
Professor Dr.-Ing. Walter Höpcke war 1967 bis 1968 Dekan der Fakultät
für Bauwesen. Im Rahmen des Studiums der Geodäsie setzte er sich besonders für
das Ergänzungsstudium ein (Anerkennung von Studienleistungen von
FH-Absolventen), ebenso realisierte er Kontaktstudien
für die wissenschaftliche Fortbildung von Fachkollegen aus der Praxis. Prof. Höpcke
betreute über 30 Dissertationen, davon 17 als maßgeblicher Initiator und
Referent. Zahlreiche eigene Veröffentlichungen dokumentieren sein großes
Schaffen. Walter Höpcke starb am 2. April 1995 in Hannover.
Alle die ihn erleben durften erinnern sich an sein überlegen-klares Denken,
seinen verständnisvoll-bestimmten Umgang mit seinen Studenten, Diplomanden
und Doktoranten und seine gerne gegebene Anerkennung.
Quellen (in Auswahl): Walter Höpcke: Über Korrelationen in der Fehlerlehre,
Zs. AVN 1968 S. 146 – 150, Festschrift Walter Höpcke, Wiss. Arb. der Lehrstühle
für Geodäsie, Photogrammetrie und Kartographie an der TU Hannover Nr. 83
(1978), Wolfgang Pötzschner: Professor Höpcke 70 Jahre, Zs. AVN 1978 S. 380
– 382, Hans Pelzer: Professor Dr.-Ing. Walter Höpcke zur Erinnerung, zfv
1996 S. 136-137. Dokumentation der Mitglieder der Dt. Geodätischen
Kommission. - 19.08.08
254. Johann Friedrich Benzenberg (1777 - 1846) - Verfassungskonzeptionen aus der Zeit des ersten preußischen Verfassungskampfes - Dissertation von Dajana Baum, als Buch von über 400 Seiten erschienen im Juni 2008 in den Düsseldorfer Schriften zur neueren Landesgeschichte. Im weiteren Untertitel wird Benzenberg als "Doktor der Weltweisheit" und "Professor der Konstitutionen" apostrophiert - als ein zu Lebzeiten überregional beachtetes Original, der heute nur noch einem sehr kleinen Personenkreis bekannt ist. Johann Friedrich Benzenbergs Interessen umfaßten tatsächlich ein weites Spektrum. Wissenschaftlicher Erkenntnisdrang und mathematische Genauigkeit zeichneten seine Persönlichkeit aus. Im Mittelpunkt dieses Buches steht der Geisteswissenschaftler und Publizist - "nicht der Astronom, Geometer, Physiker und Mathematiker", wie die Autorin einleitend schreibt. Benzenbergs Lebenszeit fällt in einem Zeitraum, in dem Liberalismus und Konservatismus sich zu zentralen politischen Schlüsselbegriffen des 19. Jahrhunderts entwickeln, an dessen Beginn auch eingebettet in die Stein-Hardenbergschen Reformen. Benzenberg beschäftigte sich intensiv mit Verfassungsfragen seiner Zeit, verstand sich als Mittler zwischen Adel und Bürgertum und betrachtete sein Engagement in der Politik geradezu als persönliche Pflicht. Dabei blieb er zeitlebens ein streitbarer Geist und Verfasser von zahlreichen Schriften und Büchern. Es ist ungemein reizvoll, die umfänglichen Zitate wie Kommentare von Zeitgenossen und die Quellenhinweise in dieser gelungenen Studie nachzulesen. Entsprechend der Einleitung ist das Wirken Benzenbergs für die Landesvermessung lediglich im Werdegang "Vom Gelehrten zum Publizisten" in einem Unterkapitel auf wenigen Seiten zusammengefaßt. Dajana Baum beschreibt die Motivation Benzenbergs für sein Katasterprojekt nach französischem Vorbild in dem Ziel, einer gerechten allgemeinen Besteuerung des Grundbesitzes - selbst gegen die Interessen seiner Eltern, denn der Vater war als Prediger Angehöriger eines steuerfreien Patronats: "das beste ist, daß wir jedes Gut messen, um zu einem Kataster zu gelangen." Frau Baum zitiert gerne auch das den Vermessungsingenieuren bekannte "geflügelte Wort", die Hauptsache beim Cataster sei, daß es fertig werde (S. 33). Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 211, 119, 95.
Quellen: Dajana Baum: Johann-Friedrich Benzenberg (1777-1846) - "Doktor
der Weltweisheit" und "Professor der Konstitutionen" -
Verfassungskonzeptionen aus der Zeit des ersten preußischen
Verfassungskampfes, Düsseldorfer Schriften zur Neueren Landesgeschichte, Band 79
- 430 Seiten, € 39,90 - Klartext-Verlag, ISBN 978-3-89861-858-8. Lucht,
H.: Johann Friedrich Benzenberg – Jugendliebe in Bremen – sein Wirken für
Landesvermessung und Kataster, im Symposiumsband
Wegbereiter in der deutschen Landesvermessung, 7. Symposium für
Vermessungsgeschichte in Dortmund 1999, Hrsg. Kurt Kröger, S. 55 – 73
253.
Gauß-Sternwarte in Göttingen wird nach historischem Vorbild wieder
hergerichtet
252. Vor 80 Jahren –
Ernst Pinkwart und Heinrich Röhrs - wir erinnern an beide
Persönlichkeiten
aus Anlaß der
INTERGEO 2008:
Ernst
Pinkwart wurde am 5. 3. 1898 in Hannover geboren, erlebte seine
Schulzeit in Halberstadt und legte dort seine Reifeprüfung ab. Nach
Soldatenzeit im Ersten Weltkrieg, einer Ausbildung
im Stadtvermessungsamt Magdeburg studierte er Geodäsie in Berlin,
war Assistent bei Prof. Eggert (Vergl. Mitt. Nr. 54) und wurde 1926 mit
einer Arbeit über die Kolonial-Triangulierungen zum Dr. phil. promoviert. 1928
bis 1938 leitete Dr. Pinkwart die Abteilung für Neumessung, Höhenmessung,
Umlegung und Kartographie des Katasteramts in Bremen. Eine
der ersten Veröffentlichungen galten der Bewertung von Erbbaurechten. Im
Hafenbereich von Bremen beobachtete er den Einfluß des Wasserstandes
auf die Höhenlage von Wasserbauwerken und damit von Festpunkten aufgrund des erheblichen Tidenhubs der Weser. 1935 war er maßgeblich
an Gestaltung und Durchführung des 100-jährigen Amtsjubiläums beteiligt.
–
Als im Zuge der Neuorganisation die Hauptvermessungsabteilungen (HVA) begründet
wurden, übertrug ihm das Reichministerium des Innern zugleich mit der Beförderung
zum Oberregierungs- und Vermessungsrat die Leitung der HVA V in Stettin.
Zum 1.1.1944 wurde er als Referent in das RMdI berufen. H. Wirths
schrieb später in seinem Nachruf 1961 „…sein Wirken … war beispielhaft
und richtungweisend für den Aufbau der Reichsvermessungsveraltung.“
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete er zunächst in der Sowjetischen
Besatzungszone (in Osternburg, freiberuflich in Stendal), konnte
jedoch aufgrund seiner politischen Neutralität seine berufliche Laufbahn
nicht fortsetzen. Er ging nach Westdeutschland. Von 1948 bis 1951 wirkte er
als Stadtvermessungsdirektor in Bonn, war zugleich seit 1949
Honorarprofessor an der Uni in Bonn. Ab 1951 war er dann Leiter der
Gruppe Vermessungswesen im Innenministerium in Nordrhein-Westfalen – mit
einer Reihe Ehrenämtern u. a. im Kuratorium des Oberprüfungsamts für die höheren
technischen Verwaltungsbeamten. Von 1959 bis zu seinem Tod 1961 war er
Vorsitzer der Länderarbeitgemeinschaft AdV.
Als erste wichtige bodenordnerische Maßnahme
initiierte Dr. Röhrs das bremische „Gesetz betreffend den Grenzausgleich zwecks
Wiederherstellung und Verbesserung von Eigentumsgrenzen nach dem
Liegenschaftskataster“ für den vereinfachten Grenzausgleich. Der
Grundgedanke dieses Gesetzes ist später von ihm auch in die Vorarbeiten zum
Bundesbaugesetz eingebracht worden.
Heinrich Röhrs gehörte zu den Männern der ersten Stunde in der
schwierigen Nachkriegszeit (Vergl. Mitt. Nr.
192).
251. Instrumentenspende aus Arnsberg.
Das Dezernat Vermessung der Bezirksregierung Arnsberg hat
dem Förderkreis wertvolle alte Instrumente übergeben, u. a. einen
elektronischen Tachymeter-Theodoliten Zeiss RegElta14 mit Lochstreifenstanze
und Zubehör, einen Tachymeter Kern DK-RT, Kern DK-RV, Topcon Reihe5, mehrere
Entfernungsmesser HP3800, Eldi2, AGA220, Wild DI3000, Ashtech Z12, einen
Bussolentheodolit Wichmann, wie unser Museumskurator Ingo von Stillfried
erfreut und dankbar berichtet. - 01.07.08
250. Erinnerungen an Dr. Theo
Gerardy – geboren vor 100 Jahren.
Wir erinnern aus Anlaß seines 100. Geburtstags an Dr. Theo Gerardy,
einen ungemein breit interessierten und engagierten Geodäten – in der
Katastererneuerung, in der Vermessungstechnik, dem Lochkartenkataster, in der
Grundstückswertermittlung, als Wasserzeichenforscher – und an eine ungemein
liebenswürdige Persönlichkeit, die mit ihrem rheinischen Idiom in
Niedersachsen ältere wie junge Kollegen zu begeistern verstand.
Geboren am 3. August 1908 in Essen, führte ihn der Berufsweg über das
Studium an der Landwirtschaftlichen
Hochschule in Bonn 1930 zur Landmesserprüfung, 1933 in die Preußische
Katasterverwaltung, es folgten Stadtneumessung Bitterfeld, Katasteramt Syke
und seit 1939 Heeresdienst. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er über die
Katasterämter Neustadt a. Rbge., Nienburg, dem RP Hannover
schließlich zum Katasteramt Hannover, das er über 20 Jahre leitete. Für
viele in unserer Fachrichtung ist Theo Gerardy aber insbesondere als
„Bewertungspapst“ in Erinnerung. Sein weit verbreitetes Standardwerk
„Praxis der Grundstücksbewertung“ erlebte mehrere Auflagen. Seit 1984
wurde das Werk von dem Berliner Bewertungsexperten Rainer Möckel zunächst
als Mitautor, seit 1986 als Herausgeber weitergeführt und erscheint als
Loseblatt-Sammlung. Theo Gerardy war ein früher Verfechter des
Vergleichswertverfahrens, Gutachtenbegründungen sollten nicht nur
nachvollziehbar sein, sie müssen überzeugen. Verfasser dieser Zeilen
erinnert sich an immer wieder geradezu freundschaftliche Unterweisungen in der
Referendarzeit. Unvergessen Grundstücksbesichtigungen bei Reihenhäusern als
Vergleichsobjekten in Hannover, „wie sie insbesondere in Bremen
weit verbreitet sind“ – über 40 Jahre liegt das zurück.
Theo Gerardy hatte sich durch seine großen Fähigkeiten und Verdienste
auch in seiner aktiven Dienstzeit Freiräume für seine vielfältigen
Interessen und Engagements geschaffen. „Er hat seine Dienststelle
hervorragend im Griff, selbst wenn er nicht immer vor Ort ist“ – lobte der
leitende Dezernent Prof. Werner Engelbert dessen breites Engagement,
das für den Beruf des Geodäten so wertvoll war. Bereits 1952 wurde er an der TH Hannover mit einer
Arbeit über die Gauß’sche Triangulation 1821–1844 promoviert,
schon hier legte er die Grundlagen für spätere Forschungsaktivitäten. Denn
weit über die Grenzen der Katasterverwaltung hinaus machte sich Theo
Gerardy neben der Grundstücksbewertung auch einen Namen in der
Erforschung des Alters von Papieren (ursprünglich ausgelöst, um im Nachlaß
von C. F. Gauß dessen viele Zettel-Notizen zeitlich einzuordnen); Gerardy
wurde als Vizepräsident in die Internationalen Assoziation der
Papierhistoriker berufen.
Dr. Gerardy hat zahlreiche Ehrungen erfahren, u. a. die Verleihung der
Medaille für besondere Verdienste für
das deutsche Immobilienwesen durch den Ring Deutscher Makler, die
Ehrenmitgliedschaft in der Gauß-Gesellschaft in Göttingen und die
Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Theo Gerardy verstarb
am 19. Juni 1986 an den Folgen eines Herzinfarktes. – 24./26. 06. 08
249. Petermann-Ausstellung in Bleicherode am Rande des Südharzes Im der repräsentativen "Alten Kanzlei" in Bleicherode (am Südharzrand) wird ab 16. Juni 2008 eine Ausstellung zu August Petermann gezeigt. Neben einer umfassenden Darstellung der Entwicklung der Kartographie von der Antike bis ins 19.Jh. wird das Wirken von Petermann besonders gewürdigt. August Petermann (*18.4.1822 in Bleicherode, + 25. 9. 1978 in Gotha) war einer der bekanntesten Geographen und Kartographen des 19. Jahrhunderts und wirkte u. a. im thüringischen Gotha, das seit den Zeiten des Astronomen und Geodäten Franz Xaver von Zach einen ausgezeichneten wissenschaftlichen Ruf hatte (Vergl. unsere Mitt. Nr. 119). Petermann richtete 1865 den ersten Deutschen Geographentag in Frankfurt a. M. aus. Er ist besonders bekannt geworden durch die Herausgabe der geographischen Fachzeitschrift "Petermanns Geographische Mitteilungen" (Verlag Justus Perthes). Dieses Periodikum war erstmals 1855 erschienen und konnte bis zum Jahre 2004 fortgeführt werden.
Unser Förderkreis ist in der Ausstellung in Bleicherode mit 11
Objekten aus dem Bereich topographische Aufnahme (zunächst als
Dauerleihgaben) vertreten. Unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried
hat bei der Erarbeitung der Konzeption der Ausstellung beratend mitgewirkt und
jetzt letzte Hand mit angelegt. Die
Ausstellung wird in dem alten
Ackerbürgerhof "Alte Kanzlei"
gezeigt, einem mit
EU-Mitteln vollständige restaurierten denkmalgeschützten Gebäudeensemble.
Eröffnet wir die Ausstellung am 16. Juni um 10:30 durch den Kultusminister
des Freistaates Thüringen. - 15.06.08
248. Großer Jubiläumstag - 125 Jahre Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund
Am 8. Juni 2008 dreht sich im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
in Dortmund alles um das Jahr 1883, das Gründungsjahr des Museums.
Lesungen kleiner Texte aus und zu 1883 wechseln mit Führungen durch die
Ausstellung „Kirchengold & Tafelsilber – Silberschmiedearbeiten aus
dem Bestand des Museums für Kunst und Kulturgeschichte“ ab. Erklingen
werden Flöte, Flügel, Leierkasten und das erstaunliche „Polyphon“. In der Ausstellung Vermessungsgeschichte wird mancher Besucher erstaunt feststellen können, welche Kunst es bedeutete, historische Vermessungsintrumente zu bauen. Seit 1985 ist die Ausstellung als Abteilung 22 in dem ehemaligen Sparkassengebäude im 4. Stock beheimatet, seinerzeit vom früheren Gründungsvorsitzenden Siegfried Stahnke dort eröffnet, unterstützt und gefördert vom damaligen Museumsdirektor Dr. Gerhard Langemeyer, dem heutige Oberbürgermeister der Stadt Dortmund. Seit nunmehr über 20 Jahren ist die damalige freundliche Unterstützung auch durch den heutigen Museumsdirektor Wolfgang. E. Weick beständig fortgeführt worden: Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. gratuliert zu diesem besonderen Jubiläum. - Bei der Jubiläumsveranstaltung wird der Förderkreis durch seinen Geschäftsführer Klaus D. Lehmann und durch die Herren Friedel Pfeifer und Manfred Gombel vom Vorstand vertreten sein. - 02.06.08
247. Geschichte der Geodäsie in Deutschland Prof. Dr. Wolfgang Torge stellte im Rahmen des Geodätischen Kolloquiums der TU Hannover am Dienstag, den 20. Mai 2008 sein neuestes Buch vor. Prof. Klaus Kertscher freute sich für den DVW als Veranstalter und insbesondere für den Vortragenden, eine erfreulich große Zuhörerschaft "pari jung und älter" begrüßen zu können. Wolfgang Torge ließ erkennen, wie viel Aufwand neben der wissenschaftlich erfreuenden Arbeit schon in der großen Literatur-Recherche gelegen hat, nicht zuletzt bedingt auch durch ' manch organisatorisches Chaos' im historischen Deutschland mit seinen vielen einzelnen Staaten. Sein Hauptanliegen habe er auch darin gesehen, die Entwicklungen bis 1945 übersichtlich zusammenzufassen und zu sichern, auch vor dem Hintergrund der Umwälzungen im Vermessungswesen in den jüngeren Jahrzehnten. Der Vortragende erläuterte mit Hilfe von rd. 30 hervorragenden Übersichtsfolien die verschiedene Entwicklungen vornehmlich in der Höheren Geodäsie, vom Altertum bis in die Zeit des Wirkens von Bessel, C.F. Gauß, Baeyer, Helmert, auch F.G. Gauß bis hin zu Kohlschütter und F. J. Kurandt - zum Inhalt des neuen Standardwerkes siehe auch unsere Mitt. Nr. 222. Gerne zitierte Wolfgang Torge auch manch kritische Kommentierung Altvorderer, so z. B. die Aussage der renommierten Landkartenfirma Homann aus dem Jahre 1743 "...Brandenburg und Preußen das Land seien, das am liederlichsten in den Landkarten aussehe und doch von Gelehrten wimmele". Klaus Kertscher beglückwünschte Prof. Wolfgang Torge für sein großes und auch erheblich arbeitsaufwendiges Werk. Wolfgang Torge habe ein Standardwerk geschaffen, das einen weiten Bogen spannt und einen wesentlichen Teil der Geodäsie dokumentiert.- Die Gegenwart in unserem Fachgebiet erscheint auch heute noch vielfältig, oft unübersichtlich. Das war früher nicht anders. Geschichte ist Gegenwart von gestern - dies bedenkend, wird die großartige Leistung von Wolfgang Torge erkennbar, frühere Gegenwarten in so kompakter Form zu erschließen. Siehe auch Mitt. Nr. 222. - 22.05.08
246.
Dr. Clemens Weißgerber † Geboren
am 19. Juni 1919 in Dortmund, studierte Clemens Weißgerber in München,
Wien und Köln klassische Philologie und Archäologie, wurde 1952 an der
Uni Köln promoviert. 1958 – 1964 war Dr. Weißgerber
Organisationsleiter der Dortmunder Volkshochschule und dann Leiter des Museums
am Westpark – Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund.
Dort nahm er – begeistert von der Arbeit der Dortmunder
Vermessungskollegen – die Sammlung 5000 Jahre Vermessungsgeschichte
auf, die zum Ausgangspunkt der heutigen Abteilung Vermessungsgeschichte im
Museum für Kunst und Kulturgeschichte wurde. Dr. Clemens Weißgerber war
Gründungsmitglied des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. und
seit 1987 Ehrenmitglied. Wir haben Dr. Clemens Weißgerber
ebenso wie dem vor wenigen Wochen verstorbenen Siegfried Stahnke sehr
viel zu verdanken. Wir werden beide Gründungsväter ehrend in Erinnerung
behalten. – 18.05.08
245.
Wiederaufbau
Berliner Stadtschloß – Fassaden nach Fotos aus dem Meydenbauer-Archiv.
