FÖRDERKREIS VERMESSUNGSTECHNISCHES MUSEUM E. V.
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Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Hansastraße 3
D-44137 Dortmund   
(5 Minuten vom Hauptbahnhof)

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ARCHIV zu Aktuelles               "Erinnern heißt danken"  

Redaktion: Harald Lucht (2003 – 2018), NN (2018 –

 

 

 

 

 

 

 

Jüngere Mitteilungen finden unsere Besucher auf der Seite  www.Vermessungsgeschichte.de/Aktuell.htm

 

 

    

 

625.   Das Bild der Welt zur Zeit von Martin Luther –  Salvatorkirche Duisburg
             Eine Ausstellung in der Salvatorkirche in Duisburg zeigt anlässlich des Reformationsjubiläums in 8 Themenbereichen anhand von Karten und sonstigen Darstellungen, welches Bild der Welt die Menschen vor und nach der Reformation im Jahr 1517 hatten. Dipl. Ing. Heinz Jürgen Lagoda und Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg von der Universität Duisburg-Essen zeigen, wie religiöse Prägungen, Reisen und Entdeckungen, die Wissenschaftsgeschichte und speziell die Entwicklung der Geowissenschaften von Geodäsie und Kartographie geprägt haben und  Eingang gefunden haben in die verschiedenen Darstellungen der Erde in den vergangenen Jahrhunderten.

             Eröffnet wird die Ausstellung am Sonntag, 18. Juni 2017 mit einem Gottesdienst um 10 Uhr und einem anschließenden Empfang mit den Initiatoren der Ausstellung, die nach dem Gottesdient eine kurze Einführung in die Thematik geben und durch die Ausstellung führen.

             Als Beispiel für die mittelalterliche Sicht auf die damals bekannte Welt wird in der Salvatorkirche u.a. eine verkleinerte Kopie der Ebstorfer Weltkarte zu sehen sein. Mit Jerusalem als Mittelpunkt und mit mehr als 2.300 Text- und Bildeinträgen war sie die größte und umfangreichste Weltkarte im Mittelalter. Weitere Karten der frühen Neuzeit zeigen, wie noch in der Zeit der Reformation die Gestalt und Topographie der damals bekannten Erde möglichst genau abgebildet worden war. Dazu gehören auch Beispiele der Karten von Gerhard Mercator. So enthält seine Weltkarte von 1569 auch ein Kartennetz als Bezugssystem für die geographischen Koordinaten. Zu sehen sind aber auch Nachbildungen von sogenannten Portolankarten, die nicht der üblichen mittelalterlichen Kartentradition zugeordnet werden können. Diese Karten beschreiben zunächst vorwiegend die Küstenlinien des Mittelmeerraumes und des Schwarzen Meeres, später auch Teile der Atlantikküste und des Nord- und Ostseeraumes.

             Die beiden Kuratoren der Ausstellung fasziniert aus fachlicher Sicht neben der Schönheit und Fülle der Darstellung insbesondere die Genauigkeit insbesondere auch jener Portolane. „Die erreichte Präzision ist Ergebnis einer noch nicht zu erklärenden Ingenieurleistung in der Zeit ihres Entstehens. Die genauen Entstehungs- und Organisationshintergründe liegen bis heute weitgehend im Dunkeln“, betont Jürgen Lagoda. Die geheimnisvollen Portolane bilden den Anfang der Ausstellung in der Salvatorkirche. Neben einigen besonders schönen faksimilierten Ausgaben werden auch ansatzweise Methoden und Ergebnisse der in den vergangenen Jahren an der Universität Duisburg-Essen durchgeführten Genauigkeitsuntersuchungen präsentiert.

             Die Ausstellung wird bis zum 16. Juli 2017 gezeigt. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 9 bis 17 Uhr, sonntags bis 13 Uhr, montags geschlossen. Der Eintritt ist frei. – 14.06.2017

 

 

 

624.   Gauß zu Gast im Künstlerdorf Fischerhude bei Bremen

             Im Rahmen der Festwoche zur 50-Jahrfeier der Gründung der Mittelpunktschule Fischerhude-Quelkhorn hält Professor Klaus Kertscher, Mitglied des Kuratoriums unseres Förderkreises und Gaußexperte aus Oldenburg, am Mittwoch, den 14.06.2017 um 20 Uhr in Buthmanns Hof in  Fischerhude einen Vortrag:

„C.F.Gauß: aus einfachen Verhältnissen zum Wissenschaftsgenie“.

             Klaus Kertscher wird Gauß´ Leistungen allgemein-verständlich erklären und ihn gleichzeitig als Mensch und Familienvater vorstellen, wobei Gauß das Glück vielfach nicht treu war …..

             Wir haben hier mehrfach das Wirken von Carl Friederich Gauß gewürdigt, siehe u.a. unsere Mitteilungen Nr. 253, 438, 455 –  und erst kürzlich auch wieder im norddeutschen Raum bei Langwarden (Mitt. 596 und 601). Gauß hat auch in der Region Fischerhude Spuren hinterlassen.  Vor gut 200 Jahren in Braunschweig aufgewachsen, beeindruckte er bereits in ganz jungen Jahren seinen Lehrer, seinen Herzog und die gesamte Wissenschaftswelt mit seiner vielseitigen Begabung: C. F. Gauß, ein Multigenie auf den Gebieten Mathematik, Astronomie, Physik und Geodäsie, „Vermessung der Erde im Großen und Kleinen“. – Er addierte schon als Neunjähriger die Zahlen 1 bis 100 trickreich und damit sensationell schnell, er konstruierte als 19-Jähriger das „17-Eck“, er berechnete als 24-Jähriger Planetenbahnen, er erfand mit seinem Freund Wilhelm E. Weber die „Elektrische Telegraphie“. Unvergessen der 10-DM-Schein, gültig 1992 bis 2002, auf dem die „Gauß‘sche Normalverteilung“ ebenso abgebildet war, wie Teile des Hannoverschen Dreiecksnetzes zwischen Wangeroog über Bremen bis nach Hamburg und Wilsede. Auch der Trigonometrische Punkt auf dem Steinberg im Raum Fischerhude war dort verzeichnet, er ist noch heute ein beredter Zeuge vor Ort.

             Die Veranstalter von der Grundschule Fischerhude, Gerd Böger und Wilfried Mittendorf, schreiben in ihrer Einladung: Das diesjährige Schuljubiläum ist ein ganz besonderes Datum! Ihr Viertklässler, die ihr nach den Sommerferien auf die weiterführenden Schulen in Ottersberg oder die IGS in Oyten wechseln werdet, lernt dort auch, was der (damals auch) elfjährige Joseph Gauß vor 200 Jahren bei seinem Vater im Landvermessen anfing, sodass er mit schon 15 Jahren dessen verantwortlicher Mitarbeiter wurde...Josephs Vater Carl Friedrich Gauß war euren Eltern „bekannt“, weil sein Foto für jeden zu sehen war auf der Vorderseite des 10 DM-Geldscheins; und auf der Rückseite war mit Lupe eine Landkarte unserer Wümme-Region zu erkennen…. Bringt bitte auch Opa und Oma mit. Eure ganze Familie kann erfahren, wo in Fischerhude noch ein alter Vermessungsstein steht; in Quelkhorn sogar zwei! Von us Voröllern sünd diese Granitpieler generationenlang schützt worrn. Deren Ehrforcht schall wietergahn“. 

             Klaus Kertscher wird in Fischerhude einmal mehr in seiner sympathisch-kompetenten Art – so wie wir ihn kennen – Jung und Alt begeistern, mit seinem besondere Dienst für die Jugend, die Werbung auch für die Landvermessung, die Geodäsie, die Wissenschaft ganz allgemein. – 

              Ergänzend eine Anmerkung zum Künstlerdorf Fischerhude – es hat neben Worpswede bei Bremen eine besondere Vergangenheit als Künstlerkolonie während der Zeit der expressionistischen Malerei vor und um 1900. Otto Modersohn (1665 – 1943) war nach dem frühen Tod seiner Frau, der Malerin Paula Modersohn-Becker (1876 – 1907) von Worpswede nach Fischerhude gezogen, hat hier bis zu seinem Tod eine weitere reiche Schaffenszeit auch als Landschaftsmaler erlebt und heiratete dort  in die Künstlerfamilie Breling. – Und zeitgeschichtlich interessant ist, Altkanzler Helmut Schmidt (1918 – 2015) verbrachte um 1937 seine freien Wochenenden bei einem in Fischerhude lebenden Onkel, lernte dort Otto Modersohn, dessen Familie, die Breling-Töchter, Olga, Mietje und Cato Bontjes van Beek kennen, die sich im Widerstand gegen Hitler engagierten (Cato wurde von den Nazis 1943 verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet). –  Fischerhude, das war für Helmut Schmidt eine geistige Oase in der Nazi-Zeit. Hier wuchs auch sein Verständnis für die Worpsweder Kunst, die ihn wie auch die Fischerhuder Freundschaften insbesondere zu Olga Bontjes van Beek (1896 – 1995) und zu Christian Modersohn (1916 – 2009) ein Leben lang begleitete. Ein halbes Jahr vor seinem Tod, um Ostern 2015, hat Helmut Schmidt Fischerhude und die Familie Modersohn zuletzt besucht“, schrieb die Worpsweder Internet-Zeitung.

             Nachtrag: Der Vortragssaal im Buthmanns Hof in Fischerhude war mit über 80 Personen fast voll besetzt, als Klaus Kertscher nach einer Begrüßung durch den Bürgermeister umfassend und routiniert über Gauß als Forscher und Universalgenie vortrug, dabei insbesondere auch dessen praktische und theoretische Leistungen in der Geodäsie würdigte und abschließend auch über dessen insbesondere in die USA ausgewanderten Nachkommen berichtete.  Das  große Interesse für Gauß zeigte sich auch in der anschließenden ausführlichen Diskussion. –  Eine besondere  Ehrung erfuhr Gerd Böger (82), unverändert engagierter ehemaliger Lehrer in Fischerhude, auf dessen Initiative ein 7m x 2m großes Relief „Unsere kleine Wümmelandschaft als Teil der großen Vermessungsgeschichte“ angefertigt worden war. Ein Relief im Maßstab 1:25.000 mit 20-fach überhöhten Höhen. Die Dreieckspunkte von Wangeroog bis zum Wilseder Berg der Gauß’schen Hannoverschen Landesvermessung waren durch rote Fäden verbunden – und zeigten jenes Dreiecksnetz, das auch auf dem ehemaligen 10 DM-Schein abgebildet waren.  Daneben sind im Relief 334 TP’s und 42 Kirchturms-TP’s mit ihren Nummern verzeichnet – eine faszinierend umgesetzte Idee des Mit-Initiators Gerd Böger dieses besonderen Vortragsabends in Fischerhude. –  04./15.06.2017

 

 

 

623.   Bonn-Beuel in 200 Jahren Historischer Karten der Landesaufnahme – Ausstellung, Workshop und Presse-Echo

             Wir hatten hier in unserer Mitt. 615 auf die von Manfred Spata intensiv vorbereitete Ausstellung des  Heimat- und Geschichtsvereins Beuel am Rhein e.V. gewürdigt, die er als Kurator und Verfasser einer hochinteressanten Begleitveröffentlichung maßgeblich gestaltet hatte. Der begleitende Workshop hatte in Fachkreisen und auch in der Öffentlichkeit eine gute Resonanz erfahren. So Veröffentlichte z. B. der Bonner General-Anzeiger am 5.Mai unter der Überschrift „Die erste Graphik des Rheinlaufs stammt von 1507“ einen detaillierten Bericht von Tabea Hermann  - u.a. mit dem Zitat von Manfred Spata „Der Kartograf hat es immer so dargestellt, wie er es vorgefunden hat“. Und Dr. rer.nat. h.c. Rolf Harbeck schrieb auch aus der Sicht der DGfK begeistert: „Ausstellung, Workshop und jetzt der Zeitungsbericht tragen wieder einmal ein Stück Kartographie in die Öffentlichkeit. Zunächst kein aktuelles, aber ein Blick in die Vergangenheit gehört eben zum Verständnis dessen, was Vermessungsingenieure und Kartographen machen, dazu. So war das Workshop-Publikum denn auch eher seniorenbestimmt und damit an dieser Retrospektive besonders interessiert, was man an den zahlreichen sachkundigen Diskussionsbeiträgen erkennen konnte. Folgerichtig war es dann, dass Manfred Oster mit seinem inhaltsreichen, dichten Vortrag über ATKIS, TIM-online usw. den Blick in die Gegenwart und Zukunft richtete.“ – 27.05.2017

 

 

 

622.  Johann Friedrich Benzenberg (1777 – 1846) im Deutschlandfunk  

             Am 5. Mai vor 240 Jahren wurde Johann Friedrich Benzenberg in Schöller (heute Ortsteil von Wuppertal) geboren. Der Deutschlandfunk (dlf) berichtete aus diesem Anlass über Benzenbergs Messungen im Turm der Michaeliskirche in Hamburg zum Nachweis der Erddrehung. Er ließ Bleikugeln aus 76 m Höhe durch die geöffneten Turmschächte fallen, die aufgrund der höheren Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde beim Loslassen (die die Kugeln beim freien Fall beibehielten) dann unten mit 9 mm Ostabweichung vom Lotpunkt auftrafen. Benzenberg schilderte seine Ergebnisse Wilhelm Olbers in Bremen, der Carl Friedrich Gauß einschaltete. Gauß ermittelte aus Fallhöhe und Geographischer  Breite 8,7 mm Ostabweichung und bestätigte damit die Untersuchungen von Benzenberg.  – Zum Nachhören in der Mediathek des Deutschlandfunks siehe dlf.de „Forschung aktuell“ am 5. Mai um 16:45 und dort unter „komplette Sendung“ von Minute 22:38 bis 24:18. – Den Hinweis auf dieses interessante Feature verdanken wir unserem Vorstandsmitglied Dipl.-Ing. Jürgen Lagoda, der die Sendung im Urlaub hörte!

             Wir haben an dieser Stelle mehrfach über Benzenbergs Wirken für das Kataster, die Landvermessung, als Physiker und Geodät,  in der Publizistik, kurz als Universalgelehrter berichtet (vergl. u. a. Mitt. 571, 254, 168 und 95, dort auch mit Hinweis auf die Grabstätte auf dem Golzheimer Friedhof in Düsseldorf). Daneben verweisen wir auf die Dissertation über J.F. Benzenberg durch Dajana Baum (Mitt. 286). – 15.05.2017

 

 

 

621.   Neues zur Sammlung Heuts – Vermessung in der Belletristik und im Film

             Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach auf das segensreiche vermessungshistorische Wirken von Mario Heuts aus Osnabrück hingewiesen. In den Nachrichten der  Niedersächsischen Vermessungsverwaltung (NaVKV) veröffentlichte er jüngst unter den Buchbesprechungen nunmehr erneut (vergl. unsere Mitt. 375) eine aktualisierte Auflistung über Fundstellen in der Belletristik und in Unterhaltungsfilmen, in welchen die Geodäsie, der Geometer, der Landmesser, der Vermessungsingenieur, der Diplomingenieur, das Vermessungswesen eine besondere Rolle spielt –  inzwischen dokumentiert Heuts mehr als 300 Titel –  bewundernswert!. In seinem jüngsten Beitrag veröffentlicht er ergänzend zu den Fundstellen kurzgefasste Kommentare zu einer ganzen Reihe der von ihm dokumentierten Titel. Auf der Homepage des Autors sind zu allen Titeln kurze Inhaltsangaben verfügbar – eine in seiner Reichhaltigkeit einmalige Fundgrube, siehe www.vermesser-literatur-und-filme.de  . In dieser lesenswerten Gesamtschau auf der Homepage werden – soweit erkennbar – die Original-Berufsbezeichnungen aus den jeweiligen Literaturstellen verwendet, so z.B. sogar eine Vermessungsingenieurin bei fantasievollen Epigonen von Karl May. –

             In diesem  Zusammenhang dürfen wir – wie auch Heuts in seiner Homepage – zugleich an die 3 Bände  „Geodäsie in der Belletristik und in den Medien“ von Johannes Nittinger vor 25 Jahren erinnern. Wir hatten darauf bereits bei der Würdigung zum 100. Geburtstag von Johannes Nittinger hingewiesen (vergl. unsere Mitt. 162). Nittinger erwähnte im Vorwort zu seinem ersten Band Georg Kaspereit, der in den Jahren 1952 bis 1972 in den NaVKV „zahlreiche Abhandlungen veröffentlicht (hatte), die sich damit befassen, die Gestalt des Geodäten so vorzuführen, wie er vorwiegend von den Autoren der Belletristik gesehen wurde…“ Und vor wenigen Monaten konnten wir hier in unserer Mitt. Nr. 598 auf eine „Fortführungsvermessung im Hörspiel vor 60 Jahren“ verweisen, die der Kollege Heuts in Erinnerung gebracht hatte, auch u. a. gestützt auf eine Veröffentlichung von Georg Kaspereit. So schließt sich ein vermessungshistorischer Kreis von Nittinger über Kaspereit zur „Sammlung Heuts“.

             Quellen: Heuts, Mario: „Ungewöhnliches aus der Vermessungsunterhaltung“, Buchbesprechungen in den Nachrichten der  Niedersächsischen Vermessungsverwaltung, Heft 2/2016, S. 53 – 69. Nittinger, Johannes: Geodäsie in der Belletristik und in den Medien, Schriftenreihe des BdVI, Bd. 3 (1992), Bd. 4 (1993), Bd.5 (1994). –  03./11.05.2017 

 

 

620.   Präsidenten und Leiter der Landeskulturverwaltung der Rheinlande 1920 bis 1945

             Mit seiner jüngsten Veröffentlichung über „Die Präsidenten und Leiter der preußischen Landeskulturverwaltung in der Rheinprovinz von 1920 bis 1945“  beschließt  Professor em. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Erich Weiß seine so sehr verdienstvollen  Forschungen, um Leben und Wirken der Präsidenten und Leiter der Landeskulturverwaltung in den Rheinlanden zu dokumentieren. Er berichtet über die Biographien von  Friedrich Hess (Präsident 1920 bis 1932), Dr. Wilhelm Heiliger (Leiter 1933 bis 1936) und Dr. Ludwig Sartorius (Leiter 1936/39 bis 1944/45) in besonders bewegten Zeiten, seit 1933 zugleich einer Zeit großer Anfechtungen. Auch die Nachforschungen gestalteten sich für diesen Zeitraum besonders schwierig.

             Friedrich Hess wurde am 27. Dezember 1873 in Ahrweiler in einem katholischen Elternhaus geboren, studierte Rechtswissenschaften in München, Berlin und Bonn, absolvierte das Referendariat und den Militärdienst und begann seine berufliche Laufbahn am 11. Mai 1900 mit dem Eintritt in die preußische Landwirtschaftsverwaltung bei der Generalkommission in Düsseldorf, um sich zum Spezialkommissar der Rheinischen Landeskulturverwaltung ausbilden zu lassen. Es folgten Einsätze u. a. auf Gut Güldenstein, einem Besitz des Hauses Oldenburg  in Schleswig-Holstein, in Kassel, Hersfeld, Witzenhausen und Limburg. Im Ersten Weltkrieg als Hauptmann mehrfach ausgezeichnet, begann er  ab 1. Januar 1919 zunächst als Hilfsarbeiter (wie unmittelbar nach dem Krieg üblich) im Preußischen Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten – und wurde am 1. Juli 1920 zum Präsidenten des Landeskulturamtes für die Preußische Rheinprovinz in Düsseldorf ernannt.

             In den Folgejahren war u. a. fachlich die Verlagerung der praktischen Arbeit von der Provinzialebene des Landeskulturamtes (früher Generalkommission) in die Lokalebene der Kulturämter (früher Spezialkommissionen) umzusetzen. Friederich Hess hatte bei der daraus folgenden Umorganisation in den politisch, sozial und ökonomisch ersten schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg besondere Herausforderungen zu meistern. So waren u.a.  Wohnungsangebote der Bediensteten, Schulangebote für deren Kinder in den strukturschwachen Gebieten u.v.a.m. angemessen zu berücksichtigen. Erich Weiß schildert ausführlich und hochinteressant, wie sich außerdem auch die fachlichen Herausforderungen weiter entwickelten,  weil Bodenordnungsziele sich beständig wandelten, selbst in die  Dorfstrukturen hineinwirkten, so auch bei Weinbergflurbereinigungen, Waldflurbereinigungen, in den kleinteiligen Realteilungsstrukturen. –  Und wie ganz hautnah eine Terminierung eines Umlegungstermins auf den Buß- und Bettag1930 damals im Nachhinein erhebliche Wellen schlug, obwohl „in einer rein katholischen Gegend, evangelische Bewohner sind dort weit und breit nicht ansässig (waren)“. – Friedrich Hess verstarb am 30. Mai 1932 während einer Dienstreise in Koblenz.

             Nachfolger für die relativ kurze Zeit von 1933 bis 1936 war Dr. Wilhelm Heiliger. Geboren am 2. August 1872 (also etwa im gleichen Alter wie sein Vorgänger) im Kreis Minden-Lübbecke in einem evangelischen Elternhaus. Dessen Vaters Beruf als Spezialkommissar mag ihn früh geprägt zu haben. Wilhelm Heiliger studierte Rechtswissenschaften in Marburg und Bonn, absolvierte das Referendariat und wurde in dieser Zeit an der Friedrich-Alexander-Universität zu Erlangen 1898 zum Dr. jur. utr. (also des weltlichen und des kirchlichen Rechts) promoviert – mit einem Thema, das identisch war mit dem der Hausarbeit des Ersten Juristischen Staatsexamens, übrigens ohne wesentliche inhaltliche Änderungen…1902 erfolgte der Eintritt in die preußische Landwirtschaftsverwaltung in der Generalkommission Düsseldorf, zwecks Ausbildung zum Spezialkommissar, drei Jahre nach des Vaters Tod, also auf dessen Spuren. Im Ersten Weltkrieg war Dr. Wilhelm Heiliger u.a. in der Militärverwaltung Litauen-Süd eingesetzt. Nach Kriegsende kehrte er zur Spezialkommission nach Siegburg zurück.

             1921 wurde er auf die Preußische Verfassung vereidigt und u.a. ab 1. Oktober 1929 Vorsitzender der Spruchkammer beim Landeskulturamt Düsseldorf für die Rheinprovinz. Im Jahre 1932/33 wurde die preußische Landeskulturverwaltung aus der Sonderverwaltung im Königreich sowie im Freistaat Preußen in die allgemeine Landesverwaltung eingegliedert. Mit Wirkung vom 1. April 1933 wurde Dr. Wilhelm Heiliger zum Leiter der neuen Landeskulturabteilung beim Oberpräsidium ernannt.  Am 20. August 1934 hatte dann der zuvor bereits auf die preußische Landesverfassung vereidigte Beamte den Eid auf den Führer zu schwören: „Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe.“ – Wir haben hier bereits früher auf die damit einhergehende Problematik hingewiesen, siehe den vorletzten Absatz unserer Mitt. 603. Letztlich mag auch dieser Eid ein Hintergrund gewesen sein, daß Wilhelm Heiliger am 10. Dezember 1935 einen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand stellte, dem zum 31. März 1936 entsprochen wurde.  – Er starb am 12. April 1946 im Kreis Gifhorn.

             Nachfolger wurde der wesentlich jüngere Dr. Ludwig Sartorius, geboren am 26. Juli 1896 im damaligen Landkreis Köln, in einem besonders kinderreichen katholisches Elternhaus. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Bonn zog er als Kriegsfreiwilliger in den ersten Weltkrieg. Er setzte später sein Studium in Bonn fort und wurde 1921 während der Referendarzeit an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität zu Bonn zum Dr. jur. promoviert. Sein beruflicher Werdegang begann am 1. Oktober 1925 als Amtsvorsteher beim Kulturamt Bernkastel. Zum 1. September 1936 wurde er in die Landeskulturabteilung beim Oberpräsidium für die Rheinprovinz in Koblenz berufen, um diese Abteilung bis zum Jahr 1939 (weil noch nicht Mitglied der NSDAP) kommissarisch zu leiten, ab 1939 dann hauptamtlich. In den folgenden Kriegsjahren war er im aktiven Kriegsdienst in Polen und Russland eingesetzt. Seine formale Vertretung oblag ab 1942 dem dienst-ältesten Oberregierungsrat Egon Küsters.

***

             Ein abschließendes Resümee mag zusammenfassen:  Mit dieser jüngsten Veröffentlichung von Professor em. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Erich Weiß ist die Aufarbeitung und Dokumentation über die Präsidenten und Leiter der  bodenordnenden Landeskultur der Rheinlande insbesondere im ländlichen Raum von 1886 bis1970 abgeschlossen. Erich Weiß hat deren Biographien umfangreich recherchiert und das Wirken jener 10 Persönlichkeiten in dem zeitgeschichtlichen Rahmen mit den gesellschaftlichen, sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen außerordentlich faktenreich dargestellt. Damit ist es ihm gelungen, zugleich auch die Erinnerung an das segensreiche Wirken der Landeskultur neu in das heutige Bewusstsein zu rücken. – Zur besseren Übersicht nennen wir hier nochmals die Namen in chronologischer Folge ab 1886: Otto Grein (1886 – 1893), Albert Küster (1894 – 1903), Franz Brümmer (1903 – 1911) Wilhelm Wissmann (1911 -1920). Siehe unsere Mitt. 579. – Friedrich Hess (1920 bis 1932), Dr. Wilhelm Heiliger (1933 bis 1936) Dr. Ludwig Sartorius (1936/39 bis 1944/45) und Erich Küsters (1944/45 – 1954), Dr. Otto Bierig (1954 – 1968), Dr. Karl Jennen (1968 – 1970). Siehe unsere Mitt. 603.

             Und wir weisen ergänzend auf weitere biographische Arbeiten über Persönlichkeiten in der Preußischen Landeskulturverwaltung von Erich Weiß hin, die wir hier besprochen hatten, so u. a. auf Heinrich Albert Wilkens (Mitt. 274), Franz Adickes (Mitt. 401), Hermann Ascher (Mitt. 440), Gustav Ferdinand Wilckens (Mitt. 541), Paul Krenzlin (Mitt. 557).

             Quelle: Erich Weiß: Drei Präsidenten und Leiter der Landeskulturverwaltung in der Rheinprovinz von 1920 bis 1945, in Zs. Rheinische Heimatpflege Heft 1/2017 S. 39 – 62, , ISSN 0342-1805, Köln 2017 – E-Mail: wiemer@rheinischer-verein.de  23. 04. 2017

 

 

 

619.   Festveranstaltung zum 125-jährigen Bestehen des „Königlich Preußischen Geodätischen Instituts“ auf dem Telegrafenberg

             Wir hatten hier in der vorhergehenden Mitteilung 618 über das große Jubiläum am 6. April 2017 berichtet. Ingo von Stillfried überbrachte die Glückwünsche des  Förderkreises Vermessunggeschichte in Dortmund und schildert nachstehend in launigen Worten, wie die Geodäsie in Potsdam dieses besondere Ereignis frohgemut und öffentlichkeitswirksam gestaltete.
             Petrus meinte es gut und schickte blauen Himmel und Sonne. So konnte das "Bühnenprogramm" wie geplant im Freien vor dem Haus stattfinden. Andernfalls hätte aber auch kaum eine Möglichkeit bestanden, die ca. 250 Gäste unterzubringen.
             Nach der Begrüßung durch den Hausherrn Prof. Dr.-Ing. Harald Schuh und Dr. Stefan Schwartze (administrativer Vorstand des GFZ) gab es eine Lernstunde zur „Potsdamer Kartoffel“ – eigentlich sogar der Kartoffel im allgemeinen und im besonderen. So wurde durch den deutschen Kartoffelkönig Karl Stenger, der nebst Hofstaat aus Lohr am Main angereist war, der Einführung der Kartoffel aus Mittelamerika durch den preußischen König, Friedrich II, dem Großen, dem "Alten Fritz" gedacht. Im Hinblick auf die „Potsdamer Kartoffel“ wurde die Umbenennung des Geoids in ein Potatoid (von potatonis = Kartoffel) angeregt und der für die Bestimmung des Geoids zuständig Prof. Dr. Flechtner mit einer königlichen Ehrenmedaille ausgezeichnet.
             Nach diesem kleinen Augenzwinkern wechselten sich ab, ein Gesangs-Trio, welches eine Moritat über das Helmert-Haus am Telegrafenberg launig vortrug, und ein Schauspieltrio, welches zweiaktig die Zeit beschrieb, wie es überhaupt zu diesem Haus kam. In den Rollen Hermann von Helmholtz,  Heinrich Hertz und Friedrich Robert Helmert hatten sich adäquat und wiedererkennbar drei Kollegen des Instituts verkleidet und des kleine selbst geschriebene Schauspiel in exzellenter Weise vorgetragen.
             Abschließend wurden fünf Persönlichkeiten mit dem eigens dafür geschaffenen "Potsdamer Kartoffelmännchen" geehrt, die sich besondere Verdienste um dieses Haus erworben haben. Ein Preisträger von ihnen ist unser ehemaliger Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing Wolfgang Torge – Der Förderkreis gratuliert!
             Im Anschluss an diese ungemein kurzweilige Feierstunde stand das Gebäude vom Dach bis in den Keller zur Besichtigung frei. Besonders interessant war, einmal die zweischalige Bauweise um die als eigenständiges Gebäude im Haus errichteten Instrumentensäle zu betrachten. Das Gebäude mit der ehrwürdigen Geschichte strahlt immer noch tiefe Erhabenheit aus. Und dies, obwohl absolute HighTech eingezogen ist: Mehrere armdicke Kabelbündel liegen im Keller an der Stelle einer Eichstrecke und auf dem Dach sind dutzende von Antennen und andere Sensoren für ein breites wissenschaftliches Messspektrum aufgestellt. – Bei Kaffee und Kuchen, bzw. Kartoffelplätzchen und Bier klang die gelungene Auftaktveranstaltung zu diesem besonderen Jubiläum am Nachmittag aus. – 14. 04. 2017

 

618.   125 Jahre Geodäsie auf dem Telegrafenberg in Potsdam

             Im Frühjahr 1892 war es soweit. Das Königlich-Preußische Geodätische Institut aus Berlin konnte mit allen Mitarbeitern in ihr neues Institutsgebäude auf dem Telegraphenberg in Potsdam einziehen. Es war das besondere Verdienst von  Friedrich Robert Helmert, der seit 1887 und bis 1917 in Berlin und Potsdam wirkte, das neue Institutsgebäude imitiert und realisiert zu haben. Vor 125 Jahren. An dieses besondere Jubiläum wird am 6. April 2017 mit einer Festveranstaltung feierlich erinnert. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum aus Dortmund gratuliert, der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried wird die Glückwünsche des Förderkreises persönlich Professor Dr.-Ing. Harald Schuh, dem Leiter der Geodäsie des Geoforschungszentrums Potsdam überbringen. Die Festveranstaltung ist eingebettet in die Ausstellung Von der Vermessung unserer Welt, vergl. unsere Mitt. 617.  

             Heute ist die Geodäsie als Department 1 unter der Leitung von Harald Schuh wesentlicher Bestandteil des GFZ–Helmholtz-Zentrums in Potsdam, mit den Kernaufgaben Geodätische Weltraumverfahen, Globales Geomonitoring und Schwerefeld, Erdsystem-Modellierung, Fernerkundung und Geoinformatik und einer Reihe von Querschnittsaufgaben in den weiteren 6 geo-orientierten Departments.

             Forschungsgegenstand des GFZ ist die feste Erde - von der regionalen Umwelt bis hin zum Planeten Erde insgesamt. Das GFZ ist Teil der Helmholtz-Gemeinschaft und forscht programmorientiert innerhalb der Helmholtz-Forschungsbereiche Erde und Umwelt und Energie. Darüber hinaus wird am GFZ programmübergreifend und programmunabhängig geforscht. –

             Erst kürzlich ist in eine breit angelegte Spenden-Aktion für den Helmert-Turm auf dem Telegrafenberg gestartet worden. Der einst als „Mekka der Geodäten“ geltende Helmert-Turm in Potsdam, das östlich gelegene Meridianhaus und  weitere Gebäude existieren heute leider in einem bedauernswerten Zustand. Das Ensemble ist als technisches Denkmal in die Denkmalliste eingetragen. Um die wertvolle Originalsubstanz dieses technischen Denkmals erhalten zu können, sind umfangreiche Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen notwendig. Vergl. auch unsere Mitt. 567. –

             Das Wirken von Friedrich Robert Helmert ist jüngst mit dem 13. Symposium für Vermessunggeschichte des Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund ausführlich gewürdigt worden, wir haben darüber in Mitt. 614 berichtet. – 02.04.2017

 

 

 

617.   Von der Vermessung unserer Welt – Ausstellung auf dem Potsdamer Telegrafenberg
             Eine Ausstellung des Helmholtz-Zentrums Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ in Zusammenarbeit mit dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.
Die Ausstellung (zweisprachige deutsch-englisch)  ist die erste zur Geschichte der traditionsreichen Geowissenschaften in Potsdam. Auf  anschauliche und verständliche Weise vermittelt sie einem Laienpublikum die wissenschaftlichen Pionierleistungen, die eng verbunden sind mit dem Potsdamer Telegrafenberg, einem der bedeutendsten Wissenschaftsstandorte Deutschlands. Hierhin zog vor 125 Jahren das 1870 in Berlin gegründete Königlich-Preußische Geodätische Institut. Es erlangte schnell Weltruhm als Forschungszentrum der Geodäsie, der Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erde.

             Die Ausstellung erzählt von wagemutigen Wissenschaftlern und innovativen Forschungsmethoden, von einzigartigen mechanischen und optischen Präzisionsinstrumenten aus den über 100 feinmechanischen Werkstätten in und um Berlin, von der Erfindung und Entwicklung seismologischer und Erdschweremessungen sowie von der Geschichte der exakten Zeitbestimmung "Made in Potsdam". Wissenschaftliche Antarktis- Expeditionen führten wichtige Forschungsaufträge und neueste Messinstrumente vom Potsdamer Telegrafenberg im Gepäck, und Potsdamer Wissenschaftler waren mit ihren Messungen auf allen Kontinenten unterwegs.

             Die Schau präsentiert über 120 Objekte von 20 institutionellen und privaten Leihgebern, darunter auch der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund, der bei der Ausstellungseröffnung durch den Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried vertreten sein wird. Die  Ausstellung ist vom 24. März 2017 bis zum 09.Juli 2017 zu sehen. Weiteres unter http://www.hbpg.de/Ausstellung_Fokus-Erde.html  . –  21. 03. 2017

 

 

 

616.  C.F. Gauß besucht Briefmarkenfreunde in Leverkusen – 50 Jahre Motivgruppe

             Die 1967 gegründete und später so benannte „Thematische Arbeitsgemeinschaft und Motivgruppe Landkarten-Vermessung-Entdeckungsgeschichte der Erde“  begeht am 1. April 2017 im Forum Leverkusen ihr 50-jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass erhält sie an jenem Jubiläumstag um 14 Uhr sogar Besuch von Professor Carl Friedrich Gauß – einmal mehr kompetent verkörpert von Dipl.-Ing. Dieter Kertscher aus Wolfenbüttel.

             In den vergangen 50 Jahren haben sich immer wieder Persönlichkeiten  von den thematisch besonderen, der Geodäsie und Kartographie  verbundenen Briefmarken als kleinen Kunstwerken faszinieren lassen. In den 1980er Jahren wurde Dipl.-Ing. Dieter Hertling aus Darmstadt Schatzmeister und zugleich Redakteur des Mitteilungsblatts, das bis heute erscheint. Mit ihm erlebte die Arbeitsgemeinschaft/Motivgruppe einen deutlichen Aufschwung. Die Leitung wurde damals von Dr. Manfred Helbich aus Regensburg an Dipl.-Ing. Ulrich Mailand aus Halle/Westf. weitergereicht. Als Dieter Hertling 1994 verstarb, nahm der Förderkreis für das Vermessungstechnische Museum in Dortmund die umfangreiche „Sammlung Hertling“ in seine Obhut und hat sie gelegentlich ausgestellt. 2012 übernahm Dipl.-Ing. Volker Woesner die Leitung der Arbeitsgemeinschaft und hat zugleich auch die frühere Verbindung zu der US-amerikanischen CartoPhilatelic Society wieder aufgenommen und gepflegt. Seit 2016 ist Klaus-Günter Tiede aus Hamm neuer Vorsitzender. Aktuell ist auch das Projekt  einer Neubearbeitung (in Buchform) des Registers „Bedeutender Personen der Kartographie, Geodäsie und deren Entwicklungsgeschichte“ fast fertiggestellt.

             Jubiläums-Festveranstaltung und Ausstellung sind eingebettet in die Großveranstaltung  Rhein-Ruhr-Posta ’17 vom 31. März bis zum 2. April 2017 im Forum Leverkusen, veranstaltet von mehreren Briefmarkensammler-Vereinen, insbesondere  den Briefmarkenfreunden Leverkusen e.V.. Im Rahmen der Festveranstaltung wird auch wieder das Exponat „Das flache Bild der runden Welt“ aus der Sammlung Hertling des Förderkreises gezeigt werden. – Weitere Informationen sind über kgtiede@gmx.de zu erhalten. – 18.03.2017

 

 

615.   200 Jahre Historische Karten der Landesaufnahme am Beispiel des Bonn-Beueler Raumes

             ist der Titel der nun vorliegenden Veröffentlichung von Manfred Spata, herausgegeben vom Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein, Bonn 2017, zur Sonderausstellung in Bonn-Beuel vom 17. März bis 15. Juni 2017.

             Vier dem Text vorgeschaltete Kartenausschnitte zeigen vom Raum Bonn-Beuel eine Müffling- Aufnahme 1818, eine Uraufnahme 1845, eine Neuaufnahme 1895, die Normalausgabe 1996 und führen ganz unmittelbar interesse-weckend in die Entwicklung der Kartographie in den vergangenen 200 Jahren. – Die politischen Umwälzungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten intensive kartographische Tätigkeiten bewirkt. Manfred Spata erläutert einleitend die damaligen großen historischen von der Französischen Revolution und Napoleon ausgelösten politischen  Veränderungen und deren Folgen für die Landesaufnahmen.  Auf insgesamt 100 Seiten werden Erläuterungen zu den amtlichen Topographischen Kartenwerken, der organisatorischen Entwicklung, zu den geodätischen Grundlagen und den Aufnahmeverfahren, zur fachlichen Generalisierung, zur Laufenthaltung, zur Nutzung für die Heimatgeschichte und Landeskunde bis hin zu aktuellen digitalen Informationssystemen am Beispiel des Raumes Beuel gegeben. Alle Kartenaufnahmen werden in chronologischer Folge mit über 30 Kartenproben abgebildet und erläutert und stehen stellvertretend für die Landesaufnahme im gesamten Rheinland der vergangenen 200 Jahre.

             Der Vorsitzende  des Heimat- und Geschichtsvereins Beuel am Rhein e.V., Volker Engel M.A, dankt in seinem Vorwort dem Vermessungs- und Kartographiehistoriker und zugleich Kurator, unserem rührigen Mitglied Manfred Spata zugleich auch für die Ausstellungsexponate aus dessen Spezialsammlung. Es bereitet einfach Freude, die Kartenausschnitte in ihrer hervorragenden Qualität (und Reproduktion!) zu betrachten, die Schritte zur Verdichtung des Raumes um Beuel zu verfolgen und die dabei jeweils geschilderten Begründungen für jeweils neuere Kartenaufnahmen nachzuvollziehen. So wurde z.B. das Blatt Beuel 1818 von dem jungen preußischen Leutnant Johann Jakob Baeyer (1794 – 1885) aufgenommen, dem späteren Begründer der Zentraleuropäischen Gradmessung. Eine Schiffahrts- und Industriekarte von 1907 zeigt sehr eindrucksvoll die damals noch so dünne Besiedlung von Bonn-Beuel vor 110 Jahren. – Ein abschließendes Glossar erläutert geodätisch-kartographische Fachbegriffe von der Abplattung der Erde über das Bessel-Ellipsoid, der Generalisierung bis hin zum UTM-Gitter fachlich kompetent und zugleich allgemeinverständlich.  Manfred Spata und der Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein sind zu dieser hervorragenden Veröffentlichung zu beglückwünschen. – Gerne verweisen wir ergänzend auf unsere Mitt. 613, mit der wir bereits auf die Ausstellung, den Workshop und die kartographische Historie der Kartenaufnahme rund um Bonn-Beul hingewiesen hatten.

             Das im Format 170 x 240 mm in hoher Qualität gedruckte Werk ist zugleich Katalog und Nachschlagewerk für Heimatkundler ebenso wie für Fachleute und interessierte Laien – und für Liebhaber ein Juwel! ISBN-NR.: 978-3-944024-05-9. – 10.03.2017

 

 

 

614.   Sternstunden in Dortmund – Symposium für Vermessungsgeschichte – Eratosthenes-Preis und Ehrenmedaille verliehen – Mitgliederversammlung 2017           

             Es war ein großer Teilnehmerkreis, den der Erste Vorsitzende des Förderkreises Ingo von Stillfried begrüßen konnte, als er am 13. Februar 2017 das 13. Symposium für Vermessungsgeschichte in Dortmund eröffnete. Und lebhafter Beifall begleiteten seine Worte der nachträglichen Gratulation von Professor em. Dr.-Ing. Bertold Witte zur Vollendung von dessen 80. Lebensjahr, die er zugleich verband mit dem großen Dank des Förderkreises für das lange Wirken von Bertold Witte als Kuratoriumsvorsitzender. – Nachdem Ingo von Stillfried dann auch den Ersten Vortrag des Symposiums  angekündigt hatte, übernahm Bertold Witte gekonnt routiniert die Moderation der folgenden Vorträge.

             In der Vorbereitung des Symposiums war es Professor Erich Weiß erneut gelungen (wie auch schon für die vorhergehenden Symposien), diesmal mit den Professoren Christoph Reigber aus Potsdam, Wolf-Dieter Schuh aus Bonn, Karl-Heinz Ilk aus Bonn und Harald Schuh aus Potsdam exzellente Kenner von Helmerts Wirken zu gewinnen. Sie waren gerne der Einladung nach Dortmund gefolgt, um die Erinnerung an Friedrich Robert Helmert wachzuhalten, ihn zu ehren und dessen Lebenswerk zu würdigen. Und im Auditorium konnte der Förderkreis erfreut zwei direkte Nachfahren von F.R. Helmert begrüßen. 

             Helmerts zwei große wissenschaftlichen Wirkungsschwerpunkte  von 1870 bis 1886 in Aachen und 1887 bis 1917 in Potsdam wurden durch die Vortragenden aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet – im Mittelpunkt standen dessen grundlegende Gedanken und Forschungen zur Entwicklung der Geodäsie als Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche. – Der Vortrag von Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. Harald Schuh vom GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam fand ein ganz besonderes Interesse, ist er doch der gegenwärtige Hausherr an und in der Wirkungsstätte des vor 100 Jahren verstorbenen Friedrich Robert Helmert. Das GFZ wirkt heute im 1892 von Helmert erbauten Hauptgebäude des Geodätischen Instituts Potsdam – jetzt GeoForschungsZentrum Potsdam. Und die Mitglieder des Förderkreises konnten zugleich und mit Freude den neuen Vorsitzenden des Kuratoriums unseres Förderkreises erleben, der diese Aufgabe in der Nachfolge von Bertold Witte übernommen hat. Harald Schuh wußte in seinem mitreißenden Vortrag nicht nur den Geist Helmerts aufleben zu lassen, er tat dies ebenso begeisternd für die breiten Aufgaben des GFZ. Und er berichtete zugleich über die Spendenbitte zugunsten des Helmert-Turms und die erfreulichen bisherigen ersten Spendeneingänge. Wir hatten hier mit unserer Mitt. 567 bereits auf die Aktion aufmerksam gemacht. Und für die Ausrichtung des Symposiums hatte der Förderkreis auf einen Unkostenbeitrag verzichtet, jedoch um eine Spende für den Erhalt des Helmert-Turms gebeten.

             Wenn wir eingangs die gesamte Veranstaltung mit dem Prädikat „Sternstunden“ überschrieben haben – so standen Ihrem Redakteur neben dem Symposium auch zwei weitere besondere Ehrungen vor Augen, die Verleihung des Eratosthenes-Preises und eine Auszeichnung mit der Ehrenmedaille.

             Nach 6 Jahren (2011 war Preisträger Dr. Martin Rickenbacher, Mitt. 421) konnte der Förderkreis damit wieder den im Abstand von zwei Jahren ausgelobten und mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis verleihen, nachdem zuletzt 2014 Professor Wolfgang Torge mit dem Eratosthenes-Ehrenpreis ausgezeichnet worden war (Mitt. 507).  Eratosthenes-Preisträger 2017 wurde Dr.-Ing. Markus Rembold für seine Dissertation „Die Anerkennung und Feststellung von Grundstücksgrenzen – Ein Beitrag  zur Entwicklung des Liegenschaftskatasters im Lande Nordrhein-Westfalen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“  Die Gesamtanalyse des Autors dokumentiert ausführlich die Entwicklungen vom früheren Steuerkataster zum modernen Liegenschafts- und Mehrzweckskataster mit seinen Basisfunktionen für den Eigentumsnachweis im Grundbuch und für andere Bereiche, insbesondere für die Anforderungen der Bürger und der Nutzer aus Wirtschaft, Verwaltung, Recht und Wissenschaft, wie es zugleich die Basisdaten für die Geodateninfrastruktur in Deutschland liefert. Bisher standen oft vor allem die technischen Entwicklungen der Geobasisdaten im Fokus, der Verfasser nimmt hier eine bisher fehlende Gesamtanalyse des nordrhein-westfälischen Grenzfeststellungs- und Abmarkungsverfahrens aus Sicht der Gesetzgebung, der Rechtsprechung und der Fachliteratur vor und entwickelt daraus eine Reihe von weiterführenden Vorschlägen. Die von Professor Erich Weiß (als Referent) und den Professoren Theo Kötter und Klaus Kummer von der Universität Bonn betreute und dem Stifterkollegium für den Eratosthenes-Preis empfohlene Dissertation wurde als eine hervorragend und umfassend recherchierte Dokumentation zur Geschichte des Vermessungswesens gewürdigt.

             Die anschließende Mitgliederversammlung hatte an ihrem Beginn einen weiteren Höhepunkt, die  Auszeichnung von Dr.-Ing. Hartwig Junius mit der Ehrenmedaille des Förderkreises. 34 Jahre lang („unvorstellbar“, sagte spontan Ingo von Stillfried während seiner Laudatio) war  Hartwig Junius stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums, er war für viele Jahre „der gute Geist des Kuratoriums“,  wie Ihr Redakteur und damaliger Präsident bereits 2000 feststellen durfte (siehe Mitt. 604) – er hat seit 1982 die Geschicke des Kuratoriums wesentlich bestimmt. Auch die allerersten Symposien zur Vermessungsgeschichte waren sein Werk. Seine Nachfolge im Kuratorium übernimmt Ulf Meyer-Dietrich, Leiter des Vermessungs- und Katasteramts Dortmund. Hartwig Junius bleibt dem Förderkreis jedoch weiterhin als rühriger Bibliothekar erhalten. Die Mitgliederversammlung dankte ihm mit langanhaltendem Beifall.

             Der Erste Vorsitzende führte alsdann straff durch die Mitgliederversammlung. Auch wir beschränken uns hier auf die wesentlichsten Ergebnisse. Ingo von Stillfried erstattete den Tätigkeitsbericht, wies auf mehrere Vorträge, Führungen durch die Ausstellung und Beteiligungen an anderen Ausstellungen hin. Die Homepage soll möglichst bald als mobil-optimierte Website modernisiert werden, nachdem Google wichtige Änderungen am Such-Algorithmus vorgenommen hat. Den Finanzbericht erstattete gewohnt souverän Franz-Josef Gocke. Die Entlastung des gesamten Vorstands erfolgte einstimmig auf altbewährten Antrag von Hartwig Junius. Für das Kuratorium erfolgten die Neuwahl des neuen Museumsdirektors Dr. Jens Stöcker, von Professor Harald Schuh, dem Nachfolger von Professor Bertold Witte im Kuratoriumsvorsitz und VDV-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Burkhard Kreuter, daneben mehreren Wiederwahlen. – Unter Verschiedenes gab es mehrere Wortmeldungen, so u. a. von Prof. Klaus Grewe (Ausstellung Römerkanal) und Manfred Spata (Ausstellung Beuel).

             Nachtrag: Bild- und Textberichte siehe auch zfv 2/2017 S. n-31 bis 32 und VDVmagazin 2/2017 S. 162 ff. (Nachrichten 1/2017 des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum). – 15./26.02./15.04..2017

 

 

 

613.   Bonn-Beuel im Bild historischer Landkarten

             Der Heimat- und Geschichtsverein Beuel am Rhein e.V. zeigt demnächst historische Karten mit einer Fülle an geographischen, wirtschaftlichen und soziologischen Informationen vom Großraum Bonn. Die Ausstellung beginnt am 17. März und endet am 18. Juni 2107 im Heimatmuseum Beuel. Unser Eratosthenes-Preisträger Manfred Spata für die Landkarten und Karl-Heinz Geiger für die Vermessungsinstrumente sind rührige Organisatoren und Partner der auch vom Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott unterstützten Präsentationen. Im Rahmen der Ausstellung ist am 29. April 2017 ein Workshop mit namhaften Vortragenden vorgesehen.

