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"Erinnern heißt danken" |
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Redaktion: Harald Lucht |
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Aktuelle
Mitteilungen - zurück zur Startseite - - zum Archiv (Aktuelles)- - zu den AVN-Nachrichtenblättern 02. Februar 2012 419. Ein Hobbie-Jubiläums-Theodolit aus Jena
und Oberkochen via Bremen ins Dortmunder Vermessungsmuseum Ein hochherziges Geschenk durfte
der Präsident des Förderkreises des Vermessungstechnischen Museums und
Redakteur dieser Seite entgegennehmen: Dr.-Ing. Dierk Hobbie
übereichte am 30. Januar in Bremen
einen THEO 010 A aus dem Produktbereich „Geodätische Instrumente“ der Carl Zeiss Jena GmbH – doch es war
kein üblicher Theodolit, es war ein ganz besonderer, ein ungewöhnliches
Unikat: Mehrfach aufgeschnitten, das Innenleben von Fernrohr, Okular,
Teilkreisen sichtbar … Einst ein Geschenk zum 25-jährigen Dienstjubiläum im
Jahr 1993 an Dr.-Ing. Dierk Hobbie, seinerzeit in der Gesamtverantwortung
für den Geschäftsbereich Vermessung mit den drei Produktbereichen Geodäsie,
Photogrammetrie und Spezialsysteme (für die Aufklärung) bei CARL ZEISS in Oberkochen.
Das alles geschah in einer Zeit, als Ost-Zeiss-Jena und West-Zeiss-
Oberkochen darum rangen, wie eine gemeinsame Zukunft nach der
Wiedervereinigung aussehen sollte. 1995 dann waren die beiden Zeiss-Gesellschaften
wiedervereint und die Produktionsbereiche auf Jena (Geodäsie) und Oberkochen
(Photogrammetrie) verteilt. – 2001 wurde
im geodätischen Instrumentenbereich „aus Zeiss Trimble“ (vergl.
unsere Mitt. Nr. 291). Der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum in Dortmund dankt für dieses doppelt
wertvolle Präsent – aus persönlichen Besitz und aus einer Zeit großen
Umbruchs in ein neues Zukunftskonzept in der Zeiss-Firmengeschichte,
die Dierk Hobbie leitend mitgestaltet hat. Danach leitete er noch
mehrere Jahre den Geschäftsbereich Photogrammetrie in Oberkochen und
später das Vorstandsbüro von CARL
ZEISS. – Diesen so ganz besonderen
Theodoliten werden wir in der kommenden Mitgliederversammlung am 13.
Februar in Dortmund zeigen und in unsere Schausammlung im
Vermessungsmuseum aufnehmen. – 02.02.2012 418. Erneut hohes und weiter zunehmendes Interesse an unseren Seiten Die (anonymisierte) statistische
Auswertung der Besuche und Seitenaufrufe auf unserer Homepage zeigt ein
beständig weiter steigendes großes Interesse. 2011 hatten wir mit 33.765 Besuchen eine weitere Steigerung gegenüber
dem Vorjahr mit 31.600 (nach 18.600 in 2009). Die Seitenaufrufe stiegen ebenfalls weiter auf 48.600 in
2011 (nach 46.700 und davor 29.300). Diese Seite Aktuell zählte
2011 wieder 7.600
Aufrufe wie schon im Vorjahr, die Seite Aktuell-Archiv über
4.900 (nach 4000 in 2010). Faßt man die beiden Seiten Aktuell + Aktuell-Archiv zusammen,
die beide zahlreiche Einzelaufrufe hatten, so entfielen darauf über 12.000
Aufrufe im vergangenen Jahr 2011, also
mehr als 1000 pro Monat. Dies zeigt ebenfalls das hohe Interesse an
vermessungshistorischen Ereignissen, Gedenktagen und Schriften, worüber wir
seit nunmehr rd. 9 Jahren auf diesen Aktuell-Seiten informieren. Wir denken,
damit auch insbesondere jüngere Besucherinnen und Besucher für die
Vermessungsgeschichte interessieren zu können. Interessant erscheint
auch „der Weg zu uns“. 56% sind
direkte Zugriffe, 27%
kommen von verweisenden Domains und 17%
über Suchmaschinen. Sicher sind auch Sie sehr oft dabei
gewesen! – 28.01.2012 417. Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Witte 75 Der Vorsitzende unseres
Kuratoriums o.Professor em. Dr.-Ing. Bertold
Witte vollendete am 17. Januar d. J. sein 75. Lebensjahr – Vorstand und Kuratoriumsmitglieder
gratulieren herzlich, zugleich im Namen der Mitglieder unseres
Förderkreises. Als 2008 dieses für unseren
Förderkreis so wichtige Amt vakant wurde und wir Bertold Witte diese Aufgabe antrugen, bedurfte es keiner großen
Überredungskunst, ihn zu gewinnen. Neben seinem breiten Feld in Lehre und
Forschung an den Universitäten Bonn und
Aachen schon seit 1968 hat ihn
auch die Geschichte unserer technischen Wissenschaft stets besonders
interessiert. Die Schwerpunkte seines Berufsfeldes insbesondere in der
Meßtechnik, der Ingenieurgeodäsie, dem trigonometrischen und
geometrischen Nivellement bis hin zu den GPS-Echtzeit-Meßverfahren
liegen eng auf der Linie der Sammlungs- und Ausstellungsschwerpunkte unseres Vermessungstechnischen Museums in Dortmund. Und Bertold Witte weiß in seiner vornehm-zurückhaltenden und
sorgsamen Art die Grundlinien unserer Museumsarbeit aufzunehmen,
weiterzuentwickeln und zu gestalten, dies auch im Hinblick z. B. auf das 2014
kommende 12. Symposium für
Vermessungsgeschichte. Wir freuen uns, in o. Professor
Dr. Bertold Witte eine
kompetente Persönlichkeit an der
Spitze unseres Kuratoriums zu wissen, der das Wirken seiner Vorgänger
o.Professor Dr.-Ing. Wolfgang Torge
(1998- 2008) und Professor Dr. Hartmut
Dietrich kontinuierlich fortführt,
wie seine Vorgänger nun schon über viele Jahre unterstützt von Dr. Hartwig Junius aus Dortmund. – Wir sagen auch an dieser
Stelle: Herzlichen Glückwunsch! –
23.01.2012 416. Eratosthenes-Preisträger 2011 – Dr.