Das Berliner Schloß war ab 1443 in mehreren Bauphasen erbaut
und unter König Friederich I in
Preußen zur königlichen Residenz ausgebaut worden. Wichtige
Baumeister waren u. a. unter Andreas Schlüter (1698-1703) und Eosander
von Göthe (1703-1716).
Die Ruinen des Schlosses waren 1950 für den Bau des „Palast der
Republik“ der ehemaligen DDR abgerissen worden. Jenes Gebäude ist
inzwischen abgebrochen. 2002 beschloß der Deutsche Bundestag die
Wiedererrichtung der Nord-, West-
und Südflügels des alten Schlosses sowie des kulturhistorisch bedeutsamen Schlüter-Innenhofs
mit dem Ziel einer Nutzung als „Humboldt-Forum“ – in Erinnerung
an das Wirken von Alexander und Wilhelm von Humboldt. Die moderne
Nutzung soll hinter den rekonstruierten Barockfassaden des Schlosses
inszeniert werden.
Ende 2007 ist der Architektenwettbewerb für den Wiederaufbau gestartet
worden. Grundlage für die Rekonstruktion der Fassaden sind u. a. Meßbilder
(40cm x 40cm) aus dem von Albrecht Meydenbauer (1834 – 1921) begründeten
Meydenbauer´schen Meßbildarchivs. Meydenbauer war der Begründer
der Architekturphotogrammetrie. Das Archiv beim Brandenburgischen Landesamt
für Denkmalpflege verwahrt etwa 20.000 großformatige (40
cm x 40 cm) Glasplattennegative mit
Bauwerken vor allem Preußens aus den Jahren 1885 bis ca. 1930. Von der
Außenfassaden und den Innenhöfen des Schlosses wurden ca. 45 Bilder
gefunden. Diese Bilder sind von außerordentlicher Qualität hinsichtlich
Geometrie und Auflösung. Die
photogrammetrische Auswertung wurde im Fachbereich Geodäsie der TU Berlin durchgeführt.
Die präzisen Maße für Außenlinien des Erdgeschoß-Sockels sind aus den
Katasterunterlagen aus den Jahren ab 1879 ableitbar. Quellen:
A. Wiedemann: Photogrammetrische Rekonstruktion zerstörter Bauten aus historischen
Photographien unter www.al-wie.de/lit/wie_intergeo2000.pdf
sowie www.berliner-schloss.de
und Wikipedia. - 12.05.2008
244.
Vor 60 Jahren – Eingliederung der
Katasterämter in NRW in die Stadt- und Landkreise
Die Situation damals, weniger als 3 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs –
zerbombte Städte, Wohnungsnot, Millionen Flüchtlinge aus dem Osten in den
westlichen Besatzungszonen – kurz Not überall. Wiederaufbau und
Wohnungsbau, Bündelung aller Kräfte vor Ort waren die zentralen
Notwendigkeiten, insbesondere in den größeren Städten. Zusammenfassung
aller Fachkräfte, Einheitlichkeit in der Ortsinstanz, diese Zwänge standen
in (fachlicher) Konkurrenz zur der Wahrung der Einheitlichkeit in einer
staatlichen Sonderverwaltung, wie sie herkömmlich überliefert war –
zwei grundlegend unterschiedliche Ziele, damals – und lange davor und
darüber hinaus.
Es ist hochinteressant, die seinerzeitige Fachdiskussion von Schlegtendal-Herford
und Zörner-Frankfurt a. M. (pro Kommunalisierung) und Ohl-Darmstadt
(pro staatliche Verwaltung) nachzulesen – andererseits die von gegenseitige
Verständigungsbereitschaft geprägten Schlußworte in der ZfV 1953 von Ohl
und Schlegtendal. Eine ähnliche, allerdings wesentlich zurückhaltende
fachliche Diskussion gab es später nochmals nach der Wiedervereinigung 1990.
Die Eingliederung 1948 in NRW verfolgte zunächst ein doppeltes Ziel, die
Herstellung einer (bürgerfreundlichen) Einheitsverwaltung in der Kreisstufe
und damit einhergehend die erhoffte Realisierung von Einsparpotentialen. Man
meinte, die „einsam stehenden Sonderbehörden“ seien der ständigen Gefahr
ausgesetzt, „alles zu sehr unter dem Gesichtswinkel ihrer Tätigkeit und
nicht unter dem der großen Gemeinschaft und übergeordneter Interessen zu
beurteilen“. Tatsächlich hat sich die Eingliederung in den Boomjahren des
Wiederaufbaus als segensreich erwiesen. Zwar konnte das erhoffte Einsparziel
nicht erreicht werden, doch das lag insbesondere an dem erheblichen
Aufgabenzuwachs. Zunächst waren das Kataster zu ergänzen (Gebäude) und die
Karten zu erneuern für die steigenden Bedürfnisse. Hinzu kamen die Aufgaben
von Baulandumlegungen, Grenzausgleich, Zusammenlegungen, jene Rechtsinstitute,
mit denen die Planung von Wiederaufbau und Neubau realisiert wurden, sowie die
Umsetzung der Aufgaben aus den Aufbaugesetzen der Länder. Integriert in der
Stadtverwaltung hieß und heißt, unmittelbar beteiligt zu sein in
gemeindliche Handlungsprozesse, eine wichtige Voraussetzung, Kataster- und
Vermessungskompetenz unmittelbar einbringen zu können (ZfV 1992 S. 103/104). Dem Verfasser dieser Zeilen ist jene oben angedeutete grundsätzliche Reserviertheit aus staatlichen Vermessungs- und Katasterverwaltungen anderer Länder in seiner Mitgliedschaft in bundesweiten Gremien seit 1973 – also 25 Jahre nach der Eingliederung im bevölkerungsreichsten Bundesland – immer wieder begegnet. Er selbst befand sich in der glücklichen Lage eines Stadtstaates (Freie Hansestadt Bremen), in dem staatliche Landesvermessungs- und Katasteraufgaben und die Aufgaben des kommunalen Vermessungswesens selbstverständlich (jedenfalls ab 1973) in einer Dienststelle vereinigt waren. Man muß jedoch andererseits auch sehen, daß ADV-technische Großverfahren in den vergangenen 70-iger und 80-iger Jahren durch die übergeordnete Kompetenz in den staatlichen Ämtern der Flächenländer erhebliche Fortschritte verzeichnen konnten. Allerdings hat ebenso z. B. das Landesvermessungsamt in NRW kompetent und segensreich gewirkt, und in Zusammenarbeit mit der kommunalisierten Fachverwaltung zukunftsweisende Lösungen in den Automationsverfahren aufgebaut. Ergänzend sei auch an den Grundgedanken des MERKIS-Konzepts des Deutschen Städtetages erinnert, jene damalige Koordinationsempfehlung zum einheitlichen Raumbezug für kommunale Informationssysteme.
„Die Kommunalisierung ermöglicht die direkte Einflussnahme auf die
zeitliche, inhaltliche fachliche und wirtschaftliche Erledigung der
Aufgabe“, hat Rainer Höhn kürzlich nochmals hervorgehoben, und
„durch die Kommunalisierung der Katasterämter ging die Einheit
des Liegenschaftskatasters und die Einheit von Landes- und
Katastervermessung nicht verloren.“ Und
Karl Zörner schrieb schon damals 1953 in seinem
ausgewogenen Beitrag als von dem „uralten“ Thema
(a. a. O. S. 216).
243.
Siegfried Stahnke †
Am 21. April 2008 starb Siegfried Stahnke im 96. Lebensjahr – Begründer,
Motor und Förderer des
Vermessungstechnischen Museums in Dortmund.
Stahnke war 1955
bis 1976 Leiter des städtischen
Vermessungs- und Katasteramts Dortmund und seit 1965
Vorsitzender des Städtetagsausschusses
„Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen" (bis 1976).
– Siegfried Stahnke wurde 1911
in Berlin geboren und studierte dort
Geodäsie. Nach Militärdienst und Kriegsgefangenschaft legte er 1950 die Große
Staatsprüfung ab. Seine praktische Laufbahn begann 1950 beim
Ruhrsiedlungsverband, dem heutigen Kommunalverband Ruhrgebiet. Bereits
1951 ging er als Leiter der Umlegungsabteilung zur Stadt Dortmund.
Mit dem Weg in die städtischen Bodenordnungsaufgaben hatte Stahnke die
Herausforderungen einer umfassenden Gestaltungsaufgabe gewählt - aus Passion,
wie der spätere Berufsweg zeigt. Der Wiederaufbau in den Städten
verlangte bereits damals die vielfältige Koordinierung
aller Ansprüche an den städtischen Bauboden, also engagiertes
Bodenmanagement. Stahnke wirkte
in dieser Funktion für die Um- und Neugestaltung der Dortmunder Innenstadt, 1961 bis 1964 zugleich und zusätzlich in
der Leitung des Planungsamtes. Seine Veröffentlichungen zu Fragen der
Bodenordnung, der Grundstücksbewertung,
ebenso wie seine langjährige Kommentierung der Städtischen Umlegung im Kohlhammer-Kommentar
waren eine Fundgrube. Er hat den Deutschen
Geodätentag 1962 in Dortmund ausgerichtet, verbunden mit einer
Fachausstellung „Messen über und unter Tage“ – aufgebaut von den
engagierten Mitarbeitern aus der Dortmunder Kollegenschaft. Diese
Ausstellung wurde später Keimzelle des Vermessungstechnischen Museums in
Dortmund. Und Siegfried Stahnke war maßgeblicher Mitbegründer des
Studienganges „Vermessungswesen und Bodenordnung"
an der Universität Dortmund.
Der reiche
Berufsweg von Siegfried Stahnke wurde mehrfach, so
in der ZfV (1981 S. 558, 1996 S. 508) gewürdigt. Auch in den Jahren nach
seiner Pensionierung als Ltd. Städtischer Vermessungsdirektor wirkte er
weiterhin unermüdlich, so im Gutachterausschuß für Grundstückswerte, für
das Vermessungstechnische Museum (als
Mitbegründer des Förderkreises 1979, er wurde 1987 das erste Ehrenmitglied),
in seinem Urlaubsort Neroth in der Eifel für den
Fremdenverkehr. Er erhielt in Anerkennung seines weit gefächerten
Wirkens 1986 das Bundesverdienstkreuz. Siegfried Stahnke, bereits seit mehreren Jahren erblindet, starb am 21. April 2008 in einem Dortmunder Pflegeheim in der Obhut seiner Frau. - Persönlich erinnern wir uns gerne an seine fürsorgliche Kollegialität, an seine zurückhaltend-ruhige und überzeugende Gesprächsführung in großen und kleinen Konferenzrunden. Siegfried Stahnke war großes Vorbild für alle, die mit ihm zusammenarbeiten durften - im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum und ebenso im Städtetagsausschuß und weit darüber hinaus. Er wird uns vor allem als eine besonders liebenswerte Persönlichkeit in dankbarer Erinnerung bleiben. – 27.04.08
241. Zur 150. Wiederkehr des Geburtstags von Ernst Hammer Eine inhaltsreiche Würdigung des Anfang des 20. Jahrhunderts populären Stuttgarter Geodäten Prof. Ernst Hammer ist im VDV-Magazin, Zs. für Vermessung und Geoinformation Heft 2/2008 S. 122 - 124 erschienen - verfaßt von unserem Eratosthenes-Preisträgers Bernhard Zimmermann aus Warnemünde. - E. Hammer wurde am 20. April 1858 in Ludwigsburg/ Baden-Württ. geboren, wirkte seit 1884 als ordentlicher Professor in Stuttgart, schuf Grundlagen für die württembergische Landestopographie, wurde 1896 an der Leipziger Universität zum Dr. phil. promoviert. Er hat eine Reihe von Veröffentlichungen geschrieben, u.a. zur Geschichte der Geodäsie, speziell auch der Kartographie, der Meßtechnik und der Mathematik. Anzahl und Themenbreite der Beiträge allein in der Zs. für Vermessungswesen zeigt sein weites Interessengebiet. Die von unserem Förderkreis herausgegebene von Klaus Grewe verfaßte Bibliographie zur Geschichte des Vermessungswesens (herausgegeben 1984 - Schriftenreihe Nr. 6) führt über 30 Titel auf. Eine viel beachtete Leistung war der zusammen mit der Fa. Fennel entwickelte "selbstrechnende Tachymeter-Theodolit ("Hammer-Fennel"). - Ernst Hammer starb am 11. September 1925 an den Folgen eines Unfalls bei einer geodätischen Ferienexkursion. - 14. 04. 08
240.
Im Spannungsfeld zwischen Ost und West 1945 bis 1952 –
Vermessungsgeschichte in Berlin, aufgezeichnet von E. Braune, bearbeitet
von G. Bolze Günther
Bolze hat die Aufzeichnungen des früheren Chefs der Berliner
Vermessungsverwaltung, Edmund Braune, lange gut bewahrt und jetzt in Form
einer CD herausgegeben. Edmund Braune (siehe unsere Mitt. Nr. 238)
gibt seinem Bericht als Credo auf den Weg: „Geschichtsstudium soll
Lernbetrachtung sein, das ist sein letzter Sinn“. Und er schrieb rückblickend
(1961), er habe diese Aufzeichnungen niedergeschrieben, „….um ein der
Wirklichkeit entsprechendes, lebendiges Erinnerungswerk zu schaffen“. Sein
Bericht beginnt am 8. Mai 1945: „Ist dies wirklich noch eine Großstadt?
Keine Straßenbahn fährt, kein Autobus, keine Stadt- und Ringbahn und keine
Untergrundbahn. Ausgebrannte Wagen liegen herrenlos auf den Straßen herum.
Fahrräder sind ohne Bereifung.“ Sämtliche Instrumente des Vermessungsamtes
werden von den Russen abtransportiert. – Tage später: Prof. Scharoun übernimmt
alle technischen Aufgaben der Stadtverwaltung, den Hoch- und Tiefbau, das
Planungs- Vermessungs- Gartenwesen, die Baupolizei und das Wohnungs- Miet- und
Pachtwesen. Das (ausgelagerte, wohl vernichtete) Vermessungswerk wird nie
wieder zur Verfügung stehen. „Eigenartiger Weise aber geht die
Besinnlichkeit darüber, daß ein in 50 Jahren von etwa 100 Technikern
geschaffenes Musterwerk, welches einen Wert von mindestens 6 Millionen
Goldmark darstellt, verloren ist, und daß man in Zukunft gerade für die
besonders stark zerstörten Gebiete der Innenstadt mit einem Behelfswerk wird
auskommen müssen, nicht sehr tief bei den meisten Mitgliedern des Amtes. Denn
vorerst herrscht ein recht nüchterner „Existenzialismus“: Weiterleben und
an gewohnter Stätte wieder arbeiten können“. Ein
erster Großauftrag: die Herstellung eines Schadensplanes für das
Gesamtgebiet von Groß-Berlin. Stadtrat Scharoun fordert den
Einsatz aller verfügbaren Kräfte für diese Aufgabe. Alarmruf:
"Vermessung, kannst Du uns einen Plan herstellen, in dem der angerichtete
Schaden optisch nachgewiesen wird, aus dem Umfang und Schwere der Zerstörungen
abgelesen werden können? Eile tut not!“ Dieser Notruf kommt vom Hochbau,
vom Tiefbau, von der Planung, vom Verkehr, ja sogar von der Finanzverwaltung,
er kommt von den Werken, von der Grundstücksverwaltung, von den Stadträten,
ja selbst von den Besatzungsbehörden. Andererseits ist beim Einsatz des
wenigen Fachpersonals notwendig zu unterscheiden zwischen (zu entlassenden)
belasteten und harmlosen Nazi-Parteigängern. Doch
bald treten selbst in diesen Notzeiten die im Vermessungswesen so beliebten
Vorschriften in den Vordergrund. Bereits im Januar 1946 wird in der
monatlichen Amtsleiterkonferenz im Hauptamt die Herausgabe einer zweiten
Stadtkatasteranweisung beraten, um die Zulassung von Ö.b.V.I. und die Meßgenehmigungen
für urkundliche Vermessungen zu regeln. Da das Hauptamt für den Raum von Groß-Berlin
die Nachfolge der bisherigen Hauptvermessungsabteilung IV für Berlin
angetreten hat, liegt bei ihm die erste Rechtsstufe für die Durchführung der
Berufsordnung vom 20.1.38. Zugelassen
sollen alle bisher in Groß-Berlin amtierenden Öffentlich bestellten
Vermessungsingenieure werden, sofern sie nicht Parteigenossen waren (siehe
auch unsere Mitt. Nr. 230). Fachschulingenieure müssen eine
zehnjährige Praxis nachweisen, um eine Meßgenehmigung zu erhalten. Und auf
der Amtsleiterkonferenz werden die Schwierigkeiten erörtert, die durch den
Einspruch des Preisamtes gegen die geplante Erhöhung der Katastergebühren
entstanden sind. „Diese Gebühren decken bekanntlich in keiner Weise den
technischen Aufwand“. Lehrabschlußprüfungen
werden wieder für die Lehrlinge aller Berufe eingeführt. Schon seit langer
Zeit wird eine gar nicht mehr zu verantwortende „Lehrlingszüchterei“
betrieben, denn viele
Vermessungsbüros werben für ihre Bodenreformvermessungen keine Arbeiter als
Meßgehilfen an, sondern die billigen Lehrlinge. Und Lehrlinge melden sich
auch in großer Zahl. Es hat sich herumgesprochen, daß es bei den
Vermessungen für die Landaufteilung etwas zu essen gibt…... Auch die
erheblichen Sorgen Tage und Stunden vor Beginn der Interzonalen Geodätentagung
in Berlin 1947, deren Abbruch drohte, ist hier ausführlich nachzulesen.
Ab 1. 12. 1948 ist das Berliner Vermessungswesen nach West und Ost
geteilt (Vergl. unsere Mitt. Nr. 202). In
den über 1100 Seiten sind zahlreiche Zeitzeugen und deren Handeln erwähnt,
so u. a. Dr. Adenauer (Köln), H. Ahrens, Professor Baeschlin, Schweiz, Dr.
W. Bonczek, Prof. Dr. Brennicke, H. Draheim,
Ewringmann (Köln), E. Gigas, Prof. Dr. Finsterwalder, Prof. Dr. Großmann,
Prof. Dr. Harbert, Heckmann (Mannheim), Hinterthür (Essen), Prof. Dr. Hunger,
Hundeck (Hannover), Prof. Dr. Kneißl, Kurandt (Wiesbaden), Prof. Dr. Lacmann,
Neddermeyer (Hannover), Overhoff vom Ruhrsiedlungsverband, Prof. Dr. Pinkwart,
Prof. Dr. Ing. Richard Finsterwalder (Hannover), E. Reuter (Berlin 9.9.1948
– „Bürger schaut auf diese Stadt“), Dr. H. Röhrs (Bremen),
Ö.b.V.I.
Schmidt, Sefranek (Nürnberg), Ö.b.V.I. Slawik, Zörner (Frankfurt a. M.) und
viele andere. Im Anhang der Schrift sind einige Photos aus jenen Jahren
wiedergegeben. - Das
Werk von Edmund Braune liefert ein plastisches Bild jener Not- und
beginnenden Wiederaufbauzeiten, der Organisation der Vermessungsverwaltung
in Berlin. Der Bericht ist zusätzlich eingebettet in eine
faktenreiche Schilderung der allgemein-politische Situation jener von
heftigen Auseinandersetzungen zwischen Ost und West geprägten Zeit, 2-Dpf-Notopfer
Berlin, der Blockade von Berlin
und der Luftbrücke der Alliierten 1948/49 – Der Berliner hielten
durch, doch „…auf ein weiteres Abholzen seiner Wälder reagiert der
Berliner sauer. Trotz aller Sorge vor dem kommenden Winter will er lieber auf
das Holz verzichten, als seinen Wald verlieren. Bis jetzt hat er alle durch
die Blockade ihm auferlegten Schwierigkeiten mit Geduld getragen, selbst mit
der Aktion "Storch" durch welche mehr als zehntausend Kinder
in Flugzeugen aus Berlin nach Westdeutschland abgeflogen werden, um sie vor
den Unbilden des nahen Winters zu schützen und besser verpflegen zu können,
ist er schweren Herzens einverstanden….“ Und
auch fachlich verlief in jenen Jahren nicht alles stets kollegial, in der
Schrift facettenreich, durchaus subjektiv und eben menschlich dokumentiert.
