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Aktuelles
"Erinnern heißt danken" |
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Redaktion: Harald Lucht |
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Aktuelle
Mitteilungen - zurück zur Startseite - - zum Archiv (Aktuelles)- - zu den AVN-Nachrichtenblättern 18. Mai 2012 434. Mercator-Ausstellung in der Zielgeraden – Das
Herz des Wiehen-Wagens ist da. Unsere
große Mercator-Ausstellung im Dortmunder Museum für Kunst und Kulturgeschichte geht
in die Zielgerade. Noch bis zum 10.
Juni sind die über 600 Exponate der Sonderausstellung „500 Jahre Gerhard
Mercator – vom Weltbild der Renaissance zum Kartenbild der Moderne“
zu sehen und zu erleben. Darunter auch der berühmte von Mercator selbst hergestellte Erdglobus von 1541, eine Leihgabe
der Herzog
August Bibliothek in Wolfenbüttel. Die große Resonanz auch in der breiten
Öffentlichkeit ist in der Presseschau der
Homepage www.mercator500.de dokumentiert
– wie ebenso die von unserem Förderkreis dankbar aufgenommene außerordentlich
breite Unterstützung durch zahlreiche namhafte Sponsoren. Sponsoren und zusätzlich
die privaten Spender sind auch in einer Förderertafel
in der Ausstellung verzeichnet. – Und zusätzlich kommt in diesen
Tagen erfreulicherweise auch das das Herzstück des Wiehen-Wagens in die Ausstellung, das Getriebe als Groß-Modell.
Dieses Getriebe realisiert die Fahrzeug-gesteuerte Wegeaufzeichnung,
wie J. G. Wilhelm Wiehen
sie 1772 großartig erdacht,
aufgezeichnet und mit Maßen versehen hat
- man bedenke, vor 240 Jahren!
(Vergl. unsere Mitt. Nr. 415). – Initiiert von unserem stellv. Kuratoriumsvorsitzenden
Dr.-Ing. Hartwig Junius, zusammen
mit unserem Ersten Vorsitzenden (und großartigen Kurator der Mercator-Ausstellung)
Ingo von Stillfried hat die
Lehrwerkstatt der Volkswagen AG in
Kassel-Baunatal dieses Modell konstruiert und wird demnächst den gesamten
Wagen fertiggestellt haben. – Die Konstruktion des Wagens war immer erneut eine ganz besondere Herausforderung, sodaß sich der ursprüngliche Fertigstellungstermin verzögern
wird. – 18.05.2012 433. 150
Jahre Gradmessung im Königreich Sachsen Im Jahre 1862 hatte das Königreich Sachsen seine Teilnahme an
der vom preußischen General Baeyer initiierten Gradmessung bei
der preußischen Regierung
bekanntgegeben. Baeyers Aufruf zur
Gradmessung 1861 bedeutete einen qualitativen Neubeginn in der
Landesvermessung und bildete die Voraussetzung für die Definition der
Aufgaben der klassischen Geodäsie.
2012 sind damit seit dem Beitritt des Königreiches Sachsens zur Mitteleuropäischen Gradmessung 150
Jahre vergangen. Vom 10. Mai bis zum 31. August findet im Staatsarchiv Dresden eine Ausstellung
„150 Jahre Gradmessung in Sachsen 1862 – 2012“ statt, flankiert von einem Festkolloqium am 1. Juni 2012 und
einer Fachtagung am 2. Juni 2012
in der TU Dresden In der Ausstellung werden die
originalen Meßgeräte, die bei den Arbeiten Verwendung fanden, gezeigt.
Kombiniert mit historischen Karten und Archiv-Dokumenten geben die Exponate
einen Einblick in die damaligen Arbeiten. Von den Voraussetzungen wird der
Bogen über die Gradmessungsarbeiten zur Landesvermessung Sachsens gespannt und an ausgewählten Beispielen die Wirkungen
auf die weitere Entwicklung das Vermessungswesen gezeigt. Abendvorträge
runden das Programm ab. Unter den Mitwirkenden finden
wir auch eine Reihe von Persönlichkeiten, die im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund einen guten Namen haben, so
u. a. der langjährige Vorsitzende unseres Kuratoriums, Prof. Dr. Wolfgang Torge aus Hannover,
Wolfram Dolz und Prof. Dr. Rolf Frank Helbig aus Dresden. Der Förderkreis wird durch
seinen Geschäftsführer, Dipl.-Ing Klaus-Detlef
Lehmann vertreten sein. Näheres unter http://gradmessung-sachsen-2012.de/
. –
08.05.2012 432. Ein echter Kupferstecher – und eine
kartographische - musikalische und auch kulinarische Abendveranstaltung in der Mercator-Ausstellung in Dortmund. Eine wunderbare
alte Kunst der Kartenherstellung ist am frühen Abend des 27. April 2012 für über 140 Besucher wieder auferstanden,
nochmals lebendig geworden. Sie wurden Zeugen, wie ein echter Kupferstecher seine lange historische Arbeitsweise des Kupferstichs von
Landkarten zelebrierte – Technik einer über 500jährigen Epoche. Im Rahmen der
gut besuchten Mercator-Ausstellung
war der extra aufgebaute Arbeitsplatz des letzten Kupferstechers Rainer Kalnbach aus Hitzacker stets eng umlagert.
Unermüdlich erklärte ein schon betagter, doch quicklebendiger Experte die
Handhabung der verschiedenen Stichel, deren geschickte Führung, insgesamt die
kunstfertige Art des Kupferstichs. Mit vielen humorvollen Geschichten aus
seinem 86jährigen Leben verstand Rainer
Kalnbach es bestens, seine Zuhörer und Zuschauer zu fesseln. Als dann am
späten Abend das Instrumentarium letztmalig wieder einpackt wurde, kam schon
etwas Wehmut auf: noch einmal war jene alte Kunst in der Kartographie
faszinierend gegenwärtig, wie sie längst Historie geworden ist – nun wird man
sie nur noch im Film sehen können. Umrahmt wurde die von Ingo von Stillfried moderierte Veranstaltung vom Musikensemble „Con Allegria“.
Die Künstler verstanden es hervorragend, eine große Zuhörerschar mit Musik aus der Renaissance zu fesseln.
Stets bekamen die in die Ausstellungsobjekte integrierten Musiker von den
vielen Besuchern herzlichen Beifall. Und zum Schluß war es sogar ihre eigene
Begeisterung, die sie wie ein perpetuum mobile
weiter spielen ließ. Und last not least ließen die professionellen Kochkünste von vier Hobbyköchen die Zungen zu
Lobeshymnen schwingen. Elf Rezepte aus fast 500 Jahre alten Kochbüchern
wurden wieder lebendig. Eine besondere Herausforderung, denn damalige Rezepte
wiesen nur Zutaten aus und keine Mengenverhältnisse. Alle Besucher waren sich
einig: es war ein Gaumenschmaus sondergleichen – zum Nachempfinden: die
Rezepte sind unter www.mercator500.de beim Veranstaltungstermin 27.4. nachlesbar. Und dort sind auch alle weiteren
Veranstaltungen unserer großen Ausstellung terminiert, deren Halbzeit gerade
überschritten ist: Besuch nicht versäumen! Die Mitwirkenden des Vorbereitungsteams der Mercator-Ausstellung waren ebenfalls
zahlreich erschienen, in Kostümen aus der Renaissance aus dem Fundus des Dortmunder Opernhauses. Und so als Ansprechpersonen für alle
Fragen der Besucher leicht erkennbar. Viele kleine und große Fragen weiteten
sich oft auch zu kleinen Führungen aus. Aus manchen, durchaus auch speziellen
Fragen wurden angeregte Fachdiskussionen. Über allem stand beständig die
Faszination des Werkes von Gerhard
Mercator und dessen Auswirkungen und Kontakte bis in die heutige Zeit. Nach vier sehr kurzweiligen Stunden waren sich
alle Besucher und Akteure einig: Es war ein unvergeßlicher
Abend, er wird so nie wieder kommen, sagte der Initiator und Kurator der
Ausstellung, Ingo von Stillfried.
Das Gesehene, Gehörte, Erlebte ist für immer Geschichte, wesentlich auch
Vermessungsgeschichte. – 01.05.2012 431. Verfilmung „Die Vermessung der Welt“ von
Daniel Kehlmann
Wie unser rühriger Erster Vorsitzende Ingo von Stillfried berichtet, sind die Leih-Instrumente aus dem
Bestand unseres Museums an das Filmteam der Firma Boje Buck Produktion GmbH in Berlinwieder
wohlbehalten aus Ecuador zurück.
Die Filmpremiere „Die Vermessung der
Welt“ ist geplant um den 13.10. in
Berlin, vergl. auch unsere Mitt.
Nr. 402. – 25.04.2012 430. Das BILDUNGSWERK
VDV und besonders die Fachgruppe 5
„Geschichte des Vermessungswesens“ laden ein zu zwei Veranstaltungen
zum Mercatorjahr 2012 nach Duisburg. Am
Sonntag, den 22. April 2012 zur
Eröffnung einer Ausstellung in der Salvatorkirche
in Duisburg rund um Mercator (nach dem 10 Uhr
Gottesdienst), Thema „Präzision und Schönheit - Karten vor und von Gerhard
Mercator“ - Darstellung und Sicht der Welt in
Glauben und Wissenschaft gestaltet
von Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg
aus Essen und Dipl.-Ing. Heinz Jürgen Lagoda aus Duisburg. Das
Grab in der Salvatorkirche
ist verschollen, nur sein prachtvolles Epitaph befindet sich noch dort. Am Sonntag den 29. April 2012 von 10:00 bis ca.
17:00 Uhr wird eingeladen zu einem
Mercator-Seminar mit einer Reihe weiterer Vortragender unter dem Leitthema
„Audienz bei Gerhard Mercator“. Nähere Einzelheiten bei Heinz Jürgen Lagoda, Email
heinz-juergen.lagoda@kreis-wedel.de im „Gerhard - Mercator – Museum in Duisburg (ehem. Stadt- u. Kulturhistor. Museum am Innenhafen neben dem Rathaus und
der Salvatorkirche. – 18.04.2012 429.
Mercator-Ausstellung – Lob aus
fremder Feder Wir lesen unter www.gerhard-mercator.de zur Mercator-Ausstellung in Dortmund
aus der Feder vom Stadtmarketing aus Duisburg. „Mercator in Dortmund?
Wo ist denn da der Bezugspunkt? Ganz einfach: Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. hat zum Mercator-Jubiläum eine Ausstellung
mit dem Titel “Vom Weltbild der
Renaissance zum Kartenbild der Moderne” konzipiert, die in die Arbeit des
Kartografen einweist und zeigen, welche Berührungspunkte es durch ihn heute
noch gibt, um die Welt zu vermessen und zu erfassen. An der Windrose vor den
Ausstellungsräumlichkeiten im Museum
für Kunst und Kulturgeschichte wartet Gerhard Mercator auf die wissbegierigen Besucher. Wer eine
Führung in Anspruch nimmt, bekommt einen Kompass in die Hand gelegt und darf
sich damit zwischen die Exponate hindurch navigieren. Ingo von Stillfried, der die Ausstellung konzipiert hat, führt uns herum, an
diesem Morgen. Er hat einen lustigen weißen Rauschebart und passt schon
bildlich gut zum Thema. Als
erstes fällt ein riesiger runder Tisch auf, dort thront Mercator. Neugierig schauen wir, was dort ausliegt…. Hier lernen
wir, dass Mercator der erste war,
der die Kursivschrift “Italic” auf
seinen Karten nutzte, was die Optik der Karten verbesserte und lange Zeit
Standard blieb. Dann fängt ein sonderbares, goldenes Gerät unsere
Aufmerksamkeit. Es ist ein Astrolabium.
