FÖRDERKREIS VERMESSUNGSTECHNISCHES MUSEUM E. V.
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Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
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Aktuelles              "Erinnern heißt danken"  
Redaktion: Harald Lucht

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02. März 2010

 

335.   Bernhard Zimmermann zur Vollendung des 85. Lebensjahres

            Bernhard Zimmermann ist seit über 50 Jahren und bis in die jüngste Gegenwart durch seine zahlreichen Veröffentlichungen zu Themen aus der Vermessungsgeschichte bekannt geworden. Er schrieb bis 1990 in der Zeitschrift „Vermessungstechnik“ der ehemaligen DDR und dann im „Vermessungsingenieur“ des VDV. Zahlreiche biographische Arbeiten sind in seinem reichen Schaffen entstanden, so u. a. über J. J. Bayer, den Begründer der Europäische Gradmessung, W. Jordan, den Pionier des preußischen Vermessungswesens, J. J. Vorländer, über O. Koll, die „Rechte Hand“ von F. G. Gauß, den sächsischen Geodäten C. A. Nagel, den Photogrammeter E. Dolezal, die großen Geodäten Otto Eggert, Friedrich Helmert, Karl Steppes. Die Lektüre seiner wohldurchdachten und gründlich recherchierten wissenschaftlichen Beiträge war und ist stets ein Gewinn.  

           Bernhard Zimmermann wurde am 7. März 1925 in Königsberg im damaligen Ostpreußen geboren und begann seinen Weg in die Vermessungskunde 1940 mit einer Lehre zum Vermessungstechniker bei der Katasterverwaltung in Allenstein. Nach Krieg und Gefangenschaft folgte 1947 bis 1950 das Studium der Vermessungstechnik an den Staatlichen Ingenieurschulen in Wismar und Neustrelitz. Weil er sich später in der DDR standhaft weigerte, die Kontakte zu den Eltern und Geschwistern in der Bundesrepublik aufzugeben, verlor er zeitweise seine Arbeitsstelle. Seit 1957 war Bernhard Zimmermann dann im Vermessungsdienst Nord, im „Volkseigenen Betrieb (VEB) Ingenieurvermessungswesen“ Rostock und im „Kombinatsbetrieb VEB Geodäsie und Kartographie“ Schwerin tätig. Beständig daran interessiert sich weiterzubilden, absolvierte er mehrere postgraduale Fernstudien an der TU und an der Ingenieurschule für Geodäsie und Kartographie in Dresden.  

           Sein kritischer Geist war in der DDR nicht immer gerngesehen. Wissen und Können führte ihn in späteren Jahren dann jedoch in verschiedene technische Leitungspositionen. Bereits seit 1950 war Bernhard Zimmermann Mitglied der Ingenieurorganisation „Kammer der Technik“ der DDR, die für technische Disziplinen eine gewisse „Parteiferne“ und damit eine relative Unabhängigkeit bot. Dort konnte er seine hohe wissenschaftliche Begabung einbringen. Seit 1983 wirkte als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Geschichte des Vermessungswesens in der wissenschaftlich-technischen Gesellschaft für Geodäsie, Photogrammetrie und Kartographie“, ein Bereich, die seinen wissenschaftlich-historischen Neigungen entsprach und wohl auch eine gern genutzte Nische bedeutete. Unmittelbar nach der Wende im März 1990 in den Ruhestand verabschiedet, hat die Katasterverwaltung in Mecklenburg-Vorpommern seine alten Katasterkenntnisse benötigt und ihn im Januar 1993 für zwei weitere Jahre reaktiviert  

          Noch zu Zeiten der DDR  ehrte ihn 1987 die Ingenieurorganisation Kammer der Technik mit der Goldenen Ehrennadel. 2003 wurde Bernhard Zimmermann vom Stifterkollegium unseres Förderkreises Vermessungstechnisches Museum für seine Veröffentlichung über den großen Mecklenburger Geodäten Friedrich Paschen mit dem  Eratosthenes-Preis ausgezeichnet. 2004 erhielt er vom DVW Mecklenburg-Vorpommern die Friedrich Heinrich Christian Paschen Ehrenmedaille. Wir gratulieren dem Jubilar aus Rostock-Warnemünde zur Vollendung seines 85. Lebensjahres und wünschen ihm noch eine Reihe segensreicher Jahre. - zum 07.03.2010

 

 

334.   Nachlese zur Mitgliederversammlung 2010

           Am Montag 22. Februar 2010 fand unsere Mitgliederversammlung 2010 in Dortmund statt. Museumsdirektor Wolfgang E. Weick beglückwünschte in seinem Grußwort den Förderkreis für sein stetiges Engagement zur Vermessungsgeschichte im Rahmen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte und hob besonders die so sehr gelungene 3. Auflage des gänzlich überarbeiteten und erweiterten Museumshandbuchs hervor.   

           Ein besonderer Höhepunkt war anschließend gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung die Verleihung des mit 2.500 € ausgestatteten Eratosthenes-Preises  2009. Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen überreichte dem Preisträger Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder aus Bonn Urkunde und Würdigung im schon traditionellen klassischen Feldbuchrahmen zusammen mit dem von Schatzmeister Franz-Josef Gocke ausgestellten "Riesen"-Scheck. Kuratoriumsvorsitzender Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte würdigte den Werdegang des 1943 geborenen Preisträgers, der seine intensiven Forschungsarbeiten zur Kolonialkartographie 1884 - 1919 nach seiner Pensionierung als Oberst extern an der Bundeswehrhochschule in München in seiner Dissertation 2008 zusammengefaßt hat. Rudolf Hafeneder erläuterte in einem kompakten Vortrag mit Hilfe in einer beeindruckenden Power-Point-Präsentation seine Forschungsergebnisse, Vermessungen unter schwierigsten Bedingungen, hochwertige Privatkartographie (siehe Mitt. Nr. 263).  Bertold Witte konnte im Anschluß an den Vortrag eine ausführliche Diskussion moderieren und feststellen, der Förderkreis habe mit Herrn Hafeneder einen weiteren würdigen Eratosthenes-Preisträger.  

           Nach einer Kaffeepause mit angeregten Gesprächen leitete Präsident Harald Lucht zum zweiten Teil der Mitgliederversammlung über. Er überbrachte herzliche Grüße von besonders verdienten Altvorderen, von den Ehrenmitgliedern Dr. Kurt Kröger und Helmut Minow, beide sowie auch unser im vergangenen Jahr mit der Ehrenmedaille ausgezeichnetes Mitglied Konrad Peters konnten krankheits-bedingt nicht teilnehmen. Sie seien jedoch in Gedanken präsent.            

           Der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried berichtete in seinem Jahresbericht ausführlich und mit erläuternden ppt.-Folien über die erfolgreiche Arbeit des vergangenen Geschäftsjahres. So insbesondere zum Abbildungsreichtum des Museumshandbuchs, daran Mitwirkende (über 50), die gelungene Vorstellung bei der INTERGEO Karlsruhe und den guten Verkaufserfolg (inzwischen fast 500 Exemplare! - Dank auch an den Geschäftsführer Klaus Lehmann für die Umsetzung der Bestellungen). An mehreren Ausstellungen ist und war der Förderkreis mit ausgeliehenen Instrumenten beteiligt, u. a. in Oldenburg, Bielefeld, Lohne, auch mit fortwährendem Engagement von Manfred Gombel). Diese Seite AKTUELLES ist Spitzenreiter bei den Besucherzahlen der Homepage, der Erste Vorsitzende zeigte dazu erläuternde Folien, eine Druckseite lag für die Teilnehmer aus. Weitere Themen des Jahresberichts waren u. a. der "Wiehen-Wagen" (siehe Mitt. Nr. 324), herzlicher Dank für die Dauerleihgabe der Zurhorst-Instrumenten-Sammlung mit dem besonderen BORDA-Kreis (Mitt. Nr. 325), die geplante Mercator-Ausstellung 2012, zahlreiche Instrumentenzugänge. Ein besonderer Dank galt Dr. Kurt Kröger für seine Unterstützung zum Ankauf des Breithaupt-Theodoliten (Mitt. Nr. 319) - das wertvolle Instrument stand zur Ansicht auf dem Vorstandstisch und wird demnächst in unserer Ausstellung in einer Vitrine zu sehen sein. Bei der kommenden INTERGEO in Köln wird der Förderkreis mit einer eigenen Vortragssession vertreten sein. Schließlich hatte Ingo von Stillfried eine ganz besondere Rarität ausgelegt: Einen Stadtplan von Dortmund mit kyrillischer Beschriftung - ein Druckwerk des russischen KGB von 1985. 

           Schatzmeister Franz-Josef Gocke erstattete den Finanzbericht, von den Kassenprüfern Burghard Kreuter und ÖbVI Ingo Tiemann uneingeschränkt testiert. Dem Vorstand wurde auf Antrag von Dr. Hartwig Junius Entlastung und Dank zuteil. Wiederwahlen erfolgten zum Kuratorium ( Prof. Dr.-Ing. Herbert Kapelle, Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, ÖbVI Hartwig Tiemann und Direktor Wolfgang E. Weick) und in den Vorstand der Schatzmeister Franz-Josef Gocke.

           Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung findet zusammen mit dem 11. Symposium für Vermessungsgeschichte "Gerhard Mercator zum 500. Geburtstag" am 14. Februar 2011 in Dortmund statt. Professor Dr.-Ing. Erich Weiß konnte dazu ankündigen, es sei ihm gelungen, Zusagen von 5 namhaften Vortragenden zu erhalten, die Persönlichkeit und Wirken von Mercator beleuchten werden. Wir kommen demnächst in einer besonderen Vorankündigung darauf zurück. - 23.02.10 

 

333. ...       

