FÖRDERKREIS VERMESSUNGSTECHNISCHES MUSEUM E. V.
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Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
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ARCHIV zu Aktuelles               "Erinnern heißt danken"  
Redaktion: Harald Lucht

Archivierte  Mitteilungen  - vormals Aktuelles  

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Neue jüngere Mitteilungen finden Sie auf unserer Seite "Aktuelles" auf dieser Homepage, s. o. link.

 

 

325.   Die Sammlung Zurhorst – eine wertvolle Dauerleihgabe für unser Museum

            Das Vermessungstechnische Museum in Dortmund hat am 12. Dezember 2009 eine großzügige Spende erhalten. Die Familie Zurhorst aus Werne, Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure in dritter Generation, übergab dem Museum einen wesentlichen Teil der über Jahrzehnte gesammelten wertvollen historischen Instrumente als Dauerleihgabe. Anlaß war der 85. Geburtstag des verstorbenen Firmengründers Bertold Zurhorst. Nahezu 30 Familienmitglieder waren angereist, darunter die Ehefrau des Firmengründers. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde übergab Michael Zurhorst, seit 2008 auch Präsident des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure, insgesamt 32 Instrumente aus der Familiensammlung. Er betonte die langjährige Verbundenheit der Familie Zurhorst zum vermessungstechnischen Museum. Daher falle es ihm auch leicht, die sehr gepflegte Sammlung nun in historisch-fachliche Hände zu legen und sie damit der Öffentlichkeit zeigen zu können.

            Sichtlich erfreut konnte der Erste Vorsitzenden des Förderkreises, Ingo von Stillfried, die großzügige Spende entgegennehmen. Mit ihm erfreuten sich die Vorstandsmitglieder Manfred Gombel, Ulf Meyer-Dietrich, Norbert Kalischewski, Klaus Lehmann und Rudolf Uebbing. Ingo von Stillfried erläuterte, gerade auch für die nicht so tief in der Instrumententechnik beheimateten Familienmitglieder der Familie Zurhorst, wie vielfältig die Vermessung auch in gesellschaftliche Veränderungsprozesse eingebunden ist; wie neben den technischen Details, ablesbar am Beispiel unserer ausgestellten Instrumente, die Vermessung für allgemeine Veränderungsprozesse Bedeutung hat. So spiele z. B. auch der übergebene Borda-Kreis in einer Sendung der Serie "Terra-X" des ZDF (ausgestrahlt etwa im April 2010) über die Entstehung des Meters eine besondere Rolle, als eine der zentralen Requisiten. Die wertvolle Dauerleihgabe der Familie Zurhorst ist eine ideale Ergänzung der seit 1985 in den Räumen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte bestehenden Sammlung. 

            Die Ruhrnachrichten in Dortmund haben jetzt am 5. 1. 2010 ausführlich und mit Foto des "Holländischen (Borda-) Kreises" und vom Ersten Vorsitzenden über diese für das Museum großartige Leihgabe berichtet. – 18. 12. 09/05.01.10

 

324.  Der Wiehen-Wagen von 1772 - eine Geographische Maschine

            Am Anfang stand der Vorschlag unseres Bibliothekars, Dr. Hartwig Junius, ein – wie wir im Vorstand meinten – ungewöhnlich teueres Buch zu kaufen: „Abbildung und Beschreibung einer Geographischen Maschine auf einem Wagen oder Kutsche“ von Johann Georg Wilhelm Wiehen, Hildesheim 1772. Allerdings verlangte der Antiquar für das kleine Werk von 31 Seiten einen stolzen Preis. Es war ja zugegeben sehr alt und mit wundervollen Zeichnungen für einen „Meßwagen“, gezeichnet und bemaßt in „Nürnberger Maßen“. 

           Unser Bibliothekar war hartnäckig. Es entstand die Idee, wenn man das Buch kaufen würde, dieses nicht einfach im Regal verschwinden zu lassen, sondern den Wagen nach den sehr detaillierten Konstruktionszeichnungen und -beschreibungen auch nachzubauen. Doch durch wen? Hartwig Junius knüpfte Kontakte zu Volkswagen. Dort gab es Interesse, weil ja in modernen Fahrzeugnavigationssystemen ähnliche Funktionen wirken nur eben auf elektronische und nicht auf mechanische Weise wie im „Wiehen-Wagen“. Im Oktober reisten Hartwig Junius und unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried zu einem Besuch nach Kassel-Baunatal in die VW-Lehrwerkstatt. In großer Runde mit 7 Personen wurde in sehr angenehmer Umgebung konstruktiv und kreativ über den Nachbau des „Wiehen-Wagen“ diskutiert. In Frage käme kein historischer, sondern ein historisierender Nachbau; wichtig sei die Funktionalität; VW kann den mechanischen Teil beisteuern, eine bereite Modellbauschule könnte für die Gestaltung der Kutsche sorgen. Der Herstellungsmaßstab würde nach Sichtung aller Unterlagen gemeinsam besprochen. Unser Ehrenmitglied Helmut Minow hat inzwischen die alten Maße übersetzen können.  Das „Marketing“ kann später ein Highlight für den Förderkreis werden.  Ein Zeitrahmen wurde noch nicht festgelegt – erstmal war überhaupt das Buch zu erwerben.

           In unserer Vorstandssitzung im November haben wir dann gerne dem Kauf des wertvollen kleinen Werks zugestimmt – und sind nun alle gespannt über den Fortgang dieser wundersamen Geschichte. – 12.12.09

 

 

323.   Ex  Oriente Lux ? – Wege zur neuzeitlichen Wissenschaft – eine Ausstellung in Oldenburg

            OldenburgStadt der Wissenschaften 2009. Das Landesmuseum Oldenburg präsentiert eine Sonderausstellung Ex Oriente Lux ? – bewußt mit Fragezeichen. Die Ausstellung nimmt Schlüsselbegriffe des Oldenburger Konzepts „Übermorgenstadt“ auf, eine Symbiose von Geschichte und Zukunft. Ausgewählte Themen aus der Geschichte der Naturwissenschaften, deren Ursprüngen, der Entwicklung in Mesopotamien, im Alten Ägypten, über die klassische Antike und das europäische Mittelalter, der Berücksichtigung der Blütezeit der arabisch-islamischen Wissenschaften und deren Rezeption in Europa bis zum Ende der Aufklärung.

           Die Ausstellung ist gegliedert in zwei große Bereiche: In den Themen der Wissenschaft geht es um die Geschichte der naturwissenschaftlichen Disziplinen, in den Räumen der Wissenschaft werden die wichtigsten Städte und Regionen vorgestellt, in denen geforscht wurde. Rund 300 Exponate aus allen Zeiten und Räumen zeigen eine bisher nie dagewesene Zusammenschau. Astronomie, Mathematik, Ingenieurskunst, Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie, wie sie  das Weltgeschehen beherrschten. Besondere Inszenierungen führen durch Paris, Bagdad, Toledo, Alexandria und Florenz. Eine Stadtplan-Rekonstruktion des alten Stadtzentrums von Alexandria, Bagdad als „Stadt des Friedens“, Keilschrifttafeln, ein Himmelsglobus aus der Zeit  um 200 v. Chr., die riesige Weltkarte des arabischen Geographen Al-Idrisi von 1154  - Beispiele einer ungemein reichhaltigen Fülle historischer Exponate. -

           Am Festakt im Oldenburger Schloß zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung am 25. 10. 2009 hat unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried teilgenommen. 6 Exponate unseres Museums sind in der Ausstellung zu sehen,  u. a. der Holländischen Kreis aus Leiden von um 1655 (siehe unser Museumshandbuch S. 128). Unser früherer Kuratoriumsvorsitzender, Prof. Dr.- Ing. Wolfgang Torge, hat im wissenschaftlichen Beirat der Ausstellung mitgewirkt und als Autor für das begleitende Handbuch einen hochinteressanten Überblicks-Beitrag geschrieben: „Von Eratosthenes bis Delambre – die Geodäsie entsteht“ (S. 170 – 181).

           Die außerordentlich sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar 2010 in 26135 Oldenburg, im Augusteum, Elisabethstr. 1 zu sehen.  -  08. 12. 09

 

 

322.   Dr. Kurt Kröger zum besonderen Geburtstag.

           Am 6. Dezember dieses Jahres vollendet Dr. Kurt Kröger sein 85. Lebensjahr. 1924 in Ennepetal geboren, mußte er in den unseligen Krieg ziehen, wurde schwer verwundet, kam durch guten Rat von Kriegskameraden in die Geometer-Laufbahn, „ein Traumberuf“, wie er gerne sagt. Stationen seiner Ausbildung waren u. a. das Katasteramt Lüdenscheid und das Studium an der Ingenieurschule in Essen. Am Beginn seiner aktiven Tätigkeiten standen die Vereinigten Stahlwerke in Essen, die spätere Ruhrkohle AG,  dort folgte bald der Einsatz in der Bezirksdirektion Dortmund. Seine ersten praktischen Aufgaben umfaßten schon das breite Spektrum von hochpräzisen Ingenieurvermessungen bis hin zu Grundlagen für den Siedlungsbau. -

             Für das Vermessungstechnische Museum ist Kurt Kröger ein „Mann der ersten Stunde“. Gerne sagt er, daß er die Mitgliedsnummer 1 habe, sei Zufall – was wir ihm zwar abnehmen, es aber doch als ein sehr zutreffendes Indiz seiner Aktivitäten ansehen. Er hat bis in die jüngste Vergangenheit in den weit über 30 Jahren des Bestehens des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum stets an vorderster Stelle gestaltend gewirkt, zunächst als Geschäftsführer im Kuratorium, später als Erster Vorsitzender in der Nachfolge von Siegfried Stahnke. Seit Ende seiner aktiven Dienstzeit 1989 hatte sich Dr. Kröger verstärkt für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins und für das Museum eingesetzt. In der Fachwelt wurde er besonders bekannt durch die ‘Förderkreis-Nachrichten' in den Allgemeinen Vermessungsnachrichten (AVN). Durch seine prägnant geschriebenen Mitteilungen zur Vermessungsgeschichte ebenso im „Vermessungsingenieur“ und in der zfv  ist er bei vielen Fachkollegen und –Kolleginnen besonders geschätzt. Es war immer das Anliegen des Ehrenmitglieds (seit 1996) Kurt Kröger, die Abteilung Vermessungsgeschichte des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund regional wie bundesweit bekanntzumachen. Unvergessen sind Beiträge für das WDR-Fernsehen, für den Rundfunk, in der Presse, so z.B. im Magazin 5/1991 ‘Dortmunder Notizen‘ mit der Reportage „Vom Hanff-Meßseil bis zum Satelliten“. Und in gleicher Weise vorbildlich wie verdienstvoll war seine aktive Gestaltung der Symposien für Vermessungsgeschichte sowie die Herausgabe der Symposiums-Bände bis in die jüngste Gegenwart. –

             Kurt Kröger ist eine Persönlichkeit, die sich ebenso auch im und um den VDV ganz besondere Verdienste erworben hat – seit 1967 als Landesvorsitzender im großen Landesverband NW, davor lange engagiert für den Ingenieurberuf im Bezirk Dortmund. Und im VDV erst recht unvergessen ist auch seine Mitwirkung für die Jubiläumsschrift „50 Jahre VDV 1949 - 1999“, die er zusammen mit den beiden Mitautoren Wolfgang Beicken und Hans Soest verfaßte. Kurt Kröger hat sich in seinem gesamten Wirken beständig für den Ausgleich mit anderen Berufsgruppen, mit verwandten Berufszweigen in Vermessungswesen und darüber hinaus eingesetzt.  

           Er verfaßte im doch schon fortgeschrittenen Alter seine Dissertation „Das Vermessungswesen im Spiegel der Hausväterliteratur“, abgeschlossen 1985. Diese Arbeit ist ein faktenreiches Kompendium des Grenz-, Eigentums- und Nachbarrechts des 16. – 18. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, eine aus umfangreichem Quellenstudium erwachsene fachtechnisch wie fachrechtlich ungemein reichhaltige Arbeit, wie sie kaum jemand hinter dem Titel vermutet.

             Bereits vor der politischen Wende in Deutschland hatte Kurt Kröger den gegenseitigen Erfahrungsaustausch unseres Förderkreises mit der Kammer der Technik, mit Prof. Dr. Deumlich und Oberingenieur Bernhard Zimmermann angestrebt, die diese erst nach 1989 erwidern durften. „Ihre Ausführungen (in einem Brief vom 5.2.1990, der Verf.) zu den Bedingungen, zu denen Sie bisher in der DDR arbeiten mußten, haben mich sehr betroffen gemacht“, schrieb er unter dem 15. 3. 1990 an Prof. Dr. Deumlich.  

           Dankbar für sein unermüdliches Wirken gratulieren wir Dr. Kurt Kröger zu seinem besonderen Geburtstag, wünschen unserem Ehrenmitglied  im VDV und im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum weiterhin alles Gute, ganz besonders auch für seine Gesundheit. Und siehe auch VDVMagazin 6/2009 S. 523 und 541-542. - 1. 12. 09

 

 

321.   20 Jahre nach dem Mauerfall - Geodäten ohne Grenzen - 15. Baltisches Geodätengespräch in Fischland auf dem Darß am 13. und 14. November 2009

           In einer mit weit über 40 Teilnehmern sehr gut besetzten Vortragsveranstaltung sind Situation, Folgen und Entwicklungen reflektiert worden, wie sie sich vor 20 Jahren, nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR ergeben haben. Themen waren u. a. sehr persönliche Rückblicke in die Wendejahre (Hagen Graeff, Hamburg,  Frieder Mrosek, Schwerin, Prof. Hermann Seeger, Bad Neuenahr) sowie die Auswirkungen aus dem Wechsel von der zentralisierten Staatswirtschaft mit gesellschaftlichem Volkseigentum bis 1989 hin zur sozialen Marktwirtschaft mit dem Grund und Boden als Wirtschaftsfaktor, der wieder zentralen Bedeutung der Sicherung des Privateigentums in Grundbuch und Liegenschaftskataster, Grundlagen der Stadtplanung, von Bodenordnung und Wertermittlung (Prof. Christian Killich, Brandenburg, Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen aus Sicht des Städtetages, DVW-Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne, Erfurt). "Die Einführung von westdeutschem Verfassungs- und Verwaltungsrechts von einem Tag auf den anderen wirke ungefähr so, als ob bei uns im Westen Chinesisch als Amtssprache  eingeführt würde," formulierte 1991 Manfred Rommel, der Präsident des deutschen Städtetages. - 

           Prof. Dr. Wolfgang Torge, Hannover erläuterte weit rückblickend  historische geodätische Netzarbeiten vor und nach 1945 mit Vergleich auch der Arbeiten in der DDR und der alten Bundesrepublik, Prof. Dr. Schlosser gab einen  Abriß über 20 Jahre Trigonometrische Vermessungen.  ÖbVI Mill aus Rügen und Prof. Robert Scholz, Neubrandenburg, zeichneten Wege und Erfolge des freien Berufs in den Wendejahren und aktuell nach. Die Professoren Rolf-Werner Rebenstorf und Dr. Foppe berichteten vom Aufbau und der umfassenden Breitenwirkung der Hochschule Neubrandenburg, letzterer mit dem hochinteressanten Schwerpunkt der automatischen Bauwerksüberwachung. Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne entwarf mit seinem Rückblick auf die INTERGEO Karlsruhe (dem "Flaggschiff der Geodäsie") die Zukunftsaufgaben des Vermessungswesens, setzte sich engagiert für das Leitbild des Geodäten als Kern unseres Berufsstands ein und betonte den guten Ruf des Diplomingenieurs. Er gratulierte Jörg Scheffelke zu der inzwischen zur wertvollen Tradition entwickelten Veranstaltung, die den Rang eines kleinen Geodätentages gewonnen habe. Er überreichte ihm als Anerkennung das Museumshandbuch  Vermessungsgeschichte unseres Förderkreises.  

          Einen besonderes Highlight bildete zum Abschluß die Vorstellung der Arbeiten des Leibniz-Instituts aus Leipzig und der landeskundlichen Bestandsaufnahme der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und des Barther Landes - Band 71 der Schriftenreihe des Leibniz-Instituts - durch Dr. Haik Thomas Porada (jetzt Leipzig , vormals Greifswald), einen Bildband, den alle Vortragenden als Dank erhalten. 

          Wulf Schröder aus Wiesbaden umrundete zusammenfassend noch einmal die Vielfalt der Beiträge dieser beiden Tage. Zum guten Schluß erinnerte der Senior unter den Teilnehmern, Paul- Gerhard Ramseger aus Schwerin, an eine vor 130 Jahren in der  ganz in der Nähe in Wustrow abgehaltene erste Geodäten-Konferenz vom damaligen Deutschen Geometerverein. Und Ihr Berichterstatter dankte im Namen der Teilnehmer dem Veranstaltern Jörg Scheffelke und Heiko Schröder von der Bezirksgruppe Vorpommern im Landesverein Mecklenburg - Vorpommern des DVW und ebenso den Sponsoren für das ungewöhnlich reiche und reizvolle Kaleidoskop des dargebotenen historisch und aktuell hochinteressanten Programms. - Berichte über das 5. und das 10. Geodätengespräch dieser zu einer besonderen Tradition gewordenen Veranstaltung im Fischland siehe in zfv 2000 S. 30-31 und zfv 2005 S. 57.  -  22. 11. 2009

 

 

320.   Aus der Vorstandssitzung des Förderkreises Vermessungtechnisches Museum in Dortmund

          In der jüngsten Vorstandssitzung sind die Weichen gestellt worden u. a. für

- die Verleihung des Eratosthenes-Preises an Dr. Rudolf Hafeneder in der Mitgliederversammlung am 22. 02. 2010 (vergl. Mitt. Nr. 302 und 263) in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund

- den Haushaltsentwurf für 2010

- den Ankauf besonderer alter Vermessungsinstrumente (vergl. u. a. Mitt. Nr. 319),

- Buchankäufe für unsere umfangreiche Bibliothek

- die weitere Werbung für den Verkauf des neuen Museumshandbuches (vergl. Mitt. Nr. 313),

- die Erweiterung dieser viel besuchten Homepage. - 15.11.09

 

 

319.   Ein Breithaupt-Theodolit von 1863 - und eine hochherzige Spende

           Unsere Museumsexperten Manfred Gombel und Ingo von Stillfried sind immer auf der Suche nach besonderen Raritäten für unsere Schausammlung – und sind jüngst beim Dorotheum in Wien fündig geworden: Ein besonderer Theodolit, signiert am Horizontalkreis "F. W. Breithaupt & Sohn in Cassel. 1863", Fernrohr 29 cm lang, Objektivdurchmesser 28 mm, Teilung mit Nonius, Silber, Vertikalkreis von 11 cm Durchmesser. Ein 31,5 cm hoher Theodolit mit schöner Zaponierung  gehört uns. Doch möglich wurde dies erst durch eine hochherzige Spende unseres ehemaligen ersten Vorsitzenden Dr. Kurt Kröger. Denn unser Instrumenten-Haushalt für dieses Jahr gab den benötigten Betrag nicht mehr her. Kurt Kröger gab ganz spontan einen großen Betrag hinzu – so wird dieses Instrument sehr demnächst unsere Schausammlung im Vermessungsmuseum, Abt. 22 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund bereichern - 06.11.09  

 

 

318.    6 Jahrzehnte Flurbereinigungsgesetz

            Professor Dr.-Ing. Erich Weiß hat seine lange Berufserfahrung und wissenschaftliche Durchdringung der Flurbereinigungsgesetzgebung in seinem neusten Werk "Zur Entwicklung des Flurbereinigungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten" auf 224  Seiten in Band 18 der Sammlung "Kommentare zu landwirtschaftlichen Gesetzen" zusammengefaßt (Agricola-Verlag in 26969 Stollham - ISBN 978-3-920009-056, Preis € 35). Wir haben an dieser Stelle kürzlich in Mitt. Nr. 310 aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres auf das segensreiche Wirken von Professor Weiß hingewiesen.

           Mit seinem neuesten Werk beleuchtet Erich Weiß zahlreiche Änderungen, Anpassungen an andere Gesetze im Flurbereinigungsrecht, dokumentiert deren Entstehungsgeschichte in materieller und formeller Hinsicht. Der Verfasser greift dabei auf zahlreiche eigene Veröffentlichungen wie ebenso auch auf die Materialien des Bundestages zurück. Siehe auch http://agricola-verlag.de/detail_weiss.html und Buchbesprechung in zfv 5/2009 S. 330-331. -  28.10.09

 

 

317.   15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - Geodäten ohne Grenzen

             Die Bezirksgruppe Vorpommern des LV Mecklenburg-Vorpommern im DVW lädt ein zum 15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - unter dem Thema "Geodäten ohne Grenzen - Beiträge zum Vermessungswesen in Deutschland nach der politischen Wende 1989". Auf Initiative von Jörg Scheffelke und eingeladen vom Bezirksgruppen-Vorsitzenden Heiko Schröder werden die damaligen Veränderungen und Umwälzungen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in einer Reihe von Kurzvorträgen beleuchtet. Vortragende sind u.a. die Professoren und Fachkollegen Schlosser (Schwerin), Seeger (Bad-Neuenahr), Torge (Hannover), Graeff (Hamburg), Scholz (Neubrandenburg), Mill (Rügen), Rebenstorf (Neubrandenburg), Zölitz (Greifswald), Grewe (Schwerin) und Ihr Berichterstatter Lucht (Bremen). Die Themenpalette reicht von der wissenschaftlichen Forschung bis hin zur kommunalen Praxis, angereichert durch zwei besondere historische und kulturelle Themen (Lubinsche Karte von 1618, Landvermesser und Maler Carl Malchin). Die Veranstaltung findet statt vom 13. - 14. November 2009 im Ostsee-Hotel Dierhagen. Näheres und Anmeldungen unter Tel. 03834 500066,  Jörg Scheffelke, Arndtstr. 4 in 17489 Greifswald - eMail scheffelke@gmx.de . - 22.10.09

 

 

316.   20. Goldenes Lot für Fritz Pleitgen - Museumshandbuch für Wolfgang Kramer

             Mit dem "Goldenen Lot" des VDV ist am 16. 10. 2009 Dr. h. c. Fritz Pleitgen, Journalist, Intendant des WDR a. D., Vorsitzender der Geschäftsführung der RUHR 2010 GmbH (Kulturhauptstadt Europas 2010) ausgezeichnet worden. An der Festveranstaltung im blauen Salon der Köln-Messe nahmen über 100 Personen teil. Präsident Wilfried Grunau sagte u.a. über den Preisträger des Jahres 2009: „Sein herausragendes nationales wie auch internationales kultur- und medienpolitisches Engagement ist außergewöhnlich und beispielhaft gleichermaßen, wir ehren einen Menschen, dessen Haltung zu bewundern ist, für seinen Mut öffentlich Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.“ Diese Auszeichnung hat inzwischen eine 20-jährige (Vermessungs-) Geschichte. Stifter des Goldnen Lots ist Dipl.-Ing. Wolfgang Kramer, Ehrenvorsitzender des Bezirks Köln, der auch für die künstlerische Herstellung des jährlich vergebenen Ehrenpreises sorgt - ein vergoldetes Lot auf einem symbolischen Miniatur-Grenzstein, wohlproportioniert angeordnet auf einem runden Edelstahl-Sockel. War die Preisverleihung ursprünglich vom VDV-Bezirk Köln des VDV ausgerichtet worden, hat inzwischen der Bundesverband des VDV die Ausrichtung übernommen. 

          In der Laudatio für Fritz Pleitgen hat traditionell der Vorjahrespreisträger Arved Fuchs, Stationen Pleitgens u.a. in Moskau, Ostberlin, beim WDR, besonders hervorhebend dessen tiefe Verbundenheit zur Kultur begeisternd nachgezeichnet; sie münde aktuell geradezu selbstverständlich in seiner jetzigen Funktion für die Kulturhauptstadt Europas 2010.  Und der Geehrte reflektierte souverän und werbend über kommende kulturelle Aktivitäten. Anwesend waren neben dem Preisträger 2009 Fritz Pleitgen und dem Laudator Arved Fuchs auch die Preisträger früherer Jahre, so Norbert Burger, ehem. OB aus Köln, der Astronaut Ulf Merbold, Prof. Manfred Bonatz aus Bonn, Wilfried Grunau, Eberhard Burger aus Dresden. Wie stets waren die Preisträger früherer Jahre gebeten, aus ihrem gegenwärtigen Engagement zu berichten - der Präsident des Förderkreises und Preisträger 1998 Harald Lucht überreichte in dem festlichen Rahmen dem Initiator des Goldenen Lotes, Wolfgang Kramer, das neue Museumshandbuch (Siehe Mitt. Nr. 313).        

         Grußworte sprachen u.a. die Kulturbürgermeisterin der Stadt Köln, der Präsident des BDVI, Michael Zurhorst, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kartographie Dr. Peter Aschenberner, Udo Stichling, Präsident des DDGI e.V., Dt. Dachverband für Geoinformation.

         Erster Preisträger des Goldenen Lots war 1990 der Ehrenvorsitzende des VDV, Wolfgang Beicken, zu den Preisträgern der folgenden Jahre gehörten u.a. Außenminister Hans-Dietrich Genscher,  Ministerpräsident Johannes Rau, Rita Süßmuth und Hans-Joachim Gauck. Die vollständige Ehrentafel ist unter www.vdv-online.de verzeichnet. - 18.10.09

 

 

315.   9. Dortmunder Museumsnacht

Die Vorführungen zur 9. Dortmunder Museumsnacht am 26. 09. 09 waren für unser Museum ein SUPER-Erfolg mit einem überraschen guten Publikumszuspruch. Wir hatten das Motto gewählt "Hand-Werk Rechnen" und Ingo von Stillfried zeigte die Benutzung von Abakus, Rechenschieber, Rechentafeln, Logarithmentafeln, Kurbelrechenmaschinen bis hin zum PC, engagiert unterstützt von unserem Mitglied Carl-Wilhelm Schmälter. In den 4 stündlich angebotenen Führungen waren jeweils ca. 25 Zuhörer beteiligt - auch eine Reihe von Jugendlichen, die unseren beiden Fachleuten „ein Loch in den Bauch“ fragten. „Nun kann ich nicht mehr reden, das war toll!“ stellte am späten Abend unser Erster Vorsitzender fest. –
Und: Die Flyer für unser neues Museumshandbuches sind ausgelegt, der Museumsshop hat unsere Bücher im Verkauf und unser Geschäftsführer, Klaus-Detlef Lehmann berichtet über zunehmende Bestellzahlen. Siehe Mitt. 313. Auch toll! – 06.10.09

 

 

314.  Wir erinnern an Professor Dr.-Ing. Horst Peschel aus Dresden -

           geboren heute vor 100 Jahren.  Horst Peschel war lange Professor für Landesvermessung und Katasterwesen an der Technischen Hochschule Dresden und 15 Jahre Ordentliches Mitglied der Deutschen Geodätischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften in München seit 1952 - als Dresdner! 1967 mußte zu er seinem großen Bedauern aufgrund der politischen Gegebenheiten aus der DGK austreten. Ihr Berichterstatter erinnert sich sehr gerne an eine persönliche Begegnung 1971 in Moskau bei der Tagung der Internationalen Assoziation für Geodäsie IAG. Offizielle Kontakte waren damals bereits von Seiten der DDR verpönt – dennoch gab es persönliche Gespräche, die in lebhafter guter Erinnerung geblieben sind. Unsere Professoren mußten in ihren Gesprächen manche Rücksicht nehmen und Prof. Horst Peschel sich sehr zurückhalten. Sein Hauptforschungsfeld war u. a. das Nivellement, mein Vortrag dort über Korrelationen im Präzisionsnivellement lagen auf der gleichen Ebene wie die Arbeit eines seiner Doktoranten. –

           Horst Peschel wurde am 29. September 1909 in Dresden geboren. 1919 bis 1928 besuchte er die Annenschule in Dresden, 1928 Abitur. Sein Vater war Vermessungsingenieur.1928 bis 1932 folgte das Studium des Vermessungswesens an der TH Dresden, 1932 war er einer der ersten Diplomingenieure, Wissenschaftlicher Assistent am Geodätischen Institut der TH Dresden bei Prof. Werkmeister, 1936 Promotion, bis 1938 Referendar und 2. Staatsprüfung; 1938 bis 1939 freischaffender Vermessungsingenieur, dann bis 1944 Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur.

           Nach den Schrecken des Krieges mit dem Totalverlust aller Habe wurde Peschel 1950 zum Professor auf den wieder eingerichteten Lehrstuhl für Landesvermessung und Katasterwesen an der Technischen Hochschule Dresden berufen. Hier führte er u. a. 1952 die Große Vermessungsübung im Lehrfach Landesvermessung ein.  Er war  Mitbegründer der Zeitschrift „Vermessungstechnik“. Im Vorwort des ersten Heftes schrieb er: „Unsere Zeitschrift wird uns helfen, neue Freude an der Vielseitigkeit des schönen Vermessungsberufes zu gewinnen, sie wird ihm auch weitere Anerkennung verschaffen“ - sie erlangte bald ein hohes wissenschaftliches Renommee. Und er schrieb weiter „In ihr wird das Bewußtsein der Berufskollegen zum Ausdruck gebracht werden, daß Deutschland eine Einheit ist, die nicht durch willkürliche Schranken und Zonengrenzen zerrissen bleiben darf.“ –

           1953 bis 1956 war Prof. Peschel Rektor der TH Dresden. Die Einrichtung der Zentralstelle für internationale Dokumentation der Geodäsie am Geodätischen Institut 1956 war sein Werk. Er bearbeitete die deutschen Ausgaben dreier russischer Lehrbücher von Sakatow, Urmajew, Molodenski und verfaßte etwa 60 Aufsätze in wiss. Fachzeitschriften. 1959 bis 1974 war Prof. Peschel  Präsident der Kammer für Technik (KdT) der DDR, später deren Ehrenpräsident. Nach der 1968 im Zuge der dritten Hochschulreform in der DDR vollzogenen Auflösung des Geodätischen Instituts der Technischen Universität Dresden war er 1969 bis 1974 Leiter des neu gebildeten Wissenschaftsbereichs Geodäsie. In der wissenschaftlichen Arbeit galt seine besondere Vorliebe dem Feld der Höhenmessung. Diese Forschungen gipfelten in der unter seiner Führung entwickelten praxisreifen und auch international genutzten Technologie des motorisierten Präzisionsnivellements. 1963 bis 1984 leitete Prof. Peschel das Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik der DDR und konnte so an den Generalkonferenzen der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik IUGG sowie der IAG teilnehmen – wie erlebt und oben geschildert. Daher rührten Freundschaften mit u. a. Prof. Dr. Rudolf Sigl und Prof. Dr. Helmut Wolf, den er aus gemeinsamer Studienzeit kannte.

           Professor Dr.- Ing. Horst Peschel wird als ein verdienstvoller Forscher und großer Wissenschaftsorganisator gerühmt, der die Fähigkeiten eines Wissenschaftlers mit denen eines Praktikers vereinte. Für die meisten seiner Berufskollegen war er der Inbegriff eines Geodäten überhaupt, wohl der bedeutendste Geodät der DDR. Er starb am 11. 4. 1989 in Dresden. So war es war ihm nicht mehr vergönnt, die demokratische Wende und die Öffnung jener Grenze zu erleben, deretwegen auch er 1967 alle offiziellen Kontakte zu den wissenschaftlichen Kollegen im Westen hatte abbrechen müssen. – Am Dienstag, dem 17. November 2009, findet um 15:00 Uhr an der TU Dresden ein Gedenkkolloquium anläßlich des 100. Geburtstages von Prof. Horst Peschel  statt.

             Quellen: Sächsische Biographie in http://isgv.serveftp.org/saebi/impressum.php; Mitgliederverzeichnis der DGK; Zimmermann, B.: Zur Erinnerung an Horst Peschel, zfv 2009 S. 263 - 264 - 29.09.09

 

 

313.   Das neue Museumshandbuch - ein voller Erfolg!

           Auf der INTERGEO Karlsruhe vom 22. bis 24. September 2009 war die 3. Auflage unseres Museumshandbuchs ein echter "Renner" - von dem neuen Werk fanden weit über 200 Exemplare geneigte Leser. Die Käufer erwarben nicht selten 2 Bücher ( eines gleich als Geschenk), Verbände erwarben 10, auch 20 Exemplare. Die 3. Auflage des bekannten Werkes besticht mit über 600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem Aufsatzteil, erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im Umfang von 300 Seiten.  

           Es hatte sich herumgesprochen, daß hier etwas ganz besonderes angeboten wurde, ein werbender Flyer tat ein übriges. So ist z.B. auf der Doppelseite 116-117 die Waldseemüller-Weltkarte von 1507 in bestechender Qualität abgebildet, die Großtheodoliten Pistor und Martins von 1861 (S. 61), Sartorius von 1907 (S. 63), auch unser aus einer besonderen Spendenaktion 2005 von  erworbener Dollond-Theodolit von um 1770 (S. 299). Mehrere neue Aufsätze im 11 Beiträge umfassenden Textteil beleuchten Vermessungsgeschichte von ersten Grenzdarstellungen, vom Urkataster, bis zur digitalen Datenbasis und zur Satellitengeodäsie. Dabei ist das grundsätzliche Ziel des Handbuchs unverändert geblieben: Eine insbesondere auch für Nichtfachleute aussagefähige Quelle zur Vermessungsgeschichte zu sein, die darüber hinaus fachhistorisch von hoher Qualität ist.

           Präsident Harald Lucht und unser Erster Vorsitzenden Ingo von Stillfried sorgten mit ihren guten Kontakten zusätzlich für regen Besuch. So konnten wir neben den Präsidenten Dr. Karl-Friedrich Thöne vom DVW, Michael Zurhorst vom BDVI und Wilfried Grunau vom VDV u.a. Rolf Bull und Willibald Dores für das VDV-Magazin, Christiane Salbach für die DVW-Nachrichten, Martina Wolkowa vom BDVI-Forum begrüßen. Aus der großen Reihe weiterer Besucher seien Prof. Dr. Ekkehard Bartsch,  Prof. Dr. Hubertus Hildebrandt, Hans Killer, unser ersten Eratosthenes-Preisträger Frank Reichert, Dr. Jens Riecken vom DVW-NW, der AdV-Geschäftsführer Wilhelm Zeddies besonders erwähnt, der Stand war zeitweilig von Interessenten umlagert.

           Die Standbetreuung lag wieder wie schon so lange in den bestens bewährten Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef Lehmann, sowie von Jürgen Lagoda und Rudolf Uebbing, erstmals mit viel Engagement unterstützt vom neuen Vorsitzenden unseres Kuratoriums, Prof. Dr. Bertold Witte. Neben Ingo von Stillfried, dem rührigen Vater dieser Neuauflage des Museumshandbuchs, war Frau Sabine Koczy zu Besuch, der wir die technische Bearbeitung des Handbuchs und zahlreiche Neuzeichnungen verdanken.

           Es war ein für alle Beteiligten großer Erfolg - sicher wird dies Handbuch viele weitere Interessenten finden. Zu beziehen über unseren Geschäftsführer Klaus-Detlef Lehmann, Tel. 0231 5025686,  eMail Klaus-Detlef.Lehmann@stadtdo.de zum Preis von 35 €, darin Verpackung und Versand eingeschlossen. - 24.09.09

 

 

312.   C. F. Müller – diesmal der Prediger

              Der Prediger und Mensch Friedrich Christoph Müller wird im Mittelpunkt eines Vortrags stehen, den Pfarrer i. R. Ernst Martin Greiling am 2. Oktober 2009 um 19.30 Uhr in der Evangelischen Pfarrkirche in Bad Sassendorf halten wird. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von Pfarrer i. R. Christian Casdorff mit Musik von Joseph Haydn (1732–1809), der vor 200 Jahren verstorben war. Die Organisatoren dieser Veranstaltung erinnern sich zugleich gerne an ein Feierstunde von gut einem Jahr unter an gleicher Stelle „unter Müllers Kanzel“, als Manfred Spata einen Vortrag über Pastor Müller und dessen wissenschaftliche Arbeiten gehalten hatte (vergl. unsere Mitt. Nr. 239). - 21.09.09

 

 

311.   DAS NEUE BUCH ist da

Heute kam die erlösende Meldung von unserem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried: Unser Museumshandbuch liegt in seiner 3. Auflage fertig gedruckt vor. Wir stellen das Werk auf unserem Stand in Halle 4, Stand Nr. 4.637 bei der INTERGEO Karlsruhe vor, es kann dort erworben werden. - 300 Seiten über wiegend farbigen Fotos - für nur 30 € !  (vergl. auch Mitt. Nr. 308) - 18.09.09

 

 

310.   Professor Erich Weiß zur Vollendung des 70. Lebensjahres

           Professor Dr.-Ing. mult. Erich Weiß ist seit einer Reihe von Jahren eine tragende Säule im Vorstand des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum. Wann immer wissenschaftliche Fragestellungen zu beurteilen und zu entscheiden waren, beförderte er in seiner kompetenten und überlegenen Art umsetzbare Lösungen. Erich Weiß ist einer der Väter des vom Förderkreis ausgelobten Eratosthenes-Preises; er hat sich eingesetzt, als es um die Einrichtung der Ehrenmedaille ging und wirkte und wirkt zukünftig weiter als Hauptverantwortlicher für unsere alle 3 Jahre stattfindenden Symposien zur Vermessungsgeschichte – ein Ideengeber mit zurückhaltender doch wirksam eingesetzter Durchsetzungskraft. Sein nächstes großes Vorhaben ist die Ausrichtung des Symposiums im Jahre 2011 zum 500. Geburtstag von Mercator im Jahr 2012, dessen Leben und Wirken aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden wird.

           Wir im Förderkreis gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden jetzt zur Vollendung seines 70. Lebensjahres am 13. September 2009. Geboren in Halle an der Saale, gegen Ende seiner Gymnasialzeit nach Schwierigkeiten in der DDR – sein Sinn stand anders als der jener dortigen Machthaber – nach Westberlin gegangen, Abitur in Schöneberg 1959, Studium in Bonn. Erich Weiß wirkte in der Flurbereinigungsverwaltung in Nordrhein-Westfalen, hatte seit 1977 einen Lehrauftrag an der Universität Bonn, hier führte er ab 1990 im Lehrstuhl für Bodenordnung und Bodenwirtschaft die gute Tradition von Prof. Dr.-Ing. Walter Seele fort. 

           So sehr wir Erich Weiß zu schätzen wissen, so wenig vermögen wir an dieser Stelle seine großen wissenschaftlichen Leistungen hinreichend zu würdigen. Wir erinnern stellvertretend an sein segensreiches Wirken als Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft, seine ungemein zahlreichen wertvollen Veröffentlichungen, seine Einsatz für seine Studenten und Assistenten. Hervorgehoben seien neben seinen Veröffentlichungen zum Bodeneigentumsrecht u. a. seine umfänglich dokumentierten und kommentierten Quellen zur Entstehungsgeschichte der Flurbereinigung, Landeskulturgesetze in Deutschland, eine Sammlung historischer Gesetze zur Gemeinheitsteilung, Zusammenlegung und Umlegung sowie zur Reallastenablösung (siehe auch www.uni-bonn.de/probobo/dt_ew.htm).

           Gleich nach der Wende half er bei der Umorientierung der Praxis in der DDR auf ein dort ganz neues Bodenrecht, er hatte über 10 Jahre einen Lehrauftrag an der Universität Rostock „Grundzüge des Boden-, Planungs- und Baurechts“. Die Universität Rostock ehrte Erich Weiß 1998 mit der Ehrendoktorwürde. Weitere Ehrungen für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er in Litauen und in der Türkei. Wir gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden mit den besten Wünschen, vor allem auch für seine Gesundheit, und hoffen auf eine lange Fortsetzung der fruchtbaren Zusammenarbeit. – 13. 09. 09

 

309.   Alerdinck kartierte einst Münster in drei Dimensionen – Vortrag Mesenburg

             Über Forschungsergebnisse zu einem über 300 Jahre alten Stadtplan der Stadt Münster berichtet unser Kuratoriumsmitglied Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, Essen in einem Abendvortrag. Die durch E. Alerdinck im Jahre 1636 entwickelte Karte besticht durch ihre hohe Anschaulichkeit. Der Stadtplan wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes kartometrisch untersucht. Dabei standen zunächst Fragen zur vermessungstechnischen Aufnahme der Karte, der daraus resultierenden Genauigkeit und der Abbildung im Vordergrund. Überraschenderweise ergab die Kartenanalyse jedoch auch besondere situationsbedingte (30-jähriger Krieg) Gestaltungskomponenten.

           Die Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V. Sektion Rhein–Ruhr findet statt am Dienstag, den 27. Oktober 2009, 18.00 Uhr, Regionalverband Ruhr, Sturm-Kegel-Raum (Erdgeschoss), Kronprinzenstraße 35, 45128 Essen (Nähe Hbf). Weitere Infos unter http://rhein-ruhr.dgfk.net . - 05.09.09

 

 

308.   Groß-Ereignis in Sicht - neues Museumshandbuch

            Auf der kommenden INTERGEO in Karlsruhe werden wir unser neues Museumshandbuch vorstellen, die 3. Auflage des bekannten Werkes, mit über 600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem Aufsatzteil, erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im Umfang von 300 Seiten, Preis 30 Euro. Präsident Harald Lucht und Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried präsentieren das neue Werk auf dem Stand des Förderkreises in Halle 4, Stand Nr. 4.637 am Dienstag, 22. September ab 11:30 Uhr. Zur Präsentation eingeladen sind eine Reihe von Persönlichkeiten, so insbesondere auch die Präsidenten von DVW, BDVI, VDV. Die Standbetreuung liegt wieder in den bewährten Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef Lehmann, unterstützt von Rudolf Uebbing und Jürgen Lagoda - 27.08.09

 

 

307.   Förderkreis erhält aus der Schweiz eine terrestrische Stereomeßkammer WILD C12

            Der Förderkreis hat über die Vermittlung der Gesellschaft für die Geschichte der Geodäsie in der Schweiz (GGGS) eine terrestrische Stereomeßkammer WILD C12 erhalten. Diese erste stereometrische Meßkammer von WILD wurde in örtlichen Fachkreisen auch "Polizei-Stereometer" genannt. Sie stammt wohl aus dem Jahr 1938. Die Fa. WILD hatte 150 solcher Exemplare von 1933 bis 1963 gebaut. Die uns gespendete Kamera war bis ins Jahr 2002 im Einsatz beim kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Schwyz, vorrangig für die Unfallerfassung. Unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried konnte sie am 13.8. vom Leiter der Kantonspolizei, Adolf Füchslin, in der Schindellegi am Zürichsee in Empfang nehmen.
           Die belichteten Fotoplatten wurden an zentraler Stelle in Bern "in Bleistift vorausgewertet" und dann in Schwyz "in Tusche gerichtsverwertbar reingezeichnet". Erst ab etwa 2001 sind digitale Methoden eingesetzt worden, doch Praktiker meinen, damit werde die frühere Genauigkeit der C12 nicht erreicht. Die Stereomeßkammer mußte außer Dienst gestellt werden, weil keine Fotoplatten mehr zu beschaffen waren. Auch gestaltete sich ihr Einsatz wegen ihrer Größe und Gewicht zunehmend schwerfällig. So wurde das zugehörige analoge Stereoauswertegerät ebenfalls ausgemustert. - Es ist schon beeindruckend, daß ein Gerät über 70 Jahre im Einsatz war und eine digitale Konkurrenz hinsichtlich der Genauigkeit eigentlich nicht zu fürchten hatte. - Siehe auch die interessante Web-Seite der o. a. Gesellschaft für die Geschichte in der Schweiz unter
www.history-of-geodesy.ch. - 18. 08. 09

 

 

306.   Der Limes – eine Grenzanlage quer durch Deutschland, Weltkulturerbe seit 2005

           Der Obergermanisch-Raetische Limes hat eine Länge von rd. 530 km und verläuft von Rheinbrohl (nördliches Rheinland-Pfalz) bis Hienheim an der Donau (südwestlich von Regensburg), durch die Länder Rheinlad-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Grenze zwischen der römischen Provinz Raetia und Germania markierte einst ein großes Zivilisations- und Wohlstandsgefälle. Der Limes stellte keine unüberwindliche militärische Verteidigungsanlage dar. Er diente in erster Linie der Kontrolle des grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehrs. Zahlreiche Limesdurchgänge kanalisierten den „Kleinen Grenzverkehr“. Diese römisch-germanische Grenze wurde einst durch mehr als 900 Türme überwacht. Der anfänglichen Holzbauweise folgten Steintürme, die ab 146 n. Chr. verputzt wurden. Die Wachtposten (Wp) wurden oft in Sichtweite zueinander angelegt. Der Limes ist am 15. Juli 2005 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen worden.

