FÖRDERKREIS VERMESSUNGSTECHNISCHES MUSEUM E. V.
POSTANSCHRIFT: 
Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V.
( c/o Museum für Kunst und Kulturgeschichte )
Hansastraße 3
D-44137 DORTMUND
Tel.  +49 (0) 231 50 2 82 08  (Geschäftsführung) 

Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Hansastraße 3
D-44137 Dortmund   
(5 Minuten vom Hauptbahnhof)

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Aktuelles              "Erinnern heißt danken"

 

 

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Redaktion:  Manfred Spata (seit 2018)

 

 

 

               

Aktuelle  Mitteilungen

 

15. Oktober 2020

 

760.  Schöner-Globus von 1520

            Der fränkische Priester, Astronom und Kartograph Johannes Schöner (1477-1547) war Mathematikprofessor am Nürnberger Gymnasium und fertigte in seiner Druckwerkstatt Erd- und Himmelsgloben. Er war der erste, der mit der Serienherstellung begann; 1515 schuf er seinen ersten Erdglobus (Durchmesser 27 cm), dessen Kartenbild weitgehend der Weltkarte von Martin Waldseemüller von 1507 mit einer Darstellung der Südhälfte der Neuen Welt und dem Namen America entspricht. Hiervon sind heute noch zwei Exemplare nachweisbar, im Historischen Museum in Frankfurt am Main und in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Auf Bestellung des Bamberger Rates fertigte er 1520, also vor fünfhundert Jahren, einen großen handgemalten Erdglobus (Durchmesser 87 cm), der den Behaim-Globus von 1492 (ohne Darstellung der Neuen Welt!) ablöste. Diese beiden Globen gehören heute zu den ganz seltenen kartographischen Kostbarkeiten im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Neben der Vorlage der Waldseemüllerkarte von 1507 enthält der Schöner-Globus auch ein antarktisches Landgebiet, genannt „Brasilia inferior“, neben dem als Insel dargestellten Südamerika mit dem Namen „America vel Brasilia“. Dieses Unikat weist als einziger Globus Schöners Unterschrift und eine Datierung auf (Franz Wawrik, Lexikon zur Geschichte der Kartogaphie, 1986).

 

 

759.  „Gute Karten! Die Oberlausitz auf historischen Landkarten

            Das Heimatmuseum der Stadt Herrnhut in der Oberlausitz zeigt noch bis zum 25. Oktober 2020 die Sonderausstellung „Gute Karten! – Die Oberlausitz auf historischen Landkarten“, die einen aufschlussreichen Blick zurück in die Geschichte und Entwicklung der Oberlausitzer Kartographie gestattet. Die Exponate entstammen aus mehreren Archiven, Bibliotheken und Museen in Görlitz, Löbau und Zittau sowie aus dem Berthelsdorfer Zinzendorf-Schloss. Die älteste Karte ist die „Misniae et Lusatiae tabula“, ein Holzschnitt des Görlitzer Bartholomäus Scultetus (1540-1614) von 1568, die bereits auf astronomischer Ortsbestimmung gründete; Nachstiche besorgten Abraham Ortelius 1573 und Daniel Cellarius 1578. In einer der ersten Karten der Oberlausitz des Zittauers Johann Daniel de Montalegre von 1748 ist erstmals das 1722 gegründete Herrnhut eingetragen. Abgerundet wird die Ausstellung durch die in den vergangenen drei Jahren zusammengetragene und bisher noch nicht gezeigte Sammlung mit historischen Ansichten (Veduten) der heutigen Herrnhuter Ortsteile. Ebenso wie die Landkarten erlauben sie einen Blick in vergangene Zeiten; zugleich lässt sich aber immer wieder auch heute noch Bestehendes entdecken (www.herrnhut.de/tourismus/heimatmuseum ). - 4.10.2020

 

 

758.  Ausstellung „Karten Wissen Meer. Globalisierung vom Wasser aus“ in Bremen

            Die Wanderausstellung zeigt anhand zahlreicher See- und Meereskarten aus dem Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven sowie der Verlagssammlung Perthes in Gotha, wie das Kartenmachen und –lesen den Blick des Menschen auf die Meere geprägt und auch verändert hat. Im Fokus stehen Karten der Zeit von 1850 bis 1950. Zum einen haben sie als Navigationsinstrumente und Wissensspeicher sichere und globale Schifffahrt ermöglicht. Zum anderen hat der Gebrauch von Seekarten wesentlich dazu beigetragen, eine Vorstellung von Globalität zu gewinnen. Dies wirkt bis heute nach und prägt unseren Blick auf die Meere. Das Quellenmaterial der See- und Meereskarten gehört zu zwei bedeutenden Sammlungen in Bremerhaven und Gotha. Das DSM verwahrt einen Fundus von über drei Tausend See- und Meereskarten. In der Sammlung Perthes liegen - als Erbe des 1785 gegründeten Kartenverlags Perthes – über elf Tausend historische Seekarten. Da der Gebrauch von Seekarten Kenntnisse im Umgang mit Zirkel, Kompass und selbst dem Sextanten voraussetzt, wird neben den Archivalien die umfangreiche Sammlung alter Navigationsinstrumente am Deutschen Schifffahrtsmuseum in die Ausstellung einbezogen. Die Ausstellung ist im Haus der Wissenschaft in Bremen bis zum 17. Oktober 2020 zu sehen. Zur Ausstellung ist das Buch „Karten Meere – Eine Welterzeugung“ im Handel erhältlich. – 26.9.2020

 

 

757.  Neues UN-Zentrum für Geodäsie in Bonn

            Der UN-Campus in Bonn erhält einen wissenschaftlichen Zugang: das Exzellenzzentrum der Geodäsie GGCE (Global Geodetic Centre of Excellence). Dies beschloss das Expertenkommitee der Vereinten Nationen für globales Geoinformaionsmanagement (UN-GGIM). Das GGCE soll bis Mitte 2021 eröffnen und zunächst fünf Mitarbeiter umfassen; später soll es dort auf 20 Mitarbeiter und mehr anwachsen. Das BKG (Bundesamt für Kartographie und Geodäsie) in Frankfurt am Main soll das neue UN-Zentrum fachlich unterstützen. Das BKG gilt mit seinen drei geodätischen Observatorien auf drei Kontinenten als federführend beim Aufbau des Netzes an Bodenstationen einer internationalen geodätischen Infrastruktur.

            Der Standort Bonn ist durch zwei Gegebenheiten eine gute Wahl für das neue GGCE. So besitzt die Bonner Universität seit 2018 ein Exzellenzcluster PhenoRob, in dem Geodäten mit Informatikern und Agrarwissenschaftlern landwirtschaftliche Forschung betreiben (siehe Mitt. 676). Bereits 1962 fand in Bonn-Godesberg die 3. Internationale Kartenkonferenz der UN zum IWK/Musterblatt statt, organisiert von Emil Meynen in der damaligen BfLR (Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung) und unterstützt von Georg Krauß im LVermA NRW (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen). – 19.9.2020

 

 

756.  Kuratorenführungen im Römerkanal-Informationszentrum in Rheinbach

            Den Corona-Einschränkungen zum Trotz: im Römerkanal-Informationszentrum in Rheinbach, Kulturzentrum Himmeroder Hof veranstaltet unser Beiratsmitglied Prof. Dr. Klaus Grewe am Sonntag, 18. Oktober, Sonntag, 15. November und Sonntag, 29. November 2020 jeweils um 11:15 Uhr eine Kuratoreneinführung zum Bau der römischen Wasserleitung (siehe Mitt. 728). Der Eintritt ist frei, Spenden willkommen. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl ist eine Anmeldung beim Römerkanal-Infozentrum dringend erforderlich: (Frau Vera Ahlbach, vera.ahlbach@stadt-rheinbach.de !). Desweiteren macht er auf zwei Open-Air Powerpoint-Präsentationen aufmerksam, am Samstag 10. Oktober 2020 um 19.00 Uhr am Römerkanal-Infozentrum in Rheinbach und am Sonntag, 11. Oktober 2020 um 19.00 Uhr am Grünen Pütz im Urfttal bei Nettersheim. In allen Veranstaltungen geht es um die Eifelwasserleitung, deren Planung, Vermessung und Bau durch die Römer; sie gilt als eine der am besten erforschten Fernwasserleitungen der Antike – und an diesen Forschungen hat Klaus Grewe einen gehörigen Anteil beigesteuert (www.klaus-grewe.de). – 9.9.2020

 

 

755.  Absage der „Vermessung im Bergbau“ in der 20. Dortmunder Museumsnacht

            Die Corona-Pandemie schafft uns alle – auch die Kulturszene in Dortmund. Das lange Warten hat ein Ende – die 20. Dortmunder DEW21-Museumsnacht am 19. September 2020 darf stattfinden. Wohl aber sind einige Aktionsprogrammpunkte im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) abgesagt, weil ihre Durchführung wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nicht machbar ist. Damit ist auch unser Programmpunkt mit der Außenpräsentation der „Vermessung im Bergbau“ abgesagt bzw. auf das nächste Jahr verschoben, teilt uns der Verantwortliche Ingo von Stillfried mit. Derzeit sind nur Führungen im MKK mit Personengruppen von maximal 10 Personen denkbar, bei denen die Teilnehmer sich auch in Listen eintragen müssen (siehe Mitt. 720). – 4.9.2020

 

 

754.  Zum Tod von Prof. Dr.-Ing. mult. Erich Weiß

            Am 3. August 2020 ist im Alter von 80 Jahren Prof. Dr.-Ing., Dr. sc. techn. h.c., Dr. agr. h.c. Erich Weiß, Preisträger des Eratosthenes-Ehrenpreises 2019, für immer von uns gegangen. Wir haben mit ihm einen sehr geschätzten Kollegen und Freund verloren, der die Geschicke des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum Dortmund über viele Jahre hinweg in besonderer Weise geprägt und gefördert hat. Erich Weiß wurde am 13. September 1939 in Halle an der Saale geboren. Nach dem Abitur im Jahre 1959 studierte er Geodäsie an der Universität Bonn und nach Abschluss des Studiums im Jahre 1963 folgte eine Ausbildung als Vermessungsreferendar. Anschließend trat er 1966 in die Flurbereinigungsverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Amt für Agrarordnung Bonn ein. 1968 promovierte ihn die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zum Dr.-Ing. Einige ausgewählte Stationen seines beruflichen Lebensweges seien nachfolgend aufgeführt.

            1976 wurde Erich Weiß zur Oberen Flurbereinigungsbehörde, dem Landesamt für Agrarordnung Nordrhein-Westfalen in Münster, als Fachaufsichtsdezernent versetzt, nachdem er zuvor auch als technischer Sachverständiger in städtischen Umlegungsausschüssen mitwirkte (Bornheim, Erftstadt). Vor dem Hintergrund seiner breiten Berufstätigkeit war es nur natürlich, Erich Weiß zum Prüfer beim Oberprüfungsamt für den höheren technischen Verwaltungsdienst (OPA) für die Prüfungsfächer Ländliche Neuordnung, Landesplanung und Städtebau zu bestellen. Bereits seit dem 1. Januar 1977 hatte er einen Lehrauftrag an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn über „Besondere Probleme der Flurbereinigung“. Es folgten Berufungen in den AK Ländliche Neuordnung der Deutschen Geodätischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften (DGK), in den AK Liegenschaftskataster und Flurbereinigung des DVW und in den Ausschuss Planung und Technik der AG Flurbereinigung des Bundes und der Länder. 1988 wurde er Leiter des Amtes für Agrarordnung in Siegburg; zum 1. Januar 1990 wurde Erich Weiß als Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft an der Universität Bonn berufen und zugleich zum Mitdirektor des dortigen Instituts für Städtebau, Bodenordnung und Kulturtechnik. Diese Aufgabe hat er bis 2005 wahrgenommen. Während dieser Zeit beförderte er in besonderer Weise auch die Umorientierung auf ein ganz neues Bodenrecht in der ehemaligen DDR. Über zehn Jahre war er mit einem entsprechenden Lehrauftrag an der Universität Rostock betraut, die ihn 1998 mit der Ehrendoktorwürde auszeichnete. Weitere Ehrungen für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er in Litauen und in der Türkei.

            Natürlich können wir an dieser Stelle nicht alle wissenschaftlichen Leistungen des Verstorbenen hinreichend würdigen und so erinnern wir stellvertretend an sein segensreiches Wirken als Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft und an seine ungemein zahlreichen wertvollen Vorträge und Veröffentlichungen, die er seit den 1990er Jahren verfasst hat. Sie behandeln insbesondere Themen der Bodenordnungsverfahren und des Naturschutzes , aber auch Lebensbilder von Persönlichkeiten, die die Entwicklung der Bodenwirtschaft in Deutschland maßgeblich beeinflusst haben.

            Dem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum war Erich Weiß seit Jahrzehnten in besonderer Weise verbunden. Seit 1996 gehörte er in unterschiedlichen Funktionen dem Vorstand des Vereins an. In den Jahren 2011, 2014 und 2017 organisierte er vorbildlich die Dortmunder Symposien zur Vermessungsgeschichte und gab die entsprechenden Tagungsbände heraus. Er war einer der Väter des vom Förderkreis ausgelobten Eratosthenes-Preises und wann immer wissenschaftliche Fragestellungen zu beurteilen und zu entscheiden waren, beförderte er in seiner kompetenten überlegenen Art umsetzbare Lösungen. Wir werden ihn vermissen. Erich Weiß hinterlässt seine Ehefrau, drei Kinder und drei Enkelkinder. Unser tiefes Mitgefühl gilt ihnen.     
               Peter Mesenburg, Ingo von Stillfried – 25.8.2020

 

 

753.  Organisations-Statut für das Zentraldirektorium der Vermessungen in Preußen 1870

            Vor 150 Jahren, am 11. Juni 1870, trat das „Organisations-Statut für das Central-Directorium der Vermessungen im Preussischen Staat“ in Kraft; die Kabinettsorder vom 21. Juni 187o gründete das Zentraldirektorium, das unmittelbar dem Preußischen Staatsministerium unterstand. Die wesentlichen Aufgaben lagen in der Leitung und Überwachung der vom Generalstab auszuführenden Landesaufnahme, in der Beratung und Feststellung der Aufnahmemethoden und in der Nutzbarmachung der Aufnahmeergebnisse. Die ersten Beratungen ergaben folgende Fundamentalforderungen: 1. Neutriangulation des gesamten Staatsgebietes in einer Ausdehnung, dass auf jede Quadratmeile (rund 7,5 x 7,5 km) 10 vermarkte Festpunkte (Marksteine) kommen, die durch eine Marksteinschutzfläche gesetzlich geschützt werden (Gesetz von 1865). 2. Topographische Aufnahme mit Messtisch und Kippregel im Maßstab 1:25 000. 3. Veröffentlichung (Druck) der Aufnahmeergebnisse im Originalmaßstab und in Reduktionen. Diese Forderungen führten 1875 zur Gründung der „Königlichen Landesaufnahme“, die mit der Plankammer (Kartenarchiv) als ein besonderer Zweig des Generalstabs bis 1921 selbständig agierte.

            Im Verlauf der Jahre besorgte das Zentraldirektorium wichtige Aufgaben, Bestimmungen über die Anwendung gleichmäßiger Signaturen vom 20. Dezember 1879, Bestimmungen über den Anschluss der Spezialvermessungen an die trigonometrische Landesvermessung vom 29. Dezember 1879 mit der Einführung von 40 Koordinatensystemen für Preußen (Katasterkoordinatensysteme, Anlage A der Katasteranweisung IX), Bestimmungen über den Anschluss der Nivellements an das Präzisionsnivellement der Landesaufnahme vom 16. Dezember 1882. Außerdem wirkte das Zentraldirektorium bei der Gründung der Physikalisch-technischen Reichsanstalt mit. Im Jahre 1921 wurde das Zentraldirektorium aufgelöst; seine Aufgaben übernahm der neu eingesetzte Beirat für das Vermessungswesen beim Reichsministerim des Innern. Damit verbunden war der Wechsel der militärisch organisierten Landesaufnahme zum zivilen Reichsamt für Landesaufnahme (Wittstock 2001, S. 113; Lang 2008, S. 33-60). – 17.8.2020

 

 

752.  INTERGEO 2020 nur DIGITAL

            Dieses Jahr ist eindeutig durch das globale Auftreten des Coronavirus bestimmt. Die Pandemie verändert unser tägliches Leben – und auch die Geodäten sind davon betroffen (siehe Mitt. 740). So muss die Fachmesse INTERGEO 2020 vom 13.-15. Oktober nach anderen „Spielregeln“ ausgetragen werden. Es wird keine Konferenz, Messe bzw. Vorträge geben. Mit der INTERGEO DIGITAL 2020 soll eine rein digitale Umsetzung der Veranstaltungen angestrebt werden. An diesem digitalen Auftritt der INTERGEO DIGITAL 2020 wird sich aber der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V. aus Kostengründen nicht beteiligen können. Ein Ersatz des früher praktizierten Messestands mit persönlichen Begegnungen ist momentan nicht absehbar. Es bleibt die Hoffnung auf künftig bessere/gesündere Bedingungen. – 1.8.2020

 

 

751.  Kopie einer Weltkarte von Amerigo Vespucci in Rostock entdeckt

            Wie ganz aktuell der Internetdienst VDVintern berichtet, ist in der Universitätsbibliothek Rostock die einzig bekannte Kopie einer Weltkarte vom berühmten Seefahrer und Entdecker Amerigo Vespucci (1454-1512) aufgespürt worden. Von ihm ist bisher keine einzige Karte erhalten geblieben. Umso wertvoller ist die in Rostock entdeckte Kopie; sie ist in dem 1505 in Rostock von Hermann Barckhausen gedruckten Werk „Epistola Albericij. De novo mundo“ als ganzseitige handkolorierte Weltkarte der alten Kontinente Europa, Africa und Asia enthalten. Hierzu sei auf die von Martin Waldseemüller 1507 publizierte großformatige Weltkarte mit Darstellung auch der neuen Welt mit seinem Bezug auf Vespucci hingewiesen (siehe Mitt. 743). Das vollständige Kartenbild und der Artikel ist auf VDVintern für angemeldete VDV-Mitglieder einzusehen. – 21.7.2020

 

 

750.  Dänische Basismessung in Braak 1820

            Vor genau 200 Jahren erlebte die kleine Gemeinde Braak vor den Toren von Hamburg im Kreis Stormarn ein geodätisches Großereignis, die Vermessung der sogenannten „Braaker Basis“. Damals befahl der dänische König, das ganze Land einschließlich Schleswig und Holstein neu zu vermessen, um für das Militär brauchbare Landkarten und für das Steuerkataster genaue Flurkarten (siehe Mitt. 749) anzufertigen. Die damals dänische Gemeinde Braak spielte für die Vermessungsingenieure eine besondere Rolle, denn dort konnten sie in flachem Gelände eine Basisstrecke exakt ausmessen, um dadurch für das Triangulationsnetz den Netzmaßstab zu bestimmen. So relativ einfach die Winkel eines Dreiecksnetzes beobachtet werden können, so schwierig und zeitaufwändig war die Vermessung einer längeren, Kilometer langen  Strecke.

            Die Leitung der Basismessung hatte der Astronom Heinrich Christian Schumacher (1780-1850). Mit geeichten Messstangen von vier Meter Länge, die zu ihrem Schutz in einem Holzkasten lagen, schritten die Vermessungsleute die fast sechs Kilometer lange Strecke zwischen zwei vorher festgelegten Baisendpunkten ab. Die Stangen mussten immer waagerecht auf beweglichen Böcken liegen und durften sich nicht gegenseitig verschieben, denn nichts sollte die Basismessung verfälschen. So schafften die Ingenieure nur 200 Meter pro Tag. Erst im Herbst 1821 wurden sie schließlich mit der Bestimmung der Braaker Basis fertig. Von dieser Basislinie wurde der Netzmaßstab auf das gesamte Dreiecksnetz des Dänischen Königreichs bis hinauf nach Skagen im Jütland ausgebreitet. Das Ergebnis der Braaker Basismessung, exakt 5 875,219 Meter lang, und die Vermarkung der Basisendpunkte waren so gut, dass später die Triangulationen des Königreichs Hannover (1821-1844) unter der Leitung des Mathematikers Carl Friedrich Gauß (1777-1855) und der westelbische Netzteil der Preußischen Landesvermessung unter der Leitung des Generals Oskar Schreiber (1829-1905) daran angeschlossen wurden. Schreiber wiederholte 1871 die Basismessung Braak für die Schleswig-Holsteinische Dreieckskette. Die beiden Endpunkte gibt es heute noch: der südliche Punkt steht mitten in einem Kornfeld, der nördliche Punkt befindet sich am Ende eines Privatgartens (Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009, S. 129 und 187; sh magazin/zeitreise 2732, Juli 2020). – 13.7.2020

 

 

749.  Erhebung der Grundsteuer und Fortsetzung des Katasters in den westlichen preußischen Provinzen 1820

            Nach dem „Gesetz über die Einrichtung des Abgabewesens“ vom 30. Mai 1820 war in jeder preußischen Provinz eine Grundsteuer zu erheben, die durch die Gemeinden von den zahlungspflichtigen Eigentümern in monatlichen Beiträgen kassiert wurden. Dieses 200 Jahre alte Abgabengesetz begründete neben der Grundsteuer noch eine Klassen- und Gewerbesteuer sowie vier Verbrauchssteuern. Die Grundsteuer war aber die Haupteinnahmequelle des preußischen Staates. Zur Ermittlung des jeweiligen Katastralbetrages eines Grundstücks war sein Flächeninhalt durch eine Parzellar- oder Stückvermessung zu ermitteln. Die Ergebnisse wurden in Flurbüchern und Mutterrollen festgehalten. Im Laufe der Zeit sollten die Katastralabschätzungen der Gemeinde und deren Nachweise (Flurkarten, Flurbücher, Mutterrollen) fortgeführt werden.

            Diese Abgabenordnung bewirkte die „Kabinetts-Ordre, die Fortsetzung und Vollendung des Katasters in den Provinzen Niederrhein, Cleve, Berg und Westphalen betreffend“ vom 26. Juli 1820. Technische Grundlage der Katasterarbeiten war die „Instruktion für das Kataster der Rheinisch-Westphälischen Provinzen entworfen auf den Grund der Verhandlungen in Godesberg vom 15. bis 25. April 1819“ (siehe Mitt. 702). In den rheinischen Provinzen war zur napoleonischen Zeit von 1808 bis 1813 eine französische Katasteraufnahme begonnen worden, an deren Fortsetzung nun Preußen wegen seiner kriegsbedingt leeren Staatskasse interessiert war. Bereits 1810 hatte das „Edikt über die Finanzen des Staates und die neuen Einrichtungen wegen der Abgaben“ … „ein neues Kataster, um die Grundsteuer danach zu bestimmen“, verfügt. Die napoleonischen Wirren verhinderten jedoch damals eine sofortige Umsetzung. Die Aufstellung des Katasters bis zur Fertigstellung 1834 erwies sich als ein voller Erfolg. Die Katasterarbeiten wurden in späteren Jahren auf die östlichen Provinzen Preußens ausgedehnt (Wittstock, Preußisches Grundsteuerkataster, 2001, S. 40; Spata, Katasterstreit, 2008). – 29.6.2020

 

 

748.  Neue Lizenzregelung für Geobasisdaten von NRW

            Die amtlichen Geobasisdaten der Vermessungs- und Katasterverwaltung in Nordrhein-Westfalen (NRW) können uneingeschränkt und ohne Bedingungen von jedermann genutzt werden. Ermöglicht wird dies durch die Datenlizenz Deutschland-Zero-Version 2.0, die nun die Opendata-Bereitstellung in NRW regelt. Der Lizenztext ist unter www.govdata.de/dl-de/zero-2-0 abrufbar. Luftbilder und Landkarten, auch historische Karten, stehen ohne Einschränkungen zur Verfügung. Die Daten können seit März 2020 vervielfältigt, ausgedruckt, präsentiert, verändert und an Dritte übermittelt werden. Die digitalen Geobasisdaten werden nach Open Data-Prinzipien kostenfrei über automatisierte Abrufverfahren bereitgestellt. Weitere Infos unter www.geobasis.nrw.de. – 14.6.2020

 

 

747.  Aufgaben der Bergbehörde NRW nach Beendigung der Steinkohleförderung

            Die Bergbehörde in Nordrhein-Westfalen, angesiedelt seit 2007 bei der Bezirksregierung Arnsberg, Abteilung Bergbau und Energie, aber weiterhin mit Sitz in Dortmund, ist auch nach dem Ende der Steinkohleförderung nicht arbeitslos. Eine der Hauptaufgaben besteht im Nachweis des noch heute einwirkungsrelevanten Altbergbaus. In Zusammenarbeit mit dem Geologischen Dienst NRW ist seit 2009 eine Auskunftsplattform www.gdu.nrw.de gestartet worden, worin grundstücksscharf Informationen zu alten unterirdischen Bergwerken angezeigt werden. Besorgte Bürger und Grundstückseigentümer können hier Auskunft über vermutete Bergeinflüsse erhalten. In den vom Bürger beantragten Stellungnahmen und Auskünften wird der umgegangene Bergbau so beschrieben, wie er an Hand der historischen Bergakten bekannt ist. Beim sogenannten Uraltbergbau sind teilweise nur aufgefahrene Strecken in den historischen Unterlagen verzeichnet, die manchmal nur mit Mühe georeferenziert werden können. Immer wieder findet man in den Kartenunterlagen neue Informationen, die in den Datenbänken noch nicht erfasst sind. Die Markscheider haben also im Bereich der ehemaligen Steinkohlegebiete in NRW noch viele Jahre Aufsichts- und Informationspflichten gegenüber der interessierten Öffentlichkeit. (VDVmagazinPlus 3/2019). – 27.5.2020

 

 

746.  Meisterwerke der islamischen Kartographie

            In dem Bildband „Islamische Karten. Der andere Blick auf die Welt“ untersucht der Kartenhistoriker und Islamwissenschaftler Yossef Rapoport die Meisterwerke der islamischen Kartographie zwischen dem 9. und 17. Jahrhundert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Kartenzeichnern selbst. In diesem Buch werden ungewöhnliche und großenteils bisher unbekannte Schätze aus internationalen Archiven und Bibliotheken in Text und Bild präsentiert. Die älteste uns bekannte islamische Landkarte des Nils zeichnete Muhammad ibn Musa al-Chwarizmi; er war Mathematiker, Astronom und Geograph. Landkarten boten damals wie Kunstwerke eine vielschichtige Sicht auf die Welt. Die Kartenmacher arbeiteten für Kalifen, Sultane und Schahs, einige Karten produzierten sie für Händler, Gelehrte und Seefahrer. Anhand ihrer Lebensgeschichte und ihrer kartographischen Meisterwerke untersucht der Autor islamische Weltdeutungen. Ein Blick auf diese islamischen Karten erneuert auch unseren heutigen Blick auf die Welt. Das Buch ist als Hardcover im Verlag der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG) in Darmstadt 2020 erschienen. – 15.5.2020

 

 

745.  Slowakisches Landkartenmuseum: Ein Ausflug in die Welt

            Die Corona-Krise hat uns alle in diesem Frühjahr gesellschaftlich und kulturell drastisch eingeschränkt, auch wir Vermessungs- und Kartenhistoriker sind betroffen – nichts geht mehr! Aber irgendwann nach dieser Krise wird es auch wieder Besuche von Museen und Reisen in die weite Welt geben. Ein denkbares Reiseziel könnte auch das Slowakische Landkartenmuseum in dem kleinen Dorf Kyncelova bei Banska Bystrica in der Mittelslowakei sein. Dort besteht das einzige Museum seiner Art in der Slowakei und wohl auch in Mitteleuropa. Und trotz seiner bescheidenen Größe hält es Schritt mit renommierten Institutionen weltweit und bietet seit einigen Wochen virtuelle Führungen an. - 4.5.2020

 

 

744.  Vermessung der Lemgoer Feldmark durch Philipp August Merckel 1794/99

            Die Stadt Lemgo in Ostwestfalen beauftragte 1794 den Feldmesser Philipp August Merckel (1775-1837) mit der Vermessung und Kartierung der gesamten Lemgoer Feldmark. Das kolorierte Kartenwerk besteht aus 41 Inselkarten im Maßstab 1:3 000 und einer „General-Charte“ (Übersichtskarte) mit dem Grundriss der Stadt Lemgo. Dazu schuf Merckel ein 548 Seiten starkes „Messbuch“, worin alle Lemgoer Grundstücke der damaligen Zeit mit ihren Eigentümerangaben, Größen, Nutzungsarten und Abgaben erfasst sind (Grundstückskataster). Der Vermessung voraus gegangen war ein zehn Jahre langer Grenzstreit zwischen der Stadt Lemgo und dem benachbarten Amt Brake, der erst durch einen Vergleich 1794 beendet wurde. Merckels geplante Arbeitszeit von rund zwei Jahren verzögerte sich auf fünf Jahre, weil er vor Ort nur wenig Unterstützung durch die Grundstückseigentümer erfuhr. Die Vermessungskosten betrugen1 827 Taler.

            Das Stadtarchiv Lemgo stellte 2007 dieses seltene Vermessungswerk ins Internet. Die Karten wurden von der Kulturinitiative „Frauen für Lemgo“ konserviert und gesichert. Das Messbuch wurde vom Arbeitskreis Stadtgeschichte im Verein Alt Lemgo transkribiert. Danach erfolgte von Karten und Buch ein Digitalisat, um der interessierten Öffentlichkeit einen Zugang zu diesem alten Vermessungswerk zu ermöglichen (auch als PDF-Dateien zugänglich). Heutige Vermessungshistoriker seien auf die seinerzeit verwendeten Längen- und Flächenmaße sowie auf die umlaufenden Münzen hingewiesen, die im Anhang des Messbuches erläutert werden; desweiteren sind hier alle vorkommenden Familien- und Flurnamen aufgelistet, was den Familienforschern (nicht nur) in Lemgo eine große Hilfe sein dürfte. Generalkarte und Messbuch sind eine vorzügliche Quelle für die Stadtgeschichte von Lemgo, ebenso für die Sozial-, Wirtschafts- und Vermessungsgeschichte des weiteren Detmolder Umkreises (https://www.stadtarchiv-lemgo.de/digitale-angebote/vermessung-lemgoer-feldmark/). – 27.4.2020

 

 

743.  Vor 500 Jahren starb Martin Waldseemüller

            Vor 500 Jahren starb der Geograph und Kartograph Martin Waldseemüller, dem Amerika seinen heutigen Namen verdankt. Er wirkte seit 1505 bis zu seinem Tod 1520 im lothringischen St. Dié, wo er seine kartographischen Arbeiten in Zusammenarbeit mit dem Humanisten Matthias Ringmann schuf. Für eine Neuauflage der „Geographiedes Ptolemaeus publizierten sie eine großformatige Weltkarte bestehend aus zwölf einzelnen Blättern im Holzschnitt. Erstmals erscheint hier die Neue Welt mit dem Namen „America

“ für die Region von Südamerika. Von dieser Weltkarte hat nur ein Exemplar die Zeiten überdauert, in der Bibliothek des deutschen Adelshauses Waldburg-Wolfegg in Württemberg. Die Familie Wolfegg verkaufte 2003 für zehn Millionen Dollar dieses Exemplar an die USA; heute hängt die „Geburtsurkunde“ von Amerika in der Library of Congress in Washington.

