FÖRDERKREIS VERMESSUNGSTECHNISCHES MUSEUM E. V.
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Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Hansastraße 3
D-44137 Dortmund   
(5 Minuten vom Hauptbahnhof)

Beschreibung:  Beschreibung: Logo

ARCHIV zu Aktuelles               "Erinnern heißt danken"  

Redaktion: Harald Lucht

 

 

 

Archivierte  Mitteilungen  - vormals Aktuelles  

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Neue jüngere Mitteilungen finden Sie auf unserer Seite "Aktuelles" auf dieser Homepage, s. o. link.

 

404.  

403.  

 

402.   Vermessung der Welt – Der Bestseller von Daniel Kehlmann wird verfilmt

             Mehr als ein Jahr stand der Roman von Daniel Kehlmann „Die Vermessung der Welt“ an der Spitze der Bestseller-Liste – weit über 1.5 Mio. Bände wurden verkauft, er ist in über 40 Sprachen übersetzt worden. Die Pläne, diesen auch die Geodäten besonders berührenden Roman zu verfilmen (vergl. unsere Mitt. Nr. 330), nehmen inzwischen konkrete Formen an. Die Firma Boje Buck Produktion GmbH in Berlin steht mit unserem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried im engen Kontakt bezüglich der Ausstattung mit vermessungstechnischen Requisiten. Dabei gilt es, sowohl eine Ausrüstung für die Rolle „Gauß“ als auch für die Rolle „Humboldt“ zusammenzustellen. Bis auf wenige Ausnahmen können die Anforderungen aus den Beständen des Förderkreises erfüllt werden. Die Drehtage werden Ende 2011 / Anfang 2012 sein.

             Der Roman ist inzwischen Pflichtlektüre und Prüfungsstoff in der Abiturprüfung in mehreren Ländern der Bundesrepublik. Wir verweisen auf unsere Mitt. Nr. 136 mit dem Hinweis auch auf eine erste Besprechung aus fachlicher Feder. – 12.9.2011

 

 

401.   Franz Adickes, ein großer Bodenordner – und Bürgermeister in Dortmund, Altona und Frankfurt am Main

             Wir wissen, wie gerne der Zweite Vorsitzende unseres Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. mult. Erich Weiß, Schätze der Vergangenheit auf- und nachspüren mag. Mit seiner jüngsten Veröffentlichung "Franz Adickes in den Jahren von 1873 bis 1877 in Dortmund" in den Nachrichten aus dem öffentlichen Vermessungswesen NRW (NÖV) stellt er dies erneut überzeugend unter Beweis. Seine Veröffentlichung ist zwar im Untertitel sehr zurückhaltend als „eine biographische Skizze“ überschrieben, doch sie ist eine hochinteressante zeithistorische und kommunalpolitische Fundgrube über Franz Adickes, über das Wirken einer Persönlichkeit, von der wir aus dem Studium allenfalls noch den Bodenordner und dessen Frankfurter Lex-Adickes erinnern, jenes neue grundlegende Umlegungsrecht von 1902.

                          Franz Adickes wurde 1846 bei Stade geboren, er war Zweiter Bürgermeister und Beigeordneter in Dortmund 1873 – 1877 und anschließend Oberbürgermeister im damals noch preußischen Altona, bevor er 1891 bis 1912 Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. wurde und uns als „Vater der städtischen Bodenordnung“ bekannt geworden ist.  Dort starb er hochgeehrt 1915.

             Uns interessiert hier naturgemäß zunächst das Wirken von Franz Adickes in Dortmund – der Heimat unseres Förderkreises und unseres großen Vermessungsmuseums. Geodätisch-städtebauliche Berichte aus Dortmund enthalten nur einige wenige Hinweise zu Adickes, so von Hans Mönig 1962 zitiert in den Beiträgen zur Geschichte des Vermessungs- und Katasteramts 1976. Dabei ist doch gerade besonders bemerkenswert, daß der Ursprung des beruflichen Wirkens dieser großen Persönlichkeit in Dortmund lag. Allerdings vermutete Heinrich Bleicher bereits 1929 in der Biographie „Franz Adickes – Sein Leben und sein Werk“, daß dessen frühes Wirken in Dortmund und in Altona in Vergessenheit geraten war.

             1873 in Dortmund. Die handschriftliche Bewerbung von Franz Adickes in Dortmund „…erlaube ich mir endlich … noch hinzuzufügen, daß ich im Jahre 1846 geboren und evangelisch-lutherischer Confession bin.“ …ist in der Veröffentlichung als Faksimile abgedruckt. Ebenso eine ausführliche Empfehlung für den „in seltenem Maße tüchtigen“ Mann mit „pflichttreuer Gesinnung…Klarheit im Denken und Urteilen…“ eines Obergerichtsrath’s  aus Göttingen. Seine erste große Aufgabe war u.a., das Stiftungswesen zu reorganisieren. Er erkannte alsbald, daß die Stadt Dortmund gestiftete Immobilienwerte in viel größerem Umfang veräußert und in Bankobligationen deponiert hatte, als entsprechend wieder im Grundvermögen anzulegen. Er setzte vorausschauend deren Reaktivierung durch – für zukunftsträchtige städtebauliche Entwicklungen. Frühe Veröffentlichungen wie praktische Tätigkeiten seiner Dortmunder Zeit betrafen Themen der Armenpflege, der Sozialversicherung, das Sparkassenwesen, auch zum Recht der Bau- und Gewerbepolizei, zum Wohnungswesen. Sie legten das Fundament für seine große kommunalpolitische Laufbahn. Besonders bemerkenswert wirkt dann aber eine Aussage zu seinem Weggang nach Altona. In einem Empfehlungsschreiben dazu hieß es u.a. „… und weil ich wünsche, daß er aus einer Umgebung, welche die volle Anerkennung geistiger Überlegenheit nur zu gerne versagt, herauskomme….“, also weniger schmeichelhaft für die damaligen Stadtväter in Dortmund. Adickes war damals 30 Jahre alt.

             Erich Weiß erläuterte ausführlich Adickes’ familiäre Herkunft aus Norddeutschland, dem Lande Wursten zwischen Bremerhaven und Cuxhaven, aus dem heutigen Bad Bederkesa. Er zeichnet Stationen des Jura-Studiums nach, in Heidelberg, München und Göttingen und der Referendarausbildung in Neustadt am Rübenberge, Hannover, Göttingen und Berlin; berichtet von Adickes Erwägungen, entweder in die Wissenschaft oder doch in die kommunale Praxis zu gehen. Bedingt durch eine damals übliche längere Wartezeit zur Zulassung zum Assessorexamen absolvierte er seine militärischen Pflichten und mußte am Deutsch-französischen Krieg 1870/71 teilnehmen.

             Die Veröffentlichung enthält eine Fülle weiterer hochinteressanter biographischer Details aus der Familie Adickes und zusätzlich im Anhang von einer Reihe kompetenter Weggenossen. So gehörte zu den drei Geschwistern von Franz Adickes auch der später bedeutende Professor für Philosophie in Tübingen Erich Adickes, der den handschriftlichen Nachlaß von Immanuel Kant aus Königsberg durcharbeitete und 1911 und 1914 als sogenannte Kantausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte.

             Erich Weiß ist mit diesen mehrjährigen fachlich-biographischen Forschungsergebnissen aus dem kommunalen Arbeitsfeld der städtebaulich-bodenordnerischen Aufgaben ein wahrhaft großer Wurf gelungen. Der NÖV und ihrem Schriftleiter Klaus Mattiseck ist besonders zu danken, diese Ergebnisse – ergänzt mit mehreren Abbildungen, Fotos von Adickes, von Faksimiles persönlicher Briefe – in der Ausgabe 1/2011 der Nachrichten aus dem öffentlichen Vermessungswesen NRW (NÖV) S. 42 - 63 dokumentiert zu haben. Hier neugierig gewordene Besucherinnen und Besucher unserer Homepage finden die vollständige Veröffentlichung auch unter www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/presse/druckschriften/noev/noev_2011_1.pdf . – 28.08.2011

 

 

 

400.   INTERGEO Nürnberg – Messestand - Vorträge zur Vermessungsgeschichte

             Der Förderkreis ist auf der kommenden INTERGEO in Nürnberg vom 27. Bis 29. September 2011 auch wieder hoch-präsent. Unser schon traditioneller Messestand befindet sich in diesem Jahr in Halle 7 Stand G1.

             Am Mittwoch, den 28. September 2011, werden im Saal „Kiew“ 3 Vorträge unter dem Leitthema „Historische Kartographie und Vermessung“ angeboten:  

             16:00 Uhr - Prof. Dr. Peter Mesenburg, Uni Essen-Duisburg: Die Welt vor Kolumbus / Zur Genauigkeit der katalanischen Estense-Weltkarte (1450)

             16:30 Uhr - Prof. Dr. Peter van der Krogt, Faculty of Geo-sciences, University of Utrecht: Gerhard Mercator als Kartograph und Kosmograph

             17:00 Uhr - Dipl.-Ing. Frank Reichert, BdVI e.V., Landesgruppe Brandenburg: Die Zollmann’sche Scheibe – Geschichte eines Vermessungsinstruments.

             Die Moderation der Veranstaltung hat in bewährter Manier Ingo von Stillfried, Erster Vorsitzender des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund. – 06.08.2011

 

 

399.   Vermessenes Altona. Die Firma Dennert & Pape ARISTO
             Die Ausstellung "Vermessenes Altona" im Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte veranschaulicht anhand der Geschichte der Firma Dennert & Pape ARISTO die Bedeutung mathematischer Instrumente in den letzten 150 Jahren. Es waren Entwicklungen und Erfindungen, die unseren Alltag bis heute maßgeblich prägen.

             Die Firma ARISTO war seit den 1860er Jahren maßgeblich tätig in der Forschung und Entwicklung optischer und mathematischer Instrumente. Vermessungsinstrumenten und insbesondere der ARISTO-Rechenschieber wurden zum Symbol für technischen Fortschritt. Generationen von Schülern und Studenten begleiteten diese Rechenhilfsmittel durch ihre Ausbildung. ARISTO stellte im 20. Jahrhundert eine beeindruckende Vielzahl von Rechenschiebern und Rechenscheiben für Vermessung, Landwirtschaft, Luftfahrt, Schiffahrt und weitere Anwendungsbereiche her und brachte 1972 den ersten deutschen Taschenrechner auf den Markt. ARISTO-Rechenschieber galten als Anschaffung fürs Leben – auch beim Verfasser dieser Zeilen haben sie sich bis heute erhalten.

             Bereits 1862 lieferte Dennert & Pape auch Vermessungsinstrumente an Geodäten, die von der Altonaer Sternwarte aus wirkten. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 294. Um 1900 hatte der Betrieb bereits 40 Beschäftigte, 1973 mehr als 500. 1979 endete dessen Erfolgsgeschichte.  – Mit der Geschichte der Firma Dennert & Pape wird auch ein Stück Stadtteilgeschichte von Altona in ihrer Verzahnung mit den großen politischen und technischen Entwicklungslinien des 19. und 20. Jahrhunderts in Erinnerung gerufen. Die Ausstellung zeichnet ein Bild der sozialgeschichtlichen Entwicklungen im Arbeitsleben, zeigt die Herausforderungen eines wachsenden Familienunternehmens, Firma und Mitarbeiter durch Weltwirtschaftskrise und zwei Weltkriege hindurch zu führen und in einem Jahrhundert immer schneller werdenden technologischen Fortschritts am Puls der Zeit zu bleiben.

             Die im Juni d.J. eröffnete Ausstellung wird im Altonaer Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Museumstr. 23 noch bis zum 1. Juli 2012 gezeigt (Di-So 10 – 17 Uhr). Wir danken dem Kollegen H. Pahl und unserem Mitglied J. Blankenburg aus Hamburg für den freundlichen Hinweis (mit Quellenhinweisen) auf diese bemerkenswerte Ausstellung. 

             Quellen u. a : FAZ vom 22.6.2011 und  www.altonaermuseum.de/altonaer-museum . - 01.08.2011



398.   GEODÄSIE - Die ganze Welt wird vermessen – Präsidenten im Gespräch

             „Schon im alten Ägypten haben Menschen die Erde vermessen. Astronomie, Optik und Seefahrt haben die Vermessung vorangebracht, heute ist fast die ganze Welt vermessen. Trotzdem können es die Menschen nicht lassen: Immer wieder legen sie aufs Neue das Maßband an“,

             heißt es im Vorspann des neuen Dritten Programms des Deutschlandfunks DRadio Wissen (eingerichtet seit 2010 neben dem Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur).

             Am 22. Juli 2011 wurden folgende Themen unter dem Obertitel GEODÄSIE – Die ganze Welt wird vermessen   in drei Gesprächen holzschnittartig in rd. 10 Min. umrundet:

           Der höchste Berg der Welt wird neu vermessen
           Ein Gespräch mit der Wissenschaftsjournalistin Dagmar Röhrlich,

          …..und siehe hierzu auch unsere Mitt. Nr. 8 vom Mai 2003 anläßlich der Erstbesteigung des Mount Everest vor 50 Jahren am 29. Mai 1953.

           Die Vermessung Deutschlands
           Ein Gespräch mit Hansjörg Kutterer, Präsident vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie.

           Die Geschichte der Vermessung der Welt
           Ein Gespräch mit Harald Lucht, Geodät und Präsident des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund .

           …..und natürlich ist am Ende des Gesprächs der Halbmesser gemeint…..

Die Gespräche sind abrufbar über die vorstehend unterstrichenen Titel. Der neue Wissens-Kanal ist im Internet zu erreichen über  http://wissen.dradio.de – 23.07.2011

           Nachtrag:  Der Präsident des Vermessungstechnischen Museums war am Samstag, 30.7.2011 zu einem weiteren Rundfunkinterview zum ThemaWas ist die Geodäsie?“ auf den Wellen von radioeins-rbb gefragtdokumentiert bei www.vdv-online.de/aktuelles/nachrichtenarchiv.html  -  dort dokumentiert und nachzuhören unter dem 1. August 2011 – 15.8.2011

 

 

 

397.   Auf dem Telegrafenberg in Potsdam – zu Besuch bei Helmert

             Der Telegrafenberg in Potsdam beherbergt seit mehr als 130 Jahren wichtige Forschungseinrichtungen der Astrophysik und der Geowissenschaften. Von der wissenschaftlichen Geodäsie über die Erdbebenkunde bis zur Erforschung des Magnetfeldes – die Wurzeln vieler erdwissenschaftlicher Disziplinen liegen hier, vereinigt im Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ (Helmholtz-Zentrum Potsdam).

             Ende Juni 2011 besuchte ein großer Kreis ehemaliger Leiter der Vermessungsverwaltungen der Bundesländer und der Landesvermessungsämter (AdV) Potsdam und auch das GFZ. Treffen und Veranstaltungen  wurden organisiert von Jörg Schnadt,  Präsident a. D. des Landesbetriebs Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB). Auf dem Telegrafenberg vermittelten Vortrag und Führung des kompetenten Öffentlichkeitsreferenten Franz Ossing des GFZ die dort beheimateten vielfältigen Forschungsgebiete und deren interessante Forschungsergebnisse. 

             Einer der vielen Höhepunkte für die Geodäten war ein Video über die großdimensionierte Geoid-Figur der Erde, einer  überhöhten Geoid-Darstellung (Potsdamer Kartoffel), wie sie dann auch als Großplastik im Eingangsbereich des GFZ zu bestaunen war. Das Geoid als die unter den Kontinenten hindurchgehend gedachte Meeresoberfläche verläuft durchaus bewegt, auch zeitabhängig. Aufgrund der inhomogenen Struktur des Erdinneren zeigt das Geoid Höhen und Tiefen selbst in den großen Weltmeeren. So bildet die Meeresoberfläche südlich von Indien ein 110 m tiefes Tal, nördlich von Papa-Neuguinea einen 85 m hohen Hügel.

             Ein besonderer Hauch der Vermessungsgeschichte umwehte die Teilnehmer angesichts des großen Backsteingebäudes des ehemaligen Geodätischen Instituts - Gedenken an Prof. Dr. Robert Helmert (geb. 31.7.1843 in Freiberg, gest. 15.6.1917 in Berlin). Er war „einer der großen Geodäten an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert“ (Torge). „Dem Begründer der Mathematischen und Physikalischen Theorien der modernen Geodäsie“ ist ein 1997 errichteter Gedenkstein auf dem Telegrafenberg Potsdam gewidmet. Helmert war u.a. Direktor des Geodätischen Instituts Potsdam 1886 – 1917, Präsident des Zentralbüros  der Internationalen Erdmessung. - Durch Initiative des GFZ, der Landesvermessung und des deutschen Vereins für Vermessungswesen ist darüber hinaus vor 10 Jahren im Universitätsgelände in Potsdam eine „Prof.-Dr.-Helmert-Straße“ eingeweiht worden.

             Literatur: Torge, W.: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, 2. Auflage, de Gruyter 2009, GFZ: Broschüre „Vom All bis zum Erdkern – Die Welt des GFZ“, auch www.gfz-potsdam.de  , Weise, H.: Helmerts Grab- und Gedenkstätte, Zs. Vermessung Brandenburg, 1997 S. 53 – 55, Schmidt, W.: Bericht zur Einweihung der Prof. Dr. Helmert-Straße in Zs. Vermessung Brandenburg 2002 S. 89 – 15.07.2011

 

396.   „Vermesser"?

             Es ist über 20 Jahre her, da hat der frühere Chef der Hamburger Vermessungsverwaltung, Erster Baudirektor Dipl.-Ing. Harry Pahl, eine Philippika geritten gegen die oberflächliche Verwendung des „Vermessers“ für unseren Berufsstand, an die die wir hier gerne einmal wieder erinnern:

             „Wenn Geodäten die Darstellung ihrer durch Informations- und Bildverarbeitung entscheidend veränderten Wirkungsfelder auch heute immer noch sehr vernachlässigen, dann muß jeder einzelne als Persönlichkeit etwas dagegen tun. Wenn aber Geodäten – und ihnen nachplappernd andere Berufsgruppen – von „Vermessern“ sprechen, dann ist das schlichtes Unvermögen zur Einschätzung von Wert und Wirkung eines Wortes. Ich bekenne mich jederzeit gerne zum Landmesser, Geometer, Vermessungstechniker, Vermessungsingenieur oder umfassend zum Geodäten, aber: Vermesser … dieser Begriff ist sprachlich unrichtig, vom Inhalt unnötig und daher so schnell und so radikal wie möglich zu tilgen! Es ist schon verwirrend genug, wenn das Verb „vermessen“ zwar für unsere vornehmliche Tätigkeit steht (stand…), in der reflexen Form sowohl eine fehlerhafte Vermessung (sich vermessen) als auch eine anmaßende Haltung (sich zuviel zutrauen) beschreiben kann. Hilfsweise sollte man es als Adverb benutzen, um vermessen (kühn, dreist) genug zu sein, der eingerissenen Sprachverfälschung für die Bezeichnung eines Berufsstandes entgegenzutreten.“

             Harry Pahl hat diese wohlformulierte Klarstellung geschrieben, angeregt durch die Geringschätzung in einer abwertenden Aussage in der Wochenzeitung DIE ZEIT von 1988 – dort wollte ein bekannter Journalist einen Redenschreiber für den damaligen Bundespräsidenten abqualifizieren, indem er schrieb: „… ein Referent, dessen Feingefühl ihn für den Dienst bei einem entlegenen Katasteramt bestens empfiehlt.“ Pahl fragte selbstkritisch, ob das Versäumnis der Selbstdarstellung auch bei uns liegen könne – und schrieb obiges.

             Verfasser dieser Mitteilung hofft, einen Redakteur der F.A.Z. in dessen ebenfalls abfälligen Urteil über die Leistungen eines Katasteramts korrigiert zu haben – in zwei Leserbriefen, erschienen am 4.5.2005 und 17.8. 2009, nachzulesen in   www.haraldlucht.eu/10.html  

             Unsere Seite dieser Homepage „Vermessungsgeschichte“ ist überschrieben mit „Aktuelles“. Beide Sachverhalte – Geringschätzung des Berufsstands im „Katasteramt“,  wie mit der oberflächlichen Verwendung des „Vermessers“ waren früher und sind heute leider unverändert aktuell.

             Positiv aktuell aber – und hoffnungsstiftend! – sind die erfreulichen Bestrebungen der großen Fachverbände BdVI + DVW + VDV die „Marke Geodäsie“ gemeinsam zu promovieren - gegründet auf der „Bremer Erklärung“ von 2008. Mit der darauf aufbauenden Sieker Erklärung vom 13.2.2010 (fortgeschrieben am 6.2.2011) haben sich die drei Verbände in die Verantwortung genommen, das Berufsfeld der Geodäsie als Ingenieurdisziplin zukunftsfähig zu entwickeln. „Überall Geodäsie“ steht dann auch im Zentrum der Internetseite www.arbeitsplatz-erde.de , die während der INTERGEO Köln 2010 als Initiative von DVW, BDVI und VDV gemeinsam freigeschaltet wurde. - Da hat dann auch die Bezeichnung „Vermesser“ keinen Platz mehr.

             Quellen:  Pahl, H.: „Von den Märtyrern der Richtigkeit“ zum Geo-Informatiker? AVN 1989 S. 91 – 92, zustimmend zitiert in DER VERMESSUNGSINGENIEUR 1991 S. 90. – 03.07.2011

 

 

395.   Wir erinnern an Professor Dr.-Ing. Hans-Joachim Sandmann

             Professor Dr.-Ing. Hans-Joachim Sandmann wäre in diesen Tagen 80 Jahre alt geworden. Er starb nach langem Leidensweg am 23. Juni 2010 in Bonn. Mit ihm verlor die geodätische Kollegenschaft eine bundesweit herausragende Persönlichkeit mit einem ungemein breiten Berufsspektrum. Geboren am 19. Juni 1931 in Glatz in Schlesien kam Hans-Joachim Sandmann im Zuge der großen Fluchtbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg in den Westen.

             Nach Studium in Bonn mit anschließender Referendarzeit war er wissenschaftlicher Assistent an der technischen Hochschule Aachen und an der Universität in Bonn und wurde dort promoviert. Seit 1962 im Dienst der Stadtverwaltung Bonn in leitender Position wurde er 1975 Leiter des (wiedervereinigten) Kataster- und Vermessungsamtes, eines Großamtes mit einem breiten Aufgabenspek­trum im kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswe­sen. Die Aufgaben erstrecken sich von den eher klassischen Bereichen Liegenschaftskataster und technische Vermessungen über das förmliche Bauleitverfahren, die Stadtsanierung, den Bodenverkehr, die Grundstücksbe­wertung bis zu den Bodenordnungsverfahren. Ausgehend von diesem breiten Aufgaben-Fundament hat sich Hans- Joachim Sandmann in vielfältiger Weise fachlich engagiert und exponiert, u. a. auch als Vorsitzender des Gutachteraus­schusses für Grundstückswerte seit 1978, in seiner Mitarbeit für die Gremien des Deut­schen Städtetages: Er wirkte über nahezu 20 Jahre als Vorsitzender des Arbeitskreises „Kommunales Vermessungs- ­und Liegenschaftswesen" in Nordrhein-Westfalen und war gleichzeitig Mitglied der Fachkommission auf Bundesebene. Insbesondere Themen aus dem prakti­schen Städtebaurecht standen für ihn oft im Vordergrund, so z. B. die Beratung von Novellierungsvorhaben zum Baugesetzbuch und zur Wertermittlungsverordnung, die praxisgerechte Fortent­wicklung des Umlegungsrechts. Maxime für ihn war stets, im unmittelbaren Kontakt mit der Wirklichkeit der Kommunalpolitik und der Vorstellungen der betroffenen Eigentümer zu handeln.

             In den 90-er Jahren hat sich Hans- Joachim Sandmann in Vorträgen und Seminaren große Verdienste erworben für den so dringlich notwendigen Wissenstransfer im kommunalen Vermessungs- und Liegenschafts­wesen in die östlichen Bundesländer.

             Die Förderung des Berufsnachwuchses war ein weiteres großes Anliegen, als Prüfer (schon seit 1972) und besonders seit Beginn der 80-iger Jahre im stellvertretenden Vorsitz für die Fachrichtung Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Oberprüfungsamt für die höheren technischen Verwal­tungsbeamten in Frankfurt am Main. Das gilt gleichermaßen für seine Lehrtätigkeit an der Universität Bonn, die ihn im Jahre 1994 mit der Hono­rarprofessur ehrte.

             Hans-Joachim Sandmann hat in Bonn das umfassende Engagement der Geodäten im kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen seiner hochangesehenen Vorgänger Prof. Dr.-Ing. Paul Vollmar (von 1952 bis 1975), Prof. Dr.-Ing. Ernst Pinkwart bald nach dem Krieg – und schon ganz früh Anfang des vergangenen Jahrhunderts von Karl Strinz – fortgeführt und bis zu seiner Pensionierung 1996 segensreich gemehrt (kurzgefaßt nach zfv 2010 S. 349). – 23.06.2011

 

 

 

394.   Preußens letzte Kette – Fröhlich in Dortmund

             Prof. Dr.-Ing. Hans Fröhlich hat sein neuestes Werk "Preußens letzte Kette – Aus dem Reisetagebuch des Hauptmanns Bendemann" im Mai im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Dortmund der Öffentlichkeit vorgestellt – zum  Pressetermin geladen hatte der Förderkreis. Zur Präsentation erschien der Autor in der historischen Uniform des Hauptmanns, in dessen Lebensweg sich Hans Fröhlich nicht nur in seinem Buch hineinversetzt. Die Schausammlung des Vermessungstechnischen Museums mit ihren historischen Instrumenten bildete den passenden Rahmen. Die Dortmunder Presse berichtete ausführlich – wie auch eine Reihe weiterer Zeitungen, so in St. Augustin und Erkelenz nach weiteren Buchvorstellungen. –

             „Preußens letzte Kette“ ist die Neuherausgabe des erstmals 1987 vom gleichen Autor herausgegebenen Werkes „Das Reisetagebuch des Hauptmanns Bendemann“. Darin waren die „Rekognoscirungen“/Erkundungen für Triangulationsarbeiten in Preußen festgehalten. Grundlage waren damals die dienstlichen Tagebuchaufzeichnungen des preußischen Hauptmanns Hans Bendemann aus den Jahren 1886 - 1889, die dem Autor 1985 bei seiner Tätigkeit im Landesvermessungsamt NW in die Hände fielen. Das Buch erschien als Nr. 13 der Schriftenreihe des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum und wurde später vom WDR, Landesstudio Dortmund verfilmt.

             Das Thema hat den rührigen Autor (bekannt auch durch seine Werke über „Die Landesvermessung im Spiegel deutscher Brauereien“) erneut „ergriffen“, als er 2010 durch Zufall (oder doch gezieltes Forschen – oder beides?) eine Enkelin des Hauptmanns Bendemann ausfindig machen konnte. Über diese Begegnung bekam er Zugang zu dessen privaten Aufzeichnungen und zum Bildmaterial aus damaliger Zeit: Fröhlich widmete die Neuherausgabe den Erkundungsarbeiten für die Rheinisch-Hessischen Dreieckskette als letzter preußischen Kette. Vom Münsterland über das Rheinland entlang der niederländisch-belgischen Grenze, quer durch die Eifel und durch Nordhessen bis nach Thüringen. Der Kampf Bendemanns mit der Topographie, dem Wetter, mit Strapazen und Mühen, beständig mit dem Ziel, weiträumig verteilte Punkte mit direkter Sichtverbindung bis zu 60 km Entfernung zu finden. Hans Fröhlich beschreibt in fesselnder Ich-Form den Werdegang von Hans Bendemann – „…Ich wurde am 28. Februar 1852 als jüngstes von acht Kindern … in Stettin geboren…“, der nach einem halben Jahr Realschule in Stettin sein Zeugnis der Reife in Berlin erwarb und (gegen den Willen des Vaters) zum Militär ging. Dort avancierte er und wurde mit 30 Jahren durch Allerhöchste-Kabinetts-Order zur Trigonometrischen Abteilung der Landesaufnahme kommandiert. Seine Erfahrungen aus den Erkundungsarbeiten zur Rheinisch-Hessischen Dreieckskette faßte er so zusammen:

             Ich war mein eigener Herr, konnte wirken wie ich wollte; ob ich einen Signalbau für 50 oder mehrere tausend Mark anordnete, war mir überlassen. Die einzige Anforderung war, daß eine für die Messung günstige Configuration der Dreieckskette entstand. Am günstigsten war es, wenn die Dreiecke gleichseitig wurden und die Dreiecksseiten rund 50 – 60 km Länge erhielten. – In den folgenden Jahren habe ich unzählige Kirchtürme und Bäume bestiegen oder ließ Rekognoscirungsgerüste bis zu 30 m Höhe leichter Konstruktion erbauen, um über Bäume hinwegsehen zu können. Schwindelfrei mußte man aber natürlich sein.“

             Preußens letzte Kette: 100 Seiten im Format DIN A4 mit einer farbigen A3-Kartenbeilage und 123 Abbildungen, darunter zahlreichen Fotos aus der Zeit Bendemanns – der vermessungshistorisch interessierte Leser hat Freude an den Berichten aus alter Trigonometer-Tradition. – Selbstverlag Fröhlich, €12.85,  zu beziehen über geo-goon@t-online.de. Besprochen auch von Manfred Spata im VDVmagazin 3/11 S. 224. – 13.06.2011

 

 

393.   Professor Dr. Wolfgang Torge 80 - Gratulation und Dank

             Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge aus Hannover vollendet am 4. Juni sein 80.Lebensjahr. Seinen Geburtstag feiert er im Kreise von Freunden, Kollegen und Verwandten in einer Schiffsreise mit dem „Leineschloss“ auf hannoverschen Gewässern.

             Über 10 Jahre wirkte Wolfgang Torge bis 2008 als  Vorsitzender des Kuratoriums unseres Förderkreises. In die Zeit dieses Engagements im Dortmunder Förderkreis fallen insbesondere seine vermessungsgeschichtlichen Veröffentlichungen mit Schwerpunkten in der Umbruchsphase in der Deutschen Landesvermessung des 18. bis 20. Jahrhunderts u. a. zu Gauß, Bessel, Baeyer, Helmert, von Müffling, Schreiber. Seine historischen Forschungen  mündeten geradezu zielgerecht in seinem großen Werk Geschichte der Geodäsie in Deutschland, erschienen 2007. Dieses umfassende Geschichtswerk wurde sehr schnell zu einem Klassiker der Vermessungsgeschichte. Innerhalb kurzer Frist vergriffen, wurde nach weniger als 2 Jahren bereits die zweite erweiterte Auflage herausgegeben.

             Professor Torges wissenschaftlichen Leistungen zu würdigen ist hier nicht der Ort. Die Festschrift zum 70. Geburtstag gibt beredt Zeugnis (Wiss. Arbeiten der Fachrichtung Vermessungswesen an der Uni Hannover Nr. 241 veröffentlicht 2001). In der Lehre ist  uns Wolfgang Torge seit 1968 als Professor für Mathematische und Physikalische Geodäsie an der Technischen Universität (heute Leibniz-Universität) Hannover bekannt, er war bis zu seiner Emeritierung Direktor des Instituts für Theoretische Geodäsie. Ein besonderer Forschungsschwerpunkt war und ist die Geoidbestimmung und die Präzisionsgravimetrie. Wolfgang Torge war für viele Jahre Schriftleiter der Zeitschrift für Vermessungswesen.

            Kuratorium und Vorstand danken dem Jubilar für die immer wieder gerne gegebene freundschaftliche und kompetente Unterstützung unseres Förderkreises für Vermessungsgeschichte in Dortmund. Wir verbinden unsere Gratulation und unseren Dank mit den besten Wünschen für sein weiteres erfolgreiches Wirken für die Geodäsie. – 04.06.2011

 

 

392.   60 Jahre Förderergesellschaft Geodäsie und Geoinformation in Hannover

             Am 14. Mai 2011 feierte die Förderergesellschaft das 60-jährige Bestehen dieser 1951 gegründeten Institution – Sponsoring für Studenten, begonnen einst unter den schwierigen Bedingungen der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg. Erster Vorsitzender war der Politiker Chefpräsident a. D. Christian Blank (geb.1879 gest. 1967) Geodät und Bauingenieur.  Wir hatten anläßlich der Ehrung von Fachkollegen, die über 50 Jahre Mitglied der Förderergesellschaft sind, schon kurz auf dieses Jubiläum und die damalige Gründung hingewiesen (Mitt. Nr. 370).

