FÖRDERKREIS VERMESSUNGSTECHNISCHES MUSEUM E. V.
POSTANSCHRIFT: 
POSTFACH 10 12 33 
D-44012 DORTMUND 
Tel.  +49 (0) 231 50 2 56 86    Fax +49 (0) 231 50 2 54 28

Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Hansastraße 3
D-44137 Dortmund   
(5 Minuten vom Hauptbahnhof)
Logo
Aktuelles              "Erinnern heißt danken"  
Redaktion: Harald Lucht

Aktuelle  Mitteilungen    - zurück zur Startseite -   - zum Archiv (Aktuelles)-   - zu den AVN-Nachrichtenblättern    

26. Juli  2010 - Ergänzung in Mitt. Nr. 349, Beginn Umlegung Stadtkern Dortmund schon vor AufbauG NW

 

352.   Erlebte Vermessungsgeschichte – Umwälzungen in den „neuen Ländern“ vor 20 Jahren

             Politische Wende 1989/90 in Deutschland – erhebliche Herausforderungen auch für das Vermessungs-, Kataster- und Liegenschaftswesen. Deutscher Städtetag, Länderarbeitsgemeinschaft AdV, Berufsverbände, insgesamt das deutsche Vermessungswesen stellte sich dieser Herausforderung: Das Vermessungs-, Kataster- und Liegenschaftswesen hatte in der DDR eine ganz andere Entwicklung genommen als in der Bundesrepublik, bedingt durch über 40 Jahre einer ganz anderen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, einer veränderten, geradezu nachrangigen Rolle des Grund und Bodens im Wirtschaftsleben.

            Als Folge des Einigungsvertrages von 1990 wurde in den „neuen Ländern“ sehr schnell das über Jahrzehnte entwickelte westdeutsche Fachrecht eingeführt. Manfred Rommel, Präsident des deutschen Städtetages schrieb im November 1991.Die ostdeutschen Kommunalpolitiker haben es unglaublich schwer. Die Einführung von westdeutschem Verfassungs- und Verwaltungsrecht von einem Tag auf den anderen wirkte ungefähr so, als ob bei uns im Westen Chinesisch als Amtssprache  eingeführt würde…..Ich ziehe vor den ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen tief den Hut, auch vor dem, was sie in der verhältnismäßig kurzen Zeit bereits mit äußerst bescheidenen Mitteln zu leisten imstande waren.“

            In den ostdeutschen Städten herrschte erheblicher Fachpersonal-Mangel, einhergehend mit schwierigen Unterbringungsverhältnissen, teilweise veralteter Automationstechnik. Die unterschiedlichsten Kräfte aus dem Westen waren damals bemüht, beim Neuaufbau des Vermessungswesens in der ehemaligen DDR mitzuwirken, es gab Vorschläge, Papiere, Memoranden mit ganz unterschiedlichen Zielrichtungen. Die westdeutschen Städte und Länder und haben mit großem Einsatz unterstützend gewirkt – personell und finanziell.

            Der Fachbeitrag „Vor 20 Jahren – Aus der Arbeit im Deutschen Städtetag nach der politischen Wende“ in der zfv – Zeitschrift für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement“, Heft 3/2010, Seiten 143 bis 151 schildert die damalige Situation und dokumentiert die Aktivitäten der Fachkommission „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ im Deutschen Städtetag in jenen Jahren, zugleich mit einem kurzen Einblick in das Wirken der Länderarbeitsgemeinschaft AdV. Siehe: www.haraldlucht.eu/Lucht_zfv_3_2010.pdf . - 25. 07. 10

 

 

 

351.   150 Jahre Stadtvermessung Hannover

            1860 gründete die Stadt Hannover ein Vermessungsbüro, das am 23. Juni 1860 seine Arbeit aufnahm. Taggenau 150 Jahre später begrüßte Oberbürgermeister Stephan Weil im Mosaiksaal des ehrwürdigen Neuen Rathauses zahlreiche Gäste und besonders den früheren Amtsleiter Prof. Gustav Bohnsack. Er beglückwünschte ihn und den seit 1986 an der Spitze der Stadtvermessung in Hannover so erfolgreich wirkenden Dr. Bernd Wegener und seine Mitarbeiterschaft zu diesem besonderen Jubiläum und bekannte, von der Stadtvermessung eigentlich nur den vorzüglichen Stadtplan zu kennen. Er wisse jedoch, dies sei nur die Spitze des Eisbergs, für planvolle Stadtentwicklung sei die Stadtvermessung das unsichtbare und unverzichtbare Fundament. Stadtbaurat Uwe Bodemann begrüßte die große Fachkollegenschaft aus Verwaltung und Wissenschaft und dankte Dr. Bernd Wegener für die hohe Flexibilität in der Aufgabenbewältigung. Unter den zahlreichen Besuchern waren u. a. die Amtsleiter der Stadtvermessung aus Kiel, Magdeburg, Nürnberg, vom KVR aus Essen, aus Braunschweig, Göttingen, Hildesheim.  

            Beginn und Entwicklung der Stadtvermessung Hannover ist in einer hervorragend gestalteten Druckschrift dargestellt, erarbeitet nach intensiven Recherchen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtvermessung. Am Beginn stand einst der Major a. D. und Geometrielehrer am Polytechnikum Hannover, H. L. W. Arnold Deichmann, die Gründung war ausgelöst von der Stadterweiterung 1859. – Die Stadtvermessung Hannover war nach dem Zweiten Weltkrieg selbständiges Amt, Teil des Stadtplanungsamts, wieder selbständiges Amt und seit 2003 Bereich Geoinformation im Fachbereich Planen und Stadtentwicklung. Gegenwärtig steht angesichts der leeren städtischen Kassen und des landesweit eingeführten neuen kommunalen Rechnungswesens (NKR) vor allem die Bewertung der städtischen Immobilien im besonderen Fokus.

            Stadtdirektor Karlheinz Jäger, Leiter des Stadtmessungsamtes Stuttgart und Vorsitzender des Städtetagsausschusses "Kommunales Vermessungswesen und Geoinformationen", spannte in seinem Festvortrag "Geodaten und Geodäten" einen weiten Bogen von frühester Vermessungsgeschichte bis in Gegenwart und Zukunft. Seine historischen Mosaiksteine waren u. a. die Feldmesser in Ägypten (als Hohe Priester mit hohem Ansehen, er meinte, das wäre heute wohl zu relativieren), der Plan von Nippur (bereits überraschend maßstäblich), die Ebstorfer Weltkarte (als nur ein Bild), die Stadtansichten von Merian zu Stuttgart 1634 (als ein erster Stadtplan) und Hannover 1654 (als eindrucksvolle Silhouette). Ausgelöst durch den zunehmenden IT-Einsatz gab es in den vergangenen Jahrzehnten einen erheblichen Wandel in der Aufgabenerledigung. Heute werden frühere Separatlösungen durch integrative Ansätze ersetzt. Der weitere Auf- und Ausbau von fachübergreifenden kommunalen Geodateninfrastrukturen (GDI) und Geoportalen sowie einem abgestimmten Geodatenmanagement kommt in den Städten eine entscheidende Bedeutung zu. Geodaten sind Zukunftsrohstoff, sie sind Garanten für Innovationen und qualitätsvolle Dienstleistungen, Grundlage einer prosperierenden Wirtschaft.

            Eine begleitende Ausstellung zeigte das heutige Wirken der seit 2003 als „Geoinformation“ firmierenden Stadtvermessung Hannover. Tafeln informierten über die vielfältigen heutigen Aufgaben, so über Liegenschaftsvermessungen und Bauwerksüberwachungen, die Stadtkarte 1:1000 als Basis breiter Anwendungen in der Stadtverwaltung, über Luftbildauswertungen und das seit 1951 gepflegte Luftbildarchiv, die Architekturfotografie, über Grundstücksbewertung und städtischen Liegenschaftsnachweis. Zeitaufwendige Aufgaben sind auch die politisch geforderten Straßennamenumbenennungen bei Personen, deren damalige Ziele und Wertvorstellungen heute im Widerspruch zu Verfassung und Menschenrechten stehend gesehen werden. – Im Online-Shop sind reichhaltige thematische Karten im Angebot. Die 19. und Jubiläumsausgabe der Stadtkarte Hannover 1:20 000, seit 1951 mit einer Gesamtauflage von 358.000 Exemplaren für die Messe- und Expo-2000-Stadt Hannover, ist ein besonderes, sechsfarbiges Aushängeschild der Stadtvermessung. Ein ausführlicher Bericht erscheint demnächst in der zfv. – 15.07.10 

 

 

350.  Unser Auftritt bei der INTERGEO in Köln

            Bei der kommenden INTERGEO vom 5. bis 7. Oktober 2010 in Köln wird der Förderkreis erstmals mit einem eigenen Vortragsblock „Historische Vermessung“ vertreten sein. 

            Unter Moderation des Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried sind 3 Vorträge vorgesehen:

                     Dr.-Ing. Klaus Grewe, Swisstal: "Wasser für Rom - Die Leistungen der römischen Ingenieure"

                     Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß, Uni Bonn: "Franz Adickes - nicht nur städtebauliche Bodenordnung"

                     Dipl.-Ing. Manfred Spata, Bonn: "Wie viel Mercator steckt in UTM?"

ACHTUNG: Abweichend von den mit den Fachzeitschriften versandten DVW-Einladungen findet dieser Vortragsblock am 

                    Donnerstag, den 7. Oktober 2010 in der Zeit von 11:00 bis 12:30 Uhr statt - also vormittags, nicht nachmittags!