Fragen fachlicher Weichenstellungen, u. a. im Liegenschaftswesen, die
Entscheidung für die weitere Verwendung des Soldner-Koordinatensystems Müggelburg
(anstelle von Gauß-Krüger-Koordinaten), bedingt durch die Lage auf
einem Grenzmeridian und fußend auf einem Gutachten von Prof. Hunger,
auch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag, das Für und
Wider der Kommunalisierung des Katasters, der Aufbau des DVW:
Edmund Braune war erkennbar eine außerordentlich überzeugende
und notabene überzeugte Persönlichkeit. Der
Bericht endet im März 1952: „Mein Nachfolger, Kollege Dräger
hat heute seinen Dienst in unserer Verwaltung angetreten. Es bleiben mir also
nur vier Wochen Zeit … eine sehr begrenzte Zeit, wenn man bedenkt, dass es
nicht nur um die Einführung in die technischen Aufgaben geht, sondern um die
Einfühlung in den Rhythmus der Berliner Verwaltung ….., um die
Handhabung der Aufsichtsbefugnisse des Wir
können hier nur einige wenige Mosaiksteine dieses ganz besonderen
historischen Zeugnisses kurz anreißen. Der Bericht ist eine Fundgrube
historischer Fakten nicht nur für Berlin sondern (damals) zonenübergreifend.
Es ist außerordentlich verdienstvoll, wie der Kollege Günther Bolze
sich über Jahre der Aufgabe gewidmet hat, diesen Schatz zu heben. –
Interessenten können sich wenden an den Autoren der CD, Günther Bolze,
eMail G.Bolze@t-online.de. Der
Förderkreis Vermessungstechnisches Museum dankt Herrn Bolze nicht nur
für die Übergabe der CD sondern besonders für ein vollständiges
Druckexemplar für die Bibliothek des Förderkreises. – 02.04.08
Aus Anlaß des 200. Todestags lädt das Haus Martfeld in Schwelm zu einer Sonderschau ein, die am Freitag, den 4. April 2008 um 19 Uhr eröffnet wird. Das Stadtarchiv Schwelm und das Haus Martfeld zeigen eine Ausstellung, die dem Leben und Werk des Universalgelehrten, Wissenschaftlers und Pastoren Fr. Chr. Müller (1751 - 1808) gewidmet ist. Die Ausstellung ist vom 5. 4. bis 4. 5. 2008 geöffnet. Am Todestag von Friedrich Christoph Müller, Donnerstag den 10. 4. 2008 um 19.30 Uhr wird es in der Evangelischen Pfarrkirche in Bad Sassendorf eine kleine Feierstunde „praktisch unter Müllers Kanzel“ geben. Nach einer Einführung des Heimatforschers Martin Anemüller wird Manfred Spata einen Vortrag über Pastor Müller und seine geodätisch-kartographischen wissenschaftlichen Arbeiten halten. Der Kurpfarrer Christian Casdorff wird mit seinem Orgelspiel die Feier begleiten. Dazu wird Kollege Peter Sukkau einige Müller-Exponate vorstellen, u.a. die Situationskarte von Sassendorf 1773, die Ämterkarte von 1791 und das Sassendorfer Müller-Porträt 1776. - Wir weisen ergänzend auf die Veröffentlichungen unseres Eratosthenes-Preisträgers Manfred Spata hin, insbesondere auf seinen Beitrag "Friedrich Christoph Müller und seine Karten der Grafschaft Mark aus den Jahren 1775 - 1791" im Symposiumsband zum 7. Symposium zur Vermessungsgeschichte 1999, in unserer Schriftenreihe Band 27 (siehe auch unsere Mitt. Nr. 17 und 197). Manfred Spata gab auch die Anregung zu den Aktivitäten in Schwelm; er wird am Sonntag, den 20. 4. 08 um 15 Uhr einen weiteren Vortrag über Pastor Müller im Museum Haus Martfeld halten. - 28./30.04.08
238. Wir erinnern an Edmund Braune (1886 - 1966) - Berlin in schwerer Zeit
Edmund Braune war nach Ende des Zweiten Weltkriegs der erste Leiter
des Hauptamtes für Vermessung in Berlin. Er hat in einem detaillierten
Bericht festgehalten, wie Berlin und das Berliner Vermessungswesen im
Spannungsfeld zwischen Ost und West 1945 bis 1953 wiederaufgebaut worden sind – wir stellen den über 1100 Seiten umfassenden Bericht in einer kommenden
Mitteilung (siehe Nr. 240) vor. Nun
blutest Du aus hunderttausend Wunden, / und aller Glanz, der Dich umgab, ist
hin! /
Quellen: Langer: Regierungsdirektor i. R. Edmund Braune † ZfV 1966 S. 213
– 214, Dräger: Edmund Braune 70 Jahre, ZfV 1956 S. 392; oben angekündigter
Bericht - 22.03.08
237. 5 Jahre - Mitte März 2003 haben wir begonnen, an dieser Stelle "aktuelle Mitteilungen" aus der Vermessungsgeschichte zu veröffentlichen.
Wir erinnern an
236. Die Merckelsche "General-Charte" für die Stadt Lemgo 1794-1800.
Ausstellung im Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo vom 13.März - 18.
Mai 2008. - Am 12. Juli 1794 haben beide Räte der Stadt Lemgo den Feldmesser
und Forstauditor Philipp August Merckel beauftragt, die Lemgoer
Feld- und Holzmark im Hoheitsgebiet der Stadt zu vermessen und ein
Messbuch vorzulegen. Seine "General-Charte" hat
die Abmessungen von 2,30 x 2,80 m im Maßstab von etwa 1:3.000.
Quelle: Stadtarchiv Lemgo, Text : Verein "Alt Lemgo". Die Charte
(ISBN 978-3-926 311-48-1) und das Messbuch (ISBN 978-3-926
235. Mitgliederversammlung 2008
Am 18. 2. 2008 fand in Dortmund in der Rotunde des Museums für
Kunst und Kulturgeschichte die Mitgliederversammlung 2008 des Förderkreises
unter Leitung des Präsidenten statt - im Anschluß an das 10. Symposium für
Vermessungsgeschichte (siehe Mitt. Nr. 233). Im Mittelpunkt stand der
Jahresbericht des Ersten Vorsitzenden Norbert Kalischewski, assistiert
von Powerpoint-Darstellungen des Museumsbeauftragten Ingo von Stillfried.
Einleitend konnte er über eine weiter steigende Besuchszahl auf dieser
Homepage berichten (vergl. Mitt. Nr. 227). Höhepunkte waren im vergangenen
Jahr die Verleihung des Eratosthenes-Preises an Dipl.-Ing. Mario
Bauch aus Sachsen (Mitt. Nr. 208) und eine Reihe von Führungen
durch die Schausammlung, daneben die erneute Mitwirkung an der Museumsnacht.
Herr von Stillfried berichtete, der Förderkreis habe 2007 für 5
Ausstellungen Leihgaben zur Verfügung gestellt, u.a. auch für die
Im Magazin im Westpark konnten neue Stellmöglichkeiten sowohl für die
Bücher wie auch für die Instrumente geschaffen werden.
Herr Gocke erläutert den Kassenbericht für das Jahr 2007 sowie die
Haushaltsansätze für das Jahr 2008.
In den turnusmäßigen Wahlen zum Kuratorium sind
Prof. Torge, die Herren Meyer-Dietrich sen., Rürup sowie
Spata wiedergewählt und Prof. Bertold Witte aus
Aachen neu gewählt worden.
234. Eine Höhenmarke am Rheinufer Einen bemerkenswerten Stein fand Herr M. Mosch bei Duisburg Binsheim am linken Rheinufer - einen Stein mit einem Höhenbolzen, der Inschrift LXII und unter einer einer horizontalen Linie "über AP" sowie mehren Km-Angaben. Er wandte sich an den Förderkreis, um Näheres über die Bedeutung zu erfahren.
Manfred Spata konnte helfen:
Es handelt sich um eine heutzutage sehr seltene, gut erhaltene Höhenmarke
eines Rheinstrom-Nivellements aus dem 19. Jahrhundert. Ausführende
Vermessungsstelle war vermutlich die preußische Rheinstrom-Verwaltung.
Als Entstehungszeit ist ein Datum deutlich vor 1891 anzusetzen, weil in
diesem Jahr die Niederlande die Kennzeichnung ihres Höhenbezugssystems von früher
„AP“ (= Amsterdams Peil) auf das bis heute gültige „NAP“ (= Normaal
Amsterdams Peil) wechselte. Somit ist „AP“ auf dem Stein die
Kennzeichnung des Höhensystems des Rheinstrom-Nivellements. Die römische
Ziffer „LXII“ (= 62) ist als eine Art Stationsnummerierung zu deuten. Die
horizontale Linie zwischen Stationsnummer und Höhenbolzen ist als Trennstrich
zu sehen, nicht etwa als Höhenmarke. Die metergenauen Kilometerangaben
entstammen der seinerzeit parallel zum geometrischen Nivellement ausgeführten
Rheinstrom-Polygonierung und als deren Ergebnis der Rheinstrom–Kilometrierung.
Angegeben sind die wohl damals üblichen Angaben zu den preußischen
Landesgrenzen nach Hessen zwischen Bingen und Bingerbrück
bzw. nach Holland zwischen Kleve-Bimmen und Millingen/Rijn
sowie den bis heute für die Schiffbarkeit des Rheins maßgeblichen Orte Rotterdam
und Basel.
Diese Höhenmarke der
preußischen Rheinstrom-Nivellements ist ein schönes Beispiel dafür, mit
welchem Selbstbewußtsein und Stolz die preußische Verwaltung ihre Arbeiten
dokumentierte und dauerhaft vermarkte; sie waren sich sicher, daß ihre
Vermessungsergebnisse nicht nur für den Tag von Bedeutung waren, sondern sie
glaubten, daß sie auch über Jahrzehnte noch aussagekräftig und brauchbar
sein würden. - Ein Dank auch dem interessierten Entdecker. - 25.02.08
233. Kurzbericht 10. Symposium für Vermessungsgeschichte am 18. Februar 2008 - 250 Jahre Reichsfreiherr vom Stein In der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund ist Leben und Wirken des großen preußischen Reformers Reichsfreiherr vom Stein (1757 - 1831) in fünf hochinteressanten Vorträgen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet worden. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 220. - Zunächst schilderte der Historiker Dr. Michael Hundt aus Lübeck den Freiherrn vom Stein als manchmal schroffe und hochfahrende Persönlichkeit, die gleichwohl ebenso ein fürsorglicher Patriarch seiner Familie war. Er war ein hervorragender Organisator, verachtete überbordende Bürokratie, mochte jedoch die von ihm so empfundenen moralischen Schwächen z.B. eines Hardenberg nicht tolerieren. - Dr. Klaus Eichholz aus Bochum, von Hause aus Markscheider, widmete sich der Zeit vom Steins als Beamter der preußischen Bergbau- , Hütten- und Salinenverwaltung, zeigte dessen Wirken 1780 - 92 auf und beschrieb u. a. die seinerzeitigen Revierkarten von Niemeyer und Honigmann. - Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß aus Bonn würdigte vom Stein als Agrarreformer in einer Zeit, da 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeitete. Die Stein-Hardenbergischen Reformen bezogen sich alleine auf das Stammland Preußen jenseits der Elbe. Die Bauerbefreiung begann zuerst in Ostpreußen - zog es doch die Leibeigenen dort in Richtung Warschau, wo freiheitliche Entwicklungen schon weiter fortgeschritten waren. - Dr. Peter Burg, Professor für Neuere Geschichte der Universität Münster, stellte vom Stein als Verwaltungsreformer vor, seine Einstellungen gegen die Machtarroganz der Bürokratie, für eine rationale Verwaltungsgliederung und den effizienten Einbau der gesellschaftlichen Elite. Vom Stein ist letztlich Vater der kommunalen Selbstverwaltung - Städteordnung 1808. - Vermessungsdirektor Manfred Spata aus Bonn, Eratosthenes-Preisträger 2003, legte besonderes Gewicht auf vom Stein als kompetentem Großgrundbesitzer und schilderte ausführlich die von ihm beeinflußten Entwicklungen zur Landes- und insbesondere Katasteraufnahme. Seine Darstellungen mündeten schließlich in den Katasterstreit von 1827 zwischen dem Oberpräsidenten Vincke und vom Stein, in dem vom Stein geradezu grob beleidigende Schriftstücke verfaßte, um seinen Standpunkt zu vertreten - so schloß sich der Kreis zum Leben und Wirken der kantigen Persönlichkeit des Reichsfreiherrn vom Stein, der 1831 auf Schloß Cappenberg starb. Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge aus Hannover, Vorsitzender des Kuratoriums des Förderkreises, hatte die Vortragenden vorgestellt und moderierte gekonnt die Diskussionen. Zu Beginn der Veranstaltung hatte der Hausherr, Museumsdirektor Wolfgang E. Weick in seinem Grußwort den Förderkreis und seine Sammlung anerkennend als Teil des Hauses gewürdigt und die besondere Geschichte des Museums beleuchtet. Präsident Prof. Dr.- Ing. Harald Lucht aus Bremen konnte am Ende der Veranstaltung feststellen, daß eine außerordentlich interessierte Besucherschar den Reichsfreiherrn vom Stein aus ganz unterschiedlichen Perspektiven umfassend kennenlernen durfte. Er dankte allen Akteuren und hob besonders die Verdienste von Dr. Kurt Kröger und Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß hervor, die für die Vorbereitung und Organisation dieses 10. Symposiums für Vermessungsgeschichte verantwortlich zeichneten. Der Förderkreis wird alle Vorträge in einem Symposiumsband veröffentlichen, der voraussichtlich Mitte des Jahres erscheint. - Abschließend konnte Harald Lucht mitteilen, die Idee für das 11. Symposium in 3 Jahren sei schon geboren, eine Hommage für Gerhard Mercator, den großen Mathematiker, Geographen, Kartographen aus Anlaß seines dann bevorstehenden 500. Geburtstages. - Eine ausführliche Besprechung (verfaßt von Dr. Peter Köhler, Weimar) des von Kurt Kröger für den Förderkreis herausgegebenen Symposiumsbandes, ist erschienen in Heft 10/2009 der AVN, S. 366-367 - 19.02.2008/01.11.2009
232. 2008 ist das Jahr der Mathematik. In zahlreichen Veranstaltungen wird in diesem Jahr Freude an der Mathematik zelebriert. In Paderborn zeigt das HNF, das Heinz Nixdorf MuseumsForum eine Sonderausstellung unter dem Titel "Zahlen, bitte - die wunderbare Welt von null bis unendlich". Unter den Ausstellungsbereichen finden wir u. a. 10 bedeutende "Zahlenmeister", darunter Carl Friedrich Gauß (mit "unserem" 10-DM-Schein), Archimedes und Pythagoras. Ein ganzer Ausstellungsbereich ist der Vermessung der Welt gewidmet - seit Ptolemäus und bis zur modernen Navigation. Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 18. Mai 2008, siehe auch www.hnf.de. In Bremen wurde das Jahr der Mathematik am 9. Februar 2008 eröffnet mit einer "Auftaktrevue" in der Kulturkirche St. Stephani - vor über 900 Gästen moderierten Peter Lüchinger von der Shakespeare-Company und Professor Dr. Heinz-Otto Peitgen ein Programm mit viel praktischer und spaßiger Mathematik - ein guter Auftakt des Jahres 2008, in dem Prof. Peitgen bei der INTERGEO 2008 in Bremen den Festvortrag halten wird. - 16.02.2008
230.
Der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur und das Deutsche
Vermessungswesen bis 1945 – eine Dissertation von André Brall,
DGK Reihe E Nr. 28 - München 2007.
Die Auseinandersetzungen zwischen dem sog. Reichsstand des Vermessungswesens
und dem DVW wird beleuchtet, die Arbeit des Reichsministeriums des Innern (RMdI)
für das Vermessungswesen wird ausführlich beschrieben. Das Gesetz über die
Neuordnung des Vermessungswesens 1934 war einerseits Teil der von den
Nationalsozialisten gewollten Reichsreform, lag andererseits im Bestreben der
Fachwelt (verl. unsere Mitt. Nr. 41). „Die Leistungen Albert
Pfitzers zur Überwindung der Mißstände im Vermessungswesen sind überragend“,
schreibt der Autor und würdigt damit das Wirken dieses leitenden
Vermessungsbeamten, zunächst in der Nachfolge von Friedrich Suckow im Preußischen
Finanzministerium (vergl. unsere Mitt. Nr. 223) und danach im RMdI
1935 bis 1943. Die schwierigen Fragen der Parteimitgliedschaft in der NSDAP
werden mit teilweise ganz neuen Erkenntnissen aufgehellt.
Berufsstand und Selbstverwaltung des Öffentlich bestellten
Vermessungsingenieurs, gründend auf dem Neuordnungsgesetz von 1934 und
auf der Berufsordnung von 1938, werden kommentiert. Aufgrund von über 800
Originalakten ist die Zulassungspraxis vor 1945 sind in einem mathematischen
Logit-Modell ausgewertet worden. Es zeigt sich, die persönliche
Integration in den nationalsozialistischen Staat war u.a. für ein für die
Zulassung wesentliches Kriterium.
Der Autor hat eine Vielzahl von Primärquellen (Bestände des
Bundesarchivs, geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz)
im Hinblick auf das Vermessungswesen erstmals erschlossen. Damit geht diese
Arbeit deutlich über die Darstellungen hinaus, die bisher auf Veröffentlichungen
aus zeitgenössischen Erinnerungen ruhen. Zusätzlich wird die allgemein zugängliche
Literatur umfassend eingebunden. Vergl. ergänzend auch unsere Mitt. Nr. 127.
- 31.01.2008
228. Gegenwart und Vergangenheit, Zeit und Erinnerung. Allerlei Kurzweiliges und Nachdenkliches enthält das spannende neue Buch von Rudolf Taschner (54), so z.B. zu Ptolemäus und dessen Epizyklen, über die Faszination von Primzahlen, über ungewöhnliche Wahrscheinlichkeiten und zum Wesen der Zeit. Mit Aurelius Augustinus (354 - 430) mag man erkennen: Wir erleben den Lauf der Zeit in der uns bewussten Gegenwart. Die Gegenwart ist darin wie eine Bühne, auf der alles auftritt, dessen wir uns vergegenwärtigen: So auch Vergangenes - als bewusste Erinnerung. Ein schöner Gedankensplitter des „fröhlichen Mathematikers“ Rudolf Taschner - und hier gedeutet vor dem Hintergrund unserer rückblickenden Veröffentlichungen zur "aktuellen Vermessungsgeschichte". Quellen: Rudolf Taschner: Zahl Zeit Zufall. Alles Erfindung? Ecowin Verlag GmbH, Salzburg 2007, 187 Seiten; Aurelius Augustinus (Wikipedia), "Der fröhliche Mathematiker", Erna Lackner über Rudolf Taschner, FAZ vom 15.01.08 S. 38 - 18. 01. 08
227.
Wachsendes Interesse. Unsere Homepage hatte im Jahr 2007 11.700
Besucher (Vorjahr 9.600), mit insgesamt 17.400 (Vorjahr 14.960)
Besuchen auf unseren Seiten. Ziele waren zu rd. 50% die Seite
Vermessungsgeschichte (oft wohl als Einstieg), zu rd. 25% die Seite Aktuelles
und zu je rd. 5-10% die Seiten Sammlung, Bibliothek, Instrumente und zum
Eratosthenes-Preis.