332.   Maßarbeit - eine Ausstellung 

zur Entwicklung des Vermessungswesens und der Kartographie im Industrie Museum Lohne. Eröffnung am 19. Februar 2010 um 18.00 Uhr. Die Ausstellung wird gezeigt bis zum 19. 08. 2010 und begleitet  von einem reichhaltigen Vortragsprogramm, Vortragende sind u.a. Dr. Ralf Brückner, Heiko Taubenrauch, Benno Dräger, Günter Deux, Dieter Beuse, Alf Metzler, Josef Blömer, Hans-Wilhelm Hurt. Unser Vermessungstechnisches Museum hat durch Vermittlung von Manfred Gombel einige Instrumente beigesteuert. Die Ausstellung mit regionalem Bezug zur Stadt Lohne und zum Oldenburger Münsterland richtet sich nicht nur an Fachleute sondern auch an die heimatkundlich interessierte Bevölkerung. Besucher können verschiedene Vermessungsinstrumente selbst ausprobieren und an bestimmten Aktionstagen an ausstellungs-begleitenden Exkursionen, fachlichen Demonstrationen - so zu aktuellen GPS-Anwendungen - und Führungen teilnehmen.  Veranstalter ist die GLL (Behörde für  Geoinformationen, Landentwicklung und Liegenschaften) Cloppenburg, unterstütz u.a. vom  DVW Niedersachsen-Bremen, der Oldenburgischen Landschaft, der Kulturstiftung der ÖVB, der Stiftung Kunst und Kultur der LzO. Weiteres auch unter www.industriemuseum-lohne.de - 15.02.10

 

 

331.   12. Februar - 100 Jahre Reichgerichtsurteil von 1910

           Das „Reichsgerichtsurteil von 1910“ hatte für die Geschichte des Liegenschaftskatasters eine ganz besondere Bedeutung. Es galt unter Katasterleuten lange geradezu als Metapher für die enge Verzahnung von Kataster und Grundbuch. Der Leitsatz: „Die aus den Steuerbüchern in das Grundbuch übernommenen Eintragungen  werden insoweit durch den öffentlichen Glauben des Grundbuchs gedeckt, als sie die den Gegenstand der eingetragenen Rechte bildende Grundfläche feststellen.“

            Das (Flurstücks-)Kataster war im 19. Jahrhundert vorrangig als Steuerkataster erstellt worden. Mit der Grundbuchanlegung (z.B. in Preußen seit 1872, einheitlich im ehemaligen Deutschen Reich ab 1900) nutzte das Grundbuch die tatsächlichen Angaben des Katasters zur Beschreibung der Rechtgegenstände, insbesondere des Eigentums am Grund und Boden. In der Geschichte des Katasters bildete jenes Reichgerichturteil von 1910 eine entscheidende Wendemarke, war doch damit erstmals letztinstanzlich festgestellt worden, wie der öffentliche Glaube des Grundbuchs das Kataster einbezog. Die Katasterverwaltungen erkannten sehr bald die hohe Bedeutung dieses Urteils. So erließ z. B.  die Preußische Katasterverwaltung 1913 die „Ergänzungsbestimmungen zur Anweisung II (Fortführungsvermessungen)“. Diese Bestimmungen erhöhten die Anforderungen an die technische Durchführung der Grenzvermessungen und an die rechtlich einwandfreie Abfassung der damaligen Grenzverhandlungen. Ziel war, im Wege der allmählichen Erneuerung des Katasters aus den als Steuerkataster angelegten Katasternachweisen beweiskräftige Katasterkarten und  Grenznachweise zu entwickeln.  

            In moderner Übersetzung sagt das am 12. Februar 1910 ergangene Urteil: Der Katasternachweis nimmt insoweit am öffentlichen Glauben des Grundbuchs (§ 892 BGB) teil, als er den Teil der Erdoberfläche nachweist, auf den sich das im Grundbuch eingetragene Recht bezieht. Maßgebend ist die Darstellung der Flurstücksgrenzen in der Flurkarte und in ihren Unterlagen. Die beschreibenden  Angaben im Kataster, z. B. die Fläche, nehmen nicht am öffentlichen Glauben teil.

           Quelle u. a. Plähn in ZfV 1910 S. 316 – 330: Text des Reichsgerichtsurteils und erster Kommentar. Plähn wies darin auf die Fehlerhaftigkeit des als Steuergrundlage angelegten Katasters und damit auf die Risiken hin, die damals aus dem Urteil des Reichsgerichts von 1910 folgten. – 10. 02. 2010

 

330. Wird Kehlmanns "Vermessung der Welt" verfilmt?

Der 48 Jahre alte Regisseur Detlev Buck plant eine Verfilmung des Bestsellers "Die Vermessung der Welt" von Daniel Kehlmann. Dabei geht es um die fiktiv verstrickten Lebensläufe des Naturforschers Alexander von Humboldt und des Mathematikers Carl Friedrich Gauß (siehe unsere Mitt. Nr. 136 und 175).  "Wir arbeiten schon drei Jahre am Drehbuch", sagte Buck. Dafür sei auch ein größeres Budget erforderlich und danach richte sich der ganze Zeitplan für die Realisierung des Projekts. "Es ist ja ein wirklich deutsches, intellektuelles Thema und nicht für jedermann sofort nachvollziehbar.“ Er sieht jedoch auch ein hohes wirtschaftliches Risiko in einer solchen Verfilmung.  So wären Außenaufnahmen z. B. in Südamerika nicht gerade einfach und billig." Buck hat seit 1984 an rd. 50 Filmen als Darsteller und als Regisseur mitgewirkt hat (u. a. "Wir können auch anders", „Männerpension“, "Knallhart"). - 30.01.10 

 

329.   Mitgliederversammlung und Verleihung des Eratosthenes-Preises

           Am 22. Februar 2010 findet unsere Mitgliederversammlung in Dortmund statt, mit einem besonderen Höhepunkt gleich zu Beginn: Der Förderkreis verleiht den mit 2.500 € ausgestatteten Eratosthenes-Preis 2009 an Herrn Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder aus Bonn. Dr. Hafeneder wird ausgezeichnet für seine Dissertation „Deutsche Kolonialkartographie 1884-1919“ an der Universität der Bundeswehr München - vergl. unsere Mitt. Nr. 263. Die Preisverleihung erfolgt durch den Präsidenten des Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Harald Lucht, Bremen. Die Vorstellung des Preisträgers übernimmt der Vorsitzende des Kuratoriums des Förderkreises, Prof. Dr.-Ing. Bertold Witte, Aachen, anschließend wird der Preisträger über die Ergebnisse seiner Forschungen vortragen.

           Nach einer Kaffeepause wird die Mitgliederversammlung fortgesetzt mit dem Tätigkeitsbericht des Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried, mit dem Finanzbericht und Wahlen. Außerdem werden einige besondere Instrumente vorgestellt, aus der neuen Dauerleihgabe Zurhorst und der Breithaupt-Theodolit , der mit einer Großspende unseres früheren Ersten Vorsitzenden, Dr. Kurt Kröger, erworben werden konnte (Vergl. Mitt. Nr. 325 und 319).

           Zur Preisverleihung wie ebenso zur Mitgliederversammlung sind auch Gäste herzlich willkommen. Die Veranstaltung beginnt um 14:30 Uhr in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, Hansastraße 2, nur 5 Minuten vom Hbf entfernt. -  In der Pause kann das neue 300 Seiten starke neue Museumshandbuch (mit 600 überwiegend farbigen Abbildungen, vergl. Mitt. Nr. 313)  zum Preis von € 30,- erworben werden. - 21. 01. 09   

 

 

328.   Weiter großes Interesse an unseren Seiten 

          Die (anonymisierte) statistische Auswertung der Besuche auf unserer Homepage zeigt das große Interesse an unseren Seiten. 2009 hatten wir 17.700 Besuche (nach 16.300 in 2008 und 11.750 in 2007), also eine weiter steigende Anzahl.  Die Seitenaufrufe stiegen 2009 auf 27.700 (nach 24.000 und davor 17.400). Diese Seite Aktuelles zählte 2009 über 6.300 Besuche (nach 7.200 und davor 2.600). Es folgen die Seiten zur Sammlung mit über 1500 Besuchen, Instrumente mit über 1000 sowie die Seiten zur Bibliothek und zu Aktuell-Archiv mit je über 900 Besuchen im Jahr 2009.

          Die Regionalstatistik zeigt bei der Auswertung der beiden führenden Ziffern der Postleitzahlgebiete Besucher aus der ganzen Bundesrepublik und einzelne Besucher aus dem Ausland, insbesondere Österreich. Schwerpunkte sind das erweiterte Ruhrgebiet einschließlich Bonn, der  Großraum Bremen, Emden, Oldenburg, der Raum Berlin, Erfurt und Leipzig.  Dabei wertet unser Server nur Besucher mit nicht anonymisierter IP-Adresse aus.

          Wir wollen Sie auch weiterhin - wie nun schon rd. 7 Jahre - mit Kurz-Mitteilungen über interessante historische Ereignisse, Gedenktage, Veranstaltungen, Schriften informieren und insbesondere auch jüngere Besucherinnen und Besucher für die Vermessungsgeschichte interessieren.  - 13.01.10

 

 

327.   Alexander Nalenz – vor 100 Jahren verstarb der Eisenbahnlandmesser   

         Erinnerungen an Vermessungsübungen, es ging um Kurvenabsteckungen – nicht nur um  Bogenabsteckungen von der Tangente aus, wie sie bereits 1872 der große Geodät Friedrich Robert Helmert beschrieben hatte. Übergangsbögen, Parabeln, Klothoiden kommen in den Sinn. Und das Nalenz-Höfer-Verfahren. Wir erinnern aus Anlaß des 100. Todestages an den großen Eisenbahnlandmesser Alexander Nalenz.

           Noch Ende des vor-vergangenen Jahrhunderts hatte Nalenz eine aus geodätischer Sicht originelle Meß- und Absteckungstechnik für Gleisbogen entwickelt. In diesem Verfahren wurde unmittelbar das durch den Eisenbahnbetrieb verformte Gleis als Messungslinie verwendet. Anhand von Pfeilhöhenmessungen im verformten Gleis wurde sein Krümmungsbild ermittelt. Das Krümmungsbild der neuen Gleisachse wurde dazu rechnerisch in Beziehung gebracht, und aus der Differenz dieser beiden Krümmungsbilder konnten die gesuchten Abstände zwischen den beiden Linien abgeleitet werden, so daß hiernach die neue Gleisachse vom alten Gleis abgesteckt werden konnte. Großer Vorteil: die Aufmessung und Absteckung konnte im Bereich des vorhandenen Gleises stattfinden. Insbesondere erleichterte es die Absteckungsarbeiten bei Brücken, hohen Dämmen oder tiefen Geländeeinschnitten.

           Wie so oft in der Geschichte fand das Verfahren jedoch erst breitere Anwendung, als der Eisenbahnlandmesser Max Höfer die großen Vorteile erkannte und mehrere Aufsätze mit zusätzlichen und vereinfachenden Erläuterungen veröffentlichte. Das Nalenz-Höfer-Verfahren kam endgültig zum Durchbruch, als sich 1931 der damalige Reichsbahnbaumeister Dr.-Ing. Gerhard Schramm für diese Benennung und seine Anwendung aussprach. Noch bis etwa 1970 - und in einigen Vermessungsbüros der damaligen Bundesbahndirektionen noch danach - hatte sich das Nalenz-Höfer-Verfahren als das Standardverfahren für die Gleisberichtigung etabliert.

