|
|
|
|
ARCHIV
zu Aktuelles
"Erinnern heißt danken" |
|
|
Redaktion: Harald Lucht |
|
|
|
|
Archivierte
Mitteilungen - vormals Aktuelles
Neue jüngere Mitteilungen finden Sie auf unserer Seite "Aktuelles" auf dieser Homepage, s. o. link.
404.
… 403. … 402. Vermessung der Welt – Der Bestseller von
Daniel Kehlmann wird verfilmt
Mehr als ein Jahr stand der Roman von Daniel Kehlmann „Die
Vermessung der Welt“ an der Spitze der Bestseller-Liste – weit über 1.5 Mio.
Bände wurden verkauft, er ist in über 40 Sprachen übersetzt worden. Die
Pläne, diesen auch die Geodäten besonders berührenden Roman zu verfilmen
(vergl. unsere Mitt. Nr. 330),
nehmen inzwischen konkrete Formen an. Die Firma Boje Buck Produktion GmbH in Berlin
steht mit unserem Ersten Vorsitzenden Ingo
von Stillfried im engen Kontakt bezüglich der Ausstattung mit
vermessungstechnischen Requisiten. Dabei gilt es, sowohl eine Ausrüstung für
die Rolle „Gauß“ als auch für die
Rolle „Humboldt“
zusammenzustellen. Bis auf wenige Ausnahmen können die Anforderungen aus den
Beständen des Förderkreises erfüllt werden. Die Drehtage werden Ende 2011 /
Anfang 2012 sein.
Der Roman ist inzwischen Pflichtlektüre und Prüfungsstoff in der
Abiturprüfung in mehreren Ländern der Bundesrepublik. Wir verweisen auf
unsere Mitt. Nr. 136 mit dem
Hinweis auch auf eine erste Besprechung aus fachlicher Feder. – 12.9.2011 401. Franz
Adickes, ein großer Bodenordner – und Bürgermeister in Dortmund, Altona und
Frankfurt am Main Wir wissen, wie gerne der Zweite
Vorsitzende unseres Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. mult. Erich Weiß,
Schätze der Vergangenheit auf- und nachspüren mag. Mit seiner jüngsten
Veröffentlichung "Franz
Adickes in den Jahren von 1873 bis 1877 in Dortmund" in den
Nachrichten aus dem öffentlichen Vermessungswesen NRW (NÖV) stellt er dies
erneut überzeugend unter Beweis. Seine Veröffentlichung ist zwar im
Untertitel sehr zurückhaltend als „eine biographische Skizze“ überschrieben,
doch sie ist eine hochinteressante zeithistorische und kommunalpolitische
Fundgrube über Franz Adickes, über
das Wirken einer Persönlichkeit, von der wir aus dem Studium allenfalls noch
den Bodenordner und dessen Frankfurter
Lex-Adickes erinnern, jenes neue grundlegende Umlegungsrecht von 1902. Franz Adickes wurde 1846 bei Stade geboren, er war Zweiter
Bürgermeister und Beigeordneter in Dortmund 1873 – 1877 und anschließend
Oberbürgermeister im damals noch preußischen Altona, bevor er 1891 bis
1912 Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. wurde und uns als „Vater
der städtischen Bodenordnung“ bekannt geworden ist. Dort starb er hochgeehrt 1915. Uns interessiert hier naturgemäß
zunächst das Wirken von Franz Adickes
in Dortmund – der Heimat unseres
Förderkreises und unseres großen Vermessungsmuseums.
Geodätisch-städtebauliche Berichte aus Dortmund
enthalten nur einige wenige Hinweise zu Adickes,
so von Hans Mönig 1962 zitiert in
den Beiträgen zur Geschichte des Vermessungs- und Katasteramts 1976. Dabei
ist doch gerade besonders bemerkenswert, daß der Ursprung des beruflichen
Wirkens dieser großen Persönlichkeit in
Dortmund lag. Allerdings vermutete Heinrich
Bleicher bereits 1929 in der Biographie „Franz Adickes – Sein Leben und sein Werk“, daß dessen frühes
Wirken in Dortmund und in Altona in Vergessenheit geraten war. 1873 in Dortmund. Die handschriftliche Bewerbung von Franz Adickes in Dortmund „…erlaube ich mir endlich … noch hinzuzufügen, daß ich
im Jahre 1846 geboren und evangelisch-lutherischer Confession bin.“ …ist in
der Veröffentlichung als Faksimile abgedruckt. Ebenso eine ausführliche
Empfehlung für den „in seltenem Maße tüchtigen“ Mann mit „pflichttreuer
Gesinnung…Klarheit im Denken und Urteilen…“ eines Obergerichtsrath’s aus Göttingen.
Seine erste große Aufgabe war u.a., das Stiftungswesen zu reorganisieren. Er
erkannte alsbald, daß die Stadt Dortmund
gestiftete Immobilienwerte in viel größerem Umfang veräußert und in
Bankobligationen deponiert hatte, als entsprechend wieder im Grundvermögen
anzulegen. Er setzte vorausschauend deren Reaktivierung durch – für
zukunftsträchtige städtebauliche Entwicklungen. Frühe Veröffentlichungen wie praktische
Tätigkeiten seiner Dortmunder Zeit
betrafen Themen der Armenpflege, der Sozialversicherung, das Sparkassenwesen,
auch zum Recht der Bau- und Gewerbepolizei, zum Wohnungswesen. Sie legten das
Fundament für seine große kommunalpolitische Laufbahn. Besonders
bemerkenswert wirkt dann aber eine Aussage zu seinem Weggang nach Altona. In einem
Empfehlungsschreiben dazu hieß es u.a. „… und weil ich wünsche, daß er aus
einer Umgebung, welche die volle Anerkennung geistiger Überlegenheit nur zu
gerne versagt, herauskomme….“, also weniger schmeichelhaft für die damaligen
Stadtväter in Dortmund. Adickes war damals 30 Jahre alt. Erich
Weiß erläuterte ausführlich Adickes’ familiäre Herkunft aus
Norddeutschland, dem Lande Wursten zwischen Bremerhaven und Cuxhaven,
aus dem heutigen Bad Bederkesa. Er
zeichnet Stationen des Jura-Studiums nach, in Heidelberg, München und
Göttingen und der Referendarausbildung in Neustadt am Rübenberge, Hannover, Göttingen und Berlin; berichtet von Adickes
Erwägungen, entweder in die Wissenschaft oder doch in die kommunale Praxis zu
gehen. Bedingt durch eine damals übliche längere Wartezeit zur Zulassung zum
Assessorexamen absolvierte er seine militärischen Pflichten und mußte am Deutsch-französischen Krieg 1870/71
teilnehmen. Die Veröffentlichung enthält
eine Fülle weiterer hochinteressanter biographischer Details aus der Familie Adickes und zusätzlich im Anhang von
einer Reihe kompetenter Weggenossen. So gehörte zu den drei Geschwistern von Franz Adickes auch der später
bedeutende Professor für Philosophie in Tübingen Erich Adickes, der den handschriftlichen Nachlaß von Immanuel Kant aus Königsberg durcharbeitete und 1911 und 1914 als sogenannte
Kantausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte. Erich
Weiß ist mit diesen mehrjährigen
fachlich-biographischen Forschungsergebnissen aus dem kommunalen Arbeitsfeld
der städtebaulich-bodenordnerischen Aufgaben ein wahrhaft großer Wurf
gelungen. Der NÖV und ihrem Schriftleiter Klaus Mattiseck ist besonders zu danken, diese Ergebnisse –
ergänzt mit mehreren Abbildungen, Fotos von Adickes, von Faksimiles
persönlicher Briefe – in der Ausgabe 1/2011 der Nachrichten aus dem
öffentlichen Vermessungswesen NRW (NÖV) S. 42 - 63 dokumentiert zu haben.
Hier neugierig gewordene Besucherinnen und Besucher unserer Homepage finden
die vollständige Veröffentlichung auch unter www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/presse/druckschriften/noev/noev_2011_1.pdf
. – 28.08.2011 400. INTERGEO Nürnberg – Messestand - Vorträge
zur Vermessungsgeschichte Der Förderkreis ist auf der
kommenden INTERGEO in Nürnberg vom 27. Bis 29. September 2011 auch wieder hoch-präsent. Unser schon
traditioneller Messestand befindet sich in diesem Jahr in Halle 7 Stand G1. Am Mittwoch, den 28. September
2011, werden im Saal „Kiew“ 3 Vorträge unter dem Leitthema „Historische Kartographie und Vermessung“
angeboten: 16:00 Uhr - Prof. Dr. Peter Mesenburg, Uni Essen-Duisburg: Die Welt vor Kolumbus / Zur Genauigkeit der katalanischen
Estense-Weltkarte (1450) 16:30 Uhr - Prof. Dr. Peter van der Krogt, Faculty of
Geo-sciences, University of Utrecht:
Gerhard Mercator als Kartograph und
Kosmograph 17:00 Uhr - Dipl.-Ing. Frank Reichert, BdVI e.V.,
Landesgruppe Brandenburg: Die Zollmann’sche Scheibe – Geschichte
eines Vermessungsinstruments. Die Moderation der Veranstaltung
hat in bewährter Manier Ingo von
Stillfried, Erster Vorsitzender des Förderkreises Vermessungstechnisches
Museum e.V. in Dortmund. –
06.08.2011 399.
Vermessenes Altona. Die Firma Dennert & Pape ARISTO Die Firma ARISTO war seit den 1860er Jahren maßgeblich tätig in der
Forschung und Entwicklung optischer und mathematischer Instrumente.
Vermessungsinstrumenten und insbesondere der ARISTO-Rechenschieber wurden zum Symbol für technischen
Fortschritt. Generationen von Schülern und Studenten begleiteten diese
Rechenhilfsmittel durch ihre Ausbildung.
ARISTO stellte im 20. Jahrhundert eine beeindruckende Vielzahl von Rechenschiebern
und Rechenscheiben für Vermessung, Landwirtschaft, Luftfahrt, Schiffahrt und
weitere Anwendungsbereiche her und brachte 1972 den ersten deutschen
Taschenrechner auf den Markt. ARISTO-Rechenschieber
galten als Anschaffung fürs Leben – auch beim Verfasser dieser Zeilen haben
sie sich bis heute erhalten. Bereits 1862 lieferte Dennert & Pape auch
Vermessungsinstrumente an Geodäten, die von der Altonaer Sternwarte aus wirkten. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 294. Um 1900 hatte der Betrieb
bereits 40 Beschäftigte, 1973 mehr als 500. 1979 endete dessen
Erfolgsgeschichte. – Mit der
Geschichte der Firma Dennert &
Pape wird auch ein Stück Stadtteilgeschichte von Altona in ihrer Verzahnung mit den großen politischen und
technischen Entwicklungslinien des 19. und 20. Jahrhunderts in Erinnerung
gerufen. Die Ausstellung zeichnet ein Bild der sozialgeschichtlichen
Entwicklungen im Arbeitsleben, zeigt die Herausforderungen eines wachsenden
Familienunternehmens, Firma und Mitarbeiter durch Weltwirtschaftskrise und
zwei Weltkriege hindurch zu führen und in einem Jahrhundert immer schneller
werdenden technologischen Fortschritts am Puls der Zeit zu bleiben. Die im Juni d.J. eröffnete
Ausstellung wird im Altonaer Museum
für Kunst und Kulturgeschichte, Museumstr. 23 noch bis zum 1. Juli 2012 gezeigt (Di-So 10 – 17
Uhr). Wir danken dem Kollegen H. Pahl
und unserem Mitglied J. Blankenburg aus Hamburg für den freundlichen Hinweis
(mit Quellenhinweisen) auf diese bemerkenswerte Ausstellung. Quellen u. a : FAZ vom 22.6.2011
und www.altonaermuseum.de/altonaer-museum . - 01.08.2011
398. GEODÄSIE - Die ganze Welt wird vermessen –
Präsidenten im Gespräch „Schon im alten Ägypten
haben Menschen die Erde vermessen. Astronomie, Optik und Seefahrt
haben die Vermessung vorangebracht, heute ist fast die ganze Welt vermessen.
Trotzdem können es die Menschen nicht lassen: Immer wieder legen sie aufs
Neue das Maßband an“, heißt es im Vorspann des
neuen Dritten Programms des Deutschlandfunks DRadio Wissen
(eingerichtet seit 2010 neben dem Deutschlandfunk und Deutschlandradio
Kultur). Am 22. Juli 2011 wurden
folgende Themen unter dem Obertitel GEODÄSIE
– Die ganze Welt wird vermessen
in drei Gesprächen holzschnittartig in rd. 10 Min. umrundet: Der höchste Berg der Welt wird neu vermessen …..und siehe hierzu auch unsere
Mitt. Nr. 8 vom Mai 2003 anläßlich der Erstbesteigung des Mount Everest vor
50 Jahren am 29. Mai 1953. Die Vermessung Deutschlands Die Geschichte der Vermessung der Welt …..und natürlich ist am Ende des Gesprächs der Halbmesser gemeint….. Die
Gespräche sind abrufbar über die vorstehend unterstrichenen Titel. Der neue
Wissens-Kanal ist im Internet zu erreichen über http://wissen.dradio.de – 23.07.2011 Nachtrag: Der
Präsident des Vermessungstechnischen Museums war am Samstag, 30.7.2011 zu
einem weiteren Rundfunkinterview zum
Thema „Was ist die Geodäsie?“ auf den Wellen von radioeins-rbb gefragt – dokumentiert bei www.vdv-online.de/aktuelles/nachrichtenarchiv.html -
dort dokumentiert und nachzuhören unter dem 1. August 2011 – 15.8.2011 397. Auf dem Telegrafenberg in Potsdam – zu
Besuch bei Helmert
Der Telegrafenberg in Potsdam beherbergt seit mehr als
130 Jahren wichtige Forschungseinrichtungen der Astrophysik und der
Geowissenschaften. Von der wissenschaftlichen Geodäsie über die Erdbebenkunde
bis zur Erforschung des Magnetfeldes – die Wurzeln vieler
erdwissenschaftlicher Disziplinen liegen hier, vereinigt im Deutschen
GeoForschungsZentrum GFZ (Helmholtz-Zentrum Potsdam). Ende Juni 2011 besuchte ein großer Kreis ehemaliger Leiter der
Vermessungsverwaltungen der Bundesländer und der Landesvermessungsämter (AdV)
Potsdam und auch das GFZ. Treffen und Veranstaltungen wurden organisiert von Jörg Schnadt, Präsident a. D. des Landesbetriebs
Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB). Auf dem
Telegrafenberg vermittelten Vortrag und Führung des kompetenten
Öffentlichkeitsreferenten Franz Ossing des GFZ die dort beheimateten
vielfältigen Forschungsgebiete und deren interessante
Forschungsergebnisse.
Einer der vielen Höhepunkte für die Geodäten war ein Video über die
großdimensionierte Geoid-Figur der Erde, einer überhöhten Geoid-Darstellung (Potsdamer
Kartoffel), wie sie dann auch als Großplastik im Eingangsbereich des GFZ
zu bestaunen war. Das Geoid als die unter den Kontinenten hindurchgehend
gedachte Meeresoberfläche verläuft durchaus bewegt, auch zeitabhängig.
Aufgrund der inhomogenen Struktur des Erdinneren zeigt das Geoid Höhen und
Tiefen selbst in den großen Weltmeeren. So bildet die Meeresoberfläche
südlich von Indien ein 110 m tiefes Tal, nördlich von Papa-Neuguinea
einen 85 m hohen Hügel.
Ein besonderer Hauch der Vermessungsgeschichte umwehte die Teilnehmer
angesichts des großen Backsteingebäudes des ehemaligen Geodätischen
Instituts - Gedenken an Prof. Dr. Robert Helmert (geb. 31.7.1843
in Freiberg, gest. 15.6.1917 in Berlin). Er war „einer der
großen Geodäten an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert“ (Torge).
„Dem Begründer der Mathematischen und Physikalischen Theorien der modernen
Geodäsie“ ist ein 1997 errichteter Gedenkstein auf dem Telegrafenberg
Potsdam gewidmet. Helmert war u.a. Direktor des Geodätischen Instituts
Potsdam 1886 – 1917, Präsident des Zentralbüros der Internationalen Erdmessung. - Durch
Initiative des GFZ, der Landesvermessung und des deutschen Vereins für
Vermessungswesen ist darüber hinaus vor 10 Jahren im Universitätsgelände in
Potsdam eine „Prof.-Dr.-Helmert-Straße“ eingeweiht worden.
Literatur: Torge, W.: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, 2.
Auflage, de Gruyter 2009, GFZ: Broschüre „Vom All bis zum Erdkern – Die Welt
des GFZ“, auch www.gfz-potsdam.de , Weise, H.: Helmerts Grab- und
Gedenkstätte, Zs. Vermessung Brandenburg, 1997 S. 53 – 55, Schmidt, W.:
Bericht zur Einweihung der Prof. Dr. Helmert-Straße in Zs. Vermessung
Brandenburg 2002 S. 89 – 15.07.2011 396.
„Vermesser"?
Es ist über 20 Jahre her, da hat der frühere Chef der Hamburger Vermessungsverwaltung,
Erster Baudirektor Dipl.-Ing. Harry
Pahl, eine Philippika geritten gegen die oberflächliche Verwendung des
„Vermessers“ für unseren Berufsstand, an die die wir hier gerne einmal wieder
erinnern: „Wenn Geodäten die Darstellung
ihrer durch Informations- und Bildverarbeitung entscheidend veränderten
Wirkungsfelder auch heute immer noch sehr vernachlässigen, dann muß jeder
einzelne als Persönlichkeit etwas dagegen tun. Wenn aber Geodäten – und ihnen
nachplappernd andere Berufsgruppen – von „Vermessern“ sprechen, dann ist das schlichtes Unvermögen zur Einschätzung von Wert und
Wirkung eines Wortes. Ich bekenne mich jederzeit gerne zum Landmesser, Geometer, Vermessungstechniker, Vermessungsingenieur oder
umfassend zum Geodäten, aber:
Vermesser … dieser Begriff ist sprachlich unrichtig, vom Inhalt unnötig und
daher so schnell und so radikal wie möglich zu tilgen! Es ist schon
verwirrend genug, wenn das Verb „vermessen“ zwar für unsere vornehmliche
Tätigkeit steht (stand…), in der reflexen Form sowohl eine fehlerhafte
Vermessung (sich vermessen) als auch eine anmaßende Haltung (sich zuviel
zutrauen) beschreiben kann. Hilfsweise sollte man es als Adverb benutzen, um
vermessen (kühn, dreist) genug zu sein, der eingerissenen Sprachverfälschung
für die Bezeichnung eines Berufsstandes entgegenzutreten.“
Harry Pahl hat diese
wohlformulierte Klarstellung geschrieben, angeregt durch die Geringschätzung
in einer abwertenden Aussage in der Wochenzeitung DIE ZEIT von
1988 – dort wollte ein bekannter Journalist einen Redenschreiber für den
damaligen Bundespräsidenten abqualifizieren, indem er schrieb: „… ein
Referent, dessen Feingefühl ihn für den Dienst bei einem entlegenen Katasteramt bestens empfiehlt.“ Pahl fragte selbstkritisch, ob das
Versäumnis der Selbstdarstellung auch bei uns liegen könne – und schrieb
obiges.
Verfasser dieser Mitteilung hofft, einen Redakteur der F.A.Z. in dessen ebenfalls abfälligen
Urteil über die Leistungen eines Katasteramts
korrigiert zu haben – in zwei Leserbriefen, erschienen am 4.5.2005 und 17.8.
2009, nachzulesen in www.haraldlucht.eu/10.html
Unsere Seite dieser Homepage „Vermessungsgeschichte“ ist überschrieben
mit „Aktuelles“. Beide Sachverhalte – Geringschätzung des Berufsstands im
„Katasteramt“, wie mit der
oberflächlichen Verwendung des „Vermessers“ waren früher und sind heute
leider unverändert aktuell.
Positiv aktuell aber – und hoffnungsstiftend! – sind die erfreulichen
Bestrebungen der großen Fachverbände BdVI
+ DVW + VDV die „Marke Geodäsie“ gemeinsam zu
promovieren - gegründet auf der
„Bremer Erklärung“ von 2008. Mit der darauf aufbauenden Sieker Erklärung vom 13.2.2010
(fortgeschrieben am 6.2.2011) haben sich die drei Verbände in die
Verantwortung genommen, das Berufsfeld der Geodäsie als Ingenieurdisziplin
zukunftsfähig zu entwickeln. „Überall Geodäsie“ steht dann
auch im Zentrum der Internetseite www.arbeitsplatz-erde.de , die
während der INTERGEO Köln 2010 als
Initiative von DVW, BDVI und VDV
gemeinsam freigeschaltet wurde. - Da hat dann auch die Bezeichnung
„Vermesser“ keinen Platz mehr.
Quellen: Pahl, H.: „Von den
Märtyrern der Richtigkeit“ zum Geo-Informatiker? AVN 1989 S. 91 – 92,
zustimmend zitiert in DER VERMESSUNGSINGENIEUR 1991 S. 90. – 03.07.2011 395. Wir erinnern
an Professor Dr.-Ing. Hans-Joachim Sandmann Professor Dr.-Ing. Hans-Joachim Sandmann wäre in diesen
Tagen 80 Jahre alt geworden. Er starb nach langem Leidensweg am 23. Juni 2010
in Bonn. Mit ihm verlor die
geodätische Kollegenschaft eine bundesweit herausragende Persönlichkeit mit
einem ungemein breiten Berufsspektrum. Geboren am 19. Juni 1931 in Glatz in Schlesien kam
Hans-Joachim Sandmann im Zuge der großen Fluchtbewegung nach dem Zweiten
Weltkrieg in den Westen. Nach Studium in Bonn mit anschließender
Referendarzeit war er wissenschaftlicher Assistent an der technischen
Hochschule Aachen und an der
Universität in Bonn und wurde dort
promoviert. Seit 1962 im Dienst der Stadtverwaltung Bonn in leitender Position wurde er 1975 Leiter des
(wiedervereinigten) Kataster- und Vermessungsamtes, eines Großamtes mit einem
breiten Aufgabenspektrum im kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen.
Die Aufgaben erstrecken sich von den eher klassischen Bereichen
Liegenschaftskataster und technische Vermessungen über das förmliche
Bauleitverfahren, die Stadtsanierung, den Bodenverkehr, die Grundstücksbewertung
bis zu den Bodenordnungsverfahren. Ausgehend von diesem breiten
Aufgaben-Fundament hat sich Hans-
Joachim Sandmann in vielfältiger Weise fachlich engagiert und exponiert,
u. a. auch als Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte
seit 1978, in seiner Mitarbeit für die Gremien des Deutschen Städtetages: Er wirkte über nahezu 20 Jahre als
Vorsitzender des Arbeitskreises „Kommunales Vermessungs- und
Liegenschaftswesen" in Nordrhein-Westfalen und war gleichzeitig Mitglied
der Fachkommission auf Bundesebene. Insbesondere Themen aus dem praktischen
Städtebaurecht standen für ihn oft im Vordergrund, so z. B. die Beratung von
Novellierungsvorhaben zum Baugesetzbuch und zur Wertermittlungsverordnung,
die praxisgerechte Fortentwicklung des Umlegungsrechts. Maxime für ihn war
stets, im unmittelbaren Kontakt mit der Wirklichkeit der
Kommunalpolitik und der Vorstellungen der betroffenen Eigentümer zu handeln. In den 90-er Jahren hat sich Hans- Joachim Sandmann in Vorträgen
und Seminaren große Verdienste erworben für den so dringlich notwendigen
Wissenstransfer im kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen in die östlichen Bundesländer. Die Förderung des
Berufsnachwuchses war ein weiteres großes Anliegen, als Prüfer (schon seit
1972) und besonders seit Beginn der 80-iger Jahre im stellvertretenden
Vorsitz für die Fachrichtung Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Oberprüfungsamt für die höheren
technischen Verwaltungsbeamten in Frankfurt
am Main. Das gilt gleichermaßen für seine Lehrtätigkeit an der
Universität Bonn, die ihn im Jahre
1994 mit der Honorarprofessur ehrte. Hans-Joachim Sandmann hat in Bonn das umfassende Engagement der
Geodäten im kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen seiner
hochangesehenen Vorgänger Prof. Dr.-Ing. Paul
Vollmar (von 1952 bis 1975), Prof. Dr.-Ing. Ernst Pinkwart bald nach dem Krieg – und schon ganz früh Anfang
des vergangenen Jahrhunderts von Karl
Strinz – fortgeführt und bis zu seiner Pensionierung 1996 segensreich
gemehrt (kurzgefaßt nach zfv 2010 S. 349). – 23.06.2011 394. Preußens letzte Kette – Fröhlich in
Dortmund
Prof. Dr.-Ing. Hans Fröhlich
hat sein neuestes Werk "Preußens letzte Kette – Aus dem
Reisetagebuch des Hauptmanns Bendemann" im Mai im Museum für
Kunst- und Kulturgeschichte in
Dortmund der Öffentlichkeit vorgestellt – zum Pressetermin geladen hatte der Förderkreis.
Zur Präsentation erschien der Autor in der historischen Uniform des
Hauptmanns, in dessen Lebensweg sich Hans
Fröhlich nicht nur in seinem Buch hineinversetzt. Die Schausammlung des Vermessungstechnischen Museums mit
ihren historischen Instrumenten bildete den passenden Rahmen. Die Dortmunder Presse berichtete
ausführlich – wie auch eine Reihe weiterer Zeitungen, so in St. Augustin und Erkelenz nach weiteren Buchvorstellungen. –
„Preußens letzte Kette“ ist die Neuherausgabe des erstmals 1987 vom
gleichen Autor herausgegebenen Werkes „Das Reisetagebuch des Hauptmanns
Bendemann“. Darin waren die „Rekognoscirungen“/Erkundungen für
Triangulationsarbeiten in Preußen festgehalten.
Grundlage waren damals die dienstlichen Tagebuchaufzeichnungen des
preußischen Hauptmanns Hans Bendemann
aus den Jahren 1886 - 1889, die dem Autor 1985 bei seiner Tätigkeit im Landesvermessungsamt NW in die Hände
fielen. Das Buch erschien als Nr. 13 der Schriftenreihe des Förderkreises
Vermessungstechnisches Museum und wurde später vom WDR, Landesstudio Dortmund verfilmt.
Das Thema hat den rührigen Autor (bekannt auch durch seine Werke über „Die Landesvermessung im Spiegel deutscher
Brauereien“) erneut „ergriffen“, als er 2010 durch Zufall (oder doch
gezieltes Forschen – oder beides?) eine Enkelin des Hauptmanns Bendemann ausfindig machen konnte.
Über diese Begegnung bekam er Zugang zu dessen privaten Aufzeichnungen und
zum Bildmaterial aus damaliger Zeit:
Fröhlich widmete die Neuherausgabe den Erkundungsarbeiten für die Rheinisch-Hessischen Dreieckskette
als letzter preußischen Kette. Vom Münsterland
über das Rheinland entlang der niederländisch-belgischen Grenze,
quer durch die Eifel und durch Nordhessen bis nach Thüringen. Der Kampf Bendemanns mit der Topographie, dem
Wetter, mit Strapazen und Mühen, beständig mit dem Ziel, weiträumig verteilte
Punkte mit direkter Sichtverbindung bis zu 60 km Entfernung zu finden. Hans Fröhlich beschreibt in
fesselnder Ich-Form den Werdegang von Hans Bendemann – „…Ich wurde am 28.
Februar 1852 als jüngstes von acht Kindern … in Stettin geboren…“, der nach einem halben Jahr Realschule in Stettin sein Zeugnis der Reife in Berlin erwarb und (gegen den Willen
des Vaters) zum Militär ging. Dort avancierte er und wurde mit 30 Jahren
durch Allerhöchste-Kabinetts-Order
zur Trigonometrischen Abteilung der
Landesaufnahme kommandiert. Seine Erfahrungen aus den Erkundungsarbeiten
zur Rheinisch-Hessischen Dreieckskette faßte er so zusammen:
„Ich war mein eigener Herr, konnte
wirken wie ich wollte; ob ich einen Signalbau für 50 oder mehrere tausend
Mark anordnete, war mir überlassen. Die einzige Anforderung war, daß eine für
die Messung günstige Configuration der Dreieckskette entstand. Am günstigsten
war es, wenn die Dreiecke gleichseitig wurden und die Dreiecksseiten rund 50
– 60 km Länge erhielten. – In den folgenden Jahren habe ich unzählige
Kirchtürme und Bäume bestiegen oder ließ Rekognoscirungsgerüste bis zu 30 m
Höhe leichter Konstruktion erbauen, um über Bäume hinwegsehen zu können.
Schwindelfrei mußte man aber natürlich sein.“
Preußens letzte Kette: 100
Seiten im Format DIN A4 mit einer farbigen A3-Kartenbeilage und 123
Abbildungen, darunter zahlreichen Fotos aus der Zeit Bendemanns – der
vermessungshistorisch interessierte Leser hat Freude an den Berichten aus
alter Trigonometer-Tradition. – Selbstverlag Fröhlich, €12.85, zu beziehen über geo-goon@t-online.de. Besprochen auch von Manfred Spata
im VDVmagazin 3/11 S. 224. – 13.06.2011 393.