225. Die preußische Dreieckskette vom Rhein über Schlesien nach Memel 1817 - 1834. Zum Jahresabschluss blicken wir auf eine europaweite Arbeit von vor nahezu 200 Jahren. Dr. Rudolf Schmidt (ehemals Landesvermessungsamt NRW) hat in einer neuen Veröffentlichung die nur fragmentarisch vorhandenen Kenntnisse über eine wenig bekannte Triangulation von Schlesien bis nach Ostpreußen aus den Jahren 1827 bis 1834 zusammengetragen und gemeinsam mit deren (zeitlich vorher entstandenen) Müfflingschen Dreiecksketten vom Rheinland bis nach Schlesien (in den Raum Breslau und bis zum Riesengebirge) veröffentlicht (DGK- Reihe E Nr. 29, München 2007). Originalunterlagen jener Beobachtungen waren nicht mehr vorhanden, auch keine zeitnahen Veröffentlichungen. Wesentliche Grundlage der Rekonstruktion jener alten Triangulation waren Aufzeichnungen vom früheren Direktor des Instituts für Angewandte Geodäsie Erwin Gigas. Rudolf Schmidt beschreibt die detektivische Kleinarbeit, die notwendig war, um das Wissen über diese Triangulation aufzuhellen. Diese Dreieckskette Schlesien-Ostpreußen wurde ein wesentlicher Baustein damaliger wissenschaftlicher europäischer Zusammenarbeit, erlaubte sie doch die von russischer wie von preußischer Seite erwünschte Verbindung mit russischen Arbeiten jener Zeit. In dem jüngst erschienen Buch von Wolfgang Torge (2007) ist eine besonders aussagekräftige kartographische Darstellung zu diesen Triangulationen abgebildet (dort S. 148), die auf der Grundlage der Arbeiten von Schmidt neu gezeichnet worden ist. Den vermessungshistorischen Hintergrund entnehmen wir ebenfalls dem neuen Buch von Wolfgang Torge, S. 155: "In Westrussland einschließlich Polen wird zu dieser Zeit unter General Karl Ivanovic von Tenner (1783-1839) eine militärische Landesaufnahme durchgeführt (1816 - 1837), die eine von Friedrich Georg Wilhelm Struve (1793 - 1864), Direktor der Sternwarte in Dorpat und später (ab 1834) in Pulkuvo, veranlasste Breitengradmessung im Baltikum einschließt (Truck 1903). Bis 1855 werden diese Dreiecksketten dann zu einem von Hammerfest bis zur Donaumündung reichenden Meridianbogen erweitert - der "Struve-Bogen" wird übrigens 2005 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen." (Der "Struve-Bogen" schließt jedoch nicht die Ostpreußische Gradmessung ein, er verläuft weiter östlich). Besonders Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) ist an dem angestrebten Zusammenschluss der mitteleuropäischen Triangulationen mit den russischen Arbeiten interessiert. Seine viel gerühmte Ostpreußischen Gradmessung (1832 - 1834) wurde wesentliches Verbindungsglied und hat als abschließend beobachtete Triangulation der Dreiecksketten durch verbesserte Beobachtungsmethoden und -Instrumente eine hohe Qualität. (Vergl. zu dieser Mitt. auch unsere Mitt. Nr. 222 (zu Torge) und zu Bessel 157, 25). - Wir können darüber hinaus dankbar mitteilen, Dr. Rudolf Schmidt hat uns seine umfangreiche Privat-Bibliothek mit wertvollen vermessungshistorischem Schrifttum übergeben, die unser Bibliothekar Dr. Hartwig Junius als Sammlung Schmidt in die Bibliothek des Förderkreises eingliedert. Quellen. Rudolf Schmidt: Die preußische Dreieckskette vom Rhein über Schlesien nach Memel 1817 - 1834, Reihe E der Veröffentlichungen der Deutschen Geodätischen Kommission, Heft Nr. 29, 43 Seiten, 1 Kartenbeilage, München 2007, ISBN 3 7696 9672 7, Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, 379 Seiten, 296 Abbildungen, gebunden, Walter de Gruyter, Berlin, New York, 2007, 118,00 € - ISBN 978-3-11-019056-4, S. Truck: Gradmessungen in Russland, ZfV 1903 S. 193-204. - 31.12.07
224.
Lexikon der Vermessungskunde 1943 „Das
Vermessungswesen ist in hohem Maße geschichtsbedingt. Seine Werke sind
geschichtliche Dokumente….“ schrieb A. Pfitzer – Nachfolger des
legendären Friedrich Suckow (siehe Mitt. Nr. 223) – im Geleitwort
dieses in bittersten Kriegszeiten herausgegebenen Werkes von 504 Seiten mit
Bildtafeln I bis XVIII. Ein noch heute reizvolles Buch, ein umfassendes
Nachschlagewerk mit prägnanten Erläuterungen für das gesamte damalige
Vermessungswesen – die Vermessungskunde, die Photogrammetrie und die
Markscheidekunde und mit Kurzbiographien von ausgewählten Personen, die
für das Vermessungswesen Bedeutung haben – die Kenntnisse über unsere
Fachrichtung vor 70 Jahren. Der
Hamburger Kollege Heinrich Schmidt überreichte dieses Werk dem Präsidenten
des Förderkreises. Und er erzählte die besondere Geschichte dieses
Geschenks: Er besuchte 1946 bis 1948 die Bauschule der Hansestadt Hamburg.
Durch die damaligen schwierigen Nachkriegsverhältnisse und die Teilung
Deutschlands in vier Besatzungszonen war es nicht möglich, das Lexikon zu
kaufen – und auch nicht, es sich vom Verlag als ganzes gebundenes Buch
schicken zu lassen; ein umfängliches Buch durfte nicht per Post versandt
werden. Der Verlag Herbert Wichmann (damals in Berlin-Grunewald)
schickte also das Werk in mehreren einzelnen Sendungen mit dem jeweils
postalisch zugelassenen Gewicht in Form von gefalteten Druckbogen. Mit der
letzten Sendung kam der Pappumschlag. Das Buchbinden geschah dann in
Heimarbeit – und das Werk ist bis heute bestens erhalten. Der Förderkreis
dankt Herrn Schmidt für dieses Buch mit seiner besonderen Geschichte.
- 20.12.07
223.
Wir erinnern an den vor 70 Jahren verstorbenen Geheimen Finanzrat Friedrich
Suckow.
In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war vieles Mangelware, so auch
Fachliteratur. Ein Werk von Suckow/Ellerhorst noch aus dem Jahr 1932 diente vielfach als Grundlage bei der Ausbildung in den
Katasterverwaltungen, war es doch eine letzte umfassende
Organisations-Zusammenstellung. Wer waren die Autoren, wie kam es zu diesem
Werk?
Friedrich Suckow (geb. am 10.8.1870 in Breslau, gestorben am
8.12.1937) studierte an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin,
Landmesserexamen 1891 und trat ein in den preußischen Katasterdienst in Potsdam.
Es folgte für 10 Jahre die Leitung des Katasteramts in Husum ab 1895.
Weitere Stationen waren die
Neumessungsabteilung in Minden, Dezernent in den Regierungspräsidien
in Koblenz 1911-1913 und Frankfurt a. O. 1913-1917 –
er erwarb so einen reichen Erfahrungsschatz in allen Katasterfragen,
verbunden mit großen persönlichen Ortsveränderungen in dieser auch an
fachlichen Veränderungen reichen Zeit - man denke u. a. an die Wirkungen des
weittragenden Reichsgerichtsurteils von 1910 zur Teilnahme des Katasters am öffentlichen
Glauben des Grundbuchs und zur Grenzanerkennung. Suckow war und blieb
stets ein Verfechter der darauf aufbauenden klassischen preußischen
Katasterverwaltung. Ab 1918 als Geheimer Finanzrat hat Suckow im
Preußischen Finanzministerium über 15 Jahre „seine ganze Kraft für
die Förderung der preußischen Katasterverwaltung und zugleich auch aller
Zweige des Vermessungswesens erfolgreich eingesetzt“ schreibt Eggert in
seinem Nachruf. 1933 tritt er von seinem Amt im Finanzministerium zurück,
offiziell wegen seines Hörleidens. Tatsächlich mochte er offenbar auch nicht
mit den neuen Machthabern zusammenarbeiten. - Seit
1923 hielt Friedrich Suckow Vorlesungen u. a. über die Geschichte
des Vermessungswesens an der Landwirtschaftlichen und ab 1927 Technischen
Hochschule Berlin. An der Verlegung des Geodäsie-Studiums von der
Landwirtschaftlichen an die Technische Hochschule war er maßgeblich beteiligt
und schuf damit wesentliche Grundlagen für die erweiterte akademische
Ausbildung. Für seine Verdienste erhielt er 1927 die Würde eines Dr.-Ing. E.
h. der TH Hannover. In Berlin wurde er 1932 zum Honorarprofessor
ernannt. Suckow wirkte im Beirat für das Vermessungswesen seit dessen
Gründung 1922 und auch noch bis zur Auflösung 1935, vor allem als Obmann im
Ausschuss V für Organisations- und Ausbildungsfragen. Aus dieser Arbeit
entstand dann auch das eingangs genannte Werk, erarbeitet mit Unterstützung
des Hilfsreferenten Johannes Ellerhorst.
Diese Schrift „Überblick über das deutsche Vermessungswesen“ aus dem
Jahre 1932 gliedert sich in die beiden Hauptabschnitte I. Organisation und
Arbeitskreis und II. Kartenwesen. Sie enthält reichhaltige Angaben zum
Vermessungswesen Ende der 20-iger Jahre in Deutschland. Hintergrund war der
„wiederholt geäußerte Wunsch des Reichssparkommissars“ und dessen
Auftrag von 1928 an den Beirat, ihm einen Überblick über das deutsche
Vermessungswesen zu verschaffen. Daran haben Reichs-, Länder- und
Kommunalvertreter im Beirat mitgewirkt – im Ergebnis „Quelle der Belehrung
und Anregung“ bei allen „Fragen über Reformen in der Organisation des
Vermessungswesens zu beschäftigen hat“, schrieb der Rezensent 1933 (wohl
durchaus ironisch). – Über die Folgen und insbesondere die
resultierenden Vorschläge des Reichssparkommissars hat Prof. Dr.-Ing. Fritz
Hunger zusammenfassend in seiner Geschichte des DVW referiert (dort S.
110ff). Alles
das liegt zwar weit über 70 Jahre zurück und atmet dennoch eine seltsame
Aktualität. Unsere Fachrichtung hat für Außenstehende (und dazu gehört
beständig auch „die Politik“) immer wieder den Anschein großer
Einfachheit, die geradezu nach grundlegenden Reformen und Vereinfachungen zu
rufen scheint. Ihre tatsächliche Wertigkeit und komplexe fachliche Verzahnung
wird selten gesehen – und sie ist aus der Fachwelt schwerlich nach außen zu
vermitteln. –
222.
Geschichte der Geodäsie in Deutschland – ein neues Standardwerk
Professor Dr.-Ing. Wolfgang Torge, Professor für Mathematische
uns Physikalische Geodäsie der Universität Hannover,
Vorsitzender unseres Kuratoriums, hat ein neues Standardwerk vorgelegt. Die
Geschichte der Geodäsie wird vom Altertum über das Mittelalter und die frühe
Neuzeit geschildert und schließlich auf Deutschland fokussiert. Erste
Grundlagen für eine moderne Geodäsie sind mit den Namen Copernicus,
Kepler und Galilei verknüpft, mit dem Übergang vom geozentrischen ptolemäischen
auf das heliozentrische Weltbild. Wolfgang Torge ordnet auch diese
Entwicklung ein in die jeweiligen Zeitströmungen. Er beschreibt daran anknüpfend
die Auswirkungen der neuen Techniken der Triangulation und der
Messtischverfahren für die Erd- und Landesvermessung.
Arbeiten und Wirken von u. a. Vater Samuel Graf von Schmettau und
Sohn Friedrich Wilhelm Karl (letzterer erarbeitete 1763 bis 1787 die
„Schmettausche Kabinettskarte des Preußischen Staates östlich der
Weser“), von Bohnenberger, F. Chr. Müller mit seinen
trigonometrischen und kartographischen Arbeiten für die Grafschaft Mark 1775
bis 1791 werden ebenso beleuchtet, wie die Triangulation von Lecoq 1796
bis 1805, die Aufnahme der Rheinlande durch Tranchot 1801 bis 1814 und
dessen Karten, ebenso das Wirken von Soldner, Benzenberg, Gauß, von Müffling,
Bessel, von Zach und vielen anderen.
Der Schwerpunkt dieses Buches liegt in der Darstellung der Entwicklung
der „höheren“ Geodäsie, wie sie seit Anfang des 19. Jahrhunderts gegenüber
der „niederen“ Geodäsie unterschieden wird. Unter
„Katastereinrichtung“ finden wir zahlreich und gründlich
recherchierte Entwicklungen in Baden, Bayern, Braunschweig, Bremen,
Frankfurt a. M., Frankreich, Hamburg, Hannover, Hessen-Darmstadt, Kurhessen,
Mecklenburg, Nassau, Oldenburg, Preußen, Sachsen, Thüringen, Württemberg. Andererseits
konnten angesichts jenes generellen Schwerpunkts erweiterte geodätische
Fachgebiete wie z.B. das vielgestaltige kommunale Vermessungswesen oder die
Entwicklungen in der Bodenordnung nicht Inhalt dieses Buches werden. Ausführlich
einbezogen werden jedoch z. B. Ausbildungsfragen, die Entwicklungen zum
Vermessungsingenieur.
Die breite Darstellung endet mit dem Jahr 1945. In einem kurzen
abschließenden Kapitel gibt der Autor einen kursorischen Überblick zu den
radikalen Veränderungen des Vermessungswesens in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts. Elektronik und künstliche Erdsatelliten stehen für neue
Techniken. Die unterschiedlichen Entwicklungen in der früheren DDR und in der
früheren Bundesrepublik bedeuteten unterschiedliche Wege.
ETRRS 89, DHHN92, GPS und SAPOS, moderne Großverfahren zur
Digitalisierung, ALKIS für ein (wieder) einheitliches Liegenschaftskataster:
die technologische Entwicklung hat in den vergangenen 50 Jahren „einen
radikalen Umbruch in den klassischen Ansätzen der Geodäsie und des
Vermessungswesens bewirkt“.
Das Buch hat ein sorgsam gegliedertes und umfassendes Namen- und
Sachverzeichnis, darin sind besonders auch die Hinweise auf die
landesspezifischen Entwicklungen zu finden, z.B. für die Katastereinrichtung,
die Landesvermessung, das Nivellement, die Triangulation und Topographische
Karten. Das Literaturverzeichnis umfaßt rd. 600 Titel. 296 im Text eingefügte
Abbildungen, vielfach in Farbe, sind jeweils in das Textbild integriert.
Besonders hervorzuheben ist, wie es Wolfgang Torge gelungen ist, eine
große Zahl historischer Persönlichkeiten nicht nur mit ihren wichtigsten
Lebensdaten und ihrem Wirken zu schildern sondern eine ganze Reihe (über 75)
auch im Bild-Porträt zu zeigen, nicht wenige davon nach Gemälden in Farbe
reproduziert. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 210.
Eine ausführliche Besprechung siehe in ZfV 6/2007 S. 405 - 406. Wolfgang
Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, 379 Seiten, 296 Abbildungen,
gebunden, Walter de Gruyter, Berlin, New York, 2007, 118,00 € - ISBN
978-3-11-019056-4. - 08.12.07
221. Von der Landschaftsskizze zur elektronischen Landauskunft - auf 1000 Seiten - ein umfangreiches Werk, das unser Mitglied Hans-Jürgen Schreier dem Förderkreis kürzlich überreicht hat. Es ist das Ergebnis von mehreren Jahren intensiver Literatur-Recherche, insbesondere auch in unserer reichhaltigen Bibliothek.
In der Einführung entwickelt und begründet der Autor, die Karte biete bei räumlichen
Sachverhalten größere Erkenntnismöglichkeiten als eine reine sprachliche
Darstellung. Er nimmt Definitionen von Imhoff, Hake, Grünreich auf und
zitiert wissenschaftliche Bewertungen zu den Kriterien, die eine Karte
auszeichnen u.a. von Lagrange 1770, Eckert 1931, Imhoff 1950. Er
referiert die Literatur zum Verhältnis von Karte und Plan. Ein ausführlicher
chronologischer Überblick zur Kartenentwicklung schließt sich an über den
weiten Bogen von Orientierungssystemen antiker Kulturen bis hin zu den
amtlichen Karten im 20. Jahrhundert.
Die Karten aus diesen Zeiträumen von der antiken Welt über das Mittelalter,
die frühe Neuzeit – Karten mit verschiedenen Entwicklungsstufen und ihr
Einbetten in die jeweils herrschenden Zeitströmungen – werden wertend
dargestellt, bis hin zu Betrachtungen von Karten aus der Napoleonischen Zeit,
Karten aus militärischem Interesse und schließlich die Auswirkungen der
Technischen Möglichkeiten auf die Kartographie. Das
Gesamtwerk umfaßt einen Textband von 529 Seiten und einen Anlagenband mit 254
Abbildungen auf ebenfalls ca. 500 Seiten. Das Literaturverzeichnis nennt ca.
600 herangezogene Arbeiten, ein außerordentlich reich gefasstes
Namensverzeichnis schließt die Arbeit ab.
Der Förderkreis beglückwünscht Hans-Jürgen Schreier sehr zu dieser
verdienstvollen Ausarbeitung und hat dieses Werk gerne und mit Dank in seine
Bibliothek aufgenommen.
220. Einladung zum 10. Dortmunder Symposium zur Vermessungsgeschichte am 18. Februar 2008.
Reichsfreiherr
vom und zum Stein - zum 250.
Geburtstag eines preußischen Reformers.
Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein wurde am 25.
Oktober 1757 in Nassau geboren.
Dr.