            Ebenfalls 1507 erschien eine kleine Segmentkarte für einen Erdglobus von zwölf Zentimeter Durchmesser, worin der Name „America“ auch auftaucht. Ein Exemplar dieser heute seltenen Globussegmentkarte befindet sich in der Universitätsbibliothek München. Die Namensgebung „America“ beruht vermutlich auf einem Reisebericht des Amerigo Vespucci über die „Mundus Novus“, der Waldseemüller und Ringmann zu ihrer Namenswahl anregte. Später äußerten sie dazu, dass ein feminin geschriebener Name „America“ zulässig sei, denn Europa und Asia hätten ihre Namen auch nach Frauen (Franz Wawrik: Geschichte der Kartographie, 1986; General-Anzeiger Bonn vom 16.3.2020). - 14.4.2020

742.  Einführung des Europäischen Datums 1950

            Vor 70 Jahren wurde das geodätische Referenzsystem „Europäisches Datum 1950 (ED 50) vom US-Army Map Service (AMS) für seine militär-kartographischen Zwecke in Europa (NATO-Standard) eingeführt. Das ED 50 gründet auf dem Europäischen Dreiecksnetz 1950 (Réseau Européen), das den gesamten politischen Raum Westeuropa umfasst, aufgeteilt in fünf trigonometrische Netzblöcke für Nord-, Mittel-, Südost- und Südwesteuropa sowie Britannien. Kernstück bildet das Zentraleuropäische Netz (ZEN), das in Form eines Rahmennetzes den gesamten mitteleuropäischen Raum zwischen Utrecht und Straßburg im Westen bis Dünaburg und Rowno im Osten sowie zwischen Nord- und Ostsee und den Alpen überdeckt. Das Beobachtungsmaterial hatte die Trigonometrische Abteilung des Reichsamts für Landesaufnahme (RfL) unter der Leitung von Erwin Gigas (1899-1976) zusammengetragen, die kriegsbedingt bereits an der „Geodätischen Integration Europas“ der deutschen Heeresvermessung unter der Leitung des Generalleutnants Gerlach Hemmerich (1879-1969) beteiligt war. Die Vielfalt der geodätischen Grundlagen in den verbündeten, befreundeten und besetzten Ländern hatte schon nach 1940 zur Schaffung des „Deutschen Heeresgittersin Gauß-Krüger-Projektion mit 6 Grad breiten Meridianstreifen geführt.

            Die Ausgleichungsarbeiten des ZEN erledigte 1945/47 das vom AMS geschaffene „Central Survey Office (CSO)“ in Bamberg; es bestand aus Fachleuten des nach Friedrichroda in Thüringen evakuierten RfL. Dort hatte der US-Army-Major Floyd Hough (1898-1976), Leiter eines geheim arbeitenden Military Intelligence Team (Houghteam), die Trigonometrische Abteilung (Personal und Material) unter militärischen Schutz gestellt sowie in Saalfeld das gesamte Milgeo-Material der deutschen Heeresvermessung konfisziert. Hough war Leiter der Geodätischen Abteilung des AMS; er übernahm den von Hemmerich und Gigas entwickelten Plan eines europaweit einheitlichen geodätischen Datums als strategisches Hilfsmittel des in Europa agierenden Militärs. Im Mai 1945 beauftragte Hough Gigas mit der Berechnung des ZEN. Die Rechenarbeiten standen unter der Leitung des jungen Geodäten Helmut Wolf (1910-1994). Da eine strenge Ausgleichung des gesamten Flächennetzes ZEN mit den damaligen Rechenhilfsmitteln (Tischrechenmaschinen, Logarithmentafeln, Funktionstafeln) zeitlich nicht machbar war, konzentrierte man sich auf die schrittweise Lösung eines Rahmennetzes nach der Bowie-Methode, in das nachträglich die Füllnetze eingerechnet wurden. An das ZEN wurden bis 1950 die anderen vier Netzblöcke angefeldert. Bedingt durch den großen US-Einfluss beruht das ED 50 auf dem Internationalen Ellipsoid von 1924 (Hayford-Ellipsoid

). Fundamentalpunkt ist der Helmert-Turm des Geodätischen Instituts auf dem Potsdamer Telegrafenberg; dessen ellipsoidische Koordinaten stammen aus einer Lotabweichungsausgleichung von 107 Laplace-Punkten.

            Dieses ED 50 war bis 1993 die geodätische Grundlage des gesamten NATO-Kartenwerks, insbesondere der Standardkarte M745 im Maßstab 1:50 000. Als Abbildung wählte man die Universale Transversale Mercator-Projektion (UTM-System) mit 6 Grad breiten Meridianstreifen und dem Maßstabsfaktor m0 = 0,99 96. Später diente das ED 50 auch anderen internationalen Kartenwerken als Grundlage. Viele zivile Stellen arbeiten mit dem UTM-Meldegitter. Zwei Jahrzehnte später wurde das ED 50 zum ED 79 und ED 87 erweitert; Ausgangspunkt für deren Berechnungen war der TP München, Frauenkirche. Die Koordinatenergebnisse fanden keinen Eingang in die Praxis der Landesvermessung; sie wurden lediglich für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Seit 1994 löst das ETRS89-Datum das ED50-Datum bei allen militärischen NATO-Kartenwerken ab (siehe Mitt. 731).

            Ende August 1950 verlegte die US-Army das CSO, inzwischen umbenannt in „Institut für Erdmessung (IfE), nach Frankfurt am Main; dies war verbunden mit einer weiteren Namensänderung in „Institut für Angewandte Geodäsie (IfAG)“, einer Aufgabenerweiterung für die neuen Bundesbehörden und einer Finanzierung durch das Bundesinnenministerium. (Lang, Vermessungs- und Kartenwesen, 2008; Spata, UTM-Abbildung in der deutschen Landesvermessung, 2013; Miller, Behind the Lines, Smithsonian magazin 2019). 3.4.2020

741.  Die Geschichte des Liegenschaftskatasters in Mecklenburg-Vorpommern

            In einer Masterarbeit (M.Eng.) an der Hochschule Neubrandenburg hat Kathi Schwarzkopp die „Entwicklung des Liegenschaftskatasters in Mecklenburg-Vorpommern“ intensiv erforscht. Einleitend erörtert sie den Begriff „Kataster“ und die geschichtliche Entwicklung des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Die Geschichte des Katasters beginnt dort mit dem Landesgrundgesetzlichen Erbvertrag von 1755 unter Berücksichtigung der Dreiteilung in Domanium, Ritterschaft und Landschaft; die späteren Entwicklungsschritte betreffen die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz sowie die Weimarer Republik, das Deutsche Reich, die DDR bis hin zum heutigen Bundesland. Es folgen Abschnitte über die regionalen Maßeinheiten von der Rute zum Meter sowie über die eingesetzten Messwerkzeuge und -instrumente. Umfangreiche Tabellen enthalten Informationen zu den Lage- und Höhenbezugssystemen und den fachlichen Verwaltungsvorschriften. Diese Masterarbeit ist im Internet für jeden Vermessungshistoriker leicht einsehbar (https://digibib.hs-nb.de/resolve/id/dbhsnb_thesis_0000001932), eine spannende Lektüre zur Geschichte des Liegenschaftskatasters in Mecklenburg-Vorpommern. – 23.3.2020

740.  Coronavirus stoppt Symposium

            Die akute Coronakrise lähmt unser gesellschaftliches Leben – und stoppt das geplante 14. Symposium zur Vermessungsgeschichte in Dortmund (siehe Mitt. 724). Die Veranstaltung am 20. April 2020 fällt aus! Derzeit kann kein neuer Termin genannt werden. – 17.3.2020

739.  Das Feldmesserbuch des Hyginus Gromaticus

            Den Herausgebern Jens-Olaf Lindermann, Eberhard Knobloch und Cosima Möller ist eine ausgezeichnete Edition eines Meisterwerks der spätantiken Buchkunst (1. Jh. n. Chr.) gelungen: „Das Feldmesserbuch“ (De limitibvs constitvendis) des römischen Hyginus Gromaticus. Der Autor Hyginus ist historisch nicht greifbar, sein Name ist nur durch sein Buch bekannt. Die Edition bietet eine erste deutsche Übersetzung des Feldmesserbuches, das in rund 140 lateinischen Handschriften des Mittelalters tradiert wurde. Der synoptisch gesetzte lateinische und deutsche Text enthält rund 130 teils farbige spätantike Illustrationen, die den jeweiligen beschriebenen Sachverhalt veranschaulichen. Eine ausführliche Einführung erläutert die philologischen Hintergründe und die Bedeutung für die Vermessungstechnik, Mathematik, Astronomie und Rechtsgeschichte der römischen Gromatica-Literatur. Ein knappes Glossar erläutert die lateinischen Fachbegriffe der Feldmesskunst.

            Der Hyginus-Text erschließt die geometrische und messtechnische Methode zur Konstruktion (Absteckung) eines Grenzliniensystems bei Kolonisierungen und Landzuweisungen. Dieses streng aufgebaute rechtwinklige Grenzliniensystem bildete die Basis für die römische Infrastruktur durch öffentliche und private Nutzung der Grundstücke. Die Feldmesskunst war bei den Römern eine technisch hoch entwickelte Disziplin, die von Fachleuten ausgeübt wurde, den gromatici und Agrimensori (Gromatiker und Agrimensoren). Bei der Anlage von Tempeln, Kastellen und Lagern sowie von Brücken, Kanälen, Aquädukten oder auch bei der Landzuteilung in Kolonien spielte die Kunst der Feldmesser eine grundlegende Rolle; ihre Geräte waren Gnomon, Groma und Längenmessgeräte.

            Die römische, ursprünglich etruskische Feldmessung wird auf einen himmlischen Ursprung zurückgeführt und in einen kosmologischen Kontext eingebettet. In ihrem Zentrum steht die Festlegung der Vermessungs- und Grenzlinien, streng ausgerichtet nach den Himmelsrichtungen und aufgeteilt in ein gleichartiges quadratisches Liniennetz. Die Hauptbegriffe dabei sind decimanus und kardo (mit Ost-West- und Nord-Süd-Ausrichtung des Liniennetzes), limites und fines (Grenzlinien), centuriae (Grundstücke), termini (Grenzsteine) und servitutes (Grunddienstbarkeiten). Die Exaktheit der Vermessungsmethode und die aufwändigen Grenzvermarkungen sollen die Sicherheit der Eigentums- und Nutzungsverhältnisse sowie zivilrechtliche Streitvermeidung garantieren.

            Noch heute künden die historischen Grundrisse der Städte am Rhein u. a. in Köln, Koblenz und Mainz von der römischen Gründungen; in Köln, Neuss und Bonn sind die Straßen der Legionslager noch im Stadtbild sichtbar. Etliche unserer heutigen Begriffe des Bodenrechts finden hier in der römischen Feldmesskunst ihre Wurzeln. Diese Edition ist ein Gewinn zur Erforschung der römischen Feldmesskunst; zur Lektüre sind aber Lateinkenntnisse hilfreich. Das Buch ist in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG) in Darmstadt 2018 erschienen. – 15.3.2020

738.  Zum Tod von Prof. Dr. Harald Lucht

            „Erinnern heißt danken  Dieses uns allen bekannte Wort unseres Alt-Präsidenten gilt insbesondere auch in diesen Tagen, da wir tief betroffen von seinem Tod am 18. Februar 2020 Kenntnis nehmen mussten. Wir möchten erinnern an Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht, der viele Jahre lang die Entwicklung unseres Förderkreises maßgeblich und mit großem Engagement und auch mit großem Erfolg beeinflusst und bestimmt hat und der auch noch bis in die jüngste Vergangenheit die weitere Entwicklung des Förderkreises fürsorglich begleitet hat.

            Harald Lucht wurde am 7. November 1935 in Stettin geboren. Im kleinen Katasteramt des Landkreises Burgdorf im Raum Hannover begann sein Weg in die Welt des ehemaligen Preußischen Katasters und in die Welt des modernen Liegenschaftskatasters. Als er im Februar 1987 zum ersten Präsidenten des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. gewählt wurde, da war er 52 Jahre alt und hatte fast alle zur damaligen Zeit möglichen Ausbildungsstufen im Vermessungswesen erfolgreich absolviert; das bedeutet, er hat seinen Beruf realiter von der Pike auf gelernt hat. Er war zu diesem Zeitpunkt Vermessungstechniker, Vermessungsingenieur, Diplom-Ingenieur für Vermessungswesen, Vermessungsassessor, Doktor der Ingenieurwissenschaften und als Direktor der Kataster- und Vermessungsverwaltung in Bremen tätig. Die Hochschule Bremen ernannte ihn 1989 zum Honorarprofessor. Darüber hinaus war er als Vertreter des Landes Bremen Mitglied der AdV (Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland), der Fachkommission „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ im DST (Deutscher Städtetag), der DGK (Deutsche Geodätische Kommission) und des Kuratoriums OPA (Oberprüfungsamt für die höheren technischen Verwaltungsbeamten).

            Einen Mann mit diesem Ausbildungshintergrund und dieser beruflichen Erfahrung, dem darüber hinaus noch ein stark ausgeprägtes historisches Interesse zu eigen war, zum 1. Präsidenten des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e.V. wählen zu können, war für den Verein ein Glücksfall. In den folgenden 27 Jahren seiner Präsidentschaft erlebte der Verein eine bemerkenswert positive Entwicklung; zu nennen sind insbesondere die Ausrichtung von neun Symposien zur Vermessungsgeschichte, die Herausgabe von 29 Heften der Schriftenreihe des Förderkreises sowie die Auszeichnung von 13 Eratosthenes-Preisträgern. Dieser Erfolg ist naturgemäß nicht nur dem Präsidenten alleine, sondern auch der sehr harmonischen und gedeihlichen Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen zu verdanken, die sich im Vorstand, im Kuratorium oder sonst wie für den Förderkreis engagiert haben.

            Allerdings bleibt auch hier festzuhalten, dass Harald Lucht aufgrund seiner ruhigen und freundlichen Art, seiner zurückhaltenden, überzeugenden Gesprächsführung und seiner fundierten Fachkenntnisse sicherlich alle getroffenen Entscheidungen beeinflusst und zum Teil auch wesentlich mit gestaltet hat. In seinem 78. Lebensjahr wollte Harald Lucht aus Altersgründen nicht erneut als Präsident kandidieren; im Rahmen der Mitgliederversammlung 2014 gab er den Staffelstab weiter (siehe Mitt. 509). Wegen seiner besonderen Verdienste um die Vermessungsgeschichte und das Vermessungstechnische Museum in Dortmund erhielt er 2015 die Ehrenmedaille des Förderkreises (siehe Mitt. 547).

            Zu den Entscheidungen, die Harald Lucht ganz wesentlich mit gestaltet hat, gehört auch die Einführung der Nachrichtenvermittlung per Internet. Die von ihm im Jahre 2003 ins Leben gerufenen Kurzmitteilungen erscheinen seither unter der Rubrik  Aktuelles“ auf der Internetseite des Förderkreises (www.vermessungsgeschichte.de). So schrieb er im Laufe der Zeit zahlreiche mehr oder weniger kurz gefasste Mitteilungen über Ereignisse, Persönlichkeiten, Publikationen, Veranstaltungen, Ausstellungen und auch über kleinere Kuriositäten. Dabei wusste Harald Lucht, dass solche Notizen „kurz und knapp“, aber informativ geschrieben sein müssen, „sonst liest sie keiner“. Bis zur Jahresversammlung im Februar 2018 notierte er auf diese Weise 645 Mitteilungen.

            Der wesentliche Inhalt seiner Mitteilungen ist vom Förderkreis als Band 43 „Erinnern heißt danken. Rückblick auf 15 Jahre aktuelles Bedenken und Begreifen von Vermessungsgeschichte“ 2018 veröffentlicht worden. Diese Schrift erinnert nicht nur an die Aktivitäten des Förderkreises, sondern in besonderer Weise auch an seinen langjährigen Präsidenten Harald Lucht, für dessen unermüdlichen Einsatz für die Vermessungsgeschichte sich der Vorstand des Förderkreises auch im Namen seiner Mitglieder, Förderer und Freunde hier nochmals besonders bedanken möchte.   Peter Mesenburg, Ingo von Stillfried, Manfred Spata – 7.3.2020

737.  Neue Ausgabe der Topographischen Landeskarte von Braunschweig

            Das Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen (LGLN) bietet in seinem Internet-Shop neue Ausgaben der Kartenblätter der Braunschweigischen Landeskarte1:10 000 von 1906 an, analog als Plot oder digital als Datensatz. Diese Landeskarte liefert eine Fülle an Landschafts-, Siedlungs- und Verkehrsinformationen zur Geschichte und Landeskunde; sie ist auch für Ortschroniken und Familienforschungen verwendbar. Hierzu gibt es einen Erläuterungstext mit Abbildungsbeispielen.

            Prof. Carl Koppe (1844-1910) vom Geodätischen Institut der Technischen Hochschule in Braunschweig hatte den Aufbau eines Lage- und Höhenfestpunktfeldes im Anschluss an die preußischen Netze vorgeschlagen. Ziel war die Aufnahme einer darauf aufbauenden Landeskarte 1:10 000. Nach Einsatz einer Vermessungskommission unter dem Vorsitz von Koppe begannen 1892 die trigonometrischen und nivellitischen Arbeiten, verbunden mit der Kartenaufnahme. Die Kartenblätter sind mit Geographischen und Soldner’schen Koordinaten (Nullpunkt Kaltenborn) versehen. Aus Geldmangel mussten 1906 die Vermessungsarbeiten eingestellt werden; erst rund 15 % der Landesfläche war kartiert. (Wolfgang Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009). – 24.2.2020

736.  Unsere Webseite „www.vermessungsgeschichte.de“  -  Statistische Daten für das Jahr 2019

            In der Webseite AKTUELLES erinnern wir an interessante vermessungs- und kartenhistorische Ereignisse, geodätische Persönlichkeiten, Ehrentage, Gedenktage, Veranstaltungen, Termine, Schriften und an die Aktivitäten unseres Förderkreises. Die Seite Aktuelles umfasst jährlich rund 5 000 bis 7 000 Wörter. Die Seite Aktuelles-Archiv umfasst z. Zt. über 120 000 Wörter und wird häufig von Suchmaschinen angesteuert. In der Summe der beiden einander ergänzenden Seiten Aktuelles + Aktuelles-Archiv hatten wir 2019 rund 10 400 Aufrufe – also rund 870 Aufrufe pro Monat.

            In der heutigen medialen Vielfalt bleibt es weiterhin schwer, für unsere Webseite interessierte Besucher anzulocken. Das vergangene Jahr 2019 brachte ein gleichbleibendes Interesse bei den Internetnutzern (für 2018 siehe Mitt. 685 und 701). Zwar ging die Zahl der Seitenaufrufe auf 51 600 leicht zurück (2018: 53 795), erfreulicher Weise stieg aber die Zahl der Besucher auf 23 243 (2018: 21 223), durchschnittlich also 4 300 Aufrufe bzw. 1 940 Besucher pro Monat. Die meist frequentierten Monate waren der Februar mit 2 217 Besuchern, März 2 034, August 2 066, November 2 113 und Dezember 2 165. Dieses Mal war der April mit 1 694 Besuchern der schwächste besuchte Monat.

            Fragt man nach den aktivierten Webseiten-Anteilen der „vermessungsgeschichte“, so entfallen 2019 auf die Seite „index“ 20 307 Aufrufe (2018: 18 569), auf „Aktuelles-Archiv“ 5 901 (2018: 5 336), auf „Aktuelles“ 4 494 (2018: 5 176) und auf „Sammlung“ 1 522; die anderen Webseiten-Anteile erreichen jeweils nur wenige Anteile. Es wurden 2019 48 Einzelbeiträge (Mitt. 685 bis 732) eingestellt (2018: 45), also rund alle acht Tage eine „aktuelle Mitteilung“! Desweiteren wurde versucht, insbesondere auf entsprechende fachliche Tagungen, Ausstellungen und Seminare hinzuweisen und mit der Link-Technik besucherfreundlich zu verknüpfen.

            Eine Tour d’horizont zur Herkunft der Besucher 2019 ergibt die bekannte Aufteilung: es stammt der größte Anteil mit 12 897 bzw. 52,7 % aus Deutschland, dann folgen USA 14,7 %, Ukraine 10,1 %, Frankreich 4,0 %, China 2,4 %, Russland 2,2 %, Finnland 1,8 %, Niederlande 1,3 % und Großbritannien 1,1 %. Die anderen Nachbar- und EU-Länder erreichen nur marginale Anteile unter je einem Prozent. -13.2.2020

735.  Google Maps feiert 15. Geburtstag

            Anfangs wurde Google Maps von den Kartographen ein wenig belächelt. Heute feiert dieses digitale Kartenwerk weltweit Erfolge – bei der Autonavigation, beim Smartphone, am Bildschirm zuhause. Vor 15 Jahren startete der neue Kartendienst Google Maps online im Internet. Zwei Jahre später läutete das iPhone den Beginn der Smartphone-Ära ein und beschleunigte die Anwendung von Google Maps. Heute stecken in allen Smartphones und Fahrzeug-Navigatoren auch Google Maps. In der Galerie von Google Maps können Nutzer per Street View verschiedene Sehenswürdigkeiten, aber auch Firmen, Geschäfte und ganze Straßenzüge anschauen.
            Digitale Karten gab es schon vor 2005, von den Landesvermessungsverwaltungen, vom Militär und von der Weltraumindustrie. Aber
Google erkannte zuerst das Potenzial eines digitalen Kartendienstes. Dies wurde ermöglicht durch drei Zukäufe: den Satellitenbilder-Dienst der Firma Keyhole, die Routengestaltung auf dem Bildschirm durch die Firma Where 2 Technologies und die Aufbereitung von Verkehrsdaten durch das Start-up Zipdash. Diese Funktionen machten die Google-Karten zu den meistbenutzten digitalen Karten auf Computerbildschirmen. Die iPhone-Konkurrenz versuchte mitzuhalten. Nokia, damals noch der weltweit führende Handyhersteller, kaufte 2007 den Kartenanbieter Navtec und TomTom, der Navigationsgeräte-Spezialist, erwarb den Kartenlieferanten TeleAtlas. Später sammelte Google unabhängig von den Kartendiensten mit eigenen Kamerafahrzeugen Kartendaten, die auch immer wieder aktuell gehalten werden. Inzwischen versucht Apple seit 2012, unabhängig von Google ebenfalls einen eigenen Kartendienst aufzubauen. Nokia verkaufte derweil seinen Kartendienst an die deutschen Autobauer Audi, BMW und Daimler, die den Geodatenservice Here für die künftigen Karten der Roboterautos anbieten (General-Anzeiger Bonn vom 8.2.2020). – 8.2.2020

734.  „Ganz schön vermessen“ - Bekannte Vermesser der Weltgeschichte

            Der Autor Ulrich Gaesing schildert in seinem Buch „Ganz schön vermessen. Was die Hauptstadt der USA mit dem höchsten Berg der Erde gemeinsam hat“ verschiedene Persönlichkeiten der großen und kleinen Weltgeschichte, die beruflich als „Vermesser“ Spuren hinterlassen haben. Unter ihnen gehören die bekannten Personen wie George Everest, George Washington, Thomas Jefferson, aber auch der antike Grieche Eratosthenes von Kyrene und heutige Zeitgenossen wie der zweite Bundespräsident Heinrich Lübke und der US-amerikanische Hochspringer Dick Fosbury. Gaesing bedient sich dabei eines Kunstgriffs und lässt die meisten Personen von ihnen nahestehenden Menschen beschreiben. Dabei treten auch einige bisher wenig bekannte Charakterzüge zutage, was die Personen nur menschlicher erscheinen lässt. Das Buch ist nicht nur für Vermessungs-Beflissene, sondern auch für Vermessungs-Laien gleichermaßen gut lesbar, denn es ist reich bebildert und mit einem Glossar versehen. Es ist ein zweckmäßiges Buchgeschenk (Pro Business Verlag, Berlin 2019; www.book-on-demand.de/shop/15718). – 22.1.2020

733.  Der junge Albert Einstein und die Geodäsie

            Über Albert Einsteins Einfluss auf die Geodäsie ist in den Mitteilungen 577 bereits ausführlich berichtet worden. Nun wird manchmal die kuriose Nachricht über den jungen Einstein kolportiert, nämlich seinen „sehnlichsten Wunsch, Geodät zu werden. Später jedoch dachte ich über diese Angelegenheit gründlich nach und gelangte zur Einsicht, dass diese Materie wohl zu schwierig für mich sei. Zögernd wandte ich mich dann der Physik zu.“ (siehe u. a. https://www.ingblue.com/2016/03/29/einstein). Diese Äußerung wurde uns vom Kollegen Gunter Kotthoff in Brilon mitgeteilt. Leider ist die Information biographisch nicht belegt und deshalb nur als ein schwacher Witz einzuschätzen.

            Wohl aber ist belegt, was der Schüler Einstein in seinem französischen Aufsatz „Mes projects d‘avenir seiner schweizerischen Reifeprüfung (Matura) 1896 an der Kantonsschule in Aarau über seine Zukunftspläne äußerte. Dort heißt es, er habe vor, vier Jahre am Polytechnikum in Zürich Mathematik und Physik zu studieren und er strebe eine Professur für theoretische Physik an: „Man möchte immer das tun, wofür man Talent hat. Und dann gibt der wissenschaftliche Beruf eine gewisse Unabhängigkeit, die mir sehr gefällt.“ Offensichtlich war Einstein der Meinung, wohl kein Talent zur Geodäsie zu haben, aber zu Mathematik und Physik (Hermann, Einstein-Biographie, 1998). – 10.1.2020

732.  Anschluss aller Spezialvermessungen an die Kataster-Koordinatensysteme 1879

            Mit Beschluss des Zentraldirektoriums in Preußen vom 29. Dezember 1879, also vor genau 140 Jahren, bestand für alle Spezialvermessungen (Neumessungen) ein Anschlusszwang an die zu diesem Zweck eingeführten 40 Kataster-Koordinatensysteme nach Soldner, deren Nullpunkte mit TP I. und II. Ordnung zusammenfielen. Zur Minderung der Streckenverzerrungen der Gaußschen Abbildung nach Schreiber von 1876 (Schreiber-Koordinaten, siehe Mitt. 121) waren diese Kataster-Koordinatensysteme auf etwa 60 km seitlichen Abstand zum jeweiligen Nullmeridian begrenzt. In NRW bestanden die Systeme Nr. 31 Hermannsdenkmal in Lippe, 32 Überwasserkirche im Münsterland, 33 Peter-Paul-Kirche Bochum im Ruhrgebiet, 34 Homert im Sauerland, 38 Dom Köln im Rheinland und 39 Langschoß in der Nordeifel. Die Koordinatensysteme umfassen alle vier Quadranten mit entsprechenden Plus-Minus-Vorzeichen. Abgelöst wurden die zahlreichen Kataster-Koordinatensysteme auf Vorschlag der Reichswehr 1923 durch die Gauß-Krüger-Koordinatensysteme.

            Dieser Bestimmung ging unmittelbar voraus die Bestimmung über die Anwendung gleichmäßiger Signaturen für topographische und geometrische Karten und Risse vom 20. Dezember 1879. Mit dem Circular vom 8. November 1880 ordnete der Minister für Landwirtschaft, Domainen und Forsten an, auch die Messungen in den Staatsforsten nach diesen Bestimmungen auszuführen (Scheel/Mohr, Entwicklung der Landesvermessung, 1978; Wittstock, Preußisches Grundsteuerkataster, 2001 Spata, UTM-Abbildung, 2013). – 29.12.2019

731.  Dreißig Jahre geodätisches Referenzsystem ETRS89

            Vor dreißig Jahren, also im Jahr 1989, schuf die IAG-Organisation EUREF (European Reference Frame) ein neues geodätisches Datum/Bezugssystem für Europa: das ETRS89 (European Terrestrial Reference System 1989) (siehe Mitt. 679 und 714). Es gründete auf der GPS-Kampagne EUREF89, die im Mai 1989 93 europaweit verteilte Messpunkte umfasste (siehe Mitt. 651). In den späteren Jahren wurde dieses EUREF-Netz auf alle europäischen Staaten, insbesondere in Osteuropa ausgedehnt. Die Messergebnisse von EUREF89 sind eingebunden in die ITRS-Koordinaten (International Terrestrial Reference System) zur Epoche 1989.0; 1992 legte das EUREF-Symposium in Bern fest, dass das GRS80-Ellipsoid (Geodetic Reference System 1980) als Bezugsfläche zu benutzen sei.

            Im April 1991 wurde das EUREF-Netz (Hierarchiestufe A) durch die DREF91-Kampagne (Deutsches Referenznetz 1991) (105 Stationen der Hierarchiestufe B; Leitung: Walter Lindstrot, LVermA NRW) so weit verdichtet, dass die Landesvermessungen in Deutschland daran gehen konnten, die Koordinaten ihrer gesamten Festpunktfelder vom bisherigen ebenen Gauß-Krüger-Koordinatensystem (GK) des DHDN-Systems mit dem Potsdam-Datum (RDN 1939, siehe Mitt. 7 und 708) in das ETRS89-System mit der Kartenabbildung UTM (Universal Transverse Mercator) zu überführen. Die UTM-Abbildung (siehe Mitt. 377) war bereits 1951 von der IAG (International Association of Geodesy) für alle zivilen Vermessungszwecke empfohlen worden; dieser Empfehlung folgte die AdV (Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland) 1995 mit ihrer Entscheidung für die UTM-Abbildung.
            Die ETRS89/UTM-Koordinaten finden seit 1994 Anwendung bei den militärischen NATO-Kartenwerken. In Nordrhein-Westfalen war der Wechsel von GK zu UTM bei allen zivilen Kartenwerken der Landesvermessung bereits 1995 vollzogen, beim Liegenschaftskataster 2009 abgeschlossen. Für den GK/UTM-Wechsel bestehen leistungsstarke zweckmäßige Transformationsprogramme, u. a. das 2007 entwickelte bundesweit einheitliche Transformationswerkzeug BETA2007. Damit endete die Jahrzehnte lange Nutzung des Bessel-Ellipsoids als Rechenfläche (seit 1841) und die Nutzung der GK-Abbildung (seit 1923). Wenn auch die GK-Abbildung den Vorteil sehr geringer Verzerrungen aufweist, so überwiegt heute der Vorteil der UTM-Abbildung in einer europaweit einheitlichen Anwendung. Das ETRS89 löste auch das seit 1954 betriebene
ED50 (European Datum 1950) ab, das in mehreren europäischen Ländern und in der NATO eingeführt worden war. Seit 2007 ist das ETRS89 das Datum für die Infrastruktur von Geodaten in der Europäischen Union. (Spata, Transformationsrichtlinien NRW, 1999; Spata, UTM-Abbildung, 2013; Altiner, Satellitengeodäsie, ZfV 5/2019).

