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Aktuelles
"Erinnern heißt danken" |
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Redaktion: Harald Lucht |
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Aktuelle
Mitteilungen - zurück zur Startseite - - zum Archiv (Aktuelles)- - zu den AVN-Nachrichtenblättern 16. Februar 2012 421.
Mitgliederversammlung 2012 und Eratosthenes-Preisverleihung
Präsident Harald Lucht
konnte am 13. Februar 2012 in der
Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund zahlreiche
Mitglieder und Gäste begrüßen, die trotz widriger Witterungsverhältnisse auch von weither
angereist waren, u.a. aus Erfurt, Dessau, Wiesbaden, Hannover,
Aachen. Museumsdirektor Wolfgang
E. Weick begrüßte die Teilnehmer und dankte besonders für die gute Zusammenarbeit
zwischen Museum und Förderkreis, wie sie durch die bevorstehende Mercator-Ausstellung einmal mehr
intensiviert worden sei. Er wünschte der Ausstellung eine gute Akzeptanz und
viel Resonanz und freute sich auf die Eröffnung am 9. März. Der Präsident verlieh dann zunächst
den mit 2.500€ dotierten Eratosthenes-Preis 2011 an Herrn Dr.-phil. dipl.ing. Martin Rickenbacher aus Bern mit der Urkunde im schon
traditionellen klassischen Feldbuchrahmen, und stellte den Preisträger kurz
vor. Geboren 1954, Diplom als
Kulturingenieur 1979, 1980 eidgenössisches Patent als Ingenieur-Geometer,
seit 1989 tätig im schweizerischen
Bundesamt für Landestopografie swisstopo, u. a. auch Leiter der AG Kartengeschichte der Schweizerischen Gesellschaft für
Kartografie. Martin Rickenbacher
erläuterte in seinem Vortrag hochinteressante Details aus seiner Dissertation
an der Universität Basel. Zu Beginn des 19.
Jahrhunderts waren bis 1815 beachtliche Teile der heutigen Schweiz durch französische Ingenieure vermessen worden. Der Preisträger
hat die damals modernen und angewandten
wissenschaftlichen Methoden aufgearbeitet
und darüber hinaus die dabei entstandenen Karten - es handelt sich weitgehend
um Originalzeichnungen - in französischen
Archiven aufgespürt und erstmals aus schweizerischer
Sicht erforscht, er stellt sie zugleich in einen europäischen Kontext. Die Arbeit ist eine umfassend recherchierte Dokumentation eines
hochinteressanten und ungewöhnlichen Kapitels französisch-schweizerischer Landesvermessung, zusätzlich eingebettet in die
geisteswissenschaftlichen Aspekte und die handelnden Persönlichkeiten jener
Zeit (Die Arbeit ist 2011 erweitert als Buch erschienen: Napoleons Karten der Schweiz, Landesvermessung als
Machtfaktor 1798 – 1815, hier und jetzt, Verlag für Kultur, ISBN
978-3-03919-196-3). Martin
Rickenbacher beendete seinen Vortrag mit einem besonderen Knüller: In
seiner Prüfung zum Ingenieur-Diplom kam abschließend die höchst überraschende
Frage, wer zuerst die Erde vermessen habe. Rein zufällig hatte er 3 Wochen
zuvor „im Bachmann“ über die
Erdvermessung von Eratosthenes
gelesen, konnte so brillant antworten – und erhielt die Bestnote. Jene
Geschichte runde sich für ihn heute mit der Verleihung des Eratosthenes-Preises! Er erhielt lang
anhaltenden Beifall. Das Stifterkollegium hatte
o.Prof. em. Dr.-Ing Dieter Lelgemann
vor dem Hintergrund seines reichen geodätisch-literarischen Wirkens den
erstmals verliehenen Eratosthenes-Ehrenpreis
zuerkannt. Dieter Lelgemann wurde
1939 in Essen geboren, nach
Ingenieurschule Essen und Studium
an der TU Berlin war er wiss.
Assistent bei Professor Moritz und
ist dort 1971 promoviert worden. 1975/76 Studienaufenthalt in den USA, habilitiert 1978 und seit 1985 Professor
für Astronomische und physikalische Geodäsie. – Harald Lucht überreichte Dieter
Lelgemann die ebenfalls klassisch-traditionell gerahmte Urkunde. Der Ehrenpreisträger hielt einen
engagierten Vortrag „Antike Messkunst“. Die Messkunst bildet die Verknüpfung
von Messtechnik und Angewandter Mathematik. Er ging besonders auf die
„antiken“ Wissenschaftler ein, die bereits grundlegende Forschungsergebnisse
erzielt haben, von Thales, Anaximandos, Pytheas über
u.a. Archimedes, Eratosthenes bis
zu Ptolemaios – in der praktischen
Interpretation ihrer Ergebnissen mit verblüffend hohen Genauigkeiten. Dieter Lelgemann überzeugte die
interessierte Zuhörerschaft durch eine eindrucksvolle Präsentation seiner
antiken Recherchen und Erkenntnisse.
Nach einer Kaffeepause mit ausführlicher Gelegenheit zum
Gedankenaustausch gab der Erste Vorsitzenden Ingo von Stillfried einen illustrierten Überblick über das
Geschäftsjahr und die geplanten Aktivitäten für das Jahr 2012. Die Homepage
erfreue sich wachsender Beliebtheit. (Siehe unsere Mitt. Nr. 418). Auch in der
INTERGEO sei der Förderkreis inzwischen mit einem eigenen Vortragsblock
integriert. Der Förderkreis habe wiederum für drei temporäre Ausstellungen
Exponate zur Verfügung gestellt. Daneben wurden für die Verfilmung des Buches
von Daniel Kehlmann
„Vermessung der Welt“ Instrumente zur Verfügung gestellt.
Das Geschäftsjahr wurde besonders geprägt durch die Vorbereitungen zur
Mercator-Ausstellung „500 Jahre Gerhard Mercator - vom Weltbild
der Renaissance zum Kartenbild der Moderne“. Die Ausstellung wird das
Leben und Wirken Mercators in seinen Werken zeigen und die besondere
Bedeutung vermitteln, die seine Arbeiten damals und bis heute hatten und
haben – für die Entwicklung der Kartographie, die Darstellung der Welt in
Atlanten und bis hin zu den modernen Navigationssystemen. Auf einer Fläche
von 750 m² werden über 300 Kartenblätter, 41 Globen, 32 Atlanten, 55
Instrumente, 12 Filme etc. präsentiert. Die Exponate stammen von 37 Leihgebern.
Zahlreiche Kollegen und weitere Aufbauhelfer sind in die Vorbereitung und
Durchführung eingebunden. Die Ausstellung wird maßgeblich finanziell
unterstützt von der Nordrhein-Westfalen-Kultur-Stiftung,
dem DVW-Landesverein NRW, dem VDV, dem BDVI NRW, der Dt. Gesellschaft
für Kartographie und einer Reihe von Firmen. Alle privaten Geldspender sollen im Rahmen
der Ausstellung in einer Spender-Ehrentafel
namentlich geehrt werden. Dafür ist ein Sonderkonto
bei der Sparkasse Dortmund (BLZ 440 501 99 Konto Nr. 911005166) eingerichtet.