Michael Hundt, Lübeck: Freiherr vom Stein – Wirken und Wirkung
(Biographisches), Die Vorbereitungen des 10. Symposiums liegen in den bewährten Händen von Dr. Kurt Kröger, Dortmund und von Prof. Dr. Erich Weiß, Bonn. – Gehen Sie mit uns auf Spurensuche des großen Reformers. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund freut sich auf Ihren Besuch. Die Teilnehmergebühren betragen 20 € (auf 8 € ermäßigt für Studenten, Referendare, Anwärter), eingeschlossen der Symposiumsband. Anmeldungen an die Postanschrift im Kopf dieser Seite oder per Mail an unsere Geschäftsführung, Herrn Dipl.-Ing. Klaus-D. Lehmann, Klaus-Detlef.Lehmann@stadtdo.de.- Sie können sich auch anmelden durch Überweisung der Teilnahmegebühr auf unser Konto 1103 660 bei der Sparkasse Dortmund (BLZ 440 501 99), bitte mit dem Stichwort "Symposium 2008" - 28.11.2007
219. 40 Jahre VDV-Landesverband Bremen/Unterweser. Der Landesverband Bremen/Unterweser feierte auf den Tag genau am 17. November 2007 im Gründungshotel in Bremerhaven sein 40-jähriges Bestehen. Der langjährige Vorsitzende Dipl.-Ing. Dieter Wölk begrüßte eine Reihe von Ehrengästen und besonders Dipl.-Ing. Harald Wittmann, Gründungsmitglied und Vorsitzender 1970 bis 1989 - er verlas eine Grußadresse des früheren VDV-Vorsitzenden Dipl.-Ing. Wolfgang Beicken. Und er durfte mit Stolz auf die Arbeit in den vergangenen 40 Jahren zurückblicken. Frau Anngret Brandt-Wehner, Referentin beim Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa überbrachte die Glückwünsche des Bremer Senats; sie erinnerte an die Aufbruch-Situation zur Zeit der Gründung. Der Präsident des VDV, Dipl.-Ing. Wilfried Grunau, schilderte in seiner Gratulation ebenfalls die damaligen Rahmenbedingungen und insbesondere das Engagement seines früheren Amtsvorgängers, Dipl.-Ing. Wolfgang Beicken sowie den Einsatz der 15 Gründungsmitglieder aus Bremen und dem engeren Umland. Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht, Bremen, erinnerte an die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Vorstand des VDV in seiner aktiven Dienstzeit, insbesondere mit dem Vorsitzenden Dipl.-Ing. Dieter Wölk und mit Dipl.-Ing. Heinz-Dieter Roesler. Die Hauptlast der Vermessungsarbeit wurde und werde von den Fachhochschul-Ingenieuren getragen, das zunehmende Zusammenstehen aller Vermessungsingenieure aus VDV und DVW sei heute für die "Vermessungsfamilie" überaus dringlich. Dipl.-Ing. Gerd Langner, Vorsitzender des VDV-Bildungswerkes, rundete den Reigen der Grußworte ab mit dem Zitat "Wer die Geschichte liebt, wird alt - wer die Zukunft liebt, bleibt jung". Unter den Ehrengästen sah man u.a. auch den Vizepräsident des VDV Dipl.-Ing. Klaus Meyer-Dietrich, den Geschäftsführer des VDV Dipl.-Ing. Burkhard Kreuter, den Redakteur des VDV-magazins Dipl.-Ing. Willibald Dores, den Vorsitzende der Bremer Landesgruppe des BDVI Dipl.-Ing. Ulrich Eckhardt, den Amtsleiter des Vermessungs- und Katasteramts Bremerhaven Dipl.-Ing. Ulrich Gellhaus und weitere Landesvorsitzende des VDV. In den Gesprächen am Rande wurden die wertvolle wissenschaftliche und Öffentlichkeitsarbeit des VDV-magazins, die publikumswirksamen Verleihungen des Goldenen Lots und allgemein das Engagement des VDV in schwierigen Zeiten besonders gewürdigt. Auch die kommende INTERGEO 2008 in Bremen war ebenso ein Thema, wie die für 2011 vorgesehene Mitgliederversammlung des VDV in Bremerhaven. Mit der Ehrung von langjährigen Mitgliedern endete der offizielle Teil - 40 Jahre Vermessungsgeschichte eines außerordentlich rührigen VDV-Landesverbands. - 18. 11. 07
218. Daniel Kehlmann mit dem WELT-Literaturpreis ausgezeichnet. Der Bestseller-Autor erhielt am 9. November 2007 in Berlin den WELT-Literaturpreis für sein Buch "Die Vermessung der Welt" (Siehe unsere Mitt. Nr. 175 und 136). Sein Preisgeld in Höhe von 10.000 € spendet Daniel Kehlmann der Organisation "Ärzte ohne Grenzen". - 11.11.07
217.
Wir erinnern an Prof. Dr.-Ing.
Gerhard Lehmann – er wurde im Oktober vor 100 Jahren geboren.
Gerhard Lehmann wurde am 25.
10. 1907 in Stettin/Pommern geboren. Er absolvierte die
Landmesserprüfung in Berlin im Jahre 1929. In Hannover war er 1931
der erste Diplomingenieur des
Vermessungswesens im neuerrichteten Diplomstudiengang. Danach ging Lehmann
in die preußische Katasterverwaltung, 1933 Prüfung als Katasterlandmesser.
Er promovierte 1936 in Berlin und arbeitet von 1936 bis 1941 am Geodätischen
Institut in Potsdam. Nach seiner Habilitation in Dr.
Gerhard Lehmann wurde dann erster Direktor des neugegründeten Instituts für
Photogrammetrie und Ingenieurvermessungen an der damaligen TH Hannover.
Durch den Entzug der Lufthoheit für Deutschland nach Ende des Zweiten
Weltkriegs hatte er große Schwierigkeiten mit der Einführung der
Photogrammetrie im deutschen Vermessungswesen. Bei vielen Geodäten war
darüber hinaus damals noch die Auffassung verbreitet, die Ergebnisse der
Photogrammetrie wäre nicht genau genug. Trotzdem schaffte es Lehmann,
die Photogrammetrie beim Landesvermessungsamt, bei der Landeskulturverwaltung
und selbst bei der Stadt Hannover zu etablieren. Sein im Verlag de
Gruyter in der Sammlung Göschen bereits 1959 herausgebrachter Band
„Photogrammetrie“ hat weit über die Lehre in Hannover hinausgewirkt.
"Die Photogrammetrie ... ist in erster Linie ein geodätisches Meßmittel."
schrieb Lehmann in der Einleitung zu seinem Lehrbuch. - Der Autor dieser Zeilen hat Professor
Dr.-Ing. Gerhard Lehmann als souveränen und menschlich-vornehmen
Lehrer in Erinnerung. Gerhard Lehmann starb am 27. Juni
1986 in Hannover. Prof. Dr. Gottfried Konecny
schrieb so sehr treffend in seinem Nachruf: „Sein stets gütiges Wirken und
sein allseits gerechtes Urteil lassen sich nur durch seinen tiefen Glauben
erklären.“ Quellen:
G. Konecny: In memoriam Prof. Dr. Gerhard Lehmann, ZfV 1986 S. 477, Gottfried
Konecny: 125 Jahre Geodäsie und Geoinformatik an der Universität Hannover,
Vortrag am 13. 5. 2006. Deutsche Geodätische Kommission (DGK): Die
Mitglieder der DGK.01.11.07.- 03.11.07
216.
Historische Kartenwerke aus Osnabrück.
215. Vermessungen bei Planung und Bau der ersten Eisenbahnen in Niedersachsen. Rechtzeitig zur INTERGEO in Leipzig hat der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund die niedersächsische Eisenbahn-Vermessungsgeschichte als Band 36 der Schriftenreihe herausgegeben, bearbeitet von Dr.-Ing. Erich Siems. Er war über viele Jahre in der Zentralen Transportleitung der Deutschen Bundesbahn für die Eisenbahnvermessungen in der (früheren) Bundesrepublik zuständig. - Bereits 1826 wurde dem hannoverschen Vizekönig ein Vorschlag unterbreitet, vom „Nutzen einer Eisenbahn von Hannover nach dem Harze“. Der Initiator der braunschweigschen Eisenbahnen bittet 1834 in einem Memorandum die hannoversche Regierung um Genehmigung, die Bahn Braunschweig - Harzburg teilweise über hannoversches Gebiet führen zu dürfen. Und 1836 liegt dem hannoverschen Landtag der Entwurf eines „Gesetzes die Veräußerungsverpflichtung behuf Eisenbahn-Anlagen betreffend" (Eisenbahn-Gesetz) vor – etwa zeitgleich mit der ersten deutschen Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth 1835. Pioniere der ersten Eisenbahnen in Deutschland wirkten damals in Niedersachsen. - Wie Geometer, Feldmesser und Ingenieure trassierten, die notwendigen vermessungstechnischen Grundlagen, Trassenplanungen schufen: Erich Siems gibt auf der Grundlage der Vorarbeiten des vor 2 Jahren verstorbenen Kollegen Jürgen Stumpf hochinteressante Einblicke in die Aufgaben und Probleme beim Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert. Die Schrift umfaßt 78 Seiten mit zahlreichen, z. T. farbigen Abbildungen. Preis 15 € einschl. Porto und Verpackung. Bestellungen bitte an die Postanschrift im Kopf dieser Seite oder per Mail an unsere Geschäftsführung, Herrn Dipl.-Ing. Klaus-D. Lehmann, Klaus-Detlef.Lehmann@stadtdo.de.- Vergl. auch Mitt. Nr. 178 und 177. - 25.10.07
214. Ausstellung "Arnold von Harff: Ritter - Pilger - Dichter". Die Ausstellung wird am 21.10.2007 wird im Museum "Villa Erckens" in Grevenbroich eröffnet . Der Förderkreis hat eine Reisesonnenuhr und ein Reiseastrolabium beigesteuert. Weiteres zur Ausstellung (geöffnet bis 20.01.08) findet sich unter www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ3.- 21.10.07
213.
Willi Bonczek 100. Prof. Dr.-Ing. Willi Bonczek, eine kraftvolle Persönlichkeit im kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen der Nachkriegsjahre, wurde am 18. Oktober 1907 in Allenstein in Ostpreußen geboren. Studium an der TH Berlin-Charlottenburg, als Bodenordner seit 1938 beim Aufbau der Volkswagenstadt Wolfsburg, 1944 Promotion an der TH Braunschweig – erste Stationen seines vielfältigen Wirkens. Nach dem Kriege war er zunächst als Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur tätig und wurde Mitbegründer des BDVI. Seit 1951 wirkte Dr. Willi Bonczek im Kommunaldienst der Ruhrmetropole Essen für die Neuordnung von Grund und Boden am Wiederaufbau der Stadt aus den Trümmern der Nachkriegszeit, er gestaltete die städtische Vermessungs- und Liegenschaftsverwaltung bis 1971, zuletzt als Beigeordneter und Dezernent für Stadterneuerung, Liegenschafts- und Wohnungswesen mit umfangreicher fachlicher und kommunalpolitischer Verantwortung. Die bodenordnerischen Leistungen Bonczeks sind in zahlreichen Veröffentlichungen dokumentiert, z.B. in dem zusammen mit Dr. Friedrich Halstenberg (dem späteren Finanzminister in NRW) 1963 verfaßten Handbuch „Bau-Boden, Bauleitplanung und Bodenpolitik“, eine systematische Darstellung des 1960 verabschiedeten Bundesbaugesetzes. Sein großes Werk „Stadt und Boden – Boden-Nutzungsreform im Städtebau“ erschien 1978. Es enthält in seinem ersten Teil eine hochinteressante Entstehungsgeschichte des Bodeneigentums. Bereits 1957 nahm Dr. Willi Bonczek einen Lehrauftrag Bodenwirtschaft und Bodenordnung an der TH Aachen wahr, seit 1960 als Honorarprofessor. Seit 1959 unterrichtete er auch an der Universität Bonn, als Lehrbeauftragter für Stadterneuerung und Bodenwirtschaft – Aufgaben, die er bis zur Vollendung seines 68. Lebensjahres erfüllte. Auch auf seine Veranlassung ist es zurückzuführen, daß bei der Neugründung der Universität Dortmund ein Lehrstuhl für Vermessung und Bodenordnung eingerichtet wurde. Der erste Lehrstuhlinhaber in Dortmund wurde Professor Dr. Walter Seele. Nach seinem aktiven Dienst in Essen wirkte Bonczek als Direktor des von ihm aufgebauten Instituts für Bodenordnung, Stadtsanierung und Stadtentwicklung der Neuen Heimat in NRW. Bonczek war Mitglied im Ausschuß „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ des Deutschen Städtetags und wirkte aktiv mit von 1951 bis 1963. 1977 wurde er vom Deutschen Verein für Vermessungswesen zum Ehrenmitglied berufen. Der Vorsitzende de DVW, Gerhard Eichhorn, sagte in seiner Laudatio: „Seine profunden Kenntnisse, seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen und seine sichtbaren Erfolge beim Wiederaufbau und der Erneuerung der Stadt Essen führten dazu, daß er als ständiger Sachverständiger zu den Beratungen des Bundesbaugesetzes durch den federführenden Bundestagsausschuß zugezogen wurde. Auf seinen Einfluß ist im weiten Maße die Einrichtung der Gutachterausschüsse zurückzuführen. Mit gutem Recht kann ich feststellen, daß Herr Dr. Bonczek einer der Pioniere ist, die die Aufgaben von Bodenwirtschaft und Bodenordnung als wesentlichen Bestandteil für die Tätigkeit der Vermessungsingenieure erschlossen haben.“ Willi Bonczek starb am 14. November 1986 in Essen. 212. Siegfried Stahnke 96. Wir gratulieren unserem Gründungsvater und Ehrenmitglied Siegfried Stahnke in Dortmund herzlich zur Vollendung seines hohen 96. Geburtstags am 13. Oktober und übermitteln ihm und seiner Frau unsere besten Glück- und Segenswünsche. -12.10.07
211.
Am 21. September 2007 ist in Bonn-Bad
Godesberg die Ausstellung „200 Jahre Landesvermessung in
Nordrhein-Westfalen“ eröffnet worden. (Vergl. unsere Mitt. Nr. 200,
207). Im Eröffnungskolloquium sprachen nach der Begrüßung von Direktor Heinz Brüggemann zunächst Klaus Mattiseck, Innenministerium Nordrhein-Westfalen zum künftigen Weg der Landesvermessung in NRW. Christian Elstner berichtete über sechs Jahre Erfahrungen mit der Betriebswirtschaft im Wirtschaftsbetrieb - unter der Themenstellung "Landesbetrieb Ade". Die Projekte HistoriKa 25, schwungvoll vorgetragen von André Caffier, und GIS an Schulen, vorgestellt von Albert Föckeler, leiteten über zur engagierten Ausstellungs-Einführung von Manfred Spata: Idee, Konzept und Umsetzung zur Fachausstellung "200 Jahre Landesvermessung in NRW". Bevor abschließend der Direktor und Geschäftsführer des Landesbetriebs Heinz Brüggemann die Ausstellung eröffnete, war der Präsident des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum in Dortmund zu einem Grußwort eingeladen.
Harald Lucht konnte aus
eigenem Erleben der vergangenen mehr als 50 Jahre authentisch bekunden, wie
unser Vermessungswesen sich in den vergangenen Jahrzehnten überaus komplex
entwickelt hat. Gerade vor
diesem Hintergrund spielt das Erfahren von Vermessungsgeschichte eine
besondere Rolle. Schon Johann Friedrich Benzenberg hat vor rd. 200
Jahren erkannt: Der Rundgang durch die professionell gestaltete Ausstellung zeigte anhand von Exponaten und mit außerordentlich instruktiv gestalteten Tafeln die Entwicklungen der vergangenen 200 Jahre Landesvermessung in NRW. Eine Erweiterung für den Bereich Liegenschaftskataster ist vorgesehen, die Ausstellung photogrammetrischer Großgeräte angedacht. Aussagekräftige Erläuterungsblätter liegen zur Mitnahme aus und ergänzen den positiven Gesamteindruck. Wir vom Dortmunder Förderkreis beglückwünschen Heinz Brüggemann und Manfred Spata für diese neue Stätte der Pflege jüngerer Vermessungsgeschichte und freuen uns auf zukünftige kooperative Zusammenarbeit. - 11. 10. 07
210. INTERGEO in Leipzig vom 24. bis 27. September 2006. Unser Stand in Halle 1 Stand D 1.437 wurde von der bewährten Crew mit unserem Geschäftsführer Klaus-Detlef Lehmann und Rudolf Uebbing betreut, zeitweise kam unser Kurator Ingo von Stillfried hinzu. Sie konnten zusammen mit dem Präsidenten des Förderkreises Harald Lucht zahlreiche interessierte Besucher begrüßen. Auch neue Mitglieder konnten gewonnen werden. Unser
Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge stellte sein
neues Buch vor, "Geschichte der Geodäsie in Deutschland" (379
Seiten, 296 Abbildungen,
209. Ausstellung Dinslaken und die Landkarten Das Museum Voswinckelshof in Dinslaken (Stadtmuseum) gestaltet in der Zeit vom 7.10.2007 bis 2.3.2008 eine Ausstellung "Wege, Grenzen, Schätze - Dinslaken und die Landkarten" . Dafür wurden vom Förderkreis eine Reihe von Ausstellungsstücke ausgeliehen. Neben Geräten zur Kartierung selbst sind auch einige Instrumente aus dem Bereich topographische Aufnahme dabei. In der Ausstellung selbst sind die unterschiedlichsten Karten zu sehen. Highlight ist die erstmalige öffentliche Präsentation eines Mercator-Atlas, der bei Renovierungsarbeiten in einer niederrheinischen Kirche gefunden wurde. Dieser wird im Original gezeigt. Zur Ausstellung es gibt einen kleinen, gut gestalteten und sehr informativen Katalog mit einem Beitrag unseres Kurators Ingo von Stillfried. - 05./09.10.07
208. Eratosthenes-Preis 2007 an Mario Bauch aus Rosenthal in Sachsen. Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der INTERGEO in Leipzig am 25. September 2007 überreichte Harald Lucht, Präsident des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund, Herrn Dipl.-Ing. Mario Bauch aus Rosenthal-Bielatal in Sachsen den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis 2007. Einleitend zu seiner Laudatio erinnerte er an das Leitwort der INTERGEO 2007 "Wissen und Handeln für die Erde" und sah das Motto eng verknüpft mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit, wie sie seit etwa 20 Jahren insbesondere in der Umwelt- und Entwicklungspolitik wieder aktuell geworden ist. Dieser Umweltfürsorge stellte er die Nachhaltigkeit in der Daseinsvorsorge an die Seite, wie sie in unserer Fachrichtung besonders in den Vermessungs-, Kataster- und Kartenwerken bereits lange gepflegt wird.
In der preisgekrönten Arbeit hat das Stifterkollegium des Förderkreises
(Präsident Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht aus Bremen,
Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge aus Hannover,
Ltd. Städt. Vermessungsdirektor Norbert Kalischewski aus Dortmund)
wiederentdeckt, wie der Gedanke der Nachhaltigkeit seine Wurzeln in der
Forstwirtschaft hat. Mario Bauch schildert
in seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
das Wirken von C.F.
Schellig (1765 – 1809) und Heinrich
Cotta (1763 - 1844),
den beiden ersten Direktoren der Forstvermessungsanstalt in Sachsen. Mario Bauch (31) hat die Originalquellen verschiedener Archive mit großer Sorgfalt durchforstet. Die Ergebnisse von Forsteinrichtung und Vermessung vor 200 Jahren in Sachsen werden mit dieser Arbeit wieder lebendig. In seiner von Prof. Dr. oec. Rolf Falk Helbig betreuten und zur Preisverleihung vorgeschlagenen Arbeit beweist Mario Bauch, Forsteinrichtung war schon immer Wirken für tätige Nachhaltigkeit.
Der Präsident des Förderkreises hatte zu Beginn der Preisverleihung den
Veranstaltern gedankt, insbesondere dem Präsidenten des DVW, Hagen Graeff.
Und er konnte während der Preisverleihung die Eltern des Preisträgers und
den Diplom-Vater begrüßen. Er überreichte die Urkunde, traditionell
eingebettet im klassischen Feldbuchrahmen - und das Preisgeld von 2.500 €,
letzteres "bargeldlos" - unter großem Beifall des Publikums der Eröffnungsveranstaltung
der INTERGEO Leipzig. - 30.09.07
207. Eine ungewöhnliche Geschichte Rande einer Ausstellungs-Eröffnung.
Am 21. September 2007 ist in Bonn die Ausstellung „200 Jahre
Landesvermessung in Nordrhein-Westfalen“ eröffnet worden, mit einem
Festkolloquium und einer Führung von Manfred Spata in den Räumen des Landesvermessungsamtes
(Vergl. unsere Mitt. Nr. 200).
Der Autor dieser Zeilen erfuhr nach seinem Grußwort
ein höchst ungewöhnliches Lob. Eine adrette junge Dame sagte ihm freundlich
lächelnd, er habe ihren beruflichen Lebensweg maßgeblich beeinflußt –
obwohl er sicher davon nichts wisse. Wie das? Nun, sie habe das Vermessungstechnischen
Museum in Dortmund 1995 besucht, die reichhaltige Ausstellung wohl über 4
Stunden mit wachsender Faszination besichtigt – und beschlossen Geodäsie zu
studieren, übrigens in Dresden. Jetzt sei sie seit mehreren Jahren mit
viel Freude im Landesvermessungsamt aktiv, ein wenig auch auf den Spuren ihres
Vaters, denn der habe ihr und einer Mitschülerin seinerzeit den Besuch im
Vermessungstechnischen Museum angeraten: Ein ungewöhnliches Lob für unsere
Museumsgestalter in Dortmund, und – kann ein Museumsbesuch schönere
Geschichte schreiben? –
Über die neue Ausstellung im Landesvermessungsamt
berichten wir in einigen Tagen, nach der INTERGEO. - 23.09.07
206. Gauß-Krüger-Koordinaten sind wohlbekannt. Carl Friedrich Gauß ist wieder in aller Munde, dank Daniel Kehlmanns Bestseller „Die Vermessung der Welt“, dank seiner Aufnahme in Walhalla – doch, wer war Krüger?