Ein Astro…was?? Mit dem scheibenförmigen Instrument
lassen sich beispielsweise die Positionen der Sterne ablesen. Von Stillfried führt die Handhabung
vor. Spannend! …. Das hier ausgestellt Astrolabium
ist ein Original und bringt einem den gebürtigen Belgier noch etwas näher. Wir sehen, was er so wirklich in den
Händen hielt. Wir
machen eine ziemliche Zick-Zack-Tour durch die Ausstellung … Eigentlich geht
es an den schönen alten Schulbänken los. Die Klassenzimmeratmosphäre, die
dort inszeniert wurde, hat nichts oberlehrerhaftes.
Sie zeigt einfach nur, wie wir über Landkarten schon in jungen Jahren mit Mercator in Berührung kamen. So wird
der Besucher für das Thema sensibilisiert. Dann
lernen wir, anhand von Globen-Modellen, etwas über die Mercator-Projektion. Schön anschaulich – und ein Aha-Erlebnis! Nach
den Weltkarten kommen wir in den
Bereich der Seefahrt. Dieser
Bereich ist gestaltet wie der Arbeitsraum auf einem Schiff. Mit Navigationsbesteck darf man sich
selbst erproben und sich durch die See navigieren. Deutlich wird, wie
schwierig einstmals die Seefahrt gewesen sein muss. Wie ungenau und dadurch
ungewiss die Reise. Mercators
Arbeit hat den Schiffern große Dienste geleistet. Über 500 Exponate sind in der Ausstellung ansprechend aufbereitet und
einladend präsentiert. Auf vielfach spielerisch, entdeckerischer Weise nähern
wir uns Mercator und seinem Werk.
Viele Instrumente, oft so schön wie Kunstwerke, gibt es zu bestaunen. Wir
haben eine Reise gemacht und Globen,
Karten, Atlanten erkundet und der Arbeit hieran nachgespürt. Als Ausblick
stehen wir vor GPS-Geräten und Satelliten und sind verblüfft, wie
die Menschen sich die Welt und den Kosmos immer weiter erobern. Und wie es Mercator zu seiner Zeit auch tat. Wer da noch denkt, Mercator
sei ein langweiliges Thema, der irrt sich gewaltig.“ In die Mercator-Stadt Duisburg ehrt im Kultur- und Stadthistorischen Museum ebenfalls Mercator
mit einer
Ausstellung. Duisburg kann dabei insbesondere auf zahlreiche Exponate aus der „Schatzkammer“ des Museums
zurückgreifen. Und in der Salvatorkirche
in Duisburg gestaltet der Arbeitskreis Geschichte des Verbandes Deutscher Vermessungsingenieure
VDV eine weitere Ausstellung an historischem Ort – Gerhard Mercator hat 1598 dort seine letzte Ruhe gefunden. Obiger Bericht stammt also nicht
aus „fremder“ Feder - wir danken dem Stadtmarketing Duisburg – und wir nehmen den zitierten Bericht als eine
freundliche Geste für das riesengroße Engagement in unserem Förderkreis, mit
dem insbesondere Ingo von Stillfried
und seine vorbereitende Crew die
Dortmunder Ausstellung gestaltet haben. Und wir sind dankbar für die von
allen Seiten erfahrene Unterstützung, für die der Präsident des Förderkreises in der Eröffnungsveranstaltung danken
konnte, festgehalten in Mitt. Nr. 425
dieser Seite. – 11.04.2012 428. Vor 400
Jahren – eine erste vollständige Karte des Herzogtums Pommern Die Lubinsche
Karte (auch Große Lubinsche Karte) ist
ein Kartenwerk, das der Rostocker
Gelehrte Lubinius im Auftrag des Herzogs Philipp II. von Pommern
zwischen 1610 und 1618 erarbeitete. Die Karte im Maßstab 1:235.000 zeigt alle
damaligen Städte und Siedlungsorte. Sie maß 1,25m mal 2,21m. Es war die erste
vollständige Karte des Herzogtums
Pommern, eingerahmt mit einem äußeren Band mit den Ansichten von 49
Städten und einem inneren Band mit den
Wappen von 335 pommerschen Adelsfamilien. Die Lubinsche Karte bildete bis ins 18. Jahrhundert die Grundlage der
gedruckten pommerschen Landkarten. So hat auch Blaeu die Darstellung Pommerns
in den „Atlas Blaeu“
(Vergl. auch unsere Mitt. Nr. 152) übernommen, wie Dr. Haik Porada
im 17. Baltische Gedätengespräch
berichtete. Der kunstinteressierte Herzog Philipp II von Pommern-Stettin
(1573 – 1618, Herzog seit 1606) hatte bereits in seinen ersten
Regierungsjahren die Nutzen einer kartographischen Landesaufnahme seines
Herrschaftsgebietes für die Verwaltung des Landes erkannt. Sein Ziel war die Erstellung einer Chronik Pommerns, die durch eine
Landkarte und weitere Illustrationen bereichert werden sollte. Den Auftrag zur Erstellung der
Landkarte erhielt 1610 der an der Universität
Rostock lehrende Professor und Rektor
Eilhard Lubinus
(geboren 1565 in Westerstede als
Sohn eines Pastors, gestorben 1621 in Rostock).
Dieser hatte bereits 1609 sein erstes kartografisches Werk fertiggestellt,
eine Karte von Rügen. Sie erschien
als Kupferstich bei Hondius 1609
in einer späteren Auflage des Mercator-Atlas. Zur Vorbereitung der Pommernkarte erstellte Lubinius zunächst eine123 Seiten starke Expertise mit der
Vorplanung und begann 1612 mit der
Aufnahme - vor 400 Jahren. Philipp
II. und der die Arbeiten an der Karte ebenfalls unterstützende Philipp Julius von Pommern-Wolgast hatten ihre Beamten zur Hilfe verpflichtet.
In 54 Tagen durchreiste Lubinius 1612 das Herzogtum zweimal. Er besuchte 152 Orte
und legte dabei etwa 1500 Kilometer zurück. Er führte fast 6000
Ortsbesichtigungen durch. Zur Vermessung des Landes nutzte Lubinus
die zu seiner Zeit verfügbaren Meßgeräte. Dazu gehörten ein Astrolabium zur
Ortsbestimmung, der Jakobsstab zur Winkelmessung und
Entfernungsbestimmung. 1614 wurde sein Auftrag
dahingegen erweitert, die Karte mit den Ansichten der pommerschen Städte, den
Abbildungen der Wappen des pommerschen Adels sowie den Abbildungen der
Herzöge zu ergänzen. Städte und Verwalter wurden schriftlich gebeten,
Ansichten ihrer Orte zur Verfügung zu stellen. 1617 durchreiste Lubinus
noch einmal Pommern, Ende des
Jahres begannen die Kupfersticharbeiten. Nikolaus
Geelkercken führte die Arbeiten durch,
angestellt beim Sohn des Amsterdamer
Verlegers und Kartographen Hondius (jener hatte Im Jahr 1604 die Druckplatten von Mercators Weltatlas gekauft). Philipp II. erlebte die Fertigstellung des von ihm in Auftrag
gegebenen Werkes nicht mehr, er starb 1618. Im November des gleichen Jahres
konnte Lubinus einige Exemplare aus der ersten
Auflage der Karte, die auf 20 bis 30 Stück geschätzt wird, im Schloß Wolgast an
Herzog Philipp Julius überreichen.
– In den von Jörg Scheffelke organisierten Baltischen Geodätengesprächen
wurde 2009 und 2011 über die Lubinsche Karte berichtet, vergl. unsere Mitt. Nr. 317 und DVW-Nachrichten in zfv 1/ 2012 S. n-5 bis 6. Weitere
Quelle: Wikipedia. Unsere Leser
finden bei Wikipedia auch die
Möglichkeit, die Lubinsche Karte so weit zu vergrößern, daß
Einzelheiten gut zu erkennen sind -
und so auch der historisch
hochinteressante Detailreichtum dieses 400 Jahre alten Kartenwerkes. –
05.04.2012 427. Unsere
Mercator-Ausstellung – Vorträge und Lob von Laien wie von Profis. In der
Sonntags-Vortragsmatinee am 25. 3. referierte zunächst der Historiker Professor Armin Wolf aus Frankfurt über die Seereise des Odysseus. Mit Homer
führte er die Besucher auf jene sagenhafte Odyssee. Homers bildreiche Beschreibungen zeugen von umfangreichen
Kenntnissen über Navigation, Meteorologie und Topographie. Der Vortragende
zeigte mit sehr eindrucksvollen Dias deutlich, wie viele Ortsbeschreibungen
nur mit einem kartographisch abstrahierenden Blick von oben zu finden sind.
Und er war sich sicher, aus der Vielzahl genauer Beschreibungen von Details
folge, Homer hat diese Seereise
einst selbst unternommen. In gleicher
Weise fesselte dann Dominik Görlitz
aus Chemnitz die zahleichen
Zuhörer mit seinem Vortrag über den "Gothaer Marmorglobus". Dort sind bereits
genaue Küstenlinien von Südamerika
und der Antarktis kartiert, lange
bevor – nach heutigem Kenntnisstand – europäische Seefahrer in diese Regionen
vorgestoßen waren. Mit vergleichenden Bildern von Schiffen in Felsbildern,
einer frühägyptischen Schiffsform auf dem Gothaer Globus und tatsächlichen archäologischen Funden gelang es
ihm, die Zuhörer ins Staunen zu versetzen, welche Kenntnisse und Fähigkeiten
die Menschheit schon viele tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung besaß.
Beide Vortragenden erhielten viel Beifall, ihnen galt der Dank unseres Ersten
Vorsitzenden und Museums-Kurators Ingo von Stillfried. Schon am
Vor-Nachmittag hatte das Vitrinengespräch von Uwe Schwarz zum Thema "NRW
- von Herzogtümern und Grafschaften" interessierte Zuhörer gefunden.
Hier konnte erst der abendliche Schließungsgong des Museums das intensive
Gespräch beenden. Die
Mercator-Ausstellung selbst erfährt viel Lob von Laien wie von Profis. Ingo von Stillfried war besonders
erfreut über die Bewunderung von einer großen Gruppe aus der Mercator-Stadt Duisburg „diese
Ausstellung hier in Dortmund
bringt Mercators Wirken und
Schaffen wirklich adäquat zur Geltung“. – 27. 03. 2012 426. Mercator-Welt-Atlas – Geschenk vom
Faksimile-Verlag aus München
In einer ersten Vortragssoirée in der der Mercator-Ausstellung referierte der Verleger Armin Sinnwell vom Faksimile Verlag aus
München "Vom Foto zum Faksimile" - ein hochinteressanter
und zugleich kurzweiliger Vortrag über
die vielfältigen Arbeitsschritte, handwerklichen Tätigkeiten, technischen und
drucktechnischen Aufgabenstellungen, ein hochwertiges Faksimile herzustellen,
demonstriert am Beispiel der sehr gut erhaltenen Kartenblätter des Mercator-Atlas der Stiftung preußischer Kulturbesitz in Berlin.
Ein spezielles Foto-Aufnahmegerät (Grazer Tisch) ist notwendig, da ein im Einband stark
restaurierungsbedürftiges Buch nur bis zu 110° aufgeschlagen werden darf.