            Vor 25 Jahre setzte das AdV-Plenum auf der 95. Tagung im Oktober 1994 eine Expertengruppe „GPS-Referenzstationen“ ein, die ein Netz von aktiven permanenten SAPOS-Referenzstationen aufbaute. Der SAPOS-Dienst wird als Gemeinschaftsprodukt der AdV der deutschen Bundesländer betrieben, inzwischen in einigen Ländern kostenfrei. – 23.12.2019

730.  Zwanzig Jahre Arithmeum in Bonn

            In diesem Herbst feiert das Arithmeum in Bonn (siehe Mitt. 656 und 697) seinen zwanzigsten Geburtstag mit der Vernissage zweier neuer Ausstellungen. Die eine Ausstellung zeigt „Mathematik und Ästhetik des Chipdesigns“, die andere Ausstellung zeigt „Dauerleihgaben von Rechenmaschinen aus der Sammlung IBM“. Die Museumsleiterin Prof. Dr. Ina Prinz nennt diese 15 spektakulären Neuzugänge ihre „Kronjuwelen“! Über zwei Prunkstücke freut sie sich besonders: zum Einen über die „Pascaline“, die vom Mathematiker Blaise Pascal (1623-1662) entworfen und von seinem befreundeten Uhrmacher in Rouen gebaut wurde, zum Anderen über ein „Piano-Arithmometer“ aus der Werkstatt des Franzosen Charles Xavier Thomas (1785-1870) in Colmar. Diese Leihgaben stammen aus der Sammlung von Thomas J. Watson, dem einstigen Chef des amerikanischen Büromaschinen- und Computerunternehmens IBM. Die Bonner Pascaline ist das zweite Exemplar in einer öffentlichen Sammlung (neben dem Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden) außerhalb Frankreichs.

            Das Arithmeum, mitten im Zentrum von Bonn gelegen, besitzt die weltweit beste und umfassendste Sammlung historischer Rechenbücher und –maschinen. Es ist das direkte Nebeneinander von uralter Wissenschaftsgeschichte und Megamoderne, das jeden Gang durchs Arithmeum zum Abenteuer macht. Auch wir Geodäten finden dort u. a. unsere wohl vertrauten „Brunsviga“-Kurbelmaschinen, unsere Rechenschieber „Geodät“ und die dicken siebenstelligen Logarithmentafeln (siehe Mitt. 715, die auch in der Schausammlung Vermessungsgeschichte in Dortmund zu sehen sind). Im Rahmen einer Führung kann man einen voll funktionstüchtigen Zuse-Rechenautomaten (siehe Mitt. 341 und 347) bestaunen. Die Museumsleiterin Ina Prinz wird auf dem kommenden Symposium am 20. April 2020 in ihrem Eröffnungsvortrag u. a. über ihre „Kronjuwelen“ berichten (siehe Mitt. 724) (General-Anzeiger Bonn vom 30.11.2019). – 14.12.2019

729.  Prof. Harald Schuh zum IAG-Ehrenpräsidenten ernannt

            Unser Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Harald Schuh wurde am Ende seiner Amtszeit als Präsident der International Association of Geodesy (IAG) zum Ehrenpräsidenten ernannt. Die Generalversammlung der IAG 2019 in Montreal ehrte damit seine vierjährige erfolgreiche Arbeit als IAG-Präsident. So entwickelte Schuh ein Komitee zur Geodäsie für die Klimaforschung und ein neues Projekt zur Nutzung der Quantentechnologie für die Geodäsie. Im Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam beschäftigt er sich mit der Nutzung geodätischer Messtechniken (GNSS und VLBY) zum Monitoring der Plattentektonik und des globalen Meeresspiegelanstiegs. Herzlichen Glückwunsch und weiterhin viel Erfolg im GFZ! (ZfV 6/2019) – 9.12.2019

728.  Neues Vermessungsmuseum– das Römerkanal-Infozentrum in Rheinbach

            Der kleine Ort Rheinbach im Rheinland und die Geodäten in Deutschland haben eine neue, weltweit einmalige Attraktion: das kleine, aber feine Vermessungsmuseum „Römerkanal-Infozentrum“! Das neue Museum ist 2019 in einem schlichten Beton-Glas-Kubus an das Glasmuseum angebaut worden; es wurde konzipiert und organisiert von unserem Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Klaus Grewe, der den Eifeler Römerkanal (siehe Mitt. 9) ein halbes Jahrhundert lang intensiv erforscht hat. Rheinbach liegt etwa in der Mitte des 95 Kilometer langen Trassenverlaufs zwischen Nettersheim und Köln und auch in der Mitte des zugehörigen Römerkanal-Wanderweges; dort ist deshalb ein sinnvoller Standort für solch ein Spezialmuseum. Die Besucher können sich hier über die Geschichte der Römer im Rheinland sowie über den aktuellen Forschungsstand zu den technisch-baulichen Leistungen rund um den Römerkanal informieren. Der lichtdurchflutete Museumsraum ist für jung und alt ein museumsdidaktisch modern ausgestatteter Ort.

            Die Ausstellung zeigt eindrucksvolle Artefakte des Wasserkanals sowie schöne Bilder und Karten zur Technik des Wasserleitungsbaus. Zu den römischen Ingenieurleistungen gehören Beispiele von Aquädukten, Brücken, Tunnelbauten, Druckleitungen und Tosbecken. Neben diesen bautechnischen Meisterleistungen wird in der Ausstellung gezeigt, mit welch einfachen Vermessungsgeräten die heute noch festzustellenden Mess- und Absteckungsgenauigkeiten erzielt worden sind. Nachbauten einer Groma zur Rechtwinkelabsteckung und eines Chorobaten zur Höhenmessung vermitteln anschaulich die Vermessungsarbeiten der Römer im Felde. Die Ausstellung zeigt zudem Beispiele der im Verlaufe von Jahrhunderten gebildeten Kalksinter der Wasserleitungen; sie wurden später im Mittelalter als „Aquäduktmarmor“ für Schmucksteine (Altar- und Grabplatten, Säulen) der Kirchbauten in ganz Europa verarbeitet.

            Der 2008 gegründete Freundeskreis Römerkanal e. V. betreut das Infozentrum, setzt die Inhalte didaktisch um und bietet begleitend zur Dauerausstellung Vorträge, Führungen und Sonderprogramme an. Zur Ausstellung hat Klaus Grewe zwei Bücher herausgebracht, den Begleitband „Aquädukte – Wasser für Roms Städte“ sowie den Wanderführer „Der Römerkanal-Wanderweg – Wie das Wasser laufen lernte!“, beide im Regionalia Verlag in Rheinbach erschienen (Info-Blatt Römerkanal-Infozentrum 2019; Bull, Römerkanal, VDVmagazin 6/2019). – 3.12.2019

727.  Zweihundert Jahre Firma Kern in Aarau

            Am 13. November 2019 fand im Kultur- und Kongresshaus Aarau die Fachtagung „200 Jahre Kern Aarau – Von der Präzisions-Mechanik und –Optik zum High-Tech-Systemhaus“ statt. Veranstalter waren u. a. die Gesellschaft für die Geschichte der Geodäsie in der Schweiz (GGGS), die Firma Leica Geosystems in Heerbrugg und die Studiensammlung Kern im Stadtmuseum Aarau. Im Foyer war die Ausstellung „Exakt200!“ zu besichtigen. Der über lange Jahre gut ausgebildete Jakob Kern (1790-1867) gründete 1819 in Aarau eine eigene Firma/Mechanische Werkstatt für Zeichengeräte, astronomische und geodätische Instrumente. Der Absatz bei den Eisenbahngesellschaften und der Landestopographie läuft gut; auch der Export in europäische Länder und nach Übersee floriert. Später kommen militärische Aufträge hinzu.
            Die Fertigung der geodäischen und photogrammetrischen Präzisionsgerätschaften können trotz zwischenzeitlicher wirtschaftlicher Schwierigkeiten bis in die 1980er Jahre weiterentwickelt werden; danach stagniert der Absatz und die Entwicklungskosten laufen davon. Dies veranlasst den Verkauf der
Kern & Co. AG an das schweizerische Konkurrenzunternehmen Wild Heerbrugg, mit einer Umbenennung in Leica Aarau AG 1990. Der scharfe internationale Wettbewerb erzwingen 1991 die Schließung des Standortes Aarau (Gombel / Minow, Konstrukteure und Mechaniker von geodätischen Instrumenten, 2002).

            Damit endete nach 170 Jahren eine einzigartige Industriegeschichte. Dank der Initiative einer Gruppe weitsichtiger Mitarbeiter wurde im Jahre 1988 eine wertvolle Sammlung historischer Instrumente und Geräte, Geschäfts- und Entwicklungsakten, Zeichnungssätzen, Produktions- und Werbemitteln dem Stadtmuseum Aarau übergeben, Die "Studiensammlung Kern" ist ein wichtiger Bestandteil der Geschichte technischer und industrieller Kultur. Nach einer umfassenden Renovation der Räumlichkeiten im Stadtmuseum Aarau ist sie seit 2009 der Öffentlichkeit zugänglich. Die Schausammlung des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund besitzt seit 2001 eine Kreisteilmaschine der Firma Kern; sie ist ein weiteres Glanzstück der Ausstellung (AVN 3/2001; https://200swissgeo.ch/ ). – 22.11.2019

726.  Gauß-Turm auf dem Litberg bei Sauensiek

            Im Jahre 2009, also vor zehn Jahren, erhielt der „Gauß-Turm“ auf dem Litberg bei Sauensiek seinen Namen. Der Litberg ist mit 65 Meter über Normalnull die höchste Erhebung im Landkreis Stade. Der kleine Berg erhielt durch die Triangulationsarbeiten zur hannoverschen Gradmessung (1821-1825) des Göttinger Mathematikers Carl Friedrich Gauß (1777-1855) eine besondere Bedeutung. Gauß war bestrebt, seine Triangulationskette mit dem dänischen Triangulationsnetz des Astronomen Heinrich Christian Schumacher (1780-1850) bei Hamburg - Hohenhorn sowie mit dem niederländischen Triangulationsnetz des Generals Cornelius Rudolph Krayenhoff (1758-1840) bei Jever - Varel zu verbinden. Im norddeutschen Flachland stieß Gauß wegen fehlender Geländehöhen und Kirchtürme auf Schwierigkeiten. Auf dem Litberg konnte Gauß mit Hilfe eines Sextanten und eines Spiegels, einem später so genannten Heliotropen, die notwendigen Winkelmessungen zu den benachbarten Punkten in Hamburg, Wilsede, Elmhorst, Brüttendorf und Zeven beobachten. Am 27. September 1824 freute sich Gauß: „Man sieht auf dem Litberg viele Häuser von Altona“; auch Zeven war zu sehen, seine Winkelmessungen waren fertig.

            Auf der Vorderseite des alten Zehnmarkscheins der Deutschen Bundesbank von 1991 ist Gauß abgebildet, auf der Rückseite sein Sextant und ein Teil des Gradnetzes mit dem Litberg. Der 25 Meter hohe Stahlturm auf dem Litberg wurde 2008 errichtet und erhielt 2009 den Namen „Gauß-Turm“. Bei klarem Wetter besteht eine ausgezeichnete Fernsicht über die Geestlandschaft. Inzwischen ist dieser Gauß-Turm bereits mehrfach als Motiv von Sonderstempeln verwendet worden, so zur Geest-Elbe-Posta 2010, zu 50 Jahre SV Sauensiek 2012 und zum Tag der Briefmarke 2019 (siehe Mitt. 722). Ein anderer Gauß-Turm steht auf dem Hohen Hagen bei Dransfeld (Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009; Borchers, Festschrift Tag der Briefmarke, 2019). – 14.11.2019

725.  Fünfzig Jahre Internet

            Das Internet ist fünfzig Jahre alt! Am 29. Oktober 1969 wurde erstmals eine Internet-Verbindung hergestellt, bei der es gelang, zwischen Computern mit unterschiedlichen Betriebssystemen Informationen auszutauschen (Arpanet). Bis dahin konnten nur Computer gleicher Bauart miteinander kommunizieren. Dieser Start gelang dem Informatik-Studenten Charles Kline, als er von einem Computer an der University of California (UCIA) in Los Angeles die digitale Nachricht „LOGIN“ an einen mehr als 500 Kilometer entfernten Rechner am Stanford Research Institude (SRI) in Menlo Park sendete. Die Bedeutung dieser technischen Neuerung blieb lange Zeit der Öffentlichkeit unbekannt; selbst den beteiligten Wissenschaftlern war deren Tragweite nicht klar. Es dauerte Jahre, bis das Internet stärker in den Alltag der Menschen vordrang. 1971 konnten Anwender erstmals Nachrichten in Form einer E-Mail verschicken. 1983 wurde das TCP/IP-Protokoll eingeführt, mit dem im Prinzip noch heute Daten übertragen werden. Und doch hat das Internet von Beginn an einen gravierenden Mangel: denn in dem Protokoll gibt es quasi keine eingebauten Sicherheitsfunktionen. Dies erleichtert bis heute Kriminalität und Spionage, aber auch Desinformations-Kampagnen und Hass-Reden im Internet.

            Einen großen Aufschwung erhielt das Internet durch das World Wide Web (WWW), das der britische Wissenschaftler Tim Berners-Lee 1989 am europäischen Forschungszentrum CERN entwickelte (siehe Mitt. 695). Sein einheitlicher Standard, der sogenannte Hyperlink, erlaubt elektronische Querverweise, um Daten länderübergreifend und unkompliziert austauschen und miteinander zu verknüpfen. Im Jahre 1994 erschien der erste Mosaic-Browser mit einer graphischen Oberfläche, wodurch mit einem einfachen Mausklick die notwendigen Kommandos in den Rechner eingegeben werden können. Mit solchen Browsern konnten dann Firmen wie Google und Facebook zu Mega-Konzernen aufsteigen. Dieser Trend verstärkt sich inzwischen durch die wachsende Smartphone-Technik zu einem mobilen Internet. Das Zeitalter der Plattform-Ökonomie ist angebrochen, die Wirtschaft wächst heute in der virtuellen Welt (Dernbach, GA Bonn, 29.10.2019).

            Das Internet und digitale Technologien verändern unsere Welt - dazu gehört insbesondere die Geolokalisierung mit Hilfe der globalen Satellitennavigationssysteme. Die Nutzung des Internet ist nicht nur für die Wirtschaftlich profitabel, alle gesellschaftlichen Kräfte profitieren von der Fülle an Internet-Auftritten mit weltweit abrufbaren Informationen  – auch unser Förderkreis Vermessungstechnisches Museum mit diesem Internet-Portal „Aktuelles“ (siehe Mitt. 685 und 701)! Die Zahl der Internet-Auftritte mit vermessungs- und kartenhistorischen Informationen nimmt ständig zu. Beispielhaft seien hier genannt das aufwändig gestaltete Internet-Portal https://www.200swissgeo.ch/de/submenu mit Informationen zur zweihundertjährigen schweizerischen Vermessungsgeschichte sowie die Datenbank http://ikar.staatsbibliothek-berlin.de mit den Altkartenbeständen bis 1850 von 16(!) deutschen Bibliotheken unter der Regie der Staatsbibliothek zu Berlin. Daneben gibt es auch private Kartensammlungen im Internet, wie z. B. das Portal von Karl-Otto Körber http://sammlung.koerber-einbeck.de mit historischen Karten von Niedersachsen. Und wer mal einen extravaganten Blick auf die Welt wagen möchte, dem sei der Link http://www.topoi.org/knowledge-transfer/exhibitions-and-events/weltbilder/ empfohlen, der die Kartenbilder der Ausstellung „Weltbilder – Bildwelten“ von 2012 in Berlin zeigt. – Viel Vergnügen! – 5.11.2019

724.  Planung des 14. Symposiums zur Vermessungsgeschichte 2020

            Der Vorstand des Förderkreises hat bei seiner letzten Sitzung in Dortmund das 14. Symposium zur Vermessungsgeschichte auf den Weg gebracht. Es soll am 20. April 2020 unter dem Thema „Geodätische Technikgeschichte“ wiederum am bekannten Tagungsort in der Rotunde im Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund stattfinden. Es sind folgende Vorträge geplant:

Prof. Dr. Ina Prinz, Direktorin des Arithmeums in Bonn

            Als Vermessungstechniker noch mechanisch rechneten

            Dr. Wolf Barth, Lehrstuhl für Geodäsie an der TU München

            Geodätische Technikgeschichte in Forschung und Lehre – die Epoche Bauernfeinds

            Dr. Jens Stöcker, Museumsdirektor im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte Dortmund

            Technikgeschichte im Rahmen der Kulturgeschichte

            Prof. Dr. Armin Hüttermann, Vorsitzender der Tobias-Mayer-Gesellschaft in Marbach

            Didaktische Überlegungen bei der Präsentation und Vermittlung von Technikgeschichte
            mit Erfahrungen bei der Neu-Konzeption des Tobias-Mayer-Museums in Marbach am Neckar.

Nach den Vorträgen und der anschließenden Mitgliederversammlung besteht die Möglichkeit zu einer Führung über den „Skywalk“ am Technikdenkmal Hochofen PHOENIX im Stadtteil Dortmund-Hörde. – 28.10.2019

723.  Repsoldsche Werkstatt in Hamburg 1799-1919

            Mit dem Tod von Prof. Dr. Johann Adolf Repsold am 1. September 1919 und von dessen Bruder Oscar  Repsold am 22. Oktober 1919 endete vor einhundert Jahren auch ihre feinmechanische Werkstatt für astronomische und geodätische Messinstrumente „A. Repsold & Söhne“ in Hamburg. Drei Generationen der Familie Repsold haben die Werkstatt von bescheidenen Anfängen ausgehend zu einem weltweit agierenden Unternehmen aufgebaut. Ihre Instrumente wurden durch fortwährende Vervollkommnung, praktische Anordnung, technische Feinheit und künstlerischen Aufbau zu wahren Meisterwerken weiterentwickelt; sie wurden auf der ganzen Welt verkauft und eingesetzt.

            Der Gründer der Werkstatt war der Mechaniker und Spritzenmeister Johann Georg Repsold (1770-1830), gefolgt von seinen Söhnen Georg Repsold (1804-1885) und Adolf Repsold (1806-1871) sowie dessen Söhnen Oscar Repsold (1842-1919) und Johann Adolf Repsold (1867-1919). Mit astronomischen (Meridiane, Refraktoren, Passageinstrumente, Höhenkreise) und geodätischen (Theodolite, Heliotrope, Basismessapparate, Nivelliere) Instrumenten hoher Präzision sowie mit Kreis- und Längenteilmaschinen und mit Pendelapparaten gewann die Firma den Zuspruch der astronomisch-geodätischen Beobachter. Unter ihnen sind zu nennen die Astronomen Heinrich Christian Schumacher in Altona, Friedrich Wilhelm Bessel in Königsberg ebenso wie Carl Friedrich Gauß in Göttingen, der 1815 einen großen Meridiankreis für die neue Göttinger Sternwarte kaufte. Für die Sternwarte Pulkowo bei Sankt Petersburg baute Repsold 1884 einen großen Refraktor mit 14 m Brennweite und 76 cm Öffnung, dem seinerzeit weltgrößten Linsenfernrohr (Gombel / Minow: Konstrukteure und Mechaniker von geodätischen Instrumenten, 2002; Torge: Geschichte der Geodäsie, 2009). – 18.10.2019

722.  Drei-Kreis-Stein in Niedersachsen

            Schon immer war der Grenzpunkt der drei angrenzenden Landkreise Harburg, Rotenburg und Stade, unweit von Sauensiek gelegen, wegen seiner besonderen Markierung bekannt. Bereits in der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1769 findet der „Dree-Krütz-Steen“ seine Erwähnung, da er mit drei eingemeißelten Kreuzen die Grenzen zwischen den damaligen Ämtern Moisburg, Harburg und Zeven markierte. Es ist anzunehmen, dass dieser Markstein bei politischen, kirchlichen und gerichtlichen Gebietsabgrenzungen wirksam war. Früher rankten sich um diesen Stein auch Sagen von Raubrittern der Inselburg Dannsee bei Beckdorf, die Handelsleute mit ihren Fuhrwerken auf dem „Stadtweg“ zwischen Bremen und Hamburg überfielen. Nachdem dieser Grenzstein nach 1945 verschwunden war, ist er vor einiger Zeit als „Drei-Kreis-Stein“ wieder durch einen eiszeitlichen Findling mit 1,5 Meter Durchmesser neu vermarkt worden. Als zusätzliches Kennzeichen sind die Wappen der drei heutigen Landkreise angebracht. Zum 250jährigen Bestehen des Drei-Kreis-Steines gab es am 1.9.2019 und am 19.10.2019 in Sauensiek einen Sonderstempel und eine Erinnerungsdrucksache mit dem Motiv des Grenzsteins bzw. des Gauß-Turmes.
            Bereits vor 195 Jahren wirkte Carl Friedrich Gauß längere Zeit in Sauensiek, um die Triangulationsarbeiten im Auftrage des Königreichs Hannover zu erledigen. Da es im Norden kaum nennenswerte Erhöhungen gab, baute er auf dem Litberg einen Turm, um seine Vermessungen (Winkelbeobachtungen) durchzuführen. Heute steht auf dem Litberg ein neuer Turm, der auch auf dem Sonderstempel Sauensiek abgebildet ist (Bestellung:
borchers.sauensiek@online.de; Rundschreiben „Landkarten – Vermessung – Entdeckungsgeschichte der Erde“, Nr. 155 und 156/2019). – 10.10.2019

 

 

721.  25. Baltisches Geodätengespräch 2019

            Mitte Oktober feiert das Baltische Geodätengespräch (siehe Mitt. 539.) im Ostseehotel Dierhagen in Zingst auf dem Darß nun schon ein bemerkenswertes Jubiläum – das 25. Treffen. Dazu eingeladen ist u. a. der Ex-Präsident des Förderkreises Prof. Dr. Harald Lucht (Bremen), der in seinem Vortrag „Erinnern heißt danken – Gedanken zum 25. Baltischen Geodätengespräch 2019“ das Wirken mehrerer engagierter Persönlichkeiten schildert. Eingangs würdigt er den langjährigen Organisator Jörg Scheffelke, ein erfolgreicher Vermessungsingenieur, Buchautor und Heimatforscher, ohne dessen Engagement es sicherlich nicht zu dieser Tradition gekommen wäre. Weitere Persönlichkeiten bereicherten die Geodätengespräche durch ihre Fachvorträge, u. a. Prof. Heinz Draheim (1915-2012, Karlsruhe, siehe Mitt. 435), Bernhard Zimmermann (1925-2010, Warnemünde, Eratosthenes-Preisträger 2003, siehe Mitt. 338), Prof. Hermann Seeger (1933-2015), Dieter Greve (Schwerin), Paul-Gerhard Ramseger (Schwerin), Prof. Harald Schuh (Potsdam) und Prof. Wolfgang Torge (Hannover).

            In einem persönlich gefärbten Rückblick auf die vergangenen 25 Baltischen Geodätengespräche erinnert sich Harald Lucht an seine eigene pommersche Herkunft; er ist in Stettin geboren und ein Besuch der Geodätengespräche sei für ihn auch immer eine Wanderung auf den Spuren der eigenen Vergangenheit. Sodann hebt er besonders hervor, mit welch elementaren Brüchen, Wechseln und Anpassungen nach der politischen Wende 1989/90 die geodätischen Kollegen in den neuen Bundesländern zu kämpfen hatten, um mit dem für sie neuen Regelwerk des liberal-demokratischen Rechtsstaats fertig zu werden und eine neue berufliche Zukunft praktisch zu gestalten. Hierzu organisierten die Baltischen Geodätengespräche über 25 Jahre einen intensiven Wissensaustausch. Die Geodätengespräche, die sogenannten „Kleinen Geodätentage“, sind inzwischen übergeleitet in Veranstaltungen des DVW-Landesvereins Mecklenburg-Vorpommern, was dieser Tradition weitere Akzeptanz verschafft hat.

             Harald Lucht ruft in seinem Beitrag auch das segensreiche Wirken in Erinnerung von Prof. Walter Seele (1924-2015, Bonn, siehe Mitt. 556.) an der Universität Dresden gleich nach der Wende und von Prof. Erich Weiß (Bonn), der über 10 Jahre einen Lehrauftrag an der Universität Rostock zum Boden-, Planungs- und Baurecht erfüllte und 1998 mit der Ehrendoktorwürde geehrt wurde (DVW-Nachrichten 6/2019). – 3.10.2019

 

 

720.  19. Dortmunder Museumsnacht  -  Dortmunds Nacht der Nächte und „Vermessen ohne Fernrohr“

            Am 21. September 2019 fand die 19. Dortmunder-DEW-Museumsnacht statt. Bei traumhaftem Spätsommerwetter kamen rund 15 Tausend Besucher zu den über 500 verschiedenen Aktionen der Museumsnacht. Hierzu berichtet unser Ex-Vorsitzende Ingo von Stillfried: der Förderkreis hat in diesem Jahr nach zwei verregneten Jahren wieder draußen unter freiem Himmel agieren können (siehe Mitt. 633). Gezeigt wurden verschiedene Instrumente unter dem Titel „Vermessen ohne Fernrohr“, womit an die letztjährige Thematik der „Vermessung in der Antike angeschlossen wurde. Die sachkundigen Ausführungen von Enrico Kramer und Ingo von Stillfried haben bei zwei Vorführungen knapp 100 Zuschauer verfolgt. Auch die Führungen durch unsere Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte waren sehr gut besucht. Selbst zwischen und nach den Führungen wollten interessierte Besucher noch betreut werden. So erreichte der Förderkreis rund 200 Personen, darunter auch einige Fachkollegen.

            In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass das Museum für Kunst und Kulturgeschichte und damit auch unsere Schausammlung Vermessungsgeschichte in Dortmund neue Öffnungszeiten hat, und zwar Dienstag, Mittwoch, Samstag, Sonntag 11 – 18 Uhr, Donnerstag, Freitag 11 – 20 Uhr, Montag geschlossen. Ein Besuch lohnt sich – immer! – 29.9.2019

 

719.  70 Jahre VDV Verband Deutscher Vermessungsingenieure
            Der Verband Deutscher Vermessungsingenieure – Berufsverband für Geodäsie und Geoinformation e. V., kurz VDV (siehe Mitt. 636), feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Unter dem Motto „In der Einheit liegt die Stärke!“ wurde der „Verein Deutscher Ingenieure und Techniker des Vermessungswesens“ als Berufsverband am 25. März 1949 von Absolventen und Dozenten der Staatlichen Ingenieurschule Essen gegründet (siehe Mitt. 186) – neben dem älteren „Deutschen Verein für Vermessungswesen e. V.“, kurz DVW, von 1871.
            Der VDV gab sogleich eine eigene Verbandszeitschrift heraus, zunächst unter dem Namen „Der Fluchtstab“ im C5-Format, ab 1965 in „Der Vermessungsingenieur“ (seit 1979 im A4-Format) und seit 2004 in „VDVmagazin“ (siehe Mitt. 689) umbenannt; die Fachzeitschrift erscheint seit 1969 im Verlag Chmielorz GmbH in Wiesbaden. Die verantwortlichen Schriftleiter waren bis 1953 Ingenieur für Vermessungstechnik Fritz Bibra (Essen), von 1953 bis 1996 Ing. (grad.) Josef Heyink (Wiesbaden), von 1997 bis 2018 Dipl.-Ing. Rolf Bull (Sankt Augustin) und seither übernahm Dipl.-Ing. Achim Dombert M. Eng. (Biederitz) die Chefredaktion.

            Die Jubiläumsausgabe Heft 3/2019 enthält im Rückblick auf die Gründung vor 70 Jahren den ersten Beitrag im ersten Heft des „Fluchtstab“, ein Beitrag von Ing. f. Verm. Techn. Konrad Knopp über „Vermessungstechnische Arbeiten beim Rheinbrückenbau Bonn-Beuel. Auch dieser Bonn-Beueler Brückenbau begeht ein 70-jähriges Jubiläum, denn die alte Brücke aus 1898 war noch im März 1945 durch die Wehrmacht gesprengt worden und musste in den Jahren 1946/49 als schlanke Stahlbrücke völlig neu geplant, vermessen und gebaut werden (VDVmagazin 3/2019).

            Die Berufskollegen des VDV haben in den zurück liegenden Jahren auch verdienstvoll die Belange der Vermessungsgeschichte unterstützt. So sei daran erinnert, dass anlässlich der Jubiläums-Verbandstagung im Oktober 1969 in Dortmund eine bemerkenswerte Ausstellung „Praxis Geometriae, Vermessungswesen – gestern und heute“ gezeigt wurde. Darin war in eindrucksvoller Weise die Geschichte des Vermessungswesens seit ihren frühesten Anfängen unter den Ägyptern, Babyloniern, Griechen und Römern bis in die Jetztzeit aufgezeigt – sie war in Deutschland die erste dieser Art. Nach weiteren Ausstellungen, u. a. zum XIII. Kongress der Internationalen Vereinigung der Vermessungsingenieure (FIG) in Wiesbaden erwuchs hieraus 1985 die Schausammlung des 1975 gegründeten Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund (Festschrift 25 Jahre Förderkreis 2000; siehe Mitt. 411). Der Förderkreis dankt allen VDV-Kollegen für die langjährige Unterstützung zum Aufbau und zur Pflege der Schausammlung (siehe Mitt. 425, 445 und 719) sowie zur Erforschung der Vermessungsgeschichte; dem VDV wünschen wir für die kommenden Jahre eine weiterhin erfolgreiche Verbandsarbeit! – 23.9.2019

718.  250. Geburtstag von Alexander von Humboldt

            Vor 250 Jahren, am 14. September 1769 in Berlin, wurde der Gelehrte und Forschungsreisende Alexander von Humboldt geboren. In dieser Woche wird er in der ganzen Welt gefeiert, als „zweiter Kolumbus“ und einer der wirklichen „Entdecker der Neuen Welt, dessen Studium Amerika Besseres gegeben habe als alle Conquistadoren“, so sein Zeitgenosse Simon Bolivar. Humboldt gilt auch als entschiedener Gegner der Sklaverei und des Kolonialismus. Er war auf seinen Reisen ein ausgezeichneter Naturbeobachter, der in der Lage war, seine Beobachtungen mit dem Stift auf Papier zu bannen. Die meisten Illustrationen in seinen Werken basieren auf seinen eigenen Zeichnungen. Heute prophetisch anmutend sind Humboldts Worte zu den schon damals einsetzenden Brandrodungen im Urwald, denn er sagte voraus, dass dadurch der natürliche Wasserhaushalt unterbrochen und der Boden austrocknen werde sowie das Gebiet in etwa 200 Jahren (also heute!) verwüstet sein werde, da sich dadurch das Klima verändere.