           Besonders beeindruckt waren jetzt die Fachkollegen Günter Cummerwie aus Wuppertal, Dieter Grewe aus Schwerin, Hans-Joachim Huberti aus Kaiserslautern, Harald Lucht aus Bremen, Horst Luft aus Taunusstein und Harry Pahl aus Hamburg, ehemalige Mitglieder der Fachkommission Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Deutschen Städtetag, als sie zusammen mit ihren Ehefrauen am 6. August 2009 den rekonstruierten Limesturm Wp 3/26 bei Idstein besichtigten. Geführt von Ottmar Weigel, dem Initiator der Rekonstruktion dieses Turms, wurde die alte Grenzbefestigung zwischen dem damaligen römischen Reich und Germanien ins Bewußtsein gerufen. Der Turm beherbergt eine hochinteressante Ausstellung mit Exponaten und Übersichten zum Limes, siehe hierzu auch www.roemerturm-idstein.de und das lesenswerte Heft „UNESCO-Welterbe Limes, römisches Erbe in Hessen", herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen, www.denkmalpflege-hessen.de/Archaeologie . Und  - eine der ersten Mitteilungen auf dieser Seite wies bereits 2004 auf die geplante Aufnahme des Limes in Deutschland als UNESCO-Weltkulturerbe hin (Mitt. Nr. 30) . - 10.08.09.

 

 

305.    Museumshandbuch 3. Auflage - Layout ist fertig, Druck bis zur INTERGEO

             Die 3. Auflage des Museumshandbuchs des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund ist in der Endredaktion.  Ingo von Stillfried hat mit der tatkräftigen Hilfe von Madeleine Albrecht, Manfred Gombel, Sabine Koczy, Petra Uthardt und Rudolf Uebbing das Werk fertiggestellt, danach ist intensiv Korrektur gelesen geworden. – Das rd. 300 Seiten umfassende, reich farbig bebilderte und mit einer Reihe auch neuer fachhistorischer Aufsätze ergänzte Buch geht am 21. August zur Druckerei – um es dann auf der kommenden INTERGEO in Karlsruhe vom 23. bis 25. September der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir alle im Förderkreis freuen uns auf ein gelungenes Werk.  Siehe auch unsere Mitt. Nr. 287 und zfv Heft 4/2009 S. n-62. - 01.08.09

 

304.    Bayerischer Vermessungskompaß

              Der „Bayerische Katastervermessungskompass“, © 2005, ist ein von ehrenamtlichen Autoren verfaßtes, freies Internetprojekt, das sich ausschließlich mit der Thematik Kataster und Geodaten beschäftigt. In einem ersten Schritt soll das Bayerische Kataster dokumentiert werden. Es weist darüber hinaus eine ganze Anzahl von einschlägigen Links nach. Näheres siehe unter www.by-bayern.de . Gegenwärtig ist eine Reihe von fachhistorischen Daten chronologisch zusammengestellt (beginnend 1801 mit Hinweisen auf die Katasteranlegung in Bayern ab 1808), Fachbegriffe werden erläutert. Kontaktadresse Erwin Knott über erwin.knott@googlemail.com . - 28.07.09

 

 

303.   Soldnermedaille für Hubertus Hildebrandt und Max Engelsberger.

             Stadtdirektor a. D. Prof. Dr.-Ing. E. h. Hubertus Hildebrandt ist vom bayerischen Staatsminister für Finanzen mit der Soldnermedaille für besondere Verdienste um das Vermessungswesen in Bayern ausgezeichnet worden. Damit wurde u. a. sein besonderes Engagement bei der Durchführung von Baulandumlegungen und städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen und sein 20-jähriger Vorsitz im Gutachterausschuß für Grundstückswertermittlung der Stadt Nürnberg sowie sein Engagement bei der universitären Aus- und Fortbildung des Berufsnachwuchses gewürdigt. Minister Fahrenschon überreichte die Verdienstmedaille in einer Feierstunde am 17. Juni 2009. – Zugleich mit Prof. Hildebrandt wurde auch der frühere Leiter der bayerischen Vermessungsverwaltung (1989 – 1998) Ministerialdirigent a. D. Dr.-Ing. Max Engelsberger ausgezeichnet.

             Mit Hubertus Hildebrandt wurde in Bayern erstmals ein Fachkollege aus dem Kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen mit der im Jahre 2003 geschaffenen Medaille ausgezeichnet. Er leitete das Stadtvermessungsamt Nürnberg von 1969 bis 1990. Geboren 1927 in Stettin, war er nach dem Studium an der TH Hannover zunächst in der Landeskulturverwaltung in Niedersachsen tätig, im Kulturamt Verden leitete er das Flurbereinigungsverfahren für das Autobahnkreuz Bremen. In Nürnberg wurde er Nachfolger von Dr.-Ing. Walter Seele. Hubertus Hildebrandt war engagiertes Mitglied in der Fachkommission Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen des Deutschen Städtetages, Schriftleiter der zfv 1977 bis 1984, erhielt die Ehrenpromotion 1988 in Bonn, die Honorarprofessur 1989 in München. Zahlreiche Aufsätze und mehrere Buchveröffentlichungen stammen aus seiner Feder. Auch nach seiner Pensionierung war und ist Hubertus Hildebrandt insbesondere in Fragen der Wertermittlung in Sanierungsgebieten gefragt. - 18.07.09

 

 

302.   Eratosthenes-Preisträger 2009 ist Rudolf Hafeneder

            Das Stifterkollegium des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum (Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Kuratoriumsvorsitzender o. Prof. Dr. Bertold Witte, Erster Vorsitzender Ingo Frhr. von Stillfried) ist in Dortmund zusammengetreten und hat den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis 2009 vergeben. Aus mehreren vorgeschlagenen und preiswürdigen Arbeiten ist die Dissertation 2008 von Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder zur Deutsche Kolonialkartographie 1884-1919 als eine herausragende Forschungsarbeit ausgewählt worden. Der Vorschlag zur Preisverleihung kam von Professor Dr.-Ing. Dieter Morgenstern. Wir hatten die Arbeit bereits in unserer Mitt. Nr. 263 besprochen.

Die Preisverleihung wird in der Mitgliederversammlung unseres Förderkreises am 22. Februar 2010 in Dortmund stattfinden. In der Vergangenheit ist der Eratosthenes-Preis während der Eröffnung der INTERGEO überreicht worden. Der DVW hat ab diesem Jahr, beginnend  in Karlsruhe, den Gesamtablauf der INTERGEO verändert, insbesondere entfällt die große offizielle öffentliche Eröffnungsveranstaltung. Der Präsident des DVW hatte den Förderkreis daher gebeten, die Preisverleihung in einem anderen würdigen Rahmen vorzusehen. Das ist selbstverständlich für unseren Förderkreis unsere Mitgliederversammlung. Herr Dr. Rudolf Hafeneder wird dann zugleich über seine Arbeit berichten. - 08.07.09

 

 

301.  Bierfaß im Koordinatenkreuz – Studenten-Ulk vor 40 Jahren.

            Keine Semester-Schlußübung – undenkbar für das Drewes-, Eberhardt-, Heineke-, Lichtner- … Geodäten-Semester 1969: also veranstalteten die Studenten des achten Semesters Geodäsie nach Grundstücks-, Topographie- und Triangulations -Übung selbst einen Semester-Abschluß.  Mit dabei mehrere Professoren (u. a. Walter Großmann, Günter Hake,  Walter Höpcke, Wolfgang Torge) und Assistenten der damals noch als Technische Hochschule firmierenden Uni Hannover. Einsatz selbst gebastelter „Instrumente“ mit dem Ziel, das Gauß-Krüger-Koordinatenkreuz 9 Grad östlicher Länge mit Äquatorabstand 5900 km zu „ver“messen, bei Adolphsdorf, im Teufelsmoor, nördlich von Bremen. Getreu der Devise, Genauigkeit ist nicht alles, wurden die mehreren gefundenen Koordinatenkreuze zünftig durch „Zusammenlaufen“ ausgeglichen und an geplanter Stelle mit einem Bierfaß vermarkt, geleert vor Ort. So geschah es, ein gelungener Gag im Sommer 1969. – Und im Sommer 2009 trafen sich die ergrauten Semester, pensioniert oder in Rente, an gleicher Stelle im Teufelsmoor!

          Ausgerüstet mit langen Eisenstangen-Stangen, einer Einmessung des 10 Jahre später 1979 „als Sicherung“ vermarkten weiteren geleerten Fasses und mit viel guter Laune ging es auf die Suche, das Finden ward zugleich schwierig und fröhlich wie damals, der Initiator, einst in der Nachbarschaft des Koordinatenkreuzes aufgewachsen und heutige Münchener Professor Dr.-Ing. Hermann Drewes hörte deutlich das Auftreffen der Eisenstange auf jenes alte Alu-Faß – Übung erfolgreich! Mit von der Partie waren über 20 von damals 40 Studenten, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge, Ihr Berichterstatter Harald Lucht, damals Assistent und ein Reporter, der dann Tage später am 24. 06. 09 in der Wümmezeitung einen launigen Bericht verfaßte „Studenten der Geodäsie suchen 40 Jahre altes Bierfass“. Die Zevener Zeitung zog am 2. Juli nach: "Mit Bindfaden, Fass und Professor in das Moor". Hermann Drewes hatte das Semestertreffen organisiert, man besuchte die Kunst in Worpswede, den alten C. F. Gauß in Zeven, sogar oben in der Laterne des St. Viti-Kirchturms an dessen historischer Beobachtungsbohle, traf sich zum Gruppenfoto am Niedersachsenstein – und selbstverständlich traditionsgemäß beim Bier. Dabei zeigte Prof. Dr. Reinhard Richter zur großen Begeisterung aller ein Filmdokument der vermessungshistorischen Ereignisse. - Insgesamt ein weiterer gelungener Beweis für großen Korpsgeist und ungewöhnlichen Humor jener oft als „so genau“ geltenden Diplomingenieure der Vermessungszunft.  - 03.07.09 /04.07.09

   

 

300. Erinnerungen an Carl Strinz

           Vor Zeiten, als es noch keine Computer gab (also heute kaum mehr vorstellbar!), war die Koordinatenumformung mit graphischer Ausgleichung lange als Strinz’sches Verfahren bekannt und beliebt, weil elegant – im vergangenen Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit, auch noch bis in die Anfang 60-iger Jahre. Carl Strinz hatte das Verfahren in einem grundlegenden Aufsatz 1925 vorgestellt und dann später mehrfach weiterentwickelt. Und dies, obwohl sein Haupttätigkeitsfeld auf ganz anderem Gebiet lag.

          Carl Strinz wurde vor 140 Jahren am 10. Juli 1869 in Köln geboren. Er war Leiter der Vermessungs- und Liegenschaftsämter in Düren und Bonn und arbeitete stets auch im Bebauungsplanwesen. So gewann er 1905 einen ersten Preis in einem Wettbewerb zur Umarbeitung des Bebauungsplans der Stadt St. Johann a. d. Saar (unter 47 eingereichten Entwürfen), er nahm an weiteren Wettbewerben teil, u. a. in Kopenhagen, Breslau und Wetzlar. 1912 wechselte er nach Magdeburg. Carl Strinz war außerordentlich vielseitig und insbesondere mathematisch begabt, „mit vielfachen künstlerischen Veranlagungen und Interessen … eine Persönlichkeit mit festem eindeutigen Charakter.“ … schrieb Nadermann in seinem Nachruf 1943.

Strinz veröffentlichte eine Reihe wegweisender Artikel zu allen Fragen aus dem kommunalen Vermessungswesen, noch 1939, 70-jährig: „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen, Rückblick und Ausblick“ –  fußend (mit konkreten Zahlen) auf seinen reichen Erfahrungen insbesondere in Magdeburg. Darin umreißt er die ganze Breite der Arbeitsgebiete des Vermessungsingenieurs im Kommunaldienst, für die Planunterlagen, die Bebauungsplanbearbeitung, den Grunderwerb …. bis hin zur Grundstückswertermittlung, zur Bodenordnung.

Carl Strinz war Vermessungsingenieur, bodenpolitisch breit engagiert und mathematisch klar denkend, eine hochinteressante Persönlichkeit. Sein eingangs erwähntes, 1925 veröffentlichtes Verfahren zur graphischen Ausgleichung von Abweichungen bei Koordinatentransformationen mit einer größeren Anzahl identischer Punkte führte er in der praktischen Anwendung auf die Konstruktion von Linien gleicher Abweichung von Koordinatenverbesserungen zurück, ein elegantes Verfahren – bevor der Computer Einzug gehalten hat. Carl Strinz starb am 29. November 1942 in Magdeburg.

Literatur (Auswahl): Zentralblatt der Bauverwaltung, Hrsgg. im Min. f. öff. Arbeiten, Berlin, 1906 S. 32; Strinz, C.: Koordinatentransformation mit graphischer Ausgleichung, zfv 1925 S. 289 – 300; ders.: Das Reichsgesetz über die Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten vom 22. September 1933, ZfV 1934 S. 16 – 21; ders.: Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen, Rückblick und Ausblick, AVN 1939 S. 253 – 263; Nadermann: Vermessungsdirektor Karl Strinz †, zfv 1943 S. 48; - 23.06.09

 

 

299. Ungewöhnliche Fundsache - Erinnerungen an Siegfried Stahnke

Jürgen Lamping aus Bad Abbach hat uns kürzlich ein ungewöhnliches Zeitdokument überreicht,  eine Original-Kassette mit Tonaufnahmen von Ansprachen, die 1976 für den Gründungsvater unseres Förderkreises Siegfried Stahnke anläßlich von dessen Verabschiedung aus dem aktiven Dienst gehalten worden sind, dem Vor-Vorgänger von Norbert Kalischewski in der Leitung des Vermessungs- und Katasteramts Dortmund. Rudolf Uebbing hat die Bänder umformatiert und digitalisiert. Die Kassette enthält Worte u. a. von Jürgen Lamping, Helmut Minow, Prof. Dr. Timm (mit Hinweisen auf unser Museum) und Dankesworte von Siegfried Stahnke. Dr.-Ing. Fritz Lehmann, seinerzeit Dezernent des Regierungspräsidenten in Osnabrück erinnerte in seinen Dankesworten daran, daß eine Reihe von Referendaren aus Niedersachsen sich gerne in ihrer „Freien Wahl“ nach Dortmund abordnen ließen, weil sich dort im Bereich der Planung, Bodenordnung und im kommunalen Vermessungswesen eine hervorragende Ausbildungsmöglichkeit bot, Herr Stahnke habe sich stets auch viel Zeit für die persönliche Betreuung der Referendare genommen.. - 18.06.09

 

 

298.  Das Ruhrrevier 1956 - das Wirken von Overhoff und Stahnke

         Als 1956 der 41. Deutsche Geodätentag in Essen stattfand, hat Verbandsvermessungsdirektor Diedrich August Overhoff (1899 – 1978) vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (später Kommunalverband Ruhrgebiet, seit 2004 Regionalverband Ruhr) das Ruhrrevier in den Allgemeinen Vermessungsnachrichten AVN in einem faktenreichen Überblicksartikel vorgestellt, Siegfried Stahnke aus Dortmund dokumentierte das kommunale Vermessungs- und Liegenschaftswesen .

         Overhoff schrieb, der Gedanken- und Erfahrungsaustausch des Geodätentages sollte „…. den mit den Verhältnissen des Ruhrgebiets nicht so vertrauten Vermessungsfachleuten einen Einblick in die vielseitigen fachlichen Aufgaben und Probleme des Ruhrreviers bieten.“ Das Ruhrrevier des Siedlungsverbandes umfaßte damals 11 Großstädte, Essen hatte 700.000 Einwohner, Dortmund 616.000 (heute je 580.000); der Bergbau war beherrschender Wirtschaftszweig, der Anteil an der deutschen Steinkohlenförderung lag bei 93%. Beim Wiederaufbau des Ruhrgebietes war insbesondere Overhoff Wortführer der Interessen der kommunalen Vermessungsämter.

         Stahnke berichtete (acht Jahre nach der „Eingliederung“ der Katasterämter, vergl. unsere Mitt. Nr. 244), daß die meisten Städte die Chance genutzt und zum Vorteil beider Vermessungszweige die Personalunion herbeigeführt hätten und zeigte eine eindrucksvolle Aufgaben-Breite der Städte vom u. a. Vermessungs- und Katasterdienst, über Reproduktion, Herstellung von Fluchtlinien- und Durchführungsplänen, über Grundstückserwerb, Bodenordnung, Enteignung, Lagerbuchführung und bezifferte ebenso den konkreten Personalstand der Städte (damals z.B. Essen 293, Dortmund 169).

         Beide Fachkollegen waren lange überregional im Deutschen Städtetag aktiv. Diedrich August Overhoff gründete zusammen mit Ludwig Spelten (1877 – 1953) den Fachausschuß „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ im Deutschen Städtetag (vergl. unsere Mitt. Nr. 192) und war dessen Vorsitzender 1947 bis 1965, Siegfried Stahnke (1911 – 2008) dessen Nachfolger bis 1976 – und 1975 Gründungsvater unseres Förderkreises (vergl. unsere Mitt. Nr. 243). Diedrich August Overhoff starb vor nun über 30 Jahren.

         Literatur: Overhoff, D. A.: Das Ruhrrevier. Ein weites Betätigungsfeld für den Vermessungsingenieur, AVN 1956 S. 285 – 290; Stahnke, S.: Das Kommunale Vermessungswesen und der Wiederaufbau der Städte, AVN 1956 S. 300 – 305; Stahnke, S.: Vermessungsdirektor a. D. Overhoff 70 Jahre alt, zfv 1969 S. 530-531 und Stahnke, S.: Vermessungsdirektor a. D. Overhoff †, zfv 1979 S. 42 – 43. - 12. 06.09 

 

 

297.  Zweite Auflage "des Torge" ist erschienen.

          Der neue Klassiker zur Geschichte der Geodäsie in Deutschland von Professor Dr.-Ing. Wolfgang Torge war bereits nach anderthalb Jahren vergriffen: dieses Standardwerk zur Vermessungsgeschichte ist jetzt in zweiter Auflage erschienen. Die Änderungen bleiben naturgemäß gering und dürfen es bleiben, denn mit seinem Werk zur Geschichte der Geodäsie in Deutschland war und ist Wolfgang Torge ein großer Wurf gelungen (vergl. unsere Mitt. Nr. 222 und die ausführliche Rezension in zfv 6/2007). In dieser zweiten Auflage sind insbesondere die Kartenbeispiele vergrößert und neuere Literatur eingearbeitet worden. Der Gesamtumfang ist um wenige Seiten erweitert. Das Cover ist neu gestaltet worden. ISBN 978-3-11-020719-4. -  04.06.09

 

296.   Vor 50 Jahren startete die  automatisierte Datenverarbeitung in Hamburg, vor 80 Jahren die Luftbildvermessung.

             „Die Einführung der automatisierten Datenverarbeitung wurde in der hamburgischen Vermessungsverwaltung durch ständig zunehmende Arbeitsbelastung … veranlaßt“, schreibt 1969 Baudirektor Erich Lämmerhirt (1920 - 1991) in der AVN    Einführung vor 50 Jahren.

             Den letzten Anstoß für die Automatisierung gab die speziell für vermessungstechnische Zwecke entwickelte  Relais-Rechenanlage Zuse Z11 – die damals bereits in den Landeskulturverwaltungen eingesetzt wurde. Im Oktober 1958 wurde in Hamburg die erste Z11 in Betrieb genommen. Konrad Zuse war persönlich anwesend. Die Programme sind in Hamburg nach eigenen Vorstellungen entwickelt worden, da viele Besonderheiten des hamburgischen Koordinatenkatasters zu berücksichtigen waren. Vermessungstechnische Berechnungen erfolgten sowohl für Katasterfortführungsvermessungen wie für Ingenieurvermessungen, und waren „zugleich ein Bestandteil der Stadtvermessung“. 1965 kam der automatische Zeichentisch Graphomat Zuse Z64 hinzu, 1968 der Umstieg auf Rechenanlagen IBM 1130. Das Vermessungstechnische Museum in Dortmund besitzt eine Z11 und einen Graphomaten Z64 (vergl. unsere Mitt. Nr. 195).

             Blickt man auf den Zeitpunkt des Beginns dieser Entwicklung, ist man einerseits überrascht, wie relativ zeitnah noch der Start jenes technischen Paradigmenwechsels ist – „nur 50 Jahre“. Andererseits bewundert man den Weitblick der damaligen Generation. Und Hamburg war stets führend in der Einführung moderner Techniken. So konnten die Hamburger Kollegen auch früh und lange eine ausgezeichnete Reproduktion und Kartendruckerei zentral für die Verwaltung einsetzen.  

             Und 30 Jahre zuvor hatte das Vermessungsamt Hamburg bereits den Vorteil der  Luftbildvermessung erkannt und verfügte 1929  – vor 80 Jahren – als erste städtische Behörde über ein Bildflugzeug. „Im Umkreis von 30 km um Hamburg trat zum ersten Mal das Luftbild, mit eigenem Vermessungsflugzeug erflogen, in den Dienst der Kartenherstellung“ schrieb 1970 der Leiter der hamburgischen Vermessungsverwaltung Erster Baudirektor Walter Reek (1910 – 1978). Und sein späterer Nachfolger Erster Baudirektor a. D. Harry Pahl weiß noch heute zu berichten, daß der seinerzeitige Amtsleiter Wilhelm Peters gerne als Co-Pilot mitflog. Einst war er mit an Bord und hatte im Sanitätskoffer zünftig Bier als Reiseproviant eingeschmuggelt! So flog schließlich der Pilot kurvenreich um den Hamburger Michel. Es entstanden nicht alleine Luftbilder zu Vermessungszwecken sondern auch herrliche Fotos vom Hamburger Michel - die Maschine landete dann wieder sicher in Fuhlsbüttel.

            Literatur. Lämmerhirt, Erich: Zehn Jahre automatisierte Datenverarbeitung im Vermessungsamt Hamburg – Rückblick und Zukunft, AVN 1969 S. 177 – 180; Reek, Walter: 125 Jahre Stadt- und Katastervermessung in Hamburg, zfv 1970 S. 406 – 411; Pahl, Harry.: Das Vermessungs- und Kartenwerk im Dienste der Daseinsvorsorge, zfv 1988 S. 496 – 501; Pahl, Harry: Erster Baudirektor a. D. Dipl.-Ing. Erich Lämmerhirt, 70 Jahre, zfv 1990 S. 131 - 132. - 24.05.09

 

 

294. Heinrich Christian Schumacher, der Altonaer Astronom und die Vermessung

          Vor gut 180 Jahren 1827/28 haben Carl Friedrich Gauß und Heinrich Christian Schumacher „aufs genaueste den Breitenunterschied zwischen Göttingen und Altona“ zwischen den damaligen Sternwarten vermessen. Nachdem die Gauß-Sternwarte in Göttingen vom Denkmalschutz restauriert worden war (vergl. unsere Mitt. Nr. 253), regte die Gauß-Gesellschaft Göttingen an, auch den Altonaer Bezugspunkt wiederherzustellen.

          Gerd Hoffmann und Karl-Heinz Nerkamp vom Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung in Hamburg nahmen sich dieser Aufgabe an. Sie erarbeiteten eine Extra-Ausgabe der Mitarbeiterzeitschrift des Hamburger Landesbetriebes – eine wissenschaftlich fundierte Studie zur Geschichte der 1821 gegründeten Altonaer Sternwarte sowie zu den trigonometrischen  Arbeiten von Schumacher und Gauß einschließlich ihrer Bedeutung für die Hamburger Vermessung. Der ehemalige Standpunkt des Meridiankreises der Altonaer Sternwarte wurde wiederhergestellt und mit einer TP-Platte gekennzeichnet, die Richtung zum ehemaligen Meridianstein ist in der Örtlichkeit markiert.

          Der reich bebilderte Bericht schildert den historischen Hintergrund der bis 1866 dänischen Stadt Altona, der dortigen Sternwarte und ihrer weiteren Entwicklung, umreißt die wesentlichen Lebensdaten von Schumacher und dessen Verbindungen zu Gauß, erwähnt die bekannte Beobachtung des in der Sonne blinkenden Fensters der Michaeliskirche von Gauß, dessen erste Anregung zur Erfindung des Heliotrops. In der Schrift werden weitere einschlägige Erinnerungsstätten erwähnt und im Bild gezeigt, so auch das Olbers-Denkmal und das Kunstwerk Besselei in Bremen (Vergl. unsere Mitt. Nr. 157), Bestandteil der historischen Route des Astro-Walk. Weitere Themen sind das Wirken von Gauß an der Göttinger Sternwarte, die Braaker Basis als Teil der Dänischen Gradmessung, der Beginn der Hamburger Triangulation durch William Lindley mit der Michaeliskirche als Nullpunkt.

          Zum 150. Todestages von Schumacher 1950 erinnerte der damaliger Leiter des Vermessungsamtes Hamburg, Baudirektor Wilhelm Peters, anläßlich einer Gedächtnisfeier der Landesgruppe Nordmark des DVW an dessen Wirken. 1979 wurde an der S-Bahnhaltestelle Königsstraße ein „Meridiandenkmal“ eingeweiht.

          Das Sonderheft enthält auf 28 Seiten zahlreiche auch farbige Abbildungen und erläutert detailreich wesentliche historische Aspekte Hamburger Vermessungsgeschichte. Den beiden Autoren Gerd Hoffmann und Karl-Heinz Nerkamp und dem Landesbetrieb darf man zu dieser engagierten Arbeit gratulieren und eine gute Verbreitung des Heftes erhoffen. Interessenten wenden sich an karl-heinz.nerkamp@gv.hamburg.de  - 12.05.09

                 

 

293. Vor 50 Jahren - Bundespräsident mit Geodäsiestudium

Aus Anlaß der bevorstehenden Wahl des Bundespräsidenten: Wir erinnern daran, vor 50 Jahren wurde als Nachfolger von Theodor Heuß mit Dr. h. c. Heinrich Lübke ein Geodät zum 2. Bundespräsidenten gewählt. Heinrich Lübke hatte 1913 ein Studium der Geodäsie, Landwirtschaft und Kulturbautechnik an der Landwirtschaftlichen Akademie Bonn-Poppelsdorf begonnen und später die Landmesserprüfung abgelegt. Wir haben dazu vor 5 Jahren in unserer Mitt. Nr. 45 ausführlicher berichtet. Siehe dort unter Archiv(Aktuelles). - 05. 05. 09

 

 

292.  Wir bekommen einen ganz großen Bruder

          Der Bundestag des Deutschen Fußballbundes hat am 24. April 2009 in Düsseldorf beschlossen, das Deutsche Fußballmuseum nach Dortmund zu vergeben. Es wird bis 2012 direkt am Hauptbahnhof entstehen. Von kompetenter Stelle wurde dazu gesagt, "Vereine und auch Verbände werden sich mehr und mehr ihrer Vergangenheit bewußt. Sie merken, daß die Geschichte eine Bedeutung hat auch für die Gegenwart eines Vereins. ….Wir erleben es oft, daß Leute vor einer Vitrine stehen und sagen: Bei dem Spiel war ich im Stadion“.

          In unserem Vermessungstechnischen Museum ist es nicht anders, wenn ein (älterer) Besucher ein (relativ noch jüngeres) altes Instrument sieht … „damit habe ich noch gearbeitet!“ – Besuchen Sie unsere Schausammlung, Abteilung 22 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte – nur 5 Minuten vom Hauptbahnhof Dortmund. - 25.04.09

 

 

291. 1908 - 2008: 100 Jahre Entwicklung geodätischer Systeme in Jena

          Carl Zeiss (1816 - 1888), Ernst Abbe (1840 - 1905), Otto Schott (1851 - 1935), Heinrich Wild (1877 - 1951) - Namen von bedeutenden Instrumentenbauern, die in der Geodäsie einen ganz besonderen Klang haben. Sie wirkten lange in Jena, schon beginnend im 19. Jahrhundert und dann bis in die 30-iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Instrumentenbau und -Entwicklung der Fa. Zeiss in der DDR als VEB Carl Zeiss Jena fortgeführt. In der Bundesrepublik wurde eine neue Tradition bei Carl Zeiss Oberkochen aufgebaut. - Eine große Jubiläumsfeier aus Anlaß des Beginns der Entwicklung geodätischer Instrumente und Systeme fand in Jena statt am 26. und 27. Mai 2008 - jetzt hervorragend dokumentiert in der jüngsten Ausgabe des VDVmagazins vom Chefredakteur Dipl.-Ing. Rolf Bull: Zahlreichen  Fotos geodätischer Instrumente und historischen Eckdaten jener 100-jährigen Epoche, ein reich bebilderter Bericht in prägnanter Kurzform.

         Ausrichter jener Jubiläumsfeier war Trimble Jena GmbH,  veranstaltet in der Nachfolge jener ruhmreichen Entwicklung - "aus Zeiss wurde Trimble (2001)".  

         Quelle: Rolf Bull: 1908 - 2008: 100 Jahre Entwicklung geodätischer Systeme in Jena, VDVmagazin 2009 S. 122 - 130. - 19.04.09

 

 

289.   Geodäsie und Briefmarken

           Der Förderkreis verfügt über eine recht umfangreiche Briefmarken-Motivsammlung. Aufgebaut in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, sind in der Sammlung Motiv-Marken aus der Geodäsie und der Kartographie aus den Jahren seit 1924 enthalten. Die Sammlung ist von der Familie Dieter Hertling dem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum als Dauerleihgabe zu treuen Händen gegeben worden. Die Betreuung der Sammlung ruhte in den vergangenen Jahren – ein ruhender Schatz unseres Förderkreises.

          Gerne verweisen wir in diesem Zusammenhang auf eine neue Homepage von Herrn Markus Wydera. In dieser im Aufbau befindlichen Homepage sind schon jetzt hochinteressante Briefmarken, Poststempel, Absenderstempel aus der Geodäsie wiedergegeben. Jeweils im Zusammenhang mit (auch zahlreichen internationalen) Briefmarken werden Vermessungs-, Kataster- und Bodenordnungs-Institutionen und –Verfahren allgemeinverständlich erläutert. Ein Besuch der Homepage  www.wydera.de/vermessung/index.html führt in eine hervorragend aufbereitete Welt kleiner graphischer Kostbarkeiten. - 03.04.09

 

 

288.   Die schwedische Landesvermessung von Vorpommern vor 300 Jahren - das erste deutsche Kataster

          Während des 30-jährigen Krieges 1618 bis 1648 wurde auch Pommern stark verwüstet, hatte einen bedeutenden Teil seiner Einwohner verloren. Seit 1630 von den Schweden unter Gustav Adolf II besetzt war das Land auch finanziell schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Zur Fortführung der schwedischen Großmachtpolitik sollte die Einführung einer Grundsteuer erfolgen. In Schweden existierte bereits eine effektive Steuerpolitik, die auf genauer Kenntnis des Landes beruhte. Wert und Notwendigkeit einer kartographischen Aufnahme waren in Schweden bekannt. - Wegen des hartnäckigen Widerstandes der pommerschen Landstände, welche die aus der Vermessung resultierende Steuereinschätzung verhindern wollten - und auch am Mangel an Landmessern - scheiterten jedoch zunächst die Pläne einer Vermessung. Doch nach Vorarbeiten einer vom König von Schweden entsandten Landmesserkommission begannen 1692 die Vermessungen  im Raum Stettin. Es folgten1694 das Gebiet um Anklam, 1695 Rügen, 1696-98 das übrige Festland, Wismar um 1700. Nachdem viel wüster Acker wieder in Kultur genommen war wurden 1703-05 Revisionsmessungen vorgenommen.

          Die Landmesser vermaßen mit 2 Gehilfen, fertigten Skizzen und bereiteten die Urkarten vor. Besitzer, Pächter, Bauern, Pastoren wurden nach Eigentums- und Besitzverhältnissen, nach Erträgen der Ländereien befragt. Über Winter erfolgten die Reinzeichnungen und Reinschriften. Die größeren Städte Stettin, Stralsund, Greifswald, Wolgast und Anklam sind 1705-1708 vermessen worden. Sämtliche Grundstücke und Häuser wurden nach Größe, Aufbau, Bauzustand und steuerlicher Klassifizierung beschrieben. Bis zum Herbst 1709 waren alle Karten gezeichnet und die Registerbände fertiggestellt. Der Kartenmaßstab lag bei 1:8210. Die Nutzungsarten in den insgesamt 1.455 Matrikelkarten sind farbig angelegt. Die Fassaden z. B. der Bürgerhäuser in Stettin zeigen das typische Bild damaliger hanseatischer Bauweise (Stettin gehörte seit 1278 zur Hanse). Ergebnis der Arbeiten  war das "Catastrum oder Huefen-Matricul des Königlich-Schwedischen Hertzogs-Thumbs Vorpommern und Fürsten Thumbs Rügen". -             

          Nach der Schwedenzeit hat Friedrich Wilhelm, König von Preußen, im Friedensschluß von 1719/20 Vorpommern und das Herzogtum Stettin von Schweden zurückgekauft, wie eine lateinische Inschrift am ehemaligen "Brandenburger Tor / Berliner Tor" verkündet, dem heutigen "Hafentor" in der bis 1945 deutschen und seitdem polnischen Stadt Stettin.

          In einer Untersuchung aufgrund vertiefter Archivforschungen von 1920/23 hat der preußische Landmesser Carl Drolshagen herausgearbeitet: "Die schwedische Landesaufnahme und Hufenmatrikel von Vorpommern" (sind das) "älteste deutsche Kataster." - 

          Quelle: Heiko Wartenberg: Katalog zu einer Ausstellung in der Stiftung Pommern im Rantzaubau des Kieler Schlosses vom 16. 02. bis 04. 04. 1994, Herausgeber: Stiftung Pommern, Kiel, Vorpommersches Landesarchiv, Greifswald und H. Wartenberg. - 25.03.09

 

 

287.   Neuauflage des Museumshandbuchs zur INTERGEO Karlsruhe

             Das 1984 erstmalig und 1989 in geringfügig erweiterter 2. Auflage erschienene Museumshandbuch zur Vermessungsgeschichte hatte bislang eine Gesamtauflage von 7000 Exemplaren. Universitäten und Fachhochschulen gaben gerne das aufwendig ausgestatte Buch als Examensauszeichnung, auch zu runden Geburtstagen war das Museumshandbuch aus Dortmund ein beliebtes Geschenk. Seit 2006 sind auch die noch vorhandenen Restbestände vergriffen.

           Im Vorstand des Förderkreises ist nach möglichen Lösungen für eine Neuauflage gesucht worden. Unser rühriger Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried hat es sich dann zu seiner Aufgabe werden lassen, die Diskussionen anhand von weitreichenden Vorschlägen für eine Neugestaltung zu befördern. Der Aufsatzteil ist insbesondere mit Unterstützung der in den früheren Auflagen engagierten Autoren aktualisiert (vornehmlich Landesvermessung, Satellitengeodäsie) und ergänzt worden, zusätzlich auch um das abgeschlossene Kapitel der analogen Führung des Liegenschaftskatasters. Einige neue Autoren konnten gewonnen werden. Im November 2007 hat es ein Redaktionstreffen der Herren Prof. Wolfgang Torge,  Dr. Harald Lucht, Manfred Spata, Ingo von Stillfried, Norbert Kalischewski und Klaus Lehmann zur Gestaltung der Neuauflage und zur weiteren Vorgehensweise gegeben.

          Die kommende 3. Auflage des Museumshandbuchs wird im Format DIN A4 und mit weitgehend farbigen Bildern erscheinen. Als Katalog der Ausstellung wird das Werk um eine Reihe von Ausstellungsstücken ergänzt. Darüber hinaus werden weitere Instrumente aus der Sammlung aufgenommen, die die Schausammlung sinnvoll ergänzen, jetzt oder zukünftig in der neuen Schauvitrine in einer Wechselausstellung präsentiert oder aus anderen Gründen abgebildet werden sollen. Die Fotos hat unser Foto-Profi Rudolf Uebbing aufgenommen, erst jüngst wieder unterstützt von Frau Uthardt.  

             Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. ist seinem Museumsbeauftragten – und seit der Mitgliederversammlung 2009 zugleich auch Erstem Vorsitzenden – Ingo von Stillfried besonders dankbar, hat er doch (beständig nebendienstlich) in den vergangenen Monaten die Arbeiten mit großem Einsatz vorangetrieben. So können wir davon ausgehen, das Neue Museumshandbuch wird in diesem Jahr zur INTERGEO in Karlsruhe vorliegen können. - 15.03.09

 

 

286.   Buchbesprechung Dissertation von Dajana Baum über Benzenberg

          Über das neue Werk Johann Friedrich Benzenberg (1777 - 1846) - Verfassungskonzeptionen aus der Zeit des ersten preußischen Verfassungskampfes - ist in der jüngsten zfv eine ausführliche Buchbesprechung erschienen. Das als Dissertation erarbeitete Werk von Dajana Baum hat 429 Seiten und ist insbesondere auch ein Dokument der Zeitgeschichte zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Wir erkennen in diesem Buch einen uns Vermessungsingenieuren doch sehr wenig bekannten Benzenberg. Nicht jenen des Katasters und der Landesvermessung Berg, stattdessen eine viel belesene und streitbare Persönlichkeit. Benzenberg galt als ambivalenter Zeitgenosse.1821 schrieb ein Kritiker seiner Bücher und Schriften: „Der Adel sieht in Benzenberg den Demokraten, die Liberalen den Ministeriellen, das Ministerium den Konstitutionellen …." . Siehe auch unsere Mitt. Nr. 254.

Literatur: Baum, D.: Johann Friedrich Benzenberg – Verfassungskonzeptionen aus der Zeit des ersten preußischen Verfassungskampfes 429 Seiten, 1. Auflage Juni 2008, € 39,90 – Klartext Verlag, Essen, ISBN 978-3-89861-858-8. - Lucht, H.: Besprechung zu vorstehendem Werk in zfv 1/2009 S. 68-69 . - 10.03.09

 

 

285.  100 Jahre Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation

          Unter dem Motto Zukunft mit Tradition lädt die Deutsche Gesellschaft für Photogrammetrie, Fernerkundung und Geoinformation zu einer Festveranstaltung am 24. März und zu ihrer Jahrestagung am 25. und 26. März 2009 nach Jena ein. Nach Begrüßung durch die Präsidentin, Frau Prof. Dr. rer. nat. Cornelia Gläßer folgen Grußworte und Vorträge u. a. von Prof. Dr. Jörg Albertz, Berlin und Prof. Dr. phil. nat. Markus Rothacher, Zürich. In der Festveranstaltung werden mehrere Ehrenmedaillen verliehen, u.a. die Meydenbauer-Medaille (vergl. unsere Mitt. Nr. 245). Während die Festveranstaltung insbesondere dem Ereignis des 100-jährigen Bestehens der Gesellschaft gewidmet ist, folgen am 25. und 26.3. Arbeitssitzungen mit abschließenden Plenumsvorträgen zum Thema Blicke in die Zukunft. Weitere Informationen unter www.dgpf.de. - 02.03.09

 

 

284.   Karte des Deutschen Reiches vor 1920

         Von Günther Bolze aus Berlin hat das Vermessungstechnische Museum eine kartographische Spende ganz besonderer Art erhalten: Die fast vollständige Sammlung der Karte 1:100.000 des damaligen Deutschen Reiches. Beginnend im hohen Nordosten mit dem Kartenblatt Nr.1 "Nimmersatt-Krotingen", insgesamt aus 674 Blättern bestehend, Andruckversion, versehen mit einigen Fehlvermerken zu ca. 50 Blättern; dazu im gleichen Maßstab  Karten von Oberitalien. Eine ebenfalls beigegebene Übersichtskarte hat einen Bearbeitungsvermerk von 1920, die einzelnen Karten haben ältere Bearbeitungsstände.  

         Der Eigentümer und Spender Günther Bolze berichtet dazu, das besondere Kartenwerk stamme aus dem Nachlaß des früheren Vermessungsdirigenten der Königlich Preußischen Landesaufnahme Paul Seliger, einer insbesondere auch photogrammetrisch interessierten Persönlichkeit aus der militärischen Laufbahn. - Günther Bolze übergab dem Förderkreis zusätzlich eine fast 100 Jahre alte (veröffentlicht 1911) Monographie „Die stereoskopische Meßmethode in der Praxis“ aus gleicher Herkunft. Es ist eine Erstfassung eines späteren umfangreichen Werkes von 1926, das der Förderkreis in seiner umfangreichen Bibliothek besitzt – für die beiden wertvollen Spenden ist der Förderkreis besonders dankbar. - Zu vermessungsgeschichtlichen Aktivitäten von Günter Bolze vergl. auch unsere Mitt. Nr. 240. – 24.02.09

 

283.   Mitgliederversammlung und drei Auszeichnungen

          16. Februar 2009 - Mitgliederversammlung des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte mit mehreren Höhepunkten. Museumsdirektor Wolfgang E. Weick begrüßte die etwa 50 Teilnehmer von nah und fern mit freundlicher Reminiszenz an das 125-jährige Bestehen des Museums im vergangenen Jahr.

          Der Präsident des Förderkreises übermittelte Grüße des ehemaligen Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang Torge, von Dr. Kurt Kröger und Helmut Minow, die alle krankheits-bedingt nicht teilnehmen konnten. Ein besonderer Gruß galt dem neuen Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Dr. Bertold Witte aus Aachen - und dem aus Königsstein bei Dresden angereisten Eratosthenes Preisträger Dipl.-Ing. Mario Bauch

          In seinem Vortrag schilderte Mario Bauch mit hervorragend gestalteter Powerpoint-Präsentation das Wirken von C.F. Schellig (1765 – 1809) und Heinrich Cotta (1763  - 1844), den beiden ersten Direktoren der Forstvermessungsanstalt in Sachsen. Schellig war Mathematiker, hatte bei einer ersten Landesvermessung mitgearbeitet und schuf  ab 1802 weitsichtig die Grundlagen der Forstvermessung auf trigonometrischer Basis. Sein Wirken endete durch seinen tragischen Tod als Soldat 1809, als Sachsen an der Seite Napoleons focht. Mit Heinrich Cotta wurden Vermessung und Schätzungsarbeiten weiterentwickelt und führten zur Errichtung der Forsteinrichtungsanstalt in Tharandt. Die Forsteinrichtung und Vermessung vor 200 Jahren sind ein Beispiel für den heute beständig geforderten Grundsatz zu nachhaltigem Handeln, so Mario Bauch in seinem mit viel Beifall aufgenommenen in herzerfrischender Weise vorgetragenen Bericht.

          Dr. Harald Lucht nahm gerne die Schöne Aufgabe wahr, die Ehrenmedaille des Förderkreises an zwei verdiente Persönlichkeiten zu verleihen, an Dipl.-Ing. Konrad Peters aus Münster und Dipl.-Ing. Manfred Gombel aus Dortmund. Konrad Peters wurde für sein Lebenswerk geehrt, gewidmet der Vermessungsgeschichte mit über 60 wertvollen Veröffentlichungen, vielen Nachbauten von Meß-Instrumenten und -Geräten des Altertums, gezeigt in zahlreichen Ausstellungen, vom Fernsehen gewürdigt. Manfred Gombel gilt zurecht als Vater unserer Schausammlung, hat seit über 3 Jahrzehnten den Auf- und Ausbau unserer Instrumentensammlung befördert und immer wieder sein großes Fachwissen in den Dienst des Museums gestellt. Seine Ehrung in und für das Vermessungsmuseum heiße, so der Laudator, die berühmten Eulen nach Athen zu tragen

          Konrad Peters und unser Ehrenmitglied Manfred Gombel, zwei "Urgesteine" im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum,  waren 1975 Gründungsmitglieder unseres Förderkreises - beiden galt für ihre Ehrung langer Beifall der des Auditoriums.