Die feierliche Eröffnung findet am 9. März 2012 statt, die Ausstellung läuft
vom 10. März bis 10. Juni im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund. Der erste Vorsitzende
bittet für die Ausstellung zu werben und zu spenden und gibt einen
Vorgeschmack mit der Präsentation des begleitenden farbigen Katalogs (230
Seiten, reich illustriert). Im Katalog werden auch die Vorträge zum
vergangenen Symposium abgedruckt, sie vervollständigen die Kenntnisse über
Mercator. Außerdem sind zahlreiche begleitende Veranstaltungen zur
Ausstellung geplant (siehe www.mercator500.de). Für
die Schirmherrschaft konnte Prof.
Dr. Klaus Töpfer gewonnen werden.
– Hartwig Junius berichtete ergänzend, der Nachbau des Wiehen-Wagens
sei inzwischen weit fortgeschritten, er werde während der
Mercator-Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert (sieh auch Mitt. Nr. 415). Harald Lucht übergab
dem Museum einen „aufgeschnittenen“ Theodoliten, Geschenk von Dr. Dierk Hobbie (siehe Mitt. Nr. 419).
Die Instrumentensammlung ist um ca. 75 Instrumente und Geräte
angewachsen. Der Katalog weist nun rd. 1.600 Einträge auf. Die Suche nach
fachlicher Betreuung gestaltet sich weiterhin schwierig. Der Erste Vorsitzende
bedankt sich abschießend für die vielfältige Unterstützung, insbesondere bei
unserem Ehrenmitglied und Träger der Ehrenmedaille Manfred Gombel. Herr Gombel
wird mit einem langen herzlichen Applaus für die langjährige,
herausragende Arbeit geehrt. Ingo von
Stillfried wirbt nochmals eindringlich, für diese verantwortungsvolle und
spannende Aufgabe einen Nachfolger zu finden.
Der Präsident dankt besonders dem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried und den Kollegen
aus Dortmund für ihr mitreißendes
Engagement bei der Vorbereitung der deutschlandweit – jedenfalls für das
Vermessungswesen – einmaligen Ausstellung. Nach dem – wie stets – kompetenten
Kassenbericht des Schatzmeisters Franz
Gocke und dem Bericht der Kassenprüfer Burkhard Kreuter und Ingo Tiemann erfolgte auf Antrag von
Dr. Hartwig Junius die einstimmige
Entlastung des Vorstands.
Für eine Wiederwahl ins Kuratorium
werden die Herren Gombel, Dr. Grewe,
Hahn, Dr. Junius, Pfeifer, Schröder und Vogel für eine erneute Kandidatur vorgeschlagen.
Oberbürgermeister Sierau
verzichtet auf eine weitere Kandidatur, dafür kandidiert seitens der Stadt Stadtrat Martin Lürwer.
Weitere Kandidaten gibt es nicht. Die Kandidaten erklären ihre Bereitschaft
und werden en bloc einstimmig gewählt. Im Vorstand werden Ingo von
Stillfried, Norbert Kalischewski und Axel Kolfenbach einstimmig in den bisherigen Funktionen
wiedergewählt, ebenso Burkhard Kreuter
und Ingo Tiemann als Kassenprüfer.
Jürgen
Lagoda weist auf eine Ausstellung
„’Vorbilder’ vor Gerhard Mercator“ hin, die er zusammen mit Prof. Peter Mesenburg
konzipiert hat und die am 22. April eröffnet wird (Ort: Salvator-Kirche, Duisburg). Zudem plant das Bildungswerk des VDV ein Seminar mit dem Titel „Audienz bei Gerhard Mercator“. Die
nächste Mitgliederversammlung findet am 18. Februar 2013 statt. – 14./16.02.2012 420. „Last Call“ – Am kommenden Montag, den 13.
Februar 2012, findet die Mitgliederversammlung mit der Verleihung der
Eratosthenes-Preise in Dortmund statt. Mitglieder und Gäste sind herzlich
willkommen. Mehr siehe Mitt. Nr. 416 – 09.02.2012 419. Ein Hobbie-Jubiläums-Theodolit
aus Jena und Oberkochen via Bremen ins Dortmunder Vermessungsmuseum Ein hochherziges Geschenk durfte
der Präsident des Förderkreises des Vermessungstechnischen Museums und
Redakteur dieser Seite entgegennehmen: Dr.-Ing. Dierk Hobbie
übereichte am 30. Januar in Bremen
einen THEO 010 A aus dem Produktbereich „Geodätische Instrumente“ der Carl Zeiss Jena GmbH – doch es war
kein üblicher Theodolit, es war ein ganz besonderer, ein ungewöhnliches
Unikat: Mehrfach aufgeschnitten, das Innenleben von Fernrohr, Okular,
Teilkreisen sichtbar … Einst ein Geschenk zum 25-jährigen Dienstjubiläum im
Jahr 1993 an Dr.-Ing. Dierk Hobbie, seinerzeit in der Gesamtverantwortung
für den Geschäftsbereich Vermessung mit den drei Produktbereichen Geodäsie,
Photogrammetrie und Spezialsysteme (für die Aufklärung) bei CARL ZEISS in Oberkochen.
Das alles geschah in einer Zeit, als Ost-Zeiss-Jena und West-Zeiss-
Oberkochen darum rangen, wie eine gemeinsame Zukunft nach der
Wiedervereinigung aussehen sollte. 1995 dann waren die beiden Zeiss-Gesellschaften
wiedervereint und die Produktionsbereiche auf Jena (Geodäsie) und Oberkochen
(Photogrammetrie) verteilt. – 2001 wurde
im geodätischen Instrumentenbereich „aus Zeiss Trimble“ (vergl.
unsere Mitt. Nr. 291). Der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum in Dortmund dankt für dieses doppelt
wertvolle Präsent – aus persönlichen Besitz und aus einer Zeit großen
Umbruchs in ein neues Zukunftskonzept in der Zeiss-Firmengeschichte,
die Dierk Hobbie leitend mitgestaltet hat. Danach leitete er noch
mehrere Jahre den Geschäftsbereich Photogrammetrie in Oberkochen und
später das Vorstandsbüro von CARL
ZEISS. – Diesen so ganz besonderen
Theodoliten werden wir in der kommenden Mitgliederversammlung am 13.