Siehe auch www.intergeo.de/ unter Kongressprogramm

           Unser bekannter Messestand wird wieder von dem bewährten Team unter Leitung unseres Geschäftsführers Klaus Lehmann organisiert. - 07.07.10

 

 

349.  Bundesbaugesetz vor 50 Jahren verkündet

           Vor 50 Jahren, am 29. Juni 1960, wurde das Bundesbaugesetz (BBauG) verkündet (BGBl. I S. 341). In 10 Kapiteln („Teilen“) wurde mit insgesamt 189 Paragraphen ein einheitliches „Grundgesetz des Städtebaus“ geschaffen, seit 1987 zum Baugesetzbuch erweitert. Das Bau- und Planungsrecht (Bauleitplanung, Vorkaufsrecht, Regelung der baulichen Nutzung), die städtische Bodenordnung und Grenzregelung, das Enteignungs- und Erschließungsrecht sind damals auf eine bundeseinheitliche Grundlage gestellt worden. Die Grundstückswertermittlung hat mit der Einrichtung der Gutachterausschüsse, der Kaufpreissammlung eine besondere Bedeutung für die Markttransparenz gewonnen (bis 1960 galt formal noch die „Preisstopp-Verordnung von 1936). Das BBauG ist u. a. von den Fachkollegen  im damaligen Städtetagsausschuß „Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen“ – also aus der praktischen Erfahrung heraus – intensiv mit vorbereitet worden. Diese Vorarbeiten sind insbesondere mit den Namen der Fachkollegen Bonczek (vergl. Mitt. Nr. 213), Dr. Röhrs (Mitt. 252), Overhoff (Mitt. 298), Stahnke (Mitt. 298) u. a. verbunden. Siehe auch Mitt. Nr. 192.

           Das Bundesbaugesetz war nach 1960 im Vermessungsbereich insbesondere für die Arbeit der (kommunalen) Vermessungs- und Katasterämter, der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure, insgesamt der Ortsinstanzen von besonderer Bedeutung. Neben der Grundstückswertermittlung entfachte die Bodenordnung (in Fortsetzung der Regelungen der Aufbaugesetze) eine städtebaulich große Wirkung. So ist z.B. der gesamte Innenstadtbereich von Dortmund in den 50-iger und 60-igerJahren neu geordnet worden, begonnen zunächst auf der Grundlage von Vorgängerverordnungen aus früherem Umlegungsrecht, dann des Aufbaugesetzes NW von 1952 und schließlich des BBauG.

             Vor 1960 war bereits über 30 Jahre versucht worden, das Baurecht zu ordnen und es den jeweils neuen Entwicklungen auf dem Gebiet des Städtebaus anzupassen. Bereits 1926 und 1929 wurden in Preußen entsprechende Gesetzentwürfe ausgearbeitet, jedoch nicht verabschiedet; ebenso erging  es einem Reichsstädtebaugesetzentwurf aus dem Jahr 1931. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die westdeutschen Länder – mit Ausnahme von Bayern und Bremen – zunächst Aufbaugesetze nach dem von ihnen gemeinsam erarbeiteten „Lemgoer Entwurf“ erlassen. Obwohl diese sich generell bewährt hatten, konnten sie nicht die Aufsplitterung auf dem Gebiet des Baurechts beseitigen. Das wird daraus deutlich, daß 1960 im Bundesbaugesetz insgesamt 67 (!) Gesetze und Verordnungen des Bundes und der Länder außer Kraft zu setzen waren.

             Das Bundesbaugesetz (BBauG) mit den Regelungen zum allgemeinen Städtebaurecht und das ergänzend dazu geschaffene Städtebauförderungsgesetz (StBauFG) vom 27. Juli 1971 mit Regelungen zum besonderen Städtebaurecht (v. a. Sanierungsrecht) wurden zum 1. Juli 1987 in überarbeiteter Form im "Baugesetzbuch" (BauGB) zusammengefaßt und mehrfach novelliert. Vor 50 Jahren wurde das Bau- und Planungsrecht in der (alten) Bundesrepublik endlich vereinheitlicht. – 29.06.10/26.07.10

 

348.   Hartwig Junius zur Vollendung des 70. Lebensjahres.  

            Seit über 30 Jahren ist Dr.-Ing. habil. Hartwig Junius ein ruhender Pol in unserem Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e. V. in Dortmund. Geboren am 20. Juni 1940 in Hemer bei Iserlohn hat er als akademischer Lehrer mehr als einer ganzen Generation von Raumplanern den Vermessungsberuf nahegebracht. Nach Studium an der Universität Bonn wurde er Akademischer Oberrat und später Privatdozent an der Universität Dortmund. Zunächst seit 1969 bei Prof. Dr.-Ing. Walter Seele, anschließend bei Prof. Dr. jur. Hartmut Dietrich und Prof. Dr. iur. Benjamin Davy. - Hartwig Junius ist den Lehrstuhlinhabern in der Fakultät für Raumplanung zur unentbehrlichen „rechten Hand“ geworden. 1991 habilitiert und lehrend insbesondere in den Fachgebieten Planungskartographie und Geoinformationssysteme.  Vielen „seiner“ Studentinnen und Studenten hat er so die Vermessungskunst in umfassender Weise nahegebracht und ist ihnen in seiner zielführenden und zugleich menschlich-verständnisvollen Art in bester Erinnerung.

             Im Förderkreis wirkt Hartwig Junius seit 1979, seit 1982 als Geschäftsführender Vorsitzender des Kuratoriums und seit über 10 Jahren in gleicher Funktion als dessen Stellvertretender Vorsitzender. Ihm ist der Start 1981 in die Organisation der im 3-Jahres-Abstand durchgeführten Symposien zur Vermessungsgeschichte zu danken, verbunden mit der Herausgabe der Symposiumsbände. Mit "Von der Allmende bis zum heutigen Privateigentum" begann die Reihe seiner Symposien. Seit einer Reihe von Jahren hat er sich auch zusätzlich in die Pflicht der Führung unserer umfangreichen Fachbibliothek nehmen lassen. Die Pflege dieses ungemein großen Wissens-Reichtums ist ihm schnell zum Herzensanliegen geworden. Weil er jüngst nicht nachließ, für den Kauf eines für sich gesehen teuren kleinen Buchs im Vorstand zu werben, können wir nun hoffen, daß der „Wiehen-Wagen“ bei Volkswagen in Kassel-Baunatal Realität wird (vergl. unsere Mitt. Nr. 324).

             Wir gratulieren unserem „Guten Geist“ im Förderkreis Dr. Hartwig Junius herzlich zu seinem besonderen Ehrentag. Er wird sicher im Kreise seiner großen Familie und zusammen mit seinen 9 Enkelkindern feiern – unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried wird unsere besten Wünsche persönlich überbringen. – 20.06.10      

 

347.   Konrad Zuse vor 100 Jahren geboren – 10 Euro Gedenkmünze

            Konrad Zuse (geboren 22. Juni 1910 in Berlin, gestorben 18. Dezember 1995 in Hünfeld nahe Fulda) gilt heute unbestritten als Erfinder des Computers. Nach Jugendjahren in Ostpreußen, Abitur in Hoyerswerda in der Lausitz/Sachsen beendete er 1935 sein Studium mit dem Diplom als Bauingenieur an der TH Berlin-Charlottenburg. Bereits aus jener Zeit stammten erste Vorüberlegungen für einen programmierbaren Rechner. Die Z 1 war 1938 fertiggestellt - im heimischen Wohnzimmer, ebenso 1941 die Z 3 - ein vollautomatischer in binärer Gleitkommaberechnung arbeitender Rechner mit Speicher und Zentraleinheit aus mehren Tausend Telefonrelais. Die Z 3 gilt heute als der erste funktionstüchtige Computer der Welt.

           1949 gründete der Erfinder die Zuse KG nahe Hünfeld. Bald nach Bad Hersfeld verlegt, folgte die Zusammenarbeit mit Nixdorf, später Übernahme durch Siemens. – Die Anwendungen im Vermessungsbereich begannen in den 50-iger Jahren in einer fruchtbare Zusammenarbeit mit der Flurbereinigungsverwaltung, wo der Relais-Rechner Z11 lange eingesetzt wurde.  Bald darauf war die Z22 entwickelt, der erste elektronische (Röhren-) Rechner, der ebenfalls vielfach in den Vermessungsverwaltungen arbeitete. – 

            Das Vermessungstechnische Museum in Dortmund besitzt in seiner Magazinsammlung eine Rechenanlage Zuse Z11 sowie einen Graphomaten Z64. - Eine außerordentlich reichhaltige Sammlung befindet sich im Konrad Zuse Museum in Hünfeld nahe Fulda, dort sind u.a. die Z1, Z3, Z4. Z11, Z22 und der Graphomat Z64 ausgestellt (vergl. unsere Mitt. Nr. 195).

           Zum 100. Geburtstag von Konrad Zuse erinnern bundesweit Ausstellungen, Vorträge und Workshops an sein Leben und Werk und machen auf die Aktualität seiner Erfindung im digitalen Zeitalter aufmerksam, siehe insbesondere www.zuse-jahr-2010.de. und www.zuse.de sowie unsere Mitt. Nr. 341.