          Nach einer Kaffeepause folgte zunächst der Bericht des Ersten Vorsitzenden Dipl.-Ing. Norbert Kalischewski - und in seinen Vortrag eingebettet der Rechenschaftsbericht unseres Museumsbeauftragen Dipl.-Ing. Ingo von Stillfried, eine breite Bilderfolge neu erworbener Instrumente, über Ausstellungsbeteiligungen und zum Museumshandbuch: es soll in diesem Jahr in neuer Auflage erscheinen. Schatzmeister Franz-Josef Gocke  erstattete den Kassenbericht  - und für Entlastung sorgten Kassenprüfer Dipl.-Ing. Burkhard Kreuter und Dr. Hartwig Junius für den Vorstand.

          Der Erste Vorsitzende Norbert Kalischewski hatte seinen Bericht mit der Ankündigung beendet, nicht erneut zu kandidieren. Präsident Harald Lucht dankte ihm für seine über 3 Wahlperioden währende Vorsitzendenzeit und seine über 20-jährige Mitwirkung im Vorstand - und war erfreut über dessen Bereitschaft, im Vorstand weiterzuwirken; dies gilt auch für die Wiederwahl von Dipl.-Ing. Axel Kolfenbach im Vorstand. Die Mitgliederversammlung wählte einstimmig Dipl.-Ing. Ingo von Stillfried zum neuen Ersten Vorsitzenden, der seine mit Begeisterung wahrgenommene Aufgabe als Museumsbeauftragter zunächst in Personalunion weiterführen wird. Ins Kuratorium neu gewählt wurden Präsident a. D. Wulf Schröder aus Wiesbaden und Dipl.-Ing. Friedel Pfeifer, wiedergewählt wurden Manfred Gombel, Dr. Klaus Grewe, Dipl.-Ing. Klaus Hahn, Ltd. Min. Rat Friedrich Vogel. - 17.02.09/01.03.09

 

 

282.  Sonderausstellung Ballon-Theodolite in der Schausammlung

         In einer neuen Vitrine in unserer Schausammlung im Vermessungsmuseum zeigen wir 4 Ballon-Theodolite einer Bauart, die für die normale Vermessung ganz unüblich ist. Sie verfügen als Besonderheit über ein geknicktes Fernrohr, um die Beobachtung von Wetterballonen in größeren Höhen zu erleichtern. Sie wurden wegen der bewegten Ziele von mehreren Beobachtern bedient, um Horizontal- und Vertikalwinkel gleichzeitig zu beobachten. „Keimzelle“ dieser kleinen Sonderausstellung ist ein Ballon-Exkursions-Theodolit aus dem Nachlaß von Dr. Wolfgang Pötzschner. Ein von Otto Fennel & Söhne, Kassel, um 1925 gebautes Instrument haben wir 2003 angekauft – und die beiden weiteren Instrumente hat unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried bei eBay günstig ersteigert – das „jüngste“ Instrument russischer Herkunft vor wenigen Tagen. – Die neu erworbene Vitrine konnte wesentlich aus einer hochherzigen Spende der Ehefrau von Wolfgang Pötzschner finanziert werden. – Ingo von Stillfried und wir alle freuen uns, diese „alten Neuheiten“ am Rande der kommenden Mitgliederversammlung am Montag, den 16. 2.09, unseren Mitgliedern und Besuchern vorzustellen. - 11.02.09

 

 

280.  Erinnerungen an Professor Günter Paul

          Anfang 2006 wurden noch einmal besondere Erinnerungen wach an einen Kollegen, der den geodätischen Fachbereich in der Bodenordnung und der Bodenwirtschaft seiner Zeit wesentlich mitgeprägt hat. Anlaß war die Vollendung des 85. Lebensjahres von Professor Dipl.-Ing. Günter Paul und dessen Würdigung in der Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung fub.

          Günter Paul war am 17. 3. 1921 in Hirschberg am Fuße der Schneekoppe in Schlesien geboren worden, hatte dort auch Volksschule und Gymnasium besucht und das Geodäsiestudium 1939 in Berlin begonnen; er konnte es in den schwierigen Zeiten 1943 in Bonn noch beenden, doch die Assessorenausbildung kriegsbedingt erst 1951 abschließen. - Jetzt erreichte uns die traurige Nachricht von seinem Tod am 15. 1. 2009 in Brombach/Odenwald.

          Günter Paul begann seinen Berufsweg in Essen an der Seite von Prof. Dr. Willi Bonczek (vergl. unsere Mitt. Nr. 213), und dort insbesondere mit der Bearbeitung innerstädtischer Umlegungen in der stark zerstörten Innenstadt. Bereits 1954 wechselte er dann nach Offenbach und übernahm für mehr als 20 Jahre die Leitung des Vermessungsamtes der Stadt mit dem Schwerpunkt der Arbeit in der Grundstücksbewertung und in der Bodenordnung. Die mehrfach ausgezeichnete Sanierung der Innenstadt und die begleitenden Umlegungsverfahren standen unter seiner Leitung.

          Sein Wirken an der TU Darmstadt begann Ltd. Vermessungsdirektor Günter Paul dann 1973 noch in seiner aktiven Dienstzeit als Amtsleiter. In dieser Zeit seiner Neuorientierung war er noch mehrfach Gast im Ausschuß Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen des Deutschen Städtetages. 1976 wechselte er vollständig in die wissenschaftliche Laufbahn auf die neu geschaffene Professur für Bodenordnung und Bodenwirtschaft. Auf der Grundlage seiner reichen praktischen Erfahrungen konnte er an der TU Darmstadt die Fächer Liegenschaftswesen, Bauleitplanung, Bodenordnung und Grundstücksbewertung betreuen. Zahlreiche Diplomarbeiten entstanden in dieser Zeit und bis zu seiner Emeritierung. „Seine Persönlichkeit  und sein fachliches Wirken erfuhren eine Vielzahl von Ehrungen“ schrieb Prof. Dr.- Ing. Hans-Joachim Linke in seiner Laudatio zum 85. Geburtstag.

          Auch Günter Paul war eine zunächst aus der Geodäsie geprägte Persönlichkeit, die dann vor dem Hintergrund eines reichen Erfahrungsschatzes aus der Praxis des städtischen Liegenschaftswesens in die wissenschaftliche Laufbahn gewechselt war – ähnlich wie andere herausragenden Persönlichkeiten mit langjähriger Praxis im ländlichen oder städtischen Liegenschaftswesen, so insbesondere die Professoren  W. Seele, Uni Dortmund, Uni Bonn, TU Dresden; H. Möser TU München; R. Hoisl, TU München; G. Oberholzer, Uni BW München; E. Weiß, Uni Bonn; H. Magel, TU München. 

          Quelle: Linke, Hans-Joachim, Prof. Dipl.-Ing. Günter Paul vollendet das 85. Lebensjahr, Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung fub, 2006 S. 96

 

 

278.  Ihr Interesse an unseren Seiten wächst.

          Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche auf unserer Homepage zeigt, wir treffen auf ein beständig steigendes Interesse: 2008 hatten wir 16.300 Besuche (nach 11.750 in 2007 und 9.600 in 2006). Die Seitenaufrufe stiegen auf 24.000 (nach 17.400 und davor 15.000). Diese Seite Aktuelles zählte 2008 über 7.200 Besuche (nach 2.600 und davor ebenfalls 2.600). Immer mehr Besucher und Besucherinnen haben offenbar diese Seite als Favorit gespeichert: Der Einstieg auf unsere Homepage erfolgte 2008 von 6.150 Besuchen über Aktuelles. Sammlung, Bibliothek und Instrumentenfotos sind die weiteren angesteuerten Seiten.

          Wir wollen Sie auch weiterhin  mit Kurz-Mitteilungen über interessante historische Ereignisse, Gedenktage, Veranstaltungen, Schriften informieren und insbesondere auch jüngere Besucher und Besucherinnen für die Vermessungsgeschichte interessieren.  - 19./22.01.09

 

 

277.   Besuch aus Aarau in der Schweiz 

         Vom 23. bis 25. Januar 2009 werden die Herren  Aeschlimann und Münch, Frau Rössler und das Ehepaar Sauerländer aus Aarau unsere Schausammlung im MKK und das Magazin im Museum am Westpark besuchen, um Anregungen für eine eigene ähnliche Einrichtung in der Schweiz zu erhalten. Die Führungen werden neben Ingo  von Stillfried auch Manfred Gombel und Jürgen Lagoda gestalten. Daneben ist auch ein Empfang beim Direktor des MKK, Wolfgang E- Weick, vorgesehen. 

        Vor dem Besuch in Dortmund wird die Ausstellung "200 Jahre Landesvermessung" in Bonn-Bad Godesberg besichtigt werden (vergl. dazu unsere Mitt. Nr. 211), dort werden die Herren Lüders und Sager vom ehemaligen Landesvermessungsamt (heute Bezirksregierung Köln) die Gäste führen. Den Abschluß bildet ein Besuch im Mercatormuseum in Duisburg. - 13.01.09

 

 

276. Mitteilungen aus dem Förderkreis 

          Unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried berichtet über erfreuliche Instrumentenspenden und einen Besuch Schweizer Fachkollegen.

            Auf Initiative unseres Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Dr. Bertold Witte haben wir von der Firma Theis Feinwerktechnik, Wolzhausen, ein neuwertiges Nivellier Tecomat erhalten.

          Die Bezirksregierung Arnsberg überließ uns u. a. ein AGA Geodimeter, 2 Meßtische, einen Bussolentachymeter – ausgemustert nach organisationsbedingter Einstellung des vermessungstechnischen Außendienstes. Daneben erhielten wir von privat auch ein photogrammetrisches Kleinauswertegerät Kartoflex. Allen Spendern herzlichen Dank. ....... - 11.01.09/ 22.02.09

 

 

274. In diesen Tagen: 200 Jahre Preußische Städteordnung

            Am 19. November 1808 wurde die Preußische Städteordnung als ein bedeutsames Zeugnis der Stein-Hardenbergschen Reformgesetzgebung verkündet. Prof. Dr. mult. Erich Weiß – lange schon im Vorstand unseres Förderkreises aktiv – hat die damals handelnden Personen dem Vergessen entrissen. Er zeichnete die fachlichen und biographischen Wurzeln jenes Reformwerkes nach, angeregt durch die Vorbereitungen des von ihm wesentlich mitgestalteten 10. Symposium für Vermessungsgeschichte in Dortmund im Februar 2008.

            Der preußische Staatsminister Freiherr vom Stein leitete bis November 1808 die aus fachlich differenzierten Einzeldepartements zusammengesetzte oberste Staatsverwaltung Preußens, nachgeordnet u. a. das Provinzialdepartement für Ost- und Westpreußen unter Friedrich Leopold von Schroetter und dessen Mitarbeiter Heinrich Albert Wilckens. Erich Weiß hat nach Auswertung historischer Quellen und historischer Dokumente herausgearbeitet, wie jener H. A. Wilckens die Städteordnung maßgeblich entworfen hat. Grundlage war die „Nassauer Denkschrift“ des Freiherrn vom Stein von 1807 und nicht zuletzt eine Kabinettsorder des Königs Friedrich Wilhelm III (1770 in Potsdam – 1840 in Berlin), ausgelöst durch das ebenfalls 1808 erfolgte, durch vom Stein geförderte Ersuchen der Königsberger Bürgerschaft an den König, eine gesetzliche Repräsentation auf Stadtebene zu schaffen – so u. a. einen auf begrenzte Zeit gewählten Magistrat und eine Stadtverordnetenversammlung; Bürgersinn und Gemeingeist sollte wieder neues Leben erhalten. Dabei sollten auch die unterschiedlichen Verhältnisse in den Städten nach Umfang, Bevölkerung und den städtischen Ständen berücksichtigt werden. Heinrich Albert Wilckens hatte diese große Aufgabe binnen weniger Wochen zu schultern, wie Erich Weiß in seiner außerordentlich gründlichen Studie nachweist und ausführlich darstellt.

          Eine populärwissenschaftliche Darstellung der damaligen gesellschaftlichen Situation gibt Christopher Clark (Professor für Neuere Europäische Geschichte in Cambridge), wir lesen in seinem neuen Buch zusammenfassend (Zitat aus S. 388) „Von den emanzipierten Bürgern … wurde erwartet, dass sie sich aktiv am politischen Leben beteiligten. Stein hoffte, dies durch die Schaffung gewählter Organe der städtischen Selbstverwaltung zu erreichen …  Die Kategorie „Bürger“, die einst auf die privilegierten Mitglieder der Ständeorganisationen wie Zünfte beschränkt war, wurde dahingehend ausgeweitet, dass sie nunmehr alle Personen umfasste, die ein Haus besaßen (auch alleinstehende Frauen) oder ein „Gewerbe“ in den Stadtgrenzen ausübten. Alle männlichen Bürger, die ein bescheidenes Mindestvermögen vorweisen konnten, waren berechtigt, sich an den städtischen Wahlen zu beteiligen und ein Amt zu übernehmen.“ Es war wohl mehr eine Zielvorstellung: Um alle diese Ansätze sollte in der Liberalismus-Diskussion des 19. Jahrhunderts vielfach gerungen werden (Ein Themenbereich, in dem sich z. B. selbst auch Johann Friedrich Benzenberg engagierte, siehe auch unsere Mitt. Nr. 254).   - Ausgelöst durch die Napoleonische Herrschaft trat Freiherrn vom Stein noch 1808 als leitender Minister des preußischen Staates zurück (siehe auch bei Prof. Dr. Erich Weiß im Symposiumsband zum 10. Symposium für Vermessungsgeschichte). Vom Stein legte seinem Monarchen noch am Tage seines Abschieds (24. November 1808) einen Organisationsplan vor, in dem er eine beratende ständische Verfassung vorsah (siehe bei Prof. Dr. Peter Burg im gleichen Symposiumsband). -  

            Mit Kabinettsorder vom 19. November 1808 hatte der preußische König jene Städteordnung, die „Ordnung für sämtliche Städte der preußischen Monarchie“, zum Gesetz ausfertigen lassen. Bemerkenswert: Um Druckkosten zu sparen, ließ man dieses Reformgesetz in äußerst spartanischer Ausgestaltung als Zeitungsbeilage erscheinen, in vier Teilen über den ganzen Monat Dezember 1808 verteilt – in diesen Tagen vor 200 Jahren.

           Die preußische Städteordnung von 1808 des Freiherrn vom Stein wurde später zum wesentlichen Ausgangspunkt der kommunalen Selbstverwaltung, heute gegründet auf Artikel 28 Grundgesetz. Vor diesem Hintergrund verleiht der Deutsche Städtetag  die „Freiherr-vom-Stein-Medaille“ für herausragende Leistungen in diesem Gebiet. Auch das kommunale Vermessungs- und Liegenschaftswesen ist wesentlicher Teil kommunaler Selbstverwaltung (siehe auch unsere Mitt. Nr. 192). -           

           Quellen: Erich Weiß: Heinrich Albert Wilckens – eine biographische Miniatur aus der preußischen Reformgesetzgebung zu Städteordnung vom 19. November 1808, Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung (fub) 6/2008 S. 276 – 284, Christopher Clark: Preußen, Aufstieg und Niedergang 1600 – 1947, Pantheon Verlag, Erste Auflage Oktober 2008, 896 Seiten; Reichsfreiherr vom und zum Stein zum 250. Geburtstag - 10. Symposium zur Vermessungsgeschichte 18.02.08 - Symposiumsband herausgegeben von Kurt Kröger, Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. Dortmund 2008, Schriftenreihe Band 37 - 22./30. 12. 08  

                                                     

 

273. Manfred Gombel gelten alle guten Wünsche zur Vollendung des 80. Lebensjahres

           Dipl.-Ing. Manfred Gombel, Vater der Instrumentensammlung des vermessungstechnischen Museums in Dortmund, Verfasser des seinerzeitigen Drehbuchs unserer Schausammlung 1985,  Träger der Goldene Verbandsnadel des VDV 1989, unser Ehrenmitglied seit 2000, Leiter unzähliger Führungen durch die Schausammlung …. viele weitere rührige Ehrenämter für unseren Förderkreis, in Prüfungsausschüssen, im VDV und weit darüber hinaus wären zu nennen – unser Museumsbeauftragter Manfred Gombel darf mit Stolz auf seine vielfältigen Aktivitäten zurückblicken, nun seit über 60 Jahren aktiv im Vermessungsberuf und in der Vermessungsgeschichte.  

          Am  20. Dezember 1928 in Duisburg geboren, noch vom bitteren Kriegsgeschehen betroffen, studierte Manfred Gombel an der Staatsbauschule und späteren Fachhochschule Essen Vermessungswesen. Hier wohl ist von dem unvergessenen Dozenten Heinrich Ochsenhirt der Funke der Vorliebe für Geodätische Instrumente übergesprungen: Manfred Gombel  war, blieb und ist fasziniert von Instrumenten, historischen wie jüngeren, und davon, daß Instrumente zu bauen einst als besondere Kunst galt.  Beginnend schon 1947 im Vermessungs- und Katasteramt Dortmund, war er später in leitenden Funktionen aktiv, zuletzt lange in der Abteilungsleitung des Vermessungsbereichs. Und er hat danach weiterhin aktiv  den sprichwörtlichen Unruhestand gepflegt.  Sein in den vergangenen Jahren erstelltes Hauptbuch zur Instrumentensammlung des Förderkreises legt Zeugnis dafür ab – und ist eine inzwischen unverzichtbare und wertvolle Dokumentation. Ebenso seine Veröffentlichungen, so jüngst „Konstrukteure und Mechaniker von geodätischen Instrumenten“ Schriftenreihe des Förderkreises Band 32 oder sein kenntnisreicher Beitrag zum Dollond-Theodoliten zusammen mit Manfred Spata in der Zs. Der Vermessungsingenieur.  

          Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V. gratuliert seinem Gründungs- und Ehrenmitglied Manfred Gombel und wünscht ihm für die kommenden Lebensjahre alle Gute - und erhofft natürlich weiter seine Unterstützung.  - 18.12.08

 

 

 272.   Bücher aus dem ehemaligen Landesvermessungsamt NRW in Bad Godesberg

          Unser Bibliothekar Dr. Hartwig Junius hat kürzlich im ehemaligen Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen in Bad Godesberg Bücher aus deren aufzulösender Bibliothek übernommen. U. a. sind darunter die kompletten Mitteilungen des Reichsamtes für Landesaufnahme, die schweizerische und österreichische "ZfV", ebenfalls jeweils komplett. Die Auswahl erfolgte zusammen mit Manfred Spata. - Einmal mehr wird damit deutlich, welchen Weg diese so kompetente Institution Landesvermessungsamt zu gehen hat, heute als Teil der Bezirksregierung Köln, Abt. 7 GEOBasis NRW. Die Auflösung der Fachbibliothek liegt auf der gleichen Linie, wie die Einstellung des Vertriebs der gedruckt vorgehaltenen amtlichen und auch der historischen Kartenwerke zum 31. 12. 2008. Doch dafür bietet GEOBasis NRW ab sofort die Digitale Topografische Karte 1:25.000 von NRW an, weitgehend automatisch erzeugt auf dem kürzlich fertiggestellten Digitalen Landschaftsmodell. - Siehe auch VDVMagazin 5/2008 Seite 427 zum Ende einer langen guten Tradition, "Ist der Name 'Landesvermessungsamt' so unmodern". - 

          Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund dankt für die Übergabe und wird die Bücher in seine umfangreiche Bibliothek integrieren. Unser Bibliothekar hat dazu aktuell festgestellt, die Bücherei umfasse inzwischen 4444 katalogisierte Bände zur Vermessungsgeschichte.....! - 13.12.08


 270.   Erinnerungen an Herbert H. Ahrens, geboren vor 100 Jahren.

           Wer kannte ihn nicht in den Jahrzehnten nach 1945 – Herbert H. Ahrens. Als Eisenbahner im Hauptberuf wirkend seit 1937 und bis 1973 (mit bitterer Kriegsunterbrechung) war er in 11 verschiedenen Dienstorten tätig, u. a. in Danzig, Hannover und zuletzt als Leitender Bundesbahndirektor in München.

           Unvergessen sind die „Ahrens’schen Mitteilungen“, die DVW-Nachrichten alter und aller Art in laufenden Nummern in jedem Heft der zfv seit 1950 und bis 1990. Sie verführten viele Leser, diese große wissenschaftliche Zeitschrift zunächst von hinten beginnend zu lesen. In jenen über 40 Jahren (!) hat er so mit mehr als 14.000 Mitteilungen informiert – aus Bildung, Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft, über fachliche Highlights, über Fachveranstaltungen und neue Bücher, Gedenktage, Ehrungen, Personalien, aus dem DVW, Termine: Jeweils  die letzten Seiten in jedem Heft der zfv gehörten Herbert Ahrens. Insgesamt 2727 Druckseiten, eine unglaubliche Leistung, bewundernswert! Und alles ja noch auf der klassischen Schreibmaschine. – Seine unermüdlich-interessante Arbeit haben dann ab 1991 zunächst Frank Heinrich und in neuerer Zeit Christiane Salbach fortgesetzt und weiter ausgebaut. –

           Gleich nach dem Kriege war Herbert H. Ahrens maßgeblich beteiligt an den Wiederbegründungen des Deutschen Vereins für Vermessungswesen (DVW), er war DVW-Sekretär, wurde 10-mal wiedergewählt. Er wirkte zusammen mit den Vorsitzenden Egbert Harbert BS, Helmut Bodemüller BS, Heinrich Röhrs HB, Ludwig Jäger BA, Gerhard Eichhorn DA, Gerhard Hampel S, Karl-Heinz Bastian MKK; Hans Josef Platen VIE, daneben in einer Reihe von Ehrenämtern, als Vorsitzender in verschiedenen Sozialeinrichtungen, Vorsitzender von Prüfungsausschüssen, in Normen-Ausschüssen. Herbert Ahrens hat den Teil III der Geschichte des DVW 1945/50 bis 1990 geschrieben, dokumentiert in Sonderheft 25 der zfv.

          Geboren am 17. August 1908 in Kiel, studierte Herbert H. Ahrens zunächst Jura und Mathematik an der Uni Berlin und Geodäsie dort an der TH in Charlottenburg. Das Studium mußte er kriegsbedingt unterbrechen, holte dann die Diplom-Hauptprüfung noch 1955 in Bonn nach. 1978 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1983 wurde er Ehrenmitglied der FIG und geehrt mit der Helmert-Gedenkmünze des DVW. Herbert H. Ahrens wirkte für den Berufsstand bis ins hohe Alter. Er verstarb am 1. Mai 2000 in seiner Wahlheimat Wasserburg am Inn. Gerhard Eichhorn schrieb über Herbert H. Ahrens zu dessen 70. Geburtstag, er sei „geprägt von preußischer Pflichterfüllung im edelsten Sinn, aufopfernder Menschlichkeit und immerwährender Fröhlichkeit des Herzens. Er bereicherte allein durch seine Anwesenheit, seine Großzügigkeit, Offenheit und seinen Humor jede dienstliche und private Zusammenkunft …. und darum lieben wir ihn.“

          Quellen: Gerhard Eichhorn: Herbert H. Ahrens 70 Jahre alt, zfv 1978 S. 354 – 355; Karl-Heinz Bastian: Leitender Bundesbahndirektor a. D. Dipl.-Ing. Herbert H. Ahrens 80 Jahre alt; Herbert H. Ahrens: Bilanz: 40 Jahre DVW-Nachrichten unter einer Schriftleitung, Seiten XIV – XV in zfv 12/1990.  Hans-Josef Platen: In memoriam Herbert Ahrens, zfv 2000 S. 220. – 29.11.08

 

 

269.   Nikolaus Kopernikus

          Mit Hilfe einer DNA-Analyse konnten polnische und schwedische Wissenschaftler jetzt nachweisen, daß die bei Grabungen im Jahre 2004 im Altarraum des Doms von Frombork (früher Frauenburg) gefundenen sterbliche Überreste von Nikolaus Kopernikus (1473 - 1543) stammen. Er starb in Abgeschiedenheit im Alter von 70 Jahren in der heute polnischen Stadt. Der Astronom veränderte das über 1000 Jahre bestehendes Weltbild, indem er nachwies, daß sich die Erde und andere Planeten um die Sonne drehen und nicht die Sonne um die Erde, wie etwa die damals Kirche glaubte. Kopernikus bekam durch seine Entdeckung große Probleme mit den Mächtigen seiner Zeit. - Der Identitätsbeweis gelang mit der DNA eines Haares, das in einem von Kopernikus jahrelang benutzten Buch in der Universitätsbücherei von Uppsala gefunden wurde. Die DNA ist identisch mit der DNA des Schädels.

          Quellen: FAZ vom 21. 11. 08, dpa vom 20. 11.08. - 21.11.08

 

 

268.   Handschrift Geodäsie-Vorlesung von 1888/89

          „Die Vermessung der Erde teilt sich … in die höhere Geodäsie … und die niedere Geodäsie...“, so heißt es einleitend in einer in gestochener Latein-Handschrift geführten Vorlesungsmitschrift: „Vorlesung des Herrn Prof. Josef Schlesinger an der KK Hochschule für Bodencultur in Wien“. Der Verfasser: E. Spongiaf, stud. forest. im Wintersemester 1888/9. Im Text entdecken wir, in Paragraphen gegliedert, Texte und Skizzen zur Instrumentenlehre, über die Linealtriangulierung (Dreiecksnetz für Detailaufnahmen), die Bogenformel, das Mykrometerwerk der Alhidade, das geodätische Fernrohr, umsetzbare Libellen bis hin zur ausführlichen Beschreibung der „Rectification“ eines Theodoliten. Bei den Fehlern lernen wir, daß es neben jenen aus der Bauweise des Instruments und aus äußeren Umständen auch solche gibt, „welche aus der Sorglosigkeit des Geodäten entstehen“….. Die Mitschrift endet mit der Darstellung der "Triangulierung mit dem Messtisch". -

          Prof. Josef Schlesinger (1831 – 1901) war österreichischer Geodät, Naturphilosoph seit 1889 Rektor der Hochschule für Bodenkultur in Wien und als Christlich-Sozialer Politiker Reichsratsabgeordneter 1891 – 1901. Ausführlich zu Schlesinger siehe bei Wikipedia. – Den antiquarischen Fund dieser besonderen Rarität verdanken wir unserem Eratosthenes-Preisträger 2003 Frank Reichert. - 18. 11. 08

 

 

267.   Franz Allmer verstarb im 92. Lebensjahr in Graz
          Honorarprofessor Wirkl. Hofrat Dipl.-Ing. Franz Allmer ist am 30. Oktober 2008 kurz vor Vollendung seines 92. Lebensjahrs in seiner Geburtsstadt Graz verstorben. Er studierte Vermessungswesen an der Technischen Hochschule in Graz und - nach Kriegsunterbrechung als Sanitäter - an der Technischen Hochschule in Wien. Er trat in den Dienst des Österreichischen Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen und leitete die Vermessungsämter Spittal an der Drau, Deutschlandsberg und Graz, ehe er mit 1. Januar 1972 zum Vermessungsinspektor für Kärnten und Steiermark bestellt wurde und dort aktiv war bis zu seinem Ruhestand Ende 1981.
          Neben seiner Berufstätigkeit war Franz Allmer Lehrbeauftragter für Kataster an der TU Graz und lehrte dort bis zuletzt Geschichte des Vermessungswesens. Franz Allmer hat daneben sein Fachwissen in über 200 Publikationen und (vielfach Dia-) Vorträgen dokumentiert, beginnend mit einem Bericht über die Photogrammetrischen Wochen in München 1959 über zahlreiche Aufsätze und Buchbesprechungen. Er schuf eine ungemein wertvolle Dokumentation über „Namhafte Geodäten“ mit Lebensdaten von über 1350 erfassten Personen aus der Zeit von 1800 bis 1980. Franz Allmer verstand es in allen seinen Aktivitäten mit großer Begeisterung, historisch bemerkenswerte Sachverhalte im fachlichen Umfeld aufzudecken, sie im umfassenden geschichtlichen Zusammenhang zu präsentieren, darüber zu berichten und sie der jungen Generation der Fachwelt nachhaltig zu vermitteln.
          Die Arbeit von Franz Allmer wurde durch eine Reihe von Auszeichnungen und Anerkennungen gewürdigt. Er war Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich, Träger des Großen Ehrenzeichens für besondere Verdienste um das Land Steiermark und Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse. Die TU Graz verlieh Franz Allmer 1991 den Titel Ehrenbürger und ernannte ihn 1995 zum Honorarprofessor. Von der TU Wien wurde Franz Allmer 1996 mit dem Goldenen Ingenieurdiplom ausgezeichnet. Eine weitere große Ehrung erfuhr Franz Allmer mit der Verleihung des Eisernen Ingenieurdiploms durch die TU Wien im Jahr 2006.

          Wir durften Franz Allmer bei vielen Gelegenheiten als außerordentlich kompetenten, bis ins hohe Alter rührigen, historisch breit interessierten Kollegen kennen lernen. Unvergessen z.B. die Begegnung bei seinem Auftritt beim Gauß-Seminar 2005 in Göttingen, wo er trotz fortgeschrittener Zeit mit seiner Würdigung von Carl Friedrich Gauß die Zuhörer besonders zu fesseln vermochte und die Zuhörerschaft launig über den Unterschied auf zwischen einem Hofrat und einem wirklichen Hofrat aufklärte. - Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 167, 129, 114. und siehe den Nachruf von Bernhard Zimmermann "Franz Allmer zum Gedächtnis" in Zs. VDVMagazin 1/2009 S. 54.

          Quelle u. a.: Web-Seite des  Österreichischen Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen BEV unter www.bev.gv.at – 10. 11. 08 / 02. 02. 09

 

266.  Olbers, Gauß und die ersten Kleinplaneten

         Zum 250. Geburtstag des Amateur-Astronomen Wilhelm Olbers ist sein Wirken in Bremen mit einer Reihe von Veranstaltungen gewürdigt worden. Wir berichteten von der Auftaktveranstaltung in unserer Mitt. Nr. 262. Sie fanden ihren vorläufigen Abschluß am 30. 10. 08. Die Besucher der Veranstaltung im FinanzCentrum der Sparkasse in Bremen wurden von der Pressesprecherin, Frau Elke Heussler, begrüßt. Sie berichtete mit Stolz, 1825 bei der Gründung der Sparkasse in Bremen sei Wilhelm Olbers der erste Kontoinhaber gewesen, mit einer Einlage von 23 Talern. Den weiteren Teil des Abends begleitete Frau Gaus - ein weiterer bemerkenswerter freundlicher Hinweis auf die Verbundenheit zum Themenkreis des Abends. 

          Initiiert von Lieselotte Pézsa und Hans-Joachim Leue von der Astronomischen Vereinigung Lilienthal lasen zunächst Senta Bonneval, Ralf Knapp, Christian Schliehe  und Hans-Joachim Wolf aus Briefen von Olbers, Gauß, von Zach mit Astronomen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der Zeit der Entdeckungen der Kleinplaneten Ceres, Pallas, Juno und Vesta - nach einer Textauswahl von Hans-Joachim Leue. In dieser Lesung mit verteilten Rollen wurde die Freude und Leidenschaft der Wissenschaftler erkennbar über die grundsätzlich erwartete Entdeckung der Ceres, wie sie dann tatsächlich unabhängig voneinander erfolgte - Silvester 1801 in Gotha und Neujahr 1802 in Bremen. Das Wiederauffinden der Planetoiden auf Grundlage der Bahn-Berechnungen von Gauß aus nur wenigen Beobachtungen bedeutete eine wissenschaftliche Sensation . In der damals berühmten Privatsternwarte des Amtmanns Hieronymus Schroeter in Lilienthal trafen sich Astronomen aus Deutschland und gründeten die erste astronomische Vereinigung.  - 

          Der Autor dieser Zeilen und Redakteur dieser Seite dankte als Moderator im Namen der Olbers-Gesellschaft Bremen den Initiatoren und Akteuren und stellte dann Prof. Klaus Kertscher aus Oldenburg vor. Leiter der Katasterbehörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften in Osnabrück, Honorarprofessor der Fachhochschule Oldenburg und Vorsitzender der Deutschen Vereins für Vermessungswesen, Landesverein Niedersachsen/Bremen - in letzterer Eigenschaft hatte er den Anstoß gegeben für die kürzlich in Bremen veranstaltete INTERGEO (siehe unsere Mitt. Nr. 261). In seinem Vortrag "Carl Friedrich Gauß - sein geniales Wirken als Mathematiker, Physiker, Astronom und Geodät" beleuchtete er gekonnt und allgemeinverständlich dessen astronomisches Wirken, den ersten Einsatz der Ausgleichungs-Methode der kleinsten Quadrate zur Bahnberechnung der Ceres und zeigte in seinen Powerpoint-Folien u.a. die Original-Planetenbahn-Zeichnung von Gauß. Die historischen geodätischen Arbeiten von Gauß nahmen ebenso einen breiten Raum ein, die Erdfigur als Rotationsellipsoid, als Geoid-Kartoffel wie dann auch die zahlreichen Gauß-Denkmale. Klaus Kertscher führte die Zuhörer auch durch die Lebenssituationen des "Fürsten der Mathematik". stellte dessen Soziales Engagement heraus und vergaß nicht auf die Ehrung in der Walhalla aufmerksam zu machen (Siehe unsere Mitt. Nr. 203), wie ebenso die Bekanntheit, die Gauß durch den Bestseller "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann erfahren hat (unsere Mitt. Nr.n 258, 175, 155, 136). Langer Beifall belohnte den Vortragenden und damit gleichzeitig auch die Veranstalter und den Gastgeber Sparkasse Bremen.

          Abschließend konnten die Teilnehmer den Nachbau von 2001 des 7-füßigen Spiegelteleskops Newtonscher Bauart (nach Wilhelm Herschel) bewundern, der von Hans-Joachim Leue aus Lilienthal in der großen Halle der Sparkasse Bremen publikumswirksam aufgestellt worden war. - 01. 11. 08

 

 

264.  Neues aus Dortmund
         Unser Kuratoriumsmitglied Professor Dr.-Ing. Herbert Kapelle hat dem Vermessungstechnischen Museum seine umfangreiche analoge Kartei über Instrumente und deren Hersteller übergeben. Für Forschung und Lehre waren seinerzeit A4 Karteikarten zu vornehmlich historischen Instrumenten angelegt worden - eine wertvolle Ergänzung für unsere Instrumentendokumentation.

         Rudolf Uebbing hat unsere Homepage auf einigen Seiten modernisiert und vereinheitlicht.
         Und unsere Studiensammlung war im September Ziel des Betriebsausfluges des Vermessungs- und Katasteramtes der Stadt Hagen. In mehreren Gruppen wurden die etwa 60 Damen und Herren Kollegen durch unsere Ausstellung geführt, mit sachkundigen Erläuterungen von Ingo von Stillfried. - 24. 10. 08

 

 

263.  Das Vermessungs- und Kartenwesen der Kolonialzeit erforscht

          Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder hat im September 2008 die Druckfassung einer umfangreichen Forschungsarbeit zur Vermessung, Aufnahme und Kartierung der ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika (Togo, Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika), in der Südsee (Deutsch-Neuguinea und -Samoa) und in Ostchina (Kiautschou-Gebiet) vorgelegt. In seiner Dissertation „Deutsche Kolonialkartographie 1884-1919“ an der Universität der Bundeswehr München erforschte er den seinerzeitigen Informationsbedarf und die in den Kolonien eingesetzten Kräfte und Mittel für die Aufnahme eines Gebiets von tatsächlich der fünffachen Größe des damaligen Deutschen Reiches. Er ging den Spuren der Kolonialverwaltung und des Reichsmarineamtes nach und analysierte die Beteiligung des Militärs, das im Dt. Reich für die Landesvermessungs-Aufgaben zuständig war.

          Die politischen und organisatorischen Rahmenbedingungen werden umrissen. Reichskanzler Bismarck setzte in den Kolonien vorrangig auf Privatinitiative. Eingangs der Arbeit wird die Einbindung der Fachgeschichte in die Geschichte gegen Ende des 19. Jahrhunderts skizziert. Weitere Kapitel sind der Expeditions- und der amtlichen Kolonialkartographie gewidmet. Das Mitwirken der Privatkartographie wird hervorgehoben, Namen wie Reimer in Berlin, Bertelsmann in Gütersloh,  Perthes in Gotha, Westermann in Braunschweig u.v.a.m.  Rudolf Hafeneder berichtet mit Bewunderung über die Leistungen der Trigonometer, Topographen und Kartographen in Relation zu den Produkten der anderen europäischen Kolonialmächte. Kartenoriginale sind entstanden als Kupferstich, auch als Steingravur. Ein herausragendes Charakteristikum der deutschen Kolonialkartographie war die Erkenntnis einer vielfachen Privatinitiative von Missionaren, Kaufleuten, Offizieren, Farmern, Landmessern, Beamten und Forschern. Rudolf Hafeneder präsentiert im Anlagenband seiner Doktorarbeit Ausschnitte aus den amtlichen Kolonialkarten, die die Meisterschaft der Kolonialkartographen unterstreichen. Schließlich untersuchte er die geodätisch interessante Frage, wie Deutschland seine ausländischen Gebiete für die Bestimmung der Erdfigur im Rahmen der Internationalen Erdmessung genutzt hat.

          Die von Prof. Kurt Brunner und Prof. em. Albert Schödlbauer betreuten Dissertation ist eine umfassend recherchierte Dokumentation eines hochinteressanten und ungewöhnlichen Kapitels deutscher Kartographie- und Kolonialgeschichte. Der Förderkreis dankt seinem Mitglied Rudolf Hafeneder für ein gedrucktes Exemplar samt Anlagenband für unsere Bibliothek. Die wertvolle Dokumentation ist auch im Internet unter http://www.rudolf-hafeneder.de einsehbar  – einschl. zusätzlicher Forschungsergebnisse, die den Rahmen der schriftlichen Publikation gesprengt hätten (z.B. Übersetzung ins Englische, Denkschriften, Dokumente, Besprechungsprotokolle).  

          Quelle: Rudolf Hafeneder: Deutsche Kolonialkartographie 1884 – 1919, Diss. Fak. F. Bauingenieur- und Vermessungswesen der Uni der Bundeswehr München 2008. - 19.10.08  

 

 

262. Wilhelm Olbers vor 250 Jahren geboren

          Der Arzt und große Astronom Wilhelm Olbers war Entdecker der wissenschaftlichen Begabung von Friedrich Wilhelm Bessel (1784 – 1846), jener prägenden Persönlichkeit der Geodäsie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Bessel hat in seinem langen wissenschaftlichen Wirken in Königsberg (1810 bis zu seinem Tode 1846) als Astronom, Geodät und Mathematiker Bahnbrechendes geleistet. 

         Bessels Wirken in der Geodäsie gehörte u. a. durch seine Ostpreußische Gradmessung (1830-38), der Besselschen Basisapparat und die 1841 durchgeführte Berechnung des Besselschen Erdellipsoids, sämtlich Meilensteine von nachhaltiger Bedeutung. – Bessel lebte seit 1799 als  Handelslehrling in Bremen. Seine erste wissenschaftliche Leistung war (1804, er war gerade 19 Jahre alt) die Bahnberechnung des Halley'schen Kometen aus wieder aufgefundenen Beobachtungen von 1607. Bessel  berechnete nach den Formeln der seinerzeit berühmten Veröffentlichung des Bremer Arztes und Amateurastronomen Wilhelm Olbers "Abhandlungen über die leichteste und bequemste Methode, die Bahn eines Kometen zu berechnen". In seinen Lebenserinnerungen schilderte er die Begegnung mit Olbers: "Als ich meine Arbeit über den Kometen von 1607 beendigt und sauber geschrieben zu Papier gebracht hatte, fasste ich mir ein Herz, schnitt Olbers, den ich eine Straße langsam hinab gehen sah, durch Betreten einer Nebenstraße ... den Weg ab und bat ihn um die Erlaubnis, ihm einen geringen astronomischen Versuch, den ich gewagt hätte, vorlegen zu dürfen. Ich erhielt diese Erlaubnis, und Olbers erhielt dagegen eine Stunde später meine Abhandlung. Dies ereignete sich an einem Sonnabend, den 28. April 1804". Olbers sorgte alsbald für deren Veröffentlichung in den Astronomischen Nachrichten bei von Zach in Gotha – Geburtsstunde des Wissenschaftlers F. W. Bessel.

          Wilhelm Olbers wurde am 11. Oktober 1758 in Bremen-Arbergen geboren - vor 250 Jahren. Er studierte 1777 bis 1780 in Göttingen Medizin, hörte nebenher mathematische Vorlesungen und beschäftigte sich mit der Astronomie. Seine Dissertation behandelte Untersuchungen des menschlichen Auges. 1797 veröffentlichte er die oben erwähnte Abhandlung zur Kometenbahnberechnung. 1885 heiratete er, seine Frau starb nach einem Jahr nach der Geburt der Tochter Doris. Aus zweiter Ehe stammt sein Sohn Georg Heinrich (1790 – 1861), später Senator in Bremen. Wilhelm Olbers hatte ausführliche Briefkontakte mit C.F. Gauß (den 1806 erstmals persönlich traf) und später mit F. W. Bessel, seit dieser ab 1810 in Königsberg wirkte. Wilhelm Olbers starb in hohem Ansehen am 2. März 1840 in Bremen. In den Wallanlagen in Bremen nahe der Kunsthalle steht seit dem 11. 10. 1850 ein Denkmal, geschaffen von Carl Steinhäuser. Aus Anlaß der 250. Wiederkehr des Geburtstags von Olbers finden in Bremen eine Reihe von Gedenk-Veranstaltungen statt.  

         Zur Eröffnung der Gedenkfeiern sprach am 11. 10. 2008 Dr. Axel Wittmann, Göttingen über "Die astronomischen Arbeiten von Carl Friedrich Gauß im Spiegel seiner Korrespondenz mit Olbers, Bessel und Schumacher" im Olbers-Saal im Haus der Wissenschaften in Bremen, unweit der früheren Wirkungsstätte von Olbers in der Sandstraße. Er entwarf ein historisch breites Bild der astronomischen Forschungen Anfang des 19. Jh. Er wußte darüber hinaus auch die Arbeiten von Gauß in seinem Engagement für die Landesvermessung ins rechte Licht zu rücken (und ging auf die Einreden von Bessel ein, der ja später mit seiner Ostpreußischen Gradmessung auf gleichen Spuren wandelte). In seinen sehr interessant zusammengestellten Folien hat A. Wittmann auch mehrere Briefe von Gauß und seinen Zeitgenossen gezeigt. Dessen Beobachtungen auf dem Angari-Kirchturm, die von Gauß selbst aufgefundene Sicht nach Zeven wurden ebenso herausgestellt, wie der Gauß'sche Punkt in Bremen. Dr. Axel Wittmann erhielt für seinen umfassenden Bericht viel Beifall eines großen Publikums. -

          Das Kunstwerk „Besselei“ des Künstlers Jürgen Goertz wurde am 150. Todestag von Wilhelm Olbers, am 2. März 1990, auf dem Hanseatenhof in Bremen eingeweiht und erinnert in künstlerisch-spielerischer Art an Bessel – siehe unsere Mitt. Nr. 157. 

Quellen (Auswahl): Nachrichten der Olbers-Gesellschaft Nr. 223 Oktober 2008, Lucht, H.: Bessel-Denkmal in Bremen, ZfV 1990 S. 450 – 451, Lucht, H. Bremen - gestern und heute, zfv 4/2008 S. 197 - 205 - 07./14. 10. 2008  

 

 

261. Nach 48 Jahren wieder in Bremen.

          Vom 30.9. bis 2. 10. 2008 kommt die INTERGEO (bis 1996 Deutscher Geodätentag) nach Bremen. Veranstalter ist der Deutschen Verein für Vermessungswesen (DVW) – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement.

1960 fand - erstmals in Bremen - der 45. Deutsche Geodätentag statt, vom Mittwoch, den 21. September bis Sonnabend, den 24. September. Schirmherr war der legendäre Bremer Bürgermeister Wilhelm Kaisen. Finanzsenator Dr. Nolting-Hauff begrüßte im großen Glockensaal Gäste aus dem In- und Ausland und erinnerte daran, daß einst bremische Stadtoberhäupter persönlich eine erste bremische Landesvermessung beobachtet und ein Landeskartenwerk angefertigt hatten.