             Im geschichtlichen Mittelpunkt der Veranstaltung an historischer Stätte  Am Schneiderberg in Hannover stand der großartig recherchierte Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Wilhelm Tegeler: 60 Jahre Förderergesellschaft Geodäsie und Geoinformatik – Geschichte und Geschichten. W. Tegeler beleuchtete zunächst die entbehrungsreiche Situation des Geodätischen Instituts in Hannover nach 1945 und skizzierte das Wirken der damaligen Persönlichkeiten, so von Prof. R. Finsterwalder und Prof. W. Großmann sowie von Oberingenieur H. Lichte, der sich um den Wiederaufbau besonders verdient gemacht hatte. Nachdem Finsterwalder 1948 einem Ruf nach München gefolgt war, baute G. Lehmann ab 1949 das neu gegründete Institut für Photogrammetrie und Ingenieurvermessungen auf. Ein besonderes Kapitel widmete der Vortragende dem früheren Beirat aus den 1930er Jahren, dem Wirken von Prof. Dr. P. Gast und der Gründungssituation 1951 zu einer Zeit, als Professor Dr.-Ing. Walter Großmann Rektor der Technischen Hochschule war.

             In weiteren Kapiteln referierte W. Tegeler u. a. über die Gründungsmitglieder der Gesellschaft, deren Vorsitzende, Schatzmeister und Geschäftsführer. Bekannte Persönlichkeiten aus Verwaltung und Wirtschaft haben sich beständig in den Dienst des guten Zwecks gestellt (so  u. a. die Fachkollegen Hundeck, Nittinger, Oldenhage, Kölling, Haupt, Bauer, Kirchner, Sellge, Kophstahl; Schatzmeister war über 30 Jahre lang G. Bohnsack). Und zum guten Zweck heißt es in der inzwischen aktualisierten Satzung u. a.: „Die Gesellschaft setzt sich zum Ziel, die Arbeiten der Fachrichtung und der Fachschaft Geodäsie und Geoinformatik zu unterstützen. Sie soll eine gute Zusammenarbeit zwischen Praxis und Universität herbeiführen sowie Versuchsarbeiten anregen und fördern. Die Mitglieder werden durch Vorträge und Vorführungen, Jahres- und Versuchsberichte über diese Arbeiten unterrichtet…“

             Grußworte des heutigen Vorsitzenden Rolf Ueberholz und Vorträge zu den Themen Bachelor und Master - zur aktuellen Ausrichtung des Studiums in Hannover (Prof. Dr.-Ing. Monika Sester) und Paradigmenwechsel von analog zu digital schafft neue geodätische Produkte (Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Bähr) sowie ein herzerfrischend-satirischer Beitrag von Mitgliedern aus der Fachschaft rundeten das Nachmittagsprogramm ab. Der Abend war dem Generationentreff gewidmet, den der heutige Vorsitzende der Fördergesellschaft mit launigen Worten eröffnete – in  guter alter Tradition „auf dem Meßdach“. –

             Wir hoffen aus Sicht der Vermessungsgeschichte, insbesondere der historisch-faktenreiche Vortrag von Wilhelm Tegeler möge demnächst veröffentlicht werden, z. B. auf der Homepage des Fördererkreises  www.foerder-geodaesie.uni-hannover.de/  . – 26. 05. 11

 

 

391.   Vor 150 Jahren – Grundlegende Preußische Katastergesetze

             Am 21. Mai 1861 wurden in Preußen drei für das Katasterwesen grundlegende Gesetze verkündet:  Das Gesetz betreffend die anderweitige Regelung der Grundsteuer, das Gesetz betreffend die Einführung der allgemeinen Gebäudesteuer und das Gesetz betreffend die Grundsteuerentschädigung. Die Steuern sollten ab dem 1.1.1865 in ganz Preußen einheitlich erhoben werden. Eine Vorläuferregelung gab es seit 1839 in den westlichen Provinzen.

             Erarbeitung und Umsetzung dieser Gesetze war wesentliches Verdienst von Friedrich Gustav Gauß (1829 – 1915). F.G. Gauß hatte 1859 im preußischen Finanzministerium als gerade 30-jähriger eine Denkschrift zur Grundbesitzbesteuerung vorgelegt und war im Mai 1861 in die Büroleitung der Zentraldirektion zur Regelung der Grundsteuer avanciert.  Ihm wurde die Gesamtleitung der Umsetzung der Steuergesetze von 1861 übertragen. Neben der umfangreichen technischen Aufgabe mußte das benötigte Vermessungspersonal rekrutiert werden – aus den Auseinandersetzungsbehörden, aus Bauverwaltungen, und Einsatz fachfremder Gehilfen („Schuster und Schneider“, wie später kolportiert wurde).

             Die fast unlösbare Aufgabe war damals: Innerhalb von nur 3 ½ Jahren sollte das Grund- und Gebäudesteuer-Kataster einschließlich der Bonitierung für das ganze damalige preußische Staatsgebiet aufgestellt werden. In den beiden westlichen Provinzen Rheinland und Westfalen (44.000 km²) waren bereits ältere Steuerkataster vorhanden, so konnte auf ältere Karten und Register zurückgegriffen werden. In den östlichen Provinzen (Brandenburg, Sachsen, Schlesien, Posen, Pommern und Preußen, rd. 231.000 km²) mußten jedoch überhaupt erst Karten beschafft werden. Geeignet waren vor allem die Karten aus den Separationen und Gemeinheitsteilungen, auch Forst- und Gutskarten unterschiedlicher Maßstäbe und Qualität. Die gänzlich kartenlose Fläche umfaßte 35.000 km², rd. 16 % der östlichen Provinzen.  Für diese gesamten Gebiete mußte in kürzester Frist ein Steuerkataster erarbeitet werden - Karten und Register mit Nachweis der Parzellen und Flächen, zugehöriger Ermittlung des Reinertrags/Bonitierung und der Eigentümer/Steuerschuldner. Insgesamt eine höchst bewundernswerte Leistung, wie sie heute fast undenkbar erscheint, man denke nur an die unendliche Geschichte der Aktualisierung der Einheitsbewertung. -
             F. G. Gauß hat das preußische Kataster im 19. Jahrhundert wesentlich geprägt. Wir haben das Wirken des „Kataster-Gauß“  in unserer Mitteilung Nr. 101 ausführlich gewürdigt, dort mit weiterführenden Literaturangaben. – 15. 05. 2011  

 

 

390.   Trauer um Professor Gustav Bohnsack

             Am 28. April 2011 ist Professor Dipl.-Ing. Gustav Bohnsack im Alter von 90 Jahren in Hannover verstorben. Wir kannten und schätzen Gustav Bohnsack als früheren Leiter des Stadtvermessungsamtes Hannover (1974 bis 1986), Vorsitzender des Städtetagsausschusses "Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen" (1976 bis 1985), als Mitglied und Förderer einer Reihe von nationalen Vereinigungen und Mitwirkender an internationalen Fachkongressen.

             1921 in Warsen Kreis Alfeld/Leine geboren, gehörte Gustav Bohnsack zu den Jahrgängen, die als Soldat durch den Zweiten Weltkrieg unmittelbar betroffen waren. Wann immer wir später darüber sprachen, berichtete er von den kameradschaftlichen Erlebnissen jener Zeit ebenso, wie von den unvorstellbaren Strapazen. Und er wehrte sich gegen alle negativen Verallgemeinerungen. – Nach dem Kriegsende gehörte er zu den ersten Studenten der Geodäsie an der Technischen Hochschule Hannover.

             1976 wurde er  in der Nachfolge von Siegfried Stahnke zum Vorsitzenden des Städtetagsausschusses "Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen" gewählt. Schon seit 1963 hatte er dem Ausschuß als Ständiger Gast angehört: Denn die Bodenpolitik hat Gustav Bohnsack schon früh besonders interessiert.  Eine enge Zusammenarbeit mit Stadtbaurat Prof. Hillebrecht im Hannover der Nachkriegsjahre prägte ihn. Frühe Veröffentlichungen zu gemeindlichen Bodenvorratsstellen und zur Bodenwertsteuer, zu Zukunftsvisionen im Bodenrecht der Bundesrepublik oder zur Bodenrechtsreform durch Planungswertausgleich zeigen dies ebenso anschaulich, wie z. B. seine Mitwirkung in Arbeitskreisen des Deutschen Städtetages zur Novellierung des damaligen Bundesbaugesetzes und des Städtebauförderungsgesetzes und in Fragen des Umweltschutzes. Auch über seine Pensionierung 1986 hinaus blieb sein Engagement in allen diesen Fragen ungebrochen.

             Ab 1979 lehrte er an der Universität Hannover und wurde 1984 zum Honorarprofessor ernannt, auch wirkte er lange als Schatzmeister in  der Gesellschaft zur Förderung der Fachrichtung Vermessungswesen der Uni Hannover. 1988 erhielt er in Anerkennung seiner breitgefächerten Leistungen das Bundesverdienstkreuz. In Umweltfragen hat er sich nie gescheut, selbst Hand anzulegen, z.B. wenn es galt, Zeichen zu setzen. So zeugt heute manch von ihm persönlich gepflanzter Baum in den öffentlichen Grünanlagen Hannovers von seiner Vorliebe für die Natur.

             Die schweren Erkrankungen in seinen letzten Jahren konnte er dank der liebevollen Pflege seiner Frau ertragen. Besonders erfreut haben Gustav Bohnsack noch die Zuwendungen, die Politik und Kollegenschaft anläßlich der 150-Jahr-Feier seiner ehemaligen Wirkungsstätte im vergangenen Jahr. –

             Zu seiner Beerdigung trafen sich am 6. Mai 2011 der engste Familien- und Freundeskreis auf dem Engesohder Friedhof in Hannover. Wie von ihm gewünscht begleitete Musik von Verdi seinen Ausgang: FREIHEIT ist die Meinungsfreiheit anders Denkender stand auf seinem Wunsch über seiner Traueranzeige. Familie wie Fachkollegen weit über Hannover hinaus erinnern sich dankbar an Gustav Bohnsack. –

             Siehe auch Mitt. Nr. 192 dieser Seite und Lucht H. /Wegener B.: Gustav Bohnsack zum 80. Geburtstag,  zfv 2001 S. 60 - 61, Lucht H. 150 Jahre Stadtvermessung Hannover, zfv 2010 S. 292 – 293 und zfv 2011 S. 263 – 08.05./03.08.2011 

 

 

389.   Gedenktafel für F. Chr. Müller in Schwelm

             Am 21.4.2011 wurde auf dem Gelände der Stadtsparkasse in Schwelm eine Gedenktafel zu Ehren des Pastors und Gelehrten Friedrich Christoph Müller eingeweiht, eine Aktivität im Rahmen des Historischen Stadtrundgangs: Wieder eine bemerkenswerte vermessungshistorische Aktion, hatte Müller doch die Grafschaft Mark kartographiert - wir haben in unseren Mitt. Nr. 239 und 312 darüber berichtet. Auf der Tafel wird u.a. daran erinnert, daß F. Chr.  Müller  am 15. 6. 1787 anläßlich einer partiellen Sonnenfinsternis eine für damalige Zeit hochgenaue Ortsbestimmung für Schwelm durchgeführt hat. Diese Tafel ist erneut eine besondere Initiative von Manfred Spata, vergl. auch unsere vorherige Mitt. Nr. 388. Die Westfälische Rundschau/Westfalenpost titelte am 26. 4. 2011 „Gedenktafel für Pfarrer mit Weitblick“.02.05.2011

 

 

 

388.  Schlesienkarte von 1561

             Im bekannten „Haus Schlesien“ in Königswinter-Heisterbacherrott  wird am 15. Mai 2011 eine Sonderausstellung zum 450. Jubiläum der Schlesienkarte von Martin Helwig eröffnet. Angeregt und gestaltet wird diese Ausstellung vom Kurator im Haus Schlesien, unserem Eratosthenes-Preisträger 2003 Manfred Spata, unterstütz von Silke Findeisen. Die Schlesienkarte von 1561 gilt als „Mutter aller andern Schlesischen Land=Charten“ schrieb 1738 Christian Runge. Sie ist eine Leihgabe der badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Ihr Schöpfer, Martin Helwig, wurde  am 5. November 1516 in Neisse geboren, war Lehrer in Schweidnitz und leitete 1560 bis zu seinem Tode 1574 eine Breslauer Lateinschule. Für die meßtechnischen Beobachtungen und seine Karte bereiste er Schlesien ab 1559, der Kartenentwurf wurde vom Breslauer H. Kron in Holz geschnitten und bei dem Buchdrucker Johannes Creutzinger in Neisse gedruckt – mit einer an einen Kupferstich heranreichenden hohen Qualität. -  Daneben werden in der Ausstellung weitere Landkarten aus der Sammlung des Kurators gezeigt – Erinnerungen an eine reiche schlesische Kulturgeschichte. Weiteres zu Haus Schlesien unter www.HausSchlesien.de

              Quellen: M. Spata: Neues zur Schlesienkarte von Martin Helwig 1561 – sind die Miniaturveduten schlesischer Städte authentisch? In Jahrbuch der Schlesischen Friederich-Wilhelm- Universität zu Breslau, Bd. XLIX 2008, Verlag Degener & Co., Isingen 2009 und M. Spata/S. Findeisen: „….die Mutter aller andern Schlesischen Land=Charten“, Brief aus dem Haus Schlesien – März 2011 S. 17. – 27.04./02.05. 2011

 

 

387.   Wissenschaftlich-technische Dokumentation in der DDR 1961 – 1990

             Sammeln, Auswerten und Verbreiten von Informationen über Literatur zu Geodäsie, Photogrammetrie und Kartographie war – besonders in der noch „internet-losen“ Zeit - wesentliche Voraussetzung für wissenschaftliches Arbeiten. So insbesondere auch in der DDR, in einer Zeit, in der dort der Zugang zu wissenschaftlichen Fachzeitschriften nicht überall gegeben war. Frau Dr. Bärbel Baer berichtet in einer 2006 vorgelegten Arbeit „Die Entwicklung der wissenschaftlich-technischen Informationstätigkeit im staatlichen Vermessungs- und Kartenwesen der DDR von 1961 bis 1990“ über ihr langjähriges Wirken in dieser grundlegenden Aufgabe.

             Der Bericht umfaßt 51 Seiten mit zahlreichen Literaturhinweisen und einer zusammenfassenden Chronologie. Frau Baer gibt in ihrer Dokumentation zunächst einen Überblick zu den formalen wie inhaltlichen Grundlagen der Dokumentationstätigkeit in der DDR. Die Informationsquellen des Informationszentrums für Wissenschaft und Technik (IWT) konnten bereits bis Mitte der 60er Jahre u.a. auf 4300 Bücher, 2200 Übersetzungen und zahlreiche Mikrofilme ausgebaut werden, ca. 100 Periodika wurden ausgewertet, Grundlage waren entsprechende Standards. Ein Autorenkatalog wie ebenso ein Sachkatalog (auf Grundlage der seinerzeit international geltenden Dezimalklassifikation) erlaubten den Zugang für fachliche Literaturrecherche. Inhaltliche und technische Optimierungen kennzeichnen die 30-jährige Entwicklung, z. B. in der Anwendungstechnik vom Lochkarteneinsatz (1976) über Mikroverfilmung  (1978), dem Einsatz der Automation (1980), u.a. auch in der Zusammenarbeit mit der TU Dresden und dem Geodätischen Institut in Potsdam. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung erfolgte 1991 die Übernahme der Datenbestände des Literaturspeichers aus der Datenbank GEOPHOKA (für GEOdäsie - PHOtogrammetrie – KArtographie) in das Institut für Angewandte Geodäsie (IfAG), Außenstelle Leipzig.        

             Die Autorin,  Dipl.-Ing. für Vermessungswesen mit Studium in Moskau 1955-1961, führte seit 1965 und bis 1990 die zentrale Dokumentations-Leitstelle in der DDR. Danach leitete sie noch bis 1998 Bibliothek und Fachinformation im IfAG in Frankfurt a. M.. Der 2006 vorgelegte Bericht ist eine wertvolle Bilanz der fachtechnischen Informationsrecherche und -Aufbereitung im anderen Teil Deutschlands über den Zeitraum von 30 Jahren. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. ist dankbar für das unserer Bibliothek übermittelte Exemplar.

                Weitere Literatur u.a.: Bärbel Baer: „Literaturdatenbank GEOPHOKA im Internet“ in zfv 1999, S. 199–202. - 18. 04. 2011                  

 

 

386. 100 Jahre Stadtmessungsamt Stuttgart

             Am Freitag, dem 13. Mai 2011 begeht das Stadtmessungsamt Stuttgart sein 100-jähriges Bestehen im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Nach Begrüßung durch Amtsleiter Karlheinz Jäger werden Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Schuster, Bürgermeister  Dirk Thürnau und Prof. Stefan Gläser für den Städtetag Baden-Württemberg Grußworte sprechen, bevor dann Prof. Dr.-Ing. Hans Fröhlich aus Bochum den Festvortrag hält zum Thema  „Wo bin ich? – Ortsbestimmung mit GPS“. Abschließend folgen „Impressionen“ aus dem Stadtmessungsamt.  Begleitet wird die Festveranstaltung von einer Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen, die bereits am 29. April 2011 um 10:00 Uhr im Foyer des 3. OG im Rathaus der Landeshauptstadt Stuttgart eröffnet wird. Weiteres siehe auch unter http://www.stuttgart.de/ mit Suche Stadtmessung - 11. 04. 2011

 

 

385.   Geschichte der amtlichen Hamburger Nivellementsarbeiten

             Ein weiteres Sonderheft aus der Feder von Gerd Hoffmann, Heinrich Meurers und Karl-Heinz Nerkamp komplettiert die aktuelle Trilogie zur Hamburger Vermessungsgeschichte: Nach dem Sonderheft 2009 zu H. Chr. Schumacher, Altonaer Astronom und die (trigonometrische) Vermessung (unsere Mitt. Nr. 294) und dem Sonderheft 2010 zur Geschichte der Hamburger Triangulation (Unsere Mitt. Nr. 357) legen nun die Hamburger Kollegen das Sonderheft 2011 vor „Geschichte der amtlichen Hamburger Nivellementsarbeiten“. 

            Einem kurzen Einstieg „Nivellement und Niveaufläche“, der Vorgeschichte in Preußen bis zum Normalhöhenpunkt von 1912 folgen AdV-Zitate zu „Grundlagen der Höhenbestimmung“, gebräuchliche Vermarkungsarten, z.B. auch der Rohrfestpunkte und eine Übersicht aller Hamburger Höhenbezüge (vom Alt-Hamburger Null von 1788 über Bremer bis Hamburger, Cuxhavener und Pegel-Null 1935, relativ zu Normalnull (NN) von 1879. Die Nivellementsarbeiten in Hamburg von 1842 bis 1886 mit den Elbstromvermessungen werden ausführlich beschrieben (zitiert nach Heinrich Stück). Nach Beendigung des Präzisionsnivellements 1884/86 erfolgten bis 1898 weitere Anschlußmessungen zu den Festpunkten der Königlich Preußischen Landesaufnahme; doch erst 1931 erfolgte  die Umstellung des „Hamburger Null von 1872“ auf Normal-Null (NN). Nach Ende des Zweiten Weltkrieges führten Ergänzungsmessungen in der zerstörten Stadtteilen, Vermessungen zum Nordseeküstennivellement (1949/55) sowie das später geschaffene „Deutsche Haupthöhennetz (DHHN)“ schließlich zum Aufbau eines einheitlichen Nivellementsfestpunktfeldes in Hamburg. Ein zunächst abschließendes Kapitel ist den Arbeiten bis in die Gegenwart gewidmet. Das insgesamt 28 Seiten im DIN A4-Format umfassende Heft schließt mit einigen Sonderkapiteln, zu übergeordneten Nivellements bis 1937/38, zum Nordseeküstennivellement (NKN), Stromübergang 1954 bei Twielenfleth – Jusland, Pegeleinwägungen im Neuwerker Watt 1962 mit der Zeiss-Talübergangsausrüstung. Die Texte werden wiederum – wie schon in den beiden vorhergehenden Sonderheften – mit exzellent abgedruckten Fotos, Schaubildern und Skizzen begleitet, abschließend besonders zum Normal Höhenpunkt in Berlin mit u.a. der Vorderfläche des Scala-Steins „37 METER ÜBER NORMAL=NULL“.

             Wir dürfen die Hamburger Kollegen für diese erneute Zusammenstellung beglückwünschen, haben sie es doch auch mit diesem Sonderheft 2011 verstanden, wesentliche Teile der Hamburger Vermessungsgeschichte dem Vergessen zu entreißen. Wie die beiden Vorgängerhefte sind sie eine Fundgrube für vermessungsgeschichtlich Interessierte ebenso, wie eine wertvolle Unterstützung in der Ausbildung des Nachwuchses.

             Quelle: Freie Hansestadt Hamburg – Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung – GV-Aktuell Sonderheft 2011. Das neue Sonderheft steht zusammen mit den beiden Vorgänger-Heften unter www.hamburg.de/bauenundwohnen/ zum Download zur Verfügung. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 294, 296 und 357 – 02.04.11 

  

 

384.  ARTE wirbt ebenfalls für unser Museumshandbuch „Vermessungsgeschichte“

             Nachdem die neue 3. Auflage unseres Museumshandbuchs „Vermessungsgeschichte“ in der Fachpresse sehr freundlich besprochen worden ist (vergl. Mitt. Nr. 354) hat jetzt auch ARTE auf der Seite „Die Welt verstehen“ unser Werk besonders hervorgehoben und auf unsere Homepage hingewiesen. Siehe unter http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/mit-offenen-karten/392,CmC=3779514,view=books.html . Wir befinden uns dabei in allerbester Gesellschaft, wird doch an gleicher Stelle auf das Standardwerk von Prof. Wolfgang Torge „Geschichte der Geodäsie in Deutschland“ (vergl. Mitt. Nr. 297) und auf den großartigen kartenhistorischen Atlas Maior von Johann Blaeus hingewiesen (Vergl. Mitt. Nr. 109), dies letztere Werk übrigens mit einem Vorwort von Peter van der Krogt, kürzlich Vortragender im Mercator-Symposium in Dortmund (Mitt. Nr. 379). – 23.03. 2011

 

 

383.  Als die Erde noch eine Scheibe war

             Heute ist jeder Winkel der Erde vermessen. Es gibt keine "terra incognita" mehr, jeder Fleck der Topographie ist bekannt. GPS, Google Earth und Satelliten orten überall. Legenden und Mythen, Atlantis und Avalon, verschollene Städte, sie waren einst Spielwiesen der Fantasie. Der Bildband: Der "Atlas der legendären Länder - Von Atlantis bis zum Garten Eden" der Landschaftshistorikerin Judyth A. McLeod ist erschienen bei National Geographic Deutschland. Er zeigt, wie sich die Menschen in der Antike und im Mittelalter die Welt vorstellten, mit 80 Fotografien, Illustrationen und Karten, 320 Seiten, 39,95 €. – Inhalt und reizvolle Kartenbeispiele siehe http://www.welt.de/reise/article12733147/Als-die-Erde-noch-eine-Scheibe-war.html . – 18.03.2011

 

 

382.  Barcelona und  die Suche nach dem Urmeter

             Nordöstlich der katalanischen Metropole Barcelona grüßt aus über 500 m Höhe die Kirche Sagrat Cor auf dem Tibidabo mit der weit in die Landschaft segenspendenden Christus-Figur, unübersehbar überall in Barcelona. Ebenso ein benachbarter Fernsehturm, 1992 für die Olympischen Spiele erbaut. Ein dort gelegener Vergnügungspark lockt zahlreiche Touristen. Der Tibidabo ist der Hausberg von Barcelona, Teil der Collserola-Bergkette. Gegenüber, direkt am Mittelmeer, nahe dem Zentrum von Barcelona liegt die alte Festung Montjuic, benachbart zu den Hafenanlagen und zur malerischen Altstadt Barceloneta.

             Vor über 200 Jahren haben hier die französischen Geodäten Pierre Francois André Méchain und Jean-Joseph Tranchot trianguliert, unter schwierigsten Bedingungen, im Kriegsgeschehen zwischen Frankreich und Spanien, Unbilden des Wetters und schroffen Gebirgslandschaften. Ihr Ziel, den südlichen Teil der Dreieckskette von Dünkirchen im Meridian von Paris bis nach Spanien zu vermessen, als Grundlage für ein neues „Naturmaß“, dem Urmeter als 10.000.000 Teil der Meridianlänge vom Pol zum Äquator. Auf der Festung Montjuic beobachtete Mechain präzise astronomische Breitenmessungen – und mußte dort später einen Fehler in seinen Dreiecks- und Breitenbeobachtungen feststellen, den er nicht aufzuklären vermochte, woran er fast zerbrach. –  Terra X hat das Geschehen um jene bahnbrechende und  abenteuerliche Gradmessung 2010 verfilmt und mehrfach wiederholt (zuletzt am 27. 02. 2011 im ZDF):  „Die Suche nach dem Urmeter“, Wissenschaftlich beraten von dem über Wissenschaftsgeschichte promovierten amerikanischen Physiker Ken Alder – siehe dazu ausführlich unsere Mitt. Nr. 353.

             Ihr Redakteur hat kürzlich die Festung Montjuic und ebenso den Tibidabo  besuchen können. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Fernsehturm befindet sich auf einem herausragenden Felsen ein Geodätischer Punkt, wohl Valvidera in der Netzskizze der alten Gradmessung (siehe S. 58 bei Ken Alder). Dieser Punkt wie ebenso die Festung Montjuic erinnert an das für die Meterdefinition so bahnbrechende Geschehen vor über 200 Jahren.

             Die Dreieckskette von Dünkirchen bis Barcelona, begonnen 1792,  war 1798 fertiggestellt. Den nördlichen Teil hatte Jean-Baptiste-Joseph Delambre vermessen, den südlichen Méchain. Die Gesamtlänge der Gradmessung Dünkirchen – Barcelona umfaßte einen Breitenunterschied von rd. 9 Grad 40 Min.  1799 wurde das Metermaß als Längeneinheit zunächst in Frankreich vorläufig eingeführt und mit dem „Archivmeter“ aus Platin in Paris gesichert.

             Literatur: Ken Alder, siehe unsere Mitt. Nr. 353 - 09. 03. 2011

 

 

381.  Mitgliederversammlung 2011

             

      Die Mitgliederversammlung 2011 unseres Förderkreises fand anschließend an das 11. Symposium für Vermessungsgeschichte (Mitt. Nr. 379) statt. Präsident Harald Lucht ehrte einleitend Dipl.-Ing. Friedel Pfeifer mit der Ehrenmedaille des Förderkreises (siehe Mitt. Nr. 378). Friedel Pfeifer dankte bewegt allen seinen Weggenossen, Vorgesetzten wie Mitarbeitern und besonders auch seiner Frau – sie wurde mit einem  Blumenstrauß geehrt  – für die immerwährende Unterstützung und erhielt langanhaltenden Beifall.

 

      Der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried erstattete mit einer Fotodokumentationen den Tätigkeitsbericht für das vergangene Geschäftsjahr:  Der Förderkreis hat zum 31.12.2010 320 Mitglieder – 16 Abgänge aus Altersgründen, 2 Neuzugänge. Er bittet eindringlich, bei jeder Gelegenheit für den Förderkreis zu werben, um die Qualität der Arbeit und die finanziellen Spielräume mittel- und langfristig zu sichern.

 

      Der Internetauftritt werde in vorbildlicher Weise von Harald Lucht und Rudolf Uebbing gepflegt. Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche und Seitenaufrufe zeigt ein weiter steigendes großes Interesse. 2010 haben 31.600 Interessierte die Homepage besucht, nahezu Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Vergl. Auch Mitt. Nr. 374.

 

      Auf der INTERGEO 2010 in Köln hat der Förderkreis im Rahmen des Fachkongresses eine eigene Session zur Vermessungsgeschichte durchgeführt. Prof. Dr. Klaus Grewe trug zum Thema „Wasser für Rom – Über die unglaublichen Leistungen der römischen Ingenieure bei der Vermessung der Aquädukte“ vor, Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß zum Thema: „Franz Adickes – nicht nur städtebauliche Bodenordnung“ sowie Dipl.-Ing. Manfred Spata zum Thema „Wie viel Mercator steckt in der UTM-Abbildung?“ (vergl. Mitt. Nr. 364). Wie gewohnt hatte der Förderkreis einen gut besuchten Stand auf der INTERGEO, der vom Geschäftsführer Klaus-Detlev Lehmann, von Jürgen Lagoda und Rudolf Uebbing betreut wurde, mit viel Unterstützung des Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte. 

 

      Der Erste Vorsitzende kündigte bereits an, der Förderkreis werde auch auf der INTERGEO 2011 vom 27. bis 29. September 2011 in Nürnberg einen Vortragsblock gestalten. Referenten sind Dipl.-Ing. Frank Reichert („Zollmansche Scheibe“), Prof. Peter Mesenburg („Kartometrie“) sowie Dr. Peter van der Krogt („Gerhard Mercator“).

 

      Ingo von Stillfried berichtete weiter, der Förderkreis habe 2010 für 3 Ausstellungen Leihgaben zur Verfügung gestellt. Die Museumsnacht in Dortmund am 25. September 2010 war der Arbeit der Kartographen gewidmet. In zwei Durchgängen zeigte und erläuterte der Erste Vorsitzende die praktische Arbeit früherer Kartographen und führte anschließend durch die Schausammlung mit ihren zahlreichen Instrumenten und Auswertegeräten auch der Photogrammetrie. Wie bereits auf der letzten Mitgliederversammlung berichtet, soll der historische Wiehen-Wagen, ein geschichtsträchtiges Navigationsgerät, mit Unterstützung der Lehrwerkstatt von Volkswagen in kleinerem Maßstab nachgebaut werden. Die Aufgabenstellung ist recht komplex, so dass VW auch erfahrenere Mechaniker und Umschüler in das Projekt einbeziehen wird. 

 

       Zum Mercator-Jahr 2012 wird der Förderkreis, vorbehaltlich einer gesicherten Finanzierung, eine große Sonderausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte vorbereiten (voraussichtlich 9.3.2012 – 10.6.2012). Das bereits im Entwurf vorliegende detailreiche Ausstellungskonzept wird in Kurzform erläutert.

 

      Die Instrumentensammlung ist weiter gewachsen, insbesondere durch die Zugänge aus der Auflösung der geodätischen Abteilung der Ruhr-Universität Bochum. Zudem wurde die Sammlung Gähle erworben. Der Förderkreis erhielt 2010 zahlreiche Anfragen zur Bestimmung von Instrumenten, ein Service mit zunehmender Tendenz. Dies zeigt, wie hoch die Expertise des Förderkreises geschätzt wird. Der Bibliotheksbestand hat sich erheblich vergrößert, wobei bei jeder Sichtung von Buchspenden deutlich wird, wie gut die Bibliothek bereits ausgestattet ist.

 

       Abschließend bedankte sich der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried bei allen Aktiven für ihr Engagement und allen Mitgliedern für ihre Treue zum Förderkreis. Er weist auf Arbeitsbereiche hin, für die „Kümmerer“ gesucht werden. Für die Betreuung der Kartensammlung hat sich Carsten Kamp bereiterklärt. Die Betreuung der Briefmarkensammlung ist weiterhin vakant. Zudem werden für das Instrumentarium Interessierte für Führungen, Kontakte, Pflege und Präsentation gesucht, um Manfred Gombel und Waldemar Glowka zu unterstützen – beiden wurde nochmals herzlich gedankt.

   

      Schatzmeister Franz-Josef Gocke erläuterte den Kassenbericht für das Jahr 2010 sowie die Haushaltsansätze für das Jahr 2011. Die Kassenprüfer Burghard Kreuter und Ingo Tiemann bestätigten die korrekte Kassenführung.  Der Vorstand wurde auf Antrag von Dr. Hartwig Junius einstimmig entlastet.