Februar in Dortmund zeigen und in unsere Schausammlung im
Vermessungsmuseum aufnehmen. – 02.02.2012 418. Erneut hohes und weiter zunehmendes Interesse an unseren Seiten Die (anonymisierte) statistische
Auswertung der Besuche und Seitenaufrufe auf unserer Homepage zeigt ein
beständig weiter steigendes großes Interesse. 2011 hatten wir mit 33.765 Besuchen eine weitere Steigerung gegenüber
dem Vorjahr mit 31.600 (nach 18.600 in 2009). Die Seitenaufrufe stiegen ebenfalls weiter auf 48.600 in
2011 (nach 46.700 und davor 29.300). Diese Seite Aktuell zählte
2011 wieder 7.600
Aufrufe wie schon im Vorjahr, die Seite Aktuell-Archiv über
4.900 (nach 4000 in 2010). Faßt man
die beiden Seiten Aktuell +
Aktuell-Archiv zusammen, die beide zahlreiche Einzelaufrufe hatten, so
entfielen darauf über 12.000 Aufrufe im vergangenen Jahr 2011, also mehr als 1000 pro Monat. Dies zeigt ebenfalls das hohe
Interesse an vermessungshistorischen Ereignissen, Gedenktagen und Schriften,
worüber wir seit nunmehr rd. 9 Jahren auf diesen Aktuell-Seiten informieren.
Wir denken, damit auch insbesondere jüngere Besucherinnen und Besucher für
die Vermessungsgeschichte interessieren zu können. Interessant
erscheint auch „der Weg zu uns“. 56% sind
direkte Zugriffe, 27%
kommen von verweisenden Domains und 17%
über Suchmaschinen. Sicher sind auch Sie sehr oft dabei
gewesen! – 28.01.2012 417. Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Witte 75 Der Vorsitzende unseres
Kuratoriums o.Professor em. Dr.-Ing. Bertold
Witte vollendete am 17. Januar d. J. sein 75. Lebensjahr – Vorstand und Kuratoriumsmitglieder
gratulieren herzlich, zugleich im Namen der Mitglieder unseres
Förderkreises. Als 2008 dieses für unseren
Förderkreis so wichtige Amt vakant wurde und wir Bertold Witte diese Aufgabe antrugen, bedurfte es keiner großen
Überredungskunst, ihn zu gewinnen. Neben seinem breiten Feld in Lehre und
Forschung an den Universitäten Bonn und
Aachen schon seit 1968 hat ihn
auch die Geschichte unserer technischen Wissenschaft stets besonders
interessiert. Die Schwerpunkte seines Berufsfeldes insbesondere in der
Meßtechnik, der Ingenieurgeodäsie, dem trigonometrischen und
geometrischen Nivellement bis hin zu den GPS-Echtzeit-Meßverfahren
liegen eng auf der Linie der Sammlungs- und Ausstellungsschwerpunkte unseres Vermessungstechnischen Museums in Dortmund. Und Bertold Witte weiß in seiner vornehm-zurückhaltenden und
sorgsamen Art die Grundlinien unserer Museumsarbeit aufzunehmen,
weiterzuentwickeln und zu gestalten, dies auch im Hinblick z. B. auf das 2014
kommende 12. Symposium für
Vermessungsgeschichte. Wir freuen uns, in o. Professor
Dr. Bertold Witte eine
kompetente Persönlichkeit an der
Spitze unseres Kuratoriums zu wissen, der das Wirken seiner Vorgänger
o.Professor Dr.-Ing. Wolfgang Torge
(1998- 2008) und Professor Dr. Hartmut
Dietrich kontinuierlich fortführt,
wie seine Vorgänger nun schon über viele Jahre unterstützt von Dr. Hartwig Junius aus Dortmund. – Wir sagen auch an dieser
Stelle: Herzlichen Glückwunsch! –
23.01.2012 416. Eratosthenes-Preisträger 2011 – Dr.
Rickenbacher aus Basel und Prof. Lelgemann aus Berlin Den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis 2011 erhält Herr Dr. phil. dipl. Ing. Martin
Rickenbacher aus Bern/Schweiz
für seine Dissertation „Napoleons Karten der Schweiz – Landesvermessung
als Machtfaktor zwischen 1798 und 1815“. In
seiner Dissertation hat der Preisträger hervorragende Forschungsergebnisse
zur französischen Landesvermessung der Schweiz herausgearbeitet. –
Herr Professor em. Dr.-Ing. Dieter
Lelgemann aus Berlin erhält
den Eratosthenes-Ehrenpreis 2011
für seine jüngsten Buchveröffentlichungen und seine Arbeiten über Eratosthenes, die das
Stifterkollegium in ihrer Gesamtheit für besonders geeignet hält, einer breiten Öffentlichkeit
wissenschaftliche Erkenntnisse aus der historischen Geodäsie
näherzubringen. Das Stifterkollegium (Präsident
Professor Dr.-Ing. Harald Lucht,
Erster Vorsitzender Dipl.-Ing. Ingo
Freiherr von Stillfried, Kuratoriumsvorsitzender o.Professor em. Dr.-Ing.
Bertold Witte) hat unmittelbar nach Abschluß der
Einreichungsfrist am 2. und nochmals
am 26. November 2011 über die Preisverleihung beraten und sich für die beiden
Preisträger entschieden. Insgesamt waren 10 wertvolle Vorschläge eingereicht
worden. Die Preisverleihung findet statt
am 13. Februar 2012 ab 14:00 Uhr im Rahmen der Mitgliederversammlung 2012 in Dortmund
in der Rotunde des Museums für Kunst
und Kulturgeschichte. Martin Rickenbacher und Dieter Lelgemann werden aus ihren preisgekrönten
Arbeiten in Kurzvorträgen berichten. – 18.01./15.02.2012 415.
Der Wiehen-Wagen entsteht als Modell bei
Volkswagen – für die Mercator-Ausstellung Wir haben in unserer Mitt. Nr. 324 vor etwa einem
Jahr berichtet, wie unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried und
unser Bibliothekar und stellv.