           Wegen der mathematischen Beziehungen zwischen den Pfeilhöhen bzw. Krümmungsverhältnissen einerseits und ihrer zeichnerischen Darstellung andererseits setzte sich später auch der Name Winkelbildverfahren durch. Die Bezeichnung Winkelbildverfahren geht wohl ebenfalls auf Schramm zurück, schreibt Prof. Dr.-Ing. Siegfried Heitz, der das Verfahren 2003 differentialgeometrisch begründet hat.

           Alexander Nalenz wurde am 30. September 1849 in Dirschau an der Weichsel geboren, einer Kleinstadt mit ca. 11 000 Einwohnern bei Danzig, gelegen an der Eisenbahnlinie von Berlin nach Königsberg. Aus einfachen Verhältnissen kommend, studierte er in Berlin Mathematik und wurde dann Eisenbahnlandmesser – in einer Zeit, in der  (um 1870/1880) im damaligen deutschen Reichsgebiet in jedem Jahr annähernd 1000 km neuer Eisenbahnstrecken in Betrieb genommen wurden. Dabei lagen ihm Wissensdurst und wissenschaftliche Durchdringung von Problemen näher, als die praktische Anwendung seiner Erkenntnisse. So erklärt sich auch die zunächst geringe Resonanz des nach ihm benannten Verfahrens zur Absteckung eines Gleisbogens von einer Standlinie aus. Nalenz war mehr ein Einzelgänger, der sich andererseits neben seinen mathematischen Studien ein tiefes Wissen über die Kunst und insbesondere über die Musik erarbeitete. Alexander Nalenz starb am  4. Januar 1910 – eine Persönlichkeit, die sich durch Fleiß und hohe Intelligenz einen großen Namen erworben hatte.            

          Quellen: Siems, Erich: Schriftliche Hinweise auf das historische Datum und die Bedeutung von Nalenz; und Heitz, Siegfried: Benachbarte Kurven und Flächen, Verallgemeinerungen des ”Winkelbildverfahrens“, Mitt. aus den Geodätischen Instituten der Rheinischen Friedrich–Wilhelms–Universität, Bonn, Nr. 90 - Dezember 2003 ISSN 0723–4325. Nachtrag: Erich Siems: Hundertster Geburtstag von Alexander Nalenz - Erinnerungen an einen Großen Eisenbahnlandmesser und sein Verfahren zur Gleisvermessung - in DER EISENBAHNINGENIEUR, internationale Fachzeitschrift für Schieneverkehr & Technik, Heft 02/10 S. 54 - 55. - 04.01.10/ 19.02.2010

 

 

326.   Das Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen

              In den vergangenen weit über 10 Jahren hat sich der Geodatenmarkt von einer enormen Dynamik gezeigt. Die europäische INSPIRE-Richtlinie von 2007 hat der gesamten Geoinformationswirtschaft einen weiteren erheblichen Schub gebracht. Das deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen hat auf diesem Gebiet wesentliche Basisarbeit geleistet. Das von Prof. Dr.-Ing. Klaus Kummer, Magdeburg, und Ministerialdirigent a. D. Prof. Dr.-Ing. Josef Frankenberger, Rosenheim, herausgegebene Werk im Umfang von 878 Seiten gibt einen Überblick über Stand und Entwicklung in diesem umfangreichen Arbeitsfeld. 

           Raum- und Zeitbezug von Geodaten für Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Verwaltung sind heute von grundlegender Bedeutung. Wissen voneinander und von den Produkten und Diensten des deutschen Vermessungs- und Geoinformationswesens sind nicht nur für den Vermessungsingenieur und Kartographen bedeutsam, sondern vor allem für die Nutzer, für Planer, Bauingenieure, Architekten, für Immobilienmakler und Kreditinstitute, Umweltingenieure - insgesamt für alle Fachrichtungen, die raumbezogen wirken. In dem neuen Standardwerk wird in insgesamt 17 Kapiteln der gesamte Fachbereich aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, gegliedert in Teil A Gesellschaftliche Verankerung und institutionelles Gefüge, Teil B Aufgabenfelder und Wirkungsbereiche, Teil C Technische Netzwerke und Transfer, Teil D Forschung und Lehre, Teil E Rückblick und Anhang.  Über 160 farbige Abbildungen und eine Reihe von Tabellen veranschaulichen wichtige Sachverhalte und vermitteln räumliche Zusammenhänge. Es ist ein als Jahrbuch konzipiertes Nachschlagewerk und zugleich Arbeitshilfe - eine Klammer für die in der jüngeren Vergangenheit oft unüberschaubar ausgeweiteten Bereiche Vermessung und Geoinformation. 

           Die Vermessungsgeschichte ist in diesem neuen Standardwerk gegenwärtig, als geschichtlichen Wurzeln verschiedener Fachgebiete in den entsprechenden Kapiteln jeweils kurz umrissen werden, so u. a. zu den Grundlagen von Vermessungswesen und Staat, zur Vermessungsgesetzgebung, Entwicklung der Bezugssysteme und zur Landesaufnahme, zum Liegenschaftskataster und zum kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen. Ein abschließender geschichtlicher Rückblick beleuchtet das deutsche Vermessungswesen von 1882 bis 2010, beschreibt kurz Marksteine der Entwicklung. Auf die Aktivitäten unseres Vermessungsmuseums wird im Gliederungspunkt 2.5.7 hingewiesen.

           Die Autorenschaft besteht aus 34 namhaften Experten, die ihr jeweiliges Fachgebiet in Deutschland führend vertreten und weiterentwickeln: 

R. Bauer, München - K. Birth, Bonn - H. Brüggemann, Bonn - P. Creuzer, Hannover - G. Fabian, Berlin - J. Frankenberger, Rosenheim - W. Grunau, Edewecht - B. Heckmann, Wiesbaden - Chr. Heipke, Hannover - E. Jäger, Hannover - K.H. Jäger, Stuttgart - C. Jäger-Bredenfeld, Magdeburg - C. H. Jahn, Hannover - M. Kerber Berlin - Th. Kötter, Bonn - K. Kummer, Magdeburg - H.J. Kutterer, Hannover - H. Lucht, Bremen - M. Meinert, Potsdam - J. Müller, Hannover - R. Püschel, Vilshofen - S. Sandmann, Bonn - H.-W. Schaar, Essen - A. Schleyer, Stuttgart - K. Schultze, Magdeburg - M. Seifert, München - U. Stichling, Wuppertal - H. Streuff, Bonn - J. Thomas, Düsseldorf - H. Wanzke, Wuppertal - W. Wiedenroth, Magdeburg - W. Zeddies, Hannover - W. Ziegenbein, Hannover - M. Zurhorst, Werne. -  

           Siehe auch die Buchbesprechung von H. Hildebrandt in zfv 6/2009 S. 391 - 392; dessen Fazit: "....ein gelungenes, umfassendes, pädagogisch hervorragend aufbereitetes und praxisorientiertes Standardwerk."

Kummer/Frankenberger (Hrsg.) "Das Deutsche Vermessungs- und Geoinformationswesen", 878 Seiten, kartoniert, Herbert Wichmann Verlag - Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH, Einführungspreis bis 31.12.2009: 98,00 €, ab 1.1.2010 118,00 € - ISBN 978-3-87907-487-7. - 25./27.12.09

 

 

325.   Die Sammlung Zurhorst – eine wertvolle Dauerleihgabe für unser Museum

            Das Vermessungstechnische Museum in Dortmund hat am 12. Dezember 2009 eine großzügige Spende erhalten. Die Familie Zurhorst aus Werne, Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure in dritter Generation, übergab dem Museum einen wesentlichen Teil der über Jahrzehnte gesammelten wertvollen historischen Instrumente als Dauerleihgabe. Anlaß war der 85. Geburtstag des verstorbenen Firmengründers Bertold Zurhorst. Nahezu 30 Familienmitglieder waren angereist, darunter die Ehefrau des Firmengründers. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde übergab Michael Zurhorst, seit 2008 auch Präsident des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure, insgesamt 32 Instrumente aus der Familiensammlung. Er betonte die langjährige Verbundenheit der Familie Zurhorst zum vermessungstechnischen Museum. Daher falle es ihm auch leicht, die sehr gepflegte Sammlung nun in historisch-fachliche Hände zu legen und sie damit der Öffentlichkeit zeigen zu können.

            Sichtlich erfreut konnte der Erste Vorsitzenden des Förderkreises, Ingo von Stillfried, die großzügige Spende entgegennehmen. Mit ihm erfreuten sich die Vorstandsmitglieder Manfred Gombel, Ulf Meyer-Dietrich, Norbert Kalischewski, Klaus Lehmann und Rudolf Uebbing. Ingo von Stillfried erläuterte, gerade auch für die nicht so tief in der Instrumententechnik beheimateten Familienmitglieder der Familie Zurhorst, wie vielfältig die Vermessung auch in gesellschaftliche Veränderungsprozesse eingebunden ist; wie neben den technischen Details, ablesbar am Beispiel unserer ausgestellten Instrumente, die Vermessung für allgemeine Veränderungsprozesse Bedeutung hat. So spiele z. B. auch der übergebene Borda-Kreis in einer Sendung der Serie "Terra-X" des ZDF (ausgestrahlt etwa im April 2010) über die Entstehung des Meters eine besondere Rolle, als eine der zentralen Requisiten. Die wertvolle Dauerleihgabe der Familie Zurhorst ist eine ideale Ergänzung der seit 1985 in den Räumen des Museums für Kunst und Kulturgeschichte bestehenden Sammlung. 

            Die Ruhrnachrichten in Dortmund haben jetzt am 5. 1. 2010 ausführlich und mit Foto des "Holländischen (Borda-) Kreises" und vom Ersten Vorsitzenden über diese für das Museum großartige Leihgabe berichtet. – 18. 12. 09/05.01.10

 

324.  Der Wiehen-Wagen von 1772 - eine Geographische Maschine

            Am Anfang stand der Vorschlag unseres Bibliothekars, Dr. Hartwig Junius, ein – wie wir im Vorstand meinten – ungewöhnlich teueres Buch zu kaufen: „Abbildung und Beschreibung einer Geographischen Maschine auf einem Wagen oder Kutsche“ von Johann Georg Wilhelm Wiehen, Hildesheim 1772. Allerdings verlangte der Antiquar für das kleine Werk von 31 Seiten einen stolzen Preis. Es war ja zugegeben sehr alt und mit wundervollen Zeichnungen für einen „Meßwagen“, gezeichnet und bemaßt in „Nürnberger Maßen“. 