             Landkarten sind in unserem Leben eine nicht wegzudenkende Selbstverständlichkeit. Thematische Karten kennzeichnen eine besondere Herangehensweise an die Landeskunde. Dabei ändert sich das Bild unserer Umwelt durch die Eingriffe des Menschen ständig. Die amtlichen topographischen Karten, die in den letzten 200 Jahren vom Rheinland und damit auch vom Bonn-Beueler Raum hergestellt worden sind, dienen in vielfältiger Weise den Zwecken der Verwaltung, Wirtschaft, des Militärs, Wissenschaft und sind heute auch für die Belange des Umweltschutzes und der Freizeit unverzichtbar. – Die erste linksrheinische Kartenaufnahme schufen französische Aufnahmeoffiziere in der Zeit von 1803 bis 1814. Danach übernahm der preußische Generalstab die Aufnahmearbeiten in der gesamten Rheinprovinz. Erst 1921 übernahm das zivile Reichsamt für Landesaufnahme diese Arbeiten für das ganze preußische Staatsgebiet. – Weitere Einzelheiten unter info@hgv-beuel.de und www.hgv-beuel.de . – 10.02.2017

 

 

 

612.   Geschichte Hamburger Liegenschaftskataster 1950 – 2015

             Das Sonderheft 2017 „Geschichte des Liegenschaftskatasters in Hamburg – das Liegenschaftskataster von 1950 – 2015“ komplettiert die Reihe der Sonderhefte zur Hamburger Vermessungsgeschichte, wie sie seit 2009 durch Karl-Heinz Nerkamp initiiert und vorangetrieben worden ist. „Um der Nachwelt Wissen, Hintergründe und Kenntnisse zur Geschichte des Liegenschaftskatasters zu erhalten, entstand beim Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung die Idee, die noch bekannten Daten zusammenzutragen … und zu dokumentieren,“ schreiben einleitend Stefan Heidenreich, Bernd Makoschey und Karl-Heinz Nerkamp, die die Zusammenstellung des jüngsten Heftes besorgten.

             Die Autoren geben einen ganz hervorragenden textlichen Überblick über die Entwicklungen in jenen 65 Jahren, die sie in der Zusammenfassung auf allen Ebenen und Komponenten des Liegenschaftskatasters „im Vergleich zu den davor liegenden Zeiträumen geradezu explodiert sind. Dies betrifft die ganz erheblichen technischen Umwälzungen –  von der Kurbelmaschine über die Z 11, die IBM-Großrechenanlagen bis hin zur integrierten Datenverarbeitung – von den traditionell schon immer guten Stadtkarten Hamburgs und  den Inselkarten im ehemals preußischen Kataster Hamburgs, beides  letztlich übergeleitet  in die Digitale Stadtgrundkarte DSGK – vom ursprünglichen Liegenschaftsbuch über den Buchnachweis-EDV zum bundesweit einheitlichen Automatischem Liegenschaftsbuch ALB – von den unterschiedlichen Grenznachweisen (Koordinatenkataster in den Alt-hamburgischen Gemarkungen/ Grenzmarkierungen in den ehemals preußischen Gebieten) als langem Weg mit zahlreichen Zwischenschritten – ja, bis insgesamt letztlich zu ALKIS, dem Automatisierten Liegenschaftskataster-Informationssystem. Sozusagen ausgehend von den arg heterogenen klassischen ursprünglichen Nachweisen hin zum komplexen einheitlichen Geoinformationssystem. Ebenso werden die auf diesem Weg begleitend beständig optimierten Messmethoden, Vermarkungssysteme auch im Lagefestpunktfeld, der wesentlich in Hamburg entwickelte Satellitenpositionierungsdient SAPOS dargestellt  – es ist bestechend, wie das Autorenteam in diesem Sonderheft kompakt über die Entwicklungen der Jahre von 1950 bis 2015 berichtet.

             Ihr Redakteur – der diesen Zeitraum fast von Anfang an, seit 1953, fachlich überblicken kann – ist fasziniert, wie in diesem jüngsten (und abschließenden) Sonderheft 2017 die ja geradezu revolutionierenden fachlichen Entwicklungen überzeugend in allen ihren wesentlichen Zwischenschritten begründet und beschrieben werden, sorgsam formuliert und unter Verzicht auf Zitate, untermalt von einigen Erinnerungs-Exponaten.

             Im Ergebnis führt damit die Einführung von ALKIS heute dazu, das Liegenschaftskataster als Teil der Geobasisdaten zu begreifen – als einem wichtigen Baustein der Geodateninfrastruktur in Deutschland. „Diese Entwicklung führt zu einer weiteren Vereinheitlichung mit der Schaffung einer Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen der INSPIRE-Richtlinie,“ fassen die Autoren aus Hamburg zusammen und dürfen mit Fug und Recht daran erinnern, daß Hamburg in vielen fachlichen Projekten eine Vorreiterrolle eingenommen hat.

             Insbesondere Karl-Heinz Nerkamp ist es zu verdanken, daß die Hamburger Vermessungsgeschichte in den vergangenen 8 Jahren seit 2009 in der Reihe von 8 Sonderheften nunmehr transparent vorliegt. Es begann mit dem Sonderheft 2009 Heinrich Christian Schumacher, der Altonaer Astronom und die Vermessung (hier besprochen in unserer Mitt. 294), es folgte 2010 das Sonderheft zur Geschichte der Hamburger Triangulation (Mitt. 357), 2011 dann das Sonderheft Geschichte der amtlichen Hamburger Nivellementsarbeiten (Mitt. 385), dann das Sonderheft 2013 zur Geschichte und Aktualität der Photogrammetrie in Hamburg (Mitt. 469), Sonderheft 2014 Geschichte des Liegenschaftskatasters in Alt-Hamburg 1845-1950 (Mitt. 511), das Sonderheft 2015 Hamburger Vermessungsgeschichte – Liegenschaftskataster  in den ehemals preußischen Stadtgebieten (Mitt.549) und 2016 das Sonderheft Geschichte der Kartographie und Reproduktionstechnik in Hamburg (Mitt. 585).Sämtliche Hefte sind im Internet unter http://www.hamburg.de/bsw/hamburger-vermessungsgeschichte/ einzusehen. – 26.01./04.03.2017

 

 

611.   Professor Bertold Witte zur Vollendung des 80. Lebensjahres

             Der Förderkreis gratuliert seinem Vorsitzenden des Kuratoriums Professor em. Dr.-Ing. Bertold Witte zur Vollendung seines 80. Lebensjahres am 17. Januar 2017. Einst in Essen geboren, besuchte er in den Kriegswirren u.a. die Schule in Bromberg im frühere Westpreußen, absolvierte später eine Ausbildung als Bergvermessungstechniker in Essen, es folgten 1960 das Abitur, 1960 bis 1964 das Studium der Geodäsie Universität Bonn.

             Wir alle im Förderkreis denken gerne und in großer Dankbarkeit  an die über 3 Legislaturperioden währende Tätigkeit von Bertold Witte als Vorsitzender des Kuratoriums von 2008 bis 2017, die er als emeritierter Professor für Geodäsie der Universität Bonn, ordentliches Mitglied der Deutschen Geodätischen Kommission, mit viel Einsatz wahrgenommen hat. Seine wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte waren u.a. Geodätische Meßtechnik mit Schwerpunkt, Kalibrierverfahren geodätischer Messinstrumente, Ingenieurgeodäsie, trigonometrisches und geometrisches Nivellement. Hier können nicht  seine vielfachen wissenschaftlichen Leistungen gewürdigt werden. Doch war Bertold Witte vor dem Hintergrund seines langen wissenschaftlichen Wirkens besonders prädestiniert für die Aufgaben in unserem Vermessungstechnischen Museum in Dortmund und für unseren Förderkreis.

             Professor em. Dr.-Ing. Erich Weiß, damals für den DVW als 2. Vorsitzender im Vorstand, konnte Bertold Witte für diese Aufgabe gewinnen. Er übernahm den Vorsitz  2008 in der Nachfolge von Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge. Als eine seiner ersten wegweisenden Anregungen gab er dem Vorstand auf, die bisherigen Aufgaben und Tätigkeitsfelder des Förderkreises in einem kurzen Bericht zusammenfassend darzustellen (Bericht vom 19.4.2009). Vor diesem gesamten Hintergrund hat er in den folgenden Jahren in seiner stets gründlich-zielstrebigen denkenden und doch zurückhaltenden Art die Geschicke des Kuratoriums und damit des Förderkreises befruchtet. Das galt im besonderen Maße für unser 12. Symposium für Vermessungsgeschichte 2014 (Meilensteine im Instrumentenbau – siehe Mitt. 508). Daneben sorgt er zusammen mit den Kuratoriumsmitgliedern dafür, die Pflege der Vermessunggeschichte nicht nur in den Fachkreisen publik zu machen, u. a. auch durch seine Berichte vornehmlich in der Zeitschrift Allgemeinen Vermessungsnachrichten AVN.

             Bei der kommenden Mitgliederversammlung – im Anschluss an das Helmert gewidmete 13. Symposium für Vermessunggeschichte am 13. Februar 2017 – wird Professor Bertold Witte die Aufgaben des Kuratoriumsvorsitzenden an Professor Dr.-Ing. Harald Schuh aus Potsdam weitergeben. – Unsere Geburtstagsgratulation verbinden wir mit den besten Wünschen für den Jubilar und seine Frau – und denken gerne an weitere gute Zusammenarbeit nun mit Bertold Witte als Emeritus im Kuratorium. – 17.01.2017

 

 

 

610.   Goethe-Atlas – ein historisch-literarisches Geographisches Informationssystem

             Auf Goethes Spuren wandeln, mit einem Kartenwerk aus dem Kalimedia-Verlag in Lübeckein Erlebnis ganz besonderer Art. Der Verlag hat die zahlreichen Reisen von Johann Wolfgang von Goethe (1746 – 1832)  in 3 kartographisch hochwertige Landkarten eingetragen: In  eine Karte von Mitteleuropa zur Zeit nach 1815; eine Karte vom Großherzogtum Weimar-Eisenach 1815 und eine Karte von Italien 1786, dort mit einem kleinen Stadtplanausschnitt von Roma. Darüber hinaus zeigt ein ausführlich gehaltener Stadtplan in 3-D-Manier („aus der Vogelschau“) von Mattheus Merian das alte Frankfurt am Main, und außerdem ist ein „Grund-Riss“ von  Weimar in Grundstücksschärfe abgedruckt, gezeichnet von C.F. Weiland 1841.

             In den Karten sind 22 (zeitlich erläuterte) Reisewege Goethes eingetragen,  Signaturen lokalisieren besondere  Herren- und Frauenfreundschaften und auch die nicht wenigen Liebschaften des Dichters mit roten Damensilhouetten, die sämtlich in dem großzügig bemessenen Ortsverzeichnis bei besonders hervorgehobenen Orten namentlich und zeitlich dokumentiert werden. So z.B. jene mit Gretchen in der Geburtsstadt Frankfurt am Main 1764, mit Friederike Brion in Sesenheim 1770, die mit Charlotte Buff in Volpertshausen und Wetzlar 1772, Vorbild für „Die Leiden des jungen Werther“.

             In die Karten sind darüber hinaus  eingebettet eine Reihe von  Miniaturen, Gemälde mit klassischem Goldrahmen, u.a. ein Blick auf den Brocken, Goethes Gartenhaus in Weimar, auch eine Ansicht von Venedig – hier erblickte Goethe am 6.10.1786 erstmals das Meer, entnimmt man dem Karteneintrag.

             Insgesamt ein literarisch-historisch hochinteressantes Geoinformationssystem, mit den zusätzlich collagierten Miniaturen, die  unmittelbar in die Goethezeit rückblenden – ein wenig im Stil erinnernd  z.B. an den vom Schriftsteller Walter Kempowski in seinen Romanen gepflegten Collage-Stil, der dort mit Liedtexten, zeitgenössischer Reklame und entsprechenden Zitaten Zeitmarken setzte. –

             Das Kartenwerk misst 120 x 40 cm², ist beidseitig auf hochwertigem Glanzpapier gedruckt, Vor- und Rückseite lassen sich bequem um die waagerechte Achse wenden. Es ist doppelt gefaltet und misst dann 20cm x 12cm. Eine Rarität und ein besonderes Geschenk für jede/n literarisch interessierten Kartenliebhaber/in. – Weitere Informationen unter www.goethe-atlas.de – Direktbezug über Kalemidia-Verlag www.shop.kalimedia.de , Euro 14,90 – ISBN 978-3-9814308-6-8. – Den Hinweis auf dem Goethe-Atlas verdanken wir der FAZ vom 29.12.2016: A. Platthaus „Zum Schauen bestellt – wo Goethe sich so herumtrieb“.  – 11.01.2017

 

 

 

609.   Bundeskulturschutzgesetz – umfangreicher Dokumentationsaufwand auch für unsere Sammlung
             Bundestag und Bundesrat haben nach längeren Vorberatungen im Sommer 2016 eine Novellierung zum Bundeskulturschutzgesetz beschlossen. Damit sollen u.a. dem Markt von z.B. Gemälden, Skulpturen oder Münzen engere Schranken gesetzt werden. Von der Novelle  sind öffentlich zugängliche, auch von Privaten (Vereinen) betriebene Sammlungen jedweder Art betroffen. Sie müssen wie öffentliche Sammlungen einen sehr differenzierten Vorbesitzernachweis rückwirkend für 25 Jahre führen. Ziel ist die Beweislastumkehr im Markt mit Kulturgütern. An die Qualität der Inventarisierung der Sammlungen werden nun Anforderungen gestellt,  die nur mit den in professionellen Museen üblichen umfangreichen Dokumentationsprogrammsystemen erfüllt werden können. Jeder Sammlungsgegenstand ist in Wort und Bild eineindeutig so zu dokumentieren, daß in einem eventuellen Straftatbestand eine Zuordnung gerichtsfest vorgenommen werden kann. Forderungen nach Ausnahmeregeln für  Sammlungen wie z.B. unsere Instrumentensammlung kamen nicht zum Zuge. Umfangreiche Proteste und Petitionen, die auch vom Förderkreis im Herbst 2015 und im Frühjahr 2016 mitunterzeichnet wurden, blieben ungehört. „Mit typisch deutscher Gründlichkeit wurde alles über den gleichen Kamm geschoren“, sagen Insider.
             Seit dem Herbst 2015 sind wir nun dabei, alles zu fotografieren. Tausende Fotos sind bereits angefertigt und entsprechend zugeordnet. Wesentliche Grundlage war u.a. das von unserem langjährigen Instrumentenbeauftragten Manfred Gombel schon früher erarbeitete „Hauptbuch“. Jetzt waren zahlreiche zusätzliche Daten zu erfassen und in unser einfach gehaltenes Nachweissystem einzugeben – ein unglaublicher Kraftakt, der durch großen Einsatz der Kollegen Glowka,  Lehmann, von Stillfried und Uebbing und nur mit zusätzlicher Unterstützung von ehrenamtlichen Kräften des Dortmunder Vereins „Pro Kultur“ geleistet werden kann. Immerhin ist jetzt etwa die Hälfte des Bestandes nachgearbeitet.

             Es ist also noch sehr viel zu tun – und jede weitere Unterstützung wird sehr gerne angenommen! – Doch wir gehen mit dem ruhigen Gewissen in das Jahr 2017, unser Bestmöglichstes bisher getan zu haben – und die gesetzlich auferlegte Dokumentation wird sicher nochmals weitere 15 Monate systematischer Arbeit erfordern. – 02.01.2017

 

 

 

608.  Friedrich Robert Helmert – Ehrung zum 100. Todestag – Symposium in Dortmund

             Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund widmet das kommende 13. Symposium für Vermessungsgeschichte am 13. Februar 2017 Friedrich Robert Helmert.  Helmert war einer der ganz großen Geodäten – geboren  1843, wirkte er bis 1917.          

             Das Symposium beginnt am Montag, 13. Februar 2017 um 10:00 Uhr und findet statt in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3 Dortmund, 5 Minuten vom Hauptbahnhof. Vortragende am Vormittag sind Univ. Prof. em. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Christoph Reigber (Lebensweg Helmerts), Prof. Dr. techn. Dipl.-Ing. Wolf -Dieter Schuh (wissenschaftliche Spuren Helmerts) , Prof. Dr.-Ing. Karl Heinz Ilk (Figur der Erde) und am Nachmittag Dr.-Ing. habil. Joachim Höpfner (Instrumente), Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Harald Schuh (Forschung 100 Jahre nach Helmert). Zu weiteren Einzelheiten siehe unserer Mitteilung 600 und Einladungsinformation auf unserer Startseite. – Anmeldungen sind erbeten an die Geschäftsführerin des Förderkreises Claudia Balke, Mail cbalke@stadtdo.de , die Teilnahmegebühr beträgt  20,00 € für Nichtmitglieder (Spende Helmert-Turm)  kostenfrei für Mitglieder und in Ausbildung befindliche. –

             Nach einer Pause folgt gegen 16:00 Uhr die Mitgliederversammlung des Förderkreises, hierzu sind Gäste herzlich willkommen und eingeladen.  18.12.2017

 

 

 

607.   Christian von Massenbach – preußischer Generalstabsoffizier und Militärschriftsteller – hat Teile Schlesiens vermessen

             Manfred Spata, Eratosthenes-Preisträger unseres Förderkreises, hat einmal mehr in der Geschichte Preußens und den frühen kartographischen Arbeiten in Schlesien geforscht. Er berichtet im Augustheft 2016 der „Schlesischen Geschichtsblätter“ über  das Wirken des preußischen Generalstabsoffiziers und auch „Landmessers“ Christian von Massenbach (1758 in Schmalkalden/Thüringen – 1827 in Posen).    Und aktuell findet sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) Ende November d.J. ein ausführlicher Bericht (darüber später mehr) über jene ungewöhnliche Persönlichkeit, die sein Zeitgenosse Carl von Clausewitz nach 1806 „ehrlich beschrieb“: „Massenbach, von kleiner gedrungener Gestalt …sehr feurigen Augen und frischer Karnation (Gesichtsfarbe), verrieth auf den ersten Blick den Enthusiasten, bei dem Gemüth und Phantasie vorherrschten. Solchen Leuten fehlt es nie an auffassendem und bildendem Verstande,  ….aber es fehlt ihnen an Takt, Urtheil und kerngesunden Ideen. So war es auch mit Massenbach“, wie Manfred Spata zitiert.

             Freiherr Christian von Massenbach wurde 1782 „in den Generalquartiermeisterstab aufgenommen, der seither in Friedenszeiten die Aufgabe hatte, für rein militärische Zwecke Geländeaufnahmen in den eigenen Provinzen zu tätigen, aber auch fremde potenzielle „Kriegstheater“ (Kriegsschauplätze) zu erkunden“, schreibt Spata und weiter. „Massenbach erhielt dann 1790 den Auftrag, im schlesischen Grenzgebiet zu Sachsen und Böhmen einen sogenannten „Defensions-Plan vom Gebirge zwischen dem Riesen-Gebirg und der Grafschaft Glatz“ zu zeichnen“. – Nach den Feldzügen 1792 – 1795 gegen Frankreich legte Christian von Massenbach seine militärgeographischen Gedanken in mehreren Denkschriften dar, insbesondere zur Bedeutung der Festungen, wofür  die notwendigen Kartenwerke und Geländebeschreibungen jedoch fehlten. Entsprechende Verbesserungsvorschläge legte der Freiherr am 25. Juni 1795 dem König Friedrich Wilhelm II. vor: „Man müßte den Frieden dazu benutzen, seine eigenen und die Kriegstheater fremder Nationen kennen zu lernen ….so muß man damit anfangen, ein trigonometrisches Netz zu entwerfen. … Es gibt einige unter uns (im Generalquartiermeisterstab), welche  einen großen Teil ihres Lebens  auf das Studium der Mathematik verwendet haben, und wohl wissen, worauf es eigentlich bei der Vermessung eines Landes ankomme.“ 1796 – 1806 arbeitete Massenbach selbst als Aufnahmeoffizier an der Berichtigung des älteren schlesischen Kartenwerks von Hammer ostwärts der Oder. Die von Massenbach berichtigten 48 Blätter erhielten später die Bezeichnung „Massenbach-Kartenwerk“ (handgezeichnet, koloriert, 81cm x 63 cm, Maßstab 1:24.000). Sie vermitteln ein genaues Siedlungsbild von Oberschlesien um 1800. Manfred Spata: „Die Blätter der Hammer- und Massenbach-Aufnahmen gehören heute zum Bestand der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz und sind von Zeit zu Zeit in Ausstellungen zu sehen, zuletzt 2000 im Haus Schlesien in Königswinter-Heisterbacherrott.“

             Massenbach hat später  zahlreiche Schriften über seine Ansichten zur Reformen  in Preußen, zur Reorganisation des preußischen Staates, der Armee und zur Kriegsführung verfasst – deren Befolgen als eine der Haupursachen der verlorenen Schlacht von Jena und Auerstedt galt. Schließlich brachte ihm seine intrigante Memoirenschreiberei mit Drohungen gegen den König  Friedrich Wilhelm III. 1817 einen Prozess wegen Landesverrats ein – und von 1817 bis 1826 die Festungshaft in der Festung Glatz. Dort schrieb dann Massenbach an einem ein 26-bändigen Werk über Staatsschuldentilgung. Auch dieses Werk durfte nicht gedruckt werden, enthielt es doch wiederum scharfe Polemik gegen hochgestellte Persönlichkeiten. 1826 begnadigt, starb Freiherr Christian von Massenbach ein Jahr später am 21. November 1827. – Eine Anmerkung zur  Staatsschuldentilgung: Preußen stand 1818 vor dem Staatsbankrott. Auch der uns Vermessungsingenieuren so gut bekannte J. F. Benzenberg hatte sich intensiv mit der preußischen Staatsverschuldung befasst. „Nur die sogenannte ‚englische Anleihe‘ bei dem Londoner Bankier Rothschild von rd. 30 Mio. Talern bewahrte den Staat vor der Zahlungsunfähigkeit“, hat Dajana Baum in ihrer Dissertation über Johann-Friedrich Benzenberg (1777 – 1846), dort  Seite 282, in Erinnerung gerufen (siehe auch Besprechung  der Arbeit in zfv 2009 S. 68-69). – und siehe unsere Mitt. 254 und 286. –

             Kurz zurück zur aktuellen F.A.Z. vom 26. November 2016 (Seite18). Dort  schreibt Professor Dr. phil. Jan Volker Röhnert, Braunschweig, über von Massenbach unter dem Titel  „Der verhinderte deutsche Chateaubriand – Nach der verlorenen Schlacht bei Jena begann Christian von Massenbach ein weithin unbekanntes autobiographisches Projekt“ – Röhnert berichtet, die Niederlage in jener Schlacht wurde von Massenbach angelastet und weiter: „Der heimgegehrte Massenbach wollte Vorwürfe, die Kapitulation befördert oder Napoleon in die Händegespielt zu haben, nicht auf sich sitzen lassen. Es war an ihm, die Geschichte des Niedergangs, wie er sie seit seinem Eintritt ins preußische Heer empfunden hatte, minutiös aufzuschreiben. Sie sollte zum uferlosen Epos geraten, welchem er den Rest seiner Lebenszeit opferte …“ – Röhnert sieht darin eine Parallele zum Werk von Chateaubriand, wie jener die Epoche Napoleons aus Sicht des zur Verbannung gezwungenen Napoleons verteidigt. –

             Wir konnten hier Manfred Spata’s Arbeit nur sehr kurzgefasst referieren. Vermessungshistorisch wird auch hier wieder deutlich, wie damals insbesondere militärische Interessen die Notwendigkeit der Kartenherstellung bewusst werden ließen.  Seine mit großer Tiefe recherchierte, außerordentlich detailreiche Veröffentlichung in der Zeitschrift  Schlesische Geschichtsblätter“  löst ein hochinteressantes Geschehen in der Napoleonischen Zeit aus dem Dunkel der Geschichte. Neben den  kartographischen Arbeiten sind dies exzentrische  Persönlichkeitsmerkmale des Freiherrn von Massenbach, Themen von Staatsreformen, die Staatsschulden-Problematik  u.v.a.m. – auch dies Themen von bleibender Aktualität.

             Quellen: Manfred Spata: Christian von Massenbach (1758 – 1827) – ein preußischer Generalstabsoffizier in Schlesien, in Schlesische Geschichtsblätter, Zs. für Regionalgeschichte Schlesiens, 41. Jahrgang (2016), Heft 2 (August), Verein für Geschichte Schlesiens e.V. www.verein-fuer-geschichte-schlesiens.eu  ; F.A.Z. vom 26.11.2016 – 01.12.2016

 

 

 

606.   70 Jahre technisches Referendariat in Deutschland

             Mit einer Festveranstaltung am 8. November 2016 würdigte das Oberprüfungsamt für das technische Referendariat (OPA) sein Wirken seit den Anfängen 1946.

             Als Vorsitzender des Kuratoriums des OPA stellt Professor Dr.-Ing. Klaus Kummer, FRICS, Abteilungsleiter im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt in Magdeburg, in seinem einleitenden Vorwort unter dem Titel „Das neue technische Referendariat“ die in den Jahren 2010 bis 2015 umgesetzte Reform des technischen Referendariats vor. Grundlagen der Reform waren u.a. eine wissenschaftliche Wirkungsanalyse zur Attraktivitätssteigerung der Ausbildung.  Motivation heutiger Referendarausbildung ist im wesentlichen eine fundierte,  durch den Staat zertifizierte fachlich geprägte Führungsqualifikation für Wirtschaft und Verwaltung. Gegenüber früherer Referendarausbildung hat sich inzwischen ein Paradigmenwechsel vollzogen, der den Einsatz der Absolventen sowohl  in den Verwaltungen wie jedoch insbesondere in der Wirtschaft in besonderer Weise betont und zusätzlich zertifiziert und damit auf die heute wesentliche  interdisziplinäre Berufspraxis vorbereitet. Und auch schon vor 20 Jahren hatte der damalige Kuratoriumsvorsitzende Dr. Jürgen Huber vorausschauend auf den notwendigen Ansatz „Führungsqualifikation für Wirtschaft und Verwaltung“ als Ausbildungsziel im technischen Referendariat hingewiesen, der nunmehr realisiert wurde – man erkennt auch eine hohe Kontinuität im Wirken des OPA.

             Für die Geodäten gehörte das Vermessungs- und Liegenschaftswesen zu den Gründungsfachrichtungen des OPA. In den vergangenen 70 Jahren  waren hier Jahr für Jahr rund 80 Prüferinnen und Prüfer im ehrenamtlichen Nebenamt tätig. Sie haben in jenem Zeitraum mehr als 5.500 Geodäten und Geodätinnen geprüft, 30 Prozent sämtlicher technischer  Assessoren und Assessorinnen, wie Klaus Kummer in seinem Fachbeitrag der o.a. herausgegebenen Fest schrift des OPA berichtet. „Sie haben mit ihren Leistungen bei der Eigentumssicherung, für den Grundstücksverkehr, bei der Planung und Bodenordnung, der Immobilienwertermittlung sowie mit den topographischen und thematischen Karten wichtige Grundlagen geliefert“, hebt Klaus Kummer in der Festschrift hervor. Für die jüngere Vergangenheit ist darüber hinaus hervorzuheben, daß ihm die Direktaufnahme in die Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS)  für Geodäten mit Staatsexamen wesentlich zu verdanken ist. Siehe hierzu den Bericht in der zfv 2015 – und wir hatten in unserer Mitt. 591 aus anderem Anlass darauf hingewiesen.

             Der langjährige frühere Prüfungsausschuss-Vorsitzende Klaus-Jürgen Barwinski beschrieb in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des OPA die seinerzeitigen Aufgaben mit dem Wirken für den Wiederaufbau, die Zeit der Konsolidierung, der Normalisierung und bei der Wiedervereinigung Deutschlands. Weil sich das fachliche Berufsfeld der Geodäsie insbesondere in den vergangenen 20 Jahren in immer stärkerem Maße in weite Bereiche der Geoinformationen erweitert und deutlich gewandelt hat, war es nur folgerichtig, daß der Prüfungsausschuss inzwischen in „Geodäsie und Geoinformation“ umbenannt worden ist.

              Quellen: Festschrift  „70 Jahre technisches Referendariat in Deutschland“ des Oberprüfungsamtes für das technische Referendariat beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Referat Z 35 in Bonn; Klaus Kummer u.a.: Direktaufnahme in die RICS für Geodäten mit Staatsexamen, in zfv 2015 S. 129 – 135, Klaus Kummer: Interdisziplinäre, länderübergreifende Foren für das technische Referendariat, Zs. fub Heft 5/2016 – Nachtrag: Siehe auch Kummer, Klaus: 70 Jahre technisches Referendariat in Deutschland, in zfv S. 428-429.  – 23.11./05.12.2016

 

 

 

605.   Lohne auf  alten und neuen Karten

             Eine „Kleine Geschichte der Kartographie für Lohne und die Region“ – so der Untertitel eines neuen Buches von Vermessungsdirektor Heiko Taubenrauch, Leiter des Katasteramts Cloppenburg in Niedersachsen.  Darin wird am Beispiel der Stadt Lohne und der südoldenburgischen Region die historische Entwicklung der Kartographie bis in die moderne Zeit gezeigt. Erstmals wird damit eine zusammenhängende Sicht auf die kartographische Darstellung des Oldenburger Münsterlandes möglich – so insbesondere durch  Regionalkarten Westfalens aus dem 18. Jahrhundert, die Landesaufnahmen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und die Oldenburgischen Grundsteuervermessungen von 1836. Anhand  der aktuellen Kartographie wird damit der Wandel der früheren Landkarten zur heutigen umfassenden Geoinformationen verdeutlicht. – In einem Anhang findet der Leser Kurzbiographien von 150 Kartenkünstlern, Kartographen und Landmessern. Das vom Heimatverein Lohne herausgegebene 188 Seiten starke Buch kann im Buchhandel und im Industrie Museum Lohne zum Preis von 12,80 € erworben werden. ISBN 978-3-945579-03-9. – 12.11.2016.

 

 

604.   Sondersitzung des Kuratoriums des Förderkreises – Revirement in der Leitung

             Das Kuratorium des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. trat in diesem Jahr zu einer weiteren Sitzung am 28. Oktober zusammen. Diese Sondersitzung war insbesondere wegen eines größeren Revirements in der Leitung erforderlich.

             Zu Beginn der Sitzung wurden die Kuratoriumsmitglieder vom neuen Leiter des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Dr. Jens Stöcker begrüßt. Er warb für eine weitere gute Zusammenarbeit mit dem Förderkreis auch im Zusammenhang mit neuen Aspekten der Museumsarbeit, so auch, wenn zukünftig die Stadtgeschichte Dortmund mehr im Fokus des Museums stehen soll. Professor Berthold Witte dankte für die freundliche Begrüßung und bestätigte die bisherige gute Kooperation.

            Als Kuratoriumsvorsitzender begründete er dann seine Bitte, den Vorsitz aus Altersgründen weitergeben zu wollen, eine Funktion, die er seit 2008 gerne ausgeübt habe. Als neuer Vorsitzender des Kuratoriums hat sich Prof. Dr.-Ing. Harald Schuh vom GeoForschungsZentrum aus Potsdam zur Verfügung gestellt. Dessen Vita  wurde von Berthold Witte kurz vorgestellt und aus besonderer persönlicher Verbundenheit von Ingo von Stillfried ergänzt.  Harald Schuh wird die Nachfolge ab der kommenden Mitgliederversammlung im Februar 2017 übernehmen. Auch der langjährige stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums, Dr.-Ing. Hartwig Junius, bat ebenfalls aus Altersgründen, einen Nachfolger zu bestimmen. Ulf Meyer-Dietrich, Leiter des Vermessungs- und Katasteramts Dortmund hat sich bereiterklärt, diese Funktion zu übernehmen. Hartwig Junius war für viele Jahre „der gute Geist des Kuratoriums“ wie Ihr Redakteur und damaliger Präsident bereits 2000 festgestellt hatte (siehe http://www.vermessungsgeschichte.de/sammlung-Dateien/BegegnungenmitPersoenlichkeitenimFoerderkreis.pdf ) – er hat inzwischen seit 34 Jahren (seit 1982!) die Geschicke des Kuratoriums wesentlich bestimmt. Die Kuratoriumsmitglieder dankten Hartwig Junius mit lebhaftem Beifall. Er bleibt dem Förderkreis jedoch weiterhin als rühriger Bibliothekar erhalten.

             Den Bericht des Vorstandes erstattete der Präsident, Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg. Für den Eratosthenes-Preis sind 2 Vorschläge eingereicht worden, über die Preisvergabe entscheidet das Stiftergremium. Weiter wies er auf die jüngsten Veröffentlichungen über die Museumsarbeit hin, so auf den Bericht in der zfv  2016 S. 141-142 „40 Jahre – Dortmund ein Zentrum der Vermessungsgeschichte“ (Siehe Mitt. 574),  auf einen Bericht in der AVN und auf das VDVmagazin S. 153 bis 157, dort mit Texten vielfach auf der Grundlage der Mitteilungen der Seite Aktuell der Homepage des Förderkreises, ergänzt mit zugehörigem Bildern. Jene Aktuell-Seiten haben weiter hohe Zugriffswerte.

             Das kommende Symposium „Friedrich Robert Helmert –  zum 100. Todestag“ ist von Prof. Dr. Erich Weiß vorbereitet worden (siehe Mitt. 600). Im übrigen bittet auch Herr Weiß, die Vorbereitungsarbeiten für künftige Symposien in jüngere Hände zu geben. Als ein mögliches Thema für 2020 wurde „Technikgeschichte“ erörtert. Dr. Rolf Harbeck verwies darauf, neben Bau- und Instrumentengeschichte könne auch die Kartographie dazu wesentliches beitragen.

             Die Kuratoriumsmitglieder erörterten die zukünftigen Entwicklungen der Museumsarbeit. Die in der gegenwärtigen Form 1995 damals neu gestaltete Schausammlung müsse recht bald modernisiert werden, dazu biete gerade auch die Zusammenarbeit mit der neuen Museumsleitung gute Chancen. Im Hinblick auf die Stadtgeschichte könne z.B. die seinerzeitige Neugestaltung der Dortmunder Innenstadt mittels Bodenordnung in die Ausstellung integriert werden. Jene Arbeiten unter der Leitung von Siegfried Stahnke, damaliger Leiter des Vermessungs- und Katasteramts Dortmund hätten bundesweit Modellcharakter gehabt – das Museumshandbuch trägt dem bereits Rechnung. – 02.11.2016

 

 

 

603.     Persönlichkeiten in der Landeskultur im Rheinland 1945 bis 1970 und deren persönliche Herausforderungen in der NS-Zeit

             Die unermüdlichen Erforschungen der geschichtlichen Entwicklungen der Landeskultur im nördlichen Deutschland hat Professor em. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Erich Weiß fortgesetzt und nunmehr den Zeitraum nach 1945 in den ehemaligen preußischen Provinzen Nordrhein und Westfalen dokumentiert. –  Nach grundlegender Darstellung der Vorgeschichte des nach dem Zweiten Weltkrieg neu gebildeten Landes Nordrhein-Westfalen dokumentiert er, wie aus der bisherigen Landeskulturabteilung beim Oberpräsidium der Provinz Nordrhein ein neues Landeskulturamt in Bonn geschaffen wurde (und später verlegt 1958 nach Düsseldorf). Ebenfalls beschrieben werden die Weiterführung der Landeskulturabteilung beim Oberpräsidenten der Provinz Westfalen sowie die facettenreichen Entwicklungen der nachgeordneten Kulturämter. Erläuternd schreibt Erich Weiß, „die Landeskultur im hier angesprochenen Sachzusammenhang der 1950er bis 1970er Jahre umfasst im wesentlichen Maßnahmen zur Verbesserung der landbautechnischen Produktionsmöglichkeiten auf den land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen (…) mittels Grundstücksneuordnung (…) sehr wohl schon unter Wahrung und Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen.“ Und er weist auf die Regelungen des Flurbereinigungsgesetzes des Bundes hin und darauf, daß diese Landeskulturmaßnahmen als staatliche Aufgaben von Behörden des Landes wahrzunehmen waren.

             1957 bewirkte die Zusammenführung der Landeskulturverwaltung mit der Landessiedlungsverwaltung eine deutliche Verwaltungsstrukturänderung und führte zur Landesverwaltung für Flurbereinigung und Siedlung, räumlich noch getrennt für den nordrheinischen und für den westfälischen Landesteil. Zur ländlichen Bodenordnung war damit wieder das ländliche Siedlungswesen hinzugekommen – insgesamt ergab sich damit ein umfängliches und volkswirtschaftlich ungemein wichtiges Aufgabenspektrum, insbesondere auch vor dem Hintergrund der zahlreichen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemals deutschen Ostgebieten, die in großen Teilen auch landwirtschaftlich geprägt waren.

             Die hier besprochene Dokumentation von Erich Weiß erinnert im weiteren an die leitenden Persönlichkeiten der Landeskulturverwaltung Nordrhein bzw. der Verwaltung für Flurbereinigung und Siedlung Nordrhein, Egon Küsters (1944/45 – 1954), Dr. Otto Bierig (1954 – 1968) und Dr. Karl Jennen (1968 – 1970). Wir fassen deren ausführlich beschriebenen Lebensläufe und ihr Wirken hier in gebotener Kürze zusammen.

             Egon Küsters wurde am 26 April 1885 in Labbeck im Kreis Moers geboren und röm.-kath. getauft. Der Vater war Zentrumspolitiker und 1921 bis 1924 Abgeordneter des preußischen Landtages. Nach dem Abitur studierte Egon Küsters Rechtswissenschaften in Freiburg, Marburg, Berlin und Bonn und beendete seine Ausbildung 1914 mit dem Zweiten Juristischen Staatsexamen in Berlin. Nach dem Ersten Weltkrieg gelang ihm 1919 der Einstieg in die preußische Landeskulturverwaltung und schon 1920 wurde er Kulturamtsvorsteher in Mayen. Nach Wirken in Düsseldorf wurde er 1933 nach Koblenz versetzt – es folgte die Zeit des Nationalsozialismus, in einer heute unwirklichen, damals vielfach belastenden Arbeitswelt. Und Erich Weiß zitiert den erneuten (!) Diensteid, den Küsters 1934 wie alle öffentlichen Beamten (und Soldaten) zu leisten hatte, „Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe.“ –

             Um größere dienstliche Benachteiligungen zu vermeiden, hat sich Egon Küsters auch in berufsnahe nationalsozialistische Organisationen eingebracht und trat 1937 in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein. – Gleichwohl wurde er bereits am 7. August 1945 wieder in den Dienst der Landeskulturverwaltung noch des Oberpräsidiums Nordrhein einberufen und später im Entnazifizierungsverfahren als „Typischer Mitläufer“ eingeschätzt, der „…sich in keiner Weise aktiv für die NSDAP eingesetzt…“ hatte. Egon Küsters wurde als „entlastet“ eingestuft, da „…er nicht aus Überzeugung Parteimitglied war, sondern nur infolge des auf alle Beamten ausgeübten behördlichen Druckes…“. –   

             Der Neubeginn landeskultureller Arbeiten nach den Kriegszerstörungen war unendlich mühselig, Räumlichkeiten, Aktenunterlagen und Personal fehlten. Egon Küsters arbeitete über die Pensionsgrenze hinaus und wurde 1952 noch zum Regierungs-Direktor befördert, 1954 in den Ruhestand verabschiedet und 1955 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Er starb 1961 in Bonn.

             Nachfolger wurde 1954 Oberregierungs- und Kulturrat Dr. Otto Bierig, Kulturamtsvorsteher in Düsseldorf. Otto Bierig wurde am 14. April 1903 in einem katholischen Elternhaus in Siegen geboren. Nach dem Abitur 1922 studierte er Rechtswissenschaften in Tübingen und Köln und wurde dort zum Dr. jur. promoviert. Nach Erster und Zweiter Juristischer Staatsprüfung folgte die Ausbildung zum Kulturamtsvorsteher ab 1931 bis 1935 in Elbing, Königsberg, Stolp sowie Schweidnitz, alle gelegen in den östlichen preußischen Provinzen. Otto Bierig wurde von der politischen Staatssicherheit der pommerschen Provinzialhauptstadt Stettin längere Zeit intensiv observiert, was ihm jedoch nicht verborgen geblieben ist. Bis 1942 folgten Versetzungen nach Limburg/Lahn und nach Euskirchen, wo er „unabkömmlich“ gestellt wurde. Bemerkenswert ist, in welchem Umfang Spitzenbeamte im damaligen großen deutschen Reichsgebiet versetzt wurden.

             Auch Otto Bierig war 1933 Mitglied der NSDAP geworden und ebenso der NS-Sturmabteilung SA und in weiteren NS-Organisationen. Er konnte erst im Berufungsverfahren seine Entnazifizierung erreichen, für ihn hatten sich große Schwierigkeiten aus seinen (angeblichen) Aktivitäten in der SA ergeben. So konnte er erst 1950 seinen Dienst in der Landeskulturverwaltung wieder aufnehmen. 1954 wurde er Nachfolger von Egon Küsters und am 21. Juni 1960 zum ersten Präsidenten des Landesamtes für  Flurbereinigung und Siedlung befördert, eine Position, die er mit Umsicht und Tatkraft bis zu seiner Pensionierung 1968 ausüben konnte. Er ist 1971 in Düsseldorf verstorben.

             Kurzzeitiger Nachfolger wurde Dr. Karl Jennen,  geboren am 18. März 1906 in einem katholischen Elternhaus in Gelsenkirchen. Er hatte nach seinem Abitur und dem Studium der Rechtswissenschaft in Berlin, Paris, Königsberg, Greifswald, Erlangen, Bonn und Münster, sowie den beiden Juristischen Examina noch 1932 seinen Amtseid mit den Worten abgelegt, „Ich schwöre Treue der Verfassung, Gehorsam den Gesetzen und gewissenhafte Erfüllung meiner Amtspflichten, so wahr mir Gott helfe.“ 1934 folgte die Promotion in Erlangen. Vom November 1935 bis zum August 1938 arbeitet er u.a. als Notarvertreter und ab 1938 in der Reichsfinanzverwaltung, dort hatte er das Gelöbnis abzulegen, wie schon bei Küsters zitiert: „Ich werde dem Führer…“. Zum 30. Oktober 1940 wurde er zum Militärdienst eingezogen und kehrte aus der Kriegsgefangenschaft 1946 zurück.

             Auch Karl Jennen war Mitglied der SA von 1933 bis 1938 und Mitglied der NSDAP seit 1937 sowie ebenfalls Mitglied mehrerer weiterer NS-Organisationen. Im abschließenden Entnazifizierungsverfahren wurde er 1949 entlastet. Bereits zuvor war er wieder in die Finanzverwaltung zurückgekehrt und wirkte dort in verschiedenen leitenden Funktionen. Dr. Karl Jennen wurde dann am 9. Januar 1968 zum Präsidenten des Landesamtes für Flurbereinigung und Siedlung bestimmt. Er trat dieses Amt am 1. Mai als erster Nichtfachmann in der 150-jährigen Geschichte dieser Sonderverwaltung an. Erich Weiß berichtet ergänzend von der Unruhe, die diese Besetzung in der Personalstruktur erzeugt hat. „Für das erfolgreiche Wirken der Verwaltung vor Ort gingen dabei vielfältige, vielgestaltige Vertrauensstrukturen verloren und betroffene Beamte wandten sich nicht selten von der Verwaltung ab – ein Verlust, der viele Jahre nachwirkte.“ Als ehemaliger Finanzbeamter vermochte der neue Präsident das notwendige enge Zusammenwirken seiner neuen Verwaltung mit anderen Fach- und Kommunalverwaltungen vor Ort nur schwer sachgerecht zu bewerten. –

             Ihrem Redakteur und Rezensenten erscheint an dieser jüngsten Veröffentlichung von Erich Weiß besonders wesentlich, heute erneut zu erkennen, welche belastenden Verstrickungen der NS-Zeit die damals Handelnden ausgesetzt waren. Aus der heutigen Sicht aller inzwischen bekannten unfassbaren Folgen des NS-Regimes im sogenannten „Dritten Reich“ wird einmal mehr deutlich, welche Zumutung allein jener Hitler-Eid für jeden pflichtbewussten Beamten bedeuten musste – eine Verurteilung jener „Mitläufer“ aus heutiger Kenntnis der Verbrechen der Nationalsozialisten sollte differenzieren können – in Ansehung jener damals erzwungenen Eide und ebenso des jedenfalls anfänglichen „Mitmachens“ in den NS-Organisationen – zumal in einer Diktatur, in einer Zeit der damals gleichgeschalteten öffentlichen Medien Presse und Radio und noch ohne Fernsehen. –

             Erich Weiß hat in dieser wertvollen neuesten Veröffentlichung wiederum zahlreiche Originalquellen der hier die maßgebenden Gesetze und umfänglichen rechtlichen Bestimmungen zitiert, ergänzt durch zahlreiche Fußnoten. Dem Autor ist zu danken, daß damit Leben, Wollen und Wirken von gestaltenden Persönlichkeiten der Landeskultur im nördlichen Rheinland im geschichtlichen Bewusstsein erhalten werden. – Die hier vorgestellten organisatorischen und biographischen Forschungsergebnisse von Professor Dr. Erich Weiß setzen frühere Arbeiten fort, wie wir sie hier besprochen haben, insbesondere in Mitt. 579, 557, 541 mit weiteren Hinweisen.

             Quelle: Erich Weiß: Die Leiter und Präsidenten des Landeskulturamtes Nordrhein/ des Landesamtes Nordrhein für Flurbereinigung und Siedlung 1945 – 1970. – Drei Persönlichkeiten der Agrarstrukturellen Entwicklung im nördlichen Rheinland, in Rheinische Heimatpflege – 53. Jahrgang – 2/2016 – S. 91 bis 106, ISSN 0342-1805, Köln 2016 – E-Mail: wiemer@rheinischer-verein.de – 25.10.2016

 

 

 

602.   INTERGEO in Hamburg – auch für den Förderkreis Vermessungstechnisches Museum ein voller Erfolg

             In Hamburg war der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund traditionell mit seinem Stand auf der INTERGEO vom 11. bis 13. Oktober 2016 vertreten. Geleitet von Jürgen Lagoda, der wieder unterstützt wurde von  Christian Heine und auch von Claudia Balke, Geschäftsführerin des Förderkreises. Und schon zum wiederholten Male insbesondere auch von Dmitri Diener, vor 5 Jahren von Prof. Dr. Wolfgang Torge „eingeworben“. Einst Student in Hannover steht Kollege Dmitri Diener inzwischen kurz vor der Masterprüfung im Bereich Ingenieurgeodäsie an der Universität Hannover - wir drücken ihm die Daumen! –

             Am Stand des Förderkreises konnten wir eine ganze Reihe von Besuchern und Besucherinnen  begrüßen, die reges Interesse zeigten für das Museumshandbuch (gerne gekauft als „Eigen-Geschenk“), die große Anzahl der Schriften, auch noch jene über die so gelungene Mercatorausstellung 2012. Der frühere Kuratoriumsvorsitzende  Prof. Wolfgang Torge schaute vorbei, Präsident Professor Dr.-Ing. Peter Mesenburg ließ es sich nicht nehmen, die Crew des Förderkreises zu verstärken. Und Ihr Redakteur  und Berichterstatter konnte eine Reihe von früheren freundschaftlichen Kontakten  weiter vertiefen, so u.a. mit Frank Reichert, dem Eratosthenes-Preisträger 2001, den Kollegen Präsidenten Willfried Grunau (zwei „Lotbrüder“ des Goldenen Lots des VDV – 1998 und 2003), Andrea Kleber, Klaus Meyer-Dietrich, Burkhard Kreuter, Michael Kilian – alle vom Präsidium des VDV, gute Kontakte auch Dank der Nähe des  großen Verbändestandes von BdVI, DVW, VDV und DGfK. Überhaupt befand sich der Stand des Förderkreises außerdem in höchst internationaler Nachbarschaft, unweit des US-Pavillons und des Standes „Made in the United Kingdom“ und der Fa. ORIENT – was ja kein Wunder war bei der in immer stärkeren Maße wachsenden globalisierten Messe-Teilnehmerschaft (Aussteller wie Besucher) – und eben damit aber doch eingebettet in einer erfreulich breitgestreute Gesellschaft. Jürgen Lagoda vertiefte die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen Brzozowski und Urbanski aus Warschau, auch im Hinblick auf eine weitere Zusammenarbeit (verl. Mitt. 554). –

             Ja und abschließend zu diesem spontanen „review“ von „der Welt größter geodätischer Messe für Geoinformationen“ hier ein großer Dank an unsere engagierte Crew  im Stand des Förderkreises und last not least an das Büro des ÖbVI Tiemann, der einmal mehr für den Transport der „gewichtigen“ Bücher und Schriften, insgesamt für das Begleitmaterial von Dortmund nach Hamburg und retour sorgte. – 13.10.2016

 

 

601.   Kulturhaus am Wattenmeer veranstaltet 1. Gaußtag

             Michael Remmers lädt ein zu einer Veranstaltung am 1. Oktober 2016  im neu eröffneten Gauß-Museum am Wattenmeer – im Mittelpunkt stehen zwei Vorträge über Carl Friedrich Gauß von Bernd Bultmann zum 17-Eck und von Prof. Klaus Kertscher über „Gauß-Superstar“. Start ist um 14 Uhr mit einem Gaußtrunk, dem folgt der Einsatz eines Heliotropen-Nachbaus. – Für Kaffee und Kuchen wird gesorgt, ebenso für ein Musik-Begleitprogramm (mit „Saitenhieben“)Bei Anmeldung sind 15 € pro Person zu entrichten“ schreiben Magdalene und Michael Remmers, die zusammen das Kulturhaus und Gauß-Café am Wattenmeer mit dem Gauß-Museum in Langwarden kürzlich eröffnet haben, vergl. unsere Mitt. Nr. 596 . – Anmeldungen über komregis@t-online.de . – 21.09.2016

 

 

600.  13. Symposium zur Vermessungsgeschichte – Vorankündigung

Friedrich Robert Helmert –  zum 100. Todestag

             Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund widmet das kommende 13. Symposium für Vermessungsgeschichte am 13. Februar 2017 Friedrich Robert Helmert, „einem der großen Geodäten an der Schwelle vom 19. Zum 20. Jahrhundert“ (Torge, Geschichte der Geodäsie in Deutschland). Helmert wurde  am 31. Juli 1843 in der alten sächsischen Bergbaustadt Freiberg geboren; er starb am 15. Juni 1917 in Potsdam an den Folgen eines Schlaganfalls – im kommenden Jahr vor 100 Jahren.