Johannes Heinrich Louis Krüger wurde vor
150 Jahren, am 21. September 1857 in Elze geboren, ca. 30 km südlich von Hannover.
Er besuchte die Gewerbeschule in Hildesheim und studierte später
Mathematik am Polytechnikum in Berlin. Mit 27 Jahren schrieb er seine
Dissertation zu einem geodätischen Thema: „Die geodätische Linie des
Sphäroids und Untersuchung darüber, wann dieselbe aufhört, kürzeste Linie
zu sein“ und wurde mit dieser Arbeit in Tübingen zum Dr. phil.
promoviert. Er wirkte von 1884 bis 1922
am Königlich Preußischen Geodätischen Institut in Potsdam als
wissenschaftlicher Assistent, später als Professor und stellvertretender
Direktor.
Prof. Dr.-Ing. E.h., Dr. phil. Louis Krüger ist besonders bekannt
geworden durch die Weiterentwicklung und praxisreife Ausformulierung der Gauß’schen
konformen Abbildung zu einem Meridianstreifensystem. Sein bekanntestes
Werk ist die „Konforme Abbildung des Erdellipsoids in der Ebene“.
Wir entnehmen dem von A. Galle über einen „treuen und zuverlässigen
Freundes“ geschrieben Nachruf : „(Krüger
hatte) … den Auftrag der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen,
den Nachlaß von C. F. Gauß zu bearbeiten. Wenn es oft schwierig ist,
in den von Gauß selbst vollendeten Arbeiten den Gedankengängen zu
folgen, so war es eine bewundernswerte Leistung, aus den auf kleinen Zetteln
und in Tagebüchern verstreuten Notizen den Zusammenhang zu finden. Die vollständige
Versenkung in die Gaußschen Ideen hat aber Krüger befähigt,
sie weiter zu führen und manches, was Gauß geplant hatte, zur Reife
zu bringen. …. kann die „konforme Abbildung des Erdellipsoids in der
Ebene“ als das Hauptwerk Krügers bezeichnet werden. Gauß selbst
hat nichts über die hannoversche Projektion veröffentlicht, Schreiber
hat die Gebrauchsformeln hergeleitet und auch eine Weiterführung der
Grundformeln gegeben. Die Krügersche Arbeit stellt einen Neubau auf
den von dem ersten Baumeister gelegten Fundamenten dar. …“
Louis Krüger kehrte 1922 zurück nach Elze, dort starb er am 1.
Juni 1923. An seinem Geburtshaus in Elze erinnert eine Gedenktafel,
im Stadtpark von Elze wurde anläßlich des 100. Geburtstags ein Gedenkstein
aus Bronze errichtet. Wolfgang Pötzschner erinnerte 1957 aus Anlaß
des 100. Geburtstags daran, Krüger sei neben F. W. Bessel, C.F. Gauß
und O. Schreiber einer der vier großen Geodäten aus dem niedersächsischen
Raum (vergl. auch Mitt. Nr. 171).
In Krügers Geburtsstadt Elze findet am Abend des 21.
September 2007 ab 18:00 Uhr eine Gedenkfeier statt: Treffen und Begrüßung
am Louis-Krüger-Ehrenmal im Stadtpark, die Enthüllung einer Gedenkstele
gegenüber dem Geburtshaus von Louis Krüger an der Ecke Hauptstraße-Flutstraße.
Besuch der Grabstätte am Friedhof und um 20.00 Uhr
Feierstunde zu Ehren Louis Krügers in der Krüger-Adorno-Schule
(früher Gauß-Krüger-Schule) am Heilswannenweg. Dort wird nach der
Begrüßung von Bürgermeister Friedl Albes und Schulleiter Dr. Norbert
Hilbig mit zwei Kurzvorträgen an den großen Bürger erinnert: Ilse
Wurzel spricht über Louis Krüger,
ein Elzer Bürger und
Claus Krinke referiert
Von der Kugel zur Fläche.
- In den Tagen vorher wird mit Unterstützung der Orts-Presse ein Louis-Krüger-Rechenwettbewerb
veranstaltet. Literatur: Johannes Frischauf (Graz): Buchbesprechung „Konforme Abbildung des Erdellipsoids in der Ebenen“ (Druck und Verlag Teubner in Leipzig 1912) in ZfV 1913 S. 773 – 778, A. Galle: L. Krüger. † ZfV 1923 S. 281 – 285. Wolfgang Pötzschner: Krüger-Gedenkfeier in Elze, ZfV 1957 S. 422 – 423, www.elze.de/kultur - 19.09.07 - Nachtrag: Inzwischen sind 2 interessante Beiträge zu Krügers Lebenswerk erschienen: Hans Weise: Zum 150. Geburtstag von Prof. Louis Krüger, VDVmagazin 5/2007 S. 396 - 399 – Bernhard Zimmermann: Louis Krüger (1857-1923) – Zur 150. Wiederkehr seines Geburtstages, Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung (FuB) 5_2007 S. 232-236 - 09.11.07
205. Dortmunder Museumsnacht. Am 15. 9. 2007 hat sich bei bestem Spätsommerwetter unser Vermessungstechnisches Museum erneut in der Öffentlichkeit präsentiert. Unter dem Thema Meßtisch zeigten Bianca Schubert, Markus Eckhardt und Ingo von Stillfried in sehenswerten historischen Kostümen alte Meßverfahren - unter dem Beifall zahlreicher Passanten. Als Vorlage diente die Mesula Praetoriane von Daniel Schwentner aus dem Jahre 1641 - erstes vollständiges Werk über die Konstruktion eines Meßtisches und eines Diopterlineals sowie mit in 12 Aufgaben dargestellten Anwendungen in der Vermessung und Kartographie. Manfred Gombel führte mit großem Erfolg durch unsere Schausammlung. - Unseren Akteuren vielen Dank! - 18. 09. 07
203. Gauß heute in Walhalla geehrt. In der Ruhmes- und Ehrenhalle Walhalla werden herausragende Deutsche geehrt. Derzeit befinden sich in der oberhalb der Donau gelegenen Walhalla insgesamt 127 Büsten und 65 Gedenktafeln, die an Persönlichkeiten der deutschen Geschichte erinnern. Zuletzt wurde 2003 die Widerstandskämpferin gegen die Nationalsozialisten, Sophie Scholl, mit einer Büste geehrt. Davor waren 2000 der Komponist Johannes Brahms und 1999 der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer aufgenommen worden. Heute ist die Büste von Carl Friedrich Gauß (1777-1855) neu hinzugekommen. Bayerns Staatskanzleichef Eberhard Sinner (CSU) nannte Gauß (1777-1855) einen "genialen Geist, der die Wissenschaft um Lichtjahre voranbrachte". In der Vermessungsgeschichte denken wir vor allem an seine bahnbrechenden Arbeiten in der Triangulation, für die Genauigkeitsanalyse und ebenso an die von ihm begründete konforme Abbildung des Erdellipsoids - und die Gauß-Krüger-Koordinaten. Und last not least an den Bestseller von D. Kehlmann. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 156 und Nr. 136. - 12.09.07
202.
Interzonale
Geodätentagung Berlin 1947 – vor 60 Jahren.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Deutschland lag in Trümmern, war aufgeteilt
in 4 Besatzungszonen – amerikanische, britische, französische und russische
Zone. Auch Berlin war viergeteilt. Der ‚kalte Krieg’ hatte schon
begonnen. Noch im letzten Augenblick war die Durchführung der Berliner
Geodätentagung gefährdet. Nur Monate später ordnete die Sowjetunion die
Blockade der Westsektoren an (am 24. Juni 1948, die Westmächte organisierten
die Luftbrücke nach Berlin). In dieser Situation trafen sich
zahlreiche Berufsangehörige – eingeladen vom Leiter der Berliner
Vermessungsverwaltung Edmund Braune - vom 8. bis 12. September 1947
zur interzonalen Geodätentagung. In
der Technischen Universität – begrüßt von Prodekan Prof. Dr. Erich
Brennicke – wurde das Vortragsprogramm weitgehend von Berliner
Kollegen bestritten. Die
beamteten Kollegen aus der russischen Besatzungszone wurden an der Teilnahme
gehindert. Reise und- Paßschwierigkeiten behinderten eine breite Teilnahme
auch aus den anderen 3 Besatzungszonen.
Dennoch waren eine Reihe von Kollegen gekommen, u. a. E.
Doerpinghaus (Dresden), Prof. Dr. W. Großmann (Hannover), H.
Heckmann (Mannheim), W. Lohrberg (Hannover), Dr. O. Pirkel (Köln), K. Schmelz
(Stuttgart), W. Ufer (Aachen). Insgesamt haben etwa 400 Berufsangehörige
aller Richtungen teilgenommen. Die Kurzvorträge und die intensiven
Diskussionen sind in einer Schrift hervorragend dokumentiert. Schon deren äußere
Erscheinung läßt die Not jener Tage erkennen: 80 vergilbte Seiten, engst
bedruckt „sparsamste Ausnutzung des zur Verfügung stehenden
Papierformats“, wie es einleitend heißt unter „das Gesicht dieses
Buches“ – dennoch eine historische Kostbarkeit, die den Wiederbeginn im
Vermessungswesen vor 60 Jahren dokumentiert. Zusätzlich liegt ein zeitgenössisches
Protokoll vor.
Es war ganz offenbar eine lebendige, von Aufbruch gekennzeichnete interzonale
Tagung – „ein erster Aufruf zur Selbstbesinnung“ (Großmann).
Vieles von dem, das uns in den folgenden Jahrzehnten prägte und bewegte war
hier schon in 18 Tagesordnungspunkten vorgedacht, ja vorgeprägt – durch die
Ausrichtung in Berlin mit deutlichem Schwerpunkt auf dem großstädtischen
Vermessungswesen, nachfolgend holzschnittartig angedeutet:
Vermessung und Liegenschaftswesen in einem Amt – Kommunalisierung des
Katasters – Enge Verzahnung von Vermessung und Planung, insbesondere bei
Baulandumlegungen – Qualifizierter Lageplan – Mitwirkung und Ausbau des
privaten Vermessungswesens – Einheitlichkeit der Organisation im gesamten
deutschen Vermessungswesen (im Themenkomplex 6-7-8 „Landesvermessungsämter
– Kreisvermessungsämter – Vermessungsbeirat als Spitze des deutschen
Vermessungswesens“) – Arbeitsgemeinschaften und Zulassungsbezirke für öffentliche
Vermessungsingenieure – aber
auch (nach dem totalen Zusammenbruch) die Wiederbegründung wissenschaftlicher
Vereine und Zeitschriften.
Die Gründung mehrerer Fachausschüsse wurde vorgeschlagen, so auch ein
Ausschuß im Bereich Stadtvermessung und Kataster, der Diedrich August
Overhoff aus Essen angetragen wurde (Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 192).
Einige Auszüge aus den zahlreich dokumentierten, oft kontroversen
Diskussionsbeiträgen möge das Denken und Ringen der Altvorderen zusätzlich
beleuchten:
Dr. Otto Pirkel, Liegenschaftsrat aus Köln: „….Ich höre
mit Entsetzen von einem Württembergischen Umlegungsgesetz, von einem Berliner
Gesetz, von einem Braunschweiger Entwurf und frage: Muß das sein? ….
Wir können der britischen Militärregierung danken, daß unsere eingereichten
Pläne erst einmal ablagern mußten; ein zonaler Entwurf ist liegengeblieben
und der bizonale Entwurf ist bis jetzt auch liegengeblieben. Eine Form muß
gefunden werden, die für alle Zonen brauchbar ist.“
Kurd Slawik, Öffentlich
bestellter Vermessungsingenieur aus Berlin zur Zulassung, nachdem er bisherige
Restriktionen „seit 18 Jahren“ (und zum Trotz der Berufsordnung von
1938) beklagt hatte: …Wenn man in Zeiten, wie heute, keinen freien Beruf
hat, dann muß man ihn schleunigst schaffen. Nur so kann den wirtschaftlichen
Anforderungen Genüge getan werden.“
Edmund Braune, Hauptamtsleiter für Vermessung in Berlin zur
Kommunalisierung (nach Protokoll): „Die Vereinigung sei eine wirtschaftliche
und technische Notwendigkeit, der man heute nicht mehr ausweichen könne. Sie
müsse bei der Stelle erfolgen, wo das Ergebnis der Vermessungsarbeit für die
Wirtschaft und den einzelnen Bürger seine Hauptverwendung finde, bei der
Selbstverwaltungsbehörde …die Güte der Stadtvermessung würden den Wert
des Katasters nur heben; die Führung des Katasters unter städtischer Regie
hebe die Ausrichtung nach den Katasteranweisungen nicht auf.“
Christian Blank, Chefpräsident Bizonale Post, Abgeordneter in
Niedersachsen : …. „mich
ein Leben lang durchsetzen müssen und wenn ich hier und da einen schlechten
Witz machen wollte, dann sagte ich, wenn ich noch einmal auf die Welt käme,
dann als Assessor, denn dann hätte ich es leichter als ein Geodät.“
Uns Heutigen wird der hohe Stellenwert jener Veranstaltung deutlich aus der
umfassenden Thematik und besonders durch den guten Klang der Namen damals
handelnder Fachkollegen. Sie alle haben unser Vermessungswesen in den
nachfolgenden Jahrzehnten maßgeblich befruchtet.
Quellen: Geodätentagung Berlin 8.-12. September 1947, Herausgeber
Hauptamt für Vermessung von Groß-Berlin, 80 Seiten, Protokoll der Tagung, 5
Seiten, W. Großmann: Berliner Geodätentagung 1947, ZfV 1949, S. 28-29. –
07.09.07 201. Neuigkeiten aus Dortmund:
Unser Museums-Kurator Ingo von Stillfried trifft in diesen Tagen in
unserer Schausammlung einen ganz besonderen Besucher, der eine Ausstellung über
den August Heinrich Petermann (18. April 1822 in Bleicherode
bei Nordhausen; † 25. September 1878 in Gotha) plant, den
bekannten Kartographen, Geographen und Zeitschriftenautor (Petermanns
Geographische Mitteilungen, gegründet 1855) – Und er hat für unser
Museum einen Allignier-Laser von der großen Baufirma Heitmann
geschenkt bekommen, Baujahr um 1980 – so nahe und auch schon
Technikgeschichte. - 02.09.07
200. Fachausstellung
200 Jahre Landesvermessung in NRW. Zusammen mit dem Tag der offenen Tür startet die neue Fachausstellung „200 Jahre Landesvermessung in NRW“. Die Ausstellung wird eröffnet mit einer Vortagsveranstaltung am 21. September 2007 ab 10.30 Uhr in den Konferenzräumen: Rheinland/Westfalen/Lippe im LVA, Bonn-Bad Godesberg, Muffendorfer Str. 19-21. Vortragende sind Direktor Heinz Brüggemann und Klaus Mattiseck, Christian Elsner, André Caffier, Albert Föckeler, Manfred Spata sowie Harald Lucht für das Vermessungstechnische Museum. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 178 mit der Ankündigung der Ausstellung während der Mitgliederversammlung des Förderkreises durch Manfred Spata.
Unser Mitglied Martin Klöffler wird in seiner bewährten Art
in der Uniform eines
Ingenieursoffiziers mit
198. Eratosthenes-Preisträger des
Jahres 2007 ist Mario Bauch aus
Rosenthal/Sachsen. Dipl.-Ing. Mario Bauch (31) erhält den Preis für seine Arbeit „Zu den Anfängen der Forstvermessungsanstalt unter Schellig und Cotta (1804 – 1844)“. Er schildert in seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden das Wirken von C. F. Schellig (1765 – 1809) und Heinrich Cotta (1763 - 1844), den beiden ersten Direktoren der Forstvermessungsanstalt in Sachsen. Schellig schuf ab 1802 weitsichtig die Grundlagen der Forstvermessung. Sein Wirken endete durch seinen tragischen Tod als sächsischer Soldat in Diensten Napoleons 1809. – Cotta hat Vermessung und Schätzungsarbeiten weiterentwickelt. Sie führten zur Errichtung der Forsteinrichtungsanstalt in Tharandt. Mario Bauch hat die Originalquellen verschiedener Archive intensiv durchforstet. Die Ergebnisse von Forsteinrichtung und Vermessung vor 200 Jahren in Sachsen werden mit dieser Arbeit wieder lebendig. Er zeigt, Forsteinrichtung war schon immer Wirken für tätige Nachhaltigkeit. Überreicht wird der Preis anläßlich der Eröffnungsveranstaltung der INTERGEO in Leipzig am 25. September 2007 vom Präsidenten Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht, Bremen. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 190 und 179. - 17. 08. 07
197. Städtetags-Senioren besuchten Müller-Denkmal in Schwelm.
Friedrich Christoph Müller (1751 – 1808) war Prediger in Schwelm
(nahe Wuppertal) in der ehemaligen Grafschaft Mark. Er ist der
Nachwelt nicht als Theologe, sondern als Verfasser naturwissenschaftlicher
Schriften und als Kartograph in Erinnerung geblieben. Müller hat 1775
bis 1791 mehrfach verbesserte Karten der Grafschaft Mark aufgenommen. Die
Karte von 1791 hatte erstmals auch eine trigonometrische Grundlage. Den dabei
verwendeten Dollond-Theodoliten stellte ihm Freiherr vom Stein
zur Verfügung, damals noch Bergdirektor in Wetter an der Ruhr. Das
Vermessungstechnische Museum in Dortmund besitzt einen ähnlichen Theodoliten
in der Schausammlung. Das wertvolle
Instrument wurde 2005 mit einer großen Spenden-Aktion erworben,
angeregt durch den Eratosthenes-Preisträger Manfred Spata, Bonn.
Im Park des Hauses Martfeld in Schwelm erinnert ein 1820 errichtetes
Denkmal an Fr. Chr. Müller. Anläßlich eines Senioren-Treffens
besuchten ehemalige Mitglieder des bundesweiten Städtetagsausschusses
Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen das Denkmal. Der Präsidenten
des Förderkreises erläuterte das Wirken Müllers.
Literatur: Manfred Spata:
Fr. Chr. Müller und seine Karten der Grafschaft Mark aus den Jahren
1775 – 1791, in der Dokumentation des 7. Symposiums des Förderkreises VTM
„Wegbereiter in der deutschen Landesvermessung“, Bd. 27 der Schriftenreihe
des Förderkreises VTM, S. 31 - 54, Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1999,
Manfred Spata und Manfred Gombel: Der Dollond-Theodolit im
Vermessungstechnischen Museum in
Dortmund, Zs. Der Vermessungsingenieur 2005 S. 432 – 436. - 13. 08. 07
195.