Kuratoriumsvorsitzender Dr. Hartwig Junius bei der Volkswagen AG Interesse wecken
konnten, den vor über 200 Jahren erdachten und in einem Buch mit bemaßten
Zeichnungen veröffentlichten Vorschlag für einen Meßwagen
im Modell nachzubauen. „Abbildung und Beschreibung einer Geographischen Maschine auf einem
Wagen oder Kutsche“ von Johann Georg
Wilhelm Wiehen, Hildesheim 1772, hieß das Werk. Wir hatten es
antiquarisch angekauft. Inzwischen konnten sich Hartwig Junius bei einem jüngsten Besuch am 2. Dezember 2011 überzeugen: Der „Wiehen-Wagen“
wird als Funktions-Modell im Maßstab 1:1 in der Lehrwerkstatt des VW-Werkes in Baunatal gebaut. Wir dürfen hoffen, ihn in unserer Sonderausstellung „500 Jahre
Gerhard Mercator - vom Weltbild der Renaissance zum Kartenbild der Moderne“
der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Und ergänzend weisen wir auf den Aufsatz hin „Mit dem
Kompaßwagen über den Globus“ von Prof. Dr. Dierck-E. Liebscher, in dem dieser neben Überlegungen zu
Verbindungen auf gekrümmten Flächen auch einen Kompaßwagen erwähnt, ebenfalls alt-historischen Datums, wie er im
Modell vor dem Nationalmuseum für Wissenschaft und Technik in Taipeh aufgestellt ist – eine Veröffentlichung
mit interessanten Erwägungen zu Differential-, Subtraktions- und Planetengetrieben für einen
Kompaßwagen, eine Darstellung aus mathematischer Sicht (siehe http://www.aip.de/~lie/Publikationen/Kompasswagen.pdf ) Wir sind in der Vorbereitung der
Mercator-Sonderausstellung
begeistert, zu dem historischen
Begründer der UTM-Koordinaten einen
ebenfalls historischen Gedanken eines Wege-aufzeichnenden Wagens - im Modell
realisiert - bewundern zu können. – 08. 01. 2012 414. Der Euro und das Kataster
„Aktuell“ heißt diese Seite unserer Homepage
Vermessungsgeschichte – Ist das
Kataster aktuell und zugleich Vermessungsgeschichte? Wir lesen in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im
Leitkommentar: „ …Ein Beispiel für die
Fragwürdigkeit europäischer Förderprojekte ist das griechische Katasterwesen. Der Versuch, im Staatsbesitz
befindliche Immobilien zu veräußern, ist bisher daran gescheitert, dass es in Griechenland an verlässlichen
Katasterunterlagen mangelt. Dabei gibt es ein Katasteramt, dessen Arbeit seit Jahren mit europäischen Mitteln bezuschusst wir. Man läse gerne einmal eine Untersuchung
dazu, wie viel Geld für die Modernisierung des griechischen Katasterwesens
nach Athen geflossen ist, wer es
bewilligt hat und wie es verwendet wurde – und warum es in Brüssel jahrelang niemand gestört
hat, dass die Behörde ihre zentrale Aufgabe trotz Fördermillionen immer noch
nicht zu erfüllen imstande ist…. “ F.A.Z. vom 31. 12. 2011, Seite 1, Leitkommentar „Von Teilzahlung zu
Teilzahlung“ von Michael Martens.
Auch zur Rettung des EURO
ist ein funktionierendes Kataster- und
Grundbuchsystem hochaktuell – dessen Herstellung ist aber sicher eine
Herkulesaufgabe in jenem großen vielfach zerklüfteten, inselreichen
Land wie Griechenland. Preußen
benötigte einst vor 150 Jahren vier Jahre, und das war nur möglich, weil man
auf ältere Unterlagen aus
Separationen, Gemeinheitsteilungen, auch älteren Grundstückskatastern
zurückgreifen konnte. Vergl. unsere Mitt.
Nr. 391. Heute kann sicher mit der Luftbildvermessung, GPS und moderner IT-Technik effektiver gearbeitet werden,
die Ermittlung von historischer Grenzziehung und Eigentum bleibt dennoch
erheblich zeitaufwendig. – Die Bedeutung eines modernen Vermessungs- und
Katasterwesens wird auch „bei uns“ nicht selten unterschätzt, weil es wie
selbstverständlich funktioniert. Doch es bedarf auch hier beständiger
nachhaltiger Pflege. – 31. 12. 2011 413.
175 Jahre Oldenburger Grundsteuerkataster Mit Datum vom 24. 2. 1836
veröffentlichte die Großherzogliche Oldenburgische Kammer
eine Bekanntmachung „betreffend die specielle
Vermessung der zu dem vormals Münsterischen Landestheil gehoerigen Aemtern“. Mit dieser Verfügung und der am gleichen Tage
herausgegebenen Instruktion über das Vermessungsverfahren begann vor 175
Jahren die erste systematische und vollständige Vermessung des Großherzogtums Oldenburg. Zunächst in
den Ämtern Vechta und Cloppenburg begonnen, wurde eine für
damalige Verhältnisse auf modernen Grundlagen und Verfahren beruhende
Vermessung und 1838 auf das gesamte Oldenburger
Land ausgedehnt – so lesen wir in dem höchst informativen Bericht von Heiko Taubenrauch aus Cloppenburg im Heft 2 und 3/ 2011
der Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung.
Der Autor beschreibt kenntnisreich eine Entwicklung, die damals „Zug der Zeit“
war, als in deutschen Landen Vermessungen und Grundstückskataster angelegt wurden, jedoch einen ganz zukunftsgerichteten Ansatz verfolgte (siehe
ergänzend u.a. die auch zeitlich enge
parallele Entwicklung in der benachbarten Hansestadt Bremen, vergl. unsere Mitt. Nr. 344) Heiko Taubenrauch schildert in seiner sorgsam
recherchierten und reich bebilderten Veröffentlichung einleitend die
territoriale Vorgeschichte mit u.a. den Verhandlungen zum Reichdeputationshauptschluß
von 1803, erwähnt den Weserzoll
(der die Kaufleute der Hansestadt
Bremen lange ärgerte) bis hin zum Gebietszuwachs im heute als Oldenburger Münsterland bekannten
Gebiet. Ebenso werden die umfangreichen Triangulationsarbeiten umrissen,
verbunden mit den Namen Hauptmann G.
S. Otto Lasius (1752 – 1833), C. F. Gauß (1777 – 1855), A. Ph. Freiherr von Schrenck
(1800 – 1877), die darauf sich gründenden topographischen sowie ebenso Parcellar-Vermessungen.
Ausführlich wird das Oldenburgische
Grundsteuerkataster in seiner Entstehung beschrieben und gewürdigt,
ergänzt mit einer Reihe von Abbildungen historisch besonders interessanter
Übersichts- und Flurkarten sowie des damaligen Flurbuchs des Grund- und
Gebäude-Steuerkatasters, der zugehörigen Mutterrolle, von Handrissen etc. Mit der Fertigstellung des Oldenburger Urkatasters zum 1.1.1866
konnte dann das bereits seit 1803 angestrebte neue Grund- und
Gebäudesteuersystem eingeführt werden. Oldenburg
verfügte damit über ein Kataster, über das der Kölner Obergeometer Winckel 1882 urteilte: „Wenigen Fachgenossen dürfte
bekannt gewesen sein, daß das Vermessungswesen in der äußersten
nordwestlichen Ecke unseres Vaterlandes in solcher Blüte steht; mögen diese
Zeilen dazu beitragen, daß andere größere deutsche Staaten Sorge tragen, von
dem kleinen Großherzogthum
an der Nordseeküste nicht ferner beschämt zu werden.“ – Und ihr Redakteur
fügt hinzu: mögen diese Zeilen dazu beitragen, 175 Jahre Oldenburger
Grundsteuerkataster in das Bewußtsein derer zu rücken, für die die Vermessungsgeschichte
eine Quelle faszinierender historischer Erkenntnisse darstellt! Quelle: Heiko Taubenrauch:
Bedürfnis eines vollständigen Grundcatasters – 175
Jahre Oldenburger Grundsteuerkataster – in Nachrichten der Niedersächsischen
Vermessungs- und Katasterverwaltung Heft 2 und 37 2011 S.19 bis 31.