           Am 10. Juni 2010 ist eine 10 Euro-Gedenkmünze in Verkehr gebracht worden. Im Mittelpunkt der Bildseite steht ein Quadrat mit zahlreichen binären Zahlen 0 und 1, teilweise überlagert durch ein stilisiertes Profil von Konrad Zuse – und eingefaßt von (oben) einem Lochstreifen und seitlich von den Rechnerbezeichnungen Z1 bis Z5, Z11, Z22, Z23, Z25, Z31 und Z64 sowie (unten) mit der Schrift KONRAD ZUSE 1910 – 1995.  Der glatte Münzrand enthält in vertiefter Prägung die Inschrift KONRAD ZUSE - VISIONÄR ZWISCHEN NULL UND EINS. -  (BGBl. I S. 687).  – 15./20.06.10

 

 

346.   Mercator-Symposium im Februar 2011 - Vorankündigung

           Das kommende 11. Symposium für Vermessungsgeschichte am Montag, den 14. Februar 2011, wird der Einstimmung auf den 500. Geburtstag  von Gerhard Mercator gewidmet.  Es steht unter dem Leit-Thema "Gerhard Mercator gestern und heute in unserer Welt". Sein Leben und Wirken wird in 5 Vorträgen international bekannter Referenten gewürdigt werden:

 

          "Mercator als Kartograph, Geograph" - Prof. Dr. Peter van der Krogt, Universität Utrecht

          "Mercator als Mathematiker, Mathematicus" - Prof. Dr. Jochen Brüning, Humboldt-Universität Berlin

          "Mercator als Mechaniker, Mechanicus" - Prof. Koenrad van Cleempoel, Universität Husselt 

          "Mercator als Philosoph, Theologe, Humanist" - Nicole Schmenk M.A., Universität Duisburg-Essen 

          "Zur Bedeutung der Mercatorprojektion in der heutigen Kartographie" Prof. Dr. Dietmar Grünreich, Frankfurt     

 

           Der große Gelehrte Mercator wurde als Gerhard Kremer am 5. März 1512 in Rupelmonde bei Antwerpen geboren, seine Eltern stammten aus Gangelt bei Aachen. Nach Universitätsstudium in Löwen wurde eine Begegnung mit Gemma Frisius (1508 - 1555) richtungweisend für seinen weiteren Lebensweg. Seit Ende der 30-iger Jahre wirkte er bereits als Landmesser, Kartograph und Instrumentenbauer. 1552 übersiedelte er nach Duisburg. In den folgenden 42 Jahren schuf er dort den bedeutendsten Teil seines Lebenswerkes. Mercator starb am 2.12.1594.

           Die Veranstaltung in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund - in dem auch das Deutsche Vermessungsmuseum als Abt. 22 beheimatet ist - beginnt um 10:00 Uhr. Anschließend findet die Mitgliederversammlung des Förderkreises statt. - 06.06.10/09.06.10 

 

 

345.   Prof. Dr. Erich Weiß geehrt

Der Zweite Vorsitzende unseres Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. mult Erich Weiß, Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft i. R. der Universität Bonn wurde von der Fakultät für Bauingenieurwesen und Geodäsie der Universität Lubljana die goldene Plakette für hervorragende Zusammenarbeit verliehen. Erich Weiß hat über eine Reihe von Jahren für einen engen Studienaustausch von Studenten und Assistenten mit der Uni Lubljana gesorgt und zusammen mit der slowenischen Kollegin Prof. Dr. Maruska Subic Kovacein ein Buch über Städtebauliche Bodenordnungsmodelle aus der Bundesrepublik Deutschland verfaßt. Wir gratulieren zu dieser erneuten Ehrung (Vergl. auch unsere Mitt. 310). - 26. 05. 1o

 

 

344.   175 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen – Gründung eines Katasterbüros in Bremen 1835

           Am 15. Mai 1835 beschloß die Bremische Bürgerschaft auf Vorschlag der Finanzdeputation, ein „Cataster-Bureau“ zu gründen. Das war der Geburtstag des Katasteramts Bremen, 1939 umbenannt in Katasterverwaltung der Freien Hansestadt Bremen, 1941 Vermessungsamt der Stadt Bremen,1945  bis 1995  (50 Jahre) Kataster- und Vermessungsverwaltung Bremen, seit 1995 Wirtschaftsbetrieb „Kataster und Vermessung Bremen“, seit 2003 als Eigenbetrieb „GeoInformation Bremen“. Allein diese Namenskette signalisiert eine zeit-typische Entwicklungsgeschichte – und gegenwärtig ist eine Rückumwandlung in eine Behörde neu im Gespräch – wieder Katasteramt Bremen?

           Am Beginn vor 175 Jahren standen als dringlich erkannte Erfordernisse aus dem Finanz- und aus dem Bauwesen, hier insbesondere aus dem Tiefbau. Bereits 1813/15 hatte A. E. von Weltzien dem bremischen Senat ein ausführliches Memorandum unterbreitet über „Die Verfertigung eines Lagerbuchs oder Catasters für die Gemeinden des Gebiets der Freyen Hansestadt Bremen“ – angeregt durch eigene Erfahrungen in französischen Diensten. Es sollte noch 20 Jahre dauern, bis es zur Gründung des Katasterbüros kam. Es war der damals höchste Beamte, Wasserbaudirektor Blohm, der zu den grundsteuerlichen Erfordernissen die bautechnischen und planerischen Notwendigkeiten einbrachte, für ausreichende Karten zu sorgen, für den Chaussee- und Wegebau, zur Erschließung von Bauflächen, für den Deichbau. Schon damals mußten offenbar handfeste Praxis-Erfordernisse in den Vordergrund gerückt werden, um Allgemeinerfordernisse durchzusetzen. –

           Die leitenden bremischen Behördenleiter haben in der Vergangenheit gerne die Gelegenheit „runder Geburtstage“ genutzt, um den in der Allgemeinheit meist wenig beachteten Dienst des „Katasteramts“ in die Öffentlichkeit zu tragen, jenen unverzichtbaren Dienst für das Gemeinwesen, die Wirtschaft und den Bürger generell im Grundstückswesen, für das Bodeneigentum und das Liegenschaftskataster, in der Bodenordnung und Grundstücksbewertung, die Stadtkartographie und Stadtdokumentation, für die Stadt- und Verkehrsplanung. Die Jubiläen 100 Jahre Katasteramt 1935, 125 Jahre Kataster- und Vermessungsverwaltung 1960 und zuletzt 1985 das Jubiläum 150 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen sind durch große festliche Veranstaltungen gewürdigt worden - jeweils ergänzt mit in einer in die breite Öffentlichkeit wirkende Ausstellung (siehe u. a. die Veröffentlichungen von Brinkmann 1935, Erxleben 1960 und Lucht 1985, Bohnsack 1985). Am 15. Mai 1985 fand die Festveranstaltung mit über 400 Teilnehmern in der Oberen Rathaushalle  Bremen statt, in der Unteren Rathaushalle wurde eine große Ausstellung präsentiert, man zählte 11.000 Besucher (Tworuschka 1986).

           Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, nach 1945, waren in Bremen durch sparsame Personalausstattung der Katasterbehörde geprägt, die in den Katasterwerken bis in die Gegenwart nachwirken. In den Jahren ab etwa 1980/85 herrschte im Land Bremen bereits Haushalts-Notlage, daraus folgten erhebliche Sparmaßnahmen des Senats in den Fachverwaltungen. Ab etwa 1992 gab die Politik Vorgaben zur Umwandlung der Fachbehörden in sogenannte privatwirtschaftliche Strukturen mit Kosten-Leistungsrechnungen. Die Katasterbehörde erhielt ab 1995 die Form eines Wirtschaftsbetriebs mit Jahresbilanzen. 2003 wurde der eingeschränkt selbständige Wirtschaftsbetrieb in einen selbständigen Eigenbetrieb umgewandelt.

           Politische Absicht war, dieser solle sich weitgehend selbst finanzieren – angesichts der vielfältig hoheitlichen Aufgaben eine Vorgabe, erinnernd an die Quadratur des Kreises. Autor dieser Zeilen hatte seine Zweifel an der Umsetzbarkeit jenes seit 1999 erwogenen Ziels in die Feststellung gekleidet: „War die Form des bestehenden Wirtschaftsbetriebs durch das Motiv der Kosten- und Leistungstransparenz gerechtfertigt, ist demgegenüber die weitergehende Eigenbetriebsform unseren gesetzlichen Kernaufgaben gegenüber wesensfremd.“ (Lucht 1999 S. 246).

           Die Politik in Bremen forderte 2003, einen Wirtschaftsingenieur für die Betriebsleitung einzustellen, zusätzlich versehen mit gutachterlichen Vorgaben für die Wirtschaftsführung. Der ausgewählte Betriebsleiter organisierte u. a. 2008 die so sehr erfolgreiche INTERGEO Bremen 2008, die weltgrößte Messe für Geoinformation im Kongreßzentrum auf der Bürgerweide in Bremen.. Inzwischen von seinen Aufgaben entpflichtet, scheint gegenwärtig nach Zeitungsmeldungen die Rückkehr von GeoInformation Bremen in eine Amtsstruktur wahrscheinlich. - -

         Allgemein zeigt sich in Deutschland nach den Behörden-Umwandlungen in den Jahren 1995 bis etwa 2005 heute folgernder bundesweiter Sachstand: „Auf regionaler Ebene bestehen Behörden für die Aufgaben des Liegenschaftskatasters und für die Bereitstellung anderer großmaßstäbiger Geoinformationen. Sie sind entweder als staatliche Sonderbehörden eingerichtet oder wie in Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen kommunalen Gebietskörperschaften zugeordnet…..Herauszustellen ist, dass sich das amtliche Vermessungswesen in Deutschland seit einigen Jahren in einem grundlegenden organisatorischen Umstrukturierungsprozess befindet...“(Creuzer/Zeddies in Kummer/Frankenberger 2010, Kap. 2.3.1).    

         Heute vor 175 Jahren war in Bremen eine der ältesten Katasterinstitutionen in Deutschland durch Senatsbeschluß gegründet worden. Angesichts der aktuellen Situation gibt es zwar gegenwärtig kaum Möglichkeiten, diesen Geburtstag jetzt zu feierlich zu begehen. Es ist jedoch angedacht, das Jubiläum noch in diesem Jahr besonders zu würdigen.