             Helmert prägte zur Wende des 19. zum 20.Jahrhundert die Entwicklungen der Geodäsie als Wissenschaft wie kaum ein anderer. Seine klassische Definition der Geodäsie als „Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche“ war in ihrer umfassenden Einfachheit genial. Spätere Erweiterungen konkretisierten die Aufgabenstellung der Geodäsie, differenzierten wohl auch gerne in „höhere“ und „niedere“ Geodäsie – heutige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler begreifen unsere Wissenschaft in Theorie und Praxis umfassend von der Ausmessung und Abbildung der Erde bis hin zur Ordnung des Grund und Bodens. – 

             Friederich Robert Helmert studierte von 1859 bis 1863 am Polytechnikum Ingenieurwissenschaften in Dresden, war danach dort Assistent beim Professor der Geodäsie August Nagel und ergänzte 1866/67 sein Studium an der Philosophischen Fakultät der Universität Leipzig mit der Promotion, sein Thema „Studien über rationelle Vermessungen im Gebiet der höheren Geodäsie“.  Im Jahr 1872 erschien Helmerts erstes größeres Werk über „Die Ausgleichungsrechnung nach der Methode der kleinsten Quadrate mit Anwendungen auf die Geodäsie und die Theorie der Messinstrumente“. Damals war die Ausgleichungsrechnung noch keineswegs allgemein in der Praxis akzeptiert. Helmert wurde im gleichen Jahr zum Professor der Geodäsie am neuen Aachener Polytechnikum ernannt.

             In den Jahren 1880 und 1884 erschien sein grundlegendes Werk „Die mathematischen und die physikalischen Theorieen (Originaltitel) der höheren Geodäsie“ in 2 Bänden. 1886 wurde Helmert zum Direktor des Preußischen Geodätischen Instituts in Potsdam ernannt und gleichzeitig berufen auf das neu eingerichtete Ordinariat für höhere Geodäsie an der Universität Berlin. Es folgt eine weltweit anerkannte Forschungstätigkeit, 1900 wird Helmert zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt, zahlreiche weitere Auszeichnungen folgen und zeugen von der weltweiten Anerkennung dieses genialen Geodäten (Wolf, zitiert nach Torge, a.a.O.).

***

             Das Symposium zum 100. Todestag von Friedrich Robert Helmert ist in den vergangenen Jahren durch Professor em. Dr.-Ing. mult. Erich Weiß (Bonn) für den Förderkreis langfristig vorbereitet worden. Erich Weiß konnte eine Reihe namhafter Wissenschaftler als Vortragende gewinnen:

Programm des 13. Symposiums für Vermessunggeschichte in Dortmund

am Montag, 13. Februar 2017, in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3 Dortmund, 5 Minuten vom Hauptbahnhof.

10:00 Uhr: Begrüßung, anschließend

Friedrich Robert Helmert 1843 – 1917  Ausschnitte aus seinem Lebensweg  und  seinem internationalen Wirken  

Univ. Prof. em. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Christoph Reigber                                                                                                                

ca. 10:45 Uhr Kaffeepause

11:15 Uhr: Über die Ausgleichung bei „Überschüssigen Messungen und zufälligen Beobachtungen“ – auf den Spuren von Friedrich Robert Helmert  - Prof. Dr. techn. Dipl.-Ing. Wolf -Dieter Schuh

12:00 Uhr: Die Figur der Erde – zu Zeiten Friedrich Robert Helmerts und heute    Prof. Dr.-Ing. Karl Heinz Ilk

Ca. 12:45 Uhr Mittagspause

14:00 Uhr: Instrumente und Geräte für geodätische Arbeiten und Forschungen  am Geodätischen Institut Potsdam unter dem Direktorat von Friedrich Robert Helmert   Dr.-Ing. habil. Joachim Höpfner

14:45 Uhr: Geodätische Forschung 100 Jahre nach Friedrich Robert Helmert  Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Harald Schuh

Ca. 15:30 Uhr Kaffeepause

16:00 Uhr folgt die Mitgliederversammlung des Förderkreises, hierzu sind Gäste herzlich willkommen und eingeladen. – 14.09.2017

 

 

 

599.   Theodor Ziegler zur Vollendung des 90. Lebensjahres

             „Die bayerische Vermessungsverwaltung in Geschichte und Gegenwart“ ist der Untertitel eines Buches Vom Grenzstein zur Landkarte, mit dem der Leiter der Bayerischen Vermessungsverwaltung der Jahre 1985  bis 1989, Ministerial- Dirigent Prof. Dr.-Ing. Theodor Ziegler, unserem Beruf  ein besonderes Denkmal gesetzt hat, erschienen 1989 in 2. Auflage im Verlag Konrad Witwer. Er hat darin in prägnanter Kürze einen Streifzug durch die Leistungen der in amtlichen Diensten wirkenden Geodäten dargestellt und insbesondere am Beispiel der bayerischen Vermessungsverwaltung illustriert. Schon die einleitende Skizze, überschrieben mit „Schau ein Geometer! Was macht denn der da?“ reizt, dieses Buch nicht sobald aus der Hand zu legen. Die Themenbreite (in Auswahl)  Landesvermessung, Triangulation (mit Eratosthenes startend und bis hin zu GPS), Koordinatensysteme, Luftbildvermessung, Topographische Karten, Kataster-Uraufnahme, Alois Senefelder, Johann Georg von Soldner, Liegenschaftskataster, Abmarkung (und Feldgeschworene mit den Siebenerzeichen),  Bodenschätzung usw. zeigt ein Mosaik unseres Berufsfeldes vom Autor allgemeinverständlich beschrieben und mit treffenden Kartenbeispielen und Fotos illustriert.  Fachlich-humorvolle Skizzen lassen immer mal wieder Vorliebe und Geschick von Theodor Ziegler aufscheinen, komplizierte Sachthemen dem Leser eingängig nahezubringen, dabei den fachlichen Kern stets im Auge behaltend – ein herrliches Buch, das Theodor Ziegler unserem Beruf schenkte – und seiner Vorbemerkung ist grundsätzlich zuzustimmen, die dargestellten Grundlagen und Methoden waren damals denen in anderen Ländern weitgehend identisch. Wenn sich in den seit dem Erscheinen dieses unverändert lesenswerten Buches insbesondere die Methoden durch neuere Technik erheblich weiterentwickelt haben, so bleiben doch die Grundlagen und deren Historie unverändert – ein besonderer Markstein der Vermessungsgeschichte.

             Der nunmehrige Jubilar Theodor Ziegler wurde am 1. September 1926 in Augsburg geboren, mußte ab 1943 in den Kriegsdienst ziehen, konnte nach der Kriegsgefangenschaft dann endlich 1946 bis 1950 an der TH München studieren und legte 1953 die Bayerische  Große Staatsprüfung ab. Nach Promotion bei Professor Kneißl folgte seine so erfolgreiche Karriere in der bayerischen Vermessungsverwaltung. In besonderem Maße interessierten ihn stets die Quellen, Grundlagen und Entwicklungen geodätischen Wirkens in der ganzen Breite; so war es ihm dann auch ein besonderes Anliegen, ausführliche Ausbildungsschriften zur Entstehung des bayerischen Katasterwerks, zum Bayerischen Landesvermessungsamt, zur Bodenschätzung …. zur Einführung in die Abmarkung zu verfassen (vornehm zurückhaltend als Ausbildungsvorträge bezeichnet). Sie bildeten das Fundament, auch darauf fußte sein Buch Vom Grenzstein zur Landkarte.

             Ihr Redakteur lernte Theodor Ziegler 1981 in der AdV kennen, als er als Präsident des Bayerischen Landesvermessungsamtes erstmals an einer Plenumssitzung teilnahm und später als Chef der bayerischen Vermessungsverwaltung bis zu seiner Pensionierung dort weiterhin entscheidend mitwirkte. Seine profunden Beiträge sind mir besonders aus meiner Vorsitzer-Zeit 1983/84 in lebhafter Erinnerung. Theodor Ziegler war nicht nur ein exzellenter Fachgeodät, gerne ließ er darüber hinaus seine vielfältigen allgemeinen Interessen erkennen. Sie führten gerade im persönlichen Gespräch zu manchen heiteren und ebenso aber auch tiefgehenden Diskussionen, die gerne bis in ernste Glaubensfragen reichten. Noch kürzlich wies er vor dem Hintergrund aktueller Nachrichten darauf hin, daß ja die Jesiden als Christen bekannt seien, schon Karl May habe sie in dem Roman „Durchs wilde Kurdistan“ erwähnt.

             Bayern ehrte Prof. Dr.-Ing. Theodor Ziegler 2006 mit der Soldner-Medaille für seine Verdienste um das bayerische Vermessungswesen. – Zusammen mit seiner Frau nahm er noch lange an den Altvorderen-Treffen der Senioren in der AdV teil – sie unternahmen beide nach seiner Pensionierung immer wieder gerne Reisen, vornehmlich ins weiter entfernte Ausland. Dem Vermessungsmuseum in Dortmund  überreichte der Jubilar im Jahr 2005 einige Original-Siebenerzeichen aus gebranntem Ton (unsere Mitt. Nr. 105). Mit dem besonderen Dank für seine reichen Beiträge zur Vermessungsgeschichte gratulieren wir Theodor Ziegler herzlich zur Vollendung des 90. Lebensjahres und wünschen ihm und seiner lieben Frau Elisabeth weitere angenehme Lebensjahre. – 01.09.2016

 

 

598.   Eine Fortführungsvermessung im Hörspiel vor 60 Jahren

             Georg Kaspereit konnte einst noch schreiben, das Hörspiel sei eine sehr junge Kunstform. Das war 1958,  vor fast 60 Jahren. Und Amtsrat Kaspereit war ein feinsinniger Kollege im Niedersächsischen Innenministerium, Ihrem Redakteur noch lebhaft vor Augen,  der die damals seit 1950 regelmäßig erscheinenden Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung maßgeblich gestaltete. In der Ausgabe vom Juli 1958 erschien dort sein Beitrag über eine Fortführungsvermessung im Hörspiel mit einem einleitenden Wortprotokoll „Der Grenzstein“, hinweisend auf das 1956 vom NWDR (NDR-Vorgänger) gesendete Hörspiel „Die Grenze“ von Benno Meyer-Wehlack (*1928 in Stettin  †2014 in Berlin). Der Beitrag schildert insbesondere den Beginn des Hörspiels,  eine landmesser-humorige Grenzsteinsuche. Ein kleiner Junge schaut neugierig zu beim Buddeln des Meßgehilfen Müller: „Warum buddelst du ein Loch? – Wie tief? Warum hier?“ Und nach einiger Zeit: „Darf ich auch mal?“ … und plötzlich der Junge: „Hier, ein großer Stein! Fühl doch mal!“ Müller: „Das ist er. Tatsächlich…..“ – Einleitung zu einer anrührenden Rahmenhandlung, einer längst versunkene Geschichte einer Mutter und eines Wasserbassins, in dem die verstorbene Tochter gespielt hat und das bei der Fortführungsvermessung an den Erwerber fallen soll –  schmerzliche Erinnerungen, erneuter Abschied. Das Hörspiel vermittelt Milieustudien im damaligen Katasterdienst, dem Alltag vor Ort. Der Autor war eine Zeitlang als Vermessungsgehilfe tätig, zwischen Entlassung aus dem Militärdienst und dem Beginn seiner Ausbildung als Schauspieler, die ihm das schriftstellerische Rüstzeug vermittelte, kannte also auch „unsere Altvorderen“.

             Die CD mit dem reizvollen Hörspiel „Die Grenze“ erhielten wir vom Kollegen Mario Heuts aus Osnabrück. Er ist seit einer Reihe von Jahren auf den Spuren der Belletristik im Vermessungswesen – erkennbar mit großem Erfolg. Er sandte uns das Hörspiel zugleich mit der Anregung, es über unsere Homepage und unsere Veröffentlichungen einem größeren Kreis von interessierten älteren Vermessungskollegen zugänglich zu machen. Eine unmittelbare Weitergabe begegnet allerdings erheblichen urheberrechtlichen Problemen. Mario Heuts hat eine Kopie des vor genau 60 Jahren gesendeten Hörspiels noch 2011 als CD-Kopie gegen einen moderaten Kostenbeitrag erhalten, jedoch ausschließlich für private Zwecke. Gerne machen wir daher an dieser Stelle auf jenes Hörspiel aufmerksam und verweisen Interessenten auf die Bezugsmöglichkeit bei der NDR-Produktionsdirektion. Wir verweisen auch ergänzend auf die vermessungshistorisch hoch-interessante Homepage von Mario Heuts www.vermesser-literatur-und-filme.de und auf unsere Mitt. Nr. 375.

             Die damals junge Kunstform Hörspiel findet heute in der Zeit der TV-Überflutung offenbar weiterhin noch ihre Freunde. Das zeigen die Hörfunksender, das zeigen vergleichsweise Hörbücher wie CD-Geschichten für Kinder – vielleicht mag der eine oder die andere Vermessungsingenieur und Vermessungsingenieurin so auch Gefallen finden an einer vermessungshistorischen Grenzsteinsuche und deren akustisch phantasievoll wiedergegebenes Milieu in den 50-iger Jahren.

             Quelle: Georg Kaspereit: Eine Fortführungsvermessung im Hörspiel, Nachrichten der Nds. VuKV 1958 S. 82 ff.  – 24.08.2016

 

 

 

597.   18. Kartographiehistorisches Colloquium in Wien

             Vom 15.-17. September findet in den Räumen der Universität Wien das 18. Kartographiehistorische Colloquium statt. In insgesamt 10 Sitzungen werden eine ganze Reihe interessanter kartographiehistorischer Vorträge und Berichte angeboten. Der Bogen der Themen wird gespannt über Österreich und die Kartographiegeschichte, frühe thematische Kartographie, besonders um 1800 und  im 20.Jahrhundert sowie eine Reihe von Spezialthemen, und einer besonderen Postersitzung. Unter den Vortragenden und Moderatoren finden sich auch im Förderkreis besonders bekannte Persönlichkeiten, wie u.a. Wolfram Dolz, Joachim Neumann, Peter van der Krogt sowie unsere Eratosthenes-Preisträger Frank Reichert, Manfred Spata und Martin Rickenbacher, darüber hinaus eine ganze Anzahl international renommierter Persönlichkeiten.

             Interessenten wenden sich an Dr. Markus Heinz in Berlin, kartographiegeschichte@sbb.spk-berlin.de oder an Dr. Petra Svatek in Wien petra.svatek@univiwe.ac.at . – 06.08.2016 

 

 

596.  Fürst der Mathematiker Gauß in Langwarden am Wattenmeer

             Mit der Einführung des Euro vor 15 Jahren ging den Geodäten ein wertvoller „Werbeträger“ verloren – der 10 D-Mark-Geldschein, der an Carl Friederich Gauß und sein Wirken als Mathematiker und auch als Geodät erinnerte. Die dort u. a. abgebildete Dreieckskette als Teil der Hannoverschen Landesvermessung endete im Nord-Westen mit einem großen Dreieck mit den Trigonometrischen Punkten Neuwerk, Wangeroog und Langwarden. Und genau dort in Langwarden am Wattenmeer auf der malerischen Halbinsel Butjadingen wird C.F. Gauß jetzt besonders geehrt. Denn der Fürst unter den Mathematikern – und auch ja unter den Geodäten – hat hier in Langwarden im „Störtebecker-Haus“ vom 27. Juni bis zum 12. Juli 1825 gewohnt um seine Richtungsbeobachtungen im Turm der St. Laurentius-Kirche in Langwarden durchzuführen. Der Kartograph Dipl.-Ing. Michael Remmers hat mit großem Idealismus und ganz erheblichen Geldmitteln jenes alte Gasthausgebäude erworben, renoviert und darin neben einem Café eine Gauß-Ausstellung konzipiert. Sie wurde eröffnet am 24. Juni d.J. im Beisein von Landrat und Bürgermeisterin sowie Prof. Manfred Weisensee, Präsident der Dt. Gesellschaft für Kartographie (DGfK), dem Initiator Michael Remmers, gleichzeitig Vorsitzender der DGfK-Sektion Weser-Ems, von Michael Recke, Präsident des Förderkreises für Cartographica und  Prof. Klaus Kertscher – dieser einmal mehr in Rolle, Kostüm und Gestik des großen Mathematikers C.F. Gauß (1777 – 1855). Schon am Eingang empfangen die Besucher 2 eindrucksvolle Tafeln zum umfassenden Wirken von Gauß als „genialem Universal-Wissenschaftler auf den Gebieten Mathematik, Physik, Astronomie und Erdvermessung“ von der o.a. Dreieckskette über die Gauß‘sche Normalverteilung bis hin zu Heliotropen, entworfen von Klaus Kertscher. Das neue Gauß-Café ist zugleich ein Museum für Kunst, historische Landkarten und deren Instrumente und  Werkzeuge. Ein künstlerischer Bierdeckel zeigt Gauß mit dem Hinweis auf dessen Anwesenheit 1825 und einem Willkommensgruß des Ehepaars Magdalene und Michael Remmers und auf der Rückseite eine historische Karte mit der Lage des Museumsortes. Außerdem zeigt das Museum eine Reihe von Schriften, darunter allein 5 verschiedene Ausgaben der  „Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann – ein Werk, das in Fachkreisen höchst unterschiedlich gewürdigt worden war (Ihr Berichterstatter war nach anfänglicher Skepsis begeistert, siehe Harald Lucht: „Die Vermessung der Welt“ im VDVmagazin 2006 S. 216-217 download über www.haraldlucht.eu ). –

             Und schon vor dem Eingang des Kulturhauses laden geschmackvoll-künstlerisch gestaltete Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein, einschließlich eines mit einer über 300 Jahre alten Landkarte vom Jadebusen bespannten Liegestuhls. Wir wagen die Prognose, dieses ehemalige Störtebecker-Haus entwickelt sich zu einem ganz besonderen Kulturhaus am Wattenmeer.

             Und wir dürfen unsere Leser daran erinnern, in unseren Aktuell-Mitteilungen haben wir in den vergangenen über 13 Jahren immer mal wieder Carl Friedrich Gauß gewürdigt, sein Wirken und seine Ehrungen, so u.a. an seine Aufnahme in die Walhalla (Mitt. Nr. 203), ein Gauß-Seminar von DVW und VDV 2005 zur Erinnerung seines 150. Todesjahres (114), Entdeckungen der Kleinplaneten Ceres, Pallas, Juno und Vesta Anfang des 19. Jahrhunderts (266), zum Heliotropen (438).

             Nachtrag: Eine Reproduktion im XXL-Format der Mercator-Karte vom Gebiet zwischen Ems und Weser ziert jetzt die Giebelwand des Kulturhauses in Langwarden. Michael Remmers hatte 2012 jene Reproduktion zum 500. Geburtstag des berühmten Kartographen Gerhard Mercator anfertigen lassen, die in Ausstellungen der Sponsoren u. a. DVW und DGfK gezeigt worden war. Das frühere Störtebeckerhaus in Langwarden hat jetzt einen ganz besonderen Blickfang. Quelle NWZ vom 6.9.2016. –  Zu Mercator siehe u.a. unsere Mitt. 425 (Ausstellung in Dortmund) und Mitt.  545.

             Literatur: Klaus Kertscher: Kulturhaus am Wattenmeer – Café/Museum „Gauß Ɛt Co.“ in Langwarden eröffnet, in zfv 4/2016 Seite n-62 – 01.08./08.09.2016

 

 

595.   Herrschaft, Recht und Alltag in historischen Verwaltungskarten

             Verwaltungskarten, die als unikale Dokumente meist in Archiven aufbewahrt werden, stehen im Fokus der Tagung „Pragmatische Visualisierung, Herrschaft, Recht und Alltag in historischen Verwaltungskarten.  Am  8. und 9. September 2016  widmen sich in Marburg drei Vortragssektionen mit insgesamt 11 Vortragenden den frühneuzeitlichen Landesaufnahmen, den Katasterkarten sowie den Augenscheinkarten. In zwei öffentlichen Abendvorträgen wird  die "Spessartkarte" des Jahres 1584 thematisiert; anschließend ist ein kleiner Empfang im Foyer vorgesehen. Der Präsident unseres Förderkreises Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg spricht am 9. September 2016 um 13:00 Uhr über „Genauigkeitsanalysen großmaßstäbiger Manuskriptkarten des Klevischen Katasters (Schermbeck 1733)“.

             Die Veranstaltung hat zum Ziel, die Bedeutung der frühen handgezeichneten Kartentypen für die rechts-, verwaltungs- und ortsgeschichtliche Forschung herauszuarbeiten. Darüber hinaus werden Entstehungszusammenhänge und Funktionen im Kommunikationsprozess und für die Verwaltung thematisiert. Die Tagung findet statt im Hessischen Staatsarchiv Marburg, Friedrichsplatz 15. Landgrafensaal vom Donnerstag, 8.9.2016, 14 Uhr, bis Freitag, 9.9.2016, 15:00 Uhr.  Eine Anmeldegebühr wird nicht erhoben! Anmeldungen werden erbeten.

             Die Vortragsveranstaltung ist eingebettet in eine Ausstellung: „Auf einen Blick. Karten als Instrumente von Herrschaft und Verwaltung“ Diese Ausstellung nimmt mit Landesaufnahmen, Grenz- und Augenscheinkarten sowie Katasterkarten typische archivische Karten in den Blick und stellt ihre damalige Funktion und Bedeutung, aber auch ihren Nutzen für die heutige wissenschaftliche Forschung, die Heimat- und Alltagsgeschichte und die regionale Identität heraus, sie wird seit dem 10. Juni und noch bis zum 30. September 2016 gezeigt. Näheres siehe auch https://landesarchiv.hessen.de/aktuelles/veranstaltungskalender  . – 14.07.2016

 

 

594.   Ein Minister kommt ganz groß heraus: Ausstellung in Posterstein

             In einer Sonderausstellung im Museum Burg Posterstein in Thüringen östlich von Gera steht der Sachsen-Gotha-Altenburger Minister Hans Wilhelm von Thümmel (1744-1824) im Mittelpunkt. Die Ausstellung gibt einen Überblick über die Verdienste Thümmels für die Region, wie Museumsdirektor Klaus Hofmann anläßlich der Eröffnung erläuterte. Einer dieser Verdienste ist die Vermessung und Kartierung des Herzogtums Sachsen-­Gotha-Altenburg. Zu sehen ist unter anderem das von Thümmel in Auftrag gegebene Kartenwerk von 1813 sowie ein Tagebuch, außerdem ein Theodolit, ein Messinstrument, das Thümmel auf Reisen in einem Holzkästchen mit sich führte. Neben der Vorstellung einer umfangreichen Biographie werden die Thümmelschen Karten auf DVD erstmals einem ein breitem Publikum zugänglich gemacht.- Als Minister im Ruhestand brachte er hunderte kleine, heute noch gültige Lebensweisheiten als Aphorismen zu Papier -  „Die Stärke des Neides ist gewöhnlich der richtige Maßstab für die Größe des Verdienstes“ (Aph. 57, 134). – 04.07.2016

 

 

 

593.   Anfänge des Katasters in Sachsen zu Beginn des 18. Jahrhunderts

             Es ist immer wieder hochinteressant, die Wurzeln des Katasters in der Geschichte unseres Landes zurückzuverfolgen und zu erforschen. Dies zu realisieren und uns daran teilhaben zu lassen, gelingt ganz besonders unserem Eratosthenes-Preisträgers 2001 Frank Reichert.  In seiner jüngsten Veröffentlichung „Anfänge der preußischen Katastervermessung im Herzogtum Magdeburg 1720-1726“  können wir die vielgestaltige Vorgeschichte von Grundstücksvermessungen und Nutzungsdokumentationen insbesondere im sächsischen Raum nachvollziehen. Anhand einer Reihe von historischen Quellen zeigt er darüber hinaus, wie seit Ende des 30-jährigen Krieges in anderen deutschen Regionen mit zunehmender Zahl Feldfluren vermessen und kartografisch dargestellt worden sind. Hintergrund war neben administrativen Interessen insbesondere die Dokumentation der ländlichen Besitzverhältnisse und Bodennutzung als Grundlage für die Erhebung der grundherrschaftlichen Einkünfte bzw. Pacht und später auch Steuern. Schwerpunkt der Forschungen von Frank Reichert ist das brandenburg-preußische Herzogtum Magdeburg, doch auch Entwicklungen u. a. in den Fürstentümern Sachsen-Eisenach, Sachsen-Weimar sowie in Sachsen-Merseburg werden betrachtet, ebenso die Landgrafschaft Hessen-Kassel. In einer Reihe von Territorien sah man dabei noch vom Kartieren der Vermessungsergebnisse ab, z. B. 1713-1736 im Herzogtum Württemberg oder 1718-1720/23 im Kurfürstentum Trier, wo man diese jedoch lediglich in den sog. Lager- bzw. Landmaßbüchern festhielt. Allein anspruchsvolle Vermessungs- und Katasterprojekte scheiterten letztlich oft am Widerstand der um ihre Steuerprivilegien fürchtenden Landstände.

             Im Herzogtum Magdeburg wurde  mit der Instruktion für die Städte-Bau-Inspektoren der Kur- und Neumark, der Herzogtümer Magdeburg und Pommern, sowie des Fürstentums Halberstadt vom 26. September 1720  die (landesweite) Vermessung der zur Akzise bzw. Aussaatsteuer zu veranlagenden städtischen Ackergrundstücke ins Auge gefasst.

             Die Kosten spielten auch damals eine wichtige Rolle. Da die in ihrer Stellung den heutigen Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren vergleichbaren Feldmesser im Gegensatz zu den beamteten Bau-Inspektoren kein festes Grundgehalt genossen, fielen die festgelegten täglichen Feldmesser-Diäten mit 16 Groschen höher aus, als die in der Instruktion für die Städte-Bau Inspektoren vorgesehenen täglichen 12 Groschen. Während die Personalkosten aus der Akzisekasse eines jeden Orts bezahlt werden sollte, waren die zusätzlichen Kosten für „die zur Schleppung des Meßketten benöthigten Leuthe aber auß jedes Ohrts Cämmerey“ zu bestreiten. Darüber hinaus kamen auf die Städte noch die Unterkunftskosten sowie Aufwendungen für den Transport der Feldmesser hinzu.

             Daß die Katastervermessung der Stadtfluren im Herzogtum Magdeburg schließlich doch nicht weiter verfolgt wurde, lässt sich nur dadurch erklären, daß der dagegen stehende immense Kostenaufwand die Fortführung nicht gerechtfertigt erscheinen ließ. Trotz der vielbeschworenen Idealvorstellung allgemeiner gleicher Steuern blieb die Steuerpolitik im absolutistischen Steuerstaat eben immer auch eine an den Staatsfinanzen ausgerichtete fürstliche Interessenpolitik. – 

             Wenn auch erst in Folge der preußischen Steuergesetze vom 21. Mai 1861 die östlichen preußischen Provinzen durchgehend Steuerkataster auf der Basis vermessener bzw. von älteren Grundlagen kopierter Gemarkungskarten erhielten (vergl. unsere Mitt. Nr. 391), so ist es doch hochinteressant, frühere Vermessungen, Dokumentationen und Teilkartierungen der Stadt- und Feldfluren aufzuhellen, wie es Frank Reichert in seinem jüngsten, erneut gründlich recherchierten Beitrag einmal mehr gelingt. Die bislang wenig beachteten Anfänge des preußischen Katastervermessungswesens insbesondere in Sachsen werden anhand der 1720 geplanten Vermessung des Herzogtums Magdeburg in der besprochenen Veröffentlichung ausführlich und kenntnisreich dokumentiert. Und wir erinnern in diesem Zusammenhang gerne an unsere Mitt. Nr. 288, betreffend die vorpommerschen Katasteranfänge Ende des 17. Jh. .

             Quelle: Frank Reichert: „Anfänge der preußischen Katastervermessung im Herzogtum Magdeburg 1720-1726“ in der Zeitschrift für das Öffentliche Vermessungswesen des Landes Sachsen-Anhalt LSA Verm 1/2016 S. 1-14;  mit weiteren Literaturhinweisen. – 14.06.2016

 

 

 

592.   Eine Ausstellung zur Lubinschen Karte von Pommern in Anklam

             Unter dem Titel „Die Städte Pommerns“ präsentiert das Museum im Steintor in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern Stadtansichten von der späten Herzogszeit bis zur Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung der Lubinschen Karte von Pommern. Die Ausstellung wurde von den Museologen des Schlosses der pommerschen Herzöge in Stettin konzipiert und ist in Kooperation mit dem Museum im Steintor in der Anklamer Nikolaikirche vom 27. Mai bis zum 27. Juli zu sehen. –

             Vor vier Jahren haben wir hier ausführlich über dieses besondere Kartenwerk berichtet – eine erste vollständige Karte des Herzogtums Pommern, wie sie vor 400 Jahren durch den Rostocker Gelehrten Lubinius im Auftrag des Herzogs Philipp II. von Pommern zwischen 1610 und 1618 erarbeitet worden war. Die Karte im Maßstab 1:235.000 zeigt alle damaligen Städte und Siedlungsorte. Sie maß 1,25m mal 2,21m. Es war die erste vollständige Karte des Herzogtums Pommern, eingerahmt mit einem äußeren Band mit den Ansichten von 49 Städten und einem  inneren Band mit den Wappen von 335 pommerschen Adelsfamilien. Siehe dazu auch unsere Mitt. 428.01.06.2016

 

 

591.   Erinnerungen an Harry Pahl

             Der hanseatische Geodät Harry Pahl ist am 7. Mai verstorben. Damit  verstummte ein wacher und stets vorwärtsstrebender Geist, der im Februar d. J. sein 90. Lebensjahr vollenden konnte. Bis in die jüngste Zeit waren Gespräche mit ihm geprägt von seinen stets aktuell durchdachten Ideen und Überlegungen um unseren Berufsstand und dem des Ingenieurs im Vermessungswesen. So beurteilte er den sogenannten Bologna-Prozess mit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen stets außerordentlich skeptisch. Der deutsche Diplomingenieur in unserer traditionellen Fachrichtung war für ihn ein besonderes Markenzeichen, er verfolgte die Initiativen von dessen (notfalls ergänzenden) Wiedereinführung mit großem Interesse. Lebhaft setzte er sich auch nach seiner Pensionierung 1990 für den Berufsstand ein, lange auch als Geschäftsführer der dem Nachwuchs gewidmeten Nico-Rüpke-Stiftung. Gerne hat sich Harry Pahl mit geschliffenen Formulierungen gegen jede Herabsetzung der eigenen Institutionen und  basisgebenden Werke unserer Informationssysteme gewehrt. So auch in einer Philippika, geritten gegen die geringschätzende Verwendung des „Katasteramtes“ und die oberflächliche Verwendung des „Vermessers“ – u. a. seinerzeit 1988 im Hinblick auf eine abwertende Aussage in der Wochenzeitung DIE ZEIT – dort wollte ein bekannter Journalist einen Redenschreiber für den damaligen Bundespräsidenten abqualifizieren, indem jener schrieb: „… ein Referent, dessen Feingefühl ihn für den Dienst bei einem entlegenen Katasteramt bestens empfiehlt.“ Und  Harry Pahl fragte dann selbstkritisch, ob das Versäumnis der Selbstdarstellung auch bei uns liegen könne und schrieb „Ich bekenne mich jederzeit gerne zum Landmesser, Geometer, Vermessungstechniker, Vermessungsingenieur oder umfassend zum Geodäten“ – siehe unsere Mitt. Nr. 396.

             In den Gremien unserer Fachrichtung, in seiner Mitarbeit in den Arbeitskreisen Kartographie, Grundsatzangelegenheiten und im Plenum der AdV befruchtete Harry Pahl die Technikentwicklungen vor dem Hintergrund des höchst modern ausgerichteten Vermessungsamtes in Hamburg und unterstütze lebhaft die damaligen Entwicklungen ALB, ALK, SAPOS. Und der Autor dieser Zeilen erinnert sich an eine Autofahrt in Hamburg in den 80iger Jahren, erstmals computerunterstützt den Fahrweg auf einem Bildschirm nachführend, eine Demonstration  eines Vorläufers der heutigen Navigationssysteme.  – In der Fachkommission des Deutschen Städtetages  „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ sorgte Harry Pahl für die Einrichtung eines ständigen Tagesordnungspunktes „Neue Technologien und ihre Auswirkungen im Vermessungswesen“ und lieferte gerne selbst wertvolle Beiträge. Seine Veröffentlichungen in den Fachzeitschriften kreisten neben Entwicklungen in der modernen Technik gerne  auch um den Themenbereich der gesellschaftlichen Bewertung unseres Berufsstandes,  besonders erwähnt sei hier sein Aufsatz „Quo vadis, res geodaetica“ im Forum des BdVI  2/1997. Und noch kürzlich berichtete er in einem Gespräch begeistert von den so positiven Entwicklungen, wie sie in der Kooperation von Oberprüfungsamt und Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS)  seit dem vergangenen Jahr  vereinbart sind – und erzählte von dem ihn so erfreuenden Schriftwechsel mit Klaus Kummer, dem Autor jenes Berichts in der zfv 2015 S. 129ff. –

             Der frühere Hamburger Erste Baudirektor a.D. Dipl.-Ing. Harry Pahl  stets ein streitbarer Geodät, ein Diplomingenieur der alten Schule. Am 6. Februar 1926 in Altona geboren, Luftwaffenhelfer 1943 und noch ab 1944 zur Wehrmacht in den Kriegsdienst eingezogen, wurde er in Russland als junger Soldat verwundet und ist 1945 in russische Gefangenschaft geraten. – Nach dem Krieg lag Deutschland in Trümmern. So hatte jene Generation, um überhaupt eine Hochschulzulassung zu bekommen,  Aufbaudienste zu leisten, die Harry Pahl in einer Ziegelei absolvierte. Und um einen Studienplatz zu bekommen, gab es weitere Hürden, für ihn eine besondere Prüfung bei Professor Harbert (1882-1968)  an der Technischen Hochschule Braunschweig. Nach dem  Diplomexamen dann 1952 in Hannover, folgten die Referendarzeit in Schleswig-Holstein und die Arbeit in mehreren Katasterämtern. 1959 trat er in den Dienst der Freien und Hansestadt Hamburg, wirkte dort im Vermessungsamt als Abteilungsleiter Kartographie und dann Grundsatzangelegenheiten, schließlich als Nachfolger von Erich Lämmerhirt von 1983 bis1990 als Erster Baudirektor in der Leitung des Vermessungsamtes der Baubehörde. Entsprechend seinem berufsständisch-gesellschaftlichen Anliegen engagierte er sich im DVW-Landesvorsitz  Hamburg/Schleswig-Holstein, war Prüfer und stellvertretender Abteilungsleiter im Oberprüfungsamt für die Höheren Technischen Verwaltungsbeamten in Frankfurt a.M.

             Nach seiner Pensionierung arbeitete er noch bis ins hohe Alter gerne an seinem PC, sandte seinen Freunden und Bekannten exklusive Features, Lebensmut und Lebensweisheit vermittelnd. Er war andererseits gerne handwerklich tätig, half seinem Sohn aktiv in dessen Steinmetzbetrieb, gestaltete seinen Hausgarten zusammen mit seiner Frau nach ganz eigenen Vorstellungen. Wenige Wochen nach Vollendung des 90. Lebensjahres ist er in Wedel bei Hamburg an einem Herzschlag verstorben – bei Arbeiten im eigenen Garten. In einer würdigen Trauerfeier am 17. Mai begleiteten die Familie, Freunde und Kollegen Harry Pahl zur letzten Ruhe. Uns bleibt  die Erinnerung an einen unermüdlich vorwärtsstrebenden Geodäten.  – 22.05.2016

 

 

 

590.   Geheime schweizerische Militärkarten 1888–1952

             Unser Eratosthenes-Preisträger  2011, Dr.-phil. dipl.ing. Martin Rickenbacher aus Basel, hat eine weitere bemerkenswerte vermessungsgeschichtliche Arbeit vorgelegt. Er berichtet über Festungskarten, die parallel zum Aufbau der schweizerischen Landesbefestigung entstanden waren. 1885 beschloss der Schweizerische Bundesrat, als Reaktion auf die Eröffnung der Gotthardbahn, die Gotthard-Südfront zu befestigen. Weil von den Forts keine Sichtverbindung zum überwiegenden Teil möglicher Ziele bestand, sollten die geometrische Beziehung zwischen Geschütz und Ziel anhand genauer Karten ermittelt werden. Der Topographische Atlas der Schweiz 1:50 000 (Siegfriedkarte) genügte dazu nicht. Für den überwiegenden Teil der Festungskarten wurde der Maßstab 1:10 000 gewählt.

             1891 wurde auch mit der Kartierung begonnen. An den Original-Aufnahmen der Festungskarten waren ca. 150 Topographen beteiligt. Die Aufnahmen erfolgten nach der Messtischmethode, bereits 1892 wurden auch Versuche zum Einsatz terrestrischer Photogrammetrie (Bildmessung) gestartet. Mangels effizienter Auswerteverfahren konnte die Methode allerdings noch nicht in die Produktion überführt werden. Erst im Ersten Weltkrieg konnte das «Vermessungs-Detachement St. Gotthard» dank der inzwischen erfolgten Entwicklung leistungsfähiger Auswertegeräte die Kartierungsleistung unter Einsatz der Stereophotogrammmetrie deutlich steigern.

Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs entstand das vierte große Festungskartenwerk. Es konnte direkt auf dem Übersichtsplan der schweizerischen Grundbuchvermessung aufgebaut werden, der auf dem 1912 eingeführten Zivilgesetzbuch basiert. Die Aufnahmeprioritäten wurden zwischen den zivilen und militärischen Behörden koordiniert, sodass nun keine spezifisch militärischen Aufnahmen mehr nötig waren.

             Das lange als «geheim» klassifizierte Kartenmaterial von bester Qualität wurde erst 2009 entklassifiziert und damit frei zugänglich.

             Quelle siehe Verlag Cartographica Helvetica und www.kartengeschichte.ch . – 16.05.2016

 

 

 

589.   Historischer TP Schraderberg bei Bremen

             Im Rahmen eines durch die Service-Agentur Öplus für Ökologie und Kommunikation im Auftrag des Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU) gestalteten Erlebnispfades durch die Badener Berge in Achim bei Bremen wurde unser Förderkreis gebeten, in Bild und Text zu helfen. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niederachsen und der von dort gern gegebenen Unterstützung der Kollegen Dieter Grüner und René Borges entstand eine Erläuterungs- und Schautafel am Rande eines Naherholungsgebiets nahe bei der inzwischen völlig bewaldeten Erhebung des Schraderbergs – mit einem Kartenausschnitt zur Preußischen Landesaufnahme, dem Bild eines historischen Theodoliten aus dem Fundus des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund, einem Ausschnitt des Weser-Hautdreiecksnetzes, einem Bild von C.F. Gauß, jeweils mit kurzer Erläuterung und mit folgendem Text (Auszug):

„Der deutsche Kaiser, zugleich König von Preußen, wollte am Ende des

19. Jahrhunderts für sein Reich gerne genauere Landkarten erstellen

lassen. So suchten Landvermesser die Orte auf, von denen man besonders

weit ins Land hinein sehen konnte. Mit einer Art Fernrohr mit

Winkelmesser (Theodolit) wurden die Winkel zu benachbarten, gut

sichtbaren Punkten im Gelände gemessen. Daraus ließ sich ein Netz

miteinander verbundener Dreiecke bilden, deren Eckpunkte zur Herstellung

sehr genauer Karten dienten. Dieses Verfahren heißt Triangulation

(Dreiecksvermessung), die Beobachtungspunkte sind die

Trigonometrischen Punkte (TP).

Im Jahre 1889 standen die Landvermesser auch auf dem damals noch

baumlosen Schraderberg in Baden, der höchsten Sanddüne weit und

breit. Durch ihren Theodoliten sahen sie in der Ferne die Ansgariikirche

in Bremen, den Kirchturm in Verden und auch den Schlossturm in

Etelsen. Sie notierten die gemessenen Winkel und markierten ihren

Standort mit einem Granitstein. Man findet ihn – etwas versteckt – ganz

oben auf dem Schraderberg. Der Weg dorthin ist ausgeschildert.“

             Zur fachlichen Ergänzung: Der westlich der Elbe gelegene Teil Preußens war ab 1875 bis 1900 trianguliert worden. Der TP Schraderberg war ein in das weiträumige Hauptdreiecksnetz eingefügter Zwischenpunkt  I. Ordnung der preußischen Landesvermessung. Hier wurden im Jahr 1889 die Winkel zu benachbarten Kirchtürmen gemessen. Die Triangulation bildete die Basis zur erstmaligen Herstellung der preußischen Meßtischblätter 1:25.000. Und sie war zugleich Grundlage zur Bestimmung der Koordinaten von allen nachgeordneten Vermessungspunkten.

             Und zum historischen Hintergrund lesen wir bei Wolfgang Torge in seiner Geschichte der Geodäsie in Deutschland, „das Vermessungswesen (war) in Preußen von jeher dezentral bei den jeweiligen Fachverwaltungen organisiert. Die Landesaufnahme ressortierte beim Kriegsministerium, die Katasterverwaltung beim Finanzminister, die Vermessungsarbeiten im Zusammenhang mit Gemeinheitsteilungen und Verkoppelungen beim Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, und die Messungen für Verkehrswege beim Ministerium für öffentliche Arbeiten; für das Preußische Geodätische Institut war das Kultusministerium zuständig. Dieser unwirtschaftlichen Zersplitterung soll das durch Kabinettsorder 1870 gegründete ‚Centraldirektorium der Vermessungen im Preußischen Staate‘ entgegenwirken“ berichtet Torge weiter, „Von den bindenden Beschlüssen des Zentraldirektoriums,“ hebt er diese hervor, „die Neutriangulation des gesamten Staatsgebietes mit 10 versteinerten Punkten je Quadratmeile und eine darauf aufbauende, auf 22 Jahre veranschlagte neue topographische Aufnahme für 2/3 des Staatsgebietes, die Messtischblätter sollen nun veröffentlicht werden. Die Neutriangulation beginnt westlich der Elbe…..“ – unter der Leitung von Oscar Schreiber (vergl. unsere Mitt. Nr. 121), bekannt geworden auch als „Schreiberscher Westen“. Seit 2013 informiert die künstlerisch gestaltete Schautafel der „Station Nr. 10“ des Erlebnispfads in den Badener Bergen über den „Historischen Vermessungspunkt“. Das Foto von C.F. Gauß (1777 – 1855) erinnert daran, daß er als „berühmter Mathematiker, Astronom, Geodät und Physiker wichtige Grundlagen für die Preußische Landesaufnahme“ schuf.

            Literatur: Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, Verlag Walter de Gruyter, Berlin, New York, 2. Auflage, 2009, ISBN 978-3-11-020719-4; dort S. 255 – 264. – 01. 05. 2016

 

 

588.   Ingo von Stillfried – Gratulation zur Vollendung des 60. Lebensjahres

             Wir gratulieren dem stellvertretenden Amtsleiter des Vermessungs- und Katasteramtes und zugleich Erstem Vorsitzenden des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund, Dipl.-Ing. Ingo Freiherr von Stillfried zu seinem besonderen runden Geburtstag, zur Vollendung seines 60. Lebensjahres an diesem Donnerstag. 

             Seit Jahrzehnten engagiert er sich im Förderkreis für das Vermessungsmuseum und insbesondere für die Schausammlung und kümmert sich um die Instrumentensammlung. Mit großem persönlichen Einsatz hat er die 3. Auflage des bekannten Museumshandbuchs vorangetrieben und dafür gesorgt, daß dies große „Aushängeschild“ unseres Förderkreises seinerzeit zur INTERGEO in Karlsruhe fertiggestellt werden konnte – es war eine Mammutaufgabe. Seit 2009 wirkt er als Erster Vorsitzender. Ihm ist es in besonderem Maße zu verdanken, daß 2012 das fachlich, museumspädagogisch und finanziell ganz außergewöhnliche Projekt der Ausstellung zum 500. Geburtstag  von Gerhard Mercator in herausragender Art und Weise im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund gezeigt werden konnte. Der Förderkreis ehrte 2014 Ingo von Stillfried zusammen mit dem damaligen Museumsdirektor Wolfgang E. Weick mit der Ehrenmedaille für die Realisierung dieser außergewöhnlichen Ausstellung. Auf internationaler Bühne gestaltete Ingo von Stillfried 2015 in Warschau eine Fachausstellung „Europa, Polen, Warschau – geschichtliche Entwicklungen in der Vermessung und in der Kartographie“ in Zusammenarbeit mit polnischen Kollegen, er hat sie mit Unterstützung seiner Frau innerhalb von 2 Tagen realisiert, nachdem der Aufbau in Dortmund sorgsam vorbreitet worden war.

             Regelmäßige Besucher unserer Aktuell-Seite wissen darüber hinaus, Ingo von Stillfried engagiert sich stets auf der INTERGEO, wirbt gerne mit Vorträgen für unseren Berufsstand und dessen Geschichte, so auch bei der jährlichen Dortmunder Museumsnacht, entdeckt besondere Instrumente Im Dorotheum Wien und wirkte zusammen mit Dr.-Ing Hartwig Junius für die Realisierung des Wiehen-Wagens (vergl. Mitt. Nr. 468). Eine besondere Vorliebe verbindet ihn mit der Photogrammetrie, und das hat Gründe, die weit in die Familiengeschichte zurückgehen. Der Förderkreis gelangte vor Jahren in den Besitz eines besonderen Stereokomparators, Baujahr 1904, und zu einer Karte, die damit im Rahmen einer Diplomarbeit über den Rückgang des Theodul-Gletschers in Obergurgl erstellt wurde. 1955 hatte das Eltern-Ehepaar von Stillfried gemeinsam bei den örtlichen Passpunkt-Arbeiten für dieses Projekt und bei den photogrammetrischen Auswertungen an jenem Stereokomparator mitgewirkt. So war Ingo von Stillfried kurz vor seiner Geburt auch bei diesen terrestrischen Passpunkt-Messungen gegenwärtig, übrigens durch ein Fotoalbum belegt. – Und ganz aktuell mag es ein gutes Omen sein, daß gerade an seinem Geburtstag in Dortmund der Erste Geodäsie Kongress NRW 2016 stattfindet, eine gemeinsame Veranstaltung von BdVI, DVW und VDV. Dortmund ist seit 40 Jahren ein Zentrum der Vermessungsgeschichte (vergl. Mitt. Nr. 574) und aktuell Zentrum digitaler Entwicklungen in der Geodäsie. Zukunft braucht Herkunft!

             Wann immer man mit Ingo von Stillfried zusammentrifft, besticht seine mitreißende Begeisterung für alles, was in der Vermessungsgeschichte Bedeutung hat oder erlangen könnte. In seinem Einsatz und  in seinen amtlichen, insbesondere digitalen Aufgaben wirkt er unermüdlich und dies auch dann noch, wenn seine Gesundheit  ihm manchmal Zurückhaltung abnötigt. Wir wünschen unserem Ersten Vorsitzenden weiterhin viel Schaffenskraft, eine gute Gesundheit und verbinden diese Wünsche mit einem großen Dankeschön!  – 14.04.2016

 

 

 

587.   200 Jahre Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg/Preußen

             Unser erster Eratosthenes-Preisträger Dipl.-Ing. Frank Reichert berichtet am 12. April 2016 um 17 Uhr zum 200. Jubiläum der örtlichen Arbeiten zur Umsetzung der auf dem Wiener Kongress bestimmten sächsisch-preußischen Landesgrenze. –  Als es 1815 nach den Befreiungskriegen in Deutschland zu umfangreichen territorialen Umge­staltungen kam, waren davon besonders die direkt benachbarten Königreiche Sachsen und Preußen betroffen. Bis heute hat die auf dem Wiener Kongress bestimmte sächsisch-preußische Landesgrenze noch auf einer Länge von rund 100 km Bestand. Die Vermessungsarbeiten und Kartenaufnahme zur örtlichen Umsetzung der an grünen Tisch gezogenen Grenzlinie fanden im Wesentlichen im Jahr 1816 statt. Das zweihundertjährige Jubiläum bietet den Anlass, die Umstände der damaligen Grenzziehung näher in Augenschein zu nehmen und dabei den geodätisch-kartographischen Spuren zu folgen. Der Vortrag findet statt in der HTW Dresden, in Dresden, im Zentralgebäude, Friedrich-List-Platz 1 – 06.04.2016

 

 

586.   Erinnerungen an Erwin Gigas, einen großen Geodäten der Nachkriegszeit

             1976 verstarb mit Professor Dr.-Ing. E.h. Erwin Gigas eine Persönlichkeit, der das Deutsche Vermessungswesen in den Jahren schon nach dem Zweiten Weltkrieg außerordentlich viel zu verdanken hatte. Und „Erwin Gigas hat über rund 4 Jahrzehnte das Bild des Deutschen Vermessungswesens im In- und Ausland so stark geprägt, daß mit den Worten von M. Kneißl für diese Zeit als die zentrale Schlüsselfigur im Deutschen Vermessungswesen zu gelten hat“, schrieb Prof. Walter Großmann, als sich 1969 Gigas‘ Geburtstag zum 70. Male jährte  (o. Prof. Dr. mult. Max Kneißl (1907-1973), die große bayerische Persönlichkeit jener Jahrzehnte im deutschen Vermessungswesen, Direktor des Geodätischen Instituts der TU München und des Deutschen Geodätischen Forschungsinstituts in München, u. a. Initiator der Deutschen Geodätischen Kommission (DGK), Mitbegründer der AdV).