         Der damalige Vorsitzende des DVW und Amtsleiter der bremischen Kataster- und Vermessungsverwaltung, Dr. phil. Heinrich Röhrs, warb für Bremen als der ältesten deutsche Seestadt mit zugleich modernem Welthafen. Mit Hamburg und den schweizerischen Kantonen „gehöre Bremen zu den ältesten aller auf der Erde bestehenden Republiken.

        Den Eröffnungsvortrag hielt 1960 Prof. Dr. K. Schwidewsky (TH Karlsruhe) zum Thema „Vermessungswesen und Technik“. Außerdem referierten Prof. Dr. J. Nittinger (MdI Hannover), OVR W. Oldenhage (MdL Hannover), Mr. Ir. S. M. Meelker aus den Niederlanden und ORuVR Dr.-Ing. W. Höpcke (Hannover) „mit Lichtbildern“. Die Themen rankten sich wesentlich um Kataster, Agrarstruktur, die Lage im amtlichen Vermessungswesen, erste elektronische Meßverfahren. In der Fachausstellung waren 28 Firmen vertreten. Mit dem lochstreifen-gesteuerten Zeichentisch Graphomat Z 64 der Konrad Zuse KG deutete sich die neue Zeit der automatisierten Kartenzeichnung an. Ein klassischer Gesellschaftsabend („dunkler Anzug“) beschloß das offizielle Programm.

        Kongreß und Ausstellung fanden statt im Konzerthaus „Die Glocke“. 1200 Besucher bedeuteten damals einen lebendigen Beweis für die Wertschätzung Bremens, des DVW und für Heinrich Röhrs – und welch’ ein weiter Weg zur heutigen INTERGEO Bremen 2008 mit 512 Ausstellern, über 60 Fachvorträgen und rd. 10.000 erwarteten Besuchern!

        Von Johannes Nittinger ist übrigens die nette Story überliefert von dem Geodäten, der einst zum Geodätentag in Bremen eilte und von zwei wißbegierigen Damen gefragt wurde: „Was ist das eigentlich - ein Geodät? Gehört der vielleicht zu einer Sekte??“ (zfv 1995 S. 527).

        Quellen: Programm-Heft des 45. Deutschen Geodätentags, Grothenn, D.: 45. Deutscher Geodätentag, ZfV 1960 S. 451 -453 , Erxleben, B.: Bericht über den 45. Deutschen Geodätentag Bremen 1960 AVN 1960 S. 345 - 350 - 29.09.08

 

 

260. Militärisches Kartenwesen des außerdeutschen Europa um 1900

        Ein ungewöhnliches Werk hat der Förderkreis als Geschenk von einem Ehepaar aus Bremen erhalten: „Skizze der Entwicklung und des Standes des Kartenwesens des außerdeutschen Europa“ von W. Stavenhagen, Gotha: Justus Perthes 1904 (Umfang 376 Seiten). Das Buch ist vom Autor dem Andenken von Emil von Sydows (1812 – 1873) gewidmet, der zu den Schülern von Alexander von Humboldt gehörte, er war zuletzt Chef der geographisch-statistischen Abteilung des Preußischen Generalstabs.

        Der Autor begreift in seiner Einleitung die monumentale und wissenschaftliche Kartographie zunächst als darstellende Kunst, zugleich aber auch als mathematische und technische Wissenschaft. Er umreißt das Thema von den Geographischen Karten ganzer Länder und Kontinente bis hin zu dem Meßtischaufnahmen, weist hin auf die Jahrzehnte währenden Aufnahmezeiträume der Kartenwerke in den verschiedenen Ländern im 18. und 19. Jahrhundert hin, vermisst eine ordnende Zusammenarbeit aller geographischen wie wissenschaftlich-technischen Kräfte und fragt rhetorisch „Wo ist aber der Bayer der Kartographie?“

        Die Entwicklungsgeschichte der Kartographie für „Europa als Ganzes“ wird zunächst beginnend im Altertum bei den Phöniziern über Ptolemäus und Eratosthenes, über Mittelalter und Neuzeit skizziert. Ein ausführlicherer Überblick gilt der Periode der Triangulationen und der geodätischen Aufnahmen mit manchen bekannten aber auch heute unbekannten (oder vergessenen) Wissenschaftlern und Vermessungsarbeiten und endet in einem Überblick zur (um 1900) modernen Kartographie.

        Im Hauptteil des Buches finden wir geordnet nach Ländern jeweils ausführliche Beschreibungen der Entwicklungsgeschichte von Geländedarstellungen,  von Kartenwerken und wirkender Persönlichkeiten, so z.B. auch einen Hinweis auf das Relief der Zentralschweiz: wir erinnern uns an die vorzügliche Arbeit unserer Eratosthenes-Preisträgerin 2005 Frau Dr. Niederöst. Und wir finden durchaus häufige Hinweise auf die militärische Bedeutung der Karten: Der Autor Professor Willibald Stavenhagen war in seiner militärischen Laufbahn Hauptmann und später Militärschriftsteller. -

        Das antiquarisch aus einer ehemaligen tschechischen Militär-Bücherei stammende Buch ist eine besondere Rarität.- 21.09.08

 

259. 60 Jahre AdV - Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Bundesländer

        Die Situation im deutschen Vermessungswesen nach dem zweiten Weltkrieg war zutiefst beklemmend (vergl. unsere Mitt. Nr. 240, 192) . Einer der Gründungsväter der AdV, Hugo Reist aus Stuttgart, zitierte aus dem von ihm als Testament bezeichneten Manuskriptdruck von Albert Pfitzer (1882 – 1948) „Vermessungswirklichkeit und Vermessungshilfen“ (Berlin 1948) über „das Trümmerfeld des amtlichen Vermessungsdienstes“: Verlust an Grundmaterial und Instrumenten, Notdächern über Ruinen dienstlicher Behausungen, überall Zeichen des Unheils, die dem totale Krieg und der totalen Niederlage folgten.

        Historische Quellen berichten, Friedrich Kurandt, Max Kneissl und Hugo Reist fuhren in „gedrückter Stimmung“ Ende April 1948 im Nachtschnellzug gen Süden. Sie kamen von der Gründungsversammlung des DVW – Nordwest. Man verabredete, eine Zusammenkunft der Vermessungsverwaltungen der amerikanischen Zone in Stuttgart zu organisieren. Aus Bayern sollte (durch Kneissl) eine schriftliche Anregung kommen – Reist erhoffte, am ehesten ministerielle Einladungen nach Stuttgart zu erreichen. Kurandt war damals 56 Jahre alt, Kneissl und Reist Anfang 40. So kam es zur Gründungsversammlung der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der amerikanischen Zone am 24. und 25. Mai 1948. Über die denkwürdigen wirtschaftlichen Umstände am Rande der Gründungsversammlung 1948 hat der Präsident des Landesvermessungsamtes Hansjörg Schönherr 2004 in der zfv berichtet. Es gab Wein auf Bezugsschein, einmal 8 und einmal 12 Flaschen. Empfang von 200 gr. Brot, 100 gr. Nährmittel und 10 gr. Fett - Quittungen mit den Unterschriften u. a. von Kneißl, Kurandt, Reist, Geodäten-Persönlichkeiten von damals ….. die das wenige (sicher dankbar) empfangen haben für die Zeit einer Tagung der Vermessungsverwaltungen der US-Zone in Stuttgart, der Gründungsversammlung der AdV  (Vergl. unsere Mitteilung Nr. 61).

        Im Oktober 1949 konstituierte sich in Marburg dann die um die Vermessungsverwaltungen der britischen und französischen Zone erweiterte Arbeitsgemeinschaft und führt seit dieser Zeit ihre heutige Bezeichnung Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltung der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV). Später traten Westberlin (1952), das Saarland (1957) sowie nach der Wiedervereinigung die fünf neuen Bundesländer der AdV bei. Neben den für das amtliche Vermessungswesen zuständigen Fachverwaltungen der Länder wirken die Bundesministerien des Innern, der Verteidigung sowie für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in der AdV zusammen. Als Gäste gehören ihr die Deutsche Geodätische Kommission (DGK) als Vertretung der geodätischen Lehre und Forschung sowie die Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Landentwicklung als Bund-Länder-Vertretung für die ländliche Neuordnung an. Die Organe der AdV sind das Plenum und der Vorsitzende. Seit 1981 ist die AdV der Ständigen Konferenz der Innenminister und Innensenatoren zugeordnet.

        Im Plenum sind regelmäßig die in den technischen Arbeitskreisen der AdV entwickelten Grundsätze für die Pflege der Landesvermessungswerke der Lage, der Höhe und der Schwere beraten und möglichst weitgehend umgesetzt worden. Dies gelang nicht immer ohne Schwierigkeiten, entwickelten doch ländspezifische Besonderheiten und auch ebensolche Interessen durchaus Eigengesetzlichkeiten. Große Verdienste hat sich die AdV erworben mit der Entwicklung von Großverfahren in der fachlichen Datenverarbeitung, so u. a. des Automatisierten Liegenschaftsbuches ALB, der Automatisierten Liegenschaftskarte ALK, des Amtlich-Topographisch-Kartographischen Informationssystems ATKIS, des Amtlichen Festpunktinformationssystems AFIS, des Satellitenpositionierungsystems SAPOS. –

         Vorsitzer bzw. Vorsitzende  waren in den vergangenen 60 Jahren:

1948-1958 Friedrich Kurandt, Hessen – 1959-1960 Prof. Dr. phil. Ernst Pinkwart, Nordrhein-Westfalen –  1960-1971 Prof. Dr.-Ing. Johannes Nittinger, Niedersachsen – 1972-1973 Dr.-Ing. Adam von der Weiden, Rheinland-Pfalz – 1974-1975 Prof. Dr.-Ing. Franz Xaver Graf, Bayern – 1976-1977 Werner Gundt, Baden-Württemberg –  1978-1979 Prof. Günter Hübner, Berlin – 1980-1981 Helmut Watermann, Nordrhein-Westfalen – 1982 Erich Lämmerhirt, Freie und Hansestadt Hamburg – 1983-1984 Dr.-Ing. Harald Lucht, Freie Hansestadt Bremen –  1985-1988 Wulf Schröder, Hessen –  1989-1990 Jürgen Schlehuber, Niedersachsen – 1991-1992 Günter Herzfeld, Rheinland-Pfalz – 1993-1994 Dr. Max Engelsberger, Bayern – 1995-1996 Hans Vetter, Baden-Württemberg – 1997-1998 Hagen Graeff, Freie und Hansestadt Hamburg – 1999 Dr.-Ing. Friedrich Rokahr, Berlin, 2000 – 2001 Heinrich Tilly, Brandenburg, 2002– 2003 Friedrich Wilhelm Vogel, Nordrhein-Westfalen – 2004-2005 Reinhard Klöppel, Hessen – 2006-2007 Prof. Dr.-Ing. Klaus Kummer, Sachsen-Anhalt2008 – 2009 Hans Gerd Stoffel, Rheinland-Pfalz.

        Wie der Verfasser aus eigener Vorsitzer-Zeit erinnert, gab es immer wieder konstruktive wie ebenso langwierige Beratungen, nicht zuletzt, weil Fachkollegen oft den (zukunftsweisenden) Verabredungen der Fachebene nur unter Finanzierungsvorbehalt zustimmen konnten.

        Die Geschäftsführer der AdV waren eine beständige große Unterstützung der „Vorsitzer“ (und später Vorsitzenden). Die Geschäftsführer kamen in guter Kontinuität aus Hannover. Verfasser hat seit 1973 Wolf-Erich von Daack erlebt, der (in der Nachfolge von Dr. Konstanzer) diese Funktion von 1972 bis 1997 mit großem Geschick ausfüllte. Nach Peter Creuzer hat dann seit 2002 Wilhelm Zeddies diese Aufgabe übernommen.

          In einer Feierstunde am 9. September 2008 im Kongresshotel Europe in Stuttgart begrüßte Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch die Festversammlung. Stuttgart habe eine „gute Tradition“. Hier trafen sich die Repräsentanten der Mitgliederverwaltungen 1973 (25 Jahre AdV), 1988, 1998 und nun 2008, 60 Jahre nach der Gründung. Sie hob die Bedeutung der Staatsaufgabe im Liegenschaftskataster-Grundbuch-System zusammen mit der Eigentumsgarantie des Grundgesetzes hervor und erntete Schmunzeln mit der rhetorischen Bemerkung zur Länderkompetenz, „denn der Bund habe ja kein eigenes Terrain“.

        Einleitend hatte der AdV-Vorsitzende Ltd. Ministerialrat Hans Gerd Stoffel aus Rheinland-Pfalz frühere und aktive Plenumsmitglieder begrüßt. Er lobte die beständige gute Partnerschaft zwischen den Plenumsmitgliedern als wesentliche Konstante für gemeinsame fachliche Entwicklungen und große technische Fortschritte.

        In Grußworten sprachen der Vorsitzende des BdVI, Michael Zurhorst zur wachsenden guten Zusammenarbeit und DVW-Präsident Hagen Graeff mit einem Bekenntnis zum Geodäten als dem klassischem Berufsträger.

        Einblicke und Rückblicke auf die AdV-Arbeit gab Präsident a. D. Dr. Viktor Eisele, der die gewaltige technische Entwicklung seit 1948 umriß – von der 48-Stundenwoche und reiner Handarbeit bis in die heute allenthalben digitale Gegenwart. Und Präsident a. D. Wulf Schröder ergänzte mit Anmerkungen zu manchen kontroversen Themen im Plenum, so auch zu seinerzeit zukunftsgewandten maßstabsunabhängigen Landschaftsmodellen und praxisbezognen maßstabsorientierten kommunalen Informationssystemen – Gedanken von der Vielfalt in der Einheit.

        Daß es bei aller Ernsthaftigkeit in der Arbeit der vergangenen 60 Jahre durchaus auch Unkonventionelles gab, zeigt beispielhaft eine Protokollierung von vor 20 Jahren. Es gelang, die Deutsche Fußballmeisterschaft 1988 von Werder Bremen im Plenums-Protokoll unterzubringen – im TOP 5.2 der 82. Tagung vom 4. bis 6. Mai in Berlin steht’s im Zusammenhang mit Maßstabsorientierung, wer-der meist-er ….

      Zur Einstimmung der Festversammlung in Stuttgart zeigte die AdV ein professionelles Video zu den Leistungen des amtlichen Vermessungswesens – von Eratosthenes bis zu heutigen 3-D-Modellen, Navigation, GIS, SAPOS, Grenzherstellung, Grundstücksbewertung – eine außerordentlich gelungene kurzweilige Show über alle amtlichen allround-Vermessungsleistungen.  

        In einem ausführlichen Tätigkeitsbericht 2007/2008 wird die Geschichte der AdV kurz beleuchtet und aus dem Wirken der Arbeitskreise berichtet. Geobasisdaten und die Mitwirkung der AdV in nationalen und internationalen Gremien sind dargestellt, eine Liste aller Tagungen ist dokumentiert.

        60 Jahre – die AdV setzt grundsätzlich das Wollen und Wirken fort, das der frühere Beirat für Vermessungswesen seit 1921 segensreich begonnen hatte. Jener Beirat stand auf breiterer Basis (vergl. unsere Mitt. Nr. 41). 1952 lehnte die AdV ein Mitwirken in einer konzipierten breiteren Vermessungskonferenz ab, um die Stellung als Repräsentanz des amtlichen deutschen Vermessungswesens zu stärken und für die Zukunft zu sichern. Heute wird erkennbar, daß von dieser Basis aus ein Zusammenstehen über die Grenzen von Institutionen möglich ist und notwendig wird, soll sich das deutsche Vermessungswesen in Europa behaupten. Siehe auch www.adv-online.de . – 10./11.09.08

 

 

257. Sitzung von Vorstand und Kuratorium - Prof. Dr. Witte übernimmt Kuratoriumsvorsitz

Einer Anregung unseres Eratosthenes-Preisträgers von 2003 Manfred Spata folgend, trafen sich Vorstand und Kuratorium des Förderkreises vermessungstechnisches Museum e.V. am 27. 08. 2008 im Haus Martfeld in Schwelm  - zugleich im Gedenken an das Wirken von Pastor Friedrich Christoph Müller (1751 – 1808). Zu Beginn der Beratungen im Kuratorium versammelten sich die Teilnehmer zu einem Gruppenfoto an dessen Denkmal im Park von Haus Martfeld - wir werden es in unsere Nachrichten 2/2008 einfügen. - 

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge hatte 1998 den Vorsitz im Kuratorium als Nachfolger von Prof. Dietrich übernommen und jetzt gebeten, diese Aufgabe in jüngere Hände zu geben. Stellvertretender Vorsitzender Dr. Hartwig Junius dankte für die über 10 Jahre geleistete konstruktive Begleitung der Museumsaktivitäten, insbesondere auch für die kenntnisreiche Moderation der Symposien zur Vermessungsgeschichte. Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte wurde im Kuratorium einstimmig in den Vorsitz gewählt. Präsident Harald Lucht dankte Prof. Wolfgang Torge im Namen des Vorstandes, zugleich für die beständig-wertvolle Unterstützung und hob besonders die angenehme Zusammenarbeit im Stifterkollegium für den Eratosthenes-Preis hervor. Nach seiner einstimmigen Wahl in den Kuratoriumsvorsitz dankte Prof. Bertold Witte für das ihm ausgesprochene Vertrauen und sagte, er begreife seine Aufgabe im Sinne einer kontinuierlichen Weiterführung der Kuratoriumsarbeit. 

Themen in den Sitzungen von Vorstand und Kuratorium waren  u.a. die Neuherausgabe des Museumshandbuches (von Ingo von Stillfried tatkräftig vorangetrieben, es soll voraussichtlich zur INTERGEO 2009 erscheinen), eine sich anbahnende Zusammenarbeit mit historisch engagierten Fachkollegen aus der Schweiz, die kommende Mitgliederversammlung mit Vortrag des Eratosthenes-Preisträgers 2007, Dipl.-Ing. Mario Bauch, die Betreuung der Briefmarkensammlung des Förderkreises sowie Überlegungen zukünftiger Arbeitsziele. Aus dem Vorstand konnte dankbar über zwei hochherzige Spenden berichtet werden, eine persönliche Spende stammt von einem langjährig hoch-engagierten ehemaligen Vorstandsmitglied.

Die Webseite des Förderkreises findet zunehmende Anerkennung, sie hatte im vergangenen Jahr monatlich zwischen 800 und bis zu 1600 Besucher. Erkennbar ist, daß immer mehr Besucher direkt diese Aktuell-Seite ansteuern. Diese aktuellen Mitteilungen lesen regelmäßig zwischen 25 bis 50 % der Besucher. - 29.08.08

 

256. .....

 

255.  Wir erinnern an Professor Dr.-Ing. Walter Höpcke – geboren heute vor 100 Jahren

      Es war vor etwa 40 Jahren, der Verfasser dieser Zeilen erinnert sich noch immer gerne an einen Kolloquiums-Vortrag, in dem Professor Höpcke der Zuhörerschaft die Wirkung von Korrelationen in der Fehlerfortpflanzung überzeugend demonstrierte, mit Kreide an der Tafel – dem interaktiven Medium damaliger Zeit. Professor Dr.-Ing. Walter Höpcke leitete in bestechender Klarheit ab, wie die bis dato oft in der klassischen Fehlerrechnung ermittelten schmeichelhaft günstigen Genauigkeitsangaben von geodätischen Messungen (gerne als „innere Genauigkeit“ bezeichnet) durch realistische Genauigkeitsmaße ersetzt werden, wenn die Korrelation der Beobachtungen, ihre einseitigen, jedoch nicht-systematischen  Abhängigkeiten von den Meßbedingungen berücksichtigt werden. Höpcke erkannte den Einfluß insbesondere von atmosphärischen Effekten auf benachbarte Beobachtungen. In der AVN 1968 finden wir dazu seinen hochinteressanten Aufsatz „Über Korrelationen in der Fehlerlehre“.

   Walter Höpcke wurde am 19. 08. 1908 in Kiel als Sohn eines Lehrers geboren, besuchte die Oberrealschule in seiner Vaterstadt und studierte später Geodäsie an der TH  Berlin bei den Professoren  Eggert und Brennecke. Sein Weg in die Praxis führte ihn ab 1935 in das Reichsamt für Landesaufnahme, wesentliche Schaffensjahre wurden durch Krieg und russische Kriegsgefangenschaft 1941 bis 1949 blockiert. 1950 holte ihn Prof. Großmann für ein Jahr als wissenschaftlichen Assistenten an die TH Hannover, Beginn einer großen wissenschaftlichen Laufbahn. Höpcke geht jedoch zunächst Leiter als der Trigonometrischen Abteilung zum Landesvermessungsamt Hannover. Während dieser Zeit vollendet er seine Dissertation „Die Hannoverschen Libellenprüfer – Ein Beitrag zur Anwendung von Federgelenken und Lichtinterferenzen in geodätischen Instrumenten“. Ab 1954 folgt ein Lehrauftrag „Entfernungsmessung mit neueren physikalischen Mitteln“, 1961 eine Honorarprofessur, 1963 die Professor für Theoretische Geodäsie und 1968 (als Nachfolger von Prof. Großmann) bis 1975 für Allgemeine Vermessungskunde.

   Sein Wirken in Praxis, Lehre und Forschung war zunächst geprägt von Arbeiten in großen Triangulationsnetzen, daraus entwickelten sich seine praktischen wie Forschungsschwerpunkte in der elektronischen Entfernungsmessung, den Einflüssen von Refraktion und Brechungsindex der Atmosphäre, bis zu grundlegenden Untersuchungen zur Korrelation geodätischer Beobachtungen. Er war Pionier des Einsatzes der Matrizenrechnung in der Ausgleichungsrechnung. Später förderte er sogar die Anwendung der mathematischen Statistik bei der Ermittlung von Grundstückswerten. 1980 erschien sein Lehrbuch „Fehlerlehre und Ausgleichungsrechnung“ im Verlag de Gruyter.

   Professor Dr.-Ing. Walter Höpcke war 1967 bis 1968 Dekan der Fakultät für Bauwesen. Im Rahmen des Studiums der Geodäsie setzte er sich besonders für das Ergänzungsstudium ein (Anerkennung von Studienleistungen von FH-Absolventen), ebenso realisierte er  Kontaktstudien für die wissenschaftliche Fortbildung von Fachkollegen aus der Praxis. Prof. Höpcke betreute über 30 Dissertationen, davon 17 als maßgeblicher Initiator und Referent. Zahlreiche eigene Veröffentlichungen dokumentieren sein großes Schaffen. Walter Höpcke starb am 2. April 1995 in Hannover. Alle die ihn erleben durften erinnern sich an sein überlegen-klares Denken, seinen verständnisvoll-bestimmten Umgang mit seinen Studenten, Diplomanden und Doktoranten und seine gerne gegebene Anerkennung.

   Quellen (in Auswahl): Walter Höpcke: Über Korrelationen in der Fehlerlehre, Zs. AVN 1968 S. 146 – 150, Festschrift Walter Höpcke, Wiss. Arb. der Lehrstühle für Geodäsie, Photogrammetrie und Kartographie an der TU Hannover Nr. 83 (1978), Wolfgang Pötzschner: Professor Höpcke 70 Jahre, Zs. AVN 1978 S. 380 – 382, Hans Pelzer: Professor Dr.-Ing. Walter Höpcke zur Erinnerung, zfv 1996 S. 136-137. Dokumentation der Mitglieder der Dt. Geodätischen Kommission. - 19.08.08

 

 

254. Johann Friedrich Benzenberg (1777 - 1846) - Verfassungskonzeptionen aus der Zeit des ersten preußischen Verfassungskampfes - 

          Dissertation von Dajana Baum, als Buch von über 400 Seiten erschienen im Juni 2008 in den Düsseldorfer Schriften zur neueren Landesgeschichte. Im weiteren Untertitel wird Benzenberg als "Doktor der Weltweisheit" und "Professor der Konstitutionen" apostrophiert - als ein zu Lebzeiten überregional beachtetes Original, der heute nur noch einem sehr kleinen Personenkreis bekannt ist.

          Johann Friedrich Benzenbergs Interessen umfaßten tatsächlich ein weites Spektrum. Wissenschaftlicher Erkenntnisdrang und mathematische Genauigkeit zeichneten seine Persönlichkeit aus. Im Mittelpunkt dieses Buches steht der Geisteswissenschaftler und Publizist - "nicht der Astronom, Geometer, Physiker und Mathematiker", wie die Autorin einleitend schreibt. Benzenbergs Lebenszeit fällt in einem Zeitraum, in dem Liberalismus und Konservatismus sich zu zentralen politischen Schlüsselbegriffen des 19. Jahrhunderts entwickeln, an dessen Beginn auch eingebettet in die Stein-Hardenbergschen Reformen. 

          Benzenberg beschäftigte sich intensiv mit Verfassungsfragen seiner Zeit, verstand sich als Mittler zwischen Adel und Bürgertum und betrachtete sein Engagement in der Politik geradezu als persönliche Pflicht. Dabei blieb er zeitlebens ein streitbarer Geist und Verfasser von zahlreichen Schriften und Büchern. Es ist ungemein reizvoll, die umfänglichen Zitate wie Kommentare von Zeitgenossen und die Quellenhinweise in dieser gelungenen Studie nachzulesen. 

          Entsprechend der Einleitung ist das Wirken Benzenbergs für die Landesvermessung lediglich im Werdegang "Vom Gelehrten zum Publizisten" in einem Unterkapitel auf wenigen Seiten zusammengefaßt. Dajana Baum beschreibt die Motivation Benzenbergs für sein Katasterprojekt nach französischem Vorbild in dem Ziel, einer gerechten allgemeinen Besteuerung des Grundbesitzes - selbst gegen die Interessen seiner  Eltern, denn der Vater war als Prediger Angehöriger eines steuerfreien Patronats: "das beste ist, daß wir jedes Gut messen, um zu einem Kataster zu gelangen." Frau Baum zitiert gerne auch das den Vermessungsingenieuren bekannte "geflügelte Wort", die Hauptsache beim Cataster sei, daß es fertig werde (S. 33). Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 211, 119, 95. 

          Quellen: Dajana Baum: Johann-Friedrich Benzenberg (1777-1846) - "Doktor der Weltweisheit" und "Professor der Konstitutionen" - Verfassungskonzeptionen aus der Zeit des ersten preußischen Verfassungskampfes, Düsseldorfer Schriften zur Neueren Landesgeschichte, Band 79 - 430 Seiten, € 39,90 - Klartext-Verlag, ISBN 978-3-89861-858-8. Lucht, H.: Johann Friedrich Benzenberg – Jugendliebe in Bremen – sein Wirken für Landesvermessung und Kataster, im Symposiumsband  Wegbereiter in der deutschen Landesvermessung, 7. Symposium für Vermessungsgeschichte in Dortmund 1999, Hrsg. Kurt Kröger, S. 55 – 73 .- 05.08.08

 

 

253. Gauß-Sternwarte in Göttingen wird nach historischem Vorbild wieder hergerichtet
         
Die Göttinger Sternwarte war fast 50 Jahre lang Wohn- und Arbeitsstätte des berühmten Gelehrten Carl Friedrich Gauß. Sie ist in den Jahren 1803 – 1816 errichtet worden. C. F. Gauß wurde im Jahr 1807 an die Universität Göttingen berufen und damit erster Direktor der Sternwarte, in der der geniale Wissenschaftler bis zu seinem Tod am 23. Februar 1855 forschte und lebte. Gauß hatte damals mit mathematischen und  himmelsmechanischen Arbeiten bereits Weltruhm erlangt. Als Direktor neuen (zweiten) Göttinger Sternwarte lieferte er weitere entscheidende Beiträge nicht nur zur Mathematik und Himmelsmechanik, sondern auch zur beobachtenden Astronomie, Statistik, Physik, Geodäsie und Geophysik. Gauß lehrte und forschte an der Sternwarte bis zu seinem Tode 1855.
           Das wissenschaftsgeschichtlich einmalige Gebäude wird gegenwärtig nach historischem Vorbild wieder hergerichtet und soll künftig als Sitz der Göttinger Graduiertenschulen und eines Göttinger Wissenschaftskollegs dienen. Der „Rückbau“ mit Sanierungskosten im Umfang von insgesamt 1,8 Millionen Euro wird zu einem Großteil aus Spenden und privaten Zuwendungen finanziert. Zu den Förderern gehören die Sparkasse Göttingen und die Göttinger Gauß-Kuppel Gemeinschaft (GGG).
           Wie Presse- und Radio-Mitteilungen zu entnehmen war, ist jetzt die Kuppel der historischen Sternwarte seit dem 25. Juli 2008 wieder voll funktionstüchtig. Nachdem sie sich bereits seit 2007 wieder drehen lässt, kann nun auch der Beobachtungsschlitz geöffnet werden. Die gesamte Wiederherstellung soll noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 112, 118 und 136. - 29. 07. 08

 

 

252.   Vor 80 Jahren –  Ernst Pinkwart und Heinrich Röhrs - wir erinnern an beide Persönlichkeiten aus Anlaß der INTERGEO 2008:

          „Die bremische Staatsprüfung für den höheren Vermessungsdienst bestand der Landmesser Dr. phil. H. Röhrs. – Ab 1. August 1928 wurden als Vermessungsräte planmäßig angestellt: Landmesser Dr. H. Röhrs und Reg.-Landmesser Dr. Pinkwart.“ - ZfV 1928

          Zwei Persönlichkeiten starteten so vor 80 Jahren in Bremen ins Berufsleben, die beide insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg im Deutschen Vermessungswesen eine maßgebliche Rolle gespielt haben, Prof. Dr. Ernst Pinkwart als oberster Beamter in NRW und im Vorsitz der Länderarbeitgemeinschaft AdV und Dr. Heinrich Röhrs als DVW-Vorsitzender. Wir erinnern aus Anlaß der INTERGEO Bremen 2008 an beider Werden und Wirken.

           Ernst Pinkwart wurde am 5. 3. 1898 in Hannover geboren, erlebte seine Schulzeit in Halberstadt und legte dort seine Reifeprüfung ab. Nach Soldatenzeit im Ersten Weltkrieg, einer  Ausbildung im Stadtvermessungsamt Magdeburg studierte er Geodäsie in Berlin, war Assistent bei Prof. Eggert (Vergl. Mitt. Nr. 54) und wurde 1926 mit einer Arbeit über die Kolonial-Triangulierungen zum Dr. phil. promoviert. 1928 bis 1938 leitete Dr. Pinkwart die Abteilung für Neumessung, Höhenmessung, Umlegung und Kartographie des  Katasteramts in Bremen. Eine der ersten Veröffentlichungen galten der Bewertung von Erbbaurechten. Im Hafenbereich von Bremen beobachtete er den Einfluß des Wasserstandes auf die Höhenlage von Wasserbauwerken und damit von Festpunkten aufgrund des erheblichen Tidenhubs der Weser. 1935 war er maßgeblich an Gestaltung und Durchführung des 100-jährigen Amtsjubiläums beteiligt. –

          Als im Zuge der Neuorganisation die Hauptvermessungsabteilungen (HVA) begründet wurden, übertrug ihm das Reichministerium des Innern zugleich mit der Beförderung zum Oberregierungs- und Vermessungsrat die Leitung der HVA V in Stettin. Zum 1.1.1944 wurde er als Referent in das RMdI berufen. H. Wirths schrieb später in seinem Nachruf 1961 „…sein Wirken … war beispielhaft und richtungweisend für den Aufbau der Reichsvermessungsveraltung.“

          Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete er zunächst in der Sowjetischen Besatzungszone (in Osternburg, freiberuflich in Stendal), konnte jedoch aufgrund seiner politischen Neutralität seine berufliche Laufbahn nicht fortsetzen. Er ging nach Westdeutschland. Von 1948 bis 1951 wirkte er als Stadtvermessungsdirektor in Bonn, war zugleich seit 1949 Honorarprofessor an der Uni in Bonn. Ab 1951 war er dann Leiter der Gruppe Vermessungswesen im Innenministerium in Nordrhein-Westfalen – mit einer Reihe Ehrenämtern u. a. im Kuratorium des Oberprüfungsamts für die höheren technischen Verwaltungsbeamten. Von 1959 bis zu seinem Tod 1961 war er Vorsitzer der Länderarbeitgemeinschaft AdV.

         Heinrich Röhrs, geboren am  7. 5. 1900 in Drebber bei Diepholz südlich von Bremen. Er studierte Geodäsie und Kulturtechnik an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin und legte 1923 die Landmesserprüfung ab. Es folgten praktische Tätigkeiten in Ostfriesland (Vermessungsbüro), Oldenburg (Kommunalverwaltung), Westfalen (Provinzialverwaltung) sowie naturwissenschaftliche und volkswirtschaftliche Studien  an den Universitäten Rostock, Hamburg und Münster, dort  wurde er 1927 mit einer Arbeit über die Gaußsche konforme Projektion zum Dr. phil. promoviert. Bereits kurz zuvor 1926 war er in bremische Dienste eingetreten, „vorläufig auf Privatdienstvertrag“ 1928 legte er die bremische Staatsprüfung für den höheren Vermessungsdienst ab. Eine der ersten Aufgaben war die Leitung und sein Bericht über die für Bremen so wichtigen Feineinwägungen (Netz von 1925 bis 1928), sie stützten sich auf  die Höhenmarken des Reichsamts für Landesaufnahme, ausgehend vom Zentralpunkt an der Ansgarikirche (Röhrs 1930). 1935 war er ebenfalls maßgeblich an Gestaltung und Durchführung des 100-jährigen Amtsjubiläums beteiligt.

         1944 wurde Dr. Heinrich Röhrs Amtsleiter in der Nachfolge von Wilhelm Brinkmann (1875 – 1951). Nach dem Krieg waren zunächst die noch 1944 mit Reichsgesetz geschaffenen Organisationsstrukturen im Vermessungswesen vorhanden. Bremen war der HVA VII zugeordnet worden. Prof. Dr. Kerl als Leiter der HVA in Hannover (britische Besatzungszone) versuchte dementsprechend, Bremen (amerikanische Zone) in seiner Zuständigkeit zu halten. Am 20. Januar 1947 gab es schließlich einen "Termin auf höchster Ebene" mit führenden Persönlichkeiten beider Besatzungszonen, Prof. Dr. Kerl sowie Dr. Müller vom Sen. f. Finanzen und Dr. Röhrs. Durch den Einsatz von Heinrich Röhrs behielt die bremische Kataster- und Vermessungsverwaltung ihre Eigenständigkeit, die Zusammenarbeit mit Hannover sollte auf technischen Fragen begrenzt werden (Ausführlich siehe Lucht 1988).

          Als erste wichtige bodenordnerische Maßnahme initiierte Dr. Röhrs das bremische „Gesetz betreffend den Grenzausgleich zwecks Wiederherstellung und Verbesserung von Eigentumsgrenzen nach dem Liegenschaftskataster“ für den vereinfachten Grenzausgleich. Der Grundgedanke dieses Gesetzes ist später von ihm auch in die Vorarbeiten zum Bundesbaugesetz eingebracht worden.

          In den Nachkriegsjahren hat sich Regierungsdirektor Dr. Heinrich Röhrs nebendienstlich in besonderem Maße für den DVW eingesetzt. Von 1950 bis 1956 war er Vorsitzender der Landesgruppe Nordwest und seit 1956 bis zu seinem Tod Vorsitzender des Gesamtvereins. Er war dann maßgeblich beteiligt an den Vorarbeiten für das 1960 beschlossene (damalige) Bundesbaugesetz. Dr. Röhrs hatte damit vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem Bremischen Schätzungsamt wesentlichen Anteil an den Beratungen zur Einrichtung der Institution Gutachterauschuß im ersten Bundesbaugesetz, er war ab 1953 Mitglied und Vorsitzer im Unterausschuß für die Bodenordnung im Baurechtsausschuß. Daneben war er vielfach als Sachverständiger gefragt. Er war Mitglied in der AdV und im Städtetagsausschuß „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“.

        Heinrich Röhrs gehörte zu den Männern der ersten Stunde in der schwierigen Nachkriegszeit (Vergl. Mitt. Nr.  192). Es war eine besondere persönliche Tragik, daß er noch die Zusammensetzung des Gutachterausschusses in Bremen gestalten konnte und dann 1961 Tage vor der Gründungssitzung des Ausschusses verstarb. Finsterwalder und Großmann haben in ihrer Laudatio zum 60. Geburtstag hervorgehoben, „persönlich kennzeichnen Heinrich Röhrs neben seinen schöpferischen Ideen und seiner Tatkraft und Gründlichkeit persönliche Bescheidenheit und menschliche Güte.“

          Ernst Pinkwart und Heinrich Röhrs waren nahezu im gleichen Alter, haben beide noch in der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin studiert, bevor das Geodäsie-Studium 1925 an die TH Berlin wechselte. Beide Persönlichkeiten haben – beginnend vor 80 Jahren – über 10 Jahre gemeinsam in Bremen gewirkt und sich nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich für unseren Berufsstand beim Wiederaufbau der Bundesrepublik eingesetzt.

          Quellen zu Pinkwart (Auswahl): ZfV 1928 S. 32, S. 592, AVN 1958 S. 93 – 94, AVN 1961 S. 33 – 36 (mit Foto), ZfV 1961 S. 25 – 28 (mit Foto und Veröffentlichungsverzeichnis), Quellen zu Röhrs (Auswahl): ZfV 1926 s. 256, ZfV 1960 S. 175 (mit Foto), AVN 1960 S. 121 (mit Foto), ZfV 1961 S. 145 – 147 (mit Foto), Die Bremische Feineinwägung,  ZfV 1930 S. 707 – 713; Lucht, H.: Von der Hauptvermessungsabteilung zum Landesvermessungsamt - Freie Hansestadt Bremen, AVN 1988 S. 422 - 424; Lucht, H. : 60 Jahre Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen  im Deutschen Städtetag, ZfV 2007 S. 269. - 11.07.08/ Ergänzung zum Einsatz von Röhrs 1947 - 25.07.08

 

 

251.  Instrumentenspende aus Arnsberg.

        Das Dezernat Vermessung der Bezirksregierung Arnsberg hat dem Förderkreis wertvolle alte Instrumente übergeben, u. a. einen elektronischen Tachymeter-Theodoliten Zeiss RegElta14 mit Lochstreifenstanze und Zubehör, einen Tachymeter Kern DK-RT, Kern DK-RV, Topcon Reihe5, mehrere Entfernungsmesser HP3800, Eldi2, AGA220, Wild DI3000, Ashtech Z12, einen Bussolentheodolit Wichmann, wie unser Museumskurator Ingo von Stillfried erfreut und dankbar berichtet. - 01.07.08
  

 

  250.  Erinnerungen an Dr. Theo Gerardy – geboren vor 100 Jahren.  

        Wir erinnern aus Anlaß seines 100. Geburtstags an Dr. Theo Gerardy, einen ungemein breit interessierten und engagierten Geodäten – in der Katastererneuerung, in der Vermessungstechnik, dem Lochkartenkataster, in der Grundstückswertermittlung, als Wasserzeichenforscher – und an eine ungemein liebenswürdige Persönlichkeit, die mit ihrem rheinischen Idiom in Niedersachsen ältere wie junge Kollegen zu begeistern verstand.

        Geboren am 3. August 1908 in Essen, führte ihn der Berufsweg über das Studium an der  Landwirtschaftlichen Hochschule in Bonn 1930 zur Landmesserprüfung, 1933 in die Preußische Katasterverwaltung, es folgten Stadtneumessung Bitterfeld, Katasteramt Syke und seit 1939 Heeresdienst. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er über die Katasterämter Neustadt a. Rbge., Nienburg, dem RP Hannover schließlich zum Katasteramt Hannover, das er über 20 Jahre leitete. Für viele in unserer Fachrichtung ist Theo Gerardy aber insbesondere als „Bewertungspapst“ in Erinnerung. Sein weit verbreitetes Standardwerk „Praxis der Grundstücksbewertung“ erlebte mehrere Auflagen. Seit 1984 wurde das Werk von dem Berliner Bewertungsexperten Rainer Möckel zunächst als Mitautor, seit 1986 als Herausgeber weitergeführt und erscheint als Loseblatt-Sammlung. Theo Gerardy war ein früher Verfechter des Vergleichswertverfahrens, Gutachtenbegründungen sollten nicht nur nachvollziehbar sein, sie müssen überzeugen. Verfasser dieser Zeilen erinnert sich an immer wieder geradezu freundschaftliche Unterweisungen in der Referendarzeit. Unvergessen Grundstücksbesichtigungen bei Reihenhäusern als Vergleichsobjekten in Hannover, „wie sie insbesondere in Bremen weit verbreitet sind“ – über 40 Jahre liegt das zurück.

        Theo Gerardy hatte sich durch seine großen Fähigkeiten und Verdienste auch in seiner aktiven Dienstzeit Freiräume für seine vielfältigen Interessen und Engagements geschaffen. „Er hat seine Dienststelle hervorragend im Griff, selbst wenn er nicht immer vor Ort ist“ – lobte der leitende Dezernent Prof. Werner Engelbert dessen breites Engagement, das für den Beruf des Geodäten so wertvoll war.  Bereits 1952 wurde er an der TH Hannover mit einer Arbeit über die Gauß’sche Triangulation 1821–1844 promoviert, schon hier legte er die Grundlagen für spätere Forschungsaktivitäten. Denn weit über die Grenzen der Katasterverwaltung hinaus machte sich Theo Gerardy neben der Grundstücksbewertung auch einen Namen in der Erforschung des Alters von Papieren (ursprünglich ausgelöst, um im Nachlaß von C. F. Gauß dessen viele Zettel-Notizen zeitlich einzuordnen); Gerardy wurde als Vizepräsident in die Internationalen Assoziation der Papierhistoriker berufen.

        Dr. Gerardy hat zahlreiche Ehrungen erfahren, u. a. die Verleihung der Medaille für besondere Verdienste  für das deutsche Immobilienwesen durch den Ring Deutscher Makler, die Ehrenmitgliedschaft in der Gauß-Gesellschaft in Göttingen und die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Theo Gerardy verstarb am 19. Juni 1986 an den Folgen eines Herzinfarktes. – 24./26. 06. 08

          Quellen: Hans Knoop: Leitender Vermessungsdirektor a. D. Dr.-Ing. Theo Gerardy 70 Jahre alt, ZfV 1978 S. 412-413; Rainer Möckel: Ltd. Vermessungsdirektor a. D. Dr.-Ing. THEO GERARDY gestorben, Allgemeine Vermessungsnachrichten AVN 1986 S. 463-464

 

 

249. Petermann-Ausstellung in Bleicherode am Rande des Südharzes

        Im der repräsentativen "Alten Kanzlei" in Bleicherode (am Südharzrand)  wird ab 16. Juni 2008  eine Ausstellung zu August Petermann gezeigt. Neben einer umfassenden Darstellung der Entwicklung der Kartographie von der Antike bis ins 19.Jh. wird das Wirken von Petermann  besonders gewürdigt. August Petermann  (*18.4.1822 in Bleicherode, + 25. 9. 1978 in Gotha) war einer der bekanntesten Geographen und Kartographen des 19. Jahrhunderts und wirkte u. a. im thüringischen Gotha, das seit den Zeiten des Astronomen und Geodäten Franz Xaver von Zach einen ausgezeichneten wissenschaftlichen Ruf hatte (Vergl. unsere Mitt. Nr. 119). Petermann richtete 1865 den ersten Deutschen Geographentag in Frankfurt a. M. aus. Er ist besonders bekannt geworden durch die Herausgabe der geographischen Fachzeitschrift "Petermanns Geographische Mitteilungen" (Verlag Justus Perthes). Dieses Periodikum war erstmals 1855 erschienen und konnte bis zum Jahre 2004 fortgeführt werden. 