 

       Bei den turnusmäßigen Wahlen zum Kuratorium werden die Herren Klaus Meyer-Dietrich, Friedel Pfeifer, Manfred Spata und Prof. Dr. Bertold Witte einstimmig wiedergewählt. Herr Prof. Dr. Dietmar Grünreich, Frankfurt/Hannover und Herr Prof. Klaus Kertscher, Osnabrück/Oldenburg sind ebenfalls zur Kandidatur bereit und werden ebenfalls einstimmig gewählt. – Bei den turnusmäßigen Wahlen zum Vorstand erklären sich Jürgen Lagoda, Prof. Dr. Harald Lucht, Ulf Meyer-Dietrich, Rudolf Uebbing sowie Prof. Dr. Erich Weiß bereit und werden unter Wahlleitung von Ingo von Stillfried enbloc einstimmig wiedergewählt.

 

        Die nächste Mitgliederversammlung findet am 13. Februar 2012 statt.

 Abschließend macht Jürgen Lagoda auf geplante weitere Veranstaltungen des VDV-Bildungswerks Geschichte des Vermessungswesens  zum Thema Mercator aufmerksam, insbesondere eine Ausstellung in der Salvatorkirche in Duisburg ab 22.4.12 und bis 3.6. 2012 sowie darin eingebettet am 29.4.2012 eine Arbeitstagung „Audienz bei Mercator“. – 01. 03. 2011

 

 

380.  Eilmeldung zu Terra X am 27. 2. 2011

……..

 

379.  Mercator-Symposium in Dortmund 

              Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum hatte am Montag, 14. Februar 2011 zum

11. Dortmunder Symposium zur Vermessungsgeschichte ins Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund eingeladen.

             Der Präsident des Förderkreises, Prof. Dr. Harald Lucht aus Bremen, konnte erfreut weit über 80 Besucher begrüßen. Oberbürgermeister Ullrich Sierau betonte in seinem Grußwort in der vollbesetzten Rotunde des Museums die heutige Bedeutung Mercators. „In jedem GPS steckt ein Stück Mercator“. Nicht ohne Stolz fügte OB Sierau hinzu, Dortmund habe Anfang 2008 als erste deutsche Großstadt das städtische Geoinformationssystem im Sinne der europaeinheitlichen Grundlage INSPIRE auf „Mercator-Koordinaten“ umgestellt.

             Einleitend zum 11. Symposium übermittelte der Präsident herzliche Grüße von Dr. Kurt Kröger, dem früheren Ersten Vorsitzenden und Organisator früherer Symposien. – Das diesjährige 11. Symposium unter dem Leitthema „Gerhard Mercator gestern und heute in unserer Welt“ organisierte Prof. Dr.-Ing Erich Weiß.

             In fünf hochinteressanten Vorträgen international bekannter Referenten wurde das Wirken und Schaffen Mercators als Kartograph, Geograph, Mathematiker, Philosoph und Theologe aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. – Dr. Peter van der Krogt (Universität Utrecht) schilderte mit Unterstützung einprägsamer Folien das Wirken von Gerhard Mercator als Geograph und Kartograph, erläuterte dessen ersten Erdglobus (1541) wie ebenso Himmelsglobus (1551), seine berühmte Palästina-Karte wie ebenso die erste Europa-Karte bis hin zur Entwicklung eines ersten Atlas Mercators. –  Prof. Dr. Jochen Brüning (Humboldt-Universität Berlin) führte die Gedanken der Zuhörer in die früheste Menschheitsgeschichte, begründete die Mathematik als erstes Ordnungssystem, „eigentlich sei ein Mathematiker ja jemand, der Sätze beweist“. Über Gemma Frisius leitete er über zu Mercator, zu dessen Überlegungen zur Verebnung des Dreidimensionalen, die bekanntlich nicht ohne Verzicht möglich sei, wie es Euler und Gauß bewiesen haben. – Prof. Dr. Koenraad van Cleempoel (Universität Husselt) lieferte alternativ zu jenem mehr geisteswissenschaftlichen Höhenflug die Darstellung der hohen handwerklichen Kunst von Mercator, dem Mechaniker, gezeigt an einer Reihe von Abbildungen von Astrolabien, Armillasphären, gestochen scharf als Kupferstich.

             Die Mittagspause nutzen zahlreiche Besucher zugleich zur Besichtigung der Schausammlung des Vermessungstechnischen Museums.

             Im ersten Nachmittagsvortrag führte Dr. Nicole Schmenk M.A. (Universität Duisburg-Essen) die Zuhörer wieder in die mehr geisteswissenschaftliche und humanistische Welt von Mercator. In Löwen durch die Inquisition wegen „Lutherei“ als Ketzer verhaftet, übersiedelte er ab 1552 nach Duisburg. Er modifizierte u. a. die Aristotelische Stufenleiter der Natur – von der toten Materie über die Pflanzen, die Tiere und den Menschen, den Geist und selbständiges Denken als Ebenbild Gottes auszeichnen. – Schließlich entwickelte der Präsident des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie, Prof. Dr. Dietmar Grünreich die Grundsätze der Mercatorprojektion mit ihren verschiedenen Achslagen, zeigte sehr anschaulich das Anwachsen der Flächenverzerrung mit wachsendem Abstand vom Berührungskreis, erläuterte die großen Schwierigkeiten, in Europa einheitliche UTM-Koordinaten zu installieren. – Prof. Dr. Erich Weiß stellte die Vortragenden jeweils vor und moderierte die lebhaften Diskussionsbeiträge. Alle Vorträge wurden mit großem Beifall aufgenommen und werden in einem weiteren Symposiumsband demnächst vom Förderkries Vermessungstechnisches Museum veröffentlicht.

             Der Präsident des Förderkreises konnte abschließend den Vortragenden für ihre gelungenen Präsentationen danken, und insbesondere auch Erich Weiß für die gesamte Organisation. Er habe durch die ausgesuchte Einladung der Vortragenden ein hochinteressantes Mosaik der Persönlichkeit von Gerhard Mercator ermöglicht und durch die Anordnung der Vorträge geradezu „eine spannende Choreographie dessen Lebens und Wirkens“ gestaltet. – Insgesamt erbrachte das Symposium einen umfassender Ausblick auf den 500. Geburtstag des großen Gelehrten Mercator im kommenden Jahr.  – 20. 02./22. 02. 2011

 

 

 

378.  Ehrung für Friedel Pfeifer

             Dipl.-Ing. Friedel Pfeifer wurde am 14. Februar 2011 mit der Ehrenmedaille des Förderkreises besonders geehrt. Präsident Prof. Dr. Harald Lucht dankte dem langjährigen Ehrenmitglied für dessen große Verdienste um das Vermessungstechnische Museum in Dortmund.

             Als Gründungsmitglied 1975 unseres Förderkreises hat Friedel Pfeifer von Beginn an 25 Jahre als Schatzmeister gewirkt. Zwei besonders wertvolle Eigenschaften zeichneten ihn aus, gekonnt Spender anzusprechen, um dann wesentliche Vorhaben des Förderkreises zu finanzieren. Dabei setzte er wohl auch gerne auf seine besonderen Verbindungen zum VDV. Mit hoher Fachkenntnis wußte er den Wert historischer Instrumente einzuschätzen, denen seine große Vorliebe galt. Für Vorstand wie Kuratorium des Förderkreises war und ist Friedel Pfeifer darüber hinaus ein stets kluger und gründlich abwägender Ratgeber auch in allen anderen vermessungshistorischen Themen.

             Friedel Pfeifer schöpft dabei aus seinen reichen fachlichen Erfahrungen und seiner Menschenkenntnis, die er in seiner schon 1943 begonnenen Praxis gewonnen hatte. Nach seinem Ingenieurdiplom 1951 in Essen wirkte er bereits in ganz jungen Jahren als allein zuständiger Vermessungsingenieur in der Gemeinde Anholt. 1955 folgte eine kurze Tätigkeit bei der Stadt Dortmund im Vermessungs- und Katasteramt, damals unter der Leitung von Siegfried Stahnke, einem der späteren Gründungsväter des Förderkreises. Es folgte seine lange und so erfolgreiche, alsbald leitende Tätigkeit insbesondere für die Datenverarbeitung bei der Vereinigten Elektrizitätswerken in Dortmund. – 15. 02. 2011

 

 

377.  UTM + Mercator

             Das VDVmagazin veröffentlichte im neuesten Heft den Text des Vortrags von Dipl.-Ing. Manfred Spata den er im Rahmen unseres Vortragsblocks „Historische Vermessung“ während der INTERGEO in Köln gehalten hat: „Wie viel Mercator steckt in der UTM-Abbildung?“ (vergl. Mitt. Nr. 364). Mercators Weltkarte von 1569 verwendete erstmals die von ihm entwickelte winkeltreue Abbildung. Spata zeigt die Entwicklung der winkeltreuen Abbildungen von Mercator über Lambert und Gauß, erinnert an die von Schreiber entwickelte Doppelprojektion, an die 40 Soldnerschen Katasterkordinatensysteme, die Gauß-Krüger-Abbildung mit 3 Grad breiten Meridianstreifen, international als Transversale Mercatorprojektion bezeichnet, bis schließlich hin zu der „Universal Traverse Mercator Projection“, der UTM-Abbildung.

             „Im Zuge des satellitentechnischen ‚Global Positioning System‘ (GPS) im ‚World Geodetic System 1984‘ (WGS84) und des neuen, europaweit einheitlichen ‚European Terrestrial Reference System 1989‘ (ETRS89) eroberte die UTM-Abbildung eine dominierende Stellung sowohl im militärischen als auch im zivilen Vermessungswesen. Jede Nutzung einer UTM-Koordinate erinnert heute bewusst oder unbewusst an Mercators grundlegende Idee einer winkeltreuen zylindrischen Abbildung der Erdkugel auf eine Kartenebene, an die Mercator-Abbildung.“ Schreibt Spata in der Zusammenfassung seines Beitrags.

             Quelle: Manfred Spata:  „Wie viel Mercator steckt in der UTM-Abbildung?“, VDVmagazin 1/2011 S. 24 – 29. – 11.02.2011

 

 

 

376. „Last call“ – 11. Symposium für Vermessungsgeschichte – mit OB Ullrich Sierau

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375.  Der Vermessungsingenieur in Literatur und Film

          Im Heft 4/2010 der Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung finden wir unter den Informationen ab Seite 60 eine sehr dankenswerte Zusammenstellung von Schriften in der Belletristik und von Unterhaltungsfilmen, in denen der Geodät, der "Vermesser" in irgend einer Form eine Rolle spielt. Mario Heuts aus Osnabrück hat Romane, Novellen, Gedichte, Anekdoten u. a. aufgelistet, beginnend mit den Wahlverwandtschaften von Goethe 1809 bis hin zu modernen Romanen wie Azimut von Peter Steiner und Zwin von Gerd Anlauf. In einer weiteren Liste sind Unterhaltungsfilme seit 1924 (Das eiserne Pferd, ein Western) bis u.a. zur Komödie King of California und dem Horrorfilm Sauna - wash your sins enthalten. In einem einleitenden Text setzt sich der Autor mit den verschiedenen gebräuchlichen Berufsbezeichnungen auseinander, dem Geodäten, Vermessungsingenieur, Feldmesser, Geometer, Vermessungstechniker, dem historischen Gromatiker bzw. Agrimensor, dem Katographen u.a.m., auch mit der manchmal abwertend empfundenen Bezeichnung "Vermesser".

          Der Autor bittet um Ergänzungen, da "die Auflistungen mit Sicherheit nicht vollständig" sind. Weitere Informationen und Inhaltsangaben gibt die Internetseite des Verfassers unter http://www.vermesser-literatur-und-filme.de/  Dort findet der Besucher zu den aufgelisteten Werken zusätzlich kurze Inhaltsangaben. Insgesamt ist eine hochinteressante Fundstelle für alle, die am Vermessungswesen und seiner Außenansicht interessiert sind. - 25.01.11  

 

 

374.   Weiter deutlich zunehmendes Interesse an unseren Seiten 

          Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche und Seitenaufrufe auf unserer Homepage zeigt ein weiter steigendes großes Interesse. 2010 hatten wir mit 31.600 Besuchen nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr mit 17.700 (nach 16.300 in 2008) - und Sie sind dabei!  Die Seitenaufrufe stiegen ebenfalls erheblich, auf  46.700 in 2010 (nach 27.700 und davor 24.000). Diese Seite Aktuell zählte 2010 über 7.600  Aufrufe (nach 6.300 in 2009), die Seite Aktuell-Archiv über 4.000 (nach 900 in 2009).  Es folgen die Seiten zur Sammlung mit über 2000 Seitenaufrufen, Instrumente mit sowie die Seiten zur Bibliothek mit jeweils rd. 1.300. Die ebenfalls stark angewachsene Anzahl der Aufrufe auf der Archiv-Seite von Aktuell zeigt ebenfalls das hohe Interesse an vermessungshistorischen Ereignissen, Gedenktagen und Schriften, worüber wir seit nunmehr rd. 8 Jahren auf diesen Aktuell-Seiten informieren. Wir denken, damit auch insbesondere jüngere Besucherinnen und Besucher für die Vermessungsgeschichte  interessieren zu können. Gegenwart wie Zukunft wurzeln in der Geschichte, besonders in unserem der Nachhaltigkeit verpflichteten Berufsfeld. Auch Zukunft braucht Herkunft.

          Die Regionalstatistik zeigt bei der Auswertung der beiden führenden Ziffern der Postleitzahlgebiete erneut Besucher aus allen Teilen der Bundesrepublik und einzelne Besucher aus dem Ausland, insbesondere aus Österreich. Schwerpunkte sind das erweiterte Ruhrgebiet einschließlich Bonn, dann München, Freiburg und Berlin, der Raum Hannover/ Bremen sowie Dresden und Leipzig.  In der Regionalstatistik wertet unser Server nur eine Teilmenge aus, Besucher mit nicht anonymisierter IP-Adresse.- 13.01.11

 

 

 

373.   Kolloquium Kurfürstliche Koordinaten im Rahmen der Ausstellung Genau messen = Herrschaft verorten in Dresden

               Im Resisdenzschloß in Dresden findet am 21. und 22. Januar 2011 das Internationale Kolloquium „Kurfürstliche Koordinaten“ statt – Landesvermessung und Herrschaftsvisualisierung im frühneuzeitlichen Sachsen. Nähere Infos zum Kolloquium, einer Kooperation des Mathematisch-Physikalischen Salons in Dresden mit der Uni Kassel und dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden über den Flyer unter 
http://web.isgv.de/media/archive1/pdf/veranstaltungen/Flyer_kukoordinaten.pdf
und yvonne.fritz@skd.museum .
              
Dieses hochrangig besetze Symposium beschließt zugleich die Ausstellung Genau messen = Herrschaft verorten im Neuen Grünen Gewölbe im Residenzschloß in Dresden, die noch bis zum 23. Januar 2011 läuft. Veranstalter der Ausstellung sind der Mathematisch-Physikalischen Salons in Kooperation mit dem Hauptstaatsarchiv Dresden.

               Wir entnehmen aus dem Begleitmaterial: Genau messen ist gleich Herrschaft verorten. Schon Kurfürst August war diese Formel bekannt. Bereits 1587 enthielt die von ihm 27 Jahre zuvor gegründete Kunstkammer annähernd 1.000 mathematisch-technische Geräte und zahlreiche von ihm eigenhändig angefertigte Vermessungsrisse und Karten von Sachsen. Im Reißgemach, dem Zentrum der Kunstkammer im Residenzschloß Dresden, wurden die zur Anwendung für den Kurfürsten Werkzeuge und wissenschaftlichen Instrumente aufbewahrt. Sie entsprachen damals nicht nur dem neuesten Stand der Technik sondern erfüllten in höchstem Maße die repräsentativen Ansprüche einer fürstlichen Sammlung. Das Reißgemach war schon damals ein Zentrum von Geodäsie und Kartographie. Ausgehend von den prunkvollen Zeugnissen der Landesvermessungen eröffnet die Ausstellung dem Besucher den Zusammenhang zwischen der Etablierung von Macht und der tatsächlichen räumlichen Verortung des Machtanspruches. Unter den circa 80 Exponaten befinden sich unter anderem ein von Kurfürst August vermutlich eigenhändig verfaßtes Traktat zu den Methoden der Vermessungskunde und ein erst kürzlich entdeckter Entwurf eines Wagenwegmessers vom Schweriner Instrumentenbauer Jachenow. – 03.01.2011

 

 

 

372.   Mercator-Symposium im Februar 2011 und Mercator-Ausstellung 2012 in Dortmund

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371.   Germania und die Insel Thule

             ist der Titel eines kürzlich neu erschienenen Buches von Andreas Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knoblauch und Dieter Lelgemann. Der Untertitel umschreibt den wesentlichen Inhalt mit (Die) Entschlüsselung von Ptolemaios’ „Atlas der Oikomene“. Wie der SPIEGEL berichtete, hat damit  „Eine Gruppe aus Altphilologen, Mathematik-Historikern und Erdvermessern vom Institut für Geodäsie der Technischen Universität Berlin eine verblüffende Landkarte vorgelegt. Sie zeigt Mitteleuropa vor 2000 Jahren.“  Auf 133 Seiten wird das Ergebnis 6-jähriger Forschungsarbeit dokumentiert.

             Wesentliche Grundlagen sind die Längen- und Breitenangaben, aufgezeichnet einst von Claudius Ptolemäus (um 100 – um 170) in seiner „Geographie“ mit 6300 Ortsangaben für damalige Städte und topographische Orte, wie Flußmündungen, Vorgebirge, Berge o. ä.. Er stützte sich dabei insbesondere auf das Werk des Marinos von Tyros, eines Geographen des 1./2. Jahrhunderts sowie auf eine Reihe weiterer Quellen, die jedoch als von sehr unterschiedlicher Qualität beurteilt werden. Ptolemaios räumte insbesondere den durch astronomische Beobachtungen gewonnen antiken Koordinaten Vorrang vor anderen Quellen ein. Die Geographie von Ptolemaios ist so eine erste maßstabsgetreue kartographische Darstellung. Die Original-Schriften sind jedoch nicht erhalten, die Forschungen sind auf später entstandenen Abschriften angewiesen.

             Die Autoren leiten das Buch ein mit einer quellenkritischen und methodischen Einführung, Die Entzerrung der Ptolemaios-Koordinaten mittels mathematisch-geodätischer Deformationsanalyse wird erläutert, sie wurde realisiert in mehreren Schritten in räumlich unterschiedlichen, jeweils möglichst ähnlichen Transformationsbereichen. Die Ortsnamen-Forschung wurde ergänzend herangezogen. Im Ergebnis resultiert ein Mosaik von plausiblen Verortungen historischer Orte aus der Zeit von vor 2000 Jahren. Sie sind in den vorderen und hinteren Innenspiegeln des Buches in 4 farbigen geographischen Karten dokumentiert und so unmittelbar in die heutige Geographie einzuordnen.

             Im Schwerpunkt der textlichen Ergebnisdarstellung steht im 2. Kapitel Germania magna. Nach einer vergleichenden Auflistung der ptolemäischen und der modernen Koordinaten aus den Transformationen folgen ausführliche Punktbeschreibungen und aufschlußreiche Anmerkungen, ergänzt mit zahlreichen Literaturhinweisen. In weiteren Kapiteln folgen in gleicher Weise die Ergebnisse für Gallia Belgica, Germania Inferior, Germania Superior  (insgesamt also im wesentlichen Mitteleuropa) bis schließlich zur Insel Thule.  Sie galt im  Altertum bei den Griechen und Römern als Inbegriff des äußersten Weltendes, so bei der Schiffsreise des Pytheas, wie bei dem römischen Dichter Vergil. Die Autoren meinen, daß es sich bei Thule wahrscheinlich um die Insel Smola vor der norwegischen Küste nahe Trondheim handelt. - 

             Ein Index am Schluß des Buches erlaubt den schnellen Zugriff zu den vertiefenden Anmerkungen dieses ungewöhnlichen Werkes. Denn die Autoren haben sich einer Fragestellung angenommen, um deren Lösung sich lange Zeit unzählige Forscher bisher vergeblich bemüht hatten. In einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekt ist jetzt den Berliner Wissenschaftlern in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Geodäten und Wissenschaftshistorikern eine schlüssige Übersetzung der antiken Koordinaten in die heutige Geographie gelungen – sie ermöglichen damit eine reizvolle Neubetrachtung des Weltbilds der Antike. Ein Weihnachtsgeschenk für jeden, der Freude und Interesse an die Fantasie anregenden vorhistorischen Untersuchungen hat.  

             Quellen: A. Kleineberg, Chr. Marx, E. Knoblauch, D. Lelgemann: Germania und die Insel Thule -  Die Entschlüsselung von Ptolemaios’ „Atlas der Oikomene“, WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft),  Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-23757-9, 133 Seiten, € 29,90 und „Google Earth in der Antike“ in SPIEGEL 39/2010 S. 152.  –  08.12. 2010  

 

 

370.   Langjährige Förderer in Hannover besonders geehrt  

             Das Geodätische Kolloquium der Leibniz-Universität Hannover hatte am 16. November 2010 zwei ganz besondere Höhepunkte. Zunächst den Vortrag von  Prof. Dr.-Ing. habil. Hansjörg Kutterer, Leiter des Geodätischen Instituts Hannover Ingenieurgeodäsie 2020 – Beiträge des Geodätischen Instituts Hannover“ – ein Vortrag, der geodätische Meßverfahren in Verbindung mit moderner Physik erlebbar werden ließ.    

             Für die Fördergesellschaft Geodäsie und Geoinformatik stand jedoch die Ehrung von jenen Persönlichkeiten im Fokus, die 50 und mehr Jahre Mitglied sind und somit langjährige Förderer des Berufsnachwuchses. Diese Möglichkeit hatte die Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr 2009 auf Anregung u. a. von Prof. Dr.-Ing. e.h. Hubertus Hildebrandt aus Nürnberg beschlossen. Er ist einer der zahlreichen ganz regelmäßigen Besucher der Mitgliederversammlung, stets von weit her anreisend, in guter alter Verbundenheit zur Geodäsie an seiner früheren TH und jetzigen Uni Hannover. Der Vorsitzende der 1951 gegründeten Fördergesellschaft, Dipl.-Ing Rolf Ueberholz, hob in seinen Worten insbesondere auch den Grundgedanken des Generationenvertrags hervor. So haben viele Mitglieder in ihrer Studienzeit und bei den großen Fachexkursionen von den Zuschüssen „der Förderer“ profitiert und geben dieses Sponsoring später zurück. Im großen Rahmen des Kolloquiums wurden geehrt: Christel Behrmann, Hannover – Günther Dreyer, Kissing – Dr. Hans-Ulrich Gerigk, Hannover – Prof. Dr. Dieter Grothenn, Hannover –  Prof. Günter Hengevoss, Hamburg –  Prof. Dr. Günther Henneberg, Maracaibo/Venezuela – Prof. Dr. Hubertus Hildebrandt, Nürnberg – Rolf Petermann, Hamburg – Prof. Harald Schulze, Hamburg – Werner Sommer, Essen – Prof. Dr. Wolfgang Torge, Hannover – Dr. Bodo Wendt, Laatzen – Arndt Wolfes, Münster, nicht alle waren anwesend. - In seinen Dankesworten sah auch Hubertus Hildebrandt den besonderen Wert in der Bindungswirkung zwischen alt und jung, ein Verhältnis, das sich heute immer mehr lockert.   

             Einige der geehrten Kollegen hatten schon im WS 1946/47 ihr Studium begonnen. Sie waren als Kriegsteilnehmer froh und dankbar, Krieg und  Kriegsgefangenschaft entronnen zu sein. Sie hatten vor dem Studium einen einjährigen "Sonderlehrgang für Kriegsteilnehmer zur Ablegung der Reifeprüfung" zu absolvieren (Schulgeld 25 Reichmark/Monat) und danach noch ein 6-Monate-Fachpraktikum, wie eines der ältesten Mitglieder der Fördergesellschaft berichtet.

             Die Fördergesellschaft wurde 1951 als „Gesellschaft zur Förderung der Institute für Geodäsie und Photogrammetrie an der Technischen Hochschule Hannover“ gegründet. Erster Vorsitzender war der Politiker Chefpräsident a. D. Christian Blank (geb.1879 gest. 1967) Geodät und Bauingenieur, seit 1922 Verkehrsverwaltung Preußen, 1829 Mitglied des Preußischen Landtags, 1933 aus von den Nazis entlassen und nach 1945 Mitglied des Niedersächsischen Landtags). In seinem Geleitwort in der Folge 1 der Berichte vom März 1952 blickte Christian Blank zunächst kurz auf den zwei Jahrzehnte zuvor von Prof. Dr. Paul Gast gegründeten Beirat zurück, „der bis zum Beginn des Krieges die Weiterentwicklung des Geodätischen Instituts wirksam gefördert hat.“ Und er gab das Ziel der Neugründung vor, „…Sie will die Arbeiten des Geodätischen Instituts (Direktor Prof. Dr. W. Großmann) und des Instituts für Photogrammetrie und Ingenieurgeodäsie (Direktor Prof. Dr. G. Lehmann) durch Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Praxis und Hochschule, durch Anregung von Versuchsarbeiten und durch Mitwirkung bei der Bewilligung von Mitteln für diese Versucharbeiten fördern; sie will gleichzeitig aber auch die Mitglieder über die Arbeiten der Institute unterrichten …“ Diese Grundgedanken sind bis in die Gegenwart Richtschnur geblieben. Die Fördergesellschaft hat heute ca. 600 Mitglieder. Wie in den Vorjahren hat die  Mitgliederversammlung auch 2010 den Fachinstituten wieder einen namhaften Betrag für die Verwendung in Forschung und Lehre zugewendet. Zur Fördergesellschaft siehe auch deren Homepage www.foerder-geodaesie.uni-hannover.de/index.html . – 29.11.10

 

 

 

 

369.   Festkolloquium 200 Jahre Bohnenberger

             Die Universität Stuttgart veranstaltet zusammen mit dem Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg am 10. Dezember 2010 ein Festkolloquium „200 Jahre Maschine von Bohnenberger“. Vor 200 Jahren hatte Prof. J.G.F. Bohnenberger einen kardanisch aufgehängten Kreisel zur Veranschaulichung der Erddrehung vorgestellt und damit eine weit in die Zukunft führende Entwicklung vorbereitet. Bohnenberger leitete seinerzeit die Landesvermessung von Württemberg, die er maßgeblich prägte, und er lehrte und forschte an der Universität Tübingen.

              Grußworte werden erwartet von Prof. Dr. Peter Frankenberger, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, den Rektoren der Universitäten Stuttgart und Tübingen, Prof. Dr. Wolfram Ressel und Prof. Dr. Bernd Engler sowie dem Dekan der Fakultät Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie der Uni Stuttgart, Prof. Dr. Alfred Kleusberg.

             Die Reihe der Festvorträge eröffnet  der Präsident des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg, Dipl.-Ing. Hansjörg Schönherr mit dem Thema „J.G.F. Bohnenberger als Landesvermesser“, es folgen zwei weitere Vorträge von Prof. Dr.-Ing. Eberhard Baumann, HfT Stuttgart: „J.G.F. Bohnenberger – Astronom und Begründer der klassischen Geodäsie“ und von Prof. Dr. Jörg Wagner, Uni Stuttgart; „Die Maschine von Bohnenberger“.  

             Die Festveranstaltung findet statt am Freitag, 10. Dezember 2010, 14:00 bis 18:30 Uhr, Stuttgart, Keplerstraße 17, Tiefhörsaal M 17.01, und wird moderiert von Prof. Dr. Dieter Fritsch.

             Anläßlich dieses besonderen Jubiläums veranstalten die geodätischen Institute der Universität Stuttgart gemeinsam mit dem Institut für Raumfahrtsysteme, der Abteilung Geschichte der Naturwissenschaft und Technik des Historischen Instituts und dem Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg eine Fachausstellung, die 6 Wochen lang geöffnet sein wird.  - Siehe auch A. Trierenberg, J.F. Wagner: Die "Maschine von Bohnenberger" und das wissenschaftliche Werk ihres Urhebers, in Allg. Vermessungsnachrichten (AVN) 2008 S. 82 - 90 und zu Bohnenberger vergl. auch unsere Mitt. Nr. 123

             Nachtrag: Die Vorträge sind zusammen mit weiteren Beiträgen zum Wirken Bohnenbergers dokumentiert in den Mitteilungen des DVW Baden-Württemberg Heft 2/2010 (144 Seiten). Im Vorwort erläutert Prof. Dr.-Ing. Eberhard Baumann die Gedanken zum Entstehen dieses groß angelegten Festkolloquiums und ordnet die Wirkungen des vor exakt 200 Jahren erfundenen Gyroskops in jüngere Navigationsentwicklungen ein. Und er weist auf die bemerkenswerten Gemeinsamkeiten zwischen Bohnenberger und dem 12 Jahre jüngeren Johann Friedrich Benzenberg (Vergl. unsere Mitt. Nr. 254 und 286 ) hin. Mit dem unter der Initiative von Eberhard Baumann entstandenen Festkolloquium und der Dokumentation mit einer Reihe weiterer Fachbeiträge ist einmal mehr ein wesentliches Stück Vermessungsgeschichte ins aktuelle Blickfeld gehoben worden. Man darf dem DVW Baden-Württemberg, dem Schriftleiter Professor Siegfried Schenk und dem Organisator des Symposiums gratulieren, auch zu der ganz hervorragend gestalteten Dokumentation. Der Förderkreis dankt für die Übersendung eines Exemplars für unsere vermessungshistorische Fachbibliothek. (Bezugsnachweis für die Dokumentation über eMail prof.s.schenk@t-online.de )- 19.11.10/29.12.10

 

 

367.   Professor Dr. Heinz Draheim 95 Jahre

             Wir gratulieren Professor Dr. Heinz Draheim herzlich zu seinem großen Ehrentag, den er am 5. November mit der Vollendung seines 95. Lebensjahres begehen kann. Einst in Schönfeld, Kreis Dramburg in Pommern geboren, in Berlin aufgewachsen, hat er für unser Vermessungswesen in so sehr vielen Positionen segensreich gewirkt. Unvergessen seine lange Rektoratszeit (1968 - 1983) an der Uni Karlsruhe, sein Wirken für die AVN, an seine vielfältigen Beiträge zur Vermessungsgeschichte.

Wir haben an dieser Stelle bereits vor 5 Jahren herzlich gratuliert und in aller Kürze seine großen Leistungen und Verdienste gewürdigt (Siehe Mitt. Nr. 122) . Wir wünschen ihm ganz besonders alles Gute für seine Gesundheit. Wir denken gerne an so viele Begegnungen, an seinen großartigen Optimismus, den Heinz Draheim stets ausstrahlt und danken ihm für seine lange treue Mitgliedschaft in unserem Förderkreis. Wir senden dem Jubilar auch auf diesem Wege herzliche Glück- und Segenswünsche. Eine ausführliche Würdigung erfährt der Jubilar in den Allgemeinen Vermessungsnachrichten (AVN) Heft 10/2010 S. 322 - 323. - 05.11.2010/22.12.10  

 

 

 

366.   Grenzuntersuchung – ein Vermessungs- und Katasterbuch

             Die fachliche Auseinandersetzung mit dem Grenznachweis im Kataster und seinen Entwicklungsstufen in dessen historischen Entstehungsart und der Art und Weise der Fortführung, Grenzuntersuchung, Grenzfeststellung und Grenzabmarkung, Methoden der Identitätsprüfungen:  Norbert Fuhrmann aus Kerpen hat ein außerordentlich gründlich recherchiertes Werk vorgelegt, erkennbar entstanden aus intensiver Beschäftigung mit und Tätigkeit im klassischen Feld der Grundlagen des Liegenschaftskatasters. Der Wandel vom Steuer- zum Grundstückskataster, wesentlich eine Folge des Reichsgerichtsurteil von 1910 (vergl. unsere Mitt. Nr. 331), hat Generationen von Vermessungsingenieuren immer wieder beschäftigt. Während früher und noch bis in die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts Grenzstreitigkeiten im wesentlichen auf die Unzulänglichkeiten in den Urvermessungen oder unzulänglichen Flurkartendarstellungen des Katasters zurückzuführen waren, sind danach die Anzahl der Grenzprozesse geringer geworden. Unabhängig davon sind auch heute Fragen der sicheren Feststellung der Grundstücksgrenzen unverändert bedeutsam.