           Unser Bibliothekar war hartnäckig. Es entstand die Idee, wenn man das Buch kaufen würde, dieses nicht einfach im Regal verschwinden zu lassen, sondern den Wagen nach den sehr detaillierten Konstruktionszeichnungen und -beschreibungen auch nachzubauen. Doch durch wen? Hartwig Junius knüpfte Kontakte zu Volkswagen. Dort gab es Interesse, weil ja in modernen Fahrzeugnavigationssystemen ähnliche Funktionen wirken nur eben auf elektronische und nicht auf mechanische Weise wie im „Wiehen-Wagen“. Im Oktober reisten Hartwig Junius und unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried zu einem Besuch nach Kassel-Baunatal in die VW-Lehrwerkstatt. In großer Runde mit 7 Personen wurde in sehr angenehmer Umgebung konstruktiv und kreativ über den Nachbau des „Wiehen-Wagen“ diskutiert. In Frage käme kein historischer, sondern ein historisierender Nachbau; wichtig sei die Funktionalität; VW kann den mechanischen Teil beisteuern, eine bereite Modellbauschule könnte für die Gestaltung der Kutsche sorgen. Der Herstellungsmaßstab würde nach Sichtung aller Unterlagen gemeinsam besprochen. Unser Ehrenmitglied Helmut Minow hat inzwischen die alten Maße übersetzen können.  Das „Marketing“ kann später ein Highlight für den Förderkreis werden.  Ein Zeitrahmen wurde noch nicht festgelegt – erstmal war überhaupt das Buch zu erwerben.

           In unserer Vorstandssitzung im November haben wir dann gerne dem Kauf des wertvollen kleinen Werks zugestimmt – und sind nun alle gespannt über den Fortgang dieser wundersamen Geschichte. – 12.12.09

 

 

323.   Ex  Oriente Lux ? – Wege zur neuzeitlichen Wissenschaft – eine Ausstellung in Oldenburg

            OldenburgStadt der Wissenschaften 2009. Das Landesmuseum Oldenburg präsentiert eine Sonderausstellung Ex Oriente Lux ? – bewußt mit Fragezeichen. Die Ausstellung nimmt Schlüsselbegriffe des Oldenburger Konzepts „Übermorgenstadt“ auf, eine Symbiose von Geschichte und Zukunft. Ausgewählte Themen aus der Geschichte der Naturwissenschaften, deren Ursprüngen, der Entwicklung in Mesopotamien, im Alten Ägypten, über die klassische Antike und das europäische Mittelalter, der Berücksichtigung der Blütezeit der arabisch-islamischen Wissenschaften und deren Rezeption in Europa bis zum Ende der Aufklärung.

           Die Ausstellung ist gegliedert in zwei große Bereiche: In den Themen der Wissenschaft geht es um die Geschichte der naturwissenschaftlichen Disziplinen, in den Räumen der Wissenschaft werden die wichtigsten Städte und Regionen vorgestellt, in denen geforscht wurde. Rund 300 Exponate aus allen Zeiten und Räumen zeigen eine bisher nie dagewesene Zusammenschau. Astronomie, Mathematik, Ingenieurskunst, Physik, Chemie, Biologie, Medizin und Pharmazie, wie sie  das Weltgeschehen beherrschten. Besondere Inszenierungen führen durch Paris, Bagdad, Toledo, Alexandria und Florenz. Eine Stadtplan-Rekonstruktion des alten Stadtzentrums von Alexandria, Bagdad als „Stadt des Friedens“, Keilschrifttafeln, ein Himmelsglobus aus der Zeit  um 200 v. Chr., die riesige Weltkarte des arabischen Geographen Al-Idrisi von 1154  - Beispiele einer ungemein reichhaltigen Fülle historischer Exponate. -

           Am Festakt im Oldenburger Schloß zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung am 25. 10. 2009 hat unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried teilgenommen. 6 Exponate unseres Museums sind in der Ausstellung zu sehen,  u. a. der Holländischen Kreis aus Leiden von um 1655 (siehe unser Museumshandbuch S. 128). Unser früherer Kuratoriumsvorsitzender, Prof. Dr.- Ing. Wolfgang Torge, hat im wissenschaftlichen Beirat der Ausstellung mitgewirkt und als Autor für das begleitende Handbuch einen hochinteressanten Überblicks-Beitrag geschrieben: „Von Eratosthenes bis Delambre – die Geodäsie entsteht“ (S. 170 – 181).

           Die außerordentlich sehenswerte Ausstellung ist noch bis zum 24. Januar 2010 in 26135 Oldenburg, im Augusteum, Elisabethstr. 1 zu sehen.  -  08. 12. 09

 

 

322.   Dr. Kurt Kröger zum besonderen Geburtstag.

           Am 6. Dezember dieses Jahres vollendet Dr. Kurt Kröger sein 85. Lebensjahr. 1924 in Ennepetal geboren, mußte er in den unseligen Krieg ziehen, wurde schwer verwundet, kam durch guten Rat von Kriegskameraden in die Geometer-Laufbahn, „ein Traumberuf“, wie er gerne sagt. Stationen seiner Ausbildung waren u. a. das Katasteramt Lüdenscheid und das Studium an der Ingenieurschule in Essen. Am Beginn seiner aktiven Tätigkeiten standen die Vereinigten Stahlwerke in Essen, die spätere Ruhrkohle AG,  dort folgte bald der Einsatz in der Bezirksdirektion Dortmund. Seine ersten praktischen Aufgaben umfaßten schon das breite Spektrum von hochpräzisen Ingenieurvermessungen bis hin zu Grundlagen für den Siedlungsbau. -

             Für das Vermessungstechnische Museum ist Kurt Kröger ein „Mann der ersten Stunde“. Gerne sagt er, daß er die Mitgliedsnummer 1 habe, sei Zufall – was wir ihm zwar abnehmen, es aber doch als ein sehr zutreffendes Indiz seiner Aktivitäten ansehen. Er hat bis in die jüngste Vergangenheit in den weit über 30 Jahren des Bestehens des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum stets an vorderster Stelle gestaltend gewirkt, zunächst als Geschäftsführer im Kuratorium, später als Erster Vorsitzender in der Nachfolge von Siegfried Stahnke. Seit Ende seiner aktiven Dienstzeit 1989 hatte sich Dr. Kröger verstärkt für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins und für das Museum eingesetzt. In der Fachwelt wurde er besonders bekannt durch die ‘Förderkreis-Nachrichten' in den Allgemeinen Vermessungsnachrichten (AVN). Durch seine prägnant geschriebenen Mitteilungen zur Vermessungsgeschichte ebenso im „Vermessungsingenieur“ und in der zfv  ist er bei vielen Fachkollegen und –Kolleginnen besonders geschätzt. Es war immer das Anliegen des Ehrenmitglieds (seit 1996) Kurt Kröger, die Abteilung Vermessungsgeschichte des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund regional wie bundesweit bekanntzumachen. Unvergessen sind Beiträge für das WDR-Fernsehen, für den Rundfunk, in der Presse, so z.B. im Magazin 5/1991 ‘Dortmunder Notizen‘ mit der Reportage „Vom Hanff-Meßseil bis zum Satelliten“. Und in gleicher Weise vorbildlich wie verdienstvoll war seine aktive Gestaltung der Symposien für Vermessungsgeschichte sowie die Herausgabe der Symposiums-Bände bis in die jüngste Gegenwart. –

             Kurt Kröger ist eine Persönlichkeit, die sich ebenso auch im und um den VDV ganz besondere Verdienste erworben hat – seit 1967 als Landesvorsitzender im großen Landesverband NW, davor lange engagiert für den Ingenieurberuf im Bezirk Dortmund. Und im VDV erst recht unvergessen ist auch seine Mitwirkung für die Jubiläumsschrift „50 Jahre VDV 1949 - 1999“, die er zusammen mit den beiden Mitautoren Wolfgang Beicken und Hans Soest verfaßte. Kurt Kröger hat sich in seinem gesamten Wirken beständig für den Ausgleich mit anderen Berufsgruppen, mit verwandten Berufszweigen in Vermessungswesen und darüber hinaus eingesetzt.  

           Er verfaßte im doch schon fortgeschrittenen Alter seine Dissertation „Das Vermessungswesen im Spiegel der Hausväterliteratur“, abgeschlossen 1985. Diese Arbeit ist ein faktenreiches Kompendium des Grenz-, Eigentums- und Nachbarrechts des 16. – 18. Jahrhunderts im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation, eine aus umfangreichem Quellenstudium erwachsene fachtechnisch wie fachrechtlich ungemein reichhaltige Arbeit, wie sie kaum jemand hinter dem Titel vermutet.

             Bereits vor der politischen Wende in Deutschland hatte Kurt Kröger den gegenseitigen Erfahrungsaustausch unseres Förderkreises mit der Kammer der Technik, mit Prof. Dr. Deumlich und Oberingenieur Bernhard Zimmermann angestrebt, die diese erst nach 1989 erwidern durften. „Ihre Ausführungen (in einem Brief vom 5.2.1990, der Verf.) zu den Bedingungen, zu denen Sie bisher in der DDR arbeiten mußten, haben mich sehr betroffen gemacht“, schrieb er unter dem 15. 3. 1990 an Prof. Dr. Deumlich.  