            Auch den Geodäten und Kartographen ist Humboldt kein Unbekannter. Er beherrschte geodätische und astronomische Ortsbestimmungen mit den seinerzeit zweckmäßigsten Instrumenten. So bestimmte er den Verlauf seiner Reiserouten durch geographische Koordinaten in Regionen, die vorher nicht oder nur unzureichend kartographiert gewesen waren; desweiteren bestimmte er eine Vielzahl von Berghöhen. Humboldt zeichnete mehrere Landkarten von Mittelamerika, geographisch-thematische Karten und Bergprofile.

            Auch in seinen späten Berliner Jahren pflegte Humboldt Kontakte zu führenden Geodäten. So befürwortete er einen Vorschlag zu einem kleineren Aufnahmemaßstab der Landesaufnahme, den Oberst Johann Jacob Baeyer in der Denkschrift „Mein Entwurf zur Anfertigung einer guten Karte“ 1851 dem preußischen König vorgelegt hatte. Humboldt schrieb in seinem Gutachten: „Der wachsende Zustand der Bodenkultur, die Bedürfnisse der Industrie und des Verkehrs machen die Notwendigkeit immer fühlbarer, eine vollständige Karte zu besitzen, in der die Koordinate der Höhe nicht (wie bei dem Kataster) vernachlässigt ist.“ Eine 1856 eingesetzte staatsministerielle Kommission befasste sich ausführlich mit Baeyers Vorschlag und Humboldts Gutachten, konnte sich aber aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht zu einem neuen Kartenwerk 1:5 000 entschließen (Spata: Topographische Grundkarte, AGG-Mitteilungen 2014; Werkmeister: Lexikon der Vermessungskunde, 1943).

717.  Weltkarte von Gerhard Mercator 1569

            Im August 1569, also vor 450 Jahren, publizierte der Duisburger Kartograph Gerard Mercator (1512-1594) nach 30-jährigen Vorarbeiten die große Weltkarte „Nova et aucta Orbis Terrae descriptio ad usum navigantium emendate et accomodata“. Diese Karte war in winkeltreuer Abbildung entworfen, in einer Art „Zylinderabbildung der wachsenden Breiten“ mit dem Äquator als längentreuem Berührungskreis. Diese Abbildung in polachsiger Lage wurde später nach ihm benannt: Mercator-Abbildung.

            Seine große Weltkarte (ca. 1:20 Mi.; 212 x 134 cm) war weniger für Wissenschaftler gedacht, sondern mehr für Seefahrer zur Unterstützung ihrer Kompaß-gesteuerten Navigation. Wickelt man den Zylindermantel in die Kartenebene ab, so ergibt sich ein rechtwinkliges Netzbild der geographischen Koordinaten. Darin kann ein Seefahrer seinen Kurswinkel auf der Karte einfach mit Lineal und Winkelmesser abgreifen bzw. eintragen. Die Geradlinigkeit seines Schiffskurses entspricht dem einer Loxodrome und beruht auf der Winkeltreue der Abbildung.

            Der Nachteil der Mercator-Abbildung besteht in den wachsenden Verzerrungen, je weiter man sich vom längentreuen Äquator zu den Polen hin entfernt. Unsere Fernsehnachrichten zeigen manchmal das Bild einer modernen Weltkarte in Mercator-Abbildung; darin ist Deutschland schon rund um das Dreifache vergrößert dargestellt und Grönland erscheint so groß wie der ganze Kontinent Afrika. Deshalb eignet sich die Mercator-Abbildung zwar vorzüglich zur Navigation in der Seefahrt und bei äquatornahen Landesvermessungen, aber weniger gut in Ländern mit höheren Breitengraden, wie z. B. Europa und Nordamerika. Deshalb beseitigten später Johann Heinrich Lambert (1728-1777) und Carl-Friedrich Gauß (1777-1855) mit ihren transversalachsigen Zylinderabbildunegn für zweckmäßigere Lösungen, die in Form der UTM-Abbildung heute auf der ganzen Welt breite Anwendung findet. (Werkmeister, Lexikon der Vermessungskunde, 1943; Mesenburg, 500 Jahre Mercator/Weltkarten, 2012; Spata, UTM-Abbildung, 2013).
            Zum Thema der UTM-Abbildung findet im Rahmen der
Mercator Matineen am Sonntag, den 29. September 2019 um 11.15 Uhr ein Podiumsgespräch im Kultur- und Stadthistorischen Museum in Duisburg statt, an dem auch unser Präsident Prof. Dr. Peter Mesenburg als Kartographishistoriker teilnimmt (siehe Mitt. 696; ). – 30.8.2ß19

716.  25 Jahre INTERGEO  -  Stuttgart 2019  

            In diesem Jahr findet vom 17. bis 19. September in Stuttgart die 25. INTERGEO statt. Die Fachmesse und Konferenz für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement (kurz INTERGEO) hat sich erfolgreich vom früheren Deutschen Geodätentag in eine international beachtete Fachmesse entwickelt. Hierbei werden alle Facetten der Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement präsentiert. Das immer wieder neu konzipierte Ausstellungsformat trifft offensichtlich die Interessen der zahlreichen Besucher. So bietet die INTERGEO eine zentrale Plattform und einen internationalen Treffpunkt für die geodätische Gemeinschaft. Die Fachmesse bietet ein Forum mit Fachvorträgen zu relevanten aktuellen Themen mit hervorragenden Referenten sowie ein vielfältiges Angebot an Fachfirmenauftritten.
            Natürlich sind auch die Berufsverbände
DVW, VDV und BDVI mit ihren Ständen vertreten. Und auch unser Förderverein Vermessungstechnisches Museum wird durch die Herren Heinz Jürgen Lagoda und Rudolf Uebbing am VDV-Stand in Halle 4 in bewährter Manier vertreten sein – herzlich willkommen in Stuttgart (www.dvw.de). – 23.8.2019

715.  Napiers Logarithmentafel 1619

          John Napier (1550-1617), Theologe und Mathematiker aus Merchiston bei Edingburgh, begann 1594 an seiner Entwicklung von Logarithmentafeln. Seine Logarithmen vereinfachten Multiplikation und Division zu einem Additions- bzw. Subtraktionsvorgang und reduzierten das Wurzelziehen auf das Dividieren. Die neue Technik wurde sofort in England angenommen. Henry Briggs (1556-1631), Professor der Geometrie an der Universität Oxford, veröffentlichte 1624 die erste Tafel von Logarithmen der Sinuswerte zur Basis 10 unseres Zahlensystems, später „gemeine“ oder Briggsche Logarithmen genannt. Dies erleichterte die Rechenarbeiten insbesondere der Astronomen. Der Astronom Johannes Kepler (1571-1630) machte die Logarithmen in Deutschland bekannt. Edmund Gunter (1581-1626) konstruierte Lineale mit einer logarithmischen Skala zur Rechenerleichterung; damit entdeckte er das Prinzip des modernen Rechenschiebers.

            Im Jahre 1619, also vor vierhundert Jahren, erschien posthum Napiers „Herstellung einer wunderbaren Logarithmentafel; darin erklärte er, wie er seine Tafel entwickelt hatte. Die Veränderungen, die er mit Briggs ausarbeitete, bilden die Grundlage unseres modernen Systems der Zehner-Logarithmen. Generationen von Geodäten nutzten für ihre mühsamen Rechenarbeiten verschiedene Tafelwerke mit zweckmäßiger Anzahl der Mantissenstellen; so gab es u. a. eine dreistellige Peters-Tafel, eine vier- und fünfstellige Gauss-Tafel, die in der Regel für die Vermessungsrechnungen ausreichten. Für spezielle Arbeiten brauchte man eine siebenstellige Peters-Tafel oder gar eine zehnstellige Vega-Tafel. An Stelle einer dreistelligen Tafel genügte wohl auch ein Rechenschieber.

            In seiner Schrift Radologiae seu Numerationis per Virgulas libri kündigte Napier eine andere wichtige Erfindung an, die Napierbeine, das sind Stäbe, die man auf mechanische Art zur Ermittlung des Produkts oder des Quotienten zweier Zahlen sowie der Quadrat- und kubischen Wurzeln verwenden konnte. Diese Napier-Stäbe waren damit Vorläufer der Rechenmaschinen und Computer. Auch die Schausammlung in Dortmund besitzt solche Rechenstäbe und Logarithmentafeln (Carter/Muir, Bücher der Welt, 1976, Seite 232; Werkmeister, Lexikon der Vermessungskunde, 1943, S. 229). – 15.8.2019

714.  Gesetz über Einheiten im Messwesen (Einheitengesetz) von 1969

            Das Gesetz über Einheiten im Messwesen vom 2. Juli 1969 mit der Ausführungsverordnung vom 26. Juni 1970 führte die Einheiten des von der 10. Generalkonferenz für Maß und Gewicht 1954 angenommenen Internationalen Einheitensystems (SI) in Deutschland als gesetzliche Einheiten ein. Durch dieses Gesetz traten Änderungen bei einigen bislang im Vermessungswesen gebräuchlichen Namen und Zeichen von Einheiten ein. So galt es u. a., von den vertrauten Einheiten Gal (heute: cm/s²), Kilopond (heute: Newton), Millimeter-Quecksilbersäule (Torr, heute: Pascal), Neugrad (heute: Gon), Neuminute oder Neusekunde Abschied zu nehmen.
            Am längsten dauerte im Vermessungswesen die Umstellung der Längeneinheit Meter. Zwar war die maßgebliche Länge des sogenannten „
Internationalen Meters“ bereits 1875 durch die Internationale Meterkonvention festgelegt und 1893 gesetzlich im Deutschen Reich eingeführt worden, jedoch hielt die Preußische Landesaufnahme aus Gründen der Einheitlichkeit ihrer Mess- und Rechenergebnisse an ihrer bisherigen Längeneinheit, dem sogenannten „Legalen Meter“ fest. Erst im Zuge der Einführung von UTM-Koordinaten im System des ETRS89/WGS84 nach 1995 kam das „Internationale Meter“ bei allen Lagemessungen zur Geltung; für die Höhenmessungen hatte schon immer das Internationale Meter gegolten (Scheel/Mohr, Deutsche Landesvermessung, 1978; Spata, Gesetzliche Einheiten in der Landesvermessung, NÖV, 1/12, 1979; Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009).

            Das Internationale Einheitensystem SI geht zurück auf das metrische System in Europa, das 1875 von 17 Ländern als Meter-Konvention vereinbart worden war. Eine gemeinsame Einrichtung, das Internationale Büro für Maß und Gewicht (BIPM) in Paris, definierte 1889 das Meter-Kilogramm-Sekunde-System (MKS) und schuf neue Kopien des Metermaßes und des Kilogramms, die an Metrologie-Institute in aller Welt verteilt wurden. Im November 2018 beschlossen 60 Länder auf der 26. BIPM-Generalkonferenz in Versailles völlig neue Definitionen des SI, die nur noch auf den exakten Größen der Naturkonstanten basieren. Die neue Definition auf der Grundlage von Naturkonstanten trat am 20. Mai 2019, dem Weltmetrologietag, verbindlich in Kraft; damit hat das Urkilogramm von 1889 ausgedient. Das Urmeter von 1889 war bereits 1960 abgelöst worden (Definition durch ein Vielfaches der Wellenlänge von Licht von Krypton-Atomen) (Bild der Wissenschaft, Mai 2019). – 30.7.2019

713.  Fünfzig Jahre Lunar Laser Ranging – Apollo 11 Mission 1969

            Die erfolgreiche Mondlandemission Apollo 11 begründete vor fünfzig Jahren die astrogeodätische Hochpräzisionsvermessung der Mondbewegung (Lunar Laser Ranging, kurz: LLR). Der erste Kasten mit einer Anzahl von Prismenreflektoren wurde am 21. Juli 1969 von Astronauten der Apollo-11-Mission auf der Mondoberfläche im Mare Tranquillitatis aufgestellt; zwei weitere Reflektorenkästen folgten durch die Missionen Apollo 14 und 15. Auch die Sowjetunion konnte ein Reflektorfeld mit der Lunochod-1-Mission 1970 auf dem Mond platzieren, gefolgt von einem weiteren Reflektor durch die Lunochod-2-Mission 1973. Die Reflektorfelder bestehen aus bis zu 300 Tripelprismen von jeweils vier Zentimeter Durchmesser, die auf einem Aluminiumrahmen fest montiert sind; sie geben bis heute noch ausreichende Lichtechos.

            Mit Hilfe der Laufzeit über Tausende Laserimpulse bei mehreren Minuten Messdauer zwischen einer Bodenstation, u. a. Wettzell im Bayerischen Wald, und dem Reflektorfeld auf dem Mond wurden in den letzten Jahren Tausende von Entfernungsmessungen ausgeführt. Die Auswertung mit komplexen Programmen gestattet eine Entfernungsbestimmung Erde – Mond von rund 385 Tausend Kilometer jeweils im Submeterbereich. Diese überaus aufwändigen LLR-Messungen liefern wertvolle Informationen zu verschiedenen Aspekten des Erde-Mond-Systems, wie zum Beispiel geozentrische Koordinaten von stationären oder mobilen Laserstationen, die inzwischen auf wenige Zentimeter genau bestimmt werden können. Weiterhin gestatten sie, Informationen zur Form des Mondes (Gezeitendeformation) sowie zur Zunahme der Mondentfernung um vier Zentimeter pro Jahr durch die Gezeitenreibung zu gewinnen. Auch die Gültigkeit der allgemeinen Relativitätstheorie ließ sich durch die exakten Abstandsmessungen bestätigen (Wikipedia/Lunar Laser Ranging; www.bkg.bund.de). – 21.7.2019

712.  Neues Denkmal am Mittelpunkt von Nordrhein-Westfalen

            Das Land Nordrhein-Westfalen und die Stadt Dortmund sind um eine Attraktion reicher – um eine künstlerische Gestaltung des geographischen Mittelpunkts von Nordrhein-Westfalen. Dieser „repräsentative Mittelpunkt von NRW“ liegt mitten in der Aplerbecker Mark am südöstlichen Stadtrand von Dortmund. Am 10. Juli war die feierliche Einweihung der stählernen Skulptur, eines „NRW-Kokons“, der aus Aplerbeck stammenden Künstlerin Christine Böse. Ihr Kunstwerk war aus etlichen Entwürfen als Siegerin des ausgelobten Wettbewerbs hervor gegangen (siehe Mitt. 649). Der weiße „NRW-Kokon“ besteht aus einem doppelten, rechtwinklig angeordneten und etwa zwei Meter hohen Grenzumring von NRW, der von vielen Drähten fest umschlungen ist und senkrecht zur Längsausdehnung von NRW – Minden oben und Eifel unten – bodengleich auf einem Betonfundament montiert ist. Diese künstlerische Idee zum NRW-Mittelpunkt fand auch die allgemeine Zustimmung der zahlreichen Gäste, die der Aplerbecker Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel vor Ort begrüßen konnte, darunter weitere politische Vertreter von Dortmund, geodätische Vertreter von Stadt und Land (u. a. Katasteramtsleiter Ulf Meyer-Dietrich, Anne Will und Dr. Jens Riecken von Geobasis.NRW sowie die geistigen Väter der Mittelpunktberechnung Burckhardt Ahrens und Manfred Spata) und natürlich die glückliche Künstlerin Christine Böse. Neben dem Kunstwerk steht ein Stein mit einer Informationstafel und den exakten geographischen Koordinaten. Das neue Denkmal steht geschützt auf städtischem Grundstück an der Gurlittstraße direkt neben einem Wanderweg; so fügt es sich in seiner Grünfläche passend in das ruhige Wohnumfeld am Rande des Aplerbecker Waldes ein (Jörg Bauerfeld, Ruhr-Nachrichten Dortmund vom 6. und 11. Juli 2019). – 11.7.2019

711.  Zwanzig Jahre Himmelsscheibe von Nebra

            Vor zwanzig Jahren, am 4. Juli 1999, fanden Raubgräber die „Himmelsscheibe von Nebra“ auf dem Mittelberg westlich der Stadt Nebra in Sachsen-Anhalt. Sie ist etwa 3900 Jahre alt und gilt als die älteste bekannte konkrete Himmelsdarstellung, die wohl für astronomisch-kalendarische Zwecke genutzt worden war. Dargestellt sind auf der kreisrunden Bronzeplatte in Goldblech eine Mondsichel, ein Vollmond und dazwischen die Plejadensterne sowie weitere Einzelsterne, spätere Ergänzungen sind die beiden Horizontbögen für Sonnenauf- und -untergang sowie die Sonnenbarke. Seit 2002 gehört die Scheibe zum Bestand des Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle. Seit Juni 2013 gehört die Himmelsscheibe von Nebra zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland (Meller/Michel, Himmelsscheibe von Nebra, 2018). – 4.7.2019

710.  Die Bibliotheca Hertziana in Rom

            Nicht weit entfernt von der Spanischen Treppe und vom Trevi-Brunnen residiert im Palazzo Zuccari das Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom. Es beherbergt eine ausgezeichnete Forschungsbibliothek, die Bibliotheca Hertziana, deren Name zurückgeht auf die rheinländische jüdische Mäzenin Henriette Hertz (1846-1913). Das Forschungsinstitut wurde 1913 als Stiftung an die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft gegründet; die Stifterin wollte die Forschung zur römischen Kunstgeschichte fördern. Die Bibliothek umfasst heute 360 000 Bände, u. a. Graphiken, Landkarten, Fotografien und Digitalisate. Und neunzig großzügig gestaltete Arbeitsplätze gestatten den Forschern vor Ort vorzügliche Arbeitsbedingungen. Ein Forschungsschwerpunkt des Instituts betrifft die „Kunst der Orientierung“ in alten Stadtplänen und Landkarten aus dem frühen 14. Jahrhundert, deren Zeichensysteme und Darstellung von Räumen sowie deren fortschreitende Abstraktion bei der Wiedergabe von topographischen Daten. Hier können Kartographiehistoriker noch alte schlummernde Schätze heben (Max Planck Forschung 2/2019). – 30.6.2019

709.  Feldmesser nach der Gewerbeordnung in Preußen von 1869

            Nach der Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes vom 21. Juni 1869, der späteren Reichsgewerbeordnung, also vor hundertfünfzig Jahren, war die gewerbliche Tätigkeit der Messungen frei. Jedoch verpflichtete sich der Feldmesser nach § 36 per Eid auf die „Beobachtung der bestehenden Vorschriften“, hier insbesondere das „Allgemeine Feldmesserreglement“ vom 29. April 1813. Danach war als Längenmaß die „preußische Ruthe“ vorgeschrieben, die nach einem Direktionsbefehl vom 28. Oktober 1773 der „rheinländischen Ruthe“ = 1669,56 Pariser Linien entspricht. Bei Feldmessungen war diese Ruthe wegen einer zweckmäßigeren Rechnung zehnteilig (zehn Feldfuß), nicht zwölfteilig (zwölf Werkfuß).

            Lediglich für bestimmte Arbeiten wurde noch eine Vereidigung und „öffentliche Anstellung“ beibehalten. Die Feldmesser wurden zu „bestellten Landmessern“, die in der Katasterverwaltung und bei Umlegungen etc. nicht nur das eigentliche Messgeschäft ausführten, sondern auch den Grundstückseigentümern als fachkundige neutrale Berater zur Seite standen. Dies führte 1938 zur Berufsordnung der „Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure“ (ÖbVI). Mit dieser Verordnung entfällt die Einbeziehung der „Geometer“ in die Gewerbeordnung, sie werden nun Freiberufler  (Wittstock, Preußisches Grundsteuerkataster, 2001; Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009; Spata, „Rheinländischer Fuß“, VDVmagazin 3/2017). – 21.6.2019

708.  Erwin Gigas: Das Reichsdreiecksnetz 1899 - 1939

            Seit dem Jahre 1899 war in der Preußischen Landesaufnahme (PrLA) der Gedanke lebendig gewesen, das Landesdreiecksnetz östlich der Elbe zu erneuern. Auf Grund entsprechender Beschlüsse des Zentraldirektoriums für das Vermessungswesen wurde bereits im gleichen Jahr mit der Neubearbeitung begonnen. So kam es zur Neumessung (Neutriangulation) von Ostpreußen (1897-1908), Westpreußen (1896-1903), der Verbindungskette Berlin – Schubin (1904-1913), der Märkisch-Schlesischen Hauptdreieckskette (1922-1928), dem Vorpommerschen (1932-1937) und Ostpommerschen Hauptdreiecksnetz (1933-1935), dem Märkisch-Mecklenburgischen Hauptdreiecksnetz (1934-1938), dem Deutsch-Dänischen Anschluss (1932-1939). Die notwendigen Basismessungen lagen in Schubin (1903), Gumbinnen (1906 und 1941), Wohlau (1914 und 1941), Rügen (1932), Stolp (1935) und Berlin (1908 und 1941); sie wurden vor 1932 mit dem Bessel-Basisapparat und seit Rügen mit Jäderin-Drähten ausgeführt. Der Zusammenschluss der Triangulationen des Deutschen Reiches war nach vierzig Jahren 1939 im Wesentlichen abgeschlossen; auf der Grundlage eines Gutachtens von Erwin Gigas, dem Leiter der Trig. Abteilung des Reichsamts für Landesaufnahme (RfL), wurden für die Gebiete östlich der Elbe die Ergebnisse als endgültige Koordinaten in Gauß-Krüger-Meridianstreifensystemen deklariert, in welche alle Triangulationen zur Netzverdichtung einzurechnen waren (Gigas, Das Reichsdreiecksnetz 1940; Lang, Deutschlands Vermessungs- und Kartenwesen, 2008). – 15.6.2019

707.  Sankt Augustin im Bild historischer Landkarten

            Anlässlich des 50jährigen Bestehens der Gemeinde Sankt Augustin, zwischen Bonn und Siegburg gelegen und seit 1977 Stadt Sankt Augustin, ist ein nicht alltägliches Buch „Sankt Augustin im Bild historischer Landkartenvom Stadtarchiv herausgegeben worden. Das Autorenteam besteht aus den drei Geodäten Rolf Bull, Manfred Oster und Manfred Spata sowie dem Geologen Christian Günther. In einer zweijährigen Kooperation haben sie mehr als 300 Karten nicht nur aus dem Stadtarchiv selbst, sondern auch aus benachbarten Archiven und Institutionen zusammengetragen und ausgewertet, um über 400 Jahre Geschichte des Sankt Augustiner Raumes zu schreiben. Dabei entstand kein klassisches, chronologisch gegliedertes Geschichtsbuch, sondern ein Buch voller Geschichten mit Kartenbildern, die je für sich gelesen und betrachtet werden können. Der Schwerpunkt liegt auf den alten Karten vor 1800, auf den Karten der systematischen Landes- und Katasteraufnahmen und auf den thematischen Karten einer Stadtverwaltung. Sehr viel Vermessungs- und Kartengeschichte sind mit einer modernen Stadtgeschichte verbunden worden. Das Buch im A4-Format enthält auf 376 Seiten 340 farbige Kartenabbildungen und Skizzen; es ist zu beziehen im Verlag ratio books in Lohmar. - 6.6.2019

706.  Instruktion für die Landesvermessung in Württemberg 1819

            Am 30. Mai 1819 wurde die Instruktion für die Landesvermessung der Katasterkommission in Württemberg bekannt gemacht. Durch ein Königliches Dekret vom 27. August 1818 war die Katasterkommission gebildet und mit der Durchführung der Landesvermessung beauftragt worden (siehe Mitt. 660); deren Ziel war die gerechte Ermittlung aller steuerbarer Erträge (Grundsteuer). Als außerordentliches Mitglied gehörte der Tübinger Prof. Johann Gottlieb Friedrich Bohnenberger dazu (siehe Mitt. 647). Die Landesvermessung, für die zunächst zehn Jahre vorgesehen waren, aber erst 1840 abgeschlossen wurde und deren Geometer nach Akkordsätzen vergütet wurden, gliederte sich in die Aufgabenbereiche: Haupttriangulation mit astronomischen Bestimmungen, Sekundärnetz, Detailtriangulation, Detailaufnahme. Die als Rahmenkarten angelegten quadratischen Flurkarten haben die Maßstäbe 1:2 500 und 1:1 250 in Ortschaften (Scheel/Mohr, Landesvermessung 1978; Torge, Geschichte der Geodäsie 2009). – 30.5.2019

705.  70 Jahre Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland 1949 - 2019

            In diesem Jahr blicken wir auf zwei Verfassungsgedenkjahre zurück, auf 100 Jahre Weimarer Verfassung und 70 Jahre Grundgesetz; beide Verfassungen haben wesentlich das Vermessungsrecht bestimmt.

            Die Weimarer Verfassung wurde als Verfassung des Deutschen Reiches am 31. Juli 1919 in Weimar beschlossen und am 14. August 1919 verkündet. Sie löste das am 10. Februar erlassene Gesetz über die vorläufige Reichsgewalt ab (Ablösung des Kaiserreiches durch die Republik). Manche ihrer Artikel flossen später in das Grundgesetz ein. Darin ist das Vermessungsrecht nicht als Reichsrecht geregelt, sondern als Landesrecht den einzelnen deutschen Ländern überlassen. Das mehrheitliche Votum der Ländervertreter lautete: „Das Vermessungswesen ist Landessache!“ Bestrebungen durch den Reichskommissar für die Neuorganisation des Vermessungswesens und des Deutschen Geometervereins“/“Deutschen Vereins für Vermessungswesen für eine Vereinheitlichung des zivilen Vermessungswesens und die Einrichtung eines „Reichsvermessungsamtes“ blieben in den Jahren 1918/19 letztlich erfolglos, weil die Länder eine Bevormundung der zwar vorbildlichen, aber bisher militärisch organisierten Preußischen Landesaufnahme befürchteten. Die Ausführung von Vermessungen für die Herstellung, Ergänzung, Erneuerung und Fortführung des Dreiecks-. Und Höhennetzes sowie der Katasterkarte sei Landessache und müsse daher bei den Ländern verbleiben. Zur fachlich notwendigen Abstimmung und Vereinheitlichung der Ländervermessungswerke kam es 1921 zur Bildung des Beirats für das Vermessungswesen; dieser bewirkte in den folgenden zehn Jahren eine „allmähliche Vereinheitlichung des Vermessungswesens im gesamten Deutschen Reiche“ (Wittstock, Rechts- und Verwaltungsvorschriften 2001; Lang, Vermessungs- und Kartenwesen 2008; Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009).

            Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wurde vom Parlamentarischen Rat in Bonn im Auftrag der drei westlichen Besatzungsmächte erarbeitet,  von ihnen genehmigt und am 23. Mai 1949 verkündet. Auch das Grundgesetz beließ das Vermessungsrecht als „Länderrecht“ und schuf dafür keine Gesetzgebungskompetenz des Bundes. Da das Grundgesetz das Vermessungswesen nicht erwähnt und es damit weder der konkurrierenden Gesetzgebung des Bundes noch denjenigen Gebieten zuordnete, auf denen der Bund Rahmenvorschriften erlassen darf, war das Vermessungswesen wieder Angelegenheit der Länder geworden, nachdem es durch das Neuordnungsgesetz von 1934 in die Zuständigkeit des Reiches gelangt war. Daraufhin folgte im Oktober 1949 die Konstituierung der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV), um die fachlich notwendige Zusammenarbeit der Vermessungsverwaltungen zu organisieren; dazu wurden Arbeitskreise gebildet: Triangulation, Präzisionsnivellement, Kataster, Topographie, Kartographie.
            Die Bundesländer schufen eigene Vermessungsgesetze und Landesvermessungsämter als Teil der Vermessungs- und Katasterverwaltungen; sie übernahmen von ihren Vorgängerinstitutionen (u. a.
Reichsamt für Landesaufnahme, Hauptvermessungsabteilungen) die Grundlagenvermessung und die Herstellung der topographischen Karten. Diese föderale Struktur des bundesdeutschen Vermessungswesens ist nach der Deutschen Wiedervereinigung 1990 bis heute erhalten geblieben (Scheel/Mohr, Landesvermessung 1978; Lang, Vermessungs- und Kartenwesen 2008;Torge, Geschichte der Geodäsie 2009). – 23.5.2019

704.  Geometerpfad in Borken-Rhedebrügge

            Die Interessengemeinschaft Geometerpfad e. V. in Borken-Rhedebrügge ist in den letzten Jahren mit Plänen eines „Vermessungslehrpfades“ an die Öffentlichkeit getreten. In dem Kreisjahrbuch Borken 2019 haben sie nun einen sechsseitigen Bericht über das Projekt „Geometerpfad“ geschrieben. Dieser Geometerpfad soll integriert werden in den Radweg „Bocholter Aa“ und dabei die Landschaftsveränderung ebenso aufzeigen wie den Wandel der Vermessungstechnik – ein durchaus in Nordrhein-Westfalen innovativer Ansatz, dem bisher nur die notwendigen Finanzmittel und die kommunalpolitische Zustimmung zur Umsetzung gefehlt haben. Zu den Projektmaßnahmen gehören die Einrichtung eines kleinen Museums zum Thema „Flurbereinigung und Landesvermessung“, der Nachbau eines trigonometrischen Signalturmes und die Aufstellung von mehreren Schautafeln mit leicht verständlichen vermessungstechnischen Themen und Abbildungen. Erfreulicherweise hat die Bezirksregierung Münster mit Zuwendungsbescheid vom 4. Mai 2019 in Höhe von 32 Tausend Euro die Durchführung einer ersten Maßnahme "Mobiles Museum - Landvermessung früher und heute" genehmigt! 

            Zur diesjährigen Jahresversammlung der Interessengemeinschaft Geometerpfad am 28. Mai 2019 hält der Redakteur Manfred Spata einen Bildvortrag über die "Geschichte des Preußischen Urkatasters im Rheinland und Westfalen nach 1815". Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum ist zur weiteren Zusammenarbeit gerne bereit und wünscht zur Umsetzung des Projekts Geometerpfad eine glückliche Hand. – 10.5.2019

703.  Tag der Geodäsie Deutschland 2019

            Am 24. Mai 2019 veranstalten die Universitäten und Hochschulen mit den Studiengängen Geodäsie und Geoinformation (GuG) in Deutschland zum vierten Mal einen bundesweiten Tag der Geodäsie. Denn die Nachfrage nach qualifizierten Absolventen des Studiums der Geodäsie und Geoinformation in Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung wächst weiter. Mit parallelen bundesweiten Informations- und Werbeveranstaltungen wollen sie den potenziellen Berufsnachwuchs für diese Geowissenschaften ansprechen sowie für ein spannendes Ingenieurstudium begeistern.
            Das diesjährige Motto „Abeitsplatz der Erde – so smart wie Dein Phone“ soll die Relevanz der Geodäsie für die nachhaltige Entwicklung auf unserer Erde verdeutlichen (zfv 2/2019, n-23). Eine Übersicht über die beteiligten Hochschulen hat die Deutsche Geodätische Kommission (DGK) auf ihrer Webseite
www.dgk.badw.de zusammengestellt. – 5.5.2019

702.  Godesberger Kataster-Verhandlungen im April 1819

            Vor zweihundert Jahren fanden in Godesberg Verhandlungen zur preußischen Katasteraufnahme statt. Die vom Finanzminister einberufenen Oberpräsidenten, Regierungen und Sachverständigen, darunter der ehemalige Leiter der Landesvermessung im Herzogtum Berg Prof. Dr. Johann Friedrich Benzenberg (1777-1846, siehe Mitt. 622), der Direktor der Koblenzer Plankammer Georg Josef Aloysius Rolshausen (1782-1861) und der Obergeometer im Regierungsbezirk Kleve Peter Josef Stierlin (1788-1845), berieten auf der Grundlage des „Entwurfs einer „Allgemeinen Instruktion für die Anfertigung des Katasters in den Rheinisch-Westfälischen Provinzen“, den Rolshausen im Dezember 1817 vorgelegt hatte. Dazu kamen von Seiten des Militärs und der Zivilverwaltungen Änderungswünsche zu „Hauptfragen, zu denen auch die kostenträchtige Triangulation gehörte.