             Erwin Gigas wurde 1899 im Kreis Hirschberg in Schlesien geboren, studierte in Berlin zunächst Bauingenieurwesen und daran anschließend Vermessungswesen an der damaligen Landwirtschaftlichen Hochschule. Er wirkte 1928 bis 1945 in leitender Funktion in der Trigonometrische Abteilung im Reichsamt für Landesaufnahme (RfL) in Berlin.

             Gleich nach dem Krieg übersetzte er das bekannte Werk von Perrier 'Wie der Mensch die Erde gemessen und gewogen hat' und verfasste einen ergänzenden Nachtrag. Und bereits 1945 wurde er Gründer und Leiter des Instituts für Erdmessung in Bamberg – nachdem er dafür gesorgt hatte, daß die wesentlichen Unterlagen des RfL zuvor mit Hilfe der amerikanischen Besatzungsmacht noch dorthin in den Westen gesichert werden konnten. 1951 übersiedelte das Bamberger Institut nach Frankfurt am Main und wurde nach längeren Verhandlungen unter wesentlicher Beteiligung von Max Kneißl als „Institut für Angewandte Geodäsie  und II. Abteilung des deutschen Geodätischen Forschungsinstituts“ (IfAG) unter Direktor Gigas in den Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums übernommen.

             Erwin Gigas gelang es alsbald, auch eine kartographische und reproduktionstechnische Forschungsabteilung aufzubauen, der später die Bundesländer die Bearbeitung der amtlichen Karten 1 : 200 000 und kleiner übertrugen. In seinem Institut liefen die ersten IBM-Rechner für geodätische Berechnungen. Gigas engagierte sich mit erheblichem persönlichem Einsatz für die Entwicklungsarbeiten an geodätischen, photogrammetrischen und kartographischen Instrumenten, es entstanden u.a. ein photographisch registrierender Theodolit und der Orthoprojektor Gigas-Zeiss.

            Eine Vielzahl von weit über 200 wissenschaftlichen Publikationen sind Zeugen seiner rastlosen Arbeit. Gerne widmete er sich dem Berufsnachwuchs. Seine im Rahmen der Geodätenausbildung von 1957 bis 1964 an der Universität Bonn gehaltenen Vorlesungen über geodätisch-physikalische Messmethoden erfreuten sich großen Zuspruchs und sicherten ihm immer einen vollen Hörsaal. Der DVW verlieh ihm bereits 1964 die Ehrenmitgliedschaft, von der TH Hannover erhielt er die Ehrendoktorwürde. Die Mitwirkung in einer Reihe von deutschen und internationalen  akademischen Gesellschaften (u.a. auch in Schottland, Argentinien, Brasilien und Guatemala) zeugen von seinem hohen Ansehen, ebenso das ihm verliehene Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 1965 war Erwin Gigas im Rahmen des Katasterprojekts Zentralamerika (Guatemala) und Kanada der Bunderegierung als Projektleiter tätig.

             Wir haben diese Erinnerungs-Skizzen zusammengetragen aus der ausführlichen Laudatio von Prof. Walter Großmann und dem ungemein zugetan verfassten Gedenken von Prof. Helmut Wolf. Wir können hier nicht näher auf Gigas‘ bedeutende Leistungen für die deutschen Triangulationsnetze, in der klassischen Ausgleichungsrechnung u.v.a.m., überhaupt auf seine großen wissenschaftlichen Verdienste eingehen und verweisen gerne auf die genannten Quellen. – 1997 ist „sein“ IfAG in das Bundesamt für Geodäsie und Kartographie (BKG) umgewandelt worden, weiterhin mit Sitz in Frankfurt am Main.

             Professor Dr.-Ing. E.h. Erwin Gigas verstarb 1976 in Marbella in Spanienvor 40 Jahren.

             Quellen: Walter Großmann: Professor Dr. Erwin Gigas zum 70. Geburtstag, in zfv 1969 S. 199-200; Helmut Wolf: Professor Dr. E. h. Erwin GIGAS zum Gedächtnis, in zfv 1976 S. 164-166, Gerhard Eichhorn: Max Kneißl – 1907-1973 in zfv 1973 S. 477-479 – 28.03.2016

 

 

 

585.   Geschichte der Kartographie und Reproduktionstechnik in Hamburg

             Unter der bewährten Schriftleitung von Karl-Heinz Nerkamp ist jetzt das Sonderheft 2016 zur Geschichte der Kartographie und der Reproduktionstechnik in Hamburg erschienen, verfasst von Ernst Müller, dem leitenden Mitarbeiter der früheren, bundesweit führenden Reproduktionstechnik im Vermessungsamt der Baubehörde in Hamburg. Mit seinem reichen Erfahrungsschatz beschreibt und illustriert er – beginnend mit den Anfängen der Kartographie in und um Hamburg und deren Dokumentation durch den Obergeometer Heinrich Stück – in diesem Sonderheft die Entwicklungsschritte von den ersten flächendeckenden Übersichtskarten und grundstücksscharfen Stadtkarten bis in die moderne Zeit. Dabei wird auch die Reproduktionstechnik vom Lithographie-Stein über die verschiedenen Drucktechniken bis hin zum Einsatz der Fotographie kenntnisreich dokumentiert. Weitere Kapitel sind der Entwicklung vom Meßtischblatt zur Deutschen Grundkarte 1:5000 und den Vorarbeiten der Preußischen Landesaufnahme gewidmet, ebenso den Arbeiten im Beirat für das Vermessungswesen und der Gauß-Krüger-Abbildung anstelle von sechs Soldner-Koordinatensystemen in und um Hamburg. 1929 erfolgte die Gründung des „Unterelbischen Vermessungswesens“ als Folge des strahlenförmigen  „Achsenfarn“ genannten Stadtplanungskonzeptes ins Umland, entwickelt vom großen Architekten und Stadtplaner Fritz Schumacher (1869-1947), Oberbaudirektor von Hamburg.

             Ernst Müller berichtet weiter im aktuellen Sonderheft 2016 (im Umfang von 36 Seiten DIN A 4 zweispaltig) über die Hamburger Stadtkartenwerke nach dem Zweiten Weltkrieg und die damals eingesetzten Arbeitstechniken, die Thematische Kartografie bis hin zur Digitalen Stadtkarte und wirft abschließend einen Blick auf die Reproduktionsfotografie und die revolutionierenden Entwicklungen im Kartendruck um die Jahrtausendwende. Die modernen digitalen Techniken führten schließlich 2007 zur Schließung der Landkartendruckerei.

             Zahlreiche Abbildungen von Kartenbeispielen laden dazu ein, alle jene Entwicklungen auch bildlich zu verfolgen – und damit zugleich auch die Hamburger Stadtgeschichte in ihrer Entwicklung seit dem großen Brand von 1842 nachzuerleben.

             Das Sonderheft  2016 des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung vervollständigt die wertvolle Reihe der Veröffentlichungen der Freien und Hansestadt Hamburg zur Vermessungsgeschichte, begonnen mit dem Sonderheft  2009 zu Heinrich Christian Schumacher (vergl. unsere Mitt. Nr. 294), Sonderheft 2010 zur Triangulation (Mitt. 357), Sonderheft 2011 zum Nivellement (Mitt. 385), Sonderheft 2013 zur Photogrammetrie (Mitt. 469), Sonderheft 2014 zur Geschichte des Liegenschaftskatasters in Alt-Hamburg 1845 – 1950 (Mitt. 511) und Sonderheft 2015 zur Hamburger Vermessungsgeschichte im Liegenschaftskataster in den ehemals preußischen Stadtgebieten (Mitt. 549) – und alle 7 Sonderhefte sind sämtlich der unermüdlichen Initiative von Karl-Heinz Nerkamp zu verdanken, der bei der INTERGEO 2014 in Berlin über diese vermessungsgeschichtlichen Dokumentationen in Hamburg berichtet hatte, siehe unsere Mitt. Nr. 536. – Alle bisher erschienenen Sonderhefte sind einzusehen unter http://www.hamburg.de/bsw/hamburger-vermessungsgeschichte/ dort in der mittleren Spalte unten. – 09.03.2016

 

 

584.   Professor Fröhlich verstorben

             Mit tiefer Trauer mussten wir erfahren, daß Professor Dr.-Ing. Hans Fröhlich am 17. Februar 2016 im 69. Lebensjahr verstorben ist. Wir verlieren in ihm einen Kollegen, den es schon in seiner aktiven Zeit als „Trigonometer“ und Hochschullehrer besonders reizte, geschichtlichen Zusammenhängen in der Landesvermessung und weit darüber hinaus mit großem Forscherinteresse nachzugehen. Bereits 1987 hatte er für unseren Förderkreis die Veröffentlichung „Das Reisetagebuch des Hauptmann Bendemann“ in als Nr. 13 unserer Schriftenreihe herausgegeben.

             Geboren am 25. 06.1947 in der Viertälerstadt Plettenberg im Sauerland wurde er nach Abitur und Studium der Geodäsie in Bonn Assistent am Institut für Theoretische Geodäsie und ist dort 1974 promoviert worden. Nach dem Assessor-Examen wurde er 1977 Dezernent für den trigonometrischen Außendienst beim Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen in Bonn-Bad Godesberg.

             Hier erlebte und gestaltete er den großen Umbruch von der klassischen trigonometrischen Landesvermessung zu den Arbeiten mit stets moderner werdenden elektronischen Entfernungsmessern, zur rasant aufsteigenden Satellitenvermessungen (GPS), sowie zur wachsenden Bedeutung der Datenverarbeitung und der IT-Welt. Und sein stetes Forschungsinteresse, geweckt auch über das ihm „in die Hände gefallenen“ Reisetagebuch von Hans Bendemann (1852 – 1914), führte ihn auf die Spuren jener preußischen Trigonometer und deren großartigen Leistungen in der Triangulation des 19. Jahrhunderts.

            Hier ist nicht der Ort, die Verdienste von Hans Fröhlich für die Landesvermessung Nordrhein-Westfalen näher zu umreißen. Sie wurden gerade in den vergangenen Jahrzehnten überstrahlt durch sein Wirken für den Nachwuchs, für Lehre und Forschung in seinen Aufgaben als Professor für Praktische Geodäsie an der Universität/Gesamthochschule Essen und als Professor für Landesvermessung an der Hochschule Bochum. Mehrere Fachbücher aus und für die Praxis entstanden in dieser Zeit, seine Seminare waren stets ausgebucht.  In allen diesen Aufgaben interessierten ihn in immer verstärktem Maße auch die geschichtlichen Zusammenhänge und – das zeichnete Professor Dr. Hans Fröhlich besonders aus – seine Gabe und sein Geschick, vermessungsgeschichtliche Erkenntnisse in eine breite Öffentlichkeit zu tragen. Hier sind besonders auch seine Arbeiten zu erwähnen, in denen er bundesweit „Die Landesvermessung im Spiegel deutscher Brauereien“ beleuchtete.

             Wir wollen an dieser Stelle jedoch vor allem an seine vermessungsgeschichtlichen Forschungsergebnisse erinnern, insbesondere zur Entwicklung der Erkundungs- und  Triangulationsmethoden im 19. Jahrhundert, als er auf den Spuren des Hauptmanns Bendemann dessen großes Werk nacherkundete und dokumentierte. Und wie er dabei auch die Persönlichkeit Bendemann und dessen persönliche Verwurzelung in der damaligen Vermessungswelt gegenwärtig werden ließ, bis hin zu dessen Beziehungen zu Johann Jacob Bayer und weiteren Persönlichkeiten jener Zeit. Eine ganze Reihe von Buchveröffentlichungen im Selbstverlag zeugen davon. So erinnerte er uns an Preußens letzte Triangulations-Kette, zeigte, wie Europa vermessen wurde, führte uns auf geodätische Aussichtstürme mit Fernsichten bis zu 100 km, begeisterte sich und uns für Holz-Vermessungstürme in der Triangulation, gedachte des Trigonometers Generalleutnant Bendemann aus Anlass dessen 100. Todestages im Januar 2014. Wir haben hier oft darüber berichtet, u.a. unseren Mitt. 394, 454, 462, 486, 505, 547, 553, 570, 576 und haben Hans Fröhlich besonders für seinen Vortrag und einen von ihm gestalteten Film in der Mitgliederversammlung unseres Förderkreises im Februar des vergangenen Jahres gefeiert. 

             Auch die öffentlichen Medien wußte Hans Fröhlich für seine Forschungen zu interessieren, WDR, Zeitungen, Magazine u.a. berichteten gerne – Hans Fröhlich alias Hans Bendemann! Gerade auch durch die Pflege dieser Öffentlichkeitsarbeit hat sich der Verstorbene für unseren Berufsstand immer wieder große Verdienste erworben.

             In Anerkennung der Persönlichkeit von Hans Fröhlich und ebenso dessen großen Verdiensten um das Vermessungswesen hat ihm der Verband der Vermessungsingenieure (VDV) im vergangenen Jahr das Goldene Lot verliehen. Schon von seiner schweren Krankheit gezeichnet, hat sich Professor Dr.-Ing. Hans Fröhlich gerade über diese Auszeichnung ganz besonders gefreut. Gerne hat er seinem Alter-Ego Hans Bendemann dessen Ausspruch in den Mund gelegt:  Ich war mein eigener Herr, konnte wirken wie ich wollte“.  Selbst hat Hans Fröhlich in seinem Berufsleben wie in seinen Forschungen ebenfalls stets in diesem freien Geist gearbeitet und gelebt. –

             Zahlreiche Freunde und Kollegen begleiteten die Familie des Verstorbenen in der Trauerfeier am 26. Februar in der Kapelle des Friedhofs in Sankt Augustin-Menden,  darunter u.a. vom Förderkreis auch Peter Mesenburg, Bertold Witte, Klaus Grewe sowie Rolf Bull vom VDV. Zu Herzen gehende Abschiedsworte sprach Manfred Spata, ein enger Freund und Weggefährte seit weit über 50 Jahren.  – Zum Sehen geboren / Zum Schauen bestellt / Dem Turme geschworen / Gefällt mir die Welt – mit dem vom Verstorbenen besonders geschätzten „Türmerlied“  von Johann Wolfgang von Goethe erinnerte sich eine große Trauergemeinde dankbar an Hans Fröhlichs liebevolles privates und segensreiches öffentliches Wirken. – 27.02.2016

 

 

 

583.    Mitgliederversammlung 2016

             Präsident Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg konnte wieder einmal eine gut besuchte Mitgliederversammlung am 15. Februar 2016 in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund eröffnen. Fachkollegen und Kolleginnen von fern und nah waren zunächst gespannt auf den Vortrag von Dipl.-Ing. Matthias Sturm aus Pirna zum Thema „Die sächsische Landesvermessung 1835 – 1841, eine Betrachtung zu den Ursachen der Genauigkeit unserer Katasterkarten.“ Der Vortragende – ein Geodät, der unser Metier in der ehemaligen DDR von Grund auf gelernt, schließlich in Dresden studiert und bald nach der Wende in Pirna an der Elbe die Katasterdienststelle geleitet hatte – Matthias Sturm entführte die Zuhörerschaft in die Welt der Katasteraufnahme, wie sie im 19. Jahrhundert in Sachsen noch mit Meßtisch und Meßkette erfolgte. Interessant waren auch seine Einschätzungen, welche Genauigkeiten erreicht wurden, welches die gängigen Fehlerquellen waren – schließlich waren die Ergebnisse für die Steuererhebung allemal ausreichend. Der Vortragende illustrierte seinen Beitrag u. a. mit einem Original Meßtisch, einer dicken Holzplatte, mit dem das Kartenoriginal fest verbunden war - aus der Ferne an einen Solnhofener Steindruckstein erinnernd. Lebhafter Beifall und eine kurze Diskussion dankten dem Redner.

             Eine ausführliche Kaffeepause nutzte die Kollegenschaft gerne zum fachlichen wie privaten Erfahrungsaustausch.

             Den zweiten Teil der Mitgliederversammlung eröffnete der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried mit seinem Tätigkeitsbericht über das Geschäftsjahr 2015. Eine ganze Reihe von Ausstellungen sind mit Instrumenten und anderen Exponaten aus dem Fundus des Förderkreises unterstützt und ebenso mit Fachvorträgen bereichert worden. Hier war an vorderster Stelle über die Fachausstellung „Europa, Polen, Warschau – geschichtliche Entwicklungen in der Vermessung und in der Kartographie“ in Warschau zu berichten, die Ingo von Stillfried mit Unterstützung seiner Frau (vom Fach!) innerhalb von 2 Tagen errichtete, nachdem der Aufbau in Dortmund sorgsam vorbreitet worden war. Die Ausstellung wurde ein großer Erfolg mit mehr Besuchern, als 2012 die Mercatorausstellung – und sie wurde verlängert, um großen Gruppen aus der Ukraine und Weißrußland die Besichtigung zu ermöglichen. – Weitere vom Förderkreis unterstützte Ausstellungen waren u.a. die Weltvermesser-Ausstellung in Lemgo, die Ausstellung „Prächtig vermessen“ in Rostock und die Ausstellung „200 Jahre Westfalen jetzt“ in Dortmund. Wir berichteten u.a. in den Mitt. Nrn. 548, 554, 566. Der Erste Vorsitzende berichtete weiter über eine Reihe von Instrumenten-Spenden, u.a. eine ballistische Kamera für Ballon-Satelliten. Er schloss schließlich mit der dringenden Bitte um fachliche Hilfe für die Instrumentensammlung ebenso wie für die Karten- und die Briefmarkensammlung. – Auf traditionellem Antrag von Dr.-Ing. Hartwig Junius wurde der Vorstand mit Dank für die geleistete Arbeit einstimmig entlastet.

             Präsident Peter Mesenburg führte dann gewohnt schlank durch die weiteren Tageordnungspunkte. Der Schatzmeister Franz Gocke konnte von einem ausgewogenen Haushalt berichten. Die Wahlen zum Kuratorium erfolgten en bloc für die Herren Prof. Kapelle, Tiemann Senior (beide Wiederwahl), Herrn Dipl.-Ing. Manfred Bottmeyer, Regionalverband Ruhr, Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Fitzen, früher Hochschule Bochum (Instrumentenfachmann), Herrn Dipl.-Ing. Ulf Meyer-Dietrich, auch  Vorstandsmitglied, sowie Herrn Dipl.-Ing. Ludger Wilde, Dortmunder Stadtrat u.a. für die Bereiche Stadtplanungs- und Bauordnungsamt und Vermessungs- und Katasteramt (Neuwahlen). Im Vorstand wurde der Schatzmeister in seinem Amt bestätigt. Als Kassenprüfer wurde der Kollege Dr.-Ing. Markus Rembold neu bestellt

             Die nächste Mitgliederversammlung wird zusammen mit dem Helmert-Symposium am 13. Februar 2017 stattfinden. – 18.02.2016

 

 

582.   Mitgliederversammlung und Vortrag – Last Call

             Die Mitgliederversammlung des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. findet statt am kommenden Montag, den 15. Februar 2016 in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund. Beginn 14 Uhr mit interessantem Vortrag – siehe Mitteilung Nr. 580. – Auch Gäste sind herzlich willkommen. – 12.02.2016

 

 

581. Peter Mesenburg und Ingo von Stillfried On Tour

             Begleitend zur Ausstellung „Wunderkammer der Meere. Entdecken und Erforschen der Welt“   im Städtischen Museum Schloß Rheydt in Mönchengladbach, an der sich der Förderkreis auch mit einigen Exponaten als Leihgabe beteiligt, fanden sonntägliche Matinee-Vorträge statt. Der Präsident des Förderkreises, Professor Dr.-Ing Peter Mesenburg referierte im Januar über die Portolan-Karten und erläuterte deren Genauigkeit. Und obwohl Ausgleichung und Statistik nicht ein gemeinhin üblicher Themenkreis ist, so war an den vielen interessierten Zuhörern und deren Nachfragen doch deutlich zu spüren, wie sehr dieses Thema fesselte. Ingo von Stillfried sprach über die Entstehung und die Inhalte von Mercators Weltkarte von 1569, wie sie die Navigation auf See elegant erleichterte und letztlich zu heute üblichen Navigationsverfahren führte. Auch hier gab es viele sehr lebendige Nachfragen. Das Museum zählte an jenem sonnigen und kalten Wintersonntag mit 120 Besuchern die mit Abstand bestbesuchte Vortragsveranstaltung.

             Die Bürgerstiftung Duisburg verfolgt seit langem das Ziel, das Wohnhaus der Familie Mercator wiedererstehen zu lassen und mit neuem Leben zu füllen (wir berichteten in Mitt. Nr. 509). Im Rahmen des Projektsponsorings ist eine Vortragsreihe organisiert worden, in der auch der Förderkreis mit zwei Mantinee-Vorträgen in der Duisburger Kubus-Kunsthalle präsent war.

Peter Mesenburg sprach über die Portolan-Karte von  Pîrî Reis von 1521 und setzte das Publikum in Erstaunen, mit welcher Akkuratesse und Detailfülle der Kartograph diese Karte erstellt hatte. Besonders bemerkenswert dabei ist, daß Portolane im Prinzip quasi aus dem nichts, also ohne eigentliche Vorläufer, entstanden und sofort für eine erstaunliche Qualität zeugten. Ingo von Stillfried referierte über die Entwicklung der Seekarten. Mit zahlreichen Beispielen aus aller Welt zeigte er, in welcher Gestalt Karten auch nach Mercator noch entstanden, wie lange es dauerte, bis sich dessen neue Projektion allgemein durchsetzte. Ein besonderes Nebenthema dabei war, wie die seefahrenden Polynesier sich den Sternenhimmel als „Seekarte“ nahmen und über die unendlichen Weiten des Pazifik sicher Inseln und Atolle ansteuerten. Alle Referenten erfreuten sich eines fast übervollen Vortragsraumes. Die große Anzahl der Besucher zeigte, auf welche großes Interesse kartographiehistorische Themen in Duisburg stoßen -  und auch,  daß das Projekt „Nachbau des Mercatorhauses“ auf fruchtbaren Boden fällt. – 06.02.2016

 

 

 

580.   Mitgliederversammlung mit Vortrag von Matthias Sturm aus Pirna  

             Am 15. Februar 2016 um 14 Uhr findet unsere Mitgliederversammlung in Dortmund statt, wieder an klassischer Stelle in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte, Hansastraße 3, unserer Heimstatt seit vielen Jahren.

             Wir freuen uns zu Beginn auf einen Vortrag von Dipl.-Ing. Matthias Sturm aus Pirna zum Thema „Die sächsische Landesvermessung 1835 – 1841, eine Betrachtung zu den Ursachen der Genauigkeit unserer Katasterkarten.“ – Wir dürfen gespannt sein auf ein Thema, das vor 25 Jahren in den sogenannten „neuen Bundesländern“ wieder ganz besonders aktuell wurde, nachdem das Eigentum an Grund und Boden nach der Wiedervereinigung auch dort wieder eine herausragende Bedeutung als Wirtschaftsfaktor bekam.

             Währen einer Kaffeepause ist genügend Zeit eingeplant zu kollegialem Gespräch und es besteht auch die Möglichkeit, die Schausammlung zu besuchen. Daneben können verschieden Schriften erworben werden, so  u. a. der zauberhafte kleine Katalog „Der kleine WELTvermesser“ (siehe Mitt. Nr. 566) zur Ausstellung „Weltvermesser“ in Lemgo, und „Meine Freundin, die Geodätin“ (siehe Mitt. Nr. 542).

             Nach der Kaffeepause wird die Mitgliederversammlung fortgesetzt mit dem Tätigkeitsbericht des Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried, mit dem Finanzbericht und Wahlen. – Wie immer sind uns Gäste herzlich willkommen! – 28.01.2016          

 

 

 

579.  Die Präsidenten der Königlich Preußischen Generalkommission zu Düsseldorf (1886 – 1920)

             Für die Rheinprovinz wurde nach über 30-jähriger Diskussion 1886 eine Generalkommission als Kollegialbehörde mit verwaltungsrechtlichen, verwaltungstechnischen sowie verwaltungsrichterlichen Aufgaben eingerichtet, wie sie schon im übrigen Preußen bestanden. Als Dienstsitz wurde Düsseldorf bestimmt. Die Generalkommissionen in Preußen waren in der Folge der Stein-Hardenberg´schen Reformen entstanden. Für die Generalkommissionen, vor allem in den westlichen Provinzen Preußens, waren spezielle landeskulturelle Aufgabenstrukturen entstanden, die insbesondere die Gestaltung der Gemeinheitsteilungen und Zusammenlegungen sowie die Reallasten- und Servitutablösungen prägten, mündend in vielfältigen Bodenordnungsmaßnahmen, wie Generalteilungen, Spezialteilungen, Separationen.

             Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Erich Weiß veröffentlichte in einer neueren Arbeit seine Forschungsergebnisse zu den vier Präsidenten der Königlich Preußischen Generalkommission zu Düsseldorf (1886 – 1920), Otto Grein (1886 – 1893), Albert Küster (1894 – 1903), Franz Brümmer (1903 – 1911) und Wilhelm Wissmann (1911 -1920).

             Otto Grein wurde 1834 in Berlin geboren, evangelisch getauft, studierte Rechtswissenschaften in Berlin und Heidelberg und hatte lange seinen Lebensmittelpunkt in Berlin, u. a. in der preußischen Landwirtschaftsverwaltung, war Spezialkommissar in der Berliner Generalkommission. Ende Dezember 1885 wurde er vom preußischen König Wilhelm I. zum ersten Präsidenten der neu konstituierten Generalkommission Düsseldorf berufen und wirkte dort bis zu seinem Tod – bestattet wurde er dann wieder in Berlin.

             Nachfolger wurde der nur wenig jüngere 1836 in Düsseldorf geborenen Albert Karl Max Küster, katholisch, ebenfalls Jurist, mit Studium in Bonn, der auch schon ständiger Vertreter vom Gründungspräsidenten Grein war. – Nach dem Tod des Präsidenten Küster folgte ihm 1903 Johann Franz Ferdinand Brümmer, geboren 1859 in Ahaus nahe der Niederländischen Grenze, auch katholisch getauft, der die Rechtswissenschaften in Tübingen, Berlin und Halle/Saale studiert hatte. Sein Lebens- und Berufsweg führte ihn nach seinem Präsidentenamt nach Berlin, wo er 1911 zum Abteilungsdirektor der Domänenverwaltung berufen wurde. Seine berufliche Karriere endete 1919 auf eigenen Wunsch, er übernahm Spitzenämter in der fürstlichen Domänenverwaltung der Hohenzollern. Er starb 1934 in München. – Wilhelm Wissmann, 1853 in Versmold, Westfalen geboren, evangelisch, studierte ebenfalls Rechtswissenschaften in Bonn und Göttingen, wirkte u.a. kurz bei der Staatsanwaltschaft in Schneidemühl/Westpreußen, bei der Generalkommission in Münster und dann vorbereitend in Düsseldorf. 1909 übernahm er das Amt des Präsidenten der Generalkommission in Königsberg in Ostpreußen, um dann 2 Jahre später in gleicher Eigenschaft nach Düsseldorf versetzt zu werden. „Er übernahm damit die Aufgabe, die damalige Landeskulturverwaltung in der Rheinprovinz auf ein kurzzeitiges Leistungshoch der Vorkriegsjahre sowie durch ein Elendstief des Ersten Weltkrieges mit seinen Folgen zu führen,“ schreibt Erich Weiß. und fährt fort, „Mit dem Inkrafttreten des preußischen Gesetzes über die Landeskulturbehörden vom 3. Juni 1919 wurden alle Präsidenten ehemaliger Königlich Preußischer Generalkommissionen … in den einstweiligen Wartestand sowie im Jahre 1924 in den Ruhestand versetzt.“ Damit endete ein besonderes noch durch die Entwicklungen im 19. Jahrhundert geprägtes Kapitel der Aufgaben der Landeskulturverwaltung in Preußen.

             Erich Weiß hat in seinen Forschungen der jüngeren Vergangenheit die Lebens- und Wirkungsbilder einer Reihe von Persönlichkeiten in der Landeskulturverwaltung aufgearbeitet und sie uns aus dem Schatten der Geschichte  vergegenwärtigt, stets nach intensivem und sorgsamen Studium der Originalquellen, vergl. auch unsere Mitt. Nr. 557, 440. und 274.

             Quelle: Erich Weiß: Die Präsidenten der Königlichen Preußischen Generalkommission zu Düsseldorf (1886 – 1920), in Rheinische Heimatpflege, 52. Jahrgang, Heft 3/2015 (3. Quartalsheft), siehe auch www.rheinischer-verein.de – 19.01.2016

 

 

 

578.   Telescopium Lilienthal – Bessel und die Lilienthaler Sternwarte

             In Lilienthal bei Bremen ist das riesengroße astronomische Fernrohr erneut wiedererstanden, mit dem einst vor über 200 Jahren der Amtmann und Liebhaber-Astronom Hieronymus Schroeter die Sterne beobachtete und die ersten genauen Mondkarten zeichnete. Für uns Geodäten ist interessant, daß Friedrich Wilhelm Bessel nach seiner Zeit als Handlungsgehilfe in Bremen an jener Sternwarte von 1807 bis 1810 arbeitete, bevor er nach Königsberg berufen wurde. Siehe auch Mitt. Nr. 571 mit weiteren Hinweisen. Jenes seinerzeit europaweit größte Fernrohr verfiel später, nachdem das Anwesen von Schroeter durch Napoleons Soldaten um 1813 verwüstet worden war. 

             Einer vor über 15 Jahren gegründeten Stiftungsgesellschaft ist es jetzt gelungen, eine Reihe von privaten Sponsoren dafür zu begeistern, jenes seinerzeit größte Fernrohr nachzubauen. Ende November 2015 fand die feierliche Einweihung statt. An einem 7 Metern hohen Beobachtungsturm ist das neugeschaffene Fernrohr, ein originalgetreuer Nachbau des Newton-Spiegelteleskops mit einem Spiegeldurchmesser von 50 cm und 8 m Brennweite so aufgehängt, daß es der Richtung nach mit einem Drehgestell (Radius ca. 11 m) und der Höhe nach mit einem Flaschenzug verstellbar ist – nachgebaut dem Original-Bauplan von 1793. Allerdings war für dieses einmalige Projekt kein Platz mehr am alten Standort im Zentrum von Lilienthal, so ist es neu entstanden an der Grenze zu Bremen gegenüber dem Gasthof Borgfelder Landhaus. – Siehe auch http://www.telescopium-lilienthal.de – 09.01.2016

 

 

 

577.   Einstein und der Geometer – und die Satelliten-Navigation

             Zum hundertjährigen „Geburtstag“ am 25. November 2015 von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie ist ein bisher unbekannter Brief von Albert Einstein (*1879 in Ulm  †1955 in Princeton USA) im Schloss-Archiv Büdingen bekannt geworden. Er dokumentiert, daß Einstein entgegen seiner Absichtserklärung, nie mehr deutschen Boden zu betreten, doch noch einmal  Deutschland besucht hat. –

             Für unsere Vermessungsgeschichte versteckt sich darin eine ganz besondere Begebenheit: Der Geometer Karl Friedrich Lott erzählte 1952 seinem Sohn, er habe nahe beim Gasthof „Stern“ in Büdingen zwei Herren getroffen, einer sei sein früherer Lehrer Dr. Josef Neupärtl gewesen, der andere ein Gast und Professor. Herr Neupärtel habe ihn diesem vorgestellt. Dieser habe ihn nach seinem Beruf gefragt. Auf die Auskunft, er sei Geometer beim Vermessungsamt sagte der Professor: „Da haben wir ja fast denselben Beruf.“ Wie spätere Recherchen ergaben, war jener Professor kein geringerer als Albert Einstein.

             Die Hintergrunds-Geschichte: Ein Brief von Einstein von 1952 gab Rätsel auf. Einstein war 1933 von einer Vortragsreise in die USA nicht zurückgekehrt und hatte später erklärt, nie wieder deutschen Boden zu betreten. Zwar war bekannt, daß Einstein 1952 kurz in Zürich war, auch wohl um einen dort lebenden Sohn zu besuchen. Daß er jedoch Ende Juni oder Anfang Juli mit Chauffeur inkognito nach Büdingen in Mittelhessen fuhr, beweist sein jetzt aufgefundener Brief  im dortigen Schloss-Archiv. Darin bedankte er sich für die gute Führung an einem verregneten Sonntagvormittag. Geführt hatte die beiden „englisch sprechenden Gäste“ die von der Schloss-Wache eilig herbeigerufene Leiterin der Schloss-Bibliothek. Einstein interessierte sich u.a. lebhaft für eine ausgestellte amerikanische Schreibmaschine, „so eine benutze er auch in Amerika“. Der am Besuchstag nicht anwesende Direktor Dr. Dielmann entschuldigte sich brieflich bei Einstein und sandte ihm einen Schlossführer. Einstein dankte unter dem 20. Juli 1952 für  Brief und Führer: „Ihr freundlicher Brief und die geschmackvolle Schrift haben mich an den Besuch in Ihrem Idyll erinnert. Ein Stückchen Mittelalter gezeigt von seiner attraktivsten Seite. Meinen freundlichen Dank für diese Liebenswürdigkeit. Mit ausgezeichneter Hochachtung Albert Einstein“. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) dokumentierte Umstände und Hintergrund dieses Besuchs und eine Abbildung des Umschlags des Briefes mit Poststempel Princeton Jul-21-1952 und Absenderadresse 112 Mercer Str. in Princeton N.J., wo Einstein wohnte. Den Brief selbst zeigte die F.A.Z. aus urheberrechtlichen Gründen nicht, doch die Authentizität ist unbestritten.

             Und wir Vermessungsingenieure, Geodäten, SAPOS-Ingenieure nutzen die hohe Präzision der Satelliten-Navigation bis in den mm-Bereich mit den Atomuhr-Zeit-Korrekturen nach den Erkenntnissen von Albert Einstein und seiner Allgemeinen Relativitätstheorie – und dürfen uns daneben über einen historisch-wohlwollenden Partner-Geometer freuen!

             Quelle: Konrad Kleinknecht: „Danke für dieses Stückchen Mittelalter“ in F.A.Z. vom 25. November 2015, Beilage Natur und Wissenschaft, S. N1 nebst Kasten mit der Abbildung des Briefumschlags. – 19. 12. 2015

 

 

 

576.   Hans Fröhlich-Bendemann – Die ungewollten Jahre 1882 bis 1893

             Prof. Dr.-Ing. Hans Fröhlich hat die Geschichte der Triangulationen im Rheinland und darüber wie hinaus im vorvergangenen Jahrhundert durch seine intensiven Forschungen entscheidend aufgehellt und damit unsere Kenntnisse insbesondere über die Praxis der geodätischen Landesvermessungsarbeiten jener Zeit bereichert.

             Der vorliegende dritte Band über den Vermessungsdirigenten Hauptmann Hans Bendemann schildert dessen Lebensabschnitt von 11 Jahren seit der Kommandierung 1882 zur Königlich Preußischen Landesaufnahme, gegen die er sich vehement gewehrt (!) hatte – die ungewollten Jahre. Kaum zum Hauptmann und Vermessungsdirigenten 1886 befördert, oblag ihm die Erkundung der Hauptvermessungspunkte im westlichen Teil des Deutschen Reiches.

             Das Erkundungs-Gebiet hatte eine Ausdehnung von 70.000 qkm und erstreckte sich vom Münsterland bis Trier und von Thüringen bis zur niederländisch-belgischen Grenze. Vier Jahre brauchte Hans Bendemann, um seinen Befehl auszuführen, wobei er, begleitet von seinem Burschen, mit der Bahn und Kutsche reiste und oft große Strecken auch zu Fuß zurücklegte. Sein Erkundungsbuch präsentiert auch die Quartiere, in denen er logierte, über 140 an der Zahl, teilweise mit Qualitätsmerkmalen; sozusagen ein „Hotelführer“ aus der damaligen Zeit. Von 135 Quartieren wurden meist zeitgenössische Bilder gefunden und in das Buch aufgenommen. Die Schilderungen basieren auf Bendemanns dienstlichem und privatem Tagebuch, in das Nachfahren von Bendemann dem Autor Hans Fröhlich Einblick gewährten. Zu den beiden früheren Bänden siehe auch unsere Mitt. Nr. 454 – Von Berg zu Berg-wie Europa vermessen wurde; und Mitt. Nr. 394 – Preußens letzte Kette.

             Vor dem Hintergrund der technischen Mittel der damaligen Zeit und der vielen Strapazen muss Hans Bendemanns Leistung auch heute noch als eine geodätische und logistische Bravourleistung bezeichnet werden. Hans Fröhlich, in diesem Jahr mit dem Goldenen Lot des VDV geehrt, hat mit diesem Band einmal mehr eine besondere vermessungsgeschichtliche Rarität vorgelegt – und zugleich auch ein interessantes Weihnachtsgeschenk!

             Dieses neueste  Werk hat 96 Seiten mit über 200 Abbildungen, im Eigenverlag, Preis: 12 EUR einschl. Inland-Versand, Bestellungen über E-Mail: geo-goon@t-online.de . – 12.12.2015

 

 

575.   LVR-Freilichtmuseum Kommern eröffnet Info-Punkt „Trigonometrischer Turm“

             Am 19. November eröffnete das Freilichtmuseum Kommern des Landesverbandes Rheinland in seinem Eingangsgebäude den Info-Punkt „Trigonometrischer Turm“. Neben einem großen Modell eines Vermessungsturmes sind auch weitere Vermessungsgeräte ausgestellt. Anhand der Aufzeichnungen des preußischen Hauptmanns und Vermessungsdirigenten Hans Bendemann, der zwischen 1886 und 1889 die Rheinlande vermessen hat, wird die Funktionsweise einer Triangulation erläutert.

             Vor dem Aufkommen satellitengestützter Punkbestimmungen mit GPS war die Bestimmung der Hauptvermessungspunkte für die Erstellung z.B. von Landkarten sehr aufwendig. Denn zwischen den Vermessungspunkten mussten Sichtverbindungen bestehen. Wurde die Sicht zwischen diesen oft mehr als 50 Kilometer voneinander entfernten Punkten zum Beispiel durch Berge oder Bewuchs verhindert, mussten für die Vermessungen schwere hölzerne Vermessungsgerüste errichtet werden. Ein solches Trigonometrisches Signal steht als „Trigonometrischer Turm“ seit über zehn Jahren am Besucherparkplatz des LVR-Freilichtmuseums Kommern, rekonstruiert nach Fundresten eines „Signalhochbaus“ bei Bad Münstereifel und nach der alten Signalbauvorschrift der Landesvermessung. Der Turm ist als Wahrzeichen von weitem zu sehen – ganz besonders, wenn er in der Weihnachtszeit beleuchtet wird und weithin wie ein überdimensionaler Weihnachtsbaum wirkt.

             Ideengeber und Unterstützer dieses außergewöhnlichen Projektes ist Professor Dr.-Ing. Hans Fröhlich; er hat die interessante Lebensgeschichte des Hauptmanns Bendemanns erforscht. Ein Film gibt Einblicke in dessen Arbeiten vor über 100 Jahren. In dem kurzen Dokumentarfilm werden historische Vermessungsgeräte wie ein Heliotrop gezeigt, Hans Fröhlich wirkt darin mit als Hauptmann Bendemann in der authentisch-alten Uniform (vergl. auch Mitt. 570 und frühere).

             An der Eröffnung am 19. November haben neben Professor Hans Fröhlich vom Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund u. a. auch Präsident Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte, Prof. Dr. Klaus Grewe und Manfred Spata teilgenommen.

             Wir dürfen hier daran erinnern, wie in Kommern 2006 ein Katasteramt in einer Dauerausstellung vorgestellt wurde (vergl. unsere Mitt. Nr. 142). – 30.11.2015

             Quelle: LVR-Freilichtmuseum Kommern

 

 

 

574.   40 Jahre Zentrum der Vermessungsgeschichte in Dortmund 

             Seit 40 Jahren ist Dortmund mit dem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. ein besonderes Zentrum der Vermessungsgeschichte, mit einer Reihe von Aktivitäten: Im Mittelpunkt steht die Schausammlung, das Vermessungsmuseum als Abt. 22 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund, erstmals eröffnet am 21. April 1985 mit einem Grußwort der Länderarbeitsgemeinschaft  AdV durch Dr.-Ing. Harald Lucht.  Die im Laufe der Jahre stets erweiterte große Sammlung historischer Vermessungsinstrumente und  -Verfahren wird ergänzt durch  das Museumshandbuch, erschienen in der 3. Auflage 2009.  Der Förderkreis veranstaltet im Abstand von 3 Jahren Symposien für Vermessunggeschichte, das jüngste 12. Symposium war Meilensteinen im Instrumentenbau gewidmet, beim kommenden 13. Symposium wird F. R. Helmert  im Mittelpunkt stehen. Diese Symposien haben zunächst  Dr.-Ing. Hartwig Junius und Dr. phil. Kurt Kröger organisiert und betreut, in der jüngeren Vergangenheit hat Prof. Dr.-Ing. mult. Erich Weiß diese verdienstvolle Aufgabe übernommen. Schließlich verleiht der Förderkreis regelmäßig den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis  für herausragende Arbeiten zur Vermessungsgeschichte und ergänzend auch einen Eratosthenes-Ehrenpreis.

             Unsere halbjährigen „Nachrichten“ berichten über Wissenswertes aus der Vermessungsgeschichte, oft gestützt auf die Seite „Aktuelles“ der Homepage www.vermessungsgeschichte.de  ,die sich einer ständig steigenden Besucherzahl erfreut. Jene Nachrichten waren lange als Beilage in den Allgemeinen Vermessungsnachrichten (AVN) erschienen und sind seit einigen Jahren in das VDVmagazin integriert. –            

             Die Wurzeln dieser vermessungshistorischen Dortmunder Aktivitäten reichen weit über 50 Jahre zurück bis zum 47. Deutschen Geodätentag 1962. Großen Anklang fand dort die Ausstellung Messen über und unter Tage, „in der durch sehr anschauliche Modelle auch einer breiteren Öffentlichkeit eine Vorstellung von den Aufgaben der Geodäsie vermittelt wurde“, schrieb Prof. Dr. Heinz Draheim, und er erwähnte darüber hinaus die Bedeutung des Vermessungsingenieurs als eines Sachwalters der Planung. Es folgten die besonderen Initiativen des Verbandes der Vermessungsingenieure (VDV) um 1971, als im Rahmen des XIII. Kongresses der Internationalen Vereinigung der Vermessungsingenieure und des Geodätentages in Wiesbaden die Ausstellung „5000 Jahre Vermessungswesen“ großes Aufsehen erregte. Die damaligen Exponate wurden durch engagierte Vermessungsingenieure im VDV eingelagert, erheblich ergänzt und überzeugten u.a. den Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, Dr. Clemens Weißgerber. So kam es im Zusammenwirken mit Siegfried Stahnke, dem Leiter des Vermessungs- und Katasteramtes, zur ersten Dauerausstellung im Museum am Westpark – damit war der Weg bereitet, in Dortmund mit noch größerem Engagement  Vermessungsgeschichte zu institutionalisieren.

             Am 21. November 1975 trafen sich schließlich im Westfalenzimmer der Gaststätte Union-Bräu in Dortmund 23 Vermessungsingenieure auf Einladung von Dr. Clemens Weißgerber, Helmut Minow und Friedel Pfeifer  zur Gründungsversammlung des „Förderkreises Vermessungstechnisches  Museum e.V.“. Es war an einem Freitag um 16 Uhr. Als die hochmotivierten Kollegen gegen 18:30 Uhr die Versammlung beendeten, hatten sie einen ausführlichen Vortrag von Helmut Minow zu Aufgaben und Zielen des Förderkreises gehört. Darin entwickelte unser belesener und so kenntnisreicher Kollege weitreichende Gedanken, das Ziel sei insbesondere, „die Erforschung und Darstellung der Geschichte der Vermessungstechnik zu unterstützen und dafür in der Öffentlichkeit zu werben. Der weitere Aufbau des vermessungstechnischen Museums soll gefördert werden“. Siegfried Stahnke betonte in seinem Dank, „in der Obhut des Museumsdirektors“ Dr. Weißgerber sei gewährleistet, daß die Arbeit des Förderkreises auch aus der Sicht eines  Museums sachgerecht geleistet würde, „die fachliche Seite müssen wir selbst bestreiten“. Und Friedel Pfeifer wies auf die Vorarbeiten des VDV-Arbeitskreises Vermessunggeschichte  hin, erinnerte an die Notwendigkeit, Spendenzusagen einzulösen, „wir haben sehr wohlwollende Antworten namhafter Persönlichkeiten des deutschen Vermessungswesens und der deutschen Gesellschaft für Kartographie erhalten“. –

             Die vorbereitete Satzung wurde eingehend beraten und beschlossen und schließlich der  Gründungs-Vorstand einstimmig gewählt: Ltd. Vermessungsdirektor S. Stahnke (Vorsitzender), Prof. Dr. A. Timm, Bochum und Dr. Cl. Weißgerber (Stellv. Vorsitzende), F. Pfeifer (Schatzmeister), Fichtner, Duisburg (Schriftführer). Helmut Minow wurde gebeten, die Geschäftsführung zu übernehmen, später hat Klaus-Detlef Lehmann diese Aufgabe über viele Jahre ausgefüllt, jüngst ist Claudia Balke an seine Stelle getreten.     Die Kollegen Manfred Gombel, Klaus Grewe, Kurt Kröger sowie die Herren Lamping, Pomerenke und Röhler waren damals die ersten Kuratoriumsmitglieder. – Abschließend übergab seinerzeit Herr Klaus Meyer-Dietrich zwei Nivellierinstrumente  – so fing alles einmal an – vor 40 Jahren. –

             Während der vergangenen 4 Jahrzehnte konnten Mitglieder, Vorstand und Kuratorium  des Förderkreises auf segensreiches Wirken für Erforschung, Sammlung, Dokumentation, insgesamt Vertiefung der Transparenz unserer Vermessungsgeschichte zurückblicken. Dies insbesondere auch dank der Unterstützung von namhaften Persönlichkeiten aus der breiten geodätischen Fachwelt, von Vereinen, Verbänden und Institutionen. Der Förderkreis hat eine Fach-Bibliothek aufgebaut, sie ist mit ihren insgesamt über 6000 Büchern, einer Kartensammlung und einem großen Bestand weiteren Schriften eine Fundgrube für jeden Forscher in der Vermessungsgeschichte, sie wurde lange von Helmut Minow betreut und in dessen Nachfolge von Dr.-Ing. Hartwig Junius, auch einem Mitglied der ersten Stunde und zugleich stellv. Vorsitzender des Kuratoriums. –

             Wir dürfen dem Präsidenten des Förderkreises, Prof. Dr.-Ing Peter Mesenburg, dem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried, dem Vorsitzenden des Kuratoriums Prof.- Dr.-Ing. Bertold Witte und insgesamt dem Vorstand und dem Kuratorium weiterhin guten Erfolg wünschen. Die Altvorderen und wir alle freuen uns, den Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund in guten und tatkräftigen Händen zu wissen –  um den Gedanken an Wurzeln und Entwicklungen unseres wunderbaren Berufsfeldes  stets wachzuhalten und zu befördern. Nachtrag: Siehe auch Lucht, Harald in zfv 2/2016 S. 141-142  – 21.11.2015/06.04.2016

 

 

 

573.   Fachtagung „Geodäsie in der Schweiz - Aus der Vergangenheit in Gegenwart und Zukunft“

             Fast 100 Besucher aus allen Bereichen der Geodäsie in der Schweiz fanden am 9.11.2015 den Weg nach Aarau -  darunter erfreulich auch 15 Studierende mit einem besonderen Interesse an der Vermessungsgeschichte.

             Beatrice Simos-Rapin, Professeure de mensuration officielle,  eröffnete die Veranstaltung mit einer eher philosophischen Betrachtung „Von der Bedeutung der Vergangenheit für die Zukunft“. Unser Vorsitzender des Kuratoriums Professor Dr.-Ing. Bertold Witte schlug bei seinem Vortrag „Vermessung langer Tunnel von der Antike bis zum 20. Jahrhundert“ den Bogen vom Eupalinos-Tunnel über den alten Gotthard-Eisenbahn-Tunnel zum Kanaltunnel Dover-Calais. Adrian Wiget zeigte die „Meilensteine der Geschichte der Schweizer Landesvermessung“ und die Museumsdirektorin lic.phil. Kaba Rössler, Leiterin des Stadtmuseums Aarau, erläuterte das neue Museumskonzept des Schlössli, welches nach der Einweihung des Anbaus im April 2015 umgesetzt worden war.

             Bei einer Führung konnten dann alle Besucher dieses Konzept in seiner Umsetzung sehen, wie verschiedenste Exponate von „100xAarau“  also 100 Bürger und Bürgerinnen aus Aarau – die eine bestimmte Geschichte erzählen, durch die bestimmte Exponate lebendig werden. Bei zwei dieser Exponate wird auch die Geschichte der Firma KERN erzählt, kurz, sehr prägnant und allgemein verständlich – vergl. auch unsere Mitt. 474. Für Fachleute steht auf Anmeldung die sehr umfangreiche und absolut sehenswerte Studiensammlung offen. Die Kollegen Heinz Aeschlimann und Karlheinz Münch oder auch andere stehen gerne bereit.