           Dankbar für sein unermüdliches Wirken gratulieren wir Dr. Kurt Kröger zu seinem besonderen Geburtstag, wünschen unserem Ehrenmitglied  im VDV und im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum weiterhin alles Gute, ganz besonders auch für seine Gesundheit. Und siehe auch VDVMagazin 6/2009 S. 523 und 541-542. - 1. 12. 09

 

 

321.   20 Jahre nach dem Mauerfall - Geodäten ohne Grenzen - 15. Baltisches Geodätengespräch in Fischland auf dem Darß am 13. und 14. November 2009

           In einer mit weit über 40 Teilnehmern sehr gut besetzten Vortragsveranstaltung sind Situation, Folgen und Entwicklungen reflektiert worden, wie sie sich vor 20 Jahren, nach der politischen Wende in der ehemaligen DDR ergeben haben. Themen waren u. a. sehr persönliche Rückblicke in die Wendejahre (Hagen Graeff, Hamburg,  Frieder Mrosek, Schwerin, Prof. Hermann Seeger, Bad Neuenahr) sowie die Auswirkungen aus dem Wechsel von der zentralisierten Staatswirtschaft mit gesellschaftlichem Volkseigentum bis 1989 hin zur sozialen Marktwirtschaft mit dem Grund und Boden als Wirtschaftsfaktor, der wieder zentralen Bedeutung der Sicherung des Privateigentums in Grundbuch und Liegenschaftskataster, Grundlagen der Stadtplanung, von Bodenordnung und Wertermittlung (Prof. Christian Killich, Brandenburg, Prof. Dr. Harald Lucht, Bremen aus Sicht des Städtetages, DVW-Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne, Erfurt). "Die Einführung von westdeutschem Verfassungs- und Verwaltungsrechts von einem Tag auf den anderen wirke ungefähr so, als ob bei uns im Westen Chinesisch als Amtssprache  eingeführt würde," formulierte 1991 Manfred Rommel, der Präsident des deutschen Städtetages. - 

           Prof. Dr. Wolfgang Torge, Hannover erläuterte weit rückblickend  historische geodätische Netzarbeiten vor und nach 1945 mit Vergleich auch der Arbeiten in der DDR und der alten Bundesrepublik, Prof. Dr. Schlosser gab einen  Abriß über 20 Jahre Trigonometrische Vermessungen.  ÖbVI Mill aus Rügen und Prof. Robert Scholz, Neubrandenburg, zeichneten Wege und Erfolge des freien Berufs in den Wendejahren und aktuell nach. Die Professoren Rolf-Werner Rebenstorf und Dr. Foppe berichteten vom Aufbau und der umfassenden Breitenwirkung der Hochschule Neubrandenburg, letzterer mit dem hochinteressanten Schwerpunkt der automatischen Bauwerksüberwachung. Präsident Dr. Karl-Friedrich Thöne entwarf mit seinem Rückblick auf die INTERGEO Karlsruhe (dem "Flaggschiff der Geodäsie") die Zukunftsaufgaben des Vermessungswesens, setzte sich engagiert für das Leitbild des Geodäten als Kern unseres Berufsstands ein und betonte den guten Ruf des Diplomingenieurs. Er gratulierte Jörg Scheffelke zu der inzwischen zur wertvollen Tradition entwickelten Veranstaltung, die den Rang eines kleinen Geodätentages gewonnen habe. Er überreichte ihm als Anerkennung das Museumshandbuch  Vermessungsgeschichte unseres Förderkreises.  

          Einen besonderes Highlight bildete zum Abschluß die Vorstellung der Arbeiten des Leibniz-Instituts aus Leipzig und der landeskundlichen Bestandsaufnahme der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst und des Barther Landes - Band 71 der Schriftenreihe des Leibniz-Instituts - durch Dr. Haik Thomas Porada (jetzt Leipzig , vormals Greifswald), einen Bildband, den alle Vortragenden als Dank erhalten. 

          Wulf Schröder aus Wiesbaden umrundete zusammenfassend noch einmal die Vielfalt der Beiträge dieser beiden Tage. Zum guten Schluß erinnerte der Senior unter den Teilnehmern, Paul- Gerhard Ramseger aus Schwerin, an eine vor 130 Jahren in der  ganz in der Nähe in Wustrow abgehaltene erste Geodäten-Konferenz vom damaligen Deutschen Geometerverein. Und Ihr Berichterstatter dankte im Namen der Teilnehmer dem Veranstaltern Jörg Scheffelke und Heiko Schröder von der Bezirksgruppe Vorpommern im Landesverein Mecklenburg - Vorpommern des DVW und ebenso den Sponsoren für das ungewöhnlich reiche und reizvolle Kaleidoskop des dargebotenen historisch und aktuell hochinteressanten Programms. - Berichte über das 5. und das 10. Geodätengespräch dieser zu einer besonderen Tradition gewordenen Veranstaltung im Fischland siehe in zfv 2000 S. 30-31 und zfv 2005 S. 57.  -  22. 11. 2009

 

 

320.   Aus der Vorstandssitzung des Förderkreises Vermessungtechnisches Museum in Dortmund

          In der jüngsten Vorstandssitzung sind die Weichen gestellt worden u. a. für

- die Verleihung des Eratosthenes-Preises an Dr. Rudolf Hafeneder in der Mitgliederversammlung am 22. 02. 2010 (vergl. Mitt. Nr. 302 und 263) in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund

- den Haushaltsentwurf für 2010

- den Ankauf besonderer alter Vermessungsinstrumente (vergl. u. a. Mitt. Nr. 319),

- Buchankäufe für unsere umfangreiche Bibliothek

- die weitere Werbung für den Verkauf des neuen Museumshandbuches (vergl. Mitt. Nr. 313),

- die Erweiterung dieser viel besuchten Homepage. - 15.11.09

 

 

319.   Ein Breithaupt-Theodolit von 1863 - und eine hochherzige Spende

           Unsere Museumsexperten Manfred Gombel und Ingo von Stillfried sind immer auf der Suche nach besonderen Raritäten für unsere Schausammlung – und sind jüngst beim Dorotheum in Wien fündig geworden: Ein besonderer Theodolit, signiert am Horizontalkreis "F. W. Breithaupt & Sohn in Cassel. 1863", Fernrohr 29 cm lang, Objektivdurchmesser 28 mm, Teilung mit Nonius, Silber, Vertikalkreis von 11 cm Durchmesser. Ein 31,5 cm hoher Theodolit mit schöner Zaponierung  gehört uns. Doch möglich wurde dies erst durch eine hochherzige Spende unseres ehemaligen ersten Vorsitzenden Dr. Kurt Kröger. Denn unser Instrumenten-Haushalt für dieses Jahr gab den benötigten Betrag nicht mehr her. Kurt Kröger gab ganz spontan einen großen Betrag hinzu – so wird dieses Instrument sehr demnächst unsere Schausammlung im Vermessungsmuseum, Abt. 22 im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund bereichern - 06.11.09  

 

 

318.    6 Jahrzehnte Flurbereinigungsgesetz

            Professor Dr.-Ing. Erich Weiß hat seine lange Berufserfahrung und wissenschaftliche Durchdringung der Flurbereinigungsgesetzgebung in seinem neusten Werk "Zur Entwicklung des Flurbereinigungsgesetzes der Bundesrepublik Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten" auf 224  Seiten in Band 18 der Sammlung "Kommentare zu landwirtschaftlichen Gesetzen" zusammengefaßt (Agricola-Verlag in 26969 Stollham - ISBN 978-3-920009-056, Preis € 35). Wir haben an dieser Stelle kürzlich in Mitt. Nr. 310 aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres auf das segensreiche Wirken von Professor Weiß hingewiesen.

           Mit seinem neuesten Werk beleuchtet Erich Weiß zahlreiche Änderungen, Anpassungen an andere Gesetze im Flurbereinigungsrecht, dokumentiert deren Entstehungsgeschichte in materieller und formeller Hinsicht. Der Verfasser greift dabei auf zahlreiche eigene Veröffentlichungen wie ebenso auch auf die Materialien des Bundestages zurück. Siehe auch http://agricola-verlag.de/detail_weiss.html und Buchbesprechung in zfv 5/2009 S. 330-331. -  28.10.09

 

 

317.   15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - Geodäten ohne Grenzen

             Die Bezirksgruppe Vorpommern des LV Mecklenburg-Vorpommern im DVW lädt ein zum 15. Baltisches Geodätengespräch auf dem Fischland - unter dem Thema "Geodäten ohne Grenzen - Beiträge zum Vermessungswesen in Deutschland nach der politischen Wende 1989". Auf Initiative von Jörg Scheffelke und eingeladen vom Bezirksgruppen-Vorsitzenden Heiko Schröder werden die damaligen Veränderungen und Umwälzungen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in einer Reihe von Kurzvorträgen beleuchtet. Vortragende sind u.a. die Professoren und Fachkollegen Schlosser (Schwerin), Seeger (Bad-Neuenahr), Torge (Hannover), Graeff (Hamburg), Scholz (Neubrandenburg), Mill (Rügen), Rebenstorf (Neubrandenburg), Zölitz (Greifswald), Grewe (Schwerin) und Ihr Berichterstatter Lucht (Bremen). Die Themenpalette reicht von der wissenschaftlichen Forschung bis hin zur kommunalen Praxis, angereichert durch zwei besondere historische und kulturelle Themen (Lubinsche Karte von 1618, Landvermesser und Maler Carl Malchin). Die Veranstaltung findet statt vom 13. - 14. November 2009 im Ostsee-Hotel Dierhagen. Näheres und Anmeldungen unter Tel. 03834 500066,  Jörg Scheffelke, Arndtstr. 4 in 17489 Greifswald - eMail scheffelke@gmx.de . - 22.10.09

 

 

316.   20. Goldenes Lot für Fritz Pleitgen - Museumshandbuch für Wolfgang Kramer

             Mit dem "Goldenen Lot" des VDV ist am 16. 10. 2009 Dr. h. c. Fritz Pleitgen, Journalist, Intendant des WDR a. D., Vorsitzender der Geschäftsführung der RUHR 2010 GmbH (Kulturhauptstadt Europas 2010) ausgezeichnet worden. An der Festveranstaltung im blauen Salon der Köln-Messe nahmen über 100 Personen teil. Präsident Wilfried Grunau sagte u.a. über den Preisträger des Jahres 2009: „Sein herausragendes nationales wie auch internationales kultur- und medienpolitisches Engagement ist außergewöhnlich und beispielhaft gleichermaßen, wir ehren einen Menschen, dessen Haltung zu bewundern ist, für seinen Mut öffentlich Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.“ Diese Auszeichnung hat inzwischen eine 20-jährige (Vermessungs-) Geschichte. Stifter des Goldnen Lots ist Dipl.-Ing. Wolfgang Kramer, Ehrenvorsitzender des Bezirks Köln, der auch für die künstlerische Herstellung des jährlich vergebenen Ehrenpreises sorgt - ein vergoldetes Lot auf einem symbolischen Miniatur-Grenzstein, wohlproportioniert angeordnet auf einem runden Edelstahl-Sockel. War die Preisverleihung ursprünglich vom VDV-Bezirk Köln des VDV ausgerichtet worden, hat inzwischen der Bundesverband des VDV die Ausrichtung übernommen. 

          In der Laudatio für Fritz Pleitgen hat traditionell der Vorjahrespreisträger Arved Fuchs, Stationen Pleitgens u.a. in Moskau, Ostberlin, beim WDR, besonders hervorhebend dessen tiefe Verbundenheit zur Kultur begeisternd nachgezeichnet; sie münde aktuell geradezu selbstverständlich in seiner jetzigen Funktion für die Kulturhauptstadt Europas 2010.  Und der Geehrte reflektierte souverän und werbend über kommende kulturelle Aktivitäten. Anwesend waren neben dem Preisträger 2009 Fritz Pleitgen und dem Laudator Arved Fuchs auch die Preisträger früherer Jahre, so Norbert Burger, ehem. OB aus Köln, der Astronaut Ulf Merbold, Prof. Manfred Bonatz aus Bonn, Wilfried Grunau, Eberhard Burger aus Dresden. Wie stets waren die Preisträger früherer Jahre gebeten, aus ihrem gegenwärtigen Engagement zu berichten - der Präsident des Förderkreises und Preisträger 1998 Harald Lucht überreichte in dem festlichen Rahmen dem Initiator des Goldenen Lotes, Wolfgang Kramer, das neue Museumshandbuch (Siehe Mitt. Nr. 313).        

