FÖRDERKREIS VERMESSUNGSTECHNISCHES MUSEUM E. V.
POSTANSCHRIFT: 
Förderkreis Vermessungstechnisches Museum e.V.
( c/o Museum für Kunst und Kulturgeschichte )
Hansastraße 3
D-44137 DORTMUND
Tel.  +49 (0) 231 50 2 56 83    Fax +49 (0) 231 50 2 54 28

Schausammlung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Hansastraße 3
D-44137 Dortmund   
(5 Minuten vom Hauptbahnhof)

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Aktuelles              "Erinnern heißt danken"  

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Redaktion: Harald Lucht (2003 – 2018), NN (2018 -

 

 

 

Aktuelle  Mitteilungen

19. Januar 2018

 

642.   Einladung zur Mitgliederversammlung – Gäste willkommen

             Der Förderkreis Vermessungstechnischen Museum e.V. in Dortmund lädt ein zur diesjährigen Mitgliederversammlung am Montag, den 19. Februar 2018 im „Mutterhaus“, im Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund, Hansastr. 3, dort in der repräsentativen Rotunde. Die Veranstaltung beginnt um 14 Uhr mit zwei besonderen Fachvorträgen:

             Der Eratosthenes-Preisträger Dr. Markus Rembold berichtet über seine preisgekrönte Dissertation

Die Anerkennung und Feststellung von Grundstücksgrenzen – Ein Beitrag zur Entwicklung des Liegenschaftskatasters im Lande Nordrhein-Westfalen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“,

             und anschließend spricht Professor Dr.-Ing. Eberhard Baumann zum Thema

J. G. F. Bohnenberger und seine Nachfolger“

             Zum zweiten Vortrag verweisen wir auch auf unsere Mitteilung 369 über ein von dem Vortragenden im Jahre 2010 in Stuttgart ausgerichtetes Festkolloquium 200 Jahre Bohnenberger, damals mit Hinweisen auch auf Verbindungen von Bohnenberger zu Benzenberg.

             Nach den beiden Vorträgen und den zugehörigen Diskussionen ist die übliche Kaffee-Pause vorgesehen, auch zum weiteren Gedankenaustausch. Die Mitgliederversammlung soll dann gegen 16 Uhr fortgesetzt werden, u. a. mit einer Diskussion zur Umgestaltung der Schausammlung. Das anvisierte Ende der Versammlung ist 17 Uhr. Wie stets, sind Gäste herzlich willkommen. – 19.01.2018

 

 

641.  Weiterhin reges Interesse an unserer Homepage – und ein Fazit                       

             Die statistische Auswertung unserer Homepage www.vermessungsgeschichte.de zeigt weiterhin ein reges Interesse an unseren Seiten. Dies gilt  besonders, berücksichtigt man die generelle Informations-Inflation, die heute ganz allgemein auf uns moderne Menschen einstürzt. 

             Im Jahr 2017 hatten wir mit 40.360 Seitenaufrufen ein „vermessungshistorischen Interesse“, also durchschnittlich über 3300 Besuchen pro Monat. Dabei ist sicher zu berücksichtigen, daß die Anzahl der Leser tatsächlich kleiner ist, weil wir davon ausgehen dürfen, unverändert zahlreiche Interessierte zu haben, die uns öfter besuchen. In den vergangenen Jahren hat dabei insbesondere die Seite Aktuell-Archiv gegenüber der Seite Aktuelles ein stets zunehmendes Interesse gefunden, im vergangenen Jahr 2017 mit 12.230 Besuchen (rd. 1000 pro Monat) gegenüber nurmehr 4130 Besuchen der Seite Aktuelles. Ursächlich hierfür dürften auch Besucher sein, die über Suchmaschinen auf unsere Seiten geleitet werden. Der Förderkreis plant vor diesem Hintergrund, auch unsere Homepage in ein moderneres Outfit zu übertragen und die Ansprechbarkeit gerade für Mobiles (Smartphone etc.) zu erhöhen (so ein Rat unseres Servers 1&1).

             Unser beständiges Motiv bei der inhaltlichen Gestaltung unserer Homepage und besonders der beiden Aktuell-Seiten: Wir erinnern an interessante vermessungshistorische Ereignisse, besondere Ehrentage, an Persönlichkeiten, an Veranstaltungen, Gedenktage, Schriften und an die Aktivitäten unseres Förderkreises auch mit den Eratosthenes-Preisen.