        Unser Förderkreis ist in der Ausstellung in Bleicherode mit 11 Objekten aus dem Bereich topographische Aufnahme (zunächst als Dauerleihgaben) vertreten. Unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried hat bei der Erarbeitung der Konzeption der Ausstellung beratend mitgewirkt und jetzt letzte Hand mit angelegt. Die Ausstellung wird in dem alten Ackerbürgerhof "Alte Kanzlei" gezeigt, einem mit EU-Mitteln vollständige restaurierten denkmalgeschützten Gebäudeensemble. Eröffnet wir die Ausstellung am 16. Juni um 10:30 durch den Kultusminister des Freistaates Thüringen. - 15.06.08

 

248.   Großer Jubiläumstag - 125 Jahre Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund

        Am 8. Juni 2008 dreht sich im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund alles um das Jahr 1883, das Gründungsjahr des Museums. Lesungen kleiner Texte aus und zu 1883 wechseln mit Führungen durch die Ausstellung „Kirchengold & Tafelsilber – Silberschmiedearbeiten aus dem Bestand des Museums für Kunst und Kulturgeschichte“ ab. Erklingen werden Flöte, Flügel, Leierkasten und das erstaunliche „Polyphon“. 
        Um 11.00 Uhr beginnt in der Rotunde des Museums eine Jubiläumsstunde:
Bürgermeisterin Birgit Jörder überbringt ihre Glückwünsche, Museumsdirektor Wolfgang E. Weick blickt auf die 125-jährige Geschichte zurück, Kammerschauspieler Claus Dieter Clausnitzer erheitert mit musealen Anekdoten und die Musiker Cornelia Wolff und Paul Tunyogi-Csapo tragen Geburtstagsständchen vor. Der Eintritt in das Museum ist am Jubiläumstag frei. Näheres siehe auch unter www.mkk.dortmund.de 

        In der Ausstellung Vermessungsgeschichte wird mancher Besucher erstaunt feststellen können, welche Kunst es bedeutete, historische Vermessungsintrumente zu bauen. Seit 1985 ist die Ausstellung als Abteilung 22 in dem ehemaligen Sparkassengebäude im 4. Stock beheimatet, seinerzeit  vom früheren Gründungsvorsitzenden Siegfried Stahnke dort eröffnet, unterstützt und gefördert vom damaligen Museumsdirektor Dr. Gerhard Langemeyer, dem heutige Oberbürgermeister der Stadt Dortmund. Seit nunmehr über 20 Jahren ist die damalige freundliche Unterstützung auch durch den heutigen Museumsdirektor Wolfgang. E. Weick beständig fortgeführt worden: Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. gratuliert zu diesem besonderen Jubiläum. - Bei der Jubiläumsveranstaltung wird der Förderkreis durch seinen Geschäftsführer Klaus D. Lehmann und durch die Herren Friedel Pfeifer und Manfred Gombel vom Vorstand vertreten sein. - 02.06.08

 

 

247.  Geschichte der Geodäsie in Deutschland

     Prof. Dr. Wolfgang Torge stellte im Rahmen des Geodätischen Kolloquiums der TU Hannover am Dienstag, den 20. Mai 2008 sein neuestes Buch vor. Prof. Klaus Kertscher freute sich für den DVW als Veranstalter und insbesondere für den Vortragenden, eine erfreulich große Zuhörerschaft "pari jung und älter" begrüßen zu können. 

     Wolfgang Torge ließ erkennen, wie viel Aufwand neben der wissenschaftlich erfreuenden Arbeit schon in der großen Literatur-Recherche gelegen hat, nicht zuletzt bedingt auch durch ' manch organisatorisches Chaos' im historischen Deutschland mit seinen vielen einzelnen Staaten. Sein Hauptanliegen habe er auch darin gesehen, die Entwicklungen bis 1945 übersichtlich zusammenzufassen und zu sichern, auch vor dem Hintergrund der Umwälzungen im Vermessungswesen in den jüngeren Jahrzehnten. Der Vortragende erläuterte mit Hilfe von rd. 30 hervorragenden Übersichtsfolien die verschiedene Entwicklungen vornehmlich in der Höheren Geodäsie, vom Altertum bis in die Zeit des Wirkens von Bessel, C.F. Gauß, Baeyer, Helmert, auch F.G. Gauß bis hin zu Kohlschütter und F. J. Kurandt - zum Inhalt des neuen Standardwerkes siehe auch unsere Mitt. Nr. 222. Gerne zitierte Wolfgang Torge auch manch kritische Kommentierung Altvorderer, so z. B. die Aussage der renommierten Landkartenfirma Homann aus dem Jahre 1743 "...Brandenburg und Preußen das Land seien, das am liederlichsten in den Landkarten aussehe und doch von Gelehrten wimmele".

     Klaus Kertscher beglückwünschte Prof. Wolfgang Torge für sein großes und auch erheblich arbeitsaufwendiges Werk. Wolfgang Torge habe ein Standardwerk geschaffen, das einen weiten Bogen spannt und einen wesentlichen Teil der Geodäsie dokumentiert.-

     Die Gegenwart in unserem Fachgebiet erscheint auch heute noch vielfältig, oft unübersichtlich. Das war früher nicht anders.  Geschichte ist Gegenwart von gestern - dies bedenkend, wird die großartige Leistung von Wolfgang Torge erkennbar, frühere Gegenwarten in so kompakter Form zu erschließen. Siehe auch Mitt. Nr. 222. - 22.05.08

 

 

246. Dr. Clemens Weißgerber †

  Am 5. Mai starb in Dortmund Dr. phil. Clemens Weißgerber im 89. Lebensjahr. Dr. Weißgerber hat Gründung und Entwicklung des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund maßgeblich befördert, war gestaltender Gründungsvater dieser heute bundesweit angesehenen Einrichtung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund.

Geboren am 19. Juni 1919 in Dortmund, studierte Clemens Weißgerber in München, Wien und Köln klassische Philologie und Archäologie, wurde 1952 an der Uni Köln promoviert. 1958 – 1964 war Dr. Weißgerber Organisationsleiter der Dortmunder Volkshochschule und dann Leiter des Museums am Westpark – Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund. Dort nahm er – begeistert von der Arbeit der Dortmunder Vermessungskollegen – die Sammlung 5000 Jahre Vermessungsgeschichte auf, die zum Ausgangspunkt der heutigen Abteilung Vermessungsgeschichte im Museum für Kunst und Kulturgeschichte wurde. Dr. Clemens Weißgerber war Gründungsmitglied des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. und seit 1987 Ehrenmitglied. Wir haben Dr. Clemens Weißgerber ebenso wie dem vor wenigen Wochen verstorbenen Siegfried Stahnke sehr viel zu verdanken. Wir werden beide Gründungsväter ehrend in Erinnerung behalten. – 18.05.08  

 

245.   Wiederaufbau Berliner Stadtschloß – Fassaden nach Fotos aus dem Meydenbauer-Archiv.

     Das Berliner Schloß war ab 1443 in mehreren Bauphasen erbaut und unter König Friederich I in Preußen zur königlichen Residenz ausgebaut worden. Wichtige Baumeister waren u. a. unter Andreas Schlüter (1698-1703) und Eosander von Göthe (1703-1716).

     Die Ruinen des  Schlosses waren 1950 für den Bau des „Palast der Republik“ der ehemaligen DDR abgerissen worden. Jenes Gebäude ist inzwischen abgebrochen. 2002 beschloß der Deutsche Bundestag die Wiedererrichtung der  Nord-, West- und Südflügels des alten Schlosses sowie des kulturhistorisch bedeutsamen Schlüter-Innenhofs mit dem Ziel einer Nutzung als „Humboldt-Forum“ – in Erinnerung an das Wirken von Alexander und Wilhelm von Humboldt. Die moderne Nutzung soll hinter den rekonstruierten Barockfassaden des Schlosses inszeniert werden.

     Ende 2007 ist der Architektenwettbewerb für den Wiederaufbau gestartet worden. Grundlage für die Rekonstruktion der Fassaden sind u. a. Meßbilder (40cm x 40cm) aus dem von Albrecht Meydenbauer (1834 – 1921) begründeten Meydenbauer´schen Meßbildarchivs. Meydenbauer war der Begründer der Architekturphotogrammetrie. Das Archiv beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege verwahrt etwa 20.000 großformatige  (40 cm x 40 cm) Glasplattennegative mit Bauwerken vor allem Preußens aus den Jahren 1885 bis ca. 1930. Von der Außenfassaden und den Innenhöfen des Schlosses wurden ca. 45 Bilder gefunden. Diese Bilder sind von außerordentlicher Qualität hinsichtlich Geometrie und Auflösung. Die photogrammetrische Auswertung wurde im Fachbereich Geodäsie der TU Berlin durchgeführt. Die präzisen Maße für Außenlinien des Erdgeschoß-Sockels sind aus den Katasterunterlagen aus den Jahren ab 1879 ableitbar.

Quellen: A. Wiedemann: Photogrammetrische Rekonstruktion zerstörter Bauten aus historischen Photographien unter www.al-wie.de/lit/wie_intergeo2000.pdf sowie www.berliner-schloss.de und Wikipedia. - 12.05.2008

    

 

244.  Vor 60 Jahren – Eingliederung der Katasterämter in NRW in die Stadt- und Landkreise

           Am 30. 4. 1948 beschloß der Landtag von Nordrhein-Westfalen mit ganz überwältigender Mehrheit gegen nur 1 Stimme die Eingliederung der Katasterämter (und weiterer bisher selbständiger Sonderbehörden) in die Stadt- und Landkreise – eine Maßnahme, die in den bisher staatlichen Katasterbehörden auf erhebliche fachliche Bedenken stieß.

        Die Situation damals, weniger als 3 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs – zerbombte Städte, Wohnungsnot, Millionen Flüchtlinge aus dem Osten in den westlichen Besatzungszonen – kurz Not überall. Wiederaufbau und Wohnungsbau, Bündelung aller Kräfte vor Ort waren die zentralen Notwendigkeiten, insbesondere in den größeren Städten. Zusammenfassung aller Fachkräfte, Einheitlichkeit in der Ortsinstanz, diese Zwänge standen in (fachlicher) Konkurrenz zur der Wahrung der Einheitlichkeit in einer staatlichen Sonderverwaltung, wie sie herkömmlich überliefert war –  zwei grundlegend unterschiedliche Ziele, damals – und lange davor und darüber hinaus.

        Es ist hochinteressant, die seinerzeitige Fachdiskussion von Schlegtendal-Herford und Zörner-Frankfurt a. M. (pro Kommunalisierung) und Ohl-Darmstadt (pro staatliche Verwaltung) nachzulesen – andererseits die von gegenseitige Verständigungsbereitschaft geprägten Schlußworte in der ZfV 1953 von Ohl und Schlegtendal. Eine ähnliche, allerdings wesentlich zurückhaltende fachliche Diskussion gab es später nochmals nach der Wiedervereinigung 1990.  

        Die Eingliederung 1948 in NRW verfolgte zunächst ein doppeltes Ziel, die Herstellung einer (bürgerfreundlichen) Einheitsverwaltung in der Kreisstufe und damit einhergehend die erhoffte Realisierung von Einsparpotentialen. Man meinte, die „einsam stehenden Sonderbehörden“ seien der ständigen Gefahr ausgesetzt, „alles zu sehr unter dem Gesichtswinkel ihrer Tätigkeit und nicht unter dem der großen Gemeinschaft und übergeordneter Interessen zu beurteilen“. Tatsächlich hat sich die Eingliederung in den Boomjahren des Wiederaufbaus als segensreich erwiesen. Zwar konnte das erhoffte Einsparziel nicht erreicht werden, doch das lag insbesondere an dem erheblichen Aufgabenzuwachs. Zunächst waren das Kataster zu ergänzen (Gebäude) und die Karten zu erneuern für die steigenden Bedürfnisse. Hinzu kamen die Aufgaben von Baulandumlegungen, Grenzausgleich, Zusammenlegungen, jene Rechtsinstitute, mit denen die Planung von Wiederaufbau und Neubau realisiert wurden, sowie die Umsetzung der Aufgaben aus den Aufbaugesetzen der Länder. Integriert in der Stadtverwaltung hieß und heißt, unmittelbar beteiligt zu sein in gemeindliche Handlungsprozesse, eine wichtige Voraussetzung, Kataster- und Vermessungskompetenz unmittelbar einbringen zu können (ZfV 1992 S. 103/104).

        Dem Verfasser dieser Zeilen ist jene oben angedeutete grundsätzliche Reserviertheit aus staatlichen Vermessungs- und Katasterverwaltungen anderer Länder in seiner Mitgliedschaft in bundesweiten Gremien seit 1973 – also 25 Jahre nach der Eingliederung im bevölkerungsreichsten Bundesland – immer wieder begegnet. Er selbst befand sich in der glücklichen Lage eines Stadtstaates (Freie Hansestadt Bremen), in dem staatliche Landesvermessungs- und  Katasteraufgaben und die Aufgaben des kommunalen Vermessungswesens selbstverständlich (jedenfalls ab 1973) in einer Dienststelle vereinigt waren. Man muß jedoch andererseits auch sehen, daß ADV-technische Großverfahren in den vergangenen 70-iger und 80-iger Jahren durch die übergeordnete Kompetenz in den staatlichen Ämtern der Flächenländer erhebliche Fortschritte verzeichnen konnten. Allerdings hat ebenso z. B. das Landesvermessungsamt in NRW kompetent und segensreich gewirkt, und in Zusammenarbeit mit der kommunalisierten Fachverwaltung zukunftsweisende Lösungen in den Automationsverfahren aufgebaut. Ergänzend sei auch an den Grundgedanken des MERKIS-Konzepts des Deutschen Städtetages erinnert, jene damalige Koordinationsempfehlung zum einheitlichen Raumbezug für kommunale Informationssysteme. 

        „Die Kommunalisierung ermöglicht die direkte Einflussnahme auf die zeitliche, inhaltliche fachliche und wirtschaftliche Erledigung der Aufgabe“, hat Rainer Höhn kürzlich nochmals hervorgehoben, und „durch die Kommunalisierung der Katasterämter ging die Einheit  des Liegenschaftskatasters und die Einheit von Landes- und Katastervermessung nicht verloren.“  Und Karl Zörner schrieb schon damals 1953  in seinem ausgewogenen Beitrag als von dem „uralten“ Thema  (a. a. O. S. 216).

          Quellen in Auswahl: G. Schlegtendal: Die Eingliederung der Katasterämter im Lande Nordrhein-Westfalen in die Stadt- und Landkreise, ZfV 1952 S. 306 – 311, W. Ohl: Kommunalisierung der Katasterverwaltung?, ZfV 1952 S. 376 – 382, Karl Zörner: Nochmals Kommunalisierung oder Verstaatlichung?, ZfV 1953 S. 215 – 218, W. Ohl und G. Schlegtendal: Schlußworte zum Thema „Kommunalisierung“, ZfV 1953 S. 218 – 219,  G. Cummerwie/ H. Lucht: Städte brauchen einheitlichen Raumbezug Zs. Der Städtetag 1988 S. 538 - 543 , Harald Lucht: Kataster- und Vermessungswesen in Bremen und aus der Sicht der Städte, ZfV 1992 S. 99 – 107, Rainer Höhn: Das kommunalisierte Liegenschaftskataster in Nordrhein-Westfalen. Ein fast 60 Jahre junges zukunftsträchtiges Erfolgsmodell Zs. NÖV NRW 3/2006 S. 4 – 14. - 30.04.2008

 

 

243. Siegfried Stahnke †

       Am 21. April 2008 starb Siegfried Stahnke im 96. Lebensjahr Begründer, Motor  und Förderer des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund.

      Stahnke war 1955 bis 1976 Leiter des städtischen Vermessungs- und Katasteramts Dortmund und seit 1965 Vorsitzender des Städtetagsausschusses „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen" (bis 1976).Siegfried Stahnke wurde 1911 in Berlin geboren und studierte dort Geodäsie. Nach Militärdienst und Kriegsgefangenschaft legte er 1950 die Große Staatsprüfung ab. Seine praktische Laufbahn begann 1950 beim Ruhrsiedlungsverband, dem heutigen Kommunalverband Ruhrgebiet. Bereits 1951 ging er als Leiter der Umlegungsabteilung zur Stadt Dortmund. Mit dem Weg in die städtischen Bodenordnungsaufgaben hatte Stahnke die Herausforderungen einer umfassenden Gestaltungsaufgabe gewählt - aus Passion, wie der spätere Berufsweg zeigt. Der Wiederaufbau in den Städten verlangte bereits damals die vielfältige Koordinierung aller Ansprüche an den städtischen Bauboden, also engagiertes Bodenmanagement. Stahnke wirkte in dieser Funktion für die Um- und Neugestaltung der Dortmunder Innenstadt, 1961 bis 1964 zugleich und zusätzlich in der Leitung des Planungsamtes. Seine Veröffentlichungen zu Fragen der Bodenordnung, der Grundstücksbewertung, ebenso wie seine langjährige Kommentierung der Städtischen Umlegung im Kohlhammer-Kommentar waren eine Fundgrube. Er hat den Deutschen Geodätentag 1962 in Dortmund ausgerichtet, verbunden mit einer Fachausstellung „Messen über und unter Tage“ – aufgebaut von den engagierten Mitarbeitern aus der Dortmunder Kollegenschaft. Diese Ausstellung wurde später Keimzelle des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund. Und Siegfried Stahnke war maßgeblicher Mitbegründer des Studienganges „Vermessungswesen und Bodenordnung" an der Universität Dortmund.

         Der reiche Berufsweg von Siegfried Stahnke wurde mehrfach, so in der ZfV (1981 S. 558, 1996 S. 508) gewürdigt. Auch in den Jahren nach seiner Pensionierung als Ltd. Städtischer Vermessungsdirektor wirkte er weiterhin unermüdlich, so im Gutachterausschuß für Grundstückswerte, für das Vermessungstechnische Museum (als Mitbegründer des Förderkreises 1979, er wurde 1987 das erste Ehrenmitglied), in seinem Urlaubsort Neroth in der Eifel für den Fremdenverkehr. Er erhielt in Anerkennung seines weit gefächerten Wirkens 1986 das Bundesverdienstkreuz.

       Siegfried Stahnke, bereits seit mehreren Jahren erblindet, starb am 21. April 2008 in einem Dortmunder Pflegeheim in der Obhut seiner Frau. - Persönlich erinnern wir uns gerne an seine fürsorgliche Kollegialität, an seine zurückhaltend-ruhige und überzeugende Gesprächsführung in großen und kleinen Konferenzrunden. Siegfried Stahnke war großes Vorbild für alle, die mit ihm zusammenarbeiten durften - im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum und ebenso im Städtetagsausschuß und weit darüber hinaus. Er wird uns vor allem als eine besonders liebenswerte Persönlichkeit in dankbarer Erinnerung bleiben.  – 27.04.08

 

 

241.   Zur 150. Wiederkehr des Geburtstags von Ernst Hammer

Eine inhaltsreiche Würdigung des Anfang des 20. Jahrhunderts populären Stuttgarter Geodäten Prof. Ernst Hammer ist im VDV-Magazin, Zs. für Vermessung und Geoinformation Heft 2/2008 S. 122 - 124 erschienen - verfaßt von unserem Eratosthenes-Preisträgers Bernhard Zimmermann aus Warnemünde. - E. Hammer wurde am 20. April 1858 in Ludwigsburg/ Baden-Württ. geboren, wirkte seit 1884 als ordentlicher Professor in Stuttgart, schuf Grundlagen für die württembergische Landestopographie, wurde 1896 an der Leipziger Universität zum Dr. phil. promoviert. Er hat eine Reihe von Veröffentlichungen geschrieben, u.a. zur Geschichte der Geodäsie, speziell auch der Kartographie, der Meßtechnik und der Mathematik. Anzahl und Themenbreite der Beiträge allein in der  Zs. für Vermessungswesen zeigt sein weites Interessengebiet. Die von unserem Förderkreis herausgegebene von Klaus Grewe verfaßte Bibliographie zur Geschichte des Vermessungswesens (herausgegeben 1984 - Schriftenreihe Nr. 6) führt über 30 Titel auf.  Eine viel beachtete Leistung war der zusammen mit der Fa. Fennel entwickelte "selbstrechnende Tachymeter-Theodolit ("Hammer-Fennel"). - Ernst Hammer starb am 11. September 1925 an den Folgen eines Unfalls bei einer geodätischen Ferienexkursion. - 14. 04. 08

 

240.  Im Spannungsfeld zwischen Ost und West 1945 bis 1952 – Vermessungsgeschichte in Berlin, aufgezeichnet von E. Braune, bearbeitet von G. Bolze

Günther Bolze hat die Aufzeichnungen des früheren Chefs der Berliner Vermessungsverwaltung, Edmund Braune, lange gut bewahrt und jetzt in Form einer CD herausgegeben. Edmund Braune (siehe unsere Mitt. Nr. 238) gibt seinem Bericht als Credo auf den Weg: „Geschichtsstudium soll Lernbetrachtung sein, das ist sein letzter Sinn“. Und er schrieb rückblickend (1961), er habe diese Aufzeichnungen niedergeschrieben, „….um ein der Wirklichkeit entsprechendes, lebendiges Erinnerungswerk zu schaffen“.

Sein Bericht beginnt am 8. Mai 1945: „Ist dies wirklich noch eine Großstadt? Keine Straßenbahn fährt, kein Autobus, keine Stadt- und Ringbahn und keine Untergrundbahn. Ausgebrannte Wagen liegen herrenlos auf den Straßen herum. Fahrräder sind ohne Bereifung.“ Sämtliche Instrumente des Vermessungsamtes werden von den Russen abtransportiert. – Tage später: Prof. Scharoun übernimmt alle technischen Aufgaben der Stadtverwaltung, den Hoch- und Tiefbau, das Planungs- Vermessungs- Gartenwesen, die Baupolizei und das Wohnungs- Miet- und Pachtwesen. Das (ausgelagerte, wohl vernichtete) Vermessungswerk wird nie wieder zur Verfügung stehen. „Eigenartiger Weise aber geht die Besinnlichkeit darüber, daß ein in 50 Jahren von etwa 100 Technikern geschaffenes Musterwerk, welches einen Wert von mindestens 6 Millionen Goldmark darstellt, verloren ist, und daß man in Zukunft gerade für die besonders stark zerstörten Gebiete der Innenstadt mit einem Behelfswerk wird auskommen müssen, nicht sehr tief bei den meisten Mitgliedern des Amtes. Denn vorerst herrscht ein recht nüchterner „Existenzialismus“: Weiterleben und an gewohnter Stätte wieder arbeiten können“.

Ein erster Großauftrag: die Herstellung eines Schadensplanes für das Gesamtgebiet von Groß-Berlin. Stadtrat Scharoun fordert den Einsatz aller verfügbaren Kräfte für diese Aufgabe. Alarmruf: "Vermessung, kannst Du uns einen Plan herstellen, in dem der angerichtete Schaden optisch nachgewiesen wird, aus dem Umfang und Schwere der Zerstörungen abgelesen werden können? Eile tut not!“ Dieser Notruf kommt vom Hochbau, vom Tiefbau, von der Planung, vom Verkehr, ja sogar von der Finanzverwaltung, er kommt von den Werken, von der Grundstücksverwaltung, von den Stadträten, ja selbst von den Besatzungsbehörden. Andererseits ist beim Einsatz des wenigen Fachpersonals notwendig zu unterscheiden zwischen (zu entlassenden) belasteten und harmlosen Nazi-Parteigängern.

Doch bald treten selbst in diesen Notzeiten die im Vermessungswesen so beliebten Vorschriften in den Vordergrund. Bereits im Januar 1946 wird in der monatlichen Amtsleiterkonferenz im Hauptamt die Herausgabe einer zweiten Stadtkatasteranweisung beraten, um die Zulassung von Ö.b.V.I. und die Meßgenehmigungen für urkundliche Vermessungen zu regeln. Da das Hauptamt für den Raum von Groß-Berlin die Nachfolge der bisherigen Hauptvermessungsabteilung IV für Berlin angetreten hat, liegt bei ihm die erste Rechtsstufe für die Durchführung der Berufsordnung vom 20.1.38.  Zugelassen sollen alle bisher in Groß-Berlin amtierenden Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure werden, sofern sie nicht Parteigenossen waren (siehe auch unsere Mitt. Nr. 230). Fachschulingenieure müssen eine zehnjährige Praxis nachweisen, um eine Meßgenehmigung zu erhalten. Und auf der Amtsleiterkonferenz werden die Schwierigkeiten erörtert, die durch den Einspruch des Preisamtes gegen die geplante Erhöhung der Katastergebühren entstanden sind. „Diese Gebühren decken bekanntlich in keiner Weise den technischen Aufwand“.

Lehrabschlußprüfungen werden wieder für die Lehrlinge aller Berufe eingeführt. Schon seit langer Zeit wird eine gar nicht mehr zu verantwortende „Lehrlingszüchterei“  betrieben, denn viele Vermessungsbüros werben für ihre Bodenreformvermessungen keine Arbeiter als Meßgehilfen an, sondern die billigen Lehrlinge. Und Lehrlinge melden sich auch in großer Zahl. Es hat sich herumgesprochen, daß es bei den Vermessungen für die Landaufteilung etwas zu essen gibt…... Auch die erheblichen Sorgen Tage und Stunden vor Beginn der Interzonalen Geodätentagung in Berlin 1947, deren Abbruch drohte, ist hier ausführlich nachzulesen. Ab 1. 12. 1948 ist das Berliner Vermessungswesen nach West und Ost geteilt (Vergl. unsere Mitt. Nr. 202).

In den über 1100 Seiten sind zahlreiche Zeitzeugen und deren Handeln erwähnt, so u. a. Dr. Adenauer (Köln), H. Ahrens, Professor Baeschlin, Schweiz, Dr. W. Bonczek, Prof. Dr. Brennicke, H. Draheim,  Ewringmann (Köln), E. Gigas, Prof. Dr. Finsterwalder, Prof. Dr. Großmann, Prof. Dr. Harbert, Heckmann (Mannheim), Hinterthür (Essen), Prof. Dr. Hunger, Hundeck (Hannover), Prof. Dr. Kneißl, Kurandt (Wiesbaden), Prof. Dr. Lacmann, Neddermeyer (Hannover), Overhoff vom Ruhrsiedlungsverband, Prof. Dr. Pinkwart, Prof. Dr. Ing. Richard Finsterwalder (Hannover), E. Reuter (Berlin 9.9.1948 – „Bürger schaut auf diese Stadt“), Dr. H. Röhrs (Bremen), Ö.b.V.I. Schmidt, Sefranek (Nürnberg), Ö.b.V.I. Slawik, Zörner (Frankfurt a. M.) und viele andere. Im Anhang der Schrift sind einige Photos aus jenen Jahren wiedergegeben. -  

Das Werk von Edmund Braune liefert ein plastisches Bild jener Not- und beginnenden Wiederaufbauzeiten, der Organisation der Vermessungsverwaltung in Berlin. Der Bericht ist zusätzlich eingebettet in eine  faktenreiche Schilderung der allgemein-politische Situation jener von heftigen Auseinandersetzungen zwischen Ost und West geprägten Zeit, 2-Dpf-Notopfer Berlin, der  Blockade von Berlin und der Luftbrücke der Alliierten 1948/49 – Der Berliner hielten durch, doch „…auf ein weiteres Abholzen seiner Wälder reagiert der Berliner sauer. Trotz aller Sorge vor dem kommenden Winter will er lieber auf das Holz verzichten, als seinen Wald verlieren. Bis jetzt hat er alle durch die Blockade ihm auferlegten Schwierigkeiten mit Geduld getragen, selbst mit der Aktion "Storch" durch welche mehr als zehntausend Kinder in Flugzeugen aus Berlin nach Westdeutschland abgeflogen werden, um sie vor den Unbilden des nahen Winters zu schützen und besser verpflegen zu können, ist er schweren Herzens einverstanden….“

Und auch fachlich verlief in jenen Jahren nicht alles stets kollegial, in der Schrift facettenreich, durchaus subjektiv und eben menschlich dokumentiert. Fragen fachlicher Weichenstellungen, u. a. im Liegenschaftswesen, die Entscheidung für die weitere Verwendung des Soldner-Koordinatensystems Müggelburg (anstelle von Gauß-Krüger-Koordinaten), bedingt durch die Lage auf einem Grenzmeridian und fußend auf einem Gutachten von Prof. Hunger, auch die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städtetag, das Für und Wider der Kommunalisierung des Katasters, der Aufbau des DVW:  Edmund Braune war erkennbar eine außerordentlich überzeugende und notabene überzeugte Persönlichkeit.

Der Bericht endet im März 1952: „Mein Nachfolger, Kollege Dräger hat heute seinen Dienst in unserer Verwaltung angetreten. Es bleiben mir also nur vier Wochen Zeit … eine sehr begrenzte Zeit, wenn man bedenkt, dass es nicht nur um die Einführung in die technischen Aufgaben geht, sondern um die Einfühlung in den Rhythmus der Berliner Verwaltung ….., um die Handhabung der Aufsichtsbefugnisse des Ausbildungswesens, und um ein Bekanntwerden mit allen Persönlichkeiten der Bau- und Finanzverwaltungen. Wir haben hier zwei ganz verschiedene Atmosphären zu beachten, die Belange des Landesvermessungswesens und die Aufgabenstellung des kommunaleren Dienstes“. -

Wir können hier nur einige wenige Mosaiksteine dieses ganz besonderen historischen Zeugnisses kurz anreißen. Der Bericht ist eine Fundgrube historischer Fakten nicht nur für Berlin sondern (damals) zonenübergreifend. Es ist außerordentlich verdienstvoll, wie der Kollege Günther Bolze sich über Jahre der Aufgabe gewidmet hat, diesen Schatz zu heben. – Interessenten können sich wenden an den Autoren der CD, Günther Bolze, eMail G.Bolze@t-online.de.

Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum dankt Herrn Bolze nicht nur für die Übergabe der CD sondern besonders für ein vollständiges Druckexemplar für die Bibliothek des Förderkreises. – 02.04.08

 

 

   239.   Sonderausstellung für Friedrich Christoph Müller in Schwelm

     Aus Anlaß des 200. Todestags lädt das Haus Martfeld in Schwelm zu einer Sonderschau ein, die am Freitag, den 4. April 2008 um 19 Uhr eröffnet wird. Das Stadtarchiv Schwelm und das Haus Martfeld zeigen eine Ausstellung, die dem Leben und Werk des Universalgelehrten, Wissenschaftlers und Pastoren Fr. Chr. Müller (1751 - 1808) gewidmet ist. Die Ausstellung ist vom 5. 4. bis 4. 5. 2008 geöffnet. Am Todestag von Friedrich Christoph Müller, Donnerstag den 10. 4. 2008 um 19.30 Uhr wird es in der Evangelischen Pfarrkirche in Bad Sassendorf eine kleine Feierstunde „praktisch unter Müllers Kanzel“ geben. Nach einer Einführung des Heimatforschers Martin Anemüller wird Manfred Spata einen Vortrag über Pastor Müller und seine geodätisch-kartographischen wissenschaftlichen Arbeiten halten. Der Kurpfarrer Christian Casdorff wird mit seinem Orgelspiel die Feier begleiten.  Dazu wird Kollege Peter Sukkau einige Müller-Exponate vorstellen, u.a. die Situationskarte von Sassendorf 1773, die Ämterkarte von 1791 und das Sassendorfer Müller-Porträt 1776. - 

     Wir weisen ergänzend auf die Veröffentlichungen unseres Eratosthenes-Preisträgers Manfred Spata hin, insbesondere auf seinen Beitrag "Friedrich Christoph Müller und seine Karten der Grafschaft Mark aus den Jahren 1775 - 1791" im Symposiumsband zum 7. Symposium zur Vermessungsgeschichte 1999, in unserer Schriftenreihe Band 27 (siehe auch unsere Mitt. Nr. 17 und 197). Manfred Spata gab auch die Anregung zu den Aktivitäten in Schwelm; er wird am Sonntag, den 20. 4. 08 um 15 Uhr einen weiteren Vortrag über Pastor Müller im Museum Haus Martfeld halten. - 28./30.04.08

 

238.  Wir erinnern an Edmund Braune (1886 - 1966) - Berlin in schwerer Zeit

      Edmund Braune war nach Ende des Zweiten Weltkriegs der erste Leiter des Hauptamtes für Vermessung in Berlin. Er hat in einem detaillierten Bericht festgehalten, wie Berlin und das Berliner Vermessungswesen im Spannungsfeld zwischen Ost und West 1945 bis 1953 wiederaufgebaut worden sind – wir stellen den über 1100 Seiten umfassenden Bericht in einer kommenden Mitteilung (siehe Nr. 240) vor.

     Braune, am 23. 10 1886 in Berlin geboren, studierte 1907 bis 1909 Geodäsie und Kulturtechnik an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin. Zunächst als vereidigter Landmesser tätig, trat er nach dem Ersten Weltkrieg in den Kommunaldienst seiner Vaterstadt und war seit 1935 verantwortlich für die Herstellung der Planungsunterlagen der damaligen Reichshauptstadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte er maßgeblich für den Wiederaufbau von Berlin, organisierte  u. a. die erste interzonale Geodätentagung in Berlin (siehe unsere Mitt. Nr. 202), wirkte überregional im Deutschen Städtetag (siehe Mitt. Nr. 192) und im Deutschen Verein für Vermessungswesen. Regierungsdirektor Edmund Braune starb am 23. 4. 1966 im 80. Lebensjahr in Berlin.

     Anno 1944 schrieb er tief erschüttert nieder: Du mein wundes Berlin.

Nun blutest Du aus hunderttausend Wunden, / und aller Glanz, der Dich umgab, ist hin! / Wie sollst von diesen Schlägen Du gesunden,/ Du meine liebe Vaterstadt Berlin. / Wie ragen Deine öden, kahlen Mauern / so trostlos klagend, himmelan. / Ich sehe Deine toten Augen mit Erschauern / in Deiner hohlen Fenster langen Bahn. / Und überall zieh'n mit geschultert Spaten / der Arbeitstruppen ungezählte Reih’n. / Was Menschen gestern so geliebt noch hatten, / als Trümmer müssen's beiseite räum’n. / Doch wenn Du blutest auch aus vielen Wunden / und hast ein hässlich' und entstellt' Gesicht, / ich bleib Dir Heimatstadt trotz allem eng verbunden, / halt Dir die Treue und verlaß' Dich nicht!

    Quellen: Langer: Regierungsdirektor i. R. Edmund Braune † ZfV 1966 S. 213 – 214, Dräger: Edmund Braune 70 Jahre, ZfV 1956 S. 392; oben angekündigter Bericht - 22.03.08

 

 

237. 5 Jahre - Mitte März 2003 haben wir begonnen, an dieser Stelle "aktuelle Mitteilungen" aus der Vermessungsgeschichte zu veröffentlichen. 

     Wir erinnern an interessante vermessungshistorische Ereignisse, Veranstaltungen, Gedenktage, Schriften. Unser Ziel ist, auch jüngere Besucher und Besucherinnen für die Vermessungsgeschichte zu interessieren. Wir haben hier aus Anlaß runder Jahrestage erinnert an historische Persönlichkeiten, u.a.  Johann Friedrich Benzenberg (Mitt. Nr. 168, 95), Friedrich Wilhelm Bessel (157, 58), Willi Bonczek (213), Otto Eggert (54), Carl Friedrich Gauß (156, 114), Friedrich Gustav Gauß (101),  Walter Großmann (120),  Louis Krüger (206), Gerhard Lehmann (217), Heinrich Lübke (45), Johannes Nittinger (162), Hugo Reist (184), Oscar Schreiber (121), Friedrich Sukow (223), Konrad Zuse (195). Und wir haben Persönlichkeiten zu besonderen Anlässen gratuliert, die früher und bis in die Gegenwart der Vermessungsgeschichte besonders nahestehen, so u.a. Franz Allmer (167, 129), Heinz Draheim (122, 15), Kurt Kröger (138, 74), Helmut Minow (187, 138), Siegfried Stahnke (212, 94). - 16. 03. 08  

 

 

236. Die Merckelsche "General-Charte" für die Stadt Lemgo 1794-1800. 

     Ausstellung im Museum Hexenbürgermeisterhaus Lemgo vom 13.März - 18. Mai 2008. - Am 12. Juli 1794 haben beide Räte der Stadt Lemgo den Feldmesser und Forstauditor Philipp August Merckel beauftragt, die Lemgoer Feld- und Holzmark im Hoheitsgebiet der Stadt zu vermessen und ein Messbuch vorzulegen. Seine "General-Charte"  hat die Abmessungen von 2,30 x 2,80 m im Maßstab von etwa 1:3.000.
     Aufgenommen und gezeichnet worden sind: Alle Wege, Stege und Triften. Die Größe, Qualität, Abgaben und Besitzer aller Grundstücke sind exakt aufgeführt worden. Die Arbeit ist vor der Säkularisation, vor Aufteilung der Gemeinheiten und vor dem allgemeinen Chaussee-Bau entstanden. Es wurden die Naturalabgaben in Scheffel vermerkt (gezahlt worden war mit Reichstalern, Mariengroschen und Pfennigen) und die Fläche mit lippischen Quadrat-Ruthen berechnet, die man zur besseren Übersicht in Fuder, Scheffel und Metzen umrechnete.
      Die Arbeit Merckels ist mit den heute mehr als 200 Jahre alten Informationen aus dem Hoheitsgebiet der damaligen Stadt Lemgo eine Fundgrube für stadt-, landes- oder familiengeschichtliche Arbeiten. -  Der Förderkreis unterstützt die Ausstellung mit einigen Leihgaben.

     Quelle: Stadtarchiv Lemgo, Text : Verein "Alt Lemgo". Die Charte (ISBN 978-3-926 311-48-1) und das Messbuch (ISBN 978-3-926
311-46-7) kann auf zwei CD's  zu 9,--€ bzw. 18,--€ erworben werden. - 09.03.08

 

 

235.   Mitgliederversammlung 2008

     Am 18. 2. 2008 fand in Dortmund in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte die Mitgliederversammlung 2008 des Förderkreises unter Leitung des Präsidenten statt - im Anschluß an das 10. Symposium für Vermessungsgeschichte (siehe Mitt. Nr. 233). Im Mittelpunkt stand der Jahresbericht des Ersten Vorsitzenden Norbert Kalischewski, assistiert von Powerpoint-Darstellungen des Museumsbeauftragten Ingo von Stillfried. Einleitend konnte er über eine weiter steigende Besuchszahl auf dieser Homepage berichten (vergl. Mitt. Nr. 227). Höhepunkte waren im vergangenen Jahr die Verleihung des Eratosthenes-Preises an Dipl.-Ing. Mario Bauch aus Sachsen (Mitt. Nr. 208) und eine Reihe von Führungen durch die Schausammlung, daneben die erneute Mitwirkung an der Museumsnacht. Herr von Stillfried berichtete, der Förderkreis habe 2007 für 5 Ausstellungen Leihgaben zur Verfügung gestellt, u.a. auch für die Ausstellung „200 Jahre Landesvermessung in NRW“ am 21.09.2007 im Landesvermessungsamt in Bonn-Bad-Godesberg zu der der Präsident ein Grußwort gehalten hat. Das bekannte Museumshandbuch wird im Format DIN A4 und mit weitgehend farbigen Bildern neu aufgelegt. Der Textteil liegt nahezu vollständig vor. Im November 2007 habe es ein Redaktionstreffen der Herren Prof. Lucht, Prof. Torge, Spata, von Stillfried, Kalischewski, Lehmann zur Gestaltung und weiteren Vorgehensweise gegeben.

    Im Magazin im Westpark konnten neue Stellmöglichkeiten sowohl für die Bücher wie auch für die Instrumente geschaffen werden. Im Berichtsjahr ergaben sich für den Bibliotheksbestand neben kleineren auch größere Buchspenden. Erwähnenswert ist die Sammlung von Fachzeitschriften und Büchern des ehemaligen ÖbVI W. Buschmann (Barnstorf), die den Bestand gut ergänzen und eine umfangreiche Sammlung unseres Mitglieds Dr. Rudolf Schmidt. Die Sichtung und Katalogisierung nehmen noch eine geraume Zeit in Anspruch. Die Aktivitäten in der Studiensammlung liegen derzeit beim Aufbau eines datenverarbeitungsgestützten Inventarverzeichnisses durch die Herren Gombel und Glowka mit fotografischer Unterstützung durch Herrn Uebbing. Herr von Stillfried stellte die Neuzugänge anhand von Fotos vor. Sie wurden zumeist gespendet, in 3 Fällen auch bei ebay ersteigert. Spender waren die Städte Rheine und Dortmund, das Landesvermessungsamt in Erfurt, die DB AG, die Firma Heitkamp sowie vier Privatpersonen.

    Herr Gocke erläutert den Kassenbericht für das Jahr 2007 sowie die Haushaltsansätze für das Jahr 2008.

    In den turnusmäßigen Wahlen zum Kuratorium sind Prof. Torge, die Herren Meyer-Dietrich sen., Rürup sowie Spata wiedergewählt und Prof. Bertold Witte aus Aachen neu gewählt worden. Unser langjähriges und mit der Ehrenmedaille ausgezeichnetes Ehrenmitglied  Helmut Minow (siehe auch Mitt. Nr. 187, 138)  wurde zum korrespondierenden Mitglied des Kuratoriums gewählt. Im Vorstand wurden Prof. Lucht, Herr Prof. Weiß, die Herren Pfeifer, Lagoda wiedergewählt und die Herren Rudolf Uebbing und Ulf Meyer-Dietrich neu gewählt. - Die nächste Mitgliederversammlung findet am 16. Februar 2009 statt. - 01.03.08

 

 

234.  Eine Höhenmarke am Rheinufer

    Einen bemerkenswerten Stein fand Herr M. Mosch bei Duisburg Binsheim am linken Rheinufer - einen Stein mit einem Höhenbolzen, der Inschrift LXII und unter einer einer horizontalen Linie "über AP" sowie mehren Km-Angaben. Er wandte sich an den Förderkreis, um Näheres über die Bedeutung zu erfahren.

   Manfred Spata konnte helfen:  Es handelt sich um eine heutzutage sehr seltene, gut erhaltene Höhenmarke eines Rheinstrom-Nivellements aus dem 19. Jahrhundert. Ausführende Vermessungsstelle war vermutlich die preußische Rheinstrom-Verwaltung.  Als Entstehungszeit ist ein Datum deutlich vor 1891 anzusetzen, weil in diesem Jahr die Niederlande die Kennzeichnung ihres Höhenbezugssystems von früher „AP“ (= Amsterdams Peil) auf das bis heute gültige „NAP“ (= Normaal Amsterdams Peil) wechselte. Somit ist „AP“ auf dem Stein die Kennzeichnung des Höhensystems des Rheinstrom-Nivellements. Die römische Ziffer „LXII“ (= 62) ist als eine Art Stationsnummerierung zu deuten. Die horizontale Linie zwischen Stationsnummer und Höhenbolzen ist als Trennstrich zu sehen, nicht etwa als Höhenmarke. Die metergenauen Kilometerangaben entstammen der seinerzeit parallel zum geometrischen Nivellement ausgeführten Rheinstrom-Polygonierung und als deren Ergebnis der Rheinstrom–Kilometrierung. Angegeben sind die wohl damals üblichen Angaben zu den preußischen Landesgrenzen nach Hessen zwischen Bingen und Bingerbrück bzw. nach Holland zwischen Kleve-Bimmen und Millingen/Rijn sowie den bis heute für die Schiffbarkeit des Rheins maßgeblichen Orte Rotterdam und Basel.     