Professor Dr. Wolfgang Torge 80 - Gratulation und Dank Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge
aus Hannover
vollendet am 4. Juni sein 80.Lebensjahr. Seinen Geburtstag feiert er im Kreise
von Freunden, Kollegen und Verwandten in einer Schiffsreise mit dem „Leineschloss“ auf hannoverschen
Gewässern. Über 10 Jahre wirkte Wolfgang Torge bis 2008 als Vorsitzender
des Kuratoriums unseres Förderkreises. In die Zeit dieses Engagements im Dortmunder
Förderkreis fallen insbesondere seine vermessungsgeschichtlichen
Veröffentlichungen mit Schwerpunkten in der Umbruchsphase in der Deutschen
Landesvermessung des 18. bis 20. Jahrhunderts u. a. zu Gauß, Bessel,
Baeyer, Helmert, von Müffling, Schreiber. Seine historischen Forschungen
mündeten geradezu zielgerecht in seinem großen Werk Geschichte der Geodäsie in Deutschland,
erschienen 2007. Dieses umfassende Geschichtswerk wurde sehr schnell
zu einem Klassiker der Vermessungsgeschichte. Innerhalb kurzer Frist
vergriffen, wurde nach weniger als 2 Jahren bereits die zweite erweiterte
Auflage herausgegeben. Professor Torges
wissenschaftlichen Leistungen zu würdigen ist hier nicht der Ort. Die Festschrift
zum 70. Geburtstag gibt beredt Zeugnis (Wiss. Arbeiten der Fachrichtung
Vermessungswesen an der Uni Hannover Nr. 241 veröffentlicht 2001). In
der Lehre ist uns Wolfgang Torge
seit 1968 als Professor für
Mathematische und Physikalische Geodäsie an der Technischen
Universität (heute
Leibniz-Universität) Hannover bekannt, er war bis zu seiner
Emeritierung Direktor des Instituts für Theoretische Geodäsie. Ein
besonderer Forschungsschwerpunkt war und ist die Geoidbestimmung und die
Präzisionsgravimetrie. Wolfgang Torge war für viele Jahre
Schriftleiter der Zeitschrift für Vermessungswesen. Kuratorium und Vorstand
danken dem Jubilar für die immer wieder gerne gegebene freundschaftliche und
kompetente Unterstützung unseres Förderkreises
für Vermessungsgeschichte in Dortmund.
Wir verbinden unsere Gratulation und unseren Dank mit den besten Wünschen für
sein weiteres erfolgreiches Wirken für die Geodäsie. – 04.06.2011 392. 60 Jahre Förderergesellschaft Geodäsie und
Geoinformation in Hannover
Am 14. Mai 2011 feierte die Förderergesellschaft das 60-jährige
Bestehen dieser 1951 gegründeten Institution – Sponsoring für Studenten,
begonnen einst unter den schwierigen Bedingungen der Jahre nach dem Zweiten
Weltkrieg. Erster Vorsitzender war der Politiker Chefpräsident a. D. Christian
Blank (geb.1879 gest. 1967) Geodät und Bauingenieur. Wir hatten anläßlich der Ehrung von
Fachkollegen, die über 50 Jahre Mitglied der Förderergesellschaft sind, schon
kurz auf dieses Jubiläum und die damalige Gründung hingewiesen (Mitt. Nr.
370).
Im geschichtlichen Mittelpunkt der Veranstaltung an historischer
Stätte Am Schneiderberg in
Hannover stand der großartig recherchierte Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Wilhelm
Tegeler: 60 Jahre Förderergesellschaft
Geodäsie und Geoinformatik – Geschichte und Geschichten. W. Tegeler
beleuchtete zunächst die entbehrungsreiche Situation des Geodätischen
Instituts in Hannover nach 1945 und skizzierte das Wirken der
damaligen Persönlichkeiten, so von Prof. R. Finsterwalder und Prof. W. Großmann sowie von Oberingenieur H. Lichte, der sich um den
Wiederaufbau besonders verdient gemacht hatte. Nachdem Finsterwalder 1948 einem Ruf nach München gefolgt war, baute G.
Lehmann ab 1949 das neu gegründete Institut
für Photogrammetrie und Ingenieurvermessungen auf. Ein besonderes Kapitel
widmete der Vortragende dem früheren Beirat
aus den 1930er Jahren, dem Wirken von Prof. Dr. P. Gast und der
Gründungssituation 1951 zu einer Zeit, als Professor Dr.-Ing. Walter Großmann
Rektor der Technischen Hochschule war.
In weiteren Kapiteln referierte W. Tegeler u. a. über die
Gründungsmitglieder der Gesellschaft, deren Vorsitzende, Schatzmeister und
Geschäftsführer. Bekannte Persönlichkeiten aus Verwaltung und Wirtschaft
haben sich beständig in den Dienst des guten Zwecks gestellt (so u. a. die Fachkollegen Hundeck,
Nittinger, Oldenhage, Kölling, Haupt, Bauer, Kirchner, Sellge, Kophstahl;
Schatzmeister war über 30 Jahre lang G. Bohnsack). Und zum guten Zweck heißt es in der inzwischen aktualisierten Satzung u. a.: „Die
Gesellschaft setzt sich zum Ziel, die Arbeiten der Fachrichtung und der
Fachschaft Geodäsie und Geoinformatik zu unterstützen. Sie soll eine gute
Zusammenarbeit zwischen Praxis und Universität herbeiführen sowie
Versuchsarbeiten anregen und fördern. Die Mitglieder werden durch Vorträge
und Vorführungen, Jahres- und Versuchsberichte über diese Arbeiten
unterrichtet…“ Grußworte des
heutigen Vorsitzenden Rolf Ueberholz
und Vorträge zu den Themen Bachelor und Master - zur aktuellen Ausrichtung des Studiums in Hannover (Prof. Dr.-Ing. Monika Sester) und Paradigmenwechsel von analog zu digital
schafft neue geodätische Produkte (Prof. Dr.-Ing. Hans-Peter Bähr) sowie ein herzerfrischend-satirischer Beitrag
von Mitgliedern aus der Fachschaft rundeten das Nachmittagsprogramm ab. Der
Abend war dem Generationentreff gewidmet, den der heutige Vorsitzende der
Fördergesellschaft mit launigen Worten eröffnete – in guter alter Tradition „auf dem Meßdach“. –
Wir hoffen aus Sicht der Vermessungsgeschichte, insbesondere der
historisch-faktenreiche Vortrag von Wilhelm Tegeler möge demnächst
veröffentlicht werden, z. B. auf der Homepage des Fördererkreises www.foerder-geodaesie.uni-hannover.de/ . – 26. 05. 11 391. Vor 150 Jahren – Grundlegende Preußische Katastergesetze Am 21. Mai 1861 wurden in Preußen drei für das Katasterwesen grundlegende
Gesetze verkündet: Das Gesetz
betreffend die anderweitige Regelung
der Grundsteuer, das Gesetz betreffend die Einführung der allgemeinen Gebäudesteuer und das Gesetz
betreffend die Grundsteuerentschädigung.
Die Steuern sollten ab dem 1.1.1865
in ganz Preußen einheitlich erhoben werden. Eine
Vorläuferregelung gab es seit 1839 in den westlichen Provinzen. Erarbeitung und Umsetzung dieser
Gesetze war wesentliches Verdienst von Friedrich Gustav Gauß (1829 –
1915). F.G. Gauß hatte 1859 im preußischen
Finanzministerium als gerade 30-jähriger eine Denkschrift zur
Grundbesitzbesteuerung vorgelegt und war im Mai 1861 in die Büroleitung
der Zentraldirektion zur Regelung der Grundsteuer avanciert. Ihm wurde
die Gesamtleitung der Umsetzung der Steuergesetze von 1861 übertragen. Neben
der umfangreichen technischen Aufgabe mußte das benötigte Vermessungspersonal
rekrutiert werden – aus den Auseinandersetzungsbehörden, aus Bauverwaltungen,
und Einsatz fachfremder Gehilfen („Schuster und Schneider“, wie später
kolportiert wurde). Die fast unlösbare Aufgabe war damals: Innerhalb von nur 3 ½ Jahren
sollte das Grund- und
Gebäudesteuer-Kataster einschließlich der Bonitierung für das ganze damalige preußische Staatsgebiet
aufgestellt werden. In den beiden westlichen Provinzen Rheinland und
Westfalen (44.000 km²) waren bereits ältere Steuerkataster vorhanden, so
konnte auf ältere Karten und Register zurückgegriffen werden. In den
östlichen Provinzen (Brandenburg, Sachsen, Schlesien, Posen, Pommern und
Preußen, rd. 231.000 km²) mußten jedoch überhaupt erst Karten beschafft
werden. Geeignet waren vor allem die Karten aus den Separationen und
Gemeinheitsteilungen, auch Forst- und Gutskarten unterschiedlicher Maßstäbe
und Qualität. Die gänzlich kartenlose Fläche umfaßte 35.000 km², rd. 16 % der
östlichen Provinzen. Für diese gesamten Gebiete mußte in kürzester
Frist ein Steuerkataster erarbeitet werden - Karten und Register mit Nachweis der Parzellen und Flächen, zugehöriger
Ermittlung des Reinertrags/Bonitierung und der Eigentümer/Steuerschuldner.
Insgesamt eine höchst bewundernswerte Leistung, wie sie heute fast undenkbar
erscheint, man denke nur an die unendliche Geschichte der Aktualisierung der
Einheitsbewertung. - 390. Trauer um Professor Gustav Bohnsack Am 28. April 2011 ist Professor
Dipl.-Ing. Gustav Bohnsack im
Alter von 90 Jahren in Hannover
verstorben. Wir kannten und schätzen Gustav
Bohnsack als früheren Leiter des Stadtvermessungsamtes Hannover (1974 bis 1986),
Vorsitzender des Städtetagsausschusses
"Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen" (1976 bis 1985),
als Mitglied und Förderer einer Reihe von nationalen Vereinigungen und
Mitwirkender an internationalen Fachkongressen. 1921 in Warsen Kreis Alfeld/Leine geboren, gehörte Gustav Bohnsack zu den Jahrgängen, die als Soldat durch den
Zweiten Weltkrieg unmittelbar betroffen waren. Wann immer wir später darüber
sprachen, berichtete er von den kameradschaftlichen Erlebnissen jener Zeit
ebenso, wie von den unvorstellbaren Strapazen. Und er wehrte sich gegen alle
negativen Verallgemeinerungen. – Nach dem Kriegsende gehörte er zu den ersten
Studenten der Geodäsie an der Technischen Hochschule Hannover. 1976 wurde er in der Nachfolge von Siegfried Stahnke zum Vorsitzenden des Städtetagsausschusses
"Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen" gewählt. Schon
seit 1963 hatte er dem Ausschuß als Ständiger Gast angehört: Denn die
Bodenpolitik hat Gustav Bohnsack
schon früh besonders interessiert.
Eine enge Zusammenarbeit mit Stadtbaurat Prof. Hillebrecht im Hannover
der Nachkriegsjahre prägte ihn. Frühe Veröffentlichungen zu gemeindlichen
Bodenvorratsstellen und zur Bodenwertsteuer, zu Zukunftsvisionen im
Bodenrecht der Bundesrepublik oder zur Bodenrechtsreform durch Planungswertausgleich
zeigen dies ebenso anschaulich, wie z. B. seine Mitwirkung in Arbeitskreisen
des Deutschen Städtetages zur
Novellierung des damaligen Bundesbaugesetzes und des
Städtebauförderungsgesetzes und in Fragen des Umweltschutzes. Auch über seine
Pensionierung 1986 hinaus blieb sein Engagement in allen diesen Fragen
ungebrochen. Ab 1979 lehrte er an der Universität Hannover und wurde 1984
zum Honorarprofessor ernannt, auch wirkte er lange als Schatzmeister in der Gesellschaft zur Förderung der
Fachrichtung Vermessungswesen der Uni Hannover.
1988 erhielt er in Anerkennung seiner breitgefächerten Leistungen das Bundesverdienstkreuz. In
Umweltfragen hat er sich nie gescheut, selbst Hand anzulegen, z.B. wenn es galt,
Zeichen zu setzen. So zeugt heute manch von ihm persönlich gepflanzter Baum
in den öffentlichen Grünanlagen Hannovers
von seiner Vorliebe für die Natur. Die schweren Erkrankungen in
seinen letzten Jahren konnte er dank der liebevollen Pflege seiner Frau
ertragen. Besonders erfreut haben Gustav
Bohnsack noch die Zuwendungen, die Politik und Kollegenschaft anläßlich
der 150-Jahr-Feier seiner ehemaligen Wirkungsstätte im vergangenen Jahr. – Zu seiner Beerdigung trafen sich
am 6. Mai 2011 der engste Familien- und Freundeskreis auf dem Engesohder Friedhof in Hannover. Wie von ihm gewünscht
begleitete Musik von Verdi seinen Ausgang: FREIHEIT ist die Meinungsfreiheit anders Denkender stand auf
seinem Wunsch über seiner Traueranzeige. Familie wie
Fachkollegen weit über Hannover hinaus erinnern sich dankbar an Gustav Bohnsack. – Siehe auch Mitt. Nr. 192 dieser
Seite und Lucht H. /Wegener B.: Gustav Bohnsack zum 80. Geburtstag, zfv 2001 S. 60 - 61, Lucht H. 150 Jahre
Stadtvermessung Hannover, zfv 2010 S. 292 – 293 und zfv 2011 S. 263 –
08.05./03.08.2011 389. Gedenktafel für F. Chr. Müller in Schwelm Am
21.4.2011 wurde auf dem Gelände der Stadtsparkasse in Schwelm eine Gedenktafel zu Ehren des Pastors und Gelehrten
Friedrich Christoph Müller eingeweiht, eine Aktivität im Rahmen des
Historischen Stadtrundgangs: Wieder eine bemerkenswerte
vermessungshistorische Aktion, hatte Müller
doch die Grafschaft Mark
kartographiert - wir haben in unseren Mitt.
Nr. 239 und 312 darüber
berichtet. Auf der Tafel wird u.a. daran erinnert, daß F. Chr. Müller am 15. 6. 1787 anläßlich einer partiellen
Sonnenfinsternis eine für damalige Zeit hochgenaue Ortsbestimmung für Schwelm
durchgeführt hat. Diese Tafel ist erneut eine besondere Initiative von Manfred Spata, vergl. auch unsere vorherige Mitt. Nr. 388. Die Westfälische Rundschau/Westfalenpost titelte am 26. 4. 2011 „Gedenktafel
für Pfarrer mit Weitblick“. – 02.05.2011 388. Schlesienkarte von 1561
Im bekannten „Haus Schlesien“ in Königswinter-Heisterbacherrott wird am 15. Mai 2011 eine
Sonderausstellung zum 450. Jubiläum der Schlesienkarte von Martin
Helwig eröffnet. Angeregt und gestaltet wird diese Ausstellung vom
Kurator im Haus Schlesien, unserem Eratosthenes-Preisträger 2003 Manfred
Spata, unterstütz von Silke Findeisen. Die Schlesienkarte von 1561
gilt als „Mutter aller andern
Schlesischen Land=Charten“ schrieb 1738 Christian Runge. Sie ist
eine Leihgabe der badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. Ihr
Schöpfer, Martin Helwig, wurde
am 5. November 1516 in Neisse geboren, war Lehrer in Schweidnitz
und leitete 1560 bis zu seinem Tode 1574 eine Breslauer Lateinschule.
Für die meßtechnischen Beobachtungen und seine Karte bereiste er Schlesien
ab 1559, der Kartenentwurf wurde vom Breslauer H. Kron in Holz
geschnitten und bei dem Buchdrucker Johannes Creutzinger in Neisse
gedruckt – mit einer an einen Kupferstich heranreichenden hohen Qualität.
- Daneben werden in der Ausstellung
weitere Landkarten aus der Sammlung des Kurators gezeigt – Erinnerungen an
eine reiche schlesische Kulturgeschichte. Weiteres zu Haus Schlesien
unter www.HausSchlesien.de
Quellen: M. Spata: Neues zur Schlesienkarte von Martin Helwig 1561 –
sind die Miniaturveduten schlesischer Städte authentisch? In Jahrbuch der
Schlesischen Friederich-Wilhelm- Universität zu Breslau, Bd. XLIX 2008,
Verlag Degener & Co., Isingen 2009 und M. Spata/S. Findeisen: „….die
Mutter aller andern Schlesischen Land=Charten“, Brief aus dem Haus Schlesien
– März 2011 S. 17. – 27.04./02.05. 2011 387. Wissenschaftlich-technische Dokumentation
in der DDR 1961 – 1990 Sammeln, Auswerten und Verbreiten von Informationen über Literatur zu
Geodäsie, Photogrammetrie und Kartographie war – besonders in der noch
„internet-losen“ Zeit - wesentliche Voraussetzung für wissenschaftliches
Arbeiten. So insbesondere auch in der DDR, in einer Zeit, in der dort der
Zugang zu wissenschaftlichen Fachzeitschriften nicht überall gegeben war.
Frau Dr. Bärbel Baer berichtet in einer 2006 vorgelegten Arbeit „Die Entwicklung der wissenschaftlich-technischen
Informationstätigkeit im staatlichen Vermessungs- und Kartenwesen der DDR von
1961 bis 1990“ über ihr langjähriges Wirken in dieser grundlegenden
Aufgabe.
Der Bericht umfaßt 51 Seiten mit zahlreichen Literaturhinweisen und einer
zusammenfassenden Chronologie. Frau Baer gibt in ihrer Dokumentation
zunächst einen Überblick zu den formalen wie inhaltlichen Grundlagen der
Dokumentationstätigkeit in der DDR. Die Informationsquellen des
Informationszentrums für Wissenschaft und Technik (IWT) konnten bereits bis
Mitte der 60er Jahre u.a. auf 4300 Bücher, 2200 Übersetzungen und zahlreiche
Mikrofilme ausgebaut werden, ca. 100 Periodika wurden ausgewertet, Grundlage
waren entsprechende Standards. Ein Autorenkatalog wie ebenso ein Sachkatalog
(auf Grundlage der seinerzeit international geltenden Dezimalklassifikation)
erlaubten den Zugang für fachliche Literaturrecherche. Inhaltliche und
technische Optimierungen kennzeichnen die 30-jährige Entwicklung, z. B. in
der Anwendungstechnik vom Lochkarteneinsatz (1976) über Mikroverfilmung (1978), dem Einsatz der Automation (1980),
u.a. auch in der Zusammenarbeit mit der TU Dresden und dem
Geodätischen Institut in Potsdam. Im Zuge der deutschen
Wiedervereinigung erfolgte 1991 die Übernahme der Datenbestände des
Literaturspeichers aus der Datenbank GEOPHOKA (für GEOdäsie - PHOtogrammetrie
– KArtographie) in das Institut für Angewandte Geodäsie (IfAG), Außenstelle Leipzig.
Die Autorin, Dipl.-Ing. für
Vermessungswesen mit Studium in Moskau 1955-1961, führte seit 1965 und
bis 1990 die zentrale Dokumentations-Leitstelle in der DDR. Danach
leitete sie noch bis 1998 Bibliothek und Fachinformation im IfAG in Frankfurt
a. M.. Der 2006 vorgelegte Bericht ist eine wertvolle
Bilanz der fachtechnischen Informationsrecherche und -Aufbereitung im anderen
Teil Deutschlands über den Zeitraum von 30 Jahren. Der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum e.V. ist dankbar für das unserer Bibliothek
übermittelte Exemplar.
Weitere Literatur u.a.: Bärbel Baer: „Literaturdatenbank GEOPHOKA im
Internet“ in zfv 1999, S. 199–202. - 18. 04. 2011 386.
100 Jahre Stadtmessungsamt Stuttgart Am Freitag, dem 13. Mai 2011 begeht das Stadtmessungsamt Stuttgart sein
100-jähriges Bestehen im Großen Sitzungssaal des Rathauses. Nach Begrüßung
durch Amtsleiter Karlheinz Jäger werden Oberbürgermeister Dr. Wolfgang
Schuster, Bürgermeister Dirk
Thürnau und Prof. Stefan Gläser für den Städtetag
Baden-Württemberg Grußworte sprechen, bevor dann Prof. Dr.-Ing. Hans
Fröhlich aus Bochum den Festvortrag
hält zum Thema „Wo bin ich? – Ortsbestimmung mit GPS“. Abschließend folgen
„Impressionen“ aus dem Stadtmessungsamt.
Begleitet wird die Festveranstaltung von einer Ausstellung zum
100-jährigen Bestehen, die bereits am 29. April 2011 um 10:00 Uhr im Foyer
des 3. OG im Rathaus der Landeshauptstadt Stuttgart eröffnet wird.
Weiteres siehe auch unter http://www.stuttgart.de/
mit Suche Stadtmessung - 11. 04.
2011 385. Geschichte der amtlichen Hamburger Nivellementsarbeiten Ein weiteres Sonderheft aus der Feder von Gerd Hoffmann, Heinrich Meurers und Karl-Heinz Nerkamp komplettiert die aktuelle Trilogie zur Hamburger
Vermessungsgeschichte: Nach dem Sonderheft
2009 zu H. Chr. Schumacher,
Altonaer Astronom und die
(trigonometrische) Vermessung (unsere Mitt. Nr. 294) und dem Sonderheft 2010 zur Geschichte der Hamburger
Triangulation (Unsere Mitt. Nr. 357) legen nun die Hamburger Kollegen das
Sonderheft 2011 vor „Geschichte
der amtlichen Hamburger Nivellementsarbeiten“. Einem kurzen Einstieg
„Nivellement und Niveaufläche“, der Vorgeschichte in Preußen bis zum Normalhöhenpunkt von 1912 folgen AdV-Zitate zu „Grundlagen der
Höhenbestimmung“, gebräuchliche Vermarkungsarten, z.B. auch der
Rohrfestpunkte und eine Übersicht aller Hamburger Höhenbezüge (vom Alt-Hamburger Null von 1788 über Bremer bis Hamburger, Cuxhavener und Pegel-Null 1935, relativ zu Normalnull (NN) von 1879. Die
Nivellementsarbeiten in Hamburg von
1842 bis 1886 mit den Elbstromvermessungen werden ausführlich beschrieben
(zitiert nach Heinrich Stück).
Nach Beendigung des Präzisionsnivellements 1884/86 erfolgten bis 1898 weitere
Anschlußmessungen zu den Festpunkten der Königlich
Preußischen Landesaufnahme; doch erst 1931 erfolgte die Umstellung des „Hamburger Null von
1872“ auf Normal-Null (NN). Nach Ende des Zweiten Weltkrieges führten
Ergänzungsmessungen in der zerstörten Stadtteilen, Vermessungen zum Nordseeküstennivellement (1949/55)
sowie das später geschaffene „Deutsche
Haupthöhennetz (DHHN)“ schließlich zum Aufbau eines einheitlichen
Nivellementsfestpunktfeldes in Hamburg.
Ein zunächst abschließendes Kapitel ist den Arbeiten bis in die Gegenwart
gewidmet. Das insgesamt 28 Seiten im DIN A4-Format umfassende Heft schließt
mit einigen Sonderkapiteln, zu übergeordneten Nivellements bis 1937/38, zum
Nordseeküstennivellement (NKN), Stromübergang 1954 bei Twielenfleth – Jusland, Pegeleinwägungen im Neuwerker Watt 1962 mit der Zeiss-Talübergangsausrüstung.
Die Texte werden wiederum – wie schon in den beiden vorhergehenden
Sonderheften – mit exzellent abgedruckten Fotos, Schaubildern und Skizzen
begleitet, abschließend besonders zum Normal
Höhenpunkt in Berlin mit u.a.
der Vorderfläche des Scala-Steins „37 METER ÜBER NORMAL=NULL“. Wir dürfen die Hamburger Kollegen für diese erneute
Zusammenstellung beglückwünschen, haben sie es doch auch mit diesem Sonderheft 2011 verstanden, wesentliche
Teile der Hamburger
Vermessungsgeschichte dem Vergessen zu entreißen. Wie die beiden
Vorgängerhefte sind sie eine Fundgrube für vermessungsgeschichtlich
Interessierte ebenso, wie eine wertvolle Unterstützung in der Ausbildung des
Nachwuchses. Quelle: Freie Hansestadt Hamburg –
Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung – GV-Aktuell Sonderheft 2011. Das
neue Sonderheft steht zusammen mit den beiden Vorgänger-Heften unter www.hamburg.de/bauenundwohnen/
zum Download zur Verfügung. Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 294, 296 und 357 –
02.04.11
384. ARTE wirbt ebenfalls für unser
Museumshandbuch „Vermessungsgeschichte“ Nachdem die neue 3. Auflage unseres Museumshandbuchs „Vermessungsgeschichte“
in der Fachpresse sehr freundlich besprochen worden ist (vergl. Mitt. Nr.
354) hat jetzt auch ARTE auf der Seite „Die Welt verstehen“
unser Werk besonders hervorgehoben und auf unsere Homepage hingewiesen. Siehe
unter http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/mit-offenen-karten/392,CmC=3779514,view=books.html
. Wir befinden uns dabei in allerbester Gesellschaft, wird doch an gleicher
Stelle auf das Standardwerk von Prof. Wolfgang Torge „Geschichte der Geodäsie in Deutschland“ (vergl.
Mitt. Nr. 297) und auf den großartigen kartenhistorischen Atlas Maior von Johann Blaeus
hingewiesen (Vergl. Mitt. Nr. 109), dies letztere Werk übrigens mit
einem Vorwort von Peter van der Krogt, kürzlich Vortragender im
Mercator-Symposium in Dortmund (Mitt. Nr. 379). – 23.03.
2011 383. Als die Erde noch eine Scheibe war Heute ist jeder Winkel der Erde
vermessen. Es gibt keine "terra incognita"
mehr, jeder Fleck der Topographie ist bekannt. GPS, Google Earth und
Satelliten orten überall. Legenden und Mythen, Atlantis und Avalon,
verschollene Städte, sie waren einst
Spielwiesen der Fantasie. Der Bildband: Der "Atlas der legendären Länder - Von Atlantis bis zum Garten
Eden" der Landschaftshistorikerin Judyth A. McLeod ist erschienen bei National Geographic Deutschland. Er zeigt, wie sich die Menschen
in der Antike und im Mittelalter die Welt vorstellten, mit 80 Fotografien,
Illustrationen und Karten, 320 Seiten, 39,95 €. – Inhalt und reizvolle
Kartenbeispiele siehe http://www.welt.de/reise/article12733147/Als-die-Erde-noch-eine-Scheibe-war.html . –
18.03.2011 382. Barcelona und die Suche nach dem Urmeter
Nordöstlich der katalanischen Metropole Barcelona grüßt aus über 500 m Höhe die Kirche Sagrat Cor auf dem
Tibidabo mit der weit in die Landschaft segenspendenden Christus-Figur,
unübersehbar überall in Barcelona.
Ebenso ein benachbarter Fernsehturm, 1992 für die Olympischen Spiele erbaut.
Ein dort gelegener Vergnügungspark lockt zahlreiche Touristen. Der Tibidabo ist der Hausberg von Barcelona, Teil der Collserola-Bergkette. Gegenüber,
direkt am Mittelmeer, nahe dem Zentrum von Barcelona liegt die alte Festung Montjuic, benachbart zu den Hafenanlagen und zur malerischen
Altstadt Barceloneta.
Vor über 200 Jahren haben hier die französischen Geodäten Pierre Francois André Méchain und Jean-Joseph Tranchot trianguliert,
unter schwierigsten Bedingungen, im Kriegsgeschehen zwischen Frankreich und Spanien, Unbilden des Wetters und schroffen Gebirgslandschaften.
Ihr Ziel, den südlichen Teil der Dreieckskette von Dünkirchen im Meridian von Paris
bis nach Spanien zu vermessen, als
Grundlage für ein neues „Naturmaß“, dem Urmeter
als 10.000.000 Teil der Meridianlänge vom Pol zum
Äquator. Auf der Festung Montjuic
beobachtete Mechain präzise
astronomische Breitenmessungen – und mußte dort später einen Fehler in seinen
Dreiecks- und Breitenbeobachtungen feststellen, den er nicht aufzuklären
vermochte, woran er fast zerbrach. – Terra X hat das Geschehen um jene
bahnbrechende und abenteuerliche Gradmessung 2010 verfilmt und
mehrfach wiederholt (zuletzt am 27. 02. 2011 im ZDF): „Die Suche nach dem Urmeter“,
Wissenschaftlich beraten von dem über Wissenschaftsgeschichte promovierten amerikanischen Physiker Ken Alder – siehe dazu ausführlich
unsere Mitt. Nr. 353.
Ihr Redakteur hat kürzlich die Festung Montjuic und ebenso den
Tibidabo besuchen können. In
unmittelbarer Nachbarschaft zum Fernsehturm befindet sich auf einem
herausragenden Felsen ein Geodätischer
Punkt, wohl Valvidera in der
Netzskizze der alten Gradmessung (siehe S. 58 bei Ken Alder). Dieser Punkt wie ebenso die Festung Montjuic erinnert an das für die Meterdefinition so bahnbrechende
Geschehen vor über 200 Jahren.
Die Dreieckskette von Dünkirchen bis Barcelona, begonnen 1792,
war 1798 fertiggestellt. Den nördlichen Teil hatte Jean-Baptiste-Joseph Delambre
vermessen, den südlichen Méchain.
Die Gesamtlänge der Gradmessung Dünkirchen
– Barcelona umfaßte einen Breitenunterschied von rd. 9 Grad 40 Min. 1799
wurde das Metermaß als
Längeneinheit zunächst in Frankreich
vorläufig eingeführt und mit dem „Archivmeter“
aus Platin in Paris gesichert. Literatur: Ken Alder, siehe unsere
Mitt. Nr. 353 - 09. 03. 2011 381.