             Ausgehend von der Definition der Grenzuntersuchung im Fortführungsvermessungserlaß NRW 2000 werden in dem insgesamt 432 Seiten umfassenden Werk u. a. Grundstückseigentum und Katasternachweis, die Güte der Katastergrundlagen im Zeitenwandel, vermessungstechnische Grundlagen und Aufnahmeverfahren, besonders ausführlich die Grenzuntersuchung, schließlich Vorschriften und ausgewählte Gesetzesauszüge dokumentiert und kommentiert. Ein ungemein reichhaltiges Literatur- und Stichwortverzeichnis schließt diese Dokumentation ab, die sowohl als wertvolles Nachschlagewerk wie als Kommentar anzusehen ist. Angesichts der Fülle der Informationen in diesem Buch kann hier lediglich ein knapper Hinweis gegeben werden. Interessenten wird empfohlen, dieses hochinteressante Gesamtwerk im Internet unter http://www.grenzuntersuchung.de/ näher zu studieren. Siehe auch Fuhrmann, Norbert: Grenzuntersuchung, in VDVmagazin 5/2010 S. 362 – 365. – 1.11.2010   

 

365.   Fundsache – Das Kyffhäuserdenkmal – eine Anregung des Geodäten Prof. Dr. A. Westphal.

             Das Kyffhäuser-Denkmal – offiziell „Kaiser - Wilhelm - Nationaldenkmal“ – auf dem Kyffhäuser im Norden Thüringens wurde 1896 eingeweiht. Wilhelm I., preußischer König und deutscher Kaiser, habe mit der Reichseinigung von 1871 die Barbarossasage erfüllt, war vielfache Meinung, und somit den alten Rotbart erlöst. Der Tod des Kaisers löste 1888 einen Denkmalkult aus, der typisch für die jungen Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts war. Über 300 Kaiser-Wilhelm-Denkmäler wurden in Deutschland gebaut. Von ihnen existieren heute allerdings nur noch wenige. Die meisten dieser Denkmäler befanden sich in den Stadtzentren und wurden zum Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört. Der Entwurf für das Kyffhäuser-Denkmal stammte von dem Architekten Bruno Schmidt (1858 – 1916), der zeitgleich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta-Westfalica und später auch das Anfang des 19. Jh. fertiggestellte Völkerschlachtdenkmal in Leipzig entworfen hat.

             Mit Glück und mit dem Kunst- und Kulturverständnis russischer Offiziere überstand das Kyffhäuser-Denkmal seine schwierigste Phase – die Nachkriegsjahre nach 1945. Die von den damaligen kommunistischen deutschen Machthabern verfolgten Absicht, das Denkmal zu sprengen, wurde durch die Standortkommandantur abgelehnt. Begründung: „Ihr Deutschen müßt endlich lernen mit eurer Geschichte und euren Denkmälern zu leben.“

             Noch zu DDR-Zeiten hatte sich das Denkmal – als reaktionär betrachtet – seit den 70-iger Jahren zu einem immer beliebteren Ausflugsziel entwickelt. Heute besuchen jedes Jahr mehrere 100.000 Touristen das Denkmal, 2005 konnte der 20. Millionste Besucher begrüßt werden. Und bei gutem Wetter ist der Blick zum Brocken, dem höchsten Berg im Harz (55 km entfernt, nach neuesten Vermessungen 1141,1 m hoch) für jeden Geodäten faszinierend.  

             Den Bau hatte einst ebenfalls ein Geodät angeregt: Der Geheime Regierungsrat Prof. Dr. Alfred Westphal  (1850 – 1924). Er hatte Mathematik und Geodäsie studiert, war 1874 – 1876 Professor der Mathematik an der Universität Tokio, danach wissenschaftlicher Beamter am Geodätischen Institut in Potsdam-Babelsberg, Mitglied des Zentralbüros der Internationalen Erdmessung. Er wirkte ehrenamtlich als Schriftführer im Vorstand des Deutschen Kriegerbundes und hat in dieser Eigenschaft kurz nach dem Tode Wilhelm I. 1888 den Denkmalplan für das Kyffhäuserdenkmal erfolgreich auf den Weg gebracht.  

             Quellen: Tafeln im Denkmalmuseum im Kyffhäuserdenkmal und http://www.kyffhaeuser-denkmal.de/ . 21.10.10

 

 

364.   INTERGEO Köln 2010 – Historische Vermessung

             Unser Förderkreis war erstmals mit einem eigenen Vortragsblock an der diesjährigen INTERGEO beteiligt. Wie mehrfach angekündigt (so in Mitt. Nr. 350) referierten am 7. Oktober 2010 Prof. Dr. Klaus Grewe, Swisstal,  Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß, Uni Bonn und Dipl.-Ing. Manfred Spata, Bonn. Unter der Moderation des Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried, dem Initiator in dieser besonderen Veranstaltung, entwickelte sich ein breiter Spannungsbogen aus einem Spektrum sehr alter, überraschender persönlicher und hochmoderner vermessungshistorischer Themata. Ingo von Stillfried stellte die Referenten in Kurzform vor und konnte insbesondere unserem Kuratoriumsmitglied Klaus Grewe zur Honorarprofessur an der RWTH Aachen gratulieren.

              Klaus Grewe berichtete über "Wasser für Rom - Die Leistungen der römischen Ingenieure". Mit außerordentlich instruktiven Fotos und einer exzellenten Powerpoint-Präsentation ließ er die Zuhörer teilhaben an der geradezu kriminalistisch-akribischen Tatsachenermittlung zum Einsatz des Chorabates in römischer Zeit. Nicht - wie häufig angedacht - mittels Visuren-Nivellement, sondern durch konsequentes Umsetzen des 6 m langen,  horizontierten Gerätes entlang der Linien gleicher Geländehöhen wurde die Trasse ausgewählt. Erst das folgende Austafeln geschah dann visuell mit wenig Gefälle – heutige Präzisionsmessungen zeigen den dabei verfälschenden Einfluß der Erdkrümmung bei langen Wasserleitungen. Der Vortragende fesselte das Auditorium – auf sein alsbald herauskommendes Buch „Meisterwerke antiker Technik“ dürfen wir gespannt sein.

             Wir wissen um die fundierte Art zu forschen, mit der unser Zweiter Vorsitzender Erich Weiß Schätze der Vergangenheit aufzuspüren vermag: "Franz Adickes - nicht nur städtebauliche Bodenordnung". Über den Bodenordner aus Frankfurt und seine Lex-Adickes hört man im Studium – doch wie viel reichhaltiger war sein Wirken, wie es uns Erich Weiß nun vorstellte. Franz Adickes, geb. 1846 bei Stade, gest. 1915 in Frankfurt a. M., war zuerst Zweiter Bürgermeister und Beigeordneter in Dortmund 1873 – 1877 und anschließend Oberbürgermeister im noch preußischen Altona, bevor er 1891 bis 1912 Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. wurde. Erich Weiß erläuterte Adickes’ Neigungen während Studium und Referendarausbildung und dessen Erwägungen, entweder in die Wissenschaft oder doch in die kommunale Praxis zu gehen. Frühe Veröffentlichungen wie praktische Tätigkeiten waren Fragen der Armenpflege, der Sozialversicherung und zum Wohnungswesen gewidmet – und führten schließlich zu einer großen kommunalpolitischen Karriere als Oberbürgermeister und „Vater der städtischen Bodenordnung“ in Frankfurt am Main.

             Im dritten Vormittags-Vortrag spannte Dipl.-Ing. Manfred Spata, Eratosthenes-Preisträger 2003, den Bogen über 500 Jahre von Mercator in die Transversale Mercator Projektion: "Wie viel Mercator steckt in UTM?“ Ausgehend von den vielfach in der Seefahrt gebrauchten zylindrischen Abbildungen rund um den Äquator, über die Lambertsche Abbildung längs eines Meridians und die Kopenhagener Preisschrift von C. F. Gauß 1822 führte der Vortragende mit sehr übersichtlichen Abbildungen schließlich zu der Gauß-Krüger-Abbildung (vergl. unsere Mitt. Nr. 206). Heute sind die UTM-Koordinaten internationaler Standard.

             Moderator Ingo von Stillfried und unsere drei Vortragenden erhielten für ihren eingangs angedeutete weiten Bogen spannender Vermessungsgeschichte und ihre gekonnten Referate lebhaftem Beifall von recht zahlreichen Zuhörern: Ein erfolgreicher Start einer neuen Aktivität unseres Förderkreises.  - 09.10.10

 

 

363.   INTERGEO Köln 2010 - erfolgreicher Messestand unseres Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V.

             Der Messestand unseres Förderkreises im Ausstellungsgelände der INTERGEO Köln konnte auch 2010 seine so erfolgreiche Präsenz fortsetzen. Nochmals unter der bewährten Leitung unseres Geschäftsführers Klaus-Detlev Lehmann und wiederum tatkräftig unterstützt von Jürgen Lagoda und Rudolf Uebbing sind zahlreiche Besucher begrüßt und beraten worden - und es konnten nochmals eine ganze Anzahl des neuen Museumshandbuchs sowie andere Veröffentlichungen verkauft werden. Das repräsentative Museumshandbuch (vergl. Mitt. Nr. 354) findet immer mehr Liebhaber und wird gerne als Geschenk genutzt. Neben dem rührigen Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried waren auch der Kuratoriumsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte sowie der Zweite Vorsitzende Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß – wie ebenso der Präsident – am gut gelegenen Stand anzutreffen. Darüber hinaus konnten gute Kontakte zum ÖVA für die kommende INTERGEO 2011 in Nürnberg, insbesondere zum ÖVA-Vorsitzenden Frank Seidler und zum Pressereferenten Helmut Mörkens geknüpft werden. - 08.10.10/20.10.10

 

 

362.   Dortmunder Museumsnacht – Ein großer Erfolg für die Vermessungsgeschichte
             Unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried hat die diesjährige Museumsnacht in Dortmund am 25. September 2010 der Arbeit der Kartographen gewidmet. In zwei Durchgängen zeigte und erläuterte er zunächst die praktische Arbeit früherer Kartographen und führte anschließend durch die Schausammlung mit ihren zahlreichen Instrumenten und Auswertegeräten auch der Photogrammetrie. Insgesamt haben so etwa 70 Besucher Historisches aus Vermessung und Kartographie erfahren.

             Trotz des riesigen Angebotes mit über 500 Programmpunkten an über 50 in ganz Dortmund verteilten Veranstaltungsorten hat damit eine beachtliche Besucherzahl unserem rührigen Ersten Vorsitzenden in unserem Museum zugehört. Und es gab immer wieder interessierte Zwischenfragen, die Besucher haben sich aktiv beteiligt. Unter Ihnen waren viele Schüler und auch demnächst in die Lehre gehende junge Menschen. Mit Christian Heine war ein Auszubildender aus dem 2. Lehrjahr im Kataster- und Vermessungsamt Dortmund „mit Feuer und Flamme“ dabei,  konnte bereits geschickt Rede und Antwort geben und so auch für unseren Beruf werben.
             Erfreulich war auch die Rückmeldung aus der Führungsriege des MKK, sie hatten bemerkt, daß in der Abteilung 22 Vermessungsgeschichte viel zu tun war und "Menschentrauben an den Lippen hingen" – ein großes Lob insbesondere auch für den mehr als 4-Stunden-Einsatz unseres Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried. - 01.10.2010

 

361.    Erfurt – Fachtagung 20 Jahre kommunales Vermessungswesen

             20 Jahre nach der Wiedervereinigung hatten der DVW Thüringen und die Stadt Erfurt zu einem Fachkolloquium kommunales Vermessungswesen am 23. 09. 2010 in den Festsaal des Rathauses der Landeshauptstadt eingeladen.

             Nach Begrüßungsworten der Amtsleiterin Dipl.-Ing. Carola Bayer und des DVW-Landesvereins-Vorsitzenden Dipl.-Ing. Michael Osterhold erinnerte Frau Bayer in Kurzform an die Wiedergründung des 1953 aufgelösten Vermessungsamtes der Stadt Erfurt, auch an die großen Anfangs-Schwierigkeiten. Heute firmiert das Vermessungsamt als Amt für Geoinformation und Bodenordnung, nimmt u. a. über Stadtgrundkarte und Geobasisdaten Querschnittsaufgaben für die gesamte Kommune wahr. Im Vortrag des Abteilungsleiters Bodenordnung, Dipl.-Ing. Torben Stefani, wurden ergänzend praktische innerstädtische Bodenordnungsverfahren in Erfurt vorgestellt. Im Zentrum des Vormittagsprogramms stand der Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter, Uni Bonn, zum Thema „Entwicklungen der Innenstädte unter Anwendung von Bodenordnungsverfahren nach dem BauGB“. In den Mittelpunk seiner Ausführungen stellte er die heute aktuelle „Innere Stadterweiterung“. Mit bundesweiten Beispielen zeigte er die Möglichkeiten der Reurbanisierung der Städte über die Aktivierung von Baulücken, Brachflächen, Aussiedlung störender Betriebe – unter zweckmäßiger Anwendung der gesetzlichen und freiwilligen Umlegung, von städtebaulichen Verträgen – insgesamt dem vielfältigen Spektrum bodenpolitischer Instrumente.

             Unter der Moderation von Dipl.-Ing Gisela Zeh, Nordhausen, entwickelte sich ein hochinteressantes Kolloquium, das nach einer Kaffee- und Mittagspause fortgesetzt wurde. Dann stand ein Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Frank Schwarzbach, HfTuW Dresden über „Aktuelle Herausforderungen für kommunale  Geoinformationssysteme“ sowie ein Beitrag zu GIS-Anwendungen auf dem Programm.

             Frau Bayer war erfreut, im vollbesetzten Auditorium mit zahlreichen heutigen und ehemaligen Mitarbeitern insbesondere auch den Vorsitzenden des Dt. Vereins für Vermessungswesen, Prof. Dr.-Ing. Karl-Friedrich Thöne, begrüßen zu können, daneben waren u. a. die Kollegen Krüger aus Dresden, Seiler aus Nürnberg, Dr. Wegener aus Hannover sowie die früheren Kollegen Luft aus Wiesbaden und Prof.Dr. Lucht aus Bremen der Einladung gefolgt. Letzterer gratulierte Frau Bayer aus seiner früheren Funktion im Deutschen Städtetag heraus zu ihrem erfolgreichen Wirken in den vergangenen 20 Jahren. Und er erinnerte er an die Umbruchsituation 1989/90 und daran, wie der frühere Präsident des Deutschen Städtetages Manfred Rommel aus Stuttgart die seinerzeitigen gewaltigen Herausforderung mit den Worten umschrieben hatte, es habe damals im Osten auch im Verwaltungsrecht für die ostdeutschen Fachkräfte in der Stunde Null eine Situation geherrscht, für den Westen vergleichbar, als werde chinesisch als Amtssprache eingeführt (siehe auch Mitt. Nr. 352). – 26. 09. 2010  

 

 

360.   In 2 Wochen startet die INTERGEO in Köln

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359.   Astronomisches Horizontobservatorium - Museumsbesuch Dortmund

             Seit 2008 steht auf der Halde Hoheward zwischen Herten und Recklinghausen ein modernes Horizontobservatorium, erbaut vom Regionalverband Ruhrgebiet, realisiert unter maßgeblicher Beteiligung unseres Mitglieds, Vermessungs- und Liegenschaftsdirektor Dieter Wewer. Hauptmerkmal sind auf einer kreisrunden Fläche von 80m Durchmesser die beiden riesengroßen Bögen, Meridianbogen und Äquatorbogen, mit einem Durchmesser von 91 bzw. 95 m. Mit der für das Bauwerk entwickelten Architektur werden die Bahnen von Sonne, Mond und Sternen in den verschiedenen Jahreszeiten und die Zyklen der Gestirne in besonderer Weise erlebbar. Ein hoher Obelisk ist klassischer Schattenstab einer ausgeklügelten Sonnenuhr  – insgesamt ein modernes Stonehenge auf 152 m Meereshöhe mit weitem Blick über das grüne Ruhrgebiet (Siehe http://www.horizontastronomie.de/ ). Den hochinteressanten Besuch dieses ungewöhnlichen Bauwerks organisierte Prof. Dr.-Ing. Hans Hahn, vormals FHBochum und ebenfalls Mitglied unseres Förderkreises, im Rahmen eines Semestertreffens. 50 Jahre nach dem Studium der Geodäsie an der Uni Hannover (damals noch TH) wurden so Erinnerungen wach an Astronomie-Vorlesungen bei dem unvergessenen Prof. Karl Pilowski.

             Nach Führungen im alten Dorf Westerholt und durch die ehemalige Steinkohlenzeche Zollverein (UNESCO-Weltkulturerbe 2001) haben einige Kollegen mit ihren Damen abschließend das Vermessungsmuseum in Dortmund besucht. Zahlreiche Ausstellungsstücke lösten vielfältige Erinnerungen an die eigene frühere Praxis aus, so u. a. in der analogen photogrammetrischen Auswertung, den erlebten Entwicklungen in der elektronischen Entfernungsmessung, an Berechnungen mit der Brunsviga-Kurbelrechenmaschine. – 12.09.2010

358.   Dortmunder Museumsnacht am 25. September 2010 

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357.   Geschichte der Hamburger Triangulation

             Ein neues Sonderheft aus der Feder der Hamburger Kollegen Gerd Hoffmann, Heinrich Meurers und Karl-Heinz Nerkamp – eine hochinteressant aufgearbeitete Zusammenstellung zur Hamburger Vermessungsgeschichte von um 1814 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.

             Beginnend mit einem besonders lesenswerten Rückblick auf u. a. Eratosthenes, Snellius als Zitat aus dem Göschen-Band „Geodäsie“ von Reinhertz 1899, über die Kapitel  „Längenmaß und Nullmeridian“ mit Hinweisen auf die französische Triangulation zur Bestimmung des Urmeters (1791 – 1799, siehe unsere Mitt. Nr. 353), zur Vorgeschichte des Nullmeridians von Ferro und Greenwich, führt die Einleitung über „Frühe Karten und Vermessungen“ zur ersten Triangulation von Hamburg 1814. Original-Zeichnungen der in der Franzosenzeit errichteten Brücke im Norden der Wilhelmsburger Elbinsel illustrieren die damalige Zeit, und: Wo ist innerhalb der noch engen Hamburger Stadtgrenzen Platz für eine Basismessung? „Das Kriegsunglück …bot eine vortreffliche Gelegenheit“ eine Standlinie von ca. 8000 Fuß zu erkunden, schildert der Grenz-Inspektor J. T. Reinke seine Nöte für sein in Privatinitiative begonnene erstes „Koordinatensystem Hamburg“ mit dem Nullpunkt Michaeliskirche. Reinkes erster trigonometrischer Vermessung kommt insoweit eine besondere historische Bedeutung zu, weil H. C. Schumacher aus dieser Wilhelmsburger Basis die erste Längenberechnung seiner Braaker Basis  ableitete. Heinrich Meurers konnte in einer aktuellen Auswertung jener historischen Vermessungen einen Punktlagefehler von nur 4 cm nachweisen. Auch die damals ermittelten Geographischen Koordinaten für den Michaelisturm waren bereits relativ genau. Dessen Vermessungs- wie ebenso Baugeschichte werden erörtert, einschließlich der beobachteten Wanderungen der Kirchturmspitze.

             Ausführlich wird der Hamburger Obervermessungsrat Gurlitt zitiert, der in der zfv 1931 alle Aspekte der Entwicklung der Triangulationen in Hamburg zusammengefaßt hatte. Namen wie Obergeometer Heinrich Stück, Friedrich Hermann Reitz, Spankern aus Schleswig-Holstein, H. C. Schumacher und selbst Gauß finden mit ihrem Wirken besondere  Erwähnung.

             Die unterschiedlichen Meßverfahren im 19. Jahrhundert und später vor und nach der Zäsur des Zweiten Weltkriegs werden deutlich, insbesondere erläutert mit oft farbigen Abbildungen einer Reihe von Originaldokumenten und von Netzskizzen. Das Preußische Netz und Triangulationen im Umland sind ebenso Thema, wie widersprüchliche Ergebnisse für die Bestimmung der Braaker Basis, die (auch mit ihren Auswirkungen in angrenzende Netze) mehrfach Gegenstand kritischer Untersuchungen waren.

             Das Sonderheft umfaßt 36 Seiten im Format DIN A4 und wendet sich in erster Linie an den technischen Nachwuchs sowie an interessierte Kolleginnen und Kollegen. „Mit Einführung der Satellitengeodäsie SAPOS wird das alte, historisch gewachsene Triangulationsnetz nicht mehr benötigt“, postulieren die Autoren den Wandel in die neue Zeit. - Die Autoren Hoffmann, Meurers und Nerkamp präsentieren eine interessante Dokumentation eines wesentlichen Kapitels knapp 200-jähriger Hamburger Vermessungsgeschichte.

             Quelle: Freie Hansestadt Hamburg – Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung – GV-Aktuell Sonderheft 2010. Interessenten wenden sich an karl-heinz.nerkamp@gv.hamburg.de . Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 294 und 296. – 30.08.10    

 

356.   Die Jagd nach dem Urmeter – Ein Film auf ARTE – Wiederholung!

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355.   DVW und VDV rufen zur Vermessungsgeschichte nach Wolfenbüttel 

Die angekündigte Veranstaltung kann nicht wie geplant im September d. J. stattfinden, sie soll im kommenden Jahr realisiert werden, wie die Veranstalter mitteilten. - 20.08.10

             

354.   Museumshandbuch im Spiegel von Buch-Besprechungen  

            Das Museumshandbuch zum Vermessungstechnischen Museum in Dortmund wurde anläßlich der INTERGEO in Karlsruhe 2009 vorgestellt (siehe unsere Mitt. Nr. 313).

            Im FORUM 4/2009 des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure schreibt Guido Müller, Berlin „Das Buch im A4-Format ist komplett überarbeitet und wesentlich erweitert und damit auf den heutigen Wissensstand gebracht worden. Es richtet sich nicht nur an Vermessungsspezialisten, sondern bietet auch Nichtfachleuten aussagefähige und verständliche Informationen. …. Das Museumshandbuch ist qualitativ hochwertig gestaltet und eignet sich daher, wie bereits die vorherigen Auflagen, auch sehr gut als Geschenk.“

            Willibald Dores schreibt im VDVmagazin 6/09 S. 514: "Wer ...ein wirklich interessantes und auch repräsentatives Buchgeschenk sucht, ist mit der dritten ... erweiterten Auflage des Museumshandbuchs "Vermessungsgeschichte" gut beraten". Er hebt hervor, das Werk zeige u.a. die Walldseemüller-Weltkarte von 1507 auf einer Doppelseite in bester Qualität, den Großtheodoliten Pistror & Martins von 1861 und Sartorius von 1910 als Einseitendruck und begrüßt den erheblich erweiterten Aufsatzteil, u.a. mit der Dokumentation des nun abgeschlossenen Kapitels der analogen Führung des Liegenschaftskatasters und insgesamt das "erbauend aufgefrischte Nachschlagewerk".

            Prof. Dr.-Ing. Walter Seele, St. Augustin, bespricht das Werk in der Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung (fub) Heft 2/2010 S. VI:  „… Das Museumshandbuch bietet in der Aufmachung eine schmucke Darstellung und im Inhalt einen soliden Ein- und Überblick wozu und wie die Erdoberfläche im Ganzen wie in Stücken mit ihren natürlichen Erscheinungsformen und von Menschenhand gestalteten Flächen und künstlichen Anlagen seit dem Altertum im Laufe der Zeit vermessen wurde.“  Und er hebt hervor, das grundsätzliche Ziel auch dieser 3. Auflage bleibe, eine insbesondere auch für Nichtfachleute aussagefähige Quelle zur Vermessungsgeschichte zu sein.

            Der Eratosthenes-Preisträger 2001 Frank Reichert, BDVI Brandenburg, berichtet in der Zs. „Vermessung Brandenburg“ 2/2009 u. a. von einem gut gestalteten, sehr informativen und ausführlichen Überblick, wie sich die Methoden und Instrumente des Vermessungswesens von der Antike bis heute entwickelt haben. …Beginnend mit der Karte als dem sichtbaren Endprodukt der Arbeit des Vermessungsingenieurs werden in sieben einzelnen Kapiteln die Themen Erdmessung, Landesvermessung, Feldmeßkunst, Höhenmessung und Grenzabmarkung umfassend behandelt und durch Abbildungen und Beschreibungen der Ausstellungsstücke eindrucksvoll illustriert. Hervorzuheben sind hier u. a. mehrere Großtheodolite und  der in einer Spendenaktion 2005 erworbene Dollond-Theodolit von ca. 1770 (S. 299). Der an den Ausstellungsteil anschließende 11 Beiträge umfassende Aufsatzteil ergänzt das Handbuch um fundierte Informationen über Instrumentenmacher, Kartenherstellung, Schwerefeldbestimmungen, historische Landestriangulationen, historische Abmarkungen, Maßgeschichte, Rechenmaschinen usw. Der Intention eines Museumshandbuchs folgend, bietet der Katalog sowohl dem Vermessungsspezialisten als auch dem interessierten Laien eine systematische Einführung in die Geschichte des Fachgebiets.

            Juliane Bedijs, Hannover, schreibt in der zfv 2010 S. 204 „… Besonders interessant sind die Abschnitte, die sich mit der Feldmeßkunst im alten Ägypten und der Ingenieurvermessung in der Antike beschäftigen…Doch auch moderne Methoden … kommen nicht zu kurz. … Einen vertieften Einblick in die Wissenschaft der Geodäten erhält der Leser im Aufsatzteil … Schwerefeldbestimmung … Rechentechnik von Abakus bis Handcomputer…..“ Das umfassende Glossar mit den wichtigsten Begriffen und Namen des Vermessungswesens runde das Buch ab. Die Buchbesprechung der gleichen Autorin, ist in verkürzter Fassung in den Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung, Heft 1/2010 S. 49, erschienen.  

            In den Allgemeinen Vermessungsnachrichten (AVN) Heft 4/2010 S. 157 ist ausführlich mit unseren Halbjahres-Nachrichten 1/2010 über das Museumshandbuch informiert worden. Der Förderkreis ist daran interessiert, weitere veröffentlichte Buchbesprechungen zu erfahren – bitte per Mail an den Redakteur dieser Mitteilungen oder an unseren Geschäftsführer. 

            Das 300 Seiten umfassende Buch dient Präsidenten und Vorsitzenden der Verbände gerne auch als repräsentatives Geschenk – so kürzlich dem Präsidenten des DVW, Karl-Friedrich Thöne, der dem ausscheidenden Vorsitzenden des DVW Mecklenburg-Vorpommern Ullrich Frisch das Museumshandbuch überreichte (zfv 4/2010 Seite n-34). Der Präsident des Förderkreises konnte jüngst anläßlich eines Semestertreffens dem Ratskellermeister Hans-Josef Krötz ein Exemplar überreichen, nun Teil der Bücherei des weltberühmten Bremer Ratskellers (über 600 Jahre alt, über 650 Deutsche Weine).  

            Der Förderkreis ist auf der kommenden INTERGEO in Köln wieder mit seinem Stand vertreten. Dort kann das Museumshandbuch zum Preis von  € 30 erworben werden. Bei Postversand über unseren Geschäftsführer Klaus-D. Lehmann sind incl. Verpackung und Versand € 35 zu überweisen. – 14.08.10

 

 

353.   Die Jagd nach dem Urmeter – Ein Film auf ARTE –

            Am Samstag, den 7. August 2010 um 20:15 Uhr zeigt der TV- Sender ARTE in der Serie Terra x  „Die Jagd nach dem Urmeter“, einen  uns vermessungshistorisch Interessierte besonders ansprechender Film über die Französische Gradmessung von Dünkirchen bis Barcelona 1792 - 1799.

            Im Jahr 1799 legen die französischen Astronomen Delambre und Méchain in Paris ihre Daten vor. Sieben Jahre lang waren sie unterwegs, um den Meridian, der durch Frankreich verläuft, in zuvor nie erreichter Präzision zu vermessen und der Welt ein neues, einheitliches Maß zu geben, das metrische System. Der zehnmillionste Teil der Strecke vom Pol bis zum Äquator soll das neue Längenmaß bilden. Die Dokumentation folgt den Spuren der beiden Astronomen.  
            Als sich Delambe und Méchain auf den Weg machten, ahnten sie nicht, daß ihre Mission sieben Jahre dauern würde. Sie geraten in die Revolutionswirren und den französisch-spanischen Krieg, müssen sich gegen technikfeindliche Bauern wehren und werden zum Spielball der Mächtigen in Paris. Als Méchain dann noch einen Meßfehler entdeckt, verliert er fast den Verstand und weigert sich, nach Paris zurückzukehren.

Mit aufwendigen Dreharbeiten an Originalschauplätzen begibt sich "Terra X" auf die Spuren von Delambre und Méchain. Die Astronomen hatten ein damals vollkommen neuartiges Instrument zur Verfügung, den Bordakreis, der Messungen von nicht gekannter Präzision erlaubte. Das Nationale Geografische Institut in Paris stellte für die Dreharbeiten einen Original Bordakreis aus dem Jahre 1792 zur Verfügung. - Unser Vermessungsmuseum in Dortmund verfügt ebenfalls über einen Bordakreis, siehe auch Museumshandbuch S. 58.  

            Die Sendung wird wiederholt am Sonntag, den 8. August um 14:55 Uhr. Den Hinweis auf die Sendetermine verdanken wir unserem Eratosthenes-Preisträger Manfred Spata.

            Und ergänzend sei verwiesen auf das Buch von Ken Alder „Das Maß der Welt – Die Suche nach dem Urmeter“ (Goldmann-Verlag München, 1. Auflage als Taschenbuch Juni 2005, 543 Seiten – ISBN 3-442-15335-2), das wesentliche Grundlage für das Drehbuch gewesen ist, Ken Alder tritt im Film als wissenschaftlicher Kommentator auf. - Der Kongreßdirektors der so erfolgreichen INTERGEO 2008 Bremen, Martin Fliege, erfreute einige seiner Mitstreiter mit genau diesem Taschenbuch. Hingewiesen sei auch auf u.a. die Veröffentlichungen von Helmut Minow: "Abendteuer und wissenschaftliche Leistung - Die Meridiangradmessung 1792 - 1798 zwischen Dünkirchen und Barcelona" in Zs. Der Vermessungsingenieur 2005 S. 306 - 311 (mit weiterreichender Literatur) und von unserem Eratosthenes-Preisträger Bernhard Zimmermann: "D. F. Arago und die französische Gradmessung" in Zs. Der Vermessungsingenieur 2006 S. 288 - 290. - 02. 08. 10/ 30. 08. 10

 

 

 

352.   Erlebte Vermessungsgeschichte – Umwälzungen in den „neuen Ländern“ vor 20 Jahren

             Politische Wende 1989/90 in Deutschland – erhebliche Herausforderungen auch für das Vermessungs-, Kataster- und Liegenschaftswesen. Deutscher Städtetag, Länderarbeitsgemeinschaft AdV, Berufsverbände, insgesamt das deutsche Vermessungswesen stellte sich dieser Herausforderung: Das Vermessungs-, Kataster- und Liegenschaftswesen hatte in der DDR eine ganz andere Entwicklung genommen als in der Bundesrepublik, bedingt durch über 40 Jahre einer ganz anderen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, einer veränderten, geradezu nachrangigen Rolle des Grund und Bodens im Wirtschaftsleben.

            Als Folge des Einigungsvertrages von 1990 wurde in den „neuen Ländern“ sehr schnell das über Jahrzehnte entwickelte westdeutsche Fachrecht eingeführt. Manfred Rommel, Präsident des deutschen Städtetages schrieb im November 1991.Die ostdeutschen Kommunalpolitiker haben es unglaublich schwer. Die Einführung von westdeutschem Verfassungs- und Verwaltungsrecht von einem Tag auf den anderen wirkte ungefähr so, als ob bei uns im Westen Chinesisch als Amtssprache  eingeführt würde…..Ich ziehe vor den ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen tief den Hut, auch vor dem, was sie in der verhältnismäßig kurzen Zeit bereits mit äußerst bescheidenen Mitteln zu leisten imstande waren.“

            In den ostdeutschen Städten herrschte erheblicher Fachpersonal-Mangel, einhergehend mit schwierigen Unterbringungsverhältnissen, teilweise veralteter Automationstechnik. Die unterschiedlichsten Kräfte aus dem Westen waren damals bemüht, beim Neuaufbau des Vermessungswesens in der ehemaligen DDR mitzuwirken, es gab Vorschläge, Papiere, Memoranden mit ganz unterschiedlichen Zielrichtungen. Die westdeutschen Städte und Länder und haben mit großem Einsatz unterstützend gewirkt – personell und finanziell.