         Literatur (Auswahl): Brinkmann, W. A.: Das Bremische Kataster- und Vermessungswesen seit 1813, ZfV 1935 S. 369 – 379; Erxleben, B.: Bremen – heute, AVN 1960 S. 275 – 279; Lucht, H.: 150 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen, ZfV 1985 S. 219 –  228; Bohnsack, G.: 150 Jahre Kataster und Vermessung in Bremen (Bericht über die Veranstaltungen) ZfV 1985 S. 377 – 379; Tworuschka, H.: Ausstellung aus Anlaß des 150-jährigen Bestehens der Kataster- und Vermessungsverwaltung Bremen, Zs. Vermessungswesen und Raumordnung 1986 S. 75 – 76; Lucht, H.: Verwaltungsumbau im Kataster- und Vermessungswesen in Bremen, ZfV 1999, S. 241 – 247: Lucht, H.: Bremen – gestern und heute, zfv 2008 S. 197 – 205; Kummer, K. und Frankenberger, J. (Hrsg.): Das Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen 2010, Wichmann-Verlag –  Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Heidelberg u.a. - 15.05.10

 

 

343.   INTERGEO 2010 und Mercatorjahr 2012.

           Besondere Schwerpunkte der jüngsten Vorstandssitzung des Förderkreises waren zwei besondere in die Zukunft gerichtete Themen, unsere Beteiligung an der INTERGEO 2010 und das Mercatorjahr 2012.

           Bei der kommenden INTERGEO vom 5. bis 7. Oktober 2010 in Köln wird der Förderkreis erstmals mit einem eigenen Vortragsblock „Historische Vermessung“ vertreten sein, als Vortragende konnten Dr. Klaus Grewe, Manfred Spata und Prof. Dr.-Ing. Erich Weiß gewonnen werden. Unser bekannter Messestand wird wieder von dem bewährten Team unter Leitung unseres Geschäftsführers Klaus Lehmann organisiert. 

           Den Vorbereitungen auf das Großereignis 500 Jahre Mercator im Jahre 2012 ist das kommende 11. Symposium für Vermessungsgeschichte am 14. Februar 2011 gewidmet, mit 5 Vorträgen namhafter Mercator-Kenner der Einstimmung auf dieses besondere Jubiläum, organisiert von unserem Zweiten Vorsitzenden Prof. Dr.-Ing. mult. Erich Weiß, Bonn. Für das erste Vierteljahr 2012 plant der Förderkreis dann in enger Kooperation mit dem Museum für Kunst und Kulturgeschichte MKK in Dortmund – unserer Heimatinstitution – eine große Jubiläumsausstellung, deren Schwerpunkt auf Mercators Wirken in der Kartographie und der Mathematik liegen wird, mit besonderem Bezug zur näheren Region. Die Erarbeitung des Ausstellungskonzepts liegt in den bewährten Händen unseres Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried und unseres Vorstandsmitglieds Jürgen Lagoda.  Das MKK wird die im Erdgeschoß liegende Fläche für Sonderausstellungen zur Verfügung stellen, ergänzt mit tatkräftiger museumsfachlicher Unterstützung. Wir werden auf beide Ereignisse noch ausführlich zurückkommen. – 06.05.10

 

 

342.   25 Jahre Deutsches Vermessungsmuseum in Dortmund

            Am Sonntag, den 21. April 1985 feierte der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund e.V. die Eröffnung unserer inzwischen bundesweit anerkannten und geschätzten Schausammlung, des Vermessungsmuseums in der Abteilung 22 im renommierten städtischen Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund.
           Vor 25 Jahren:  Die Feierstunde begann mit der  Begrüßung durch den damaligen Museumsdirektor Dr. Gerhard Langemeyer, dem späteren Kulturdezernenten und dann langjährigen Dortmunder Oberbürgermeister. Anschließend hatte der Verfasser dieser Zeilen (und heutiger Präsident des Förderkreises) die ehrenvolle Aufgabe, die Grüße und guten Wünsche der AdV, der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland zu überbringen. Der damalige Erste Vorsitzende und Gründungsvater des Förderkreises, Siegfried Stahnke, seines Zeichens Ltd. Städt. Vermessungsdirektor a. D., führte in die Schausammlung ein. Sein besonderer Dank galt damals Dr. Langemeyer, ohne dessen bewußte Förderung die Integration der Ausstellung in das MKK nicht möglich geworden wäre - und ebenso das repräsentative Museumshandbuch nicht hätte herausgegeben werden können. Der Dank galt ebenso dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Museum sowie Manfred Gombel und Wolfgang Kioscha für die tatsächliche Realisierung von Ausstellung und Handbuch.

           Das Vermessungsmuseum ist als Abteilung 22 inzwischen tatsächlich zu einem integralen Bestandteil des MKK geworden. Die Schausammlung wird bereits seit 1985 von Manfred Gombel  betreut, seit längerem unterstützt und gefördert von Ingo von Stillfried. Unser Vermessungsmuseum hat sich in den vergangenen 25 Jahren zu einer ersten Adresse in der vermessungstechnischen Fachwelt und für viele interessierte Besucher des MKK entwickelt, sie ist besonderer Mittelpunkt der Arbeit unseres Förderkreises. Wir sind dabei der Anerkennung von Museumsdirektor Wolfgang E. Weick gewiß, der unsere Arbeit besonders zu schätzen weiß. - 26.04.10

 

 

341.   Eröffnungsveranstaltung zum Konrad-Zuse-Jahr

           Konrad Zuse wurde am 22. Juni 1910 in Berlin geboren. Zum Gedenken an sein großes Lebenswerk beginnen in diesen Tagen eine Reihe von Veranstaltungen - so am 20. 04. 2010 das Eröffnungssymposium zum Zuse-Jahr 2010 im Deutschen Technik-Museum in Berlin unter der Schirmherrschaft von Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Anette Schavan, die auch die Eröffnungsansprache hält. Eine hochkarätig besetzte Runde diskutiert zum Thema: "70 Jahre digitales Zeitalter - Konrad Zuse und die Zukunft der Informationswissenschaft in Deutschland". Ein historischer Filmbeitrag zeigt Konrad Zuse - "Warum ich den Computer erfand". Der Sohn des Erfinders, Prof. Dr. Horst Zuse, TU Berlin, spricht zum Thema "Mein Vater und die Entwicklung der Computer in Deutschland." In weiteren Vorträgen wird erinnert an den Menschen und Erfinder Konrad Zuse, an ihn als Unternehmer - Erfindung und Vermarktung gestern und heute. Konrad Zuse starb 1995. - Der Erste Vorsitzende unseres Förderkreises Ingo von Stillfried nimmt für das Vermessungstechnische Museum an dieser Auftakt-Veranstaltung teil. Informationen und weitere Veranstaltungen siehe www.zuse-jahr-2010.de. Siehe auch unsere Mitt. Nr. 195 zum Zuse-Museum in Hünfeld. - 19.04.10

 

 

340.   Erinnerungen an Heinrich Ochsenhirt – sie nannten ihn O-t

           Studierende des Vermessungswesens in Essen erinnern sich mit Hochachtung an ihren Dozenten und akademischen Lehrer Heinrich Ochsenhirt, der weit über Essen hinaus einen nahezu legendären Ruf als der Fachmann für Präzisionsvermessung besaß und viele neue Prüfverfahren für geodätische Instrumente entwickelte und darüber veröffentlichte. Kurt Kröger schrieb zum 70. Geburtstag von Heinrich Ochsenhirt: „Eine ganze Generation von Studenten der … Staatsbauschule, Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen, Fachhochschule und zuletzt der Uni Gesamthochschule Essen hat er geprägt.“ 

             Heinrich Ochsenhirt wurde am 10. Februar 1910  in Alsfeld in Hessen geboren, kam nach dem Ersten Weltkrieg nach Essen, Abitur 1929. Referendarzeit beim Preußischen Innenminister, 1936 2. Staatsexamen. Nach kurzer Zeit in der Landeskulturverwaltung ging er 1939 zur Staatsbauschule nach Essen mit dem Ziel, dort in Lehre und Forschung tätig zu werden. 7 Jahre Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft unterbrachen  sehr bald diese persönliche Lebensplanung – er hatte das schwere Schicksal vieler Altersgenossen zu teilen.

             Mit großem persönlichem Einsatz baute er in den Nachkriegsjahren ein beispielhaftes geodätisches Meß- und Prüflabor einschließlich einer feinmechanischen Werkstatt auf. Vermessungsdienststellen und -Büros weit über das Ruhrgebiet hinaus nutzten seine Dienste. Besonders auch in der Bau- und Maschinenindustrie des Reviers war sein Rat gefragt. Und für Heinrich Ochsenhirt wurden geodätische Meß- und Instrumententechnik Schwerpunkt seiner Lehrtätigkeit an der Staatlichen Ingenieurschule in Essen. H. Ochsenhirt darf in gewissem Sinne auch zur Hannoverschen Schule gerechnet werden. Auch dort stellte er seine Erfahrungen bei der Neueinrichtung des instrumentenkundlichen Labors zur Verfügung. Im bereits fortgeschrittenem Alter wurde er im Jahre 1961 an der TH in Hannover mit einer Arbeit über Prüfen und Justieren geodätischer Instrumente und Geräte mit Hilfe von Kollimatoren in Laboratorien bei Prof. Großmann promoviert. Zu seinen zahlreichen Studenten in Essen gehörte u. a. auch der spätere Direktor des Geodätischen Instituts in Hannover, Prof. Dr.-Ing. Hans Pelzer (1936 – 2006).