Mitgliederversammlung 2011
Die Mitgliederversammlung 2011 unseres
Förderkreises fand anschließend an das 11. Symposium für
Vermessungsgeschichte (Mitt. Nr. 379) statt. Präsident Harald
Lucht ehrte einleitend Dipl.-Ing. Friedel Pfeifer mit der Ehrenmedaille
des Förderkreises (siehe Mitt. Nr. 378). Friedel Pfeifer
dankte bewegt allen seinen Weggenossen, Vorgesetzten wie Mitarbeitern und
besonders auch seiner Frau – sie wurde mit einem Blumenstrauß geehrt – für die immerwährende Unterstützung und
erhielt langanhaltenden Beifall.
Der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried erstattete mit einer
Fotodokumentationen den Tätigkeitsbericht für das vergangene Geschäftsjahr: Der Förderkreis hat zum 31.12.2010 320
Mitglieder – 16 Abgänge aus Altersgründen, 2 Neuzugänge. Er bittet
eindringlich, bei jeder Gelegenheit für den Förderkreis zu werben, um die
Qualität der Arbeit und die finanziellen Spielräume mittel- und langfristig
zu sichern.
Der Internetauftritt werde in vorbildlicher Weise von Harald Lucht
und Rudolf Uebbing gepflegt. Die (anonymisierte) statistische
Auswertung der Besuche und Seitenaufrufe zeigt ein weiter steigendes großes
Interesse. 2010 haben 31.600 Interessierte die Homepage besucht, nahezu
Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr. Vergl. Auch Mitt. Nr. 374.
Auf der INTERGEO 2010 in Köln
hat der Förderkreis im Rahmen des Fachkongresses eine eigene Session zur
Vermessungsgeschichte durchgeführt. Prof. Dr. Klaus Grewe trug zum
Thema „Wasser für Rom – Über die
unglaublichen Leistungen der römischen Ingenieure bei der Vermessung der
Aquädukte“ vor, Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß zum Thema: „Franz Adickes – nicht nur städtebauliche
Bodenordnung“ sowie Dipl.-Ing. Manfred Spata zum Thema „Wie
viel Mercator steckt in der UTM-Abbildung?“ (vergl. Mitt. Nr. 364).
Wie gewohnt hatte der Förderkreis einen gut besuchten Stand auf der INTERGEO,
der vom Geschäftsführer Klaus-Detlev Lehmann, von Jürgen Lagoda
und Rudolf Uebbing betreut wurde, mit viel Unterstützung des
Kuratoriumsvorsitzenden Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte.
Der Erste Vorsitzende kündigte bereits
an, der Förderkreis werde auch auf der INTERGEO 2011 vom 27. bis 29.
September 2011 in Nürnberg einen Vortragsblock gestalten. Referenten
sind Dipl.-Ing. Frank Reichert („Zollmansche
Scheibe“), Prof. Peter Mesenburg („Kartometrie“) sowie Dr. Peter van der Krogt („Gerhard Mercator“).
Ingo von Stillfried berichtete weiter, der Förderkreis habe 2010 für 3 Ausstellungen Leihgaben zur Verfügung gestellt. Die Museumsnacht in Dortmund am 25. September 2010 war der Arbeit der Kartographen gewidmet. In zwei Durchgängen zeigte und erläuterte der Erste Vorsitzende die praktische Arbeit früherer Kartographen und führte anschließend durch die Schausammlung mit ihren zahlreichen Instrumenten und Auswertegeräten auch der Photogrammetrie. Wie bereits auf der letzten Mitgliederversammlung berichtet, soll der historische Wiehen-Wagen, ein geschichtsträchtiges Navigationsgerät, mit Unterstützung der Lehrwerkstatt von Volkswagen in kleinerem Maßstab nachgebaut werden. Die Aufgabenstellung ist recht komplex, so dass VW auch erfahrenere Mechaniker und Umschüler in das Projekt einbeziehen wird.
Zum Mercator-Jahr 2012 wird der Förderkreis, vorbehaltlich einer
gesicherten Finanzierung, eine große Sonderausstellung im Museum für Kunst
und Kulturgeschichte vorbereiten (voraussichtlich 9.3.2012 – 10.6.2012).
Das bereits im Entwurf vorliegende detailreiche Ausstellungskonzept wird in
Kurzform erläutert.
Die Instrumentensammlung ist weiter
gewachsen, insbesondere durch die Zugänge aus der Auflösung der geodätischen
Abteilung der Ruhr-Universität Bochum. Zudem wurde die Sammlung
Gähle erworben. Der Förderkreis erhielt 2010 zahlreiche Anfragen zur
Bestimmung von Instrumenten, ein Service mit zunehmender Tendenz. Dies zeigt,
wie hoch die Expertise des Förderkreises geschätzt wird. Der Bibliotheksbestand
hat sich erheblich vergrößert, wobei bei jeder Sichtung von Buchspenden
deutlich wird, wie gut die Bibliothek bereits ausgestattet ist.
Abschließend bedankte sich der Erste
Vorsitzende Ingo von Stillfried bei allen Aktiven für ihr Engagement
und allen Mitgliedern für ihre Treue zum Förderkreis. Er weist auf
Arbeitsbereiche hin, für die „Kümmerer“ gesucht werden. Für die Betreuung der
Kartensammlung hat sich Carsten Kamp bereiterklärt. Die
Betreuung der Briefmarkensammlung ist weiterhin vakant. Zudem werden
für das Instrumentarium Interessierte für Führungen, Kontakte, Pflege und
Präsentation gesucht, um Manfred Gombel und Waldemar Glowka zu
unterstützen – beiden wurde nochmals herzlich gedankt.
Schatzmeister Franz-Josef Gocke erläuterte den Kassenbericht für das Jahr 2010 sowie die Haushaltsansätze für das Jahr 2011. Die Kassenprüfer Burghard Kreuter und Ingo Tiemann bestätigten die korrekte Kassenführung. Der Vorstand wurde auf Antrag von Dr. Hartwig Junius einstimmig entlastet.
Bei den turnusmäßigen Wahlen zum
Kuratorium werden die Herren Klaus Meyer-Dietrich, Friedel Pfeifer,
Manfred Spata und Prof. Dr. Bertold Witte einstimmig
wiedergewählt. Herr Prof. Dr. Dietmar Grünreich, Frankfurt/Hannover
und Herr Prof. Klaus Kertscher, Osnabrück/Oldenburg sind ebenfalls zur
Kandidatur bereit und werden ebenfalls einstimmig gewählt. – Bei den
turnusmäßigen Wahlen zum Vorstand erklären sich Jürgen Lagoda,
Prof. Dr. Harald Lucht, Ulf Meyer-Dietrich, Rudolf Uebbing
sowie Prof. Dr. Erich Weiß bereit und werden unter Wahlleitung von Ingo
von Stillfried enbloc einstimmig wiedergewählt.
Die nächste Mitgliederversammlung findet am 13. Februar 2012 statt. Abschließend
macht Jürgen Lagoda auf geplante weitere Veranstaltungen des
VDV-Bildungswerks Geschichte des Vermessungswesens zum Thema Mercator aufmerksam,
insbesondere eine Ausstellung in der Salvatorkirche in Duisburg
ab 22.4.12 und bis 3.6. 2012 sowie darin eingebettet am 29.4.2012 eine
Arbeitstagung „Audienz bei Mercator“. – 01. 03. 2011 380.
Eilmeldung zu Terra X am 27. 2. 2011 …….. 379.
Mercator-Symposium in Dortmund Der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum hatte am Montag, 14. Februar 2011 zum 11. Dortmunder Symposium zur
Vermessungsgeschichte ins Museum für Kunst und
Kulturgeschichte in Dortmund eingeladen. Der Präsident des Förderkreises,
Prof. Dr. Harald Lucht aus Bremen, konnte erfreut weit über 80
Besucher begrüßen. Oberbürgermeister Ullrich Sierau betonte in seinem
Grußwort in der vollbesetzten Rotunde des Museums die heutige Bedeutung
Mercators. „In jedem GPS steckt ein
Stück Mercator“. Nicht ohne Stolz fügte OB Sierau hinzu, Dortmund
habe Anfang 2008 als erste deutsche Großstadt das städtische
Geoinformationssystem im Sinne der europaeinheitlichen Grundlage INSPIRE auf
„Mercator-Koordinaten“ umgestellt. Einleitend zum 11. Symposium
übermittelte der Präsident herzliche Grüße von Dr. Kurt Kröger, dem
früheren Ersten Vorsitzenden und Organisator früherer Symposien. – Das
diesjährige 11. Symposium unter dem Leitthema „Gerhard Mercator gestern und
heute in unserer Welt“ organisierte Prof. Dr.-Ing Erich Weiß. In fünf hochinteressanten
Vorträgen international bekannter Referenten wurde das Wirken und Schaffen
Mercators als Kartograph, Geograph, Mathematiker, Philosoph und Theologe aus
unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. – Dr. Peter van der Krogt
(Universität Utrecht) schilderte mit Unterstützung einprägsamer Folien
das Wirken von Gerhard Mercator als Geograph und Kartograph,
erläuterte dessen ersten Erdglobus (1541) wie ebenso Himmelsglobus (1551),
seine berühmte Palästina-Karte wie ebenso die erste Europa-Karte bis hin zur
Entwicklung eines ersten Atlas Mercators. – Prof. Dr. Jochen Brüning
(Humboldt-Universität Berlin) führte die Gedanken der Zuhörer in die
früheste Menschheitsgeschichte, begründete die Mathematik als erstes
Ordnungssystem, „eigentlich sei ein Mathematiker ja jemand, der Sätze
beweist“. Über Gemma Frisius leitete er über zu Mercator, zu
dessen Überlegungen zur Verebnung des Dreidimensionalen, die bekanntlich
nicht ohne Verzicht möglich sei, wie es Euler und Gauß bewiesen
haben. – Prof. Dr. Koenraad van Cleempoel (Universität Husselt)
lieferte alternativ zu jenem mehr geisteswissenschaftlichen Höhenflug die Darstellung
der hohen handwerklichen Kunst von Mercator, dem Mechaniker, gezeigt
an einer Reihe von Abbildungen von Astrolabien, Armillasphären, gestochen
scharf als Kupferstich. Die Mittagspause nutzen
zahlreiche Besucher zugleich zur Besichtigung der Schausammlung des
Vermessungstechnischen Museums. Im ersten Nachmittagsvortrag
führte Dr. Nicole Schmenk M.A. (Universität Duisburg-Essen) die
Zuhörer wieder in die mehr geisteswissenschaftliche und humanistische Welt
von Mercator. In Löwen durch die Inquisition wegen „Lutherei“
als Ketzer verhaftet, übersiedelte er ab 1552 nach Duisburg. Er
modifizierte u. a. die Aristotelische Stufenleiter der Natur – von der
toten Materie über die Pflanzen, die Tiere und den Menschen, den Geist und
selbständiges Denken als Ebenbild Gottes auszeichnen. – Schließlich
entwickelte der Präsident des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie,
Prof. Dr. Dietmar Grünreich die Grundsätze der Mercatorprojektion mit
ihren verschiedenen Achslagen, zeigte sehr anschaulich das Anwachsen der
Flächenverzerrung mit wachsendem Abstand vom Berührungskreis, erläuterte die
großen Schwierigkeiten, in Europa einheitliche UTM-Koordinaten zu
installieren. – Prof. Dr. Erich Weiß stellte die Vortragenden
jeweils vor und moderierte die lebhaften Diskussionsbeiträge. Alle Vorträge
wurden mit großem Beifall aufgenommen und werden in einem weiteren
Symposiumsband demnächst vom Förderkries Vermessungstechnisches Museum
veröffentlicht. Der Präsident des Förderkreises
konnte abschließend den Vortragenden für ihre gelungenen Präsentationen
danken, und insbesondere auch Erich Weiß für die gesamte Organisation.
Er habe durch die ausgesuchte Einladung der Vortragenden ein
hochinteressantes Mosaik der Persönlichkeit von Gerhard Mercator ermöglicht
und durch die Anordnung der Vorträge geradezu „eine spannende Choreographie
dessen Lebens und Wirkens“ gestaltet. – Insgesamt erbrachte das Symposium
einen umfassender Ausblick auf den 500. Geburtstag des großen Gelehrten
Mercator im kommenden Jahr. – 20.
02./22. 02. 2011 378.
Ehrung für Friedel Pfeifer Dipl.-Ing. Friedel Pfeifer wurde
am 14. Februar 2011 mit der Ehrenmedaille des Förderkreises
besonders geehrt. Präsident Prof. Dr. Harald Lucht dankte dem langjährigen
Ehrenmitglied für dessen große Verdienste um das Vermessungstechnische Museum
in Dortmund. Als Gründungsmitglied 1975
unseres Förderkreises hat Friedel Pfeifer von Beginn an 25 Jahre als
Schatzmeister gewirkt. Zwei besonders wertvolle Eigenschaften zeichneten ihn
aus, gekonnt Spender anzusprechen, um dann wesentliche Vorhaben des
Förderkreises zu finanzieren. Dabei setzte er wohl auch gerne auf seine
besonderen Verbindungen zum VDV. Mit hoher Fachkenntnis wußte er den
Wert historischer Instrumente einzuschätzen, denen seine große Vorliebe galt.
Für Vorstand wie Kuratorium des Förderkreises war und
ist Friedel Pfeifer darüber hinaus ein stets kluger und gründlich
abwägender Ratgeber auch in allen anderen vermessungshistorischen Themen.
Friedel Pfeifer schöpft dabei aus seinen reichen fachlichen
Erfahrungen und seiner Menschenkenntnis, die er in seiner schon 1943
begonnenen Praxis gewonnen hatte. Nach seinem Ingenieurdiplom 1951 in Essen
wirkte er bereits in ganz jungen Jahren als allein zuständiger
Vermessungsingenieur in der Gemeinde Anholt. 1955 folgte eine kurze
Tätigkeit bei der Stadt Dortmund im Vermessungs- und Katasteramt,
damals unter der Leitung von Siegfried Stahnke, einem der späteren
Gründungsväter des Förderkreises. Es folgte seine lange und so erfolgreiche,
alsbald leitende Tätigkeit insbesondere für die Datenverarbeitung bei der Vereinigten Elektrizitätswerken in Dortmund. –
15. 02. 2011 377.
UTM + Mercator
Das VDVmagazin veröffentlichte im neuesten
Heft den Text des Vortrags von Dipl.-Ing. Manfred Spata den er im
Rahmen unseres Vortragsblocks „Historische Vermessung“ während der INTERGEO
in Köln gehalten hat: „Wie viel Mercator steckt in der
UTM-Abbildung?“ (vergl. Mitt. Nr. 364). Mercators Weltkarte von
1569 verwendete erstmals die von ihm entwickelte winkeltreue
Abbildung. Spata zeigt die Entwicklung der winkeltreuen Abbildungen
von Mercator über Lambert und Gauß, erinnert an
die von Schreiber entwickelte Doppelprojektion, an die 40
Soldnerschen Katasterkordinatensysteme, die Gauß-Krüger-Abbildung
mit 3 Grad breiten Meridianstreifen, international als Transversale
Mercatorprojektion bezeichnet, bis schließlich hin zu der „Universal Traverse
Mercator Projection“, der UTM-Abbildung. „Im Zuge des
satellitentechnischen ‚Global Positioning System‘ (GPS) im ‚World Geodetic
System 1984‘ (WGS84) und des neuen, europaweit einheitlichen ‚European
Terrestrial Reference System 1989‘ (ETRS89) eroberte die UTM-Abbildung eine
dominierende Stellung sowohl im militärischen als auch im zivilen
Vermessungswesen. Jede Nutzung einer UTM-Koordinate erinnert heute bewusst
oder unbewusst an Mercators grundlegende Idee einer winkeltreuen
zylindrischen Abbildung der Erdkugel auf eine Kartenebene, an die Mercator-Abbildung.“
Schreibt Spata in der Zusammenfassung seines Beitrags. Quelle: Manfred Spata: „Wie viel Mercator steckt in der
UTM-Abbildung?“, VDVmagazin 1/2011 S. 24 – 29. – 11.02.2011 376. „Last call“ – 11. Symposium für
Vermessungsgeschichte – mit OB Ullrich Sierau ….. 375. Der Vermessungsingenieur in
Literatur und Film
Im Heft 4/2010 der Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und
Katasterverwaltung finden wir unter den Informationen ab Seite 60 eine
sehr dankenswerte Zusammenstellung von Schriften in der Belletristik und
von Unterhaltungsfilmen, in denen der Geodät, der
"Vermesser" in irgend einer Form eine Rolle spielt. Mario
Heuts aus Osnabrück hat Romane, Novellen, Gedichte, Anekdoten u.
a. aufgelistet, beginnend mit den Wahlverwandtschaften von Goethe 1809
bis hin zu modernen Romanen wie Azimut von Peter Steiner und Zwin von Gerd
Anlauf. In einer weiteren Liste sind Unterhaltungsfilme seit 1924 (Das
eiserne Pferd, ein Western) bis u.a. zur Komödie King of California und dem
Horrorfilm Sauna - wash your sins enthalten. In einem einleitenden Text setzt
sich der Autor mit den verschiedenen gebräuchlichen Berufsbezeichnungen
auseinander, dem Geodäten, Vermessungsingenieur, Feldmesser, Geometer,
Vermessungstechniker, dem historischen Gromatiker bzw. Agrimensor, dem
Katographen u.a.m., auch mit der manchmal abwertend empfundenen Bezeichnung
"Vermesser". Der Autor bittet um Ergänzungen, da "die Auflistungen mit Sicherheit nicht vollständig" sind. Weitere Informationen und Inhaltsangaben gibt die Internetseite des Verfassers unter http://www.vermesser-literatur-und-filme.de/ Dort findet der Besucher zu den aufgelisteten Werken zusätzlich kurze Inhaltsangaben. Insgesamt ist eine hochinteressante Fundstelle für alle, die am Vermessungswesen und seiner Außenansicht interessiert sind. - 25.01.11 374.
Weiter deutlich zunehmendes Interesse an unseren Seiten
Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche und Seitenaufrufe auf
unserer Homepage zeigt ein weiter steigendes großes Interesse. 2010 hatten
wir mit 31.600 Besuchen nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem
Vorjahr mit 17.700 (nach 16.300 in 2008) - und Sie sind dabei!
Die Seitenaufrufe stiegen ebenfalls erheblich, auf 46.700 in
2010 (nach 27.700 und davor 24.000). Diese Seite Aktuell zählte
2010 über 7.600 Aufrufe (nach 6.300 in 2009), die Seite Aktuell-Archiv
über 4.000 (nach 900 in 2009). Es folgen die Seiten zur Sammlung
mit über 2000 Seitenaufrufen, Instrumente mit sowie die Seiten zur
Bibliothek mit jeweils rd. 1.300. Die ebenfalls stark angewachsene
Anzahl der Aufrufe auf der Archiv-Seite von Aktuell zeigt
ebenfalls das hohe Interesse an vermessungshistorischen Ereignissen,
Gedenktagen und Schriften, worüber wir seit nunmehr rd. 8 Jahren auf diesen
Aktuell-Seiten informieren. Wir denken, damit auch insbesondere jüngere
Besucherinnen und Besucher für die Vermessungsgeschichte interessieren
zu können. Gegenwart wie Zukunft wurzeln in der
Geschichte, besonders in unserem der Nachhaltigkeit verpflichteten
Berufsfeld. Auch Zukunft braucht Herkunft.
Die Regionalstatistik zeigt bei der Auswertung der beiden führenden Ziffern
der Postleitzahlgebiete erneut Besucher aus allen Teilen der
Bundesrepublik und einzelne Besucher aus dem Ausland, insbesondere aus Österreich.
Schwerpunkte sind das erweiterte Ruhrgebiet einschließlich Bonn, dann München,
Freiburg und Berlin, der Raum Hannover/ Bremen sowie
Dresden und Leipzig. In der Regionalstatistik wertet unser
Server nur eine Teilmenge aus, Besucher mit nicht anonymisierter IP-Adresse.-
13.01.11 373. Kolloquium Kurfürstliche Koordinaten im Rahmen
der Ausstellung Genau messen =
Herrschaft verorten in Dresden Im Resisdenzschloß in Dresden findet am 21. und 22. Januar
2011 das Internationale Kolloquium „Kurfürstliche Koordinaten“ statt –
Landesvermessung und Herrschaftsvisualisierung im frühneuzeitlichen Sachsen. Nähere Infos zum Kolloquium,
einer Kooperation des Mathematisch-Physikalischen
Salons in Dresden mit der Uni
Kassel und dem Institut für
Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden über den Flyer
unter
Wir entnehmen aus dem Begleitmaterial: Genau messen ist gleich
Herrschaft verorten. Schon Kurfürst
August war diese Formel bekannt. Bereits 1587 enthielt die von ihm 27
Jahre zuvor gegründete Kunstkammer annähernd 1.000 mathematisch-technische Geräte und zahlreiche von ihm
eigenhändig angefertigte Vermessungsrisse und Karten von Sachsen. Im Reißgemach, dem Zentrum der
Kunstkammer im Residenzschloß Dresden,
wurden die zur Anwendung für den Kurfürsten Werkzeuge und wissenschaftlichen
Instrumente aufbewahrt. Sie
entsprachen damals nicht nur dem neuesten Stand der Technik sondern erfüllten
in höchstem Maße die repräsentativen Ansprüche einer fürstlichen Sammlung.
Das Reißgemach war schon damals
ein Zentrum von Geodäsie und Kartographie. Ausgehend von den
prunkvollen Zeugnissen der Landesvermessungen eröffnet die Ausstellung dem
Besucher den Zusammenhang zwischen der Etablierung von Macht und der
tatsächlichen räumlichen Verortung des Machtanspruches. Unter den circa 80
Exponaten befinden sich unter anderem ein von Kurfürst August vermutlich eigenhändig verfaßtes Traktat zu den
Methoden der Vermessungskunde und ein erst kürzlich entdeckter Entwurf eines
Wagenwegmessers vom Schweriner Instrumentenbauer Jachenow. – 03.01.2011 372. Mercator-Symposium im Februar 2011 und Mercator-Ausstellung 2012 in Dortmund ……… 371. Germania und die Insel
Thule ist der Titel eines kürzlich neu
erschienenen Buches von Andreas
Kleineberg, Christian Marx, Eberhard Knoblauch und Dieter Lelgemann. Der Untertitel umschreibt den wesentlichen
Inhalt mit (Die) Entschlüsselung von Ptolemaios’ „Atlas der Oikomene“. Wie
der SPIEGEL berichtete, hat
damit „Eine Gruppe aus Altphilologen,
Mathematik-Historikern und Erdvermessern vom Institut für Geodäsie der Technischen Universität Berlin eine verblüffende Landkarte
vorgelegt. Sie zeigt Mitteleuropa vor
2000 Jahren.“ Auf 133 Seiten wird
das Ergebnis 6-jähriger Forschungsarbeit dokumentiert. Wesentliche Grundlagen sind die
Längen- und Breitenangaben, aufgezeichnet einst von Claudius Ptolemäus (um 100 – um 170) in seiner „Geographie“ mit 6300 Ortsangaben für
damalige Städte und topographische Orte, wie Flußmündungen, Vorgebirge, Berge
o. ä.. Er stützte sich dabei insbesondere auf das Werk des Marinos von Tyros, eines Geographen
des 1./2. Jahrhunderts sowie auf eine Reihe weiterer Quellen, die jedoch als
von sehr unterschiedlicher Qualität beurteilt werden. Ptolemaios räumte insbesondere den durch astronomische
Beobachtungen gewonnen antiken Koordinaten Vorrang vor anderen Quellen ein.
Die Geographie von Ptolemaios ist
so eine erste maßstabsgetreue kartographische Darstellung. Die
Original-Schriften sind jedoch nicht erhalten, die Forschungen sind auf
später entstandenen Abschriften angewiesen. Die Autoren leiten das Buch ein
mit einer quellenkritischen und methodischen Einführung, Die Entzerrung der Ptolemaios-Koordinaten mittels
mathematisch-geodätischer Deformationsanalyse wird erläutert, sie wurde
realisiert in mehreren Schritten in räumlich unterschiedlichen, jeweils
möglichst ähnlichen Transformationsbereichen. Die Ortsnamen-Forschung wurde
ergänzend herangezogen. Im Ergebnis resultiert ein Mosaik von plausiblen
Verortungen historischer Orte aus der Zeit von vor 2000 Jahren. Sie sind in
den vorderen und hinteren Innenspiegeln des Buches in 4 farbigen
geographischen Karten dokumentiert und so unmittelbar in die heutige
Geographie einzuordnen. Im Schwerpunkt der textlichen
Ergebnisdarstellung steht im 2. Kapitel
Germania magna. Nach einer vergleichenden Auflistung der ptolemäischen
und der modernen Koordinaten aus den Transformationen folgen ausführliche
Punktbeschreibungen und aufschlußreiche Anmerkungen, ergänzt mit zahlreichen
Literaturhinweisen. In weiteren Kapiteln folgen in gleicher Weise die
Ergebnisse für Gallia Belgica,
Germania Inferior, Germania Superior (insgesamt also im
wesentlichen Mitteleuropa) bis schließlich zur Insel Thule. Sie galt im Altertum bei den Griechen
und Römern als Inbegriff des äußersten Weltendes, so bei der
Schiffsreise des Pytheas, wie bei dem römischen Dichter Vergil.
Die Autoren meinen, daß es sich bei Thule wahrscheinlich um die Insel Smola
vor der norwegischen Küste nahe Trondheim handelt. -
Ein Index am Schluß des Buches
erlaubt den schnellen Zugriff zu den vertiefenden Anmerkungen dieses
ungewöhnlichen Werkes. Denn Quellen: A. Kleineberg, Chr.
Marx, E. Knoblauch, D. Lelgemann: Germania und die Insel Thule - Die Entschlüsselung von Ptolemaios’ „Atlas
der Oikomene“, WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt 2010, ISBN 978-3-534-23757-9, 133
Seiten, € 29,90 und „Google Earth in der Antike“ in SPIEGEL 39/2010 S. 152. – 08.12. 2010 370. Langjährige Förderer in
Hannover besonders geehrt
Das Geodätische Kolloquium der
Leibniz-Universität Hannover hatte
am 16. November 2010 zwei ganz besondere
Höhepunkte. Zunächst den Vortrag von
Prof. Dr.-Ing. habil. Hansjörg Kutterer, Leiter des Geodätischen Instituts Hannover „Ingenieurgeodäsie
2020 – Beiträge des Geodätischen Instituts Hannover“ – ein Vortrag, der geodätische Meßverfahren
in Verbindung mit moderner Physik erlebbar werden ließ.
Für die Fördergesellschaft Geodäsie und Geoinformatik stand jedoch die
Ehrung von jenen Persönlichkeiten im Fokus, die 50 und mehr Jahre Mitglied
sind und somit langjährige Förderer des Berufsnachwuchses. Diese Möglichkeit
hatte die Mitgliederversammlung im vergangenen Jahr 2009 auf Anregung u. a.
von Prof. Dr.-Ing. e.h. Hubertus Hildebrandt aus Nürnberg
beschlossen. Er ist einer der zahlreichen ganz regelmäßigen Besucher der
Mitgliederversammlung, stets von weit her anreisend, in guter alter
Verbundenheit zur Geodäsie an seiner früheren TH und jetzigen Uni Hannover.
Der Vorsitzende der 1951 gegründeten Fördergesellschaft, Dipl.-Ing Rolf
Ueberholz, hob in seinen Worten insbesondere auch den Grundgedanken des
Generationenvertrags hervor. So haben viele Mitglieder in ihrer Studienzeit
und bei den großen Fachexkursionen von den Zuschüssen „der Förderer“
profitiert und geben dieses Sponsoring später zurück. Im großen Rahmen des
Kolloquiums wurden geehrt: Christel Behrmann, Hannover – Günther Dreyer,
Kissing – Dr. Hans-Ulrich Gerigk, Hannover – Prof. Dr. Dieter
Grothenn, Hannover – Prof. Günter
Hengevoss, Hamburg – Prof. Dr. Günther
Henneberg, Maracaibo/Venezuela – Prof. Dr. Hubertus Hildebrandt,
Nürnberg – Rolf Petermann, Hamburg – Prof. Harald Schulze, Hamburg –
Werner Sommer, Essen – Prof. Dr. Wolfgang Torge, Hannover – Dr. Bodo
Wendt, Laatzen – Arndt Wolfes, Münster, nicht alle waren anwesend. -
In seinen Dankesworten sah auch Hubertus Hildebrandt den besonderen
Wert in der Bindungswirkung zwischen alt und jung, ein Verhältnis, das sich
heute immer mehr lockert.
Einige der geehrten Kollegen hatten schon im WS 1946/47 ihr Studium begonnen.
Sie waren als Kriegsteilnehmer froh und dankbar, Krieg und
Kriegsgefangenschaft entronnen zu sein. Sie hatten vor dem Studium einen einjährigen
"Sonderlehrgang für Kriegsteilnehmer zur Ablegung der Reifeprüfung"
zu absolvieren (Schulgeld 25 Reichmark/Monat) und danach noch ein
6-Monate-Fachpraktikum, wie eines der ältesten Mitglieder der
Fördergesellschaft berichtet.