             Den Abschluß der Tagung bildeten zwei Vorträge von Prof. Dr. Alain Geiger „Auch der Weg der geodätischen Erkenntnis ist mit Unsicherheit gepflastert“, sehr kurzweilig, ließ keine Spur von „Mittagsmüdigkeit“ aufkommen! –  Und von Dr. Eugen Voit, Vorstandsmitglied von Leica Geosystems AG,  „Vom Armental zum High Precision Valley - Geschichte den Alpenrheintals um Heerbrugg“. Alle Beiträge sind in der quasi als Tagungsband konzipierten neuesten Ausgabe der Fachzeitung „Geomatik Schweiz“ 11/2015 nachzulesen.

             In intensiven Gesprächen am Rande der Tagung zwischen dem Vorsitzenden der Gesellschaft der Geschichte der Geodäsie in der Schweiz (GGGS) Prof. Reinhard Gottwald und unserem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried wurde die Lage der KERN-Sammlung besprochen und die Situation erläutert, daß es derzeit keine zentrale Sammelstelle in der Schweiz gibt, die vermessungstechnisch - instrumentellen Schätze (abgesehen von der Sammlung KERN) aufnehmen könnte. Ideen sind hier gefragt. – 14.11.2015

 

 

 

572.   Glückwünsche  -  Professor Dr. Harald Lucht zum 80. Geburtstag

 

Wir gratulieren unserem langjährigen ehem. Präsidenten des Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. zu seinem am 7. November 2015 vollendeten 80. Lebensjahr ganz herzlich.

 

Harald Lucht war der erste Präsident des Förderkreises. Er übte von 1987 bis 2014 dieses Ehrenamt mit viel Herzensblut und großen persönlichem Engagement aus und ist somit tiefverwurzelt sowohl in der Welt des aktiven Berufes von der kommunalen Ebene Bremen über den Deutschen Städtetag bis hin zur AdV,  als auch in der Historie von Vermessung und Kartographie. In seinem „Un“ruhestand findet er unermüdlich Woche für Woche immer wieder interessante und informative Informationen für die Seite „Aktuelles“ und bereitet diese kurzweilig auf. Nicht zuletzt zeigt die große, ständig wachsende Zahl der Zugriffe auf diese Seite unseres Internetauftrittes, dass Sie, verehrte Leserin und verehrter Leser, großes Interesse haben an Neuigkeiten aus dem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum und der Vermessungsgeschichte als solches.

 

Der Laudationes auf seine hohe Fachlichkeit, seine Verbindlichkeit, seine persönliche Ausstrahlungskraft sind schon viele gehalten worden. Es wären nur Wiederholungen, auch wenn man die vielen Fähigkeiten von Harald Lucht nicht oft genug lobend hervorheben kann. Ich möchte an diese Stelle zu seinem Ehrentag, dem 80. Geburtstag, nur eine kleine Abwandlung des Mottos der Seite, seiner Seite "Aktuelles" anbringen, was im Namen des gesamten Vorstandes des Förderkreises und sicherlich auch im Sinne aller Mitglieder, Förderer und Freunde gesagt werden kann: "Ehren heißt danken“.

 

Der treusorgende Ehemann, Vater und Großvater, Freund, Kollege und Mitmensch Harald Lucht möge uns mit seiner vielfältigen Tatkraft noch sehr viele Jahre erhalten bleiben, zumal bislang alle tatkräftigen Akteure im Förderkreis stets ein recht hohes Alter erreicht haben.

 

Ingo von Stillfried.    

 - 07.11.2015

 

571.   Wilhelm Olbers – faszinierende Spuren im früheren Schlesien

             Eine im äußeren Format kleine und doch ganz große Rarität hat Manfred Spata gefunden, unser Eratosthenes-Preisträger 2003. Die dem Redakteur dieser Seiten zugesandte „biographische Skizze“ ist überschrieben mit „H.W.M. Olbers, Arzt und Astronom“ und verfasst von Prof. Dr. J. Fiedler. Veröffentlicht 1868 als Hauptartikel im Jahresbericht des Königlichen katholischen Gymnasiums zu Leobschütz in Schlesien „…. zur feierlichen Entlassung der Abiturienten am 15. August….“(1868).

             Wir haben auf dieser Seite mehrfach die engen Verbindungen von Wilhelm Heinrich Matthias Olbers (1758 – 1840) in Bremen zu Friedrich Wilhelm Bessel (1784 – 1846) beschrieben (vergl. u.a. Mitt. 157, 262, 266, 517), wobei vor allem das Leben von Bessel in seinem Wirken für die Geodäsie im Mittelpunkt stand. Beider erste Begegnung fand 1804 statt, als der 20-jährige Bessel dem Wilhelm Olbers seine erste wissenschaftliche Arbeit übergab, eine Kometenbahnberechnung. Später tauschten sie astronomische Erkenntnisse aus, bei Bessels Forschungen in Lilienthal bei Bremen. 1811 erwirkte Olbers für Bessel eine Ehrenpromotion der Universität Göttingen, um ihm damit für seine Professur an der Universität Königsberg den notwendigen akademischen Hintergrund  zu eröffnen – beide großen Wissenschaftler blieben lebenslang eng verbunden.

             Wie J. Fiedler in seinem o.a. Vortrag schrieb, sah Olbers Bessel als „ein Genie, welches entdeckt, gewürdigt und gefördert zu haben“ er selbst als sein größtes Verdienst um die Astronomie bezeichnet hat. Und Bessel schrieb seinerseits: „Aber auch ich habe ihn verehrt. Er war mir der edelste Freund; 175 Briefe, die ich von ihm besitze, sind schriftliche Beweise meines Rechts, meine Verehrung über die Grenzen der Wissenschaft auszudehnen. Hunderte Stunden sind mir in seiner Gegenwart unvergesslich geworden….“

             Die Persönlichkeit von Olbers trat bisher bei uns hier meistens in den Hintergrund. Doch über Johann Friedrich Benzenberg und seine große Jugendliebe zu Olbers‘ Tochter Doris war dieser ebenfalls deutlich in unserem geschichtlichen Blickfeld (vergl. von 1999 WWW.haraldlucht.eu )   Die o.a. umfangreiche Biographie von 1868 über Olbers dokumentiert über 90 Literaturstellen - und man bewundert, wie umfassend Herkunft, Leben und Wirken „jenes berühmten Arztes in Bremen und nebenher astronomischen Volontair’s, bei dem aber die Meister von Beruf sich Raths erholten,“ (mitgeteilt werden). „Dieses ganz patriarchalische Leben war dem Wohle der leidenden Menschheit, der Arbeit, dem Studium und dem Nachdenken gewidmet, gekrönt durch die besten Erfolge. Ein solches reiches geistiges Leben muss auf die heranwachsende Jugend anregend wirken,“ schrieb Fiedler, seines Zeichens Professor und Oberlehrer für Physik und Deutsch am Königlichen Gymnasium zu Leobschütz im früheren Schlesien. – 31.10.2015

 

 

 

570.   Goldenes Lot  für Professor Dr. –Ing. Hans Fröhlich – und die Vermessungsgeschichte

             Professor Dr.-Ing. Hans Fröhlich ist seit vielen Jahren unterwegs in der Vermessungsgeschichte. Wir kennen und schätzen ihn besonders für seine Forschungen auf den Spuren von Hauptmann Hans Bendemann, der zwischen 1886-1890 als Vermessungsdirigent  bei der Königlich Preußischen Landesaufnahme die TP(1)- Netze zwischen Thüringen und Belgien sowie dem Münsterland und Trier erkundete. Das Wirken Bendemanns ist durch die Initiative von Hans Fröhlich in der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden, es wurde mehrfach von den WDR Landesstudios verfilmt und in der Presse gewürdigt. Basierend auf dem Erkundungstagebuch sowie privaten Aufzeichnungen hat Hans Fröhlich die Reisen und Arbeiten des Hauptmannes aus dem vorletzten Jahrhundert nachvollzogen und äußerst medienwirksam dargestellt. Letztlich schlüpfte er selbst sogar in die Rolle des Hauptmanns Bendemann.

             „Das gibt es nicht alle Tage, daß man in eine Zeitschrift kommt mit einer Auflage von 400.000 Exemplaren“, schmunzelt  Hans Fröhlich kürzlich (vergl. unsere Mitt. 553) als sein großes Werk  AUSSICHTSTÜRME IM SAUERLAND UND IM SIEGERLAND im jüngsten Magazin GLÜCK des West-Lotto vom 8. April 2015  groß herausgestellt worden ist.

             Zu diesem Zeitpunkt hatte auch der VDV bereits unserem langjährigen Mitglied die Ehrung mit dem Goldenen Lot angetragen, die nun jetzt am 2. Oktober in der Köln-Messe feierlich erfolgte. Der VDV würdigte damit seine vielfältigen Verdienste nicht nur um die Vermessungsgeschichte, sondern insbesondere für sein breites Wirken als Hochschullehrer, Fachbuchautor und bei Fortbildungsveranstaltungen, die aufgrund ihrer Praxisnähe außerordentlich beliebt waren und nahezu „Kultcharakter“ erreichten, wie der Vorjahrespreisträger Prof. Dr. Klaus Grewe in seiner launigen Laudatio sagte. Unter den zahlreichen Ehrengästen sah man u. a. auch den Präsidenten des DVW Prof. Dr.-Ing. Karl-Friedrich Thöne, den Präsidenten der DGfK Professor Dr.-Ing. Manfred Weisensee, die die Festversammlung mit ihren Grußworten erfreuten sowie den Präsidenten des BdVI,  Dipl.-Ing. Michael Zurhorst.

             Wir schließen uns mit einem herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Ehrung an – und denken dabei besonders gerne zurück an den großartigen Beitrag von Hans Fröhlich, mit dem er die Mitgliederversammlung des Förderkreises dieses Jahres bereichert hatte (vergl. unsere Mitt. 547) und weisen ergänzend auf unsere Mitt. 505 hin. Siehe auch http://www.vdv-online.de/das-goldene-lot.html  . – 22.10.2015

 

 

 

569.   Warschau-Exponate wieder in Dortmund

             Die Fachausstellung „Europa, Polen, Warschau – geschichtliche Entwicklungen in der Vermessung und in der Kartographie“ in Polen (Siehe unsere Mitt. Nr. 554) ist beendet. Sie war dort ein großer Erfolg. Neben einigen tausend Besuchern aus der Bevölkerung gab es auch eine Reihe von Interessierten aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Besucher kamen auch aus den östlichen Nachbarländern, aus Weißrussland, Russland und aus der Ukraine. Die Ausstellung ist inzwischen mit großer Unterstützung des Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried abgebaut worden. Inzwischen sind die gesamten Ausstellungsexponate per Spedition wohlbehalten in Dortmund angekommen. Für den Transport musste der Wiehen-Wagen (Mitt. Nr. 468) vor Ort fachgerecht auseinander genommen werden, er ist nun in Einzelteilen eingelagert worden.
             Ingo von Stillfried berichtete, wie er einmal mehr erfahren habe, in Polen sei es noch wichtiger, Leute zu kennen und Netzwerke zu haben, als man sich das hier träumen mag. Diese zu knüpfen war ein weiterer guter Erfolg  der Ausstellung in Warschau. Eine Idee bleibt ja, einige der Originalkarten aus der Sammlung Niewodniczanski, die im Königsschloß in Warschau liegt (und auch zu einem Teil in Bitburg), für eine Ausstellung nach Dortmund zu holen. – 13.10.2015

 

 

567.   Der Helmert-Turm in Potsdam braucht Ihre Hilfe!

             Der einst als „Mekka der Geodäten“ geltende Helmert-Turm in Potsdam, das östlich gelegene Meridianhaus und  weitere Gebäude existieren heute leider in einem bedauernswerten Zustand. Das Ensemble ist als technisches Denkmal in die Denkmalliste eingetragen. Um die wertvolle Originalsubstanz dieses technischen Denkmals erhalten zu können, sind umfangreiche Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen notwendig. Der Helmert-Turm soll nach seiner Sanierung als besonderes Wahrzeichen der Technik- und Geoforschungsgeschichte für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Auf dem 15 Meter hohen Turm erwartet den Besucher dann ein herrlicher Blick über den Telegraphenberg und die Stadt Potsdam. Für das Meridian- und das Instrumentenhaus ist eine Nutzung für Ausstellungen und Veranstaltungen geplant.

             Diese historischen geodätischen Observatorien auf dem Potsdamer Telegrafenberg blicken auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück. Es gab damals keine andere vergleichbare geodätische Forschungsinstitution, die mit derart zahlreichen, verschiedenartigen und speziellen Messanlagen ausgestattet war. Beim Umzug des Geodätischen Instituts und des Zentralbüros der Internationalen Erdmessung von Berlin nach Potsdam 1893 wurde neben dem Hauptgebäude des Geodätischen Instituts Potsdam der Beobachtungsturm eingeweiht. Er war Teil des Ensembles von Observatorien für astronomisch-geodätische Winkelmessungen am Königlich Preußischen Geodätischen Institut Potsdam.

             Seinen Namen erhielt der Helmert-Turm im November 1924 auf Grundlage eines Beschlusses des Beirates für das Vermessungswesen – nach dem früheren Direktors des Geodätischen Instituts, Prof. Dr. Friedrich Robert Helmert. (1843 in Freiberg (Sachsen) – 1917 in Potsdam). Helmert gehört zu den bedeutendsten deutschen Geodäten, da er mit grundlegenden mathematischen, physikalischen und technischen Gedanken die Entwicklung der Geodäsie maßgeblich gefördert und dabei ihre Beziehungen zu den Nachbarwissenschaften Astronomie und Geophysik vertieft hat. –

             Von einem besonderen „Besuch bei Helmert“ hatten wir hier vor 4 Jahren in Mitt. Nr. 397 berichtet, als ehemalige Chefs der Vermessungsverwaltungen der Länder aus der AdV das Gebäude-Ensemble auf dem Telegraphenberg in Potsdam besichtigten. – Und der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund wird im Jahr 2017 im 13. Symposium für Vermessunggeschichte aus Anlass des 100. Todestages an das Wirken von  Friederich Robert Helmert erinnern. –             

             Damit die Sanierung realisiert werden kann, sind erhebliche finanzielle Mittel nötig. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wirbt für Spenden zur Erhaltung und Restaurierung des Helmert-Turms (siehe auch www.denkmalschutz.de/helmertturm  ). Der DVW - Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement e.V. wird die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bei der Einwerbung von Spendengeldern und mit fachlichen Beiträgen unterstützen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. – Die einmaligen oder regelmäßigen Zuwendungen, auch im Rahmen von Anlassspenden (z.B. bei Jubiläen), Geschenkspenden oder Kondolenzspenden an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz können steuerlich geltend gemacht werden.

             Bitte helfen Sie mit, dieses besondere Wahrzeichen der Geodäsie in Potsdam zu bewahren! Spendenkonto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, IBAN: DE71 500 400 500 400 500 400, BIC: COBA DE FF XXX  unter der Kennziffer: 1010729XHelmert-Turm. Spenden sind auch online möglich, siehe obige Internet-Adresse.  – 25.09.2015

 

566.   Weltvermesser-Ausstellung  in Lemgo

             Begeisterte erste Reaktionen nach der Eröffnung der Ausstellung Weltvermesser – Das Goldene Zeitalter der Kartographie“ am 13. September 2013 vor großem Auditorium im  Weserrenaissance-Museum Schloss Brake Lemgo. Der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried vertrat zusammen mit unserem Kollegen und Eratosthenes-Preisträger Manfred Spata den Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V. aus Dortmund.

             Der Titel „Goldenes Zeitalter“ spielt an auf die wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden. Antwerpen und Amsterdam waren mehr als 100 Jahre lang Zentren europäischer Kartenproduktion.  – Die Ausstellung startet mit einem Überblick über das antike und mittelalterliche Weltbild. Zu den gezeigten kartographischen Glanzlichtern gehören u.a. die Zeitzer Weltkarte (1470), Albrecht Dürers Himmelskarten (1515), Martin Waldseemüllers Globussequente (um 1515), die Portolankarte des Vesconte Maggiolo (1541), Globenpaare von Willem j. Blaeu (um 1645).

             Eine ganz besondere aktuelle Rarität ist die kleine Hochglanzbroschüre zur Ausstellung  DER KLEINE WELT VERMESSER“, eine zauberhaft  aufbereitete Historie, die locker und gekonnt informierte über Land- und Weltvermesser (Eratosthenes, Nilüberschwemmungen), wenn Norden oben ist (mittig Jerusalem, biblische Orte), die Geburtsurkunde AMERICA (siehe auch unsere Mitt. Nr. 439 zur Waldseemüllerkarte) , über Ortelius und Mercartor  mit dem ersten Atlas, den Jakobsstab ….. von der Kugel zur Karte (Mercatorprojektion) usw. usf. – über 30 Seiten profunder Information, vom kleinen Weltvermesser-Strichmännchen lustig-kunstvoll begleitet – die Lektüre dieser Broschüre läßt schmunzeln und wissend-erstaunen. Man denkt unwillkürlich an „Meine Freundin, die ist Geodätin“  (siehe Mitt. Nr. 558).

             In dem reichen Begleitprogramm werden eine Reihe von Vorträgen angeboten, so spricht  auch der Präsident unseres Förderkreises Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg am 16. Oktober  über  „Die Weltkarte des Piri Re’is – Mythen und Realität“. – Die Ausstellung wird noch bis zum 6. Dezember 2015 gezeigt. –

             Dieses besondere Ereignis für die historische Kartographie war im vergangenen Jahr durch ein hochrangig besetztes Internationales Symposium „Kartographie der Frühen Neuzeit – Weltbilder und Wirkungen“ vorbereitet worden. Wir haben hier darüber berichtet und verweisen insoweit auf unsere Mitt. 515. – Ihr Redakteur dankt insbesondere Manfred Spata für die wertvollen Unterlagen zur Ausstellung im Weserrenaissance -Museum. 

             Hinweis zur Broschüre „Der kleine Weltvermesser“: Kinderkatalog zur Kartographie-Ausstellung, Sandstein-Verlag, Dresden  – Einzelpreis: 6,00 €  – Herausgeber: Michael Bischoff, Vera Lüpkes, Rolf Schönlau, Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, Lemgo – 32 Seiten, 27 farbige Abb. und zahlreiche Comic-Zeichnungen inklusive Bastelbogen. 17 x 24 cm, erschienen 11.09.2015 – ISBN 978-3-95498-181-6 . – 12./17.09.2015            

 

565.   „Wie weit ist Rom“ - 15. Dortmunder Museumsnacht am 19. September 2015

             Es war schon immer ein Bedürfnis der Menschen, die Frage nach Entfernungen zu beantworten. Im Rahmen der 15. Dortmunder  Museumsnacht  zeigt der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. an praktischen  Beispielen, wie verschiedene Längenmaße wie Meile, Fuß, Elle oder Meter entstanden sind und wie damit kleine und große Entfernungen gemessen wurden und werden. Die Veranstaltungen finden in Dortmund statt, um 16 Uhr und um 18 Uhr auf dem Platz von Amiens.

             In den Zwischenzeiten, um 17 Uhr  und um 19 Uhr, werden 45-Minuten-Führungen in der Abteilung Vermessungsgeschichte des Museums für Kunst und Kulturgeschichte angeboten, mit den Themen: Ist die Erde eine Kugel und wie groß ist sie? Wo liegt mein Grundstück? Wie entsteht eine Karte? Instrumente und Verfahren zur Beantwortung dieser Fragen werden gezeigt.

             Die Außen-Vorführungen werden erstmals von den jungen Kollegen unseres Förderkreises  Markus Heinze, Enrico Kramer sowie von Christian Heine gestaltet, der in den vergangenen Jahren schon bei Ingo von Stillfried assistiert hatte.  Die Führungen im Museum übernimmt  Dr.-Ing. Hartwig Junius in gewohnt bewährter Weise.

             Bei dieser kommenden 15. Dortmunder Museumsnacht laden Museen, Kirchen, Ateliers, Galerien, ja sogar das Polizeipräsidium, DEW21, Radio 91.2, Ruhr Nachrichten, das WDR Fernsehen und andere Kultureinrichtungen zu einem 10-Stunden-Mega-Programm ein. Die Besucher haben die Wahl aus rund 600 Einzelveranstaltungen – die an Vermessunggeschichte Interessierten kommen wie in den Vorjahren zum Museum für Kunst und Kulturgeschichte, dort draußen auf den Platz von Amiens und innen im 4. Obergeschoß – dort ist die große Schausammlung Vermessungsgeschichte ausgestellt. – 03.09.2015

 

 

 

564.   Historische und aktuelle Luftbilder vom Ruhrgebiet

             Der Regionalverband Ruhr (RVR) öffnet sein „luftiges Fotoalbum“: Fast 50.000 Bilder von den 53 Städten der Metropole Ruhr hat der RVR digital aufbereitet und unter www.luftbilder.geoportal.ruhr online gestellt. Historische und aktuelle Luftbilder von 1926 bis heute zeigen, wie sich das Ruhrgebiet im Laufe der Zeit verändert hat. Dieser Schatz aus Archivbildern und hochaufgelösten aktuellen Orthofotos steht für alle Interessierten kostenfrei zur Ansicht und nicht-kommerziellen Nutzung bereit.  Die Luftbilder zeigen die Stadtlandschaften in den Jahren 1926 – 1952 – 1969 – 1990 – 1998 – 2006 – 2009 – 2015, ab 1990 in Farbe.

             Seit fast neunzig Jahren wird die gesamte Region aus der Luft im Bild festgehalten. Der RVR (früher KVR) überfliegt die Metropole Ruhr seit 1972. Ergänzend hierzu steht dem Verband älteres Luftbildmaterial aus den Jahren 1926 und ab 1952 zur Verfügung. Die zunächst schwierige Orientierung der nicht beschrifteten Luftbilder gelingt mühelos durch Umschalten auf die parallel ansteuerbare Stadtplan-Übersicht und im größeren Maßstab zum Stadtplan.

             "Die gewaltigen städte- und landschaftsbaulichen Veränderungen des Ruhrgebiets werden gerade durch die Fülle an historischen und aktuellen Luftbildern sichtbar, die wir für die gesamte Region bereithalten. Dieser einzigartige Datenschatz wird jetzt zum digitalen Fotoalbum, das allen Interessierten zur Verfügung steht," sagte RVR-Regionaldirektorin Karola Geiß-Netthöfel. – Wir dürfen hier insbesondere die geodätischen Kollegen beglückwünschen, die in Vergangenheit und Gegenwart wesentlich für Grundlagen und Aufbereitung dieses „luftigen Fotoalbums“ gesorgt haben.

             Quelle: Pressemitteilung auf www.Metropoleruhr.de .- 25.08.2015

 

 

563.   Zentralpunkt im Oldenburger Schlosspark

             Mitten im Weg ein Polygonstein – der Markstein mit dem Loch im Zentrum. Am Wegesrand eine Tafel, die aufklärt:

„Der Markstein im Fußweg gibt den Zentralpunkt der oldbg. Landesvermessung von 1781 an./ Bei dieser wurden durch den Norweger Caspar Wessels (1745 – 1818) erstmalig auf den Meridian bezogene rechtwinklige Koordinaten berechnet und wurden genaue Karten des Herzogtums und der Mündungen von Jade, Weser und Elbe erstellt./ Auf dem Zentralpunkt stand ein astronomisches Observatorium. / Damit man die Uhren stellen konnte, wurde 1785 auf dem Zentralpunkt eine Sonnenuhr errichtet.“/  Unterzeichnet „Oldbg. Landschaft“ und „Dt. Verein für Vermessungswesen“. – Die Oldenburgische Landschaft ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts ein moderner Landschaftsverband, der in seinem Wirkungsgebiet Kultur und Wissenschaft initiiert und fördert und für Naturschutz eintritt. – 

             In Oldenburg war 1781 auf Anordnung des Herzogs Friedrich August eine triangulationsgestützte Landesvermessung begonnen worden. Mit der Leitung wurde der Landvogt Georg Christian von Oeder (1728 – 1791) betraut. Und für die astronomischen und geodätischen Arbeiten wird der dänisch-norwegische Mathematiker und Geodät Caspar Wessels eingestellt.  Auf der Grundlage dieser Landvermessung entstanden die sog. Vogteikarten: 1791 wurde der Kammerrat Christian Römer Nachfolger des verstorbenen von Oeder. Er koordinierte die Detail-Vermessungen, die 1799 abgeschlossen wurden. Die kartographischen Arbeiten an den 47 mehrfarbigen Kartenblättern im Maßstab 1: 20 000 zogen sich noch bis 1810 hin.

             Auf den Blättern der Oldenburgischen Vogteikarte sind Gebäudebestand, Verkehrswege und Gewässer detailliert dargestellt. Vegetation und zur Versorgung genutzte Flächen, wie z. B. Gärten, Wiesen, Weiden, Ackerland, Wälder und Torfabbaugebiete sind mit Signaturen ausgewiesen. Eine Faksimile-Ausgabe der Oldenburgischen Vogteikarte wurde von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen herausgegeben. –

             Die Geschichte jener ersten Landesvermessung hat Dr. Otto Harms detailliert erforscht, Leitender Vermessungsdirektor in Oldenburg bis 1973. 1908 in Rüstringen-Wilhelmshaven geboren ist er 1993 in Oldenburg gestorben. – Initiator zur Errichtung des o.a. Marksteins war der im geodätischen Fach wie im Namen „eng benachbarte“ Dezernent in der Fachverwaltung des Regierungsbezirks Oldenburg, Otto Herms, der ebenfalls intensiv die Genauigkeit der o.a. Triangulationsarbeiten erforschte. Er leitete das Katasteramt Oldenburg von 1976 bis 1979 und wirkte dann lange als Dezernent. –

             Nachtrag: Wie uns der Kollege und langjähriges Mitglied Dr.-Ing. Ralf Brückner, Leiter der Katasterbehörde im niedersächsischen Cloppenburg von 1996 bis 2008 mitteilt, wurden Markstein und Tafel am 11. Januar 1983 eingeweiht. Er fand diese Nachricht mit weiteren Erläuterungen zur Bedeutung der damaligen ersten triangulationsgestützen Oldenburger Landesvermessung im Mitteilungsblatt der Oldenburgischen Landschaft  Nr. 38 vom März 1983, S. 16. Wir danken für diese wertvolle Ergänzung.

             Literatur: Harms, Otto: Aufgaben und Organisation des Vermessungswesens in Oldenburg, in Oldenburger Landesvermessung 200 Jahre (1981) S. 35-81; Mengers, Hans-Rudolf: Vogteikarten als Ergebnis der ersten Landesvermessung, Heimatkundliche Texte des Rüstringer Heimatbundes e.V., www.ruestringer-heimatbund.de ; Torge, Wolfgang: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, de Gruyter, 2. Auflage, 2009 und LGN Niedersachsen-Internetportal. – 12/19.08.2015

 

 

 

562.   Erinnerungen an Botho Wendt in der AdV

             Viele ältere Kollegen trauern um Dr.-Ing. Botho Wendt aus Hannover (20.9.1920 – 20.5.2015), der im Mai im 95. Lebensjahr verstorben ist. Er war Leiter der Landesvermessung in Niedersachsen  von 1969 bis 1985. – Wir wollen hier nicht auf seine große fachliche Bedeutung eingehen, etwa auf seine Leistungen in Niedersachsen, für den DVW, im Oberprüfungsamt für die höheren Technischen Verwaltungsbeamten u.v.a.m.. –  Für eine umfassende fachliche  Würdigung ist hier nicht der richtige Ort. Es sei verwiesen auf die Laudatio von Dr. Hans Bauer, seinem Nachfolger, in zfv 1990, S. 492. –

             Doch Ihr Redakteur hatte das große Glück, Botho Wendt von 1973 bis zu dessen Pensionierung 1985 in der Länderarbeitsgemeinschaft AdV in freundschaftlicher Kollegialität und Persönlichkeit hautnah zu erleben. Daher sei es gestattet, dankbar an den Verstorbenen aus persönlicher Verbundenheit zu erinnern, in seinem Wirken, in seiner Ausstrahlung, seinem großartigen fachlichen Durchblick, seiner unnachahmliche Art aus hochgebildeter Lebensklugheit dem Anliegen der AdV in den oft mühsamen Diskussionen Richtung zu geben. Darüber hinaus ist aber besonders sein Wirken als „über den Dingen“ stehender Geodät und als humorvoller und launiger Kollege jedenfalls andeutend zu schildern – insbesondere, wie er es meisterhaft verstand, fachliche wie zwischenmenschliche und situationstypische Erlebnisse und Beobachtungen in herrliche Verse zu verpacken – spontan, momentan und edelgewortet!

             Ein Beispiel von vielen, 67. AdV-Tagung: Frei dem bekannten Couplet von Otto Reutter, dem großen Kabarettisten im Berliner Varieté-Theater, erfreute er uns schon abends: „Denk stets, wenn etwas Dir gut gefällt,/ Das meiste Gute kost‘ leider Geld,/ Der kleinste Ärger, die größte Qual,/ Und selbst eine Tagung, die endet mal./ Sogar das Kataster geht einmal entzwei,/ und in 50 Jahren ist alles vorbei.“ Seine 11 Sechszeiler endeten: „Drum tagt fröhlich weiter, laßt mich (dichten) dabei;/ Denn in 50 Jahren ist alles vorbei. / Du Rindvieh, dann ist es vorbei!“ … Es war die Herbst –Tagung 1980 in Berlin und  Botho Wendt sandte mir auf meine Bitte eine Abschrift, dazu dann mein Kommentar „…/Ich dacht mir, wie wär es immer doch schön,/ Jeden Jahresbericht so wiederzusehn./ dann wär‘ jede Korrektur einerlei - / Und in 50 Jahren …“

             Doch auch manche Randbedingungen luden Botho Wendt zum Knitteln ein, so nach dem Erlebnis einer recht miserablen Bewirtung in einer späteren Tagung unter meinem Vorsitz: „…Das liebe Freunde, liebe Schwestern,/ war allerdings der Stand von gestern./ In Küche, Restaurant und Keller,/ ist heute man bedeutend schneller./ Die Stimmung hebt sich, welch ein Trost./ Erleichtert sagt der Dichter: Prost!/ …“ –

             Die niedersächsische Kollegenschaft wußte, wie sie ihrem langjährigen Chef adäquat danken wollte – eine „Wendtsche Abschieds Zeitung  (WAZ) als Hannoverscher Unzeiger erschien zu seiner Verabschiedung – große Zeitungsseiten mit herrlich-heiteren Gedichten, Texten, Bildern, Karikaturen – geradezu eine Liebeserklärung an den von Bord gehenden, sturmerprobten Kommodore. Botho Wendt schloss darauf eingehend in seinem Dankschreiben mit einem „kleinen Gedicht“: „Ein Mensch geht in den Ruhestand,/ Hat schon die Klinke in der Hand, / da fällt den andern plötzlich ein,/ Der geht ja, wir gedenken sein!/ … Auch eine Zeitung von 8 Seiten / wird künftig unsern Mensch begleiten./ Da steht er nun der arme Wicht,/ Möchte jedem danken, schafft das nicht./ …Ein Gruß an jeden, der mich kennt./ Von Herzen dankt Euch Botho Wendt.“

             Wohl überflüssig zu sagen, daß wie die Jahre in der AdV auch die weiteren runden und halbrunden Geburtstage dichtend begleitet wurden, als Glückwunsch- wie als Dankgedichte. –

             Und die eigene besondere Verbundenheit zu Botho Wendt und auch zur  AdV begründete sich bereits um das Jahr 1971, als Ihr Redakteur nach Referendarzeit und Promotion noch in niedersächsischen Diensten „einbestellt“ wurde zum Abteilungsdirektor Dr. Wendt. Er legte mir nahe, die Geschäftsführung der AdV zu übernehmen – außerordentlich ehrenvoll! – Doch dieses Angebot entsprach so garnicht meinen eigenen Vorstellungen, ich versuchte diplomatisch-höflich-gewunden „nein“ zu sagen, wollte ich doch „in die Praxis“, insbesondere auch in die der Grundstückswertermittlung. – 1973 kam ich dann doch als Vertreter des Landes Bremen in die AdV und traf dort wieder Botho Wendt – dankbare Erinnerungen…– 30.07./02.08./02.12.2015/ Nachtrag: siehe auch Mitteilungsblatt des DVW Niedersachsen/Bremen 2016 S. 12-14 mit Foto. – 27.05.2016

 

 

 

561.   Wechsel in der Geschäftsführung – Claudia Balke folgt Klaus-Detlef Lehmann

             Ab 01.07.2015 hat die Geschäftsführung unseres Förderkreises gewechselt, eine Aufgabe, die Klaus-Detlef Lehmann über 35 Jahre seit 1980 wahrgenommen hatte. Sein segensreiches Wirken hatten wir anlässlich der Vollendung seines 65. Lebensjahres hier in Mitt. 551 gewürdigt.
             Claudia Balke ist als Master of Engineering eine große Bereicherung für unsere Arbeit. Nach ihrer Ausbildung als Vermessungstechnikerin und folgendem FH-Abschluß an der Technischen Hochschule Agricola in Bochum konnte sie Ihr Studium an der FH Mainz mit dem Diplom  als Master of Engineering in Geoinformatik abschließen – und alle diese Ausbildungsschritte absolvierte sie neben ihrer normalen Berufstätigkeit. Frau Balke ist beim Umweltamt der Stadt Dortmund  beschäftigt und dort hauptsächlich für ein Projekt "Klimafolgenanpassung in Dortmund" zuständig.

             Mit Claudia Balke übernimmt die Jugend unseres Berufes eine wichtige Funktion in den Vorstand unseres Förderkreises und damit auch die Denkweise der Aufgabenrichtung Geoinformation unseres Berufsbildes. Der Vorstand und die Redaktion von "Aktuell" freuen sich auf eine fruchtbare Zusammenarbeit. – 20.07.2015

 

 

560.   Präsident Peter Mesenburg zur Vollendung des 75. Lebensjahres

             Professor  Dr.-Ing. Peter Mesenburg feiert am 11. Juli 2015 die Vollendung seines 75. Lebensjahres. Wir gratulieren ihm herzlich und freuen uns, in ihm einen so rührigen Präsidenten unseres Förderkreises zu haben, wie wir ihn erst kürzlich wieder in Warschau bei der Eröffnung der Gemeinschaftsausstellung des Vermessungstechnisches Museums Dortmund mit den polnischen Geodäten erleben konnten. Peter Mesenburg war und ist in unserem Förderkreis von Beginn an aktiv, war er ihm doch schon im zweiten Jahr seines Bestehens beigetreten – vor fast 40 Jahren.

             Das Licht dieser Welt hat Peter Mesenburg einst in Lübeck erblickt, lebte dann jedoch seit seinem  sechsten Lebensjahr in der alten Römerstadt Trier. Dort bestand er die Reifeprüfung, um dann eine praktische Ausbildung im Katasteramt Trier anzutreten. Dort zum Studium überzeugt vom damaligen Vermessungsassessor Günter Herzfeld (dem späteren Chef der Vermessungs- und Katasterverwaltung in Rheinland Pfalz) studierte er 1964 bis 1969 Geodäsie an der Universität Bonn. Er besuchte mit Vorliebe die Kartographie-Vorlesungen von Prof. Dr.-Ing. Aloys Heupel. Es folgten Diplomexamen und alsbald Jahre als wissenschaftlicher Assistent mit dem Abschluss einer Dissertation über die Anwendung der Faktorenanalyse auf Generalisierungsprobleme Topographischer Karten. Anschließend beendete Peter Mesenburg auch seine für die wissenschaftliche Arbeit unterbrochene Referendarzeit in Rheinland-Pfalz mit der Großen Staatsprüfung. Doch ihn reizte Lehre und Forschung. Er erhielt den Ruf als Professor an die Universität Essen - Gesamthochschule. Dort widmete er sich insbesondere der Ausbildung der angehenden Vermessungsingenieure in der Kartographie.

             Peter Mesenburg hat in Essen in seiner langen Lehrtätigkeit 150 Diplomarbeiten betreut und sie oft mit seinen Studenten vermessungsgeschichtlich- kartographischen Themen gewidmet. Die Ergebnisse waren vielfach mehrfarbige zwei- und dreidimensionale Fundkarten und eine abschließende Präsentation im Siebdruck in dem von ihm geleiteten Labor. Die von ihm initiierten und betreuten Diplomarbeiten sind mit diversen Preisen ausgezeichnet worden und  zeugen so von seinen breiten pädagogischen und wissenschaftlichen Leistungen. Er führte seine Studenten nicht nur zu höchst interessanten archäologischen Fundstätten in Deutschland sondern auch in die Schweiz, die Türkei und nach Peru, aber auch nach Spanien, Frankreich und nach Polen zu archäologischen Projekten. So wurde Peter Mesenburg insbesondere auch für Archäologen ein stets gefragter Partner. Erinnert sei hier – um nur einige zu nennen – an Aufnahmen der Römerstraße in der Eifel, der historischen Wasserleitungen in Blankenheim und Göllingen, der Villa Rustica in Blankenheim, des Canal d´Entreroches (Schweiz), der Brücke von Aspendos (Türkei) und der Monumentalanlage Sechin Bajo in Casma (Peru).

             Peter Mesenburg hat immer wieder gerne die ganzheitliche Projektbearbeitung gefordert und gefördert, sein Credo war stets vermessen, koordinieren, kartieren und präsentieren. –  Bereits in dem als Band 1 der Forschungsbeiträge der Förderkreises schon 1987 herausgegebenen Werk über den Canal d’Entreroches besticht noch heute die seinem Aufsatz beigelegte  3-D-Anaglyphische Raumbilddarstellung des Kanals in ihrer wunderbaren räumlichen Anschauung. Auch manche andere Arbeit führte danach zu hochinteressanten Beiträgen in den Fachzeitschriften. –  Erinnert sei aber auch an die die Untersuchungen von Genauigkeiten von Welt- und Regionalkarten aus dem 14. – 18. Jahrhundert …

             So war es nur natürlich, daß Peter Mesenburg im Förderkreis seit vielen Jahren als Fachbeauftragter für Kartographie wirkte und gerne eine enge Zusammenarbeit  mit Prof. Dr. Klaus Grewe pflegte, unserem Fachbeauftragten für die Forschungsarbeiten. – Zusammen mit Dipl.-Ing. Jürgen Lagoda gestaltete er erst vor wenigen Jahren eine Mercator-Hommage in der Salvatorkirche in Duisburg. –  Ein vertiefter Forschungsschwerpunkt von Peter Mesenburg war über die vergangenen Jahrzehnte das Themenfeld der Portolankarten, wohl geradezu ein besonderes Hobby. Die von ihm aus geodätisch-kartographischer Sicht durchgeführten Untersuchungen führten zu einer Reihe grundlegender Erkenntnisse zur Struktur und zur Genese dieser wohl faszinierendsten Karten des Mittelalters.

             Aus seinem reichen Wirken für unseren Förderkreis muss hier aber auch sein profunder Beitrag für die  3. Auflage des Museumshandbuches dankbar erwähnt werden, wie ebenso seine stets inhaltsreichen und doch kurzweiligen Vorträge bei der INTERGEO.  Und wir alle sind ihm besonders dankbar, daß er nun auch das Präsidentenamt im Förderkreis übernommen hat. –

             Generell haben wir uns hier beschränkt auf seinen von uns besonders geschätzten breiten Einsatz für die kartographische Vermessungsgeschichte und dürfen jedoch ergänzend nur hinweisen auf seine so sehr vielfältigen Engagements in den Gebieten der akademischen Selbstverwaltung, in Bundesinstitutionen, in internationalen und nationalen Gremien, insbesondere bei der Deutschen Gesellschaft für Kartographie DGfK, bei den Kartographentagen – und auch verweisen eine große Anzahl von Veröffentlichungen und Vorträgen, auf insgesamt das vielfältige Wirken von Peter Mesenburg, wie es besonders anläßlich der Vollendung seines 65. Lebensjahres in der Zeitschrift Kartographische Nachrichten 4/2005 durch den Kollegen Prof. Joachim Neumann gewürdigt worden ist.

             Wann immer man dem Jubilar begegnet, stets sind die fachlichen, insbesondere aber auch die persönlichen Kontakte von großem Gewinn. Seine persönliche Ausstrahlung fasziniert ebenso, wie seine Tatkraft mitzureißend vermag. – Aus unserem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund übermitteln wir Professor Dr.-Ing. Peter Mesenburg  die besten Wünsche und alles Gute zur Vollendung seines 75. Lebensjahres  – im Kreise seiner Familie, in seiner Wissenschaft und als Präsident unseres Förderkreises – und fügen gerne hinzu AD MULTOS ANNOS. Nachtrag: siehe auch zfv 5/2015 S. n-83/84 mit Foto. – 11.07./ 05.10.2015

 

 

 

 

559.   Neuerwerbungen für die Sammlung im Vermessungsmuseum in Dortmund

              Unserem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried ist es jüngst gelungen, zwei alte und ganz besondere Graphometer für unsere Sammlung zu erwerben.

             Beide Instrumente wurden ersteigert im Dorotheum in Wien. Ein Instrument, in Messing, signiert „Butterfield Aparis“, 18. Jh. aus Paris, erworben erfreulicherweise weit unter dem Schätzpreis. –  Und ein weiteres Graphometer aus dem 19. Jh. mit einem Fernrohr von 30 cm Länge, signiert „Durou.quai Napoleon 33, Paris“. Diese beiden Winkelmessgeräte sind eine weitere Bereicherung unserer Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund. – 27.06.2015

 

 

558.   Geschichte wiederholt sich nicht?

             Vor dem Leibnizhaus, Tagungslokal des Geodätentages Hannover 2015 am 12.-13. Juni 2015.  Unter kompetenter Leitung des Landesvorsitzenden Dipl.-Ing. Ulrich Gellhaus war in der Mitgliederversammlung gerade mit neu beschlossener Satzung der alte und neue  DVW  - Landesverein Niedersachsen/Bremen, Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement wiedergeboren worden. –

             Da fragen zwei ältere Damen: „Was sind das eigentlich, „Geodäten“? Und es klingt ungläubig, zweifelnd, ist es vielleicht sogar ein geheimer Bund? Ihr Redakteur und angesprochener Autor dieser Zeilen erzählt gerne und „ansehensfördernd“ von Erd- und Landesvermessung, von Grundstückskataster, Bodenordnung und Flurbereinigung –   weiterhin in zweifelnde Mienen blickend. – Doch da sind schnell 2 kleine pixie-Bücher aus dem Fundus des Vorsitzenden erbeten und verschenkt. „Meine Freundin, die ist Geodätin“ wird dankbar entgegengenommen. Volksnahe Aufklärung gesichert!

             Und Ihr Redakteur denkt zurück an eine ganz ähnliche Story beim Geodätentag 1960 in Bremen, berichtet von Johannes Nittinger in der Einleitung zum Band 3 seiner Schriften „Geodäsie in der Belletristik und in den Medien“,  später mit persönlicher Mitteilung  Bremen zugeordnet; siehe auch zfv 1995 S. 527. Damals schien ein Geodät noch einer Sekte zugehörig! Heute hilft ganz spontan  „Meine Freundin“. Man sieht, Geschichte wiederholt sich doch –  nur eben anders….. – 18.06.2015

 

 

557.   Paul Krenzlin – Sein Wirken in der Landeskultur

             Wir haben hier mehrfach berichtet über die Forschungsergebnisse zu Persönlichkeiten in der Reformgesetzgebung in Preußen, vorgelegt von Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Erich Weiß, Vorstandsmitglied unseres Förderkreises – über Veröffentlichungen, die sich durch außerordentlich gründliche Recherchen der Originalliteratur auszeichnen – zuletzt in Mitt. Nr. 541.

             Wie dort angekündigt, wollen wir hier auch an die Veröffentlichung zu Paul Krenzlin  erinnern, Präsident des Oberlandeskulturamtes im Freistaat Preußen von 1920 bis 1933. 

             Als Paul Krenzlin fast 85-jährig 1953 das Bundesverdienstkreuz erhielt, wurde dessen „verdienstvolles Wirken bei der Entwicklung neuer städtebaulich-kommunalwirtschaftlicher Politikansätze sowie bei der Weiterentwicklung des allgemeinen Rechts der Landeskultur und dabei des speziellen Rechts im Siedlungswesen …“ gewürdigt. Die Anregung für diese Ehrung ging u.a. von Hermann Ehlers aus, Bundestagspräsident 1950 – 54, einer Persönlichkeit aus dem evangelisch-kirchlichen Geistesleben, zu dem u. a. auch Otto Dibelius (1880 – 1967), Kurt Scharf (1902 – 1990) gehörten,  Persönlichkeiten, die Paul Krenzlin kennen- und schätzen gelernt hatte. –

             Geboren am 23. Mai 1868 als drittes von vier Kindern in Nordhausen, begann Paul Krenzlin zunächst ab 1887 in Halle-Wittenberg ein Studium der Theologie und Philosophie, um dann in Tübingen und Berlin Rechtswissenschaften zu studieren. Er beendete 1890 dieses Studium an der Vereinigten Friedrichs-Universität  in Halle-Wittenberg. Es folgten die juristischen Staatsexamina, Referendarzeit zunächst  in Erfurt. 1896 begann er seine praktische Tätigkeit als Justiziar bei der Bezirksregierung Arnsberg in der Provinz Westfalen; dort hatte er schwerpunktmäßig Probleme der Baupolizei  (heute Bauplanungs- und Bauordnungsrecht) zu bearbeiten. Es folgten mehrere weitere dienstlichen Stationen (Kanalbaudirektion Hannover, Bezirksregierung Düsseldorf der Rheinprovinz Preußens, Preußisches Staatsministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten) und 1913 der Ernennung zum Geheimen Oberregierungsrat mit Zuständigkeiten für das Genossenschafts-  und  Kreditwesen, die Angelegenheiten  der Auseinandersetzungsbehörden und der inneren Kolonisation. 1920 schließlich wurde Paul Krenzlin – mit 52 Jahren – zum Präsidenten des Preußischen Oberlandeskulturamtes befördert.

             Erich Weiß ist es auch in diesem Beitrag erneut gelungen, den dienstlichen Aufstieg eines kompetenten Beamten in den  besonderen Verhältnissen der historischen und  wohlgeordneten – und strukturell wie auch räumlich weitverzweigten – Wege der preußischen Verwaltung nachzuzeichnen. Belegt mit 87 Literaturhinweisen werden alle wesentlichen Stationen, die familiären Verhältnisse auch der Voreltern von Paul Krenzlin transparent gegenwärtig und seine Leistungen in einem weiten Feld landeskultureller Aufgaben erkennbar, also (aus den Vorbemerkungen der hier besprochenen Veröffentlichung):Die Landeskultur umfasste nach älteren Definitionen die Gesamtheit aller Maßnahmen, die geeignet waren, den Boden als einen wichtigen Produktionsfaktor in einen vorrangig für die landwirtschaftliche und weit weniger für die forstwirtschaftliche Erzeugung optimalen Zustand zu überführen oder in einem solchen Zustand zu erhalten. Hierzu gehören Malnahmen zur Erhaltung der Kulturlandschaft zur Bodenverbesserung, zur Regelung des Wasserhaushaltes, zur Neulandgewinnung und zur Verbesserung der Bewirtschaftungsmöglichkeiten. ….“

             Die Veröffentlichung enthält ergänzend  den Text eines Gutachtens des Oberlandeskulturamtes vom 1.2.1929 darüber, ob die Umlegung als eine Form der Enteignung anzusehen ist – eine wesentliche Grundlage der späteren städtebaulichen Umlegungsgesetzgebung.  Es ist eine noch heute lesenswerte, hochinteressante und weit in die Geschichte zurückblendende gutachterliche Expertise, nachdem  diese Rechtsfragen inzwischen fast ein Jahrhundert weiterentwickelt worden sind. – Ein Anhang listet die zahlreichen wegweisenden Entscheidungen des Preußischen Oberlandeskulturamtes von 1920 bis 1932 auf. Paul Krenzlin führte die verwaltungsinterne Rechtsprechung der Preußischen Landeskulturverwaltung/ des Preußischen Oberlandeskulturamtes noch 1932/33 in die allgemeine Verwaltungsgerichtsbarkeit des Freistaates Preußen (Preuß. Oberverwaltungsgericht), von daher wurden später die gesonderten Flurbereinigungssenate  bei den Oberverwaltungsgerichten der Länder eingerichtet.

             Quelle: Erich Weiß: Paul Krenzlin – Präsident des Oberlandeskulturamtes im Freistaat Preußen von 1920 bis 1933, in Schriftenreihe des Instituts für Geodäsie und Geoinformation Nr. 44 – „Lebensbilder im Wandel der preußischen Verwaltung des 19. Und 20. Jahrhunderts“, Seite 70 – 108. Bonn 2014,  ISSN 1864-1113.  Aus Anlass der Vollendung des 75. Lebensjahres sind darin Forschungsergebnisse von Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Erich Weiß zu Persönlichkeiten zusammengefasst, die der Jubilar in den vergangenen Jahren seit seiner Emeritierung erarbeitet hat und die wir hier in früheren Mitteilungen besprochen haben. Siehe Mitt. Nr. 274 – Heinrich Albert Wilckens; 401 – Franz Addickes; 440 – Hermann Ascher; 541 – GustavFerdinand Wilckens. – 04/08.06.2015  

 

 

 

556.   Professor  Dr.-Ing. Walter Seele verstorben

             Der Altmeister der Bodenordnung  Walter Seele ist am 13. Mai 2015 in seinem 91. Lebensjahr in Bonn verstorben. Die Nachricht hat in der Geodäsie und insbesondere auch unter den im Liegenschaftswesen engagierten Geodäten große Trauer ausgelöst. 