Detailaufnahmen mit einer hochauflösenden Hasselblad-Kamera, iterative Optimierung der Aufnahmeparameter,
Entzerrung und Montage – Ziel ist schließlich ein Druck, der dem Original
möglichst gleich kommt. Die Kartenblätter werden dann mit Fälzeln
eingebunden, also an zusätzliche Papierstreifen angeklebt, damit ein
vollständiges Aufschlagen des Faksimiles zur Betrachtung möglich wird.
Eindrucksvoll auch die Schilderung der Herstellung des Ledereinbandes und der
sehr schönen Schmuckprägungen. Der Faksimile-Verlag
verfügt über die Erfahrung von über 60 Editionen in fast 40 Jahren des
Firmenbestandes. Ein Faksimile ist aber nicht nur zum Anschauen da, sondern
zum Studium eines solchen Werkes. Es wird sogar eingeladen und aufgefordert,
aktiv in diesem Buch zu blättern, es fleißig zu nutzen - weil es im Original
eben nicht mehr möglich ist.
Nach herzlichem Beifall und einer sich anschließenden sehr
interessanten Fragerunde übergab der Verleger Armin Sinnwell den faksimilierten Mercator-Atlas offiziell an Ingo von Stillfried als Geschenk für
den Förderkreis. Es schloß sich eine Führung durch
die Ausstellung an. Für die Besucher waren es 150 sehr kurzweilige und hochinteressante
Minuten. Alle sagten, sie wollten wiederkommen, um nochmals in Ruhe die
vielen Objekte, Karten, Atlanten, Filme in der Mercator-Ausstellung
betrachten zu können.
Weitere Veranstaltungen siehe unter
www.mercator500.de – 20.03.2012 425. Eröffnung der Mercator-Ausstellung – große
Resonanz mit mehr als 300 Besuchern
„Unser Mercator“ Ingo von
Stillfried hatte es geahnt, schon die Eröffnung der Mercator-Ausstellung wird ein Magnet werden, „bestimmt mit weit
mehr Besuchern, als wir Sitzplätze anbieten können!“ 200 Stühle füllten die
repräsentative Rotunde im Dortmunder
Museum für Kunst und Kulturgeschichte, weit mehr Besucher kamen, wohl
über 300 Besucher erlebten eine feierliche Eröffnung. Das Ensemble
„Con Allegria“ der Musikschule unter der
Leitung von Gerda Hellwig spielte
Musik aus der Zeit Gerhard Mercators.
So feierlich eingestimmt,
sprach Kulturdezernent Jörg Stüdemann
ein lebhaft-begeistertes Grußwort für die Stadt Dortmund. Es sei gelungen, nach 500 Jahren endlich Mercator
nach Dortmund zu holen.
Er beglückwünschte das Museum und den Förderkreis für die Initiative und die
Ausgestaltung der Ausstellung. Sie sei ein wunderbares Zeugnis vielverzweigter
kultureller Entwicklungen. Besonders angetan sei er, wie gerade auch die
Jugend in diesem Mitmachmuseum
angesprochen werde.
Der Ehrenpräsident der Nordrhein-Westfalen-Stiftung,
Staatsminister a. d. Franz Josef Kniola zeigte sich in seinem Grußwort besonders
erfreut, eine so kompetent gestaltete Ausstellung einmal wieder in Dortmund
gefördert zu sehen. Er sei schon seit seiner Jugend stets an Landkarten
interessiert gewesen und ebenso daran, wie die Erdkugel eben abgebildet werde. Gerne habe die
Stiftung sowohl Duisburg wie auch Dortmund in deren dem großen
Gelehrten Mercator gewidmeten
Ausstellungen unterstützt. Er wünschte den ehrenamtlichen Initiatoren viele
Besucher mit dem alten Bergmannsgruß „Glück
auf!“
Der Präsident des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V. Harald Lucht widmete sein Grußwort
dem Dank allen, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben:
Zuvorderst der Stadt Dortmund und
dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte, dem „Mutterhaus“ des
Vermessungsmuseums, das nun auch diese Sonderausstellung ermöglicht hat. Dank
für die finanzielle Unterstützung gelte der NRW-Stiftung, die das wesentliche finanzielle Fundament gelegt
habe, dem DVW-Landesverein NRW,
dem VDV, dem BDVI NRW, die Deutsche Nach wiederum bewundernswert filigraner
Musikdarbietungen des Ensembles „Con Allegria“ sprach der Festvortragende Professor
Dr.-Ing Gerd Buziek aus Kranzberg bei München zum Thema „Projektion, Innovation, Vision –
Mercators Vermächtnis“. Seine einleitende Frage: war Mercator Mathematiker, Handwerker,
Unternehmer, Querdenker? Er war dies und mehr, ein Visionär, sein Ziel war
eine allumfassende Kosmographie.
Und er war schon damals ein Unternehmer, der aus der Astronomie und der
Mathematik Instrumente, Karten und Navigation „in die Märkte“ bringen wollte.
Die Mercator-Projektion habe sich
auch durchgesetzt, weil sie durch Bekanntheit
und Prägnanz zu überzeugen vermochte. Gerd Buziek: Mercator
von einst sei
der Tim Berners Lee
(Erfinder der Hypertext Markup
Language HTML und der Begründer des world wide web www)
der Gegenwart: Beide schufen ein weltweites Netz, einen offenen Standard,
sammelten Informationen, es entstanden neue Werke, ein Vertriebsnetz. Im
Ergebnis damals wie heute: Faszination durch Einfachheit. Mercator und Lee prägten das GIS der Zukunft, vom Server über Mapping und
Visualisierung zu serviceorientierten GIS-Architekturen. Raumbezogene
Informationen erläutern die Welt, schaffen Verständnis und zeigen
Auswirkungen menschlichen Handelns. Ausgehend von der unter Kartographen
umstrittenen Peters-Projektion mit
flächentreuen Länder-Darstellungen leitete der Vortragende über auf
Spezial-Anwendungen datenbasierter GIS-Architekturen, überraschte mit der
skurrilen Darstellung der Flächen z. B. obstverzehrender Länder, der
erschreckenden Verteilung der Waldrodungsflächen aber auch der
Lichtverschmutzung von Windrädern. Kannten wir bisher Mercator als Ptolemäus der
Renaissance, so hat uns Gerd Buziek Mercators Vermächtnis als moderne Kosmographie in
IT und GIS nahegebracht – lang anhaltender Beifall des großen Auditoriums
belohnte den Festvortragenden – der eingangs ein 30 Jahre zurückliegendes
Geheimnis lüftete, eine wegweisende Begegnung zum Berufseinstieg in der
damaligen Dienststelle Ihres Berichterstatters und Redakteurs.
Es folgte die Ausstellungseröffnung durch Mercator persönlich – durch Ingo
von Stillfried im zeitgenössischen Kostüm. Und mit einführenden Worten
zur Ausstellungs-Architektur. Bei kühlen Getränken wurden alte und neue
Bekanntschaften geknüpft, das in der Eröffnung
Gehörte besprochen – und dann mit großer Bewunderung die Sonderausstellung
erobert. Ingo Mercator führte die
Ehrengäste. Ein großer Abend für ihn, für den Förderkreis, für das
Museum. – Ein Bericht über die Ausstellung folgt später. – 11./12.03. 2012 424. Großereignis Mercator 500 –
Sonderausstellung in Dortmund Vom 10. März bis zum 10 Juni
2012 zeigt unser Förderkreis eine Sonderausstellung unter dem Titel „500 Jahre Mercator – Vom Weltbild
der Renaissance zum Kartenbild der Moderne.“
In der Ausstellung wird Leben und Wirken Mercators in seinen Werken aufleben, die Sonderausstellung wird Mercators besondere Bedeutung vermitteln
– für die Entwicklung der Kartographie, die Darstellung der Welt in Atlanten,
die UTM-Koordinaten, allgemein für das Vermessungswesen, bis hin zu den
modernen Navigationssystemen.
Unter der engagierten tatkräftigen Leitung unseres Ersten Vorsitzenden
Ingo von Stillfried ist eine im Deutschen Vermessungswesen wohl einmalige Sonderschau über Gerhard
Mercator gestaltet worden, den Universalgelehrten, der am 5. März vor 500 Jahren geboren wurde. Auf einer Fläche von 750 m² werden
über 300 Kartenblätter, mehr als 40 Globen, 30 Atlanten, 50 Instrumente, 10
Filme etc. präsentiert. Die Exponate stammen von 37 Leihgebern. Zahlreiche
Kollegen und weitere Aufbauhelfer sind in die Vorbereitung und Durchführung
eingebunden. Die Ausstellung wird maßgeblich finanziell unterstützt von der Nordrhein-Westfalen-Kultur-Stiftung,
dem DVW-Landesverein NRW, dem VDV, dem BDVI NRW und einer Reihe von Firmen. Alle privaten
Geldspender werden im Rahmen der Ausstellung in einer Spender-Ehrentafel namentlich geehrt.
Mit der Ausstellung wollen wir besonders das Interesse über räumliche
Zusammenhänge verschiedenster Themenfelder wecken, vor allem auch bei
Besucherinnen und Besuchern ohne große Vorkenntnisse, die gut informieren
sein wollen. Ebenso werden diejenigen angesprochen, die mit Karten als
Produzierende oder Nutzende beruflich zu tun haben. Schüler, Auszubildende
und sonstige Lernende sind eine ganz besondere Zielgruppe. Dies vor allem
dort, wo Aktionen zum Mitmachen einladen. Als Schirmherr der Ausstellung
konnte Professor Dr. mult. Klaus Töpfer gewonnen werden, Bundesumweltminister a.D., langjähriger Direktor des
UN-Umweltschutzprogramms UNEP. Den
Festvortrag bei der feierlichen Eröffnung am Abend des 9. März wird Professor
Dr. Gerd Buziek, Hannover halten, sein Thema „Projektion,
Innovation, Vision – Mercators Vermächtnis“. Weitere Grußworte werden
der Kulturdezernent der Stadt Dortmund,
der Präsident der Nordrhein-Westfalen-Kultur-Stiftung
und der Präsident des Förderkreises
sprechen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
im DIN A 4 – Querformat, Umfang 230 Seiten mit zahlreichen farbigen
Abbildungen.
In Vorbereitung auf das Mercator-Jahr 2012 hatte der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum e.V. bereits im vergangenen Jahr das 11. Symposium für Vermessungsgeschichte
unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Erich
Weiß gestaltet. In 5 Vorträgen zum Thema „Gerhard Mercator zum 500. Geburtstag“ referierten Dr. Peter van der Krogt, Uni Utrecht – Prof.
Dr. rer. nat.
Jochen Brüning, Berlin – Koenraad van Cleempoel, Uni Hasselt in Belgien – Dr. phil. Nicole Schrenk, Studienseminar in Duisburg – Prof. Dr.-Ing. Dietmar Grünreich, Frankfurt/Hannover (siehe
unsere Mitt. Nr. 379). Die Vorträge sind
als Band 39 in der Schriftenreihe des Förderkreises erschienen und sind jetzt
auch in den Katalog zur Sonderausstellung integriert worden. Die Ausstellung
findet statt im Erdgeschoß des Museums
für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund, Hansastraße 3 – vom 10. März bis 10. Juni 2012, siehe auch www.mercator500.de . – 02.03.2012 423. Vor 170 Jahren wurde Karl May geboren –
ein „virtueller Surveyor“ Wer hat nicht einst in jungen
Jahren mit glühenden Wangen Karl May gelesen – in der
Nachkriegsgeneration, damals noch ohne große Reisemöglichkeiten
(Klassenausflug in den nächsten Wald), ohne Fernsehen, im Fußball zu Zeiten
von Oberliga Nord oder West oder Süd…. Karl Mays über 65 Bände weckten
Sehnsucht in die wilde Prärie, in das so sehr ferne Amerika, ans wilde
Kurdistan….Der Schatz im Silbersee, Old Surehand,
Old Shatterhand, Winnetou, die Bücher
gingen von Hand zu Hand, glücklich, wer eine neue Leihmöglichkeit aufgetan
hatte. - Doch die Karl-May-Begeisterung scheint ungebrochen bis in die
Gegenwart, sieht man z. B. die hohen Besucherzahlen bei den Karl-May-Festspielen
in Bad Segeberg. Und viele seiner Werke wurden verfilmt, für die Bühne
adaptiert, zu Hörspielen verarbeitet oder als Comics umgesetzt. Karl May, wurde geboren am 25.