            Der Fachbeitrag „Vor 20 Jahren – Aus der Arbeit im Deutschen Städtetag nach der politischen Wende“ in der zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement“, Heft 3/2010, Seiten 143 bis 151 schildert die damalige Situation und dokumentiert die Aktivitäten der Fachkommission „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ im Deutschen Städtetag in jenen Jahren, zugleich mit einem kurzen Einblick in das Wirken der Länderarbeitsgemeinschaft AdV. Siehe: www.haraldlucht.eu/Lucht_zfv_3_2010.pdf . - 25. 07. 10

 

351.   150 Jahre Stadtvermessung Hannover

            1860 gründete die Stadt Hannover ein Vermessungsbüro, das am 23. Juni 1860 seine Arbeit aufnahm. Taggenau 150 Jahre später begrüßte Oberbürgermeister Stephan Weil im Mosaiksaal des ehrwürdigen Neuen Rathauses zahlreiche Gäste und besonders den früheren Amtsleiter Prof. Gustav Bohnsack. Er beglückwünschte ihn und den seit 1986 an der Spitze der Stadtvermessung in Hannover so erfolgreich wirkenden Dr. Bernd Wegener und seine Mitarbeiterschaft zu diesem besonderen Jubiläum und bekannte, von der Stadtvermessung eigentlich nur den vorzüglichen Stadtplan zu kennen. Er wisse jedoch, dies sei nur die Spitze des Eisbergs, für planvolle Stadtentwicklung sei die Stadtvermessung das unsichtbare und unverzichtbare Fundament. Stadtbaurat Uwe Bodemann begrüßte die große Fachkollegenschaft aus Verwaltung und Wissenschaft und dankte Dr. Bernd Wegener für die hohe Flexibilität in der Aufgabenbewältigung. Unter den zahlreichen Besuchern waren u. a. die Amtsleiter der Stadtvermessung aus Kiel, Magdeburg, Nürnberg, vom KVR aus Essen, aus Braunschweig, Göttingen, Hildesheim.  

            Beginn und Entwicklung der Stadtvermessung Hannover ist in einer hervorragend gestalteten Druckschrift dargestellt, erarbeitet nach intensiven Recherchen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtvermessung. Am Beginn stand einst der Major a. D. und Geometrielehrer am Polytechnikum Hannover, H. L. W. Arnold Deichmann, die Gründung war ausgelöst von der Stadterweiterung 1859. – Die Stadtvermessung Hannover war nach dem Zweiten Weltkrieg selbständiges Amt, Teil des Stadtplanungsamts, wieder selbständiges Amt und seit 2003 Bereich Geoinformation im Fachbereich Planen und Stadtentwicklung. Gegenwärtig steht angesichts der leeren städtischen Kassen und des landesweit eingeführten neuen kommunalen Rechnungswesens (NKR) vor allem die Bewertung der städtischen Immobilien im besonderen Fokus.

            Stadtdirektor Karlheinz Jäger, Leiter des Stadtmessungsamtes Stuttgart und Vorsitzender des Städtetagsausschusses "Kommunales Vermessungswesen und Geoinformationen", spannte in seinem Festvortrag "Geodaten und Geodäten" einen weiten Bogen von frühester Vermessungsgeschichte bis in Gegenwart und Zukunft. Seine historischen Mosaiksteine waren u. a. die Feldmesser in Ägypten (als Hohe Priester mit hohem Ansehen, er meinte, das wäre heute wohl zu relativieren), der Plan von Nippur (bereits überraschend maßstäblich), die Ebstorfer Weltkarte (als nur ein Bild), die Stadtansichten von Merian zu Stuttgart 1634 (als ein erster Stadtplan) und Hannover 1654 (als eindrucksvolle Silhouette). Ausgelöst durch den zunehmenden IT-Einsatz gab es in den vergangenen Jahrzehnten einen erheblichen Wandel in der Aufgabenerledigung. Heute werden frühere Separatlösungen durch integrative Ansätze ersetzt. Der weitere Auf- und Ausbau von fachübergreifenden kommunalen Geodateninfrastrukturen (GDI) und Geoportalen sowie einem abgestimmten Geodatenmanagement kommt in den Städten eine entscheidende Bedeutung zu. Geodaten sind Zukunftsrohstoff, sie sind Garanten für Innovationen und qualitätsvolle Dienstleistungen, Grundlage einer prosperierenden Wirtschaft.

            Eine begleitende Ausstellung zeigte das heutige Wirken der seit 2003 als „Geoinformation“ firmierenden Stadtvermessung Hannover. Tafeln informierten über die vielfältigen heutigen Aufgaben, so über Liegenschaftsvermessungen und Bauwerksüberwachungen, die Stadtkarte 1:1000 als Basis breiter Anwendungen in der Stadtverwaltung, über Luftbildauswertungen und das seit 1951 gepflegte Luftbildarchiv, die Architekturfotografie, über Grundstücksbewertung und städtischen Liegenschaftsnachweis. Zeitaufwendige Aufgaben sind auch die politisch geforderten Straßennamenumbenennungen bei Personen, deren damalige Ziele und Wertvorstellungen heute im Widerspruch zu Verfassung und Menschenrechten stehend gesehen werden. – Im Online-Shop sind reichhaltige thematische Karten im Angebot. Die 19. und Jubiläumsausgabe der Stadtkarte Hannover 1:20 000, seit 1951 mit einer Gesamtauflage von 358.000 Exemplaren für die Messe- und Expo-2000-Stadt Hannover, ist ein besonderes, sechsfarbiges Aushängeschild der Stadtvermessung. Ein ausführlicher Bericht ist in der zfv 4/2010 S. 292 - 293 erschienen. – 15.07.10/ 30.08.10 

 

 

350.  Unser Auftritt bei der INTERGEO in Köln

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349.  Bundesbaugesetz vor 50 Jahren verkündet

           Vor 50 Jahren, am 29. Juni 1960, wurde das Bundesbaugesetz (BBauG) verkündet (BGBl. I S. 341). In 10 Kapiteln („Teilen“) wurde mit insgesamt 189 Paragraphen ein einheitliches „Grundgesetz des Städtebaus“ geschaffen, seit 1987 zum Baugesetzbuch erweitert. Das Bau- und Planungsrecht (Bauleitplanung, Vorkaufsrecht, Regelung der baulichen Nutzung), die städtische Bodenordnung und Grenzregelung, das Enteignungs- und Erschließungsrecht sind damals auf eine bundeseinheitliche Grundlage gestellt worden. Die Grundstückswertermittlung hat mit der Einrichtung der Gutachterausschüsse, der Kaufpreissammlung eine besondere Bedeutung für die Markttransparenz gewonnen (bis 1960 galt formal noch die „Preisstopp-Verordnung von 1936). Das BBauG ist u. a. von den Fachkollegen  im damaligen Städtetagsausschuß „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ – also aus der praktischen Erfahrung heraus – intensiv mit vorbereitet worden. Diese Vorarbeiten sind insbesondere mit den Namen der Fachkollegen Bonczek (vergl. Mitt. Nr. 213), Dr. Röhrs (Mitt. 252), Overhoff (Mitt. 298), Stahnke (Mitt. 298) u. a. verbunden. Siehe auch Mitt. Nr. 192.

           Das Bundesbaugesetz war nach 1960 im Vermessungsbereich insbesondere für die Arbeit der (kommunalen) Vermessungs- und Katasterämter, der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure, insgesamt der Ortsinstanzen von besonderer Bedeutung. Neben der Grundstückswertermittlung entfachte die Bodenordnung (in Fortsetzung der Regelungen der Aufbaugesetze) eine städtebaulich große Wirkung. So ist z.B. der gesamte Innenstadtbereich von Dortmund in den 50-iger und 60-igerJahren neu geordnet worden, begonnen zunächst auf der Grundlage von Vorgängerverordnungen aus früherem Umlegungsrecht, dann des Aufbaugesetzes NW von 1952 und schließlich des BBauG.

             Vor 1960 war bereits über 30 Jahre versucht worden, das Baurecht zu ordnen und es den jeweils neuen Entwicklungen auf dem Gebiet des Städtebaus anzupassen. Bereits 1926 und 1929 wurden in Preußen entsprechende Gesetzentwürfe ausgearbeitet, jedoch nicht verabschiedet; ebenso erging  es einem Reichsstädtebaugesetzentwurf aus dem Jahr 1931. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die westdeutschen Länder – mit Ausnahme von Bayern und Bremen – zunächst Aufbaugesetze nach dem von ihnen gemeinsam erarbeiteten „Lemgoer Entwurf“ erlassen. Obwohl diese sich generell bewährt hatten, konnten sie nicht die Aufsplitterung auf dem Gebiet des Baurechts beseitigen. Das wird daraus deutlich, daß 1960 im Bundesbaugesetz insgesamt 67 (!) Gesetze und Verordnungen des Bundes und der Länder außer Kraft zu setzen waren.

             Das Bundesbaugesetz (BBauG) mit den Regelungen zum allgemeinen Städtebaurecht und das ergänzend dazu geschaffene Städtebauförderungsgesetz (StBauFG) vom 27. Juli 1971 mit Regelungen zum besonderen Städtebaurecht (v. a. Sanierungsrecht) wurden zum 1. Juli 1987 in überarbeiteter Form im "Baugesetzbuch" (BauGB) zusammengefaßt und mehrfach novelliert. Vor 50 Jahren wurde das Bau- und Planungsrecht in der (alten) Bundesrepublik endlich vereinheitlicht. – 29.06.10/26.07.10

 

 

348.   Hartwig Junius zur Vollendung des 70. Lebensjahres.  

            Seit über 30 Jahren ist Dr.-Ing. habil. Hartwig Junius ein ruhender Pol in unserem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund. Geboren am 20. Juni 1940 in Hemer bei Iserlohn hat er als akademischer Lehrer mehr als einer ganzen Generation von Raumplanern den Vermessungsberuf nahegebracht. Nach Studium an der Universität Bonn wurde er Akademischer Oberrat und später Privatdozent an der Universität Dortmund. Zunächst seit 1969 bei Prof. Dr.-Ing. Walter Seele, anschließend bei Prof. Dr. jur. Hartmut Dietrich und Prof. Dr. iur. Benjamin Davy. - Hartwig Junius ist den Lehrstuhlinhabern in der Fakultät für Raumplanung zur unentbehrlichen „rechten Hand“ geworden. 1991 habilitiert und lehrend insbesondere in den Fachgebieten Planungskartographie und Geoinformationssysteme.  Vielen „seiner“ Studentinnen und Studenten hat er so die Vermessungskunst in umfassender Weise nahegebracht und ist ihnen in seiner zielführenden und zugleich menschlich-verständnisvollen Art in bester Erinnerung.

             Im Förderkreis wirkt Hartwig Junius seit 1979, seit 1982 als Geschäftsführender Vorsitzender des Kuratoriums und seit über 10 Jahren in gleicher Funktion als dessen Stellvertretender Vorsitzender. Ihm ist der Start 1981 in die Organisation der im 3-Jahres-Abstand durchgeführten Symposien zur Vermessungsgeschichte zu danken, verbunden mit der Herausgabe der Symposiumsbände. Mit "Von der Allmende bis zum heutigen Privateigentum" begann die Reihe seiner Symposien. Seit einer Reihe von Jahren hat er sich auch zusätzlich in die Pflicht der Führung unserer umfangreichen Fachbibliothek nehmen lassen. Die Pflege dieses ungemein großen Wissens-Reichtums ist ihm schnell zum Herzensanliegen geworden. Weil er jüngst nicht nachließ, für den Kauf eines für sich gesehen teuren kleinen Buchs im Vorstand zu werben, können wir nun hoffen, daß der „Wiehen-Wagen“ bei Volkswagen in Kassel-Baunatal Realität wird (vergl. unsere Mitt. Nr. 324).

             Wir gratulieren unserem „Guten Geist“ im Förderkreis Dr. Hartwig Junius herzlich zu seinem besonderen Ehrentag. Er wird sicher im Kreise seiner großen Familie und zusammen mit seinen 9 Enkelkindern feiern – unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried wird unsere besten Wünsche persönlich überbringen. – 20.06.10

     

347.   Konrad Zuse vor 100 Jahren geboren – 10 Euro Gedenkmünze

            Konrad Zuse (geboren 22. Juni 1910 in Berlin, gestorben 18. Dezember 1995 in Hünfeld nahe Fulda) gilt heute unbestritten als Erfinder des Computers. Nach Jugendjahren in Ostpreußen, Abitur in Hoyerswerda in der Lausitz/Sachsen beendete er 1935 sein Studium mit dem Diplom als Bauingenieur an der TH Berlin-Charlottenburg. Bereits aus jener Zeit stammten erste Vorüberlegungen für einen programmierbaren Rechner. Die Z 1 war 1938 fertiggestellt - im heimischen Wohnzimmer, ebenso 1941 die Z 3 - ein vollautomatischer in binärer Gleitkommaberechnung arbeitender Rechner mit Speicher und Zentraleinheit aus mehren Tausend Telefonrelais. Die Z 3 gilt heute als der erste funktionstüchtige Computer der Welt.

           1949 gründete der Erfinder die Zuse KG nahe Hünfeld. Bald nach Bad Hersfeld verlegt, folgte die Zusammenarbeit mit Nixdorf, später Übernahme durch Siemens. – Die Anwendungen im Vermessungsbereich begannen in den 50-iger Jahren in einer fruchtbare Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsverwaltung, wo der Relais-Rechner Z11 lange eingesetzt wurde.  Bald darauf war die Z22 entwickelt, der erste elektronische (Röhren-) Rechner, der ebenfalls vielfach in den Vermessungsverwaltungen arbeitete. – 

            Das Vermessungstechnische Museum in Dortmund besitzt in seiner Magazinsammlung eine Rechenanlage Zuse Z11 sowie einen Graphomaten Z64. - Eine außerordentlich reichhaltige Sammlung befindet sich im Konrad Zuse Museum in Hünfeld nahe Fulda, dort sind u.a. die Z1, Z3, Z4. Z11, Z22 und der Graphomat Z64 ausgestellt (vergl. unsere Mitt. Nr. 195).

           Zum 100. Geburtstag von Konrad Zuse erinnern bundesweit Ausstellungen, Vorträge und Workshops an sein Leben und Werk und machen auf die Aktualität seiner Erfindung im digitalen Zeitalter aufmerksam, siehe insbesondere http://www.zuse-jahr-2010.de/. und www.zuse.de sowie unsere Mitt. Nr. 341.

           Am 10. Juni 2010 ist eine 10 Euro-Gedenkmünze in Verkehr gebracht worden. Im Mittelpunkt der Bildseite steht ein Quadrat mit zahlreichen binären Zahlen 0 und 1, teilweise überlagert durch ein stilisiertes Profil von Konrad Zuse – und eingefaßt von (oben) einem Lochstreifen und seitlich von den Rechnerbezeichnungen Z1 bis Z5, Z11, Z22, Z23, Z25, Z31 und Z64 sowie (unten) mit der Schrift KONRAD ZUSE 1910 – 1995.  Der glatte Münzrand enthält in vertiefter Prägung die Inschrift KONRAD ZUSE - VISIONÄR ZWISCHEN NULL UND EINS. -  (BGBl. I S. 687).  – 15./20.06.10

 

346.   Mercator-Symposium im Februar 2011 - Vorankündigung

………..

 

 

345.   Prof. Dr. Erich Weiß geehrt

Der Zweite Vorsitzende unseres Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. mult Erich Weiß, Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft i. R. der Universität Bonn wurde von der Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie der Universität Lubljana die goldene Plakette für hervorragende Zusammenarbeit verliehen. Erich Weiß hat über eine Reihe von Jahren für einen engen Studienaustausch von Studenten und Assistenten mit der Uni Lubljana gesorgt und zusammen mit der slowenischen Kollegin Prof. Dr. Maruska Subic Kovacein ein Buch über Städtebauliche Bodenordnungsmodelle aus der Bundesrepublik Deutschland verfaßt. Wir gratulieren zu dieser erneuten Ehrung (Vergl. auch unsere Mitt. 310). - 26. 05. 1o

344.   175 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen – Gründung eines Katasterbüros in Bremen 1835

           Am 15. Mai 1835 beschloß die Bremische Bürgerschaft auf Vorschlag der Finanzdeputation, ein „Cataster-Bureau“ zu gründen. Das war der Geburtstag des Katasteramts Bremen, 1939 umbenannt in Katasterverwaltung der Freien Hansestadt Bremen, 1941 Vermessungsamt der Stadt Bremen,1945  bis 1995  (50 Jahre) Kataster- und Vermessungsverwaltung Bremen, seit 1995 Wirtschaftsbetrieb „Kataster und Vermessung Bremen“, seit 2003 als Eigenbetrieb „GeoInformation Bremen“. Allein diese Namenskette signalisiert eine zeit-typische Entwicklungsgeschichte – und gegenwärtig ist eine Rückumwandlung in eine Behörde neu im Gespräch – wieder Katasteramt Bremen?

           Am Beginn vor 175 Jahren standen als dringlich erkannte Erfordernisse aus dem Finanz- und aus dem Bauwesen, hier insbesondere aus dem Tiefbau. Bereits 1813/15 hatte A. E. von Weltzien dem bremischen Senat ein ausführliches Memorandum unterbreitet über „Die Verfertigung eines Lagerbuchs oder Catasters für die Gemeinden des Gebiets der Freyen Hansestadt Bremen“ – angeregt durch eigene Erfahrungen in französischen Diensten. Es sollte noch 20 Jahre dauern, bis es zur Gründung des Katasterbüros kam. Es war der damals höchste Beamte, Wasserbaudirektor Blohm, der zu den grundsteuerlichen Erfordernissen die bautechnischen und planerischen Notwendigkeiten einbrachte, für ausreichende Karten zu sorgen, für den Chaussee- und Wegebau, zur Erschließung von Bauflächen, für den Deichbau. Schon damals mußten offenbar handfeste Praxis-Erfordernisse in den Vordergrund gerückt werden, um Allgemeinerfordernisse durchzusetzen. –

           Die leitenden bremischen Behördenleiter haben in der Vergangenheit gerne die Gelegenheit „runder Geburtstage“ genutzt, um den in der Allgemeinheit meist wenig beachteten Dienst des „Katasteramts“ in die Öffentlichkeit zu tragen, jenen unverzichtbaren Dienst für das Gemeinwesen, die Wirtschaft und den Bürger generell im Grundstückswesen, für das Bodeneigentum und das Liegenschaftskataster, in der Bodenordnung und Grundstücksbewertung, die Stadtkartographie und Stadtdokumentation, für die Stadt- und Verkehrsplanung. Die Jubiläen 100 Jahre Katasteramt 1935, 125 Jahre Kataster- und Vermessungsverwaltung 1960 und zuletzt 1985 das Jubiläum 150 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen sind durch große festliche Veranstaltungen gewürdigt worden - jeweils ergänzt mit in einer in die breite Öffentlichkeit wirkende Ausstellung (siehe u. a. die Veröffentlichungen von Brinkmann 1935, Erxleben 1960 und Lucht 1985, Bohnsack 1985). Am 15. Mai 1985 fand die Festveranstaltung mit über 400 Teilnehmern in der Oberen Rathaushalle  Bremen statt, in der Unteren Rathaushalle wurde eine große Ausstellung präsentiert, man zählte 11.000 Besucher (Tworuschka 1986).

           Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, nach 1945, waren in Bremen durch sparsame Personalausstattung der Katasterbehörde geprägt, die in den Katasterwerken bis in die Gegenwart nachwirken. In den Jahren ab etwa 1980/85 herrschte im Land Bremen bereits Haushalts-Notlage, daraus folgten erhebliche Sparmaßnahmen des Senats in den Fachverwaltungen. Ab etwa 1992 gab die Politik Vorgaben zur Umwandlung der Fachbehörden in sogenannte privatwirtschaftliche Strukturen mit Kosten-Leistungsrechnungen. Die Katasterbehörde erhielt ab 1995 die Form eines Wirtschaftsbetriebs mit Jahresbilanzen. 2003 wurde der eingeschränkt selbständige Wirtschaftsbetrieb in einen selbständigen Eigenbetrieb umgewandelt.

           Politische Absicht war, dieser solle sich weitgehend selbst finanzieren – angesichts der vielfältig hoheitlichen Aufgaben eine Vorgabe, erinnernd an die Quadratur des Kreises. Autor dieser Zeilen hatte seine Zweifel an der Umsetzbarkeit jenes seit 1999 erwogenen Ziels in die Feststellung gekleidet: „War die Form des bestehenden Wirtschaftsbetriebs durch das Motiv der Kosten- und Leistungstransparenz gerechtfertigt, ist demgegenüber die weitergehende Eigenbetriebsform unseren gesetzlichen Kernaufgaben gegenüber wesensfremd.“ (Lucht 1999 S. 246).

           Die Politik in Bremen forderte 2003, einen Wirtschaftsingenieur für die Betriebsleitung einzustellen, zusätzlich versehen mit gutachterlichen Vorgaben für die Wirtschaftsführung. Der ausgewählte Betriebsleiter organisierte u. a. 2008 die so sehr erfolgreiche INTERGEO Bremen 2008, die weltgrößte Messe für Geoinformation im Kongreßzentrum auf der Bürgerweide in Bremen.. Inzwischen von seinen Aufgaben entpflichtet, scheint gegenwärtig nach Zeitungsmeldungen die Rückkehr von GeoInformation Bremen in eine Amtsstruktur wahrscheinlich. - -

         Allgemein zeigt sich in Deutschland nach den Behörden-Umwandlungen in den Jahren 1995 bis etwa 2005 heute folgernder bundesweiter Sachstand: „Auf regionaler Ebene bestehen Behörden für die Aufgaben des Liegenschaftskatasters und für die Bereitstellung anderer großmaßstäbiger Geoinformationen. Sie sind entweder als staatliche Sonderbehörden eingerichtet oder wie in Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen kommunalen Gebietskörperschaften zugeordnet…..Herauszustellen ist, dass sich das amtliche Vermessungswesen in Deutschland seit einigen Jahren in einem grundlegenden organisatorischen Umstrukturierungsprozess befindet...“(Creuzer/Zeddies in Kummer/Frankenberger 2010, Kap. 2.3.1).     

         Heute vor 175 Jahren war in Bremen eine der ältesten Katasterinstitutionen in Deutschland durch Senatsbeschluß gegründet worden. Angesichts der aktuellen Situation gibt es zwar gegenwärtig kaum Möglichkeiten, diesen Geburtstag jetzt zu feierlich zu begehen. Es ist jedoch angedacht, das Jubiläum noch in diesem Jahr besonders zu würdigen.

         Literatur (Auswahl): Brinkmann, W. A.: Das Bremische Kataster- und Vermessungswesen seit 1813, ZfV 1935 S. 369 – 379; Erxleben, B.: Bremen – heute, AVN 1960 S. 275 – 279; Lucht, H.: 150 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen, ZfV 1985 S. 219 –  228; Bohnsack, G.: 150 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen (Bericht über die Veranstaltungen) ZfV 1985 S. 377 – 379; Tworuschka, H.: Ausstellung aus Anlaß des 150-jährigen Bestehens der Kataster- und Vermessungsverwaltung Bremen, Zs. Vermessungswesen und Raumordnung 1986 S. 75 – 76; Lucht, H.: Verwaltungsumbau im Kataster- und Vermessungswesen in Bremen, ZfV 1999, S. 241 – 247: Lucht, H.: Bremen – gestern und heute, zfv 2008 S. 197 – 205; Kummer, K. und Frankenberger, J. (Hrsg.): Das Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen 2010, Wichmann-Verlag –  Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Heidelberg u.a. und Nachtrag: Lucht H.: Eine Episode in der 175-jährigen Geschichte des Katasters in Bremen, VDVmagazin 2011 S. 30 -31. - 15.05.10/ Nachtrag 12.02.2011

343.   INTERGEO 2010 und Mercatorjahr 2012.

           Besondere Schwerpunkte der jüngsten Vorstandssitzung des Förderkreises waren zwei besondere in die Zukunft gerichtete Themen, unsere Beteiligung an der INTERGEO 2010 und das Mercatorjahr 2012.

           Bei der kommenden INTERGEO vom 5. bis 7. Oktober 2010 in Köln wird der Förderkreis erstmals mit einem eigenen Vortragsblock „Historische Vermessung“ vertreten sein, als Vortragende konnten Dr. Klaus Grewe, Manfred Spata und Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß gewonnen werden. Unser bekannter Messestand wird wieder von dem bewährten Team unter Leitung unseres Geschäftsführers Klaus Lehmann organisiert. 

           Den Vorbereitungen auf das Großereignis 500 Jahre Mercator im Jahre 2012 ist das kommende 11. Symposium für Vermessungsgeschichte am 14. Februar 2011 gewidmet, mit 5 Vorträgen namhafter Mercator-Kenner der Einstimmung auf dieses besondere Jubiläum, organisiert von unserem Zweiten Vorsitzenden Prof. Dr.-Ing. mult. Erich Weiß, Bonn. Für das erste Vierteljahr 2012 plant der Förderkreis dann in enger Kooperation mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte MKK in Dortmund – unserer Heimatinstitution – eine große Jubiläumsausstellung, deren Schwerpunkt auf Mercators Wirken in der Kartographie und der Mathematik liegen wird, mit besonderem Bezug zur näheren Region. Die Erarbeitung des Ausstellungskonzepts liegt in den bewährten Händen unseres Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried und unseres Vorstandsmitglieds Jürgen Lagoda.  Das MKK wird die im Erdgeschoß liegende Fläche für Sonderausstellungen zur Verfügung stellen, ergänzt mit tatkräftiger museumsfachlicher Unterstützung. Wir werden auf beide Ereignisse noch ausführlich zurückkommen. – 06.05.10

 

342.   25 Jahre Deutsches Vermessungsmuseum in Dortmund

            Am Sonntag, den 21. April 1985 feierte der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund e.V. die Eröffnung unserer inzwischen bundesweit anerkannten und geschätzten Schausammlung, des Vermessungsmuseums in der Abteilung 22 im renommierten städtischen Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund.
           Vor 25 Jahren:  Die Feierstunde begann mit der  Begrüßung durch den damaligen Museumsdirektor Dr. Gerhard Langemeyer, dem späteren Kulturdezernenten und dann langjährigen Dortmunder Oberbürgermeister. Anschließend hatte der Verfasser dieser Zeilen (und heutiger Präsident des Förderkreises) die ehrenvolle Aufgabe, die Grüße und guten Wünsche der AdV, der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland zu überbringen. Der damalige Erste Vorsitzende und Gründungsvater des Förderkreises, Siegfried Stahnke, seines Zeichens Ltd. Städt. Vermessungsdirektor a. D., führte in die Schausammlung ein. Sein besonderer Dank galt damals Dr. Langemeyer, ohne dessen bewußte Förderung die Integration der Ausstellung in das MKK nicht möglich geworden wäre - und ebenso das repräsentative Museumshandbuch nicht hätte herausgegeben werden können. Der Dank galt ebenso dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Museum sowie Manfred Gombel und Wolfgang Kioscha für die tatsächliche Realisierung von Ausstellung und Handbuch.

           Das Vermessungsmuseum ist als Abteilung 22 inzwischen tatsächlich zu einem integralen Bestandteil des MKK geworden. Die Schausammlung wird bereits seit 1985 von Manfred Gombel  betreut, seit längerem unterstützt und gefördert von Ingo von Stillfried. Unser Vermessungsmuseum hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einer ersten Adresse in der vermessungstechnischen Fachwelt und für viele interessierte Besucher des MKK entwickelt, sie ist besonderer Mittelpunkt der Arbeit unseres Förderkreises. Wir sind dabei der Anerkennung von Museumsdirektor Wolfgang E. Weick gewiß, der unsere Arbeit besonders zu schätzen weiß. - 26.04.10

 

 

341.   Eröffnungsveranstaltung zum Konrad-Zuse-Jahr

           Konrad Zuse wurde am 22. Juni 1910 in Berlin geboren. Zum Gedenken an sein großes Lebenswerk beginnen in diesen Tagen eine Reihe von Veranstaltungen - so am 20. 04. 2010 das Eröffnungssymposium zum Zuse-Jahr 2010 im Deutschen Technik-Museum in Berlin unter der Schirmherrschaft von Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Anette Schavan, die auch die Eröffnungsansprache hält. Eine hochkarätig besetzte Runde diskutiert zum Thema: "70 Jahre digitales Zeitalter - Konrad Zuse und die Zukunft der Informationswissenschaft in Deutschland". Ein historischer Filmbeitrag zeigt Konrad Zuse - "Warum ich den Computer erfand". Der Sohn des Erfinders, Prof. Dr. Horst Zuse, TU Berlin, spricht zum Thema "Mein Vater und die Entwicklung der Computer in Deutschland." In weiteren Vorträgen wird erinnert an den Menschen und Erfinder Konrad Zuse, an ihn als Unternehmer - Erfindung und Vermarktung gestern und heute. Konrad Zuse starb 1995. - Der Erste Vorsitzende unseres Förderkreises Ingo von Stillfried nimmt für das Vermessungstechnische Museum an dieser Auftakt-Veranstaltung teil. Informationen und weitere Veranstaltungen siehe http://www.zuse-jahr-2010.de/. Siehe auch unsere Mitt. Nr. 195 zum Zuse-Museum in Hünfeld. - 19.04.10

 

 

340.   Erinnerungen an Heinrich Ochsenhirt – sie nannten ihn O-t

           Studierende des Vermessungswesens in Essen erinnern sich mit Hochachtung an ihren Dozenten und akademischen Lehrer Heinrich Ochsenhirt, der weit über Essen hinaus einen nahezu legendären Ruf als der Fachmann für Präzisionsvermessung besaß und viele neue Prüfverfahren für geodätische Instrumente entwickelte und darüber veröffentlichte. Kurt Kröger schrieb zum 70. Geburtstag von Heinrich Ochsenhirt: „Eine ganze Generation von Studenten der … Staatsbauschule, Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen, Fachhochschule und zuletzt der Uni Gesamthochschule Essen hat er geprägt.“  

             Heinrich Ochsenhirt wurde am 10. Februar 1910  in Alsfeld in Hessen geboren, kam nach dem Ersten Weltkrieg nach Essen, Abitur 1929. Referendarzeit beim Preußischen Innenminister, 1936 2. Staatsexamen. Nach kurzer Zeit in der Landeskulturverwaltung ging er 1939 zur Staatsbauschule nach Essen mit dem Ziel, dort in Lehre und Forschung tätig zu werden. 7 Jahre Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft unterbrachen  sehr bald diese persönliche Lebensplanung – er hatte das schwere Schicksal vieler Altersgenossen zu teilen.

             Mit großem persönlichem Einsatz baute er in den Nachkriegsjahren ein beispielhaftes geodätisches Meß- und Prüflabor einschließlich einer feinmechanischen Werkstatt auf. Vermessungsdienststellen und -Büros weit über das Ruhrgebiet hinaus nutzten seine Dienste. Besonders auch in der Bau- und Maschinenindustrie des Reviers war sein Rat gefragt. Und für Heinrich Ochsenhirt wurden geodätische Meß- und Instrumententechnik Schwerpunkt seiner Lehrtätigkeit an der Staatlichen Ingenieurschule in Essen. H. Ochsenhirt darf in gewissem Sinne auch zur Hannoverschen Schule gerechnet werden. Auch dort stellte er seine Erfahrungen bei der Neueinrichtung des instrumentenkundlichen Labors zur Verfügung. Im bereits fortgeschrittenem Alter wurde er im Jahre 1961 an der TH in Hannover mit einer Arbeit über Prüfen und Justieren geodätischer Instrumente und Geräte mit Hilfe von Kollimatoren in Laboratorien bei Prof. Großmann promoviert. Zu seinen zahlreichen Studenten in Essen gehörte u. a. auch der spätere Direktor des Geodätischen Instituts in Hannover, Prof. Dr.-Ing. Hans Pelzer (1936 – 2006).