Rickenbacher aus Basel und Prof. Lelgemann aus Berlin Den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis 2011 erhält Herr Dr. phil. dipl. Ing. Martin Rickenbacher aus Basel/Schweiz für seine
Dissertation „Napoleons Karten der Schweiz – Landesvermessung als Machtfaktor
zwischen 1798 und 1815“. In seiner
Dissertation hat der Preisträger hervorragende Forschungsergebnisse zur französischen
Landesvermessung der Schweiz
herausgearbeitet. – Herr Professor em.
Dr.-Ing. Dieter Lelgemann aus Berlin erhält den Eratosthenes-Ehrenpreis 2011 für
seine jüngsten Buchveröffentlichungen und seine Arbeiten über Eratosthenes, die das
Stifterkollegium in ihrer Gesamtheit für besonders geeignet hält, einer breiten Öffentlichkeit
wissenschaftliche Erkenntnisse aus der historischen Geodäsie
näherzubringen. Das Stifterkollegium (Präsident
Professor Dr.-Ing. Harald Lucht,
Erster Vorsitzender Dipl.-Ing. Ingo
Freiherr von Stillfried, Kuratoriumsvorsitzender o.Professor em. Dr.-Ing.
Bertold Witte) hat unmittelbar nach Abschluß der
Einreichungsfrist am 2. und nochmals
am 26. November 2011 über die Preisverleihung beraten und sich für die beiden
Preisträger entschieden. Insgesamt waren 10 wertvolle Vorschläge eingereicht worden.
Die Preisverleihung findet statt
am 13. Februar 2012 ab 14:00 Uhr im Rahmen der Mitgliederversammlung 2012 in Dortmund
in der Rotunde des Museums für Kunst
und Kulturgeschichte. Martin Rickenbacher und Dieter Lelgemann werden aus ihren
preisgekrönten Arbeiten in Kurzvorträgen berichten. – 18.01.2012 415.
Der Wiehen-Wagen entsteht als Modell bei Volkswagen – für die
Mercator-Ausstellung Wir haben in unserer Mitt. Nr. 324 vor etwa einem
Jahr berichtet, wie unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried und
unser Bibliothekar und stellv.
Kuratoriumsvorsitzender Dr. Hartwig Junius bei der Volkswagen AG Interesse wecken
konnten, den vor über 200 Jahren erdachten und in einem Buch mit bemaßten
Zeichnungen veröffentlichten Vorschlag für einen Meßwagen im Modell
nachzubauen. „Abbildung und Beschreibung einer Geographischen Maschine auf einem
Wagen oder Kutsche“ von Johann Georg
Wilhelm Wiehen, Hildesheim 1772, hieß das Werk. Wir hatten es antiquarisch angekauft. Inzwischen
konnten sich Hartwig Junius bei
einem jüngsten Besuch am 2. Dezember
2011 überzeugen: Der „Wiehen-Wagen“
wird als Funktions-Modell im Maßstab 1:1 in der Lehrwerkstatt des VW-Werkes in Baunatal gebaut. Wir dürfen hoffen, ihn in unserer Sonderausstellung „500 Jahre
Gerhard Mercator - vom Weltbild der Renaissance zum Kartenbild der Moderne“
der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Und ergänzend weisen wir auf den Aufsatz hin „Mit dem
Kompaßwagen über den Globus“ von Prof. Dr. Dierck-E. Liebscher, in dem dieser neben Überlegungen zu
Verbindungen auf gekrümmten Flächen auch einen Kompaßwagen erwähnt, ebenfalls alt-historischen Datums, wie er im
Modell vor dem Nationalmuseum für Wissenschaft und Technik in Taipeh aufgestellt ist – eine
Veröffentlichung mit interessanten Erwägungen zu Differential-,
Subtraktions- und Planetengetrieben
für einen Kompaßwagen, eine Darstellung aus mathematischer Sicht (siehe http://www.aip.de/~lie/Publikationen/Kompasswagen.pdf ) Wir sind in der Vorbereitung der
Mercator-Sonderausstellung
begeistert, zu dem historischen
Begründer der UTM-Koordinaten einen
ebenfalls historischen Gedanken eines Wege-aufzeichnenden Wagens - im Modell
realisiert - bewundern zu können. – 08. 01. 2012 414. Der Euro und das Kataster
„Aktuell“ heißt diese Seite unserer Homepage
Vermessungsgeschichte – Ist das
Kataster aktuell und zugleich Vermessungsgeschichte? Wir lesen in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im
Leitkommentar: „ …Ein Beispiel für die
Fragwürdigkeit europäischer Förderprojekte ist das griechische Katasterwesen. Der Versuch, im Staatsbesitz
befindliche Immobilien zu veräußern, ist bisher daran gescheitert, dass es in Griechenland an verlässlichen
Katasterunterlagen mangelt. Dabei gibt es ein Katasteramt, dessen Arbeit seit Jahren mit europäischen Mitteln
bezuschusst wir. Man läse gerne einmal eine Untersuchung dazu, wie viel Geld
für die Modernisierung des griechischen Katasterwesens nach Athen geflossen ist, wer es bewilligt
hat und wie es verwendet wurde – und warum es in Brüssel jahrelang niemand gestört hat, dass die Behörde ihre
zentrale Aufgabe trotz Fördermillionen immer noch nicht zu erfüllen imstande
ist…. “ F.A.Z. vom 31. 12. 2011, Seite 1, Leitkommentar „Von Teilzahlung zu Teilzahlung“ von Michael Martens.