Februar 1842 In Hohenstein-Ernsttal als fünftes von 14 Kindern – vor 170 Jahren. Er war und ist wohl der auflagenstärkste
Autor in Deutschland. Und er hat
insbesondere im Band Winnetou I
auch das Thema Vermessung behandelt. Vermessungsingenieur Rolf J. G. Stadelmayer aus
Kamen-Heeren hat in mehreren Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft vermessungshistorische Details aus Mays Werk publiziert – wir stützen uns darauf und berichten also über
historische Vermessungen unter Indianern – die jedoch nur der Fantasie von Karl May entsprangen – virtuelle Begebenheiten: Der Ich-Erzähler wird ca. 1863 Surveyor, Feldmesser, für eine der
geplanten transkontinentalen
Eisenbahnen durch die USA bei der Atlantic and Pacific
Company. Zuvor hat er im Surveying Office ein
Examen bestanden, indem er „den
Gebrauch der verschiedenen Instrumente zu erklären und das Zeichnen von
Karten und Plänen zu beschreiben hatte“ und sich „über das Wesen und die Unterschiede der Aufnahme durch Koordinaten,
der Polar- und Diagonalmethode, der Perimetermessung,
des Repetitionsverfahrens, der trigonometrischen Triangulation ausgesprochen
hatte.“ (Zitiert nach Winnetou 1. Band).Tatsächliche Quelle von Karl May‘s Kenntnissen war
sein Brockhaus' Conversations-Lexikon. Dort finden sich unter dem
Stichwort Feldmeßkunst alle von ihm genannten
Fachausdrücke. Für die Nutzung dieser Quelle gibt es sogar einen Beweis, denn
Mays 2500 Bände umfassende
Bibliothek ist im Karl-May-Museum
Radebeul in der Villa „Shatterhand.“ erhalten geblieben. Und darin finden
sich von ihm manche Randnotizen. Bei der Feldmeßkunst
sind es winzig kleine waagerechte Striche. Seine Fundstellen für den
Surveyor. Karl May hatte ein außerordentlich bewegtes Leben, war erst
kurz vor seinem Tod überhaupt das erstemal in den
USA. Er starb am 30. März 1912 in Radebeul bei Dresden. Vor 100 Jahren. Seine letzten Worte
waren wie viele seiner Romane „….ich sehe alles rosenrot…“ Quellen: Wikipedia,
Veröffentlichungen von R.J.G. Stadelmayer in den
Mitt. der Karl-May-Gesellschaft. – 25./26. 02. 2012 422. … 421.
Mitgliederversammlung 2012 und Eratosthenes-Preisverleihung
Präsident Harald Lucht konnte
am 13. Februar 2012 in der Rotunde
des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund zahlreiche
Mitglieder und Gäste begrüßen, die trotz widriger Witterungsverhältnisse auch von weither
angereist waren, u.a. aus Erfurt, Dessau, Wiesbaden, Hannover,
Aachen. Museumsdirektor Wolfgang
E. Weick begrüßte die Teilnehmer und dankte besonders für die gute
Zusammenarbeit zwischen Museum und Förderkreis, wie sie durch die
bevorstehende Mercator-Ausstellung
einmal mehr intensiviert worden sei. Er wünschte der Ausstellung eine gute
Akzeptanz und viel Resonanz und freute sich auf die Eröffnung am 9. März.
Der Präsident verlieh dann zunächst den mit 2.500€ dotierten Eratosthenes-Preis
2011 an Herrn Dr.-phil. dipl.ing.
Martin Rickenbacher aus Bern mit
der Urkunde im schon traditionellen klassischen Feldbuchrahmen, und stellte
den Preisträger kurz vor. Geboren
1954, Diplom als Kulturingenieur 1979, 1980 eidgenössisches Patent als
Ingenieur-Geometer, seit 1989 tätig im schweizerischen
Bundesamt für Landestopografie swisstopo, u. a. auch Leiter der AG Kartengeschichte der Schweizerischen Gesellschaft für
Kartografie. Martin Rickenbacher
erläuterte in seinem Vortrag hochinteressante Details aus seiner Dissertation
an der Universität Basel. Zu Beginn des 19.
Jahrhunderts waren bis 1815 beachtliche Teile der heutigen Schweiz durch französische Ingenieure vermessen worden. Der Preisträger
hat die damals modernen und angewandten
wissenschaftlichen Methoden aufgearbeitet
und darüber hinaus die dabei entstandenen Karten - es handelt sich weitgehend
um Originalzeichnungen - in französischen
Archiven aufgespürt und erstmals aus schweizerischer
Sicht erforscht, er stellt sie zugleich in einen europäischen Kontext. Die Arbeit ist eine umfassend recherchierte Dokumentation eines
hochinteressanten und ungewöhnlichen Kapitels französisch-schweizerischer Landesvermessung, zusätzlich eingebettet in die
geisteswissenschaftlichen Aspekte und die handelnden Persönlichkeiten jener
Zeit (Die Arbeit ist 2011 erweitert als Buch erschienen: Napoleons Karten der Schweiz, Landesvermessung
als Machtfaktor 1798 – 1815, hier und jetzt, Verlag für Kultur, ISBN
978-3-03919-196-3). Martin
Rickenbacher beendete seinen Vortrag mit einem besonderen Knüller: In
seiner Prüfung zum Ingenieur-Diplom kam abschließend die höchst überraschende
Frage, wer zuerst die Erde vermessen habe. Rein zufällig hatte er 3 Wochen
zuvor „im Bachmann“ über die
Erdvermessung von Eratosthenes
gelesen, konnte so brillant antworten – und erhielt die Bestnote. Jene
Geschichte runde sich für ihn heute mit der Verleihung des Eratosthenes-Preises! Er erhielt lang
anhaltenden Beifall. Das Stifterkollegium hatte o.Prof. em. Dr.-Ing Dieter
Lelgemann vor dem Hintergrund seines reichen geodätisch-literarischen
Wirkens den erstmals verliehenen Eratosthenes-Ehrenpreis
zuerkannt. Dieter Lelgemann wurde
1939 in Essen geboren, nach
Ingenieurschule Essen und Studium
an der TU Berlin war er wiss.
Assistent bei Professor Moritz und
ist dort 1971 promoviert worden. 1975/76 Studienaufenthalt in den USA, habilitiert 1978 und seit 1985
Professor für Astronomische und physikalische Geodäsie. – Harald Lucht überreichte Dieter Lelgemann die ebenfalls
klassisch-traditionell gerahmte Urkunde. Der Ehrenpreisträger hielt einen engagierten Vortrag „Antike
Messkunst“. Die Messkunst bildet die Verknüpfung von Messtechnik und
Angewandter Mathematik. Er ging besonders auf die „antiken“ Wissenschaftler
ein, die bereits grundlegende Forschungsergebnisse erzielt haben, von Thales, Anaximandos,
Pytheas über u.a. Archimedes, Eratosthenes bis zu Ptolemaios – in der praktischen Interpretation ihrer Ergebnissen
mit verblüffend hohen Genauigkeiten. Dieter
Lelgemann überzeugte die interessierte Zuhörerschaft durch eine
eindrucksvolle Präsentation seiner antiken Recherchen und Erkenntnisse.
Nach einer Kaffeepause mit ausführlicher Gelegenheit zum
Gedankenaustausch gab der Erste Vorsitzenden Ingo von Stillfried einen illustrierten Überblick über das
Geschäftsjahr und die geplanten Aktivitäten für das Jahr 2012. Die Homepage
erfreue sich wachsender Beliebtheit. (Siehe unsere Mitt. Nr. 418). Auch in der
INTERGEO sei der Förderkreis inzwischen mit einem eigenen Vortragsblock
integriert. Der Förderkreis habe wiederum für drei temporäre Ausstellungen
Exponate zur Verfügung gestellt. Daneben wurden für die Verfilmung des Buches
von Daniel Kehlmann „Vermessung
der Welt“ Instrumente zur Verfügung gestellt. Das Geschäftsjahr wurde besonders geprägt
durch die Vorbereitungen zur Mercator-Ausstellung
„500 Jahre Gerhard Mercator - vom
Weltbild der Renaissance zum Kartenbild der Moderne“. Die Ausstellung
wird das Leben und Wirken Mercators in seinen Werken zeigen und die besondere
Bedeutung vermitteln, die seine Arbeiten damals und bis heute hatten und
haben – für die Entwicklung der Kartographie, die Darstellung der Welt in
Atlanten und bis hin zu den modernen Navigationssystemen. Auf einer Fläche
von 750 m² werden über 300 Kartenblätter, 41 Globen, 32 Atlanten, 55
Instrumente, 12 Filme etc. präsentiert. Die Exponate stammen von 37
Leihgebern. Zahlreiche Kollegen und weitere Aufbauhelfer sind in die
Vorbereitung und Durchführung eingebunden. Die Ausstellung wird maßgeblich
finanziell unterstützt von der Nordrhein-Westfalen-Kultur-Stiftung,
dem DVW-Landesverein NRW, dem VDV, dem BDVI NRW, der Dt.
Gesellschaft für Kartographie und einer Reihe von Firmen. Alle privaten Geldspender
sollen im Rahmen der Ausstellung in einer Spender-Ehrentafel namentlich geehrt werden. Dafür ist ein Sonderkonto bei der Sparkasse Dortmund
(BLZ 440 501 99 Konto Nr. 911005166) eingerichtet. Die feierliche
Eröffnung findet am 9. März 2012 statt, die Ausstellung läuft vom 10. März
bis 10. Juni im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund. Der erste Vorsitzende bittet für die Ausstellung zu
werben und zu spenden und gibt einen Vorgeschmack mit der Präsentation des
begleitenden farbigen Katalogs (230 Seiten, reich illustriert). Im Katalog
werden auch die Vorträge zum vergangenen Symposium abgedruckt, sie
vervollständigen die Kenntnisse über Mercator. Außerdem sind zahlreiche
begleitende Veranstaltungen zur Ausstellung geplant (siehe www.mercator500.de). Für
die Schirmherrschaft konnte Prof.
Dr. Klaus Töpfer gewonnen werden.
– Hartwig Junius berichtete ergänzend, der Nachbau des Wiehen-Wagens
sei inzwischen weit fortgeschritten, er werde während der Mercator-Ausstellung
der Öffentlichkeit präsentiert (sieh auch Mitt. Nr. 415). Harald Lucht übergab dem Museum einen
„aufgeschnittenen“ Theodoliten, Geschenk von Dr. Dierk Hobbie (siehe Mitt.
Nr. 419).