             Die Seite Aktuell-Archiv hat gegenwärtig rd. 160.000 Worte, sie bietet damit einen Informations-Umfang von inzwischen mehr als 350 Buchseiten Vermessungsgeschichte (siehe auch zfv 2/2016 S141/42). Allein die Würdigung von Persönlichkeiten – sozusagen von Adickes (Mitteilung 401)  über Eggert (54), Nittinger (162) bis zu Zuse (347) – mögen wohl an die 100 Kurzbiographien in Aktuell-Archiv nachlesbar sein, anzusteuern über die Suchwortfunktionen. – 

             Unsere Homepage besteht jetzt seit 15 Jahren, seit März 2003. Unser Leitspruch „Erinnern heißt danken“ möchte erhellen, wie gerade in unserem Fachgebiet technische wie ebenso allgemeine Entwicklungen oft eine lange Vorgeschichte haben – oder wie es ein oft gebrauchtes Bild plakatiert: Wir stehen auf den Schultern unserer Vorgänger. Siehe dazu auch unsere Mitt. 500. Ein besonderes Ziel war für uns immer, über unsere Homepage auch jüngere Besucher und Besucherinnen für die Vermessungsgeschichte zu interessieren.

             Und als Fazit über 15 Jahre tätige Redaktion bleibt Dank zu sagen für vielerlei Anregungen und ebenso für so manches freundliches Feedback. – 15.01.2018  

 

 

 

640.   Projekt Historisches Mercator-Haus in Duisburg
             Bei Abrissarbeiten und archäologischen Grabungen im Sommer 2012 fand man in Duisburg den fast vollständig erhaltenen Keller des bereits wohl schon im 14.Jh. errichteten Gebäudes, welches von Gerhard Mercator mit seiner Familie bewohnt worden war. Das Haus diente damals auch als Manufaktur für Globen, Karten und Atlanten. Vor diesem Hintergrund hat sich die Duisburger Bürgerschaft entschlossen, das historische Mercator-Haus auf den alten Grundmauern wieder zu errichten. Es sind Machbarkeitsstudien angefertigt worden, Nutzungskonzepte verfasst, Investoren und Entwickler gesucht und auch gefunden und Planungsrecht geschaffen. In den vergangenen Jahren sind damit „hinter den Kulissen“ erhebliche Vorbereitungen getroffen worden. Nun wird es allmählich ernst.
             Die Universität Duisburg-Essen u.a. mit dem Mercator-Lehrstuhl Ankermieter in dem insgesamt 1400m² großen Ensemble von vier Gebäudeteilen. Ein weiteres Unternehmen aus dem kulturellen Bereich hat nach dem derzeitigen Planungsstand die Anmietung einer Fläche von ca. 100m² zugesagt und auch ein Duisburger Bürger ist mit nicht geringer Fläche als Mieter bereits im Boot.
             Die Duisburger Philharmoniker werden im September 2018 ein Benefiz-Konzert zur Finanzierung veranstalten. Die NRW-Stiftung wird das Projekt fördern – wie 2012 auch die vom Förderkreis veranstaltete Sonderausstellung zum 500. Geburtstag von Mercator (Unsere Mitt. 437). Einen nicht unerheblichen Teil der Kosten wird auch die Mercator-Stiftung tragen. Die Duisburger Gesellschaft GEBAG wird die Entwicklung des Projekts übernehmen.
             Nachdem damit die großen Leitpfosten für das Projekt eingeschlagen wurden, ist jetzt jedoch noch eine Menge Kleinarbeit zu leisten, bevor dann Ende 2018 mit der Baugenehmigung zu rechnen ist und der „Erste Spatenstich“ Anfang 2019 erfolgen kann. – Als belastbarer Fertigstellungstermin ist das Frühjahr 2021 anvisiert, die Eröffnung soll spätestens im November 2021 erfolgen.
             Alle Geodäten und Kartografen sind aufgerufen, mögliche Exponate, die in einem ganz speziellen Raum-Ensemble „Mercators Werkstatt“ (Arbeitstitel) ausgestellt werden könnten, zu benennen oder darauf aufmerksam zu machen, zur Verfügung zu stellen oder zu spenden. Ansprechpartner ist dabei die Geschäftsstelle unseres Förderkreises. – 09.01.2018

 

 

 

639.  Professor Lelgemann verstorben

             Professor Dr.-Ing. habil. Dieter Lelgemann verstarb in Berlin im August dieses Jahres. Er wirkte als Professor für Astronomische und Physikalische Geodäsie an der Technischen Universität Berlin, war Ordentliches Mitglied der DGK seit 1987. Die Vermessungsgeschichte  verdankt  Dieter Lelgemann vertiefte Erkenntnisse insbesondere über das Wirken der alten Griechen in der Antike. – 