            Auf einer Vorkonferenz am 10. April 1819 in Koblenz waren bereits von den dortigen Fachleuten Lösungsvorschläge zu den „Hauptfragen“ abgefasst worden; darin war gesagt, dass die übergeordneten Triangulationen für das Kataster überflüssig seien. Bis auf Benzenberg teilte man in Godesberg vollkommen diese Ansicht. Rolshausen wurde wiederrum beauftragt, den neuen Instruktionsentwurf entsprechend den Beratungsergebnissen zu schreiben; so entstand die „Instruktion für das Kataster der Rheinisch-Westfälischen Provinzen, entworfen auf Grund der Verhandlungen in Godesberg vom 15. bis 25. April 1819“. Diese sogenannte „Godesberger Instruktion“ verbesserte die bisher gültigen französischen Vorschriften des „Recueil méthodique“ von 1811.

            Danach sollte die Parzellarvermessung jeder Gemeinde nach wie vor nur auf einem örtlichen Dreiecksnetz beruhen, deren Verbindung zu den vorhandenen übergeordneten Dreiecksnetzen von Lecoq, Tranchot, Benzenberg, Eckhardt, Müffling, Müller etc. sollten aber nicht vernachlässigt werden. Zusätzlich wurden Formulare für die Winkelmessung, die Dreiecks- und Koordinatenberechnung eingeführt; die Winkelgenauigkeit sollte auf Verlangen von Benzenberg nur 1 Altminute betragen, die rechtwinkligen Koordinaten in einem lokalen Kirchturmsystem 1 Rute genau. Die Methode der Einzelmessung eines Grundstücks war dem Ermessen des Feldmessers freigestellt. Die Arbeitsergebnisse umfassten Flurkarten (1:5 000 oder 1:2 500), eine Gemeindekarte (1:10 000) und ein Flurbuch (Messregister mit Angaben der Eigentümer, Größe, Lage und Kulturart der Grundstücke).

            Ganz wesentlich war die Forderung, die Plankammer aus der unmittelbaren Leitung der Regierungen herauszunehmen und einem „Generaldirektor des Katasters zu unterstellen, der wiederum nur allein dem Finanzministerium verantwortlich war. Durch diese Leitungsmaßnahme erhielt das Geschäft der Katasteraufnahme eine ungeheure Beschleunigung und Unabhängigkeit von landständischen und sonstigen Widerständen (u. a. des Reichsfreiherrn Karl vom und zum Stein auf Gut Cappenberg, siehe Mitt. 233 und der Adeligen und Großbauern). Bereits im August 1819 ordnete das Finanzministerium an, linksrheinisch (vormals französisch) sogleich nach dem neuesten Instruktionsentwurf für das Katasterwesen zu verfahren. Erster Generaldirektor war der Kölner Oberpräsident Friedrich Graf von Solms-Laubach (1769-1822), Generalkommissar für Vermessungsarbeiten Georg Rolshausen;  Diese preußische Katasteraufnahme entwickelte sich bis 1834 zu einem vollen Erfolg (Schmidt, Triangulationen in NRW, 1960; Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009; Wittstock, Vorschriften Grundsteuerkataster, 2001). – 25.4.2019

701.  Fortführung und Pflege der Webseite vermessungsgeschiche.de

            Unser Internetauftritt hat durch den Webmaster Rudolf Uebbing in den letzten Tagen neben der üblichen Pflegearbeit zwei Fortführungen erfahren. Dabei sind in Absprache mit den beiden Redakteuren Harald Lucht und Manfred Spata zum einen unter dem Link Aktuelles-Archiv Lucht 2003-2018 die gesamten Mitteilungen (von 1 bis 645) aus der Feder des Redakteurs Harald Lucht geschlossen abgelegt worden. Die Seite Aktuelles enthält nur noch die Mitteilungen ab 646.

            Zum anderen enthält die neue Seite Aktuelles-Register ein Sach- und ein Namenregister für den gesamten Bestand der Mitteilungen von 1 bis heute, das auch ständig fortgeführt werden wird. Damit soll der umfangreiche Informationsgehalt der inzwischen über 700 Mitteilungen für unsere Besucher schneller und besser nach Stichworten und Namen durchgesehen werden können. Zudem lässt das neue Angebot des Registers hoffen, noch mehr Interessierte der Vermessungs- und Kartengeschichte zu gewinnen und bei ihren Recherchen zu unterstützen.

            Rudolf Uebbing gilt unser aller Dank und Lob für diese ehrenamtliche DV-Arbeit. – 20.4.2019

700.  14. Internationale Atlas-Tage im Haus Villigst in Schwerte

            Vom 26. – 28. April 2019 finden im Haus Villigst der Evangelischen Akademie in Schwerte die 14. Internationalen Atlas-Tage statt (2018 siehe Mitt. 648). Die Leitung hat der bekannte Atlashistoriker Jürgen Espenhorst. So können wiederum die Teilnehmer ihre eigenen Atlanten aus verschiedenen nationalen Produktionen vorstellen und ihre Stilmerkmale vergleichen. Neben der Behandlung der Fachfragen bieten die Atlas-Tage aber auch ein Forum zum Erfahrungsaustausch und für eine Bücherbörse (wegen Auflösung von Sammlungen).

            Vorgeschaltet ist am 25. April der Besuch der Vermessungstechnischen Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund; dort wird unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried eine Führung durch die Ausstellung geben. Daran anschließend findet am 25. – 26. April im Haus Villigst ein Workshop zur Geschichte des Vermessungswesens statt; dabei berichtet Jürgen Espenhorst über seine Forschungen zu den vermessungs- und kartenhistorischen Grundlagen der mittelalterlichen Siedlungsgeschichte, dargestellt am Beispiel des kleinen Kirchdorfes Gehrde im Osnabrücker Artland. Desweiteren erläutert Manfred Spata die vormetrischen Maßsysteme (Fuß, Rute, Morgen), die über die Jahrhunderte bei der Ausmessung der Felder und Fluren der alten Siedlungen Anwendung fanden.

            Diese Atlas-Tage in Schwerte sind maßgeblich geprägt von der guten Zusammenarbeit mit dem regional benachbarten  Förderkreis Vermessungstechnischen Museum in Dortmund. – 15.4.2019

699.  Einhundertster Todestag des ungarischen Physikers Loránd Eötvös

            Vor genau einhundert Jahren, am 8. April 1919 starb der ungarische Professor für Physik und Geophysiker Loránd Eötvös (1848-1919). Er studierte zunächst Rechtswissenschaft in Budapest, danach Physik in Heidelberg bei Kirchhoff, Helmholtz und Bunsen. Nach 1871 wirkte er fast ein halbes Jahrhundert in Budapest und spielte eine führende Rolle in der ungarischen Naturwissenschaft.

            Eötvös konstruierte um 1906 eine spezielle Drehwaage, mit der räumliche Änderungen der Schwerkraft (Schweregradienten) gemessen werden können; mit einer speziellen Drehwaage ist auch die Äquivalenz von träger und schwerer Masse, das Äquivalenzprinzip beim Eötös-Versuch, zu bestätigen. Diese Messmethode der Schwerefeldkrümmung ist auch vom Geodätischen Institut Potsdam fortgesetzt worden (Brockhaus, Naturwissenschaften und Technik, 1983; Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009). – 8.4.2019

698.  Die Vermessung der Erde – bei Terra X

            Der in den Medien bekannte Astrophysiker Harald Lesch berichtet in zwei Folgen der ZDF-Dokureihe Terra X am 7. Und 14. April 2019 um 19.30 Uhr über die „Vermessung der Erde“. Darin folgt er den Spuren der Menschen, die schon immer sich in dieser Welt orientieren wollten. Er zeigt die Erfolge und manchmal auch die Irrwege auf dieser faszinierenden Orientierung. Lassen wir uns Geodäten überraschen! – 5.4.2019

  

  

697.  Kostbare Rechenbücher im Arithmeum in Bonn

            Das Arithmeum in Bonn besitzt die weltweit beste und umfassendste Sammlung historischer Mathematik- und Rechenbücher. Ende letzten Jahres konnte die „Arithmeum Library“ einen neuen Bestand von rund eintausend Büchern der berühmten, inzwischen aufgelösten „Tomash Library“ bei Sotheby’s in London ersteigern. Diesen spektakulären Neuzugang präsentierte nun die Museumsleiterin Prof. Dr. Ina Prinz der Öffentlichkeit. In ihrem Vortrag stellte sie einige Juwelen unter den Rechenbüchern vor. Die bibliophilen Rara sind nicht nur für die Geschichte der Mathematik und des Rechnens, sondern auch für das Vermessungswesen von besonderer Bedeutung. Darunter befinden sich Ausgaben von Gregor Reisch 1504, Peter Apian 1524, Gemma Frisius 1562, Adam Ries 1567 (siehe Mitt. 675) und Leonhard Zubler 1625 (siehe Nachdruck des VDV 1978, Hg.: Herbert Kapelle). Allen interessierten Fachleuten sei diese Spezialbibliothek im Arithmeum empfohlen, wie aber auch die Bibliothek des Förderkreises im Westpark-Bunker (siehe Minow / Pfeifer: Geometria Practica, Vermessungstechnische Lehrbücher aus drei Jahrhunderten, Schriftenreihe des Förderkreises, Band 17, 1991). – 28.3.2019

  

  

696.  Mercator-Matinéen 2019 in Duisburg

            Das diesjährige Programm der Duisburger Mercator-Matinéen würdigt das 450-jährige Jubiläum der Weltkarte „Nova et aucta orbis terrae descriptio ad usum navigantium“ von Gerhard Mercator 1569. Mit dieser Karte, die er in seinem Haus in der Oberstraße in Duisburg fertigte, erlangte Mercator Weltruhm. Seine dazu entwickelte winkeltreue Projektion, als Mercator-Projektion bekannt, ist in ihrer modernisierten Version einer UTM-Abbildung eine der Grundlagen der GPS-Navigation und der heutigen Kartenwerke der Landesvermessung in Deutschland und in Europa. Mercators Idee steckt praktisch in jedem Smartphone (siehe Mitt. 377/379).

            Die historischen Hintergründe der Mercator-Weltkarte werden in Vorträgen und einer Podiumsdiskussion der Öffentlichkeit nahe gebracht. Darunter sind folgende Veranstaltungen auch für Karten- und Vermessungshistoriker von Interesse:

            7. April 2019, Klaus Dinger (Duisburg, Berufskolleg): Die Uhr, John Harrison und das Längengradproblem.

            2. Juni 2019, Prof. Dr. Klaus Geus (FU Berlin): Die Geographie des Ptolemaios – alte Fragen, neue Antworten.

            
29. September 2019, Podiumsgespräch „450 Jahre Mercator-Projektion“
mit den vier Teilnehmern
                Dr. Christoph Hormann (Freiburg, Grafik-Designer),
                Dr. David Kuchenbuch (Universität Gießen, Historisches Institut),
                Prof. Dr. Peter Mesenburg (Universität Duisburg-Essen, FB Vermessungswesen/Kartographie),
                Dr. Ulf von Rauchhaupt (FAS, Ressort Wissenschaft).

            Die Mercator-Gesellschaft Duisburg unterstützt die Matineen der Stadt Duisburg; die Matinéen beginnen jeweils um 11.15 Uhr im Kultur- und Stadthistorischen Museum (Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg, Kartenreservierungen: Tel. 0203-283 2640; ksm@stadt-duisburg.de). - 20.3.2019

  

  

695.  Vor dreißig Jahren startete das World Wide Web

            Vor 30 Jahren, am 12. März 1989, stellte der Informatiker Tim Berners-Lee am Kernforschungszentrum CERN in Genf seine Idee einer Netzwerk-Verknüpfung vor, das World Wide Web. Das bereits seit 1969 bestehende Internet (Arpanet) verband nur Großrechner der Universitäten und Forschungszentren rund um den Globus. Mit dem Internetdienst E-Mail 1971 und dem Protokoll zur Datenübertragung FTP 1985 waren die ersten Bausteine für einen globalen Datenaustausch geschaffen, aber diese Datenmengen blieben in ihren Großrechnern den Akademikern vorbehalten, es fehlte eine offene Datenkommunikation für jedermann.

            Berners-Lee wollte dies mit seiner Idee eines World Wide Web ändern, durch einheitliche Standards und durch sogenannte Hyperlinks, elektronische Querverweise, die Dokumente und Rechner miteinander verknüpfen. Dazu schuf er Anfang der 1990er Jahre die Grundlagen selbst: darunter HTML, die Beschreibungssprache für Webseiten, das Transferprotokoll http und den Standard für Internetadressen URL; es folgte der Internetbrowser Mosaic des Studenten Marc Andreessen 1993 und der Browser Netscape Navigator 1994.

            Inzwischen hat die Internettechnik das gesamte Zusammenleben unserer Zivilisation verändert; auch die Vermessung ist heute vom Internet beherrscht. So ist beim Datenaustausch von satellitengeodätischen Beobachtungen (u. a. SAPOS-Dienst) das Internet nicht mehr wegzudenken. Ebenso ist die Link-Technik bei allen Geodatensystemen (u. a. tim-online.nrw.de) heute selbstverständlich. Und auch unsere Webseite www.vermessungsgeschichte.de lebt von solchen Verlinkungen, auch zu Webseiten ähnlicher Institutionen, siehe http://www.vermessungsgeschichte.de/links.htm (Andreas Dyck, General-Anzeiger Bonn vom 9.3.2019). – 12.3.2019

694.  Historische Vermessungstechnik und Living History

            Schon seit etlichen Jahren hat sich Dr. Martin Klöffler den technischen Aspekten der Land- und Feldvermessung, der Kartenaufnahme und dem militärischen Ingenieurwesen gewidmet. Dabei geht er den Fragen nach, wie Landmesser, Forstbeamte, Baumeister, Kanalbauer, Ingenieure und Offiziere im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert ihre Vermessungsaufgaben lösten. Er fragt nach, welche Messmethoden angewendet wurden, welche Ausbildung notwendig war und unter welchen Umständen gearbeitet werden musste. Verständliche und anschauliche Antworten darauf kann er durch praktizierte „Living History (lebendige Geschichtsdarstellung) geben. In zeitgenössischen Kostümen, mit alten Instrumenten und unterstützt von angelernten „Messgehilfen“ führt er vor Ort verschiedene historische Vermessungsszenarien in sechs Monturen vor, darunter u. a. als Landmesser um 1770, preußischer Ingenieuroffizier um 1750 oder als französischer Ingenieurgeograph um 1760. Die Themenvielfalt der 16 Szenarien reicht vom „Recognoscieren im Siebenjährigen Krieg“, über die „Rectification des Rheins in Baden unter Tulla 1818“, die „Aufnahme Westphalens unter Lecoq um 1800“ bis zur „Vermessung beim Bau der Festung Oberehrenbreitstein 1817“. Informationen über seine Auftritte zur „Living History“ gibt der „Ingenieurgeograph“ Martin Klöffler auf seiner Webseite www.ingenieurgeograph.de.

            Im letzten Jahr gaben die Autoren Dr. Martin Klöffler und Dr. Thomas Hemmann eine umfangreiche Schrift heraus: „Der vergessene Befreiungskrieg – Belagerte Festungen zwischen Memel und Rhein in den Jahren 1813-1814“; das Buch beleuchtet wesentliche Aspekte zum napoleonischen Festungskrieg, den Kampf um sämtliche von den Franzosen verteidigte Festungen zwischen Memel und Rhein, aber auch die beispiellosen Leiden der beteiligten Soldaten und der Zivilbevölkerung. Dieses Werk ist auch für Vermessungshistoriker eine lohnende Lektüre (Books on Demand 2018, www.bod.de/buchshop/). – 7.3.2019

693.  Manfred Spata zum 75. Geburtstag

            Dipl.-Ing. Manfred Spata vollendet am 2. März 2019 sein 75. Lebensjahr. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund gratuliert herzlich und ist erfreut, in ihm ein langjähriges Kuratoriums-Mitglied zu haben (siehe Mitt. 510); er betreut seit dem Februar 2018 in der Nachfolge von Prof. Harald Lucht als verantwortlicher Redakteur den Nachrichtenblock „Aktuelles“ auf der Webseite „vermessungsgeschichte“ des Vereins.

            In Glatz/Schlesien 1944 geboren gelangte er mit seiner Familie nach der Vertreibung 1946 ins Sauerland; hier ist er in Plettenberg aufgewachsen und machte am Städtischen Gymnasium das Abitur. Anschließend diente er zwei Jahre als Z-Soldat in der Topographie-Batterie in Münster/Westfalen und studierte anschließend von 1966 bis 1970 Geodäsie an der Universität in Bonn. Nach Ende der Referendarzeit in Düsseldorf startete er 1973 seinen Berufsweg beim Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen (heute: Geobasis NRW), zunächst bis 1979 bei der Außenstelle in Münster und danach bis 2007 in Bonn Bad Godesberg. Als Dezernent des Lage- und Höhenfestpunktfeldes war er maßgeblich beteiligt an der Kalibrierung der Vermessungsinstrumente, der Erneuerung des „Netzes 1977“, den periodischen Wiederholungsmessungen zur Deformationsanalyse der Bodenbewegungsgebiete (Bodensenkungen durch Steinkohle- und Braunkohleabbau) sowie an der Einführung der UTM-Koordinaten und den notwendigen Koordinatentransformationen. Zuletzt kuratierte er die Dauerausstellung „200 Jahre Landesvermessung in Nordrhein-Westfalen, die noch heute im Dienstgebäude in Bad Godesberg zu besuchen ist (siehe Mitt. 211). Über seine dienstlichen Arbeitsergebnisse veröffentlichte er knapp 50 Beiträge in Fachzeitschriften.

            Als „Trigonometer mit langem Atem“ widmete sich Manfred Spata notwendiger Weise schon recht früh der Geschichte der Landesvermessung und Kartographie. Ein Jahre langer Forschungsschwerpunkt war der Schwelmer Pastor Friedrich Christoph Müller (1751-1808), der erstmals 1789/90 eine Triangulation eines preußischen Landesteiles, der Grafschaft Mark, mit einem Dollond-Theodolit beobachtete und mehrere Landkarten fertigte (siehe Mitt. 85, 97 und 654). Für seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Müller wurde ihm 2003 der Eratosthenes-Preis des Förderkreises zuerkannt (siehe Mitt. 17). Im Jahre 2017 kuratierte er eine Ausstellung „200 Jahre Historische Karten der Landesaufnahmen am Beispiel des Beueler Raumes“ im Heimatmuseum Bonn-Beuel, deren Originalkarten er anschließend dem Heimatverein überließ (siehe Mitt. 615 und 623).

            Daneben beschäftigte sich Manfred Spata auch immer mit der Kartographiegeschichte Schlesiens, u. a. mit dem Kartenverlag Carl Flemming in Glogau, Tobias Mayer in Nürnberg (Atlas Silesiae) und mit dem preußischen Oberst Christian Freiherr von Massenbach (siehe Mitt. 607). In Zusammenarbeit mit dem Museum HAUS SCHLESIEN in Königswinter und mit polnischen Regionalmuseen (u. A. in seine Heimatstadt Glatz/Klodzko) organisierte er mehrere zweisprachige Landkartenausstellungen, zuletzt über die Schlesienkarte von Martin Helwig von 1561 (siehe Mitt. 388 und 471). Diese deutsch-polnischen Ausstellungsaktivitäten brachten ihm 2002 die Medaille "Pro Meritus" der Stiftung der Region Nowa Ruda (Neurode) in Polen ein. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund übermittelt herzliche Glückwünsche – Ad Multos Annos!      Peter Mesenburg, Essen – 2.3.2019

692.  Mitgliederversammlung 2019 und Eratosthenes-Preisverleihungen

            Die diesjährige Mitgliederversammlung am 18. Februar 2019 war geprägt von einem Fachvortrag über das „Siebenerwesen in Bayern“ sowie von zwei Eratosthenes-Preis-Ehrungen. Dazu begrüßte der Präsident Prof. Dr. Peter Mesenburg in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund zahlreiche Mitglieder und Gäste, darunter als Vertreter der BDPh-ArbeitsgemeinschaftLandkarten – Vermessung – Entdeckungsgeschichte der Erde“ den Vorsitzenden Klaus-Günter Tiede und Heiner Christinck; dazu war der Werberahmen mit Motivmarken der Vermessungs- und Kartengeschichte ausgestellt (siehe Mitt. 674).

            Den Fachvortrag hielt Frau Jutta Massl, die als „Siebenerin“ aus dem fränkischen Fürth angereist war. In ihrem Bildvortrag „Die Feldgeschworenen – Hüter der Grenzen“ berichtete sie über das besondere Ehrenamt der „Feldgeschworenen“ bzw. „Siebener“ oder auch „Untergänger, die in Bayern, insbesondere in Franken, seit Jahrhunderten die Arbeit der Grenzvermarkungen durch die üblichen Grenzsteine und durch die gemarkungsspezifischen unterirdischen  Grenzsicherungen ausüben. Dabei arbeiten sie vertrauensvoll mit der Katastervermessung zusammen. Ihr „Siebenergeheimnis“ verriet Frau Massl natürlich nicht an die aufmerksame Zuhörerschaft. Dieses verdienstvolle und bei ihren Landsleuten anerkannte Ehrenamt ist zum Einen gesetzlich geregelt im bayerischen Abmarkungsgesetz 1981 und zum anderen seit 2016 in das „Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen (siehe Mitt. 665). Hierzu waren aus der Sammlung Paulus des Förderkreises einige „Grenzzeugen“ in einer Vitrine ausgestellt.

            Danach standen zwei besondere Eratosthenes-Ehrungen an. Den Eratosthenes-Preis 2019 erhielt David März für seine Masterarbeit „Die Entwicklung der Landesvermessungen in den deutschen Ländern im 19. Jahrhundert“. Der Preisträger schloss sein Masterstudium der Geoinformation und Management mit dem Master of Engineering (M.Eng.) 2012 an der HTW Dresden ab. Die Arbeit wurde betreut von Prof. Dr. Rolf Helbig und Prof. Winfried Himmer und dem Stifterkollegium als eine hervorragende und umfassende Dokumentation zur Geschichte des Vermessungswesens empfohlen. Dem Preisträger März gelingt es in seiner Arbeit, die weitgehend unübersichtlichen Entwicklungen der Landesvermessungen in den deutschen Ländern prägnant und übersichtlich aufzuzeigen. Dazu untersucht er auch den technischen Fortschritt der Vermessungsinstrumente. Herr März wird über seine Arbeit auf einer der nächsten Jahresversammlungen einen Fachvortrag halten.

            Die zweite Würdigung erfuhr Prof. Dr. mult. Erich Weiß, der den Eratosthenes-Ehrenpreis 2019 erhielt (gesundheitsbedingt in Absentia). Damit würdigt der Förderkreis die zahlreichen vermessungs- und planungshistorischen Vorträge und Veröffentlichungen in geodätischen Fachzeitschriften sowie seine langjährigen Verdienste um die Ausrichtung der Symposien des Förderkreises verbunden mit der Herausgabe der Tagungsbände. Seine Forschungsthemen behandeln insbesondere Bodenordnungsverfahren und Naturschutz sowie Persönlichkeiten, die die Entwicklung der Bodenwirtschaft in Deutschland maßgeblich beeinflusst haben. Die zahlreichen Veröffentlichungen des Preisträgers Prof. Weiß sind vorzüglich geeignet, einer breiten Öffentlichkeit den speziellen Bereich des historischen Vermessungs- und Planungswesens näherzubringen.

            In der anschließenden Mitgliederversammlung berichtete dann – nach einem Grußwort des Museumsdirektors Dr. Jens Stöcker - der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried von den Aktivitäten des Vorstandes, von den Führungen durch die Schausammlung im MKK, vom Eingang zahlreicher Vermessungsinstrumente, Fachbücher und Motivmarken und von verschiedenen Leihgaben von Instrumentarien an Wechselausstellungen in ganz Deutschland, u. a. auch zur TV-Serie DARK des Senders NETFLIX (siehe Mitt. 691). Der Vorsitzende machte deutlich, dass dringend neue „Kümmerer“ zur Betreuung der Sammlungsteile gesucht werden, weil die jetzigen Verantwortlichen bald altersbedingt abtreten werden. Nachfolgend stellte Manfred Spata an Hand eines Info-Blattes die Internet-Statistik 2018 der Webseite www.vermessungsgeschichte.de vor und forderte alle Mitglieder und Besucher auf, sich an der Fortschreibung der Webseite, insbesondere der Seite „Aktuelles“, durch entsprechende Nachrichten an den Redakteur zu beteiligen (siehe Mitt. 685). Desweiteren dankte er dem Altpräsidenten Prof. Dr. Harald Lucht für den jüngsten Band „Erinnern heißt danken“, worin mit einem Rückblick auf 15 Jahre aktuelles Bedenken und Begreifen von Vermessungsgeschichte die vielfältigen Aktivitäten des Förderkreises in Text und Bild gut lesbar dargestellt sind (siehe Mitt. 689).

           Es folgten weitere Vereinsregularien wie Bericht zur Kassenführung durch den Schatzmeister Franz-Josef Gocke, zur Kassenprüfung durch Ingo Tiemann und Dr. Markus Rembold sowie die Wahl von Kuratoriumsmitgliedern (Prof. Hans-Peter Fitzen, Prof. Herbert Kapelle, Ulf Meyer-Dietrich, Ingo Tiemann und Wilde). Mit der Bekanntmachung des Termins der nächstjährigen Mitgliederversammlung anlässlich des Symposiums „Geodätische Technikgeschichte“ am 20. April 2020 im MKK schloss der Präsident Prof. Dr. Peter Mesenburg die Veranstaltung. – 21.2.2019

691.  Fernsehserie DARK des Senders NETFLIX mit geodätischen Requisiten des Förderkreises

            Die deutschsprachige Fernsehserie Dark des Video-on-Demand-Anbieters NETFLIX ist erfolgreich gestartet. Diese Serie wurde in Deutschland entwickelt, produziert und gefilmt; die Regie führte bei der ersten Staffel Baran bo Odar. Laut NETFLIX hat sich Dark seit dem Start am 1. Dezember 2017 zu einer der meistgesehenen nicht-englischsprachigen Serien entwickelt. Genaue Zahlen teilte NETFLIX nicht mit, gab inzwischen aber grünes Licht für eine Verlängerung um eine zweite Staffel. Die Serie erhielt 2018 Nominierungen für die Goldene Kamera sowie Auszeichnungen des Grimme-Preises in der Kategorie Fiktion und der Deutschen Akademie für Fernsehen in der Kategorie Bildgestaltung.

            Die Geschichte spielt in der fiktiven deutschen Kleinstadt Winden, in der zwei Kinder verschwinden. Der Fernsehsender NETFLIX dreht zur Zeit eine zweite Folge mit mehreren Episoden der Serie DARK. Eine der Episoden spielt auf dem Schloss Marquardt in der Nähe von Potsdam. Bei der Ausstattung mit Requisiten kommen auch zehn historische Vermessungsinstrumente zum Einsatz, die der Förderkreis als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. Der genaue Sendetermin steht noch nicht fest.

            Das Schloss Marquardt war schon mehrfach Filmkulisse zu Fernseh- und Kinofilmen. Die Verbindung zum Filmteam ist durch die Zusammenarbeit bei der Kinoproduktion des Bestsellers „Vermessung der Welt“ 2012 entstanden (siehe Mitt. 455 und 431). Diese Zusammenarbeit hat dem Förderkreis einen positiven Leumund verschafft, weswegen wir erneut angefragt wurden. – 17.2.2019

690.  BGH-Urteil 1969: Feststehende Größe eines Grundstücks und sein tatsächlicher Flächeninhalt

            Der Bundesgerichtshof (BGH) formulierte in seinem Rechtsspruch vom 14. Februar 1969 zu einem nachbarrechtlichen Grenzstreit, also vor genau fünfzig Jahren, dass „die Katasterangaben über Länge, Breite und örtliche Lage eines Grundstücks am öffentlichen Glauben des Grundbuchs teilnehmen. Das entspricht zwar der herrschenden Meinung, ist aber nicht ganz unumstritten.“ Damit betonte der BGH, wie schon andere Gerichte vorher, dass die im Kataster ausgewiesenen Flächenangaben eines Grundstücks nicht den Schutz des öffentlichen Glaubens genießen. Bekanntlich nehmen die Angaben des Katasters (mit Ausnahme der Fläche) nach einem Reichsgerichtsurteil von 1910 auch am öffentlichen Glauben des Grundbuches teil (siehe Mitt. 331).