             Ab 1970 leitete H. Ochsenhirt als Baudirektor der Ingenieurschule für Bauwesen in Essen die Vermessungsabteilung, die damals eine Ausbildungskapazität von 400 Studenten zu bewältigen hatte. Über die Fachhochschule Essen wurden 1973 die Studiengänge auch für Vermessungswesen in die neugegründete Uni Gesamthochschule Essen übergeleitet - Heinrich Ochsenhirt wurde zum Professor ernannt, wirkte als Dekan - und hatte andererseits die Geburtswehen dieser Umgründungen zu durchstehen.

             Sein Kollege Prof. Dr.-Ing. Erwin Jacobs würdigte Heinrich Ochsenhirt als erfolgreichen, nicht immer leichten Lehrer, der größten Wert auf Disziplin und Akkuratesse legte: „Einer ganzen Generation junger Vermessungsingenieure hat er das notwendige Rüstzeug eines der Wahrheit und Genauigkeit verpflichteten Berufsstandes vermittelt.“ Und Dr. Kurt Kröger lobte, „es gab kein geodätisches  Instrument, das wir später nicht sicher bedienen konnten.“ Und er schrieb zu dessen 70. Geburtstag: „Gefürchtet waren seine oft bissigen Randbemerkungen (in roter Tinte, versteht sich) in den Klausurarbeiten….. Sein Ruf als Fachmann jedoch war unbestritten.“ Heinrich Ochsenhirt starb am 15. Mai 1995 in Langenberg/Rheinland. - Wir erinnern mit Ehrfurcht an Professor Dr.-Ing. Heinrich Ochsenhirt, geboren vor 100 Jahren.

            

Quellen: Ochsenhirt, H.: 50 Jahre Staatliche Ingenieurschule für Bauwesen in Essen, ZfV 1958 S. 108; Kröger, K.: Wir nannten ihn O-t, Reminiszenzen an Heinrich Ochsenhirt, Der Vermessungsingenieur 1980, S. 42; Jacobs, E.: Professor Dr.-Ing. Heinrich Ochsenhirt †, ZfV 1995 S. 424 – 425; Jacobs, E.: Professor Dr.-Ing. Heinrich Ochsenhirt 80 Jahre, Der Vermessungsingenieur 1990, S. 66;  Seeber, G.: Laudatio für Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil Dr. h.c. mult. Hans Pelzer zur Emeritierung anlässlich der Vollendung seines 68. Lebensjahres in www.foerder-geodaesie.uni-hannover.de  unter Bericht 2004. - 12.04.10 

 

 

 

339.  Besuch aus München.

           Anfang März d. J. besuchten uns in Dortmund die Fachkollegen Marcus Wandinger und Klaus Zaglmann vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation (LVG)  München, Kuratoren der dort 1999 begründeten Ausstellung zur Vermessungsgeschichte. Der Erste Vorsitzende des Förderkreises Ingo von Stillfried führte sie durch die Schausammlung des Vermessungstechnischen Museums wie ebenso in unser großes Magazin – der Besuch entwickelte sich zu 4 hochinteressanten Stunden des Austausches vermessungshistorischer Erfahrungen. Sehr positiv wurde angemerkt, wie unsere Dauerausstellung optisch, vom Aufbau und von der Objektauswahl sehr gelungen ist. Sehr erstaunt war man, welch breites Themenfeld der Vermessungstechnik wir in Dortmund abdecken. Es entstand spontan der gemeinsame Wunsch, die Kataloge der verschiedenen Sammlungen untereinander auszutauschen, auch um gegenseitig zu wissen, was wo vorhanden ist. Besonderes Interesse fand auch, wie wir mit einfachen, kostengünstigen Mitteln eine effektive Inventarisierung realisiert haben. Der sehr fruchtbare Besuch hat neue Kontakte zum Museumsstandort München geschaffen. - 02.04.10

 

 

338.   Trauer um Eratosthenes-Preisträger Bernhard Zimmermann

           Wir erhielten die traurige Nachricht, Bernhard Zimmermann aus Rostock-Warnemünde ist am 12. März 2010 nach kurzer Krankheit verstorben. In einer würdigen Trauerfeier am 22. März auf dem Friedhof in Warnemünde gedachten seine große Familie und zahlreiche Fachkollegen des  Verstorbenen. Im engeren Kreis hat dann Paul-Gerhard Ramseger Gedenkworte gesprochen - Kollege und Freund und wie der Verstorbene aus dem Raum Königsberg im ehemaligen Ostpreußen stammend. Bernhard Zimmermann verstarb wenige Tage nach Vollendung seines 85. Lebensjahres. Seinen Geburtstag am 7. März konnte er noch im Kreise seiner Familie und mit engen Freunden begehen. - 

          Wir hatten unserem Eratosthenes-Preisträger 2003 noch an dieser Stelle gratulieren dürfen und sein Lebenswerk gewürdigt (Mitt. Nr. 335). In der April-Ausgabe des VDVmagazins wird sein letzter von weit über 100  wertvollen vermessungshistorischen Beiträgen erscheinen, die er in den vergangenen 60 Jahren verfaßt hat - zusammen mit einer Würdigung, ursprünglich eine Laudatio zum 85. Geburtstag, nun in tiefer Betroffenheit als Nachruf.  - Bernhard Zimmermann wird uns unvergessen bleiben. - 24.03.10 

 

 

337.   Erinnerungen an Prof. Dr.-Ing. Werner Engelbert,  

           geboren vor 100 Jahren, am 1. März im Wuppertal-Barmen. Wir erinnern an eine herausragende Persönlichkeit im Katasterdienst in Niedersachsen und an der Technischen Hochschule und später Universität Hannover. Zeitgenossen kannten und schätzten sein so lebhaftes und oft streng erscheinendes Engagement im Einsatz für das breite Berufsfeld des Geodäten im Vermessungs-, Kataster- und Liegenschaftswesen. Er gehörte zu jener Generation, die insbesondere durch die entbehrungsreichen Kriegsjahre geprägt war und dann tatkräftig den Wiederaufbau begleitete.  

           Nach Studium in Bonn, Großer Staatsprüfung und Diplomexamen an der TH Hannover, wurde Werner Engelbert dort 1948 promoviert. Seit 1936 zunächst im Dienst der preußischen, nach dem Zweiten Weltkrieg der niedersächsischen Vermessungs- und Katasterverwaltung war er u. a. Chef des Katasteramts Hannover und leitete dann ab 1954 bis zu seiner Pensionierung 1975 das Fachdezernat bei der Bezirksregierung Hannover. 30 Jahre lang von 1948 bis 1978 wirkte er zusätzlich als Hochschullehrer an der TH später TU Hannover für die Lehrgebiete Kartographie, Reproduktionstechnik und das Vermessungs- und Liegenschaftswesen, bereits seit 1957 als Honorarprofessor. Lange wirkte er auch als Prüfer im Oberprüfungsamt für die höheren technischen Verwaltungsbeamten in Frankfurt a. M.. Kartenherstellung für die Stadtplanung, Stadtkartographie, Herstellung der Deutschen Grundkarte, Landesplanung, Bodenordnung, aber ebenso technische Neuerungen für „seine“ Katasterämter, Bodenschätzung – sämtlich Themen seines großen Interesses. Und gerne erzählte er im kleinen Kreis, wie er einst im Haus der Technik in Essen Fragen im Liegenschaftswesen als „junger Mann“ mit dem „großen Bonczek“ diskutierte (vergl. unsere Mitt. Nr. 213). Die Breite des Wirkens von Engelbert wird aus über 130 Veröffentlichungen deutlich, die alleine in der Literaturzusammenstellung der ZfV 1950 bis 1975 dokumentiert sind, oft Kurzbeiträge zu aktuellen Themen. Lebhaft in Erinnerung ist sein Interesse an allen Fragen der Grundstücksbewertung – und gerne diskutierte er über Wirtschafts- und Finanzfragen, beobachtete regelmäßig das Börsengeschehen. Werner Engelbert war stets ein fördernder wie ebenso fordernder Geodät – fördernd durch seine Möglichkeiten, die Praxis der Verwaltung mit der wissenschaftlichen Theorie zu verbinden, wie es lange praktische Übung in der Niedersächsischen Fachverwaltung war, unter der Leitung von Prof. Nittinger (Vergl. unsere Mitt. Nr. 162). Doch auch oft die jüngere Generation eindringlich mahnend, Herausforderungen zu suchen und anzunehmen, darob man Dr.Engelbert wohl auch gerne und durchaus liebe- und respektvoll einen Beinamen gab, der Titel und Name unmittelbar verband…  

           In seiner persönlichen Lebensführung war Werner Engelbert stets zurückhaltend. Doch seine Geburtstage pflegte er in großer Regelmäßigkeit in der Ferne, im „sonnigen und schneereichen Seefeld“ zu erleben. Und „durch die Kollegen im Oberprüfungsamt angestiftet“ hat er sich im Alter gerne der Weinkunde zugewandt, „theoretisch wie praktisch“, und „genoß gerne zusammen mit seiner Frau und Nachbarn einen guten Tropfen“, wie er dem Verfasser einmal schrieb. Später im Rheinland lebend, hielt er weiter Kontakt zu Fachkollegen, besuchte die Kolloquien der Uni Bonn. – Professor Dr.-Ing. Werner Engelbert ist unvergessen, er verstarb am 17. Januar 1989 in Brühl am Rhein.