             Wir hatten an dieser Stelle über das Ehrenkolloquium berichtet, zu dem die Universität Bonn zur Ehrung von Universitätsprofessor Dr. –Ing. Walter Seele aus Anlass der Vollendung seines 90. Lebensjahres im vergangenen September eingeladen hatte (Mitt. Nr. 538). Dort ist sein überragendes Wirken insbesondere für Bodenordnung, städtische Umlegungen, Grundlagen der Grundstückswertermittlung gewürdigt worden. Damals im September 2014 durften wir Walter Seele noch in unveränderter Frische und Energie erleben und mit engagierten, frei vorgetragenen Dankesworten. – Wir erinnern hier nochmals an sein breites geodätisches Wirken in der kommunalen Praxis und in der Wissenschaft in den vergangenen über 50 Jahren und wollen darüber hinaus ganz besonders hervorheben, Walter Seele hat dreimal Universitätsprofessuren neu begründet, in Dortmund (1968) in Bonn (1975) und in Dresden (1993). – Siehe auch  www.haraldlucht.eu/241_247_fub_6_14_Laudatio_Seele

             Zur Beerdigung am 21. Mai 2015 waren eine Reihe ihm eng verbundener Wegbegleiter und zahlreiche Familienmitglieder und Freunde nach Bonn - St. Augustin gekommen. In einer bewegenden Trauerfeier würdigte ein junger Pastor den Verstorbenen (den er noch persönlich kennenlernen durfte), wie er als  besonderer „Baumeister seines Lebens“ gewirkt habe und dessen Credo „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ für sein Leben bestimmend  war – bis hin zu einem besonderen Abschluss der Trauerfeier mit dem bekannten Lied vom aufgegangen Mond dessen zutiefst hoffnungsfroher Vers 6 Walter Seele ganz besonders bewegt hatte. – 22./24.05.2015

 

555.   Kartographie und Imagination

             Die klassische Kartographie bildet die Erdoberfläche ab – oder wie Professor Dr.-Ing. Günter Hake vor Jahrzehnten definierte – Kartographie ist Wissenschaft und Technik des Entwurfs, der Herstellung und des Gebrauchs kartographischer Darstellungen und vermittelt raumbezogene Informationen, Geoinformationen –  damals insbesondere in Form von Topographischen Karten und Atlanten.

             In Herstellung und Präsentation hat sich in der Kartographie in den jüngeren Jahrzehnten durch die digitalen Kommunikationstechniken ein erheblicher Wandel ergeben (vergl. unsere Mitt. Nr. 544). Doch darüber hinaus haben auch die Geisteswissenschaften die kartographische Ausdrucksform entdeckt. Jakob Strobel y Serra stellte in der F.A.Z. einen ganz ungewöhnlichen Atlas vor.  Darin nutzt der Künstler Stephan Huber Karten, um im Anschein einer kartographischen Topographie eine neue Wirklichkeit mit tieferen Wahrheiten zu erhellen, durch einkopierte Kollagen, Fragmente von Fotografien, Gemälden, Grafiken, Architekturzeichnungen….Seine Karten von anscheinend neuen und unbekannten Staaten und Erdteilen entpuppen sich als hochkomplexe und detailverliebte ironisierte Bilderwelten. Die „Kantbucht“, der „Freudozean, die „Darwinsee“ repräsentieren altes Denken – die „Globalisierungsspalte“ leitet über  in Chaos und Beliebigkeit, ein „Hafenareal für überforderte Weltbürger“ gibt ebenfalls Raum zu tiefem Nachdenken. Untertitel der Karten wie „Postodyssee durch literarische und politische  Einflussmeere“, „Große Liebesgeschichten und die ewige Suche nach Glück sowie Neugier und die ewige Suche nach Abenteuern“ sollen den Betrachter verführen, die Karte als Medium der Imagination zu entziffern. –  Für uns, die wir Entwicklungen aus der Vermessungsgeschichte beobachten und in der klassischen Kartographie  beheimatet sind, entsteht so eine ganz andere und überraschende Weltsicht.

             Und doch, schon im Dortmunder Vermessungsmuseum erinnert man sich gerne an den Künstler Peter Michael Hasse, an seine Ausstellung 1997  "Geodäsie in der Kunst", bei uns im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, später auch bei den Geodätentagen/der INTERGEO. Er lässt in seinen Kollagen schon seit den 80-iger Jahren aus dem Spannungsfeld von Kunst und Geodäsie ebenfalls eine neue Wirklichkeit  entstehen. In Auswahl: rotweiße Fluchtstangen-Spitzen gefährden und verbinden Nivellier und Plattenkamera, betitelt „Samurai“; eine hintergründige Graphik, kollagiert mit Zeitmesser und Blick aus dem Fenster, meint  die „Verwechslung des Wahren mit dem Exakten“; ein schlanker Ausschnitt eines Risses, gerichtet auf die Sonne in typischer italienischer Landschaft mit einem Theodoliten im Vordergrund  „Toscanische Tachymetrie“; ein Theodolit und Handriss vor knorrigen Weiden als „Anmerkungen zur Horst-Janssen-Idylle“ – dies letztere Kunstwerk erworben 1988 beim Geodätentag in Berlin war jetzt ein Gruß aus dem Nachlaß des geschätzten und 2013 verstorbenen Bremer Kollegen Vermessungsdirektor i. R. Horst Wagner an Ihren Berichterstatter.

             Quellen: G. Hake, Kartographie I, Sammlung Göschen bei de Gruyter 1982, Jabob Strobel y Serra „Die Vermessung der Imagination“, Besprechung im F.A.Z. Reiseblatt vom 30. 4. 2015 des „Weltatlas“ von Stephan Huber, Hirmer Verlag, München 2015, 186 Seiten, 49,50 Euro. – 12.05.2015

 

 

554.   Warschau – Fachausstellung „Europa, Polen, Warschau – geschichtliche Entwicklungen in der Vermessung und in der Kartographie“ mit großer Resonanz

             Die große Fachausstellung  zur kartographischen und technischen Vermessungsgeschichte in Warschau in den Räumen der Firma Warszawskie Przedsiebiorstwo Geodezyjne SA (WPG) ist mit großer Publikums- und Medienresonanz  am Donnerstag  23. April 2015 eröffnet worden.

             Der Präsident des Förderkreises Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg und der Erste Vorsitzende Dipl.-Ing. Ingo Freiherr von Stillfried sprachen  vor ca. 100 Personen einführend zu den Themenkreisen Kartographie und Vermessung  und zum vermessungstechnischen Teil der Ausstellung (deutsch mit polnischer Dolmetscherin). Der Präsident erinnerte besonders an den völkerverbindenden Kulturaustausch und Charakter dieser Kooperation zwischen dem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund und der WPG (Siehe auch unsere Mitt. Nr. 552). Der Kurator der Kartensammlung Tomasz Niewodniczanski im Königsschloss von Warschau, Kazimierz Kozica, gab die Einführung in den kartographischen Teil der Ausstellung. Die Staatskanzlei war mit einem Grußwort vertreten. Anschließend wurden mit Improvisation von deutsch, englisch, Gebärden und Mimik noch viele Erläuterungen vor Ort an den Instrumenten aus der Sammlung geodätischer Instrumente aus dem Bestand des Vermessungsmuseums in Dortmund und vor allem am Wiehen-Wagen gegeben. Aus Dortmund war auch unser langjähriger Geschäftsführer Dipl.-Ing Klaus-Detlef Lehmann mit dabei, während Dipl.-Ing. Jürgen Lagoda – er hatte bei den ersten Vorbereitungen wesentliche Hilfe geleistet –  krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte.

             Bei der Eröffnungs-Veranstaltung war die Presse anwesend, sowie ebenso das polnische 1. Fernsehprogramm, das allerdings dann jedoch nur einen 25“- Beitrag als Kurzinfo gegeben hat. Besonders bemerkenswert war, daß der Woiwode von Warschau, der bereits bei der Eröffnung anwesend war, am Freitagmorgen noch einmal kam, um sich alles in Ruhe anzuschauen und durch Herrn Ryszard Brzozowski, den Chef der WPG, erklären zu lassen.

             Ingo von Stillfried berichtet weiter, es konnten auch gute Kontakte deutschen Botschaft in Warschau geknüpft werden und ebenso gute Kontaktanbahnungen zu den technischen Universitäten, derer 4 Rektoren anwesend waren. Auch gab es einen wichtigen Kontakt zur Deutsch-Polnischen-Gesellschaft, die es dem Förderkreis aus Dortmund auf eine erste Anfrage nach Förderung noch abgelehnt hatte, weil ihr das Thema zu exotisch erschien. Exotisch - wie wahr, doch auch dies ist von großem Reiz, denkt Ihr Berichterstatter.

             Die Dolmetscherin Agata Nowicka hat die Förderer aus Dortmund unermüdlich von der Ankunft am Montag Spätnachmittag und bis zur Abfahrt am Freitagmorgen allerbestens betreut. So gab es überhaupt keine Kommunikationsprobleme. Beim Aufbau der Ausstellung durch unseren Ersten Vorsitzenden und seiner Frau gab es im übrigen eine außerordentlich tatkräftige und wirklich exzellente Unterstützung durch zwei Mittarbeiter der WPG.

            Schon jetzt gibt es Gruppenanmeldungen von insgesamt etwas mehr als 500 Personen für die kommenden Wochen. Die Ausstellung wir noch bis in den September zu sehen sein. –

Präsident Peter Mesenburg erhielt jetzt im Nachhinein eine besondere Dankurkunde. Die Vorstandspräsidenten der Fa. WPG S.A., Ryszard Brzozowski und Jacek Uchanski, sprechen darin große Anerkennung aus für die Verwirklichung des gemeinsamen Werkes Europa, Polen, Warschau – geschichtliche Entwicklungen in der Vermessung und in der Kartographie. Die  Ausstellung zeige unsere gemeinsame berufliche Leistung … in der Gestaltung des technischen und kulturellen Austausches zwischen unseren Ländern – insbesondere in den neuen Einwicklungsbedingungen der Europäischen Union. – Für diese Tatsache, für Ihr riesiges hochprofessionelles Engagement möchten wir uns bei Ihnen noch einmal bedanken, in der Hoffnung, dass wir diese Ausstellung noch lange Zeit in Erinnerung behalten als Beweis solider und gut investierter Arbeit“. Siehe die Fotostrecke unter:

https://drive.google.com/folderview?id=0B4l1d-VjhlxefmJsWkViTjhTaDJGekNPSHdibWdNSnhzX1U3RlV3NG9wYzExV09LYlFfUDg&usp=sharing– 28.04./05.05.2015

 

 

553.   Resonanz 400.000 – für die Fröhlich-Aussichtstürme

             „Das gibt es nicht alle Tage, daß man in eine Zeitschrift kommt mit einer Auflage von 400.000 Exemplaren“, schmunzelt  Professor Dr.-Ing Hans Fröhlich – und kann berichten, daß sein jüngstes großes Werk  AUSSICHTSTÜRME IM SAUERLAND UND IM SIEGERLAND im jüngsten Magazin GLÜCK des West-Lotto vom 8. April 2015  groß herausgestellt worden ist, begleitet von einem trefflichen Kurz-Interview mit dem Autor. – Wir hatten Anfang 2013 über dieses im Dezember 2012 erschienene reich bebilderte faszinierende Buch berichtet. Hans Fröhlich ist es damit erneut gelungen, eine außerordentlich große Resonanz für die Landesvermessung und damit für klassisch-historische Aufgaben der Geodäsie in eine breite Öffentlichkeit zu tragen. – Siehe unsere Mitt. Nr. 462 mit Hinweis auf den Woll-Verlag ISBN-Nr. 978-3-943681-06-2. – 16.04.2015

 

 

552.   Entwicklung des geodätischen Instrumentenbaus Eröffnung der polnisch-deutschen Fachausstellung am 23. April 2015 in Warschau

             Die INTERGEO-Großveranstaltungen sind hervorragende Gelegenheiten, internationale Verbindungen aufzubauen. Der Erste Vorsitzende Dipl.-Ing. Ingo von Stillfried und ebenso Dipl.-Ing. Jürgen Lagoda pflegten über Jahre Kontakte mit polnischen Fachkollegen und so wurde die Idee geboren, gemeinsam eine Fachausstellung in Polen vorzubereiten. Diese Kontakte vertieften sich zwischen der Warszawskie Przediebiorstwo Geodezyjne SA (WPG) und dem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund und führten jetzt zur Realisierung einer Gemeinschaftsausstellung zur Geschichte geodätischer Vermessungsinstrumente in Warschau, deren Eröffnungsfeier  am 23. April 2015 mit hochrangiger Beteiligung stattfinden wird.  An Vorbereitung und  Realisierung waren und sind auf der polnischen Seite vor allem die Herren Ryszard Brzozowski und Jacek Uchanski beteiligt. Die Sprachbarrieren wurden dank der kompetenten und unermüdlichen Dolmetscherin Agata Nowicka überwunden.

             Der Präsident des Förderkreises, Professor Dr.-Ing. Peter Mesenburg, erläutert in seinem Vorwort zum Katalog einige der vielfältigen Motive der Ausstellung. Die Geodäsie sei für viele Außenstehende eine etwas exotische Wissenschaft. Diese Unkenntnis aufzuhellen ein Satzungsziel des Förderkreises soll ein wichtiger Zweck der Ausstellung werden. Darüber hinaus basieren in großen Teil-Bereichen des Staates Polen heutige Vermessungen auf den Grundlagen, die seinerzeit von Geodäten im Auftrage des preußischen Staates durchgeführt wurden. Die dabei verwendeten Instrumente bilden daher den Ausgangspunkt der Exponate. In einer kleinen Zeitreise soll die Entwicklung einzelner typischer  Instrumente und damit auch der Ideenreichtum der Konstrukteure und die Innovationsfähigkeit der Herstellerfirmen aus dem deutschen Sprachraum aufgezeigt werden. Und der wohl wichtigste Aspekt aber sei, auf diese Weise einen Beitrag zum Kulturaustausch und auch zur technisch-historischen Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland leisten zu können.

              In der Ausstellung werden in repräsentativer Umgebung historische Instrumente Theodolite, Nivelliere, Tachymeter bis hin zu Rechenhilfsmitteln   aus dem großen Fundus der Instrumentensammlung des Förderkreises gezeigt. In dem vom Förderkreis entwickelten und herausgegebenen zweisprachigen Katalog (Layout in bewährter Weise wie unser Museumshandbuch durch Sabine Koczy) berichtet nach Vorwort des Präsidenten des Förderkreises und dem Grußwort von Ryszard Brzozowski zunächst Ingo von Stillfried einführend unter dem Titel Praxis Geometriae, Vermessungswesen - gestern und heute über die Anfänge unserer Dauerausstellung in Dortmund und die vielfältigen Aktivitäten des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum. Der Förderkreis unterstütze jedes Jahr Ausstellungen und öffentliche Präsentationen mit Leihgaben von Instrumenten, Büchern und auch Landkarten zu verschiedenen Themen. Auch sind Requisiten für bereits mehrere Filmproduktionen in TV und Kino zur Verfügung gestellt worden. Jürgen Lagoda erläutert Entwicklungen der Technikgeschichte. Ein besonderes Highlight wird wiederum der Wiehen-Wagen sein, dessen Geschichte und Bedeutung ein Beitrag von Dr. Hartwig Junius erläutert, der darüber hinaus Von Instrumentenmachern und Konstrukteuren berichtet. Im Katalog sind die zahlreichen Exponate abgebildet, fotografiert von Rudolf Uebbing und Petra Uthardt.         

             Zur Eröffnung der Fachausstellung in den Ausstellungsräumen der Firma WPG am 23. April 2015 um 11 Uhr werden die Rektoren der TU Warschau, der Militärhochschule Warschau und der TU Kielce, Vertreter aus der Kanzlei des Staatspräsidenten, der Wojewode von Mazovien erwartet, ebenso ein Vertreter der Russischen sowie ein Vertreter der Deutschen Botschaft. Vom Förderkreis werden der Präsident Peter Mesenburg, Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried, seine Frau Renate von Stillfried (Ausstellungsgestaltung) und der Geschäftsführer Klaus-Detlef Lehmann dabei sein. Wir werden später darüber berichten. 07.04.2015

 

 

551.   Klaus-Detlef Lehmann zur Vollendung des 65. Lebensjahres

             Der langjährige Geschäftsführer unseres Förderkreises vollendet am 27. März 2015 sein 65. Lebensjahr.  Dipl.-Ing. Klaus-Detlef Lehmann war 1980 – wenige Jahre nach Gründung des Förderkreises für Vermessungsgeschichte e.V. in Dortmund 1975 – in diese besonders verantwortungsvolle Aufgabe gewählt worden. Er wurde  in den vergangenen 35 Jahren in besonderem Maße zum Rückgrat des Förderkreises. Und dies insbesondere in der Vorstandsarbeit ebenso wie bei den Deutschen Geodätentagen bis1995 und seitdem bei der INTERGEO. Obwohl zeitlich und durch die weiten Reisen in die ganze Republik stets ein hoher persönlicher Aufwand notwendig war, ist er immer wieder gerne unser Repräsentant vor Ort gewesen. Für viele Besucher ist er – zusammen mit den häufigen Partnern Rudolf Uebbing und jüngst Jürgen Lagoda und Christian Heine – zu unserem Ansprechpartner und Botschafter bei diesen geodätischen Großveranstaltungen geworden. Es war und ist  ein ungemein wichtiger Dienst von Klaus-Detlef Lehmann für die Breitenwirkung des Förderkreises. In diesem Zusammenhang erwähne ich gerne das unverändert große Verständnis beim DVW und den jeweiligen örtlich vorbereitenden Ausschüssen der INTERGEO, verbunden mit der freundlichen Unterstützung, unseren Stand gut – und preiswert – zu positionieren.

             Klaus-Detlef Lehmann war in Dortmund in verantwortungsvoller Position im Umweltamt tätig. Seine damit einhergehenden guten Verbindungen wußte er auch zugunsten seiner ehrenamtlichen Aufgabe im Förderkreis einzusetzen – so z.B. bei der Organisation notwendiger Alltagsgeschäfte, so von Druckaufträgen für unsere Schriftenreihe und ebenso dann, wenn es galt, notarielle Formalien bei Wechseln im Vorstand zu begleiten. Selbst bei der zeitweisen Unterbringung des Wiehenwagens (vergl. Mitt. Nr. 466)  bewährte sich sein Organisationstalent. 

             Klaus-Detlef Lehmann hat auch alle seine Geschäftsführeraufgaben stets mit viel Geschick wahrgenommen. So sorgte er insbesondere in den Vorstandssitzungen für die tatsächliche Realisierung so manchen Vorhabens, indem er konsequent hinterfragte: „Ja, wer macht es denn nun?" – Denn unter so vielen engagierten Mitstreitern im Förderkreis gab und gibt es immer wieder viele gute Vorschläge, deren Realisierung nicht selten daran zu scheitern drohte, daß engagierte Menschen mehr Ideen haben, als sie selbst umzusetzen vermögen. Dann half die Lehmann-Frage – oft auch dazu, daß dann andere die Ideen umsetzen.

              In Anbetracht seines Ausscheidens aus dem aktiven Dienst bat er 2014, rechtzeitig seine Nachfolge zu regeln, wofür sich seit 2014 Claudia Balke interessiert zeigte. Klaus-Detlev Lehmann blieb jedoch dem Vorstand weiter eng verbunden. Dank seines frühen Engagements im Förderkreis ist er nun schon – neben dem Präsidenten Professor Peter Mesenburg und dem stellvertretenden Kuratoriumsvorsitzenden Dr. Hartwig Junius – einer der letzten Aktiven aus der Gründergeneration unseres Förderkreises.

             Wir sind unserem langjährigen Geschäftsführer nicht nur zu großem Dank verpflichtet – tatsächlich ist sein immerwährenden Einsatz aus der Arbeit des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum in Dortmund nicht wegzudenken, seine reiche Erfahrung wird auch in Zukunft immer wieder hilfreich sein. Die Arbeit im Förderkreis ruht auf den Schultern weniger, doch hochengagierter Kollegen – und da war unser Geschäftsführer ein leuchtendes Vorbild. Der Förderkreis gratuliert Klaus-Detlef Lehmann herzlich zur Vollendung seines 65. Lebensjahres und wünscht ihm alles Gute – in Dankbarkeit für sein langes segensreiches Wirken. –  27.03.2015

 

 

550.   „Morgendämmerung“ erinnert an das Wirken von Gauß und Olbers – Besuch bei Ceres und Vesta

             Die amerikanische Raumsonde Dawn („Morgendämmerung“) erreichte am 6. März 2015 ihr zweites Ziel, den Zwergplaneten Ceres. Der 750 kg schwere Flugkörper war am 27. September 2007 an Bord einer Delta-II-Trägerrakete von Cape Canaveral gestartet. Dawn erreichte nach einem Umlenkungsmanöver im Jahr 2011 am Planeten Mars dann den Zwergplaneten Vesta, den hellsten Asteroiden in unserem Sonnensystem. Mit einem Ionentriebwerk ausgestattet, verließ er 2012 die Umlaufbahn um Vesta und erreichte jetzt Ceres. Bis Juni 2016 soll Dawn diesen mit einem Durchmesser von 950 Kilometern größten Himmelskörper des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter erforschen. Die Sonde wird sich dem Himmelskörper bis auf 375 km nähern.

             Wir hatten hier in unserer Mitt. 266 an das gemeinsame Wirken von C.F. Gauß, W. Olbers und F.X. von Zach bei der Entdeckung des Kleinplaneten Ceres erinnert: Silvester 1801 durch von Zach in Gotha und Neujahr 1802 durch Olbers in Bremen. Grundlagen waren die Beobachtungen des Sizilianers G. Piazzi 1801 – doch jener glaubte noch, einen Kometen entdeckt zu haben. Die  Berechnungen nach den Beobachtungen von Piazzi durch Gauß nach der von ihm entwickelten Methode der kleinsten Quadrate zur zwangsfreien Ausgleichung von überzähligen Mehrfachbeobachtungen erlaubte eine gute Bahnbestimmung des Kleinplaneten und führte dann zu seiner (Wieder-)Entdeckung an zwei aufeinander folgenden Tagen durch von Zach und Olbers. –

             Es ist einfach faszinierend, diesen Bogen wissenschaftlichen Fortschritts heute zu erkennen und  zu erleben –  von der damaligen Entdeckung der insgesamt 4 Kleinplaneten Ceres, Vesta, Pallas und Juno durch Wilhelm Olbers aus Bremen in den ersten Jahren nach 1800. Entdeckungen mit den damaligen begrenzten  instrumentellen Möglichkeiten vor gut 200 Jahren. Und heute, mit dem Besuch jetzt einer von Menschenhand gebauten Sonde quasi hautnah beim Zwergplaneten Ceres auf exakt berechneter Bahn nach einer Flugdauer von über 7 Jahren!

             Quellen: Manfred Lindinger „Die Morgenröte erreicht den Zwergplaneten“, Bericht in FAZ vom 07.03.2015 S. 8. und unsere Mitt. 266. – 18.03.2015

 

 

549.    Hamburger Vermessungsgeschichte – Liegenschaftskataster  in den ehemals preußischen Stadtgebieten

             Im Groß-Hamburg Gesetz von 1937 sind der  Freien und Hansestadt Hamburg die Gebietsteile der preußischen Städte Altona, Harburg, Wilhelmsburg und Wandsbeck zugeordnet worden – mit dem dortigen klassischen preußischen Kataster.

             In dem neuesten Sonderhaft 15 des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung wird von den Autoren Bettina Bastian, Birgit Maknapp, Bernd Makschey, Bernd Müller, Theresa Oster unter wiederum maßgeblicher Federführung von Karl-Heinz Nerkamp die Geschichte dieses preußischen Katasters in Hamburg von 1870 – 1950 nachgezeichnet und in einer Reihe von Abbildungen dokumentiert und präsentiert, beginnend mit einem kurzen Ausflug in die Zeit vor 1870.

             Die Schrift beschreibt die angestrebten Genauigkeiten, die damaligen 40 Soldner- Koordinaten-Systeme in Preußen, die Ordnungsprinzipien nach Gemarkung, Flur, Flurstück, die Art der Flurstücksnummerierung, die Messmethoden u.a. und dokumentiert Bilder der Manuale, Stückvermessungshandrisse, Feldbücher, Risse......alle jene historischen wohl nur noch alten Vermessungsingenieuren wohlbekannte Dokumentationen im Zahlenwerk , wie ebenso das Katasterbuch-  und Kartenwerk. Wem sagen heute noch etwas Ergänzungskarten, Gebäudesteuer, Ursprünge der  Bodenschätzung …?

             Weil der insoweit beschreibende Teil aus Platzgründen relativ allgemein bleiben musste, haben die Autoren ergänzend eine detaillierte Zeittafel über wesentliche Stationen des Preußischen Katasters eingefügt – u.a. mit Meilensteinen wie jenen drei Gesetzen von 1861, der  Grundbuchordnung 1872, dem Reichsgerichtsurteil 1910. (vergl. auch unsere Mitt. Nr. 331 und 391). Und die Schluss-Seite 24 ziert ein Feldbuch des einstigen Öffentl. best. Vermessungsingenieurs Dannenberg aus dem Jahr 1950. Der frühere Erste Baudirektor in Hamburg, der bundesweit angesehene Kollege Harry Pahl (89), verriet ihrem Berichterstatter beim Geburtstagsanruf, jenes Feldbuch habe er einst geführt (in diesen Tagen 1950) – im Ferienjob vor seiner großen Laufbahn in Hamburger Diensten. Wie der Zufall so spielt! Das Sonderheft steht unter http://www.hamburg.de/bsw/hamburger-vermessungsgeschichte/   zum Download bereit. – 10.03.2015

 

 

548.   PRÄCHTIG VERMESSEN – Mecklenburg auf Karten 1600 - 1800

             Noch bis zum 17. Mai  2015 wird in Rostock im Kulturhistorischen Museum die Ausstellung Prächtig Vermessen – Mecklenburg auf Karten 1600 – 1800 präsentiert.

             Landkarten werden heute täglich und vielfältig genutzt. Auch die Menschen in der Vergangenheit nutzten Landkarten. Obwohl diese nach dem Ende des Mittelalters, mit der Entwicklung von Vermessungstechnik und Kartographie von handgezeichneten, oft geheim gehaltenen Einzelstücken zu immer genaueren, durch den Druck leichter zu reproduzierenden und weiter als je zuvor verbreiteten Medien wurden, blieb ihre Nutzung bestimmten Personengruppen vorbehalten.

Alte Landkarten zeigen das Land in seiner historischen Gestalt, spiegeln die Vorstellungen der Menschen über Lage, Ausdehnung und Gestalt von Gebieten und Landschaftsräumen wieder. Bis heute faszinieren sie wegen ihres Alters, des oft aufwendigen Druckes, wegen ihrer Seltenheit und der Schönheit der Darstellungen und Dekorationen.

Wir wollen wissen, wie unsere engere und weitere Lebensumwelt vor Jahrzehnten und Jahrhunderten ausgesehen hat. Wir versuchen, uns in alten Karten zu verorten und prüfen die Übereinstimmung der immer präziser werdenden historischen Darstellungen mit der Wirklichkeit. Alte Landkarten werden auch als Denkmäler der Landes- und Regionalgeschichte von Wissenschaftlern und privaten Sammlern geschätzt.

             Der Erste Vorsitzenden unseres Förderkreises Ingo von Stillfried hatte in Kontakt mit dem Kurator der Ausstellung Dr. Stroth einige Instrumente wie Messtisch, Kippregel und einfache Winkelmesser als Leihgaben zur Verfügung gestellt, um das Instrumentarium zur kartographischen Aufnahme sichtbar zu machen. Für das museumspädagogische Programm wurde extra ein Messtisch nachgebaut, an dem Besucher das Messverfahren praktisch selbst erproben und somit selbst erfahren können.

             Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog. Näheres im Internet – Bitte „prächtig vermessen Rostock“ z. B. in google eingeben. –  28.02.2015

 

 

 

547.    Mitgliederversammlung und Ehrung für den Alt-Präsidenten Harald Lucht

           Und:  „Kümmerer“ gesucht!

             Die diesjährige Mitgliederversammlung eröffnete am 9. Februar 2015 erstmals der im vergangenen Jahr neu gewählte Präsident Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg in der repräsentativen Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, der Heimat unserer Schausammlung seit nunmehr 30 Jahren. Besonders begrüßte er Professor Dr.-Ing. Hans Fröhlich aus St. Augustin und stellte ihn mit dessen Vita kurz vor. Hans Fröhlich erfreute dann die hoch-interessierte Zuhörerschaft mit seinem Vortrag „Die trigonometrische Landesvermessung des preußischen Hauptmanns Hans Bendemann Ende des 19. Jahrhunderts“.  Nach einer kurzen tour d’horizont zu den Grundlagen der früheren Triangulations-Methoden zu Ende des 19. Jahrhunderts schlüpfte er (mit entsprechender  Verkleidung!) in die Rolle seines Alter Ego Hans Bendemann und sagte, „ich wurde am 28. Februar 1852 als jüngstes von acht Kindern in Stettin geboren…mein Zeugnis der Reife erwarb ich in Berlin und ging gegen den Willen meines Vaters zum Militär. Mit 30 Jahren wurde ich durch Allerhöchste-Kabinetts-Order zur Trigonometrischen Abteilung der Landesaufnahme kommandiert.“ Mit einer Reihe von Bildern berichtete er über seine Erfahrungen aus den Erkundungsarbeiten zur Rheinisch-Hessischen Dreieckskette. Dazu schrieb Hans Bendemann: „Ich war mein eigener Herr, konnte wirken wie ich wollte; ob ich einen Signalbau für 50 oder mehrere tausend Mark anordnete, war mir überlassen.“ Seine Erkundungen ersteckten sich auf ein Gebiet von 70.000 qkm Fläche im „erweiterten Rheinland“ – mit Eisenbahn, Kutschen und zu Fuß. Er wandelte auf den Spuren seines Entfernt-Verwandten Geodäten Johann Jacob Baeyer (1794 – 1885, Mitt. Nr. 168 und 454). Bendemann beendete seine aktive Laufbahn als Generalleutnant. Im Rückblick auf sein Lebenswerk schrieb er in sein persönliches Tagebuch: „Doch ich kann mich nicht beklagen und blicke  mit großer Dankbarkeit  auf diese langjährige Tätigkeit zurück, in der ich vor allem angestrengt und genau zu arbeiten gelernt habe.“ Ein abschließender  12-Minuten-Film zeigte Hans Fröhlich-Bendemann im Review mit Aktivitäten von vor 130 Jahren: Erkundung, Winkelmessung und selbst die praktische Handhabung des Gauß’schen Heliometers (Mitt. 458). – Die Zuhörer in der Rotunde dankten mit lang-anhaltendem Beifall.

             Die Kaffee-Pause gab Gelegenheit, das Gehörte und Gesehene zu vertiefen und darüber hinaus zu persönlichem Gedankenaustausch – einige Kollegen nutzten die Zeit auch zum Besuch der Schausammlung.

             Zur Überraschung Ihres Redakteurs und Berichterstatters galt nun ihm selbst die besondere Aufmerksamkeit des Präsidenten. Peter Mesenburg berichtete von der Entscheidung von Vorstand und Stiftergremium, ihm, dem Alt-Präsidenten, die Ehrenmedaille des Förderkreises zu verleihen,  „Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht für seine besonderen Verdienste um den Förderkreis und um die Vermessungsgeschichte“  steht in der Urkunde.  In seiner Laudatio umrundete Peter Mesenburg die Leistungen des Förderkreises, wie sie in der Präsidentschaft  des Alt-Präsidenten in den vergangenen Jahrzehnten „in der geodätischen Fachwelt zu einer sehr geschätzten und viel beachteten Einrichtung“ geworden sei.  Und er dankte für die „intensiven Aktivitäten zur Öffentlichkeitsarbeit per Internet“ – die Aktuell-Seite „sei ein Renner“. Harald Lucht  dankte und erinnerte an die beständige Unterstützung so vieler früherer Mitstreiter wie Siegfried Stahnke, Dr. Kurt Kröger, Helmut Minow und dankte den vielen anderen  Dortmunder Kollegen und besonders auch Friedel Pfeifer, Manfred Gombel und Ingo von Stillfried – der Förderkreis lebe vor allen Dingen von der Mannschaftsleistung, nicht unähnlich aktuellem Fußballgeschehen in Bremen und sicher bald wieder auch in Dortmund.

             Der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried erläuterte in seinem Tätigkeitsbericht die Aktivitäten des abgelaufenen Jahres und gab einen Ausblick auf zukünftige Planungen. So sind Vorarbeiten für eine Mitgestaltung einer Ausstellung zur Vermessungsgeschichte in Polen in Warschau im Zusammenwirken mit Jürgen Lagoda geleistet worden, die Ausstellung „Entwicklung des Instrumentenbaus“  soll am 16. 4. 2015 eröffnet werden. Im Zentrum wird auch der Wiehen-Wagen stehen (vergl. Mitt. Nr. 494, 452 u.a.). Unsere Zuse Z11 im Zuse-Museum in Hünfeld „läuft, rattert und macht Musik“ (Verl. Mitt. Nr. 513). Ingo von Stillfried zeigt mehrere Instrumente,  Neu-Erwerbungen und -Spenden im Bild, u.a. auch das Halden-Nivellier aus Manchester (Mitt. Nr. 540). Unser Erster Vorsitzender knüpfte daran den dringlichen Hilferuf nach einem „Kümmerer“, der den Förderkreis für die Betreuung der Instrumentensammlung unterstützt  - eine reizvolle und dankbare Aufgabe für einen Liebhaber geodätischer Instrumente, denkt Ihr Berichterstatter!

             Und ein weiterer Hilferuf: Zur 15. Museumsnacht in Dortmund am 19.September 2015 ab 16h, ist wieder eine öffentlich wirksame praktische Vorführung herrlicher historischer Instrumente geplant. Auch hierfür suchen wir einen (einmaligen) „Kümmerer“.  Das Thema ist frei wählbar, das Publikum stets dankbar.

             Der Schatzmeisters Franz-Josef Gocke konnte in seinem Finanzbericht erfreut mitteilen, daß inzwischen auch das Darlehen des VDV – einst dankbar für die Mercator-Ausstellung eingeräumt – zurückgezahlt werden konnte. – Die Kassenprüfer testierten volle Korrektheit. 

             Vor Eintritt zu den Wahlen zum Kuratorium berichtete der Präsident, Friedel Pfeifer, langjähriges Vorstands- und Kuratoriumsmitglied habe erklärt, er wolle sich aus Altersgründen nicht zur Wiederwahl stellen. Präsident Mesenburg dankte dem Gründungs- und Ehrenmitglied Friedel Pfeifer  2011 mit der Ehrenmedaille ausgezeichnet  – insbesondere auch für seine über Jahrzehnte ausgeübte Tätigkeit als Schatzmeister.  Nach großem Beifall erfolgten die Wahlen, zunächst die Neuwahlen von  Prof. Dr.-Ing. Michael Scherer und Dr.rer.nat.h.c. Rolf Harbeck, der dabei zugleich die DGfK vertreten wird. Wiedergewählt wurden die Herren Manfred Gombel, Prof. Klaus Grewe, Klaus Hahn, Dr. Hartwig Junius und Friedrich Vogel. –  Im Vorstand wurde Ingo von Stillfried als Erster Vorsitzender wiedergewählt.  Die Mitgliederversammlung 2016 wurde auf Montag den 15. Februar  terminiert.

             Präsident Peter Mesenburg konnte die von ihm souverän geleitete Mitgliederversammlung noch vor 17 Uhr beenden. – 11. 02. 2015

 

 

            

546.    Mitgliederversammlung mit Professor Hans Fröhlich-Bendemann

             Die Mitgliederversammlung des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. findet in diesem Jahr  am Montag, den 9. Februar 2015 um 14:00 Uhr in der repräsentativen Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK)  in Dortmund statt. Nach der Begrüßung durch den Präsidenten des Förderkreises, Professor Dr.-Ing. Peter Mesenburg aus Essen und durch die Direktion des MKK wird Professor Dr.-Ing. Hans Fröhlich die Versammlung mit seinem  Vortrag

 „Die trigonometrische Landesvermessung des preußischen Hauptmanns Hans Bendemann Ende des 19. Jahrhunderts“

erfreuen. Unser Mitglied Hans Fröhlich – bekannt aus Presse und Fernsehen – berichtet über seine hochinteressanten Forschungen wie stets in seiner vorzüglichen Vortragsart . Die Besucher dürfen sich auf eine fachlich interessante und darüber hinaus kurzweilige Darstellung der Arbeit des preußischen Trigonometers  Generalleutnant Hans Bendemann in freuen, wie er per Kutsche und zu Fuß erkundet und trianguliert hat. Gerne verweisen wir auf unsere Mitt. Nr. 505 und frühere Mitteilungen zu Fröhlich-Bendemann.

            Nach dem  Vortrag ist in einer Kaffeepause Zeit zur Vertiefung des Themas und zum persönlichen Austausch.  Anschließend stehen Ehrungen im Programm.

            In der weiteren Mitgliederversammlung wird u.a. Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried in seinem Tätigkeitsbericht über  das Engagement des Förderkreises und Entwicklungen in der Instrumenten-Sammlung berichten.

             Zum Vortrag und zur Mitgliederversammlung sind Gäste herzlich willkommen. – 26.01.2015

 

 

         

545.   Vermessungsgeschichte im Internet – weiter großes Interesse

             Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche und Seitenaufrufe auf unserer Homepage zeigt auch weiter ein großes Interesse an unseren Seiten. Im Jahr 2014 hatten wir mit 53.868 Besuchen eine weitere Steigerung gegenüber dem Vorjahr mit 52.570 Besuchen.

             Während die Seite Aktuell-Archiv ein weiter zunehmendes Interesse auf sich zog, hatten wir bei Aktuelles einen leichten Rückgang gegenüber den Vorjahren und lagen wieder auf dem Niveau der Jahre 2008 bis 2011. Die Steigerung der beiden Vorjahre war vermutlich auch Ergebnis der großen Aktivitäten des Förderkreises u.a. mit der Mercator-Ausstellung. In Zahlen: Die Seite Aktuell verzeichnete 7236 Zugriffe (beide Vorjahre über 8000), die Seite Aktuell + Aktuell-Archiv hatte rd. 26.400 Aufrufe (Vorjahr rd. 18.000 und davor  rd. 9.000)    also erneut über 2000 pro Monat. Wie schon im Vorjahr vermutet, liegt das auch darin begründet, daß die Archiv-Seite inzwischen auf weit über 120.000 Worte angewachsen ist, also erheblich mehr an Informationen u. a.  auch zu altvorderen Persönlichkeiten bietet und dementsprechend häufiger über Suchmaschinen angesteuert wird. Wir sind erfreut über diese gute Resonanz für eine Homepage zur Vermessunggeschichte einer Fachrichtung, die nicht im Focus des allgemeinen Interesses steht.

             Unser beständiges Motiv: Wir erinnern auf unseren beiden sich ergänzenden Aktuell-Seiten an interessante vermessungshistorische Ereignisse, besondere Ehrentage, an Persönlichkeiten, an Veranstaltungen, Gedenktage, Schriften und an die Aktivitäten unseres Förderkreises. Und wir wollen über dieses moderne Medium insbesondere auch jüngere Besucher und Besucherinnen für die Vermessungsgeschichte interessieren. Vergl. auch unsere Mitt. 500. – 15.01.2015

 

            

544.  Die KN Kartographischen Nachrichten – Spiegelbild der Kartographie in Geschichte und Gegenwart .

             Die Kartographie, in Geschichte und Gegenwart wesentlicher Teil der Geodäsie, hatte in den vergangenen Jahrzehnten – wie alle Teile unserer Wissenschaft – eine tiefgreifende technologische Entwicklung als Folge technischer Umbrüche  zu bewältigen.  Bund, Länder und Kommunen brauchten sichere Dokumentations-und Planungsgrundlagen, schon bald verlangten Landesverteidigung und Bündnispartner nach zuverlässigem militärischen Kartenmaterial – und gewerbliche wie Verlagskartographie standen vor immer neuen Aufgaben. Die mit dem Aufgabenwandel einhergehenden Herausforderungen bewirkten große technische Veränderungen. Die alten Zeichentechniken, wie Kupferstich mit dem Zwischenschritt der Gravurtechniken wurden von modernen Reproduktions-  und Drucktechniken abgelöst. War die analoge Kartographie dann in den 80-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf einem Höhepunkt angelangt, musste sie digitalen Herstellungs-. Präsentations- und Kommunikationstechniken weichen, zunächst langsam und schließlich mit rasantem Tempo.

             Die Deutschen Gesellschaft für Kartographie hat diese Entwicklungen beständig aktiv begleitet. Die KN „Kartographischen Nachrichten Journal of Cartography and Geographic Information  waren und sind in den vergangenen 64 Jahren ein beständiges Spiegelbild jener Entwicklungen. Aus der zunächst 1950 als Vereinsblatt gegründeten Zeitschrift ist bald ein hochangesehenes und gern gelesenes Fachjournal geworden – ein Verdienst der ehrenamtlich wirkenden Redaktionsteams und insbesondere der Hauptschriftleiter H.P. Kosack (1951), W. Pillewizer 1951-56), O. Stollt (1956-68),  H. Ferschke (1968-87),  J. Dodt (1988-2002,  U. Fichtner (2001-02) und R. Harbeck (2003-2014).

             Dipl.-Ing. Dr. rer. nat. h.c. Rolf Harbeck aus Bonn hat jetzt die Hauptschriftleitung zum 1.1.2015 weitergegeben an Prof. Dr. Mark Vetter aus Karlsruhe. In den vergangenen 11 Jahren hat Rolf Harbeck die KN Kartographischen Nachrichten in ganz besonderer Weise geprägt, fußend auf seiner langen Praxis im damaligen Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen, in seinem langen segensreichen Wirken in der Länderarbeitsgemeinschaft  AdV, insbesondere für das bundesweite ATKIS-Projekt, beginnend  bereits in den 80-iger Jahren. Das Amtliche Topographisch-Kartographische Informationssystem ATKIS  hat mit der Entwicklung eines Digitalen Landschaftsmodells zu einem revolutionären Umbruch insbesondere in der amtlichen Kartographie entscheidend beigetragen.

             Wir sind sicher, die KN Kartographischen Nachrichten werden sich als das gemeinsame deutschsprachige, international ausgerichtete Fachorgan der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e.V. (DGfK), der Schweizerischen Gesellschaft für Kartographie (SGK) und der Österreichischen Kartographischen Kommission (ÖKK) auch in Zukunft beständig weiterentwickeln, ein wesentliches  Sprachrohr der Kartographie und der Geomatik und insgesamt der geodätischen Wissenschaft bleiben.

             Quellen: Editorial in Heft 6/2014 der KN; Harbeck, Rolf: Von der Topographischen Karte zum digitalen Landschaftsmodell, in Zs. Vermessung Brandenburg, Heft 1/2010 S. 2-17. – 06.01.2015

 

 

543.   Vom Meridian von Paris zum Finkenberg in Bonn-Beuel

„Der Finkenberg in der Landesvermessung“ heißt eine Broschüre in der Reihe ‚Kleine Beiträge zu Denkmal und Geschichte im rechtsrheinischen Bonn‘, verfasst von Dr.-Ing Rudolf Schmidt, redaktionell begleitet von unserem Eratosthenes-Preisträger Dipl.-Ing. Manfred Spata, unterstützt von Prof. Dr.-Ing. Hans Fröhlich.  – Ausgehend von der Breitengradmessung von Dünkirchen bis Barcelona 1792-1798 im Meridian von Paris schlägt Rudolf Schmidt den Bogen über das Dreiecksnetz der vier linksrheinischen Departements 1801-1813 von Antwerpen bzw. Nimwegen bis hin zum Finkenberg in Bonn-Beuel. Und er berichtet vom Wirken der großen Astronomen und eigentlich auch schon Geodäten Delambre sowie Mechain und Tranchot, von den Messungen der Basis von Melun bei Paris (mit Platin-Mess-Stangen) und der Grundlinie von Perpignan in Südfrankreich.

             Die Broschüre verknüpft in ihren nur 23 Seiten die hochinteressante geodätische Entwicklung von jenen ersten Breitengradmessungen vor über 200 Jahren über die nachfolgenden Triangulationen, das Wirken von Tranchot und dessen Kartenwerk,  das Basisvergrößerungsnetz bei Bonn 1847, über die Arbeiten des  Freiherrn von Müffling, Generalleutnant Baeyer bis hin zu den Trigonometrischen Arbeiten der amtlichen Landesvermessung 1892-1976.

             Dieser „kleine Beitrag“ komprimiert das Wissen der Geodäsie um jene bahnbrechenden Arbeiten in einer faszinierenden Kürze, eingeleitet aus einer erkennbar übergeordneten Sicht von Carl J. Bachem, dem Vorsitzenden des Denkmal- und Geschichtsvereins in Bonn. Man darf dem Autor Rudolf Schmidt zu dieser gelungenen Veröffentlichung gratulieren (ISBN 978-3-9812164-2-4). Wir weisen ergänzend auf unsere Mitt. Nr. 542 und 382. – 21.12.2014

 

 

542.   Auch eine Vermessungsgeschichte – die Geodätin und zwei Eleven

             Henrik und Niklas vermessen Steine mit einer Schnur. Das Geodätinnen Pixi-Buch zeigt Wirkung!“ schreibt die Mutter der beiden 5-jährigen begeistert und mit Foto an den Großvater (Geodät). Diese Vermessung fand statt in Sichtweite des Montjuic in Barcelona – also auf den Spuren der die französischen Geodäten Pierre Francois André Méchain und Jean-Joseph Tranchot, die vor über 200 Jahren hier trianguliert  hatten, als Grundlage für ein neues „Naturmaß“, das Urmeter – siehe auch Mitt. Nr. 382. –

             Im Pixi-Buch „Ich hab eine Freundin, die ist Geodätin“ erkundet die kleine Jule die Welt der Geodäsie und weiß ganz genau: „Wenn ich groß bin, werde ich auch Geodätin“. Sie lernt von der Geodätin Gaby vielfältige Vermessungstätigkeiten und wie eine Karte entsteht. Es ist eine kleine Geschichte, die großen Spaß am Vermessungsberuf  vermittelt. In Barcelona wurde also dieses Büchlein ebenfalls ein  Renner!  Das Pixi-Buch ist eine Produktion des Carlsen Verlages im Auftrag des DVW Hamburg/Schleswig-Holstein.- Nachtrag: Inzwischen sind 135.000 Exemplare erschienen, eine 3. Auflage ist in Vorbereitung. – 09.12.2014/12.02.2015

 

 

 

 

541.    Erich Weiß über Persönlichkeiten in der Reformgesetzgebung in Preußen

             Vor uns liegt eine ganz besondere Veröffentlichung der Universität Bonn – hier aus der Schriftenreihe des Instituts für Geodäsie und Geoinformation Nr. 44 – „Lebensbilder im Wandel der preußischen Verwaltung des 19. Und 20. Jahrhunderts“. Aus Anlass der Vollendung des 75. Lebensjahres sind darin Forschungsergebnisse von Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Erich Weiß zu Persönlichkeiten zusammengefasst, die der Jubilar in den vergangenen Jahren seit seiner Emeritierung erarbeitet hat, vornehm zurückhaltend umschriebenen als biographische Miniaturen“. Neben den von uns hier bereits besprochenen Lebens- und Wirkungsbildern von Franz Adickes (1846 – 1915, siehe unsere Mitt. Nr. 401), Hermann Ascher (1844 – 1931, Mitt. Nr. 440) und Heinrich Albert Wilckens (1772 – 1835, Mitt. Nr. 274) werden in dieser neuen Veröffentlichung weitere vier Lebensbilder vorgestellt:

             Zunächst wird über Gustav Ferdinand Wilckens (1771 – 1847), den älteren Bruder von Heinrich Albert Wilckens berichtet, der in der preußischen Finanzverwaltung maßgeblich das sogenannte preußische Bauernbefreiungsedikt vom 9. Oktober 1807 beeinflusst hat. Erich Weiß verweist darauf, daß die ideengeschichtlichen Grundlagen zum Übergang von einer absolutistisch-feudalen zu einer aufgeklärt-bürgerlichen Gesellschaftsordnung gegen Ende des 18./Anfang des 19.Jahrhunderts für West- und Mitteleuropa weitestgehend entwickelt worden waren. Die Französische Revolution von 1789 bedeutete auch eine erste deutliche Realisierung jener Entwicklungen. Die Niederlagen der preußischen Armeen im Oktober 1806 bei Jena und Auerstädt, der erzwungene Friedensschluss von Tilsit 1807, König Wilhelm III. verlor seine Hauptstadt Berlin und zog nach Königsberg – vor dem Hintergrund jenes hier nur angedeuteten Umbruchs sind auch die damalige Bauernbefreiung und allgemein die Stein-Hardenbergischen Reformen (vergl. unsere Mitt. Nr. 274) zu sehen. Der Geheime Oberfinanzrat Gustav Ferdinand Wilckens hat daran in der preußischen Finanzverwaltung wesentlich mitgewirkt. Seine Promemoria vom 16. 7. 1807 zur Aufhebung der Leibeigenschaft der Bauern und Landarbeiter im Preußischen Staat war bahnbrechend, sein Wirken, bisher jedoch weniger bekannt, als die seines Bruders Heinrich Albert – Erich Weiß hat mit seinen so gründlichen Archiv-Recherchen dieses interessante Kapitel der preußischen Geschichte jener Zeit weiter aufgehellt.