             Geboren 1939 in Essen, führte der  fachliche Lebensweg von Dieter Lelgemann über die dortige Ingenieurschule 1961 nach Berlin zur TU, dort Studienabschluss 1966, Promotion 1971 bei Professor Moritz. Er wirkte lange als Wiss. Oberrat an der TU, 1975/76 folgte ein Forschungsaufenthalt in den USA, 1978 Habilitation, 1985 die Professur. Sein wissenschaftliches Hauptarbeitsgebiet lag in der theoretischen Geodäsie. – Auf den ausführlichen Nachruf von Frank Neitzel für das Institut für Geodäsie und Geoinformationstechnik der TU Berlin in der zfv 2017 S. 371-372  dürfen wir hier verweisen. –

             Unser  Förderkreis verdankt Dieter Lelgemann ein umfängliches Essay zum Thema „Eratosthenes von Kyrene und die Meßtechnik der alten Kulturen“, Band 3 unserer Forschungsbeiträge. Fasziniert  durch das mathematische Wissen und die grundsätzlich vorhandenen meßtechnischen Möglichkeiten in der Zeit des Eratosthenes hat Dieter Lelgemann in diesem Essay erstaunliche neue vermessungshistorische Erkenntnisse erarbeitet, unterstützt durch eigene Feldversuche.  Er entwickelte plausibel, wie die Erdmessung des Eratosthenes deutlich genauere Ergebnisse erlaubten, als nach anderen historischen Quellen überliefert. Seine nach seiner Pensionierung veröffentlichten populärwissenschaftlichen Bücher trugen fachliche Erkenntnisse in eine breite Öffentlichkeit.  Besondere Aufmerksamkeit fand 2010 das maßgeblich  von Dieter Lelgemann beförderte Gemeinschaftswerk von  A. Kleineberg, Chr. Marx, E. Knoblauch, D. Lelgemann: „Germania und die Insel Thule - Die Entschlüsselung von Ptolemaios’ - Atlas der Oikomene“, veröffentlicht in der WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft),  Darmstadt 2010. Der SPIEGEL rezensierte die Ergebnisse als „eine verblüffende Landkarte“. Sie zeigt Mitteleuropa vor 2000 Jahren, vergl. unsere Mitt. Nr. 371. Gleichfalls 2010 erschien sein Buch „Die Erfindung der Messkunst Angewandte Mathematik im antiken Griechenland“ ebenfalls im Verlag der WBG, Darmstadt und im darauffolgenden Jahr  2011 das Buch  „Gauß und die Messkunst“ im primus-Verlag.

             Vor dem hier nur angedeuteten Hintergrund hat unser Förderkreis Vermessungstechnisches Museum  e.V. in Dortmund  Dieter Lelgemann 2012 mit dem Eratosthenes-Ehrenpreis ausgezeichnet.  In der Mitgliederversammlung 2012 überzeugte  der Geehrte wie schon in früheren Vorträgen die interessierte Zuhörerschaft  mit einer  eindrucksvollen Präsentation seiner Recherchen antiker Überlieferungen und Erkenntnisse. – Der Förderkreis wird in Professor Dr.-Ing. Dieter Lelgemann zugleich auch in seiner lebhaften Kollegialität  in dankbarer Erinnerung behalten. – 07.12.2017

 

 

 

638.   Bronzemarken kennzeichnen das Jahrtausend-Hochwasser von 1784 in Bonn und Beuel 

             Das Eishochwasser von 1784 ist die seit Menschengedenken höchste Rhein-Flutkatastrophe. Ursache war der extrem kalte Winter 1783/84, ausgelöst durch den Ausbruch des isländischen Vulkans Laki im Juni 1783. Dessen acht Monate andauernde Aschewolken hatten die Atmosphäre über ganz Europa verdunkelt. Danach war der Rhein zwischen Breisig und Köln vom 25. Januar bis zum  24. Februar 1784 vollständig zugefroren. Die Bevölkerung überquerte den Rhein und feierte sogar ein Volksfest auf dem Eis,  selbst der Kölner Kurfürst war anwesend. Als am 24. Februar plötzlich Tauwetter einsetzte, staute sich das ankommende Wasser des Mittelrheins binnen weniger Stunden über dem Eis, um dann nach dem entstehenden Eisbruch ebenso schnell wieder abzulaufen. Die dadurch ausgelöste heftige Eisflut stieg an bis zu einer Höhe von 14,23 Metern, gemessen am Pegel Bonn, entsprechend 56,89 Meter Geländehöhe. Die Flut überströmte auf der niedrigen rechten Rheinseite die ufernahen Auenbereiche zahlreicher Orte. Die überlieferten Quellen berichten von mehreren Toten und von über einhundert  zerstörten Fachwerkhäusern. Beide Landesherren, der Herzog von Berg und der Kurfürst von  Köln, riefen sogleich ihre „Lieben Getreuen“ zu Spenden für die geschädigten Mitbürger auf.