             Ab 1970 leitete H. Ochsenhirt als Baudirektor der Ingenieurschule für Bauwesen in Essen die Vermessungsabteilung, die damals eine Ausbildungskapazität von 400 Studenten zu bewältigen hatte. Über die Fachhochschule Essen wurden 1973 die Studiengänge auch für Vermessungswesen in die neugegründete Uni Gesamthochschule Essen übergeleitet - Heinrich Ochsenhirt wurde zum Professor ernannt, wirkte als Dekan - und hatte andererseits die Geburtswehen dieser Umgründungen zu durchstehen.

             Sein Kollege Prof. Dr.-Ing. Erwin Jacobs würdigte Heinrich Ochsenhirt als erfolgreichen, nicht immer leichten Lehrer, der größten Wert auf Disziplin und Akkuratesse legte: „Einer ganzen Generation junger Vermessungsingenieure hat er das notwendige Rüstzeug eines der Wahrheit und Genauigkeit verpflichteten Berufsstandes vermittelt.“ Und Dr. Kurt Kröger lobte, „es gab kein geodätisches  Instrument, das wir später nicht sicher bedienen konnten.“ Und er schrieb zu dessen 70. Geburtstag: „Gefürchtet waren seine oft bissigen Randbemerkungen (in roter Tinte, versteht sich) in den Klausurarbeiten….. Sein Ruf als Fachmann jedoch war unbestritten.“ Heinrich Ochsenhirt starb am 15. Mai 1995 in Langenberg/Rheinland. - Wir erinnern mit Ehrfurcht an Professor Dr.-Ing. Heinrich Ochsenhirt, geboren vor 100 Jahren.

            

Quellen: Ochsenhirt, H.: 50 Jahre Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen in Essen, ZfV 1958 S. 108; Kröger, K.: Wir nannten ihn O-t, Reminiszenzen an Heinrich Ochsenhirt, Der Vermessungsingenieur 1980, S. 42; Jacobs, E.: Professor Dr.-Ing. Heinrich Ochsenhirt †, ZfV 1995 S. 424 – 425; Jacobs, E.: Professor Dr.-Ing. Heinrich Ochsenhirt 80 Jahre, Der Vermessungsingenieur 1990, S. 66;  Seeber, G.: Laudatio für Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil Dr. h.c. mult. Hans Pelzer zur Emeritierung anlässlich der Vollendung seines 68. Lebensjahres in www.foerder-geodaesie.uni-hannover.de  unter Bericht 2004. - 12.04.10 

 

 

 

339.  Besuch aus München.

           Anfang März d. J. besuchten uns in Dortmund die Fachkollegen Marcus Wandinger und Klaus Zaglmann vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation (LVG)  München, Kuratoren der dort 1999 begründeten Ausstellung zur Vermessungsgeschichte. Der Erste Vorsitzende des Förderkreises Ingo von Stillfried führte sie durch die Schausammlung des Vermessungstechnischen Museums wie ebenso in unser großes Magazin – der Besuch entwickelte sich zu 4 hochinteressanten Stunden des Austausches vermessungshistorischer Erfahrungen. Sehr positiv wurde angemerkt, wie unsere Dauerausstellung optisch, vom Aufbau und von der Objektauswahl sehr gelungen ist. Sehr erstaunt war man, welch breites Themenfeld der Vermessungstechnik wir in Dortmund abdecken. Es entstand spontan der gemeinsame Wunsch, die Kataloge der verschiedenen Sammlungen untereinander auszutauschen, auch um gegenseitig zu wissen, was wo vorhanden ist. Besonderes Interesse fand auch, wie wir mit einfachen, kostengünstigen Mitteln eine effektive Inventarisierung realisiert haben. Der sehr fruchtbare Besuch hat neue Kontakte zum Museumsstandort München geschaffen. - 02.04.10

 

 

338.   Trauer um Eratosthenes-Preisträger Bernhard Zimmermann

           Wir erhielten die traurige Nachricht, Bernhard Zimmermann aus Rostock-Warnemünde ist am 12. März 2010 nach kurzer Krankheit verstorben. In einer würdigen Trauerfeier am 22. März auf dem Friedhof in Warnemünde gedachten seine große Familie und zahlreiche Fachkollegen des  Verstorbenen. Im engeren Kreis hat dann Paul-Gerhard Ramseger Gedenkworte gesprochen - Kollege und Freund und wie der Verstorbene aus dem Raum Königsberg im ehemaligen Ostpreußen stammend. Bernhard Zimmermann verstarb wenige Tage nach Vollendung seines 85. Lebensjahres. Seinen Geburtstag am 7. März konnte er noch im Kreise seiner Familie und mit engen Freunden begehen. - 

          Wir hatten unserem Eratosthenes-Preisträger 2003 noch an dieser Stelle gratulieren dürfen und sein Lebenswerk gewürdigt (Mitt. Nr. 335). In der April-Ausgabe des VDVmagazins wird sein letzter von weit über 100  wertvollen vermessungshistorischen Beiträgen erscheinen, die er in den vergangenen 60 Jahren verfaßt hat - zusammen mit einer Würdigung, ursprünglich eine Laudatio zum 85. Geburtstag, nun in tiefer Betroffenheit als Nachruf.  - Bernhard Zimmermann wird uns unvergessen bleiben. - 24.03.10 

 

 

337.   Erinnerungen an Prof. Dr.-Ing. Werner Engelbert,  

           geboren vor 100 Jahren, am 1. März im Wuppertal-Barmen. Wir erinnern an eine herausragende Persönlichkeit im Katasterdienst in Niedersachsen und an der Technischen Hochschule und später Universität Hannover. Zeitgenossen kannten und schätzten sein so lebhaftes und oft streng erscheinendes Engagement im Einsatz für das breite Berufsfeld des Geodäten im Vermessungs-, Kataster- und Liegenschaftswesen. Er gehörte zu jener Generation, die insbesondere durch die entbehrungsreichen Kriegsjahre geprägt war und dann tatkräftig den Wiederaufbau begleitete.  

           Nach Studium in Bonn, Großer Staatsprüfung und Diplomexamen an der TH Hannover, wurde Werner Engelbert dort 1948 promoviert. Seit 1936 zunächst im Dienst der preußischen, nach dem Zweiten Weltkrieg der niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung war er u. a. Chef des Katasteramts Hannover und leitete dann ab 1954 bis zu seiner Pensionierung 1975 das Fachdezernat bei der Bezirksregierung Hannover. 30 Jahre lang von 1948 bis 1978 wirkte er zusätzlich als Hochschullehrer an der TH später TU Hannover für die Lehrgebiete Kartographie, Reproduktionstechnik und das Vermessungs- und Liegenschaftswesen, bereits seit 1957 als Honorarprofessor. Lange wirkte er auch als Prüfer im Oberprüfungsamt für die höheren technischen Verwaltungsbeamten in Frankfurt a. M.. Kartenherstellung für die Stadtplanung, Stadtkartographie, Herstellung der Deutschen Grundkarte, Landesplanung, Bodenordnung, aber ebenso technische Neuerungen für „seine“ Katasterämter, Bodenschätzung – sämtlich Themen seines großen Interesses. Und gerne erzählte er im kleinen Kreis, wie er einst im Haus der Technik in Essen Fragen im Liegenschaftswesen als „junger Mann“ mit dem „großen Bonczek“ diskutierte (vergl. unsere Mitt. Nr. 213). Die Breite des Wirkens von Engelbert wird aus über 130 Veröffentlichungen deutlich, die alleine in der Literaturzusammenstellung der ZfV 1950 bis 1975 dokumentiert sind, oft Kurzbeiträge zu aktuellen Themen. Lebhaft in Erinnerung ist sein Interesse an allen Fragen der Grundstücksbewertung – und gerne diskutierte er über Wirtschafts- und Finanzfragen, beobachtete regelmäßig das Börsengeschehen. Werner Engelbert war stets ein fördernder wie ebenso fordernder Geodät – fördernd durch seine Möglichkeiten, die Praxis der Verwaltung mit der wissenschaftlichen Theorie zu verbinden, wie es lange praktische Übung in der Niedersächsischen Fachverwaltung war, unter der Leitung von Prof. Nittinger (Vergl. unsere Mitt. Nr. 162). Doch auch oft die jüngere Generation eindringlich mahnend, Herausforderungen zu suchen und anzunehmen, darob man Dr.Engelbert wohl auch gerne und durchaus liebe- und respektvoll einen Beinamen gab, der Titel und Name unmittelbar verband…  

           In seiner persönlichen Lebensführung war Werner Engelbert stets zurückhaltend. Doch seine Geburtstage pflegte er in großer Regelmäßigkeit in der Ferne, im „sonnigen und schneereichen Seefeld“ zu erleben. Und „durch die Kollegen im Oberprüfungsamt angestiftet“ hat er sich im Alter gerne der Weinkunde zugewandt, „theoretisch wie praktisch“, und „genoß gerne zusammen mit seiner Frau und Nachbarn einen guten Tropfen“, wie er dem Verfasser einmal schrieb. Später im Rheinland lebend, hielt er weiter Kontakt zu Fachkollegen, besuchte die Kolloquien der Uni Bonn. – Professor Dr.-Ing. Werner Engelbert ist unvergessen, er verstarb am 17. Januar 1989 in Brühl am Rhein.

           Literatur: Jürgen Stumpf: Prof. Dr.-Ing. W. Engelbert †, ZfV 1989 S. 204 – 205; ZfV- Inhaltsverzeichnisse 1925 - 1950 - 1975. - 18.03.10

 

 

336.   "Peilen, Visieren und Anzielen"

           heißt ein Seminar am Sa. 24. April 2010 (10 bis 17 Uhr) im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, angeboten von der Fachgruppe "Geschichte des Vermessungswesens" im Bildungswerk des VDV. Vortragende sind u.a. Harry C. Pouls, NL, Prof. Dr. Rudolf Staiger, Bochum, Dr. Klaus Grewe, Swisstal, Georg Opdenberg, Krefeld, Ingo von Stillfried, Dortmund, Dr. Heinz Aischlimann, Schweiz. Eine Führung durch die Studiensammlung des Vermessungstechnischen Museums ist geplant. Interessenten melden sich bei Heinz-Jürgen Lagoda, Tel.0203 598247 - 12.03.10

 

 

335.   Bernhard Zimmermann zur Vollendung des 85. Lebensjahres

            Bernhard Zimmermann ist seit über 50 Jahren und bis in die jüngste Gegenwart durch seine zahlreichen Veröffentlichungen zu Themen aus der Vermessungsgeschichte bekannt geworden. Er schrieb bis 1990 in der Zeitschrift „Vermessungstechnik“ der ehemaligen DDR und dann im „Vermessungsingenieur“ des VDV. Zahlreiche biographische Arbeiten sind in seinem reichen Schaffen entstanden, so u. a. über J. J. Bayer, den Begründer der Europäische Gradmessung, W. Jordan, den Pionier des preußischen Vermessungswesens, J. J. Vorländer, über O. Koll, die „Rechte Hand“ von F. G. Gauß, den sächsischen Geodäten C. A. Nagel, den Photogrammeter E. Dolezal, die großen Geodäten Otto Eggert, Friedrich Helmert, Karl Steppes. Die Lektüre seiner wohldurchdachten und gründlich recherchierten wissenschaftlichen Beiträge war und ist stets ein Gewinn.  

           Bernhard Zimmermann wurde am 7. März 1925 in Königsberg im damaligen Ostpreußen geboren und begann seinen Weg in die Vermessungskunde 1940 mit einer Lehre zum Vermessungstechniker bei der Katasterverwaltung in Allenstein. Nach Krieg und Gefangenschaft folgte 1947 bis 1950 das Studium der Vermessungstechnik an den Staatlichen Ingenieurschulen in Wismar und Neustrelitz. Weil er sich später in der DDR standhaft weigerte, die Kontakte zu den Eltern und Geschwistern in der Bundesrepublik aufzugeben, verlor er zeitweise seine Arbeitsstelle. Seit 1957 war Bernhard Zimmermann dann im Vermessungsdienst Nord, im „Volkseigenen Betrieb (VEB) Ingenieurvermessungswesen“ Rostock und im „Kombinatsbetrieb VEB Geodäsie und Kartographie“ Schwerin tätig. Beständig daran interessiert sich weiterzubilden, absolvierte er mehrere postgraduale Fernstudien an der TU und an der Ingenieurschule für Geodäsie und Kartographie in Dresden.  

           Sein kritischer Geist war in der DDR nicht immer gerngesehen. Wissen und Können führte ihn in späteren Jahren dann jedoch in verschiedene technische Leitungspositionen. Bereits seit 1950 war Bernhard Zimmermann Mitglied der Ingenieurorganisation „Kammer der Technik“ der DDR, die für technische Disziplinen eine gewisse „Parteiferne“ und damit eine relative Unabhängigkeit bot. Dort konnte er seine hohe wissenschaftliche Begabung einbringen. Seit 1983 wirkte als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Geschichte des Vermessungswesens in der wissenschaftlich-technischen Gesellschaft für Geodäsie, Photogrammetrie und Kartographie“, ein Bereich, die seinen wissenschaftlich-historischen Neigungen entsprach und wohl auch eine gern genutzte Nische bedeutete. Unmittelbar nach der Wende im März 1990 in den Ruhestand verabschiedet, hat die Katasterverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern seine alten Katasterkenntnisse benötigt und ihn im Januar 1993 für zwei weitere Jahre reaktiviert  

          Noch zu Zeiten der DDR  ehrte ihn 1987 die Ingenieurorganisation Kammer der Technik mit der Goldenen Ehrennadel. 2003 wurde Bernhard Zimmermann vom Stifterkollegium unseres Förderkreises Vermessungstechnisches Museum für seine Veröffentlichung über den großen Mecklenburger Geodäten Friedrich Paschen mit dem  Eratosthenes-Preis ausgezeichnet. 2004 erhielt er vom DVW Mecklenburg-Vorpommern die Friedrich Heinrich Christian Paschen Ehrenmedaille. Wir gratulieren dem Jubilar aus Rostock-Warnemünde zur Vollendung seines 85. Lebensjahres und wünschen ihm noch eine Reihe segensreicher Jahre. - zum 07.03.2010

 

 

334.   Nachlese zur Mitgliederversammlung 2010

           Am Montag 22. Februar 2010 fand unsere Mitgliederversammlung 2010 in Dortmund statt. Museumsdirektor Wolfgang E. Weick beglückwünschte in seinem Grußwort den Förderkreis für sein stetiges Engagement zur Vermessungsgeschichte im Rahmen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte und hob besonders die so sehr gelungene 3. Auflage des gänzlich überarbeiteten und erweiterten Museumshandbuchs hervor.   

           Ein besonderer Höhepunkt war anschließend gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung die Verleihung des mit 2.500 € ausgestatteten Eratosthenes-Preises  2009. Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen überreichte dem Preisträger Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder aus Bonn Urkunde und Würdigung im schon traditionellen klassischen Feldbuchrahmen zusammen mit dem von Schatzmeister Franz-Josef Gocke ausgestellten "Riesen"-Scheck. Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte würdigte den Werdegang des 1943 geborenen Preisträgers, der seine intensiven Forschungsarbeiten zur Kolonialkartographie 1884 - 1919 nach seiner Pensionierung als Oberst extern an der Bundeswehrhochschule in München in seiner Dissertation 2008 zusammengefaßt hat. Rudolf Hafeneder erläuterte in einem kompakten Vortrag mit Hilfe in einer beeindruckenden Power-Point-Präsentation seine Forschungsergebnisse, Vermessungen unter schwierigsten Bedingungen, hochwertige Privatkartographie (siehe Mitt. Nr. 263).  Bertold Witte konnte im Anschluß an den Vortrag eine ausführliche Diskussion moderieren und feststellen, der Förderkreis habe mit Herrn Hafeneder einen weiteren würdigen Eratosthenes-Preisträger.  

           Nach einer Kaffeepause mit angeregten Gesprächen leitete Präsident Harald Lucht zum zweiten Teil der Mitgliederversammlung über. Er überbrachte herzliche Grüße von besonders verdienten Altvorderen, von den Ehrenmitgliedern Dr. Kurt Kröger und Helmut Minow, beide sowie auch unser im vergangenen Jahr mit der Ehrenmedaille ausgezeichnetes Mitglied Konrad Peters konnten krankheits-bedingt nicht teilnehmen. Sie seien jedoch in Gedanken präsent.            

           Der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried berichtete in seinem Jahresbericht ausführlich und mit erläuternden ppt.-Folien über die erfolgreiche Arbeit des vergangenen Geschäftsjahres. So insbesondere zum Abbildungsreichtum des Museumshandbuchs, daran Mitwirkende (über 50), die gelungene Vorstellung bei der INTERGEO Karlsruhe und den guten Verkaufserfolg (inzwischen fast 500 Exemplare! - Dank auch an den Geschäftsführer Klaus Lehmann für die Umsetzung der Bestellungen). An mehreren Ausstellungen ist und war der Förderkreis mit ausgeliehenen Instrumenten beteiligt, u. a. in Oldenburg, Bielefeld, Lohne, auch mit fortwährendem Engagement von Manfred Gombel). Diese Seite AKTUELLES ist Spitzenreiter bei den Besucherzahlen der Homepage, der Erste Vorsitzende zeigte dazu erläuternde Folien, eine Druckseite lag für die Teilnehmer aus. Weitere Themen des Jahresberichts waren u. a. der "Wiehen-Wagen" (siehe Mitt. Nr. 324), herzlicher Dank für die Dauerleihgabe der Zurhorst-Instrumenten-Sammlung mit dem besonderen BORDA-Kreis (Mitt. Nr. 325), die geplante Mercator-Ausstellung 2012, zahlreiche Instrumentenzugänge. Ein besonderer Dank galt Dr. Kurt Kröger für seine Unterstützung zum Ankauf des Breithaupt-Theodoliten (Mitt. Nr. 319) - das wertvolle Instrument stand zur Ansicht auf dem Vorstandstisch und wird demnächst in unserer Ausstellung in einer Vitrine zu sehen sein. Bei der kommenden INTERGEO in Köln wird der Förderkreis mit einer eigenen Vortragssession vertreten sein. Schließlich hatte Ingo von Stillfried eine ganz besondere Rarität ausgelegt: Einen Stadtplan von Dortmund mit kyrillischer Beschriftung - ein Druckwerk des russischen KGB von 1985. 

           Schatzmeister Franz-Josef Gocke erstattete den Finanzbericht, von den Kassenprüfern Burghard Kreuter und ÖbVI Ingo Tiemann uneingeschränkt testiert. Dem Vorstand wurde auf Antrag von Dr. Hartwig Junius Entlastung und Dank zuteil. Wiederwahlen erfolgten zum Kuratorium ( Prof. Dr.-Ing. Herbert Kapelle, Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, ÖbVI Hartwig Tiemann und Direktor Wolfgang E. Weick) und in den Vorstand der Schatzmeister Franz-Josef Gocke.

           Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung findet zusammen mit dem 11. Symposium für Vermessungsgeschichte "Gerhard Mercator zum 500. Geburtstag" am 14. Februar 2011 in Dortmund statt. Professor Dr.-Ing. Erich Weiß konnte dazu ankündigen, es sei ihm gelungen, Zusagen von 5 namhaften Vortragenden zu erhalten, die Persönlichkeit und Wirken von Mercator beleuchten werden. Wir kommen demnächst in einer besonderen Vorankündigung darauf zurück. - 23.02.10 

 

333. ...       

332.   Maßarbeit - eine Ausstellung 

zur Entwicklung des Vermessungswesens und der Kartographie im Industrie Museum Lohne. Eröffnung am 19. Februar 2010 um 18.00 Uhr. Die Ausstellung wird gezeigt bis zum 08. 08. 2010 und begleitet  von einem reichhaltigen Vortragsprogramm, Vortragende sind u.a. Dr. Ralf Brückner, Heiko Taubenrauch, Benno Dräger, Günter Deux, Dieter Beuse, Alf Metzler, Josef Blömer, Hans-Wilhelm Hurt. Unser Vermessungstechnisches Museum hat durch Vermittlung von Manfred Gombel einige Instrumente beigesteuert. Die Ausstellung mit regionalem Bezug zur Stadt Lohne und zum Oldenburger Münsterland richtet sich nicht nur an Fachleute sondern auch an die heimatkundlich interessierte Bevölkerung. Besucher können verschiedene Vermessungsinstrumente selbst ausprobieren und an bestimmten Aktionstagen an ausstellungs-begleitenden Exkursionen, fachlichen Demonstrationen - so zu aktuellen GPS-Anwendungen - und Führungen teilnehmen.  Veranstalter ist die GLL (Behörde für  Geoinformationen, Landentwicklung und Liegenschaften) Cloppenburg, unterstütz u.a. vom  DVW Niedersachsen-Bremen, der Oldenburgischen Landschaft, der Kulturstiftung der ÖVB, der Stiftung Kunst und Kultur der LzO. Weiteres auch unter http://www.industriemuseum-lohne.de/, dort auch einige sehenswerte Fotos. - 15.02.10/07.04.10

 

 

 

331.   12. Februar - 100 Jahre Reichgerichtsurteil von 1910

           Das „Reichsgerichtsurteil von 1910“ hatte für die Geschichte des Liegenschaftskatasters eine ganz besondere Bedeutung. Es galt unter Katasterleuten lange geradezu als Metapher für die enge Verzahnung von Kataster und Grundbuch. Der Leitsatz: „Die aus den Steuerbüchern in das Grundbuch übernommenen Eintragungen  werden insoweit durch den öffentlichen Glauben des Grundbuchs gedeckt, als sie die den Gegenstand der eingetragenen Rechte bildende Grundfläche feststellen.“

            Das (Flurstücks-)Kataster war im 19. Jahrhundert vorrangig als Steuerkataster erstellt worden. Mit der Grundbuchanlegung (z.B. in Preußen seit 1872, einheitlich im ehemaligen Deutschen Reich ab 1900) nutzte das Grundbuch die tatsächlichen Angaben des Katasters zur Beschreibung der Rechtgegenstände, insbesondere des Eigentums am Grund und Boden. In der Geschichte des Katasters bildete jenes Reichgerichturteil von 1910 eine entscheidende Wendemarke, war doch damit erstmals letztinstanzlich festgestellt worden, wie der öffentliche Glaube des Grundbuchs das Kataster einbezog. Die Katasterverwaltungen erkannten sehr bald die hohe Bedeutung dieses Urteils. So erließ z. B.  die Preußische Katasterverwaltung 1913 die „Ergänzungsbestimmungen zur Anweisung II (Fortführungsvermessungen)“. Diese Bestimmungen erhöhten die Anforderungen an die technische Durchführung der Grenzvermessungen und an die rechtlich einwandfreie Abfassung der damaligen Grenzverhandlungen. Ziel war, im Wege der allmählichen Erneuerung des Katasters aus den als Steuerkataster angelegten Katasternachweisen beweiskräftige Katasterkarten und  Grenznachweise zu entwickeln.  

            In moderner Übersetzung sagt das am 12. Februar 1910 ergangene Urteil: Der Katasternachweis nimmt insoweit am öffentlichen Glauben des Grundbuchs (§ 892 BGB) teil, als er den Teil der Erdoberfläche nachweist, auf den sich das im Grundbuch eingetragene Recht bezieht. Maßgebend ist die Darstellung der Flurstücksgrenzen in der Flurkarte und in ihren Unterlagen. Die beschreibenden  Angaben im Kataster, z. B. die Fläche, nehmen nicht am öffentlichen Glauben teil.

           Quelle u. a. Plähn in ZfV 1910 S. 316 – 330: Text des Reichsgerichtsurteils und erster Kommentar. Plähn wies darin auf die Fehlerhaftigkeit des als Steuergrundlage angelegten Katasters und damit auf die Risiken hin, die damals aus dem Urteil des Reichsgerichts von 1910 folgten. – 10. 02. 2010

330. Wird Kehlmanns "Vermessung der Welt" verfilmt?

Der 48 Jahre alte Regisseur Detlev Buck plant eine Verfilmung des Bestsellers "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann. Dabei geht es um die fiktiv verstrickten Lebensläufe des Naturforschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl Friedrich Gauß (siehe unsere Mitt. Nr. 136 und 175).  "Wir arbeiten schon drei Jahre am Drehbuch", sagte Buck. Dafür sei auch ein größeres Budget erforderlich und danach richte sich der ganze Zeitplan für die Realisierung des Projekts. "Es ist ja ein wirklich deutsches, intellektuelles Thema und nicht für jedermann sofort nachvollziehbar.“ Er sieht jedoch auch ein hohes wirtschaftliches Risiko in einer solchen Verfilmung.  So wären Außenaufnahmen z. B. in Südamerika nicht gerade einfach und billig." Buck hat seit 1984 an rd. 50 Filmen als Darsteller und als Regisseur mitgewirkt hat (u. a. "Wir können auch anders", „Männerpension“, "Knallhart"). - 30.01.10 

 

329.   Mitgliederversammlung und Verleihung des Eratosthenes-Preises

           Am 22. Februar 2010 findet unsere Mitgliederversammlung in Dortmund statt, mit einem besonderen Höhepunkt gleich zu Beginn: Der Förderkreis verleiht den mit 2.500 € ausgestatteten Eratosthenes-Preis 2009 an Herrn Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder aus Bonn. Dr. Hafeneder wird ausgezeichnet für seine Dissertation „Deutsche Kolonialkartographie 1884-1919“ an der Universität der Bundeswehr München - vergl. unsere Mitt. Nr. 263. Die Preisverleihung erfolgt durch den Präsidenten des Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht, Bremen. Die Vorstellung des Preisträgers übernimmt der Vorsitzende des Kuratoriums des Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte, Aachen, anschließend wird der Preisträger über die Ergebnisse seiner Forschungen vortragen.

           Nach einer Kaffeepause wird die Mitgliederversammlung fortgesetzt mit dem Tätigkeitsbericht des Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried, mit dem Finanzbericht und Wahlen. Außerdem werden einige besondere Instrumente vorgestellt, aus der neuen Dauerleihgabe Zurhorst und der Breithaupt-Theodolit , der mit einer Großspende unseres früheren Ersten Vorsitzenden, Dr. Kurt Kröger, erworben werden konnte (Vergl. Mitt. Nr. 325 und 319).

           Zur Preisverleihung wie ebenso zur Mitgliederversammlung sind auch Gäste herzlich willkommen. Die Veranstaltung beginnt um 14:30 Uhr in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, Hansastraße 2, nur 5 Minuten vom Hbf entfernt. -  In der Pause kann das neue 300 Seiten starke neue Museumshandbuch (mit 600 überwiegend farbigen Abbildungen, vergl. Mitt. Nr. 313)  zum Preis von € 30,- erworben werden. - 21. 01. 09   

 

328.   Weiter großes Interesse an unseren Seiten 

          Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche auf unserer Homepage zeigt das große Interesse an unseren Seiten. 2009 hatten wir 17.700 Besuche (nach 16.300 in 2008 und 11.750 in 2007), also eine weiter steigende Anzahl.  Die Seitenaufrufe stiegen 2009 auf 27.700 (nach 24.000 und davor 17.400). Diese Seite Aktuelles zählte 2009 über 6.300 Besuche (nach 7.200 und davor 2.600). Es folgen die Seiten zur Sammlung mit über 1500 Besuchen, Instrumente mit über 1000 sowie die Seiten zur Bibliothek und zu Aktuell-Archiv mit je über 900 Besuchen im Jahr 2009.

          Die Regionalstatistik zeigt bei der Auswertung der beiden führenden Ziffern der Postleitzahlgebiete Besucher aus der ganzen Bundesrepublik und einzelne Besucher aus dem Ausland, insbesondere Österreich. Schwerpunkte sind das erweiterte Ruhrgebiet einschließlich Bonn, der  Großraum Bremen, Emden, Oldenburg, der Raum Berlin, Erfurt und Leipzig.  Dabei wertet unser Server nur Besucher mit nicht anonymisierter IP-Adresse aus.

          Wir wollen Sie auch weiterhin - wie nun schon rd. 7 Jahre - mit Kurz-Mitteilungen über interessante historische Ereignisse, Gedenktage, Veranstaltungen, Schriften informieren und insbesondere auch jüngere Besucherinnen und Besucher für die Vermessungsgeschichte interessieren.  - 13.01.10

 

327.   Alexander Nalenz – vor 100 Jahren verstarb der Eisenbahnlandmesser   

         Erinnerungen an Vermessungsübungen, es ging um Kurvenabsteckungen – nicht nur um  Bogenabsteckungen von der Tangente aus, wie sie bereits 1872 der große Geodät Friedrich Robert Helmert beschrieben hatte. Übergangsbögen, Parabeln, Klothoiden kommen in den Sinn. Und das Nalenz-Höfer-Verfahren. Wir erinnern aus Anlaß des 100. Todestages an den großen Eisenbahnlandmesser Alexander Nalenz.

           Noch Ende des vor-vergangenen Jahrhunderts hatte Nalenz eine aus geodätischer Sicht originelle Meß- und Absteckungstechnik für Gleisbogen entwickelt. In diesem Verfahren wurde unmittelbar das durch den Eisenbahnbetrieb verformte Gleis als Messungslinie verwendet. Anhand von Pfeilhöhenmessungen im verformten Gleis wurde sein Krümmungsbild ermittelt. Das Krümmungsbild der neuen Gleisachse wurde dazu rechnerisch in Beziehung gebracht, und aus der Differenz dieser beiden Krümmungsbilder konnten die gesuchten Abstände zwischen den beiden Linien abgeleitet werden, so daß hiernach die neue Gleisachse vom alten Gleis abgesteckt werden konnte. Großer Vorteil: die Aufmessung und Absteckung konnte im Bereich des vorhandenen Gleises stattfinden. Insbesondere erleichterte es die Absteckungsarbeiten bei Brücken, hohen Dämmen oder tiefen Geländeeinschnitten.

           Wie so oft in der Geschichte fand das Verfahren jedoch erst breitere Anwendung, als der Eisenbahnlandmesser Max Höfer die großen Vorteile erkannte und mehrere Aufsätze mit zusätzlichen und vereinfachenden Erläuterungen veröffentlichte. Das Nalenz-Höfer-Verfahren kam endgültig zum Durchbruch, als sich 1931 der damalige Reichsbahnbaumeister Dr.-Ing. Gerhard Schramm für diese Benennung und seine Anwendung aussprach. Noch bis etwa 1970 - und in einigen Vermessungsbüros der damaligen Bundesbahndirektionen noch danach - hatte sich das Nalenz-Höfer-Verfahren als das Standardverfahren für die Gleisberichtigung etabliert.

           Wegen der mathematischen Beziehungen zwischen den Pfeilhöhen bzw. Krümmungsverhältnissen einerseits und ihrer zeichnerischen Darstellung andererseits setzte sich später auch der Name Winkelbildverfahren durch. Die Bezeichnung Winkelbildverfahren geht wohl ebenfalls auf Schramm zurück, schreibt Prof. Dr.-Ing. Siegfried Heitz, der das Verfahren 2003 differentialgeometrisch begründet hat.

           Alexander Nalenz wurde am 30. September 1849 in Dirschau an der Weichsel geboren, einer Kleinstadt mit ca. 11 000 Einwohnern bei Danzig, gelegen an der Eisenbahnlinie von Berlin nach Königsberg. Aus einfachen Verhältnissen kommend, studierte er in Berlin Mathematik und wurde dann Eisenbahnlandmesser – in einer Zeit, in der  (um 1870/1880) im damaligen deutschen Reichsgebiet in jedem Jahr annähernd 1000 km neuer Eisenbahnstrecken in Betrieb genommen wurden. Dabei lagen ihm Wissensdurst und wissenschaftliche Durchdringung von Problemen näher, als die praktische Anwendung seiner Erkenntnisse. So erklärt sich auch die zunächst geringe Resonanz des nach ihm benannten Verfahrens zur Absteckung eines Gleisbogens von einer Standlinie aus. Nalenz war mehr ein Einzelgänger, der sich andererseits neben seinen mathematischen Studien ein tiefes Wissen über die Kunst und insbesondere über die Musik erarbeitete. Alexander Nalenz starb am  4. Januar 1910 – eine Persönlichkeit, die sich durch Fleiß und hohe Intelligenz einen großen Namen erworben hatte.            