            In dem Streitfall waren sich zwei Nachbarn (und Prozessbeteiligte) über den Besitz und die Nutzung sowie über die Vermarkung ihrer bebauten Grundstücke nachbarlich grundsätzlich einig. Lediglich die in der Katasterkarte ausgewiesenen Grundstücksbreiten der Straßenfront, die auf einer Teilungsmessung aus dem Jahre 1847 im Längenmaß des preußischen Fuß basierten, wurden von einem Nachbarn zu Ungunsten des anderen Nachbarn angezweifelt und in Folge auch die vermeintlich geringere Flächengröße seines Grundstücks. Der BGH entschied, dass der Urteilsspruch des vorlaufenden Berufungsgerichtes rechtsfehlerfrei sei, wonach „unter der feststehenden Größe der Grundstücke deren tatsächlicher Flächeninhalt zu verstehen sei“ und nicht der im Kataster strittige bzw. nicht zweifelsfrei nachweisbare Flächeninhalt (zwei divergierende Supplementkarten). Das darf als ein Rechtsspruch in salomonischer Weisheit auch von den Katasterkollegen angesehen werden, zumal den ehemals beteiligten Feldmessern keinerlei Abmarkungs- oder Messfehler nachgewiesen werden konnte (BGH-Urteil vom 14.2.1969 V ZR 130/65; Wittstock 2001, S. 170). - 14.2.2019

689.  Harald Lucht: Rückblick auf 15 Jahre aktuelles Bedenken und Begreifen von Vermessungsgeschichte

            Die Einladungspost zur diesjährigen Jahresversammlung unseres Förderkreises Vermessungstechnisches Museum in Dortmund (siehe Mitt. 687) enthielt als besondere Jahresgabe den neuesten Band 43 unserer Schriftenreihe von Harald Lucht: Erinnern heißt danken – Rückblick auf 15 Jahre aktuelles Bedenken und Begreifen von Vermessungsgeschichte. Darin enthalten ist eine chronologische Kurzauswahl von Texten, Verzeichnisse von Stichworten und Namen sowie eine große Anzahl von Bildern zum gesamten Inhalt der Internetseite „Aktuelles-Archiv“ der Homepage www.vermessungsgeschichte.de der Jahre 2003 bis Anfang 2018. Angeregt von Heinz-Jürgen Lagoda entstand der Gedanke, eine von Lucht bereits zur Jahresversammlung 2018 vorgelegte kleine Broschüre gleichen Inhalts zu einer Druckschrift unserer Schriftenreihe zu erweitern (siehe Mitt. 678). Auf den rund 100 Seiten findet der Leser eine ebenso große Fülle von Farbfotos, die von Rudolf Uebbing aufgenommen und zusammengestellt wurden.

            Seit 2003 berichtete Harald Lucht als Präsident unseres Förderkreises, seit 2014 als Altpräsident regelmäßig über die Geschicke des Vereins und über bedenkenswerte historische Ereignisse der Vermessungsgeschichte auf den Seiten „Aktuelles“ und „Aktuelles-Archiv“ unserer Homepage. Unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried würdigt in seinem Geleitwort diesen verdienstvollen Einsatz: „Aus den Kenntnissen seines langen Wirkens und Mitgestaltens in der geodätischen Praxis und seit 1987 im Förderkreis war es ihm ein besonderes Anliegen, die Aktivitäten des Förderkreises auch in der neuen modernen Plattform Internet zu dokumentieren. (…) Sein Motiv war stets, zu informieren und damit jüngere wie ältere Web-Besucher für die vielfältige Vermessungsgeschichte zu interessieren.“ Und heute können wir mit Stolz feststellen, dies ist ihm über 15 Jahre mit Erfolg geglückt; so wurden die „Aktuellen Mitteilungen“ eine chronologische Dokumentation der Aktivitäten des Förderkreises und andererseits ein letztlich sehr persönlich gefärbtes Kaleidoskop zur Vermessungsgeschichte (siehe Mitt. 685). Seine Kurzberichte waren häufig Grundlage für die „Nachrichten des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum“, früher veröffentlicht in den „Allgemeinen Vermessungs-Nachrichten (AVN) und heute im VDVmagazin.

            Dem Altpräsidenten Harald Lucht gebührt ein großer Dank des Förderkreises für seine langjährige Internet-Arbeit und eine herzliche Gratulation zu seiner gut lesbaren Veröffentlichung „Erinnern heißt danken“! – 7.2.2019

688.  Zum Tod des Geodäten Prof. Dr. Manfred Bonatz

            Am 2. Dezember 2018 verstarb der in der Öffentlichkeit weithin bekannte Erdschwereforscher Professor Dr. Manfred Bonatz im Alter von 86 Jahren. Er war nach dem Studium der Geodäsie an der Universität Bonn dort als Professor für Geodäsie mit besonderer Berücksichtigung der Gravimetrie an wissenschaftlichen Forschungen zur Satellitengravimetrie für die Klima- und Erdsystemforschung sowie an der Erforschung der Erdgezeiten beteiligt. Prof. Bonatz zeichnete sich durch eine reichhaltige praktische Messerfahrung aus, die er durch Einrichtung und Betrieb von Beobachtungsstationen auf Spitzbergen, in Erpel bei Bonn, in der Wiehler Tropfsteinhöhle, in Walferdange in Luxemburg sowie bis zuletzt im GeoObservatorium in seinem Haus in Odendorf bei Bonn gewonnen hatte.

            Prof. Bonatz prägte Lehre und Forschung der Bonner Geodäsie in nachhaltiger Weise, er unterstützte lange Jahre die Landesvermessungsverwaltungen bei der Kalibrierung ihrer Gravimetergeräte und beim Aufbau der Schwerefestpunktfelder. Unvergessen sind seine zahlreichen verständlichen Bildvorträge, zumeist gespickt mit anektdotischen und kritischen Anmerkungen. Dafür erhielt er vom VDV den Ehrenpreis „Goldenes Lot“ im Jahre 2000 zuerkannt. Mit Manfred Bonatz ist ein beeindruckender Geodät von uns gegangen (Nachruf der Universität Bonn; Nachruf im VDVmagazin 1/2019). - 27.1.2019

687.  Mitgliederversammlung  2019

            Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V. lädt ein zur diesjährigen Mitgliederversammlung am Montag, den 18. Februar 2019 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, Hansastr. 3, dort in der repräsentativen Rotunde. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr mit einem Fachvortrag der fränkischen Siebenerin, die über ihr Ehrenamt in der Feldgeschworenengemeinschaft im Landkreis und in der Stadt Fürth: berichtet:

                         Jutta Massl: „Die Feldgeschworenen – Hüter der Grenzen“.

Die Vortragende ist die erste weibliche Feldgeschworene/Siebenerin in Bayern und sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass das „Feldgeschworenenwesen in Bayern“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde (siehe Mitt. 665). Im Mittelpunkt des Vortrags stehen die alten Grenzzeichen und Siebener als „stille Zeugen“. Dazu werden in einer Vitrine einige Stücke der Siebener-Sammlung ausgestellt, die 2016 dem Vermessungstechnischen Museum geschenkt worden war (siehe Nachrichten 2/2016; VDVmagazin 5/16 431).

             Desweiteren ist die BDPh-Motivgruppe „Landkarten – Vermessung – Entdeckungsgeschichte der Erde“ mit einem Werberahmen und Info-Blättern zu Gast (organisiert von Ingo von Stillfried und Manfred Spata), worin eine interessante Auswahl an Briefmarken und Stempeln mit kartographischen und vermessungstechnischen Motiven gezeigt wird (siehe Mitt. 628 und 674).

             Nach dem Vortrag und den zugehörigen Diskussionen ist die übliche Kaffee-Pause vorgesehen, auch zum Betrachten der ausgestellten Abmarkungszeugen und der Motivbriefmarken. Die Mitgliederversammlung soll dann gegen 15.30 Uhr fortgesetzt werden, u. a. mit einer Diskussion zu den Folgen der Datenschutzgrundverordnung, zum Stand des Museumsumbaus und zur damit verbundenen Auslagerung und Umgestaltung der Schausammlung. Das anvisierte Ende der Versammlung ist 17 Uhr. Wie stets sind Gäste herzlich willkommen, u. a. aus der BDPh-Motivgruppe. - 20.1.2019

686.  Nachlässe für die Bibliothek des Förderkreises

            Von Zeit zu Zeit erhält die Bibliothek des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum in Dortmund (Betreuung durch Dr. Hartwig Junius) bemerkenswerte Nachlässe. So gelangte jüngst der photogrammetrische Nachlass von Professor Dr. Rudolf Förstner (1913-2012) und der kartographische Nachlass der Historikerin Dr. Uta Lindgren (1941-2017; 1987 Professorin für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik an der Universität Bayreuth.) aus Bayreuth in die Bibliothek. Dadurch ist der Bereich der Kartengeschichte um mehr als dreißig Titel stark erweitert worden. Darin ist z. B. die vierbändige Ausgabe der „History of Cartography“ enthalten. In Mappen liegen Nachdrucke der Straßburger Ausgabe der „Geographicae ennarrationnis Libro octo“ des Claudius Ptolemaeus von 1525 sowie der „Bayerischen Landtafeln“ von 1568 vor (siehe Mitt. 682). Die Liste des Bücherbestandes kann jederzeit über den Link „Bibliothek“ eingesehen werden. - 15.1.2019

685.  Unsere Webseite „www.vermessungsgeschichte.de“ im Aufwind  -  Statistische Daten für das Jahr 2018

            Trotz der medialen Vielfalt erfuhr unsere Webseite www.vermessungsgeschichte.de im vergangenen Jahr 2018 ein wachsendes Interesse bei den Internetnutzern (für 2017 siehe Mitt. 641; Server account.1und1). Zwar ging die Zahl der Sitzungen bzw. Besucher 2018 mit insgesamt 22 288 leicht um etwa 1,9 % zurück (gegenüber 2017 mit 22 722 Sitzungen), erfreulicher Weise stieg aber die durchschnittliche Zahl der Seitenaufrufe pro Sitzung 2018 auf 2,46 (2017: 1,81); dies bewirkte eine drastische Steigerung der Seitenaufrufe.
            So betrug die Zahl der Seitenaufrufe 53 795 in 2018 (2017: 41 007), eine Steigerung von +31,2 %. Dieses vermessungshistorische Interesse an den Aktivitäten unseres Förderkreises bewirkte durchschnittlich 4 483 Aufrufe pro Monat und 147 Aufrufe pro Tag (2017: 3 417 bzw. 112). Die meist frequentierten Monate waren November mit 5 414 Seitenaufrufen (2017: 3 306), März 4 947 (2017: 2 735), Dezember 4 805 (2017: 3 154) und April 4 577 (2017: 2 437). Der September war mit 3 560 Seitenaufrufen (2017: 4 895) der schwächste besuchte Monat, was wohl dem außergewöhnlichen Spätsommerwetter geschuldet war.

            Fragt man nach den aktivierten Webseiten-Anteilen der „vermessungsgeschichte“, so entfallen 2018 auf die Seite „index“ 18 569 Aufrufe bzw. 34,5 % Anteile, auf „Aktuell-archiv“ 5 336 bzw. 9,9 % (2017: 12 230 bzw. 29,8 %), auf „Aktuell“ 5 176 bzw. 9,6 % (2017: 4 130 bzw. 10,1 %); die anderen Webseiten-Anteile erreichen jeweils nur wenige Prozente. Diese absolut gestiegene Aufrufzahl von „Aktuelles“ mag daran liegen, dass der Redakteur bemüht war, im Verlaufe des Jahres neben den klassischen vermessungshistorischen Themen auch vermehrt kartographiehistorische Themen zu berücksichtigen. Es wurden 2018 45 Einzelbeiträge (Mitt. 640 bis 684) eingestellt (2017: 31), also rund alle acht Tage eine „aktuelle Mitteilung“! Desweiteren wurde versucht, insbesondere auf entsprechende fachliche Tagungen, Ausstellungen und Seminare hinzuweisen und mit der Link-Technik besucherfreundlich zu verknüpfen.

            Für den Internet-Profi mag die Herkunft der Aufrufe aufschlussreich sein. So gelangten 2018 73,8 % direkt auf die Webseite „Vermessungsgeschichte“ (2017: 70,4 %), 22,1 % über „Andere“ (2017: 22,5 %), 4,0 % über Suchmaschinen (2017: 7,1 %) und nur 0,1 % über Soziale Netzwerke (2017: 0,04 %). Bei den benutzten Browsern ergaben sich 2018 folgende Anteile, Firefox (Frei) 28,0 % (2017: 40,1 %), Chrome (Google) 22,7 % (2017: 23,2 %), IT Explorer (MS) 14,3 % (2017: 12,3 %), Safari (Apple) 7,3 % (2017: 5,1 %) und andere jeweils mit nur wenigen Prozentanteilen.

            Reizvoll ist auch eine Tour d’horizont zur Herkunft der Besucher 2018. Erwartungsgemäß stammte der größte Anteil mit 11 588 bzw. 52,0 % aus Deutschland, 11,7 % aus den USA und 11,4 % aus der Ukraine(!); es folgten China mit 3,1 %, Frankreich 2,1 %, Russland 1,9 % und Niederlande 1,3 %. Die anderen Nachbar- und EU-Länder erreichten nur marginale Anteile unter je einem Prozent. Dies lässt wohl auf schrumpfende Deutschkenntnisse in den betreffenden Ländern schließen. Die Herkunftsliste umfasst insgesamt über 50 Länder rund um den Erdball (u. a.Pakistan 48 Besucher, Australien 34, Argentinien 26, Südafrika 23).

            Der Freundeskreis bleibt gefordert, seinen Internetauftritt auch künftig angemessen zu pflegen und die Fortschreibung der Seiten „Aktuelles“ zu verbessern; hier sei die Anzeige der intern bereits vorhandenen Stichwortregister empfohlen. – 6.1.2019

684.  Ende der Steinkohleförderung in Deutschland  -  Ende der Markscheiderei unter Tage

            An diesem Freitag wird die letzte Steinkohlezeche Prosper-Haniel in Bottrop (Endteufe von 1 250 m) in großen kirchlichen und weltlichen Feierstunden (EU-Kommissionspräsident, Bundespräsident, NRW-Ministerpräsident, Regierungspräsident, Bischof, Pfarrer, Bürgermeister, Abgeordnete etc.) geschlossen. Am 17. August war bereits im Bergwerk Ibbenbüren „Schicht im Schacht“ (Endteufe von 1 545 m). Damit endet die Jahrhunderte lange Epoche des Steinkohlebergbaus in Deutschland – und damit endet auch die bergmännische vermessungstechnische Arbeit der Markscheider unter Tage.

            Jahrhunderte lang hat der Markscheider durch die untertägigen Messungen, die der Markscheidekunde allein eigentümlich sind, ein umfangreiches Kartenwerk zur Darstellung und Dokumentation des Grubenbildes besorgt. Von jedem Steinkohlebergwerk musste das amtliche Grubenbild im Maßstab 1:2 000 fortgeführt werden; es war die planerische Basis für die Erschließung der Kohlenlagerstätte, die Überwachung des bergmännischen Abbaus und die Grubensicherheit. Die bergmännische Vermessung unter Tage war geprägt von schwierigen Schrägmessungen und Orientierungsmessungen. Vermessungspunkte und Halterungen der Hängetheodolite befanden sich überwiegend  an den Firsten der Stollen. Zur Übertragung der oberirdischen Orientierungen in das unterirdische Koordinatensystem des Bergbaubetriebes waren spezielle Schachtlotungen notwendig; später auch nordweisende Kreiseltheodolite. Das Vermessungstechnische Museum in Dortmund besitzt einige markscheiderische Messinstrumente, u. a. auch einen Kreiseltheodolit. Das 10. Symposium 2008 thematisierte den preußischen Bergbau im Ruhrgebiet (Band 37 Schriftenreihe des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum; Mitt. 220 und 233). Die Markscheidekunst wird beispielhaft im Deutschen Bergbau-Museum Bochum (DBM) der Öffentlichkeit präsentiert.

            Nicht beendet sind die markscheiderischen Arbeiten über Tage, die „auf ewig“ die Folgewirkungen des Kohleabbaus in den Revieren durch intensive Höhenmessungen überwachen und weiterhin auftretende Bergschäden analysieren und dokumentieren werden. Zudem werden die Markscheider künftig in die Aufgaben des anstehenden Strukturwandels der „Nach-Bergbau-Ära“ eingebunden bleiben (Beseitigung von Altlasten, Sanierung und Rekultivierung von Betriebsflächen, Nutzungsänderungen der Infrastruktur). Glück auf! - 21.12.2018

683.  Digitalisierung alter Bücher und Landkarten

            Alle reden von Digitalisierung  -  auch die Bibliotheken praktizieren sie! Vor zehn Jahren begann die Bayerische Staatsbibliothek München (BSB) mit der Digitalisierung der urheberrechtsfreien Bestände schwerpunktmäßig vom 17. bis Ende des 19. Jahrhunderts – ein entscheidender Meilenstein der Digitalisierungsstrategie der BSB. Heute, nach über zehn Jahren, bietet die BSB über zwei Millionen Bände und Zeitungsausgaben online an, jedermann rund um die Uhr, kostenfrei und von jedem Ort der Welt. Es ist der größte digitale Datenbestand aller deutschen Bibliotheken (neben der Staatsbibliothek zu Berlin (SBB-PK)); darunter befinden sich auch etliche Handbücher zur Vermessungsgeschichte und Landkarten; dies entspricht einem Datenvolumen von über 800 Terabyte. Eine virtuelle Ausstellung zeigt anlässlich des zehnjährigen Jubiläums einen kleinen und abwechslungsreichen Einblick in die digitalisierten Bücherbestände (http://bsb.bayern/10jahrebuecherinsnetz ).

            Vor zwanzig Jahren hatte die BSB mit unterstützender Finanzierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) als eines von zwei nationalen Digitalisierungskompetenzzentren das MDZ (Münchener DigitalisierungsZentrum) für den Aufbau einer Digitalen Bibliothek gestartet. Das MDZ bringt seither die reichhaltigen Bestände der BSB über spezielle Informationsportale ins Internet, darunter www.digitale-sammlungen.de und www.bavarikon.de, u. a. mit der Schedelschen Weltchronik und weiteren alten Landkarten (Bibliotheksmagazin 1/2018). – 16.12.2018

682.  Philipp Apians bayerische Landtafeln 1568

            Vor 450 Jahren vollendete Philipp Apian (1531-1589) die berühmten „24 bairischen Landtafeln“ im Maßstab etwa 1:140 000; die Holzschnitte fertigte Jost Amman (1539-1591) in Nürnberg an. Die Landtafeln sind eine Reduktion der Großen Karte Bayerns von 1563 im Aufnahmemaßstab 1:45 000. Neben der Darstellung der Landschaft beinhalten einzelne Tafeln auch Texte in lateinischer oder deutscher Sprache. Eine vollständige Faksimileausgabe aller 24 Tafeln samt der Übersichtskarte mit den 34 Wappen der bayerischen „Landstände“ brachte das Bayerische Landesvermessungsamt zum 400. Todestag Apians 1989 heraus.

            Die Druckstöcke sind seit Mitte 1993 im Bayerischen Nationalmuseum in München als Wandschmuck in einem für die Öffentlichkeit zugänglichen Raum zu sehen. Apians Kartenwerk erregte zur damaligen Zeit großes Aufsehen; kein anderes europäisches Land hatte etwas Vergleichbares aufzuweisen. Die „Landtafeln“ waren ein Musterprodukt der Topographie und Kartographie; sie blieben deshalb über 200 Jahre lang die Grundlage aller weiteren Landeskarten. Apian gilt deshalb als Begründer der bayerischen Topographie (Habermeyer, Landesaufnahme von Bayern, 1993; Torge, 2009). Eine Mappe der „Bayerischen Landtafeln“ ist als Nachdruck von 1889 durch den Nachlass von Uta Lindgren (1941-2017) in die Fachbibliothek des Förderkreises gelangt. – 9.12.2018

681.  200. Geburtstag von Karl Maximilian von Bauernfeind (1818-1894)

            Vor 200 Jahren wurde Karl Maximilian von Bauernfeind am 28. November 1818 in Arzberg in Oberfranken geboren. Er war seit 1868 Professor der Geodäsie an der Königlich Polytechnischen Schule (heute Technische Universität) in München. Seine besonderen Verdienste lagen in der Ausführung des bayerischen Landesnivellements und in grundlegenden Untersuchungen über die Refraktion in Bodennähe. Die Technische Universität München ehrt Persönlichkeiten, die sich durch besonderes Engagement um die Hochschule verdient gemacht haben, mit der Karl-Max-von-Bauernfeind-Medaille.

            Im Jahre 1846 legte Bauernfeind eine neue Theorie der Brückengewölbe vor, die lange Zeit anerkannt war. Fünf Jahre später 1851 erfand er das Dreiseitprisma, das so genannte Bauenfeind-Prisma, zum Abstecken von rechten Winkeln. 1856 erschienen seine „Elemente der Vermessungskunde“, die für Jahrzehnte zum Standardwerk der seinerzeit noch jungen Wissenschaft wurden.

            Als 1865 die Bayerische Gradmessungskommission gegründet wurde, leitete Bauernfeind das Bayerische Präzisions-Nivellement, das 1893 abgeschlossen wurde (siehe Mitt. 663) und erst 1957 durch ein neues Landesnivellement abgelöst wurde (Werkmeister 1943; Torge, 2009). – 28.11.2018

 

 

680.  Tobias-Mayer-Museum in Marbach neu eröffnet

            Die Stadt Marbach am Neckar hat ein neues Juwel erhalten: der neu eröffnete Erweiterungsbau des Tobias-Mayer-Museums in der Torgasse 13. Der herausragende Astronom, Kartograph und Mathematiker Tobias Mayer (1723-1762) ist auch den Vermessungshistorikern gut bekannt – durch seine astronomische Positionsmethode mit Hilfe von Monddistanzen und durch seine präzise Winkelmessung mit Hilfe des Repetitionsprinzips. Mayer ergänzte dazu einen Vollkreis mit einer Feststellvorrichtung, so dass mehrere Winkelmessungen hintereinander beobachtet und dadurch die Mesgenauigkeit erhöht werden konnte. Darüber hinaus war Mayer innovativ bei Fragen der Kartographie, des Festungsbaus und der Farbenlehre.

            Der Tobias-Mayer-Verein hat unter der Leitung von Prof. Dr. Armin Hüttermann in den vergangenen Jahren Mayers Geburtshaus in Marbach saniert und einen markanten Neubau angefügt; am 6. Oktober war die feierliche Einweihung des Museumsanbaus. Auf drei Geschossebenen sind Mayers vielfältige wissenschaftliche Leistungen an Hand einiger Exponate (Skizzen, Karten, Messinstrumente, Bücher, Globen, Videos) ausgestellt, darunter der Vollkreis „Astrolabium“, die „Mappa Critica“, der Mondglobus, die Werkbank des Kupferstechers Rainer Kalnbach (siehe Mitt. 671) und eine übergroße Tobias-Mayer-Collage des Wiener Künstlers Michael Fuchs, in dem die gesamte wissenschaftliche Lebensleistung von Mayer präsentiert wird. Der Vermessungsingenieur findet in diesem Museum eine kleine, aber feine Präsentation zur Winkelmessung und Ortsbestimmung – ein Besuch lohnt sich (Museumsführer 2018). – 17.11.2018

 

 

679.  Ende der Preußischen Landesaufnahme 1918/19

            Das Jahr 1918 brachte in mehrfacher Hinsicht schicksalhafte Ereignisse für das Deutsche Reich: mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Ende des deutschen Kaiserreichs kam auch das Ende der Preußischen Landesaufnahme (PrLA). Zwar blieb im Zuge der Demobilmachung des Deutschen Heeres die Preußische Landesaufnahme in ihrer alten Form unter dem Generalstab des Feldheeres, aber das Vorwort „Königlich“ wurde gestrichen und es begannen Überlegungen ihrer zukünftigen personellen Stärke. Im Oktober 1918 übernahm Generalmajor Georg Johannes Weidner (1865-1924) als letzter Chef die Preußische Landesaufnahme. In zahlreichen Denkschriften setzte sich Weidner unermüdlich für den Erhalt dieser zentralen Dienststelle ein, da nur durch eine straff organisierte Institution die Landesvermessungsnetze und – kartenwerke effektiv bearbeitet und fortgeführt werden könnten.

            Als im März 1919 das bestehende Heer aufgelöst und stattdessen die stark verkleinerte vorläufige Reichswehr geschaffen wurde, schied im September 1919 die Preußische Landesaufnahme aus dem militärischen Bereich aus und wurde unter dem Namen „Landesaufnahme, Zweigstelle Berlin“ eine zivile Reichsbehörde. Ihre Personalstärke betrug nach vormals 911 Personen nur noch 674 Personen. Die Leitung als Präsident übernahm Generalleutnant a. D. Weidner. Die Behörde erhielt am 11. Juli 1921 den Namen Reichsamt für Landesaufnahme (RfL) (Albrecht, Militärisches Vermessungs- und Kartenwesen, 2004; Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009). - 8.11.2018

 

 

678.  Der Förderkreis bei der INTERGEO in Frankfurt am Main

             Der Förderkreis war erneut bei der INTERGEO in Frankfurt am Main vom 16. bis 18. Oktober 2018 (siehe Mitt. 669) mit einem Stand vertreten und freute sich über zahlreichen Besuch. Neben jungen und älteren Interessierten kamen u.a. Prof Dr. Anatoly L. Okhotin, der Leiter des Departments "Mine surveying and Geodesy" an der „Irtusk National Research Technical University" und zugleich Präsident der „International Society for Mine Surveying". Als oberster russischer Markscheider-Kollege war er sehr beindruckt über unser Handbuch und erwarb es für seine „persönliche Weiterbildung".

            Für die weltweite FIG (Fédération Internationale des Géomètres) kam der designierte Präsident Prof. Dr. Rudolf Staiger (Hochschule Bochum). Er ist der Co-Autor der letzten revidierten Ausgabe der legendären Instrumentenkunde von Prof. Fritz Deumlich (1923-2005). Eine Reihe von Standbesuchern kam aus dem russischen Sprachraum, mit viel Interesse für Historie und Organisation des Vermessungswesens sowie der Entwicklung von Instrumenten. Hierbei waren die Namen Deumlich und Staiger immer wieder präsent. Weitere Besucher waren u. a. aus den Niederlanden aus dem Umfeld des „Katastermuseums in Arnheim (NL)", Kollegen aus den westlichen, östlichen und südlichen EU-Staaten. Aus Bahrain kam ein Interessierter, der sich beruflich und privat für "alte Karten“ und ihre Entstehung begeisterte.

            Unser Stand wurde erneut von Jürgen Lagoda aus Duisburg betreut, assistiert wie ebenfalls schon eine Reihe von Jahren von Dmitri Diener aus Hannover. In diesem Jahr bekamen beide hilfreiche Unterstützung durch Horst Völker aus Wiesbaden. Er ist Experte für Theodolitbaugeschichte und sorgte mit zwei historischen Kleininstrumenten für einen zusätzlichen besonderen Blickfang. Dieses Team am Stand wurde sehr intensiv und begeistert unterstützt von Altpräsident Harald Lucht und Präsident Peter Mesenburg sowie vom stellvertretenden Vorsitzenden Ulf Meyer-Dietrich im Rahmen von dessen sonstigen Verpflichtungen.

            Harald Lucht war aus Bremen angereist und stellte seine Schrift „Erinnern heißt danken“ vor, ein Rückblick auf 15 Jahre aktuelles Bedenken und Begreifen von Vermessungsgeschichte, veröffentlicht als Band 43 der Schriftenreihe des Förderkreises. Im Umfang von 108 Seiten mit weit über 100 farbigen Fotos, fand der Band lebhaftes Interesse, ebenso wie auch frühere Bände aus der Schriftenreihe. Und er hatte besondere Freude, einen früheren Bekannten aus dem damaligen IfAG (Institut für Angewandte Geodäsie) zu begrüßen, der einst die Leipziger Kollegenschaft 1990 an das Frankfurter Institut herangeführt hatte, damals zu Zeiten des unvergessenen Direktors Professor Hermann Seeger (1933-2015), mit dem Lucht aus den Studienzeiten in Hannover befreundet war.

            Insgesamt war der Förderkreis bei der INTERGEO ein Teil des „Global Hub of the Geospatial and Community" und konnte ein internationales Publikum über seine Ziele und über die technikgeschichtlichen Anfänge und insbesondere über die Entwicklungen im Bereich des Vermessungs- und Katasterwesens aufklären. Zusätzlich kamen interessante Angebote zur Erweiterung unserer Studiensammlung und Fachbibliothek aus Nachlässen und Auflösung von Beständen aus Behörden und sonstigen Institutionen. – 30.10.2018

 

 

677.  Jakob Köbels Calendarium Romanum Magnum 1518

            Vor 500 Jahren verlegte Jakob Köbel (Kobel, Kobelius, um 1462-1533) in Oppenheim 1518 die Schrift „Calendarium Romanum Magnum“ von Johannes Stöffler (1452-1531); sie enthielt  einen Vorschlag zur Kalenderreform. Johannes Stöffler war Astronom, Mathematiker, Astrologe, gefragter Hersteller von Himmelsgloben und astronomischen Instrumenten. Er war der erste Professor für Astronomie an der Universität Tübingen.
            Jakob Köbel war Protonotar/Stadtschreiber von Oppenheim und in dieser Funktion auch amtlicher Feldmeister, Eichmeister, Holzschneider und Buchdrucker. Als humanistischer Gelehrter war Köbel vielseitig gebildet. Er war zu Lebzeiten hoch angesehen; sein Zeitgenosse
Sebastian Münster (1488-1552) erwähnte ihn lobend in seiner „Cosmographie“. Die Werke Köbels waren beliebt und verbreitet; sie wurden oft verlegt und nachgedruckt, u. a. die „Geometrey. Von künstlichem Feldmessen …„ von 1535. – 15.10.2018

 

676.  Geodäsie  -  ein Exzellenzcluster der Universität Bonn 2018

            Am 28. September 2018 fiel eine für die Geodäsie an der Bonner Universität wichtige Entscheidung: mit sechs Exzellenzclustern ist Bonn der erfolgreichste deutsche Universitätsstandort der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern. Und die Bonner Geodäten unter der Leitung von Prof. Dr. Heiner Kuhlmann sind mit dabei; er ist einer der beiden Sprecher des Bonner Exzellenzclusters „PhenoRob – Robotik und Phönotypisierung für nachhaltige Nutzpflanzenproduktion“. Hierzu bringen die Geodäten ihr Wissen ein, wie man mit neuen Messtechniken das Pflanzenwachstum beobachten und dadurch besser analysieren, verstehen und gezielt behandeln kann.