           Literatur: Jürgen Stumpf: Prof. Dr.-Ing. W. Engelbert †, ZfV 1989 S. 204 – 205; ZfV- Inhaltsverzeichnisse 1925 - 1950 - 1975. - 18.03.10

 

 

336.   "Peilen, Visieren und Anzielen"

           heißt ein Seminar am Sa. 24. April 2010 (10 bis 17 Uhr) im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, angeboten von der Fachgruppe "Geschichte des Vermessungswesens" im Bildungswerk des VDV. Vortragende sind u.a. Harry C. Pouls, NL, Prof. Dr. Rudolf Staiger, Bochum, Dr. Klaus Grewe, Swisstal, Georg Opdenberg, Krefeld, Ingo von Stillfried, Dortmund, Dr. Heinz Aischlimann, Schweiz. Eine Führung durch die Studiensammlung des Vermessungstechnischen Museums ist geplant. Interessenten melden sich bei Heinz-Jürgen Lagoda, Tel.0203 598247 - 12.03.10

 

 

335.   Bernhard Zimmermann zur Vollendung des 85. Lebensjahres

            Bernhard Zimmermann ist seit über 50 Jahren und bis in die jüngste Gegenwart durch seine zahlreichen Veröffentlichungen zu Themen aus der Vermessungsgeschichte bekannt geworden. Er schrieb bis 1990 in der Zeitschrift „Vermessungstechnik“ der ehemaligen DDR und dann im „Vermessungsingenieur“ des VDV. Zahlreiche biographische Arbeiten sind in seinem reichen Schaffen entstanden, so u. a. über J. J. Bayer, den Begründer der Europäische Gradmessung, W. Jordan, den Pionier des preußischen Vermessungswesens, J. J. Vorländer, über O. Koll, die „Rechte Hand“ von F. G. Gauß, den sächsischen Geodäten C. A. Nagel, den Photogrammeter E. Dolezal, die großen Geodäten Otto Eggert, Friedrich Helmert, Karl Steppes. Die Lektüre seiner wohldurchdachten und gründlich recherchierten wissenschaftlichen Beiträge war und ist stets ein Gewinn.  

           Bernhard Zimmermann wurde am 7. März 1925 in Königsberg im damaligen Ostpreußen geboren und begann seinen Weg in die Vermessungskunde 1940 mit einer Lehre zum Vermessungstechniker bei der Katasterverwaltung in Allenstein. Nach Krieg und Gefangenschaft folgte 1947 bis 1950 das Studium der Vermessungstechnik an den Staatlichen Ingenieurschulen in Wismar und Neustrelitz. Weil er sich später in der DDR standhaft weigerte, die Kontakte zu den Eltern und Geschwistern in der Bundesrepublik aufzugeben, verlor er zeitweise seine Arbeitsstelle. Seit 1957 war Bernhard Zimmermann dann im Vermessungsdienst Nord, im „Volkseigenen Betrieb (VEB) Ingenieurvermessungswesen“ Rostock und im „Kombinatsbetrieb VEB Geodäsie und Kartographie“ Schwerin tätig. Beständig daran interessiert sich weiterzubilden, absolvierte er mehrere postgraduale Fernstudien an der TU und an der Ingenieurschule für Geodäsie und Kartographie in Dresden.  

           Sein kritischer Geist war in der DDR nicht immer gerngesehen. Wissen und Können führte ihn in späteren Jahren dann jedoch in verschiedene technische Leitungspositionen. Bereits seit 1950 war Bernhard Zimmermann Mitglied der Ingenieurorganisation „Kammer der Technik“ der DDR, die für technische Disziplinen eine gewisse „Parteiferne“ und damit eine relative Unabhängigkeit bot. Dort konnte er seine hohe wissenschaftliche Begabung einbringen. Seit 1983 wirkte als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Geschichte des Vermessungswesens in der wissenschaftlich-technischen Gesellschaft für Geodäsie, Photogrammetrie und Kartographie“, ein Bereich, die seinen wissenschaftlich-historischen Neigungen entsprach und wohl auch eine gern genutzte Nische bedeutete. Unmittelbar nach der Wende im März 1990 in den Ruhestand verabschiedet, hat die Katasterverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern seine alten Katasterkenntnisse benötigt und ihn im Januar 1993 für zwei weitere Jahre reaktiviert  

          Noch zu Zeiten der DDR  ehrte ihn 1987 die Ingenieurorganisation Kammer der Technik mit der Goldenen Ehrennadel. 2003 wurde Bernhard Zimmermann vom Stifterkollegium unseres Förderkreises Vermessungstechnisches Museum für seine Veröffentlichung über den großen Mecklenburger Geodäten Friedrich Paschen mit dem  Eratosthenes-Preis ausgezeichnet. 2004 erhielt er vom DVW Mecklenburg-Vorpommern die Friedrich Heinrich Christian Paschen Ehrenmedaille. Wir gratulieren dem Jubilar aus Rostock-Warnemünde zur Vollendung seines 85. Lebensjahres und wünschen ihm noch eine Reihe segensreicher Jahre. - zum 07.03.2010

 

 

334.   Nachlese zur Mitgliederversammlung 2010

           Am Montag 22. Februar 2010 fand unsere Mitgliederversammlung 2010 in Dortmund statt. Museumsdirektor Wolfgang E. Weick beglückwünschte in seinem Grußwort den Förderkreis für sein stetiges Engagement zur Vermessungsgeschichte im Rahmen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte und hob besonders die so sehr gelungene 3. Auflage des gänzlich überarbeiteten und erweiterten Museumshandbuchs hervor.   

           Ein besonderer Höhepunkt war anschließend gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung die Verleihung des mit 2.500 € ausgestatteten Eratosthenes-Preises  2009. Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen überreichte dem Preisträger Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder aus Bonn Urkunde und Würdigung im schon traditionellen klassischen Feldbuchrahmen zusammen mit dem von Schatzmeister Franz-Josef Gocke ausgestellten "Riesen"-Scheck. Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte würdigte den Werdegang des 1943 geborenen Preisträgers, der seine intensiven Forschungsarbeiten zur Kolonialkartographie 1884 - 1919 nach seiner Pensionierung als Oberst extern an der Bundeswehrhochschule in München in seiner Dissertation 2008 zusammengefaßt hat. Rudolf Hafeneder erläuterte in einem kompakten Vortrag mit Hilfe in einer beeindruckenden Power-Point-Präsentation seine Forschungsergebnisse, Vermessungen unter schwierigsten Bedingungen, hochwertige Privatkartographie (siehe Mitt. Nr. 263).  Bertold Witte konnte im Anschluß an den Vortrag eine ausführliche Diskussion moderieren und feststellen, der Förderkreis habe mit Herrn Hafeneder einen weiteren würdigen Eratosthenes-Preisträger.  

           Nach einer Kaffeepause mit angeregten Gesprächen leitete Präsident Harald Lucht zum zweiten Teil der Mitgliederversammlung über. Er überbrachte herzliche Grüße von besonders verdienten Altvorderen, von den Ehrenmitgliedern Dr. Kurt Kröger und Helmut Minow, beide sowie auch unser im vergangenen Jahr mit der Ehrenmedaille ausgezeichnetes Mitglied Konrad Peters konnten krankheits-bedingt nicht teilnehmen. Sie seien jedoch in Gedanken präsent.            

           Der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried berichtete in seinem Jahresbericht ausführlich und mit erläuternden ppt.-Folien über die erfolgreiche Arbeit des vergangenen Geschäftsjahres. So insbesondere zum Abbildungsreichtum des Museumshandbuchs, daran Mitwirkende (über 50), die gelungene Vorstellung bei der INTERGEO Karlsruhe und den guten Verkaufserfolg (inzwischen fast 500 Exemplare! - Dank auch an den Geschäftsführer Klaus Lehmann für die Umsetzung der Bestellungen). An mehreren Ausstellungen ist und war der Förderkreis mit ausgeliehenen Instrumenten beteiligt, u. a. in Oldenburg, Bielefeld, Lohne, auch mit fortwährendem Engagement von Manfred Gombel). Diese Seite AKTUELLES ist Spitzenreiter bei den Besucherzahlen der Homepage, der Erste Vorsitzende zeigte dazu erläuternde Folien, eine Druckseite lag für die Teilnehmer aus. Weitere Themen des Jahresberichts waren u. a. der "Wiehen-Wagen" (siehe Mitt. Nr. 324), herzlicher Dank für die Dauerleihgabe der Zurhorst-Instrumenten-Sammlung mit dem besonderen BORDA-Kreis (Mitt. Nr. 325), die geplante Mercator-Ausstellung 2012, zahlreiche Instrumentenzugänge. Ein besonderer Dank galt Dr. Kurt Kröger für seine Unterstützung zum Ankauf des Breithaupt-Theodoliten (Mitt. Nr. 319) - das wertvolle Instrument stand zur Ansicht auf dem Vorstandstisch und wird demnächst in unserer Ausstellung in einer Vitrine zu sehen sein. Bei der kommenden INTERGEO in Köln wird der Förderkreis mit einer eigenen Vortragssession vertreten sein. Schließlich hatte Ingo von Stillfried eine ganz besondere Rarität ausgelegt: Einen Stadtplan von Dortmund mit kyrillischer Beschriftung - ein Druckwerk des russischen KGB von 1985. 

           Schatzmeister Franz-Josef Gocke erstattete den Finanzbericht, von den Kassenprüfern Burghard Kreuter und ÖbVI Ingo Tiemann uneingeschränkt testiert. Dem Vorstand wurde auf Antrag von Dr. Hartwig Junius Entlastung und Dank zuteil. Wiederwahlen erfolgten zum Kuratorium ( Prof. Dr.-Ing. Herbert Kapelle, Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, ÖbVI Hartwig Tiemann und Direktor Wolfgang E. Weick) und in den Vorstand der Schatzmeister Franz-Josef Gocke.

           Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung findet zusammen mit dem 11. Symposium für Vermessungsgeschichte "Gerhard Mercator zum 500. Geburtstag" am 14. Februar 2011 in Dortmund statt. Professor Dr.-Ing. Erich Weiß konnte dazu ankündigen, es sei ihm gelungen, Zusagen von 5 namhaften Vortragenden zu erhalten, die Persönlichkeit und Wirken von Mercator beleuchten werden. Wir kommen demnächst in einer besonderen Vorankündigung darauf zurück. - 23.02.10 

 

333. ...       

332.   Maßarbeit - eine Ausstellung 

zur Entwicklung des Vermessungswesens und der Kartographie im Industrie Museum Lohne. Eröffnung am 19. Februar 2010 um 18.00 Uhr. Die Ausstellung wird gezeigt bis zum 08. 08. 2010 und begleitet  von einem reichhaltigen Vortragsprogramm, Vortragende sind u.a. Dr. Ralf Brückner, Heiko Taubenrauch, Benno Dräger, Günter Deux, Dieter Beuse, Alf Metzler, Josef Blömer, Hans-Wilhelm Hurt. Unser Vermessungstechnisches Museum hat durch Vermittlung von Manfred Gombel einige Instrumente beigesteuert. Die Ausstellung mit regionalem Bezug zur Stadt Lohne und zum Oldenburger Münsterland richtet sich nicht nur an Fachleute sondern auch an die heimatkundlich interessierte Bevölkerung. Besucher können verschiedene Vermessungsinstrumente selbst ausprobieren und an bestimmten Aktionstagen an ausstellungs-begleitenden Exkursionen, fachlichen Demonstrationen - so zu aktuellen GPS-Anwendungen - und Führungen teilnehmen.  Veranstalter ist die GLL (Behörde für  Geoinformationen, Landentwicklung und Liegenschaften) Cloppenburg, unterstütz u.a. vom  DVW Niedersachsen-Bremen, der Oldenburgischen Landschaft, der Kulturstiftung der ÖVB, der Stiftung Kunst und Kultur der LzO. Weiteres auch unter www.industriemuseum-lohne.de, dort auch einige sehenswerte Fotos. - 15.02.10/07.04.10

 

 

 

331.   12. Februar - 100 Jahre Reichgerichtsurteil von 1910

           Das „Reichsgerichtsurteil von 1910“ hatte für die Geschichte des Liegenschaftskatasters eine ganz besondere Bedeutung. Es galt unter Katasterleuten lange geradezu als Metapher für die enge Verzahnung von Kataster und Grundbuch. Der Leitsatz: „Die aus den Steuerbüchern in das Grundbuch übernommenen Eintragungen  werden insoweit durch den öffentlichen Glauben des Grundbuchs gedeckt, als sie die den Gegenstand der eingetragenen Rechte bildende Grundfläche feststellen.“

            Das (Flurstücks-)Kataster war im 19. Jahrhundert vorrangig als Steuerkataster erstellt worden. Mit der Grundbuchanlegung (z.B. in Preußen seit 1872, einheitlich im ehemaligen Deutschen Reich ab 1900) nutzte das Grundbuch die tatsächlichen Angaben des Katasters zur Beschreibung der Rechtgegenstände, insbesondere des Eigentums am Grund und Boden. In der Geschichte des Katasters bildete jenes Reichgerichturteil von 1910 eine entscheidende Wendemarke, war doch damit erstmals letztinstanzlich festgestellt worden, wie der öffentliche Glaube des Grundbuchs das Kataster einbezog. Die Katasterverwaltungen erkannten sehr bald die hohe Bedeutung dieses Urteils. So erließ z. B.  die Preußische Katasterverwaltung 1913 die „Ergänzungsbestimmungen zur Anweisung II (Fortführungsvermessungen)“. Diese Bestimmungen erhöhten die Anforderungen an die technische Durchführung der Grenzvermessungen und an die rechtlich einwandfreie Abfassung der damaligen Grenzverhandlungen. Ziel war, im Wege der allmählichen Erneuerung des Katasters aus den als Steuerkataster angelegten Katasternachweisen beweiskräftige Katasterkarten und  Grenznachweise zu entwickeln.  

            In moderner Übersetzung sagt das am 12. Februar 1910 ergangene Urteil: Der Katasternachweis nimmt insoweit am öffentlichen Glauben des Grundbuchs (§ 892 BGB) teil, als er den Teil der Erdoberfläche nachweist, auf den sich das im Grundbuch eingetragene Recht bezieht. Maßgebend ist die Darstellung der Flurstücksgrenzen in der Flurkarte und in ihren Unterlagen. Die beschreibenden  Angaben im Kataster, z. B. die Fläche, nehmen nicht am öffentlichen Glauben teil.

           Quelle u. a. Plähn in ZfV 1910 S. 316 – 330: Text des Reichsgerichtsurteils und erster Kommentar. Plähn wies darin auf die Fehlerhaftigkeit des als Steuergrundlage angelegten Katasters und damit auf die Risiken hin, die damals aus dem Urteil des Reichsgerichts von 1910 folgten. – 10. 02. 2010

 

330. Wird Kehlmanns "Vermessung der Welt" verfilmt?

Der 48 Jahre alte Regisseur Detlev Buck plant eine Verfilmung des Bestsellers "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann. Dabei geht es um die fiktiv verstrickten Lebensläufe des Naturforschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl Friedrich Gauß (siehe unsere Mitt. Nr. 136 und 175).  "Wir arbeiten schon drei Jahre am Drehbuch", sagte Buck. Dafür sei auch ein größeres Budget erforderlich und danach richte sich der ganze Zeitplan für die Realisierung des Projekts. "Es ist ja ein wirklich deutsches, intellektuelles Thema und nicht für jedermann sofort nachvollziehbar.“ Er sieht jedoch auch ein hohes wirtschaftliches Risiko in einer solchen Verfilmung.  So wären Außenaufnahmen z. B. in Südamerika nicht gerade einfach und billig." Buck hat seit 1984 an rd. 50 Filmen als Darsteller und als Regisseur mitgewirkt hat (u. a. "Wir können auch anders", „Männerpension“, "Knallhart"). - 30.01.10 

 

329.   Mitgliederversammlung und Verleihung des Eratosthenes-Preises

           Am 22. Februar 2010 findet unsere Mitgliederversammlung in Dortmund statt, mit einem besonderen Höhepunkt gleich zu Beginn: Der Förderkreis verleiht den mit 2.500 € ausgestatteten Eratosthenes-Preis 2009 an Herrn Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder aus Bonn. Dr. Hafeneder wird ausgezeichnet für seine Dissertation „Deutsche Kolonialkartographie 1884-1919“ an der Universität der Bundeswehr München - vergl. unsere Mitt. Nr. 263. Die Preisverleihung erfolgt durch den Präsidenten des Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht, Bremen. Die Vorstellung des Preisträgers übernimmt der Vorsitzende des Kuratoriums des Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte, Aachen, anschließend wird der Preisträger über die Ergebnisse seiner Forschungen vortragen.

           Nach einer Kaffeepause wird die Mitgliederversammlung fortgesetzt mit dem Tätigkeitsbericht des Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried, mit dem Finanzbericht und Wahlen. Außerdem werden einige besondere Instrumente vorgestellt, aus der neuen Dauerleihgabe Zurhorst und der Breithaupt-Theodolit , der mit einer Großspende unseres früheren Ersten Vorsitzenden, Dr. Kurt Kröger, erworben werden konnte (Vergl. Mitt. Nr. 325 und 319).

           Zur Preisverleihung wie ebenso zur Mitgliederversammlung sind auch Gäste herzlich willkommen. Die Veranstaltung beginnt um 14:30 Uhr in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, Hansastraße 2, nur 5 Minuten vom Hbf entfernt. -  In der Pause kann das neue 300 Seiten starke neue Museumshandbuch (mit 600 überwiegend farbigen Abbildungen, vergl. Mitt. Nr. 313)  zum Preis von € 30,- erworben werden. - 21. 01. 09   

 

 

328.   Weiter großes Interesse an unseren Seiten 

          Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche auf unserer Homepage zeigt das große Interesse an unseren Seiten. 2009 hatten wir 17.700 Besuche (nach 16.300 in 2008 und 11.750 in 2007), also eine weiter steigende Anzahl.  Die Seitenaufrufe stiegen 2009 auf 27.700 (nach 24.000 und davor 17.400). Diese Seite Aktuelles zählte 2009 über 6.300 Besuche (nach 7.200 und davor 2.600). Es folgen die Seiten zur Sammlung mit über 1500 Besuchen, Instrumente mit über 1000 sowie die Seiten zur Bibliothek und zu Aktuell-Archiv mit je über 900 Besuchen im Jahr 2009.

          Die Regionalstatistik zeigt bei der Auswertung der beiden führenden Ziffern der Postleitzahlgebiete Besucher aus der ganzen Bundesrepublik und einzelne Besucher aus dem Ausland, insbesondere Österreich. Schwerpunkte sind das erweiterte Ruhrgebiet einschließlich Bonn, der  Großraum Bremen, Emden, Oldenburg, der Raum Berlin, Erfurt und Leipzig.  Dabei wertet unser Server nur Besucher mit nicht anonymisierter IP-Adresse aus.

          Wir wollen Sie auch weiterhin - wie nun schon rd. 7 Jahre - mit Kurz-Mitteilungen über interessante historische Ereignisse, Gedenktage, Veranstaltungen, Schriften informieren und insbesondere auch jüngere Besucherinnen und Besucher für die Vermessungsgeschichte interessieren.  - 13.01.10

 

 

327.   Alexander Nalenz – vor 100 Jahren verstarb der Eisenbahnlandmesser   

         Erinnerungen an Vermessungsübungen, es ging um Kurvenabsteckungen – nicht nur um  Bogenabsteckungen von der Tangente aus, wie sie bereits 1872 der große Geodät Friedrich Robert Helmert beschrieben hatte. Übergangsbögen, Parabeln, Klothoiden kommen in den Sinn. Und das Nalenz-Höfer-Verfahren. Wir erinnern aus Anlaß des 100. Todestages an den großen Eisenbahnlandmesser Alexander Nalenz.