Auch zur Rettung des EURO
ist ein funktionierendes Kataster- und
Grundbuchsystem hochaktuell – dessen Herstellung ist aber sicher eine
Herkulesaufgabe in jenem großen vielfach zerklüfteten, inselreichen Land wie Griechenland. Preußen
benötigte einst vor 150 Jahren vier Jahre, und das war nur möglich, weil man
auf ältere Unterlagen aus
Separationen, Gemeinheitsteilungen, auch älteren Grundstückskatastern
zurückgreifen konnte. Vergl. unsere Mitt.
Nr. 391. Heute kann sicher mit der Luftbildvermessung, GPS und moderner IT-Technik effektiver gearbeitet
werden, die Ermittlung von historischer Grenzziehung und Eigentum bleibt
dennoch erheblich zeitaufwendig. – Die Bedeutung eines modernen Vermessungs-
und Katasterwesens wird auch „bei uns“ nicht selten unterschätzt, weil es wie
selbstverständlich funktioniert. Doch es bedarf auch hier beständiger
nachhaltiger Pflege. – 31. 12. 2011 413.
175 Jahre Oldenburger Grundsteuerkataster Mit Datum vom 24. 2. 1836
veröffentlichte die Großherzogliche Oldenburgische Kammer
eine Bekanntmachung „betreffend die specielle Vermessung der zu dem vormals
Münsterischen Landestheil gehoerigen Aemtern“. Mit dieser Verfügung und der
am gleichen Tage herausgegebenen Instruktion über das Vermessungsverfahren
begann vor 175 Jahren die erste systematische und vollständige Vermessung des
Großherzogtums Oldenburg. Zunächst
in den Ämtern Vechta und Cloppenburg begonnen, wurde eine für
damalige Verhältnisse auf modernen Grundlagen und Verfahren beruhende
Vermessung und 1838 auf das gesamte Oldenburger
Land ausgedehnt – so lesen wir in dem höchst informativen Bericht von Heiko Taubenrauch aus Cloppenburg im Heft 2 und 3/ 2011
der Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung.
Der Autor beschreibt kenntnisreich eine Entwicklung, die damals „Zug der
Zeit“ war, als in deutschen Landen Vermessungen und Grundstückskataster angelegt wurden, jedoch einen ganz
zukunftsgerichteten Ansatz verfolgte (siehe ergänzend u.a. die auch zeitlich enge parallele
Entwicklung in der benachbarten Hansestadt Bremen, vergl. unsere Mitt. Nr. 344) Heiko Taubenrauch schildert in seiner sorgsam
recherchierten und reich bebilderten Veröffentlichung einleitend die
territoriale Vorgeschichte mit u.a. den Verhandlungen zum
Reichdeputationshauptschluß von 1803, erwähnt den Weserzoll (der die Kaufleute der Hansestadt Bremen lange ärgerte) bis hin zum Gebietszuwachs im
heute als Oldenburger Münsterland
bekannten Gebiet. Ebenso werden die umfangreichen Triangulationsarbeiten
umrissen, verbunden mit den Namen Hauptmann G. S. Otto Lasius (1752 – 1833), C. F. Gauß (1777 – 1855), A.
Ph. Freiherr von Schrenck
(1800 – 1877), die darauf sich gründenden topographischen sowie ebenso Parcellar-Vermessungen.