Die Fördergesellschaft wurde 1951 als „Gesellschaft zur Förderung
der Institute für Geodäsie und Photogrammetrie an der Technischen Hochschule
Hannover“ gegründet. Erster Vorsitzender war der Politiker Chefpräsident
a. D. Christian Blank (geb.1879 gest. 1967) Geodät und Bauingenieur,
seit 1922 Verkehrsverwaltung Preußen, 1829 Mitglied des Preußischen Landtags,
1933 aus von den Nazis entlassen und nach 1945 Mitglied des Niedersächsischen
Landtags). In seinem Geleitwort in der Folge 1 der Berichte vom März 1952 blickte
Christian Blank zunächst kurz auf den zwei Jahrzehnte zuvor von Prof.
Dr. Paul Gast gegründeten Beirat zurück, „der bis zum Beginn des
Krieges die Weiterentwicklung des Geodätischen Instituts wirksam gefördert
hat.“ Und er gab das Ziel der Neugründung vor, „…Sie will die Arbeiten des
Geodätischen Instituts (Direktor Prof. Dr. W. Großmann) und des
Instituts für Photogrammetrie und Ingenieurgeodäsie (Direktor Prof. Dr. G.
Lehmann) durch Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Praxis und
Hochschule, durch Anregung von Versuchsarbeiten und durch Mitwirkung bei der
Bewilligung von Mitteln für diese Versucharbeiten fördern; sie will
gleichzeitig aber auch die Mitglieder über die Arbeiten der Institute
unterrichten …“ Diese Grundgedanken sind bis in die Gegenwart Richtschnur
geblieben. Die Fördergesellschaft hat heute ca. 600 Mitglieder. Wie in den
Vorjahren hat die
Mitgliederversammlung auch 2010 den Fachinstituten wieder einen
namhaften Betrag für die Verwendung in Forschung und Lehre zugewendet. Zur
Fördergesellschaft siehe auch deren Homepage www.foerder-geodaesie.uni-hannover.de/index.html
. – 29.11.10 369.
Festkolloquium 200 Jahre Bohnenberger
Die Universität Stuttgart
veranstaltet zusammen mit dem Landesamt
für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg am 10.
Dezember 2010 ein Festkolloquium
„200 Jahre Maschine von Bohnenberger“. Vor 200 Jahren hatte Prof. J.G.F. Bohnenberger einen kardanisch
aufgehängten Kreisel zur Veranschaulichung der Erddrehung vorgestellt und
damit eine weit in die Zukunft führende Entwicklung vorbereitet. Bohnenberger leitete seinerzeit die
Landesvermessung von Württemberg,
die er maßgeblich prägte, und er lehrte und forschte an der Universität Tübingen.
Grußworte werden erwartet von Prof. Dr. Peter
Frankenberger, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, den
Rektoren der Universitäten Stuttgart und Tübingen, Prof. Dr. Wolfram Ressel und Prof. Dr. Bernd Engler sowie dem Dekan der
Fakultät Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie der Uni Stuttgart, Prof. Dr. Alfred Kleusberg.
Die Reihe der Festvorträge eröffnet
der Präsident des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung
Baden-Württemberg, Dipl.-Ing. Hansjörg
Schönherr mit dem Thema „J.G.F.
Bohnenberger als Landesvermesser“, es folgen zwei weitere Vorträge von
Prof. Dr.-Ing. Eberhard Baumann, HfT
Stuttgart: „J.G.F. Bohnenberger –
Astronom und Begründer der klassischen Geodäsie“ und von Prof. Dr. Jörg Wagner, Uni Stuttgart; „Die
Maschine von Bohnenberger“.
Die Festveranstaltung findet statt am Freitag,
10. Dezember 2010, 14:00 bis 18:30 Uhr, Stuttgart, Keplerstraße 17,
Tiefhörsaal M 17.01, und wird moderiert von Prof. Dr. Dieter Fritsch.
Anläßlich dieses besonderen Jubiläums veranstalten die geodätischen Institute
der Universität Stuttgart gemeinsam mit dem Institut für
Raumfahrtsysteme, der Abteilung Geschichte der Naturwissenschaft und Technik
des Historischen Instituts und dem Landesamtes für Geoinformation und
Landentwicklung Baden-Württemberg eine Fachausstellung, die 6 Wochen
lang geöffnet sein wird. - Siehe auch A. Trierenberg, J.F. Wagner: Die
"Maschine von Bohnenberger" und das wissenschaftliche Werk ihres
Urhebers, in Allg. Vermessungsnachrichten (AVN) 2008 S. 82 - 90 und zu
Bohnenberger vergl. auch unsere Mitt. Nr. 123.
Nachtrag: Die
Vorträge sind zusammen mit weiteren Beiträgen zum Wirken Bohnenbergers
dokumentiert in den Mitteilungen des DVW Baden-Württemberg Heft 2/2010 (144
Seiten). Im Vorwort erläutert Prof. Dr.-Ing. Eberhard Baumann die
Gedanken zum Entstehen dieses groß angelegten Festkolloquiums und ordnet die
Wirkungen des vor exakt 200 Jahren erfundenen Gyroskops in jüngere
Navigationsentwicklungen ein. Und er weist auf die bemerkenswerten
Gemeinsamkeiten zwischen Bohnenberger und dem 12 Jahre jüngeren Johann
Friedrich Benzenberg (Vergl. unsere Mitt. Nr. 254 und 286 ) hin. Mit
dem unter der Initiative von Eberhard Baumann entstandenen
Festkolloquium und der Dokumentation mit einer Reihe weiterer Fachbeiträge
ist einmal mehr ein wesentliches Stück Vermessungsgeschichte ins aktuelle
Blickfeld gehoben worden. Man darf dem DVW Baden-Württemberg, dem
Schriftleiter Professor Siegfried Schenk und dem Organisator des
Symposiums gratulieren, auch zu der ganz hervorragend gestalteten
Dokumentation. Der Förderkreis dankt für die Übersendung eines Exemplars für
unsere vermessungshistorische Fachbibliothek. (Bezugsnachweis für die
Dokumentation über eMail prof.s.schenk@t-online.de
)- 19.11.10/29.12.10 367.
Professor Dr. Heinz Draheim 95 Jahre
Wir gratulieren Professor Dr. Heinz Draheim herzlich zu seinem großen
Ehrentag, den er am 5. November mit der Vollendung seines 95.
Lebensjahres begehen kann. Einst in Schönfeld, Kreis Dramburg in Pommern geboren, in Berlin
aufgewachsen, hat er für unser Vermessungswesen in so sehr vielen Positionen
segensreich gewirkt. Unvergessen seine lange Rektoratszeit (1968 - 1983) an
der Uni Karlsruhe, sein Wirken für die AVN, an seine
vielfältigen Beiträge zur Vermessungsgeschichte. Wir haben an dieser
Stelle bereits vor 5 Jahren herzlich gratuliert und in aller Kürze seine
großen Leistungen und Verdienste gewürdigt (Siehe Mitt. Nr. 122) . Wir
wünschen ihm ganz besonders alles Gute für seine Gesundheit. Wir denken gerne
an so viele Begegnungen, an seinen großartigen Optimismus, den Heinz
Draheim stets ausstrahlt und danken ihm für seine lange treue
Mitgliedschaft in unserem Förderkreis. Wir senden dem Jubilar auch auf diesem
Wege herzliche Glück- und Segenswünsche. Eine ausführliche Würdigung
erfährt der Jubilar in den Allgemeinen Vermessungsnachrichten (AVN) Heft
10/2010 S. 322 - 323. - 05.11.2010/22.12.10
366.
Grenzuntersuchung – ein Vermessungs- und Katasterbuch Die fachliche Auseinandersetzung
mit dem Grenznachweis im Kataster und seinen Entwicklungsstufen in dessen
historischen Entstehungsart und der Art und Weise der Fortführung,
Grenzuntersuchung, Grenzfeststellung und Grenzabmarkung, Methoden der
Identitätsprüfungen: Norbert Fuhrmann aus Kerpen hat ein außerordentlich
gründlich recherchiertes Werk vorgelegt, erkennbar entstanden aus intensiver Beschäftigung
mit und Tätigkeit im klassischen Feld
der Grundlagen des Liegenschaftskatasters. Der
Wandel vom Steuer- zum Grundstückskataster, wesentlich eine Folge des Reichsgerichtsurteil von 1910 (vergl.
unsere Mitt. Nr. 331), hat
Generationen von Vermessungsingenieuren immer wieder beschäftigt. Während
früher und noch bis in die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts
Grenzstreitigkeiten im wesentlichen auf die Unzulänglichkeiten in den
Urvermessungen oder unzulänglichen Flurkartendarstellungen des Katasters
zurückzuführen waren, sind danach die Anzahl der Grenzprozesse geringer
geworden. Unabhängig davon sind auch heute Fragen der sicheren Feststellung
der Grundstücksgrenzen unverändert bedeutsam. Ausgehend von der Definition der
Grenzuntersuchung im Fortführungsvermessungserlaß NRW 2000 werden in dem
insgesamt 432 Seiten umfassenden Werk u. a. Grundstückseigentum und
Katasternachweis, die Güte der Katastergrundlagen
im Zeitenwandel, vermessungstechnische Grundlagen und Aufnahmeverfahren, besonders
ausführlich die Grenzuntersuchung, schließlich Vorschriften und ausgewählte
Gesetzesauszüge dokumentiert und kommentiert. Ein ungemein reichhaltiges
Literatur- und Stichwortverzeichnis schließt diese Dokumentation ab, die
sowohl als wertvolles Nachschlagewerk wie als Kommentar anzusehen ist.
Angesichts der Fülle der Informationen in diesem Buch kann hier lediglich ein
knapper Hinweis gegeben werden. Interessenten wird empfohlen, dieses
hochinteressante Gesamtwerk im
Internet unter http://www.grenzuntersuchung.de/
näher zu studieren. Siehe auch Fuhrmann,
Norbert: Grenzuntersuchung, in VDVmagazin 5/2010 S. 362 – 365. –
1.11.2010 365. Fundsache – Das Kyffhäuserdenkmal – eine
Anregung des Geodäten Prof. Dr. A. Westphal.
Das Kyffhäuser-Denkmal – offiziell „Kaiser - Wilhelm -
Nationaldenkmal“ – auf dem Kyffhäuser im Norden Thüringens
wurde 1896 eingeweiht. Wilhelm I., preußischer König und deutscher
Kaiser, habe mit der Reichseinigung von 1871 die Barbarossasage
erfüllt, war vielfache Meinung, und somit den alten Rotbart erlöst. Der Tod
des Kaisers löste 1888 einen Denkmalkult aus, der typisch für die jungen
Nationalstaaten des 19. Jahrhunderts war. Über 300
Kaiser-Wilhelm-Denkmäler wurden in Deutschland gebaut. Von ihnen
existieren heute allerdings nur noch wenige. Die meisten dieser Denkmäler
befanden sich in den Stadtzentren und wurden zum Ende des Zweiten Weltkrieges
zerstört. Der Entwurf für das Kyffhäuser-Denkmal stammte von dem Architekten
Bruno Schmidt (1858 – 1916), der zeitgleich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal
an der Porta-Westfalica und später auch das Anfang des 19. Jh. fertiggestellte Völkerschlachtdenkmal in Leipzig
entworfen hat.
Mit Glück und mit dem Kunst- und Kulturverständnis russischer Offiziere
überstand das Kyffhäuser-Denkmal seine schwierigste Phase – die
Nachkriegsjahre nach 1945. Die von den damaligen kommunistischen deutschen
Machthabern verfolgten Absicht, das Denkmal zu sprengen, wurde durch die Standortkommandantur
abgelehnt. Begründung: „Ihr Deutschen müßt endlich lernen mit eurer
Geschichte und euren Denkmälern zu leben.“
Noch zu DDR-Zeiten hatte sich das Denkmal – als reaktionär betrachtet
– seit den 70-iger Jahren zu einem immer beliebteren Ausflugsziel entwickelt.
Heute besuchen jedes Jahr mehrere 100.000 Touristen das Denkmal, 2005 konnte
der 20. Millionste Besucher begrüßt werden. Und bei gutem Wetter ist der
Blick zum Brocken, dem höchsten Berg im Harz (55 km entfernt,
nach neuesten Vermessungen 1141,1 m hoch) für jeden Geodäten
faszinierend.
Den Bau hatte einst ebenfalls ein Geodät angeregt: Der Geheime
Regierungsrat Prof. Dr. Alfred Westphal
(1850 – 1924). Er hatte Mathematik und Geodäsie studiert,
war 1874 – 1876 Professor der Mathematik an der Universität Tokio,
danach wissenschaftlicher Beamter am Geodätischen Institut in Potsdam-Babelsberg,
Mitglied des Zentralbüros der Internationalen Erdmessung. Er wirkte
ehrenamtlich als Schriftführer im Vorstand des Deutschen Kriegerbundes und
hat in dieser Eigenschaft kurz nach dem Tode Wilhelm I. 1888 den
Denkmalplan für das Kyffhäuserdenkmal erfolgreich auf den Weg gebracht.
Quellen: Tafeln im Denkmalmuseum im Kyffhäuserdenkmal und http://www.kyffhaeuser-denkmal.de/
. 21.10.10 364. INTERGEO Köln 2010 –
Historische Vermessung
Unser Förderkreis war erstmals mit einem eigenen Vortragsblock an der
diesjährigen INTERGEO beteiligt. Wie mehrfach angekündigt (so in Mitt. Nr.
350) referierten am 7. Oktober 2010 Prof. Dr. Klaus
Grewe, Swisstal, Prof. Dr.-Ing. Erich
Weiß, Uni Bonn und
Dipl.-Ing. Manfred Spata, Bonn.
Unter der Moderation des Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried, dem Initiator in dieser besonderen
Veranstaltung, entwickelte sich ein breiter Spannungsbogen aus einem Spektrum
sehr alter, überraschender persönlicher und hochmoderner
vermessungshistorischer Themata. Ingo von Stillfried stellte die
Referenten in Kurzform vor und konnte insbesondere unserem
Kuratoriumsmitglied Klaus Grewe zur Honorarprofessur an der RWTH
Aachen gratulieren.
Wir wissen um die fundierte Art zu forschen, mit der unser Zweiter
Vorsitzender Erich Weiß Schätze der Vergangenheit aufzuspüren vermag: "Franz
Adickes - nicht nur städtebauliche Bodenordnung". Über den
Bodenordner aus Frankfurt und seine Lex-Adickes hört man im Studium – doch
wie viel reichhaltiger war sein Wirken, wie es uns Erich Weiß nun
vorstellte. Franz Adickes, geb. 1846 bei Stade, gest. 1915 in Frankfurt
a. M., war zuerst Zweiter Bürgermeister und Beigeordneter in Dortmund
1873 – 1877 und anschließend Oberbürgermeister im noch preußischen Altona,
bevor er 1891 bis 1912 Oberbürgermeister von Frankfurt a. M. wurde.
Erich Weiß erläuterte Adickes’ Neigungen während Studium und
Referendarausbildung und dessen Erwägungen, entweder in die Wissenschaft oder
doch in die kommunale Praxis zu gehen. Frühe Veröffentlichungen wie
praktische Tätigkeiten waren Fragen der Armenpflege, der Sozialversicherung
und zum Wohnungswesen gewidmet – und führten schließlich zu einer großen
kommunalpolitischen Karriere als Oberbürgermeister und „Vater der städtischen
Bodenordnung“ in Frankfurt am Main.
Im dritten Vormittags-Vortrag spannte Dipl.-Ing. Manfred Spata,
Eratosthenes-Preisträger 2003, den Bogen über 500 Jahre von Mercator
in die Transversale Mercator Projektion: "Wie viel Mercator
steckt in UTM?“ Ausgehend von den vielfach in der Seefahrt gebrauchten
zylindrischen Abbildungen rund um den Äquator, über die Lambertsche Abbildung längs eines Meridians und
die Kopenhagener Preisschrift von C. F. Gauß 1822 führte der Vortragende mit
sehr übersichtlichen Abbildungen schließlich zu der Gauß-Krüger-Abbildung
(vergl. unsere Mitt. Nr. 206). Heute sind die UTM-Koordinaten internationaler
Standard.
Moderator Ingo von Stillfried und unsere drei Vortragenden erhielten
für ihren eingangs angedeutete weiten Bogen spannender Vermessungsgeschichte
und ihre gekonnten Referate lebhaftem Beifall von recht zahlreichen Zuhörern:
Ein erfolgreicher Start einer neuen Aktivität unseres Förderkreises. -
09.10.10 363. INTERGEO Köln 2010 - erfolgreicher Messestand unseres Förderkreises
Vermessungstechnisches Museum e.V.
Der Messestand unseres Förderkreises im Ausstellungsgelände der INTERGEO
Köln konnte auch 2010 seine so erfolgreiche Präsenz fortsetzen. Nochmals
unter der bewährten Leitung unseres Geschäftsführers Klaus-Detlev Lehmann
und wiederum tatkräftig unterstützt von Jürgen Lagoda und Rudolf
Uebbing sind zahlreiche Besucher begrüßt und beraten worden - und es
konnten nochmals eine ganze Anzahl des neuen Museumshandbuchs sowie andere
Veröffentlichungen verkauft werden. Das repräsentative Museumshandbuch
(vergl. Mitt. Nr. 354) findet immer mehr Liebhaber und wird gerne als
Geschenk genutzt. Neben dem rührigen Ersten Vorsitzenden Ingo von
Stillfried waren auch der Kuratoriumsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Bertold
Witte sowie der Zweite Vorsitzende Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß – wie
ebenso der Präsident – am gut gelegenen Stand anzutreffen. Darüber hinaus
konnten gute Kontakte zum ÖVA für die kommende INTERGEO 2011 in Nürnberg,
insbesondere zum ÖVA-Vorsitzenden Frank Seidler und zum
Pressereferenten Helmut Mörkens geknüpft werden. -
08.10.10/20.10.10 362. Dortmunder Museumsnacht –
Ein großer Erfolg für die Vermessungsgeschichte
Trotz des riesigen Angebotes mit über 500 Programmpunkten an über 50 in ganz Dortmund verteilten
Veranstaltungsorten hat damit eine beachtliche Besucherzahl unserem rührigen
Ersten Vorsitzenden in unserem Museum zugehört. Und es gab immer wieder interessierte
Zwischenfragen, die Besucher haben sich aktiv beteiligt. Unter Ihnen waren
viele Schüler und auch demnächst in die Lehre gehende junge Menschen. Mit Christian Heine war ein
Auszubildender aus dem 2. Lehrjahr im Kataster-
und Vermessungsamt Dortmund „mit Feuer und Flamme“ dabei, konnte bereits geschickt Rede und Antwort
geben und so auch für unseren Beruf werben. 361.
Erfurt
– Fachtagung 20 Jahre kommunales Vermessungswesen
Nach Begrüßungsworten der Amtsleiterin Dipl.-Ing. Carola Bayer und des
DVW-Landesvereins-Vorsitzenden Dipl.-Ing. Michael Osterhold erinnerte
Frau Bayer in Kurzform an die Wiedergründung des 1953 aufgelösten
Vermessungsamtes der Stadt Erfurt, auch an die großen
Anfangs-Schwierigkeiten. Heute firmiert das Vermessungsamt als Amt für
Geoinformation und Bodenordnung, nimmt u. a. über Stadtgrundkarte und
Geobasisdaten Querschnittsaufgaben für die gesamte Kommune wahr. Im Vortrag
des Abteilungsleiters Bodenordnung, Dipl.-Ing. Torben Stefani, wurden
ergänzend praktische innerstädtische Bodenordnungsverfahren in Erfurt vorgestellt.
Im Zentrum des Vormittagsprogramms stand der Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Theo
Kötter, Uni Bonn, zum Thema „Entwicklungen der Innenstädte unter
Anwendung von Bodenordnungsverfahren nach dem BauGB“. In den Mittelpunk
seiner Ausführungen stellte er die heute aktuelle „Innere Stadterweiterung“.
Mit bundesweiten Beispielen zeigte er die Möglichkeiten der Reurbanisierung
der Städte über die Aktivierung von Baulücken, Brachflächen, Aussiedlung
störender Betriebe – unter zweckmäßiger Anwendung der gesetzlichen und
freiwilligen Umlegung, von städtebaulichen Verträgen – insgesamt dem
vielfältigen Spektrum bodenpolitischer Instrumente.
Unter der Moderation von Dipl.-Ing Gisela Zeh, Nordhausen, entwickelte
sich ein hochinteressantes Kolloquium, das nach einer Kaffee- und
Mittagspause fortgesetzt wurde. Dann stand ein Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Frank
Schwarzbach, HfTuW Dresden über „Aktuelle Herausforderungen für
kommunale Geoinformationssysteme“
sowie ein Beitrag zu GIS-Anwendungen auf dem Programm.
Frau Bayer war erfreut, im vollbesetzten Auditorium mit zahlreichen
heutigen und ehemaligen Mitarbeitern insbesondere auch den Vorsitzenden des
Dt. Vereins für Vermessungswesen, Prof. Dr.-Ing. Karl-Friedrich Thöne,
begrüßen zu können, daneben waren u. a. die Kollegen Krüger aus Dresden,
Seiler aus Nürnberg, Dr. Wegener aus Hannover sowie die
früheren Kollegen Luft aus Wiesbaden und Prof.Dr. Lucht aus Bremen der
Einladung gefolgt. Letzterer gratulierte Frau Bayer aus seiner
früheren Funktion im Deutschen Städtetag heraus zu ihrem erfolgreichen
Wirken in den vergangenen 20 Jahren. Und er erinnerte er an die
Umbruchsituation 1989/90 und daran, wie der frühere Präsident des Deutschen
Städtetages Manfred Rommel aus Stuttgart die seinerzeitigen
gewaltigen Herausforderung mit den Worten umschrieben hatte, es habe damals
im Osten auch im Verwaltungsrecht für die ostdeutschen Fachkräfte in der
Stunde Null eine Situation geherrscht, für den Westen vergleichbar, als werde
chinesisch als Amtssprache eingeführt (siehe auch Mitt. Nr. 352). – 26. 09.