    Diese Höhenmarke der preußischen Rheinstrom-Nivellements ist ein schönes Beispiel dafür, mit welchem Selbstbewußtsein und Stolz die preußische Verwaltung ihre Arbeiten dokumentierte und dauerhaft vermarkte; sie waren sich sicher, daß ihre Vermessungsergebnisse nicht nur für den Tag von Bedeutung waren, sondern sie glaubten, daß sie auch über Jahrzehnte noch aussagekräftig und brauchbar sein würden. - Ein Dank auch dem interessierten Entdecker. - 25.02.08

 

 

233.  Kurzbericht 10. Symposium für Vermessungsgeschichte am 18. Februar 2008 - 250 Jahre Reichsfreiherr vom Stein

    In der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund ist Leben und Wirken des großen preußischen Reformers Reichsfreiherr vom Stein (1757 - 1831) in fünf hochinteressanten Vorträgen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet worden. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 220. - Zunächst schilderte der Historiker Dr. Michael Hundt aus Lübeck den Freiherrn vom Stein als manchmal schroffe und hochfahrende Persönlichkeit, die gleichwohl ebenso ein fürsorglicher Patriarch seiner Familie war. Er war ein hervorragender Organisator, verachtete überbordende Bürokratie, mochte jedoch die von ihm so empfundenen moralischen Schwächen z.B. eines Hardenberg nicht tolerieren. - Dr. Klaus Eichholz aus Bochum, von Hause aus Markscheider, widmete sich der Zeit vom Steins als Beamter der preußischen Bergbau- , Hütten-  und Salinenverwaltung, zeigte dessen Wirken 1780 - 92 auf und beschrieb u. a. die seinerzeitigen  Revierkarten von Niemeyer und Honigmann. - Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß aus Bonn würdigte vom Stein als Agrarreformer in einer Zeit, da 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeitete. Die Stein-Hardenbergischen Reformen bezogen sich alleine auf das Stammland Preußen jenseits der Elbe. Die Bauerbefreiung begann zuerst in Ostpreußen - zog es doch die Leibeigenen dort in Richtung Warschau, wo freiheitliche Entwicklungen schon weiter fortgeschritten waren. - Dr. Peter Burg, Professor für Neuere Geschichte der Universität Münster, stellte vom Stein als Verwaltungsreformer vor, seine Einstellungen gegen die Machtarroganz der Bürokratie, für eine rationale Verwaltungsgliederung und den effizienten Einbau der gesellschaftlichen Elite. Vom Stein ist letztlich Vater der kommunalen Selbstverwaltung - Städteordnung 1808. - Vermessungsdirektor Manfred Spata aus Bonn, Eratosthenes-Preisträger 2003, legte besonderes Gewicht auf vom Stein als kompetentem Großgrundbesitzer und schilderte ausführlich die von ihm beeinflußten Entwicklungen zur Landes- und insbesondere Katasteraufnahme. Seine Darstellungen mündeten schließlich in den Katasterstreit von 1827 zwischen dem Oberpräsidenten Vincke und vom Stein, in dem vom Stein geradezu grob beleidigende Schriftstücke verfaßte, um seinen Standpunkt zu vertreten - so schloß sich der Kreis zum Leben und Wirken der kantigen Persönlichkeit des Reichsfreiherrn vom Stein, der 1831 auf Schloß Cappenberg starb.

        Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge aus Hannover, Vorsitzender des Kuratoriums des Förderkreises, hatte die Vortragenden vorgestellt und moderierte gekonnt die Diskussionen. Zu Beginn der Veranstaltung hatte der Hausherr, Museumsdirektor Wolfgang E. Weick in seinem Grußwort den Förderkreis und seine Sammlung anerkennend als Teil des Hauses gewürdigt und die besondere Geschichte des Museums beleuchtet. Präsident Prof. Dr.- Ing. Harald Lucht aus Bremen konnte am Ende der Veranstaltung feststellen, daß eine außerordentlich interessierte Besucherschar den Reichsfreiherrn vom Stein aus ganz unterschiedlichen Perspektiven umfassend kennenlernen durfte. Er dankte allen Akteuren und hob besonders die Verdienste von Dr. Kurt Kröger und Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß hervor, die für die Vorbereitung und Organisation dieses 10. Symposiums für Vermessungsgeschichte verantwortlich zeichneten. Der Förderkreis wird alle Vorträge in einem Symposiumsband veröffentlichen, der voraussichtlich Mitte des Jahres erscheint. - Abschließend konnte Harald Lucht mitteilen, die Idee für das 11. Symposium in 3 Jahren sei schon geboren, eine Hommage für Gerhard Mercator, den großen Mathematiker, Geographen, Kartographen aus Anlaß seines dann bevorstehenden 500. Geburtstages. - Eine ausführliche Besprechung (verfaßt von Dr. Peter Köhler, Weimar) des von Kurt Kröger für den Förderkreis herausgegebenen Symposiumsbandes, ist erschienen in Heft 10/2009 der AVN, S. 366-367 - 19.02.2008/01.11.2009

 

232.   2008 ist das Jahr der Mathematik. In zahlreichen Veranstaltungen wird in diesem Jahr Freude an der Mathematik zelebriert. In Paderborn zeigt das HNF, das Heinz Nixdorf MuseumsForum eine Sonderausstellung unter dem Titel "Zahlen, bitte - die wunderbare Welt von null bis unendlich". Unter den Ausstellungsbereichen finden wir u. a. 10 bedeutende "Zahlenmeister", darunter Carl Friedrich Gauß (mit  "unserem" 10-DM-Schein), Archimedes und  Pythagoras. Ein ganzer Ausstellungsbereich ist der Vermessung der Welt gewidmet - seit Ptolemäus und bis zur modernen Navigation. Die Ausstellung ist geöffnet bis zum 18. Mai 2008, siehe auch www.hnf.de

In Bremen wurde das Jahr der Mathematik am 9. Februar 2008 eröffnet mit einer "Auftaktrevue" in der Kulturkirche St. Stephani - vor über 900 Gästen moderierten Peter Lüchinger von der Shakespeare-Company und Professor Dr. Heinz-Otto Peitgen ein Programm mit viel praktischer und spaßiger Mathematik - ein guter Auftakt des Jahres 2008, in dem Prof. Peitgen bei der INTERGEO 2008 in Bremen den Festvortrag halten wird. - 16.02.2008

 

230.   Der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur und das Deutsche Vermessungswesen bis 1945 – eine Dissertation von André Brall, DGK Reihe E Nr. 28 - München 2007.

      Historischer Kern der Arbeit sind die Auseinandersetzungen im deutschen Vermessungswesen zur Zeit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ab 1932/33 und in den Jahren bis 1945. André Brall, Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur in Berlin, gibt zunächst einen kompakt-umfassenden Überblick über das Nationalsozialistische Herrschaftssystem ab 1933. Nach einem kurzen Rückblick auf die politischen Entwicklungen im Vermessungswesen seit 1815 schildert er ausführlich die Entwicklungslinien in den deutschen Ländern ab 1933, eingeleitet mit dem Blick auf das Wirken des Reichsbeirats und den Einfluß des Reichssparkommissars.

   Die Auseinandersetzungen zwischen dem sog. Reichsstand des Vermessungswesens und dem DVW wird beleuchtet, die Arbeit des Reichsministeriums des Innern (RMdI) für das Vermessungswesen wird ausführlich beschrieben. Das Gesetz über die Neuordnung des Vermessungswesens 1934 war einerseits Teil der von den Nationalsozialisten gewollten Reichsreform, lag andererseits im Bestreben der Fachwelt (verl. unsere Mitt. Nr. 41). „Die Leistungen Albert Pfitzers zur Überwindung der Mißstände im Vermessungswesen sind überragend“, schreibt der Autor und würdigt damit das Wirken dieses leitenden Vermessungsbeamten, zunächst in der Nachfolge von Friedrich Suckow im Preußischen Finanzministerium (vergl. unsere Mitt. Nr. 223) und danach im RMdI 1935 bis 1943. Die schwierigen Fragen der Parteimitgliedschaft in der NSDAP werden mit teilweise ganz neuen Erkenntnissen aufgehellt.

   Berufsstand und Selbstverwaltung des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs, gründend auf dem Neuordnungsgesetz von 1934 und auf der Berufsordnung von 1938, werden kommentiert. Aufgrund von über 800 Originalakten ist die Zulassungspraxis vor 1945 sind in einem mathematischen Logit-Modell ausgewertet worden. Es zeigt sich,  die persönliche Integration in den nationalsozialistischen Staat war u.a. für ein für die Zulassung wesentliches Kriterium.

   Der Autor hat eine Vielzahl von Primärquellen (Bestände des Bundesarchivs, geheimes Staatsarchiv Stiftung Preußischer Kulturbesitz) im Hinblick auf das Vermessungswesen erstmals erschlossen. Damit geht diese Arbeit deutlich über die Darstellungen hinaus, die bisher auf Veröffentlichungen aus zeitgenössischen Erinnerungen ruhen. Zusätzlich wird die allgemein zugängliche Literatur umfassend eingebunden. Vergl. ergänzend auch unsere Mitt. Nr. 127. - 31.01.2008

 

228.   Gegenwart und Vergangenheit, Zeit und Erinnerung.

Allerlei Kurzweiliges und Nachdenkliches enthält das spannende neue Buch von Rudolf Taschner (54), so z.B. zu Ptolemäus und dessen Epizyklen, über die Faszination von Primzahlen, über ungewöhnliche Wahrscheinlichkeiten und zum Wesen der Zeit. Mit Aurelius Augustinus (354 - 430) mag man erkennen: Wir erleben den Lauf der Zeit in der uns bewussten Gegenwart. Die Gegenwart ist darin wie eine Bühne, auf der alles auftritt, dessen wir uns vergegenwärtigen: So auch Vergangenes - als bewusste Erinnerung. Ein schöner Gedankensplitter des „fröhlichen Mathematikers“ Rudolf Taschner -  und hier gedeutet vor dem Hintergrund unserer rückblickenden Veröffentlichungen zur "aktuellen Vermessungsgeschichte".  

Quellen: Rudolf Taschner: Zahl Zeit Zufall. Alles Erfindung? Ecowin Verlag GmbH, Salzburg 2007, 187 Seiten; Aurelius Augustinus (Wikipedia), "Der fröhliche Mathematiker", Erna Lackner über Rudolf Taschner, FAZ vom 15.01.08 S. 38 - 18. 01. 08

 

227.   Wachsendes Interesse. Unsere Homepage hatte im Jahr 2007  11.700  Besucher (Vorjahr 9.600), mit insgesamt 17.400 (Vorjahr 14.960) Besuchen auf unseren Seiten.  Ziele waren zu rd. 50% die Seite Vermessungsgeschichte (oft wohl als Einstieg), zu rd. 25% die Seite Aktuelles und zu je rd. 5-10% die Seiten Sammlung, Bibliothek, Instrumente und zum Eratosthenes-Preis. Unsere Besucher kommen nach einer anonymisierten Auswertung unseres Servers aus ganz Deutschland (mit Schwerpunkten in u.a. NRW, Bremen/Bremerhaven/Oldenburg, Sachsen, Thüringen). - 12.01.08

 

225.   Die preußische Dreieckskette vom Rhein über Schlesien nach Memel 1817 - 1834.

Zum Jahresabschluss blicken wir auf eine europaweite Arbeit von vor nahezu 200 Jahren. Dr. Rudolf Schmidt (ehemals Landesvermessungsamt NRW) hat in einer neuen Veröffentlichung die nur fragmentarisch vorhandenen Kenntnisse über eine wenig bekannte Triangulation von Schlesien bis nach Ostpreußen aus den Jahren 1827 bis 1834 zusammengetragen und gemeinsam mit deren (zeitlich vorher entstandenen) Müfflingschen Dreiecksketten vom Rheinland bis nach Schlesien (in den Raum Breslau und bis zum Riesengebirge) veröffentlicht (DGK- Reihe E Nr. 29, München 2007). Originalunterlagen jener Beobachtungen waren nicht mehr vorhanden, auch keine zeitnahen Veröffentlichungen. Wesentliche Grundlage der Rekonstruktion jener alten Triangulation waren Aufzeichnungen vom früheren Direktor des Instituts für Angewandte Geodäsie Erwin Gigas. Rudolf Schmidt beschreibt die detektivische Kleinarbeit, die notwendig war, um das Wissen über diese Triangulation aufzuhellen. Diese Dreieckskette Schlesien-Ostpreußen wurde ein wesentlicher Baustein damaliger wissenschaftlicher europäischer Zusammenarbeit, erlaubte sie doch die von russischer wie von preußischer Seite erwünschte Verbindung mit russischen Arbeiten jener Zeit. In dem jüngst erschienen Buch von Wolfgang Torge (2007) ist eine besonders aussagekräftige kartographische Darstellung zu diesen Triangulationen abgebildet (dort S. 148), die auf der Grundlage der Arbeiten von Schmidt neu gezeichnet worden ist.  

Den vermessungshistorischen Hintergrund entnehmen wir ebenfalls dem neuen Buch von Wolfgang Torge, S. 155: "In Westrussland einschließlich Polen wird zu dieser Zeit unter General Karl Ivanovic von Tenner (1783-1839) eine militärische Landesaufnahme durchgeführt (1816 - 1837), die eine von Friedrich Georg Wilhelm Struve (1793 - 1864), Direktor der Sternwarte in Dorpat und später (ab 1834) in Pulkuvo, veranlasste Breitengradmessung im Baltikum einschließt (Truck 1903). Bis 1855 werden diese Dreiecksketten dann zu einem von Hammerfest bis zur Donaumündung reichenden Meridianbogen erweitert - der "Struve-Bogen" wird übrigens 2005 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen." (Der "Struve-Bogen" schließt jedoch nicht die Ostpreußische Gradmessung ein, er verläuft weiter östlich).

 Besonders Friedrich Wilhelm Bessel (1784-1846) ist an dem angestrebten Zusammenschluss der mitteleuropäischen Triangulationen mit den russischen Arbeiten interessiert. Seine viel gerühmte Ostpreußischen Gradmessung (1832 - 1834) wurde wesentliches Verbindungsglied und hat als abschließend beobachtete Triangulation der Dreiecksketten durch verbesserte Beobachtungsmethoden und -Instrumente eine hohe Qualität.   (Vergl. zu dieser Mitt. auch unsere Mitt. Nr. 222 (zu Torge) und zu Bessel 157, 25). - 

Wir können darüber hinaus dankbar mitteilen, Dr. Rudolf Schmidt hat uns  seine umfangreiche Privat-Bibliothek mit wertvollen vermessungshistorischem Schrifttum übergeben, die unser Bibliothekar Dr. Hartwig Junius als Sammlung Schmidt in die Bibliothek des Förderkreises eingliedert.

Quellen. Rudolf Schmidt: Die preußische Dreieckskette vom Rhein über Schlesien nach Memel 1817 - 1834, Reihe E der Veröffentlichungen der Deutschen Geodätischen Kommission, Heft Nr. 29, 43 Seiten, 1 Kartenbeilage, München 2007, ISBN 3 7696 9672 7, Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, 379 Seiten, 296 Abbildungen, gebunden, Walter de Gruyter, Berlin, New York, 2007, 118,00 € - ISBN 978-3-11-019056-4, S. Truck: Gradmessungen in Russland, ZfV 1903 S. 193-204. - 31.12.07

 

224.   Lexikon der Vermessungskunde 1943

„Das Vermessungswesen ist in hohem Maße geschichtsbedingt. Seine Werke sind geschichtliche Dokumente….“ schrieb A. Pfitzer – Nachfolger des legendären Friedrich Suckow (siehe Mitt. Nr. 223) – im Geleitwort dieses in bittersten Kriegszeiten herausgegebenen Werkes von 504 Seiten mit Bildtafeln I bis XVIII. Ein noch heute reizvolles Buch, ein umfassendes Nachschlagewerk mit prägnanten Erläuterungen für das gesamte damalige Vermessungswesen – die Vermessungskunde, die Photogrammetrie und die Markscheidekunde und mit  Kurzbiographien von ausgewählten Personen, die für das Vermessungswesen Bedeutung haben – die Kenntnisse über unsere Fachrichtung vor 70 Jahren.

Der Hamburger Kollege Heinrich Schmidt überreichte dieses Werk dem Präsidenten des Förderkreises. Und er erzählte die besondere Geschichte dieses Geschenks: Er besuchte 1946 bis 1948 die Bauschule der Hansestadt Hamburg. Durch die damaligen schwierigen Nachkriegsverhältnisse und die Teilung Deutschlands in vier Besatzungszonen war es nicht möglich, das Lexikon zu kaufen –  und auch nicht, es sich vom Verlag als ganzes gebundenes Buch schicken zu lassen; ein umfängliches Buch durfte nicht per Post versandt werden. Der Verlag Herbert Wichmann (damals in Berlin-Grunewald) schickte also das Werk in mehreren einzelnen Sendungen mit dem jeweils postalisch zugelassenen Gewicht in Form von gefalteten Druckbogen. Mit der letzten Sendung kam der Pappumschlag. Das Buchbinden geschah dann in Heimarbeit – und das Werk ist bis heute bestens erhalten. Der Förderkreis dankt Herrn Schmidt für dieses Buch mit seiner besonderen Geschichte. - 20.12.07 

 

223.   Wir erinnern an den vor 70 Jahren verstorbenen Geheimen Finanzrat Friedrich Suckow.

  In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war vieles Mangelware, so auch Fachliteratur. Ein Werk von Suckow/Ellerhorst noch aus dem Jahr 1932 diente vielfach als Grundlage bei der Ausbildung in den Katasterverwaltungen, war es doch eine letzte umfassende Organisations-Zusammenstellung. Wer waren die Autoren, wie kam es zu diesem Werk?

  Friedrich Suckow (geb. am 10.8.1870 in Breslau, gestorben am 8.12.1937) studierte an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Berlin, Landmesserexamen 1891 und trat ein in den preußischen Katasterdienst in Potsdam. Es folgte für 10 Jahre die Leitung des Katasteramts in Husum ab 1895. Weitere  Stationen waren die Neumessungsabteilung in Minden, Dezernent in den Regierungspräsidien in Koblenz 1911-1913 und Frankfurt a. O. 1913-1917    er erwarb so einen reichen Erfahrungsschatz in allen Katasterfragen, verbunden mit großen persönlichen Ortsveränderungen in dieser auch an fachlichen Veränderungen reichen Zeit - man denke u. a. an die Wirkungen des weittragenden Reichsgerichtsurteils von 1910 zur Teilnahme des Katasters am öffentlichen Glauben des Grundbuchs und zur Grenzanerkennung. Suckow war und blieb stets ein Verfechter der darauf aufbauenden klassischen preußischen Katasterverwaltung. Ab 1918 als Geheimer Finanzrat hat Suckow im Preußischen Finanzministerium über 15 Jahre „seine ganze Kraft für die Förderung der preußischen Katasterverwaltung und zugleich auch aller Zweige des Vermessungswesens erfolgreich eingesetzt“ schreibt Eggert in seinem Nachruf.  1933 tritt er von seinem Amt im Finanzministerium zurück, offiziell wegen seines Hörleidens. Tatsächlich mochte er offenbar auch nicht mit den neuen Machthabern  zusammenarbeiten. -

Seit 1923 hielt Friedrich Suckow Vorlesungen u. a. über die Geschichte des Vermessungswesens an der Landwirtschaftlichen und ab 1927 Technischen Hochschule Berlin. An der Verlegung des Geodäsie-Studiums von der Landwirtschaftlichen an die Technische Hochschule war er maßgeblich beteiligt und schuf damit wesentliche Grundlagen für die erweiterte akademische Ausbildung. Für seine Verdienste erhielt er 1927 die Würde eines Dr.-Ing. E. h. der TH Hannover. In Berlin wurde er 1932 zum Honorarprofessor ernannt. Suckow wirkte im Beirat für das Vermessungswesen seit dessen Gründung 1922 und auch noch bis zur Auflösung 1935, vor allem als Obmann im Ausschuss V für Organisations- und Ausbildungsfragen. Aus dieser Arbeit entstand dann auch das eingangs genannte Werk, erarbeitet mit Unterstützung des Hilfsreferenten Johannes Ellerhorst.

  Diese Schrift „Überblick über das deutsche Vermessungswesen“ aus dem Jahre 1932 gliedert sich in die beiden Hauptabschnitte I. Organisation und Arbeitskreis und II. Kartenwesen. Sie enthält reichhaltige Angaben zum Vermessungswesen Ende der 20-iger Jahre in Deutschland. Hintergrund war der „wiederholt geäußerte Wunsch des Reichssparkommissars“ und dessen Auftrag von 1928 an den Beirat, ihm einen Überblick über das deutsche Vermessungswesen zu verschaffen. Daran haben Reichs-, Länder- und Kommunalvertreter im Beirat mitgewirkt – im Ergebnis „Quelle der Belehrung und Anregung“ bei allen „Fragen über Reformen in der Organisation des Vermessungswesens zu beschäftigen hat“, schrieb der Rezensent 1933 (wohl durchaus ironisch). – Über die Folgen und insbesondere die resultierenden Vorschläge des Reichssparkommissars hat Prof. Dr.-Ing. Fritz Hunger zusammenfassend in seiner Geschichte des DVW referiert (dort S. 110ff).  

Alles das liegt zwar weit über 70 Jahre zurück und atmet dennoch eine seltsame Aktualität. Unsere Fachrichtung hat für Außenstehende (und dazu gehört beständig auch „die Politik“) immer wieder den Anschein großer Einfachheit, die geradezu nach grundlegenden Reformen und Vereinfachungen zu rufen scheint. Ihre tatsächliche Wertigkeit und komplexe fachliche Verzahnung wird selten gesehen – und sie ist aus der Fachwelt schwerlich nach außen zu vermitteln. –

  Prof. Dr.-Ing. E. h. Friedrich Suckow starb im Dezember 1937, vor 70 Jahren. Der Mitautor Johannes Ellerhorst war als Hilfsreferent u. a. 1931 bis 1938 Dezernent an den Regierungspräsidien Stettin und Osnabrück und später, nach dem Zweiten Weltkrieg,  in Lüneburg in der niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung. Dort ist er 1956 im Alter von 69 Jahren verstorben. Der Autor dieser Zeilen hat ihn noch als verständnisvollen Prüfungsvorsitzenden erlebt. – 15. 12. 07

  Quellen in Auswahl: Dr. Borgstätte: Bespr. zu Ueberblick über das deutsche Vermessungswesen, Verlag von Reiß GmbH Liebenwerda 1932; Eggert: Friedrich Suckow †, ZfV 1938 S. 98-100; Fritz Hunger: Geschichte des DVW, Sonderheft 1985 der ZfV, herausgegeben von Herbert H. Ahrens; Nause: Oberregierungs- und Vermessungsrat a. D. Ellerhorst †, ZfV 1956 S. 184 - 14. 12. 07

 

 

222.  Geschichte der Geodäsie in Deutschland – ein neues Standardwerk

    Professor Dr.-Ing. Wolfgang Torge, Professor für Mathematische uns Physikalische Geodäsie der Universität Hannover, Vorsitzender unseres Kuratoriums, hat ein neues Standardwerk vorgelegt. Die Geschichte der Geodäsie wird vom Altertum über das Mittelalter und die frühe Neuzeit geschildert und schließlich auf Deutschland fokussiert. Erste Grundlagen für eine moderne Geodäsie sind mit den Namen Copernicus, Kepler und Galilei verknüpft, mit dem Übergang vom geozentrischen ptolemäischen auf das heliozentrische Weltbild. Wolfgang Torge ordnet auch diese Entwicklung ein in die jeweiligen Zeitströmungen. Er beschreibt daran anknüpfend die Auswirkungen der neuen Techniken der Triangulation und der Messtischverfahren für die Erd- und Landesvermessung.

     Arbeiten und Wirken von u. a. Vater Samuel Graf von Schmettau und Sohn Friedrich Wilhelm Karl (letzterer erarbeitete 1763 bis 1787 die „Schmettausche Kabinettskarte des Preußischen Staates östlich der Weser“), von Bohnenberger, F. Chr. Müller mit seinen trigonometrischen und kartographischen Arbeiten für die Grafschaft Mark 1775 bis 1791 werden ebenso beleuchtet, wie die Triangulation von Lecoq 1796 bis 1805, die Aufnahme der Rheinlande durch Tranchot 1801 bis 1814 und dessen Karten, ebenso das Wirken von Soldner, Benzenberg, Gauß, von Müffling, Bessel, von Zach und vielen anderen.

     Der Schwerpunkt dieses Buches liegt in der Darstellung der Entwicklung der „höheren“ Geodäsie, wie sie seit Anfang des 19. Jahrhunderts gegenüber der „niederen“ Geodäsie unterschieden wird. Unter  „Katastereinrichtung“ finden wir zahlreich und gründlich recherchierte Entwicklungen in Baden, Bayern, Braunschweig, Bremen, Frankfurt a. M., Frankreich, Hamburg, Hannover, Hessen-Darmstadt, Kurhessen, Mecklenburg, Nassau, Oldenburg, Preußen, Sachsen, Thüringen, Württemberg. Andererseits konnten angesichts jenes generellen Schwerpunkts erweiterte geodätische Fachgebiete wie z.B. das vielgestaltige kommunale Vermessungswesen oder die Entwicklungen in der Bodenordnung nicht Inhalt dieses Buches werden. Ausführlich einbezogen werden jedoch z. B. Ausbildungsfragen, die Entwicklungen zum Vermessungsingenieur.

     Die breite Darstellung endet mit dem Jahr 1945. In einem kurzen abschließenden Kapitel gibt der Autor einen kursorischen Überblick zu den radikalen Veränderungen des Vermessungswesens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Elektronik und künstliche Erdsatelliten stehen für neue Techniken. Die unterschiedlichen Entwicklungen in der früheren DDR und in der früheren Bundesrepublik bedeuteten unterschiedliche Wege.  ETRRS 89, DHHN92, GPS und SAPOS, moderne Großverfahren zur Digitalisierung, ALKIS für ein (wieder) einheitliches Liegenschaftskataster: die technologische Entwicklung hat in den vergangenen 50 Jahren „einen radikalen Umbruch in den klassischen Ansätzen der Geodäsie und des Vermessungswesens bewirkt“.

     Das Buch hat ein sorgsam gegliedertes und umfassendes Namen- und Sachverzeichnis, darin sind besonders auch die Hinweise auf die landesspezifischen Entwicklungen zu finden, z.B. für die Katastereinrichtung, die Landesvermessung, das Nivellement, die Triangulation und Topographische Karten. Das Literaturverzeichnis umfaßt rd. 600 Titel. 296 im Text eingefügte Abbildungen, vielfach in Farbe, sind jeweils in das Textbild integriert. Besonders hervorzuheben ist, wie es Wolfgang Torge gelungen ist, eine große Zahl historischer Persönlichkeiten nicht nur mit ihren wichtigsten Lebensdaten und ihrem Wirken zu schildern sondern eine ganze Reihe (über 75) auch im Bild-Porträt zu zeigen, nicht wenige davon nach Gemälden in Farbe reproduziert. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 210.

   Eine ausführliche Besprechung siehe in ZfV 6/2007 S. 405 - 406.

Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, 379 Seiten, 296 Abbildungen, gebunden, Walter de Gruyter, Berlin, New York, 2007, 118,00 € - ISBN 978-3-11-019056-4. - 08.12.07

 

 

221. Von der Landschaftsskizze zur elektronischen Landauskunft - auf 1000 Seiten

-  ein umfangreiches Werk, das unser Mitglied Hans-Jürgen Schreier dem Förderkreis kürzlich überreicht hat. Es ist das Ergebnis von mehreren Jahren intensiver Literatur-Recherche, insbesondere auch in unserer reichhaltigen Bibliothek.

     In der Einführung entwickelt und begründet der Autor, die Karte biete bei räumlichen Sachverhalten größere Erkenntnismöglichkeiten als eine reine sprachliche Darstellung. Er nimmt Definitionen von Imhoff, Hake, Grünreich auf und zitiert wissenschaftliche Bewertungen zu den Kriterien, die eine Karte auszeichnen u.a. von Lagrange 1770, Eckert 1931, Imhoff 1950. Er  referiert die Literatur zum Verhältnis von Karte und Plan. Ein ausführlicher chronologischer Überblick zur Kartenentwicklung schließt sich an über den weiten Bogen von Orientierungssystemen antiker Kulturen bis hin zu den amtlichen Karten im 20. Jahrhundert.

     Die Karten aus diesen Zeiträumen von der antiken Welt über das Mittelalter, die frühe Neuzeit – Karten mit verschiedenen Entwicklungsstufen und ihr Einbetten in die jeweils herrschenden Zeitströmungen – werden wertend dargestellt, bis hin zu Betrachtungen von Karten aus der Napoleonischen Zeit, Karten aus militärischem Interesse und schließlich die Auswirkungen der Technischen Möglichkeiten auf die Kartographie. Das Gesamtwerk umfaßt einen Textband von 529 Seiten und einen Anlagenband mit 254 Abbildungen auf ebenfalls ca. 500 Seiten. Das Literaturverzeichnis nennt ca. 600 herangezogene Arbeiten, ein außerordentlich reich gefasstes Namensverzeichnis schließt die Arbeit ab.  

    Der Förderkreis beglückwünscht Hans-Jürgen Schreier sehr zu dieser verdienstvollen Ausarbeitung und hat dieses Werk gerne und mit Dank in seine Bibliothek aufgenommen. - 03. 12. 2007

 

 

220.   Einladung zum 10.  Dortmunder Symposium zur Vermessungsgeschichte am 18. Februar 2008.

 

Reichsfreiherr vom und zum Stein -  zum 250. Geburtstag eines preußischen Reformers.  

 

     Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein wurde am 25. Oktober 1757  in Nassau geboren. Vielfältige räumliche und fachliche Bezüge zeigen sich u. a. aus seinem Wirken als preußischer Direktor der westfälischen Bergämter und der Mindener Bergwerkskommission (seit 1784), als preußischer Präsident der Klevischen und später der Märkischen Kriegs- und Domänenkammer (seit 1787 und 1793) sowie insbesondere als Preußischer Minister (seit 1804). - Nach dem Wiener Kongreß 1815 zog sich vom Stein auf sein zwischenzeitlich erworbenes Schloss Cappenberg bei Dortmund zurück und widmete sich der Geschichtsforschung. Dort starb er am 29. Juni 1831. Im Vermessungstechnischen Museum erinnert ein erinnert ein in einer großer Spendenaktion erworbener Dollond-Theodolit an vom Stein (vergl. Spata/Gombel im Vermessungsingenieur 2005 S. 432-436).
    Leben und Wirken des großen preußischen Reformers wird im Symposium am 18. Februar 2008, Beginn 10:00 Uhr, in fünf Vorträgen beleuchtet:

Dr. Michael Hundt, Lübeck: Freiherr vom Stein – Wirken und Wirkung (Biographisches),
Dr. Klaus Eichholz, Bochum: Freiherr vom Stein - als Beamter der preußischen Bergbau- , Hütten-  und Salinenverwaltung (in der Grafschaft Mark),
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß, Bonn: Freiherr vom Stein - als Agrarreformer (insbesondere die Bauernbefreiung),
Univ.-Prof. Dr. Peter Burg, Münster: Freiherr vom Stein - als preußischer Verwaltungsreformer (insbesondere der kommunalen Selbstverwaltung),
Vermessungsdirektor Manfred Spata, Landesvermessungsamt NRW in Bonn: Freiherr vom Stein - in der preußischen Landesaufnahme (insbesondere der rheinisch-westfälischen Gebiete).
   

     Die Vorbereitungen des 10. Symposiums liegen in den bewährten Händen von Dr. Kurt Kröger, Dortmund und von Prof. Dr. Erich Weiß, Bonn.Gehen Sie mit uns auf Spurensuche des großen Reformers. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund freut sich auf Ihren Besuch.

     Die Teilnehmergebühren  betragen 20 €  (auf 8 € ermäßigt für Studenten, Referendare, Anwärter), eingeschlossen der Symposiumsband. Anmeldungen an die Postanschrift im Kopf dieser Seite oder per Mail an unsere Geschäftsführung, Herrn Dipl.-Ing. Klaus-D. Lehmann, Klaus-Detlef.Lehmann@stadtdo.de.- Sie können sich auch anmelden durch Überweisung der Teilnahmegebühr auf unser Konto 1103 660 bei der Sparkasse Dortmund (BLZ 440 501 99), bitte mit dem Stichwort "Symposium 2008" - 28.11.2007

 

 

219.   40 Jahre VDV-Landesverband Bremen/Unterweser.

     Der Landesverband Bremen/Unterweser feierte auf den Tag genau am 17. November 2007 im Gründungshotel in Bremerhaven sein 40-jähriges Bestehen. Der langjährige Vorsitzende Dipl.-Ing. Dieter Wölk begrüßte eine Reihe von Ehrengästen und besonders Dipl.-Ing. Harald Wittmann, Gründungsmitglied und Vorsitzender 1970 bis 1989 - er verlas eine Grußadresse des früheren VDV-Vorsitzenden  Dipl.-Ing. Wolfgang Beicken. Und er durfte mit Stolz auf die Arbeit in den vergangenen 40 Jahren zurückblicken. Frau Anngret Brandt-Wehner, Referentin beim Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa überbrachte die Glückwünsche des Bremer Senats; sie erinnerte an die Aufbruch-Situation zur Zeit der Gründung. Der Präsident des VDV, Dipl.-Ing. Wilfried Grunau, schilderte in seiner Gratulation ebenfalls die damaligen Rahmenbedingungen und insbesondere das Engagement seines früheren Amtsvorgängers, Dipl.-Ing. Wolfgang Beicken sowie den Einsatz der 15 Gründungsmitglieder aus Bremen und dem engeren Umland. Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht, Bremen, erinnerte an die fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Vorstand des VDV in seiner aktiven Dienstzeit, insbesondere mit dem Vorsitzenden Dipl.-Ing. Dieter Wölk und mit Dipl.-Ing. Heinz-Dieter Roesler. Die Hauptlast der Vermessungsarbeit wurde und werde von den Fachhochschul-Ingenieuren getragen, das zunehmende Zusammenstehen aller Vermessungsingenieure aus VDV und DVW sei heute für die "Vermessungsfamilie" überaus dringlich. Dipl.-Ing. Gerd Langner, Vorsitzender des VDV-Bildungswerkes, rundete den Reigen der Grußworte ab mit dem Zitat "Wer die Geschichte liebt, wird alt - wer die Zukunft liebt, bleibt jung".

     Unter den Ehrengästen sah man u.a. auch den Vizepräsident des VDV Dipl.-Ing. Klaus Meyer-Dietrich, den Geschäftsführer des VDV Dipl.-Ing. Burkhard Kreuter, den Redakteur des VDV-magazins Dipl.-Ing. Willibald Dores, den Vorsitzende der Bremer Landesgruppe des BDVI Dipl.-Ing. Ulrich Eckhardt, den Amtsleiter des Vermessungs- und Katasteramts Bremerhaven Dipl.-Ing. Ulrich Gellhaus und weitere Landesvorsitzende des VDV.

     In den Gesprächen am Rande wurden die wertvolle wissenschaftliche und Öffentlichkeitsarbeit des VDV-magazins, die publikumswirksamen Verleihungen des Goldenen Lots und allgemein das Engagement des VDV in schwierigen Zeiten besonders gewürdigt. Auch die kommende INTERGEO 2008 in Bremen war ebenso ein Thema, wie die für 2011 vorgesehene Mitgliederversammlung des VDV in Bremerhaven.  Mit der Ehrung von langjährigen Mitgliedern endete der offizielle Teil - 40 Jahre Vermessungsgeschichte eines außerordentlich rührigen VDV-Landesverbands. - 18. 11. 07 

 

 

218.   Daniel Kehlmann mit dem WELT-Literaturpreis ausgezeichnet. Der Bestseller-Autor erhielt am 9. November 2007 in Berlin den WELT-Literaturpreis für sein Buch "Die Vermessung der Welt" (Siehe unsere Mitt. Nr. 175 und 136). Sein Preisgeld in Höhe von 10.000 € spendet Daniel Kehlmann der Organisation "Ärzte ohne Grenzen". - 11.11.07

 

 

217. Wir erinnern an Prof. Dr.-Ing. Gerhard Lehmann – er wurde im Oktober vor 100 Jahren geboren.

     Gerhard Lehmann wurde am 25. 10. 1907 in Stettin/Pommern geboren. Er absolvierte die Landmesserprüfung in Berlin im Jahre 1929. In Hannover war er 1931 der erste Diplomingenieur  des Vermessungswesens im neuerrichteten Diplomstudiengang. Danach ging Lehmann in die preußische Katasterverwaltung, 1933 Prüfung als Katasterlandmesser. Er promovierte 1936 in Berlin und arbeitet von 1936 bis 1941 am Geodätischen Institut in Potsdam. Nach seiner Habilitation in Berlin wirkte er von 1942 bis 1945 als a. o. Professor an der TH Berlin. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war er bis 1948 Mitarbeiter der Hauptvermessungsabteilung VII Hannover und danach bis 1949 beim Niedersächsischen Ministerium des Inneren tätig.

    Dr. Gerhard Lehmann wurde dann erster Direktor des neugegründeten Instituts für Photogrammetrie und Ingenieurvermessungen an der damaligen TH Hannover. Durch den Entzug der Lufthoheit für Deutschland nach Ende des Zweiten Weltkriegs hatte er große Schwierigkeiten mit der Einführung der Photogrammetrie im deutschen Vermessungswesen. Bei vielen Geodäten war  darüber hinaus damals noch die Auffassung verbreitet, die Ergebnisse der Photogrammetrie wäre nicht genau genug. Trotzdem schaffte es Lehmann, die Photogrammetrie beim Landesvermessungsamt, bei der Landeskulturverwaltung und selbst bei der Stadt Hannover zu etablieren. Sein im Verlag de Gruyter in der Sammlung Göschen bereits 1959 herausgebrachter Band  „Photogrammetrie“ hat weit über die Lehre in Hannover hinausgewirkt. "Die Photogrammetrie ... ist in erster Linie ein geodätisches Meßmittel." schrieb Lehmann in der Einleitung zu seinem Lehrbuch. - Der Autor dieser Zeilen hat Professor Dr.-Ing. Gerhard Lehmann als souveränen und menschlich-vornehmen Lehrer in Erinnerung.  Gerhard Lehmann starb am 27. Juni 1986 in Hannover. Prof. Dr. Gottfried Konecny schrieb so sehr treffend in seinem Nachruf: „Sein stets gütiges Wirken und sein allseits gerechtes Urteil lassen sich nur durch seinen tiefen Glauben erklären.“

Quellen: G. Konecny: In memoriam Prof. Dr. Gerhard Lehmann, ZfV 1986 S. 477, Gottfried Konecny: 125 Jahre Geodäsie und Geoinformatik an der Universität Hannover, Vortrag am 13. 5. 2006.  Deutsche Geodätische Kommission (DGK): Die Mitglieder der DGK.01.11.07.- 03.11.07

 

 216.  Historische Kartenwerke aus Osnabrück.
Das Museum für Industriekultur in Osnabrück eröffnet am Sonntag, den 11.11.07 eine Ausstellung mit dem Thema "Gezeichnet und Vermessen. Historische Kartenwerke aus Osnabrück". Die Karten stammen hauptsächlich aus dem 19.Jahrhundert. Die Ausstellung wird  bis April 2008 gezeigt. Der Förderkreis stellt 21 Exponate zur Verfügung die in 2 Vitrinen ausgestellt werden, ein Meßtisch samt Kippregel steht frei im Raum. Die Exponate zeigen einen Querschnitt von der Grundlagenvermessung in Lage und Höhe, über topographische und katastertechnische Aufnahmen bis hin zur Kartierung. - 30.10.07

 

 215.  Vermessungen bei Planung und Bau der ersten Eisenbahnen in Niedersachsen.

   Rechtzeitig zur INTERGEO in Leipzig hat der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund die niedersächsische Eisenbahn-Vermessungsgeschichte  als Band 36 der Schriftenreihe herausgegeben, bearbeitet von Dr.-Ing. Erich Siems. Er war über viele Jahre in der Zentralen Transportleitung der Deutschen Bundesbahn für die Eisenbahnvermessungen in der (früheren) Bundesrepublik zuständig. -

   Bereits 1826 wurde dem hannoverschen Vizekönig ein Vorschlag unterbreitet, vom „Nutzen einer Eisenbahn von Hannover nach dem Harze“. Der Initiator der braunschweigschen Eisenbahnen bittet 1834 in einem Memorandum die hannoversche Regierung um Genehmigung, die Bahn Braunschweig - Harzburg teilweise über hannoversches Gebiet führen zu dürfen. Und 1836 liegt dem hannoverschen Landtag der Entwurf eines „Gesetzes die Veräußerungsverpflichtung behuf Eisenbahn-Anlagen betreffend" (Eisenbahn-Gesetz) vor – etwa zeitgleich mit der ersten deutschen Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth 1835. Pioniere der ersten Eisenbahnen in Deutschland wirkten damals in Niedersachsen. -  Wie Geometer, Feldmesser und Ingenieure trassierten, die notwendigen vermessungstechnischen Grundlagen, Trassenplanungen schufen: Erich Siems gibt auf der Grundlage der Vorarbeiten des vor 2 Jahren verstorbenen Kollegen Jürgen Stumpf hochinteressante Einblicke in die Aufgaben und Probleme beim Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert. Die Schrift umfaßt 78 Seiten mit zahlreichen, z. T. farbigen Abbildungen. Preis 15 € einschl. Porto und Verpackung.  Bestellungen bitte an die Postanschrift im Kopf dieser Seite oder per Mail an unsere Geschäftsführung, Herrn Dipl.-Ing. Klaus-D. Lehmann, Klaus-Detlef.Lehmann@stadtdo.de.-  Vergl. auch Mitt. Nr. 178 und 177. - 25.10.07

 

  214.   Ausstellung "Arnold von Harff: Ritter - Pilger - Dichter". Die Ausstellung wird am 21.10.2007 wird im Museum "Villa Erckens" in Grevenbroich eröffnet . Der Förderkreis hat eine Reisesonnenuhr und ein Reiseastrolabium beigesteuert. Weiteres zur Ausstellung (geöffnet bis 20.01.08) findet sich unter www.phil-fak.uni-duesseldorf.de/germ3.- 21.10.07

 

213.   Willi Bonczek 100.

  Prof. Dr.-Ing. Willi Bonczek, eine kraftvolle Persönlichkeit im kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen der Nachkriegsjahre, wurde am 18. Oktober 1907 in Allenstein in Ostpreußen geboren.

  Studium an der TH Berlin-Charlottenburg, als Bodenordner seit 1938 beim Aufbau der Volkswagenstadt Wolfsburg, 1944 Promotion an der TH Braunschweig – erste Stationen seines vielfältigen Wirkens. Nach dem Kriege war er zunächst als Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur tätig und wurde Mitbegründer des BDVI.

  Seit 1951 wirkte Dr. Willi Bonczek im Kommunaldienst der Ruhrmetropole Essen für die Neuordnung von Grund und Boden am Wiederaufbau der Stadt aus den Trümmern der Nachkriegszeit, er gestaltete die städtische Vermessungs- und Liegenschaftsverwaltung bis 1971, zuletzt als Beigeordneter und Dezernent für Stadterneuerung, Liegenschafts- und Wohnungswesen mit umfangreicher fachlicher und kommunalpolitischer Verantwortung.

  Die bodenordnerischen Leistungen Bonczeks sind in zahlreichen Veröffentlichungen dokumentiert, z.B. in dem zusammen mit Dr. Friedrich Halstenberg (dem späteren Finanzminister in NRW) 1963 verfaßten Handbuch „Bau-Boden, Bauleitplanung und Bodenpolitik“, eine systematische Darstellung des 1960 verabschiedeten Bundesbaugesetzes. Sein großes Werk „Stadt und Boden – Boden-Nutzungsreform im Städtebau“ erschien 1978. Es enthält in seinem ersten Teil eine hochinteressante Entstehungsgeschichte des Bodeneigentums.

  Bereits 1957 nahm Dr. Willi Bonczek einen Lehrauftrag Bodenwirtschaft und Bodenordnung an der TH Aachen wahr, seit 1960 als Honorarprofessor. Seit 1959 unterrichtete er auch an der Universität Bonn, als Lehrbeauftragter für Stadterneuerung und Bodenwirtschaft – Aufgaben, die er bis zur Vollendung seines 68. Lebensjahres erfüllte. Auch auf seine Veranlassung ist es zurückzuführen, daß bei der Neugründung der Universität Dortmund ein Lehrstuhl für Vermessung und Bodenordnung eingerichtet wurde. Der erste Lehrstuhlinhaber in Dortmund wurde Professor Dr. Walter Seele. Nach seinem aktiven Dienst in Essen wirkte Bonczek als Direktor des von ihm aufgebauten Instituts für Bodenordnung, Stadtsanierung und Stadtentwicklung der Neuen Heimat in NRW.

  Bonczek war Mitglied im Ausschuß „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ des Deutschen Städtetags und wirkte aktiv mit von 1951 bis 1963. 1977 wurde er vom Deutschen Verein für Vermessungswesen zum Ehrenmitglied berufen. Der Vorsitzende de DVW, Gerhard Eichhorn, sagte in seiner Laudatio: „Seine profunden Kenntnisse, seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen und seine sichtbaren Erfolge beim Wiederaufbau und der Erneuerung der Stadt Essen führten dazu, daß er als ständiger Sachverständiger zu den Beratungen des Bundesbaugesetzes durch den federführenden Bundestagsausschuß zugezogen wurde. Auf seinen Einfluß ist im weiten Maße die Einrichtung der Gutachterausschüsse zurückzuführen. Mit gutem Recht kann ich feststellen, daß Herr Dr. Bonczek einer der Pioniere ist, die die Aufgaben von Bodenwirtschaft und Bodenordnung als wesentlichen Bestandteil für die Tätigkeit der Vermessungsingenieure erschlossen haben.“

   Willi Bonczek starb am 14. November 1986 in Essen.