Ausführlich wird das Oldenburgische
Grundsteuerkataster in seiner Entstehung beschrieben und gewürdigt,
ergänzt mit einer Reihe von Abbildungen historisch besonders interessanter
Übersichts- und Flurkarten sowie des damaligen Flurbuchs des Grund- und
Gebäude-Steuerkatasters, der zugehörigen Mutterrolle, von Handrissen etc. Mit der Fertigstellung des Oldenburger Urkatasters zum 1.1.1866
konnte dann das bereits seit 1803 angestrebte neue Grund- und
Gebäudesteuersystem eingeführt werden. Oldenburg
verfügte damit über ein Kataster, über das der Kölner Obergeometer
Winckel 1882 urteilte: „Wenigen Fachgenossen dürfte bekannt gewesen sein,
daß das Vermessungswesen in der äußersten nordwestlichen Ecke unseres
Vaterlandes in solcher Blüte steht; mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß
andere größere deutsche Staaten Sorge tragen, von dem kleinen Großherzogthum an der Nordseeküste
nicht ferner beschämt zu werden.“ – Und ihr Redakteur fügt hinzu: mögen diese
Zeilen dazu beitragen, 175 Jahre Oldenburger Grundsteuerkataster in das
Bewußtsein derer zu rücken, für die
die Vermessungsgeschichte eine Quelle faszinierender historischer
Erkenntnisse darstellt! Quelle: Heiko Taubenrauch:
Bedürfnis eines vollständigen Grundcatasters – 175 Jahre Oldenburger
Grundsteuerkataster – in Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und
Katasterverwaltung Heft 2 und 37 2011 S.19 bis 31. Interessenten erhalten pdf-Datei dieses sehr lesenswerten
Aufsatzes beim Autor über die Adresse heiko.taubenrauch@lgln.niedersachsen.de –
15.12.2011 412. Eratosthenes-Preisträger 2011
Das Stifterkollegium zum Eratosthenes-Preis hat am 2. und 26. November
2011 in Dortmund über die
Preisvergabe zum Eratosthenes-Preis
2011 beraten. Dem Kollegium waren termingerecht bis zum 31. Oktober
insgesamt 10 Vorschläge eingereicht worden. Die
eingereichten Arbeiten und Veröffentlichungen umfaßten ein breites Spektrum
von vermessungsgeschichtlichen Themen und zeigten einmal mehr die große
Vielfalt auch in der Historie unseres Berufsfeldes. Alle Vorschläge konnten vom
Stifterkollegium als sehr gute Arbeiten auf dem Gebiet der
Vermessungsgeschichte beurteilt werden. Wir denken, dies ist eine ganz
erfreuliche Entwicklung grundsätzlich für das Interesse an der
Vermessungsgeschichte und zugleich aber auch für die Resonanz dieses seit
2000 ausgelobten, mit 2.500 €
dotierten Eratosthenes-Preises.
Beratungsergebnis und Preisträger werden wir unseren Mitgliedern mit
der Einladung zur Mitgliederversammlung 2012 mitteilen und zu gegebener Zeit
auch an dieser Stelle veröffentlichen. Zwischenzeitlich sind bereits
Preisträger wie Mitbewerber über das Ergebnis persönlich unterrichtet worden.
– 06.12.2011 411. Jubiläumsveranstaltung 60 Jahre VDV-Bezirk
Dortmund Der VDV-Bezirk Dortmund feierte am 26. November 2011 sein 60-jähriges Bestehen – hoch über der
Stadt im Harenberg-Hochhaus. Die
Vorsitzende Andrea Kleber
skizzierte einleitend die Situation im Gründungsjahr 1951 der zu 90 %
zerstörten Innenstadt von Dortmund, erinnerte an die Verbandsgründung in
schwerer Zeit, die damalige Aufbruchsstimmung, den umfangreichen Stadt- und
Verkehrswiederaufbau: wesentliche Voraussetzungen waren stets
die Leistungen der
Vermessungsingenieure. In der Reihe der Grußworte gratulierte zunächst
der Leiter des Kataster- und Vermessungsamtes Dortmund Ulf Meyer-Dietrich und
überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters,
der Fach-Dezernenten und betonte die gute Zusammenarbeit zwischen dem Amt,
den Beratenden wie den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren. Der Präsident
des Förderkreises des Vermessungstechnischen Museums Harald Lucht erinnerte daran, wie einst Siegfried Stahnke jenen von Adrea
Kleber skizzierten Wiederaufbau
Dortmunds mit einer Bodenordnung ermöglichte. Stahnke war es auch, der dem 1987 neu gewählten Präsidenten jene
Fachkollegen besonders ans Herz legte, die den VDV-Bezirk ebenso aufgebaut
haben, wie dem Museums-Förderkreis. Mit besonderer Freude begrüßte er dabei
Dr. Kurt Kröger, der von Anfang an
dabei war. Und Harald Lucht
beglückwünschte Frau Kleber und
die Redakteure – Manfred Gombel,
Friedel Pfeifer, Carl-Wilhelm Schmälter, Berndt Weise – zu der besonders
gelungenen Jubiläums-Schrift, sie zeige die reiche fachliche wie kulturell
ausgerichtete 60-jährige Verbandarbeit. Wilfried Grunau, Präsident des VDV, forderte im Schwerpunkt seines zukunftsweisenden, mit
manchem Bonmot angereicherten Vortrags mehr Marketing der Vermessungsingenieure. Ein wichtiger Schritt auf
diesem Wege sei die auf der Bremer Erklärung
aufbauende Zusammenarbeit von DVW, VDV
und BdVI (siehe hierzu auch
unsere Mitt. Nr. 396) – Eine
offensive Vertretung des Vermessungswesens sei heute im Zeitalter der
Geoinformationen wichtiger denn je. Nach Ehrung von Mitgliedern für
langjähriger Verbandsmitgliedschaft und einer
erfreulich ausgiebigen Kaffeepause und damit ermöglichtem breiten
Small Talk berichteten Dortmunder
Vermessungsbüros aus ihren aktuellen Projekten: Unter der Moderation von Berndt Weise war es erfreulich zu
erkennen, wie kompetent und in großer fachlicher Breite das Vermessungsbüro Blank und die Öffentl. best.
Vermessungsingenieure Christian Sommerhoff, Tiemann und Partner sowie Jürgen Wiegen in ihrer Arbeit
modernste Instrumente und Techniken einsetzten. Eine abschließende Führung
von Manfred Gombel und Ingo von Stillfried durch das
Vermessungstechnische Museum beschloß diese gelungene Jubiläumsveranstaltung. – 27. 11. 2011 410.