            Die Kooperation der Geodäten mit Informatikern und Agrarwissenschaftlern in Bonn ist einzigartig und in dieser Form an keinem anderen Standort verfügbar. Das Ziel des Forschungsprojekts, das über sieben Jahre mit mehreren Millionen Euro pro Jahr gefördert wird, besteht darin, die heutige Landwirtschaft effizienter zu machen, neue Erkenntnisse über Pflanzenwachstum zu gewinnen und den Einsatz von chemischen Hilfsmitteln zu vermeiden. Geodäsie mit Zukunft – herzlichen Glückwunsch an die Geodäten der Bonner Universität! – 4.10.2018

675.  Adam Ries, Rechnen auf der Linien 1518

            Vor fünfhundert Jahren veröffentlichte der im sächsischen Annaberg wirkende Rechenmeister Adam Ries (1492-1559) sein erstes Rechenbuch „Rechnung auff der Linien“ 1518 in Erfurt; es war für Anfänger und Erwachsene bestimmt, die nicht schreiben konnten und es erlebte weitere drei Auflagen 1525, 1527 und 1530. Darin beschreibt er an Hand praktischer Beispiele das alte Rechenverfahren „auf der Linie“ mit dem Abakus (Rechenbrett).
            In seinem zweiten Buch „Rechnen auf den Federn“ (1522) erklärt er das neue schriftliche Rechnen mit
indisch-arabischen Zahlen (mit Ziffern von Null bis Neun!) im Gegensatz zum seinerzeit weit verbreiteten Kopfrechnen und mit römischen Ziffern. Das Rechnen im Dezimalsystem setzte sich nur langsam durch, da es auf eine Reihe handfester Widerstände stieß. So konnte das Abakus-Rechnen auch durch Lese- und Schreibunkundige ausgeführt werden. Außerdem benötigte man dazu nicht das sehr teure Papier. Der Vorteil des Dezimalsystems schlug sich vor allem in den Handelskontoren und Rechenstuben der städtischen Kaufleute durch, denn die neuen Ziffern eigneten sich zum Rechnen und zur Buchführung.
            Sein drittes Buch „Rechnung nach der lenge …“ von 1525/50 diente der Gewandtheit und Schnelligkeit der Rechenprozesse. So bekannt ein Rechenergebnis
nach Adam Riese jedem Menschen auch ist und so klug und gebildet er auch gilt, so war er aber doch kein kreativer Mathematiker, denn seine Stärke lag im didaktischen Aufbau seiner Bücher: Vom Leichten zum Schweren, vom Einfachen zum Zusammengesetzten, von der Anschauung zum Begriff! Deshalb wurde Adam Ries zum volkstümlichen Rechenmethodiker des 16. Jahrhunderts. Sein Andenken wird in Annaberg durch das Adam-Ries-Denkmal von 1893 (restauriert 1992), den Adam-Ries-Bund und das Adam-Ries-Museum bewahrt (Petra Feuerstein, Von Euklid bis Gauss, 1989; Willy Roch, Adam Ries, 1992). – 14.9.2018

674.  Briefmarkenmotive zu Geodäsie und Kartographie

            In den Mitteilungen 618 und 628 wurde bereits ausführlich auf die Vielfalt an Briefmarkenmotiven mit Bezug zur Geodäsie und Kartographie sowie auf die BDPh-Arbeitsgemeinschaft „Vermessung – Landkarten – Entdeckungsgeschichte der Erde“ aufmerksam gemacht. Hierzu hält Klaus Vogt, Leipzig, am 20. September 2018 um 17 Uhr bei der DGfK-Sektion Mittelrhein im Dienstgebäude von Geobasis NRW (ehemals Landesvermesssungamt NRW, Muffendorfer Str. 19-21, Bad Godesberg) einen Vortrag „Briefmarken mit Landkartenmotiven (sind nicht immer harmlos)“. Schwerpunkt seiner Ausführungen sind die kolonialen Weltreiche, Gebietsstreitigkeiten in Südamerika und Gebietsansprüche auf Territorien in der Antarktis.

            Wer mehr über diese interessanten fachlichen Markenmotive erfahren möchte, dem sei die Webseite „Geodäsie in der Philatelie“ unseres Mitgliedes Markus Wydera empfohlen; dort kann man einen reichhaltigen philatelistischen Streifzug durch die Geschichte und Gegenwart der Geodäsie unternehmen: http://www.wydera.de/vermessung/index.html. - 14.9.2018

673.  Der Hochmoselübergang 2018 -  Lückenschluss und Stabilität

            In diesen Wochen ist der Lückenschluss auf der Baustelle Hochmoselübergang B 50 geglückt. Der VDV-LV Rheinland-Pfalz (Leitung: Hans Brost) hatte am 7. September 2018 zu einer Baustellenbesichtigung eingeladen. Nach einer ausführlichen Vorstellung des Brückenprojekts durch Manfred Silwanus (Ingenieurbau) vom Landesbetrieb Mobilität in Trier und Martin Jentes (Vermessung) konnte die Brücke in voller Länge begangen werden. Die Hochmoselbrücke ist das Herzstück einer 25 Kilometer langen Verbindung zwischen dem Autobahnkreuz Wittlich in der Eifel und dem (provisorischen) Anschluss zur alten Straße B 50 bei Longkamp im Hunsrück; das Projekt hat eine strukturpolitisch herausragende Bedeutung und zählt zu den wichtigsten großräumigen Verkehrsbauten bundesweit, was auch die lange Planungszeit seit den 1970er Jahren erklärt. Die Planfeststellungsbeschlüsse ergingen im Jahr 2000, der Baubeginn war 2009.
            Die Stahlbalkenbrücke selbst ist 1 700 Meter lang, ruht auf 10 Betonpfeilern und wurde nach 13 Vorschubphasen in bis zu 160 Meter Höhe nach fünf Jahren „geschlossen“. Eine Herausforderung an Mensch, Technik und Material – eine Präzisionsarbeit bei Zuschnitt und Transport der einzelnen vorgefertigten Stahlsegmente, bei Einbau und Verschweißen der Hohlkästen auf dem Vormontageplatz „Hunsrück“ zu einem Brückenschuss und beim phasenweisen Vorschub des Stahlüberbaus mit Hilfe eines rund 80 Meter hohen Pylons auf dem vorderen Überbau der Brücke.

            Die Präzision der Vermessungsingenieure ist insbesondere bei der Überwachung von kritischen Bauzuständen herausgefordert, u. a. durch Beobachtung von geodätischen Kontrollnetzen und durch satellitengeodätisches Monotoring. Besondere Überwachungsmaßnahmen sind bei einigen hangunsicheren Pfeilerbauten erforderlich, bei denen geologisch bedingte Kriechverformungen vermutet worden sind. Diese Hangüberwachung dauert weiterhin an, um die Stabilität der Pfeiler auf Dauer zu gewährleisten (Info Zeitung Hochmoselübergang, Sommer 2018). - 11.9.2018

672.  „Meridian Gotha“  -  Ausstellung zur Landesvermessung in Thüringen um 1800

            Unter dem Titel „Meridian Gotha. Zur Triangulation und Vermessung Thüringens um 1800“ findet vom 10. September bis 28. Oktober 2018 im Schloss Friedenstein in Gotha eine Sonderausstellung statt. Veranstalter sind die Forschungsbibliothek Gotha und das Forschungszentrum Gotha der Universität Erfurt, die jährlich die „Gothaer Kartenwochen“ organisieren. Dadurch sollen die geodätischen und kartographischen Traditionen Gothas der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bedeutendstes Zeugnis dieser Tradition ist die Sammlung Perthes, die aus dem Firmenarchiv des Verlages Justus Perthes Gotha hervorging.
            Die Ausstellung „Meridian Gotha“ thematisiert die astronomischen und geodätischen Aktivitäten des Gothaer Herzogs
Ernst II. (1745-1894) und seines Astronomen Franz Xaver Freiherr von Zach (1754-1832) in den Jahren 1786 bis 1805 sowie die Königlich-Preußische Landesaufnahme der thüringischen Lande (Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen) von 1851 bis 1857. Der Titel spielt auf die präzise Meridianbestimmung des Passageinstruments in der Sternwarte Seeberg vor den Toren von Gotha an. Zach erkundete und vermarkte eine Basislinie, die als Grundlage einer Landesvermessung Thüringens und einer ersten Gradmessung auf deutschem Boden dienen sollte, die aber den preußisch-französischen Kriegswirren 1806 zum Opfer fiel (Torge, Geschichte der Geodäsie, 2009).
            Anlässlich der Eröffnung der „Kartenwoche“ am 10. September 2018 hält unser Mitglied Prof. Dr. Wolfgang Torge einen Vortrag zum Thema „Erd- und Landesvermessung wachsen zusammen – Der deutsche Beitrag zur Geodäsie im 19. Jahrhundert“ (www.gotha3.de). Zudem treffen sich am 11./13. Oktober 2018 das
Kartographiehistorische Colloquium (siehe Mitt. 658) und am 13./14. Oktober 2018 der Freundeskreis für Cartographica (in der Stiftung preußischer Kulturbesitz, SBB-PK) in Gotha. – 8.9.2018

671.  Besuch des Tobias-Mayer-Vereins im Vermessungstechnischen Museum in Dortmund

            In diesem Sommer besuchte der Tobias-Mayer-Verein aus Marbach am Neckar das Vermessungstechnische Museum in Dortmund. Nach einer kurzen Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden Ingo von Stillfried übernahm der Mitreisende Manfred Spata die fachkundige Führung durch die Schausammlung. Die Teilnehmer der Reisegruppe (unter der Leitung des Vereinsvorsitzenden Prof. Dr. Armin Hüttermann) waren beeindruckt von der Breite der fachlichen Themendarstellung rund um die Vermessung. Wussten sie doch vom Wirken des Tobias Mayer (1723-1762), dass er sich in seiner Jugend in Esslingen vermessungstechnisch betätigt hatte und später als berühmter Kartograph der Offizin Homanns Erben in Nürnberg präzise Kartenentwürfe bearbeitet hatte.

            Die Studienreise bot über fünf Tage eine Fülle an geodätisch-astronomischen Höhepunkten im norddeutschen Raum. Die erste Station war Duisburg, wo u. a. die archäologische Ausgrabung und Sicherung des alten Mercatorhauses eingesehen (siehe Mitt. 668) und das Stadthistorische Museum, die Salvatorkirche und der Mercatorbrunnen vor dem Rathaus besucht werden konnten.
            Weitere Stationen waren der Nachbau der alten
Sternwarte Lilienthal „Telescopium Lilienthal“ bei Bremen (siehe Mitt. 157, 578) des Johann Hieronymus Schroeter (1745-1816), der Geburtsort Lüdingworth bei Cuxhaven und der Sterbeort Meldorf/Kreis Dithmarschen (Dithmarscher Landesmuseum) des berühmten Orientreisenden Carsten Niebuhr (1733-1815), einem Schüler von Tobias Mayer in Göttingen. Niebuhr war der erste, der die von Mayer entwickelte Methode der Monddistanzen auf dem Festland zur Bestimmung der geographischen Länge auf seiner Orientreise anwandte und dabei ein Winkelmessinstrument von Mayer benutzte.
            In Schleswig wurde der
Gottorfer Riesenglobus besichtigt – von außen wie von innen! Der begehbare Riesenglobus (siehe Mitt. 152) ist seit 2005 in einem kleinen Gartenhaus des Gottorfer Schlosses 2005 wiederaufgebaut worden. Das technische und kartographische Wunderwerk von 1650/64 war kriegsbedingt als ein „Geschenk“ für Zar Peter 1713 nach St. Petersburg gebracht worden; es befindet sich heute im Lomonossow Museum.
            In Hitzacker an der Elbe hatte die Reisegruppe Gelegenheit, den letzten noch lebenden Kupferstecher des Deutschen Hydrographischen Instituts in Hamburg, Rainer Kalnbach, zu sprechen (siehe Mitt. 432); er war von 1950 bis 1992 als Kartograph am Seekartenwerk beschäftigt. Sein Handwerk des Kupferstichs ist auch dort, im heutigen
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), seit etlichen Jahren abgelöst worden durch digitale Kartenwerke. Seither ist der Kupferstich für die Kartenproduktion Geschichte!
            Den Schlusspunkt der Reise bildete Göttingen, wo den Spuren von Tobias Mayer (Alte Sternwarte und Wohnhaus Mayer) und seines Zeitgenossen
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799, Lichtenbergdenkmale) nachgegangen werden konnte. Der krönende Abschluss der informativen Tage fand im „besten Cafe der Welt“ auf der Weender Straße statt, direkt gegenüber dem Wohnhaus des Bremer Arztes und Astronomen Heinrich Wilhelm Olbers (1758-1840). – 27.8.2018

670.  Einführung des Metermaßes im Norddeutschen Bund 1868

            Vor 150 Jahren wurde mit der „Maaß- und Gewichtsordnung für den Norddeutschen Bund“ vom 17. August 1868 das französische Metermaß erstmals in deutschen Staaten gesetzlich eingeführt. Im Artikel 1 hieß es kurz und bündig: „Die Grundlage des Maaßes ist das Meter oder der Stab, mit dezimaler Theilung und Vervielfachung.“ Die alternative Bezeichnung „Stab war seinerzeit ein Ellenmaß in Frankreich und der Schweiz; dieser Name konnte sich in Deutschland nicht durchsetzen. Der Artikel 2 konkretisierte: „Als Urmaaß gilt derjenige Platinstab, welcher im Besitze der Königlich Preußischen Regierung sich befindet.“ Als Prototyp diente ein Platinmaßstab, der 1817 durch Vermittlung des Naturforschers Alexander von Humboldt nach Preußen gelangte und 1863 neu kalibriert worden war. Mit Wirkung vom 1. April 1872 war dieses Metermaß für alle Staaten des Deutschen Reiches verbindlich.

            Die Internationale Meterkonvention, zu deren zwölf Gründungsmitgliedern Deutschland gehörte, veranlasste 1875 im Anschluss an das Archivmeter in Paris die Herstellung von weiteren 30 Strichmaßstäben aus Platin-Iridium mit besonderem X-förmigen Querschnitt; die Nummer 18 erhielt die Physikalisch-Technische Reichsanstalt in Berlin (Wittstock, Rechts- und Verwaltungsvorschriften Grundsteuerkataster, 2001; Werkmeister, Lexikon Vermessungskunde, 1943).

            Mit der „Bekanntmachung, betreffend die Verhältniszahlen für die Umrechnung der bisherigen Landesmaaße und Gewichte in die durch die Maaß- und Gewichtsordnung für den Norddeutschen Bund festgestellten neuen Maaße und Gewichte“ vom 13. Mai 1869 lagen die notwendigen Umrechnungstabellen für die Land- und Feldmesser vor. Damit entfielen insbesondere für das Vermessungswesen die dezimal unterteilte rheinländische Rute (= 3,766 242 m) und der Magdeburger Morgen (= 2 553,224 m2 zu 180 Ruten); beide Maße waren durch die „Preußische Maaß- und Gewichts-Ordnung“ vom 16. Mai 1816 in allen preußischen Ländern gesetzlich vorgeschrieben worden und beruhten auf dem rheinländischen Fuß (= 0,313 85 36 m). An die Stelle der bisherigen üblichen Messketten von 5 Ruten Länge trat das 20 Meter lange Stahlmessband. Weitere ältere Längenmaße waren u. a. 1 badischer Fuß (= 0,300 000 m), 1 bayerischer Fuß (= 0,291 859 m), 1 braunschweigischer Fuß (= 0,285 362 m), 1 hannoverscher Fuß (= 0,292 095 m), 1 sächsischer Fuß (= 0,283 19 m) und 1 württembergischer Fuß (= 0,286 490 m) (Ziegler, Rheinländischer Fuß, PTB-TWD, 1999; Spata, Preußischer Fuß, VDVmagazin, 2017). – 17.8.2018

669.  INTERGEO 2018 in Frankfurt am Main
            Die diesjährige INTERGEO vom 16. – 18. Oktober 2018 in Frankfurt am Main steht unter dem Motto „Wissen und Handeln für die Erde“. Unter www.intergeo.de ist das gesamte Fachprogramm der Messe und des Kongresses abrufbar. Zentrale Themen sind die Digitalisierung rund um BIM (Building Information Modeling), Smart Citiy Solutions, Interaerial Solutions (Drohnen-Monitoring). Zu den interessanten Exkursionen gehören eine Führung durch das höchste Hochhaus, den Commerzbank-Tower, eine Fahrt über das Rollfeld am Frankfurter Flughafen sowie ein Besuch des Kontrollzentrums der Europäischen Weltraum-Organitsation (European Space Agency, ESA).
            Auch der Förderkreis ist wieder in der Halle 12.1 auf dem Stand 12.1A.016 zu finden. In bewährter Weise nimmt Jürgen Lagoda die Standleitung wahr; er wird unterstützt wie in den letzten Jahren von Dmitri Diener, in diesem Jahr auch von Horst Völker. Am Messe-Mittwoch wird auch Ingo von Stillfried anwesend sein. Der Stand liegt in der Nähe des Verbändestandes von DVW, DDGI etc. und des VDV-Standes.
            Neben der Präsentation der verschiedenen Publikationen (Museumshandbuch, Schriftenreihe etc.) sind die Kollegen gerne auch Ansprechpartner für Anfragen aller Art zu vermessungsgeschichtlichen Fragen oder instrumentellen Angeboten. Sie freuen sich über regen Besuch von Förderkreis-Mitgliedern und Interessierten der Vermessungs- und Kartengeschichte. – 13.8.2018

668.  Das Mercatorhaus in Duisburg lebt wieder auf!

            Der alte Standort des Mercatorhauses in der Duisburger Oberstraße ist seit einiger Zeit nicht nur durch Quellen, sondern auch archäologisch vor Ort bekannt. Dort schuf der berühmte Kartograph, Kosmologe, Instrumentenbauer und Vermesser Gerhard Mercator (1512-1594) seine Kartenwerke und dort entwickelte er seine Gedanken zur biblischen Schöpfungsgeschichte, zum Aufbau der Himmelssphäre und zur Gestalt der Erdkugel mit ihren Kontinenten, Meeren und Inseln.

            Die Bürgerstiftung Duisburg hat es sich nun zum Ziel gesetzt, gemeinnützig, engagiert und mit tatkräftiger Unterstützung der Duisburger Stadtgesellschaft das historische Mercatorhaus wieder zu errichten. Eine Projektgruppe überreichte bereits im Juni 2014 eine Planung zum Nachbau des Mercatorhauses und seiner früher angrenzenden Gebäude, die ergänzt werden sollen durch einen Neubau. Das Gebäudeensemble soll für Kultur und Bildung offen stehen und von Bürgern wie Wissenschaftlern genutzt werden können; es soll auf einem 26 Tausend Quadratmeter großen Gelände mit dem Namen „Mercatorviertel“ entstehen. Die Machbarkeitsstudie ist einsehbar unter www.buergerstiftung-duisburg.de.

            Jede Unterstützung ist sehr willkommen, auch von Seiten der Geodäten und Kartographen und auch unseres Förderkreises Vermessungstechnisches Museum; unser Vorstandsmitglied Jürgen Lagoda hält den Kontakt (siehe Mitt. 640). Derzeit sind die archäologischen Sicherungsmaßnahmen abgeschlossen und die baurechtlichen Planungen sind angelaufen. Die Teilnehmer einer Studienreise des Tobias-Mayer-Vereins (Marbach, Leitung Prof. Dr. Armin Hüttermann) hatte kürzlich Gelegenheit, den archäologischen Befund des alten Mercatorhauses vor Ort eindrucksvoll zu erleben und den Sachstand des Aufbaus zu erfahren. - 9.8.2018

667.  Ende des Vermessungswesens in den deutschen Schutzgebieten vor einhundert Jahren

            Die Reichsregierung bezeichnete die deutschen Besitzungen in Übersee bis 1918 amtlich als „Schutzgebiete“. Deren Verwaltung war Reichsangelegenheit und fiel in die Zuständigkeit der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes, aus welcher sich das Reichskolonialamt entwickelt hatte. Auch das Vermessungswesen in den Schutzgebieten war Reichsangelegenheit und wurde vom Reichskolonialamt wahrgenommen. Die örtliche Ausführung erledigten i. a. verpflichtete Landmesser, aber auch abkommandierte Offiziere der Schutztruppe oder der Armeen der Bundesstaaten. In Deutsch-Südwestafrika stellte 1904 die Preußische Landesaufnahme den „Kaiserlichen Feldvermessungstrupp“ auf. Zur topographischen Aufnahme einer Übersichtskarte erfolgte eine Triangulation sowie eine deutsch-englische Grenzmeridian-Triangulation. Hieraus erwuchs der seinerzeit moderne Vorschlag des Landmessers Heinrich Böhle von 1909, für die Kolonialvermessung ein 3 Grad breites Meridianstreifensystem der Gauß-Abbildung zu Grunde zu legen, einem Vorläufer der späteren Gauß-Krüger-Koordinatensysteme.

            Die Preußische Landesaufnahme bildete 1908 eine „Sektion für Kolonial-Topographie“, die aus einer trigonometrischen und topographischen Gruppe bestand. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges war auch das Ende des „Kriegs-Vermessungswesens“ und auch der Kolonialvermessung besiegelt (Albrecht, Militärisches Vermessungs- und Kartenwesen, 2004; Hafeneder, Kolonialkartographie, 2008). -  31.7.2018

666.  Bayers Beginn der geodätischen Arbeiten 1818 in Koblenz

            General Johann Jakob Baeyer (1794-1885) gehört zu den großen deutschen Geodäten des 19. Jahrhunderts. Vor zweihundert Jahren begann im Jahre 1818 seine geodätische Laufbahn, da er als junger preußischer Sekondelieutenant der rheinischen Landwehr zum Topographischen Bureau in Koblenz kommandiert wurde. Dort wurde General Friedrich Carl Ferdinand von Müffling (1775-1851) auf ihn aufmerksam und weckte in ihm das Interesse an der Landesvermessung, u. a. an Aufnahmearbeiten der Lecoq-Karte von Nordwestdeutschland. Die praktischen Vermessungsarbeiten der „Küstenvermessung“ (1837-1847) und des „Trigonometrischen Hauptnivellements“ (1835) begründeten seinen internationalen Ruf als großen Geodäten. In mehreren Denkschriften entwickelte er seine Forderungen nach einheitlichen geodätischen Grundlagen für alle Vermessungen in Deutschland, darunter den „Entwurf zur Anfertigung einer guten Karte von den östlichen Provinzen“ 1851 und den Entwurf einer „Mitteleuropäischen Gradmessung“ 1861 (Albrecht, Militärisches Vermessungs- und Kartenwesen, 2004; Hafeneder, Militärisches Geowesen Deutschlands, 2004).- 22.7.2018

665.  „Feldgeschworene“ oder „Siebener“ sind „Immaterielles Kulturerbe“

            Das „Feldgeschworenenwesen in Bayern“ wurde im Dezember 2016 in das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen. Die „Feldgeschworenen“ oder „Siebener“ wachen seit Jahrhunderten über die Einhaltung von Grundstücksgrenzen; sie gingen aus den früheren Mark- und Feldgerichten des späten Mittelalters hervor und sind wohl das älteste kommunale Ehrenamt in Bayern. Von zentraler Bedeutung ist das „Siebenergeheimnis“, womit die unterirdische Markierung der Grenzen durch geheime Zeichen aus Metall, Glas oder Ton gemeint ist; das Vermessungstechnische Museum besitzt eine kleine Sammlung dieser Feldzeichen (siehe Mitt. 105). Das Siebenergeheimnis darf nur mündlich an den Nachfolger weitergegeben werden und muss zeitlebens bewahrt werden; darauf müssen die Feldgeschworenen auch heute noch einen Eid ablegen. Der Ausdruck „Siebener“ entstand, weil früher in der Regel sieben Feldgeschworene einer Gemeinde bestellt waren. Da die Feldgeschworenen besonderes Vertrauen genießen, tragen sie zum friedlichen Zusammenleben in den Gemeinden bei – auch im Zeitalter der modernen Satellitenvermessung.

            In Bayern gibt es im Abmarkungsgesetz von 1981 eine besondere Regelung der rund 24 000 Siebener, davon rund 15 000 in Franken. Dieses Ehrenamt auf Lebenszeit wurde Jahrhunderte lang nur ehrenwerten Männern anvertraut, seit 1981 üben auch Frauen das angesehene Amt des Feldgeschworenen aus. Frau Jutta Massl ist die erste weibliche Siebenerin der Feldgeschworenengemeinschaft (FG) Landkreis und Stadt Fürth; inzwischen gibt es in Bayern etwa 50 Siebenerinnen.

            Bei Langenzenn gibt es ein Siebener-Freilandmuseum, das alte Grenzsteine zeigt und darstellt, wie man früher Grenzen anlegte und sicherte; desweiteren gibt es seit Oktober 2015 ein Siebener-Museum im Alten Markgrafenschloss in Neustadt/Aisch (200 Jahre Bayerische Vermessungsverwaltung, 2001; Jutta Massl, Feldgeschworene, 2016). – 12.7.2018

664.  1938: Vogels Karte von Deutschland in 1:500 000 mutiert zur amtlichen Luftverkehrskarte

            Vor achtzig Jahren, also ab 1938 wurde Vogels Karte von Deutschland im Maßstab 1: 500 000 vom Reichluftfahrtministerium zur „Luftnavigationskarte“ umgestaltet und als amtliche Fliegerkarte herausgegeben; sie wurde bis 1945 laufend gehalten.

            Vogels „Karte des Deutschen Reiches“ in 1:500 000 beruht auf der Bonneschen Abbildung; die einzelnen Blätter sind Rechtecke. Das Privatkartenwerk wurde bei Justus Perthes in Gotha hergestellt, in 27 Blatt 1893 vollendet. Die Vervielfältigung geschah in sechs Farben: Grundriss schwarz, Bergstriche braun, Gewässer blau, Wälder graugrün, Täler grün, Grenzen rot. Die Druckplatten für die Farben waren in Kupferstich hergestellt. Autor des Kartenwerkes ist der Kartograph Carl Vogel (1828-1897), der im Verlag Justus Perthes mehrere Karten bearbeitete, u. a. die berühmt gewordene Karte von Deutschland (Werkmeister, Lexikon der Vermessungskunde, 1943; abc Kartenkunde, 1983).

            Der Eratosthenes-Preisträger Rudolf Hafeneder (1943-2013, siehe Mitt. 495) hat in seiner militärhistorischen Schrift „Überblick über das Militärische Geowesen Deutschlands im 19. Und 20. Jahrhundert“ 2004 ausführlich die Entwicklung der deutschen Fliegerkarten geschildert. – 2.7.2018

663.  Beginn von Präzisionsnivellements in deutschen Ländern 1868

            Vor 150 Jahren begann 1868 das erste Präzisionsnivellement in Württemberg, ausgeführt von der Königlich Württembergischen Kommission für die Europäische Gradmessung, abgeschlossen 1885. Für sämtliche Höhenfestpunkte wurden NN-Höhen berechnet. Daran schlossen sich die Versicherungsnivellements der Eisenbahnverwaltung an sowie die Höhennetze II. und III. Ordnung im Zusammenhang mit der Landeshöhenaufnahme 1:2 500 des Statistischen Landesamtes.
            Das erste Preußische Landesnivellement dauerte von 1868 bis 1894 und umfasste das Gebiet von ganz Norddeutschland und die Hohenzollernschen Lande, ausgeführt vom Büro der Landestriangulation. Die Bayerische Kommission für die Europäische Gradmessung bearbeitete ebenfalls seit 1868 Anteile des Feinnivellements in Bayern sowie für die Rheinpfalz. Weitere deutsche Länder folgten mit ihren Nivellementarbeiten (siehe Scheel / Mohr, Landesvermessung, 1978). – 24.6.2018

662.  Benzenbergs Buch „Ueber das Cataster“ vor 200 Jahren veröffentlicht

            Im Jahre 1818 erschien anlässlich der Gründung der Bonner Universität erstmals das zweibändige Werk „Ueber das Cataster“ vom Düsseldorfer Naturwissenschaftler, Geodäten und Publizisten Johann Friedrich Benzenberg (1777-1846) . Das 1. Buch behandelt die „Geschichte des Catasters“, das 2. Buch die „Verfertigung des Catasters“; eine zweite Auflage erschien bereits 1824. Einige der wichtigsten Grundsätze für den Aufbau eines Katasters gelten auch heute noch: „Beim Cataster ist die Hauptsache, daß es fertig werde; dann zweitens, daß es genau werde“ sowie „Die Aufstellung eines genauen Catasters ist die größte statistische Unternehmung, welche in einem Staate kann begonnen werden und vielleicht die schwierigste der ganzen Verwaltung“. Benzenberg beeinflusste damit die späteren preußischen Kataster-Instruktionen von 1819 und 1822; auf diesen Instruktionen gründet sich die Entwicklung des Rheinisch-Westfälischen Urkatasters bis zum heutigen modernen, inzwischen Automatisierten Liegenschafskataster (ALK).

            Benzenbergs Buch wurde von Helmut Minow 1996 in der Schriftenreihe des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum als Band 24 im Verlag Chmilorz in Wiesbaden in einer gekürzten Fassung neu herausgegeben (siehe Mitt. 96, 254 und 622). – 18.6.2018

661.  Maria Reiche und die Nasca-Linien in Peru

            Am 8. Juni 2018 jährt sich zum zwanzigsten Mal der Todestag der deutschen Nasca-Forscherin Maria Reiche (1903-1998). Sie hatte über vier Jahrzehnte die geheimnisvollen Nasca-Geoglyphen, Bodenzeichnungen riesiger Dimensionen, an der Südküste Perus systematisch untersucht. Dabei standen ihr zur Aufmessung der Linienfiguren nur die damals herkömmlichen Instrumente Messband, Sextant, Kompass und Theodolit zur Verfügung. Sie entdeckte immer mehr Figuren (geometrische und Tierfiguren, darunter Kolibri, Affe, Spinne, Wal, „Astronaut“, Spiralen, Dreiecke, Parallelen etc.), kartierte sie und deutete die Linien im Zusammenhang mit astronomischen Ereignissen; aber letztlich blieb ihr eine Entschlüsselung der Nasca-Linien versagt. Heute hält ein kleines Museum in ihrer ehemaligen Wohnhütte bei Nasca die Erinnerung an die passionierte Forscherin fest; ihr schlichtes Grab befindet sich gleich neben dem Museum.
            In den vergangenen Jahren hat das Deutsche Archäolgische Institut gemeinsam mit der ETH Zürich in dem
Projektverbund Nasca-Palpa die Kulturgeschichte der Nasca-Region (um 3800 vor Chr. bis etwa 1530 nach Chr.) intensiv erforscht, darunter auch die Geoglyphen mit modernen photogrammetrischen Methoden aus der Luft (Drohnenkamera und GPS) sowie die Kultstätten, Siedlungen und Gräber mit archäologischen Grabungen. Es wurde lange Zeit darüber spekuliert, warum die Nasca-Menschen diese zahlreichen Zeichnungen, die großenteils nur aus der Luft voll erkennbar sind, in den Boden geritzt haben. Heute erklären die Forscher diese Linien als Wege für kultische Prozessionen und Handlungen, als Überreste von Fruchtbarkeitsritualen.
            Auf Betreiben von Maria Reiche wurden die Jahrtausende alten Geoglyphen, die größten archäologischen Rätsel in Südamerika, von der UNESCO 1994 als „Linien und Bodenzeichnungen von Nasca und Pampa de Jumana“ zum Weltkulturerbe erklärt. Die
Bundeskunsthalle in Bonn zeigt vom 10. Mai bis 16. September 2018 in einer großartigen Ausstellung „NASCA im Zeichen der Götter“ die aktuellen Entdeckungen aus der Nasca-Wüste Perus. Darin sind zwei beeindruckende 3D-Visualisierungen der Geoglyphen von Nasca und Palpa zu sehen. – 8.6.2018

660.  200 Jahre Landesvermessung Württemberg 1818-2018

            Am 25. Mai 1818 wurde per Kgl. Dekret die Katasterkommission gebildet und mit der Durchführung der Landesvermessung im Königreich Württemberg beauftragt; die Aufgabenbereiche gliederten sich in Haupttriangulation, Sekundärnetz, Detailtriangulierung und Detailafnahme. Endziel des Projekts war die Ermittlung der steuerbaren Erträge. Als Direktor der Katasterkommission wurde der Steuerrat Ferdinand August Heinrich Weckherlin (1767-1828) berufen; die organisatorische Leitung hatte der Vermessungsdirigent und Ingenieur-Geograph Franz von Mittnacht (1781–1849).