             Die weiteren Lebensbilder sind Paul Krenzlin (1868 – 1963), Präsident des Oberlandeskulturamtes im Freistaat Preußen von 1920 bis 1933; Maximilian König (1885 – 1957) in der Landeskulturverwaltung Westfalens sowie Konrad Volland (1871 – 1934) mit der Entwicklung der Unternehmensflurbereinigung in Deutschland, einer biographischen Miniatur aus der preußischen Landeskulturverwaltung gewidmet. Wir werden in den kommenden Monaten auch darüber berichten. –

             Einleitend zu diesen insgesamt sieben hochinteressanten historischen Lebensbildern würdigt Professor Dr.-Ing. Theo Kötter den Jubilar Erich Weiß in einer ausführlichen Laudatio zu dessen 75. Geburtstag (vergl. hierzu auch unsere Mitt. Nr. 530), dessen tabellarischen Lebenslauf im Anhang der Veröffentlichung nachzulesen ist. –

            Wir dürfen hier gerade auch aus vermessungsgeschichtlicher Sicht Erich Weiß ganz besonders danken für die unermüdlichen Nachforschungen und Veröffentlichungen, mit denen unserer langjähriger Mitvorsitzender im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund die Hintergründe der Entwicklungen im Bodeneigentumsrecht, in der Bodenordnung, im Flurbereinigungswesen der Vergangenheit immer erneut aufhellt – und uns deutlich werden lässt, daß und wie Persönlichkeiten segensreich gewirkt haben. – 26. 11. 2014

 

 

 

540.   Spende eines alten englischen Nivelliers

             In alter und guter Kollegialität, wurzelnd im gemeinsamen Engagement für den Deutschen Städtetag in der Fachkommission „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ (vergl. Mitt. Nr. 192), hat uns Hans-Joachim Huberti aus Kaiserslautern für unser Vermessungsmuseum eine besondere Rarität gespendet: Ein vor über 100 Jahren gebautes  Nivellier der Fa. Halden Co., Manchester, mit einem  Bronze-Messing-Teleskop, zusammen mit dem Original-Holzstativ. Dieses Instrument ergänzt die Sammlung unserer historischen englischen Instrumente in idealer Weise. – Das wertvolle  Instrument nahm seinen Weg aus Kaiserslautern zunächst nach Essen zu Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, Präsident  des Förderkreises, der es demnächst in die Dortmunder Sammlung einfügen wird. Bei der Übergabe des Instruments in Essen konnten Präsident und Spender überrascht auf eine lange zurückliegende gemeinsame Ausbildungszeit in Trier zurückblicken.

             Der Spender war sowohl bei der Stadt  Kaiserslautern im Vermessungs- und Liegenschaftsdienst als Amtsleiter tätig, als auch später dann eine ganze Reihe von Jahren in Berlin für eine Tochtergesellschaft der Treuhandgesellschaft, insbesondere auch bei der Grundstücksbeschaffung für den Groß-Flughafen BER Berlin-Brandenburg. – Der Förderkreis für das Vermessungstechnische Museum e.V. in Dortmund bedankt sich bei dem hochherzigen Spender. – 13./15.11.2014

 

 

539.   20. Baltisches Geodätengespräch – eine besondere Tradition

             Die Bezirksgruppe Vorpommern als Initiator und der Landesverein Mecklenburg-Vorpommern des DVW hatten einmal mehr zum Baltischen Geodätengespräch am 24. und 25. Oktober 2014 in Dierhagen auf dem Darß eingeladen – es war nun schon die 20. Veranstaltung dieses inzwischen zu einer guten Tradition gewordenen „Kleinen Geodätentages“.

             Jörg Scheffelke eröffnete die Veranstaltung bekannt-routiniert. Er blickt in seinem Beitrag auf die vergangenen 20 Jahre zurück, erwähnte anerkennend die wertvollen Beiträge von einer Reihe von namhaften Geodäten und hob besonders dankbar hervor u.a. die  früheren Beiträge der Professoren Heinz Draheim (Vergl. Mitt. Nr. 435) und Wolfgang Torge (Vergl. Mitt. Nr. 393) sowie das Engagement vieler Vortragender und Sponsoren.

             Für den Begrüßungsvortrag hatte Jörg Scheffelke Prof. Dr. Harald Schuh, Helmholtz-Zentrum vom Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam gewinnen können, der mit seinem Thema „Beiträge der Geodäsie zum besseren Verständnis von Naturgefahren und Klimaeinflüssen“ ein erstes Highlight setzte. – 

             Die Berichte dieser Internet-Seite legen den Schwerpunkt auf die Vermessungsgeschichte. Von daher folgen hier nur kurze der Hinweise auf eine Reihe von hochinteressanten Beiträgen zu aktuellen technischen Themen von  M. Eng. Kogut aus Koszalin in Polen, Matthias Naumann aus Rostock,  MA Phillip Engel von der Hochschule Neubrandenburg und  Dr. Lubczonek, von der Maritim University Szczecin. – 

             ÖbVI Christof Rek, Vizepräsident des DVW, bereicherte das Programm mit einem Rückblick auf die jüngste INTERGEO in Berlin und konnte berichten, wie sich diese geodätische Großveranstaltung in den vergangenen 20 Jahren seit dem Geodätentag in Dortmund 1995 zu einer weltweit führenden Kongressmesse entwickelt hat, mit stetig steigendem Interesse auch zahlreicher internationaler Fachfirmen. Und er verwies auf die so erfolgreiche Webseite www.arbeitsplatz-erde.de , eine Initiative von DVW, BdVI und VDV, die außerordentlich-kreativ über viele Berufsfelder der Geodäten und Vermessungsingenieure informiert. –

             ÖbVI Frank Wagner aus Schwerin berichtete über die Aufbaujahre „20 Jahre BDVI in Mecklenburg-Vorpommern“. Prof. Dr. Schlosser widmete seinen vermessungshistorischen Beitrag den Auswirkungen von „150 Jahren Europäischer Gradmessung“. Die Reihe der historischen Vorträge setzte Dr. Porada aus Leipzig vom Institut für Länderkunde fort, mit seinem Thema „Die Geodäten und die Steuern“; in seinem „historischen Ausflug“ berichtete er, wie die Schweden in ihrer Großmachtzeit regelmäßig Landesvermessungen durchführten, neben der  militärischen Bedeutung mit dem Ziel, Steuern erheben zu können (Vergl. unsere Mitt. Nr. 288, Stettin und Vorpommern betreffend). – Historisch-aktuell berichtete Prof. Robby Scholz aus Neubrandenburg über seine ganz persönlichen und befreienden Erlebnisse und Erfahrungen aus der Nachwendezeit und den seitdem vergangenen Jahren unter dem Thema „Von der Vermessungseinheit der NVA Aufbruch in eine neue Zeit“. – Prof. Dr. Wolfgang Kresse aus Neubrandenburg schilderte die Entwicklungen „Über 20 Jahre Vermessungsausbildung an der Hochschule Neubrandenburg“. Anhand von einer Reihe von Vermessungsprojekten zeigte er die dort geübte besondere Praxisnähe im Studium, ergänzt um sein Engagement in Koszalin in Polen. –  Prof. Dr. Harald Lucht aus Bremen begleitet mit seinem Thema „Friedrich Wilhelm Bessel – sein Wirken in Bremen und im Baltikum“ den großen Astronomen und Geodäten von Bremen (der zweiten Vaterstadt von Bessel, so dessen eigene Aussage in seinen Lebenserinnerungen), dem Erinnern in Bremen und Lilienthal und weiter zu dessen Leistungen in Königsberg und bis zum Struve-Bogen (Weltkulturerbe 2005). – Dieter Greve aus Schwerin ließ die Zuhörer teilhaben am „Landmesser in der Volkskunde und in der Dichtung“ – ein Vortrag mit einem weiten Spannungsbogen von der Gutsvermessung des „Hauptmanns“ in den Wahlverwandtschaften von Wolfgang von Goethe über mehrere plattdeutsche Dichtungen bis hin zu Erfolgsromanen wie „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann (vergl. Mitt. Nr. 455). –

             ÖbVI Jürgen Gudat, Landesvorsitzender des DVW Mecklenburg-Vorpommern, dankte abschließend allen Vortragenden und insbesondere Jörg Scheffelke für dessen nimmermüdes großes Engagement in Vorbereitung und Ausrichtung dieser besonderen Traditionsveranstaltung auf dem Darß – und last not least einer Reihe von Sponsoren. Sie hatten es wie in allen früheren Jahren ermöglicht, daß insbesondere am Freitagabend ein „gemütliches Beisammensein“ sich zu einem Geodäten-typischen feucht-fröhlichen Abend entwickeln konnte.

             Nachtrag: Siehe auch frühere Berichte: Lucht, Harald: 5. Baltisches Geodätengespräch in zfv 2000 S. 30-31, ders.: 10. Balt. Geod. Gespr. in zfv 2005 S. 52.  – 31.10./02.11.2014

 

 

 

538.    Professor Dr.-Ing. Walter Seele in Bonn geehrt – Altmeister der Bodenordnung

             Mit einem Ehrenkolloquium an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn wurde Professor Dr.-Ing. Walter Seele am 26. September 2014 aus Anlaß der Vollendung seines 90. Lebensjahres geehrt (vergl. unsere Mitteilung 528).

            Universitätsprofessor Dr.-Ing. Walter Seele hat die geodätischen Themen Bodenordnung und Grundstückswertermittlung wie kaum ein anderer in Praxis, Lehre und Forschung geprägt.  Nach seiner kommunalen Praxis in Wattenscheid, Darmstadt und insbesondere in Nürnberg wirkte er als Lehrstuhlinhaber für Bodenordnung und Vermessung an der Gründungsuniversität Dortmund 1968 bis 1975 und anschließend 1975 bis 1989 in der Professur für Bodenordnung und Bodenwirtschaft an der landwirtschaftliche Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Unvergessen sein Einsatz kurz nach seiner Emeritierung unmittelbar nach der Wiedervereinigung als Gastprofessor in Dresden. 

             Uns Vermessungsingenieuren hat Walter Seele 1970 in einer kritischen Betrachtung zur Situation in der Bodenordnung deren zwei Gesichter offenbart. Die Bodenordnung als jene hoheitliche Maßnahme, mit welcher Eigentums- und Besitzverhältnisse so verändert werden (sollen), daß sie den städtebaulichen Planungen entsprechen – andererseits die Bodenordnung als Rechts- und Wirtschaftsordnung des Grund und Bodens, als Bodenverfassung. Und diese eingebettet im Spannungsfeld von Eigentumsgarantie und Sozialbindung nach dem Grundgesetz.

             Während seiner Lehr und Forschungstätigkeit entwickelte er ein besonders umfassendes Bild der Geodäsie, begründet historisch schon aus dem 19. Jahrhundert: Der Stamm der Landvermessung habe mit der Erd- und Landesvermessung und dem Liegenschaftswesen zwei Äste angesetzt. Der eine Ast –  Erd- und Landesvermessung  habe sich aus der Landvermessung durch Aufnahme der Erdvermessung entwickelt. Der andere Ast –  Liegenschaftswesen – ist Grundstock für Zweige wie u.a. die bodenordnende Grundstücksumlegung, Grundstücksbewertung, Katastertechnik, das kommunale Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Mit diesem trefflichen Bild hat Walter Seele eine ganz überzeugende Metapher der Geodäsie entwickelt. –

             Walter Seele wurde vor 90 Jahren am 14. September 1924 in Minden in einer Zeit des zaghaften Wiederaufstiegs nach dem Ersten Weltkrieg im damaligen Deutschen Reich geboren. Die Jugendzeit wurde alsbald durch die Kriegszeiten des Zweiten Weltkriegs verdunkelt. Nach dem Abitur wurde Wehrdienst  ernste Pflicht, am 1. Februar 1943 begann für den 17-jährigen persönlich  jener schreckliche Zweite Weltkrieg an der Ostfront. Nach schwerer Verwundung wurde er noch vor Kriegsende entlassen.

             Ab 1946/47 studierte Walter Seele in Bonn Geodäsie und daneben 4 Semester Wirtschaft- und Sozialwissenschaft. Seine Dissertation bei Professor Dr. Edmund GaßnerDie wechselseitigen Beziehungen zwischen städtebaulicher Planung und Bodenwertbildung“, behandelte ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch sein ganzes späteres Wirken ziehen sollte.

             Nach Assistenten- und Referendarzeit  folgten 11 Jahre kommunale Praxis in  Wattenscheid, Darmstadt und ab 1963 in der Großstadt Nürnberg. In jenen Jahren hat er als Amtsleiter eine ganze Reihe von  Grundstücks-Umlegungsverfahren gestaltet.  – Sein Nachfolger in Nürnberg Prof. Dr.-Ing. e.h. Hubertus Hildebrandt hat diese Arbeiten erfolgreich weiterentwickelt (vergl. unsere Mitt. 436).

             Seinerzeit  wirkten Persönlichkeiten wie Professor Edmund Gaßner als Bauingenieur (1908 – 2004) und in der geodätischen Praxis zahlreiche Geodäten, stellvertretend sei nur erinnert an Willi Bonczek, Essen (1907 – 1986, vergl. unsere Mitt. 213 )Diedrich August Overhoff, KVR Essen (1899 – 1978, Mitt. 298) –  O. Pirkel, KölnSiegfried Stahnke, Dortmund (1911 – 2008, Mitt. 243) aber auch Heinrich Röhrs, Bremen (1900 -1961, Mitt. 252).

             In diesem Umfeld  erfolgt in der Gründungsuniversität  Dortmund nach langem Diskussions-Prozess die Einrichtung eines Lehrstuhls „Vermessungswesen und Bodenordnung“ in der Abteilung Raumplanung auf den Dr.-Ing. Walter Seele berufen wurde.  In den Universitäts-Landschaften waren es ungemein bewegte Jahre, Stichwort Reformuniversität. Die Studentenschaft begehrte auf, die sogenannte 68-er Generation wollte alles selbst und alles anders machen. Studenten verlangten Projektarbeit anstelle von Vorlesungen. Drittelparität war in aller Munde. – Doch Professor Dr.-Ing Walter Seele hat erfolgreich darauf bestanden, daß Projektarbeit ohne Grundkenntnisse erfolglos bleiben muss. Politisch war damals das Thema „Planungswertausgleich“ relevant. Das richtungsweisende Gutachten für die Bundesregierung erstattete er 1976, erarbeitet mit Unterstützung seiner Assistenten, insbesondere Jörn Freise, Helmut Güttler, Wolfgang Kleiber, Hans-Otto Sprengnetter.

            1975 wechselte Walter Seele von Dortmund nach Bonn auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Bodenordnung und Bodenwirtschaft, den er bis 1989 innehatte. Hier ist nicht der Ort, seine reiche Lehr- und Forschungstätigkeit zu würdigen. Siehe dazu den Beitrag von Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter in der jüngsten zfv. – Walter Seele wirkte im DVW, in der Deutschen Geodätischen Kommission DGK, bei zahlreichen Aus- und Fortbildungsveranstaltungen, war Mitbegründer der Europäischen Fakultät für Bodenordnung in Straßburg – und nach seiner Pensionierung an der Technischen Universität Dresden. Hier sorgte er in den Jahren 1990 bis 1993 für die Verbreitung von Kenntnissen über die liegenschaftsverbundene Geodäsie und insbesondere die Bodenordnung in den sogenannten neuen Bundesländern.

             Das außerordentlich reiche Schrifttum von Walter Seele ist in der Reihe der Beiträge zu Städtebau und Bodenordnung, Schriftenreihe des Instituts für Städtebau, Bodenordnung und Kulturtechnik der Universität Bonn veröffentlicht; in den beiden umfangreichen Sammelbänden Band 14 unter dem Thema „Bodenpolitik in Vergangenheit und Gegenwart“ (1994) und Band 22 unter dem Thema „Bodenwert und Städtebau“ (2002).

            Zum Ehrenkolloquium am 26. September 2014 in Bonn war Ihr Redakteur eingeladen worden, die Laudatio zu halten – nach der Begrüßung vom Prodekan der Landwirtschaftlichen Fakultät Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter und vom Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Geodäsie und Geoinformation Prof. Dr.-Ing. Lutz Plümer. Im zweiten Vortrag sprach Professor Dr.-Ing. Franz Reuter, Schüler von Professor Walter Seele und Nachfolger in Dresden zum Thema: „Vergleichswertverfahren – Nonplusultra der Verkehrswertermittlung?“ – Der Jubilar hob in seiner Dankesrede u. a. hervor, wie Gemeinsinn und wohlverstandener Eigensinn (frei nach Kant) zu Führungseigenschaften gehören. Die zahlreich angereiste Kollegenschaft dankte Walter Seele mit stehenden Ovationen.

             Literaturhinweise: Lucht, Harald: Laudatio „Einblick in das Lebenswerk des universalen Geodäten Walter Seele“, Veröffentlichung vorgesehen für die Dezember- Ausgabe der Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung (mit weiterführender Literatur);  Kötter, Theo: Universitätsprofessor em. Dr.-Ing. Walter Seele zum 90. Geburtstag, in zfv Heft 5/2014 S. 345- 346;  Seele, Walter: Kritische Betrachtung zur Situation in der Bodenordnung, in zfv 1970 S. 431- 441, Seele, Walter: Vom Landmesser zum Landingenieur – zur Besinnung auf geodätische Aufgaben im Liegenschaftswesen und über die passende Lehre und Forschung, Kurzfassung in zfv 1986 S. 568 -572. Vollständiger Wortlaut in VR 1987 S. 1-16.

             Nachträge: Die Zs. VDVmagazin hat unseren Text in der neuesten Ausgabe für ihre Leser weitgehend übernommen, siehe dort (Jahrgang  2014)  S. 555-556 – Schüler, Mitherausgeber und Kollegen des Jubilars haben Walter Seele das Heft 5/2014 der Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung fub gewidmet – mit neun Aufsätzen zum Leitthema Quo vadis Bodenpolitik. –  Die vollständige Laudatio ist veröffentlicht in Heft 6/2014 der fub S. 241-247, siehe www.haraldlucht.eu/241_247_fub_6_14_Laudatio_Seele  . – 23.10. /20.12.2014/10.01.2015

 

 

537.   Museumsnacht in Dortmund – lebhaftes Interesse an historischer Vermessung

             Die 14. Dortmunder Museumsnacht fand bei sonnigem frühherbstlichen Wetter am Freitag, den 26. September statt. Wir vom Förderkreis haben wieder je zwei Vorführungen unter freiem Himmel und Führungen durch unsere Dauerausstellung angeboten. 

             Das Thema „draußen“ hieß „2000 Jahre Vermessung“. In einen kurzen Streifzug zeigte Ingo von Stillfried Instrumente zur Winkelmessung, Höhenbestimmung und Entfernungsmessung wie sie zu fünf Zeitstationen (Römerzeit, um 1650, um 1750, um 1850, um 1950) üblich waren. Und jeweils entsprechend kostümiert erläuterte er die Messmethoden und erzählte, welche Anforderungen aus dem gesellschaftlichen, politischen, kulturellem Umfeld an die Vermessung gestellt worden waren. Bei beiden Außenvorführungen wurde er professionell von seiner Tochter Nicola und Christian Heine tatkräftig unterstützt. – Bei den Außenvorführungen und bei den Abteilungsführungen waren in der Summe ca. 80 Personen anwesend, einige wenige haben das volle Programm besucht und sich draußen und drinnen beteiligt – eine erfreuliche Teilnehmerzahl, auch vor dem Hintergrund der insgesamt über 500 anderen Programmpunkte der Dortmunder Museumsnacht. Und offenbar waren die meisten Besucher ganz gezielt aus eigenem Interesse gekommen – und keine Fachleute. – 15.10.2014 

 

 

536.   INTERGEO Berlin – unser Messestand und die Vorträge zur Vermessungsgeschichte

             Die INTERGEO vom 7. – 9. Oktober 2014 rief und der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. aus Dortmund war auch in Berlin wieder professionell präsent. Nachdem allerdings sowohl Ingo von Stillfried wie ebenso Jürgen Lagoda krankheitsbedingt nicht mitwirken konnten, gebührt insbesondere unserem früheren langjährigem Geschäftsführer Klaus-Detlef Lehmann großer Dank, noch einmal die Stand-Organisation übernommen zu haben. Er wurde nun schon zum dritten Mal tatkräftig unterstützt von Dimitri Diener aus Hannover. Für den Transport aller Unterlagen danken wir ÖbVI Ingo Tiemann aus Dortmund, der uns lange in Tradition eng verbunden ist.

             Wie in allen Jahren gab es lebhaftes Interesse an unserer Arbeit – und zahlreiche Besucher, Vertreter der Fachverbände von DVW, VDV und BdVI. Mit Prof. Dr.-Ing Wolfgang Torge aus Hannover und Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht aus Bremen kamen auch ein ehemaliger Kuratoriumsvorsitzender und der ehemalige Präsident.

             Am Donnerstag, den 9. Oktober 2014 am frühen Nachmittag fanden zum Themenkreis Vermessungsgeschichte und Ausbildung drei hochinteressante Vorträge im Kongresszentrum statt.

             Zunächst sprach Dr.-Ing. Joachim Höpfner aus Potsdam über „Preußische Gradmessungsarbeiten im 19. Jahrhundert“. In seinem Vortrag referierte der langjährige Wissenschaftler aus dem GeoForschungsZentrum Potsdam ausführlich über die Entwicklungen in der Erdvermessung und bettete sie ein in die allgemeinen politischen Rahmenbedingungen insbesondere in Preußen, dort u. a. mit Hinweis auf die Selbstkrönung des Kurfürsten Friedrich III. in Königsberg zum König Friedrich I. „in“ Preußen. Fachlich einführend berichtete er in einer Tour d’Horizon über historische Vermessungen zur Bestimmung der Figur der Erde von Eratosthenes über die Arbeiten von u. a. Fernel, Snellius, Picard bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, als von Lindenau aus Gotha Struve und Tenner vorschlug, einen Gradbogen durch das westliche Rußland zu messen (seit 2005 als „Struvebogen“ UNESCO-Weltkulturerbe) und Bessel die Ostpreußische Gradmessung durchführte.  Joachim Höpfner wies hin auf die Gradmessungen von Schumacher und Gauß und erinnerte schließlich an die Gründung der Mitteleuropäischen Gradmessung 1862 unter Johann Jacob Baeyer – es war ein fakten- und kenntnisreicher Vortrag.

             Dipl.-Ing. Karl Heinz Nerkamp aus Hamburg berichtete über „Hamburger Vermessunggeschichte – eine zeitgemäße Aufarbeitung als Beitrag für die Aus- und Fortbildung“. Einleitend verortete der Geschäftsbereichsleiter Zentrale Dienste und stellvertretende Leiter des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung anhand des Organigramms des Betriebes jene Fachbereiche, für die heute und vor allem zukünftig die Dokumentation fachhistorischer Kenntnisse besonders wichtig sind – auch angesichts der Altersentwicklung der Mitarbeiterschaft  und in Erinnerung an die Worte Kierkegaards „Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, aber leben muss man es vorwärts“. Angestoßen ursprünglich 2009 u.a. durch eine Feststellung von Prof. Dr. Torge (Vermessungshistorisch sei Hamburg ein „weißer Fleck“) haben Karl Heinz Nerkamp und interessierte Mitarbeiter die Hamburger Vermessungsgeschichte aufgearbeitet und in Sonderheften der Mitarbeiter-Zeitschrift dokumentiert und veröffentlicht. So sind in den vergangenen Jahren entstanden die Sonderhefte 2009 zu Heinrich Christian Schumacher (vergl. unsere Mitt. Nr. 294) – Sonderheft 2010 zur Triangulation (Vergl. Mitt. 357) – Sonderheft 2011 zum Nivellement (vergl. Mitt. 385)  Sonderheft 2013 zur Photogrammetrie (vergl. Mitt. 469) und Sonderheft 2014 zur Geschichte des Liegenschaftskatasters in Alt-Hamburg 1845 – 1950 (vergl. Mitt. 511). Alle diese Sonderhefte sind im Internet unter „Hamburger Vermessungsgeschichte“ auf der Seite www.hamburg.de/bsw/bauenundwohnen/ nachlesbar. Weitere Sonderhefte sind geplant.

             Im dritten Nachmittagsvortrag referierte Dipl.-Ing. Frank Reichert aus Brandenburg zum Thema „Katasteraufnahme brandenburgisch-preußischer Städte um 1720/24“. Vom Moderator insbesondere begrüßt als der erste Eratosthenes-Preisträger des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum, ausgezeichnet seinerzeit 2001 bei der INTERGEO in Köln, schilderte Frank Reichert, wie seine Neugierde zu diesem Themenbereich durch einen kaum zitierten Aufsatz von Kurt Lips aus der AVN 1933 geweckt worden sei, Titel: „Die Kataster von 34 märkischen und pommerschen Städten aus den Jahren 1720 bis 1730“. Bekannt durch seine Intention zum Rückgriff auf Original-Quellen konnte der Vortragende eine ganze Reihe von Fotos von Katasteraufnahmen aus Archiven von brandenburgischen und auch hinterpommerschen Städten  zeigen, so u.a. von Fürstenwalde, Salzwedel, Cottbus, Kammin. Und zugehörige alte Instructionen u.a. eine „vor die Bau-Inspectores und Conducteurs bey Vermessung der Städte“ von 1724 mit Vorschriften zu Herstellung von Generalkarten, Spezialkarten und Plänen intra moenia (Stadtkarten 1:1000).  – Hier sei noch der Hinweis ergänzt auf die erste Katasteraufnahme der schwedischen Ingenieure in Vorpommern um 1700, vergl. Mitt. Nr. 288.

             Die Moderation hatte Ihr Redakteur und Berichterstatter in Vertretung für Ingo von Stillfried übernommen. Nach dem ausgiebigen Beifall für alle drei Vorträge dankte Harald Lucht als „Altpräsident“ den hochkarätigen Vortragenden im Namen des Förderkreises. Einmal mehr sei deutlich geworden, auch die Altvorderen haben in historischen Zeiten bewundernswerte Triangulationen und Detail-Vermessungen durchgeführt und die Ergebnisse genau ausgewertet und kartographiert. Die Kenntnis darüber sei Ansporn für uns heute und für die Zukunft. – 10.10.2014

 

 

535.   Katasterkarten – Von der handgezeichneten Alt-Karte zur digitalen Quelle

             Am Mittwoch, den 22. Oktober 2014 ab 9 Uhr lädt LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum in Kooperation mit dem Katasteramt Wesel zu einem besonderen Seminar ein.         

             Handgezeichnete und häufig zudem kolorierte Altkarten üben auch auf die breitere Öffentlichkeit einen besonderen Reiz aus, stellen aber für die Verantwortlichen in Archiven, Bibliotheken und Museen eine zusätzliche Herausforderung dar. Nicht nur ihr sperriges Format, sondern auch die Bewertung, inhaltliche Erschließung und Nutzbarmachung lassen Fragen aufkommen, die in der normalen Ausbildung nur selten vertieft beantwortet werden. Speziell die unikalen, großmaßstäbigen Katasterkarten gelten jedoch als unverzichtbare Quellen für vielfältige raumbezogene Forschungsfragen, gerade auch im nahörtlichen Bereich.
             Der Einsatz der Informationstechnologien im Bereich des kartografischen Materials erzeugt zusätzlichen Fortbildungsbedarf, denn auch die Altkarten müssen mit den digitalen Darstellungen im aktuellen Angebot verglichen werden, und die modernen Katasterämter sowie andere kartografische Instanzen verfertigen „Born Digitals“. Eine besondere Fragestellung gilt der Genauigkeitsuntersuchung des analogen Materials und damit der Zuverlässigkeit der überlieferten Informationen.
              Das Seminar ermöglicht auch einen Einblick in den Altbestand analoger Karten im Katasteramt Wesel und in den Arbeitsplatz eines Katasteramtes.

             Der Leiter des Katasteramts Wesel, Norbert Witte  und  Dr. Hanns Peter Neuheuser, M.A. LVR-AFZ  werden zu Beginn Einführungen geben. Weitere Dozenten mit  einer Reihe von Kurzvorträgen sind u. a. Dipl.-Ing. Klaus Eßmann, Dipl.-Ing. Heinz-Jürgen Lagoda, Prof. Dr. phil. Joachim Neumann, Wachtberg, Der Präsident unseres Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, Universität Duisburg-Essen wird den Reigen der Vorträge mit einer Genauigkeitsanalyse großmaßstäbiger Manuskriptkarten des Klevischen Katasters abrunden.            

             Veranstaltungsort ist das Kreishaus Wesel, Reeser Landstraße 31, 46483 Wesel (Entgelt 40€ eingeschlossen Tagungsunterlagen, Pausengetränken und Mittagsimbiss). Siehe auch www.afz.lvr.de und dort unter Fortbildungen. Anmeldung erbeten unter

Anmeldung für das Seminar "Katasterkarten" (PDF, 133 KB)   - 04.10.2014

 

 

534.   INTERGEO Berlin – präsentierte  Vermessungsgeschichte

             Der  Förderkreis Vermessungstechnisches Museum  e.V.  in Dortmund präsentiert sich  auch wieder bei der INTERGEO  Berlin vom 7. bis 9. Oktober.  Auf dem Stand A 2064 in unmittelbarer Nachbarschaft  des DVW/ÖVA und unweit des Verbändeparks wird unser langjähriger Geschäftsführer Klaus-Detlef Lehmann zusammen mit Dimitri Diener den Besucherinnen und Besuchern der INTERGEO Informationen über unsere Arbeit geben. Neben Schriften aus unserer Schriftenreihe wird ebenso das repräsentative neue Museumshandbuch zum Messepreis angeboten werden.

             Am Donnerstag, den 9. Oktober 2014 am frühen Nachmittag von 14:00 Uhr bis 15:30 Uhr sind drei hochinteressante Vorträge im Kongresszentrum Raum London 3 zu erwarten:

14:00 Uhr  Dr.-Ing. Joachim Höpfner aus Potsdam:  Preußische Gradmessungsarbeiten im 19. Jahrhundert

14:30 Uhr  Dipl.-Ing. Karl Heinz Nerkamp aus Hamburg: Hamburger Vermessunggeschichte – eine zeitgemäße Aufarbeitung als Beitrag für die Aus- und Fortbildung

15:00 Uhr  Dipl.-Ing. Frank Reichert aus Brandenburg: Katasteraufnahme brandenburgisch-preußischer Städte um 1720/24.

             Die Moderation wird vertretungsweise Ihr Redakteur Harald Lucht aus Bremen übernehmen. Die Vortragenden werden uns in höchst-lebendiger Weise vermessungshistorische Highlights nahebringen. –  30.09.2014

 

 

533. Kurfürstliche Koordinaten – ein Beitrag von Frank Reichert aus Sachsen

             Seit der Mitte des 16. Jahrhundert erfüllte die „amtliche Kartographie“ in Kursachsen eine zentrale Funktion: Landesherren förderten kartographische Aktivitäten und veranlassten systematischen Aufnahmen des Landes und des Territoriums, das es zu beherrschen galt. Getragen wurde diese Entwicklung von Geodäten und Kartographen wie Georg Öder II. und Georg Öder III., die durch ihre Aktivitäten die Vermessungskartographie als eigenständige  Disziplin  etablierten und professionalisierten.

             Unser Eratosthenes-Preisträger Frank Reichert ist in seinen vermessungshistorischen Forschungen der Entstehungsgeschichte der überaus zahlreich erhaltenen großmaßstäbigen Manuskriptkarten im Kurfürstentum Sachsen nachgegangen. Initiator war damals der sächsische Kurfürst August I. Neben anderen verkörperte insbesondere Georg Öder der Jüngere als Markscheider die hochentwickelte Vermessungskunst im erzgebirgischen Bergbau. Frank Reichert hat die damaligen Entwicklungen durch intensives Literatur- und Quellenstudium nachgezeichnet, insbesondere durch ergänzende Recherchen in den Stadt- und Staatsarchiven von Annaberg-Buchholz, Dresden, Aussig und Prag.

             In dem Beitrag von Frank Reichert „Die kurfürstlich-sächsischen Markscheider Georg Öder die Jüngeren sen. und  jun.“ zeichnet  er deren Biographien, die damaligen Lebens- und Schaffensverhältnisse und ihr Wirken für die Vermessungskartographie nach. Der hochinteressante Beitrag ist enthalten in dem kürzlich von Ingrid Baumgärtner unter Mitarbeit von Lena Thiel herausgegebenen umfangreichen Werk Ingrid Baumgärtner (Hrsg.), Fürstliche Koordinaten. Landesvermessung und Herrschaftsvisualisierung um 1600 (Schriften des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde 46), Leipziger Universitätsverlag: Leipzig 2014., dort auf den Seiten 149 bis 185.  – 25.09.2014

 

 

532. Kunst und Kartographie in Wangen im Allgäu

             Johannes Andreas Rauch (1575-1632) – Kunst und Kartographie“  ist der Titel einer Ausstellung in Wangen im Allgäu, die noch bis zum 19.10. 2014 im Stadtmuseum Eselsmühle zu sehen  ist. Rauch war ein hochtalentierter Feldmesser und bediente sich damals modernster technischer Hilfsmittel zur Berechnung und maßstabsgetreuen Darstellung von Ortschaften, Geländeformationen, Gebietsgrenzen oder Wegenetzen.

             Die Verbindung von Technik, Wissenschaft und Kunst führte zu einer Kunstgattung „Kartengemälde“, wie sie mit der Wangener Stadttafel (1611) und der Landtafel Wangen (1617) von Rauch in herausragender Weise beherrscht wurde. Die Ausstellung zeigt weitere Werke, denn durch sein umfangreiches Wissen in den Bereichen Geometrie und Vermessungswesen sowie sein großes Talent zur bildlichen Wiedergabe schaffte sich Rauch schnell einen Ruf als begabter Kartenmaler. Ein Begleitprogramm über Wanderungen, Führungen und Vorträge zeigen die Vielfalt von Rauchs Wirken und runden eine sehenswerte Ausstellung ab.

             „Unser Förderkreis steuerte mit der Vorlage unseres Jakobsstabs einen Nachbau bei“, berichtete unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried.  Weitere Informationen unter www.amv-wangen.org/museen  . – 21.09.2014

 

 

531.   2.000 Jahre Vermessung – Vorführung des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V.

             Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum zeigt im Rahmen der Dortmunder Museumsnacht am  Samstag, 27. September 2014, 16:00 bis 16:45 Uhr und 18:00 bis 18:45 Uhr historische Vermessungsinstrumente.  Ingo von Stillfried wird auf dem Platz von Amiens beim Museum für Kunst und Kulturgeschichte im historischen Kostüm originale Messinstrumente aus der Sammlung des Vermessungstechnischen Museums im Messeinsatz zeigen.

             Bereits in der Antike sind Menschen in ferne Länder gereist. Wie haben sie sich vor der Erfindung der Satellitentechnik orientiert? Mit Instrumenten des Vermessungswesens! Einige Beispiele von der Antike über die Renaissance bis zur Neuzeit werden vorgeführt. Dabei werden auch die Anforderungen erläutert, die von Gesellschaft und Politik an die Vermessungsingenieure gestellt wurden. – 16.09.2014

 

                 

530. Professor Erich Weiß zur Vollendung des 75. Lebensjahres

             Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund gratuliert Universitäts-Professor Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Erich Weiß zur Vollendung seines 75. Lebensjahres am 13. September 2014. Seit 1996 wirkt er im Vorstand des Förderkreises als Zweiter Vorsitzender und zugleich als Vertreter des DVW. In der jüngsten Mitgliederversammlung 2014 gab er gerne seinen Vorsitz in jüngere Hände, blieb aber dem Vorstand weiterhin als Beisitzer erhalten (Vergl. Mitt. Nr. 509).              

             Geboren in Halle an der Saale besuchte er die Oberschule Wolmirstedt bei Magdeburg. Gegen Ende seiner Gymnasialzeit und nach Schwierigkeiten in der DDR – sein Sinn stand anders als der jener damaligen dortigen Machthaber – wechselte er an der Sophie-Scholl-Oberschule in Westberlin-Schöneberg, dort erhielt er das Abitur 1959. Es folgte das Studium der Geodäsie in Bonn, Diplomarbeit bei Prof. Dr.-Ing. H. Wolf. In Bonn wurde Erich Weiß 1968 promoviert mit dem Thema „Ein Beitrag zur Geometrie der Refraktion“.

             Seit dem 1.12.1966 wirkte er nach der Referendarausbildung in der Flurbereinigungsverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen.1976 wurde Erich Weiß zur Oberen Flurbereinigungsbehörde, dem Landesamt für Agrarordnung Nordrhein-Westfalen in Münster als Fachaufsichtsdezernent versetzt, nachdem er zuvor auch als technischer Sachverständiger in städtischen Umlegungsausschüssen mitwirkte (Bornheim, Erftstadt). Vor dem Hintergrund seiner breiten Berufstätigkeit war es nur natürlich, Erich Weiß zum Prüfer beim Oberprüfungsamt für die höheren technischen Verwaltungsbeamten (OPA) für die Prüfungsfächer Ländliche Neuordnung, Landesplanung und Städtebau zu bestellen – und bereits seit dem 1. 1.1977 hatte er einen Lehrauftrag an der Landwirtschaftlichen Fakultät der  Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn über „Besondere Probleme der Flurbereinigung“. Es folgten Berufungen in  den AK Ländliche Neuordnung der Deutschen Geodätischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften (DGK), in den AK Liegenschaftskataster und Flurbereinigung des DVW und in den  Ausschuss Planung und Technik der AG Flurbereinigung des Bundes und der Länder – schließlich wurde er 1988 Leiter  des Amtes für Agrarordnung in Siegburg.

             Zum 1. 7. 1990 wurde Erich Weiß als Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft an der Universität Bonn berufen und zugleich zum Mitdirektor des dortigen Instituts für Städtebau, Bodenordnung und Kulturtechnik bestellt – eine besonders ehrenvolle Aufgabe in der Nachfolge von Professor Dr.-Ing. Walter Seele. Diese Aufgabe hat er bis 2005 wahrgenommen. Er wurde 1993 Ordentliches Mitglied der DGK.

             In jener Zeit nach der Wiedervereinigung hat er sich zusätzlich sehr für den Wiederaufbau eines Liegenschaftswesens nach westlicher Bodenverfassung in den neuen Bundesländern eingesetzt. Er nahm von 1991 bis 2001 einen Lehrauftrag an der Universität Rostock, Agrarwissenschaftliche Fakultät wahr „Grundzüge des Liegenschaftswesens“ und zusätzlich einen gleichlautenden Lehrauftrag an der Universität Halle-Wittenberg. Wie gefragt sein fachlich fundierter Rat war und ist wird deutlich aus der Berufung in mehrere Gutachterausschüsse und den Oberen Gutachterausschuss für Grundstückswerte in NW. Die Ehrendoktorwürde wurde Erich Weiß verliehen von den Universitäten Rostock (1998) und Vilnius/Litauen (2001).

             In welchem Umfang der Jubilar neben seinem o. a. breiten Engagement auch vermessungshistorisch forschte und veröffentlichte wird aus den Mitteilungen auf dieser Seite deutlich, besonders hingewiesen sei auf Mitt. Nr.

496.   200 Jahre Entwicklungen zur heutigen  Landwirtschaftlichen Fakultät der UNI Bonn

440.   Erinnerungen an Hermann Ascher – Präsident der Königlich-Preußischen Generalkommission zu Münster von 1893 bis 1919

401.   Franz Adickes, ein großer Bodenordner – und Bürgermeister in Dortmund, Altona und Frankfurt am Main

318.   6 Jahrzehnte Flurbereinigungsgesetz

274.   200 Jahre Preußische Städteordnung.

             Erich Weiß ist einer der Väter des vom Förderkreis ausgelobten Eratosthenes-Preises und wirkte und wirkt zukünftig weiter als Hauptverantwortlicher für unsere alle drei Jahre stattfindenden Symposien zur Vermessungsgeschichte. Wir schätzen uns glücklich, wie er im Vorstand unseres Förderkreises tatkräftig mitwirkt. Wann immer wissenschaftliche Fragestellungen zu beurteilen und zu entscheiden waren, beförderte er in seiner kompetenten und überlegenen Art umsetzbare Lösungen.  – 11.09.2014

 

 

529.  Direktor Wolfgang E. Weick im Ruhestand

              Der Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund  Wolfgang E. Weick wurde am 25.8.2014 offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V. war und ist ihm in besonderer Weise verbunden. In der Mitgliederversammlung dieses Jahres war Wolfgang E. Weick mit der Ehrenmedaille geehrt worden (Siehe Mitt. Nr. 509 und Seite Ereignisse dieser Homepage).

             In einer besonderen Feierstunde eröffnete Oberbürgermeister Ullrich Sierau den Reigen vieler Laudationes mit der Feststellung, daß die Besonderheit der Dortmunder Museumslandschaft darin bestehe, viele kleine Museen an den Rändern der großen landläufigen Themen zu haben. Herr Weick habe diese alle unter einem gemeinsamen Dach zur Geltung gebracht. OB Ulrich Sierau erwähnte exemplarisch die Abteilung Vermessungsgeschichte und deren Förderkreis, der durch seine internationalen Verbindungen die Dortmunder Museumslandschaft auch nach Europa trägt.  Nach Worten des Kulturdezernenten und Kämmerers Jörg Stüdemann schloss sich der frühere Vorgänger von Herrn Weick und langjähriger Ex-Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer mit persönlichen Worten an. Der erste Vorsitzende unseres Förderkreises Ingo von Stillfried dankte Direktor Weick für die fast 25jährige sehr gute Zusammenarbeit, sein stets offenes Ohr für unsere Angelegenheiten und die vielen Aktionen im Zusammenhang mit der Präsentation der Vermessungsgeschichte. Den Untertitel „4000 Jahre Vermessungsgeschichte“ verpachtete er als Präsent in zwei „Zollstöcke“ zu je „2000 Jahre Kulturgeschichte“ und „2000 Jahre Malerei“.

             Nach dem offiziellen Teil haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen bunten Nachmittag organisiert. In der kommenden Interimszeit übernimmt zunächst die derzeitige stellvertretende Leiterin Frau Dr. Gisela Franke die Leitung des MKK. – 01. 09. 2014

 

 

 

528.   Ehrenkolloquium  für Professor Seele

             Aus Anlaß der Vollendung des 90. Lebensjahres von Dr.-Ing. Walter Seele, emeritierter Universitätsprofessor in Bonn, laden die Professur für Städtebau und Bodenordnung und das Institut für Geodäsie und Geoinformation der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zu einem Ehrenkolloquium ein. Walter Seele hat seit den 60-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die wesentlichen Leitlinien der hoheitlichen Bodenordnung und der wissenschaftlich begründeten Grundstückswertermittlung in der Praxis ebenso wie in Forschung und Lehre begründet und national wie international vertreten.

             Nach Begrüßungen durch den Prodekan der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität, Prof. Dr.-Ing. Theo Kötter und den Geschäftsführenden Direktor des Instituts für Geodäsie und Geoinformation Prof. Dr.-Ing. Lutz Plümer ist der Redakteur dieser Seite, früherer Vorsitzender der Fachkommission „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ im Deutschen Städtetag (1985 bis 1999) gebeten, die Laudatio zu halten: „Einblick in das Lebenswerk des universalen Geodäten Walter Seele“. Prof. Dr.-Ing. Franz Reuter hält den anschließenden Festvortrag „Vergleichswertverfahren – Nonplusultra der Verkehrswertermittlung“. Ein Empfang beschließt das Ehrenkolloquium.

              Die Veranstaltung findet statt am Freitag, 26. September 2014 um 16:00 Uhr c.t. im Hörsaal XVI des Instituts für Geodäsie und Geoinformation der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, Nußallee 17. Um Anmeldung wird gebeten bis zum 10.09.2014 an Frau Ilona Eggers Email ieggers@uni-bonn.de .  – 26.08.2014  

 

 

527.   17. Katographiehistorisches Colloquium in Eichstätt

             Uns erreichte kürzlich die Einladung zum 17. Kartographiehistorischen Colloquium in Eichstätt. Einladende sind die Kommission Geschichte der Kartographie, die  D-A-C-H – AG deutscher, österreichischer und schweizer Kartograpiehistoriker  und der Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Katholischen Universität Eichstätt. Das Colloquium wird veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, vom Do 9. – Sa 11. Oktober 2014 (in unmittelbarer,  teilweise überschneidender Nachbarschaft zur INTERGEO in Berlin). In dem reichen Vortragsprogramm mit internationalen Vortragenden sind 18 spannende 30-Minuten Vorträge angekündigt u.a. vom neugewählten Präsidenten unseres Förderkreises Prof. Dr. Peter Mesenburg aus Essen (Karten als Grundlage gerechter Besteuerung – Zur Genauigkeit des Klevischen Katasters 1732-1738), von unserem Eratosthenes-Preisträger 2011 Dr. Martin  Rickenbacher aus Bern (Kartenherstellung als Vorwand: Die „Amerikanerbefliegung“ der Schweiz von 1946) und von Prof. Dr. Joachim Neumann aus Wachtberg (Die kartographische Bearbeitung der Karten der Schedelschen Weltchronik 1493). Ein umfangreiches Rahmenprogramm läuft bereits ab Mi 8. Oktober. Anmeldungen bis zum 15. 9. über Dr. Markus Heinz,  E-Mail kartographiegeschichte@sbb.spk-berlin.de .  – 12.08.2014

 

 

526.   Längengrad – Eine Sonderausstellung im National Maritime Museum in Greenwich

             Es ist wohl über 15 Jahre her, da begeisterte das Buch von Dava Sobel „Längengrad“ auch manchen Vermessungsingenieur und Geodäten. Das Buch erzählt die Geschichte des unbekannten schottischen Uhrmachers John Harrison (1693 – 1776), der über 40 Jahr wie besessen daran arbeitete, einen Schiffahrts-tauglichen Chronometer zu bauen, um damit das Problem der Längengradbestimmung auf hoher See zu lösen.

             Anlässlich eines 300-Jahre-Rückblicks auf den Longitude Act des britischen Parlaments vom Juli 1714 zeigt das National Maritime Museum in Greenwich/London die umfangreiche Sonderausstellung „Ships, Clocks & Stars“ vom 11. Juli 2014 bis 4. Januar 2015. Wer von den geodätischen und astronomischen Historikern schon immer mal die berühmten Uhren H1 bis H5 (1713-1773) von John Harrison in einem Raum und in Aktion erleben möchte, dem sei ein Besuch dieser Ausstellung empfohlen. Die legendären Harrison-Chronometer bilden die messtechnischen Höhenpunkte, die seinerzeit das Problem einer brauchbaren Uhrzeit- und damit Längengradbestimmung auf hoher See lösten. Die langjährigen Streitereien um das damals ausgesetzte Preisgeld des Board of Longitude wird in der Ausstellung ebenfalls ausführlich dokumentiert. Selbst König Georg III von England gewährte Harrison eine Audienz. – Daneben wird auch die Lösung der Längengradbestimmung durch Tobias Mayer mit Hilfe von präzisen Mondtabellen 1752 gewürdigt.

             Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen (www.rmg.co.uk).

Quellen: Mitteilung von Manfred Spata über den Besuch der Ausstellung, Dava Sobel: „Längengrad“ Taschenbuchausgabe btb im Goldmann Verlag ISBN3-442-72318-3. – 05.08.2014   

 

 

525.   Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für Klaus Meyer-Dietrich

             Schon seit der Gründung 1975 unseres Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund wirkt Dipl.-Ing. Klaus Meyer-Dietrich für die Pflege der Vermessungsgeschichte  – und seit über 20 Jahren aktiv im Kuratorium. Wir durften sein Wirken stets als eine wesentliche Unterstützung unserer Arbeit und als  immer wieder auch gerne gegebene Hilfe empfangen – persönlich, mit seinem fachlichen Rat und in seinen zahlreichen Ämtern im Verband Deutscher Vermessungsingenieure VDV.

             Umso mehr haben wir mit großer Freude von der Ehrung  des Bundespräsidenten mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für Klaus Meyer-Dietrich erfahren und gratulieren herzlich. Es ist die höchste Auszeichnung, die für ehrenamtliche  Tätigkeiten verliehen werden kann.  Unsere besten Wünsche hat unser stellvertretender Kuratoriums-Vorsitzender Dr.-Ing Hartwig Junius übermittelt, in einer Feierstunde mit  zahlreichen Ehrengästen

            Klaus Meyer-Dietrich, seit 1988 Vizepräsident des VDV, hat sich in den langen Jahren seines Wirkens für den VDV nicht nur dort, sondern daneben mit seinem sozialen und auch politischen Wirken große Verdienste um das Gemeinwohl erworben.

             Überreicht wurden die Ordensinsignien von der Landrätin Eva Irrgang am 23. Juli 2014 in der Villa Plange in Soest. Im Kreise vieler Kollegen und Mitstreiter und natürlich der ganzen Familie lobte Frau Irrgang die zahllosen ehrenamtlichen Engagements von Klaus Meyer-Dietrich. Präsident des VDV Dipl.-Ing. Wilfried Grunau hob in seiner Laudatio hervor: „Unsere Gesellschaft ist nach wie vor auf Menschen angewiesen, die über die tägliche Pflichterfüllung hinaus eigene Interessen zurückstellen, um sich dem Gemeinwohl zu widmen. Das aber habe Klaus-Meyer Dietrich beispielhaft  geleistet. Mit dieser erneuten Auszeichnung würdigt der Bundespräsident das außergewöhnliche überragende Engagement eines Mannes, der sein ganzes Leben auf die ehrenamtliche Arbeit für das Gemeinwohl ausgerichtet hat. Und dies alles auch trotz erheblicher gesundheitlicher Einschränkungen“. Und Präsident Grunau ergänzte, diese enorme Leistung werde nur möglich mit sehr viel Herzblut und der Unterstützung seiner Familie. Abschließend  bedankte sich der Ordensträger für die Ehrung und resümierte ein wenig sein eigenes Engagement und deren Motivation.