2010 360. In 2
Wochen startet die INTERGEO in Köln ………….. 359. Astronomisches Horizontobservatorium - Museumsbesuch Dortmund Seit 2008 steht auf der Halde Hoheward zwischen Herten und Recklinghausen ein modernes Horizontobservatorium, erbaut vom Regionalverband Ruhrgebiet, realisiert unter maßgeblicher Beteiligung unseres Mitglieds, Vermessungs- und Liegenschaftsdirektor Dieter Wewer. Hauptmerkmal sind auf einer kreisrunden Fläche von 80m Durchmesser die beiden riesengroßen Bögen, Meridianbogen und Äquatorbogen, mit einem Durchmesser von 91 bzw. 95 m. Mit der für das Bauwerk entwickelten Architektur werden die Bahnen von Sonne, Mond und Sternen in den verschiedenen Jahreszeiten und die Zyklen der Gestirne in besonderer Weise erlebbar. Ein hoher Obelisk ist klassischer Schattenstab einer ausgeklügelten Sonnenuhr – insgesamt ein modernes Stonehenge auf 152 m Meereshöhe mit weitem Blick über das grüne Ruhrgebiet (Siehe http://www.horizontastronomie.de/ ). Den hochinteressanten Besuch dieses ungewöhnlichen Bauwerks organisierte Prof. Dr.-Ing. Hans Hahn, vormals FHBochum und ebenfalls Mitglied unseres Förderkreises, im Rahmen eines Semestertreffens. 50 Jahre nach dem Studium der Geodäsie an der Uni Hannover (damals noch TH) wurden so Erinnerungen wach an Astronomie-Vorlesungen bei dem unvergessenen Prof. Karl Pilowski. Nach Führungen im alten Dorf Westerholt und durch die ehemalige Steinkohlenzeche Zollverein (UNESCO-Weltkulturerbe 2001) haben einige Kollegen mit ihren Damen abschließend das Vermessungsmuseum in Dortmund besucht. Zahlreiche Ausstellungsstücke lösten vielfältige Erinnerungen an die eigene frühere Praxis aus, so u. a. in der analogen photogrammetrischen Auswertung, den erlebten Entwicklungen in der elektronischen Entfernungsmessung, an Berechnungen mit der Brunsviga-Kurbelrechenmaschine. – 12.09.2010 358. Dortmunder Museumsnacht am 25. September 2010 ………….. 357. Geschichte der Hamburger Triangulation Ein neues Sonderheft aus der Feder der Hamburger Kollegen Gerd Hoffmann, Heinrich Meurers und Karl-Heinz Nerkamp – eine hochinteressant aufgearbeitete Zusammenstellung zur Hamburger Vermessungsgeschichte von um 1814 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Beginnend mit einem besonders lesenswerten Rückblick auf u. a. Eratosthenes, Snellius als Zitat aus dem Göschen-Band „Geodäsie“ von Reinhertz 1899, über die Kapitel „Längenmaß und Nullmeridian“ mit Hinweisen auf die französische Triangulation zur Bestimmung des Urmeters (1791 – 1799, siehe unsere Mitt. Nr. 353), zur Vorgeschichte des Nullmeridians von Ferro und Greenwich, führt die Einleitung über „Frühe Karten und Vermessungen“ zur ersten Triangulation von Hamburg 1814. Original-Zeichnungen der in der Franzosenzeit errichteten Brücke im Norden der Wilhelmsburger Elbinsel illustrieren die damalige Zeit, und: Wo ist innerhalb der noch engen Hamburger Stadtgrenzen Platz für eine Basismessung? „Das Kriegsunglück …bot eine vortreffliche Gelegenheit“ eine Standlinie von ca. 8000 Fuß zu erkunden, schildert der Grenz-Inspektor J. T. Reinke seine Nöte für sein in Privatinitiative begonnene erstes „Koordinatensystem Hamburg“ mit dem Nullpunkt Michaeliskirche. Reinkes erster trigonometrischer Vermessung kommt insoweit eine besondere historische Bedeutung zu, weil H. C. Schumacher aus dieser Wilhelmsburger Basis die erste Längenberechnung seiner Braaker Basis ableitete. Heinrich Meurers konnte in einer aktuellen Auswertung jener historischen Vermessungen einen Punktlagefehler von nur 4 cm nachweisen. Auch die damals ermittelten Geographischen Koordinaten für den Michaelisturm waren bereits relativ genau. Dessen Vermessungs- wie ebenso Baugeschichte werden erörtert, einschließlich der beobachteten Wanderungen der Kirchturmspitze. Ausführlich wird der Hamburger Obervermessungsrat Gurlitt zitiert, der in der zfv 1931 alle Aspekte der Entwicklung der Triangulationen in Hamburg zusammengefaßt hatte. Namen wie Obergeometer Heinrich Stück, Friedrich Hermann Reitz, Spankern aus Schleswig-Holstein, H. C. Schumacher und selbst Gauß finden mit ihrem Wirken besondere Erwähnung. Die unterschiedlichen Meßverfahren im 19. Jahrhundert und später vor und nach der Zäsur des Zweiten Weltkriegs werden deutlich, insbesondere erläutert mit oft farbigen Abbildungen einer Reihe von Originaldokumenten und von Netzskizzen. Das Preußische Netz und Triangulationen im Umland sind ebenso Thema, wie widersprüchliche Ergebnisse für die Bestimmung der Braaker Basis, die (auch mit ihren Auswirkungen in angrenzende Netze) mehrfach Gegenstand kritischer Untersuchungen waren. Das Sonderheft umfaßt 36 Seiten im Format DIN A4 und wendet sich in erster Linie an den technischen Nachwuchs sowie an interessierte Kolleginnen und Kollegen. „Mit Einführung der Satellitengeodäsie SAPOS wird das alte, historisch gewachsene Triangulationsnetz nicht mehr benötigt“, postulieren die Autoren den Wandel in die neue Zeit. - Die Autoren Hoffmann, Meurers und Nerkamp präsentieren eine interessante Dokumentation eines wesentlichen Kapitels knapp 200-jähriger Hamburger Vermessungsgeschichte. Quelle: Freie Hansestadt Hamburg – Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung – GV-Aktuell Sonderheft 2010. Interessenten wenden sich an karl-heinz.nerkamp@gv.hamburg.de . Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 294 und 296. – 30.08.10
356. Die Jagd nach dem Urmeter – Ein Film auf ARTE – Wiederholung! …………… 355. DVW und VDV rufen zur Vermessungsgeschichte nach Wolfenbüttel Die angekündigte Veranstaltung kann nicht wie geplant im September d. J. stattfinden, sie soll im kommenden Jahr realisiert werden, wie die Veranstalter mitteilten. - 20.08.10
354. Museumshandbuch im Spiegel von Buch-Besprechungen Das Museumshandbuch zum Vermessungstechnischen Museum in Dortmund wurde anläßlich der INTERGEO in Karlsruhe 2009 vorgestellt (siehe unsere Mitt. Nr. 313). Im FORUM 4/2009 des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure schreibt Guido Müller, Berlin „Das Buch im A4-Format ist komplett überarbeitet und wesentlich erweitert und damit auf den heutigen Wissensstand gebracht worden. Es richtet sich nicht nur an Vermessungsspezialisten, sondern bietet auch Nichtfachleuten aussagefähige und verständliche Informationen. …. Das Museumshandbuch ist qualitativ hochwertig gestaltet und eignet sich daher, wie bereits die vorherigen Auflagen, auch sehr gut als Geschenk.“ Willibald Dores schreibt im VDVmagazin 6/09 S. 514: "Wer ...ein wirklich interessantes und auch repräsentatives Buchgeschenk sucht, ist mit der dritten ... erweiterten Auflage des Museumshandbuchs "Vermessungsgeschichte" gut beraten". Er hebt hervor, das Werk zeige u.a. die Walldseemüller-Weltkarte von 1507 auf einer Doppelseite in bester Qualität, den Großtheodoliten Pistror & Martins von 1861 und Sartorius von 1910 als Einseitendruck und begrüßt den erheblich erweiterten Aufsatzteil, u.a. mit der Dokumentation des nun abgeschlossenen Kapitels der analogen Führung des Liegenschaftskatasters und insgesamt das "erbauend aufgefrischte Nachschlagewerk". Prof. Dr.-Ing. Walter Seele, St. Augustin, bespricht das Werk in der Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung (fub) Heft 2/2010 S. VI: „… Das Museumshandbuch bietet in der Aufmachung eine schmucke Darstellung und im Inhalt einen soliden Ein- und Überblick wozu und wie die Erdoberfläche im Ganzen wie in Stücken mit ihren natürlichen Erscheinungsformen und von Menschenhand gestalteten Flächen und künstlichen Anlagen seit dem Altertum im Laufe der Zeit vermessen wurde.“ Und er hebt hervor, das grundsätzliche Ziel auch dieser 3. Auflage bleibe, eine insbesondere auch für Nichtfachleute aussagefähige Quelle zur Vermessungsgeschichte zu sein. Der Eratosthenes-Preisträger 2001 Frank Reichert, BDVI Brandenburg, berichtet in der Zs. „Vermessung Brandenburg“ 2/2009 u. a. von einem gut gestalteten, sehr informativen und ausführlichen Überblick, wie sich die Methoden und Instrumente des Vermessungswesens von der Antike bis heute entwickelt haben. …Beginnend mit der Karte als dem sichtbaren Endprodukt der Arbeit des Vermessungsingenieurs werden in sieben einzelnen Kapiteln die Themen Erdmessung, Landesvermessung, Feldmeßkunst, Höhenmessung und Grenzabmarkung umfassend behandelt und durch Abbildungen und Beschreibungen der Ausstellungsstücke eindrucksvoll illustriert. Hervorzuheben sind hier u. a. mehrere Großtheodolite und der in einer Spendenaktion 2005 erworbene Dollond-Theodolit von ca. 1770 (S. 299). Der an den Ausstellungsteil anschließende 11 Beiträge umfassende Aufsatzteil ergänzt das Handbuch um fundierte Informationen über Instrumentenmacher, Kartenherstellung, Schwerefeldbestimmungen, historische Landestriangulationen, historische Abmarkungen, Maßgeschichte, Rechenmaschinen usw. Der Intention eines Museumshandbuchs folgend, bietet der Katalog sowohl dem Vermessungsspezialisten als auch dem interessierten Laien eine systematische Einführung in die Geschichte des Fachgebiets. Juliane Bedijs, Hannover, schreibt in der zfv 2010 S. 204 „… Besonders interessant sind die Abschnitte, die sich mit der Feldmeßkunst im alten Ägypten und der Ingenieurvermessung in der Antike beschäftigen…Doch auch moderne Methoden … kommen nicht zu kurz. … Einen vertieften Einblick in die Wissenschaft der Geodäten erhält der Leser im Aufsatzteil … Schwerefeldbestimmung … Rechentechnik von Abakus bis Handcomputer…..“ Das umfassende Glossar mit den wichtigsten Begriffen und Namen des Vermessungswesens runde das Buch ab. Die Buchbesprechung der gleichen Autorin, ist in verkürzter Fassung in den Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung, Heft 1/2010 S. 49, erschienen. In den Allgemeinen Vermessungsnachrichten (AVN) Heft 4/2010 S. 157 ist ausführlich mit unseren Halbjahres-Nachrichten 1/2010 über das Museumshandbuch informiert worden. Der Förderkreis ist daran interessiert, weitere veröffentlichte Buchbesprechungen zu erfahren – bitte per Mail an den Redakteur dieser Mitteilungen oder an unseren Geschäftsführer. Das 300 Seiten umfassende Buch dient Präsidenten und Vorsitzenden der Verbände gerne auch als repräsentatives Geschenk – so kürzlich dem Präsidenten des DVW, Karl-Friedrich Thöne, der dem ausscheidenden Vorsitzenden des DVW Mecklenburg-Vorpommern Ullrich Frisch das Museumshandbuch überreichte (zfv 4/2010 Seite n-34). Der Präsident des Förderkreises konnte jüngst anläßlich eines Semestertreffens dem Ratskellermeister Hans-Josef Krötz ein Exemplar überreichen, nun Teil der Bücherei des weltberühmten Bremer Ratskellers (über 600 Jahre alt, über 650 Deutsche Weine). Der Förderkreis ist auf der kommenden INTERGEO in Köln wieder mit seinem Stand vertreten. Dort kann das Museumshandbuch zum Preis von € 30 erworben werden. Bei Postversand über unseren Geschäftsführer Klaus-D. Lehmann sind incl. Verpackung und Versand € 35 zu überweisen. – 14.08.10
353. Die Jagd nach dem Urmeter – Ein Film auf ARTE – Am Samstag, den 7. August 2010 um 20:15 Uhr zeigt der TV- Sender ARTE in der Serie Terra x „Die Jagd nach dem Urmeter“, einen uns vermessungshistorisch Interessierte besonders ansprechender Film über die Französische Gradmessung von Dünkirchen bis Barcelona 1792 - 1799. Im Jahr 1799 legen die
französischen Astronomen Delambre und Méchain in Paris
ihre Daten vor. Sieben Jahre lang waren sie unterwegs, um den Meridian, der
durch Frankreich verläuft, in zuvor nie erreichter Präzision zu
vermessen und der Welt ein neues, einheitliches Maß zu geben, das metrische
System. Der zehnmillionste Teil der Strecke vom Pol bis zum Äquator soll das
neue Längenmaß bilden. Die Dokumentation folgt den Spuren der beiden
Astronomen. Mit aufwendigen Dreharbeiten an Originalschauplätzen begibt sich "Terra X" auf die Spuren von Delambre und Méchain. Die Astronomen hatten ein damals vollkommen neuartiges Instrument zur Verfügung, den Bordakreis, der Messungen von nicht gekannter Präzision erlaubte. Das Nationale Geografische Institut in Paris stellte für die Dreharbeiten einen Original Bordakreis aus dem Jahre 1792 zur Verfügung. - Unser Vermessungsmuseum in Dortmund verfügt ebenfalls über einen Bordakreis, siehe auch Museumshandbuch S. 58. Die Sendung wird wiederholt am Sonntag, den 8. August um 14:55 Uhr. Den Hinweis auf die Sendetermine verdanken wir unserem Eratosthenes-Preisträger Manfred Spata. Und ergänzend sei verwiesen auf das Buch von Ken Alder „Das Maß der Welt – Die Suche nach dem Urmeter“ (Goldmann-Verlag München, 1. Auflage als Taschenbuch Juni 2005, 543 Seiten – ISBN 3-442-15335-2), das wesentliche Grundlage für das Drehbuch gewesen ist, Ken Alder tritt im Film als wissenschaftlicher Kommentator auf. - Der Kongreßdirektors der so erfolgreichen INTERGEO 2008 Bremen, Martin Fliege, erfreute einige seiner Mitstreiter mit genau diesem Taschenbuch. Hingewiesen sei auch auf u.a. die Veröffentlichungen von Helmut Minow: "Abendteuer und wissenschaftliche Leistung - Die Meridiangradmessung 1792 - 1798 zwischen Dünkirchen und Barcelona" in Zs. Der Vermessungsingenieur 2005 S. 306 - 311 (mit weiterreichender Literatur) und von unserem Eratosthenes-Preisträger Bernhard Zimmermann: "D. F. Arago und die französische Gradmessung" in Zs. Der Vermessungsingenieur 2006 S. 288 - 290. - 02. 08. 10/ 30. 08. 10
352. Erlebte Vermessungsgeschichte – Umwälzungen in den „neuen Ländern“ vor 20 Jahren Politische Wende 1989/90 in Deutschland – erhebliche Herausforderungen auch für das Vermessungs-, Kataster- und Liegenschaftswesen. Deutscher Städtetag, Länderarbeitsgemeinschaft AdV, Berufsverbände, insgesamt das deutsche Vermessungswesen stellte sich dieser Herausforderung: Das Vermessungs-, Kataster- und Liegenschaftswesen hatte in der DDR eine ganz andere Entwicklung genommen als in der Bundesrepublik, bedingt durch über 40 Jahre einer ganz anderen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, einer veränderten, geradezu nachrangigen Rolle des Grund und Bodens im Wirtschaftsleben. Als Folge des Einigungsvertrages von 1990 wurde in den „neuen Ländern“ sehr schnell das über Jahrzehnte entwickelte westdeutsche Fachrecht eingeführt. Manfred Rommel, Präsident des deutschen Städtetages schrieb im November 1991.“Die ostdeutschen Kommunalpolitiker haben es unglaublich schwer. Die Einführung von westdeutschem Verfassungs- und Verwaltungsrecht von einem Tag auf den anderen wirkte ungefähr so, als ob bei uns im Westen Chinesisch als Amtssprache eingeführt würde…..Ich ziehe vor den ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen tief den Hut, auch vor dem, was sie in der verhältnismäßig kurzen Zeit bereits mit äußerst bescheidenen Mitteln zu leisten imstande waren.“ In den ostdeutschen Städten herrschte erheblicher Fachpersonal-Mangel, einhergehend mit schwierigen Unterbringungsverhältnissen, teilweise veralteter Automationstechnik. Die unterschiedlichsten Kräfte aus dem Westen waren damals bemüht, beim Neuaufbau des Vermessungswesens in der ehemaligen DDR mitzuwirken, es gab Vorschläge, Papiere, Memoranden mit ganz unterschiedlichen Zielrichtungen. Die westdeutschen Städte und Länder und haben mit großem Einsatz unterstützend gewirkt – personell und finanziell. Der Fachbeitrag „Vor 20 Jahren – Aus der Arbeit im Deutschen Städtetag nach der politischen Wende“ in der zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement“, Heft 3/2010, Seiten 143 bis 151 schildert die damalige Situation und dokumentiert die Aktivitäten der Fachkommission „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ im Deutschen Städtetag in jenen Jahren, zugleich mit einem kurzen Einblick in das Wirken der Länderarbeitsgemeinschaft AdV. Siehe: www.haraldlucht.eu/Lucht_zfv_3_2010.pdf . - 25. 07. 10
351. 150 Jahre Stadtvermessung Hannover 1860 gründete die Stadt Hannover ein Vermessungsbüro, das am 23. Juni 1860 seine Arbeit aufnahm. Taggenau 150 Jahre später begrüßte Oberbürgermeister Stephan Weil im Mosaiksaal des ehrwürdigen Neuen Rathauses zahlreiche Gäste und besonders den früheren Amtsleiter Prof. Gustav Bohnsack. Er beglückwünschte ihn und den seit 1986 an der Spitze der Stadtvermessung in Hannover so erfolgreich wirkenden Dr. Bernd Wegener und seine Mitarbeiterschaft zu diesem besonderen Jubiläum und bekannte, von der Stadtvermessung eigentlich nur den vorzüglichen Stadtplan zu kennen. Er wisse jedoch, dies sei nur die Spitze des Eisbergs, für planvolle Stadtentwicklung sei die Stadtvermessung das unsichtbare und unverzichtbare Fundament. Stadtbaurat Uwe Bodemann begrüßte die große Fachkollegenschaft aus Verwaltung und Wissenschaft und dankte Dr. Bernd Wegener für die hohe Flexibilität in der Aufgabenbewältigung. Unter den zahlreichen Besuchern waren u. a. die Amtsleiter der Stadtvermessung aus Kiel, Magdeburg, Nürnberg, vom KVR aus Essen, aus Braunschweig, Göttingen, Hildesheim. Beginn und Entwicklung der Stadtvermessung Hannover ist in einer hervorragend gestalteten Druckschrift dargestellt, erarbeitet nach intensiven Recherchen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtvermessung. Am Beginn stand einst der Major a. D. und Geometrielehrer am Polytechnikum Hannover, H. L. W. Arnold Deichmann, die Gründung war ausgelöst von der Stadterweiterung 1859. – Die Stadtvermessung Hannover war nach dem Zweiten Weltkrieg selbständiges Amt, Teil des Stadtplanungsamts, wieder selbständiges Amt und seit 2003 Bereich Geoinformation im Fachbereich Planen und Stadtentwicklung. Gegenwärtig steht angesichts der leeren städtischen Kassen und des landesweit eingeführten neuen kommunalen Rechnungswesens (NKR) vor allem die Bewertung der städtischen Immobilien im besonderen Fokus. Stadtdirektor Karlheinz Jäger, Leiter des Stadtmessungsamtes Stuttgart und Vorsitzender des Städtetagsausschusses "Kommunales Vermessungswesen und Geoinformationen", spannte in seinem Festvortrag "Geodaten und Geodäten" einen weiten Bogen von frühester Vermessungsgeschichte bis in Gegenwart und Zukunft. Seine historischen Mosaiksteine waren u. a. die Feldmesser in Ägypten (als Hohe Priester mit hohem Ansehen, er meinte, das wäre heute wohl zu relativieren), der Plan von Nippur (bereits überraschend maßstäblich), die Ebstorfer Weltkarte (als nur ein Bild), die Stadtansichten von Merian zu Stuttgart 1634 (als ein erster Stadtplan) und Hannover 1654 (als eindrucksvolle Silhouette). Ausgelöst durch den zunehmenden IT-Einsatz gab es in den vergangenen Jahrzehnten einen erheblichen Wandel in der Aufgabenerledigung. Heute werden frühere Separatlösungen durch integrative Ansätze ersetzt. Der weitere Auf- und Ausbau von fachübergreifenden kommunalen Geodateninfrastrukturen (GDI) und Geoportalen sowie einem abgestimmten Geodatenmanagement kommt in den Städten eine entscheidende Bedeutung zu. Geodaten sind Zukunftsrohstoff, sie sind Garanten für Innovationen und qualitätsvolle Dienstleistungen, Grundlage einer prosperierenden Wirtschaft. Eine begleitende Ausstellung zeigte das heutige Wirken der seit 2003 als „Geoinformation“ firmierenden Stadtvermessung Hannover. Tafeln informierten über die vielfältigen heutigen Aufgaben, so über Liegenschaftsvermessungen und Bauwerksüberwachungen, die Stadtkarte 1:1000 als Basis breiter Anwendungen in der Stadtverwaltung, über Luftbildauswertungen und das seit 1951 gepflegte Luftbildarchiv, die Architekturfotografie, über Grundstücksbewertung und städtischen Liegenschaftsnachweis. Zeitaufwendige Aufgaben sind auch die politisch geforderten Straßennamenumbenennungen bei Personen, deren damalige Ziele und Wertvorstellungen heute im Widerspruch zu Verfassung und Menschenrechten stehend gesehen werden. – Im Online-Shop sind reichhaltige thematische Karten im Angebot. Die 19. und Jubiläumsausgabe der Stadtkarte Hannover 1:20 000, seit 1951 mit einer Gesamtauflage von 358.000 Exemplaren für die Messe- und Expo-2000-Stadt Hannover, ist ein besonderes, sechsfarbiges Aushängeschild der Stadtvermessung. Ein ausführlicher Bericht ist in der zfv 4/2010 S. 292 - 293 erschienen. – 15.07.10/ 30.08.10
350. Unser Auftritt bei der INTERGEO in Köln ………….
349. Bundesbaugesetz vor 50 Jahren verkündet Vor 50 Jahren, am 29. Juni 1960, wurde das Bundesbaugesetz (BBauG) verkündet (BGBl. I S. 341). In 10 Kapiteln („Teilen“) wurde mit insgesamt 189 Paragraphen ein einheitliches „Grundgesetz des Städtebaus“ geschaffen, seit 1987 zum Baugesetzbuch erweitert. Das Bau- und Planungsrecht (Bauleitplanung, Vorkaufsrecht, Regelung der baulichen Nutzung), die städtische Bodenordnung und Grenzregelung, das Enteignungs- und Erschließungsrecht sind damals auf eine bundeseinheitliche Grundlage gestellt worden. Die Grundstückswertermittlung hat mit der Einrichtung der Gutachterausschüsse, der Kaufpreissammlung eine besondere Bedeutung für die Markttransparenz gewonnen (bis 1960 galt formal noch die „Preisstopp-Verordnung von 1936). Das BBauG ist u. a. von den Fachkollegen im damaligen Städtetagsausschuß „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ – also aus der praktischen Erfahrung heraus – intensiv mit vorbereitet worden. Diese Vorarbeiten sind insbesondere mit den Namen der Fachkollegen Bonczek (vergl. Mitt. Nr. 213), Dr. Röhrs (Mitt. 252), Overhoff (Mitt. 298), Stahnke (Mitt. 298) u. a. verbunden. Siehe auch Mitt. Nr. 192. Das Bundesbaugesetz war nach 1960 im Vermessungsbereich insbesondere für die Arbeit der (kommunalen) Vermessungs- und Katasterämter, der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure, insgesamt der Ortsinstanzen von besonderer Bedeutung. Neben der Grundstückswertermittlung entfachte die Bodenordnung (in Fortsetzung der Regelungen der Aufbaugesetze) eine städtebaulich große Wirkung. So ist z.B. der gesamte Innenstadtbereich von Dortmund in den 50-iger und 60-igerJahren neu geordnet worden, begonnen zunächst auf der Grundlage von Vorgängerverordnungen aus früherem Umlegungsrecht, dann des Aufbaugesetzes NW von 1952 und schließlich des BBauG. Vor 1960 war bereits über 30 Jahre versucht worden, das Baurecht zu ordnen und es den jeweils neuen Entwicklungen auf dem Gebiet des Städtebaus anzupassen. Bereits 1926 und 1929 wurden in Preußen entsprechende Gesetzentwürfe ausgearbeitet, jedoch nicht verabschiedet; ebenso erging es einem Reichsstädtebaugesetzentwurf aus dem Jahr 1931. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die westdeutschen Länder – mit Ausnahme von Bayern und Bremen – zunächst Aufbaugesetze nach dem von ihnen gemeinsam erarbeiteten „Lemgoer Entwurf“ erlassen. Obwohl diese sich generell bewährt hatten, konnten sie nicht die Aufsplitterung auf dem Gebiet des Baurechts beseitigen. Das wird daraus deutlich, daß 1960 im Bundesbaugesetz insgesamt 67 (!) Gesetze und Verordnungen des Bundes und der Länder außer Kraft zu setzen waren.
Das
Bundesbaugesetz (BBauG) mit den Regelungen zum allgemeinen Städtebaurecht und das ergänzend dazu geschaffene
Städtebauförderungsgesetz (StBauFG) vom 27. Juli 1971 mit Regelungen zum besonderen Städtebaurecht (v. a.
Sanierungsrecht) wurden zum 1. Juli 1987 in überarbeiteter Form im
"Baugesetzbuch" (BauGB) zusammengefaßt und mehrfach novelliert.
Vor 50 Jahren wurde das Bau- und Planungsrecht in der (alten) Bundesrepublik
endlich vereinheitlicht. – 29.06.10/26.07.10
348. Hartwig Junius zur Vollendung des 70. Lebensjahres. Seit über 30 Jahren ist Dr.-Ing. habil. Hartwig Junius ein ruhender Pol in unserem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund. Geboren am 20. Juni 1940 in Hemer bei Iserlohn hat er als akademischer Lehrer mehr als einer ganzen Generation von Raumplanern den Vermessungsberuf nahegebracht. Nach Studium an der Universität Bonn wurde er Akademischer Oberrat und später Privatdozent an der Universität Dortmund. Zunächst seit 1969 bei Prof. Dr.-Ing. Walter Seele, anschließend bei Prof. Dr. jur. Hartmut Dietrich und Prof. Dr. iur. Benjamin Davy. - Hartwig Junius ist den Lehrstuhlinhabern in der Fakultät für Raumplanung zur unentbehrlichen „rechten Hand“ geworden. 1991 habilitiert und lehrend insbesondere in den Fachgebieten Planungskartographie und Geoinformationssysteme. Vielen „seiner“ Studentinnen und Studenten hat er so die Vermessungskunst in umfassender Weise nahegebracht und ist ihnen in seiner zielführenden und zugleich menschlich-verständnisvollen Art in bester Erinnerung. Im Förderkreis wirkt Hartwig Junius seit 1979, seit 1982 als Geschäftsführender Vorsitzender des Kuratoriums und seit über 10 Jahren in gleicher Funktion als dessen Stellvertretender Vorsitzender. Ihm ist der Start 1981 in die Organisation der im 3-Jahres-Abstand durchgeführten Symposien zur Vermessungsgeschichte zu danken, verbunden mit der Herausgabe der Symposiumsbände. Mit "Von der Allmende bis zum heutigen Privateigentum" begann die Reihe seiner Symposien. Seit einer Reihe von Jahren hat er sich auch zusätzlich in die Pflicht der Führung unserer umfangreichen Fachbibliothek nehmen lassen. Die Pflege dieses ungemein großen Wissens-Reichtums ist ihm schnell zum Herzensanliegen geworden. Weil er jüngst nicht nachließ, für den Kauf eines für sich gesehen teuren kleinen Buchs im Vorstand zu werben, können wir nun hoffen, daß der „Wiehen-Wagen“ bei Volkswagen in Kassel-Baunatal Realität wird (vergl. unsere Mitt. Nr. 324).
Wir gratulieren
unserem „Guten Geist“ im Förderkreis Dr. Hartwig Junius herzlich zu
seinem besonderen Ehrentag. Er wird sicher im Kreise seiner großen Familie
und zusammen mit seinen 9 Enkelkindern feiern – unser Erster Vorsitzender
Ingo von Stillfried wird unsere besten Wünsche persönlich überbringen. –
20.06.10
347. Konrad Zuse vor
100 Jahren geboren – 10 Euro Gedenkmünze
Konrad Zuse (geboren 22. Juni 1910 in Berlin, gestorben 18. Dezember 1995 in Hünfeld nahe Fulda) gilt heute unbestritten als Erfinder des Computers. Nach Jugendjahren in Ostpreußen, Abitur in Hoyerswerda in der Lausitz/Sachsen beendete er 1935 sein Studium mit dem Diplom als Bauingenieur an der TH Berlin-Charlottenburg. Bereits aus jener Zeit stammten erste Vorüberlegungen für einen programmierbaren Rechner. Die Z 1 war 1938 fertiggestellt - im heimischen Wohnzimmer, ebenso 1941 die Z 3 - ein vollautomatischer in binärer Gleitkommaberechnung arbeitender Rechner mit Speicher und Zentraleinheit aus mehren Tausend Telefonrelais. Die Z 3 gilt heute als der erste funktionstüchtige Computer der Welt. 1949 gründete der Erfinder die Zuse KG nahe Hünfeld. Bald nach Bad Hersfeld verlegt, folgte die Zusammenarbeit mit Nixdorf, später Übernahme durch Siemens. – Die Anwendungen im Vermessungsbereich begannen in den 50-iger Jahren in einer fruchtbare Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsverwaltung, wo der Relais-Rechner Z11 lange eingesetzt wurde. Bald darauf war die Z22 entwickelt, der erste elektronische (Röhren-) Rechner, der ebenfalls vielfach in den Vermessungsverwaltungen arbeitete. – Das Vermessungstechnische Museum in Dortmund besitzt in seiner Magazinsammlung eine Rechenanlage Zuse Z11 sowie einen Graphomaten Z64. - Eine außerordentlich reichhaltige Sammlung befindet sich im Konrad Zuse Museum in Hünfeld nahe Fulda, dort sind u.a. die Z1, Z3, Z4. Z11, Z22 und der Graphomat Z64 ausgestellt (vergl. unsere Mitt. Nr. 195).
Zum 100. Geburtstag von Konrad Zuse erinnern bundesweit Ausstellungen,
Vorträge und Workshops an sein Leben und Werk und machen auf die Aktualität
seiner Erfindung im digitalen Zeitalter aufmerksam, siehe insbesondere http://www.zuse-jahr-2010.de/.
und www.zuse.de
sowie unsere Mitt. Nr. 341.