            Die wissenschaftliche Beratung lag beim Tübinger Prof. Johann Gottlieb Friedrich Bohnenberger (1765-1831), der im selben Jahr die „Charte von Schwaben“ im Maßstab 1:86 400 in 60 Blättern herausgab, an deren Aufnahme er mit dem schwäbischen Landesgeometer Ignaz Ambros von Amman (1753-1840) seit 1795 gearbeitet hatte; hierüber hat Prof. Eberhard Baumann auf der Mitgliederversammlung 2018 in Dortmund einen Vortrag gehalten (siehe Mitt. 647). Im Jubiläumsjahr 2018 finden verschiedene Veranstaltungen statt, in denen die Leistungen der 200 Jahre andauernden Vermessung gewürdigt werden (siehe Veranstaltungsprogramm des Landesamtes für Geoinformation und Landentwicklung). – 25.5.2018

659.  ZDF-Fernsehfilm „Randbezirk“ von 1963

            Bereits in den Mitteilungen 598 und 621 hatte Harald Lucht auf die Web-Seite http://www.vermesser-literatur-und-filme.de/ des Osnabrücker Kollegen Mario Heuts aufmerksam gemacht. Darin ist eine Fülle an vermessungshistorischen Bezügen in der Belletristik und im Film zusammengetragen worden. Nun macht Heuts darauf aufmerksam, dass der ZDF-Fernsehfilm „Randbezirk“ von 1963 zwar seither nicht mehr im deutschen Fernsehen gezeigt worden ist, aber jetzt als DVD-R für private Zwecke für 40 Euro bezogen werden kann. Der Film „Randbezirk“ beruht auf dem Hörspiel „Die Grenze“ von Benno Meyer-Wehlack von 1955 und schildert die Arbeit eines Vermessungstrupps beim Aufsuchen, Teilen und Aufmessen eines Katastergrundstücks am Rande von Berlin. Wer Interesse an diesem berufsnostalgischen Film (Länge 52 Minuten) hat, der möge sich bei der ZDF Service GmbH in Mainz (Mail: Schuetz.T@zdf-service.de) um eine DVD bemühen – gute Unterhaltung! – 17.5.2018

658.  19. Kartographiehistorisches Colloquium 2018 in Gotha

            Die Kommission „Geschichte der Kartographie“ der Deutschen Gesellschaft für Kartographie (DGfK), die D-A-CH-Arbeitsgruppe für Kartographiegeschichte sowie die Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt laden zum 19. Kartographiehistorischen Colloquium vom 11.-13. Oktober 2018 in Gotha ein. Ziel der Kommission ist es, alle zwei Jahre an wechselnden traditionellen Zentren der Kartographie die Colloquien als Umschlagplatz kartographiehistorischer Forschung (Vorträge, Berichte und Diskussionen) und als Präsentationsforum (Postermarkt) zu organisieren.
            Das Colloquium findet im Spiegelsaal der Forschungsbibliothek (ehemals Verlag Perthes) auf Schloss Friedenstein statt. Das komplett erhaltene Kartenverlagsarchiv (Sammlung Perthes) bietet mit ihrem Kartenbestand, der Fachbibliothek und ihrem Firmenarchiv in weltweit nahezu einzigartiger Kombination die Möglichkeit, den verlagsgeschichtlichen Hintergrund mit seinen wirtschaftlichen Implikationen und die kartographische Genese von Karten und Atlanten ab dem frühen 19. Jahrhundert zu erforschen. Der Tagungsbeitrag kostet 100 Euro (einschließlich Tagungsband); Informationen bei dem Kommissionsleiter Dr. Markus Heinz (SBPK Berlin, Mail:
kartographiegeschichte@sbb.spk-berlin.de) und bei Dr. Petra Weigel (Forschungsbibliothek Gotha, Mail: petra.weigel@uni-erfurt.de); Anmeldung von Vorträgen und Poster-Beiträgen bis 15. Mai 2018 (Info-Blatt D-A-CH 2018). – 7.5.2018

657.  Neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) – auch für den Förderkreis

            Am 25. Mai 2018 löst die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) das bisherige Bundesdatenschutzgesetz ab. Innerhalb der EU soll damit der bestehende „Flickenteppich“ an Gesetzen in den einzelnen Mitgliedstaaten abgeschafft werden. Ziel der EU ist es, dass die personenbezogenen Daten besser geschützt werden und die Betroffenen mehr Kontrolle über die eigenen Daten erhalten. Alle Menschen ab 16 Jahre müssen künftig um Einwilligung gefragt werden, bevor deren personenbezogenen Daten verarbeitet werden dürfen. Dazu zählen vor allem Name, Postadresse, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum, Kontoangaben sowie Informationen zur wirtschaftlichen oder kulturellen Identität. Vorgesehen ist nun auch das „Recht auf Vergessenwerden“ in Internetmedien und Datenbanken; danach können Betroffene die Berichtigung, Einschränkung sowie Löschung von Daten verlangen. Auch für unseren Förderkreis Vermessungstechnisches Museum ist die neue EU-DSGVO von Belang und sie wird in angemessener Weise umgesetzt werden. – 2.5.2018

656.  Als Geodäten noch mechanisch rechneten – das Arithmeum in Bonn

            Das Geodätische Kolloquium der Universität Bonn bietet am Donnerstag, den 14. Juni 2018 um 16 Uhr c.t. im Hörsaal XVI des Instituts für Geodäsie und Geoinformation, Nußallee 17, einen geodäsiehistorischen Vortrag von Frau Prof. Dr. Ina Prinz an: „Als Geodäten noch mechanisch rechneten – die Entwicklung des maschinellen Rechnens vom 17. bis zum 20. Jahrhundert“. Frau Prinz ist Leiterin des Arithmeums, das zum Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik der Bonner Universität gehört.
            Das
Arithmeum beherbergt die weltweit umfassendste Sammlung historischer Rechenmaschinen und präsentiert die Höhepunkte der Geschichte des mechanischen Rechnens in ästhetisch ansprechendem Ambiente. Die Symbiose von Wissenschaft, Technik und Kunst im Arithmeum ist nicht zufällig, sondern gewollt. Hier finden die Geodäten alle ihre langjährigen Rechenhilfsmittel, vom Logarithmenstäben über die mechanischen Rechenmaschinen, die elektronischen Taschenrechner bis zur großen Zuse-Rechenanlage (siehe Mitt. 347.) – das Arithmeum ist also ein hochinteressanter Ort für die Geschichte der Rechenkunst – und damit auch der Geodäsie. – 29.4.2018

655.  Technikwunder des Mittelalters – 550 Jahre Tiergartentunnel Blankenheim

            In diesem Jahr feiert der Tiergartentunnel in Blankenheim in der Eifel sein 550jähriges Jubiläum, eine der schwierigsten Ingenieurleistungen nördlich der Alpen aus der Zeit des Mittelalters. Neben einer interessanten Ausstellung finden viele weitere Veranstaltungen, Lesungen sowie geführte Wanderungen statt. Unser Mitglied und Träger des „Goldenen Lotes“ Prof. Dr. Klaus Grewe ist Mitorganisator dieser Aktivitäten. Die SonderausstellungWasser für Burg Blankenheim – Ein Technikwunder des Mittelalters und seine Wiederentdeckung – 1468-2018“ im Eifelmuseum hat er maßgeblich mitkuratiert. Die Ausstellung, erläutert in Bildern und Originalexponaten die Ergebnisse der seit 1997 laufenden Forschungen an der Wasserleitung zur Burg Blankenheim. Sodann werden die Sehenswürdigkeiten der Tiergartentunnel-Wanderung gezeigt, u. a. eindrucksvolle Reste der Wasserleitung mit Druckweiher, Quellfassung, Druckleitung und Tunnel, desweiteren Abschnitte der Römerstraße Köln – Trier, Hügelgräber, Alteburg, Hängebuche und vieles mehr. Diese Ausstellung macht Spaß auf Technikgeschichte vor Ort, bei der die präzise Lage- und Höhenmessung nicht zu kurz kommt. Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, den 17. Juni 2018 um 11 Uhr; Ausstellungsende ist am 27. Oktober 2018 (Programmheft,  www.blankenheim.de). – 18.4.2018

654.  Müller-Denkmal im Park von Haus Martfeld in Schwelm restauriert

            In einer kleinen Feierstunde gedachten die Heimatfreunde des Vereins für Heimatkunde Schwelm e. V. am 12. April 2018 an Pastor Friedrich Christoph Müller (1751-1808) anlässlich der Restaurierung seines Denkmals im Park von Haus Martfeld. Müller gilt immer noch als der berühmteste Bürger dieser Stadt; unvergessen sind seine Talente und Verdienste als Astronom, Geodät und Kartograph. Seine astronomische Ortsbestimmung 1787 auf seiner Beobachtungsstation, sein trigonometrisches Netzen der Grafschaft Mark 1789/90 und seine Zechenkarte des Ruhrreviers 1788 waren Pionierleistungen der preußischen Kartenaufnahme. Es sei daran erinnert, dass der Vorstand (Leitung Prof. Harald Lucht) und das Kuratorium (Leitung Prof. Wolfgang Torge) des Förderkreises vor zehn Jahren im August 2008 im Haus Martfeld zusammen trafen und das Müller-Denkmal würdigten (siehe Mitt. 257).
            In den letzten Wochen erfuhr das Müller-Denkmal eine gründliche Pflege. Im Anschluss an die Feier im Park hielt unser Kuratoriumsmitglied und ausgewiesener Müller-Experte Manfred Spata im Haus Martfeld einen Bildvortrag „Das Müller-Denkmal im Park von Haus Martfeld“. Pastor Müller würde sich gewiss freuen über das große Interesse, das seiner Person und seinem wissenschaftlichen Wirken immer noch und immer wieder entgegen gebracht wird. Müller ist ein dauerhafter Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses der Schwelmer Kultur- und Stadtgeschichte, aber auch der Vermessungs- und Kartographiegeschichte. – 12.4.2018

653.  Zum 150. Geburtstag von Prof. Dr. Max Eckert(-Greifendorff)  (1868-1938)

            Am heutigen Tag jährt sich zum 150. Mal der Geburtstag des Geographen und Kartentheoretikers Friedrich Eduard Max Eckert; er wurde 1868 in Chemnitz geboren und starb 1938 in Aachen. Eckert studierte Geographie und Volkswirtschaftslehre in Leipzig und promovierte mit dem Thema „Das Kartenproblem, die Geschichte seiner Lösung“. Als junger Assistent schrieb er auf Grund seiner Erfahrungen mit den Übungen zur Kartographie 1898 den „Neuen Methodischen Schulatlas“, der bis 1923 über 70 Auflagen erfuhr. Nach seiner Habilitation 1903 an der Universität Kiel erhielt er 1907 den Ruf auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Kartographie und Wirtschaftsgeographie an der Technischen Hochschule Aachen. Dort wirkte er bis zu seiner Emeritierung 1935. Eckert setzte sich intensiv für die Anerkennung der Kartographie als Wissenschaft ein.
            Als Wirtschaftsgeograph stieß er auf das Problem der Abbildung der gesamten Erdoberfläche. Sein zweibändiges Hauptwerk „Die Kartenwissenschaft“ erschien 1921/25, darin erörterte er Stand und Entwicklung der kartographischen Theorie und Methode und entwickelte sechs neue
Erdkartenprojektionen (bereits 1906 veröffentlicht). Mit diesem Werk wurde Eckert zum anerkannten Begründer der Kartographie als Wissenschaft. Neben seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit engagierte er sich auch in der akademischen Selbstverwaltung und um studentische soziale Belange; so war er Vorsitzender des „Vereins Studentenwerk Aachen“ und 1920 Initiator der Mensa in Aachen.
            Das fachliche Lebenswerk von Max Eckert wird getrübt durch seine nationalistischen Auffassungen; er war ein überzeugter Anhänger einer völkisch-rassischen Geographie und der NS-Ideologie, wenn auch kein NSDAP-Mitglied; so unterzeichnete er 1933 als einziger Aachener Hochschullehrer eine „Erklärung von 300 Hochschullehrern für Adolf Hitler“ und bekannte sich offen zum „Führer des neuen Deutschlands“. Eckert nannte sich seit 1934 nach dem Herkunftsort seines Großvaters Eckert-Greifendorff, er wurde in Löbau/Sachsen begraben. In Aachen ist eine Straße nach ihm benannt (Kretschmer, Lexikon zur Geschichte der Kartographie, 1986;
Wikipedia/Max Eckert-Greifendorff). – 10.4.2018

652.  275 Schropp Land & Karte GmbH in Berlin
            Welche private oder amtliche vermessungstechnische oder kartographische Institution kann auf solch ein langes Bestehen verweisen? Das 275jährige Firmenjubiläum bezeugt die Gründung des Kartenverlags Schropp im Jahre 1742, als Simon Schropp vom preußischen König Friedrich II. die Erlaubnis erhielt, mit Landkarten in Berlin zu handeln. Aus diesem Anfang entwickelte sich eine dauerhaft erfolgreiche Kartenproduktion, die von vielen bekannten Kartographen geschaffen wurde, u. a. von Daniel Friedrich Sotzmann (1754-1840), Daniel Gottlob Reymann (1759-1837) und Heinrich Berghaus (1797-1884). Einige der wichtigsten Karten preußischer Länder und Städte wurden von Schropp verlegt und vertrieben. Ein weiteres Kennzeichen des Verlags war die enge Kooperation mit ausländischen Verlagen, insbesondere Artaria in Wien und Picquet in Paris.
            Nach 1945 gelang im zerstörten Berlin ein mühevoller Neuanfang mit Globen, Atlanten, Stadtplänen und Landkarten; desweiteren halfen Schulwandkarten über die schwere Zeit hinweg. Heute stehen Reise- und Wanderkarten aller Art für ganz Europa sowie neuerdings digitale Kartenangebote im Fokus des Vertriebs (
www.landkartenschropp.de). Darum ist es kein Wunder, daß Schropp im Jahr 2012 vom Magazin BuchMarkt in der Sparte „Spezialbuchhandlung“ als „Buchhandlung des Jahres“ und im Jahr 2016 von Monika Grütters, der Staatsministerin für Kultur und Medien, als „Hervorragende Buchhandlung“ mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet wurde. Damit wurde nicht nur das überwältigende Angebot honoriert, das durch viele Abendveranstaltungen rund um Reisen und Landkarten ergänzt wird, sondern auch die stets freundliche und qualifizierte Beratung in den schönen Räumen an der Hardenbergstraße in Berlin. Im Rahmen des 65. Deutschen Kartographie-Kongresses und der Intergeo 2017 in Berlin (siehe 634.) hatte die Staatsbibliothek zu Berlin (Kartenabteilung der SBB-PK) eine kleine, aber feine Kartenausstellung organisiert, worin eine aussagekräftige Auswahl der Schropp-Produkte der Öffentlichkeit präsentiert wurde (www.landkartenschropp.de/275-Jahre-Schropp). – 10.4.2018

651.  Vor 60 Jahren Start des Satellitennavigationssystems Transit, vor 40 Jahren erster GPS-Satellit im Orbit, vor 10 Jahren zweiter Galileo-Testsatellit im Orbit

            Ab 1958, also vor 60 Jahren, hatte die US-Marine das weltweit erste Satellitennavigationssystem Transit entwickelt; es wurde durch das System GPS ersetzt und lief Ende 1996 aus. Am 22. Februar 1978 startete der erste GPS-Satellit vom Vandenberg-Startplatz mit einer Atlas F-Rakete in eine Umlaufbahn in 20 200 km Höhe; damit begann das US-amerikanische militärische Projekt NAVSTAR GPS (Navigational Satellite Timing and Ranging – Global Positioning System) seinen bis heute andauernden erfolgreichen und folgenreichen technischen Siegeszug (www.wikipedia/GPS-Technik). Die unerwartet zahlreichen zivilen GPS-Anwendungen haben unser gesellschaftliches Zusammenleben, aber auch unser geodätisches Berufsleben signifikant verändert. Im Herbst 1983 fand die erstmalige Anwendung der GPS-basierten satellitengeodätischen Positionierung in der deutschen Landesvermessung statt; in Zusammenarbeit mit der Firma GEOsat in Mülheim/Ruhr legte das Landesvermessungsamt NRW (Dipl.-Ing. Walter Lindstrot) das erste GPS-Netz in der Nordeifel an. Es diente dem Sammeln von Erfahrungen bei der Netzanlage, Beobachtung und Auswertung der zeitlich auf vier Stunden pro Tag begrenzten GPS-Signale mit den vier Empfängern Macrometer V1000 (von denen ein Exemplar das Vermessungstechnische Museum in Dortmund besitzt). Die 3D-Ergebnisse bezogen sich damals noch auf das System WGS 72 (World Geodetic System 1972), die mittels Helmert-Transformation in das Koordinatensystem des DHDN überführt werden mussten (Spata/Lindstrot, NÖV NRW, 1995). In den Folgejahren verdrängten die GPS-Messungen immer mehr die herkömmlichen terrestrischen Netzbeobachtungen in der Landesvermessung, später auch in der Ingenieur- und Katastervermessung. Inzwischen sind das russische System GLONASS (Satellitenstart 1982), das chinesische System BeiDou (Satellitenstart 2007) und das europäische System Galileo (Satellitenstart 2005) hinzu gekommen – der geodätische Himmel hängt voller Satelliten.

              Der zweite Galileo-Testsatellit GIOVE-B wurde am 26. April 2008, also vor 10 Jahren, vom Kosmodrom Baikonur gestartet; am 7. Mai 2008 sendete er die ersten hochgenauen Navigationssignale. Mit beiden Testsatelliten begann eine langjährige europaweite Testphase. Bis Ende 2017 gelangten 22 der vorgesehenen 30 Satelliten in den Orbit, davon derzeit 17 aktiv. Die noch fehlenden Satelliten sollen bis Ende 2019 in ihre Umlaufbahn gebracht werden (www.wikipedia/Galileo). Die meisten aktuellen GNSS-Empfänger sind heute in der Lage, neben GPS und GLONASS auch Galileo zu empfangen.
            Die Deutsche Geodätische Kommission (DGK) in München hat den dritten bundesweiten Tag der Geodäsie am 9. Juni 2018 unter das Motto „Galileo – ein Vermessungssystem revolutioniert den Alltag“ gestellt. Alle interessierten Geodäten können sich hier durch eigene Projekte und Maßnahmen beteiligen (nähere Hinweise auf der Webseite
https://dgk.badw.de/veranstaltungen.html; Mail: post@dgk.badw.de). – 2.4.2018

650.  „Analog bis digital – der Freistaat Bayern in Karten“ – Wanderausstellung der bayerischen Vermessungsverwaltung

            Der Freistaat Bayern feiert in diesem Jahr sein 100jähriges Bestehen als Freistaat und sein 200jähriges Bestehen als Verfassungsstaat, wahrlich ein stolzes Gedenken (wenn auch nicht ohne vereinzeltes Unrechtshandeln des Staates). Aus diesem Anlass hat die bayerische Vermessungsverwaltung (Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, LDBV) eine Wanderausstellung auf den Weg gebracht, die nach Nürnberg nun auf zweiter Station im Landratsamt Ostallgäu vom 12. März bis 13. April 2018 in Marktoberdorf zu sehen ist (www.ostallgaeu.de). Die weiteren Ausstellungsorte sind Landshut, Schweinfurt, Neumarkt/Oberpfalz, Hof und München. Die Ausstellung umreißt die bayerische Geschichte aus dem Blickwinkel von Vermessung und Kartographie. Beginnend bei der ältesten Gesetzessammlung der Bajuwaren, der „Lex Baiuvariorum“, die bereits Grenzstreitigkeiten regelt, über das Feldgeschworenenwesen, die topographische Landesaufnahme und die Aufnahme des Katasters im heutigen Bayern. Erstmalig wird die Ausstellung durch ein interaktives Besucherinformationssystem digital begleitet. Dadurch erhält der Besucher zusätzliche Texte und Bilder zu den Exponaten für Smartphone oder Tablet, ohne Installation einer zusätzlichen App. Mit dieser informativen Ausstellung wechselte der Fachminister Markus Söder in die Staatskanzlei. Der Eintritt ist frei; weitere Informationen findet man unter www.geodaten.bayern.de (Pressemitteilung LDBV vom 12. März 2018).

            Nun ist die bayerische Vermessungsverwaltung nochmals älter als die angezeigten Jubiläen; denn bereits 2001 feierte sie ihr 200jähriges Bestehen. Es hieß damals stolz, das Bayerische Landesvermessungsamt sei eine der ältesten und zugleich eine der modernsten Behörden Bayerns. Am 19. Juni 1801 hatte der Kurfürst Maximilian IV. Joseph, der spätere König Max I., mit dem Topographischen Bureau nach französischem Vorbild den Grundstein für die bayerische Landesvermessung gelegt (200 Jahre Bayerische Vermessungsverwaltung – Es ist ein Maß in allen Dingen, München 2001). – 24.3.2018

 

 

649.  Künstlerische Gestaltung des geographischen Mittelpunkts von Nordrhein-Westfalen in Dortmund-Aplerbeck

            Die Stadtverwaltung Dortmund weiß seit Jahren um die besondere Ehre, im Stadtteil Aplerbeck den geographischen Mittelpunkt von Nordrhein-Westfalen zu besitzen. Denn bereits 1981 hatte die WDR-Redaktion „eff-eff“ den Mittelpunkt bestimmt und vor Ort an einer öffentlich zugänglichen Stelle durch einen Stein mit einer Messingtafel vermarkt. Diese wurde prompt nach wenigen Tagen gestohlen und seither mangelt es an einer neuerlichen diebstahlsicheren Markierung des NRW-Mittelpunktes. Im selben Jahr 1981 hatte Manfred Spata im Landesvermessungsamt NRW die WDR-Mittelpunktbestimmung im Koordinatensystem des DHDN bestätigt; der korrekte Punkt fällt in ein enges Wohngebiet in Aplerbeck und war dort für eine öffentliche Markierung ungeeignet. Jedoch berichtete der WDR anlässlich des 60jährigen Jubiläums des Landes Nordrhein-Westfalen ausführlich über diese geographische Besonderheit (siehe Aktuelles/Archiv 141; Spata, NÖV NRW, Heft 3, 2008, S. 49).

            Eine aktuelle Mittelpunktberechnung im Koordinatensystem des ETRS89 besorgte 2016 Burckhardt Ahrens in der Bezirksregierung Köln, Geobasis NRW auf der Grundlage eines digitalen Landesgrenzpolygons aus dem Sekundärdatenbestand ALKIS. Ahrens bestätigte, dass die ETRS89-Lösung und die DHDN-Lösung unter Berücksichtigung der Genauigkeiten der jeweiligen Datengrundlagen und der System-Berechnungsansätze übereinstimmen (Ahrens, NÖV NRW, Heft 2, 2016, S. 76-79).
            Diese neue Mittelpunktbestimmung möchte nun der Aplerbecker Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel in Zusammenarbeit mit dem Katasteramt Dortmund und Geobasis NRW nutzen, um solch einen Punkt auf frei zugänglichem städtischen Grundstück für die Bürgerschaft „erlebbar und begehbar zu machen“. Es wurde daher ein Wettbewerb ausgerufen, an dem Künstler bis zum 30. Juni 2018 Gelegenheit haben, ihre künstlerische Lösung für die Gestaltung des Mittelpunktes bei der Stadtverwaltung Dortmund einzureichen. Eine Jury wird die Entwürfe sichten und einen Sieger bestimmen; diesem winkt eine Siegprämie von 1 000 Euro; für die Gestaltung stehen 15 000 Euro bereit. Falls ein Vermessungsingenieur sich berufen fühlt, für diesen Landesmittelpunkt eine künstlerische Gestaltung beizusteuern, der möge sich an dem Wettbewerb beteiligen. Vorschläge für eine Skulptur sind zu richten an: Bezirksverwaltungsstelle, Mittelpunkt NRW Kunstwerk, Aplerbecker Marktplatz 21, 44287 Dortmund; E-Mail:
bvst-aplerbeck@stadtdo.de (Ruhr-Nachrichten Dortmund vom 6. März 2018, Jörg Bauerfeld; SZ vom 3. April 2018, S. 6, Christian Wernicke).  - 15.3.2018

 

 

648.  13. Internationale Atlas-Tage 2018 in Dresden

            Die 13. Internationalen Atlas-Tage finden vom 21.-22. April 2018 in Dresden statt. Diese Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der TU Dresden und dem Leibniz-Institut für Ökologische Raumentwicklung unter der Leitung von Norbert Schöpf (Dresden) und Jürgen Espenhorst (Schwerte) statt. Hier treffen sich Sammler und Fachleute der Kartographie, insbesondere der Atlanten, aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz und aus den USA, um sich über ihr schönes Hobby auszutauschen. Im Zentrum stehen Vorträge am 21.4.2018 zur Kartographie im Grenzraum von Sachsen, Böhmen und Schlesien, gefolgt von einer Bücherbörse am 22.4.2018, auf der kartographische Objekte ausgestellt und getauscht werden können. Man kann auch an einem vorlaufenden Workshop (19.-20. April) teilnehmen; hier werden unter der Anleitung von Prof. Dr. Wolf Günther Koch (Dresden), Joachim Klein (Dresden) und Manfred Spata (Bonn) die drei Themenbereiche Rezensionen (Literaturrecherche zu Atlas-Produkten nach 1800), Kalter Krieg (Beeinflussung der Kartographie im Kalten Krieg in West und Ost) und Schlesien (kartographische Produkte aus Schlesien zwischen 1800 und 1945) behandelt. Tagungsort: Leibniz-Institut, Weberplatz 1, Dresden (www.ioer.de); Anmeldung und Information: Jürgen Espenhorst, Villigster Straße 32, D-58239 Schwerte; E-Mail: pan@schwerte.de; Tel.: 023 04-72 284. – 8.3.2018

 

 

647.  Mitgliederversammlung 2018 in Dortmund

            Zur diesjährigen Mitgliederversammlung am 19. Februar 2018 (siehe 642.) konnte Präsident Prof. Dr. Peter Mesenburg in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund eine große Zahl an Mitgliedern und Freunden des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V. begrüßen. Den Vereinsregularien vorgeschaltet waren zwei abwechslungsreiche Fachvorträge. Zuerst berichtete der neue Eratosthenes-Preisträger Dr. Markus Rembold, Schwelm, über seine preisgekrönte Dissertation „Die Anerkennung und Feststellung von Grundstücksgrenzen – Ein Beitrag zur Entwicklung des Liegenschaftskatasters im Lande Nordrhein-Westfalen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“. Dabei spannte er über 200 Jahre Grundstücksregelungen einen weiten Bogen vom Allgemeinen Landrecht (ALR) über die Godesberger Instruktionen 1818/22, die preußischen Katasterfortführungsanweisungen, zum Reichsgerichtsurteil von 1910 bis zu den fein austarierten Deutungen einer privatrechtlichen Grenzanerkennung im Innenministerium des nach 1946 neu gebildeten Bundeslandes NRW. Danach berichtete Prof. Dr. Eberhard Baumann, Stuttgart, von seinem großen Forschungsprojekt „Johann Georg Friedrich Bohnenberger und seine Nachfolger“. Er schilderte die herausragende astronomische, geodätische und kartographische Begabung des Tübinger Professors und Leiters der württembergischen Landesvermessung.

 

Die anschließende Mitgliederversammlung leitete in bewährter Manier der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried. Zu Beginn sprach der Hausherr, der Museumsdirektor Dr. Jens Stöcker, ein paar Begrüßungsworte zur Versammlung. Dabei hob er hervor, dass das Museum ab 2020 für mehrere Jahre geschlossen, total ausgeräumt sowie brandschutzgerecht und klimatechnisch ertüchtigt werden muss; auch die Schausammlung Vermessungsgeschichte ist hiervon betroffen. Nach der Umbauzeit steht ein Behinderten- und Kinder-gerechter Neuaufbau an, bei dem zum Einen die Nutzung der digitalen Medien eine Herausforderung sein werden wie auch eine mehr kontextuelle Präsentation statt Schwerpunktthemen wie die Vermessungsgeschichte. Dr. Stöcker forderte die Geodäten auf, sich dieser großen Kraftanstrengung zu stellen und bei der Neukonzeption in den kommenden Jahren offen mitzuwirken.

 

Der Vorsitzende berichtete vom Kauf eines seltenen, über 200 Jahre alten Bordakreises aus der Londoner Werkstatt Troughton, den er der Versammlung stolz zeigen konnte. Der Gebrauch und die Provenienz dieses Kreises ist bisher noch nicht geklärt. Nach den Berichten des Vorsitzenden, des Kassierers und der Kassenprüfer, die einen gesunden Kassenbestand bescheinigten, standen Wiederwahlen an. Im Vorstand wurden bestätigt die Herren Ingo von Stillfried (Vorsitzender) und Klaus Lehmann (Beisitzer). Ins Kuratorium gewählt wurden die Herren Manfred Gombel, Prof. Dr. Klaus Grewe, Dr. Hartwig Junius, Friedrich Vogel, Dr. Rolf Harbeck und Prof. Dr. Michael Scherer. Es folgte die Entlastung des gesamten Vorstands. Mit Bekanntgabe des Termins der nächsten Jahresversammlung (18. Februar 2019) schloss der Vorsitzende Ingo von Stillfried die Versammlung. – 2.3.2018

 

 

646.  Ein Wort zum Wechsel, Dank an Prof. Harald Lucht

            „Erinnern heißt danken“, unter diesem Leitspruch haben Sie, verehrter Herr Prof. Harald Lucht, fünfzehn lange Jahre von 2003 bis 2018 die „Aktuellen Mitteilungen“ dieses Internetauftritts des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum mit Leben erfüllt. Nach dem nun vollzogenen Wechsel in der Redaktionsarbeit ist es mir ein besonderes Anliegen, Ihnen für Ihre großartige Leistung als Chronist der Vermessungsgeschichte zu danken, sicherlich auch im Namen des Vereinsvorstandes und aller Mitglieder sowie auch im Namen der zahlreichen Besucher unserer Internetseite. Über diese vielen Jahre brachten Sie eine Fülle recht verschiedener Beiträge über Persönlichkeiten, Ereignisse, Veröffentlichungen und Veranstaltungen aus der weiten Welt der Vermessungsgeschichte sowie natürlich „aktuelle Mitteilungenaus dem Vereinsleben in Dortmund. Wir Leser haben gemerkt, aus welch tiefem vermessungshistorischen Wissen Sie dabei schöpfen konnten und mit wie viel Engagement Sie den einzelnen Themen nachgingen. Alles Gute für die Zukunft! – 28.2.2018

 

 

 Ältere Mitteilungen finden Sie auf unserer Seite " Aktuelles Archiv (Lucht 2003-2018)" auf dieser Homepage, siehe obigen Link

 

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