Interessenten erhalten pdf-Datei
dieses sehr lesenswerten Aufsatzes beim Autor über die Adresse heiko.taubenrauch@lgln.niedersachsen.de –
15.12.2011 412.
Eratosthenes-Preisträger 2011
Das Stifterkollegium zum Eratosthenes-Preis hat am 2. und 26. November
2011 in Dortmund über die
Preisvergabe zum Eratosthenes-Preis
2011 beraten. Dem Kollegium waren termingerecht bis zum 31. Oktober
insgesamt 10 Vorschläge eingereicht worden. Die
eingereichten Arbeiten und Veröffentlichungen umfaßten ein breites Spektrum
von vermessungsgeschichtlichen Themen und zeigten einmal mehr die große
Vielfalt auch in der Historie unseres Berufsfeldes. Alle Vorschläge konnten vom
Stifterkollegium als sehr gute Arbeiten auf dem Gebiet der
Vermessungsgeschichte beurteilt werden. Wir denken, dies ist eine ganz erfreuliche
Entwicklung grundsätzlich für das Interesse an der Vermessungsgeschichte und
zugleich aber auch für die Resonanz dieses seit 2000 ausgelobten, mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preises.
Beratungsergebnis und Preisträger werden wir unseren Mitgliedern mit
der Einladung zur Mitgliederversammlung 2012 mitteilen und zu gegebener Zeit
auch an dieser Stelle veröffentlichen. Zwischenzeitlich sind bereits
Preisträger wie Mitbewerber über das Ergebnis persönlich unterrichtet worden.
– 06.12.2011 411. Jubiläumsveranstaltung 60 Jahre VDV-Bezirk
Dortmund Der VDV-Bezirk Dortmund feierte am 26. November 2011 sein 60-jähriges Bestehen – hoch über der
Stadt im Harenberg-Hochhaus. Die Vorsitzende Andrea Kleber skizzierte einleitend
die Situation im Gründungsjahr 1951 der zu 90 % zerstörten Innenstadt von
Dortmund, erinnerte an die Verbandsgründung in schwerer Zeit, die damalige
Aufbruchsstimmung, den umfangreichen Stadt- und Verkehrswiederaufbau:
wesentliche Voraussetzungen waren stets die
Leistungen der Vermessungsingenieure. In der Reihe der Grußworte
gratulierte zunächst der Leiter
des Kataster- und Vermessungsamtes
Dortmund Ulf Meyer-Dietrich und
überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters,
der Fach-Dezernenten und betonte die gute Zusammenarbeit zwischen dem Amt,
den Beratenden wie den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren. Der
Präsident des Förderkreises des Vermessungstechnischen Museums Harald Lucht erinnerte daran, wie
einst Siegfried Stahnke jenen von Adrea Kleber skizzierten Wiederaufbau Dortmunds mit einer
Bodenordnung ermöglichte. Stahnke war
es auch, der dem 1987 neu gewählten Präsidenten jene Fachkollegen besonders
ans Herz legte, die den VDV-Bezirk ebenso aufgebaut haben, wie dem
Museums-Förderkreis. Mit besonderer Freude begrüßte er dabei Dr. Kurt Kröger, der von Anfang an dabei
war. Und Harald Lucht
beglückwünschte Frau Kleber und
die Redakteure – Manfred Gombel,
Friedel Pfeifer, Carl-Wilhelm Schmälter, Berndt Weise – zu der besonders
gelungenen Jubiläums-Schrift, sie zeige die reiche fachliche wie kulturell
ausgerichtete 60-jährige Verbandarbeit. Wilfried Grunau, Präsident des VDV, forderte im Schwerpunkt seines zukunftsweisenden, mit
manchem Bonmot angereicherten Vortrags mehr Marketing der Vermessungsingenieure. Ein wichtiger Schritt auf
diesem Wege sei die auf der Bremer
Erklärung aufbauende Zusammenarbeit von DVW, VDV und BdVI
(siehe hierzu auch unsere Mitt. Nr.
396) – Eine offensive Vertretung des Vermessungswesens sei heute im
Zeitalter der Geoinformationen wichtiger denn je. Nach Ehrung von Mitgliedern für
langjähriger Verbandsmitgliedschaft und einer
erfreulich ausgiebigen Kaffeepause und damit ermöglichtem breiten
Small Talk berichteten Dortmunder
Vermessungsbüros aus ihren aktuellen Projekten: Unter der Moderation von Berndt Weise war es erfreulich zu
erkennen, wie kompetent und in großer fachlicher Breite das Vermessungsbüro Blank und die Öffentl. best.
Vermessungsingenieure Christian Sommerhoff, Tiemann und Partner sowie Jürgen Wiegen in ihrer Arbeit
modernste Instrumente und Techniken einsetzten. Eine abschließende Führung
von Manfred Gombel und Ingo von Stillfried durch das
Vermessungstechnische Museum beschloß diese gelungene Jubiläumsveranstaltung. – 27. 11. 2011 410.
Mercator-Ausstellung in Dortmund zum 500. Geburtstag von Gerhard
Mercator Das kommende Jahr birgt für die
Vermessungsgeschichte ein ganz besonderes Ereignis: Gerhard Mercator wurde vor 500 Jahren am 5. März 1512 geboren. Geburtsort war Rupelmonde, Grafschaft Flandern, seine jungen Jahre verbrachte
er in Gangelt am Niederrhein, sein Name war
eigentlich Gerard De Kremer, latinisiert: Gerardus Mercator. Er starb am
2. Dezember 1594 in Duisburg,
damals Vereinigte Herzogtümer
Jülich-Kleve-Berg, wo er lange wirkte. Mercator war Mathematiker, Geograph, Philosoph, Theologe und
Kartograph und steht gerade als
Mathematiker und Kartograph in engster Beziehung zur Vermessungsgeschichte. Der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund
plant vor diesem Hintergrund eine große
Sonderausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund. Erste Vorbereitungen sind
mit dem 11. Symposium für Vermessungsgeschichte im Februar 2011 in Dortmund und einer Vortragsfolge auf
der INTERGEO in Nürnberg erfolgt.
Der Erste Vorsitzende des Förderkreises Ingo
von Stillfried arbeitet bereits seit Monaten an einem ausgefeilten
Ausstellungskonzept und an der Organisation der Umsetzung. Die Ausstellung
wird das Leben und Wirken Mercators
in seinen Werken zeigen und die besondere Bedeutung vermitteln, die seine
Arbeiten damals und bis heute hatten und haben – für die Entwicklung der
Kartographie, die Darstellung der Welt in Atlanten und bis hin zu den modernen Navigationssystemen. An der
Umsetzung des ausführlich entwickelten Ausstellungskonzepts arbeiten
ehrenamtlich inzwischen über 30
Fachkollegen und -Kolleginnen mit. Die Ausstellung wird in enger Kooperation mit dem Museum für
Kunst und Kulturgeschichte MKK vorbereitet (dem „Mutterhaus“ unseres Vermessungsmuseums).