Am 10. Juni 2010 ist eine 10 Euro-Gedenkmünze in Verkehr gebracht
worden. Im Mittelpunkt der Bildseite steht ein Quadrat mit zahlreichen
binären Zahlen 0 und 1, teilweise überlagert durch ein stilisiertes Profil
von Konrad Zuse – und eingefaßt von (oben) einem Lochstreifen und
seitlich von den Rechnerbezeichnungen Z1 bis Z5, Z11, Z22, Z23, Z25, Z31 und
Z64 sowie (unten) mit der Schrift KONRAD ZUSE 1910 – 1995. Der
glatte Münzrand enthält in vertiefter Prägung die Inschrift KONRAD ZUSE -
VISIONÄR ZWISCHEN NULL UND EINS. - (BGBl. I S. 687). – 15./20.06.10
346. Mercator-Symposium im Februar 2011 - Vorankündigung ………..
345. Prof. Dr. Erich Weiß geehrt Der Zweite Vorsitzende unseres Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. mult Erich Weiß, Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft i. R. der Universität Bonn wurde von der Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie der Universität Lubljana die goldene Plakette für hervorragende Zusammenarbeit verliehen. Erich Weiß hat über eine Reihe von Jahren für einen engen Studienaustausch von Studenten und Assistenten mit der Uni Lubljana gesorgt und zusammen mit der slowenischen Kollegin Prof. Dr. Maruska Subic Kovacein ein Buch über Städtebauliche Bodenordnungsmodelle aus der Bundesrepublik Deutschland verfaßt. Wir gratulieren zu dieser erneuten Ehrung (Vergl. auch unsere Mitt. 310). - 26. 05. 1o 344. 175 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen – Gründung eines Katasterbüros in Bremen 1835 Am 15. Mai 1835 beschloß die Bremische Bürgerschaft auf Vorschlag der Finanzdeputation, ein „Cataster-Bureau“ zu gründen. Das war der Geburtstag des Katasteramts Bremen, 1939 umbenannt in Katasterverwaltung der Freien Hansestadt Bremen, 1941 Vermessungsamt der Stadt Bremen,1945 bis 1995 (50 Jahre) Kataster- und Vermessungsverwaltung Bremen, seit 1995 Wirtschaftsbetrieb „Kataster und Vermessung Bremen“, seit 2003 als Eigenbetrieb „GeoInformation Bremen“. Allein diese Namenskette signalisiert eine zeit-typische Entwicklungsgeschichte – und gegenwärtig ist eine Rückumwandlung in eine Behörde neu im Gespräch – wieder Katasteramt Bremen? Am Beginn vor 175 Jahren standen als dringlich erkannte Erfordernisse aus dem Finanz- und aus dem Bauwesen, hier insbesondere aus dem Tiefbau. Bereits 1813/15 hatte A. E. von Weltzien dem bremischen Senat ein ausführliches Memorandum unterbreitet über „Die Verfertigung eines Lagerbuchs oder Catasters für die Gemeinden des Gebiets der Freyen Hansestadt Bremen“ – angeregt durch eigene Erfahrungen in französischen Diensten. Es sollte noch 20 Jahre dauern, bis es zur Gründung des Katasterbüros kam. Es war der damals höchste Beamte, Wasserbaudirektor Blohm, der zu den grundsteuerlichen Erfordernissen die bautechnischen und planerischen Notwendigkeiten einbrachte, für ausreichende Karten zu sorgen, für den Chaussee- und Wegebau, zur Erschließung von Bauflächen, für den Deichbau. Schon damals mußten offenbar handfeste Praxis-Erfordernisse in den Vordergrund gerückt werden, um Allgemeinerfordernisse durchzusetzen. – Die leitenden bremischen Behördenleiter haben in der Vergangenheit gerne die Gelegenheit „runder Geburtstage“ genutzt, um den in der Allgemeinheit meist wenig beachteten Dienst des „Katasteramts“ in die Öffentlichkeit zu tragen, jenen unverzichtbaren Dienst für das Gemeinwesen, die Wirtschaft und den Bürger generell im Grundstückswesen, für das Bodeneigentum und das Liegenschaftskataster, in der Bodenordnung und Grundstücksbewertung, die Stadtkartographie und Stadtdokumentation, für die Stadt- und Verkehrsplanung. Die Jubiläen 100 Jahre Katasteramt 1935, 125 Jahre Kataster- und Vermessungsverwaltung 1960 und zuletzt 1985 das Jubiläum 150 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen sind durch große festliche Veranstaltungen gewürdigt worden - jeweils ergänzt mit in einer in die breite Öffentlichkeit wirkende Ausstellung (siehe u. a. die Veröffentlichungen von Brinkmann 1935, Erxleben 1960 und Lucht 1985, Bohnsack 1985). Am 15. Mai 1985 fand die Festveranstaltung mit über 400 Teilnehmern in der Oberen Rathaushalle Bremen statt, in der Unteren Rathaushalle wurde eine große Ausstellung präsentiert, man zählte 11.000 Besucher (Tworuschka 1986). Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, nach 1945, waren in Bremen durch sparsame Personalausstattung der Katasterbehörde geprägt, die in den Katasterwerken bis in die Gegenwart nachwirken. In den Jahren ab etwa 1980/85 herrschte im Land Bremen bereits Haushalts-Notlage, daraus folgten erhebliche Sparmaßnahmen des Senats in den Fachverwaltungen. Ab etwa 1992 gab die Politik Vorgaben zur Umwandlung der Fachbehörden in sogenannte privatwirtschaftliche Strukturen mit Kosten-Leistungsrechnungen. Die Katasterbehörde erhielt ab 1995 die Form eines Wirtschaftsbetriebs mit Jahresbilanzen. 2003 wurde der eingeschränkt selbständige Wirtschaftsbetrieb in einen selbständigen Eigenbetrieb umgewandelt. Politische Absicht war, dieser solle sich weitgehend selbst finanzieren – angesichts der vielfältig hoheitlichen Aufgaben eine Vorgabe, erinnernd an die Quadratur des Kreises. Autor dieser Zeilen hatte seine Zweifel an der Umsetzbarkeit jenes seit 1999 erwogenen Ziels in die Feststellung gekleidet: „War die Form des bestehenden Wirtschaftsbetriebs durch das Motiv der Kosten- und Leistungstransparenz gerechtfertigt, ist demgegenüber die weitergehende Eigenbetriebsform unseren gesetzlichen Kernaufgaben gegenüber wesensfremd.“ (Lucht 1999 S. 246). Die Politik in Bremen forderte 2003, einen Wirtschaftsingenieur für die Betriebsleitung einzustellen, zusätzlich versehen mit gutachterlichen Vorgaben für die Wirtschaftsführung. Der ausgewählte Betriebsleiter organisierte u. a. 2008 die so sehr erfolgreiche INTERGEO Bremen 2008, die weltgrößte Messe für Geoinformation im Kongreßzentrum auf der Bürgerweide in Bremen.. Inzwischen von seinen Aufgaben entpflichtet, scheint gegenwärtig nach Zeitungsmeldungen die Rückkehr von GeoInformation Bremen in eine Amtsstruktur wahrscheinlich. - - Allgemein zeigt sich in Deutschland
nach den Behörden-Umwandlungen in den Jahren 1995 bis etwa 2005 heute
folgernder bundesweiter Sachstand: „Auf regionaler Ebene bestehen Behörden
für die Aufgaben des Liegenschaftskatasters und für die Bereitstellung
anderer großmaßstäbiger Geoinformationen. Sie sind entweder als staatliche
Sonderbehörden eingerichtet oder wie in Baden-Württemberg,
Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen
kommunalen Gebietskörperschaften zugeordnet…..Herauszustellen ist,
dass sich das amtliche Vermessungswesen in Deutschland seit einigen Jahren in
einem grundlegenden organisatorischen Umstrukturierungsprozess
befindet...“(Creuzer/Zeddies
in Kummer/Frankenberger 2010, Kap. 2.3.1). Heute vor 175 Jahren war in Bremen eine der ältesten Katasterinstitutionen in Deutschland durch Senatsbeschluß gegründet worden. Angesichts der aktuellen Situation gibt es zwar gegenwärtig kaum Möglichkeiten, diesen Geburtstag jetzt zu feierlich zu begehen. Es ist jedoch angedacht, das Jubiläum noch in diesem Jahr besonders zu würdigen. Literatur (Auswahl): Brinkmann, W. A.: Das Bremische Kataster- und Vermessungswesen seit 1813, ZfV 1935 S. 369 – 379; Erxleben, B.: Bremen – heute, AVN 1960 S. 275 – 279; Lucht, H.: 150 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen, ZfV 1985 S. 219 – 228; Bohnsack, G.: 150 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen (Bericht über die Veranstaltungen) ZfV 1985 S. 377 – 379; Tworuschka, H.: Ausstellung aus Anlaß des 150-jährigen Bestehens der Kataster- und Vermessungsverwaltung Bremen, Zs. Vermessungswesen und Raumordnung 1986 S. 75 – 76; Lucht, H.: Verwaltungsumbau im Kataster- und Vermessungswesen in Bremen, ZfV 1999, S. 241 – 247: Lucht, H.: Bremen – gestern und heute, zfv 2008 S. 197 – 205; Kummer, K. und Frankenberger, J. (Hrsg.): Das Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen 2010, Wichmann-Verlag – Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Heidelberg u.a. und Nachtrag: Lucht H.: Eine Episode in der 175-jährigen Geschichte des Katasters in Bremen, VDVmagazin 2011 S. 30 -31. - 15.05.10/ Nachtrag 12.02.2011 343. INTERGEO 2010 und Mercatorjahr 2012. Besondere Schwerpunkte der jüngsten Vorstandssitzung des Förderkreises waren zwei besondere in die Zukunft gerichtete Themen, unsere Beteiligung an der INTERGEO 2010 und das Mercatorjahr 2012. Bei der kommenden INTERGEO vom 5. bis 7. Oktober 2010 in Köln wird der Förderkreis erstmals mit einem eigenen Vortragsblock „Historische Vermessung“ vertreten sein, als Vortragende konnten Dr. Klaus Grewe, Manfred Spata und Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß gewonnen werden. Unser bekannter Messestand wird wieder von dem bewährten Team unter Leitung unseres Geschäftsführers Klaus Lehmann organisiert. Den Vorbereitungen auf das Großereignis 500 Jahre Mercator im Jahre 2012 ist das kommende 11. Symposium für Vermessungsgeschichte am 14. Februar 2011 gewidmet, mit 5 Vorträgen namhafter Mercator-Kenner der Einstimmung auf dieses besondere Jubiläum, organisiert von unserem Zweiten Vorsitzenden Prof. Dr.-Ing. mult. Erich Weiß, Bonn. Für das erste Vierteljahr 2012 plant der Förderkreis dann in enger Kooperation mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte MKK in Dortmund – unserer Heimatinstitution – eine große Jubiläumsausstellung, deren Schwerpunkt auf Mercators Wirken in der Kartographie und der Mathematik liegen wird, mit besonderem Bezug zur näheren Region. Die Erarbeitung des Ausstellungskonzepts liegt in den bewährten Händen unseres Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried und unseres Vorstandsmitglieds Jürgen Lagoda. Das MKK wird die im Erdgeschoß liegende Fläche für Sonderausstellungen zur Verfügung stellen, ergänzt mit tatkräftiger museumsfachlicher Unterstützung. Wir werden auf beide Ereignisse noch ausführlich zurückkommen. – 06.05.10
342. 25 Jahre Deutsches Vermessungsmuseum in Dortmund
Am Sonntag, den 21. April 1985 feierte der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum in Dortmund e.V. die Eröffnung unserer inzwischen
bundesweit anerkannten und geschätzten Schausammlung, des Vermessungsmuseums
in der Abteilung 22 im renommierten städtischen Museum für Kunst und
Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund. - Das Vermessungsmuseum ist als Abteilung 22 inzwischen tatsächlich zu einem integralen Bestandteil des MKK geworden. Die Schausammlung wird bereits seit 1985 von Manfred Gombel betreut, seit längerem unterstützt und gefördert von Ingo von Stillfried. Unser Vermessungsmuseum hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einer ersten Adresse in der vermessungstechnischen Fachwelt und für viele interessierte Besucher des MKK entwickelt, sie ist besonderer Mittelpunkt der Arbeit unseres Förderkreises. Wir sind dabei der Anerkennung von Museumsdirektor Wolfgang E. Weick gewiß, der unsere Arbeit besonders zu schätzen weiß. - 26.04.10 341.
Eröffnungsveranstaltung zum Konrad-Zuse-Jahr Konrad Zuse wurde am 22. Juni 1910 in Berlin geboren. Zum Gedenken an sein großes Lebenswerk beginnen in diesen Tagen eine Reihe von Veranstaltungen - so am 20. 04. 2010 das Eröffnungssymposium zum Zuse-Jahr 2010 im Deutschen Technik-Museum in Berlin unter der Schirmherrschaft von Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Anette Schavan, die auch die Eröffnungsansprache hält. Eine hochkarätig besetzte Runde diskutiert zum Thema: "70 Jahre digitales Zeitalter - Konrad Zuse und die Zukunft der Informationswissenschaft in Deutschland". Ein historischer Filmbeitrag zeigt Konrad Zuse - "Warum ich den Computer erfand". Der Sohn des Erfinders, Prof. Dr. Horst Zuse, TU Berlin, spricht zum Thema "Mein Vater und die Entwicklung der Computer in Deutschland." In weiteren Vorträgen wird erinnert an den Menschen und Erfinder Konrad Zuse, an ihn als Unternehmer - Erfindung und Vermarktung gestern und heute. Konrad Zuse starb 1995. - Der Erste Vorsitzende unseres Förderkreises Ingo von Stillfried nimmt für das Vermessungstechnische Museum an dieser Auftakt-Veranstaltung teil. Informationen und weitere Veranstaltungen siehe http://www.zuse-jahr-2010.de/. Siehe auch unsere Mitt. Nr. 195 zum Zuse-Museum in Hünfeld. - 19.04.10
340. Erinnerungen an Heinrich
Ochsenhirt – sie nannten ihn O-t
Studierende des Vermessungswesens in Essen
erinnern sich mit Hochachtung an ihren Dozenten und akademischen Lehrer Heinrich
Ochsenhirt, der weit über Essen
hinaus einen nahezu legendären Ruf als der Fachmann für Präzisionsvermessung
besaß und viele neue Prüfverfahren für geodätische Instrumente entwickelte
und darüber veröffentlichte. Kurt
Kröger schrieb zum 70. Geburtstag von Heinrich Ochsenhirt: „Eine ganze Generation von Studenten der …
Staatsbauschule, Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen, Fachhochschule und
zuletzt der Uni Gesamthochschule Essen
hat er geprägt.“ Quellen:
Ochsenhirt,
H.: 50 Jahre Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen
in Essen, ZfV 1958 S. 108; Kröger, K.: Wir nannten ihn O-t, Reminiszenzen an
Heinrich Ochsenhirt, Der Vermessungsingenieur 1980, S. 42; Jacobs, E.:
Professor Dr.-Ing. Heinrich Ochsenhirt †, ZfV 1995 S. 424 – 425; Jacobs, E.: Professor Dr.-Ing.
Heinrich Ochsenhirt 80 Jahre, Der Vermessungsingenieur 1990, S. 66;
Seeber, G.: Laudatio für Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil Dr. h.c. mult. Hans
Pelzer zur Emeritierung anlässlich der Vollendung seines 68. Lebensjahres in www.foerder-geodaesie.uni-hannover.de
unter Bericht 2004. - 12.04.10 339. Besuch aus München.
Anfang März d. J. besuchten uns in Dortmund die Fachkollegen Marcus Wandinger und Klaus Zaglmann vom Landesamt für
Vermessung und Geoinformation (LVG) München, Kuratoren der dort 1999
begründeten Ausstellung zur Vermessungsgeschichte. Der Erste Vorsitzende des
Förderkreises Ingo von Stillfried führte sie durch die Schausammlung
des Vermessungstechnischen Museums wie ebenso in unser großes Magazin – der
Besuch entwickelte sich zu 4 hochinteressanten Stunden des Austausches
vermessungshistorischer Erfahrungen. Sehr positiv wurde angemerkt, wie unsere
Dauerausstellung optisch, vom Aufbau und von der Objektauswahl sehr gelungen
ist. Sehr erstaunt war man, welch breites Themenfeld der Vermessungstechnik
wir in Dortmund abdecken. Es entstand spontan der gemeinsame Wunsch,
die Kataloge der verschiedenen Sammlungen untereinander auszutauschen, auch
um gegenseitig zu wissen, was wo vorhanden ist. Besonderes Interesse fand
auch, wie wir mit einfachen, kostengünstigen Mitteln eine effektive
Inventarisierung realisiert haben. Der sehr fruchtbare Besuch hat neue
Kontakte zum Museumsstandort München geschaffen. - 02.04.10 338. Trauer um
Eratosthenes-Preisträger Bernhard Zimmermann Wir
erhielten die traurige Nachricht, Bernhard Zimmermann aus Rostock-Warnemünde
ist am 12. März 2010 nach kurzer Krankheit verstorben. In einer würdigen
Trauerfeier am 22. März auf dem Friedhof in Warnemünde gedachten seine
große Familie und zahlreiche Fachkollegen des Verstorbenen. Im engeren
Kreis hat dann Paul-Gerhard Ramseger Gedenkworte gesprochen - Kollege
und Freund und wie der Verstorbene aus dem Raum Königsberg im
ehemaligen Ostpreußen stammend. Bernhard Zimmermann verstarb
wenige Tage nach Vollendung seines 85. Lebensjahres. Seinen Geburtstag am 7.
März konnte er noch im Kreise seiner Familie und mit engen Freunden begehen.
- Wir hatten unserem Eratosthenes-Preisträger 2003 noch an dieser Stelle gratulieren dürfen und sein Lebenswerk gewürdigt (Mitt. Nr. 335). In der April-Ausgabe des VDVmagazins wird sein letzter von weit über 100 wertvollen vermessungshistorischen Beiträgen erscheinen, die er in den vergangenen 60 Jahren verfaßt hat - zusammen mit einer Würdigung, ursprünglich eine Laudatio zum 85. Geburtstag, nun in tiefer Betroffenheit als Nachruf. - Bernhard Zimmermann wird uns unvergessen bleiben. - 24.03.10 337.
Erinnerungen an Prof. Dr.-Ing. Werner Engelbert,
geboren vor 100 Jahren, am 1. März
im Wuppertal-Barmen. Wir erinnern
an eine herausragende Persönlichkeit im Katasterdienst in Niedersachsen und an der Technischen
Hochschule und später Universität
Hannover. Zeitgenossen kannten und schätzten sein so lebhaftes und oft
streng erscheinendes Engagement im Einsatz für das breite Berufsfeld des
Geodäten im Vermessungs-, Kataster- und Liegenschaftswesen. Er gehörte zu
jener Generation, die insbesondere durch die entbehrungsreichen Kriegsjahre
geprägt war und dann tatkräftig den Wiederaufbau begleitete.
Nach Studium in Bonn, Großer
Staatsprüfung und Diplomexamen an der TH Hannover,
wurde Werner Engelbert dort 1948 promoviert.
Seit 1936 zunächst im Dienst der preußischen,
nach dem Zweiten Weltkrieg der niedersächsischen
Vermessungs- und Katasterverwaltung war er u. a. Chef des Katasteramts Hannover und leitete
dann ab 1954 bis zu seiner Pensionierung 1975 das Fachdezernat bei der Bezirksregierung Hannover. 30 Jahre
lang von 1948 bis 1978 wirkte er zusätzlich als Hochschullehrer an der TH
später TU Hannover für die
Lehrgebiete Kartographie, Reproduktionstechnik und das Vermessungs- und
Liegenschaftswesen, bereits seit 1957
als Honorarprofessor. Lange wirkte er auch als Prüfer im Oberprüfungsamt
für die höheren technischen Verwaltungsbeamten in Frankfurt a. M..
Kartenherstellung für die Stadtplanung, Stadtkartographie, Herstellung der
Deutschen Grundkarte, Landesplanung, Bodenordnung, aber ebenso technische
Neuerungen für „seine“ Katasterämter, Bodenschätzung – sämtlich Themen seines
großen Interesses. Und gerne erzählte er im kleinen Kreis, wie er einst im
Haus der Technik in Essen Fragen
im Liegenschaftswesen als „junger Mann“ mit dem „großen Bonczek“ diskutierte (vergl. unsere Mitt. Nr. 213). Die Breite des Wirkens von Engelbert wird aus über 130 Veröffentlichungen deutlich, die
alleine in der Literaturzusammenstellung der ZfV 1950 bis 1975 dokumentiert
sind, oft Kurzbeiträge zu aktuellen Themen. Lebhaft in Erinnerung ist sein
Interesse an allen Fragen der Grundstücksbewertung – und gerne diskutierte er
über Wirtschafts- und Finanzfragen, beobachtete regelmäßig das
Börsengeschehen. Werner Engelbert
war stets ein fördernder wie ebenso fordernder Geodät – fördernd durch seine
Möglichkeiten, die Praxis der Verwaltung mit der wissenschaftlichen Theorie
zu verbinden, wie es lange praktische Übung in der Niedersächsischen
Fachverwaltung war, unter der Leitung von Prof. Nittinger (Vergl. unsere Mitt.
Nr. 162). Doch auch oft die jüngere Generation eindringlich mahnend,
Herausforderungen zu suchen und anzunehmen, darob man Dr.Engelbert wohl auch gerne und durchaus liebe- und respektvoll
einen Beinamen gab, der Titel und Name unmittelbar verband…
In seiner persönlichen Lebensführung war Werner
Engelbert stets zurückhaltend. Doch seine Geburtstage pflegte er in
großer Regelmäßigkeit in der Ferne, im „sonnigen und schneereichen Seefeld“ zu erleben. Und „durch die
Kollegen im Oberprüfungsamt angestiftet“ hat er sich im Alter gerne der
Weinkunde zugewandt, „theoretisch wie praktisch“, und „genoß gerne zusammen
mit seiner Frau und Nachbarn einen guten Tropfen“, wie er dem Verfasser
einmal schrieb. Später im Rheinland
lebend, hielt er weiter Kontakt zu Fachkollegen, besuchte die Kolloquien der Uni Bonn. – Professor Dr.-Ing. Werner Engelbert ist unvergessen, er
verstarb am 17. Januar 1989 in Brühl
am Rhein.
Literatur: Jürgen Stumpf: Prof. Dr.-Ing. W. Engelbert †, ZfV 1989 S. 204 –
205; ZfV- Inhaltsverzeichnisse 1925 - 1950 - 1975. - 18.03.10 336. "Peilen,
Visieren und Anzielen"
heißt ein Seminar am Sa. 24. April 2010 (10 bis 17 Uhr) im Museum für
Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, angeboten von der Fachgruppe
"Geschichte des Vermessungswesens" im Bildungswerk des VDV.
Vortragende sind u.a. Harry C. Pouls, NL, Prof. Dr. Rudolf Staiger,
Bochum, Dr. Klaus Grewe, Swisstal, Georg Opdenberg, Krefeld, Ingo von
Stillfried, Dortmund, Dr. Heinz Aischlimann, Schweiz. Eine Führung durch
die Studiensammlung des Vermessungstechnischen Museums ist geplant.
Interessenten melden sich bei Heinz-Jürgen Lagoda, Tel.0203 598247 -
12.03.10 335. Bernhard Zimmermann zur
Vollendung des 85. Lebensjahres
Bernhard Zimmermann wurde am 7. März 1925 in
Königsberg im damaligen Ostpreußen geboren und begann seinen
Weg in die Vermessungskunde 1940 mit einer Lehre zum Vermessungstechniker bei
der Katasterverwaltung in Allenstein. Nach Krieg und Gefangenschaft
folgte 1947 bis 1950 das Studium der Vermessungstechnik an den Staatlichen
Ingenieurschulen in Wismar und Neustrelitz. Weil er sich später
in der DDR standhaft weigerte, die Kontakte zu den Eltern und Geschwistern in
der Bundesrepublik aufzugeben, verlor er zeitweise seine Arbeitsstelle. Seit
1957 war Bernhard Zimmermann dann im Vermessungsdienst Nord, im
„Volkseigenen Betrieb (VEB) Ingenieurvermessungswesen“ Rostock und im
„Kombinatsbetrieb VEB Geodäsie und Kartographie“ Schwerin tätig.
Beständig daran interessiert sich weiterzubilden, absolvierte er mehrere
postgraduale Fernstudien an der TU und an der Ingenieurschule für Geodäsie
und Kartographie in Dresden.
Sein kritischer Geist war in der DDR nicht immer gerngesehen. Wissen
und Können führte ihn in späteren Jahren dann jedoch in verschiedene
technische Leitungspositionen. Bereits seit 1950 war Bernhard
Zimmermann Mitglied der Ingenieurorganisation „Kammer der Technik“ der
DDR, die für technische Disziplinen eine gewisse „Parteiferne“ und
damit eine relative Unabhängigkeit bot. Dort konnte er seine hohe
wissenschaftliche Begabung einbringen. Seit 1983 wirkte als Vorsitzender der
Arbeitsgruppe „Geschichte des Vermessungswesens in der
wissenschaftlich-technischen Gesellschaft für Geodäsie, Photogrammetrie und
Kartographie“, ein Bereich, die seinen wissenschaftlich-historischen
Neigungen entsprach und wohl auch eine gern genutzte Nische bedeutete. Unmittelbar nach der Wende im März 1990 in
den Ruhestand verabschiedet, hat die Katasterverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern
seine alten Katasterkenntnisse benötigt und ihn im Januar 1993 für zwei
weitere Jahre reaktiviert
Noch zu Zeiten der DDR ehrte ihn 1987
die Ingenieurorganisation Kammer der Technik mit der Goldenen Ehrennadel.
2003 wurde Bernhard Zimmermann vom Stifterkollegium unseres
Förderkreises Vermessungstechnisches Museum für seine Veröffentlichung über
den großen Mecklenburger Geodäten Friedrich Paschen mit dem Eratosthenes-Preis ausgezeichnet.
2004 erhielt er vom DVW Mecklenburg-Vorpommern die Friedrich
Heinrich Christian Paschen Ehrenmedaille. 334. Nachlese zur
Mitgliederversammlung 2010
Am Montag 22. Februar 2010 fand unsere Mitgliederversammlung 2010 in
Dortmund statt. Museumsdirektor Wolfgang E. Weick beglückwünschte
in seinem Grußwort den Förderkreis für sein stetiges Engagement zur
Vermessungsgeschichte im Rahmen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte
und hob besonders die so sehr gelungene 3. Auflage des gänzlich
überarbeiteten und erweiterten Museumshandbuchs
hervor.
Ein besonderer Höhepunkt war anschließend gleich zu Beginn der
Mitgliederversammlung die Verleihung des mit 2.500 € ausgestatteten Eratosthenes-Preises
2009. Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen überreichte dem Preisträger
Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder aus Bonn Urkunde und Würdigung im
schon traditionellen klassischen Feldbuchrahmen zusammen mit dem von
Schatzmeister Franz-Josef Gocke ausgestellten
"Riesen"-Scheck. Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Bertold
Witte würdigte den Werdegang des 1943 geborenen Preisträgers, der seine
intensiven Forschungsarbeiten zur Kolonialkartographie 1884 - 1919 nach
seiner Pensionierung als Oberst extern an der Bundeswehrhochschule in München
in seiner Dissertation 2008 zusammengefaßt hat. Rudolf Hafeneder
erläuterte in einem kompakten Vortrag mit Hilfe in einer beeindruckenden
Power-Point-Präsentation seine Forschungsergebnisse, Vermessungen unter
schwierigsten Bedingungen, hochwertige Privatkartographie (siehe Mitt. Nr.
263). Bertold Witte konnte im Anschluß an den Vortrag eine
ausführliche Diskussion moderieren und feststellen, der Förderkreis habe mit
Herrn Hafeneder einen weiteren würdigen Eratosthenes-Preisträger.
Nach einer Kaffeepause mit angeregten Gesprächen leitete Präsident Harald
Lucht zum zweiten Teil der Mitgliederversammlung über. Er überbrachte
herzliche Grüße von besonders verdienten Altvorderen, von den
Ehrenmitgliedern Dr. Kurt Kröger und Helmut Minow, beide sowie
auch unser im vergangenen Jahr mit der Ehrenmedaille ausgezeichnetes Mitglied
Konrad Peters konnten krankheits-bedingt nicht teilnehmen. Sie seien
jedoch in Gedanken präsent.
Der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried berichtete in seinem Jahresbericht
ausführlich und mit erläuternden ppt.-Folien über die erfolgreiche Arbeit des
vergangenen Geschäftsjahres. So insbesondere zum Abbildungsreichtum des
Museumshandbuchs, daran Mitwirkende (über 50), die gelungene Vorstellung bei
der INTERGEO Karlsruhe und den guten Verkaufserfolg (inzwischen fast
500 Exemplare! - Dank auch an den Geschäftsführer Klaus Lehmann für
die Umsetzung der Bestellungen). An mehreren Ausstellungen ist und war der
Förderkreis mit ausgeliehenen Instrumenten beteiligt, u. a. in Oldenburg,
Bielefeld, Lohne, auch mit fortwährendem Engagement von Manfred Gombel).
Diese Seite AKTUELLES ist Spitzenreiter bei den Besucherzahlen der
Homepage, der Erste Vorsitzende zeigte dazu erläuternde Folien, eine
Druckseite lag für die Teilnehmer aus. Weitere Themen des Jahresberichts
waren u. a. der "Wiehen-Wagen" (siehe Mitt. Nr. 324), herzlicher
Dank für die Dauerleihgabe der Zurhorst-Instrumenten-Sammlung mit dem
besonderen BORDA-Kreis (Mitt. Nr. 325), die geplante Mercator-Ausstellung
2012, zahlreiche Instrumentenzugänge. Ein besonderer Dank galt Dr. Kurt
Kröger für seine Unterstützung zum Ankauf des Breithaupt-Theodoliten (Mitt.
Nr. 319) - das wertvolle Instrument stand zur Ansicht auf dem Vorstandstisch
und wird demnächst in unserer Ausstellung in einer Vitrine zu sehen sein. Bei
der kommenden INTERGEO in Köln wird der Förderkreis mit einer eigenen
Vortragssession vertreten sein. Schließlich hatte Ingo von Stillfried
eine ganz besondere Rarität ausgelegt: Einen Stadtplan von Dortmund mit
kyrillischer Beschriftung - ein Druckwerk des russischen KGB von
1985.
Schatzmeister Franz-Josef Gocke erstattete den Finanzbericht, von den
Kassenprüfern Burghard Kreuter und ÖbVI Ingo Tiemann
uneingeschränkt testiert. Dem Vorstand wurde auf Antrag von Dr. Hartwig
Junius Entlastung und Dank zuteil. Wiederwahlen erfolgten zum Kuratorium ( Prof. Dr.-Ing. Herbert Kapelle, Prof.
Dr.-Ing. Peter Mesenburg, ÖbVI Hartwig Tiemann und
Direktor Wolfgang E. Weick) und in den Vorstand der Schatzmeister Franz-Josef
Gocke.
Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung findet zusammen mit dem 11.
Symposium für Vermessungsgeschichte "Gerhard Mercator zum 500.
Geburtstag" am 14. Februar 2011 in Dortmund statt. Professor
Dr.-Ing. Erich Weiß konnte dazu ankündigen, es sei ihm gelungen,
Zusagen von 5 namhaften Vortragenden zu erhalten, die Persönlichkeit und
Wirken von Mercator beleuchten werden. Wir kommen demnächst in einer
besonderen Vorankündigung darauf zurück. - 23.02.10 333.
... 332. Maßarbeit - eine Ausstellung zur Entwicklung des Vermessungswesens und
der Kartographie im Industrie Museum Lohne. Eröffnung am 19.
Februar 2010 um 18.00 Uhr. Die Ausstellung wird gezeigt bis zum 08. 08.
2010 und begleitet von einem reichhaltigen Vortragsprogramm,
Vortragende sind u.a. Dr. Ralf Brückner, Heiko Taubenrauch, Benno Dräger,
Günter Deux, Dieter Beuse, Alf Metzler, Josef Blömer, Hans-Wilhelm Hurt.
Unser Vermessungstechnisches Museum hat durch Vermittlung von Manfred
Gombel einige Instrumente beigesteuert. Die Ausstellung mit regionalem
Bezug zur Stadt Lohne und zum Oldenburger Münsterland richtet
sich nicht nur an Fachleute sondern auch an die heimatkundlich interessierte
Bevölkerung. Besucher können verschiedene Vermessungsinstrumente selbst
ausprobieren und an bestimmten Aktionstagen an ausstellungs-begleitenden
Exkursionen, fachlichen Demonstrationen - so zu aktuellen GPS-Anwendungen -
und Führungen teilnehmen. Veranstalter ist die GLL (Behörde
für Geoinformationen, Landentwicklung
und Liegenschaften) Cloppenburg, unterstütz u.a. vom DVW
Niedersachsen-Bremen, der Oldenburgischen Landschaft, der
Kulturstiftung der ÖVB, der Stiftung Kunst und Kultur der LzO.
Weiteres auch unter http://www.industriemuseum-lohne.de/,
dort auch einige sehenswerte Fotos. - 15.02.10/07.04.10
331.
12. Februar - 100 Jahre Reichgerichtsurteil von 1910
Das „Reichsgerichtsurteil von 1910“ hatte für die Geschichte des
Liegenschaftskatasters eine ganz besondere Bedeutung. Es galt unter
Katasterleuten lange geradezu als Metapher
Quelle u. a. Plähn in ZfV 1910 S. 316 – 330: Text des Reichsgerichtsurteils
und erster Kommentar. Plähn wies darin auf die Fehlerhaftigkeit des als
Steuergrundlage angelegten Katasters und damit auf die Risiken hin, die
damals aus dem Urteil des Reichsgerichts von 1910 folgten. – 10. 02. 2010 330. Wird
Kehlmanns "Vermessung der Welt" verfilmt? Der 48 Jahre alte Regisseur Detlev Buck plant eine
Verfilmung des Bestsellers "Die Vermessung der Welt" von
Daniel Kehlmann. Dabei geht es um die fiktiv verstrickten Lebensläufe des
Naturforschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl
Friedrich Gauß (siehe unsere Mitt. Nr. 136 und 175). "Wir arbeiten schon drei Jahre am
Drehbuch", sagte Buck. Dafür sei auch ein größeres Budget
erforderlich und danach richte sich der ganze Zeitplan für die Realisierung
des Projekts. "Es ist ja ein wirklich deutsches, intellektuelles Thema
und nicht für jedermann sofort nachvollziehbar.“ Er sieht jedoch auch ein
hohes wirtschaftliches Risiko in einer solchen Verfilmung. So wären Außenaufnahmen z. B. in
Südamerika nicht gerade einfach und billig." Buck hat seit
1984 an rd. 50 Filmen als Darsteller und als Regisseur mitgewirkt hat (u. a.