Die Instrumentensammlung ist um ca. 75 Instrumente und Geräte
angewachsen. Der Katalog weist nun rd. 1.600 Einträge auf. Die Suche nach
fachlicher Betreuung gestaltet sich weiterhin schwierig. Der Erste
Vorsitzende bedankt sich abschießend für die vielfältige Unterstützung,
insbesondere bei unserem Ehrenmitglied und Träger der Ehrenmedaille Manfred Gombel. Herr Gombel wird mit einem langen
herzlichen Applaus für die langjährige, herausragende Arbeit geehrt. Ingo von Stillfried wirbt nochmals
eindringlich, für diese verantwortungsvolle und spannende Aufgabe einen
Nachfolger zu finden.
Der Präsident dankt besonders dem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried und den Kollegen
aus Dortmund für ihr mitreißendes
Engagement bei der Vorbereitung der deutschlandweit – jedenfalls für das
Vermessungswesen – einmaligen Ausstellung. Nach dem – wie stets – kompetenten
Kassenbericht des Schatzmeisters Franz
Gocke und dem Bericht der Kassenprüfer Burkhard Kreuter und Ingo Tiemann erfolgte auf Antrag von
Dr. Hartwig Junius die einstimmige
Entlastung des Vorstands.
Für eine Wiederwahl ins Kuratorium
werden die Herren Gombel, Dr. Grewe,
Hahn, Dr. Junius, Pfeifer, Schröder und Vogel für eine erneute Kandidatur vorgeschlagen.
Oberbürgermeister Sierau
verzichtet auf eine weitere Kandidatur, dafür kandidiert seitens der Stadt Stadtrat Martin Lürwer.
Weitere Kandidaten gibt es nicht. Die Kandidaten erklären ihre Bereitschaft
und werden en bloc einstimmig gewählt. Im Vorstand werden Ingo von
Stillfried, Norbert Kalischewski und Axel Kolfenbach einstimmig in den bisherigen Funktionen
wiedergewählt, ebenso Burkhard Kreuter
und Ingo Tiemann als Kassenprüfer.
Jürgen
Lagoda weist auf eine Ausstellung „’Vorbilder’ vor
Gerhard Mercator“ hin, die er zusammen mit Prof. Peter Mesenburg konzipiert hat und die am 22. April eröffnet wird
(Ort: Salvator-Kirche, Duisburg).
Zudem plant das Bildungswerk des VDV
ein Seminar mit dem Titel „Audienz bei
Gerhard Mercator“. Die nächste Mitgliederversammlung findet am
18. Februar 2013 statt. – 14./16.02.2012 420. „Last Call“ – Am kommenden Montag, den 13.
Februar 2012, findet die Mitgliederversammlung mit der Verleihung der
Eratosthenes-Preise in Dortmund statt. Mitglieder und Gäste sind herzlich
willkommen. Mehr siehe Mitt. Nr. 416 – 09.02.2012 419. Ein Hobbie-Jubiläums-Theodolit
aus Jena und Oberkochen via Bremen ins Dortmunder Vermessungsmuseum Ein hochherziges Geschenk durfte
der Präsident des Förderkreises des Vermessungstechnischen Museums und
Redakteur dieser Seite entgegennehmen: Dr.-Ing. Dierk Hobbie
übereichte am 30. Januar in Bremen
einen THEO 010 A aus dem Produktbereich „Geodätische Instrumente“ der Carl Zeiss Jena GmbH – doch es war
kein üblicher Theodolit, es war ein ganz besonderer, ein ungewöhnliches
Unikat: Mehrfach aufgeschnitten, das Innenleben von Fernrohr, Okular,
Teilkreisen sichtbar … Einst ein Geschenk zum 25-jährigen Dienstjubiläum im
Jahr 1993 an Dr.-Ing. Dierk Hobbie, seinerzeit in der Gesamtverantwortung
für den Geschäftsbereich Vermessung mit den drei Produktbereichen Geodäsie,
Photogrammetrie und Spezialsysteme (für die Aufklärung) bei CARL ZEISS in Oberkochen.
Das alles geschah in einer Zeit, als Ost-Zeiss-Jena und West-Zeiss-
Oberkochen darum rangen, wie eine gemeinsame Zukunft nach der
Wiedervereinigung aussehen sollte. 1995 dann waren die beiden Zeiss-Gesellschaften
wiedervereint und die Produktionsbereiche auf Jena (Geodäsie) und Oberkochen
(Photogrammetrie) verteilt. – 2001 wurde
im geodätischen Instrumentenbereich „aus Zeiss Trimble“ (vergl.
unsere Mitt. Nr. 291). Der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum in Dortmund dankt für dieses doppelt
wertvolle Präsent – aus persönlichen Besitz und aus einer Zeit großen
Umbruchs in ein neues Zukunftskonzept in der Zeiss-Firmengeschichte,
die Dierk Hobbie leitend mitgestaltet hat. Danach leitete er noch
mehrere Jahre den Geschäftsbereich Photogrammetrie in Oberkochen und
später das Vorstandsbüro von CARL
ZEISS. – Diesen so ganz besonderen
Theodoliten werden wir in der kommenden Mitgliederversammlung am 13.
Februar in Dortmund zeigen und in unsere Schausammlung im
Vermessungsmuseum aufnehmen. – 02.02.2012 418. Erneut hohes und weiter zunehmendes Interesse an unseren Seiten Die (anonymisierte) statistische
Auswertung der Besuche und Seitenaufrufe auf unserer Homepage zeigt ein
beständig weiter steigendes großes Interesse. 2011 hatten wir mit 33.765 Besuchen eine weitere Steigerung gegenüber
dem Vorjahr mit 31.600 (nach 18.600 in 2009). Die Seitenaufrufe stiegen ebenfalls weiter auf 48.600 in
2011 (nach 46.700 und davor 29.300). Diese Seite Aktuell zählte
2011 wieder 7.600
Aufrufe wie schon im Vorjahr, die Seite Aktuell-Archiv über
4.900 (nach 4000 in 2010). Faßt man
die beiden Seiten Aktuell +
Aktuell-Archiv zusammen, die beide zahlreiche Einzelaufrufe hatten, so
entfielen darauf über 12.000 Aufrufe im vergangenen Jahr 2011, also mehr als 1000 pro Monat. Dies zeigt ebenfalls das hohe
Interesse an vermessungshistorischen Ereignissen, Gedenktagen und Schriften,
worüber wir seit nunmehr rd. 9 Jahren auf diesen Aktuell-Seiten informieren.
Wir denken, damit auch insbesondere jüngere Besucherinnen und Besucher für
die Vermessungsgeschichte interessieren zu können. Interessant erscheint
auch „der Weg zu uns“. 56% sind
direkte Zugriffe, 27%
kommen von verweisenden Domains und 17%
über Suchmaschinen. Sicher sind auch Sie sehr oft dabei
gewesen! – 28.01.2012 417. Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr. Witte 75 Der Vorsitzende unseres
Kuratoriums o.Professor em. Dr.-Ing. Bertold
Witte vollendete am 17. Januar d. J. sein 75. Lebensjahr – Vorstand und Kuratoriumsmitglieder
gratulieren herzlich, zugleich im Namen der Mitglieder unseres
Förderkreises. Als 2008 dieses für unseren
Förderkreis so wichtige Amt vakant wurde und wir Bertold Witte diese Aufgabe antrugen, bedurfte es keiner großen
Überredungskunst, ihn zu gewinnen. Neben seinem breiten Feld in Lehre und
Forschung an den Universitäten Bonn und
Aachen schon seit 1968 hat ihn
auch die Geschichte unserer technischen Wissenschaft stets besonders
interessiert. Die Schwerpunkte seines Berufsfeldes insbesondere in der
Meßtechnik, der Ingenieurgeodäsie, dem trigonometrischen und geometrischen Nivellement
bis hin zu den GPS-Echtzeit-Meßverfahren liegen eng auf der Linie der
Sammlungs- und Ausstellungsschwerpunkte unseres Vermessungstechnischen Museums in Dortmund. Und Bertold
Witte weiß in seiner vornehm-zurückhaltenden und sorgsamen Art die
Grundlinien unserer Museumsarbeit aufzunehmen, weiterzuentwickeln und zu
gestalten, dies auch im Hinblick z. B. auf das 2014 kommende 12. Symposium für Vermessungsgeschichte.
Wir freuen uns, in o. Professor
Dr. Bertold Witte eine
kompetente Persönlichkeit an der
Spitze unseres Kuratoriums zu wissen, der das Wirken seiner Vorgänger
o.Professor Dr.-Ing. Wolfgang Torge
(1998- 2008) und Professor Dr. Hartmut
Dietrich kontinuierlich fortführt,
wie seine Vorgänger nun schon über viele Jahre unterstützt von Dr. Hartwig Junius aus Dortmund. – Wir sagen auch an dieser
Stelle: Herzlichen Glückwunsch! –
23.01.2012 416. Eratosthenes-Preisträger 2011 – Dr.
Rickenbacher aus Basel und Prof. Lelgemann aus Berlin Den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis 2011 erhält Herr Dr. phil. dipl. Ing. Martin
Rickenbacher aus Bern/Schweiz
für seine Dissertation „Napoleons Karten der Schweiz –
Landesvermessung als Machtfaktor zwischen 1798 und 1815“. In seiner Dissertation hat der Preisträger hervorragende
Forschungsergebnisse zur französischen Landesvermessung der Schweiz herausgearbeitet. – Herr Professor em. Dr.-Ing. Dieter Lelgemann aus Berlin erhält den Eratosthenes-Ehrenpreis 2011 für
seine jüngsten Buchveröffentlichungen und seine Arbeiten über Eratosthenes, die das
Stifterkollegium in ihrer Gesamtheit für besonders geeignet hält, einer breiten Öffentlichkeit
wissenschaftliche Erkenntnisse aus der historischen Geodäsie
näherzubringen. Das Stifterkollegium (Präsident
Professor Dr.-Ing. Harald Lucht,
Erster Vorsitzender Dipl.-Ing. Ingo
Freiherr von Stillfried, Kuratoriumsvorsitzender o.Professor em. Dr.-Ing.
Bertold Witte) hat unmittelbar nach Abschluß der
Einreichungsfrist am 2. und nochmals
am 26. November 2011 über die Preisverleihung beraten und sich für die beiden
Preisträger entschieden. Insgesamt waren 10 wertvolle Vorschläge eingereicht
worden. Die Preisverleihung findet statt
am 13. Februar 2012 ab 14:00 Uhr im Rahmen der Mitgliederversammlung 2012 in Dortmund
in der Rotunde des Museums für Kunst
und Kulturgeschichte. Martin Rickenbacher und Dieter Lelgemann werden aus ihren
preisgekrönten Arbeiten in Kurzvorträgen berichten. – 18.01./15.02.2012 415.
Der Wiehen-Wagen entsteht als Modell bei
Volkswagen – für die Mercator-Ausstellung Wir haben in unserer Mitt. Nr. 324 vor etwa einem
Jahr berichtet, wie unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried und
unser Bibliothekar und stellv.