Das MKK organisiert auch den
gesamten Leihverkehr mit namhaften Institutionen. Dazu gehören u. a. die
Bundesämter für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt a. M. und für Seefahrt und Hydrographie in Hamburg und Rostock; die Deutsche Luft- und Raumfahrtgesellschaft in Oberpfaffenhofen; Herzog August
Bibliothek in Wolfenbüttel;
Landesamt für Geoinformation in München;
Landesvermessung NRW in Bonn;
Rheinisches Landesmuseum Bonn;
Stadt- und Kulturhistorisches Museum Duisburg;
Stadt- und Landesbibliothek Dortmund;
Stadtarchiv Dortmund; Stadtmuseum Köln; Stiftung Preußischer
Kulturbesitz – Kartensammlung, Berlin;
weiteren Institutionen sowie einer Reihe privater Leihgeber. Das
Ausstellungskonzept und der ständig aktualisierte Ausstellungskalender ist im
Internet unter www.Mercator500.de einsehbar. Werbeflyer und Plakate
können per eMail unter vermessung@dortmund.de angefordert werden.
Die Ausstellung wird maßgeblich
finanziell unterstützt von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung,
dem Verband Deutscher
Vermessungsingenieure VDV, dem Deutschen Verein für Vermessungswesen
DVW-Landesverein NRW, der
Deutschen Gesellschaft für Kartographie Rhein-Ruhr, einer Reihe von
Fachfirmen, u.a. von ESRI Deutschland,
Conterra, MOSS sowie auch von privaten Sponsoren. Wir laden weitere
Sponsoren herzlich ein, die Ausstellung zu unterstützen. Wir werden
Geldspenden – soweit erwünscht – im Rahmen der Ausstellung namentlich
hervorheben. Dafür ist ein Sonderkonto bei der Sparkasse Dortmund (BLZ 440 501 99 Konto Nr. 911005166)
eingerichtet. Die feierliche Eröffnung findet am 9. März 2012 statt, die
Ausstellung läuft vom 10. 03. Bis 10. 06. 2012 im Museum für Kunst und
Kulturgeschichte in Dortmund. –
10.11. 2011 409. Fundsache - Landmesser in Livland in der
Zarenzeit „Ich erfuhr, daß Oberst Tenner sich
den Winter über in Riga aufhielt, um
Karten zu zeichnen. Ich steckte unsere letzten Rubel ein, legte in aller Eile
die zweihundertzwanzig Werst (1 Werst = 1066,78
m)
zurück und suchte ihn auf. Er schrieb mir das nötige Papierchen.
Dann ging er zum alten Graf Mellin und ließ sich von
ihm eine Empfehlung für mich geben. Danach begab er sich mit mir in
die Gouvernements-Verwaltung, legte einige seiner Triangulationen auf den Tisch, behauptete, das wären meine
Arbeiten (was sie in gewissem Maße auch waren), und setzte durch, daß ich ein
Landmesserzeugnis mit
Unterschriften und Siegel erhielt. Für staatliche Aufträge reichte das nach
dem russischen Gesetz von 1806 zwar nicht aus, aber dies Gesetz ist in Livland bislang nie angewandt worden,
und für Arbeiten am Ort genügte es. …“ schrieb Jakob Mättik in seinem Tagebuch – einem
Bericht aus dem zaristischen Rußland 1813 bis etwa 1827, einer Zeit, in der auch dort
Gedanken der Bauernbefreiung erwachten. Vermessungsgeräte und
-instrumente wollte er zunächst „vom alten Winter aus Dorpat, der lange in Rente
war“ mieten – einen anständigen Theodoliten,
Wimpelstangen, und sogar ein Wagnersches Planimeter – schließlich kaufte er,
finanziert aus einem Vorschuß und in Ratenzahlung.
Start in den Freien Beruf unter schwierigsten Verhältnissen auch hier. Zum geschichtlichen Hintergrund:
der russische General Karl Ivanovic
von Tenner (1783 – 1859) triangulierte 1817 bis
1832 im Baltikum. An jenen
Vermessungen hatte Mättik
mitgewirkt. Die bekannte sich anschließende ostpreußische Gradmessung (1832 – 1835) von Friedrich Wilhelm Bessel verband auch auf Tenners Anregung diese
russische Kette mit den Dreiecksketten des preußischen Generalstabs.
Jakob Mättik
war Schwager des Adligen Timotheus
Eberhard von Bock (1787 - 1836). Dieser hatte dem Zaren Alexander I. (1777 – 1827) seinen Eid geleistet (und
entstammte ebenfalls der Familie Romanov).
So fühlte er sich ihm doppelt verpflichtet. Er heiratete (als Gutsbesitzer)
die Schwester Mättiks,
eine Kutschertochter – in
damaliger Zeit ein Skandal und ihm widerfuhren erhebliche Anfeindungen. Als
er 1818 in einem Memorandum in eindrücklicher Form den monarchischen Absolutismus und die Leibeigenschaft im
damaligen Rußland
anprangerte und ein Verfassungsprojekt entwarf, wurde er von der zaristischen
Gouvernements-Verwaltung kurzerhand für geistesgestört erklärt und bis 1827
eingekerkert. Die Familie geriet in Armut – und Schwager Jakob Mättik wurde (siehe oben) mit Tenners Hilfe Landvermesser: Sein oben zitiertes Tagebuch wurde von Helge Viira/Jaan Kross nach Verifikation durch
Archiv- und Familienunterlagen 1978/1990 veröffentlicht. Es widerspiegelt die
gesellschaftlichen Verhältnisse in
Livland (historisch in etwa Südhälfte Estlands), in der damals die russischen Zaren Alexander I. und Nikolai
I. (1796 – 1855) Rußland regierten. - Vergl. zu
den Verfassungsfragen auch unsere Mitteilungen Nr. 254 und 274 Quellen: Jaan Kross: Der Verrückte des Zaren – aus dem
Estnischen von Helga Viira, Carl Hanser Verlag München
Wien 1990 – Titel der Originalausgabe Keisri hull (Tallin 1978); Rudolf Schmidt: Die preußische
Dreieckskette vom Rhein über Schlesien nach Memel
1817 – 1834, DGK Reihe E Heft 29,
München 2007: Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in Deutschland, 2.
Auflage, de Gruyter Berlin New York 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Timotheus_Eberhard_von_Bock.
– 01.11.2011 408.