"Wir können auch anders", „Männerpension“, "Knallhart").
- 30.01.10 329.
Mitgliederversammlung und Verleihung des Eratosthenes-Preises
Am 22. Februar 2010 findet unsere Mitgliederversammlung in
Dortmund statt, mit einem besonderen Höhepunkt gleich zu Beginn:
Der Förderkreis verleiht den mit 2.500 € ausgestatteten Eratosthenes-Preis
2009 an Herrn Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder aus Bonn. Dr. Hafeneder
wird ausgezeichnet für seine Dissertation „Deutsche
Kolonialkartographie 1884-1919“ an der Universität der Bundeswehr
München - vergl. unsere Mitt. Nr. 263. Die Preisverleihung erfolgt
durch den Präsidenten des Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht,
Bremen. Die Vorstellung des Preisträgers übernimmt der Vorsitzende des
Kuratoriums des Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte, Aachen,
anschließend wird der Preisträger über die Ergebnisse seiner Forschungen
vortragen.
Nach einer Kaffeepause wird die Mitgliederversammlung fortgesetzt mit dem
Tätigkeitsbericht des Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried, mit dem
Finanzbericht und Wahlen. Außerdem werden einige besondere Instrumente
vorgestellt, aus der neuen Dauerleihgabe Zurhorst und der Breithaupt-Theodolit ,
der mit einer Großspende unseres früheren Ersten Vorsitzenden, Dr. Kurt
Kröger, erworben werden konnte (Vergl. Mitt. Nr. 325 und 319).
Zur Preisverleihung wie ebenso zur Mitgliederversammlung sind auch Gäste
herzlich willkommen. Die Veranstaltung beginnt um 14:30 Uhr in der
Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, Hansastraße
2, nur 5 Minuten vom Hbf entfernt. - In der Pause kann das neue
300 Seiten starke neue Museumshandbuch (mit 600 überwiegend farbigen
Abbildungen, vergl. Mitt. Nr. 313) zum Preis von € 30,- erworben
werden. - 21. 01. 09 328.
Weiter großes Interesse an unseren Seiten
Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche auf unserer Homepage
zeigt das große Interesse an unseren Seiten. 2009 hatten wir 17.700
Besuche (nach 16.300 in 2008 und 11.750 in 2007), also eine weiter
steigende Anzahl. Die Seitenaufrufe stiegen 2009 auf 27.700
(nach 24.000 und davor 17.400). Diese Seite Aktuelles zählte 2009
über 6.300 Besuche (nach 7.200 und davor 2.600). Es folgen die Seiten
zur Sammlung mit über 1500 Besuchen, Instrumente mit über 1000 sowie die
Seiten zur Bibliothek und zu Aktuell-Archiv mit je über 900 Besuchen im Jahr
2009.
Die Regionalstatistik zeigt bei der Auswertung der beiden führenden Ziffern
der Postleitzahlgebiete Besucher aus der ganzen Bundesrepublik und einzelne
Besucher aus dem Ausland, insbesondere Österreich. Schwerpunkte sind das
erweiterte Ruhrgebiet einschließlich Bonn, der Großraum Bremen, Emden,
Oldenburg, der Raum Berlin, Erfurt und Leipzig. Dabei wertet unser
Server nur Besucher mit nicht anonymisierter IP-Adresse aus.
Wir wollen Sie auch weiterhin - wie nun schon rd. 7 Jahre - mit
Kurz-Mitteilungen über interessante historische Ereignisse, Gedenktage,
Veranstaltungen, Schriften informieren und insbesondere auch jüngere
Besucherinnen und Besucher für die Vermessungsgeschichte interessieren.
- 13.01.10 327.
Alexander Nalenz – vor 100 Jahren verstarb der Eisenbahnlandmesser Erinnerungen
an Vermessungsübungen, es ging um Kurvenabsteckungen – nicht nur um
Bogenabsteckungen von der Tangente aus, wie sie bereits 1872 der große Geodät
Friedrich Robert Helmert beschrieben hatte. Übergangsbögen, Parabeln,
Klothoiden kommen in den Sinn. Und das Nalenz-Höfer-Verfahren. – Wir erinnern aus Anlaß des 100.
Todestages an den großen Eisenbahnlandmesser Alexander Nalenz.
Noch Ende des vor-vergangenen Jahrhunderts hatte Nalenz eine aus geodätischer
Sicht originelle Meß- und Absteckungstechnik für Gleisbogen entwickelt. In
diesem Verfahren wurde unmittelbar das durch den Eisenbahnbetrieb verformte
Gleis als Messungslinie verwendet. Anhand von Pfeilhöhenmessungen im
verformten Gleis wurde sein Krümmungsbild ermittelt. Das Krümmungsbild der
neuen Gleisachse wurde dazu rechnerisch in Beziehung gebracht, und aus der
Differenz dieser beiden Krümmungsbilder konnten die gesuchten Abstände
zwischen den beiden Linien abgeleitet werden, so daß hiernach die neue
Gleisachse vom alten Gleis abgesteckt werden konnte. Großer Vorteil: die
Aufmessung und Absteckung konnte im Bereich des vorhandenen Gleises
stattfinden. Insbesondere erleichterte es die Absteckungsarbeiten bei
Brücken, hohen Dämmen oder tiefen Geländeeinschnitten.
Wie so oft in der Geschichte fand das Verfahren jedoch erst breitere
Anwendung, als der Eisenbahnlandmesser Max Höfer die großen Vorteile
erkannte und mehrere Aufsätze mit zusätzlichen und vereinfachenden
Erläuterungen veröffentlichte. Das Nalenz-Höfer-Verfahren kam
endgültig zum Durchbruch, als sich 1931 der damalige Reichsbahnbaumeister
Dr.-Ing. Gerhard Schramm für diese Benennung und seine Anwendung
aussprach. Noch bis etwa 1970 - und in einigen Vermessungsbüros der damaligen
Bundesbahndirektionen noch danach - hatte sich das Nalenz-Höfer-Verfahren
als das Standardverfahren für die Gleisberichtigung etabliert.
Wegen der mathematischen Beziehungen zwischen den Pfeilhöhen bzw. Krümmungsverhältnissen
einerseits und ihrer zeichnerischen Darstellung andererseits setzte sich
später auch der Name Winkelbildverfahren durch. Die Bezeichnung
Winkelbildverfahren geht wohl ebenfalls auf Schramm zurück, schreibt
Prof. Dr.-Ing. Siegfried Heitz, der das Verfahren 2003
differentialgeometrisch begründet hat.
Alexander Nalenz wurde am 30. September 1849 in Dirschau an der
Weichsel geboren, einer Kleinstadt mit ca. 11 000 Einwohnern bei Danzig,
gelegen an der Eisenbahnlinie von Berlin nach Königsberg. Aus
einfachen Verhältnissen kommend, studierte er in Berlin Mathematik und
wurde dann Eisenbahnlandmesser – in einer Zeit, in der (um 1870/1880) im damaligen deutschen
Reichsgebiet in jedem Jahr annähernd 1000 km neuer Eisenbahnstrecken in
Betrieb genommen wurden. Dabei lagen ihm Wissensdurst und wissenschaftliche
Durchdringung von Problemen näher, als die praktische Anwendung seiner
Erkenntnisse. So erklärt sich auch die zunächst geringe Resonanz des nach ihm
benannten Verfahrens zur Absteckung eines Gleisbogens von einer Standlinie
aus. Nalenz war mehr ein Einzelgänger, der sich andererseits neben
seinen mathematischen Studien ein tiefes Wissen über die Kunst und
insbesondere über die Musik erarbeitete. Alexander Nalenz starb
am 4. Januar 1910 – eine
Persönlichkeit, die sich durch Fleiß und hohe Intelligenz einen großen Namen
erworben hatte.
Quellen: Siems, Erich: Schriftliche Hinweise auf das historische Datum
und die Bedeutung von Nalenz; und Heitz, Siegfried: Benachbarte Kurven und
Flächen, Verallgemeinerungen des ”Winkelbildverfahrens“, Mitt. aus den
Geodätischen Instituten der Rheinischen Friedrich–Wilhelms–Universität, Bonn,
Nr. 90 - Dezember 2003 ISSN 0723–4325. Nachtrag: Erich Siems:
Hundertster Geburtstag von Alexander Nalenz - Erinnerungen an einen Großen
Eisenbahnlandmesser und sein Verfahren zur Gleisvermessung - in DER
EISENBAHNINGENIEUR, internationale Fachzeitschrift für Schieneverkehr &
Technik, Heft 02/10 S. 54 - 55. - 04.01.10/ 19.02.2010 326. Das
Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen In
den vergangenen weit über 10 Jahren hat sich der Geodatenmarkt von einer
enormen Dynamik gezeigt. Die europäische INSPIRE-Richtlinie von 2007 hat der
gesamten Geoinformationswirtschaft einen weiteren erheblichen Schub gebracht.
Das deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen hat auf diesem Gebiet
wesentliche Basisarbeit geleistet. Das von Prof. Dr.-Ing. Klaus Kummer,
Magdeburg, und Ministerialdirigent a. D. Prof. Dr.-Ing. Josef
Frankenberger, Rosenheim, herausgegebene Werk im Umfang von 878
Seiten gibt einen Überblick über Stand und Entwicklung in diesem
umfangreichen Arbeitsfeld.
Raum- und Zeitbezug von Geodaten für Verantwortliche in Politik, Wirtschaft
und Verwaltung sind heute von grundlegender Bedeutung. Wissen voneinander und
von den Produkten und Diensten des deutschen Vermessungs- und
Geoinformationswesens sind nicht nur für den Vermessungsingenieur und
Kartographen bedeutsam, sondern vor allem für die Nutzer, für Planer,
Bauingenieure, Architekten, für Immobilienmakler und Kreditinstitute,
Umweltingenieure - insgesamt für alle Fachrichtungen, die raumbezogen wirken.
In dem neuen Standardwerk wird in insgesamt 17 Kapiteln der gesamte
Fachbereich aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, gegliedert in Teil
A Gesellschaftliche Verankerung und institutionelles Gefüge, Teil B
Aufgabenfelder und Wirkungsbereiche, Teil C Technische Netzwerke und
Transfer, Teil D Forschung und Lehre, Teil E Rückblick und Anhang.
Über 160 farbige Abbildungen und eine Reihe von Tabellen veranschaulichen
wichtige Sachverhalte und vermitteln räumliche Zusammenhänge. Es ist ein
als Jahrbuch konzipiertes Nachschlagewerk und zugleich Arbeitshilfe - eine
Klammer für die in der jüngeren Vergangenheit oft unüberschaubar
ausgeweiteten Bereiche Vermessung und Geoinformation.
Die Vermessungsgeschichte ist in diesem neuen Standardwerk gegenwärtig, als
geschichtlichen Wurzeln verschiedener Fachgebiete in den entsprechenden
Kapiteln jeweils kurz umrissen werden, so u. a. zu den Grundlagen von
Vermessungswesen und Staat, zur Vermessungsgesetzgebung, Entwicklung der
Bezugssysteme und zur Landesaufnahme, zum Liegenschaftskataster und zum
kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Ein abschließender
geschichtlicher Rückblick beleuchtet das deutsche Vermessungswesen von 1882
bis 2010, beschreibt kurz Marksteine der Entwicklung. Auf die Aktivitäten
unseres Vermessungsmuseums wird im Gliederungspunkt 2.5.7 hingewiesen.
Die Autorenschaft
besteht aus 34 namhaften Experten, die ihr jeweiliges Fachgebiet in
Deutschland führend vertreten und weiterentwickeln: R. Bauer, München -
K. Birth, Bonn - H. Brüggemann, Bonn - P. Creuzer, Hannover - G. Fabian,
Berlin - J. Frankenberger, Rosenheim - W. Grunau, Edewecht - B. Heckmann,
Wiesbaden - Chr. Heipke, Hannover - E. Jäger, Hannover - K.H. Jäger,
Stuttgart - C. Jäger-Bredenfeld, Magdeburg - C. H. Jahn, Hannover - M. Kerber
Berlin - Th. Kötter, Bonn - K. Kummer, Magdeburg - H.J. Kutterer, Hannover -
H. Lucht, Bremen - M. Meinert, Potsdam - J. Müller, Hannover - R. Püschel,
Vilshofen - S. Sandmann, Bonn - H.-W. Schaar, Essen - A. Schleyer, Stuttgart
- K. Schultze, Magdeburg - M. Seifert, München - U. Stichling, Wuppertal - H.
Streuff, Bonn - J. Thomas, Düsseldorf - H. Wanzke, Wuppertal - W. Wiedenroth,
Magdeburg - W. Zeddies, Hannover - W. Ziegenbein, Hannover - M. Zurhorst,
Werne. -
Siehe auch die Buchbesprechung von H. Hildebrandt in zfv 6/2009 S. 391
- 392; dessen Fazit: "....ein gelungenes,
umfassendes, pädagogisch hervorragend aufbereitetes und praxisorientiertes
Standardwerk." Kummer/Frankenberger
(Hrsg.)
"Das
Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen", 878 Seiten, kartoniert,
Herbert Wichmann Verlag - Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Einführungspreis
bis 31.12.2009: 98,00 €, ab 1.1.2010 118,00 € - ISBN
978-3-87907-487-7. - 25./27.12.09 325.
Die Sammlung Zurhorst – eine wertvolle Dauerleihgabe für unser Museum
Sichtlich erfreut konnte der Erste Vorsitzenden des Förderkreises, Ingo
von Stillfried, die großzügige Spende entgegennehmen. Mit ihm erfreuten
sich die Vorstandsmitglieder Manfred Gombel, Ulf
Meyer-Dietrich, Norbert Kalischewski, Klaus Lehmann und Rudolf Uebbing.
Ingo von Stillfried erläuterte, gerade auch für die nicht so tief in
der Instrumententechnik beheimateten Familienmitglieder der Familie
Zurhorst, wie vielfältig die Vermessung auch in gesellschaftliche
Veränderungsprozesse eingebunden ist; wie neben den technischen Details,
ablesbar am Beispiel unserer ausgestellten Instrumente, die Vermessung für
allgemeine Veränderungsprozesse Bedeutung hat. So spiele z. B. auch der
übergebene Borda-Kreis in einer Sendung der Serie "Terra-X" des
ZDF (ausgestrahlt etwa im April 2010) über die Entstehung des Meters
eine besondere Rolle, als eine der zentralen Requisiten. Die wertvolle
Dauerleihgabe der Familie Zurhorst ist eine ideale Ergänzung der seit
1985 in den Räumen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte bestehenden
Sammlung.
Die Ruhrnachrichten in Dortmund haben jetzt am 5. 1. 2010 ausführlich und mit
Foto des "Holländischen (Borda-) Kreises" und vom Ersten
Vorsitzenden über diese für das Museum großartige Leihgabe berichtet. – 18.
12. 09/05.01.10 324. Der Wiehen-Wagen von 1772 - eine
Geographische Maschine
Unser Bibliothekar war hartnäckig. Es entstand die Idee, wenn man das Buch
kaufen würde, dieses nicht einfach im Regal verschwinden zu lassen, sondern
den Wagen nach den sehr detaillierten Konstruktionszeichnungen und
-beschreibungen auch nachzubauen. Doch durch wen? Hartwig Junius knüpfte Kontakte zu Volkswagen. Dort gab es Interesse, weil ja in modernen Fahrzeugnavigationssystemen ähnliche Funktionen
wirken nur eben auf elektronische und nicht auf mechanische Weise wie im „Wiehen-Wagen“.
Im Oktober reisten Hartwig Junius
und unser Erster Vorsitzender Ingo von
Stillfried zu einem Besuch nach Kassel-Baunatal
in die VW-Lehrwerkstatt. In großer Runde mit 7 Personen wurde in sehr
angenehmer Umgebung konstruktiv und kreativ über den Nachbau des „Wiehen-Wagen“ diskutiert. In Frage
käme kein historischer, sondern ein historisierender Nachbau; wichtig sei die
Funktionalität; VW kann den mechanischen Teil beisteuern, eine bereite
Modellbauschule könnte für die Gestaltung der Kutsche sorgen. Der Herstellungsmaßstab würde nach
Sichtung aller Unterlagen gemeinsam besprochen. Unser
Ehrenmitglied Helmut Minow hat
inzwischen die alten Maße übersetzen können.
Das „Marketing“ kann später ein Highlight für den Förderkreis
werden. Ein Zeitrahmen wurde noch
nicht festgelegt – erstmal war überhaupt das Buch zu erwerben.
In unserer Vorstandssitzung im November haben wir dann gerne dem Kauf des
wertvollen kleinen Werks zugestimmt – und sind nun alle gespannt über den
Fortgang dieser wundersamen Geschichte. – 12.12.09 323.
Ex Oriente Lux ? – Wege zur
neuzeitlichen Wissenschaft – eine Ausstellung in Oldenburg
Oldenburg – Stadt der Wissenschaften 2009. Das Landesmuseum Oldenburg
präsentiert eine Sonderausstellung Ex Oriente Lux ?
– bewußt mit Fragezeichen. Die Ausstellung nimmt Schlüsselbegriffe des
Oldenburger Konzepts „Übermorgenstadt“
auf, eine Symbiose von Geschichte und Zukunft. Ausgewählte Themen aus der
Geschichte der Naturwissenschaften, deren Ursprüngen, der Entwicklung in Mesopotamien,
im Alten Ägypten, über die klassische Antike und das europäische
Mittelalter, der Berücksichtigung der Blütezeit der arabisch-islamischen
Wissenschaften und deren Rezeption in Europa bis zum Ende der Aufklärung.
Die Ausstellung ist gegliedert in zwei große Bereiche: In den Themen der Wissenschaft geht es um
die Geschichte der naturwissenschaftlichen Disziplinen, in den Räumen der Wissenschaft werden die
wichtigsten Städte und Regionen vorgestellt, in denen geforscht wurde. Rund 300 Exponate aus allen Zeiten und Räumen zeigen eine bisher nie
dagewesene Zusammenschau. Astronomie,
Mathematik, Ingenieurskunst, Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie,
wie sie das Weltgeschehen beherrschten.
Besondere Inszenierungen führen durch
Paris, Bagdad, Toledo, Alexandria und Florenz. Eine
Stadtplan-Rekonstruktion des alten Stadtzentrums von Alexandria, Bagdad
als „Stadt des Friedens“, Keilschrifttafeln, ein Himmelsglobus aus der
Zeit um 200 v. Chr., die riesige Weltkarte des arabischen Geographen Al-Idrisi
von 1154 - Beispiele einer
ungemein reichhaltigen Fülle historischer Exponate. -
Am Festakt im Oldenburger Schloß zur feierlichen Eröffnung der
Ausstellung am 25. 10. 2009 hat unser Erster Vorsitzender Ingo von
Stillfried teilgenommen. 6 Exponate unseres Museums sind in der
Ausstellung zu sehen, u. a. der Holländischen Kreis aus Leiden von um
1655 (siehe unser Museumshandbuch S. 128). Unser früherer
Kuratoriumsvorsitzender, Prof. Dr.- Ing. Wolfgang Torge,
hat im wissenschaftlichen Beirat der Ausstellung mitgewirkt und als Autor für
das begleitende Handbuch einen hochinteressanten Überblicks-Beitrag
geschrieben: „Von Eratosthenes bis Delambre – die Geodäsie entsteht“ (S.
170 – 181).
Die außerordentlich sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar 2010
in 26135 Oldenburg, im Augusteum, Elisabethstr. 1 zu
sehen. - 08. 12. 09 322. Dr. Kurt Kröger zum
besonderen Geburtstag.
Am 6. Dezember dieses Jahres vollendet Dr. Kurt Kröger sein 85.
Lebensjahr. 1924 in Ennepetal geboren, mußte er in den unseligen
Krieg ziehen, wurde schwer verwundet, kam durch guten Rat von Kriegskameraden
in die Geometer-Laufbahn, „ein Traumberuf“, wie er gerne sagt. Stationen
seiner Ausbildung waren u. a. das Katasteramt Lüdenscheid und das
Studium an der Ingenieurschule in Essen. Am Beginn seiner aktiven
Tätigkeiten standen die Vereinigten Stahlwerke in Essen, die spätere Ruhrkohle
AG, dort folgte bald der Einsatz
in der Bezirksdirektion Dortmund. Seine ersten praktischen Aufgaben
umfaßten schon das breite Spektrum von hochpräzisen Ingenieurvermessungen bis
hin zu Grundlagen für den Siedlungsbau.
Er verfaßte im doch schon fortgeschrittenen Alter seine Dissertation „Das
Vermessungswesen im Spiegel der Hausväterliteratur“, abgeschlossen 1985.
Diese Arbeit ist ein faktenreiches Kompendium des Grenz-, Eigentums- und
Nachbarrechts des 16. – 18. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich
deutscher Nation, eine aus umfangreichem Quellenstudium erwachsene fachtechnisch
wie fachrechtlich ungemein reichhaltige Arbeit, wie sie kaum jemand
hinter dem Titel vermutet.
Dankbar für sein unermüdliches Wirken gratulieren wir Dr. Kurt Kröger zu
seinem besonderen Geburtstag, wünschen unserem Ehrenmitglied im VDV und
im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum weiterhin alles Gute, ganz
besonders auch für seine Gesundheit. Und siehe auch VDVMagazin 6/2009 S. 523
und 541-542. - 1. 12. 09 321. 20 Jahre nach dem
Mauerfall - Geodäten ohne Grenzen - 15. Baltisches Geodätengespräch in
Fischland auf dem Darß am 13. und 14. November 2009
In einer mit weit über 40 Teilnehmern sehr gut besetzten
Vortragsveranstaltung sind Situation, Folgen und Entwicklungen reflektiert
worden, wie sie sich vor 20 Jahren, nach der politischen Wende in der
ehemaligen DDR ergeben haben. Themen waren u. a. sehr persönliche
Rückblicke in die Wendejahre (Hagen Graeff, Hamburg, Frieder Mrosek,
Schwerin, Prof. Hermann Seeger, Bad Neuenahr) sowie die Auswirkungen aus
dem Wechsel von der zentralisierten Staatswirtschaft mit gesellschaftlichem
Volkseigentum bis 1989 hin zur sozialen Marktwirtschaft mit dem Grund und
Boden als Wirtschaftsfaktor, der wieder zentralen Bedeutung der Sicherung des
Privateigentums in Grundbuch und Liegenschaftskataster, Grundlagen der
Stadtplanung, von Bodenordnung und Wertermittlung (Prof. Christian Killich,
Brandenburg, Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen aus Sicht des
Städtetages, DVW-Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne, Erfurt). "Die
Einführung von westdeutschem Verfassungs- und Verwaltungsrechts von einem Tag
auf den anderen wirke ungefähr so, als ob bei uns im Westen Chinesisch als
Amtssprache eingeführt würde,"
formulierte 1991 Manfred Rommel, der Präsident des deutschen
Städtetages. -
Prof. Dr. Wolfgang Torge, Hannover erläuterte weit rückblickend
historische geodätische Netzarbeiten vor und nach 1945 mit Vergleich auch der
Arbeiten in der DDR und der alten Bundesrepublik, Prof. Dr. Schlosser
gab einen Abriß über 20 Jahre Trigonometrische Vermessungen. ÖbVI
Mill aus Rügen und Prof. Robert Scholz, Neubrandenburg,
zeichneten Wege und Erfolge des freien Berufs in den Wendejahren und aktuell
nach. Die Professoren Rolf-Werner Rebenstorf und Dr. Foppe
berichteten vom Aufbau und der umfassenden Breitenwirkung der Hochschule
Neubrandenburg, letzterer mit dem hochinteressanten Schwerpunkt der
automatischen Bauwerksüberwachung. Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne
entwarf mit seinem Rückblick auf die INTERGEO Karlsruhe (dem
"Flaggschiff der Geodäsie") die Zukunftsaufgaben des
Vermessungswesens, setzte sich engagiert für das Leitbild des Geodäten als
Kern unseres Berufsstands ein und betonte den guten Ruf des Diplomingenieurs.
Er gratulierte Jörg Scheffelke zu der inzwischen zur wertvollen Tradition
entwickelten Veranstaltung, die den Rang eines kleinen Geodätentages
gewonnen habe. Er überreichte ihm als Anerkennung das Museumshandbuch
Vermessungsgeschichte unseres Förderkreises.
Einen besonderes Highlight bildete zum Abschluß die Vorstellung der Arbeiten
des Leibniz-Instituts aus Leipzig und der landeskundlichen
Bestandsaufnahme der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und des Barther Landes -
Band 71 der Schriftenreihe des Leibniz-Instituts - durch Dr. Haik Thomas
Porada (jetzt Leipzig , vormals Greifswald), einen
Bildband, den alle Vortragenden als Dank erhalten.
Wulf Schröder aus Wiesbaden umrundete zusammenfassend noch
einmal die Vielfalt der Beiträge dieser beiden Tage. Zum guten Schluß
erinnerte der Senior unter den Teilnehmern, Paul- Gerhard Ramseger aus
Schwerin, an eine vor 130 Jahren in der ganz in der Nähe in Wustrow
abgehaltene erste Geodäten-Konferenz vom damaligen Deutschen Geometerverein.
Und Ihr Berichterstatter dankte im Namen der Teilnehmer dem Veranstaltern Jörg
Scheffelke und Heiko Schröder von der Bezirksgruppe Vorpommern
im Landesverein Mecklenburg - Vorpommern des DVW und ebenso den Sponsoren für
das ungewöhnlich reiche und reizvolle Kaleidoskop des dargebotenen historisch
und aktuell hochinteressanten Programms. - Berichte über das 5. und das 10.
Geodätengespräch dieser zu einer besonderen Tradition gewordenen
Veranstaltung im Fischland siehe in zfv 2000 S. 30-31 und zfv 2005 S.
57. - 22. 11. 2009
320. Aus der Vorstandssitzung
des Förderkreises Vermessungtechnisches Museum in Dortmund
In der jüngsten Vorstandssitzung sind die Weichen gestellt worden u. a. für - die Verleihung des
Eratosthenes-Preises an Dr. Rudolf Hafeneder in der Mitgliederversammlung
am 22. 02. 2010 (vergl. Mitt. Nr. 302 und 263) in der Rotunde des Museums
für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund - den Haushaltsentwurf für 2010 - den Ankauf besonderer alter
Vermessungsinstrumente (vergl. u. a. Mitt. Nr. 319), - Buchankäufe für unsere umfangreiche
Bibliothek - die weitere Werbung für den Verkauf des
neuen Museumshandbuches (vergl. Mitt. Nr. 313), - die Erweiterung dieser viel
besuchten Homepage. - 15.11.09 319. Ein Breithaupt-Theodolit
von 1863 - und eine hochherzige Spende
Unsere Museumsexperten Manfred Gombel und Ingo von Stillfried sind
immer auf der Suche nach besonderen Raritäten für unsere Schausammlung – und
sind jüngst beim Dorotheum in Wien fündig geworden: Ein
besonderer Theodolit, signiert am Horizontalkreis "F. W. Breithaupt
& Sohn in Cassel. 1863", Fernrohr 29 cm lang,
Objektivdurchmesser 28 mm, Teilung mit Nonius, Silber, Vertikalkreis von 11
cm Durchmesser. Ein 31,5 cm hoher Theodolit mit schöner Zaponierung gehört uns. Doch möglich wurde dies erst
durch eine hochherzige Spende unseres ehemaligen ersten Vorsitzenden Dr. Kurt
Kröger. Denn unser Instrumenten-Haushalt für dieses Jahr gab den
benötigten Betrag nicht mehr her. Kurt Kröger gab ganz spontan einen
großen Betrag hinzu – so wird dieses Instrument sehr demnächst unsere
Schausammlung im Vermessungsmuseum, Abt. 22 im Museum für Kunst und
Kulturgeschichte in Dortmund bereichern - 06.11.09 318.
6 Jahrzehnte Flurbereinigungsgesetz Professor Dr.-Ing.
Erich Weiß hat seine lange Berufserfahrung und wissenschaftliche
Durchdringung der Flurbereinigungsgesetzgebung in seinem neusten Werk "Zur
Entwicklung des Flurbereinigungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland in
den vergangenen Jahrzehnten" auf 224 Seiten in Band 18 der
Sammlung "Kommentare zu landwirtschaftlichen Gesetzen"
zusammengefaßt (Agricola-Verlag in 26969 Stollham - ISBN
978-3-920009-056, Preis € 35). Wir haben an dieser Stelle kürzlich in Mitt.
Nr. 310 aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres auf das
segensreiche Wirken von Professor Weiß hingewiesen.
Mit seinem neuesten Werk beleuchtet Erich Weiß zahlreiche Änderungen,
Anpassungen an andere Gesetze im Flurbereinigungsrecht, dokumentiert deren
Entstehungsgeschichte in materieller und formeller Hinsicht. Der Verfasser
greift dabei auf zahlreiche eigene Veröffentlichungen wie ebenso auch auf die
Materialien des Bundestages zurück. Siehe auch http://agricola-verlag.de/detail_weiss.html
und Buchbesprechung in zfv 5/2009 S. 330-331. - 28.10.09 317.