  Quellen in Auswahl: Siegfried Stahnke: Professor Dr.-Ing. Willi Bonczek 70 Jahre alt, ZfV 1977 S. 430-431, Edmund Gassner: Beigeordneter a. D. Professor Dr.-Ing. Willi Bonczek 70 Jahre alt, Vermessungswesen und Raumordnung, 12/ 1977,  Gerhard Eichhorn: Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des DVW an Willi Bonczek, ZfV 1977 S. 519-520, W. von Ofen: Prof. Dr.-Ing. W. Bonczek †, ZfV 1987 S. 88-89. - 16.10.07/11.11.07

   

212.  Siegfried Stahnke 96. Wir gratulieren unserem Gründungsvater und Ehrenmitglied Siegfried Stahnke in Dortmund herzlich zur Vollendung seines hohen 96. Geburtstags am 13. Oktober und übermitteln ihm und seiner Frau unsere besten Glück- und Segenswünsche. -12.10.07 

 

211.   Am 21. September 2007 ist in Bonn-Bad Godesberg die Ausstellung „200 Jahre Landesvermessung in Nordrhein-Westfalen“ eröffnet worden. (Vergl. unsere Mitt. Nr. 200, 207).

   Im Eröffnungskolloquium sprachen nach der Begrüßung von Direktor Heinz Brüggemann zunächst Klaus Mattiseck, Innenministerium Nordrhein-Westfalen zum künftigen Weg der Landesvermessung in NRW. Christian Elstner berichtete über sechs Jahre Erfahrungen mit der Betriebswirtschaft im Wirtschaftsbetrieb -  unter der Themenstellung "Landesbetrieb Ade". Die  Projekte HistoriKa 25, schwungvoll vorgetragen von  André Caffier, und GIS an Schulen, vorgestellt von Albert Föckeler, leiteten über zur engagierten Ausstellungs-Einführung von Manfred Spata: Idee, Konzept und Umsetzung zur Fachausstellung "200 Jahre Landesvermessung in NRW". Bevor abschließend der Direktor und Geschäftsführer des Landesbetriebs Heinz Brüggemann die Ausstellung eröffnete, war der Präsident des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum in Dortmund  zu einem Grußwort eingeladen. 

  Harald Lucht konnte aus eigenem Erleben der vergangenen mehr als 50 Jahre authentisch bekunden, wie unser Vermessungswesen sich in den vergangenen Jahrzehnten überaus komplex entwickelt hat. Gerade vor diesem Hintergrund spielt das Erfahren von Vermessungsgeschichte eine besondere Rolle. Schon Johann Friedrich Benzenberg hat vor rd. 200 Jahren erkannt: „Die Wissenschaft kennen zu lernen, indem wir ihre Geschichte studieren, dieses ist der natürlichste Weg, sich mit ihnen bekannt zu machen. Das unbefangene Gemüt wird ins Kindesalter der Wissenschaft geführt, wo sie noch in der kleinen Hütte wohnte, und nicht wie späterhin, im weitläufigen Gebäude des Systems.“ Manfred Spata und alle seine Helferinnen und Helfer haben in den Räumen des Landesvermessungsamtes jenes „weitläufige System“ durch eine Reihe von Ausstellungsstücken, Darstellung von Verfahren und durch textliche Erläuterungen für die Besucher erschlossen. Wir aus Dortmund freuen uns, mit einigen Leihgaben hierzu beitragen zu können. Und es darf – ein besonderer Pointe am Rande -  als Glücksfall für die Ausstellungseröffnung gelten, findet sie doch statt am Geburtstag von Prof. Dr. Louis Krüger, dem genialen Vollender der Arbeiten von Carl Friedrich Gauß. Krüger wurde heute vor 150 Jahren geboren (Siehe Mitt. Nr. 206 dieser Web-Seite).

   Der Rundgang durch die professionell gestaltete Ausstellung zeigte anhand von Exponaten und mit außerordentlich instruktiv gestalteten Tafeln die Entwicklungen der vergangenen 200 Jahre Landesvermessung in NRW. Eine Erweiterung für den Bereich Liegenschaftskataster ist vorgesehen, die Ausstellung photogrammetrischer Großgeräte angedacht. Aussagekräftige Erläuterungsblätter liegen zur Mitnahme aus und ergänzen den positiven Gesamteindruck. Wir vom Dortmunder Förderkreis beglückwünschen Heinz Brüggemann und Manfred Spata für diese neue Stätte der Pflege jüngerer Vermessungsgeschichte und freuen uns auf zukünftige kooperative Zusammenarbeit. - 11. 10. 07

 

 

210.   INTERGEO in Leipzig vom 24. bis 27. September 2006. Unser Stand in  Halle 1 Stand D 1.437  wurde von der bewährten Crew mit unserem Geschäftsführer  Klaus-Detlef Lehmann und  Rudolf Uebbing betreut, zeitweise kam unser Kurator Ingo von Stillfried hinzu. Sie konnten zusammen mit dem Präsidenten des Förderkreises Harald Lucht zahlreiche interessierte Besucher begrüßen. Auch neue Mitglieder konnten gewonnen werden.

Unser Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge stellte sein neues Buch vor, "Geschichte der Geodäsie in Deutschland" (379 Seiten, 296 Abbildungen, verlegt bei Walter de Gruyter, Berlin, New York, 2007, 118,00 € - ISBN 978-3-11-019056-4). Wir werden hier demnächst eine Kurzbesprechung veröffentlichen. - 07.10.07

 

 

209.    Ausstellung Dinslaken und die Landkarten

     Das Museum Voswinckelshof in Dinslaken (Stadtmuseum) gestaltet in der Zeit vom 7.10.2007 bis 2.3.2008 eine Ausstellung "Wege, Grenzen, Schätze - Dinslaken und die Landkarten" . Dafür wurden vom Förderkreis eine Reihe von Ausstellungsstücke ausgeliehen. Neben Geräten zur Kartierung selbst sind auch einige Instrumente aus dem Bereich topographische Aufnahme dabei. In der Ausstellung selbst sind die unterschiedlichsten Karten zu sehen. Highlight ist die erstmalige öffentliche Präsentation eines Mercator-Atlas, der bei Renovierungsarbeiten in einer niederrheinischen Kirche gefunden wurde. Dieser wird im Original gezeigt. Zur Ausstellung es gibt einen kleinen, gut gestalteten und sehr informativen Katalog mit einem Beitrag unseres Kurators Ingo von Stillfried. - 05./09.10.07

 

 

208.   Eratosthenes-Preis 2007 an Mario Bauch aus Rosenthal in Sachsen.

     Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung der INTERGEO in Leipzig am 25. September 2007 überreichte Harald Lucht, Präsident des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund, Herrn Dipl.-Ing. Mario Bauch aus Rosenthal-Bielatal in Sachsen den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis 2007

     Einleitend zu seiner Laudatio erinnerte er an das Leitwort der INTERGEO 2007 "Wissen und Handeln für die Erde" und sah das Motto eng verknüpft mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit, wie sie seit etwa 20 Jahren insbesondere in der Umwelt- und Entwicklungspolitik wieder aktuell geworden ist. Dieser Umweltfürsorge stellte er die Nachhaltigkeit in der Daseinsvorsorge an die Seite, wie sie in unserer Fachrichtung besonders in den Vermessungs-, Kataster- und Kartenwerken bereits lange gepflegt wird. 

    In der preisgekrönten Arbeit hat das Stifterkollegium des Förderkreises (Präsident Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht aus Bremen, Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge aus Hannover, Ltd. Städt. Vermessungsdirektor Norbert Kalischewski aus Dortmund) wiederentdeckt, wie der Gedanke der Nachhaltigkeit seine Wurzeln in der Forstwirtschaft hat. Mario Bauch schildert in seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden das Wirken von C.F. Schellig (1765 – 1809) und Heinrich Cotta (1763  - 1844), den beiden ersten Direktoren der Forstvermessungsanstalt in Sachsen.   Schellig schuf ab 1802 weitsichtig die Grundlagen der Forstvermessung. Sein Wirken endete durch seinen tragischen Tod als Soldat 1809. – Cotta hat Vermessung und Schätzungsarbeiten weiterentwickelt. Sie führten zur Errichtung der Forsteinrichtungsanstalt in Tharandt.

    Mario Bauch (31) hat die Originalquellen verschiedener Archive mit großer Sorgfalt durchforstet. Die Ergebnisse von Forsteinrichtung und Vermessung vor 200 Jahren in Sachsen werden mit dieser Arbeit wieder lebendig. In seiner von Prof. Dr. oec. Rolf Falk Helbig betreuten und zur Preisverleihung vorgeschlagenen Arbeit beweist Mario Bauch, Forsteinrichtung war schon immer Wirken für tätige Nachhaltigkeit. 

     Der Präsident des Förderkreises hatte zu Beginn der Preisverleihung den Veranstaltern gedankt, insbesondere dem Präsidenten des DVW, Hagen Graeff. Und er konnte während der Preisverleihung die Eltern des Preisträgers und den Diplom-Vater begrüßen. Er überreichte die Urkunde, traditionell eingebettet im klassischen Feldbuchrahmen - und das Preisgeld von 2.500 €, letzteres "bargeldlos" - unter großem Beifall des Publikums der Eröffnungsveranstaltung der INTERGEO Leipzig. - 30.09.07

 

 

207.   Eine ungewöhnliche Geschichte Rande einer Ausstellungs-Eröffnung.  

     Am 21. September 2007 ist in Bonn die Ausstellung „200 Jahre Landesvermessung in Nordrhein-Westfalen“ eröffnet worden, mit einem Festkolloquium und einer Führung von Manfred Spata in den Räumen des Landesvermessungsamtes (Vergl. unsere Mitt. Nr. 200).

     Der Autor dieser Zeilen erfuhr nach seinem Grußwort ein höchst ungewöhnliches Lob. Eine adrette junge Dame sagte ihm freundlich lächelnd, er habe ihren beruflichen Lebensweg maßgeblich beeinflußt – obwohl er sicher davon nichts wisse. Wie das? Nun, sie habe das Vermessungstechnischen Museum in Dortmund 1995 besucht, die reichhaltige Ausstellung wohl über 4 Stunden mit wachsender Faszination besichtigt – und beschlossen Geodäsie zu studieren, übrigens in Dresden. Jetzt sei sie seit mehreren Jahren mit viel Freude im Landesvermessungsamt aktiv, ein wenig auch auf den Spuren ihres Vaters, denn der habe ihr und einer Mitschülerin seinerzeit den Besuch im Vermessungstechnischen Museum angeraten: Ein ungewöhnliches Lob für unsere Museumsgestalter in Dortmund, und – kann ein Museumsbesuch schönere Geschichte schreiben? –

     Über die neue Ausstellung im Landesvermessungsamt berichten wir in einigen Tagen, nach der INTERGEO. - 23.09.07

 

 

206Gauß-Krüger-Koordinaten sind wohlbekannt. Carl Friedrich Gauß ist wieder in aller Munde, dank Daniel Kehlmanns Bestseller „Die Vermessung der Welt“, dank seiner Aufnahme in Walhalla – doch, wer war Krüger?

    Johannes Heinrich Louis Krüger wurde vor 150 Jahren, am 21. September 1857 in Elze geboren, ca. 30 km südlich von Hannover. Er besuchte die Gewerbeschule in Hildesheim und studierte später Mathematik am Polytechnikum in Berlin. Mit 27 Jahren schrieb er seine Dissertation zu einem geodätischen Thema: „Die geodätische Linie des Sphäroids und Untersuchung darüber, wann dieselbe aufhört, kürzeste Linie zu sein“ und wurde mit dieser Arbeit in Tübingen zum Dr. phil. promoviert. Er wirkte von 1884 bis 1922 am Königlich Preußischen Geodätischen Institut in Potsdam als wissenschaftlicher Assistent, später als Professor und stellvertretender Direktor.

     Prof. Dr.-Ing. E.h., Dr. phil. Louis Krüger ist besonders bekannt geworden durch die Weiterentwicklung und praxisreife Ausformulierung der Gauß’schen konformen Abbildung zu einem Meridianstreifensystem. Sein bekanntestes Werk ist die „Konforme Abbildung des Erdellipsoids in der Ebene“. Wir entnehmen dem von A. Galle über einen „treuen und zuverlässigen Freundes“ geschrieben Nachruf :  „(Krüger hatte) … den Auftrag der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen, den Nachlaß von C. F. Gauß zu bearbeiten. Wenn es oft schwierig ist, in den von Gauß selbst vollendeten Arbeiten den Gedankengängen zu folgen, so war es eine bewundernswerte Leistung, aus den auf kleinen Zetteln und in Tagebüchern verstreuten Notizen den Zusammenhang zu finden. Die vollständige Versenkung in die Gaußschen Ideen hat aber Krüger befähigt, sie weiter zu führen und manches, was Gauß geplant hatte, zur Reife zu bringen. …. kann die „konforme Abbildung des Erdellipsoids in der Ebene“ als das Hauptwerk Krügers bezeichnet werden. Gauß selbst hat nichts über die hannoversche Projektion veröffentlicht, Schreiber hat die Gebrauchsformeln hergeleitet und auch eine Weiterführung der Grundformeln gegeben. Die Krügersche Arbeit stellt einen Neubau auf den von dem ersten Baumeister gelegten Fundamenten dar. …“

     Louis Krüger kehrte 1922 zurück nach Elze, dort starb er am 1. Juni 1923. An seinem Geburtshaus in Elze erinnert eine Gedenktafel, im Stadtpark von Elze wurde anläßlich des 100. Geburtstags ein Gedenkstein aus Bronze errichtet. Wolfgang Pötzschner erinnerte 1957 aus Anlaß des 100. Geburtstags daran, Krüger sei neben F. W. Bessel, C.F. Gauß und O. Schreiber einer der vier großen Geodäten aus dem niedersächsischen Raum  (vergl. auch Mitt. Nr. 171).

     In Krügers Geburtsstadt Elze findet am Abend des 21. September 2007 ab 18:00 Uhr eine Gedenkfeier statt: Treffen und Begrüßung am Louis-Krüger-Ehrenmal im Stadtpark, die Enthüllung einer Gedenkstele gegenüber dem Geburtshaus von Louis Krüger an der Ecke Hauptstraße-Flutstraße. Besuch der Grabstätte am Friedhof und um 20.00 Uhr  Feierstunde zu Ehren Louis Krügers in der Krüger-Adorno-Schule (früher Gauß-Krüger-Schule) am Heilswannenweg. Dort wird nach der Begrüßung von Bürgermeister Friedl Albes und Schulleiter Dr. Norbert Hilbig mit zwei Kurzvorträgen an den großen Bürger erinnert: Ilse Wurzel spricht über Louis Krüger, ein Elzer Bürger und Claus  Krinke referiert Von der Kugel zur Fläche. - In den Tagen vorher wird mit Unterstützung der Orts-Presse ein Louis-Krüger-Rechenwettbewerb veranstaltet.

     Literatur: Johannes Frischauf (Graz): Buchbesprechung „Konforme Abbildung des Erdellipsoids in der Ebenen“ (Druck und Verlag Teubner in Leipzig 1912) in ZfV 1913 S. 773 – 778, A. Galle: L. Krüger. † ZfV 1923 S. 281 – 285. Wolfgang Pötzschner: Krüger-Gedenkfeier in Elze, ZfV 1957 S. 422 – 423, www.elze.de/kultur - 19.09.07 - Nachtrag: Inzwischen sind 2 interessante Beiträge zu Krügers Lebenswerk erschienen: Hans Weise: Zum 150. Geburtstag von Prof. Louis Krüger, VDVmagazin 5/2007 S. 396 - 399 – Bernhard Zimmermann: Louis Krüger (1857-1923) – Zur 150. Wiederkehr seines Geburtstages, Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung (FuB) 5_2007 S. 232-236 - 09.11.07

 

 

205.   Dortmunder Museumsnacht. Am 15. 9. 2007 hat sich bei bestem Spätsommerwetter unser  Vermessungstechnisches Museum erneut in der Öffentlichkeit präsentiert. Unter dem Thema Meßtisch zeigten Bianca Schubert, Markus Eckhardt und Ingo von Stillfried in sehenswerten historischen Kostümen alte Meßverfahren - unter dem Beifall zahlreicher Passanten. Als Vorlage diente die Mesula Praetoriane von Daniel Schwentner aus dem Jahre 1641 - erstes vollständiges Werk über die Konstruktion eines Meßtisches und eines Diopterlineals sowie mit in 12 Aufgaben dargestellten Anwendungen in der Vermessung und Kartographie. Manfred Gombel führte mit großem Erfolg durch unsere Schausammlung. - Unseren Akteuren vielen Dank! - 18. 09. 07 

 

203.  Gauß heute in Walhalla geehrt. In der Ruhmes- und Ehrenhalle Walhalla werden herausragende Deutsche geehrt. Derzeit befinden sich in der oberhalb der Donau gelegenen Walhalla insgesamt 127 Büsten und 65 Gedenktafeln, die an Persönlichkeiten der deutschen Geschichte erinnern. Zuletzt wurde 2003 die Widerstandskämpferin gegen die Nationalsozialisten, Sophie Scholl, mit einer Büste geehrt. Davor waren 2000 der Komponist Johannes Brahms und 1999 der frühere Bundeskanzler Konrad Adenauer aufgenommen worden. Heute ist die Büste von Carl Friedrich Gauß (1777-1855) neu hinzugekommen. Bayerns Staatskanzleichef Eberhard Sinner (CSU) nannte Gauß (1777-1855) einen "genialen Geist, der die Wissenschaft um Lichtjahre voranbrachte". In der Vermessungsgeschichte denken wir vor allem an seine bahnbrechenden Arbeiten in der Triangulation, für die Genauigkeitsanalyse und ebenso an die von ihm begründete konforme Abbildung des Erdellipsoids - und die Gauß-Krüger-Koordinaten. Und last not least an den Bestseller von D. Kehlmann. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 156 und Nr. 136. - 12.09.07

 

202.  Interzonale Geodätentagung Berlin 1947 – vor 60 Jahren.

   Nach Ende des Zweiten Weltkriegs: Deutschland lag in Trümmern, war aufgeteilt in 4 Besatzungszonen – amerikanische, britische, französische und russische Zone. Auch Berlin war viergeteilt. Der ‚kalte Krieg’ hatte schon begonnen. Noch im letzten Augenblick war die Durchführung der Berliner Geodätentagung gefährdet. Nur Monate später ordnete die Sowjetunion die Blockade der Westsektoren an (am 24. Juni 1948, die Westmächte organisierten die Luftbrücke nach Berlin). In dieser Situation trafen sich zahlreiche Berufsangehörige – eingeladen vom Leiter der Berliner Vermessungsverwaltung Edmund Braune - vom 8. bis 12. September 1947 zur interzonalen Geodätentagung.

In der Technischen Universität – begrüßt von Prodekan Prof. Dr. Erich Brennicke – wurde das Vortragsprogramm weitgehend von Berliner Kollegen bestritten.  Die beamteten Kollegen aus der russischen Besatzungszone wurden an der Teilnahme gehindert. Reise und- Paßschwierigkeiten behinderten eine breite Teilnahme auch aus den anderen 3  Besatzungszonen. Dennoch waren eine Reihe von Kollegen gekommen, u. a. E.  Doerpinghaus (Dresden), Prof. Dr. W. Großmann (Hannover), H. Heckmann (Mannheim), W. Lohrberg (Hannover), Dr. O. Pirkel (Köln), K. Schmelz (Stuttgart), W. Ufer (Aachen). Insgesamt haben etwa 400 Berufsangehörige aller Richtungen teilgenommen. Die Kurzvorträge und die intensiven Diskussionen sind in einer Schrift hervorragend dokumentiert. Schon deren äußere Erscheinung läßt die Not jener Tage erkennen: 80 vergilbte Seiten, engst bedruckt „sparsamste Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Papierformats“, wie es einleitend heißt unter „das Gesicht dieses Buches“ – dennoch eine historische Kostbarkeit, die den Wiederbeginn im Vermessungswesen vor 60 Jahren dokumentiert. Zusätzlich liegt ein zeitgenössisches Protokoll vor.

   Es war ganz offenbar eine lebendige, von Aufbruch gekennzeichnete interzonale Tagung – „ein erster Aufruf zur Selbstbesinnung“ (Großmann). Vieles von dem, das uns in den folgenden Jahrzehnten prägte und bewegte war hier schon in 18 Tagesordnungspunkten vorgedacht, ja vorgeprägt – durch die Ausrichtung in Berlin mit deutlichem Schwerpunkt auf dem großstädtischen Vermessungswesen, nachfolgend holzschnittartig angedeutet:  

   Vermessung und Liegenschaftswesen in einem Amt – Kommunalisierung des Katasters – Enge Verzahnung von Vermessung und Planung, insbesondere bei Baulandumlegungen – Qualifizierter Lageplan – Mitwirkung und Ausbau des privaten Vermessungswesens – Einheitlichkeit der Organisation im gesamten deutschen Vermessungswesen (im Themenkomplex 6-7-8 „Landesvermessungsämter – Kreisvermessungsämter – Vermessungsbeirat als Spitze des deutschen Vermessungswesens“) – Arbeitsgemeinschaften und Zulassungsbezirke für öffentliche Vermessungsingenieure –  aber auch (nach dem totalen Zusammenbruch) die Wiederbegründung wissenschaftlicher Vereine und Zeitschriften.

   Die Gründung mehrerer Fachausschüsse wurde vorgeschlagen, so auch ein Ausschuß im Bereich Stadtvermessung und Kataster, der Diedrich August Overhoff aus Essen angetragen wurde (Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 192).

      Ein ganzer Verhandlungstag (11.9.47) war dem Thema „Um den Nachwuchs im Vermessungswesen“ gewidmet: Prüfungsämter für die zweite Staatsprüfung – Berufsbild für den mittleren Vermessungsdienst – Arbeitsteilung zwischen Akademiker und Mittelschultechniker, mit breit gefächerter Diskussion zur  Rolle des Ingenieurs für Vermessungstechnik und des (Universitäts-) Diplomingenieurs – Kartographie als ureignes Gebiet der Geodäsie – Preisstellen für Grundstücke, Kriegsschäden bei der Grundstückspreisbildung, Richtpreise für Bodenwerte – Grundstücksabmarkungen – Grundlagen einer Geodätischen Meßtheorie und ihre kulturelle Bedeutung.  

   Einige Auszüge aus den zahlreich dokumentierten, oft kontroversen Diskussionsbeiträgen möge das Denken und Ringen der Altvorderen zusätzlich beleuchten:

   Dr. Otto Pirkel, Liegenschaftsrat aus Köln: „….Ich höre mit Entsetzen von einem Württembergischen Umlegungsgesetz, von einem Berliner Gesetz, von einem Braunschweiger Entwurf und frage: Muß das sein? …. Wir können der britischen Militärregierung danken, daß unsere eingereichten Pläne erst einmal ablagern mußten; ein zonaler Entwurf ist liegengeblieben und der bizonale Entwurf ist bis jetzt auch liegengeblieben. Eine Form muß gefunden werden, die für alle Zonen brauchbar ist.“

   Kurd Slawik,  Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur aus Berlin zur Zulassung, nachdem er bisherige  Restriktionen „seit 18 Jahren“ (und zum Trotz der Berufsordnung von 1938) beklagt hatte: …Wenn man in Zeiten, wie heute, keinen freien Beruf hat, dann muß man ihn schleunigst schaffen. Nur so kann den wirtschaftlichen Anforderungen Genüge getan werden.“  

   Edmund Braune, Hauptamtsleiter für Vermessung in Berlin zur Kommunalisierung (nach Protokoll): „Die Vereinigung sei eine wirtschaftliche und technische Notwendigkeit, der man heute nicht mehr ausweichen könne. Sie müsse bei der Stelle erfolgen, wo das Ergebnis der Vermessungsarbeit für die Wirtschaft und den einzelnen Bürger seine Hauptverwendung finde, bei der Selbstverwaltungsbehörde …die Güte der Stadtvermessung würden den Wert des Katasters nur heben; die Führung des Katasters unter städtischer Regie hebe die Ausrichtung nach den Katasteranweisungen nicht auf.“  

   Christian Blank, Chefpräsident Bizonale Post, Abgeordneter in Niedersachsen :  …. „mich ein Leben lang durchsetzen müssen und wenn ich hier und da einen schlechten Witz machen wollte, dann sagte ich, wenn ich noch einmal auf die Welt käme, dann als Assessor, denn dann hätte ich es leichter als ein Geodät.“                                                                               

   Uns Heutigen wird der hohe Stellenwert jener Veranstaltung deutlich aus der umfassenden Thematik und besonders durch den guten Klang der Namen damals handelnder Fachkollegen. Sie alle haben unser Vermessungswesen in den nachfolgenden Jahrzehnten maßgeblich befruchtet.

   Quellen: Geodätentagung Berlin 8.-12. September 1947, Herausgeber Hauptamt für Vermessung von Groß-Berlin, 80 Seiten, Protokoll der Tagung, 5 Seiten, W. Großmann: Berliner Geodätentagung 1947, ZfV 1949, S. 28-29. – 07.09.07

 

   201. Neuigkeiten aus Dortmund:

   Unser Museums-Kurator Ingo von Stillfried trifft in diesen Tagen in unserer Schausammlung einen ganz besonderen Besucher, der eine Ausstellung über den August Heinrich Petermann (18. April 1822  in Bleicherode bei Nordhausen; † 25. September 1878 in Gotha) plant, den bekannten Kartographen, Geographen und Zeitschriftenautor (Petermanns Geographische Mitteilungen, gegründet 1855) – Und er hat für unser Museum einen Allignier-Laser von der großen Baufirma Heitmann geschenkt bekommen, Baujahr um 1980 – so nahe und auch schon Technikgeschichte. - 02.09.07

   200. Fachausstellung 200 Jahre Landesvermessung in NRW.

      Am Sonntag, den 23. September 2007 veranstaltet das Landesvermessungsamt in NRW einen Tag der offenen Tür mit Vorführungen „für die ganze Familie“ über Topographische Geländeerkundung – Vermessung via Satellit – 3 D-Stadt- und Geländemodelle – Freizeit mit Geocaching – Zusammenspiel von Liegenschaftskataster und Landesvermessung - Einblicke in eine Kartendruckerei. Näheres unter www.lverma.nrw.de .

   Zusammen mit dem Tag der offenen Tür startet die neue Fachausstellung „200 Jahre Landesvermessung in NRW“.  Die Ausstellung wird eröffnet mit einer Vortagsveranstaltung am 21. September 2007 ab 10.30 Uhr in den Konferenzräumen: Rheinland/Westfalen/Lippe im LVA, Bonn-Bad Godesberg, Muffendorfer Str. 19-21. Vortragende sind Direktor Heinz Brüggemann und Klaus Mattiseck, Christian Elsner, André Caffier, Albert Föckeler, Manfred Spata sowie Harald Lucht für das Vermessungstechnische Museum. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 178 mit der Ankündigung der Ausstellung während der Mitgliederversammlung des Förderkreises durch Manfred Spata.

     Unser Mitglied Martin Klöffler wird in seiner bewährten Art in der Uniform eines Ingenieursoffiziers mit originalen Instrumenten vorführen, mit welchen einfachen Methoden das Land ab 1815 vermessen wurde, und er erzählt bereitwillig aus seinem Leben. Ziel der lebendigen Geschichte ist es, durch das Nachstellen des Technik und des Alltags die tatsächlichen Lebensumstände damaligen Zeit zu interpretieren, also Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes „begreifbar“ zu machen. Näheres siehe unter Termine bei www.ingenieurgeograph.de - 28.08.07 /10.09.07

 

   198. Eratosthenes-Preisträger des Jahres 2007 ist Mario Bauch aus Rosenthal/Sachsen.

   Dipl.-Ing. Mario Bauch (31) erhält den Preis für seine Arbeit Zu den Anfängen der Forstvermessungsanstalt  unter Schellig und Cotta (1804 – 1844)“.  Er schildert in seiner Diplomarbeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden das Wirken von C. F. Schellig (1765 – 1809) und Heinrich Cotta (1763  - 1844), den beiden ersten Direktoren der Forstvermessungsanstalt in Sachsen. Schellig schuf  ab 1802 weitsichtig die Grundlagen der Forstvermessung. Sein Wirken endete durch seinen tragischen Tod als sächsischer Soldat in Diensten Napoleons 1809. – Cotta hat Vermessung und Schätzungsarbeiten weiterentwickelt. Sie führten zur Errichtung der Forsteinrichtungsanstalt in Tharandt. Mario Bauch  hat die Originalquellen verschiedener Archive intensiv durchforstet. Die Ergebnisse von Forsteinrichtung und Vermessung vor 200 Jahren in Sachsen werden mit dieser Arbeit wieder lebendig. Er zeigt, Forsteinrichtung war schon immer Wirken für tätige Nachhaltigkeit. 

   Überreicht wird der Preis anläßlich der Eröffnungsveranstaltung der INTERGEO in Leipzig am 25. September 2007 vom Präsidenten   Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht, Bremen. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 190 und 179. - 17. 08. 07

 

 

   197. Städtetags-Senioren besuchten  Müller-Denkmal in Schwelm.

   Friedrich Christoph Müller (1751 – 1808) war Prediger in Schwelm (nahe Wuppertal) in der ehemaligen Grafschaft Mark. Er ist der Nachwelt nicht als Theologe, sondern als Verfasser naturwissenschaftlicher Schriften und als Kartograph in Erinnerung geblieben. Müller hat 1775 bis 1791 mehrfach verbesserte Karten der Grafschaft Mark aufgenommen. Die Karte von 1791 hatte erstmals auch eine trigonometrische Grundlage. Den dabei verwendeten Dollond-Theodoliten stellte ihm Freiherr vom Stein zur Verfügung, damals noch Bergdirektor in Wetter an der Ruhr. Das Vermessungstechnische Museum in Dortmund besitzt einen ähnlichen Theodoliten in der Schausammlung.  Das wertvolle Instrument wurde 2005 mit einer großen Spenden-Aktion erworben, angeregt durch den Eratosthenes-Preisträger Manfred Spata, Bonn.

     Im Park des Hauses Martfeld in Schwelm erinnert ein 1820 errichtetes Denkmal an Fr. Chr. Müller. Anläßlich eines Senioren-Treffens besuchten ehemalige Mitglieder des bundesweiten Städtetagsausschusses Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen das Denkmal. Der Präsidenten des Förderkreises erläuterte das Wirken Müllers. 

     Literatur: Manfred Spata: Fr. Chr. Müller und seine Karten der Grafschaft Mark aus den Jahren 1775 – 1791, in der Dokumentation des 7. Symposiums des Förderkreises VTM „Wegbereiter in der deutschen Landesvermessung“, Bd. 27 der Schriftenreihe des Förderkreises VTM, S. 31 - 54, Verlag Konrad Wittwer, Stuttgart 1999, Manfred Spata und Manfred Gombel: Der Dollond-Theodolit im Vermessungstechnischen Museum  in Dortmund, Zs. Der Vermessungsingenieur 2005 S. 432 – 436. - 13. 08. 07

 

195.   Zu Besuch bei Konrad Zuse - Computerkonstrukteur, Bauingenieur, Flugzeugstatiker, Erbauer des ersten Prozeßrechners.

    Im Magazin unseres Museums Am Westpark in Dortmund kann neben der Studiensammlung mit zahlreichen geodätischen Instrumenten auch eine vollständige Zuse Z 11 besichtigt werden, die einst im Landesamt für Agrarordnung in Münster für die Flurbereinigung arbeitete. Der Förderkreis besitzt darüber hinaus einen Graphomat Z 64, seinerzeit als Zeichenautomat im Einsatz beim Regierungspräsidenten Arnsberg, danach beim Markscheider Oeser & Schneiker.

    Eine außerordentlich reichhaltige Sammlung ist im Konrad Zuse Museum in Hünfeld nahe Fulda zu sehen, Z 1, Z 3, Z 4. Z 11, Z 22, der Graphomat Z 64 sind dort ausgestellt, teilweise als Nachbauten. Sehr informative Tafeln zeigen den wechselvollen Lebensweg von Konrad Zuse und dessen faszinierendes Lebenswerk, übrigens auch als Kunstmaler.  Der Aufbau der Rechner wird didaktisch hervorragend präsentiert. Die Leiterin Irmgard Topat führte am 1. Juli 2007 ehemalige leitende Vermessungsbeamte aus der AdV, der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder, im Rahmen eines Senioren-Treffens.

    Prof. Gerfried Appelt (München), Prof. Eckhard Bartsch (Niedernhausen), Günther Bolze (Berlin), Frieder Mrosek (Schwerin), Harry Pahl (Hamburg) und andere Kollegen diskutierten angeregt über erste Einsätze der Zuse-Rechner Z 11 und Z 22 in den 50-iger Jahren in den Vermessungsverwaltungen.  Vor 50 Jahren bot sich damit erstmals die Möglichkeit, z.B. photogrammetrische Auswertungen, Trigonometrische Punkteinschaltungen, Kleinpunkt- und Flächenberechnungen automatisch durchzuführen. 

     Konrad Zuse (geboren 1910 in Berlin, gestorben 1995 in Hünfeld nahe Fulda) gilt heute unbestritten als Erfinder des Computers. Nach Jugendjahren in Ostpreußen, Abitur in Hoyerswerda in der Lausitz/Sachsen beendete er 1935 sein Studium mit dem Diplom als Bauingenieur an der TH Berlin-Charlottenburg. Bereits aus dieser Zeit stammten erste Vorüberlegungen für einen programmierbaren Rechner. Die Z 1 war 1938 fertiggestellt - im heimischen Wohnzimmer, ebenso 1941 die Z 3  - ein vollautomatischer in binärer Gleitkommaberechnung arbeitender Rechner mit Speicher  und Zentraleinheit aus mehren Tausend Telefonrelais. Die Z 3 gilt heute als der erste funktionstüchtige Computer der Welt.

     Vor 50 Jahren wurde die 1949 im Kreis Hünfeld gegründete Zuse KG nach Bad Hersfeld verlegt, arbeitete mit Nixdorf zusammen und wurde später von Siemens übernommen.  Damals begann eine fruchtbare Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsverwaltung, wo der Relais-Rechner Z 11 lange eingesetzt wurde.  Bald darauf war die Z 22 entwickelt, der erste elektronischer (Röhren-) Rechner, der ebenfalls vielfach in den Vermessungsverwaltungen arbeitete. - 

    Viele Jahre später 1995 trafen sich die beiden Pioniere der Datenverarbeitung Konrad Zuse und  Bill Gates (Microsoft) auf der CeBIT in Hannover, wenige Monate vor dem Tod von Konrad Zuse am 18. Dezember 1995 in HünfeldKonrad Zuse ist der "Schöpfer der ersten vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren, in binärer Gleitpunktrechnung arbeitenden Rechenanlage. Sie war 1941 betriebsfähig," schrieb Professor Friedrich Ludwig Bauer aus München im Geleitwort zu der Autobiographie 1984. Hochinteressante Informationen sind auch auf der DVD "Konrad Zuse" (2007) dokumentiert, erhältlich in der Ausstellung im Konrad Zuse Museum in Hünfeld; siehe auch www.zuse.de

Quellen (Auswahl): Die o.a. Ausstellung; Konrad Zuse: Der Computer - Mein Lebenswerk, Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York Tokyo 1984, K. Schwidewski: Programmgesteuerte Rechenmaschinen in Zs. für Vermessungswesen 1952 S. 104 - 109, E. Gotthardt: Geodätisches Rechnen mit der Rechenanlage Zuse Z 22, Zs. für Vermessungswesen 1960 S. 1 - 9, Wikipedia 2007. - 12. 07. 07

 

194.   Besuch der Pötzschner-Hütte im Nordharz. 

   Die Pötzschner-Hütte auf der Schalke in 762 m Höhe lohnt einen Besuch. Sie erinnert an Dr. Wolfgang Pötzschner (1913 - 1999) - vergl. unsere Mitt. Nr. 180.  Wanderer starten beim Wirtshaus Auerhahn an der B 214 zwischen Goslar und Clausthal-Zellerfeld und erreichen mit einem schönen Spaziergang über 1,7 km und einem Höhenunterschied rd. 130 m in gut einer halben Stunde die Pötzschner-Hütte. Etwas seitwärts der höchste Kuppe gelegen, bietet sie Schutz - und ein 100-jähriger neu überholter Aussichtsturm aus Stahl erlaubt einen herrlichen Rundblick über mehr als 270 Grad des Horizonts. Auch schon von der Pötzschner-Hütte aus ist der Brocken, der höchste Berg des Harzes (1142 m), der Wurmberg und Torfhaus gut zu sehen - wie sich der Redakteur und Verfasser dieser Zeilen am 1. Juli 2007 überzeugen konnte. - 02.07.07

 

 

193.   Der Ratz im Rohr - eine archäologische Zeitreise

     Seit vielen Jahren  Mitglied im Kuratorium unseres Förderkreises, schätzen wir Dr. Klaus Grewe als  Autor zahlreicher vermessungstechnischer und archäologischer Forschungsarbeiten.

    Mit seinem neuesten Werk „Die Ratz im Rohr“ erobert er sich er in ein neues Feld in einem ganz anderen Genre:  Eine wissenschaftliche Großtat aus dem 15. Jahrhundert wird in die Handlungen eines spannenden Romans eingebettet. Ein junger Bergmeister soll dem Grafen von Blankenheim eine Wasserleitung bauen, um dessen Burg mit frischen Quellwasser zu versorgen. Er geht in Köln auf die Suche nach der Handschrift des Vitruv, dem großen Architekten und Ingenieur des Wassernetzes von Rom und besonders dessen Buch 8 - Wasserleitungen, er studiert den römischen Tunnel bei Düren und erlebt eine Riesenüberraschung bei Maria Laach. „Am Kaiserstein lernt er die Liebe kennen und in Rheinbach den Suff.“

     Klaus Grewes Anliegen war stets, wissenschaftliche Forschungsergebnisse populär aufzubereiten und einem breiten Publikum zugänglich und verständlich zu machen – hier überreicht er uns jetzt eine faszinierende und zugleich humorvolle Erzählung – ISBN 978-3-87124-332-5 –19,80 €. - 13.06.07

 

 

192.   60 Jahre Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Deutschen Städtetag.

    In Krefeld traf sich am 31.5./1.6. 2007 die Fachkommission „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ zu ihrer 117. Sitzung. Eine abendliche Festveranstaltung am 31. Mai 2007 erinnerte an das 60-jährige Bestehen dieser Institution im Deutschen Städtetag.

      Am 3. Juni 1947 hatten Fachkollegen in schwierigster Zeit diesen Ausschuß begründet. Die Städte lagen in Trümmern, ein Wiederaufbau schien fast unmöglich und forderte insbesondere Leistungen im Vermessungs- und Liegenschaftswesen einschließlich der Bodenordnung. Zu den Männern der ersten Stunde gehörten der 70-jährige Ludwig Spelten (1877 – 1953) aus Krefeld und Diedrich August Overhoff vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (heute Regionalverband Ruhr) aus Essen. Hinzu kamen 1947 bis 1949 die Herren Seemüller-Augsburg, Braune- Berlin, Dr. Röhrs-Bremen, Hinterthür-Essen, Zörner-Frankfurt, Uhl-Freiburg, Peters-Hamburg, Neddermeyer-Hannover, Ewringmann- Köln, Heckmann- Mannheim, Dr. Pirkel-Köln, Sefranek-Nürnberg, Schmelz-Stuttgart.  Overhoff übernahm den Vorsitz von 1947 bis 1965. Ihm folgte Siegfried Stahnke aus Dortmund (der 1975 auch unseren Förderkreis Vermessungstechnisches Museum mit begründete). 1976 wurde Gustav Bohnsack aus Hannover Vorsitzender, 1985 Dr. Harald Lucht aus Bremen (seit 1999 Ehrenvorsitzender). Seit 1999 hat Ltd. Vermessungsdirektor Gerold Stahr den Vorsitz, Leiter des Fachbereichs Vermessungs- und Katasterwesen der Stadt Krefeld, seit Anfang 2007 zusätzlich mit dem Gewerbeflächen-Management der Stadt Krefeld beauftragt.

      In seiner Begrüßung erinnerte Gerold Stahr daran, Krefeld sei als Geburtsort der Fachkommission nach 1987 und 1997 (mit einer großen Feier des 50-jährigen Bestehens) nun auch zum 60. Geburtstag wieder Mittelpunkt fachlicher Arbeit im städtischen Vermessungs- und Liegenschaftswesen.

      Der Beigeordnete Folkert Kiepe vom Deutschen Städtetag dankte in seinem Grußwort den Mitgliedern der Fachkommission für die engagierte Unterstützung der Hauptgeschäftsstelle und würdigte besonders die technische Kompetenz bei der Lösung aller mit Geoinformationen verbundenen Fragen. Er unterstütze aktuell besonders die weitere Entwicklung von Geodatenportalen in den Städten.

    Der Ehrenvorsitzende hob in seiner Ansprache in der Festveranstaltung hervor, die vornehmste Aufgabe der Fachkommission sei die Beratung und Unterstützung des Deutschen Städtetages als Vertretung der Städte bei der Beteiligung in der Gesetzgebung und bei den Fragen praktischer Verwaltung und Zukunftssicherung.  Er sehe geradezu gleichrangig den interkommunalen Erfahrungsaustausch. Kommunale Spitzenkräfte sind (fachliche) Letztentscheider. Darin liege hohe Verantwortung - gerade auch im Fachbereich Vermessungs- und Liegenschaftswesen und heute zusätzlich z.B. mit dem Schwerpunkt in der Geoinformation. Die Fachkommission sei in Deutschland für die Praxis auf kommunaler Ebene die maßgeblich kompetente Institution, ähnlich wie die AdV auf Länderebene. Er erinnerte an herausragende Fachkollegen im Deutschen Vermessungswesen, die lange in diesem Städtetagsausschuß mitgearbeitet haben, u.a. an  Dr. Willi Bonczek-Essen, Prof. Dr. Hubertus Hildebrandt-Nürnberg,  Martin Tiemann-Essen, Prof. Dr. Hans-Joachim Sandmann-Bonn, Prof. Dr. Walter Seele (Nürnberg, Dortmund, Bonn) ebenso an mehrere AdV- Vorsitzer aus den Stadtstaaten, Mitglieder in deren kommunaler Funktion – und er grüßte noch als Aktiven Hagen Graeff, den Vorsitzenden des Dt. Vereins für Vermessungswesen. Harald Lucht würdigte aus persönlicher Begegnung besonders an die hervorragende Betreuung des Ausschusses mit den Städtetags-Referenten Dr. Günter Gaentzsch (1973 bis 1982, später Vorsitzender Richter am BVerw.G.), Jochen Dieckmann (1982 bis 1990, später Hauptgeschäftsführer DST und Finanzminister in NW), Dr. Frank Steinfort (1990 bis 1998, heute Stadtdirektor in Mülheim), durch Herrn Baer u.a., die aktuell durch Dr. von Kraack fortgesetzt werde. - Besonders die fachliche und ebenso kollegial-menschliche Zusammenarbeit im Ausschuß und mit der Hauptgeschäftsstelle sei eine wesentliche Stütze im kommunalen Arbeitsalltag.

      Anläßlich des 40-jährigen Bestehens hatte Manfred Hintzsche aus Stuttgart das Wirken der damals noch als Unterausschuß zum Bauausschuß firmierenden Kommission dokumentiert (ZfV 1987 S. 525 – 527). Vor 10 Jahren ist mit dem Band 25 in der Reihe E der Städtetags-Beiträge zur Stadtentwicklung und zum Umweltschutz ein breitgefächerter Überblick über das Vermessungs- und Liegenschaftswesen in den Städten gegeben worden. Im vergangenen Jahr würdigte Gerold Stahr das Wirken des kommunalen Vermessungswesens in Deutschland in seinen historischen Quellen und vor den heutigen Herausforderungen  (ZfV 2006, S. 251-257). Eine Broschüre in Fortsetzung der zum 50-jährigen Bestehen der Fachkommission herausgegebenen Schrift dokumentiert alle Sitzungsteilnehmer seit 1947. Eine CD mit Fotos der Teilnehmer seit 1975 ist in Vorbreitung.