Mercator-Ausstellung in Dortmund zum 500. Geburtstag von Gerhard
Mercator Das kommende Jahr birgt für die
Vermessungsgeschichte ein ganz besonderes Ereignis: Gerhard Mercator wurde vor 500 Jahren am 5. März 1512 geboren. Geburtsort war Rupelmonde, Grafschaft Flandern, seine jungen Jahre verbrachte
er in Gangelt am Niederrhein, sein
Name war eigentlich Gerard De Kremer, latinisiert: Gerardus Mercator. Er starb am
2. Dezember 1594 in Duisburg,
damals Vereinigte Herzogtümer
Jülich-Kleve-Berg, wo er lange wirkte. Mercator war Mathematiker, Geograph, Philosoph, Theologe und Kartograph
und steht gerade als Mathematiker und
Kartograph in engster Beziehung zur Vermessungsgeschichte. Der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund
plant vor diesem Hintergrund eine große
Sonderausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund. Erste Vorbereitungen sind
mit dem 11. Symposium für Vermessungsgeschichte im Februar 2011 in Dortmund und einer Vortragsfolge auf
der INTERGEO in Nürnberg erfolgt.
Der Erste Vorsitzende des Förderkreises Ingo
von Stillfried arbeitet bereits seit Monaten an einem ausgefeilten
Ausstellungskonzept und an der Organisation der Umsetzung. Die Ausstellung
wird das Leben und Wirken Mercators
in seinen Werken zeigen und die besondere Bedeutung vermitteln, die seine
Arbeiten damals und bis heute hatten und haben – für die Entwicklung der
Kartographie, die Darstellung der Welt in Atlanten und bis hin zu den modernen Navigationssystemen. An der
Umsetzung des ausführlich entwickelten Ausstellungskonzepts arbeiten
ehrenamtlich inzwischen über 30
Fachkollegen und -Kolleginnen mit. Die Ausstellung wird in enger Kooperation mit dem Museum für
Kunst und Kulturgeschichte MKK vorbereitet (dem „Mutterhaus“ unseres
Vermessungsmuseums). Das MKK organisiert auch den
gesamten Leihverkehr mit namhaften Institutionen. Dazu gehören u. a. die
Bundesämter für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt a. M. und für Seefahrt und Hydrographie in Hamburg und Rostock; die Deutsche Luft- und Raumfahrtgesellschaft in Oberpfaffenhofen; Herzog August
Bibliothek in Wolfenbüttel;
Landesamt für Geoinformation in München;
Landesvermessung NRW in Bonn;
Rheinisches Landesmuseum Bonn;
Stadt- und Kulturhistorisches Museum Duisburg;
Stadt- und Landesbibliothek Dortmund;
Stadtarchiv Dortmund; Stadtmuseum Köln; Stiftung Preußischer
Kulturbesitz – Kartensammlung, Berlin;
weiteren Institutionen sowie einer Reihe privater Leihgeber. Das
Ausstellungskonzept und der ständig aktualisierte Ausstellungskalender ist im
Internet unter www.Mercator500.de einsehbar. Werbeflyer und Plakate
können per eMail unter vermessung@dortmund.de angefordert werden.
Die Ausstellung wird maßgeblich
finanziell unterstützt von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung,
dem Verband Deutscher
Vermessungsingenieure VDV, dem Deutschen Verein für Vermessungswesen
DVW-Landesverein NRW, der
Deutschen Gesellschaft für Kartographie Rhein-Ruhr, einer Reihe von
Fachfirmen, u.a. von ESRI Deutschland,
Conterra, MOSS sowie auch von privaten
Sponsoren. Wir laden weitere Sponsoren herzlich ein, die Ausstellung zu
unterstützen. Wir werden Geldspenden – soweit erwünscht – im Rahmen der
Ausstellung namentlich hervorheben. Dafür ist ein Sonderkonto bei der Sparkasse Dortmund (BLZ 440 501 99
Konto Nr. 911005166) eingerichtet. Die feierliche Eröffnung findet am 9. März
2012 statt, die Ausstellung läuft vom 10. 03. Bis 10. 06. 2012 im Museum für
Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund.
– 10.11. 2011 409. Fundsache - Landmesser in Livland in der
Zarenzeit „Ich erfuhr, daß Oberst Tenner sich den Winter über in Riga aufhielt, um Karten zu zeichnen.
Ich steckte unsere letzten Rubel ein, legte in aller Eile die
zweihundertzwanzig Werst (1 Werst = 1066,78
m)
zurück und suchte ihn auf. Er schrieb mir das nötige Papierchen. Dann ging er
zum alten Graf Mellin und ließ
sich von ihm eine Empfehlung für mich
geben. Danach begab er sich mit mir in die Gouvernements-Verwaltung, legte
einige seiner Triangulationen auf
den Tisch, behauptete, das wären meine Arbeiten (was sie in gewissem Maße
auch waren), und setzte durch, daß ich ein Landmesserzeugnis mit Unterschriften und Siegel erhielt. Für
staatliche Aufträge reichte das nach dem russischen Gesetz von 1806 zwar
nicht aus, aber dies Gesetz ist in Livland
bislang nie angewandt worden, und für Arbeiten am Ort genügte es. …“ schrieb Jakob Mättik in seinem Tagebuch –
einem Bericht aus dem zaristischen Rußland
1813 bis etwa 1827, einer Zeit, in der auch dort Gedanken der Bauernbefreiung
erwachten. Vermessungsgeräte und
-instrumente wollte er zunächst „vom alten Winter aus Dorpat, der lange in Rente war“ mieten – einen anständigen Theodoliten, Wimpelstangen, und sogar
ein Wagnersches Planimeter –
schließlich kaufte er, finanziert aus einem Vorschuß und in Ratenzahlung.