         Grußworte sprachen u.a. die Kulturbürgermeisterin der Stadt Köln, der Präsident des BDVI, Michael Zurhorst, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kartographie Dr. Peter Aschenberner, Udo Stichling, Präsident des DDGI e.V., Dt. Dachverband für Geoinformation.

         Erster Preisträger des Goldenen Lots war 1990 der Ehrenvorsitzende des VDV, Wolfgang Beicken, zu den Preisträgern der folgenden Jahre gehörten u.a. Außenminister Hans-Dietrich Genscher,  Ministerpräsident Johannes Rau, Rita Süßmuth und Hans-Joachim Gauck. Die vollständige Ehrentafel ist unter www.vdv-online.de verzeichnet. - 18.10.09

 

 

315.   9. Dortmunder Museumsnacht

Die Vorführungen zur 9. Dortmunder Museumsnacht am 26. 09. 09 waren für unser Museum ein SUPER-Erfolg mit einem überraschen guten Publikumszuspruch. Wir hatten das Motto gewählt "Hand-Werk Rechnen" und Ingo von Stillfried zeigte die Benutzung von Abakus, Rechenschieber, Rechentafeln, Logarithmentafeln, Kurbelrechenmaschinen bis hin zum PC, engagiert unterstützt von unserem Mitglied Carl-Wilhelm Schmälter. In den 4 stündlich angebotenen Führungen waren jeweils ca. 25 Zuhörer beteiligt - auch eine Reihe von Jugendlichen, die unseren beiden Fachleuten „ein Loch in den Bauch“ fragten. „Nun kann ich nicht mehr reden, das war toll!“ stellte am späten Abend unser Erster Vorsitzender fest. –
Und: Die Flyer für unser neues Museumshandbuches sind ausgelegt, der Museumsshop hat unsere Bücher im Verkauf und unser Geschäftsführer, Klaus-Detlef Lehmann berichtet über zunehmende Bestellzahlen. Siehe Mitt. 313. Auch toll! – 06.10.09

 

 

314.  Wir erinnern an Professor Dr.-Ing. Horst Peschel aus Dresden -

           geboren heute vor 100 Jahren.  Horst Peschel war lange Professor für Landesvermessung und Katasterwesen an der Technischen Hochschule Dresden und 15 Jahre Ordentliches Mitglied der Deutschen Geodätischen Kommission bei der bayerischen Akademie der Wissenschaften in München seit 1952 - als Dresdner! 1967 mußte zu er seinem großen Bedauern aufgrund der politischen Gegebenheiten aus der DGK austreten. Ihr Berichterstatter erinnert sich sehr gerne an eine persönliche Begegnung 1971 in Moskau bei der Tagung der Internationalen Assoziation für Geodäsie IAG. Offizielle Kontakte waren damals bereits von Seiten der DDR verpönt – dennoch gab es persönliche Gespräche, die in lebhafter guter Erinnerung geblieben sind. Unsere Professoren mußten in ihren Gesprächen manche Rücksicht nehmen und Prof. Horst Peschel sich sehr zurückhalten. Sein Hauptforschungsfeld war u. a. das Nivellement, mein Vortrag dort über Korrelationen im Präzisionsnivellement lagen auf der gleichen Ebene wie die Arbeit eines seiner Doktoranten. –

           Horst Peschel wurde am 29. September 1909 in Dresden geboren. 1919 bis 1928 besuchte er die Annenschule in Dresden, 1928 Abitur. Sein Vater war Vermessungsingenieur.1928 bis 1932 folgte das Studium des Vermessungswesens an der TH Dresden, 1932 war er einer der ersten Diplomingenieure, Wissenschaftlicher Assistent am Geodätischen Institut der TH Dresden bei Prof. Werkmeister, 1936 Promotion, bis 1938 Referendar und 2. Staatsprüfung; 1938 bis 1939 freischaffender Vermessungsingenieur, dann bis 1944 Öffentlich bestellter Vermessungsingenieur.

           Nach den Schrecken des Krieges mit dem Totalverlust aller Habe wurde Peschel 1950 zum Professor auf den wieder eingerichteten Lehrstuhl für Landesvermessung und Katasterwesen an der Technischen Hochschule Dresden berufen. Hier führte er u. a. 1952 die Große Vermessungsübung im Lehrfach Landesvermessung ein.  Er war  Mitbegründer der Zeitschrift „Vermessungstechnik“. Im Vorwort des ersten Heftes schrieb er: „Unsere Zeitschrift wird uns helfen, neue Freude an der Vielseitigkeit des schönen Vermessungsberufes zu gewinnen, sie wird ihm auch weitere Anerkennung verschaffen“ - sie erlangte bald ein hohes wissenschaftliches Renommee. Und er schrieb weiter „In ihr wird das Bewußtsein der Berufskollegen zum Ausdruck gebracht werden, daß Deutschland eine Einheit ist, die nicht durch willkürliche Schranken und Zonengrenzen zerrissen bleiben darf.“ –

           1953 bis 1956 war Prof. Peschel Rektor der TH Dresden. Die Einrichtung der Zentralstelle für internationale Dokumentation der Geodäsie am Geodätischen Institut 1956 war sein Werk. Er bearbeitete die deutschen Ausgaben dreier russischer Lehrbücher von Sakatow, Urmajew, Molodenski und verfaßte etwa 60 Aufsätze in wiss. Fachzeitschriften. 1959 bis 1974 war Prof. Peschel  Präsident der Kammer für Technik (KdT) der DDR, später deren Ehrenpräsident. Nach der 1968 im Zuge der dritten Hochschulreform in der DDR vollzogenen Auflösung des Geodätischen Instituts der Technischen Universität Dresden war er 1969 bis 1974 Leiter des neu gebildeten Wissenschaftsbereichs Geodäsie. In der wissenschaftlichen Arbeit galt seine besondere Vorliebe dem Feld der Höhenmessung. Diese Forschungen gipfelten in der unter seiner Führung entwickelten praxisreifen und auch international genutzten Technologie des motorisierten Präzisionsnivellements. 1963 bis 1984 leitete Prof. Peschel das Nationalkomitee für Geodäsie und Geophysik der DDR und konnte so an den Generalkonferenzen der Internationalen Union für Geodäsie und Geophysik IUGG sowie der IAG teilnehmen – wie erlebt und oben geschildert. Daher rührten Freundschaften mit u. a. Prof. Dr. Rudolf Sigl und Prof. Dr. Helmut Wolf, den er aus gemeinsamer Studienzeit kannte.

           Professor Dr.- Ing. Horst Peschel wird als ein verdienstvoller Forscher und großer Wissenschaftsorganisator gerühmt, der die Fähigkeiten eines Wissenschaftlers mit denen eines Praktikers vereinte. Für die meisten seiner Berufskollegen war er der Inbegriff eines Geodäten überhaupt, wohl der bedeutendste Geodät der DDR. Er starb am 11. 4. 1989 in Dresden. So war es war ihm nicht mehr vergönnt, die demokratische Wende und die Öffnung jener Grenze zu erleben, deretwegen auch er 1967 alle offiziellen Kontakte zu den wissenschaftlichen Kollegen im Westen hatte abbrechen müssen. – Am Dienstag, dem 17. November 2009, findet um 15:00 Uhr an der TU Dresden ein Gedenkkolloquium anläßlich des 100. Geburtstages von Prof. Horst Peschel  statt.

             Quellen: Sächsische Biographie in http://isgv.serveftp.org/saebi/impressum.php; Mitgliederverzeichnis der DGK; Zimmermann, B.: Zur Erinnerung an Horst Peschel, zfv 2009 S. 263 - 264 - 29.09.09

 

 

313.   Das neue Museumshandbuch - ein voller Erfolg!

           Auf der INTERGEO Karlsruhe vom 22. bis 24. September 2009 war die 3. Auflage unseres Museumshandbuchs ein echter "Renner" - von dem neuen Werk fanden weit über 200 Exemplare geneigte Leser. Die Käufer erwarben nicht selten 2 Bücher ( eines gleich als Geschenk), Verbände erwarben 10, auch 20 Exemplare. Die 3. Auflage des bekannten Werkes besticht mit über 600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem Aufsatzteil, erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im Umfang von 300 Seiten.  

           Es hatte sich herumgesprochen, daß hier etwas ganz besonderes angeboten wurde, ein werbender Flyer tat ein übriges. So ist z.B. auf der Doppelseite 116-117 die Waldseemüller-Weltkarte von 1507 in bestechender Qualität abgebildet, die Großtheodoliten Pistor und Martins von 1861 (S. 61), Sartorius von 1907 (S. 63), auch unser aus einer besonderen Spendenaktion 2005 von  erworbener Dollond-Theodolit von um 1770 (S. 299). Mehrere neue Aufsätze im 11 Beiträge umfassenden Textteil beleuchten Vermessungsgeschichte von ersten Grenzdarstellungen, vom Urkataster, bis zur digitalen Datenbasis und zur Satellitengeodäsie. Dabei ist das grundsätzliche Ziel des Handbuchs unverändert geblieben: Eine insbesondere auch für Nichtfachleute aussagefähige Quelle zur Vermessungsgeschichte zu sein, die darüber hinaus fachhistorisch von hoher Qualität ist.

           Präsident Harald Lucht und unser Erster Vorsitzenden Ingo von Stillfried sorgten mit ihren guten Kontakten zusätzlich für regen Besuch. So konnten wir neben den Präsidenten Dr. Karl-Friedrich Thöne vom DVW, Michael Zurhorst vom BDVI und Wilfried Grunau vom VDV u.a. Rolf Bull und Willibald Dores für das VDV-Magazin, Christiane Salbach für die DVW-Nachrichten, Martina Wolkowa vom BDVI-Forum begrüßen. Aus der großen Reihe weiterer Besucher seien Prof. Dr. Ekkehard Bartsch,  Prof. Dr. Hubertus Hildebrandt, Hans Killer, unser ersten Eratosthenes-Preisträger Frank Reichert, Dr. Jens Riecken vom DVW-NW, der AdV-Geschäftsführer Wilhelm Zeddies besonders erwähnt, der Stand war zeitweilig von Interessenten umlagert.