Zu Besuch bei Konrad Zuse - Computerkonstrukteur, Bauingenieur,
Flugzeugstatiker, Erbauer des ersten Prozeßrechners. Im Magazin unseres Museums Am Westpark in Dortmund kann neben der Studiensammlung mit zahlreichen geodätischen Instrumenten auch eine vollständige Zuse Z 11 besichtigt werden, die einst im Landesamt für Agrarordnung in Münster für die Flurbereinigung arbeitete. Der Förderkreis besitzt darüber hinaus einen Graphomat Z 64, seinerzeit als Zeichenautomat im Einsatz beim Regierungspräsidenten Arnsberg, danach beim Markscheider Oeser & Schneiker. Eine außerordentlich reichhaltige Sammlung ist im Konrad Zuse Museum in Hünfeld nahe Fulda zu sehen, Z 1, Z 3, Z 4. Z 11, Z 22, der Graphomat Z 64 sind dort ausgestellt, teilweise als Nachbauten. Sehr informative Tafeln zeigen den wechselvollen Lebensweg von Konrad Zuse und dessen faszinierendes Lebenswerk, übrigens auch als Kunstmaler. Der Aufbau der Rechner wird didaktisch hervorragend präsentiert. Die Leiterin Irmgard Topat führte am 1. Juli 2007 ehemalige leitende Vermessungsbeamte aus der AdV, der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder, im Rahmen eines Senioren-Treffens. Prof. Gerfried Appelt (München), Prof. Eckhard Bartsch (Niedernhausen), Günther Bolze (Berlin), Frieder Mrosek (Schwerin), Harry Pahl (Hamburg) und andere Kollegen diskutierten angeregt über erste Einsätze der Zuse-Rechner Z 11 und Z 22 in den 50-iger Jahren in den Vermessungsverwaltungen. Vor 50 Jahren bot sich damit erstmals die Möglichkeit, z.B. photogrammetrische Auswertungen, Trigonometrische Punkteinschaltungen, Kleinpunkt- und Flächenberechnungen automatisch durchzuführen. Konrad Zuse (geboren 1910 in Berlin, gestorben 1995 in Hünfeld nahe Fulda) gilt heute unbestritten als Erfinder des Computers. Nach Jugendjahren in Ostpreußen, Abitur in Hoyerswerda in der Lausitz/Sachsen beendete er 1935 sein Studium mit dem Diplom als Bauingenieur an der TH Berlin-Charlottenburg. Bereits aus dieser Zeit stammten erste Vorüberlegungen für einen programmierbaren Rechner. Die Z 1 war 1938 fertiggestellt - im heimischen Wohnzimmer, ebenso 1941 die Z 3 - ein vollautomatischer in binärer Gleitkommaberechnung arbeitender Rechner mit Speicher und Zentraleinheit aus mehren Tausend Telefonrelais. Die Z 3 gilt heute als der erste funktionstüchtige Computer der Welt. Vor 50 Jahren wurde die 1949 im Kreis Hünfeld gegründete Zuse KG nach Bad Hersfeld verlegt, arbeitete mit Nixdorf zusammen und wurde später von Siemens übernommen. Damals begann eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsverwaltung, wo der Relais-Rechner Z 11 lange eingesetzt wurde. Bald darauf war die Z 22 entwickelt, der erste elektronischer (Röhren-) Rechner, der ebenfalls vielfach in den Vermessungsverwaltungen arbeitete. - Viele Jahre später 1995 trafen sich die beiden Pioniere der Datenverarbeitung Konrad Zuse und Bill Gates (Microsoft) auf der CeBIT in Hannover, wenige Monate vor dem Tod von Konrad Zuse am 18. Dezember 1995 in Hünfeld. Konrad Zuse ist der "Schöpfer der ersten vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitpunktrechnung arbeitenden Rechenanlage. Sie war 1941 betriebsfähig," schrieb Professor Friedrich Ludwig Bauer aus München im Geleitwort zu der Autobiographie 1984. Hochinteressante Informationen sind auch auf der DVD "Konrad Zuse" (2007) dokumentiert, erhältlich in der Ausstellung im Konrad Zuse Museum in Hünfeld; siehe auch www.zuse.de Quellen (Auswahl): Die o.a. Ausstellung; Konrad Zuse: Der Computer - Mein Lebenswerk, Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York Tokyo 1984, K. Schwidewski: Programmgesteuerte Rechenmaschinen in Zs. für Vermessungswesen 1952 S. 104 - 109, E. Gotthardt: Geodätisches Rechnen mit der Rechenanlage Zuse Z 22, Zs. für Vermessungswesen 1960 S. 1 - 9, Wikipedia 2007. - 12. 07. 07
194. Besuch der Pötzschner-Hütte im Nordharz. Die Pötzschner-Hütte auf der Schalke in 762 m Höhe lohnt einen Besuch. Sie erinnert an Dr. Wolfgang Pötzschner (1913 - 1999) - vergl. unsere Mitt. Nr. 180. Wanderer starten beim Wirtshaus Auerhahn an der B 214 zwischen Goslar und Clausthal-Zellerfeld und erreichen mit einem schönen Spaziergang über 1,7 km und einem Höhenunterschied rd. 130 m in gut einer halben Stunde die Pötzschner-Hütte. Etwas seitwärts der höchste Kuppe gelegen, bietet sie Schutz - und ein 100-jähriger neu überholter Aussichtsturm aus Stahl erlaubt einen herrlichen Rundblick über mehr als 270 Grad des Horizonts. Auch schon von der Pötzschner-Hütte aus ist der Brocken, der höchste Berg des Harzes (1142 m), der Wurmberg und Torfhaus gut zu sehen - wie sich der Redakteur und Verfasser dieser Zeilen am 1. Juli 2007 überzeugen konnte. - 02.07.07
193. Der Ratz im Rohr - eine archäologische Zeitreise
Seit vielen Jahren
Mitglied im Kuratorium unseres Förderkreises, schätzen wir Dr. Klaus
Grewe als Autor zahlreicher vermessungstechnischer und archäologischer
Forschungsarbeiten.
Mit seinem neuesten
Werk „Die Ratz im Rohr“ erobert er sich er in ein neues Feld in einem
ganz anderen Genre: Eine
wissenschaftliche Großtat aus dem 15. Jahrhundert wird in die
Handlungen eines spannenden Romans eingebettet. Ein junger Bergmeister
soll dem Grafen von Blankenheim eine Wasserleitung bauen, um dessen
Burg mit frischen Quellwasser zu versorgen. Er geht in Köln auf die
Suche nach der Handschrift des Vitruv, dem großen Architekten und
Ingenieur des Wassernetzes von Rom und besonders dessen Buch 8 -
Wasserleitungen, er studiert den römischen Tunnel bei Düren und
erlebt eine Riesenüberraschung bei Maria Laach. „Am Kaiserstein
lernt er die Liebe kennen und in Rheinbach den Suff.“
Klaus Grewes
Anliegen war stets, wissenschaftliche Forschungsergebnisse populär
aufzubereiten und einem breiten Publikum zugänglich und verständlich zu
machen – hier überreicht er uns jetzt eine faszinierende und zugleich
humorvolle Erzählung – ISBN 978-3-87124-332-5 –19,80 €.
192.
60 Jahre Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Deutschen Städtetag.
Der Ehrenvorsitzende hob in seiner Ansprache in der Festveranstaltung
hervor, die vornehmste Aufgabe der Fachkommission sei die Beratung und Unterstützung
des Deutschen Städtetages als Vertretung der Städte bei der
Beteiligung in der Gesetzgebung und bei den Fragen praktischer Verwaltung und
Zukunftssicherung. Er sehe geradezu gleichrangig den
interkommunalen Erfahrungsaustausch. Kommunale Spitzenkräfte sind (fachliche)
Letztentscheider. Darin liege hohe Verantwortung - gerade auch im Fachbereich
Vermessungs- und Liegenschaftswesen und heute zusätzlich z.B. mit dem
Schwerpunkt in der Geoinformation. Die Fachkommission sei in
Deutschland für die Praxis auf kommunaler Ebene die maßgeblich kompetente
Institution, ähnlich wie die AdV auf Länderebene. Er erinnerte an
herausragende Fachkollegen im Deutschen Vermessungswesen, die lange in diesem
Städtetagsausschuß mitgearbeitet haben, u.a. an
Dr. Willi Bonczek-Essen, Prof. Dr. Hubertus Hildebrandt-Nürnberg,
Martin Tiemann-Essen, Prof. Dr. Hans-Joachim Sandmann-Bonn, Prof.
Dr. Walter Seele (Nürnberg, Dortmund, Bonn) –
ebenso
an mehrere AdV- Vorsitzer aus den Stadtstaaten, Mitglieder in deren kommunaler
Funktion – und er grüßte noch als Aktiven Hagen Graeff, den
Vorsitzenden des Dt. Vereins für Vermessungswesen. Harald Lucht würdigte
aus persönlicher Begegnung besonders an die hervorragende Betreuung des
Ausschusses mit den Städtetags-Referenten
Dr. Günter Gaentzsch (1973 bis 1982, später Vorsitzender Richter am
BVerw.G.), Jochen Dieckmann (1982 bis 1990, später Hauptgeschäftsführer
DST und Finanzminister in NW), Dr. Frank Steinfort (1990 bis 1998,
heute Stadtdirektor in Mülheim), durch Herrn Baer u.a., die
aktuell durch Dr. von Kraack fortgesetzt werde. - Besonders die
fachliche und ebenso kollegial-menschliche Zusammenarbeit im Ausschuß und mit
der Hauptgeschäftsstelle sei eine wesentliche Stütze im kommunalen
Arbeitsalltag.
Anläßlich
des 40-jährigen Bestehens hatte Manfred Hintzsche aus Stuttgart das
Wirken der damals noch als Unterausschuß zum Bauausschuß firmierenden
Kommission dokumentiert (ZfV 1987 S. 525 – 527). Vor 10 Jahren ist mit dem
Band 25 in der Reihe E der Städtetags-Beiträge zur Stadtentwicklung und zum
Umweltschutz ein breitgefächerter Überblick über das Vermessungs- und
Liegenschaftswesen in den Städten gegeben worden. Im vergangenen Jahr würdigte
Gerold Stahr das Wirken des kommunalen Vermessungswesens in Deutschland
in seinen historischen Quellen und vor den heutigen Herausforderungen
(ZfV 2006, S. 251-257). Eine Broschüre in Fortsetzung der zum 50-jährigen
Bestehen der Fachkommission herausgegebenen Schrift dokumentiert alle
Sitzungsteilnehmer seit 1947. Eine CD mit Fotos der Teilnehmer seit 1975 ist
in Vorbreitung. Mitglieder und ständige Gäste der Fachkommission sind gegenwärtig unter dem Vorsitz von LVD Gerold Stahr aus Krefeld die Damen und Herren Kollegen Bastian-Frankfurt, Carola Bayer-Erfurt, Gerlach-Karlsruhe, Graeff-Hamburg, Hawlitzky-Bonn, Höhn-Hagen, Jäger-Stuttgart, Kaiser-Neuss, Kalischewski-Dortmund, Koller-Kiel, Krüger-Dresden, Landthaler-Augsburg, Meyer-Leipzig, Neumann-Magdeburg (Stellv. Vors.), Hannelore Stockert-Freiburg i. Br., Uehlecke-Essen, Veit-München, Wagner-Mainz, Wanzke-Wuppertal, Dr. Wegener-Hannover, sowie Eichhorn-Hamburg, Frisch-Ludwigslust, Dr. Linder-Warendorf, Luckhard-Berlin, Rudolph-Pforzheim, Schaar-Essen, Schmidt-Potsdam, Seidler-Nürnberg, Dr. Stemmler-BMVBS Berlin. – Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 70 und Bericht in ZfV 4/2007 S. 269 - 03.06.07/21.06.07/30.07.07
191. Weitere Instrumente aus Essen. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum hatte vor 2 Jahren zahlreiche Instrumente des Fachbereichs Vermessung der FH - Uni/GHS Essen-Duisburg in seine Sammlung übernommen (vergl. unsere Mitt. Nr. 92). Jetzt hat unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried weitere Sammlungsstücke aus Essen erhalten, u.a. einen Doppelbildkomparator nach Ochsenhirt für 1m-Stäbe, eine Gravitationswaage und die von unserem Kuratoriumsmitglied Professor Herbert Kapelle einst aufgebaute Dia-Sammlung. Sie umfaßt ca. 1000 Bilder. Sie wurde zu Vorlesungszwecken erstellt und zeigt zu großen Teilen Abbildungen von historischen Instrumenten (Bilder, Schnitte, Prinzipskizzen). Mit dieser Übernahme ist auch der letzte Rest der Sammlung klassischer Vermessungsinstrumente aus Essen in unsere Sammlung überführt worden und damit "sichergestellt". Im Laufe des Sommers wird in Essen alles geräumt sein - das Essener Vermessungsstudium ist endgültig Vermessungsgeschichte. Die historischen Instrumente im Vermessungstechnischen Museum – besonders für über 50 Absolventen-Jahrgänge erlebbare Erinnerung. – Glückauf Vermessungswesen und Geoinformatik an der Technischen Fachhochschule Bochum! - 27.05.07
190. Eratosthenes-Preis 2007. Das Stifterkollegium zur Verleihung des Eratosthenes-Preises wird am 18. Juni 2007 in Bremen über die diesjährige Preisverleihung entscheiden. Dem Stifterkollegium (Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen, Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Wolfgang Torge, Hannover und Erster Vorsitzender Norbert Kalischewski, Dortmund) liegen 5 Vorschläge zur Begutachtung vor. Die Preisverleihung erfolgt während der Eröffnungsveranstaltung der INTERGEO in Leipzig am Dienstag, den 25. September 2007. - 20.05.2007
189. "Reisen vor Jahrhunderten" heißt eine Ausstellung in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Sie umfaßt insgesamt 10 Vitrinen, in denen Bücher, Karten und Handschriften zum Thema Reisen ausgestellt sind. In 5 Vitrinen sind Leihgaben des Förderkreises plaziert und entsprechend mit Kurzbeschreibungen versehen. Zu sehen noch bis zum 25. Mai. - 12.05.07
188. Hansen-Gedenktafel in Gotha enthüllt
Am 18. April 2007 wurde eine Gedenktafel zu Ehren des Astronomen und Geodäten
Peter Andreas Hansen an der ehemaligen Sternwarte in Gotha, Jägerstraße
7, mit nachstehender Inschrift enthüllt:
"Dieses 1857 durch
Hofbaumeister Scherzer errichtete Gebäude diente als Wohn- und Arbeitsstätte
von Peter Andreas Hansen (1795 - 1874), bedeutender Astronom und Geodät des
19. Jahrhunderts. Seit 1825 trug er als Direktor der Gothaer Sternwarte durch astrometrische Beobachtungen, durch Berechnungen der Bahnen von Mond und Planeten mit ihren Störungen und durch die Konstruktion von Beobachtungsgeräten wesentlich zur Entwicklung der Astronomie in seiner Zeit bei. Als Geodät führte er ab 1838 die Landesvermessung des Herzogtums Gotha durch, entwickelte dabei neue Berechnungsmethoden wie die "Hansensche Aufgabe" und war später leitend an der Europäischen Gradmessung beteiligt. Die "Neue Herzogliche Sternwarte" - 1859 hinter dem Wohnhaus bezogen - galt mit ihren Instrumenten als Musterbau eines astronomischen Observatoriums. - Deutscher Verein für Vermessungswesen - Landesverein Thüringen und Bund der Öff. bestellten Vermessungsingenieure (LG Thüringen) im Jahre 2007." Hansen wurde in Tondern in Schleswig geboren, arbeitete zunächst als Uhrmacher, war bei der Gradmessung in Holstein und der Sternwarte in Hamburg-Altona tätig. 1825 begann sein langes Wirken in Gotha, er wurde Direktor der Seebeck-Sternwarte. 1837 erhielt er den Auftrag, das Gothaer Herzogtum zu vermessen. Für die Ausgleichung seiner Triangulation nach vermittelnden Beobachtungen mit Bedingungsgleichungen entwickelte er eigene Lösungen.
Zur
feierlichen Enthüllung durch Hagen Graeff, Präsident des Dt. Vereins
für Vermessungswesen (DVW) und Michael Osterhold, Vorsitzender des
Landesvereins Thüringen des DVW war mit Anneliese Ruttmann aus Erfurt
sogar eine Ururenkelin Hansens zu den Festveranstaltungen erschienen,
die an das Wirken Hansens erinnerten.
187.
Helmut Minow 85
Dipl.-Ing. Helmut Minow, Ehrenmitglied unseres Förderkreises,
vollendet am 29. April 2007 sein 85. Lebensjahr. Unsere herzliche Gratulation
gilt dem Jubilar, den wir nach schwerer Erkrankung erst kürzlich wieder
engagiert in der Kuratoriumssitzung erleben durften. Als Förderkreis
verbinden wir unsere guten Wünsche mit dem Glückwunsch zu einem weiteren Goldenen
Jubiläum – seit 1957 Jahren hat Helmut Minow
beständig wertvolle Beiträge zur Vermessungsgeschichte veröffentlicht
– seit 50 Jahren.
186.
Vor 50 Jahren - der Verband Deutscher Vermessungsingenieure VDV stellte
Weichen in die Zukunft. Am 27. 4.
1957 fand in Essen-Baldeney eine außerordentliche Hauptversammlung
des VDV statt. Hintergrund waren vorausgegangene quälende
Auseinandersetzungen um die Zukunft des gerade 8 Jahre bestehenden Verbandes.
Es ging um die Frage, Anschluß des VDV an den Bund Deutscher Baumeister,
Architekten und Ingenieure BDB oder der Erhalt der Eigenständigkeit,
als reiner Ingenieurverband. Beteiligte erinnern sich, es wurde nächtelang
gerungen. „Mit überwältigender Mehrheit wird unter dem Vorsitz von Wolfgang
Beicken der Wille zum VDV als Ingenieurverband und die Mitgliedschaft im
ZBI bekundet“ – entnehmen wir der Chronik zum 50-jährigen Bestehen des
VDV 1999. Diese Festschrift wurde von Wolfgang Beicken, Josef Heyink, Dr.
Kurt Kröger und Hans Soest erarbeitet - eine ungemein reiche Quelle der Geschichte des VDV. Wir
erinnern an diese richtungsweisende und segensreiche Entscheidung vor 50
Jahren. Quelle: VDV Verband Deutscher Vermessungsingenieure 1949 –1999, VDV (Herausgeber), Autoren: siehe oben, Druck bei Chmielorz, Wiesbaden 1999 - ISBN 3-87124-203-9 - 21.04.07
185. Die Schmettausche (Kabinetts-) Karte 1:50.000 des gesamten preußischen Staatsgebiets östlich der Weser (insgesamt 270 Blätter) entstand 1767 bis 1787. Daran erinnerte ein Vortrag im Landesverein Thüringen des DVW "Friedrich Wilhelm Carl Graf von Schmettau - zum 200. Todestag eines Wegbereiters der flächendeckenden Landesaufnahme" von Peter Köhler, Weimar, nachlesenswert abgedruckt in der Zs. Kartographische Nachrichten, Fachzeitschrift für Geoinformation und Visualisierung, Heft 1/2007 Seiten 36 - 41. - Hauptschriftleiter Dr. Rolf Harbeck konnte in seinem Editorial berechtigt feststellen, daß die Kartographie heute als ein wachsender innovativer Wirtschaftszweig von der Gesellschaft wahrgenommen wird. - Zu Schmettaus Zeiten (und in einzelnen Staaten noch bis weit ins vergangene Jahrhundert) unterlagen Kartenwerke strikter Geheimhaltung - heute in unseren offenen Gesellschaften und in Zeiten von Google Earth und moderner Informationstechnik nicht mehr vorstellbar. - 12.04.07
184.
Wir erinnern an Hugo Reist anläßlich seines 100. Geburtstags.