Start in den Freien Beruf unter schwierigsten Verhältnissen auch hier. Zum geschichtlichen Hintergrund:
der russische General Karl Ivanovic
von Tenner (1783 – 1859) triangulierte 1817 bis 1832 im Baltikum. An jenen Vermessungen hatte
Mättik mitgewirkt. Die bekannte
sich anschließende ostpreußische
Gradmessung (1832 – 1835) von Friedrich
Wilhelm Bessel verband auch auf Tenners
Anregung diese russische Kette mit den Dreiecksketten des preußischen Generalstabs.
Jakob Mättik war Schwager
des Adligen Timotheus Eberhard von
Bock (1787 - 1836). Dieser hatte dem Zaren
Alexander I. (1777 – 1827) seinen Eid geleistet (und entstammte ebenfalls
der Familie Romanov). So fühlte er
sich ihm doppelt verpflichtet. Er heiratete (als Gutsbesitzer) die Schwester Mättiks, eine Kutschertochter – in
damaliger Zeit ein Skandal und ihm widerfuhren erhebliche Anfeindungen. Als
er 1818 in einem Memorandum in eindrücklicher Form den monarchischen Absolutismus und die Leibeigenschaft im
damaligen Rußland anprangerte und
ein Verfassungsprojekt entwarf, wurde er von der zaristischen
Gouvernements-Verwaltung kurzerhand für geistesgestört erklärt und bis 1827
eingekerkert. Die Familie geriet in Armut – und Schwager Jakob Mättik wurde (siehe oben) mit Tenners Hilfe
Landvermesser: Sein oben zitiertes Tagebuch wurde von Helge Viira/Jaan Kross nach Verifikation durch Archiv- und Familienunterlagen
1978/1990 veröffentlicht. Es widerspiegelt die gesellschaftlichen
Verhältnisse in Livland
(historisch in etwa Südhälfte Estlands),
in der damals die russischen Zaren
Alexander I. und Nikolai I.
(1796 – 1855) Rußland regierten. - Vergl. zu den Verfassungsfragen auch
unsere Mitteilungen Nr. 254 und 274 Quellen: Jaan Kross: Der Verrückte des Zaren – aus dem
Estnischen von Helga Viira, Carl Hanser Verlag München Wien 1990 – Titel der
Originalausgabe Keisri hull (Tallin
1978); Rudolf Schmidt: Die preußische Dreieckskette vom Rhein über Schlesien
nach Memel 1817 – 1834, DGK Reihe E
Heft 29, München 2007: Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie in
Deutschland, 2. Auflage, de Gruyter Berlin New York 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Timotheus_Eberhard_von_Bock.
– 01.11.2011 408.
Konrad Peters – ein Nestor der Vermessungsgeschichte wird 90 Lange konnte Dipl.-Ing. Konrad Peters aus Münster krankheitsbedingt nicht mehr
unmittelbar an den Veranstaltungen unseres Förderkreises
Vermessungsgeschichte in Dortmund
teilnehmen, war jedoch stets mit dem Herzen dabei – umso mehr waren wir
erfreut, ihm 2009 persönlich die Ehrenmedaille unseres Förderkreises
im Rahmen der Mitgliederversammlung übereichen zu können. Wir haben damit
eine Persönlichkeit geehrt, die sich seit den 50iger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts mit beständig zunehmendem Engagement vermessungshistorischen
Themen gewidmet hat, zahlreiche Veröffentlichungen verdanken wir ihm – bis in
die jüngste Vergangenheit. Geboren am 24. Oktober 1921 in Münster/Westfalen, gehört Konrad Peters zu den Jahrgängen, die
in ihrer Jugend – bedingt durch den Zweiten Weltkrieg – schwere Zeiten durchleben
mußten. Mitten im Studium an der Staatsbauschule Frankfurt a.M. wurde er 1941 im Wehrdienst eingezogen. Im April
1945 geriet er in Königsberg in
russische Kriegsgefangenschaft, über vier lange Jahre bis zum Spätsommer
1949. Peters nutze jedoch jene
Zeit und sammelte unter schwierigsten Bedingungen Vermessungserfahrungen als
Landmesser auf russischen Sowchosen
und mit dem Bau und dem Einsatz einfacher Vermessungsgeräte – Erfahrungen,
die ihm für seine späteren geschichtlichen Forschungsarbeiten hilfreich
werden sollten. Seine Berufslaufbahn bei der
Bundesbahn begann am 1.1.1950. Als „Spätheimkehrer“ hatte er das Recht auf
Wiedereingliederung und wurde zunächst als Arbeiter bei der Bundesbahndirektion Münster
eingestellt, wo er 1938 als Vermessungspraktikant begonnen hatte. Und 1950
konnte er dann endlich auch das Examen an der Staatsbauschule in Frankfurt a. M. ablegen. Erst 1956 erreichte
er mit der Ernennung zum technischen Bundesbahninspektor den Anschluß an
seine Laufbahn. – Autor dieser Zeilen
hat in seiner langen Praxis immer wieder solche kriegserschütterten
Biographien kennengelernt und mit Bewunderung den wertvollen Einsatz jener
Generation für unseren Beruf erkennen dürfen. Konrad Peters wurde 1972 zur Bundesbahndirektion
Essen versetzt, bedingt durch die Auflösung der Bundesbahndirektion Münster. Hier war er insbesondere in
der Ingenieurvermessung tätig. Seine vielseitiges Können führte ihn zu besonderen Einsätzen u. a.
bei der Elektrifizierung im Raum Kassel,
der Bahnhochlegung in Oldenburg,
selbst zu einem kurzzeitigen Sondereinsatz beim Eisenbahnbau in Argentinien. Er wirkte als
Ausbildungsleiter und als Lehrer an der Bundesbahnfachschule. 1983
pensioniert, ist er als Bundebahnamtsrat „im Unruhestand“ weiterhin
vielseitig aktiv geblieben. Seine Vorliebe für historische
Fragen im Vermessungswesen blieb in allen diesen Jahren ungebrochen. Eine
große Anzahl Veröffentlichungen sind seitdem entstanden, begonnen im „Fluchtstab“, und später in der
nachfolgenden Vereinszeitschrift „Der
Vermessungsingenieur“, dem heutigen VDVmagazin.