          Quellen: Siems, Erich: Schriftliche Hinweise auf das historische Datum und die Bedeutung von Nalenz; und Heitz, Siegfried: Benachbarte Kurven und Flächen, Verallgemeinerungen des ”Winkelbildverfahrens“, Mitt. aus den Geodätischen Instituten der Rheinischen Friedrich–Wilhelms–Universität, Bonn, Nr. 90 - Dezember 2003 ISSN 0723–4325. Nachtrag: Erich Siems: Hundertster Geburtstag von Alexander Nalenz - Erinnerungen an einen Großen Eisenbahnlandmesser und sein Verfahren zur Gleisvermessung - in DER EISENBAHNINGENIEUR, internationale Fachzeitschrift für Schieneverkehr & Technik, Heft 02/10 S. 54 - 55. - 04.01.10/ 19.02.2010

 

326.   Das Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen

              In den vergangenen weit über 10 Jahren hat sich der Geodatenmarkt von einer enormen Dynamik gezeigt. Die europäische INSPIRE-Richtlinie von 2007 hat der gesamten Geoinformationswirtschaft einen weiteren erheblichen Schub gebracht. Das deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen hat auf diesem Gebiet wesentliche Basisarbeit geleistet. Das von Prof. Dr.-Ing. Klaus Kummer, Magdeburg, und Ministerialdirigent a. D. Prof. Dr.-Ing. Josef Frankenberger, Rosenheim, herausgegebene Werk im Umfang von 878 Seiten gibt einen Überblick über Stand und Entwicklung in diesem umfangreichen Arbeitsfeld. 

           Raum- und Zeitbezug von Geodaten für Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Verwaltung sind heute von grundlegender Bedeutung. Wissen voneinander und von den Produkten und Diensten des deutschen Vermessungs- und Geoinformationswesens sind nicht nur für den Vermessungsingenieur und Kartographen bedeutsam, sondern vor allem für die Nutzer, für Planer, Bauingenieure, Architekten, für Immobilienmakler und Kreditinstitute, Umweltingenieure - insgesamt für alle Fachrichtungen, die raumbezogen wirken. In dem neuen Standardwerk wird in insgesamt 17 Kapiteln der gesamte Fachbereich aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, gegliedert in Teil A Gesellschaftliche Verankerung und institutionelles Gefüge, Teil B Aufgabenfelder und Wirkungsbereiche, Teil C Technische Netzwerke und Transfer, Teil D Forschung und Lehre, Teil E Rückblick und Anhang.  Über 160 farbige Abbildungen und eine Reihe von Tabellen veranschaulichen wichtige Sachverhalte und vermitteln räumliche Zusammenhänge. Es ist ein als Jahrbuch konzipiertes Nachschlagewerk und zugleich Arbeitshilfe - eine Klammer für die in der jüngeren Vergangenheit oft unüberschaubar ausgeweiteten Bereiche Vermessung und Geoinformation. 

           Die Vermessungsgeschichte ist in diesem neuen Standardwerk gegenwärtig, als geschichtlichen Wurzeln verschiedener Fachgebiete in den entsprechenden Kapiteln jeweils kurz umrissen werden, so u. a. zu den Grundlagen von Vermessungswesen und Staat, zur Vermessungsgesetzgebung, Entwicklung der Bezugssysteme und zur Landesaufnahme, zum Liegenschaftskataster und zum kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Ein abschließender geschichtlicher Rückblick beleuchtet das deutsche Vermessungswesen von 1882 bis 2010, beschreibt kurz Marksteine der Entwicklung. Auf die Aktivitäten unseres Vermessungsmuseums wird im Gliederungspunkt 2.5.7 hingewiesen.

           Die Autorenschaft besteht aus 34 namhaften Experten, die ihr jeweiliges Fachgebiet in Deutschland führend vertreten und weiterentwickeln: 

R. Bauer, München - K. Birth, Bonn - H. Brüggemann, Bonn - P. Creuzer, Hannover - G. Fabian, Berlin - J. Frankenberger, Rosenheim - W. Grunau, Edewecht - B. Heckmann, Wiesbaden - Chr. Heipke, Hannover - E. Jäger, Hannover - K.H. Jäger, Stuttgart - C. Jäger-Bredenfeld, Magdeburg - C. H. Jahn, Hannover - M. Kerber Berlin - Th. Kötter, Bonn - K. Kummer, Magdeburg - H.J. Kutterer, Hannover - H. Lucht, Bremen - M. Meinert, Potsdam - J. Müller, Hannover - R. Püschel, Vilshofen - S. Sandmann, Bonn - H.-W. Schaar, Essen - A. Schleyer, Stuttgart - K. Schultze, Magdeburg - M. Seifert, München - U. Stichling, Wuppertal - H. Streuff, Bonn - J. Thomas, Düsseldorf - H. Wanzke, Wuppertal - W. Wiedenroth, Magdeburg - W. Zeddies, Hannover - W. Ziegenbein, Hannover - M. Zurhorst, Werne. -  

           Siehe auch die Buchbesprechung von H. Hildebrandt in zfv 6/2009 S. 391 - 392; dessen Fazit: "....ein gelungenes, umfassendes, pädagogisch hervorragend aufbereitetes und praxisorientiertes Standardwerk."

Kummer/Frankenberger (Hrsg.) "Das Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen", 878 Seiten, kartoniert, Herbert Wichmann Verlag - Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Einführungspreis bis 31.12.2009: 98,00 €, ab 1.1.2010 118,00 € - ISBN 978-3-87907-487-7. - 25./27.12.09

 

 

325.   Die Sammlung Zurhorst – eine wertvolle Dauerleihgabe für unser Museum

            Das Vermessungstechnische Museum in Dortmund hat am 12. Dezember 2009 eine großzügige Spende erhalten. Die Familie Zurhorst aus Werne, Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure in dritter Generation, übergab dem Museum einen wesentlichen Teil der über Jahrzehnte gesammelten wertvollen historischen Instrumente als Dauerleihgabe. Anlaß war der 85. Geburtstag des verstorbenen Firmengründers Bertold Zurhorst. Nahezu 30 Familienmitglieder waren angereist, darunter die Ehefrau des Firmengründers. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde übergab Michael Zurhorst, seit 2008 auch Präsident des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure, insgesamt 32 Instrumente aus der Familiensammlung. Er betonte die langjährige Verbundenheit der Familie Zurhorst zum vermessungstechnischen Museum. Daher falle es ihm auch leicht, die sehr gepflegte Sammlung nun in historisch-fachliche Hände zu legen und sie damit der Öffentlichkeit zeigen zu können.

            Sichtlich erfreut konnte der Erste Vorsitzenden des Förderkreises, Ingo von Stillfried, die großzügige Spende entgegennehmen. Mit ihm erfreuten sich die Vorstandsmitglieder Manfred Gombel, Ulf Meyer-Dietrich, Norbert Kalischewski, Klaus Lehmann und Rudolf Uebbing. Ingo von Stillfried erläuterte, gerade auch für die nicht so tief in der Instrumententechnik beheimateten Familienmitglieder der Familie Zurhorst, wie vielfältig die Vermessung auch in gesellschaftliche Veränderungsprozesse eingebunden ist; wie neben den technischen Details, ablesbar am Beispiel unserer ausgestellten Instrumente, die Vermessung für allgemeine Veränderungsprozesse Bedeutung hat. So spiele z. B. auch der übergebene Borda-Kreis in einer Sendung der Serie "Terra-X" des ZDF (ausgestrahlt etwa im April 2010) über die Entstehung des Meters eine besondere Rolle, als eine der zentralen Requisiten. Die wertvolle Dauerleihgabe der Familie Zurhorst ist eine ideale Ergänzung der seit 1985 in den Räumen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte bestehenden Sammlung. 

            Die Ruhrnachrichten in Dortmund haben jetzt am 5. 1. 2010 ausführlich und mit Foto des "Holländischen (Borda-) Kreises" und vom Ersten Vorsitzenden über diese für das Museum großartige Leihgabe berichtet. – 18. 12. 09/05.01.10

 

324.  Der Wiehen-Wagen von 1772 - eine Geographische Maschine

            Am Anfang stand der Vorschlag unseres Bibliothekars, Dr. Hartwig Junius, ein – wie wir im Vorstand meinten – ungewöhnlich teueres Buch zu kaufen: „Abbildung und Beschreibung einer Geographischen Maschine auf einem Wagen oder Kutsche“ von Johann Georg Wilhelm Wiehen, Hildesheim 1772. Allerdings verlangte der Antiquar für das kleine Werk von 31 Seiten einen stolzen Preis. Es war ja zugegeben sehr alt und mit wundervollen Zeichnungen für einen „Meßwagen“, gezeichnet und bemaßt in „Nürnberger Maßen“.

           Unser Bibliothekar war hartnäckig. Es entstand die Idee, wenn man das Buch kaufen würde, dieses nicht einfach im Regal verschwinden zu lassen, sondern den Wagen nach den sehr detaillierten Konstruktionszeichnungen und -beschreibungen auch nachzubauen. Doch durch wen? Hartwig Junius knüpfte Kontakte zu Volkswagen. Dort gab es Interesse, weil ja in modernen Fahrzeugnavigationssystemen ähnliche Funktionen wirken nur eben auf elektronische und nicht auf mechanische Weise wie im „Wiehen-Wagen“. Im Oktober reisten Hartwig Junius und unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried zu einem Besuch nach Kassel-Baunatal in die VW-Lehrwerkstatt. In großer Runde mit 7 Personen wurde in sehr angenehmer Umgebung konstruktiv und kreativ über den Nachbau des „Wiehen-Wagen“ diskutiert. In Frage käme kein historischer, sondern ein historisierender Nachbau; wichtig sei die Funktionalität; VW kann den mechanischen Teil beisteuern, eine bereite Modellbauschule könnte für die Gestaltung der Kutsche sorgen. Der Herstellungsmaßstab würde nach Sichtung aller Unterlagen gemeinsam besprochen. Unser Ehrenmitglied Helmut Minow hat inzwischen die alten Maße übersetzen können.  Das „Marketing“ kann später ein Highlight für den Förderkreis werden.  Ein Zeitrahmen wurde noch nicht festgelegt – erstmal war überhaupt das Buch zu erwerben.

           In unserer Vorstandssitzung im November haben wir dann gerne dem Kauf des wertvollen kleinen Werks zugestimmt – und sind nun alle gespannt über den Fortgang dieser wundersamen Geschichte. – 12.12.09

 

323.   Ex  Oriente Lux ? – Wege zur neuzeitlichen Wissenschaft – eine Ausstellung in Oldenburg

            OldenburgStadt der Wissenschaften 2009. Das Landesmuseum Oldenburg präsentiert eine Sonderausstellung Ex Oriente Lux ? – bewußt mit Fragezeichen. Die Ausstellung nimmt Schlüsselbegriffe des Oldenburger Konzepts „Übermorgenstadt“ auf, eine Symbiose von Geschichte und Zukunft. Ausgewählte Themen aus der Geschichte der Naturwissenschaften, deren Ursprüngen, der Entwicklung in Mesopotamien, im Alten Ägypten, über die klassische Antike und das europäische Mittelalter, der Berücksichtigung der Blütezeit der arabisch-islamischen Wissenschaften und deren Rezeption in Europa bis zum Ende der Aufklärung.

           Die Ausstellung ist gegliedert in zwei große Bereiche: In den Themen der Wissenschaft geht es um die Geschichte der naturwissenschaftlichen Disziplinen, in den Räumen der Wissenschaft werden die wichtigsten Städte und Regionen vorgestellt, in denen geforscht wurde. Rund 300 Exponate aus allen Zeiten und Räumen zeigen eine bisher nie dagewesene Zusammenschau. Astronomie, Mathematik, Ingenieurskunst, Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie, wie sie  das Weltgeschehen beherrschten. Besondere Inszenierungen führen durch Paris, Bagdad, Toledo, Alexandria und Florenz. Eine Stadtplan-Rekonstruktion des alten Stadtzentrums von Alexandria, Bagdad als „Stadt des Friedens“, Keilschrifttafeln, ein Himmelsglobus aus der Zeit  um 200 v. Chr., die riesige Weltkarte des arabischen Geographen Al-Idrisi von 1154  - Beispiele einer ungemein reichhaltigen Fülle historischer Exponate. -

           Am Festakt im Oldenburger Schloß zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung am 25. 10. 2009 hat unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried teilgenommen. 6 Exponate unseres Museums sind in der Ausstellung zu sehen,  u. a. der Holländischen Kreis aus Leiden von um 1655 (siehe unser Museumshandbuch S. 128). Unser früherer Kuratoriumsvorsitzender, Prof. Dr.- Ing. Wolfgang Torge, hat im wissenschaftlichen Beirat der Ausstellung mitgewirkt und als Autor für das begleitende Handbuch einen hochinteressanten Überblicks-Beitrag geschrieben: „Von Eratosthenes bis Delambre – die Geodäsie entsteht“ (S. 170 – 181).

           Die außerordentlich sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar 2010 in 26135 Oldenburg, im Augusteum, Elisabethstr. 1 zu sehen.  -  08. 12. 09

 

322.   Dr. Kurt Kröger zum besonderen Geburtstag.

           Am 6. Dezember dieses Jahres vollendet Dr. Kurt Kröger sein 85. Lebensjahr. 1924 in Ennepetal geboren, mußte er in den unseligen Krieg ziehen, wurde schwer verwundet, kam durch guten Rat von Kriegskameraden in die Geometer-Laufbahn, „ein Traumberuf“, wie er gerne sagt. Stationen seiner Ausbildung waren u. a. das Katasteramt Lüdenscheid und das Studium an der Ingenieurschule in Essen. Am Beginn seiner aktiven Tätigkeiten standen die Vereinigten Stahlwerke in Essen, die spätere Ruhrkohle AG,  dort folgte bald der Einsatz in der Bezirksdirektion Dortmund. Seine ersten praktischen Aufgaben umfaßten schon das breite Spektrum von hochpräzisen Ingenieurvermessungen bis hin zu Grundlagen für den Siedlungsbau. -

             Für das Vermessungstechnische Museum ist Kurt Kröger ein „Mann der ersten Stunde“. Gerne sagt er, daß er die Mitgliedsnummer 1 habe, sei Zufall – was wir ihm zwar abnehmen, es aber doch als ein sehr zutreffendes Indiz seiner Aktivitäten ansehen. Er hat bis in die jüngste Vergangenheit in den weit über 30 Jahren des Bestehens des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum stets an vorderster Stelle gestaltend gewirkt, zunächst als Geschäftsführer im Kuratorium, später als Erster Vorsitzender in der Nachfolge von Siegfried Stahnke. Seit Ende seiner aktiven Dienstzeit 1989 hatte sich Dr. Kröger verstärkt für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins und für das Museum eingesetzt. In der Fachwelt wurde er besonders bekannt durch die ‘Förderkreis-Nachrichten' in den Allgemeinen Vermessungsnachrichten (AVN). Durch seine prägnant geschriebenen Mitteilungen zur Vermessungsgeschichte ebenso im „Vermessungsingenieur“ und in der zfv  ist er bei vielen Fachkollegen und –Kolleginnen besonders geschätzt. Es war immer das Anliegen des Ehrenmitglieds (seit 1996) Kurt Kröger, die Abteilung Vermessungsgeschichte des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund regional wie bundesweit bekanntzumachen. Unvergessen sind Beiträge für das WDR-Fernsehen, für den Rundfunk, in der Presse, so z.B. im Magazin 5/1991 ‘Dortmunder Notizen‘ mit der Reportage „Vom Hanff-Meßseil bis zum Satelliten“. Und in gleicher Weise vorbildlich wie verdienstvoll war seine aktive Gestaltung der Symposien für Vermessungsgeschichte sowie die Herausgabe der Symposiums-Bände bis in die jüngste Gegenwart. –

             Kurt Kröger ist eine Persönlichkeit, die sich ebenso auch im und um den VDV ganz besondere Verdienste erworben hat – seit 1967 als Landesvorsitzender im großen Landesverband NW, davor lange engagiert für den Ingenieurberuf im Bezirk Dortmund. Und im VDV erst recht unvergessen ist auch seine Mitwirkung für die Jubiläumsschrift „50 Jahre VDV 1949 - 1999“, die er zusammen mit den beiden Mitautoren Wolfgang Beicken und Hans Soest verfaßte. Kurt Kröger hat sich in seinem gesamten Wirken beständig für den Ausgleich mit anderen Berufsgruppen, mit verwandten Berufszweigen in Vermessungswesen und darüber hinaus eingesetzt.  

           Er verfaßte im doch schon fortgeschrittenen Alter seine Dissertation „Das Vermessungswesen im Spiegel der Hausväterliteratur“, abgeschlossen 1985. Diese Arbeit ist ein faktenreiches Kompendium des Grenz-, Eigentums- und Nachbarrechts des 16. – 18. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, eine aus umfangreichem Quellenstudium erwachsene fachtechnisch wie fachrechtlich ungemein reichhaltige Arbeit, wie sie kaum jemand hinter dem Titel vermutet.

             Bereits vor der politischen Wende in Deutschland hatte Kurt Kröger den gegenseitigen Erfahrungsaustausch unseres Förderkreises mit der Kammer der Technik, mit Prof. Dr. Deumlich und Oberingenieur Bernhard Zimmermann angestrebt, die diese erst nach 1989 erwidern durften. „Ihre Ausführungen (in einem Brief vom 5.2.1990, der Verf.) zu den Bedingungen, zu denen Sie bisher in der DDR arbeiten mußten, haben mich sehr betroffen gemacht“, schrieb er unter dem 15. 3. 1990 an Prof. Dr. Deumlich.  

           Dankbar für sein unermüdliches Wirken gratulieren wir Dr. Kurt Kröger zu seinem besonderen Geburtstag, wünschen unserem Ehrenmitglied  im VDV und im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum weiterhin alles Gute, ganz besonders auch für seine Gesundheit. Und siehe auch VDVMagazin 6/2009 S. 523 und 541-542. - 1. 12. 09

 

321.   20 Jahre nach dem Mauerfall - Geodäten ohne Grenzen - 15. Baltisches Geodätengespräch in Fischland auf dem Darß am 13. und 14. November 2009

           In einer mit weit über 40 Teilnehmern sehr gut besetzten Vortragsveranstaltung sind Situation, Folgen und Entwicklungen reflektiert worden, wie sie sich vor 20 Jahren, nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR ergeben haben. Themen waren u. a. sehr persönliche Rückblicke in die Wendejahre (Hagen Graeff, Hamburg,  Frieder Mrosek, Schwerin, Prof. Hermann Seeger, Bad Neuenahr) sowie die Auswirkungen aus dem Wechsel von der zentralisierten Staatswirtschaft mit gesellschaftlichem Volkseigentum bis 1989 hin zur sozialen Marktwirtschaft mit dem Grund und Boden als Wirtschaftsfaktor, der wieder zentralen Bedeutung der Sicherung des Privateigentums in Grundbuch und Liegenschaftskataster, Grundlagen der Stadtplanung, von Bodenordnung und Wertermittlung (Prof. Christian Killich, Brandenburg, Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen aus Sicht des Städtetages, DVW-Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne, Erfurt). "Die Einführung von westdeutschem Verfassungs- und Verwaltungsrechts von einem Tag auf den anderen wirke ungefähr so, als ob bei uns im Westen Chinesisch als Amtssprache  eingeführt würde," formulierte 1991 Manfred Rommel, der Präsident des deutschen Städtetages. - 

           Prof. Dr. Wolfgang Torge, Hannover erläuterte weit rückblickend  historische geodätische Netzarbeiten vor und nach 1945 mit Vergleich auch der Arbeiten in der DDR und der alten Bundesrepublik, Prof. Dr. Schlosser gab einen  Abriß über 20 Jahre Trigonometrische Vermessungen.  ÖbVI Mill aus Rügen und Prof. Robert Scholz, Neubrandenburg, zeichneten Wege und Erfolge des freien Berufs in den Wendejahren und aktuell nach. Die Professoren Rolf-Werner Rebenstorf und Dr. Foppe berichteten vom Aufbau und der umfassenden Breitenwirkung der Hochschule Neubrandenburg, letzterer mit dem hochinteressanten Schwerpunkt der automatischen Bauwerksüberwachung. Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne entwarf mit seinem Rückblick auf die INTERGEO Karlsruhe (dem "Flaggschiff der Geodäsie") die Zukunftsaufgaben des Vermessungswesens, setzte sich engagiert für das Leitbild des Geodäten als Kern unseres Berufsstands ein und betonte den guten Ruf des Diplomingenieurs. Er gratulierte Jörg Scheffelke zu der inzwischen zur wertvollen Tradition entwickelten Veranstaltung, die den Rang eines kleinen Geodätentages gewonnen habe. Er überreichte ihm als Anerkennung das Museumshandbuch  Vermessungsgeschichte unseres Förderkreises.  

          Einen besonderes Highlight bildete zum Abschluß die Vorstellung der Arbeiten des Leibniz-Instituts aus Leipzig und der landeskundlichen Bestandsaufnahme der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und des Barther Landes - Band 71 der Schriftenreihe des Leibniz-Instituts - durch Dr. Haik Thomas Porada (jetzt Leipzig , vormals Greifswald), einen Bildband, den alle Vortragenden als Dank erhalten. 

          Wulf Schröder aus Wiesbaden umrundete zusammenfassend noch einmal die Vielfalt der Beiträge dieser beiden Tage. Zum guten Schluß erinnerte der Senior unter den Teilnehmern, Paul- Gerhard Ramseger aus Schwerin, an eine vor 130 Jahren in der  ganz in der Nähe in Wustrow abgehaltene erste Geodäten-Konferenz vom damaligen Deutschen Geometerverein. Und Ihr Berichterstatter dankte im Namen der Teilnehmer dem Veranstaltern Jörg Scheffelke und Heiko Schröder von der Bezirksgruppe Vorpommern im Landesverein Mecklenburg - Vorpommern des DVW und ebenso den Sponsoren für das ungewöhnlich reiche und reizvolle Kaleidoskop des dargebotenen historisch und aktuell hochinteressanten Programms. - Berichte über das 5. und das 10. Geodätengespräch dieser zu einer besonderen Tradition gewordenen Veranstaltung im Fischland siehe in zfv 2000 S. 30-31 und zfv 2005 S. 57.  -  22. 11. 2009

 

 

320.   Aus der Vorstandssitzung des Förderkreises Vermessungtechnisches Museum in Dortmund

          In der jüngsten Vorstandssitzung sind die Weichen gestellt worden u. a. für

- die Verleihung des Eratosthenes-Preises an Dr. Rudolf Hafeneder in der Mitgliederversammlung am 22. 02. 2010 (vergl. Mitt. Nr. 302 und 263) in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund

- den Haushaltsentwurf für 2010

- den Ankauf besonderer alter Vermessungsinstrumente (vergl. u. a. Mitt. Nr. 319),

- Buchankäufe für unsere umfangreiche Bibliothek

- die weitere Werbung für den Verkauf des neuen Museumshandbuches (vergl. Mitt. Nr. 313),

- die Erweiterung dieser viel besuchten Homepage. - 15.11.09

 

 

319.   Ein Breithaupt-Theodolit von 1863 - und eine hochherzige Spende

           Unsere Museumsexperten Manfred Gombel und Ingo von Stillfried sind immer auf der Suche nach besonderen Raritäten für unsere Schausammlung – und sind jüngst beim Dorotheum in Wien fündig geworden: Ein besonderer Theodolit, signiert am Horizontalkreis "F. W. Breithaupt & Sohn in Cassel. 1863", Fernrohr 29 cm lang, Objektivdurchmesser 28 mm, Teilung mit Nonius, Silber, Vertikalkreis von 11 cm Durchmesser. Ein 31,5 cm hoher Theodolit mit schöner Zaponierung  gehört uns. Doch möglich wurde dies erst durch eine hochherzige Spende unseres ehemaligen ersten Vorsitzenden Dr. Kurt Kröger. Denn unser Instrumenten-Haushalt für dieses Jahr gab den benötigten Betrag nicht mehr her. Kurt Kröger gab ganz spontan einen großen Betrag hinzu – so wird dieses Instrument sehr demnächst unsere Schausammlung im Vermessungsmuseum, Abt. 22 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund bereichern - 06.11.09   

 

 

318.    6 Jahrzehnte Flurbereinigungsgesetz

            Professor Dr.-Ing. Erich Weiß hat seine lange Berufserfahrung und wissenschaftliche Durchdringung der Flurbereinigungsgesetzgebung in seinem neusten Werk "Zur Entwicklung des Flurbereinigungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten" auf 224  Seiten in Band 18 der Sammlung "Kommentare zu landwirtschaftlichen Gesetzen" zusammengefaßt (Agricola-Verlag in 26969 Stollham - ISBN 978-3-920009-056, Preis € 35). Wir haben an dieser Stelle kürzlich in Mitt. Nr. 310 aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres auf das segensreiche Wirken von Professor Weiß hingewiesen.

           Mit seinem neuesten Werk beleuchtet Erich Weiß zahlreiche Änderungen, Anpassungen an andere Gesetze im Flurbereinigungsrecht, dokumentiert deren Entstehungsgeschichte in materieller und formeller Hinsicht. Der Verfasser greift dabei auf zahlreiche eigene Veröffentlichungen wie ebenso auch auf die Materialien des Bundestages zurück. Siehe auch http://agricola-verlag.de/detail_weiss.html und Buchbesprechung in zfv 5/2009 S. 330-331. -  28.10.09

 

317.   15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - Geodäten ohne Grenzen

             Die Bezirksgruppe Vorpommern des LV Mecklenburg-Vorpommern im DVW lädt ein zum 15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - unter dem Thema "Geodäten ohne Grenzen - Beiträge zum Vermessungswesen in Deutschland nach der politischen Wende 1989". Auf Initiative von Jörg Scheffelke und eingeladen vom Bezirksgruppen-Vorsitzenden Heiko Schröder werden die damaligen Veränderungen und Umwälzungen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in einer Reihe von Kurzvorträgen beleuchtet. Vortragende sind u.a. die Professoren und Fachkollegen Schlosser (Schwerin), Seeger (Bad-Neuenahr), Torge (Hannover), Graeff (Hamburg), Scholz (Neubrandenburg), Mill (Rügen), Rebenstorf (Neubrandenburg), Zölitz (Greifswald), Grewe (Schwerin) und Ihr Berichterstatter Lucht (Bremen). Die Themenpalette reicht von der wissenschaftlichen Forschung bis hin zur kommunalen Praxis, angereichert durch zwei besondere historische und kulturelle Themen (Lubinsche Karte von 1618, Landvermesser und Maler Carl Malchin). Die Veranstaltung findet statt vom 13. - 14. November 2009 im Ostsee-Hotel Dierhagen. Näheres und Anmeldungen unter Tel. 03834 500066,  Jörg Scheffelke, Arndtstr. 4 in 17489 Greifswald - eMail scheffelke@gmx.de . - 22.10.09

 

 

316.   20. Goldenes Lot für Fritz Pleitgen - Museumshandbuch für Wolfgang Kramer

             Mit dem "Goldenen Lot" des VDV ist am 16. 10. 2009 Dr. h. c. Fritz Pleitgen, Journalist, Intendant des WDR a. D., Vorsitzender der Geschäftsführung der RUHR 2010 GmbH (Kulturhauptstadt Europas 2010) ausgezeichnet worden. An der Festveranstaltung im blauen Salon der Köln-Messe nahmen über 100 Personen teil. Präsident Wilfried Grunau sagte u.a. über den Preisträger des Jahres 2009: „Sein herausragendes nationales wie auch internationales kultur- und medienpolitisches Engagement ist außergewöhnlich und beispielhaft gleichermaßen, wir ehren einen Menschen, dessen Haltung zu bewundern ist, für seinen Mut öffentlich Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.“ Diese Auszeichnung hat inzwischen eine 20-jährige (Vermessungs-) Geschichte. Stifter des Goldnen Lots ist Dipl.-Ing. Wolfgang Kramer, Ehrenvorsitzender des Bezirks Köln, der auch für die künstlerische Herstellung des jährlich vergebenen Ehrenpreises sorgt - ein vergoldetes Lot auf einem symbolischen Miniatur-Grenzstein, wohlproportioniert angeordnet auf einem runden Edelstahl-Sockel. War die Preisverleihung ursprünglich vom VDV-Bezirk Köln des VDV ausgerichtet worden, hat inzwischen der Bundesverband des VDV die Ausrichtung übernommen. 

          In der Laudatio für Fritz Pleitgen hat traditionell der Vorjahrespreisträger Arved Fuchs, Stationen Pleitgens u.a. in Moskau, Ostberlin, beim WDR, besonders hervorhebend dessen tiefe Verbundenheit zur Kultur begeisternd nachgezeichnet; sie münde aktuell geradezu selbstverständlich in seiner jetzigen Funktion für die Kulturhauptstadt Europas 2010.  Und der Geehrte reflektierte souverän und werbend über kommende kulturelle Aktivitäten. Anwesend waren neben dem Preisträger 2009 Fritz Pleitgen und dem Laudator Arved Fuchs auch die Preisträger früherer Jahre, so Norbert Burger, ehem. OB aus Köln, der Astronaut Ulf Merbold, Prof. Manfred Bonatz aus Bonn, Wilfried Grunau, Eberhard Burger aus Dresden. Wie stets waren die Preisträger früherer Jahre gebeten, aus ihrem gegenwärtigen Engagement zu berichten - der Präsident des Förderkreises und Preisträger 1998 Harald Lucht überreichte in dem festlichen Rahmen dem Initiator des Goldenen Lotes, Wolfgang Kramer, das neue Museumshandbuch (Siehe Mitt. Nr. 313).        

         Grußworte sprachen u.a. die Kulturbürgermeisterin der Stadt Köln, der Präsident des BDVI, Michael Zurhorst, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kartographie Dr. Peter Aschenberner, Udo Stichling, Präsident des DDGI e.V., Dt. Dachverband für Geoinformation.

         Erster Preisträger des Goldenen Lots war 1990 der Ehrenvorsitzende des VDV, Wolfgang Beicken, zu den Preisträgern der folgenden Jahre gehörten u.a. Außenminister Hans-Dietrich Genscher,  Ministerpräsident Johannes Rau, Rita Süßmuth und Hans-Joachim Gauck. Die vollständige Ehrentafel ist unter http://www.vdv-online.de/das-goldene-lot.html verzeichnet. - 18.10.09

 

 

315.   9. Dortmunder Museumsnacht

Die Vorführungen zur 9. Dortmunder Museumsnacht am 26. 09. 09 waren für unser Museum ein SUPER-Erfolg mit einem überraschen guten Publikumszuspruch. Wir hatten das Motto gewählt "Hand-Werk Rechnen" und Ingo von Stillfried zeigte die Benutzung von Abakus, Rechenschieber, Rechentafeln, Logarithmentafeln, Kurbelrechenmaschinen bis hin zum PC, engagiert unterstützt von unserem Mitglied Carl-Wilhelm Schmälter. In den 4 stündlich angebotenen Führungen waren jeweils ca. 25 Zuhörer beteiligt - auch eine Reihe von Jugendlichen, die unseren beiden Fachleuten „ein Loch in den Bauch“ fragten. „Nun kann ich nicht mehr reden, das war toll!“ stellte am späten Abend unser Erster Vorsitzender fest. –
Und: Die Flyer für unser neues Museumshandbuches sind ausgelegt, der Museumsshop hat unsere Bücher im Verkauf und unser Geschäftsführer, Klaus-Detlef Lehmann berichtet über zunehmende Bestellzahlen. Siehe Mitt. 313. Auch toll! – 06.10.09

 

 

314.  Wir erinnern an Professor Dr.-Ing. Horst Peschel aus Dresden -

           geboren heute vor 100 Jahren.  Horst Peschel war lange Professor für Landesvermessung und Katasterwesen an der Technischen Hochschule Dresden und 15 Jahre Ordentliches Mitglied der Deutschen Geodätischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften in München seit 1952 - als Dresdner! 1967 mußte zu er seinem großen Bedauern aufgrund der politischen Gegebenheiten aus der DGK austreten. Ihr Berichterstatter erinnert sich sehr gerne an eine persönliche Begegnung 1971 in Moskau bei der Tagung der Internationalen Assoziation für Geodäsie IAG. Offizielle Kontakte waren damals bereits von Seiten der DDR verpönt – dennoch gab es persönliche Gespräche, die in lebhafter guter Erinnerung geblieben sind. Unsere Professoren mußten in ihren Gesprächen manche Rücksicht nehmen und Prof. Horst Peschel sich sehr zurückhalten. Sein Hauptforschungsfeld war u. a. das Nivellement, mein Vortrag dort über Korrelationen im Präzisionsnivellement lagen auf der gleichen Ebene wie die Arbeit eines seiner Doktoranten. –

           Horst Peschel wurde am 29. September 1909 in Dresden geboren. 1919 bis 1928 besuchte er die Annenschule in Dresden, 1928 Abitur. Sein Vater war Vermessungsingenieur.1928 bis 1932 folgte das Studium des Vermessungswesens an der TH Dresden, 1932 war er einer der ersten Diplomingenieure, Wissenschaftlicher Assistent am Geodätischen Institut der TH Dresden bei Prof. Werkmeister, 1936 Promotion, bis 1938 Referendar und 2. Staatsprüfung; 1938 bis 1939 freischaffender Vermessungsingenieur, dann bis 1944 Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur.