Kuratoriumsvorsitzender Dr. Hartwig Junius bei der Volkswagen AG Interesse wecken
konnten, den vor über 200 Jahren erdachten und in einem Buch mit bemaßten
Zeichnungen veröffentlichten Vorschlag für einen Meßwagen
im Modell nachzubauen. „Abbildung und Beschreibung einer Geographischen Maschine auf einem
Wagen oder Kutsche“ von Johann Georg
Wilhelm Wiehen, Hildesheim 1772, hieß das Werk. Wir hatten es
antiquarisch angekauft. Inzwischen konnten sich Hartwig Junius bei einem jüngsten Besuch am 2. Dezember 2011 überzeugen: Der „Wiehen-Wagen“
wird als Funktions-Modell im Maßstab 1:1 in der Lehrwerkstatt des VW-Werkes in Baunatal gebaut. Wir dürfen hoffen, ihn in unserer Sonderausstellung „500 Jahre
Gerhard Mercator - vom Weltbild der Renaissance zum Kartenbild der Moderne“
der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Und ergänzend weisen wir auf den Aufsatz hin „Mit dem
Kompaßwagen über den Globus“ von Prof. Dr. Dierck-E. Liebscher, in dem dieser neben Überlegungen zu
Verbindungen auf gekrümmten Flächen auch einen Kompaßwagen erwähnt, ebenfalls alt-historischen Datums, wie er im
Modell vor dem Nationalmuseum für Wissenschaft und Technik in Taipeh aufgestellt ist – eine
Veröffentlichung mit interessanten Erwägungen zu Differential-, Subtraktions- und Planetengetrieben für einen
Kompaßwagen, eine Darstellung aus mathematischer Sicht (siehe http://www.aip.de/~lie/Publikationen/Kompasswagen.pdf ) Wir sind in der Vorbereitung der
Mercator-Sonderausstellung
begeistert, zu dem historischen
Begründer der UTM-Koordinaten einen
ebenfalls historischen Gedanken eines Wege-aufzeichnenden Wagens - im Modell
realisiert - bewundern zu können. – 08. 01. 2012 414. Der
Euro und das Kataster
„Aktuell“ heißt diese Seite unserer Homepage
Vermessungsgeschichte – Ist das
Kataster aktuell und zugleich Vermessungsgeschichte? Wir lesen in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im
Leitkommentar: „ …Ein Beispiel für die
Fragwürdigkeit europäischer Förderprojekte ist das griechische Katasterwesen. Der Versuch, im Staatsbesitz
befindliche Immobilien zu veräußern, ist bisher daran gescheitert, dass es in Griechenland an verlässlichen
Katasterunterlagen mangelt. Dabei gibt es ein Katasteramt, dessen Arbeit seit Jahren mit europäischen Mitteln bezuschusst wir. Man läse gerne einmal eine Untersuchung
dazu, wie viel Geld für die Modernisierung des griechischen Katasterwesens
nach Athen geflossen ist, wer es
bewilligt hat und wie es verwendet wurde – und warum es in Brüssel jahrelang niemand gestört
hat, dass die Behörde ihre zentrale Aufgabe trotz Fördermillionen immer noch
nicht zu erfüllen imstande ist…. “ F.A.Z. vom 31. 12. 2011, Seite 1, Leitkommentar „Von Teilzahlung zu
Teilzahlung“ von Michael Martens.
Auch zur Rettung des EURO
ist ein funktionierendes Kataster- und
Grundbuchsystem hochaktuell – dessen Herstellung ist aber sicher eine
Herkulesaufgabe in jenem großen vielfach zerklüfteten, inselreichen
Land wie Griechenland. Preußen
benötigte einst vor 150 Jahren vier Jahre, und das war nur möglich, weil man
auf ältere Unterlagen aus
Separationen, Gemeinheitsteilungen, auch älteren Grundstückskatastern
zurückgreifen konnte. Vergl. unsere Mitt.
Nr. 391. Heute kann sicher mit der Luftbildvermessung, GPS und moderner IT-Technik effektiver gearbeitet
werden, die Ermittlung von historischer Grenzziehung und Eigentum bleibt
dennoch erheblich zeitaufwendig. – Die Bedeutung eines modernen Vermessungs-
und Katasterwesens wird auch „bei uns“ nicht selten unterschätzt, weil es wie
selbstverständlich funktioniert. Doch es bedarf auch hier beständiger
nachhaltiger Pflege. – 31. 12. 2011 413.
175 Jahre Oldenburger Grundsteuerkataster Mit Datum vom 24. 2. 1836
veröffentlichte die Großherzogliche Oldenburgische Kammer
eine Bekanntmachung „betreffend die specielle
Vermessung der zu dem vormals Münsterischen Landestheil gehoerigen Aemtern“. Mit dieser Verfügung und der am gleichen Tage
herausgegebenen Instruktion über das Vermessungsverfahren begann vor 175
Jahren die erste systematische und vollständige Vermessung des Großherzogtums Oldenburg. Zunächst in
den Ämtern Vechta und Cloppenburg begonnen, wurde eine für
damalige Verhältnisse auf modernen Grundlagen und Verfahren beruhende
Vermessung und 1838 auf das gesamte Oldenburger
Land ausgedehnt – so lesen wir in dem höchst informativen Bericht von Heiko Taubenrauch aus Cloppenburg im Heft 2 und 3/ 2011
der Nachrichten der Niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung.
Der Autor beschreibt kenntnisreich eine Entwicklung, die damals „Zug der
Zeit“ war, als in deutschen Landen Vermessungen und Grundstückskataster angelegt wurden, jedoch einen ganz zukunftsgerichteten Ansatz verfolgte (siehe
ergänzend u.a. die auch zeitlich enge
parallele Entwicklung in der benachbarten Hansestadt Bremen, vergl. unsere Mitt. Nr. 344) Heiko Taubenrauch schildert in seiner sorgsam
recherchierten und reich bebilderten Veröffentlichung einleitend die
territoriale Vorgeschichte mit u.a. den Verhandlungen zum Reichdeputationshauptschluß
von 1803, erwähnt den Weserzoll
(der die Kaufleute der Hansestadt
Bremen lange ärgerte) bis hin zum Gebietszuwachs im heute als Oldenburger Münsterland bekannten
Gebiet. Ebenso werden die umfangreichen Triangulationsarbeiten umrissen,
verbunden mit den Namen Hauptmann G.
S. Otto Lasius (1752 – 1833), C. F. Gauß (1777 – 1855), A. Ph. Freiherr von Schrenck
(1800 – 1877), die darauf sich gründenden topographischen sowie ebenso Parcellar-Vermessungen.
Ausführlich wird das Oldenburgische
Grundsteuerkataster in seiner Entstehung beschrieben und gewürdigt,
ergänzt mit einer Reihe von Abbildungen historisch besonders interessanter
Übersichts- und Flurkarten sowie des damaligen Flurbuchs des Grund- und
Gebäude-Steuerkatasters, der zugehörigen Mutterrolle, von Handrissen etc. Mit der Fertigstellung des Oldenburger Urkatasters zum 1.1.1866
konnte dann das bereits seit 1803 angestrebte neue Grund- und Gebäudesteuersystem
eingeführt werden. Oldenburg
verfügte damit über ein Kataster, über das der Kölner Obergeometer Winckel 1882 urteilte: „Wenigen Fachgenossen dürfte
bekannt gewesen sein, daß das Vermessungswesen in der äußersten
nordwestlichen Ecke unseres Vaterlandes in solcher Blüte steht; mögen diese
Zeilen dazu beitragen, daß andere größere deutsche Staaten Sorge tragen, von
dem kleinen Großherzogthum
an der Nordseeküste nicht ferner beschämt zu werden.“ – Und ihr Redakteur
fügt hinzu: mögen diese Zeilen dazu beitragen, 175 Jahre Oldenburger
Grundsteuerkataster in das Bewußtsein derer zu rücken, für die die Vermessungsgeschichte
eine Quelle faszinierender historischer Erkenntnisse darstellt! Quelle: Heiko Taubenrauch:
Bedürfnis eines vollständigen Grundcatasters – 175
Jahre Oldenburger Grundsteuerkataster – in Nachrichten der Niedersächsischen
Vermessungs- und Katasterverwaltung Heft 2 und 37 2011 S.19 bis 31.
Interessenten erhalten pdf-Datei
dieses sehr lesenswerten Aufsatzes beim Autor über die Adresse heiko.taubenrauch@lgln.niedersachsen.de –
15.12.2011 412.
Eratosthenes-Preisträger 2011
Das Stifterkollegium zum Eratosthenes-Preis hat am 2. und 26. November
2011 in Dortmund über die
Preisvergabe zum Eratosthenes-Preis
2011 beraten. Dem Kollegium waren termingerecht bis zum 31. Oktober
insgesamt 10 Vorschläge eingereicht worden. Die
eingereichten Arbeiten und Veröffentlichungen umfaßten ein breites Spektrum von
vermessungsgeschichtlichen Themen und zeigten einmal mehr die große Vielfalt
auch in der Historie unseres Berufsfeldes.
Alle Vorschläge konnten vom Stifterkollegium als sehr gute Arbeiten
auf dem Gebiet der Vermessungsgeschichte beurteilt werden. Wir denken, dies
ist eine ganz erfreuliche Entwicklung grundsätzlich für das Interesse an der
Vermessungsgeschichte und zugleich aber auch für die Resonanz dieses seit
2000 ausgelobten, mit 2.500 €
dotierten Eratosthenes-Preises.
Beratungsergebnis und Preisträger werden wir unseren Mitgliedern mit
der Einladung zur Mitgliederversammlung 2012 mitteilen und zu gegebener Zeit
auch an dieser Stelle veröffentlichen. Zwischenzeitlich sind bereits
Preisträger wie Mitbewerber über das Ergebnis persönlich unterrichtet worden.
– 06.12.2011 411. Jubiläumsveranstaltung 60 Jahre VDV-Bezirk
Dortmund Der VDV-Bezirk Dortmund feierte am 26. November 2011 sein 60-jähriges Bestehen – hoch über der
Stadt im Harenberg-Hochhaus. Die Vorsitzende Andrea Kleber skizzierte einleitend
die Situation im Gründungsjahr 1951 der zu 90 % zerstörten Innenstadt von
Dortmund, erinnerte an die Verbandsgründung in schwerer Zeit, die damalige
Aufbruchsstimmung, den umfangreichen Stadt- und Verkehrswiederaufbau: wesentliche
Voraussetzungen waren stets die
Leistungen der Vermessungsingenieure. In der Reihe der Grußworte
gratulierte zunächst der Leiter
des Kataster- und Vermessungsamtes
Dortmund Ulf Meyer-Dietrich und
überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters,
der Fach-Dezernenten und betonte die gute Zusammenarbeit zwischen dem Amt,
den Beratenden wie den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren. Der
Präsident des Förderkreises des Vermessungstechnischen Museums Harald Lucht erinnerte daran, wie
einst Siegfried Stahnke jenen von Adrea Kleber skizzierten Wiederaufbau Dortmunds mit einer
Bodenordnung ermöglichte. Stahnke war
es auch, der dem 1987 neu gewählten Präsidenten jene Fachkollegen besonders
ans Herz legte, die den VDV-Bezirk ebenso aufgebaut haben, wie dem
Museums-Förderkreis. Mit besonderer Freude begrüßte er dabei Dr. Kurt Kröger, der von Anfang an dabei
war. Und Harald Lucht
beglückwünschte Frau Kleber und
die Redakteure – Manfred Gombel,
Friedel Pfeifer, Carl-Wilhelm Schmälter, Berndt Weise – zu der besonders
gelungenen Jubiläums-Schrift, sie zeige die reiche fachliche wie kulturell
ausgerichtete 60-jährige Verbandarbeit. Wilfried Grunau, Präsident des VDV, forderte im Schwerpunkt seines zukunftsweisenden, mit
manchem Bonmot angereicherten Vortrags mehr Marketing der Vermessungsingenieure. Ein wichtiger Schritt auf
diesem Wege sei die auf der Bremer
Erklärung aufbauende Zusammenarbeit von DVW, VDV und BdVI
(siehe hierzu auch unsere Mitt. Nr.