Konrad Peters – ein Nestor der Vermessungsgeschichte wird 90 Lange konnte Dipl.-Ing. Konrad Peters aus Münster krankheitsbedingt nicht mehr
unmittelbar an den Veranstaltungen unseres Förderkreises
Vermessungsgeschichte in Dortmund
teilnehmen, war jedoch stets mit dem Herzen dabei – umso mehr waren wir
erfreut, ihm 2009 persönlich die Ehrenmedaille unseres Förderkreises
im Rahmen der Mitgliederversammlung übereichen zu können. Wir haben damit
eine Persönlichkeit geehrt, die sich seit den 50iger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts mit beständig zunehmendem Engagement vermessungshistorischen
Themen gewidmet hat, zahlreiche Veröffentlichungen verdanken wir ihm – bis in
die jüngste Vergangenheit. Geboren am 24. Oktober 1921 in Münster/Westfalen, gehört Konrad Peters zu den Jahrgängen, die in
ihrer Jugend – bedingt durch den Zweiten Weltkrieg – schwere Zeiten
durchleben mußten. Mitten im Studium an der
Staatsbauschule Frankfurt a.M.
wurde er 1941 im Wehrdienst eingezogen. Im April 1945 geriet er in Königsberg in russische
Kriegsgefangenschaft, über vier lange Jahre bis zum Spätsommer 1949. Peters nutze jedoch jene Zeit und
sammelte unter schwierigsten Bedingungen Vermessungserfahrungen als
Landmesser auf russischen Sowchosen
und mit dem Bau und dem Einsatz einfacher Vermessungsgeräte – Erfahrungen,
die ihm für seine späteren geschichtlichen Forschungsarbeiten hilfreich
werden sollten. Seine Berufslaufbahn bei der
Bundesbahn begann am 1.1.1950. Als „Spätheimkehrer“ hatte er das Recht auf
Wiedereingliederung und wurde zunächst als Arbeiter bei der Bundesbahndirektion Münster
eingestellt, wo er 1938 als Vermessungspraktikant begonnen hatte. Und 1950
konnte er dann endlich auch das Examen an der Staatsbauschule in Frankfurt a. M. ablegen. Erst 1956 erreichte
er mit der Ernennung zum technischen Bundesbahninspektor den Anschluß an seine Laufbahn. – Autor dieser Zeilen hat in seiner langen Praxis immer wieder solche
kriegserschütterten Biographien kennengelernt und mit Bewunderung den
wertvollen Einsatz jener Generation für unseren Beruf erkennen dürfen. Konrad Peters wurde 1972 zur Bundesbahndirektion
Essen versetzt, bedingt durch die Auflösung der Bundesbahndirektion Münster. Hier war er insbesondere in
der Ingenieurvermessung tätig. Seine vielseitiges
Können führte ihn zu besonderen
Einsätzen u. a. bei der Elektrifizierung im Raum Kassel, der Bahnhochlegung in Oldenburg, selbst zu einem kurzzeitigen Sondereinsatz beim
Eisenbahnbau in Argentinien. Er
wirkte als Ausbildungsleiter und als Lehrer an der Bundesbahnfachschule. 1983
pensioniert, ist er als Bundebahnamtsrat „im Unruhestand“ weiterhin
vielseitig aktiv geblieben. Seine Vorliebe für historische
Fragen im Vermessungswesen blieb in allen diesen Jahren ungebrochen. Eine
große Anzahl Veröffentlichungen sind seitdem entstanden, begonnen im „Fluchtstab“, und später in der
nachfolgenden Vereinszeitschrift „Der
Vermessungsingenieur“, dem heutigen VDVmagazin.
So sind in den vergangenen über 5 Jahrzehnten insgesamt weit mehr als 60
wertvolle Veröffentlichungen erschienen, allein 5 Bände der Schriftenreihe
unseres Förderkreises stammen aus seiner Feder. Bereits 1969 waren für die Ausstellung „Praxis Geometriae“
– Vorgänger unserer Schausammlung – eine ganze Reihe von Veröffentlichungen
wesentliche Arbeitsgrundlage. Beherrschende Themen waren u.a. Bauten im
Altertum, der historische Tunnelbau, historische Meßgeräte,
dabei war stets erkennbar seine Vorliebe zu anwendungsbezogenen und
praktischen Themen. Darüber hinaus hat Konrad Peters sich professionell dem
praktischen Nachbau von Meßgeräten aus dem Altertum
gewidmet. Schautafeln zeigen Konstruktion, Funktion, Einsatz und mögliche
Meßverfahren. Er hat sich auch immer wieder gefragt und untersucht, welche
Genauigkeiten mit der damaligen Meßkunst möglich wurden. Auf zahlreichen
Ausstellungen wurden seine Arbeiten gezeigt und gewürdigt, in Vorträgen warb
er für das Vermessungswesen und selbst im WDR-Fernsehen sind Beiträge von und über ihn gesendet worden.
Über das geometrische Quadrat – das
Logo unseres Förderkreises – und über dessen Geschichte und mögliche
Genauigkeit hat er 2002 in der Zeitschrift „Der Vermessungsingenieur“ in
großer Klarheit berichtet. Man darf in dieser Hinsicht Konrad Peters ohne Übertreibung und mit Dankbarkeit als einen Nestor der Vermessungsgeschichte
ehren, der auf mehr als 60 Jahre segensreiches Wirken zurückblicken kann. Zur
Vollendung des 90. Lebensjahres
wünschen wir Dipl.-Ing. Konrad Peters alles Gute, insbesondere für seine
Gesundheit, und grüßen ihn und seine Frau herzlich. – 24.10.2011 407. Bundesverdienstkreuz für Wilfried Grunau,
Präsident des VDV Dipl.-Ing. Wilfried Grunau (53), Präsident des Verbandes der
Vermessungsingenieure VDV seit 1993, ist für sein langjähriges
ehrenamtliches Engagement mit dem Verdienstkreuz
am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet
worden. Der Oberbürgermeister der Stadt
Oldenburg, Gerd Schwandner, überreichte die Auszeichnung am 12. Oktober
im Sitzungssaal des Rathauses in Oldenburg
für „Leidenschaftliche Arbeit fürs Ehrenamt“, wie die Nordwestzeitung Oldenburg in ihrer Ausgabe vom 13. 10. 2011
berichtete. Wilfried Grunau habe sich in zahlreichen
ehrenamtlichen Aufgaben für das Wohl der Allgemeinheit eingesetzt, getreu
seines Wahlspruchs „Es ist nicht genug
zu wollen, man muß es auch tun.“
Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund gratuliert Präsident Grunau zu dieser hohen Ehrung,
insbesondere auch dankbar im Wissen um die beständig gute Unterstützung des
im Förderkreis konzentrierten vermessungshistorischen
Netzwerks durch Präsident Wilfried
Grunau und vom gesamten Vorstand des VDV.
– 16. 10. 2011 406.