      Mitglieder und ständige Gäste der Fachkommission sind gegenwärtig unter dem Vorsitz von LVD Gerold Stahr aus Krefeld die Damen und Herren Kollegen Bastian-Frankfurt, Carola Bayer-Erfurt, Gerlach-Karlsruhe, Graeff-Hamburg, Hawlitzky-Bonn, Höhn-Hagen, Jäger-Stuttgart, Kaiser-Neuss, Kalischewski-Dortmund, Koller-Kiel, Krüger-Dresden, Landthaler-Augsburg, Meyer-Leipzig, Neumann-Magdeburg (Stellv. Vors.), Hannelore Stockert-Freiburg i. Br., Uehlecke-Essen, Veit-München, Wagner-Mainz, Wanzke-Wuppertal, Dr. Wegener-Hannover, sowie Eichhorn-Hamburg, Frisch-Ludwigslust, Dr. Linder-Warendorf, Luckhard-Berlin, Rudolph-Pforzheim, Schaar-Essen, Schmidt-Potsdam, Seidler-Nürnberg, Dr. Stemmler-BMVBS Berlin. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 70 und Bericht in ZfV 4/2007 S. 269 - 03.06.07/21.06.07/30.07.07

 

 

191.   Weitere Instrumente aus Essen. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum hatte vor 2 Jahren zahlreiche  Instrumente des Fachbereichs Vermessung der FH - Uni/GHS Essen-Duisburg in seine Sammlung übernommen (vergl. unsere Mitt. Nr. 92). Jetzt hat unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried weitere Sammlungsstücke aus Essen erhalten, u.a. einen Doppelbildkomparator nach Ochsenhirt für 1m-Stäbe, eine Gravitationswaage und die von unserem Kuratoriumsmitglied Professor Herbert Kapelle einst aufgebaute Dia-Sammlung. Sie umfaßt ca. 1000 Bilder. Sie wurde zu Vorlesungszwecken erstellt und zeigt zu großen Teilen Abbildungen von historischen Instrumenten (Bilder, Schnitte, Prinzipskizzen).

   Mit dieser Übernahme ist auch der letzte Rest der Sammlung klassischer Vermessungsinstrumente aus Essen in unsere Sammlung überführt worden und damit "sichergestellt". Im Laufe des Sommers wird in Essen alles geräumt sein - das Essener Vermessungsstudium ist endgültig Vermessungsgeschichte. Die historischen Instrumente im Vermessungstechnischen Museum – besonders für über 50 Absolventen-Jahrgänge erlebbare Erinnerung. – Glückauf Vermessungswesen und Geoinformatik  an der Technischen Fachhochschule Bochum! - 27.05.07

 

190.   Eratosthenes-Preis 2007. Das Stifterkollegium zur Verleihung des Eratosthenes-Preises wird am 18. Juni 2007 in Bremen über die diesjährige Preisverleihung entscheiden. Dem Stifterkollegium (Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen, Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Wolfgang Torge, Hannover und Erster Vorsitzender Norbert Kalischewski, Dortmund) liegen 5 Vorschläge zur Begutachtung vor. Die Preisverleihung erfolgt während der Eröffnungsveranstaltung der INTERGEO in Leipzig am Dienstag, den 25. September 2007. - 20.05.2007

 

189.   "Reisen vor Jahrhunderten" heißt eine Ausstellung in der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund. Sie umfaßt insgesamt 10 Vitrinen, in denen Bücher, Karten und Handschriften zum Thema Reisen ausgestellt sind. In 5 Vitrinen sind Leihgaben des Förderkreises plaziert und entsprechend mit Kurzbeschreibungen versehen. Zu sehen noch bis zum 25. Mai. - 12.05.07

 

188.   Hansen-Gedenktafel in Gotha enthüllt 

    Am 18. April 2007 wurde eine Gedenktafel zu Ehren des Astronomen und Geodäten Peter Andreas Hansen an der ehemaligen Sternwarte in Gotha, Jägerstraße 7, mit nachstehender Inschrift enthüllt:

   "Dieses 1857 durch Hofbaumeister Scherzer errichtete Gebäude diente als Wohn- und Arbeitsstätte von Peter Andreas Hansen (1795 - 1874), bedeutender Astronom und Geodät des 19. Jahrhunderts.

   Seit 1825 trug er als Direktor der Gothaer Sternwarte durch astrometrische Beobachtungen, durch Berechnungen der Bahnen von Mond und Planeten mit ihren Störungen und durch die Konstruktion von Beobachtungsgeräten wesentlich zur Entwicklung der Astronomie in seiner Zeit bei. Als Geodät führte er ab 1838 die Landesvermessung des Herzogtums Gotha durch, entwickelte dabei neue Berechnungsmethoden wie die "Hansensche Aufgabe" und war später leitend an der Europäischen Gradmessung beteiligt. Die "Neue  Herzogliche Sternwarte" - 1859 hinter dem Wohnhaus bezogen - galt mit ihren Instrumenten als  Musterbau  eines astronomischen Observatoriums. - Deutscher Verein für Vermessungswesen - Landesverein Thüringen und Bund der Öff. bestellten  Vermessungsingenieure (LG Thüringen) im Jahre 2007."

Hansen wurde in Tondern in Schleswig geboren, arbeitete zunächst als Uhrmacher, war bei der Gradmessung in Holstein und der Sternwarte in Hamburg-Altona tätig. 1825 begann sein langes Wirken in Gotha, er wurde Direktor der  Seebeck-Sternwarte. 1837 erhielt er den Auftrag, das Gothaer Herzogtum zu vermessen. Für die Ausgleichung seiner Triangulation nach vermittelnden Beobachtungen mit Bedingungsgleichungen entwickelte er eigene Lösungen.  

   Zur feierlichen Enthüllung durch Hagen Graeff, Präsident des Dt. Vereins für Vermessungswesen (DVW) und Michael Osterhold, Vorsitzender des Landesvereins Thüringen des DVW war mit Anneliese Ruttmann aus Erfurt sogar eine Ururenkelin Hansens zu den Festveranstaltungen erschienen, die an das Wirken Hansens erinnerten. Die heute privat genutzte ehemalige Sternwarte ist baulich gut erhalten und soll bald das inzwischen rekonstruierte Hansensche Äquatorial wieder am alten Platz als Erinnerungsstück aufnehmen, wie Dr. Helmut Hoffmeister berichtet, der diese historische Ehrung maßgeblich mit initiiert hat. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 119.  - 04.05.07

 

187.   Helmut Minow 85

     Dipl.-Ing. Helmut Minow, Ehrenmitglied unseres Förderkreises, vollendet am 29. April 2007 sein 85. Lebensjahr. Unsere herzliche Gratulation gilt dem Jubilar, den wir nach schwerer Erkrankung erst kürzlich wieder engagiert in der Kuratoriumssitzung erleben durften. Als Förderkreis verbinden wir unsere guten Wünsche mit dem Glückwunsch zu einem weiteren Goldenen Jubiläum – seit 1957 Jahren hat Helmut Minow beständig wertvolle Beiträge zur Vermessungsgeschichte veröffentlicht – seit 50 Jahren.

      Geboren in Dortmund, studierte Helmut Minow an der Staatsbauschule Essen und trat 1958 als Vermessungsbeamter in den Dienst der Stadt Dortmund. Engagement im VDV, seit 1975 als Obmann des Arbeitskreises „Geschichte des Vermessungswesens“, wirkte  er maßgeblich für den Aufbau der Sammlung „Praxis Geometriae“ als Kernstück der Ausstellung „5000 Jahre Vermessungswesen“ – die wesentliche Grundlage der Schausammlung des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum im Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Seine ersten Veröffentlichungen im „Fluchtstab“ erschienen 1957 zu Fragen aus der Praxis, aber auch schon über Mercator und Soldner. Die Liste der Veröffentlichungen zur Vermessungsgeschichte umfaßt nahezu 100 Beiträge und mehrere Bücher. Helmut Minow erinnerte ausführlich an das Wirken u.a. von Al-Biruni, P. Anich, Benzenberg, Bessel, Eratosthenes, Kepler, Seb. Münster, Piri-Reis, Ptolemaios, Pytheas, Pythagoras. Die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse der Altvorderen in Erinnerung zu rufen und dabei verbliebenen Rätseln nachzuspüren und dem Leser verständlich nahezubringen – ein ganz besonderes  Anliegen von Helmut Minow. Mit dem gleichen Ziel initiierte er die Herausgabe von Reprints wertvoller alter Werke. Sein reich ausgestattetes Handbuch „Historische Vermessungsinstrumente“ erschien 1982/90 in zwei Auflagen.

       Der Förderkreis würdigte das Wirken von Helmut Minow und dessen  weitblickende Vorarbeiten für den Förderkreis 1996 mit der Ehrenmitgliedschaft. Anläßlich der Verleihung der Ehrenmedaille 2006 rief Präsident Harald Lucht in Erinnerung, Helmut Minow habe 1975 in der Gründungsversammlung des Förderkreises mit einer Charta der Vermessungsgeschichte einen Überblick zur Geschichte der Technik und insbesondere des Vermessungswesens die Ziele des Förderkreises zum Vermessungstechnischen Museum vorgezeichnet. Helmut Minow engagiere sich seit der Gründung des Förderkreises vor über 30 Jahren im Vorstand und im Kuratorium und widmete sich darüber hinaus mit besonderer Vorliebe über lange Zeit der Bibliothek des Förderkreises, deren Bestand durch seine Initiative einen ganz besonderen Rang erlangt hat und heute bundesweit einen ausgezeichneten Ruf genießt.

       Der Förderkreis gratuliert seinem Jubilar und Vordenker und wünscht ihm und seiner Frau alles Gute und weitere spannende Jahre mit und in der Vermessungsgeschichte. - 27.04.07

 

186.   Vor 50 Jahren - der Verband Deutscher Vermessungsingenieure VDV stellte Weichen in die Zukunft. Am 27. 4. 1957 fand in Essen-Baldeney eine außerordentliche Hauptversammlung des VDV statt. Hintergrund waren vorausgegangene quälende Auseinandersetzungen um die Zukunft des gerade 8 Jahre bestehenden Verbandes. Es ging um die Frage, Anschluß des VDV an den Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure BDB oder der Erhalt der Eigenständigkeit, als reiner Ingenieurverband. Beteiligte erinnern sich, es wurde nächtelang gerungen. „Mit überwältigender Mehrheit wird unter dem Vorsitz von Wolfgang Beicken der Wille zum VDV als Ingenieurverband und die Mitgliedschaft im ZBI bekundet“ – entnehmen wir der Chronik zum 50-jährigen Bestehen des VDV 1999. Diese Festschrift wurde von Wolfgang Beicken, Josef Heyink, Dr. Kurt Kröger und Hans Soest erarbeitet -  eine ungemein reiche Quelle der Geschichte des VDV. Wir erinnern an diese richtungsweisende und segensreiche Entscheidung vor 50 Jahren.

Quelle: VDV Verband Deutscher Vermessungsingenieure 1949 –1999, VDV (Herausgeber), Autoren: siehe oben, Druck bei Chmielorz, Wiesbaden 1999 - ISBN 3-87124-203-9 - 21.04.07

 

185.   Die Schmettausche (Kabinetts-) Karte 1:50.000 des gesamten preußischen Staatsgebiets östlich der Weser (insgesamt 270 Blätter)  entstand 1767 bis 1787.  Daran erinnerte ein Vortrag im Landesverein Thüringen des DVW  "Friedrich Wilhelm Carl Graf von Schmettau - zum 200. Todestag eines Wegbereiters der flächendeckenden Landesaufnahme"  von Peter Köhler, Weimar, nachlesenswert abgedruckt  in der Zs.  Kartographische Nachrichten, Fachzeitschrift für Geoinformation und Visualisierung, Heft 1/2007  Seiten 36 - 41. - Hauptschriftleiter Dr. Rolf Harbeck konnte in seinem Editorial berechtigt feststellen, daß die Kartographie heute als ein wachsender innovativer Wirtschaftszweig von der Gesellschaft wahrgenommen wird. - Zu Schmettaus Zeiten (und in einzelnen Staaten noch bis weit ins vergangene Jahrhundert) unterlagen Kartenwerke strikter Geheimhaltung - heute in unseren offenen Gesellschaften und in Zeiten von Google Earth und moderner Informationstechnik nicht mehr vorstellbar. - 12.04.07

 

184.   Wir erinnern an Hugo Reist anläßlich seines 100. Geburtstags.

  Hugo Reist, Leiter und Präsident des Landesvermessungsamtes Baden-Württemberg in Stuttgart von 1961 bis 1971, war einer der maßgeblichen Gründungsväter der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik (AdV). Er wurde am 8. 4. 1907 in Schwäbisch Gmünd geboren und verstarb am 20.12. 1999 in Ellwangen/Jagst -  sein 100. Geburtsjahr  vollendet sich in diesen Tagen. Seiner zu gedenken ist ein vermessungsgeschichtliches Anliegen weit über sein langes Wirken in Baden-Württemberg hinaus. Hugo Reist gehörte zu den Persönlichkeiten, die nach dem zweiten Weltkrieg das amtliche deutsche Vermessungswesen neu aufgebaut und wesentlich mitgestaltet haben.

  Studium der Geodäsie an der TH in Stuttgart, Große Staatsprüfung 1934, Überlegungen für ein Wirken in der Stadtvermessung, Tätigkeit in oberen und obersten Landesbehörden in Baden-Württemberg kennzeichnen seinen Lebensweg bis hin zur Spitzenstellung als Präsident des Landesvermessungsamtes.

  Die Situation im deutschen Vermessungswesen nach dem zweiten Weltkrieg war beklemmend. Reist selbst zitiert aus dem von ihm als Testament bezeichneten Manuskriptdruck von Albert Pfitzer (1882 – 1948) „Vermessungswirklichkeit und Vermessungshilfen“ (Berlin 1948) über „das Trümmerfeld des amtlichen Vermessungsdienstes“: Verlust an Grundmaterial und Instrumenten, Notdächern über Ruinen dienstlicher Behausungen, überall Zeichen des Unheils, die der totale Krieg und der totalen Niederlage folgten. -

  Am Anfang eines Neubeginns stand die interzonale Geodätentagung 1947 in Berlin, auf die wir hier näher im September dieses Jahres eingehen wollen.

  1948 – Deutschland war in Besatzungszonen eingeteilt. Der Deutsche Verein für Vermessungswesen konstituierte sich für die britische Zone am 29. April 1948 in Hannover. Die aus Süddeutschland angereisten Vertreter fuhren noch am gleichen Abend mit dem Nachtschnellzug gen Süden,  Friedrich Kurandt, Max Kneissl und Hugo Reist – in „gedrückter Stimmung“ wie Reist 1968 bei der 20-Jahr-Feier der AdV sagte, und: „Gefragt war ein Konzept des ganzen, nicht immer mit nüchternem Blick für das Erreichbare“. Man verabredete, eine Zusammenkunft der Vermessungsverwaltungen der amerikanischen Zone in Stuttgart zu organisieren, aus Bayern (durch Kneissl) sollte eine schriftliche Anregung kommen – Reist erhoffte, am ehesten ministerielle Einladungen nach Stuttgart zu erreichen. Kurandt war damals 56 Jahre alt, Kneissl und Reist 15 Jahre jünger. So kam es zur Gründungsversammlung der AdV im Herbst 1948 (ausführlich wollen wir daran im kommenden Jahr erinnern). Über die denkwürdigen wirtschaftlichen Umstände am Rande der Gründungsversammlung 1948 hat der Präsident des Landesvermessungsamtes Hansjörg Schönherr (und Mitglied im Förderkreis) 2004 berichtet – vergl. unsere Mitteilung Nr. 61.

  Zum Kern des beruflichen Wirkens von  Hugo Reist gehörte der Wiederaufbau der staatlichen Vermessungsverwaltung in Baden-Württemberg, die wesentlichen Perspektiven der technischen Modernisierung fallen in seine Zeit. Er erreichte 1961 für Baden-Württemberg eines der ersten modernen Vermessungsgesetze der Bundesrepublik. Auf seine Initiative entstand eine vollständige Bibliographie des württembergischen Vermessungswesens 1818-1968. Hansjörg Schönherr schrieb in seinem Nachruf 2000: „Sein berufliches Werk sehen wir mit größtem Respekt und mit größter Hochachtung. Diesem Werk wie dem Menschen Hugo Reist gilt unsere Erinnerung und unser gutes Gedenken.“

  Literaturauswahl: Hugo Reist: Zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen, ZfV 1969 S. 1-5; Gerhard Hampel: Präsident a.D. Hugo Reist 70 Jahre alt, ZfV 1977 S. 188-189; Hans Vetter: Präsident Reist – 90 Jahre alt, ZfV 1997 S. 245; Hansjörg Schönherr: Präsident a.D. Hugo Reist gestorben, ZfV 2000 S. 145. - 02.04.07

 

 

183. Johann August Röbling - Ingenieurbau zwischen Kunst und Wissenschaft heißt eine Ausstellung der Mühlhauser Museen in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin in der INGENIEUR KUNST Galerie Berlin, Burgstraße 27. Eröffnung ist am 5. April 2007 um 19 Uhr, bis 06. Mai 2007, Öffnung Mi - So, 12 - 20 Uhr. Siehe auch unsere Mitt. Nr. 160. - 29.03.07

 

182. Bundesverdienstmedaille.  Burkhard Kreuter, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Vermessungsingenieure (VDV), ist die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik für sein langes erfolgreiches Wirken für den Berufsstand verliehen worden.  Kreuter ist seit 1989 auch engagiertes Mitglied im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund. - 26.03.07/02.03.07

 

181.   Seit 4 Jahren erinnern wir hier an interessante vermessungshistorische Ereignisse, Veranstaltungen, Gedenktage, Schriften und geben Mitteilungen aus unserem Förderkreis.  - 20.3. 2007

 

180.  Das  Wirken von Geodäten für Harzwanderer.  Auf der Schalke findet man in 762 m Höhe Schutz in einer massiven Holzhütte - der Pötzschner-Hütte, wie ein großer Schriftzug über dem Eingang zeigt. Namensgeber ist Dr.-Ing. Wolfgang Pötzschner. Er wirkte 1978 bis 1985 als Hauptkartenwart im erweiterten Vorstand des Harzklubs. Er engagierte sich außerdem für Naturparkkarten weit über Niedersachsen hinaus und wurde Kartenreferent des Verbandes Deutscher Naturparke – ein Geodät und Kartograph aus Passion. Geboren 1913 in Oelsnitz im Vogtland, studierte Wolfgang Pötzschner in Dresden Geodäsie. 1955 folgte die Promotion  bei Professor Walter Großmann an der Technischen Hochschule in Hannover. Seit 1964 Chef der Abteilung Grundlagenvermessung der Landesvermessung Niedersachsen war Dr.-Ing. Wolfgang Pötzschner bis zu seiner Pensionierung 1978 stellvertretender Leiter des Landesvermessungsamtes. Seine Vorliebe für die Natur, die Menschen und die Landkarten führte zu seinem Engagement im Harzklub; er starb 1999 in Hannover.

Nachdem im Jahr 2000 der markante Betonturm (lange alliierter Horchposten) auf der Schalke abgebrochen werden konnte, wurde nicht nur der dortige zivile Aussichtsturm an seine alte Stelle versetzt. Frau Pötzschner sorgte mit Unterstützung des Harzklubs 2003 für den  Bau einer neuen Schutzhütte, jener Pötzschner-Hütte. Sie wurde dabei unterstützt von Dr.-Ing. Hans Bauer, dem früheren Leiter der Abteilung Landesvermessung des damaligen niedersächsischen Landesverwaltungsamtes, der sich bald nach dem Ausscheiden von Wolfgang Pötzschner ebenfalls für das Kartenwesen als Hauptkartenwart im Harzklub engagierte. Sein Nachfolger ist seit 2006 Dr.-Ing. Udo Heineke. -  Immer wieder haben sich Geodäten in leitenden Stellungen mit viel Engagement für den Harz, seine Traditionen und den Wanderer eingesetzt – so auch Dr.-Ing. Erich Haupt (1920 – 1987), der als Hauptdezernent im ehemaligen Regierungsbezirk Hildesheim (1965 – 1985) Wandertafeln an größeren Parkplätzen im Harz aufstellen ließ, um Wanderern auf der Grundlage der deutschen Grundkarte  1:5000 den Weg zu weisen.  - Kürzlich erhielt der Förderkreis wertvolle Unterlagen aus dem Nachlaß von Wolfgang Pötzschner. Unser Museumsbeauftragter Ingo von Stillfried ist darüber besonders erfreut. – 10.03.07

 

 

179.   Eratosthenes-Preis - Termin 15. 4. 2007. Der mit 2500 € dotierte Eratosthenes-Preis ist  für herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der geschichtlichen Forschung im Vermessungswesen ausgelobt. Er soll in diesem Jahr anläßlich der feierlichen Eröffnung der INTERGEO am Dienstag, den 25. September 2007  in Leipzig verliehen werden. Das Statut und die Namen früherer Preisträger sowie die Titel der preisgekrönten Arbeiten können auf dieser Homepage eingesehen werden. Wir erinnern daran, geeignete Arbeiten bis zum 15. April 2007 an die Adresse Stifterkollegium des Förderkreises, Postfach 10 12 33 in 44012 Dortmund einzureichen. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 124 und 119. - 26.02.07 

                                                                                                                                                              

178.   Mitgliederversammlung am 12. Februar 2007.

    Ein erfreulich großes Auditorium konnte Präsident Harald Lucht aus Bremen  in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte  der Stadt Dortmund begrüßen,  nahezu 60 Mitgliedern und Gäste, darunter selbst aus Thüringen angereiste Kollegen. Er überbrachte Grüße vom Gründungsvorsitzenden Siegfried Stahnke und von Dr. Kurt Kröger und Helmut Minow. Ltd. Museumsdirektor Wolfgang E. Weick begrüßte die Versammlung und lobte das Mäzenatentum, das in der heutigen Ehrung zu Ausdruck komme.

    Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Wolfgang Torge aus Hannover stellte Prof. Dr.-Ing. Wolf-Dieter Schuh vor, der in Bonn den Lehrstuhl für Theoretische Geodäsie innehat. Er sprach zum Thema: „Bosćowić statt Gauß: Ein alternatives Ausgleichungsprinzip und sein Stärken – ein Blick in die Berechnungsmethoden des 18. Jahrhunderts“. Er erinnerte einleitend an die Erkenntnisse von Newton, die Figur der Erde sei abgeplattet,  die Gradmessungen von Peru und Lappland auch an Clairaut (1713-1765), der die Abplattung mit 1:230 ermittelt hatte. Bosćowić (1711-1787) kannte schon die Ergebnisse von 5 Gradmessungen und führte bei der Ausgleichung der überschüssigen Beobachtungen als erster die Absolutsummen der Beobachtungsverbesserungen zum Minimum. Euler, Legendre, Tobias Mayer und schließlich C. F. Gauß mit der Methode der kleinsten Quadrate führten andere Minimumsbedingungen ein. Prof. Schuh fesselte die Zuhörerschaft mit einem glanzvoller Vortrag über historische Rechenansätze in moderner Betrachtungsweise.

     Nach dem Dank an den Vortragenden überreichte Präsident Harald Lucht die Ehrenmedaille des Förderkreises an Dipl.-Ing. Dirk Reitis. In Berlin geboren, hat Herr Reitis über mehrere Jahrzehnte in Dortmund segensreich gewirkt, seit 1995 als Geschäftsführer der Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH. Er stand am Anfang der Graphischen Datenverarbeitung vor 30 Jahren bei der VEW Dortmund. Dirk Reitis erkannte früh die enge Verzahnung der Datenverarbeitung mit den vielfältigen Aufgaben in der Vermessungstechnik. Ebenso wuchs sein hohes Interesse an der Geschichte geodätischer Instrumente. Aus dieser Grundhaltung heraus durfte der Förderkreis bei Aufbau und Pflege seiner Schausammlung Vermessungsgeschichte im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund immer wieder die wohlwollende Unterstützung durch Herrn Reitis erfahren. In seinem Dank für die Ehrung erinnerte Dirk Reitis an die seinerzeitige vielfältige Zusammenarbeit auch in der Leitungsdokumentation. Dankbar erwähnte er dabei die Verdienste unseres Ehrenmitglieds Friedel Pfeifer, der in jenen Jahren die maßgeblichen inhaltlichen Impulse bei der VEW gegeben habe. Faszinierend sei im übrigen, damals brauchte es einen großen Saal für die Hardware, heute reiche ein USB-Stick als Speicher.

     Herr Reitis überreichte dem Förderkreis ein wertvolles Buchgeschenk: das antiquarisch erworbene zweibändige Werk von Johann von Lamont (1805-1879) „Magnetische Ortsbestimmungen, ausgeführt an verschiedenen Punkten des Königsreichs Bayern und an einigen auswärtigen Stationen“,  München 1854. Lamont war in vier wissenschaftlichen Disziplinen aktiv, in der Astronomie, der Geodäsie, der Meteorologie und im Erdmagnetismus, zusammen mit C. F. Gauß, Weber, Alexander von Humboldt, Soldner u.a. –  eine besondere Rarität.

     Nach einer Kaffeepause übergab zunächst Dr.-Ing. Erich Siems dem Förderkreis das über 500 Seiten starke Werk von Jürgen Stumpf: „Die ältesten Eisenbahn-Vermessungen im niedersächsischen Raum“. Erich Siems hatte diese Schrift auf der Basis der Unterlagen des verstorbenen Kollegen erarbeitet. Daraus soll später eine Veröffentlichung in unserer Schriftenreihe entstehen. Siehe unsere Mitt. Nr. 177.

     Unser Eratosthenes- Preisträger Manfred Spata informierte dann über das Projekt einer Dauerausstellung HistoriKa25 im Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen „200 Jahre Landesvermessung“. Er verwies u.a. auf die Aussage des NW-Innenministers Dr. Wolf, „Als erstes historisches Produkt steht nun – passend zum 60. Geburtstag des Landes – die HistoriKa25 zur Verfügung. Weitere Schritte werden folgen, mit denen die in 200 Jahren gewachsene Vielfalt von Kartographie und Vermessung, veranschaulicht und für jedermann erlebbar …“ Die projektierte Dauerausstellung werde eine technikpädagogische Show, kein Museum.

     Aus der weiteren MV ist der Tätigkeitsbericht des Ersten Vorsitzenden Norbert Kalischewski hervorzuheben („es war ein ruhiges Jahr“) und insbesondere der Bericht unseres Museumsbeauftragten Ingo von Stillfried, der über den Neuzugang historischer Instrumente berichtete. Ein kürzlich von ihm bei eBay ersteigerter mechanisch-aufzeichnender Ballon-Theodolit konnte unmittelbar bestaunt werden.

     Ein mit großem Beifall bedachter Dank der Mitgliederversammlung galt Dipl.-Ing. Thomas Strate, der über 8 Jahre als Schatzmeister gewirkt hatte. Zu seinem Nachfolger wurde Dipl.-Ing. Franz-Josef Gocke gewählt. Mit der Einladung zum 10. Symposium für Vermessungsgeschichte am 18. Februar 2008 durch Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß (vergl. Mitt. Nr. 146 ) schloß die Versammlung. - 14.02.07

 

177.   Die ältesten Eisenbahnvermessungen im Königreich Hannover. Anläßlich der Mitgliederversammlung 2007 übergibt Dr.-Ing. Erich Siems dem Förderkreis ein außerordentlich umfassendes Werk über  die ältesten Eisenbahnvermessungen, ursprünglich aus der Feder von Jürgen Stumpf (1925 – 2005). Die Schrift umfaßt über 500 Seiten und ist für unsere Bibliothek gedacht. Die mit der Planung, dem Bau und insbesondere der Vermessung der ersten Eisenbahnstrecken im niedersächsischen Raum verbundenen Aspekte sind darin untersucht und mit großer Sorgfalt dokumentiert worden. -

     Vermessungsdirektor Jürgen Stumpf war seit 1964 Leiter des Katasteramts Burgdorf bei Hannover, und später bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1990 Dezernent bei der Bezirksregierung Hannover. Zunächst nebendienstlich widmete er sich seit 1990 vertieft der selbstgestellten historischen Forschungs-Aufgabe. Er nahm Kontakt zu unserem Förderkreis auf. Als er dann krankheitsbedingt kürzertreten mußte, kam er nur noch langsam voran, und schließlich mußte er die Arbeiten ganz aus der Hand legen. -

     Ltd. Bundesbahndirektor a.D. Dr.-Ing. Erich Siems war über viele Jahre in der Zentralen Transportleitung der Deutschen Bundesbahn für die Eisenbahnvermessungen in der Bundesrepublik zuständig. Der Förderkreis konnte ihn für das 9. Symposium für Vermessungsgeschichte im Februar 2005 gewinnen. Er bereicherte den Reigen von über 5000 Jahren  angewandte Geometrie „Von Gizeh bis DESY“ mit einem Vortrag „Erste Eisenbahnen – nicht ohne Feldmesser“. Er war besonders prädestiniert, die Untersuchungen von J. Stumpf zu vollenden und nahm gerne unsere Anregung auf, sich mit dem Kollegen Stumpf in Verbindung zu setzen. -

     Jürgen Stumpf verstarb im Juli 2005, kurz nach seinem 80. Geburtstag. Seine Frau und sein Sohn waren sehr gerne bereit, Erich Siems die reichhaltigen Unterlagen (zahlreiche Ordner, ältere Computerdateien, Kartenrollen) zu übergeben. Und Erich Siems übernahm die Herkules-Aufgabe, den fachhistorischen Nachlaß zu sichten – und im Sinne von Jürgen Stumpf zu einem guten Ende zu bringen. Über ein Jahr lang hat er in ungezählten Stunden daran gearbeitet und das Werk vollendet. Er legt uns nun das Ergebnis vor - Jürgen Stumpf: „Die ältesten Eisenbahn-Vermessungen im niedersächsischen Raum“.

       Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund übernimmt dieses große Werk sehr gerne und  ist Herrn Dr.-Ing. Erich Siems für diese Dokumentation außerordentlich dankbar. Auf unsere Anregung soll daraus demnächst eine „Kurzfassung“ für eine Veröffentlichung in unserer Schriftenreihe entstehen. - Zu J. Stumpf Vergl. auch Mitt. Nr. 169. - 07.02.07  

 

176.   Über 250 Jahre alt.  Unsere Bibliothek konnte mit einer Reihe von älteren Büchern bereichert werden. Unserem  Bibliothekar Dr. Hartwig Junius gelang u. a. der antiquarische Erwerb einer "Vermessungskunde" von Elias Schulz von 1754, verlegt in Frankfurt und Leipzig von Peter Conrad Monath, Format ca. A5, 49 Seiten. Ein "geometrisches Handbüchlein in welchem alle möglichen Vortheile, sowohl im Ausmessen derer Felder, und Auftragen auf das Papier, als auch deren Inhalt zu finden und in verschiedene Theile zu bringen, gezeigt werden ...." - eine besondere Rarität. 30.01.07

 

175.   Eine Millionen Mal "Die Vermessung der Welt". 

Die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung  (21.1.07)  interviewte den bekannten Publizisten und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und fragte auch: "Zurzeit sind deutsche Romane so erfolgreich wie lange nicht. Daniel Kehlmanns Roman hat sich fast eine Millionen Mal verkauft. Was halten Sie von ihm?" Reich-Ranicki: "Kehlmanns Erfolg freut mich außerordentlich" - und er sei ein Beweis für die besondere Kultur unterhaltsamer Literatur. - Der Roman steht seit über 70 Wochen (!) auf Platz 1 der Bestseller-Liste des SPIEGEL. Vergl. unsere Mitt. Nr. 155, 151 und 136. - 22.01.07

Nachtrag 30.3.07: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) widmet heute die Seiten 37 und 41 im Feuilleton dem Roman von Kehlmann 'Wie die Welt auf "Die Vermessung der Welt" reagiert". Korrespondenten referieren die Kritik in den 7 Ländern USA, China, Spanien, Frankreich, Ungarn, Italien und Niederlande - und berichten von überwiegend positiver Aufnahme. Die individuell und themenbezogen gestalteten farbigen Buchdeckel sind abgebildet. Die ersten 2 Sätze des Romans werden in den 7 Sprachen wiedergegeben - sogar in chinesischen Schriftzeichen. - 22.01.07/30.3.07

 

173.   Geographisches Zentrum der EU nach Hessen gewandert. Mit der Erweiterung der Europäischen Union um Bulgarien und Rumänien ist auch der geographische Mittelpunkt der EU nach Osten gewandert. Er liegt nun in Meerholz bei Gelnhausen, der alten Reichsstadt  in Hessen. Berechnet hat ihn Jean-Georges Affholder vom  Institut Géographique Nationale (IGN) in Paris. Schon vor 20 Jahren hatte der Ingenieur Affholder sich auf die geodätische Suche nach dem Mittelpunkt des vereinten Europas begeben. Damals zählte die EU 12 Staaten und der Schwerpunkt lag in Frankreich, in Saint-André-le-coq nahe dem Puy de Dome. Vor der jüngsten Erweiterung lag das Zentrum in Kleinmaischeid nahe Koblenz. Das der Ermittlung zugrundeliegende Rechenverfahren beruht  auf der Gauß'schen Flächen-Formel. Die Wanderung der geographischen Mitte Europas - eine bemerkenswerte Vermessungsgeschichte. - Quelle: F.A.Z. vom 4. Januar 2007, S. 7. - Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 141 zur Berechnung des geographischen Mittelpunktes von Nordrhein-Westfalen. - 05.01.07

 

172.   Vorblick.   Wir wünschen allen Damen und Herren Besuchern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest 

und ein gesundes Neues Jahr. - 19.12.06

 

171.    Rückblick.  

"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." sagte einst Alexander von Humboldt. Wir erinnern auf dieser Seite an Persönlichkeiten aus dem Vermessungswesen in ihrer historischen Bedeutung. Wir möchten so mithelfen, deren Wirken in ihrer Vermessungsgegenwart zu erkennen, die heute Vermessungsgeschichte ist. 

Wir haben hier aus Anlaß runder Jahrestage erinnert an historische Persönlichkeiten, u.a.  Johann Friedrich Benzenberg (Mitt. Nr. 168, 95), Friedrich Wilhelm Bessel ( 157, 058), Otto Eggert (54), Carl Friedrich Gauß (156, 114), Friedrich Gustav Gauß (101),  Walter Großmann (120),  Heinrich Lübke (45), Johannes Nittinger (162), Oscar Schreiber (121). Und wir haben Persönlichkeiten zu besonderen Anlässen gratuliert, die früher und bis in die Gegenwart der Vermessungsgeschichte besonders nahestehen, so u.a. Franz Allmer (167, 129), Heinz Draheim (122, 15). - 18.12.06

"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." sagte einst Alexander von Humboldt. Wir erinnern auf dieser Seite an Persönlichkeiten aus dem Vermessungswesen in ihrer historischen Bedeutung. Wir möchten so mithelfen, deren Wirken in ihrer Vermessungsgegenwart zu erkennen, die heute Vermessungsgeschichte ist. 

Wir haben hier aus Anlaß runder Jahrestage erinnert an historische Persönlichkeiten, u.a.  Johann Friedrich Benzenberg (Mitt. Nr. 168, 95), Friedrich Wilhelm Bessel ( 157, 058), Otto Eggert (54), Carl Friedrich Gauß (156, 114), Friedrich Gustav Gauß (101),  Walter Großmann (120),  Heinrich Lübke (45), Johannes Nittinger (162), Oscar Schreiber (121). Und wir haben Persönlichkeiten zu besonderen Anlässen gratuliert, die früher und bis in die Gegenwart der Vermessungsgeschichte besonders nahestehen, so u.a. Franz Allmer (167, 129), Heinz Draheim (122, 15). - 18.12.06

 

170.   Die Landesvermessung im Spiegel deutscher Brauereien - Vermessungsgeschichte auf Bierdeckeln.

Prof. Dr.-Ing. Hans Fröhlich hat attraktive Zeitzeugen für 200 Jahre Lagebestimmungen in der Landesvermessung gesucht – und fand sie im Logo von  Brauereien, auf Bierdeckeln und Flaschenetiketten. Mit Unterstützung von Matthias Haag hat er in diesem Jahr zwei lesenswerte Broschüren im Selbstverlag herausgegeben – Band I  für Nordrhein-Westfalen (65 Seiten) und Band II für Baden-Württemberg (82 Seiten).  -

Einführung in die Landesgeschichte, die historische Entwicklungen der Landestriangulationen und der Katasteraufnahmen mit Netzbildern und Portraits bekannter Geodäten leiten die Bände ein. Abbildungen von Brauereien und Trigonometrischen Punkte bilden den reizvollen Kern dieser besonderen  Bände, jeweils eröffnet von der Geschichte des Bieres. Bierdeckel mit historischen Stadt- und Kirchenansichten, eben TP’s, Netzskizzen und manche reizvolle Anekdote runden diese liebevoll gestalteten Bände ab (je 11,50 €). - Gegenwärtig ist der Band III „Von der Nordsee durch Hessen zur Pfalz“ in Vorbereitung. 

Kontaktadresse: hans.froehlich@fh-bochum.de  -05.12.06  

 

169.  Ein alt-ehrwürdiges Katasteramt. Die „Kataster-Landschaft“ hat sich in der (alten) Bundesrepublik in den vergangenen 50 Jahren geradezu  revolutionär verändert. Damals – die 48-Stunden-Woche, Meßstangen-Transport am Fahrrad, Kurbelrechenmaschine, Lichtpausen mit Sonnenlicht oder Kohlenstablampe und Salmiak-Entwicklung, Wienecke-Ritzverfahren, Adler-Schreibmaschine DIN A3,  Liegenschafts- wie Flurbuch als Folianten, Hand- und Ergänzungsrisse, Durchschreibe-Feldbücher, Geschäftsbuch C, legendäre Fortführungsanweisung II – nostalgische Erinnerungen. Lange noch ein dreistufiger Verwaltungsaufbau der Katasterverwaltung, gefürchtete Geschäftsprüfungen des Regierungspräsidenten. Allein z. B. in Niedersachsen gab es 64 Katasterämter. Sie sind Geschichte – Kataster- und Vermessungsgeschichte.

Der Autor dieser Zeilen hatte jüngst Gelegenheit, an einem Treffen der Ehemaligen eines Katasteramtes teilzunehmen –  in dem er selbst vor über 50 Jahren den Vermessungsberuf begonnen hatte. Das Katasteramt Burgdorf wurde Ende 1975 zusammen mit den Ämtern in Springe und Neustadt in das Katasteramt Hannover eingegliedert. Seitdem, seit über 30 Jahren, treffen sich Ehemalige und deren Partner regelmäßig einmal im November: Techniker, Meßgehilfen, Beamte aller Ebenen, ehemalige Chefs, frühere Lehrlinge; sie kommen z.T. von weit her, wohin sie der Beruf später geführt hat. Traditionspflege, Berichte aus alter Zeit, von Höhepunkten bei pfundigen Betriebsfesten – damals Sonnabends nach 14 Uhr. Das Leben nach dem Beruf und dennoch im Miteinander. Und freundliche Erinnerungen an die damaligen Leiter des Katasteramts Burgdorf, bis 1964 Werner Möhlenbrink (1899 – 1996) und bis 1975 Jürgen Stumpf (1925 – 2005). – Ob es weitere solcher Treffen gibt? Der Corpsgeist jener alten Katasteramts-Zeiten läßt dies vermuten. Tatsächlich sind sie in Burgdorf realisiert,  dank der unermüdlichen Initiativen von zwei Ehemaligen, Frau Brigitte Rheinhardt und Herrn Alfred Wendt.

Heute gibt es in Niedersachsen nur noch 14 „GLLs“ (Behörden für  Geoinformationen, Landentwicklung und Liegenschaften), die Regierungspräsidien sind aufgelöst – und die GLLs haben zwei Dienstherren, den Innenminister und den Landwirtschaftsminister. In Bremen wurde aus der Kataster- und Vermessungsverwaltung 1995 ein Wirtschaftsbetrieb, 2002 ein Eigenbetrieb. In Hamburg und Berlin wurden die Bezirksämter in die Zentrale eingegliedert. In mehreren Flächenländern wurde die gesamte Katasterverwaltung ein einziger Eigenbetrieb.

Zeiten ändern sich. Der 1926 in Aurich in Niedersachsen geborene bekannte Züricher Philosoph und Publizist Hermann Lübbe hat dies in die Metapher der Gegenwartsschrumpfung gekleidet: „Der Zeitraum, in dem unsere Lebensverhältnisse eine gewisse Konstanz aufweisen (und den wir deshalb als Gegenwart begreifen), dieser Zeitraum wird immer kürzer“. – 

Die Gegenwart schrumpft, auch in der „Kataster-Landschaft“, doch die Vergangenheit lebt fort. – 26.11.06 

 

168.    Der Kölner Dom und Benzenberg - vor 200 Jahren.

Benzenberg hat 1806 auf dem Kölner Dom Winkel beobachtet. Hierzu ein Zitat aus einer Dokumentation des Landesvermessungsamtes Nordrhein-Westfalen „Der Kölner Dom, Vermessungspunkt der Landesaufnahme seit 1803“ (Bonn 1989):

  „Der im Mai 1805 von der bergischen Regierung in Düsseldorf mit einer Triangulation des Herzogtums Berg beauftragte Prof. J. F. Benzenberg (1777-1846) führte auf dem Kölner Dom im September 1806 Winkelbeobachtungen durch. Er benutzte den gleichen Standpunkt und den gleichen Zielpunkt wie kurz zuvor Tranchot. Der barocke Dachreiter wird von ihm als Chorturm bezeichnet. … Die Koordinaten wurden zunächst auf den Meridian und den Parallelkreis der Düsseldorfer Sternwarte, dann der Sternwarte Paris (y= 324 750 m, x=244 339 m) und schließlich mit dem Nullpunkt Düsseldorf, Lambertikirche, berechnet (y = 15 050 m, x = 31048 m).“

  Der Kölner Dom hatte seinerzeit noch einen hölzernen barocken Dachreiter. Dieser wurde bald darauf 1811 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Seine Spitze war damals auch Zielpunkt, sie war jedoch ca. 32 m niedriger als die des 1860 erbauten Vierungsturms. Beim Jahrzehnte späteren Weiterbau der Domtürme wurde dann im Vierungsturm ein eigens für die Landesvermessung geschaffener eiserner Beobachtungstisch geschaffen – Grundlage der Landestriangulation. Eine Platte mit der Inschrift „Tr. Pt. der europäischen Gradmessung 1867 Baeyer“ erinnert noch heute an das Wirken des berühmten Geodäten Johann Jacob Baeyer (1794 – 1885), der 1867 die europäische Gradmessung begründete (Vergl. hierzu unsere Mitt. Nr. 20 und Nr. 166).

Quelle: Die o.a. Dokumentation und darin insbesondere die Arbeiten von R. Schmidt: Die Kartenaufnahme der Rheinlande durch Tranchot und von Müffling 1801-1828, Bd. 1, Geschichte des Kartenwerks und vermessungstechnische Arbeiten, Köln und Bonn 1973, mit weiteren Literaturhinweisen. - 16. 11. 06

 

167.   Franz Allmer zur Vollendung des 90. Geburtsjahres. 

Wir gratulieren Franz Allmer (geb. 3. November 1916) in Graz  ganz herzlich zu seinem hohen Geburtstag. Ihm zu Ehren lädt das Institut für Navigation und Satellitengeodäsie der Technischen Universität Graz zum 20. November 2006 zu einem Festakt ein. Die Laudatio hält Dipl.-Ing. August Hochwartner, Präsident des Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen. Hon.-Prof. Wirkl.Hofrat Dipl.-Ing  Franz Allmer hat seit über 5  Jahrzehnten durch zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen zum Vermessungswesen und Kataster  für unser Fach geworben, nicht nur unter Fachleuten, sondern vor allem in der breiteren Öffentlichkeit. Sein besonderes Interesse galt und gilt darüber hinaus der Gauß-Forschung. Gerne