396) – Eine offensive Vertretung des Vermessungswesens sei heute im
Zeitalter der Geoinformationen wichtiger denn je. Nach Ehrung von Mitgliedern für
langjähriger Verbandsmitgliedschaft und einer
erfreulich ausgiebigen Kaffeepause und damit ermöglichtem breiten
Small Talk berichteten Dortmunder
Vermessungsbüros aus ihren aktuellen Projekten: Unter der Moderation von Berndt Weise war es erfreulich zu
erkennen, wie kompetent und in großer fachlicher Breite das Vermessungsbüro Blank und die Öffentl. best.
Vermessungsingenieure Christian Sommerhoff, Tiemann und Partner sowie Jürgen Wiegen in ihrer Arbeit
modernste Instrumente und Techniken einsetzten. Eine abschließende Führung
von Manfred Gombel und Ingo von Stillfried durch das
Vermessungstechnische Museum beschloß diese gelungene Jubiläumsveranstaltung. – 27. 11. 2011 410.
Mercator-Ausstellung in Dortmund zum 500. Geburtstag von Gerhard
Mercator Das kommende Jahr birgt für die
Vermessungsgeschichte ein ganz besonderes Ereignis: Gerhard Mercator wurde vor 500 Jahren am 5. März 1512 geboren. Geburtsort war Rupelmonde, Grafschaft Flandern, seine jungen Jahre verbrachte
er in Gangelt am Niederrhein, sein Name war
eigentlich Gerard De Kremer, latinisiert: Gerardus Mercator. Er starb am
2. Dezember 1594 in Duisburg,
damals Vereinigte Herzogtümer
Jülich-Kleve-Berg, wo er lange wirkte. Mercator war Mathematiker, Geograph, Philosoph, Theologe und
Kartograph und steht gerade als
Mathematiker und Kartograph in engster Beziehung zur Vermessungsgeschichte. Der Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund
plant vor diesem Hintergrund eine große
Sonderausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund. Erste Vorbereitungen sind
mit dem 11. Symposium für Vermessungsgeschichte im Februar 2011 in Dortmund und einer Vortragsfolge auf
der INTERGEO in Nürnberg erfolgt.
Der Erste Vorsitzende des Förderkreises Ingo
von Stillfried arbeitet bereits seit Monaten an einem ausgefeilten
Ausstellungskonzept und an der Organisation der Umsetzung. Die Ausstellung
wird das Leben und Wirken Mercators
in seinen Werken zeigen und die besondere Bedeutung vermitteln, die seine
Arbeiten damals und bis heute hatten und haben – für die Entwicklung der
Kartographie, die Darstellung der Welt in Atlanten und bis hin zu den modernen Navigationssystemen. An der
Umsetzung des ausführlich entwickelten Ausstellungskonzepts arbeiten
ehrenamtlich inzwischen über 30
Fachkollegen und -Kolleginnen mit. Die Ausstellung wird in enger Kooperation mit dem Museum für
Kunst und Kulturgeschichte MKK vorbereitet (dem „Mutterhaus“ unseres
Vermessungsmuseums). Das MKK organisiert auch den
gesamten Leihverkehr mit namhaften Institutionen. Dazu gehören u. a. die
Bundesämter für Kartographie und Geodäsie in Frankfurt a. M. und für Seefahrt und Hydrographie in Hamburg und Rostock; die Deutsche Luft- und Raumfahrtgesellschaft in Oberpfaffenhofen; Herzog August
Bibliothek in Wolfenbüttel;
Landesamt für Geoinformation in München;
Landesvermessung NRW in Bonn;
Rheinisches Landesmuseum Bonn;
Stadt- und Kulturhistorisches Museum Duisburg;
Stadt- und Landesbibliothek Dortmund;
Stadtarchiv Dortmund; Stadtmuseum Köln; Stiftung Preußischer
Kulturbesitz – Kartensammlung, Berlin;
weiteren Institutionen sowie einer Reihe privater Leihgeber. Das
Ausstellungskonzept und der ständig aktualisierte Ausstellungskalender ist im
Internet unter www.Mercator500.de einsehbar. Werbeflyer und Plakate
können per eMail unter vermessung@dortmund.de angefordert werden.
Die Ausstellung wird maßgeblich
finanziell unterstützt von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung,
dem Verband Deutscher
Vermessungsingenieure VDV, dem Deutschen Verein für Vermessungswesen
DVW-Landesverein NRW, der
Deutschen Gesellschaft für Kartographie Rhein-Ruhr, einer Reihe von
Fachfirmen, u.a. von ESRI Deutschland,
Conterra, MOSS sowie auch von privaten Sponsoren. Wir laden weitere
Sponsoren herzlich ein, die Ausstellung zu unterstützen. Wir werden
Geldspenden – soweit erwünscht – im Rahmen der Ausstellung namentlich
hervorheben. Dafür ist ein Sonderkonto bei der Sparkasse Dortmund (BLZ 440 501 99 Konto Nr. 911005166)
eingerichtet. Die feierliche Eröffnung findet am 9. März 2012 statt, die
Ausstellung läuft vom 10. 03. Bis 10. 06. 2012 im Museum für Kunst und
Kulturgeschichte in Dortmund. –
10.11. 2011 409. Fundsache - Landmesser in Livland in der
Zarenzeit „Ich erfuhr, daß Oberst Tenner sich
den Winter über in Riga aufhielt,
um Karten zu zeichnen. Ich steckte unsere letzten Rubel ein, legte in aller
Eile die zweihundertzwanzig Werst (1 Werst = 1066,78
m)
zurück und suchte ihn auf. Er schrieb mir das nötige Papierchen.
Dann ging er zum alten Graf Mellin und ließ sich von
ihm eine Empfehlung für mich geben. Danach begab er sich mit mir in
die Gouvernements-Verwaltung, legte einige seiner Triangulationen auf den Tisch, behauptete, das wären meine
Arbeiten (was sie in gewissem Maße auch waren), und setzte durch, daß ich ein
Landmesserzeugnis mit
Unterschriften und Siegel erhielt. Für staatliche Aufträge reichte das nach
dem russischen Gesetz von 1806 zwar nicht aus, aber dies Gesetz ist in Livland bislang nie angewandt worden,
und für Arbeiten am Ort genügte es. …“ schrieb Jakob Mättik in seinem Tagebuch – einem
Bericht aus dem zaristischen Rußland 1813 bis etwa 1827, einer Zeit, in der auch dort
Gedanken der Bauernbefreiung erwachten. Vermessungsgeräte und -instrumente
wollte er zunächst „vom alten Winter aus Dorpat, der lange in Rente
war“ mieten – einen anständigen Theodoliten,
Wimpelstangen, und sogar ein Wagnersches Planimeter – schließlich kaufte er,
finanziert aus einem Vorschuß und in Ratenzahlung.
Start in den Freien Beruf unter schwierigsten Verhältnissen auch hier. Zum geschichtlichen Hintergrund:
der russische General Karl Ivanovic
von Tenner (1783 – 1859) triangulierte 1817 bis
1832 im Baltikum. An jenen
Vermessungen hatte Mättik
mitgewirkt. Die bekannte sich anschließende ostpreußische Gradmessung (1832 – 1835) von Friedrich Wilhelm Bessel verband auch auf Tenners Anregung diese
russische Kette mit den Dreiecksketten des preußischen Generalstabs.
Jakob Mättik
war Schwager des Adligen Timotheus
Eberhard von Bock (1787 - 1836). Dieser hatte dem Zaren Alexander I. (1777 – 1827) seinen Eid geleistet (und
entstammte ebenfalls der Familie Romanov).
So fühlte er sich ihm doppelt verpflichtet. Er heiratete (als Gutsbesitzer)
die Schwester Mättiks,
eine Kutschertochter – in
damaliger Zeit ein Skandal und ihm widerfuhren erhebliche Anfeindungen. Als
er 1818 in einem Memorandum in eindrücklicher Form den monarchischen Absolutismus und die Leibeigenschaft im
damaligen Rußland
anprangerte und ein Verfassungsprojekt entwarf, wurde er von der zaristischen
Gouvernements-Verwaltung kurzerhand für geistesgestört erklärt und bis 1827
eingekerkert. Die Familie geriet in Armut – und Schwager Jakob Mättik wurde (siehe oben) mit Tenners Hilfe Landvermesser: Sein oben zitiertes Tagebuch wurde von Helge Viira/Jaan Kross nach Verifikation durch
Archiv- und Familienunterlagen 1978/1990 veröffentlicht. Es widerspiegelt die
gesellschaftlichen Verhältnisse in
Livland (historisch in etwa Südhälfte Estlands), in der damals die russischen Zaren Alexander I. und Nikolai
I. (1796 – 1855) Rußland regierten. - Vergl. zu
den Verfassungsfragen auch unsere Mitteilungen Nr. 254 und 274 Quellen: Jaan Kross: Der Verrückte des Zaren – aus dem
Estnischen von Helga Viira, Carl Hanser Verlag
München Wien 1990 – Titel der Originalausgabe Keisri hull (Tallin 1978); Rudolf Schmidt:
Die preußische Dreieckskette vom Rhein über Schlesien nach Memel 1817 – 1834, DGK
Reihe E Heft 29, München 2007: Wolfgang Torge: Geschichte der Geodäsie
in Deutschland, 2. Auflage, de Gruyter Berlin New
York 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Timotheus_Eberhard_von_Bock.
– 01.11.2011 408.
Konrad Peters – ein Nestor der Vermessungsgeschichte wird 90 Lange konnte Dipl.-Ing. Konrad Peters aus Münster krankheitsbedingt nicht mehr
unmittelbar an den Veranstaltungen unseres Förderkreises
Vermessungsgeschichte in Dortmund
teilnehmen, war jedoch stets mit dem Herzen dabei – umso mehr waren wir
erfreut, ihm 2009 persönlich die Ehrenmedaille unseres Förderkreises
im Rahmen der Mitgliederversammlung übereichen zu können. Wir haben damit
eine Persönlichkeit geehrt, die sich seit den 50iger Jahren des vergangenen
Jahrhunderts mit beständig zunehmendem Engagement vermessungshistorischen
Themen gewidmet hat, zahlreiche Veröffentlichungen verdanken wir ihm – bis in
die jüngste Vergangenheit. Geboren am 24. Oktober 1921 in Münster/Westfalen, gehört Konrad Peters zu den Jahrgängen, die
in ihrer Jugend – bedingt durch den Zweiten Weltkrieg – schwere Zeiten
durchleben mußten. Mitten im Studium an der
Staatsbauschule Frankfurt a.M.
wurde er 1941 im Wehrdienst eingezogen. Im April 1945 geriet er in Königsberg in russische
Kriegsgefangenschaft, über vier lange Jahre bis zum Spätsommer 1949. Peters nutze jedoch jene Zeit und
sammelte unter schwierigsten Bedingungen Vermessungserfahrungen als
Landmesser auf russischen Sowchosen
und mit dem Bau und dem Einsatz einfacher Vermessungsgeräte – Erfahrungen,
die ihm für seine späteren geschichtlichen Forschungsarbeiten hilfreich
werden sollten. Seine Berufslaufbahn bei der
Bundesbahn begann am 1.1.1950. Als „Spätheimkehrer“ hatte er das Recht auf
Wiedereingliederung und wurde zunächst als Arbeiter bei der Bundesbahndirektion Münster
eingestellt, wo er 1938 als Vermessungspraktikant begonnen hatte. Und 1950
konnte er dann endlich auch das Examen an der Staatsbauschule in Frankfurt a. M. ablegen. Erst 1956 erreichte
er mit der Ernennung zum technischen Bundesbahninspektor den Anschluß an seine Laufbahn. – Autor dieser Zeilen hat in seiner langen Praxis immer wieder solche
kriegserschütterten Biographien kennengelernt und mit Bewunderung den
wertvollen Einsatz jener Generation für unseren Beruf erkennen dürfen. Konrad Peters wurde 1972 zur Bundesbahndirektion
Essen versetzt, bedingt durch die Auflösung der Bundesbahndirektion Münster. Hier war er insbesondere in
der Ingenieurvermessung tätig. Seine vielseitiges
Können führte ihn zu besonderen
Einsätzen u. a. bei der Elektrifizierung im Raum Kassel, der Bahnhochlegung in Oldenburg, selbst zu einem kurzzeitigen Sondereinsatz beim Eisenbahnbau
in Argentinien. Er wirkte als
Ausbildungsleiter und als Lehrer an der Bundesbahnfachschule. 1983
pensioniert, ist er als Bundebahnamtsrat „im Unruhestand“ weiterhin
vielseitig aktiv geblieben. Seine Vorliebe für historische
Fragen im Vermessungswesen blieb in allen diesen Jahren ungebrochen. Eine
große Anzahl Veröffentlichungen sind seitdem entstanden, begonnen im „Fluchtstab“, und später in der
nachfolgenden Vereinszeitschrift „Der
Vermessungsingenieur“, dem heutigen VDVmagazin.