Längenmaße und Entfernungen - 11. Dortmunder Museumsnacht voller
Erfolg Räumliche Dimensionen zu erfassen war schon
immer menschliches Begehren. Größere Entfernungen wurden anfangs z.B. in
Kameltagesritten oder Tagreisen angegeben, kleinere in Meilen oder Ruten,
kleinste in Zoll oder Strich. Andere Längenmaße waren Fuß, Klafter oder Elle.
Erst die Einführung des heute weltweit verwendeten Meters im Jahre 1799
setzte der großen Vielfalt der Maße ein Ende.
Ingo von Stillfried demonstrierte am 1. Oktober 2011, assistiert von Christian
Heine, im Rahmen der Dortmunder Museumsnacht historische Instrumente und Verfahren zur Längenmessung
mit praktischen Vorführungen: Nippur-Elle – Meßseil aus Ägypten
– 12 Knotenschnur – Meßkette – Schrittzähler –
Entstehung des Meters – Meßband – Theodolit –
Diagrammtachymeter …. Die Vorführungen bildeten ein Streiflicht durch die
unterschiedlichen Längenmaßsysteme und zeigen mit historischen Instrumenten
die Entwicklung der Entfernungsmessung
– in historischen Kostümen auf
dem Platz von Amiens. Jeweils anschließend führte Dr. Hartwig Junius viele Interessenten
durch die Abteilung Vermessungsgeschichte
im 4. OG des Museums für Kunst und
Kulturgeschichte, Hansastraße 3 in
Dortmund. Insgesamt nahmen ca. 90 interessierte Besucher an den Führungen
teil – und abschließend wurden noch lange im kleinen Kreis über Gesehenes und
Erfahrenes diskutiert. – 10.10. 2011 405. Historische Kartographie und Vermessung –
Förderkreis bei der INTERGEO aktiv Der vom Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum e. V. betreute Vortragsblock bei der INTERGEO in Nürnberg am 29. 09. 2011 war erneut ein voller Erfolg. Unter
professioneller Moderation von Ingo Frh. von Stillfried hörten zahlreiche Zuhörer Im Saal
„KIEW“ drei hochinteressante Vorträge: Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg,
Universität Essen-Duisburg referierte über „Die Welt vor Columbus – Zur Genauigkeit der Katalanischen Estense-Weltkarte (1450)“. Er spannte den Bogen von
Karten des Mittelalters über die nach Osten orientierten Ebsdorfer Weltkarte (mit der Andeutung des Jesus, der die Welt in Kreuzform umfaßt
- wir haben eine sehr instruktive Abbildung der Ebsdorfer
Weltkarte in unserem neuen Museumshandbuch,
siehe S. 114), über die Systematik der Herstellung alter Portolankarten bis hin zur katalanischen Estense-Welkarte.
Deren wissenschaftliche Untersuchung führte zu einer für die damalige Zeit
erstaunlich hohen Genauigkeit – eine Präsentation historischer Kartographie,
gekonnt kurzweilig vorgetragen. Prof. Dr. Peter van der Krogt, University Utrecht erfreute die
Zuhörer mit ebenfalls hervorragenden Abbildungen in seinem Vortrag „Gerhard
Mercator als Kartograph und Kosmograph“. Einleitend umrundete er die Frage – übrigens in überraschend gutem
deutsch – ob Mercator wohl eher
als Geograph, als Kosmograph oder als Kartograph zu gelten hat und neigte zu
letzterer Profession. Sein Wegbereiter Gemma
Frisius, seine vielzähligen Auftragsarbeiten,
sein erstmals von ihm begründeter Atlas, der Vortragende wußte
die Zuhörer mit den umfangreichen Schaffen Mercators und – in seiner Nachfolge – dessen Sohn und seiner
Familie zu fesseln, last not least mit Hinweis auf die Mercator-Projektion, wie sie heute allen Navigationssystemen
zugrunde liegt. Teile seines Vortrags werden in dem demnächst erscheinenden
Band über das jüngste 11. Symposium zur Vermessungsgeschichte nachzulesen
sein. Im abschließenden Vortrag dieses
Nachmittags wußte Dipl.-Ing. Frank Reichert, ÖbVI, Landesgruppe Brandenburg, die Zuhörer mit einem einmal mehr überraschend
tiefgründigen Vortrag zu erfreuen: „Die Zollmann’sche
Scheibe – Geschichte eines Vermessungsinstruments“. Bereits einleitend
relativierte der Rederent die Bezeichnung
„Instrument“, handele es sich letztlich doch lediglich um eine Papierscheibe,
auf der im Feld zentrierte Richtungen aufgetragen, im Büro als graphische
Winkel umgesetzt werden. Doch Frank
Reichert hinterfragte, ob Johann
Wilhelm Zollmann tatsächlich der „Erfinder“
dieser Scheibe war – immerhin hatte er schon 1726 bereits eine
Katastervermessung in Sachsen-Weimar durchgeführt und ein Buch über die Zollmann’sche Scheibe verfaßt.
Intensive Archiv-Forschungen des Vortragenden zeigten jedoch, diese
Papierscheibe war schon seit einigen 100 Jahren früher im praktischen
Gebrauch. Didaktisch geschickt dargeboten, erlebten die Zuhörer, wie immer
ältere – auch englische und französische – Quellen ergründet wurden (u.a. Leupold, Zürner,
Bion, Dilich, schließlich
Daniel Schwentner
(geb.
1585 in Nürnberg, dessen Buch der Förderkreis 1986 mit einer Einführung von
Dr. Kurt Kröger als Reprint
herausgegeben hatte.
– Der Referent führte die Gedanken bis hin zur Frage: war das Meßtischverfahren oder jene Papierscheibe das ältere
„Instrument“? Wir erlebten einmal mehr, wie intensiv und mit Forscherdrang
unser Eratosthenes-Preisträger 2001
Frank Reichert
vermessungshistorische Zusammenhänge aufzuhellen vermag. Ingo von Stillfried dankte
abschließend Vortragenden wie Zuhörern. Und er wies werbend auf unsere
kommende große Mercator-Ausstellung in Dortmund
hin – siehe auch www.mercator500.de und weitere Mitteilungen auf dieser Seite
unserer Homepage. – Der traditionelle Stand des
Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V. in den Messehallen wurde in diesem Jahr mit besonderem Engagement von Jürgen Lagoda
und Rudolf Uebbing betreut,
tatkräftig assistiert von Christian
Heine. Internationale Besucher waren u. a. Paul Duré aus Gent, Kollegen aus Polen
vom Warschauer Geodäsieunternehmen. Unter den
zahlreichen Besuchern konnten Präsident Harald
Lucht und Erster Vorsitzender Ingo
von Stillfried u. a. auch die Kollegen Präsident a. D. Wulf Schröder aus Wiesbaden, Dr. Helmut
Hoffmeister aus Erfurt und mit
großer Freude Prof. Dr. Hubertus
Hildebrandt begrüßen, Leiter des Stadtvermessungsamtes Nürnberg bis 1990.
– 01.10.2011
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