           Nach den Schrecken des Krieges mit dem Totalverlust aller Habe wurde Peschel 1950 zum Professor auf den wieder eingerichteten Lehrstuhl für Landesvermessung und Katasterwesen an der Technischen Hochschule Dresden berufen. Hier führte er u. a. 1952 die Große Vermessungsübung im Lehrfach Landesvermessung ein.  Er war  Mitbegründer der Zeitschrift „Vermessungstechnik“. Im Vorwort des ersten Heftes schrieb er: „Unsere Zeitschrift wird uns helfen, neue Freude an der Vielseitigkeit des schönen Vermessungsberufes zu gewinnen, sie wird ihm auch weitere Anerkennung verschaffen“ - sie erlangte bald ein hohes wissenschaftliches Renommee. Und er schrieb weiter „In ihr wird das Bewußtsein der Berufskollegen zum Ausdruck gebracht werden, daß Deutschland eine Einheit ist, die nicht durch willkürliche Schranken und Zonengrenzen zerrissen bleiben darf.“ –

           1953 bis 1956 war Prof. Peschel Rektor der TH Dresden. Die Einrichtung der Zentralstelle für internationale Dokumentation der Geodäsie am Geodätischen Institut 1956 war sein Werk. Er bearbeitete die deutschen Ausgaben dreier russischer Lehrbücher von Sakatow, Urmajew, Molodenski und verfaßte etwa 60 Aufsätze in wiss. Fachzeitschriften. 1959 bis 1974 war Prof. Peschel  Präsident der Kammer für Technik (KdT) der DDR, später deren Ehrenpräsident. Nach der 1968 im Zuge der dritten Hochschulreform in der DDR vollzogenen Auflösung des Geodätischen Instituts der Technischen Universität Dresden war er 1969 bis 1974 Leiter des neu gebildeten Wissenschaftsbereichs Geodäsie. In der wissenschaftlichen Arbeit galt seine besondere Vorliebe dem Feld der Höhenmessung. Diese Forschungen gipfelten in der unter seiner Führung entwickelten praxisreifen und auch international genutzten Technologie des motorisierten Präzisionsnivellements. 1963 bis 1984 leitete Prof. Peschel das Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik der DDR und konnte so an den Generalkonferenzen der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik IUGG sowie der IAG teilnehmen – wie erlebt und oben geschildert. Daher rührten Freundschaften mit u. a. Prof. Dr. Rudolf Sigl und Prof. Dr. Helmut Wolf, den er aus gemeinsamer Studienzeit kannte.

           Professor Dr.- Ing. Horst Peschel wird als ein verdienstvoller Forscher und großer Wissenschaftsorganisator gerühmt, der die Fähigkeiten eines Wissenschaftlers mit denen eines Praktikers vereinte. Für die meisten seiner Berufskollegen war er der Inbegriff eines Geodäten überhaupt, wohl der bedeutendste Geodät der DDR. Er starb am 11. 4. 1989 in Dresden. So war es war ihm nicht mehr vergönnt, die demokratische Wende und die Öffnung jener Grenze zu erleben, deretwegen auch er 1967 alle offiziellen Kontakte zu den wissenschaftlichen Kollegen im Westen hatte abbrechen müssen. – Am Dienstag, dem 17. November 2009, findet um 15:00 Uhr an der TU Dresden ein Gedenkkolloquium anläßlich des 100. Geburtstages von Prof. Horst Peschel  statt.

             Quellen: Sächsische Biographie in http://isgv.serveftp.org/saebi/impressum.php; Mitgliederverzeichnis der DGK; Zimmermann, B.: Zur Erinnerung an Horst Peschel, zfv 2009 S. 263 - 264 - 29.09.09

 

 

313.   Das neue Museumshandbuch - ein voller Erfolg!

           Auf der INTERGEO Karlsruhe vom 22. bis 24. September 2009 war die 3. Auflage unseres Museumshandbuchs ein echter "Renner" - von dem neuen Werk fanden weit über 200 Exemplare geneigte Leser. Die Käufer erwarben nicht selten 2 Bücher ( eines gleich als Geschenk), Verbände erwarben 10, auch 20 Exemplare. Die 3. Auflage des bekannten Werkes besticht mit über 600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem Aufsatzteil, erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im Umfang von 300 Seiten.  

           Es hatte sich herumgesprochen, daß hier etwas ganz besonderes angeboten wurde, ein werbender Flyer tat ein übriges. So ist z.B. auf der Doppelseite 116-117 die Waldseemüller-Weltkarte von 1507 in bestechender Qualität abgebildet, die Großtheodoliten Pistor und Martins von 1861 (S. 61), Sartorius von 1907 (S. 63), auch unser aus einer besonderen Spendenaktion 2005 von  erworbener Dollond-Theodolit von um 1770 (S. 299). Mehrere neue Aufsätze im 11 Beiträge umfassenden Textteil beleuchten Vermessungsgeschichte von ersten Grenzdarstellungen, vom Urkataster, bis zur digitalen Datenbasis und zur Satellitengeodäsie. Dabei ist das grundsätzliche Ziel des Handbuchs unverändert geblieben: Eine insbesondere auch für Nichtfachleute aussagefähige Quelle zur Vermessungsgeschichte zu sein, die darüber hinaus fachhistorisch von hoher Qualität ist.

           Präsident Harald Lucht und unser Erster Vorsitzenden Ingo von Stillfried sorgten mit ihren guten Kontakten zusätzlich für regen Besuch. So konnten wir neben den Präsidenten Dr. Karl-Friedrich Thöne vom DVW, Michael Zurhorst vom BDVI und Wilfried Grunau vom VDV u.a. Rolf Bull und Willibald Dores für das VDV-Magazin, Christiane Salbach für die DVW-Nachrichten, Martina Wolkowa vom BDVI-Forum begrüßen. Aus der großen Reihe weiterer Besucher seien Prof. Dr. Ekkehard Bartsch,  Prof. Dr. Hubertus Hildebrandt, Hans Killer, unser ersten Eratosthenes-Preisträger Frank Reichert, Dr. Jens Riecken vom DVW-NW, der AdV-Geschäftsführer Wilhelm Zeddies besonders erwähnt, der Stand war zeitweilig von Interessenten umlagert.

           Die Standbetreuung lag wieder wie schon so lange in den bestens bewährten Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef Lehmann, sowie von Jürgen Lagoda und Rudolf Uebbing, erstmals mit viel Engagement unterstützt vom neuen Vorsitzenden unseres Kuratoriums, Prof. Dr. Bertold Witte. Neben Ingo von Stillfried, dem rührigen Vater dieser Neuauflage des Museumshandbuchs, war Frau Sabine Koczy zu Besuch, der wir die technische Bearbeitung des Handbuchs und zahlreiche Neuzeichnungen verdanken.

           Es war ein für alle Beteiligten großer Erfolg - sicher wird dies Handbuch viele weitere Interessenten finden. Zu beziehen über unseren Geschäftsführer Klaus-Detlef Lehmann, Tel. 0231 5025686,  eMail Klaus-Detlef.Lehmann@stadtdo.de zum Preis von 35 €, darin Verpackung und Versand eingeschlossen. - 24.09.09

 

 

312.   C. F. Müller – diesmal der Prediger

              Der Prediger und Mensch Friedrich Christoph Müller wird im Mittelpunkt eines Vortrags stehen, den Pfarrer i. R. Ernst Martin Greiling am 2. Oktober 2009 um 19.30 Uhr in der Evangelischen Pfarrkirche in Bad Sassendorf halten wird. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von Pfarrer i. R. Christian Casdorff mit Musik von Joseph Haydn (1732–1809), der vor 200 Jahren verstorben war. Die Organisatoren dieser Veranstaltung erinnern sich zugleich gerne an ein Feierstunde von gut einem Jahr unter an gleicher Stelle „unter Müllers Kanzel“, als Manfred Spata einen Vortrag über Pastor Müller und dessen wissenschaftliche Arbeiten gehalten hatte (vergl. unsere Mitt. Nr. 239). - 21.09.09

 

 

311.   DAS NEUE BUCH ist da

Heute kam die erlösende Meldung von unserem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried: Unser Museumshandbuch liegt in seiner 3. Auflage fertig gedruckt vor. Wir stellen das Werk auf unserem Stand in Halle 4, Stand Nr. 4.637 bei der INTERGEO Karlsruhe vor, es kann dort erworben werden. - 300 Seiten über wiegend farbigen Fotos - für nur 30 € !  (vergl. auch Mitt. Nr. 308) - 18.09.09

 

 

310.   Professor Erich Weiß zur Vollendung des 70. Lebensjahres

           Professor Dr.-Ing. mult. Erich Weiß ist seit einer Reihe von Jahren eine tragende Säule im Vorstand des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum. Wann immer wissenschaftliche Fragestellungen zu beurteilen und zu entscheiden waren, beförderte er in seiner kompetenten und überlegenen Art umsetzbare Lösungen. Erich Weiß ist einer der Väter des vom Förderkreis ausgelobten Eratosthenes-Preises; er hat sich eingesetzt, als es um die Einrichtung der Ehrenmedaille ging und wirkte und wirkt zukünftig weiter als Hauptverantwortlicher für unsere alle 3 Jahre stattfindenden Symposien zur Vermessungsgeschichte – ein Ideengeber mit zurückhaltender doch wirksam eingesetzter Durchsetzungskraft. Sein nächstes großes Vorhaben ist die Ausrichtung des Symposiums im Jahre 2011 zum 500. Geburtstag von Mercator im Jahr 2012, dessen Leben und Wirken aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden wird.

           Wir im Förderkreis gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden jetzt zur Vollendung seines 70. Lebensjahres am 13. September 2009. Geboren in Halle an der Saale, gegen Ende seiner Gymnasialzeit nach Schwierigkeiten in der DDR – sein Sinn stand anders als der jener dortigen Machthaber – nach Westberlin gegangen, Abitur in Schöneberg 1959, Studium in Bonn. Erich Weiß wirkte in der Flurbereinigungsverwaltung in Nordrhein-Westfalen, hatte seit 1977 einen Lehrauftrag an der Universität Bonn, hier führte er ab 1990 im Lehrstuhl für Bodenordnung und Bodenwirtschaft die gute Tradition von Prof. Dr.-Ing. Walter Seele fort. 

           So sehr wir Erich Weiß zu schätzen wissen, so wenig vermögen wir an dieser Stelle seine großen wissenschaftlichen Leistungen hinreichend zu würdigen. Wir erinnern stellvertretend an sein segensreiches Wirken als Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft, seine ungemein zahlreichen wertvollen Veröffentlichungen, seine Einsatz für seine Studenten und Assistenten. Hervorgehoben seien neben seinen Veröffentlichungen zum Bodeneigentumsrecht u. a. seine umfänglich dokumentierten und kommentierten Quellen zur Entstehungsgeschichte der Flurbereinigung, Landeskulturgesetze in Deutschland, eine Sammlung historischer Gesetze zur Gemeinheitsteilung, Zusammenlegung und Umlegung sowie zur Reallastenablösung (siehe auch www.uni-bonn.de/probobo/dt_ew.htm).

           Gleich nach der Wende half er bei der Umorientierung der Praxis in der DDR auf ein dort ganz neues Bodenrecht, er hatte über 10 Jahre einen Lehrauftrag an der Universität Rostock „Grundzüge des Boden-, Planungs- und Baurechts“. Die Universität Rostock ehrte Erich Weiß 1998 mit der Ehrendoktorwürde. Weitere Ehrungen für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er in Litauen und in der Türkei. Wir gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden mit den besten Wünschen, vor allem auch für seine Gesundheit, und hoffen auf eine lange Fortsetzung der fruchtbaren Zusammenarbeit. – 13. 09. 09

 

309.   Alerdinck kartierte einst Münster in drei Dimensionen – Vortrag Mesenburg

             Über Forschungsergebnisse zu einem über 300 Jahre alten Stadtplan der Stadt Münster berichtet unser Kuratoriumsmitglied Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, Essen in einem Abendvortrag. Die durch E. Alerdinck im Jahre 1636 entwickelte Karte besticht durch ihre hohe Anschaulichkeit. Der Stadtplan wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes kartometrisch untersucht. Dabei standen zunächst Fragen zur vermessungstechnischen Aufnahme der Karte, der daraus resultierenden Genauigkeit und der Abbildung im Vordergrund. Überraschenderweise ergab die Kartenanalyse jedoch auch besondere situationsbedingte (30-jähriger Krieg) Gestaltungskomponenten.

           Die Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V. Sektion Rhein–Ruhr findet statt am Dienstag, den 27. Oktober 2009, 18.00 Uhr, Regionalverband Ruhr, Sturm-Kegel-Raum (Erdgeschoss), Kronprinzenstraße 35, 45128 Essen (Nähe Hbf). Weitere Infos unter http://rhein-ruhr.dgfk.net/ . - 05.09.09

 

308.   Groß-Ereignis in Sicht - neues Museumshandbuch

            Auf der kommenden INTERGEO in Karlsruhe werden wir unser neues Museumshandbuch vorstellen, die 3. Auflage des bekannten Werkes, mit über 600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem Aufsatzteil, erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im Umfang von 300 Seiten, Preis 30 Euro. Präsident Harald Lucht und Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried präsentieren das neue Werk auf dem Stand des Förderkreises in Halle 4, Stand Nr. 4.637 am Dienstag, 22. September ab 11:30 Uhr. Zur Präsentation eingeladen sind eine Reihe von Persönlichkeiten, so insbesondere auch die Präsidenten von DVW, BDVI, VDV. Die Standbetreuung liegt wieder in den bewährten Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef Lehmann, unterstützt von Rudolf Uebbing und Jürgen Lagoda - 27.08.09

 

 

307.   Förderkreis erhält aus der Schweiz eine terrestrische Stereomeßkammer WILD C12

            Der Förderkreis hat über die Vermittlung der Gesellschaft für die Geschichte der Geodäsie in der Schweiz (GGGS) eine terrestrische Stereomeßkammer WILD C12 erhalten. Diese erste stereometrische Meßkammer von WILD wurde in örtlichen Fachkreisen auch "Polizei-Stereometer" genannt. Sie stammt wohl aus dem Jahr 1938. Die Fa. WILD hatte 150 solcher Exemplare von 1933 bis 1963 gebaut. Die uns gespendete Kamera war bis ins Jahr 2002 im Einsatz beim kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Schwyz, vorrangig für die Unfallerfassung. Unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried konnte sie am 13.8. vom Leiter der Kantonspolizei, Adolf Füchslin, in der Schindellegi am Zürichsee in Empfang nehmen.
           Die belichteten Fotoplatten wurden an zentraler Stelle in Bern "in Bleistift vorausgewertet" und dann in Schwyz "in Tusche gerichtsverwertbar reingezeichnet". Erst ab etwa 2001 sind digitale Methoden eingesetzt worden, doch Praktiker meinen, damit werde die frühere Genauigkeit der C12 nicht erreicht. Die Stereomeßkammer mußte außer Dienst gestellt werden, weil keine Fotoplatten mehr zu beschaffen waren. Auch gestaltete sich ihr Einsatz wegen ihrer Größe und Gewicht zunehmend schwerfällig. So wurde das zugehörige analoge Stereoauswertegerät ebenfalls ausgemustert. - Es ist schon beeindruckend, daß ein Gerät über 70 Jahre im Einsatz war und eine digitale Konkurrenz hinsichtlich der Genauigkeit eigentlich nicht zu fürchten hatte. - Siehe auch die interessante Web-Seite der o. a. Gesellschaft für die Geschichte in der Schweiz unter www.history-of-geodesy.ch. - 18. 08. 09

306.   Der Limes – eine Grenzanlage quer durch Deutschland, Weltkulturerbe seit 2005

           Der Obergermanisch-Raetische Limes hat eine Länge von rd. 530 km und verläuft von Rheinbrohl (nördliches Rheinland-Pfalz) bis Hienheim an der Donau (südwestlich von Regensburg), durch die Länder Rheinlad-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Grenze zwischen der römischen Provinz Raetia und Germania markierte einst ein großes Zivilisations- und Wohlstandsgefälle. Der Limes stellte keine unüberwindliche militärische Verteidigungsanlage dar. Er diente in erster Linie der Kontrolle des grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehrs. Zahlreiche Limesdurchgänge kanalisierten den „Kleinen Grenzverkehr“. Diese römisch-germanische Grenze wurde einst durch mehr als 900 Türme überwacht. Der anfänglichen Holzbauweise folgten Steintürme, die ab 146 n. Chr. verputzt wurden. Die Wachtposten (Wp) wurden oft in Sichtweite zueinander angelegt. Der Limes ist am 15. Juli 2005 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen worden.

           Besonders beeindruckt waren jetzt die Fachkollegen Günter Cummerwie aus Wuppertal, Dieter Grewe aus Schwerin, Hans-Joachim Huberti aus Kaiserslautern, Harald Lucht aus Bremen, Horst Luft aus Taunusstein und Harry Pahl aus Hamburg, ehemalige Mitglieder der Fachkommission Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Deutschen Städtetag, als sie zusammen mit ihren Ehefrauen am 6. August 2009 den rekonstruierten Limesturm Wp 3/26 bei Idstein besichtigten. Geführt von Ottmar Weigel, dem Initiator der Rekonstruktion dieses Turms, wurde die alte Grenzbefestigung zwischen dem damaligen römischen Reich und Germanien ins Bewußtsein gerufen. Der Turm beherbergt eine hochinteressante Ausstellung mit Exponaten und Übersichten zum Limes, siehe hierzu auch http://www.roemerturm-idstein.de/ und das lesenswerte Heft „UNESCO-Welterbe Limes, römisches Erbe in Hessen", herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen, www.denkmalpflege-hessen.de/Archaeologie . Und  - eine der ersten Mitteilungen auf dieser Seite wies bereits 2004 auf die geplante Aufnahme des Limes in Deutschland als UNESCO-Weltkulturerbe hin (Mitt. Nr. 30) . - 10.08.09.

 

305.    Museumshandbuch 3. Auflage - Layout ist fertig, Druck bis zur INTERGEO

             Die 3. Auflage des Museumshandbuchs des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund ist in der Endredaktion.  Ingo von Stillfried hat mit der tatkräftigen Hilfe von Madeleine Albrecht, Manfred Gombel, Sabine Koczy, Petra Uthardt und Rudolf Uebbing das Werk fertiggestellt, danach ist intensiv Korrektur gelesen geworden. – Das rd. 300 Seiten umfassende, reich farbig bebilderte und mit einer Reihe auch neuer fachhistorischer Aufsätze ergänzte Buch geht am 21. August zur Druckerei – um es dann auf der kommenden INTERGEO in Karlsruhe vom 23. bis 25. September der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir alle im Förderkreis freuen uns auf ein gelungenes Werk.  Siehe auch unsere Mitt. Nr. 287 und zfv Heft 4/2009 S. n-62. - 01.08.09

304.    Bayerischer Vermessungskompaß

              Der „Bayerische Katastervermessungskompass“, © 2005, ist ein von ehrenamtlichen Autoren verfaßtes, freies Internetprojekt, das sich ausschließlich mit der Thematik Kataster und Geodaten beschäftigt. In einem ersten Schritt soll das Bayerische Kataster dokumentiert werden. Es weist darüber hinaus eine ganze Anzahl von einschlägigen Links nach. Näheres siehe unter http://www.by-bayern.de/ . Gegenwärtig ist eine Reihe von fachhistorischen Daten chronologisch zusammengestellt (beginnend 1801 mit Hinweisen auf die Katasteranlegung in Bayern ab 1808), Fachbegriffe werden erläutert. Kontaktadresse Erwin Knott über erwin.knott@googlemail.com . - 28.07.09

303.   Soldnermedaille für Hubertus Hildebrandt und Max Engelsberger.

             Stadtdirektor a. D. Prof. Dr.-Ing. E. h. Hubertus Hildebrandt ist vom bayerischen Staatsminister für Finanzen mit der Soldnermedaille für besondere Verdienste um das Vermessungswesen in Bayern ausgezeichnet worden. Damit wurde u. a. sein besonderes Engagement bei der Durchführung von Baulandumlegungen und städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen und sein 20-jähriger Vorsitz im Gutachterausschuß für Grundstückswertermittlung der Stadt Nürnberg sowie sein Engagement bei der universitären Aus- und Fortbildung des Berufsnachwuchses gewürdigt. Minister Fahrenschon überreichte die Verdienstmedaille in einer Feierstunde am 17. Juni 2009. – Zugleich mit Prof. Hildebrandt wurde auch der frühere Leiter der bayerischen Vermessungsverwaltung (1989 – 1998) Ministerialdirigent a. D. Dr.-Ing. Max Engelsberger ausgezeichnet.

             Mit Hubertus Hildebrandt wurde in Bayern erstmals ein Fachkollege aus dem Kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen mit der im Jahre 2003 geschaffenen Medaille ausgezeichnet. Er leitete das Stadtvermessungsamt Nürnberg von 1969 bis 1990. Geboren 1927 in Stettin, war er nach dem Studium an der TH Hannover zunächst in der Landeskulturverwaltung in Niedersachsen tätig, im Kulturamt Verden leitete er das Flurbereinigungsverfahren für das Autobahnkreuz Bremen. In Nürnberg wurde er Nachfolger von Dr.-Ing. Walter Seele. Hubertus Hildebrandt war engagiertes Mitglied in der Fachkommission Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen des Deutschen Städtetages, Schriftleiter der zfv 1977 bis 1984, erhielt die Ehrenpromotion 1988 in Bonn, die Honorarprofessur 1989 in München. Zahlreiche Aufsätze und mehrere Buchveröffentlichungen stammen aus seiner Feder. Auch nach seiner Pensionierung war und ist Hubertus Hildebrandt insbesondere in Fragen der Wertermittlung in Sanierungsgebieten gefragt. - 18.07.09

 

 

302.   Eratosthenes-Preisträger 2009 ist Rudolf Hafeneder

            Das Stifterkollegium des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum (Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Kuratoriumsvorsitzender o. Prof. Dr. Bertold Witte, Erster Vorsitzender Ingo Frhr. von Stillfried) ist in Dortmund zusammengetreten und hat den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis 2009 vergeben. Aus mehreren vorgeschlagenen und preiswürdigen Arbeiten ist die Dissertation 2008 von Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder zur Deutsche Kolonialkartographie 1884-1919 als eine herausragende Forschungsarbeit ausgewählt worden. Der Vorschlag zur Preisverleihung kam von Professor Dr.-Ing. Dieter Morgenstern. Wir hatten die Arbeit bereits in unserer Mitt. Nr. 263 besprochen.

Die Preisverleihung wird in der Mitgliederversammlung unseres Förderkreises am 22. Februar 2010 in Dortmund stattfinden. In der Vergangenheit ist der Eratosthenes-Preis während der Eröffnung der INTERGEO überreicht worden. Der DVW hat ab diesem Jahr, beginnend  in Karlsruhe, den Gesamtablauf der INTERGEO verändert, insbesondere entfällt die große offizielle öffentliche Eröffnungsveranstaltung. Der Präsident des DVW hatte den Förderkreis daher gebeten, die Preisverleihung in einem anderen würdigen Rahmen vorzusehen. Das ist selbstverständlich für unseren Förderkreis unsere Mitgliederversammlung. Herr Dr. Rudolf Hafeneder wird dann zugleich über seine Arbeit berichten. - 08.07.09

 

 

301.  Bierfaß im Koordinatenkreuz – Studenten-Ulk vor 40 Jahren.

            Keine Semester-Schlußübung – undenkbar für das Drewes-, Eberhardt-, Heineke-, Lichtner- … Geodäten-Semester 1969: also veranstalteten die Studenten des achten Semesters Geodäsie nach Grundstücks-, Topographie- und Triangulations -Übung selbst einen Semester-Abschluß.  Mit dabei mehrere Professoren (u. a. Walter Großmann, Günter Hake,  Walter Höpcke, Wolfgang Torge) und Assistenten der damals noch als Technische Hochschule firmierenden Uni Hannover. Einsatz selbst gebastelter „Instrumente“ mit dem Ziel, das Gauß-Krüger-Koordinatenkreuz 9 Grad östlicher Länge mit Äquatorabstand 5900 km zu „ver“messen, bei Adolphsdorf, im Teufelsmoor, nördlich von Bremen. Getreu der Devise, Genauigkeit ist nicht alles, wurden die mehreren gefundenen Koordinatenkreuze zünftig durch „Zusammenlaufen“ ausgeglichen und an geplanter Stelle mit einem Bierfaß vermarkt, geleert vor Ort. So geschah es, ein gelungener Gag im Sommer 1969. – Und im Sommer 2009 trafen sich die ergrauten Semester, pensioniert oder in Rente, an gleicher Stelle im Teufelsmoor!

          Ausgerüstet mit langen Eisenstangen-Stangen, einer Einmessung des 10 Jahre später 1979 „als Sicherung“ vermarkten weiteren geleerten Fasses und mit viel guter Laune ging es auf die Suche, das Finden ward zugleich schwierig und fröhlich wie damals, der Initiator, einst in der Nachbarschaft des Koordinatenkreuzes aufgewachsen und heutige Münchener Professor Dr.-Ing. Hermann Drewes hörte deutlich das Auftreffen der Eisenstange auf jenes alte Alu-Faß – Übung erfolgreich! Mit von der Partie waren über 20 von damals 40 Studenten, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge, Ihr Berichterstatter Harald Lucht, damals Assistent und ein Reporter, der dann Tage später am 24. 06. 09 in der Wümmezeitung einen launigen Bericht verfaßte „Studenten der Geodäsie suchen 40 Jahre altes Bierfass“. Die Zevener Zeitung zog am 2. Juli nach: "Mit Bindfaden, Fass und Professor in das Moor". Hermann Drewes hatte das Semestertreffen organisiert, man besuchte die Kunst in Worpswede, den alten C. F. Gauß in Zeven, sogar oben in der Laterne des St. Viti-Kirchturms an dessen historischer Beobachtungsbohle, traf sich zum Gruppenfoto am Niedersachsenstein – und selbstverständlich traditionsgemäß beim Bier. Dabei zeigte Prof. Dr. Reinhard Richter zur großen Begeisterung aller ein Filmdokument der vermessungshistorischen Ereignisse. - Insgesamt ein weiterer gelungener Beweis für großen Korpsgeist und ungewöhnlichen Humor jener oft als „so genau“ geltenden Diplomingenieure der Vermessungszunft.  - 03.07.09 /04.07.09

   

 

300. Erinnerungen an Carl Strinz

           Vor Zeiten, als es noch keine Computer gab (also heute kaum mehr vorstellbar!), war die Koordinatenumformung mit graphischer Ausgleichung lange als Strinz’sches Verfahren bekannt und beliebt, weil elegant – im vergangenen Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit, auch noch bis in die Anfang 60-iger Jahre. Carl Strinz hatte das Verfahren in einem grundlegenden Aufsatz 1925 vorgestellt und dann später mehrfach weiterentwickelt. Und dies, obwohl sein Haupttätigkeitsfeld auf ganz anderem Gebiet lag.

          Carl Strinz wurde vor 140 Jahren am 10. Juli 1869 in Köln geboren. Er war Leiter der Vermessungs- und Liegenschaftsämter in Düren und Bonn und arbeitete stets auch im Bebauungsplanwesen. So gewann er 1905 einen ersten Preis in einem Wettbewerb zur Umarbeitung des Bebauungsplans der Stadt St. Johann a. d. Saar (unter 47 eingereichten Entwürfen), er nahm an weiteren Wettbewerben teil, u. a. in Kopenhagen, Breslau und Wetzlar. 1912 wechselte er nach Magdeburg. Carl Strinz war außerordentlich vielseitig und insbesondere mathematisch begabt, „mit vielfachen künstlerischen Veranlagungen und Interessen … eine Persönlichkeit mit festem eindeutigen Charakter.“ … schrieb Nadermann in seinem Nachruf 1943.

Strinz veröffentlichte eine Reihe wegweisender Artikel zu allen Fragen aus dem kommunalen Vermessungswesen, noch 1939, 70-jährig: „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen, Rückblick und Ausblick“ –  fußend (mit konkreten Zahlen) auf seinen reichen Erfahrungen insbesondere in Magdeburg. Darin umreißt er die ganze Breite der Arbeitsgebiete des Vermessungsingenieurs im Kommunaldienst, für die Planunterlagen, die Bebauungsplanbearbeitung, den Grunderwerb …. bis hin zur Grundstückswertermittlung, zur Bodenordnung.

Carl Strinz war Vermessungsingenieur, bodenpolitisch breit engagiert und mathematisch klar denkend, eine hochinteressante Persönlichkeit. Sein eingangs erwähntes, 1925 veröffentlichtes Verfahren zur graphischen Ausgleichung von Abweichungen bei Koordinatentransformationen mit einer größeren Anzahl identischer Punkte führte er in der praktischen Anwendung auf die Konstruktion von Linien gleicher Abweichung von Koordinatenverbesserungen zurück, ein elegantes Verfahren – bevor der Computer Einzug gehalten hat. Carl Strinz starb am 29. November 1942 in Magdeburg.

Literatur (Auswahl): Zentralblatt der Bauverwaltung, Hrsgg. im Min. f. öff. Arbeiten, Berlin, 1906 S. 32; Strinz, C.: Koordinatentransformation mit graphischer Ausgleichung, zfv 1925 S. 289 – 300; ders.: Das Reichsgesetz über die Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten vom 22. September 1933, ZfV 1934 S. 16 – 21; ders.: Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen, Rückblick und Ausblick, AVN 1939 S. 253 – 263; Nadermann: Vermessungsdirektor Karl Strinz †, zfv 1943 S. 48; - 23.06.09

 

 

299. Ungewöhnliche Fundsache - Erinnerungen an Siegfried Stahnke

Jürgen Lamping aus Bad Abbach hat uns kürzlich ein ungewöhnliches Zeitdokument überreicht,  eine Original-Kassette mit Tonaufnahmen von Ansprachen, die 1976 für den Gründungsvater unseres Förderkreises Siegfried Stahnke anläßlich von dessen Verabschiedung aus dem aktiven Dienst gehalten worden sind, dem Vor-Vorgänger von Norbert Kalischewski in der Leitung des Vermessungs- und Katasteramts Dortmund. Rudolf Uebbing hat die Bänder umformatiert und digitalisiert. Die Kassette enthält Worte u. a. von Jürgen Lamping, Helmut Minow, Prof. Dr. Timm (mit Hinweisen auf unser Museum) und Dankesworte von Siegfried Stahnke. Dr.-Ing. Fritz Lehmann, seinerzeit Dezernent des Regierungspräsidenten in Osnabrück erinnerte in seinen Dankesworten daran, daß eine Reihe von Referendaren aus Niedersachsen sich gerne in ihrer „Freien Wahl“ nach Dortmund abordnen ließen, weil sich dort im Bereich der Planung, Bodenordnung und im kommunalen Vermessungswesen eine hervorragende Ausbildungsmöglichkeit bot, Herr Stahnke habe sich stets auch viel Zeit für die persönliche Betreuung der Referendare genommen.. - 18.06.09

 

 

298.  Das Ruhrrevier 1956 - d