           Die Standbetreuung lag wieder wie schon so lange in den bestens bewährten Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef Lehmann, sowie von Jürgen Lagoda und Rudolf Uebbing, erstmals mit viel Engagement unterstützt vom neuen Vorsitzenden unseres Kuratoriums, Prof. Dr. Bertold Witte. Neben Ingo von Stillfried, dem rührigen Vater dieser Neuauflage des Museumshandbuchs, war Frau Sabine Koczy zu Besuch, der wir die technische Bearbeitung des Handbuchs und zahlreiche Neuzeichnungen verdanken.

           Es war ein für alle Beteiligten großer Erfolg - sicher wird dies Handbuch viele weitere Interessenten finden. Zu beziehen über unseren Geschäftsführer Klaus-Detlef Lehmann, Tel. 0231 5025686,  eMail Klaus-Detlef.Lehmann@stadtdo.de zum Preis von 35 €, darin Verpackung und Versand eingeschlossen. - 24.09.09

 

 

312.   C. F. Müller – diesmal der Prediger

              Der Prediger und Mensch Friedrich Christoph Müller wird im Mittelpunkt eines Vortrags stehen, den Pfarrer i. R. Ernst Martin Greiling am 2. Oktober 2009 um 19.30 Uhr in der Evangelischen Pfarrkirche in Bad Sassendorf halten wird. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von Pfarrer i. R. Christian Casdorff mit Musik von Joseph Haydn (1732–1809), der vor 200 Jahren verstorben war. Die Organisatoren dieser Veranstaltung erinnern sich zugleich gerne an ein Feierstunde von gut einem Jahr unter an gleicher Stelle „unter Müllers Kanzel“, als Manfred Spata einen Vortrag über Pastor Müller und dessen wissenschaftliche Arbeiten gehalten hatte (vergl. unsere Mitt. Nr. 239). - 21.09.09

 

 

311.   DAS NEUE BUCH ist da

Heute kam die erlösende Meldung von unserem Ersten Vorsitzenden Ingo von Stillfried: Unser Museumshandbuch liegt in seiner 3. Auflage fertig gedruckt vor. Wir stellen das Werk auf unserem Stand in Halle 4, Stand Nr. 4.637 bei der INTERGEO Karlsruhe vor, es kann dort erworben werden. - 300 Seiten über wiegend farbigen Fotos - für nur 30 € !  (vergl. auch Mitt. Nr. 308) - 18.09.09

 

 

310.   Professor Erich Weiß zur Vollendung des 70. Lebensjahres

           Professor Dr.-Ing. mult. Erich Weiß ist seit einer Reihe von Jahren eine tragende Säule im Vorstand des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum. Wann immer wissenschaftliche Fragestellungen zu beurteilen und zu entscheiden waren, beförderte er in seiner kompetenten und überlegenen Art umsetzbare Lösungen. Erich Weiß ist einer der Väter des vom Förderkreis ausgelobten Eratosthenes-Preises; er hat sich eingesetzt, als es um die Einrichtung der Ehrenmedaille ging und wirkte und wirkt zukünftig weiter als Hauptverantwortlicher für unsere alle 3 Jahre stattfindenden Symposien zur Vermessungsgeschichte – ein Ideengeber mit zurückhaltender doch wirksam eingesetzter Durchsetzungskraft. Sein nächstes großes Vorhaben ist die Ausrichtung des Symposiums im Jahre 2011 zum 500. Geburtstag von Mercator im Jahr 2012, dessen Leben und Wirken aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet werden wird.

           Wir im Förderkreis gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden jetzt zur Vollendung seines 70. Lebensjahres am 13. September 2009. Geboren in Halle an der Saale, gegen Ende seiner Gymnasialzeit nach Schwierigkeiten in der DDR – sein Sinn stand anders als der jener dortigen Machthaber – nach Westberlin gegangen, Abitur in Schöneberg 1959, Studium in Bonn. Erich Weiß wirkte in der Flurbereinigungsverwaltung in Nordrhein-Westfalen, hatte seit 1977 einen Lehrauftrag an der Universität Bonn, hier führte er ab 1990 im Lehrstuhl für Bodenordnung und Bodenwirtschaft die gute Tradition von Prof. Dr.-Ing. Walter Seele fort. 

           So sehr wir Erich Weiß zu schätzen wissen, so wenig vermögen wir an dieser Stelle seine großen wissenschaftlichen Leistungen hinreichend zu würdigen. Wir erinnern stellvertretend an sein segensreiches Wirken als Professor für Bodenordnung und Bodenwirtschaft, seine ungemein zahlreichen wertvollen Veröffentlichungen, seine Einsatz für seine Studenten und Assistenten. Hervorgehoben seien neben seinen Veröffentlichungen zum Bodeneigentumsrecht u. a. seine umfänglich dokumentierten und kommentierten Quellen zur Entstehungsgeschichte der Flurbereinigung, Landeskulturgesetze in Deutschland, eine Sammlung historischer Gesetze zur Gemeinheitsteilung, Zusammenlegung und Umlegung sowie zur Reallastenablösung (siehe auch www.uni-bonn.de/probobo/dt_ew.htm).

           Gleich nach der Wende half er bei der Umorientierung der Praxis in der DDR auf ein dort ganz neues Bodenrecht, er hatte über 10 Jahre einen Lehrauftrag an der Universität Rostock „Grundzüge des Boden-, Planungs- und Baurechts“. Die Universität Rostock ehrte Erich Weiß 1998 mit der Ehrendoktorwürde. Weitere Ehrungen für seine wissenschaftlichen Leistungen erhielt er in Litauen und in der Türkei. Wir gratulieren unserem Zweiten Vorsitzenden mit den besten Wünschen, vor allem auch für seine Gesundheit, und hoffen auf eine lange Fortsetzung der fruchtbaren Zusammenarbeit. – 13. 09. 09

 

309.   Alerdinck kartierte einst Münster in drei Dimensionen – Vortrag Mesenburg

             Über Forschungsergebnisse zu einem über 300 Jahre alten Stadtplan der Stadt Münster berichtet unser Kuratoriumsmitglied Prof. Dr.-Ing. Peter Mesenburg, Essen in einem Abendvortrag. Die durch E. Alerdinck im Jahre 1636 entwickelte Karte besticht durch ihre hohe Anschaulichkeit. Der Stadtplan wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes kartometrisch untersucht. Dabei standen zunächst Fragen zur vermessungstechnischen Aufnahme der Karte, der daraus resultierenden Genauigkeit und der Abbildung im Vordergrund. Überraschenderweise ergab die Kartenanalyse jedoch auch besondere situationsbedingte (30-jähriger Krieg) Gestaltungskomponenten.

           Die Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Kartographie e. V. Sektion Rhein–Ruhr findet statt am Dienstag, den 27. Oktober 2009, 18.00 Uhr, Regionalverband Ruhr, Sturm-Kegel-Raum (Erdgeschoss), Kronprinzenstraße 35, 45128 Essen (Nähe Hbf). Weitere Infos unter http://rhein-ruhr.dgfk.net . - 05.09.09

 

 

308.   Groß-Ereignis in Sicht - neues Museumshandbuch

            Auf der kommenden INTERGEO in Karlsruhe werden wir unser neues Museumshandbuch vorstellen, die 3. Auflage des bekannten Werkes, mit über 600 mehrheitlich farbigen Abbildungen, erweitetem Aufsatzteil, erweiterter Zeittafel, im Format DIN A 4, mit neuem Cover, im Umfang von 300 Seiten, Preis 30 Euro. Präsident Harald Lucht und Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried präsentieren das neue Werk auf dem Stand des Förderkreises in Halle 4, Stand Nr. 4.637 am Dienstag, 22. September ab 11:30 Uhr. Zur Präsentation eingeladen sind eine Reihe von Persönlichkeiten, so insbesondere auch die Präsidenten von DVW, BDVI, VDV. Die Standbetreuung liegt wieder in den bewährten Händen unseres Geschäftsführers Klaus-Detlef Lehmann, unterstützt von Rudolf Uebbing und Jürgen Lagoda - 27.08.09

 

 

307.   Förderkreis erhält aus der Schweiz eine terrestrische Stereomeßkammer WILD C12

            Der Förderkreis hat über die Vermittlung der Gesellschaft für die Geschichte der Geodäsie in der Schweiz (GGGS) eine terrestrische Stereomeßkammer WILD C12 erhalten. Diese erste stereometrische Meßkammer von WILD wurde in örtlichen Fachkreisen auch "Polizei-Stereometer" genannt. Sie stammt wohl aus dem Jahr 1938. Die Fa. WILD hatte 150 solcher Exemplare von 1933 bis 1963 gebaut. Die uns gespendete Kamera war bis ins Jahr 2002 im Einsatz beim kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Schwyz, vorrangig für die Unfallerfassung. Unser Erster Vorsitzender Ingo von Stillfried konnte sie am 13.8. vom Leiter der Kantonspolizei, Adolf Füchslin, in der Schindellegi am Zürichsee in Empfang nehmen.
           Die belichteten Fotoplatten wurden an zentraler Stelle in Bern "in Bleistift vorausgewertet" und dann in Schwyz "in Tusche gerichtsverwertbar reingezeichnet". Erst ab etwa 2001 sind digitale Methoden eingesetzt worden, doch Praktiker meinen, damit werde die frühere Genauigkeit der C12 nicht erreicht. Die Stereomeßkammer mußte außer Dienst gestellt werden, weil keine Fotoplatten mehr zu beschaffen waren. Auch gestaltete sich ihr Einsatz wegen ihrer Größe und Gewicht zunehmend schwerfällig. So wurde das zugehörige analoge Stereoauswertegerät ebenfalls ausgemustert. - Es ist schon beeindruckend, daß ein Gerät über 70 Jahre im Einsatz war und eine digitale Konkurrenz hinsichtlich der Genauigkeit eigentlich nicht zu fürchten hatte. - Siehe auch die interessante Web-Seite der o. a. Gesellschaft für die Geschichte in der Schweiz unter
www.history-of-geodesy.ch. - 18. 08. 09

 

 

306.   Der Limes – eine Grenzanlage quer durch Deutschland, Weltkulturerbe seit 2005

           Der Obergermanisch-Raetische Limes hat eine Länge von rd. 530 km und verläuft von Rheinbrohl (nördliches Rheinland-Pfalz) bis Hienheim an der Donau (südwestlich von Regensburg), durch die Länder Rheinlad-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Die Grenze zwischen der römischen Provinz Raetia und Germania markierte einst ein großes Zivilisations- und Wohlstandsgefälle. Der Limes stellte keine unüberwindliche militärische Verteidigungsanlage dar. Er diente in erster Linie der Kontrolle des grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehrs. Zahlreiche Limesdurchgänge kanalisierten den „Kleinen Grenzverkehr“. Diese römisch-germanische Grenze wurde einst durch mehr als 900 Türme überwacht. Der anfänglichen Holzbauweise folgten Steintürme, die ab 146 n. Chr. verputzt wurden. Die Wachtposten (Wp) wurden oft in Sichtweite zueinander angelegt. Der Limes ist am 15. Juli 2005 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen worden.