So sind in den vergangenen über 5 Jahrzehnten insgesamt weit mehr als 60
wertvolle Veröffentlichungen erschienen, allein 5 Bände der Schriftenreihe
unseres Förderkreises stammen aus seiner Feder. Bereits 1969 waren für die Ausstellung „Praxis Geometriae“ –
Vorgänger unserer Schausammlung – eine ganze Reihe von Veröffentlichungen
wesentliche Arbeitsgrundlage. Beherrschende Themen waren u.a. Bauten im
Altertum, der historische Tunnelbau, historische Meßgeräte, dabei war stets
erkennbar seine Vorliebe zu anwendungsbezogenen und praktischen Themen. Darüber hinaus hat Konrad Peters sich professionell dem
praktischen Nachbau von Meßgeräten aus dem Altertum gewidmet. Schautafeln
zeigen Konstruktion, Funktion, Einsatz und mögliche Meßverfahren. Er hat sich
auch immer wieder gefragt und untersucht, welche Genauigkeiten mit der
damaligen Meßkunst möglich wurden. Auf zahlreichen Ausstellungen wurden seine
Arbeiten gezeigt und gewürdigt, in Vorträgen warb er für das Vermessungswesen
und selbst im WDR-Fernsehen sind
Beiträge von und über ihn gesendet worden. Über das geometrische Quadrat – das Logo unseres Förderkreises – und über
dessen Geschichte und mögliche Genauigkeit hat er 2002 in der Zeitschrift
„Der Vermessungsingenieur“ in großer Klarheit berichtet. Man darf in dieser
Hinsicht Konrad Peters ohne
Übertreibung und mit Dankbarkeit als einen Nestor der Vermessungsgeschichte ehren, der auf mehr als 60 Jahre
segensreiches Wirken zurückblicken kann. Zur Vollendung des 90. Lebensjahres wünschen wir Dipl.-Ing.
Konrad Peters alles Gute, insbesondere für seine Gesundheit, und grüßen
ihn und seine Frau herzlich. – 24.10.2011 407. Bundesverdienstkreuz für Wilfried Grunau,
Präsident des VDV Dipl.-Ing. Wilfried Grunau (53), Präsident des Verbandes der
Vermessungsingenieure VDV seit 1993, ist für sein langjähriges
ehrenamtliches Engagement mit dem Verdienstkreuz
am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet
worden. Der Oberbürgermeister der Stadt
Oldenburg, Gerd Schwandner, überreichte die Auszeichnung am 12. Oktober
im Sitzungssaal des Rathauses in Oldenburg
für „Leidenschaftliche Arbeit fürs Ehrenamt“, wie die Nordwestzeitung Oldenburg in ihrer Ausgabe vom 13. 10. 2011
berichtete. Wilfried Grunau habe sich in zahlreichen
ehrenamtlichen Aufgaben für das Wohl der Allgemeinheit eingesetzt, getreu
seines Wahlspruchs „Es ist nicht genug
zu wollen, man muß es auch tun.“
Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund gratuliert Präsident Grunau zu dieser hohen Ehrung,
insbesondere auch dankbar im Wissen um die beständig gute Unterstützung des
im Förderkreis konzentrierten vermessungshistorischen
Netzwerks durch Präsident Wilfried
Grunau und vom gesamten Vorstand des VDV.
– 16. 10. 2011 406.
Längenmaße und Entfernungen - 11. Dortmunder Museumsnacht voller
Erfolg Räumliche Dimensionen zu
erfassen war schon immer menschliches Begehren. Größere Entfernungen wurden
anfangs z.B. in Kameltagesritten oder Tagreisen angegeben, kleinere in Meilen
oder Ruten, kleinste in Zoll oder Strich. Andere Längenmaße waren Fuß,
Klafter oder Elle. Erst die Einführung des heute weltweit verwendeten Meters
im Jahre 1799 setzte der großen Vielfalt der Maße ein Ende.