             Ihr Redakteur kann aus eigenen vielfachen Gesprächen mit dem Geehrten hinzufügen, die Begegnungen mit Klaus Meyer-Dietrich waren stets in besonderem Maße fruchtbringend.  Andererseits hat er jedoch über sein weites berufliches und ebenso engagiertes soziales Engagement  selten gesprochen, wirkte lieber aktiv im Hintergrund – eine besondere  Persönlichkeit in zugleich großer persönlicher Ausstrahlung. – 24.07.2014

 

524. Konrad Peters verstarb im Alter von 92 Jahren

             Dipl.-Ing. Konrad Peters aus Münster, Gründungsmitglied unseres Förderkreises, verstarb am 5. Juli 2014 in Fieberbrunn in seiner „zweiten Heimat“ Tirol. Er hat gerne und über viele Jahre insbesondere praxisnahe  Vermessungsgeschichte erforscht und weitergegeben.

             Konrad Peters hat in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt mehr als 60 wertvolle Veröffentlichungen zur Vermessungsgeschichte verfasst. Allein 4 Bände unserer Schriftenreiche stammen aus seiner Feder. Darüber hinaus hatte er sich professionell dem Nachbau von Messgeräten aus dem Altertum gewidmet. In zahlreichen Ausstellungen wurden seine Arbeiten gezeigt und gewürdigt und im WDR-Fernsehen sind Beiträge von ihm und über ihn gesendet worden (VDVmagazin 2012 S. 75). Und über das Logo unseres Förderkreises, das geometrische Quadrat und dessen Geschichte hat Konrad Peters vor wenigen Jahren in großer Klarheit berichtet (Der Vermessungsingenieur 2002 S. 181).

             Geboren am 24. Oktober 1921 in Münster/Westfalen, gehört Konrad Peters zu den Jahrgängen, die in ihrer Jugend – bedingt durch den Zweiten Weltkrieg – schwerste Zeiten durchleben mußten. Mitten im Studium an der Staatsbauschule Frankfurt a.M. wurde er 1941 im Wehrdienst eingezogen und geriet 1945 in russische Kriegsgefangenschaft.

             Als „Spätheimkehrer“ zunächst Arbeiter bei der Bundesbahndirektion Münster, folgte Studium und  Examen an der Staatsbauschule in Frankfurt a. M., 1956 Ernennung zum technischen Bundesbahninspektor. 1972 zur Bundesbahndirektion Essen versetzt, war er insbesondere in der Ingenieurvermessung tätig. Sein vielseitiges Können  führte ihn zu besonderen Einsätzen u. a. bei der Elektrifizierung im Raum Kassel, der Bahnhochlegung in Oldenburg, selbst zu einem kurzzeitigen Sondereinsatz beim Eisenbahnbau in Argentinien. Er wirkte als Ausbildungsleiter und als Lehrer an der Bundesbahnfachschule. 1983 pensioniert, ist er als Bundebahnamtsrat „im Unruhestand“ weiterhin vielseitig aktiv geblieben. Vergl. dazu auch unsere Mitt. Nr. 283 und Nr. 408.

             Dem Förderkreis war Konrad Peters seit seiner Gründung eng verbunden. 2009 haben wir ihn für seine großen Verdienste um die Vermessungsgeschichte mit der Ehrenmedaille unseres Förderkreises geehrt. Wir gedenken seiner in tiefer Dankbarkeit. – 16.07.2014

 

 

523.  Vor 80 Jahren – Neuordnungsgesetz von 1934 in Kraft.
             Das Gesetz über die Neuordnung des Vermessungswesens trat am 3. Juli 1934  in Kraft. Es bestimmte das Vermessungswesen zur Reichsangelegenheit und war ein Rahmengesetz mit nur 5 Paragraphen. Das Gesetz wurzelte in den Vorstellungen des  Reichsbeirats für das Vermessungswesens aus den 20-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts – und war auch „ein Kind seiner Zeit“ (Kurandt, ZfV 1959 S. 177). Es entsprach dem Zeitgeist, ohne deshalb NS-Ideologie zu verkörpern.

             Wir haben in unserer Mitt. Nr. 41 ausführlich darüber berichtet und u.a. auch das Wirken der AdV im Sinne der Einheitlichkeit im Vermessungswesen der Bundesrepublik gewürdigt. – Vergl. dazu auch unsere Mitt. Nr. 259. Wir dürfen auf beide Mitteilungen verweisen. Und aus heutiger Sicht daran denken, wie IT, Internet und Globalisierung auch die Vermessungswelt verändert haben –  zu erspüren bei jeder INTERGEO.  – 06.07.2014 

 

 

522.   Auf den Spuren der Landesvermessung in Berlin und Brandenburg

             Der DVW Berlin-Brandenburg e.V. hat in Kooperation mit dem Landesbetrieb Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB) eine Broschüre zum Thema „Auf den Spuren der Landesvermessung in Berlin und Brandenburg“ veröffentlicht.  Die Region Berlin-Brandenburg zeichnet sich durch eine Vielzahl von herausragenden, geodätisch-historischen Orten aus, die einen Besuch lohnen, wenn nicht sogar einen Pflichtbesuch für jede Geodätin und jeden Geodäten darstellen.

             Die Broschüre informiert zu 17 bedeutsamen Orten und stellt jedes Thema mit Hintergrundinformationen und zahlreichen anschaulichen Bildern vor. U.a. wird über die Geschichte des Geodätischen Instituts auf dem Potsdamer Telegrafenberg, die Standardbasis Potsdam von 1931 sowie die großen Geodäten Johann Jacob Baeyer, Friedrich Robert Helmert und Friedrich Gustav Gauß berichtet - siehe auch unsere Mitt. Nr. 101. – Natürlich werden auch das im Land Berlin noch „aktive“ Soldnersystem Müggelberg, der deutsche Fundamentalpunkt Rauenberg, der Preußische Normal-Höhenpunkt 1879 sowie der deutsche Normalhöhenpunkt 1912 in Hoppegarten behandelt. Ein Beitrag über Meilensteine als Denkmale der Vermessungsgeschichte rundet die Broschüre thematisch ab.

             Die Broschüre wurde gleichzeitig als Fachpublikation und geodätischer Reiseführer konzipiert. Sie soll anregen, sich regional auf die Spuren der Landesvermessung zu begeben, und verdeutlicht gleichzeitig die Leistungen der Geodäsie in der Region und den Wandel der Landesvermessung in den letzten 150 Jahren.

             Das Layout der 64-seitigen Broschüre (DINA4, gebunden) wurde im Rahmen der Geomatik-Berufsausbildung an der LGB erstellt; die Broschüre kann bei der LGB bezogen werden.  Quelle: www.dvw.de/dvw-seite/herzlich-willkommen-auf-homepage-des-DVW

28.06.2014

 

521.   Sonderausstellung im Archäologischen Park Xanten

             In der Römerstadt Xanten im „Archäologischen Park Xanten“ (AXP) wird derzeit eine Sonderausstellung gezeigt mit dem Thema „An den Grenzen des Reiches - Grabungen im Xantener Legionslager am Vorabend des Ersten Weltkrieges“, gestaltet vom Landschaftsverband Rheinland / RömerMuseum. Der Erste Vorsitzender unseres Förderkreises Ingo von Stillfried hat zusammen mit seiner Frau an der Eröffnung am 16. Mai teilgenommen. Er berichtet, wie hervorragend die Ausstellung veranschaulicht, wie vor 100 Jahren Grabungen stattgefunden haben und wie sie dokumentiert wurden.

            Die Ausstellung lädt dazu ein, ins Jahr 1914 zurückzuspringen und mit dem Blick der Wilhelminischen Kaiserzeit das Legionslager Vetera auf dem Fürstenberg bei Xanten kennenzulernen. Kaiser Augustus stationierte in diesem Lager um 12 vor Christus Teile seiner Truppen, die von hier aus die Offensive ins freie Germanien starteten. Nach der verheerenden Niederlage im Teutoburger Wald und der Festlegung des Rheins als Grenze des Reiches wurden auf dem Fürstenberg zwei Legionen mit ungefähr 10.000 Soldaten fest stationiert. Durch diese große Zahl an Legionären blieb Vetera ein zentraler Schauplatz römischer Machtausübung. Näheres siehe http://www.apx.lvr.de/roemermuseum/veranstaltungenmuseum/aktuell.htm

             Der Förderkreis unterstützt die Sonderausstellung mit einigen Exponaten, um insbesondere die vermessungstechnische Dokumentation greifbar zu machen. Besonders bemerkenswert dabei ist, daß zwei Objekte, die auf 100 Jahre alten Fotos zu sehen sind, baugleich auch als Exponat wiederzufinden sind. Im Hinblick auf das Drama des Ersten Weltkrieges – der vor 100 Jahren begann –  wird auch sehr eindrucksvoll gezeigt, wie sich die damals verantwortlichen Menschen gefühlt haben müssen, unmittelbar nach der Entdeckung eines ganz wesentlichen Fundes sofort die Grabungen aufgrund der Kriegserklärung einstellen zu müssen – und die Grabungsstätte wieder zu verfüllen! Diese kleine Sonderausstellung, deren Besuch neben dem Besuch des AXP unbedingt lohnend ist, läuft noch bis zum 7. September 2014. – 18.06.2014

 

 

520.   12. Symposium für Vermessungsgeschichte, Ehrungen und Mitgliederversammlung im Spiegel der Fachpresse – Symposium 2017 zu Helmert.

             Das 12. Symposium für Vermessungsgeschichte in Dortmund und die Mitgliederversammlung des Förderkreises hat in der Fachpresse ein lebhaftes Echo mit gefunden, auch zahlreiche Fotos sind veröffentlicht worden. So im VDVmagazin 2/2014, Seiten 170 bis 174 (Förderkreis-Nachrichten 1/2014 http://www.vermessungsgeschichte.de/Nachrichten_1_2014.pdf ). In der Zeitschrift Allgemeine Vermessungsnachrichten avn: Witte, B.: Verleihung des Eratosthenes-Ehrenpreises 2013 an Herrn Professor Dr.-Ing. Wolfgang Torge, dort Seiten127 – 128. In der Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement zfv: Lucht, H.: 12. Symposium für Vermessungsgeschichte und Eratosthenes-Ehrenpreis für Professor Torge zfv 2/2014, dort in DVW-Nachrichten Seiten n-29 – n-30 und Förderkreis-Bericht über die Mitgliederversammlung in zfv 3/2014 dort in DVW-Nachrichten Seiten n-42 – n43. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 508 und 509 und eine Fotokollage auf der Seite Ereignisse dieser Homepage.

             Ihr Redakteur ist dankbar für Hinweise auf  weitere Fundstellen (an harald.lucht@t-online.de).

             Die Planungen für das 13. Symposium für Vermessungsgeschichte 2017 sind angelaufen. Das Symposium soll an das Wirken von Friedrich Robert Helmert erinnern, 100 Jahre nach seinem Tod. Helmert hatte die Geodäsie als eigenständige wissenschaftliche Disziplin Ende des 19. Jahrhunderts begründet. – 05./08.06.2014

 

 

 

519.   Erinnerungen an Professor Günter Hübner aus Berlin

             Es war 1973 in Stuttgart, als Ihr Redakteur erstmals als Vertreter Bremens an einer Sitzung des Fachausschusses Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Deutschen Städtetag und einer Tagung der Länderarbeitsgemeinschaft  AdV teilnahm und Günter Hübner  kennenlernte. Prof. Günter Hübner aus Berlin und Erster Baudirektor Walter Reek (1910 – 1978)  aus Hamburg begrüßten den Nachfolger von Direktor Bertold Erxleben (1908 – 1996) aus Bremen in der Runde der Stadtstaatenvertreter  – ein „erlauchter Kreis“, wie er in beiden Gremien personenidentisch in den kommunalen und Landesaufgaben  traditionell etabliert war.

             Günter Hübner blickte damals schon auf eine lange erfolgreiche Karriere in der Senatsverwaltung im damaligen Westberlin zurück. Geboren am 4. April 1914 in Berlinvor 100 Jahren  absolvierter er nach dem Abitur  in der schwierigen Zeit der Weltwirtschaftskrise 1932 eine Vermessungstechnikerlehre und legte 1938 seine Diplomhauptprüfung ab. Im Krieg schwer verwundet, konnte er die Referendarzeit mit der Assessor-Prüfung 1943 abschließen. „Er gehörte weder der NSDAP noch eine ihrer Gliederungen an und übernahm 1945 als Amtsleiter das Katasteramt in Beeskow/Mark“, schreibt Dr. Friedrich Rokahr in seinem Nachruf 2002. Stationen seines Dienstes für Berlin waren ab 1950 die Leitung des Vermessungsamtes in Schöneberg,  Wechsel 1954 in die Senatsbauverwaltung des Stadtstaats; er wirkte dort ab 1968 als Abteilungsleiter an der Spitze des Berliner Vermessungswesens, zuletzt als Leitender Senatsdirigent, eine von leitenden Ministerialbeamten äußerst selten erreichte Position. Es gehörte zu seinem Berufsethos, dem Wirken des Vermessungsingenieurs in unserer Gesellschaft die gebührende Geltung zu verschaffen und ebenso, junge Menschen für die Aufgaben des Vermessungswesens zu interessieren. Die Verbindung von Praxis und Wissenschaft lag ihm besonders am Herzen. So war er der Technischen Universität Berlin noch bis 1987 über eine Honorarprofessur verbunden und wirkte lange als Prüfer im Oberprüfungsamt für die höheren technischen Verwaltungsbeamten in Frankfurt a. M.. Von 1968 bis 1980 gestaltete Günter Hübner auch die Geschicke des Vermessungswesens als DVW – Landesvereinsvorsitzender. 1984 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande.  Er wurde Ehrenmitglied des DVW Berlin Brandenburg, nachdem West-Berlin durch die deutsche Wiedervereinigung endlich aus seiner Insellage befreit war. Am 16. Oktober 2002 ist er auf dem St.-Annen-Kirchhof in Berlin-Dahlem beerdigt worden.

             Günter Hübner war in seiner Stellung in Berlin für das deutsche Vermessungswesen richtungsweisend tätig, ihn bewegten Fragen der Bedeutung einer sachgerechten Wertermittlung in der Hand der Geodäten, einer damals im öffentlichen Blick stehenden Bodenwertzuwachssteuer, des Planungswertausgleichs, insgesamt einer  sozial ausgerichtete Bodenordnung; er wußte sich darin einig mit den von Prof. Dr. Walter Seele vertretenen Auffassungen. Auch der Organisation im deutschen Vermessungswesen galt seine besondere Aufmerksamkeit, und es war nicht verwunderlich, wie er sich für eine Kommunalisierung in der Ortsinstanz aussprach. Das Zusammenwirken mit dem freien Berufen, insbesondere mit den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren, war ihm wichtig. Die Automatisierung des Liegenschaftskatasters (auf der Basis eines früheren Soll-Konzepts) trieb er voran, aus der Zeit von Günter Hübner im AdV-Vorsitz 1978-1979 (vergl. unsere Mitt. Nr. 259) bleiben die ersten konkreten Schritte zu einer Automatisierung des Liegenschaftsbuchs im  ALB, der Liegenschaftskarte ALK und einer Gebäudedatei  in Erinnerung. Ein weiteres großes Thema aus unserer gemeinsamen Zeit in AdV wie im Deutschen Städtetag war sein Werben für ein Leitungskataster. Er führte intensive Gespräche mit den Verbänden der Leitungswirtschaft.

             Günter Hübner konnte gestalten, führen, motivieren und delegieren. Noch heute klingt seine sonore Stimme in den Ohren, treffende Argumente vortragend. Aus dem noch lange nach seiner Pensionierung geführten Briefwechsel mit ihm wurde sein nicht nachlassendes Interesse an allen berufspolitischen, technischen und organisatorischen Entwicklungen im Vermessungswesen deutlich, „es sei wichtig, Persönlichkeiten in leitenden Funktionen“ zu haben. Stets auch eng der Vermessunggeschichte verbunden, so sorgte er schon 1977 dafür, daß das Grab von Dr. phil. h. c. Friedrich Gustav Gauß auf dem Friedhof der Jerusalems- und Neuen Kirche am Mehringdamm gepflegt und vom Senat von Berlin als Ehrengrabstätte anerkannt wurde (Vergl. unsere Mitt. Nr. 101).

             Jene eingangs genannten beiden Sitzungen im Herbst 1973 fanden ganz ausnahmsweise hintereinander am gleichen Ort statt, ein Entgegenkommen für die Stadtstaatenvertreter, die in beiden Gremien wirkten. Zu einem Erlebnis besonderer Art wurde der Abend mit dem langjährigen (seit 1948) parteilosen Stuttgarter OB Klett mit seiner ungemein humorvoll-unterhaltsamen Art, in seinem letzten Amtsjahr, er starb 1974.

             Quellen: G. Hübner und W.E. von Daack: Tagungen der Arbeitsgemeinschaft der der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) 1978 und 1979,  ZfV 1979 S. 330 und ZfV 1980 S. 240; Hübner, G.: Öffentliches Vermessungswesen in einer modern Verwaltung, ZfV 1970 S. 523 – 532; Hübner, G.: Die Bedeutung der Wertermittlungen für die Verwirklichung bodenpolitischer Ziele, ZfV 1974 S. 465 – 474. Rokahr, F.: Nachruf Leitender Senatsdirigent a.D. Professor Hübner, ZfV 6/2002, DVW-Nachrichten S. n-4.   – 23.05.2014

 

 

518.   Seltener Theodolit aus dem Dorotheum Wien

             Unserem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried ist einmal wieder ein besonderer Coup gelungen. In dem reichhaltigen Angebot wissenschaftlicher Instrumente des Dorotheums in Wien befand sich auch ein seltener Theodolit aus Darmstadt, gebaut um 1815, signiert „H. Roessler a Darmstadt“. Horizontal- und Vertikalkreis haben eine Teilung auf Silber, die Fokussierung des 32 cm langen Fernrohres erfolgt mittels einer Rändelschraube, der Objektivdurchmesser beträgt 21 mm. Das ganz in Messing gehaltene technische Kunstwerk konnte für das Vermessungsmuseum günstig ersteigert werden. Das Instrument komplettiert die Sammlung in Dortmund und ist darüber hinaus ein ganz besonderes Schmuckstück.

             Hektor Roessler (1779 – 1863) war Münzmeister und Hof-Mechanikus in Darmstadt, später  außerdem Sekretär des Gewerbevereins. Carl Zeiss soll 1840 bei Roessler gearbeitet haben.

             Quellen: Kern, R.: Wissenschaftliche Instrumente ihrer Zeit, Bd. 4, W. König, Köln 2010; Gerlach, D.: Geschichte der Mikroskopie, 2009; Gombel, M.: Konstrukteure und Mechaniker von Geodätischen Instrumenten, Bd. 32 der Schriftenreihe des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum, Dortmund 2002; Weber-Unger, S.: Dorotheum 2014 – 12.05.2014

 

 

517.   Bessel – Bremen war seine zweite Vaterstadt

             Friedrich Wilhelm Bessel (22.07.1784 in Minden – 17.03.1846 in Königsberg) kam 1799 nach Bremen. Nach 7 Jahren als Handlungsgehilfe im Handelshaus Kulenkamp führte sein Weg über Lilienthal nach Königsberg – hier erbrachte er seine großen wissenschaftlichen Leistungen in der Astronomie und der Geodäsie.

             Bremen blieb er stets eng verbunden, es war seine „zweite Vaterstadt“, wie er selbst in seinen Lebenserinnerungen schrieb. Und hier blieb er stets unvergessen, auch durch seine enge Freundschaft mit dem Arzt und Liebhaber-Astronomen Wilhelm Olbers. Das Bremer Handlungshaus N. Gloystein Söhne, das bis 1796 mit der Fa. Kulenkamp vereint gewesen war, taufte 1845 sein neues Schiff auf den Namen „Bessel“ – in den letzten Lebensmonaten des Geehrten.  Auf der Werft J. Lange in Bremen-Vegesack gebaut, war es damals das größte Schiff der bremischen Flotte, eingesetzt u. a. im Auswandererverkehr mit Nordamerika (Schlieper S. 22/23), die erste Reise führte nach New Orleans. 1937 gab es ein weiteres Schiff mit dem Namen Bessel der Reederei Norddeutscher Lloyd, Bremen.

             In Bremen erinnert seit 1990 das Kunstwerk „Besselei“ des Künstlers  Jürgen Goertz an den  großen Wissenschaftler. Ein Foto findet sich in den Veröffentlichungen Ihres Redakteurs und inzwischen auch unter Wikipedia. – Wir haben hier mehrfach über Bessel’s Wirken berichtet, u.a. Mitt. Nr. 262 und 157.

             Quellen F.W. Bessel: Lebenserinnerungen, in Astronomische Nachrichten, Band 210 Nr. 5027-28 aus John G. Wolbach Library, Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics * Povided by the NASA Astrophysics Data System; Stadt Minden und E. Schlieper (Hrsg.): „Ich habe Euch lieb aber der Himmel ist mir näher“ – eine Autobiographie in Briefen, Minden 1984; Die Maus, Ges. f. Familienforschung Bremen, Passagen des Schiffes „Bessel“ im Internet. – 03.05.2014 

 

 

 

516. Aquädukte – Wasser für Roms Städte – ein repräsentatives Werk

             Aquädukte – Wasser für Roms Städte“ heißt das neueste Werk von Prof. Dr. Klaus Grewe – ein großartiger Überblick „Vom Römerkanal zum Aquäduktmarmor“, wie der Einband dieses Buches im repräsentativen Großformat ergänzend kündet.

             Ein einleitendes Kapitel widmet  der Autor einer ausführlichen Darstellung der Vermessungsgeräte der römischen Ingenieure, so zur Winkelabsteckung insbesondere mit der Groma des Ivrea und dem Chorobat des römischen Baumeisters Vitruv, dem Gerät  zur Höhenvermessung, das er als einfach und genial zugleich charakterisiert. – Unter den Etruskern und später unter den Römern übernahm man eine besondere Bautechnik und baute Qanate (Zwischen-Schächte) bei Tunneln zur Wasserversorgung und führte diese Technik dann auch im allgemeinen Tunnelbau ein, insbesondere bei langen Vortriebsstrecken. Klaus Grewe dokumentiert hier ausführlich seine früheren Forschungsergebnisse, so z. B. zum Eupalinos Tunnel auf der Insel Samos (siehe auch unsere Mitt. 514), den historisch ersten Großtunnel zur Wasserversorgung, ebenso wie den Hiskia-Tunnel um 700 v. Chr., der Jerusalem mit Wasser versorgte. Planungsprinzipien, Gefälleabsteckung, Wassergewinnung,  Aquäduktbrücken, Wasserkraftnutzung, Beispiele römischer Wasserleitungen werden in weiteren Kapiteln ausführlich dargestellt.

             Ein eigener zweiter Teil dieses neuesten Werkes von Klaus Grewe gibt einen anspruchsvollen Überblick über Deutschlands spektakulärsten Technikbau der Römerzeit, die Eifel-Wasserleitung bzw. den Römerkanal als Aquädukt für das römische Köln. 

             Dieses 396 Seiten umfassende Buch ist außerordentlich faktenreich und dennoch leicht verständlich geschrieben, ausgestattet mit zahlreichen farbigen Fotographien. Beide Einband-Innenseiten geben ein reichhaltiges Glossar bzw. Fundorte zum Aquäduktmarmorkatalog. Mit diesem Bildband entfaltet sich dem Betrachter das hohe Niveau der römischen Ingenieurkunst. Insbesondere im Aquäduktbau der Römerzeit werden vielfältige Techniken sichtbar, die Laien und Fachleute auch heute noch erstaunen lässt.  

             Wir dürfen dem Kuratoriumsmitglied unseres Förderkreises Klaus Grewe aus Swisttal-Morenhoven zu diesem Werk besonders gratulieren. Seine Tätigkeit über 43 Jahre für die Denkmalpflege im Rheinland findet nach seiner Promotion 1997 und seiner Ernennung zum Honorarprofessor an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen 2010 hier einmal mehr einen weiteren Höhepunkt seines Schaffens.

             Klaus Grewe: Aquädukte für Roms Städte, Regionalia Verlag GmbH, Rheinbach 2014, ISBN 978-3-95540-127-6, 396 Seiten, Format 24,5 cm x 24.5 cm, 29,95 €. – 21.04.2014

       

515.   Lemgo – Kartographie der Frühen Neuzeit – Weltbilder und Wirkungen

             Das hochrangig besetzte Internationale Symposium „Kartographie der Frühen Neuzeit – Weltbilder und Wirkungen“ vom 4. bis 6. April 2014 im Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo (unsere Mitt. 512) hatte mit über 100 Teilnehmern eine außerordentlich gute Resonanz. Nach einer feierlichen Eröffnung („Weltvermesser tagen in Brake“ überschrieb die Lippische Landes-Zeitung ihren Bericht aus Lemgo-Brake vom 7. 4. 14) wurde die Reihe der fachlichen Vorträge am Freitagabend von  Prof. Dr. Peter van der Krogt von der Universität Amsterdam eröffnet.  Sein Thema „Landkarten aus Amsterdam“ mit der Kernbotschaft, eine umfängliche niederländische Kartenproduktion gab es bereits im 16. Und 17. Jahrhundert in Antwerpen und Amsterdam, u.a. auch den ersten Mercator-Atlas. Unser Förderkreis erinnert sich gerne an den Vortrag von Peter van der Krogt zum Mercator-Symposium in Dortmund 2012.

             Eingeführt von Dr. Michael Bischoff vom Weserrenaissance-Museum berichteten am 5.4.14 Prof. Dr. Ingrid Baumgärtner (Universität Kassel), Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg (Universität Duisburg-Essen), Mag. Jan Mokre (Österreichische Nationalbibliothek Wien), Dr. Jürgen Hamel (Archenhold Sternwarte Berlin), Dipl.-Ing Wolfram Dolz (Mathematisch-Physikalischer Salon Dresden), Dr. Dirk Imhof (Museum Plantin-Moretus Antwerpen, Dr. des. Ariane Koller (Universität Bern), Dr. Markus Heinz (Staatsbibliothek zu Berlin).  Der reizvoll aller Kartographie zugewandte Reigen der Themen reichte von den Portolan-Karten, über Globen, die Himmelskartographie, die Seefahrt, die Instrumente, die Blaeu-Karten, Allegorie und Wissenschaft bis hin zur Verlagskartographie. Siehe auch www.weltvermesser.de .   

             Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtete über das Symposium ausführlich in ihrer Ausgabe vom 9. April unter der Rubrik Geisteswissenschaften. An dieser prominenten Ersten Adresse wird der Präsident unseres Förderkreises,  Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, einleitend zitiert, „Seit dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts konnten Küstenlinien sehr genau vermessen werden. Portolane sind Seekarten mit einem dichten Netz von Richtungslinien für die Navigation. Die Portolankarte Andrea Beninchasas von 1508 weist für die gesamte Mittelmeerküste eine Ungenauigkeit von nur 57 Kilometern auf“, Zitat aus seinem Vortrag Zur Genauigkeit der mittelalterlichen Portolane. – Den Beitrag in der FAZ ziert ein großfarbiges Bild „Frühneuzeitliches Sternbild des Indianers“ – aus Willem Janszoon Blaeus Himmelsglobus, nach 1621. Der Beitrag der Autorin Manuela Lenzen ist übrigens mit der Hauptüberschrift überschrieben „Wie die Neue Welt in den Himmel kam“ und dem Untertitel „Eine Tagung über die vielfältigen Orientierungsleistungen der Kartographie“ (Anmerkung: Hauptüberschriften verfassen gern die fernen Redaktionen …)

             Wir dürfen gespannt sein auf die für 2015/16 geplante Ausstellung „Weltvermesser – Das Goldene Zeitalter der Kartographie“, darin sollen die Ergebnisse des Symposiums einfließen. – 13.04.2014

 

514.   Wie sich Tunnelvortriebe seit 2.500 Jahren genau treffen – Ehrung Torge

             Schon immer war es eine besonders reizvolle und anspruchsvolle Aufgabe, Tunnelbauten vermessungstechnisch so zu begleiten, daß sich die gegenseitigen Tunnelvortriebe möglichst genau trafen – nach Lage und nach Höhe.

             Prof. em. Dr.-Ing. Bertold Witte, Vorsitzender des Kuratoriums unseres Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund, beschreibt im jüngsten Heft 3/2014 (S. 88 – 96)  der Allgemeinen Vermessungsnachrichten (avn) die immer präziser gestalteten vermessungstechnischen Methoden und Ergebnisse jüngerer Eisenbahn-Tunnelbauwerke: Mont-Cenis-Tunnel – begonnen 1857, Gotthardt-Tunnel – begonnen 1871, Ärmelkanal-Tunnel – begonnen 1986, Gotthardt-Basistunnel – begonnen um 1995. Doch an den Anfang dieses breitgefächerten Überblicks stellt er den vor über 2500 Jahren gebauten Tunnel des Eupalinos auf der griechischen Insel Samos. Dieses ungewöhnliche und historisch besonders interessante Bauwerk diente der Wasserversorgung. Wir erinnern uns an das 9. Symposium für Vermessunggeschichte 2005, in dem  Prof. Dr. Klaus Grewe und Prof. Dr.-Ing. Hermann Kienast über die Baugeschichte dieses Tunnels referierten und diskutierten (vergl. unsere Mitt. Nr. 80).  Bertold Witte hat jetzt deren Forschungsergebnisse mit weiteren Erkenntnissen verknüpft und aktualisiert.

             Seine Darstellung der Vermessungsmethoden und Genauigkeiten der jüngeren Tunnelbauwerke aus den vergangenen rd. 150 Jahren zeigt die großen Fortschritte in der Vermessungstechnik, deren ganz besondere Herausforderungen z. B. bei der Höhenübertragung über den Ärmel-Kanal, beim Gotthardt Basistunnel bei der Überbrückung einer Länge von 57 km lagen. Der Hauptdurchschlag dieses jüngsten Projekts hatte 2010 lediglich maximale Querabweichungen von 13,7 cm in der Lage und 2,3 cm in der Höhe; wegen auch der ungünstigen (geologischen) Voraussetzungen ein „außergewöhnlich positives Resultat“. –

             Das gleiche Heft der avn enthält darüber hinaus ein ausführliche Würdigung von Prof. Dr.-Ing- Wolfgang Torge anläßlich der Verleihung des Eratosthenes-Ehrenpreises, ebenfalls verfasst von Bertold Witte (avn 3/2014 S. 127-128) – siehe hierzu auch unsere Mitt. Nr. 507.

             Das insgesamt hochinteressante jüngste Heft der avn ist als Sonderheft dessen Hauptschriftleiter, Prof. Dr.-Ing. Willfried Schwarz, Weimar, zum Eintritt in den (Un)Ruhestand gewidmet, einem Schüler unseres Kuratoriumsvorsitzenden und Autoren der hier besprochenen Artikel.    03.04.2014

 

 

513.   Für Augenblicke zum Leben erwacht - ZUSE Z 11 in Hünfeld

             13. März 2014 – ein großer Tag für das Zuse-Museum in Hünfeld und für unseren Förderkreis. Unsere Alte Dame Z 11 durfte als Dauerleihgabe erneut das Licht der Öffentlichkeit erblicken –  und erwachte zu neuem Leben. Am Morgen dieses museal-denkwürdigen Tages fuhren Manfred Hartmann (ehemaliger Zuseaner) aus Essen, der Erste Vorsitzende des Förderkreises Ingo Frhr. von Stillfried und Rudolf Uebbing (Zeitschriftenwart und Allrounder des Förderkreises) zum Konrad-Zuse-Museum in Hünfeld, um dort an den Übergabefeierlichkeiten teilzunehmen – für unsere umgezogene ZUSE  Z 11, dem Relaisrechner aus den 50er Jahren.

             Die Zerlegung des hoch-gewichtigen historischen Rechners hatte Manfred Hartmann im November 2013 im Hochbunker in Dortmund im Westpark und ebenso den teilweisen Wiederzusammenbau erfolgreich durchgeführt (siehe unsere Mitt. Nr. 498). Eine große Anzahl von begeisterten Helfern war nach dem Transport mit viel Elan in Hünfeld tätig, um die Maschine wieder betriebsfähig zu machen.

             Nach Begrüßungsworten der stellv. Museumsleiterin Ute Schneider sowie von Dr. Wilhelm Mons (Leitung Zuse-Abteilung), informierte Prof. Dr. Horst Zuse über die Geschichte der ZUSE-Rechner: Fast vergleichbar mit der Situation um die legendäre Garage von Bill Gates wurde in den 50er Jahren z. B. die ZUSE Z 11 in einem schlichten, dörflichen Fachwerkhaus gebaut. Beim Transport  der schweren Maschine musste die Treppe von unten abgestützt werden! –  Für weitere Informationen sei hierzu auf die ZUSE-Webseiten verwiesen - www.zuse-museum-huenfeld.de .

             Der Bürgermeister von Hünfeld, Dr. Eberhard Fennel, der zugleich auch Vorstand der Stiftung Konrad-Zuse-Museum Hünfeld ist, sprach in seiner Begrüßung über die spezielle Technikbegeisterung aller Beteiligten, die sich z.B. auch in Worten  wie "verliebt" oder "Schätzchen" ausdrückte.

             Ingo von Stillfried verband sein Grußwort mit der besonderen Bitte, jungen Menschen die seinerzeit als revolutionären empfundenen  Möglichkeiten des ersten programmgesteuerten Relaisrechners Z 11 im beginnenden Computerzeitalter Zeit nahezubringen und damit auf die Ursprünge der heutigen Smartphone-Technologie hinzuweisen. Unser  Erster Vorsitzender erhielt als Geschenk eine Reproduktion eines Gemäldes von Konrad Zuse  als sichtbarer Dank für die vertraglich geregelte Dauerleihgabe und für den nicht leichten Verzicht auf ein derart bedeutsames Exponat.

             Zur testweisen Vorführung der ZUSE  Z11 wurde der bekannte rote Druckschalter von Horst Zuse zusammen mit Bürgermeister Dr. Fennel feierlich gedrückt. Mit viel Gebrause und Gejaule startete der Strom- und Taktregler. Jedoch musste nach wenigen Sekunden einer der Operatoren die Aus-Taste drücken, da er eine Störung an den Stromkabeln beobachtet hatte. Die Sicherungen wurden überprüft. Horst Zuse entschied, einen zweiten Versuch zu wagen. Lautstark startete der Taktgeber erneut und Horst Zuse demonstrierte an der Tastatur die erfolgreiche Generierung eines codierten Lochstreifens. Eine Handbewegung in Richtung der offenen Relaisrahmen der ZUSE Z11 war jedoch mit einer Berührung der Innenteile des Rechners verbunden. Daraufhin startete unplanmäßig ein Rechenvorgang für sehr wenige Sekunden; es entstand für einen Augenblick das typisch klappernde Rechengeräusch, welches dann aber nach einer grünleuchtenden Lichtbogenerzeugung wieder per Notausschaltung abgebrochen werden musste. In Hünfeld ist man jedoch sicher, diese technischen Probleme auch noch in den Griff zu bekommen.

             Nach diesen aufregenden Minuten folgte ein Empfang im Foyer des Museums, alte Zuseaner und interessierte Besucher tauschten ihre früheren Erfahrungen aus. Bei einem nachfolgenden Umtrunk in kleinerer Runde wurde dieser anregende Austausch mit den ehemaligen Zuse-Mitarbeitern und -Entwicklern  mit den Besuchern aus dem Ruhrgebiet fortgesetzt. Das war ge- und erlebte lebend(ig)e Technikgeschichte! – 27.03.2014

 

512.   Präsident Mesenburg beim Internationalen Symposium zur Kartographie der Frühen Neuzeit im Schloss Brake

             Das Weserrenaissance-Museum Schloss Brake in Lemgo plant für 2015/16 eine Ausstellung „Weltvermesser – Das Goldene Zeitalter der Kartographie“. Die Ausstellung wird in Kooperation mit der Staatsbibliothek in Berlin realisiert. In Vorbreitung auf diese Ausstellung veranstaltet das Museum  vom 4. bis 6. April 2014 ein Internationales Symposium unter dem Titel „Kartographie der Frühen Neuzeit – Weltbilder und Wirkungen“.

             Der neu gewählte Präsident des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund, Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg aus Essen wird im Rahmen dieses Symposiums am Samstag, den 5. April 2014 zum Thema „Zur Genauigkeit der mittelalterlichen Portulane“ vortragen. Das vollständige Programm steht unter www.weltvermesser.de  . Der Eintritt ist frei. Voranmeldungen werden u.a. unter weserrenaissance-museum@t-online.de  erbeten. – 19.03.2014

 

 

511.   Geschichte des Liegenschaftskatasters in Alt-Hamburg 1845 – 1950

             Unter der Federführung von Karl-Heinz Nerkamp haben Hamburger Fachleute das 5. Sonderheft des Landesbetriebs Geoinformation und Vermessung zusammengestellt, um der Nachwelt Wissen, Hintergründe und Kenntnisse aus den Zeiten der Entstehung des Alt-Hamburger Liegenschaftskatasters zu erhalten, vorgelegt als Sonderheft 2014. Weitere Sonderhefte  zu den Themen „Preußisches Kataster“  und über das Liegenschaftskataster von 1950 bis 2015 sind geplant.

             Das vorliegende Heft gibt zunächst einen Rückblick in die ersten Jahre nach dem „Großen Brand“ in Hamburg von 1842, und beschreibt die Notwendigkeiten, alte Grundstücksgrenzen zu kartieren. 1845 beschließt der Hamburger Senat die Aufstellung des Hamburger Katasters auf trigonometrischer Grundlage nach einem Vorschlag des aus England stammenden Ingenieurs W. Lindley – es entstand ein Rahmenkartenwerk 1:250. Für private Auftragsarbeiten war der beeidigte Geometer Nagel tätig. Besondere Verdienste hatte später der Obergeometer Heinrich Stück, der das Hamburger Vermessungsbüro 40 Jahre 1859 -1899 leitete.

             Nach einem hochinteressanten historischen Rückblick wird in dem Sonderheft 2014 in weiteren Kapiteln das Grundsteuerkataster bei der Steuerdeputation und „das Ende“ des Alt-Hamburgischen Katasters (1934 mit dem Reichsgesetz über die Neuordnung des Vermessungswesens) umrissen. Eine ausführliche Zeittafel leitet über zu detaillierten Einzeldarstellungen wie Koordinatensystem, Maßeinheiten, Flurstücks-Nummerierung, Werkzeuge bei der Katastervermessung, Kartenherstellung, zum Vermessungszahlenwerk u.a. Weitere Kapitel sind den Grundstückakten und dem Kataster-Buchwerk gewidmet, untermalt mit typisch-erläuternden Abbildungen.

             Andrea Darie, Conrad Hafke, Bernd Makoschey und Volker Müller ist eine wertvoll-ansprechende Zusammenstellung gelungen, unter erneut der Federführung von Karl-Heinz Nerkamp, der schon für die Reihe der früheren Sonderhefte zur Hamburger Vermessungsgeschichte verantwortlich zeigte (2009 zu Heinrich Christian Schumacher, siehe unsere Mitt. Nr. 294 – 2010 zur Triangulation, siehe Mitt. 357 – 2011 zum Nivellement, siehe Mitt. 385 – 2013 zur Photogrammetrie, siehe Mitt. 469. Diese Sonderhefte sind im Internet unter „Hamburger Vermessungsgeschichte“ auf der Seite http://www.hamburg.de/bsw/hamburger-vermessungsgeschichte/  nachlesbar. Dort wird auch das Sonderheft 2014 in Kürze veröffentlicht werden. – 13.03.2014  

 

 

510.   Manfred Spata zum 70. Geburtstag

             Der Eratosthenes-Preisträger Dipl.-Ing. Manfred Spata vollendet am 2. März d. J. sein 70. Lebensjahr. Der Förderkreis gratuliert herzlich seinem rührigen Kuratoriums-Mitglied und „Mitstreiter“ seit den Gründerjahren. Seine wissenschaftliche Veröffentlichungen, insbesondere rund um das Wirken des Schwelmer Pastors Friedrich Christoph Müller waren 2003 für das Stifterkollegium zum Eratosthenes-Preis wesentliche Grundlage für die Ehrung des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund. Unvergessen auch, wie Manfred Spata spontan einen wesentlichen Teil des Preisgeldes als Initialbeitrag für den Kauf des Dollond-Theodoliten spendete (vergl. u.a. unsere Mitteilungen Nr. 85 und 197, auch Museumshandbuch S. 298).

             Vor 70 Jahren in Glatz in Schlesien geboren, studierte Manfred Spata an der Universität Bonn Geodäsie, um dann von 1973 bis 2003 beim Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen tätig zu werden, zunächst in der Außenstelle Münster und ab 1979 in Bonn-Bad Godesberg. Die Messungen im „Lagenetz 1977“ trugen bereits seine Handschrift, wie ebenso die periodischen Leitnivellements und Deformationsanalysen in den Bodensenkungsgebieten des Ruhrgebiets. Aus den notwendigen Vergleichen mit früheren Messungsergebnissen entwickelte sich bald seine Vorliebe auch für die Vermessungsgeschichte,  dokumentiert in zahlreichen Fachaufsätzen und Vorträgen.  Das intensive Studium der ersten systematischen Triangulation in Preußen 1789/90 durch den Schwelmer Pastor Müller fesselte ihn besonders und führte zur Verleihung des Eratosthenes-Preises 2003.            

             Zum Abschluss seiner aktiven Zeit bei der Landesvermessung organisierte er 2007 mit einem Museumsteam die Dauerausstellung „200 Jahre Landesvermessung in NRW“ (vergl. unsere Mitt. Nr. 211), die noch heute in den Räumen von GEOBasis.nrw in Bad Godesberg zu besichtigen ist. Auch im „Ruhestand“ schreibt Manfred Spata immer noch Beiträge zur Geschichte der Landesvermessung und Kartographie und organisiert Landkartenausstellungen. Manfred Spata hat stets auch die Geschichte seiner  schlesischen Heimat im Blick behalten und eine Reihe von Landkartenausstellungen auch zusammen mit dem Haus Schlesien in Königswinter in Deutschland und in Polen organisiert. Beispielhaft sei hier erinnert an die Schlesienkarte von 1561 von Martin Helwig, ausgestellt  in Schweidnitz/Polen (vergl. unsere Mitt. 471). Sein jüngster Beitrag über die UTM-Abbildung in der deutschen Landesvermessung bereicherte kenntnisreich-präzise formuliert das Mercator-Gedenkjahr 2012. – 01.03.2014

 

 

509.   Mitgliederversammlung am 10. Februar 2014

             Im Anschluss an das 12. Symposium für Vermessungsgeschichte (siehe Mitt. Nr. 508) mit auch der Verleihung des Eratosthenes-Ehrenpreises an Prof. Dr. Wolfgang Torge (siehe Mitt. Nr. 507) begrüßte Präsident Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht um 16:00 Uhr Mitglieder und Gäste zur jährlichen Mitgliederversammlung des Förderkreises in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte. Ein besonderer Gruß galt Herrn Ltd. Städt. Museumsdirektor Wolfgang E. Weick anläßlich der Auszeichnung mit der Ehrenmedaille des Förderkreises. In seiner Begrüßung erwähnte er besonders, daß Herr Weick als gebürtiger Karlsruher und studierter Historiker zunächst maßgeblich bei den Vorbereitungen der großen Preußenausstellung in Berlin beteiligt gewesen sei, bevor er vor über 25 Jahren die Leitung des Dortmunder Museums übernommen habe. Der Präsident betonte die beständig gute Zusammenarbeit zwischen Museum und Förderkreis, wie es auch in der Ehrenurkunde zu Ausdruck komme:

             „Wolfgang E. Weick hat seit der Übernahme der Museumsleitung 1988 in ganz besonderer Weise die Abteilung 22 ‚Vermessungsgeschichte‘ im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Dortmund gefördert und es damit unserem Förderverein ermöglicht, das vermessungstechnische Museum zu einer im Deutschen Vermessungswesen einzigartigen Einrichtung auszubauen. In der jüngsten Vergangenheit stand darüber hinaus mit der Mercator-Ausstellung ein ganz besonderes Projekt unseres Förderkreises im Mittelpunkt der Arbeit im Museum.“ Und der Präsident fuhr fort: „Sie, lieber Herr Weick, haben unseren Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried und den Vorstand unseres Förderkreises in der Vorbereitung und Durchführung der Mercator-Ausstellung in herausragender Weise unterstützt und motiviert. Sie haben damit dem gesamten Förderkreis und der Vermessungsgeschichte einen ganz besonderen Dienst erwiesen. Der Förderkreis dankt Ihnen für Ihren Einsatz, mit dem Sie in außerordentlicher Weise die satzungsgemäßen Ziele  des Förderkreises befördert haben.“

               Unter lebhaftem Beifall überreichte der Präsident Wolfgang E. Weick die Ehrenurkunde und die in Silber geprägte Ehrenmedaille. Herr Weick bedankte sich für die Ehrung und hob nochmals die hervorragende Vorbereitung und Ausgestaltung der Mercator-Ausstellung vor zwei Jahren und die gute Zusammenarbeit mit dem Ersten Vorsitzenden des Förderkreises Ingo von Stillfried und dem gesamten Vorstand hervor.

             Präsident Harald Lucht nahm dieses Lob gerne auf, um auch Ingo von Stillfried die Ehrenmedaille zu verleihen. Es war überhaupt erst nach Überwindung von dessen ganz erheblichem Widerstand möglich geworden, sein Einverständnis zu gewinnen, seine ganz besonderen Leistungen für die Mercator-Ausstellung 2012 jetzt mit der Ehrenmedaille des Förderkreises zu würdigen.

             In der Ehrenurkunde heißt es: „Ingo von Stillfried ist es in der jüngsten Vergangenheit gelungen, das fachlich, museumspädagogisch und finanziell ganz außergewöhnliche Projekt der Mercator-Ausstellung in herausragender Art und Weise zu realisieren. Er wusste sich dabei der Unterstützung der Leitung und der Mitarbeiterschaft des Museums für Kunst und Kulturgeschichte zu versichern, wie ebenso wichtiger Geldgeber bis hin zur Nordrhein-Westfalen-Stiftung. Sein mitreißendes Engagement hat zu einer breiten Unterstützung innerhalb und auch außerhalb der Fachwelt geführt. Er hat damit dem gesamten Förderkreis und der Vermessunggeschichte einen ganz besonderen Dienst erwiesen“. Harald Lucht überreichte Ingo von Stillfried die Ehrenurkunde und die Ehrenmedaille mit ganz persönlichen Dankesworten. –

             Die Mitgliederversammlung wurde mit dem Tätigkeitsbericht des Ersten Vorsitzenden fortgesetzt. Mit einer eindrucksvollen PowerPoint-Dokumentation erläuterte Ingo von Stillfried die wesentlichen Aktivitäten des vergangenen Geschäftsjahrs,  insbesondere die sehr gut besuchten Vorträge bei der jüngsten INTERGEO in Essen, die Ausleihen zu mehren Ausstellungen, die Mitwirkung am Film „Der Medicus“ und an der Dortmunder Museumsnacht mit hoher öffentlicher Resonanz, die Dauerleihgabe unserer Z 11 ans Zuse-Museum nach Hünfeld (vergl. Mitt. Nr. 498), eine auf längere Sicht angelegte Beratung beim Aufbau des Mercator-Hauses in Duisburg, Instrumentenzugänge u.a. von der UNI Bonn (Mitt. Nr.502) – Und er äußerte die dringliche Bitte um „Kümmerer“ für die Instrumentensammlung, auch aber für die Karten- und für die Briefmarkensammlung! Die Mitwirkung im Dortmunder Kollegenkreis bringt Freude und Reputation! – Er erhielt den dankbaren Beifall des Auditoriums.

             Schatzmeister Franz Gocke trug den Finanzbericht vor, der zuvor allen Mitgliedern zugesandt geworden war. Nach Vortrag auch der Kassenprüfung von Ingo Tieman, die er zusammen Burkhard Kreuter durchgeführt hatte, mit besonderem Lob für die sehr gute und geordnete Kassenführung, gab es erneut Beifall für Schatzmeister und Kassenprüfer. Dr.-Ing. Hartwig Junius übernahm dann in traditioneller Übung die Verhandlungsleitung und beantragte die Entlastung des Vorstandes. Sie erfolgte einstimmig.

             Vor den dann anstehenden Wahlen sagte Präsident Harald Lucht, er wolle aus Altersgründen nicht erneut als Präsident kandidieren. Er sei einst von Siegfried Stahnke gebeten worden, dieses Amt zu übernehmen. Er habe sehr bald mit Bewunderung erkannt, mit welchem Engagement hier in Dortmund ein Museum aufgebaut und gepflegt werde. Er denke gerne an alle, die den Bremer in Dortmund haben mitwirken lassen. Sein Leitspruch seit Stahnkes Zeiten sei „erinnern heißt danken“, so gelte auch die Erinnerung und der Dank allen Kuratoriums- und Vorstandsmitgliedern seitdem und bis heute. Er habe wunderbare kollegiale und herzliche persönliche Freundschaften erleben dürfen und wolle nun den von Siegfried Stahnke übernommenen Staffelstab weitergeben.

             Hartwig Junius dankte seinem langjährigen Weggefährten und Präsidenten für seinen großen Einsatz. – Unter seiner Leitung erfolgten dann die Wahlen zum Kuratorium – Neuwahl von Harald Lucht  und  Wiederwahl der Herren Prof. Dr. Bertold Witte, Klaus Meyer-Dietrich, Friedel Pfeifer, Manfred Spata, Prof. Dr.-Ing. Dietmar Grünreich und Prof. Klaus Kertscher. Die Wahl erfolgte en bloc.