           Noch Ende des vor-vergangenen Jahrhunderts hatte Nalenz eine aus geodätischer Sicht originelle Meß- und Absteckungstechnik für Gleisbogen entwickelt. In diesem Verfahren wurde unmittelbar das durch den Eisenbahnbetrieb verformte Gleis als Messungslinie verwendet. Anhand von Pfeilhöhenmessungen im verformten Gleis wurde sein Krümmungsbild ermittelt. Das Krümmungsbild der neuen Gleisachse wurde dazu rechnerisch in Beziehung gebracht, und aus der Differenz dieser beiden Krümmungsbilder konnten die gesuchten Abstände zwischen den beiden Linien abgeleitet werden, so daß hiernach die neue Gleisachse vom alten Gleis abgesteckt werden konnte. Großer Vorteil: die Aufmessung und Absteckung konnte im Bereich des vorhandenen Gleises stattfinden. Insbesondere erleichterte es die Absteckungsarbeiten bei Brücken, hohen Dämmen oder tiefen Geländeeinschnitten.

           Wie so oft in der Geschichte fand das Verfahren jedoch erst breitere Anwendung, als der Eisenbahnlandmesser Max Höfer die großen Vorteile erkannte und mehrere Aufsätze mit zusätzlichen und vereinfachenden Erläuterungen veröffentlichte. Das Nalenz-Höfer-Verfahren kam endgültig zum Durchbruch, als sich 1931 der damalige Reichsbahnbaumeister Dr.-Ing. Gerhard Schramm für diese Benennung und seine Anwendung aussprach. Noch bis etwa 1970 - und in einigen Vermessungsbüros der damaligen Bundesbahndirektionen noch danach - hatte sich das Nalenz-Höfer-Verfahren als das Standardverfahren für die Gleisberichtigung etabliert.

           Wegen der mathematischen Beziehungen zwischen den Pfeilhöhen bzw. Krümmungsverhältnissen einerseits und ihrer zeichnerischen Darstellung andererseits setzte sich später auch der Name Winkelbildverfahren durch. Die Bezeichnung Winkelbildverfahren geht wohl ebenfalls auf Schramm zurück, schreibt Prof. Dr.-Ing. Siegfried Heitz, der das Verfahren 2003 differentialgeometrisch begründet hat.

           Alexander Nalenz wurde am 30. September 1849 in Dirschau an der Weichsel geboren, einer Kleinstadt mit ca. 11 000 Einwohnern bei Danzig, gelegen an der Eisenbahnlinie von Berlin nach Königsberg. Aus einfachen Verhältnissen kommend, studierte er in Berlin Mathematik und wurde dann Eisenbahnlandmesser – in einer Zeit, in der  (um 1870/1880) im damaligen deutschen Reichsgebiet in jedem Jahr annähernd 1000 km neuer Eisenbahnstrecken in Betrieb genommen wurden. Dabei lagen ihm Wissensdurst und wissenschaftliche Durchdringung von Problemen näher, als die praktische Anwendung seiner Erkenntnisse. So erklärt sich auch die zunächst geringe Resonanz des nach ihm benannten Verfahrens zur Absteckung eines Gleisbogens von einer Standlinie aus. Nalenz war mehr ein Einzelgänger, der sich andererseits neben seinen mathematischen Studien ein tiefes Wissen über die Kunst und insbesondere über die Musik erarbeitete. Alexander Nalenz starb am  4. Januar 1910 – eine Persönlichkeit, die sich durch Fleiß und hohe Intelligenz einen großen Namen erworben hatte.            

          Quellen: Siems, Erich: Schriftliche Hinweise auf das historische Datum und die Bedeutung von Nalenz; und Heitz, Siegfried: Benachbarte Kurven und Flächen, Verallgemeinerungen des ”Winkelbildverfahrens“, Mitt. aus den Geodätischen Instituten der Rheinischen Friedrich–Wilhelms–Universität, Bonn, Nr. 90 - Dezember 2003 ISSN 0723–4325. Nachtrag: Erich Siems: Hundertster Geburtstag von Alexander Nalenz - Erinnerungen an einen Großen Eisenbahnlandmesser und sein Verfahren zur Gleisvermessung - in DER EISENBAHNINGENIEUR, internationale Fachzeitschrift für Schieneverkehr & Technik, Heft 02/10 S. 54 - 55. - 04.01.10/ 19.02.2010

 

 

326.   Das Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen

              In den vergangenen weit über 10 Jahren hat sich der Geodatenmarkt von einer enormen Dynamik gezeigt. Die europäische INSPIRE-Richtlinie von 2007 hat der gesamten Geoinformationswirtschaft einen weiteren erheblichen Schub gebracht. Das deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen hat auf diesem Gebiet wesentliche Basisarbeit geleistet. Das von Prof. Dr.-Ing. Klaus Kummer, Magdeburg, und Ministerialdirigent a. D. Prof. Dr.-Ing. Josef Frankenberger, Rosenheim, herausgegebene Werk im Umfang von 878 Seiten gibt einen Überblick über Stand und Entwicklung in diesem umfangreichen Arbeitsfeld. 

           Raum- und Zeitbezug von Geodaten für Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Verwaltung sind heute von grundlegender Bedeutung. Wissen voneinander und von den Produkten und Diensten des deutschen Vermessungs- und Geoinformationswesens sind nicht nur für den Vermessungsingenieur und Kartographen bedeutsam, sondern vor allem für die Nutzer, für Planer, Bauingenieure, Architekten, für Immobilienmakler und Kreditinstitute, Umweltingenieure - insgesamt für alle Fachrichtungen, die raumbezogen wirken. In dem neuen Standardwerk wird in insgesamt 17 Kapiteln der gesamte Fachbereich aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, gegliedert in Teil A Gesellschaftliche Verankerung und institutionelles Gefüge, Teil B Aufgabenfelder und Wirkungsbereiche, Teil C Technische Netzwerke und Transfer, Teil D Forschung und Lehre, Teil E Rückblick und Anhang.  Über 160 farbige Abbildungen und eine Reihe von Tabellen veranschaulichen wichtige Sachverhalte und vermitteln räumliche Zusammenhänge. Es ist ein als Jahrbuch konzipiertes Nachschlagewerk und zugleich Arbeitshilfe - eine Klammer für die in der jüngeren Vergangenheit oft unüberschaubar ausgeweiteten Bereiche Vermessung und Geoinformation. 

           Die Vermessungsgeschichte ist in diesem neuen Standardwerk gegenwärtig, als geschichtlichen Wurzeln verschiedener Fachgebiete in den entsprechenden Kapiteln jeweils kurz umrissen werden, so u. a. zu den Grundlagen von Vermessungswesen und Staat, zur Vermessungsgesetzgebung, Entwicklung der Bezugssysteme und zur Landesaufnahme, zum Liegenschaftskataster und zum kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Ein abschließender geschichtlicher Rückblick beleuchtet das deutsche Vermessungswesen von 1882 bis 2010, beschreibt kurz Marksteine der Entwicklung. Auf die Aktivitäten unseres Vermessungsmuseums wird im Gliederungspunkt 2.5.7 hingewiesen.

           Die Autorenschaft besteht aus 34 namhaften Experten, die ihr jeweiliges Fachgebiet in Deutschland führend vertreten und weiterentwickeln: 

R. Bauer, München - K. Birth, Bonn - H. Brüggemann, Bonn - P. Creuzer, Hannover - G. Fabian, Berlin - J. Frankenberger, Rosenheim - W. Grunau, Edewecht - B. Heckmann, Wiesbaden - Chr. Heipke, Hannover - E. Jäger, Hannover - K.H. Jäger, Stuttgart - C. Jäger-Bredenfeld, Magdeburg - C. H. Jahn, Hannover - M. Kerber Berlin - Th. Kötter, Bonn - K. Kummer, Magdeburg - H.J. Kutterer, Hannover - H. Lucht, Bremen - M. Meinert, Potsdam - J. Müller, Hannover - R. Püschel, Vilshofen - S. Sandmann, Bonn - H.-W. Schaar, Essen - A. Schleyer, Stuttgart - K. Schultze, Magdeburg - M. Seifert, München - U. Stichling, Wuppertal - H. Streuff, Bonn - J. Thomas, Düsseldorf - H. Wanzke, Wuppertal - W. Wiedenroth, Magdeburg - W. Zeddies, Hannover - W. Ziegenbein, Hannover - M. Zurhorst, Werne. -  

           Siehe auch die Buchbesprechung von H. Hildebrandt in zfv 6/2009 S. 391 - 392; dessen Fazit: "....ein gelungenes, umfassendes, pädagogisch hervorragend aufbereitetes und praxisorientiertes Standardwerk."

Kummer/Frankenberger (Hrsg.) "Das Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen", 878 Seiten, kartoniert, Herbert Wichmann Verlag - Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Einführungspreis bis 31.12.2009: 98,00 €, ab 1.1.2010 118,00 € - ISBN 978-3-87907-487-7. - 25./27.12.09

 

 

 

 

 Aktuelle  Mitteilungen    - zurück zur Startseite -   - zum Archiv (Aktuelles)-   - zu den AVN-Nachrichtenblättern   .                                                - zurück zum Seitenanfang - 

 

 

 Frühere ältere Mitteilungen finden Sie auf unserer Seite "Archiv zu Aktuelles" auf dieser Homepage, s. o. link