           Besonders beeindruckt waren jetzt die Fachkollegen Günter Cummerwie aus Wuppertal, Dieter Grewe aus Schwerin, Hans-Joachim Huberti aus Kaiserslautern, Harald Lucht aus Bremen, Horst Luft aus Taunusstein und Harry Pahl aus Hamburg, ehemalige Mitglieder der Fachkommission Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen im Deutschen Städtetag, als sie zusammen mit ihren Ehefrauen am 6. August 2009 den rekonstruierten Limesturm Wp 3/26 bei Idstein besichtigten. Geführt von Ottmar Weigel, dem Initiator der Rekonstruktion dieses Turms, wurde die alte Grenzbefestigung zwischen dem damaligen römischen Reich und Germanien ins Bewußtsein gerufen. Der Turm beherbergt eine hochinteressante Ausstellung mit Exponaten und Übersichten zum Limes, siehe hierzu auch www.roemerturm-idstein.de und das lesenswerte Heft „UNESCO-Welterbe Limes, römisches Erbe in Hessen", herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege in Hessen, www.denkmalpflege-hessen.de/Archaeologie . Und  - eine der ersten Mitteilungen auf dieser Seite wies bereits 2004 auf die geplante Aufnahme des Limes in Deutschland als UNESCO-Weltkulturerbe hin (Mitt. Nr. 30) . - 10.08.09.

 

 

305.    Museumshandbuch 3. Auflage - Layout ist fertig, Druck bis zur INTERGEO

             Die 3. Auflage des Museumshandbuchs des Vermessungstechnischen Museums in Dortmund ist in der Endredaktion.  Ingo von Stillfried hat mit der tatkräftigen Hilfe von Madeleine Albrecht, Manfred Gombel, Sabine Koczy, Petra Uthardt und Rudolf Uebbing das Werk fertiggestellt, danach ist intensiv Korrektur gelesen geworden. – Das rd. 300 Seiten umfassende, reich farbig bebilderte und mit einer Reihe auch neuer fachhistorischer Aufsätze ergänzte Buch geht am 21. August zur Druckerei – um es dann auf der kommenden INTERGEO in Karlsruhe vom 23. bis 25. September der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wir alle im Förderkreis freuen uns auf ein gelungenes Werk.  Siehe auch unsere Mitt. Nr. 287 und zfv Heft 4/2009 S. n-62. - 01.08.09

 

304.    Bayerischer Vermessungskompaß

              Der „Bayerische Katastervermessungskompass“, © 2005, ist ein von ehrenamtlichen Autoren verfaßtes, freies Internetprojekt, das sich ausschließlich mit der Thematik Kataster und Geodaten beschäftigt. In einem ersten Schritt soll das Bayerische Kataster dokumentiert werden. Es weist darüber hinaus eine ganze Anzahl von einschlägigen Links nach. Näheres siehe unter www.by-bayern.de . Gegenwärtig ist eine Reihe von fachhistorischen Daten chronologisch zusammengestellt (beginnend 1801 mit Hinweisen auf die Katasteranlegung in Bayern ab 1808), Fachbegriffe werden erläutert. Kontaktadresse Erwin Knott über erwin.knott@googlemail.com . - 28.07.09

 

 

303.   Soldnermedaille für Hubertus Hildebrandt und Max Engelsberger.

             Stadtdirektor a. D. Prof. Dr.-Ing. E. h. Hubertus Hildebrandt ist vom bayerischen Staatsminister für Finanzen mit der Soldnermedaille für besondere Verdienste um das Vermessungswesen in Bayern ausgezeichnet worden. Damit wurde u. a. sein besonderes Engagement bei der Durchführung von Baulandumlegungen und städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen und sein 20-jähriger Vorsitz im Gutachterausschuß für Grundstückswertermittlung der Stadt Nürnberg sowie sein Engagement bei der universitären Aus- und Fortbildung des Berufsnachwuchses gewürdigt. Minister Fahrenschon überreichte die Verdienstmedaille in einer Feierstunde am 17. Juni 2009. – Zugleich mit Prof. Hildebrandt wurde auch der frühere Leiter der bayerischen Vermessungsverwaltung (1989 – 1998) Ministerialdirigent a. D. Dr.-Ing. Max Engelsberger ausgezeichnet.

             Mit Hubertus Hildebrandt wurde in Bayern erstmals ein Fachkollege aus dem Kommunalen Vermessungs- und Liegenschaftswesen mit der im Jahre 2003 geschaffenen Medaille ausgezeichnet. Er leitete das Stadtvermessungsamt Nürnberg von 1969 bis 1990. Geboren 1927 in Stettin, war er nach dem Studium an der TH Hannover zunächst in der Landeskulturverwaltung in Niedersachsen tätig, im Kulturamt Verden leitete er das Flurbereinigungsverfahren für das Autobahnkreuz Bremen. In Nürnberg wurde er Nachfolger von Dr.-Ing. Walter Seele. Hubertus Hildebrandt war engagiertes Mitglied in der Fachkommission Kommunales Vermessungs- und Liegenschaftswesen des Deutschen Städtetages, Schriftleiter der zfv 1977 bis 1984, erhielt die Ehrenpromotion 1988 in Bonn, die Honorarprofessur 1989 in München. Zahlreiche Aufsätze und mehrere Buchveröffentlichungen stammen aus seiner Feder. Auch nach seiner Pensionierung war und ist Hubertus Hildebrandt insbesondere in Fragen der Wertermittlung in Sanierungsgebieten gefragt. - 18.07.09

 

 

302.   Eratosthenes-Preisträger 2009 ist Rudolf Hafeneder

            Das Stifterkollegium des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum (Präsident Prof. Dr. Harald Lucht, Kuratoriumsvorsitzender o. Prof. Dr. Bertold Witte, Erster Vorsitzender Ingo Frhr. von Stillfried) ist in Dortmund zusammengetreten und hat den mit 2.500 € dotierten Eratosthenes-Preis 2009 vergeben. Aus mehreren vorgeschlagenen und preiswürdigen Arbeiten ist die Dissertation 2008 von Dr.-Ing. Rudolf Hafeneder zur Deutsche Kolonialkartographie 1884-1919 als eine herausragende Forschungsarbeit ausgewählt worden. Der Vorschlag zur Preisverleihung kam von Professor Dr.-Ing. Dieter Morgenstern. Wir hatten die Arbeit bereits in unserer Mitt. Nr. 263 besprochen.

Die Preisverleihung wird in der Mitgliederversammlung unseres Förderkreises am 22. Februar 2010 in Dortmund stattfinden. In der Vergangenheit ist der Eratosthenes-Preis während der Eröffnung der INTERGEO überreicht worden. Der DVW hat ab diesem Jahr, beginnend  in Karlsruhe, den Gesamtablauf der INTERGEO verändert, insbesondere entfällt die große offizielle öffentliche Eröffnungsveranstaltung. Der Präsident des DVW hatte den Förderkreis daher gebeten, die Preisverleihung in einem anderen würdigen Rahmen vorzusehen. Das ist selbstverständlich für unseren Förderkreis unsere Mitgliederversammlung. Herr Dr. Rudolf Hafeneder wird dann zugleich über seine Arbeit berichten. - 08.07.09

 

 

301.  Bierfaß im Koordinatenkreuz – Studenten-Ulk vor 40 Jahren.

            Keine Semester-Schlußübung – undenkbar für das Drewes-, Eberhardt-, Heineke-, Lichtner- … Geodäten-Semester 1969: also veranstalteten die Studenten des achten Semesters Geodäsie nach Grundstücks-, Topographie- und Triangulations -Übung selbst einen Semester-Abschluß.  Mit dabei mehrere Professoren (u. a. Walter Großmann, Günter Hake,  Walter Höpcke, Wolfgang Torge) und Assistenten der damals noch als Technische Hochschule firmierenden Uni Hannover. Einsatz selbst gebastelter „Instrumente“ mit dem Ziel, das Gauß-Krüger-Koordinatenkreuz 9 Grad östlicher Länge mit Äquatorabstand 5900 km zu „ver“messen, bei Adolphsdorf, im Teufelsmoor, nördlich von Bremen. Getreu der Devise, Genauigkeit ist nicht alles, wurden die mehreren gefundenen Koordinatenkreuze zünftig durch „Zusammenlaufen“ ausgeglichen und an geplanter Stelle mit einem Bierfaß vermarkt, geleert vor Ort. So geschah es, ein gelungener Gag im Sommer 1969. – Und im Sommer 2009 trafen sich die ergrauten Semester, pensioniert oder in Rente, an gleicher Stelle im Teufelsmoor!

          Ausgerüstet mit langen Eisenstangen-Stangen, einer Einmessung des 10 Jahre später 1979 „als Sicherung“ vermarkten weiteren geleerten Fasses und mit viel guter Laune ging es auf die Suche, das Finden ward zugleich schwierig und fröhlich wie damals, der Initiator, einst in der Nachbarschaft des Koordinatenkreuzes aufgewachsen und heutige Münchener Professor Dr.-Ing. Hermann Drewes hörte deutlich das Auftreffen der Eisenstange auf jenes alte Alu-Faß – Übung erfolgreich! Mit von der Partie waren über 20 von damals 40 Studenten, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Torge, Ihr Berichterstatter Harald Lucht, damals Assistent und ein Reporter, der dann Tage später am 24. 06. 09 in der Wümmezeitung einen launigen Bericht verfaßte „Studenten der Geodäsie suchen 40 Jahre altes Bierfass“. Die Zevener Zeitung zog am 2. Juli nach: "Mit Bindfaden, Fass und Professor in das Moor". Hermann Drewes hatte das Semestertreffen organisiert, man besuchte die Kunst in Worpswede, den alten C. F. Gauß in Zeven, sogar oben in der Laterne des St. Viti-Kirchturms an dessen historischer Beobachtungsbohle, traf sich zum Gruppenfoto am Niedersachsenstein – und selbstverständlich traditionsgemäß beim Bier. Dabei zeigte Prof. Dr. Reinhard Richter zur großen Begeisterung aller ein Filmdokument der vermessungshistorischen Ereignisse. - Insgesamt ein weiterer gelungener Beweis für großen Korpsgeist und ungewöhnlichen Humor jener oft als „so genau“ geltenden Diplomingenieure der Vermessungszunft.  - 03.07.09 /04.07.09

 

 

 

 

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