183. Johann August Röbling - Ingenieurbau zwischen Kunst und Wissenschaft heißt eine Ausstellung der Mühlhauser Museen in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin in der INGENIEUR KUNST Galerie Berlin, Burgstraße 27. Eröffnung ist am 5. April 2007 um 19 Uhr, bis 06. Mai 2007, Öffnung Mi - So, 12 - 20 Uhr. Siehe auch unsere Mitt. Nr. 160. - 29.03.07
182. Bundesverdienstmedaille. Burkhard Kreuter, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Vermessungsingenieure (VDV), ist die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik für sein langes erfolgreiches Wirken für den Berufsstand verliehen worden. Kreuter ist seit 1989 auch engagiertes Mitglied im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund. - 26.03.07/02.03.07
181. Seit 4 Jahren erinnern wir hier an interessante vermessungshistorische Ereignisse, Veranstaltungen, Gedenktage, Schriften und geben Mitteilungen aus unserem Förderkreis. - 20.3. 2007
180. Das Wirken von Geodäten für Harzwanderer. Auf der Schalke findet man in 762 m Höhe Schutz in einer massiven Holzhütte - der Pötzschner-Hütte, wie ein großer Schriftzug über dem Eingang zeigt. Namensgeber ist Dr.-Ing. Wolfgang Pötzschner. Er wirkte 1978 bis 1985 als Hauptkartenwart im erweiterten Vorstand des Harzklubs. Er engagierte sich außerdem für Naturparkkarten weit über Niedersachsen hinaus und wurde Kartenreferent des Verbandes Deutscher Naturparke – ein Geodät und Kartograph aus Passion. Geboren 1913 in Oelsnitz im Vogtland, studierte Wolfgang Pötzschner in Dresden Geodäsie. 1955 folgte die Promotion bei Professor Walter Großmann an der Technischen Hochschule in Hannover. Seit 1964 Chef der Abteilung Grundlagenvermessung der Landesvermessung Niedersachsen war Dr.-Ing. Wolfgang Pötzschner bis zu seiner Pensionierung 1978 stellvertretender Leiter des Landesvermessungsamtes. Seine Vorliebe für die Natur, die Menschen und die Landkarten führte zu seinem Engagement im Harzklub; er starb 1999 in Hannover. Nachdem im Jahr 2000 der markante Betonturm (lange alliierter Horchposten) auf der Schalke abgebrochen werden konnte, wurde nicht nur der dortige zivile Aussichtsturm an seine alte Stelle versetzt. Frau Pötzschner sorgte mit Unterstützung des Harzklubs 2003 für den Bau einer neuen Schutzhütte, jener Pötzschner-Hütte. Sie wurde dabei unterstützt von Dr.-Ing. Hans Bauer, dem früheren Leiter der Abteilung Landesvermessung des damaligen niedersächsischen Landesverwaltungsamtes, der sich bald nach dem Ausscheiden von Wolfgang Pötzschner ebenfalls für das Kartenwesen als Hauptkartenwart im Harzklub engagierte. Sein Nachfolger ist seit 2006 Dr.-Ing. Udo Heineke. - Immer wieder haben sich Geodäten in leitenden Stellungen mit viel Engagement für den Harz, seine Traditionen und den Wanderer eingesetzt – so auch Dr.-Ing. Erich Haupt (1920 – 1987), der als Hauptdezernent im ehemaligen Regierungsbezirk Hildesheim (1965 – 1985) Wandertafeln an größeren Parkplätzen im Harz aufstellen ließ, um Wanderern auf der Grundlage der deutschen Grundkarte 1:5000 den Weg zu weisen. - Kürzlich erhielt der Förderkreis wertvolle Unterlagen aus dem Nachlaß von Wolfgang Pötzschner. Unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried ist darüber besonders erfreut. – 10.03.07
179. Eratosthenes-Preis - Termin 15. 4. 2007. Der mit 2500 € dotierte Eratosthenes-Preis ist für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der geschichtlichen Forschung im Vermessungswesen ausgelobt. Er soll in diesem Jahr anläßlich der feierlichen Eröffnung der INTERGEO am Dienstag, den 25. September 2007 in Leipzig verliehen werden. Das Statut und die Namen früherer Preisträger sowie die Titel der preisgekrönten Arbeiten können auf dieser Homepage eingesehen werden. Wir erinnern daran, geeignete Arbeiten bis zum 15. April 2007 an die Adresse Stifterkollegium des Förderkreises, Postfach 10 12 33 in 44012 Dortmund einzureichen. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 124 und 119. - 26.02.07
178.
Mitgliederversammlung am 12. Februar 2007.
Ein erfreulich großes Auditorium konnte Präsident Harald Lucht aus
Bremen in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte
der Stadt Dortmund begrüßen, nahezu 60 Mitgliedern und Gäste,
darunter selbst aus Thüringen angereiste Kollegen. Er überbrachte Grüße
vom Gründungsvorsitzenden Siegfried Stahnke und von Dr. Kurt Kröger
und Helmut Minow. Ltd. Museumsdirektor Wolfgang E. Weick begrüßte
die Versammlung und lobte das Mäzenatentum, das in der heutigen Ehrung zu
Ausdruck komme.
Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Wolfgang Torge aus Hannover stellte
Prof. Dr.-Ing. Wolf-Dieter Schuh vor, der in Bonn den Lehrstuhl
für Theoretische Geodäsie innehat. Er sprach zum Thema: „Bosćowić
statt Gauß: Ein alternatives Ausgleichungsprinzip und sein Stärken – ein
Blick in die Berechnungsmethoden des 18. Jahrhunderts“. Er erinnerte
einleitend an die Erkenntnisse von Newton, die Figur der Erde sei
abgeplattet, die Gradmessungen
von Peru und Lappland, auch an Clairaut (1713-1765),
der die Abplattung mit 1:230 ermittelt hatte. Bosćowić
(1711-1787) kannte schon die Ergebnisse von 5 Gradmessungen und führte
bei der Ausgleichung der überschüssigen Beobachtungen als erster die
Absolutsummen der Beobachtungsverbesserungen zum Minimum. Euler, Legendre,
Tobias Mayer und schließlich C. F. Gauß mit der Methode der
kleinsten Quadrate führten andere Minimumsbedingungen ein. Prof. Schuh
fesselte die Zuhörerschaft mit einem glanzvoller Vortrag über historische
Rechenansätze in moderner Betrachtungsweise.
177.
Die ältesten Eisenbahnvermessungen im Königreich Hannover. Anläßlich
der Mitgliederversammlung 2007 übergibt Dr.-Ing. Erich Siems dem Förderkreis
ein außerordentlich umfassendes Werk über
die ältesten Eisenbahnvermessungen, ursprünglich aus der Feder von Jürgen
Stumpf (1925 – 2005). Die Schrift umfaßt über 500 Seiten und ist für
unsere Bibliothek gedacht. Die mit der Planung, dem Bau und insbesondere der
Vermessung der ersten Eisenbahnstrecken im niedersächsischen Raum verbundenen
Aspekte sind darin untersucht und mit großer Sorgfalt dokumentiert worden. - Vermessungsdirektor Jürgen Stumpf war seit 1964 Leiter des Katasteramts Burgdorf bei Hannover, und später bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1990 Dezernent bei der Bezirksregierung Hannover. Zunächst nebendienstlich widmete er sich seit 1990 vertieft der selbstgestellten historischen Forschungs-Aufgabe. Er nahm Kontakt zu unserem Förderkreis auf. Als er dann krankheitsbedingt kürzertreten mußte, kam er nur noch langsam voran, und schließlich mußte er die Arbeiten ganz aus der Hand legen. -
Ltd. Bundesbahndirektor a.D. Dr.-Ing. Erich Siems war über viele Jahre
in der Zentralen Transportleitung der Deutschen Bundesbahn für die
Eisenbahnvermessungen in der Bundesrepublik zuständig. Der Förderkreis
konnte ihn für das 9. Symposium für Vermessungsgeschichte im Februar
2005 gewinnen. Er bereicherte den Reigen von über 5000 Jahren
angewandte Geometrie „Von Gizeh bis DESY“ mit einem Vortrag
„Erste Eisenbahnen – nicht ohne Feldmesser“. Er war besonders prädestiniert,
die Untersuchungen von J. Stumpf zu vollenden und nahm gerne unsere Anregung
auf, sich mit dem Kollegen Stumpf in Verbindung zu setzen. -
Jürgen Stumpf verstarb im Juli 2005, kurz nach seinem 80. Geburtstag.
Seine Frau und sein Sohn waren sehr gerne bereit, Erich Siems die
reichhaltigen Unterlagen (zahlreiche Ordner, ältere Computerdateien,
Kartenrollen) zu übergeben. Und Erich Siems übernahm die
Herkules-Aufgabe, den fachhistorischen Nachlaß zu sichten – und im Sinne
von Jürgen Stumpf zu einem guten Ende zu bringen. Über ein Jahr lang
hat er in ungezählten Stunden daran gearbeitet und das Werk vollendet. Er
legt uns nun das Ergebnis vor - Jürgen Stumpf: „Die ältesten Eisenbahn-Vermessungen im
niedersächsischen Raum“.
176. Über 250 Jahre alt. Unsere Bibliothek konnte mit einer Reihe von älteren Büchern bereichert werden. Unserem Bibliothekar Dr. Hartwig Junius gelang u. a. der antiquarische Erwerb einer "Vermessungskunde" von Elias Schulz von 1754, verlegt in Frankfurt und Leipzig von Peter Conrad Monath, Format ca. A5, 49 Seiten. Ein "geometrisches Handbüchlein in welchem alle möglichen Vortheile, sowohl im Ausmessen derer Felder, und Auftragen auf das Papier, als auch deren Inhalt zu finden und in verschiedene Theile zu bringen, gezeigt werden ...." - eine besondere Rarität. 30.01.07
175. Eine Millionen Mal "Die Vermessung der Welt". Die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (21.1.07) interviewte den bekannten Publizisten und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und fragte auch: "Zurzeit sind deutsche Romane so erfolgreich wie lange nicht. Daniel Kehlmanns Roman hat sich fast eine Millionen Mal verkauft. Was halten Sie von ihm?" Reich-Ranicki: "Kehlmanns Erfolg freut mich außerordentlich" - und er sei ein Beweis für die besondere Kultur unterhaltsamer Literatur. - Der Roman steht seit über 70 Wochen (!) auf Platz 1 der Bestseller-Liste des SPIEGEL. Vergl. unsere Mitt. Nr. 155, 151 und 136. - 22.01.07 Nachtrag 30.3.07: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) widmet heute die Seiten 37 und 41 im Feuilleton dem Roman von Kehlmann 'Wie die Welt auf "Die Vermessung der Welt" reagiert". Korrespondenten referieren die Kritik in den 7 Ländern USA, China, Spanien, Frankreich, Ungarn, Italien und Niederlande - und berichten von überwiegend positiver Aufnahme. Die individuell und themenbezogen gestalteten farbigen Buchdeckel sind abgebildet. Die ersten 2 Sätze des Romans werden in den 7 Sprachen wiedergegeben - sogar in chinesischen Schriftzeichen. - 22.01.07/30.3.07
173. Geographisches Zentrum der EU nach Hessen gewandert. Mit der Erweiterung der Europäischen Union um Bulgarien und Rumänien ist auch der geographische Mittelpunkt der EU nach Osten gewandert. Er liegt nun in Meerholz bei Gelnhausen, der alten Reichsstadt in Hessen. Berechnet hat ihn Jean-Georges Affholder vom Institut Géographique Nationale (IGN) in Paris. Schon vor 20 Jahren hatte der Ingenieur Affholder sich auf die geodätische Suche nach dem Mittelpunkt des vereinten Europas begeben. Damals zählte die EU 12 Staaten und der Schwerpunkt lag in Frankreich, in Saint-André-le-coq nahe dem Puy de Dome. Vor der jüngsten Erweiterung lag das Zentrum in Kleinmaischeid nahe Koblenz. Das der Ermittlung zugrundeliegende Rechenverfahren beruht auf der Gauß'schen Flächen-Formel. Die Wanderung der geographischen Mitte Europas - eine bemerkenswerte Vermessungsgeschichte. - Quelle: F.A.Z. vom 4. Januar 2007, S. 7. - Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 141 zur Berechnung des geographischen Mittelpunktes von Nordrhein-Westfalen. - 05.01.07
172. Vorblick. Wir wünschen allen Damen und Herren Besuchern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes Neues Jahr. - 19.12.06
171. Rückblick. "Nur
wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." Wir haben hier aus Anlaß runder Jahrestage erinnert an historische Persönlichkeiten, u.a. Johann Friedrich Benzenberg (Mitt. Nr. 168, 95), Friedrich Wilhelm Bessel ( 157, 058), Otto Eggert (54), Carl Friedrich Gauß (156, 114), Friedrich Gustav Gauß (101), Walter Großmann (120), Heinrich Lübke (45), Johannes Nittinger (162), Oscar Schreiber (121). Und wir haben Persönlichkeiten zu besonderen Anlässen gratuliert, die früher und bis in die Gegenwart der Vermessungsgeschichte besonders nahestehen, so u.a. Franz Allmer (167, 129), Heinz Draheim (122, 15). - 18.12.06 "Nur
wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." Wir haben hier aus Anlaß runder Jahrestage erinnert an historische Persönlichkeiten, u.a. Johann Friedrich Benzenberg (Mitt. Nr. 168, 95), Friedrich Wilhelm Bessel ( 157, 058), Otto Eggert (54), Carl Friedrich Gauß (156, 114), Friedrich Gustav Gauß (101), Walter Großmann (120), Heinrich Lübke (45), Johannes Nittinger (162), Oscar Schreiber (121). Und wir haben Persönlichkeiten zu besonderen Anlässen gratuliert, die früher und bis in die Gegenwart der Vermessungsgeschichte besonders nahestehen, so u.a. Franz Allmer (167, 129), Heinz Draheim (122, 15). - 18.12.06
170. Die Landesvermessung im Spiegel deutscher Brauereien - Vermessungsgeschichte auf Bierdeckeln. Prof.
Dr.-Ing. Hans Fröhlich hat attraktive Zeitzeugen für 200 Jahre
Lagebestimmungen in der Landesvermessung gesucht – und fand sie im Logo von
Brauereien, auf Bierdeckeln und Flaschenetiketten. Mit Unterstützung
von Matthias Haag hat er in diesem Jahr zwei lesenswerte Broschüren im
Selbstverlag herausgegeben – Band I
für Nordrhein-Westfalen (65 Seiten) und Band II für Baden-Württemberg
(82 Seiten).
- Einführung
in die Landesgeschichte, die historische Entwicklungen der
Landestriangulationen und der Katasteraufnahmen mit Netzbildern und
Portraits bekannter Geodäten leiten die Bände ein. Abbildungen von
Brauereien und Trigonometrischen Punkte bilden den reizvollen Kern dieser
besonderen Bände,
jeweils eröffnet von der Geschichte des Bieres. Bierdeckel mit
historischen Stadt- und Kirchenansichten, eben TP’s, Netzskizzen und manche
reizvolle Anekdote runden diese liebevoll gestalteten Bände ab (je 11,50
€). Kontaktadresse:
hans.froehlich@fh-bochum.de
-05.12.06
169. Ein
alt-ehrwürdiges Katasteramt.
Die „Kataster-Landschaft“ hat sich in
der (alten) Bundesrepublik in den vergangenen 50 Jahren geradezu
revolutionär verändert. Damals – die 48-Stunden-Woche, Meßstangen-Transport
am Fahrrad, Kurbelrechenmaschine, Lichtpausen mit Sonnenlicht oder
Kohlenstablampe und Salmiak-Entwicklung, Wienecke-Ritzverfahren,
Adler-Schreibmaschine DIN A3, Liegenschafts-
wie Flurbuch als Folianten, Hand- und Ergänzungsrisse, Durchschreibe-Feldbücher,
Geschäftsbuch C, legendäre Fortführungsanweisung II – nostalgische
Erinnerungen. Lange noch ein dreistufiger Verwaltungsaufbau der
Katasterverwaltung, gefürchtete Geschäftsprüfungen des Regierungspräsidenten.
Allein z. B. in Niedersachsen gab es 64 Katasterämter. Sie sind Geschichte
– Kataster- und Vermessungsgeschichte. Der
Autor dieser Zeilen hatte jüngst Gelegenheit, an einem Treffen der Ehemaligen
eines Katasteramtes teilzunehmen – in
dem er selbst vor über 50 Jahren den Vermessungsberuf begonnen hatte. Das Katasteramt
Burgdorf wurde Ende 1975 zusammen mit den Ämtern in Springe und Neustadt
in das Katasteramt Hannover eingegliedert. Seitdem, seit über 30
Jahren, treffen sich Ehemalige und deren Partner regelmäßig einmal im
November: Techniker, Meßgehilfen, Beamte aller Ebenen, ehemalige Chefs, frühere
Lehrlinge; sie kommen z.T. von weit her, wohin sie der Beruf später geführt
hat. Traditionspflege, Berichte aus alter Zeit, von Höhepunkten bei pfundigen
Betriebsfesten – damals Sonnabends nach 14 Uhr. Das Leben nach dem Beruf und
dennoch im Miteinander. Und freundliche Erinnerungen an die damaligen Leiter
des Katasteramts Burgdorf, bis 1964 Werner Möhlenbrink (1899
– 1996) und bis 1975 Jürgen Stumpf (1925 – 2005). – Ob es
weitere solcher Treffen gibt? Der Corpsgeist jener alten Katasteramts-Zeiten läßt
dies vermuten. Tatsächlich sind sie in Burgdorf realisiert, dank
der unermüdlichen Initiativen von zwei Ehemaligen, Frau Brigitte Rheinhardt und
Herrn Alfred Wendt. – Heute
gibt es in Niedersachsen nur noch 14 „GLLs“ (Behörden für
Geoinformationen, Landentwicklung und Liegenschaften),
die Regierungspräsidien sind aufgelöst – und die GLLs haben zwei
Dienstherren, den Innenminister und den Landwirtschaftsminister. In Bremen
wurde aus der Kataster- und Vermessungsverwaltung 1995 ein Wirtschaftsbetrieb,
2002 ein Eigenbetrieb. In Hamburg und Berlin wurden die Bezirksämter
in die Zentrale eingegliedert. In mehreren Flächenländern wurde die
gesamte Katasterverwaltung ein einziger Eigenbetrieb. Zeiten ändern sich. Der 1926 in Aurich in Niedersachsen geborene bekannte Züricher Philosoph und Publizist Hermann Lübbe hat dies in die Metapher der Gegenwartsschrumpfung gekleidet: „Der Zeitraum, in dem unsere Lebensverhältnisse eine gewisse Konstanz aufweisen (und den wir deshalb als Gegenwart begreifen), dieser Zeitraum wird immer kürzer“. – Die Gegenwart schrumpft, auch in der „Kataster-Landschaft“, doch die Vergangenheit lebt fort. – 26.11.06
168.
Der Kölner Dom und Benzenberg - vor 200 Jahren. Benzenberg
hat 1806 auf dem Kölner Dom
Winkel beobachtet. Hierzu ein Zitat aus einer
Dokumentation des Landesvermessungsamtes Nordrhein-Westfalen „Der Kölner
Dom, Vermessungspunkt der Landesaufnahme seit 1803“ (Bonn 1989): Quelle: Die o.a. Dokumentation und darin insbesondere die Arbeiten von R. Schmidt: Die Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und von Müffling 1801-1828, Bd. 1, Geschichte des Kartenwerks und vermessungstechnische Arbeiten, Köln und Bonn 1973, mit weiteren Literaturhinweisen. - 16. 11. 06
167. Franz Allmer zur Vollendung des 90. Geburtsjahres. Wir gratulieren Franz Allmer (geb. 3. November 1916) in Graz ganz herzlich zu seinem hohen Geburtstag. Ihm zu Ehren lädt das Institut für Navigation und Satellitengeodäsie der Technischen Universität Graz zum 20. November 2006 zu einem Festakt ein. Die Laudatio hält Dipl.-Ing. August Hochwartner, Präsident des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen. Hon.-Prof. Wirkl.Hofrat Dipl.-Ing Franz Allmer hat seit über 5 Jahrzehnten durch zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen zum Vermessungswesen und Kataster für unser Fach geworben, nicht nur unter Fachleuten, sondern vor allem in der breiteren Öffentlichkeit. Sein besonderes Interesse galt und gilt darüber hinaus der Gauß-Forschung. Gerne |