So sind in den vergangenen über 5 Jahrzehnten insgesamt weit mehr als 60
wertvolle Veröffentlichungen erschienen, allein 5 Bände der Schriftenreihe
unseres Förderkreises stammen aus seiner Feder. Bereits 1969 waren für die Ausstellung „Praxis Geometriae“
– Vorgänger unserer Schausammlung – eine ganze Reihe von Veröffentlichungen
wesentliche Arbeitsgrundlage. Beherrschende Themen waren u.a. Bauten im
Altertum, der historische Tunnelbau, historische Meßgeräte, dabei war stets
erkennbar seine Vorliebe zu anwendungsbezogenen und praktischen Themen. Darüber hinaus hat Konrad Peters sich professionell dem
praktischen Nachbau von Meßgeräten aus dem Altertum
gewidmet. Schautafeln zeigen Konstruktion, Funktion, Einsatz und mögliche
Meßverfahren. Er hat sich auch immer wieder gefragt und untersucht, welche
Genauigkeiten mit der damaligen Meßkunst möglich wurden. Auf zahlreichen
Ausstellungen wurden seine Arbeiten gezeigt und gewürdigt, in Vorträgen warb
er für das Vermessungswesen und selbst im WDR-Fernsehen sind Beiträge von und über ihn gesendet worden.
Über das geometrische Quadrat – das
Logo unseres Förderkreises – und über dessen Geschichte und mögliche
Genauigkeit hat er 2002 in der Zeitschrift „Der Vermessungsingenieur“ in
großer Klarheit berichtet. Man darf in dieser Hinsicht Konrad Peters ohne Übertreibung und mit Dankbarkeit als einen Nestor der Vermessungsgeschichte
ehren, der auf mehr als 60 Jahre segensreiches Wirken zurückblicken kann. Zur
Vollendung des 90. Lebensjahres
wünschen wir Dipl.-Ing. Konrad Peters alles Gute, insbesondere für seine
Gesundheit, und grüßen ihn und seine Frau herzlich. – 24.10.2011 407. Bundesverdienstkreuz für Wilfried Grunau,
Präsident des VDV Dipl.-Ing. Wilfried Grunau (53), Präsident des Verbandes der
Vermessungsingenieure VDV seit 1993, ist für sein langjähriges
ehrenamtliches Engagement mit dem Verdienstkreuz
am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet
worden. Der Oberbürgermeister der Stadt
Oldenburg, Gerd Schwandner, überreichte die Auszeichnung am 12. Oktober
im Sitzungssaal des Rathauses in Oldenburg
für „Leidenschaftliche Arbeit fürs Ehrenamt“, wie die Nordwestzeitung Oldenburg in ihrer Ausgabe vom 13. 10. 2011
berichtete. Wilfried Grunau habe sich in zahlreichen ehrenamtlichen
Aufgaben für das Wohl der Allgemeinheit eingesetzt, getreu seines Wahlspruchs „Es ist nicht genug zu wollen,
man muß es auch tun.“
Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V. in Dortmund gratuliert Präsident Grunau zu dieser hohen Ehrung,
insbesondere auch dankbar im Wissen um die beständig gute Unterstützung des
im Förderkreis konzentrierten vermessungshistorischen
Netzwerks durch Präsident Wilfried
Grunau und vom gesamten Vorstand des VDV.
– 16. 10. 2011 406.
Längenmaße und Entfernungen - 11. Dortmunder Museumsnacht voller
Erfolg Räumliche Dimensionen zu
erfassen war schon immer menschliches Begehren. Größere Entfernungen wurden
anfangs z.B. in Kameltagesritten oder Tagreisen angegeben, kleinere in Meilen
oder Ruten, kleinste in Zoll oder Strich. Andere Längenmaße waren Fuß,
Klafter oder Elle. Erst die Einführung des heute weltweit verwendeten Meters
im Jahre 1799 setzte der großen Vielfalt der Maße ein Ende.
Ingo von Stillfried demonstrierte am 1. Oktober 2011, assistiert von Christian
Heine, im Rahmen der Dortmunder Museumsnacht historische Instrumente und Verfahren zur Längenmessung
mit praktischen Vorführungen: Nippur-Elle – Meßseil aus Ägypten
– 12 Knotenschnur – Meßkette – Schrittzähler –
Entstehung des Meters – Meßband – Theodolit –
Diagrammtachymeter …. Die Vorführungen bildeten ein Streiflicht durch die
unterschiedlichen Längenmaßsysteme und zeigen mit historischen Instrumenten
die Entwicklung der Entfernungsmessung
– in historischen Kostümen auf
dem Platz von Amiens. Jeweils anschließend führte Dr. Hartwig Junius viele Interessenten
durch die Abteilung Vermessungsgeschichte
im 4. OG des Museums für Kunst und
Kulturgeschichte, Hansastraße 3 in
Dortmund. Insgesamt nahmen ca. 90 interessierte Besucher an den Führungen
teil – und abschließend wurden noch lange im kleinen Kreis über Gesehenes und
Erfahrenes diskutiert. – 10.10. 2011 405. Historische Kartographie und Vermessung –
Förderkreis bei der INTERGEO aktiv Der vom Förderkreis
Vermessungstechnisches Museum e. V. betreute Vortragsblock bei der INTERGEO in Nürnberg am 29. 09. 2011 war erneut ein voller Erfolg. Unter
professioneller Moderation von Ingo Frh. von Stillfried hörten zahlreiche Zuhörer Im Saal
„KIEW“ drei hochinteressante Vorträge: Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, Universität
Essen-Duisburg referierte über „Die
Welt vor Columbus – Zur Genauigkeit der Katalanischen Estense-Weltkarte
(1450)“. Er spannte den Bogen von Karten des Mittelalters über die nach
Osten orientierten Ebsdorfer Weltkarte (mit der Andeutung des Jesus, der die Welt in Kreuzform umfaßt - wir haben eine sehr instruktive Abbildung der Ebsdorfer Weltkarte in unserem neuen Museumshandbuch, siehe S. 114), über die Systematik der
Herstellung alter Portolankarten bis hin zur katalanischen Estense-Welkarte.
Deren wissenschaftliche Untersuchung führte zu einer für die damalige Zeit
erstaunlich hohen Genauigkeit – eine Präsentation historischer Kartographie,
gekonnt kurzweilig vorgetragen. Prof. Dr. Peter van der Krogt, University Utrecht erfreute die
Zuhörer mit ebenfalls hervorragenden Abbildungen in seinem Vortrag „Gerhard
Mercator als Kartograph und Kosmograph“. Einleitend umrundete er die Frage – übrigens in überraschend gutem
deutsch – ob Mercator wohl eher
als Geograph, als Kosmograph oder als Kartograph zu gelten hat und neigte zu
letzterer Profession. Sein Wegbereiter Gemma
Frisius, seine vielzähligen Auftragsarbeiten,
sein erstmals von ihm begründeter Atlas, der Vortragende wußte
die Zuhörer mit den umfangreichen Schaffen Mercators und – in seiner Nachfolge – dessen Sohn und seiner
Familie zu fesseln, last not least mit Hinweis auf die Mercator-Projektion, wie sie heute allen Navigationssystemen
zugrunde liegt. Teile seines Vortrags werden in dem demnächst erscheinenden
Band über das jüngste 11. Symposium zur Vermessungsgeschichte nachzulesen
sein. Im abschließenden Vortrag dieses
Nachmittags wußte Dipl.-Ing. Frank Reichert, ÖbVI, Landesgruppe Brandenburg, die Zuhörer mit einem einmal mehr überraschend
tiefgründigen Vortrag zu erfreuen: „Die Zollmann’sche
Scheibe – Geschichte eines Vermessungsinstruments“. Bereits einleitend
relativierte der Rederent die Bezeichnung
„Instrument“, handele es sich letztlich doch lediglich um eine Papierscheibe,
auf der im Feld zentrierte Richtungen aufgetragen, im Büro als graphische
Winkel umgesetzt werden. Doch Frank
Reichert hinterfragte, ob Johann
Wilhelm Zollmann tatsächlich der „Erfinder“
dieser Scheibe war – immerhin hatte er schon 1726 bereits eine
Katastervermessung in Sachsen-Weimar durchgeführt und ein Buch über die Zollmann’sche Scheibe verfaßt.
Intensive Archiv-Forschungen des Vortragenden zeigten jedoch, diese
Papierscheibe war schon seit einigen 100 Jahren früher im praktischen
Gebrauch. Didaktisch geschickt dargeboten, erlebten die Zuhörer, wie immer
ältere – auch englische und französische – Quellen ergründet wurden (u.a. Leupold, Zürner,
Bion, Dilich, schließlich
Daniel Schwentner
(geb.
1585 in Nürnberg, dessen Buch der Förderkreis 1986 mit einer Einführung von
Dr. Kurt Kröger als Reprint
herausgegeben hatte.
– Der Referent führte die Gedanken bis hin zur Frage: war das Meßtischverfahren oder jene Papierscheibe das ältere
„Instrument“? Wir erlebten einmal mehr, wie intensiv und mit Forscherdrang
unser Eratosthenes-Preisträger 2001
Frank Reichert
vermessungshistorische Zusammenhänge aufzuhellen vermag. Ingo von Stillfried dankte
abschließend Vortragenden wie Zuhörern. Und er wies werbend auf unsere
kommende große Mercator-Ausstellung in Dortmund
hin – siehe auch www.mercator500.de und weitere Mitteilungen auf dieser Seite
unserer Homepage. – Der traditionelle Stand des
Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V. in den Messehallen wurde in diesem Jahr mit besonderem Engagement von Jürgen Lagoda und Rudolf Uebbing betreut, tatkräftig
assistiert von Christian Heine.
Internationale Besucher waren u. a. Paul
Duré aus Gent,
Kollegen aus Polen vom Warschauer Geodäsieunternehmen. Unter den
zahlreichen Besuchern konnten Präsident Harald
Lucht und Erster Vorsitzender Ingo
von Stillfried u. a. auch die Kollegen Präsident a. D. Wulf Schröder aus Wiesbaden, Dr. Helmut
Hoffmeister aus Erfurt und mit
großer Freude Prof. Dr. Hubertus
Hildebrandt begrüßen, Leiter des Stadtvermessungsamtes Nürnberg bis 1990.
– 01.10.2011
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