Ingo von Stillfried demonstrierte am 1. Oktober 2011, assistiert von Christian
Heine, im Rahmen der Dortmunder Museumsnacht historische Instrumente und Verfahren zur Längenmessung
mit praktischen Vorführungen: Nippur-Elle – Meßseil aus Ägypten – 12 Knotenschnur – Meßkette
– Schrittzähler – Entstehung des Meters – Meßband – Theodolit –
Diagrammtachymeter …. Die Vorführungen bildeten ein Streiflicht durch die
unterschiedlichen Längenmaßsysteme und zeigen mit historischen Instrumenten
die Entwicklung der Entfernungsmessung
– in historischen Kostümen auf
dem Platz von Amiens. Jeweils anschließend führte Dr. Hartwig Junius viele Interessenten
durch die Abteilung Vermessungsgeschichte
im 4. OG des Museums für Kunst und
Kulturgeschichte, Hansastraße 3 in
Dortmund. Insgesamt nahmen ca. 90 interessierte Besucher an den Führungen
teil – und abschließend wurden noch lange im kleinen Kreis über Gesehenes und
Erfahrenes diskutiert. – 10.10. 2011 405. Historische Kartographie und Vermessung –
Förderkreis bei der INTERGEO aktiv Der vom Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum e. V. betreute Vortragsblock bei der INTERGEO in Nürnberg am 29. 09. 2011 war erneut ein voller Erfolg. Unter professioneller
Moderation von Ingo Frh. von
Stillfried hörten zahlreiche Zuhörer Im Saal „KIEW“ drei hochinteressante Vorträge: Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, Universität
Essen-Duisburg referierte über „Die
Welt vor Columbus – Zur Genauigkeit der Katalanischen Estense-Weltkarte
(1450)“. Er spannte den Bogen von Karten des Mittelalters über die nach
Osten orientierten Ebsdorfer Weltkarte
(mit der Andeutung des Jesus, der
die Welt in Kreuzform umfaßt - wir haben eine sehr instruktive Abbildung der
Ebsdorfer Weltkarte in unserem neuen Museumshandbuch,
siehe S. 114), über die Systematik der Herstellung alter Portolankarten bis hin zur katalanischen Estense-Welkarte. Deren wissenschaftliche Untersuchung führte zu
einer für die damalige Zeit erstaunlich hohen Genauigkeit – eine Präsentation
historischer Kartographie, gekonnt kurzweilig vorgetragen. Prof. Dr. Peter van der Krogt, University
Utrecht erfreute die Zuhörer mit ebenfalls hervorragenden Abbildungen in
seinem Vortrag „Gerhard Mercator als Kartograph und Kosmograph“. Einleitend
umrundete er die Frage – übrigens in
überraschend gutem deutsch – ob
Mercator wohl eher als Geograph, als Kosmograph oder als Kartograph zu
gelten hat und neigte zu letzterer Profession. Sein Wegbereiter Gemma Frisius, seine vielzähligen
Auftragsarbeiten, sein erstmals von ihm begründeter Atlas, der Vortragende
wußte die Zuhörer mit den umfangreichen Schaffen Mercators und – in seiner Nachfolge – dessen Sohn und seiner
Familie zu fesseln, last not least mit Hinweis auf die Mercator-Projektion, wie sie heute allen Navigationssystemen
zugrunde liegt. Teile seines Vortrags werden in dem demnächst erscheinenden
Band über das jüngste 11. Symposium zur Vermessungsgeschichte nachzulesen
sein. Im abschließenden Vortrag dieses
Nachmittags wußte Dipl.-Ing. Frank
Reichert, ÖbVI, Landesgruppe Brandenburg, die Zuhörer mit einem
einmal mehr überraschend tiefgründigen Vortrag zu erfreuen: „Die
Zollmann’sche Scheibe – Geschichte eines Vermessungsinstruments“. Bereits
einleitend relativierte der Rederent die Bezeichnung „Instrument“, handele es
sich letztlich doch lediglich um eine Papierscheibe, auf der im Feld
zentrierte Richtungen aufgetragen, im Büro als graphische Winkel umgesetzt
werden. Doch Frank Reichert
hinterfragte, ob Johann Wilhelm
Zollmann tatsächlich der „Erfinder“ dieser Scheibe war – immerhin hatte
er schon 1726 bereits eine Katastervermessung in Sachsen-Weimar durchgeführt
und ein Buch über die Zollmann’sche Scheibe verfaßt. Intensive Archiv-Forschungen
des Vortragenden zeigten jedoch, diese Papierscheibe war schon seit einigen
100 Jahren früher im praktischen Gebrauch. Didaktisch geschickt dargeboten,
erlebten die Zuhörer, wie immer ältere – auch englische und französische –
Quellen ergründet wurden (u.a. Leupold,
Zürner, Bion, Dilich, schließlich Daniel
Schwentner (geb.
1585 in Nürnberg, dessen Buch der Förderkreis 1986 mit einer Einführung von
Dr. Kurt Kröger als Reprint
herausgegeben hatte.
– Der Referent führte die Gedanken bis hin zur Frage: war das
Meßtischverfahren oder jene Papierscheibe das ältere „Instrument“? Wir
erlebten einmal mehr, wie intensiv und mit Forscherdrang unser Eratosthenes-Preisträger 2001 Frank Reichert vermessungshistorische
Zusammenhänge aufzuhellen vermag. Ingo von Stillfried dankte
abschließend Vortragenden wie Zuhörern. Und er wies werbend auf unsere
kommende große Mercator-Ausstellung in Dortmund
hin – siehe auch www.mercator500.de und weitere Mitteilungen auf dieser Seite
unserer Homepage. – Der traditionelle Stand des
Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V. in den Messehallen wurde in diesem Jahr mit besonderem Engagement von Jürgen Lagoda und Rudolf Uebbing betreut, tatkräftig
assistiert von Christian Heine.
Internationale Besucher waren u. a. Paul
Duré aus Gent, Kollegen aus Polen vom Warschauer Geodäsieunternehmen.
Unter den zahlreichen Besuchern konnten Präsident Harald Lucht und Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried u. a. auch die Kollegen Präsident a. D. Wulf Schröder aus Wiesbaden, Dr. Helmut
Hoffmeister aus Erfurt und mit
großer Freude Prof. Dr. Hubertus
Hildebrandt begrüßen, Leiter des Stadtvermessungsamtes Nürnberg bis 1990.
– 01.10.2011
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