15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - Geodäten ohne Grenzen
Die Bezirksgruppe Vorpommern des LV Mecklenburg-Vorpommern im DVW lädt
ein zum 15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - unter dem Thema "Geodäten
ohne Grenzen - Beiträge zum Vermessungswesen in Deutschland nach der
politischen Wende 1989". Auf Initiative von Jörg Scheffelke
und eingeladen vom Bezirksgruppen-Vorsitzenden Heiko Schröder werden
die damaligen Veränderungen und Umwälzungen 20 Jahre nach der
Wiedervereinigung in einer Reihe von Kurzvorträgen beleuchtet. Vortragende
sind u.a. die Professoren und Fachkollegen Schlosser (Schwerin), Seeger
(Bad-Neuenahr), Torge (Hannover), Graeff (Hamburg), Scholz (Neubrandenburg),
Mill (Rügen), Rebenstorf (Neubrandenburg), Zölitz (Greifswald), Grewe
(Schwerin) und Ihr Berichterstatter Lucht (Bremen). Die
Themenpalette reicht von der wissenschaftlichen Forschung bis hin zur
kommunalen Praxis, angereichert durch zwei besondere historische und
kulturelle Themen (Lubinsche Karte von 1618, Landvermesser und Maler
Carl Malchin). Die Veranstaltung findet statt vom 13. - 14. November
2009 im Ostsee-Hotel Dierhagen. Näheres und Anmeldungen unter Tel. 03834
500066, Jörg Scheffelke, Arndtstr. 4 in 17489 Greifswald -
eMail scheffelke@gmx.de . - 22.10.09
316.
20. Goldenes Lot für Fritz Pleitgen - Museumshandbuch für Wolfgang Kramer
Mit dem "Goldenen Lot" des VDV ist am 16. 10. 2009 Dr. h. c. Fritz
Pleitgen, Journalist, Intendant des WDR a. D., Vorsitzender der
Geschäftsführung der RUHR 2010 GmbH (Kulturhauptstadt Europas 2010)
ausgezeichnet worden. An der Festveranstaltung im blauen Salon der Köln-Messe
nahmen über 100 Personen teil. Präsident Wilfried Grunau sagte u.a.
über den Preisträger des Jahres 2009: „Sein herausragendes nationales wie
auch internationales kultur- und medienpolitisches Engagement ist
außergewöhnlich und beispielhaft gleichermaßen, wir ehren einen Menschen,
dessen Haltung zu bewundern ist, für seinen Mut öffentlich Fragen zu stellen
und nach Antworten zu suchen.“ Diese Auszeichnung hat inzwischen eine
20-jährige (Vermessungs-) Geschichte. Stifter des Goldnen Lots ist Dipl.-Ing.
Wolfgang Kramer, Ehrenvorsitzender des Bezirks Köln, der auch
für die künstlerische Herstellung des jährlich vergebenen Ehrenpreises sorgt
- ein vergoldetes Lot auf einem symbolischen Miniatur-Grenzstein, wohlproportioniert
angeordnet auf einem runden Edelstahl-Sockel. War die Preisverleihung
ursprünglich vom VDV-Bezirk Köln des VDV ausgerichtet worden, hat
inzwischen der Bundesverband des VDV die Ausrichtung übernommen.
In der Laudatio für Fritz Pleitgen hat traditionell der
Vorjahrespreisträger Arved Fuchs, Stationen Pleitgens u.a. in
Moskau, Ostberlin, beim WDR, besonders hervorhebend dessen tiefe
Verbundenheit zur Kultur begeisternd nachgezeichnet; sie münde aktuell
geradezu selbstverständlich in seiner jetzigen Funktion für die Kulturhauptstadt
Europas 2010. Und der Geehrte reflektierte souverän und werbend
über kommende kulturelle Aktivitäten. Anwesend waren neben dem Preisträger
2009 Fritz Pleitgen und dem Laudator Arved Fuchs auch die Preisträger
früherer Jahre, so Norbert Burger, ehem. OB aus Köln, der
Astronaut Ulf Merbold, Prof. Manfred Bonatz aus Bonn,
Wilfried Grunau, Eberhard Burger aus Dresden. Wie stets waren die
Preisträger früherer Jahre gebeten, aus ihrem gegenwärtigen Engagement zu
berichten - der Präsident des Förderkreises und Preisträger 1998 Harald
Lucht überreichte in dem festlichen Rahmen dem Initiator des Goldenen
Lotes, Wolfgang Kramer, das neue Museumshandbuch (Siehe Mitt. Nr.
313).
Grußworte sprachen u.a. die Kulturbürgermeisterin der Stadt Köln, der
Präsident des BDVI, Michael Zurhorst, der Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Kartographie Dr. Peter Aschenberner, Udo
Stichling, Präsident des DDGI e.V., Dt. Dachverband für Geoinformation.
Erster Preisträger des Goldenen Lots war 1990 der Ehrenvorsitzende des VDV, Wolfgang
Beicken, zu den Preisträgern der folgenden Jahre gehörten u.a.
Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Ministerpräsident Johannes
Rau, Rita Süßmuth und Hans-Joachim Gauck. Die vollständige
Ehrentafel ist unter http://www.vdv-online.de/das-goldene-lot.html
verzeichnet. - 18.10.09 315. 9. Dortmunder Museumsnacht Die Vorführungen zur 9. Dortmunder
Museumsnacht am 26. 09. 09 waren für unser Museum ein SUPER-Erfolg
mit einem überraschen guten Publikumszuspruch. Wir hatten das Motto gewählt "Hand-Werk
Rechnen" und Ingo von Stillfried zeigte die Benutzung von Abakus,
Rechenschieber, Rechentafeln, Logarithmentafeln, Kurbelrechenmaschinen bis
hin zum PC, engagiert unterstützt von unserem Mitglied Carl-Wilhelm
Schmälter. In den 4 stündlich angebotenen Führungen waren jeweils ca. 25
Zuhörer beteiligt - auch eine Reihe von Jugendlichen, die unseren beiden
Fachleuten „ein Loch in den Bauch“ fragten. „Nun kann ich nicht mehr
reden, das war toll!“ stellte am späten Abend unser Erster
Vorsitzender fest. – 314.
Wir erinnern an Professor Dr.-Ing. Horst Peschel aus Dresden - geboren heute vor 100
Jahren. Horst Peschel war lange Professor
für Landesvermessung und Katasterwesen an der Technischen Hochschule
Dresden und 15 Jahre Ordentliches Mitglied der Deutschen
Geodätischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften
in München seit 1952 - als Dresdner! 1967 mußte zu er seinem großen Bedauern aufgrund der politischen
Gegebenheiten aus der DGK austreten. Ihr Berichterstatter erinnert sich sehr
gerne an eine persönliche Begegnung 1971 in Moskau bei der Tagung der
Internationalen Assoziation für Geodäsie IAG. Offizielle Kontakte waren
damals bereits von Seiten der DDR verpönt – dennoch gab es persönliche
Gespräche, die in lebhafter guter Erinnerung geblieben sind. Unsere
Professoren mußten in ihren Gesprächen manche Rücksicht nehmen und Prof. Horst
Peschel sich sehr zurückhalten. Sein Hauptforschungsfeld war u. a.
das Nivellement, mein Vortrag dort über Korrelationen im
Präzisionsnivellement lagen auf der gleichen Ebene
wie die Arbeit eines seiner Doktoranten. – Horst Peschel wurde am 29. September
1909 in Dresden geboren. 1919 bis 1928 besuchte er die Annenschule in
Dresden, 1928 Abitur. Sein Vater war Vermessungsingenieur.1928 bis 1932 folgte das Studium des Vermessungswesens
an der TH Dresden, 1932 war er einer der ersten Diplomingenieure,
Wissenschaftlicher Assistent am Geodätischen Institut der TH
Dresden bei Prof. Werkmeister, 1936 Promotion, bis 1938 Referendar
und 2. Staatsprüfung; 1938 bis 1939 freischaffender Vermessungsingenieur,
dann bis 1944 Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur. Nach den Schrecken des Krieges mit
dem Totalverlust aller Habe wurde Peschel 1950 zum Professor auf den
wieder eingerichteten Lehrstuhl für Landesvermessung und Katasterwesen an der
Technischen Hochschule Dresden berufen. Hier führte er u. a. 1952 die
Große Vermessungsübung im Lehrfach Landesvermessung ein. Er war
Mitbegründer der Zeitschrift „Vermessungstechnik“. Im Vorwort
des ersten Heftes schrieb er: „Unsere Zeitschrift wird uns helfen, neue
Freude an der Vielseitigkeit des schönen Vermessungsberufes zu gewinnen, sie
wird ihm auch weitere Anerkennung verschaffen“ - sie erlangte bald ein hohes
wissenschaftliches Renommee. Und er schrieb weiter „In ihr wird das
Bewußtsein der Berufskollegen zum Ausdruck gebracht werden, daß Deutschland
eine Einheit ist, die nicht durch willkürliche Schranken und Zonengrenzen
zerrissen bleiben darf.“ – 1953 bis 1956 war Prof. Peschel
Rektor der TH Dresden. Die
Einrichtung der Zentralstelle für internationale Dokumentation der Geodäsie
am Geodätischen Institut 1956 war sein Werk. Er bearbeitete die
deutschen Ausgaben dreier russischer Lehrbücher von Sakatow, Urmajew, Molodenski und verfaßte etwa 60 Aufsätze in wiss.
Fachzeitschriften. 1959 bis 1974 war Prof. Peschel Präsident der Kammer für Technik (KdT)
der DDR, später deren Ehrenpräsident. Nach
der 1968 im Zuge der dritten Hochschulreform in der DDR vollzogenen Auflösung
des Geodätischen Instituts der Technischen Universität Dresden war er
1969 bis 1974 Leiter des neu gebildeten Wissenschaftsbereichs Geodäsie. In
der wissenschaftlichen Arbeit galt seine besondere Vorliebe dem Feld der
Höhenmessung. Diese Forschungen gipfelten in der unter seiner Führung
entwickelten praxisreifen und auch international genutzten Technologie des motorisierten
Präzisionsnivellements. 1963 bis 1984 leitete Prof. Peschel das
Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik der DDR und konnte so an den
Generalkonferenzen der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik IUGG
sowie der IAG teilnehmen – wie erlebt und oben geschildert. Daher rührten
Freundschaften mit u. a. Prof. Dr. Rudolf Sigl und Prof. Dr. Helmut
Wolf, den er aus gemeinsamer Studienzeit kannte. Professor Dr.- Ing. Horst
Peschel wird als ein verdienstvoller Forscher und großer Wissenschaftsorganisator
gerühmt, der die Fähigkeiten eines Wissenschaftlers mit denen eines
Praktikers vereinte. Für die meisten seiner Berufskollegen war er der
Inbegriff eines Geodäten überhaupt, wohl der bedeutendste Geodät der DDR.
Er starb am 11. 4. 1989 in Dresden. So war es war ihm nicht mehr
vergönnt, die demokratische Wende und die Öffnung jener Grenze zu erleben,
deretwegen auch er 1967 alle offiziellen Kontakte zu den wissenschaftlichen
Kollegen im Westen hatte abbrechen müssen. – 313.
Das neue Museumshandbuch - ein voller Erfolg!
Auf der INTERGEO Karlsruhe vom 22. bis 24. September 2009 war die 3.
Auflage unseres Museumshandbuchs ein echter "Renner" - von dem
neuen Werk fanden weit über 200 Exemplare geneigte Leser. Die Käufer erwarben
nicht selten 2 Bücher ( eines gleich als Geschenk),
Verbände erwarben 10, auch 20 Exemplare. Die 3. Auflage des bekannten Werkes
besticht mit über 600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem
Aufsatzteil, erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im
Umfang von 300 Seiten.
Es hatte sich herumgesprochen, daß hier etwas ganz besonderes angeboten
wurde, ein werbender Flyer tat ein übriges.
So ist z.B. auf der Doppelseite 116-117 die Waldseemüller-Weltkarte von
1507 in bestechender Qualität abgebildet, die Großtheodoliten Pistor
und Martins von 1861 (S. 61), Sartorius von 1907 (S. 63), auch
unser aus einer besonderen Spendenaktion 2005 von erworbener Dollond-Theodolit
von um 1770 (S. 299). Mehrere neue Aufsätze im 11 Beiträge umfassenden
Textteil beleuchten Vermessungsgeschichte von ersten Grenzdarstellungen, vom
Urkataster, bis zur digitalen Datenbasis und zur Satellitengeodäsie. Dabei
ist das grundsätzliche Ziel des Handbuchs unverändert geblieben: Eine
insbesondere auch für Nichtfachleute aussagefähige Quelle zur
Vermessungsgeschichte zu sein, die darüber hinaus fachhistorisch von hoher
Qualität ist.
Präsident Harald Lucht und unser Erster Vorsitzenden Ingo von
Stillfried sorgten mit ihren guten Kontakten zusätzlich für regen Besuch.
So konnten wir neben den Präsidenten Dr. Karl-Friedrich Thöne vom DVW,
Michael Zurhorst vom BDVI und Wilfried Grunau vom VDV
u.a. Rolf Bull und Willibald Dores für das VDV-Magazin,
Christiane Salbach für die DVW-Nachrichten, Martina Wolkowa vom
BDVI-Forum begrüßen. Aus der großen Reihe weiterer Besucher seien
Prof. Dr. Ekkehard Bartsch, Prof. Dr. Hubertus Hildebrandt,
Hans Killer, unser ersten Eratosthenes-Preisträger Frank
Reichert, Dr. Jens Riecken vom DVW-NW, der AdV-Geschäftsführer Wilhelm
Zeddies besonders erwähnt, der Stand war zeitweilig von Interessenten
umlagert.
Die Standbetreuung lag wieder wie schon so lange in den bestens bewährten
Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef Lehmann, sowie von Jürgen
Lagoda und Rudolf Uebbing, erstmals mit viel Engagement
unterstützt vom neuen Vorsitzenden unseres Kuratoriums, Prof. Dr. Bertold
Witte. Neben Ingo von Stillfried, dem rührigen Vater dieser
Neuauflage des Museumshandbuchs, war Frau Sabine Koczy zu Besuch, der
wir die technische Bearbeitung des Handbuchs und zahlreiche Neuzeichnungen
verdanken.
Es war ein für alle Beteiligten großer Erfolg - sicher wird dies Handbuch
viele weitere Interessenten finden. Zu beziehen über unseren Geschäftsführer Klaus-Detlef
Lehmann, Tel. 0231 5025686, eMail Klaus-Detlef.Lehmann@stadtdo.de
zum Preis von 35 €, darin Verpackung und Versand eingeschlossen. -
24.09.09 312. C. F. Müller – diesmal der
Prediger
311. DAS NEUE BUCH ist da Heute kam die erlösende Meldung von unserem
Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried: Unser Museumshandbuch liegt
in seiner 3. Auflage fertig gedruckt vor. Wir stellen das Werk auf
unserem Stand in Halle 4, Stand Nr. 4.637 bei der INTERGEO
Karlsruhe vor, es kann dort erworben werden. - 300 Seiten über wiegend
farbigen Fotos - für nur 30 € ! (vergl. auch Mitt. Nr. 308) - 18.09.09 310.
Professor Erich Weiß zur Vollendung des 70. Lebensjahres
Professor Dr.-Ing. mult. Erich Weiß ist seit einer Reihe von Jahren
eine tragende Säule im Vorstand des Förderkreises Vermessungstechnisches
Museum. Wann immer wissenschaftliche Fragestellungen zu beurteilen und zu
entscheiden waren, beförderte er in seiner kompetenten und überlegenen Art
umsetzbare Lösungen. Erich Weiß ist einer der Väter des vom
Förderkreis ausgelobten Eratosthenes-Preises; er hat sich eingesetzt,
als es um die Einrichtung der Ehrenmedaille ging und wirkte und wirkt
zukünftig weiter als Hauptverantwortlicher für unsere alle 3 Jahre
stattfindenden Symposien zur Vermessungsgeschichte – ein Ideengeber
mit zurückhaltender doch wirksam eingesetzter Durchsetzungskraft. Sein
nächstes großes Vorhaben ist die Ausrichtung des Symposiums im Jahre 2011 zum
500. Geburtstag von Mercator im Jahr 2012, dessen Leben und Wirken aus
verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden wird.
Wir im Förderkreis gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden jetzt zur
Vollendung seines 70. Lebensjahres am 13. September 2009. Geboren in Halle
an der Saale, gegen Ende seiner Gymnasialzeit nach Schwierigkeiten in der
DDR – sein Sinn stand anders als der jener dortigen Machthaber – nach Westberlin
gegangen, Abitur in Schöneberg 1959, Studium in Bonn. Erich
Weiß wirkte in der Flurbereinigungsverwaltung in Nordrhein-Westfalen,
hatte seit 1977 einen Lehrauftrag an der Universität Bonn, hier führte
er ab 1990 im Lehrstuhl für Bodenordnung und Bodenwirtschaft die gute
Tradition von Prof. Dr.-Ing. Walter Seele fort.
So sehr wir Erich Weiß zu schätzen wissen, so wenig vermögen wir an
dieser Stelle seine großen wissenschaftlichen Leistungen hinreichend zu
würdigen. Wir erinnern stellvertretend an sein segensreiches Wirken als
Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft, seine ungemein zahlreichen
wertvollen Veröffentlichungen, seine Einsatz für seine Studenten und
Assistenten. Hervorgehoben seien neben seinen Veröffentlichungen zum
Bodeneigentumsrecht u. a. seine umfänglich dokumentierten und kommentierten
Quellen zur Entstehungsgeschichte der Flurbereinigung, Landeskulturgesetze in Deutschland,
eine Sammlung historischer Gesetze zur Gemeinheitsteilung, Zusammenlegung und
Umlegung sowie zur Reallastenablösung (siehe auch
www.uni-bonn.de/probobo/dt_ew.htm). Gleich nach der Wende half er bei der Umorientierung der Praxis in der DDR auf ein dort ganz neues Bodenrecht, er hatte über 10 Jahre einen Lehrauftrag an der Universität Rostock „Grundzüge des Boden-, Planungs- und Baurechts“. Die Universität Rostock ehrte Erich Weiß 1998 mit der Ehrendoktorwürde. Weitere Ehrungen für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er in Litauen und in der Türkei. Wir gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden mit den besten Wünschen, vor allem auch für seine Gesundheit, und hoffen auf eine lange Fortsetzung der fruchtbaren Zusammenarbeit. – 13. 09. 09 309.
Alerdinck kartierte einst Münster in drei Dimensionen – Vortrag Mesenburg Die
Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e.
V. Sektion Rhein–Ruhr findet statt am Dienstag, den 27. Oktober 2009, 18.00 Uhr,
Regionalverband Ruhr, Sturm-Kegel-Raum (Erdgeschoss), Kronprinzenstraße 35, 45128
Essen (Nähe Hbf). Weitere Infos
unter http://rhein-ruhr.dgfk.net/ .
- 05.09.09 308. Groß-Ereignis in Sicht -
neues Museumshandbuch
Auf
der kommenden INTERGEO in Karlsruhe werden wir unser neues
Museumshandbuch vorstellen, die 3. Auflage des bekannten Werkes, mit über
600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem Aufsatzteil,
erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im Umfang von 300
Seiten, Preis 30 Euro. Präsident Harald Lucht und Erster Vorsitzender Ingo
von Stillfried präsentieren das neue Werk auf dem Stand des Förderkreises
in Halle 4, Stand Nr. 4.637 am Dienstag, 22. September ab 11:30
Uhr. Zur Präsentation eingeladen sind eine Reihe von Persönlichkeiten, so
insbesondere auch die Präsidenten von DVW, BDVI, VDV. Die
Standbetreuung liegt wieder in den bewährten Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef
Lehmann, unterstützt von Rudolf Uebbing und Jürgen Lagoda -
27.08.09
307. Förderkreis erhält aus der Schweiz eine
terrestrische Stereomeßkammer WILD C12
306.
Der Limes – eine Grenzanlage quer durch Deutschland, Weltkulturerbe seit 2005
Der Obergermanisch-Raetische Limes hat eine Länge von rd. 530 km und verläuft
von Rheinbrohl (nördliches Rheinland-Pfalz) bis Hienheim
an der Donau (südwestlich von Regensburg), durch die Länder Rheinlad-Pfalz,
Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Grenze zwischen der
römischen Provinz Raetia und Germania markierte einst ein
großes Zivilisations- und Wohlstandsgefälle. Der Limes stellte keine
unüberwindliche militärische Verteidigungsanlage dar. Er diente in erster
Linie der Kontrolle des grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehrs.
Zahlreiche Limesdurchgänge kanalisierten den „Kleinen Grenzverkehr“. Diese
römisch-germanische Grenze wurde einst durch mehr als 900 Türme überwacht.
Der anfänglichen Holzbauweise folgten Steintürme, die ab 146 n. Chr. verputzt
wurden. Die Wachtposten (Wp) wurden oft in Sichtweite zueinander angelegt.
Der Limes ist am 15. Juli 2005 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen
worden. Besonders beeindruckt waren jetzt die Fachkollegen Günter Cummerwie aus Wuppertal, Dieter Grewe aus Schwerin, Hans-Joachim Huberti aus Kaiserslautern, Harald Lucht aus Bremen, Horst Luft aus Taunusstein und Harry Pahl aus Hamburg, ehemalige Mitglieder der Fachkommission Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Deutschen Städtetag, als sie zusammen mit ihren Ehefrauen am 6. August 2009 den rekonstruierten Limesturm Wp 3/26 bei Idstein besichtigten. Geführt von Ottmar Weigel, dem Initiator der Rekonstruktion dieses Turms, wurde die alte Grenzbefestigung zwischen dem damaligen römischen Reich und Germanien ins Bewußtsein gerufen. Der Turm beherbergt eine hochinteressante Ausstellung mit Exponaten und Übersichten zum Limes, siehe hierzu auch http://www.roemerturm-idstein.de/ und das lesenswerte Heft „UNESCO-Welterbe Limes, römisches Erbe in Hessen", herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen, www.denkmalpflege-hessen.de/Archaeologie . Und - eine der ersten Mitteilungen auf dieser Seite wies bereits 2004 auf die geplante Aufnahme des Limes in Deutschland als UNESCO-Weltkulturerbe hin (Mitt. Nr. 30) . - 10.08.09. 305.
Museumshandbuch 3. Auflage - Layout ist fertig, Druck bis zur INTERGEO
Der „Bayerische Katastervermessungskompass“, © 2005, ist ein von ehrenamtlichen Autoren verfaßtes, freies Internetprojekt, das sich ausschließlich mit der Thematik Kataster und Geodaten beschäftigt. In einem ersten Schritt soll das Bayerische Kataster dokumentiert werden. Es weist darüber hinaus eine ganze Anzahl von einschlägigen Links nach. Näheres siehe unter http://www.by-bayern.de/ . Gegenwärtig ist eine Reihe von fachhistorischen Daten chronologisch zusammengestellt (beginnend 1801 mit Hinweisen auf die Katasteranlegung in Bayern ab 1808), Fachbegriffe werden erläutert. Kontaktadresse Erwin Knott über erwin.knott@googlemail.com . - 28.07.09 303. Soldnermedaille für
Hubertus Hildebrandt und Max Engelsberger. 302. Eratosthenes-Preisträger
2009 ist Rudolf Hafeneder
Das Stifterkollegium des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum
(Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Kuratoriumsvorsitzender o. Prof.
Dr. Bertold Witte, Erster Vorsitzender Ingo Frhr. von Stillfried)
ist in Dortmund zusammengetreten und hat den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis
2009 vergeben. Aus mehreren vorgeschlagenen und preiswürdigen Arbeiten
ist die Dissertation 2008 von Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder zur Deutsche
Kolonialkartographie 1884-1919 als eine herausragende Forschungsarbeit
ausgewählt worden. Der Vorschlag zur Preisverleihung kam von Professor
Dr.-Ing. Dieter Morgenstern. Wir hatten die Arbeit bereits in unserer Mitt.
Nr. 263 besprochen. Die Preisverleihung
wird in der Mitgliederversammlung unseres Förderkreises am 22. Februar
2010 in Dortmund stattfinden. In der Vergangenheit ist der
Eratosthenes-Preis während der Eröffnung der INTERGEO überreicht worden. Der
DVW hat ab diesem Jahr, beginnend in Karlsruhe,
den Gesamtablauf der INTERGEO verändert, insbesondere entfällt die große
offizielle öffentliche Eröffnungsveranstaltung. Der Präsident des DVW hatte
den Förderkreis daher gebeten, die Preisverleihung in einem anderen würdigen
Rahmen vorzusehen. Das ist selbstverständlich für unseren Förderkreis unsere Mitgliederversammlung.
Herr Dr. Rudolf Hafeneder wird dann zugleich über seine Arbeit
berichten. - 08.07.09 301. Bierfaß im Koordinatenkreuz –
Studenten-Ulk vor 40 Jahren. 300. Erinnerungen an Carl Strinz
Vor Zeiten, als es noch keine Computer gab (also heute kaum mehr
vorstellbar!), war die Koordinatenumformung mit graphischer Ausgleichung
lange als Strinz’sches Verfahren bekannt und beliebt, weil elegant –
im vergangenen Jahrhundert bis in die Nachkriegszeit, auch noch bis in die
Anfang 60-iger Jahre. Carl Strinz hatte das Verfahren in einem
grundlegenden Aufsatz 1925 vorgestellt und dann später mehrfach
weiterentwickelt. Und dies, obwohl sein Haupttätigkeitsfeld auf ganz anderem
Gebiet lag.
Carl Strinz wurde
vor 140 Jahren am 10. Juli 1869 in Köln geboren. Er war Leiter der
Vermessungs- und Liegenschaftsämter in Düren und Bonn und
arbeitete stets auch im Bebauungsplanwesen. So gewann er 1905 einen ersten
Preis in einem Wettbewerb zur Umarbeitung des Bebauungsplans der Stadt St.
Johann a. d. Saar (unter 47 eingereichten Entwürfen), er nahm an weiteren
Wettbewerben teil, u. a. in Kopenhagen, Breslau und Wetzlar. 1912
wechselte er nach Magdeburg. Carl Strinz war außerordentlich
vielseitig und insbesondere mathematisch begabt, „mit vielfachen
künstlerischen Veranlagungen und Interessen … eine Persönlichkeit mit festem
eindeutigen Charakter.“ … schrieb Nadermann in seinem Nachruf 1943. Strinz veröffentlichte eine Reihe
wegweisender Artikel zu allen Fragen aus dem kommunalen Vermessungswesen,
noch 1939, 70-jährig: „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen,
Rückblick und Ausblick“ – fußend (mit
konkreten Zahlen) auf seinen reichen Erfahrungen insbesondere in Magdeburg.
Darin umreißt er die ganze Breite der Arbeitsgebiete des
Vermessungsingenieurs im Kommunaldienst, für die Planunterlagen, die
Bebauungsplanbearbeitung, den Grunderwerb …. bis hin zur
Grundstückswertermittlung, zur Bodenordnung. Carl Strinz war
Vermessungsingenieur, bodenpolitisch breit engagiert und mathematisch klar
denkend, eine hochinteressante Persönlichkeit. Sein eingangs erwähntes, 1925
veröffentlichtes Verfahren zur graphischen Ausgleichung von Abweichungen bei
Koordinatentransformationen mit einer größeren Anzahl identischer Punkte
führte er in der praktischen Anwendung auf die Konstruktion von Linien
gleicher Abweichung von Koordinatenverbesserungen zurück, ein elegantes
Verfahren – bevor der Computer Einzug gehalten hat. Carl Strinz starb
am 29. November 1942 in Magdeburg. Literatur (Auswahl): Zentralblatt der
Bauverwaltung, Hrsgg. im Min. f. öff. Arbeiten, Berlin, 1906 S. 32; Strinz,
C.: Koordinatentransformation mit graphischer Ausgleichung, zfv 1925 S. 289 –
300; ders.: Das Reichsgesetz über die Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten
vom 22. September 1933, ZfV 1934 S. 16 – 21; ders.: Kommunales Vermessungs-
und Liegenschaftswesen, Rückblick und Ausblick, AVN 1939 S. 253 – 263;
Nadermann: Vermessungsdirektor Karl Strinz †, zfv 1943 S. 48; 299. Ungewöhnliche
Fundsache - Erinnerungen an Siegfried Stahnke Jürgen Lamping aus Bad Abbach
hat uns kürzlich ein ungewöhnliches Zeitdokument überreicht, eine Original-Kassette mit Tonaufnahmen von
Ansprachen, die 1976 für den Gründungsvater unseres Förderkreises Siegfried
Stahnke anläßlich von dessen Verabschiedung aus dem aktiven Dienst
gehalten worden sind, dem Vor-Vorgänger von Norbert Kalischewski in
der Leitung des Vermessungs- und Katasteramts Dortmund. Rudolf
Uebbing hat die Bänder umformatiert und digitalisiert. Die Kassette
enthält Worte u. a. von Jürgen Lamping, Helmut Minow, Prof.
Dr. Timm (mit Hinweisen auf unser Museum) und Dankesworte von Siegfried
Stahnke. Dr.-Ing. Fritz Lehmann, seinerzeit Dezernent des
Regierungspräsidenten in Osnabrück erinnerte in seinen Dankesworten
daran, daß eine Reihe von Referendaren aus Niedersachsen sich gerne in
ihrer „Freien Wahl“ nach Dortmund abordnen ließen, weil sich dort im
Bereich der Planung, Bodenordnung und im kommunalen
Vermessungswesen eine hervorragende Ausbildungsmöglichkeit bot, Herr
Stahnke habe sich stets auch viel Zeit für die persönliche Betreuung der
Referendare genommen.. - 18.06.09
298. Das Ruhrrevier 1956 - d |