             Dieser extrem hohe, zerstörerische Wasserstand ist zu Recht als „Jahrtausend-Hochwasser“ bezeichnet worden; eine Katastrophe, die sich unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis der Bevölkerung eingebrannt hat. Bis heute haben sich zwei zeitgenössische Markierungen erhalten, beide im linksrheinischen Bonn: die Sandstein-Marke an der Mauer der ersten Fährgasse und die Kalkstein-Marke auf der Treppe aus der Münsterkirche in den Kreuzgang. Auch außerhalb von Bonn finden sich noch einige historische Hochwassermarken für 1784, so in Koblenz (ehem. Hotel „Koblenzer Hof“), in Linz (Stadtmauer und Schlosstor), auf der Insel Nonnenwerth (Klosterportal) sowie in Niederdollendorf (Kirchturm).

             Auf der rechtsrheinischen Seite dagegen befand sich keine historische Erinnerungsmarke von 1784. Daher wurde auf Initiative von Hans-Josef Müller, Mitglied des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch e.V. eine entsprechende Markierungsaktion durchgeführt. So werden in Zukunft an nahezu zehn öffentlich zugänglichen Stellen von Geislar bis Beuel Bronzeplatten mit der Kennzeichnung „Jahrtausend-Hochwasser 1784“ zu sehen sein, u.a. im Bürgermeister-Stroof-Haus in Bonn-Vilich und am Heimatmuseum Beuel. Der Öffentlich bestellte Vermessungsingenieur Gerd Langendonk aus Bonn übertrug die Höhe des Hochwassers zu den neuen Bronzemarken. Begleitend dazu hat Manfred Spata, Eratosthenes-Preisträger unseres Förderkreises, eine Dokumentation verfasst, die in der Schriftenreihe des Denkmal- und Geschichtsvereins erschienen ist. Und er hat zusammen mit Georg Divossen eine Sonderausstellung im Bürgermeister-Stroof-Haus kuratiert.

             Bronzemarken – Publikation – Ausstellung: „Diese Trias zur Thematik „Jahrtausend-Hochwasser 1784“  möge weithin Aufmerksamkeit und nachhaltiges Interesse erfahren“, schreibt der Vorsitzende des Denkmal- und Geschichtsvereins Bonn-Rechtsrheinisch e.V., Carl Jakob Bachem im Geleitwort des Herausgebers der Dokumentation.

             Publikation: Manfred Spata: Das Jahrtausend-Hochwasser von 1784 in Bonn und Beuel – Beueler Hochwassermarken als Erinnerung an die Eiswasserkatastrophe, Kleine Beiträge zu Denkmal und Geschichte im rechtrheinischen Bonn – 2017 ISBN 978-3-9812164-5-5. – 01.12.2017

 

 

 

637.   50 Jahre VDV Bremen/Unterweser

             Am 17. November 1967 gründete der Verband Deutscher Vermessungsingenieure VDV durch Wolfgang Beicken in Bremerhaven den Landesverband Bremen/Unterweser. Am gleichen Tag nach 50 Jahren hatte der Vorsitzenden des Landesverbandes Dipl.-Ing. Uwe Lindemann zur Jubiläumsfeier nach Bremerhaven eingeladen.  Der Nachfolger von Wolfgang Beicken, Wilfried Grunau, Präsident des VDV,  war zusammen mit dem Bundesgeschäftsführer Burghard Kreuter angereist und umriss in seinem Grußwort  jene Jahre der Gründung und das Wirken des VDV bis in die Gegenwart. Ihr Redakteur, lange für die Bremische Kataster- und Vermessungsverwaltung verantwortlich, erinnerte in seinem Rückblick an die Jahre seit 1973.  Sein späterer Nachfolger in Bremen, Ulrich Gellhaus, der zugleich als Landesvorsitzenden des DVW Niedersachsen/Bremen an der  Feier teilnahm, konnte ein Reihe von Mitarbeitern seiner Bremerhavener Jahre als Amtsleiter begrüßen. Ein stilvoller Empfang mit gemeinsamer Mittagstafel umrundeten den offiziellen Teil, zahlreiche Mitglieder und Gäste erlebten eine gelungene Feier, an der sogar der Mitgründer und Vorsitzende von 1970 – 1989 Harald Wittmann im Alter von 91 Jahren lebhaften Anteil nahm. Der auflagenstarke WESER-KURIER in Bremen veröffentlichte ebenfalls an diesem 17. November 2017 auf Seite 2 einen Gastbeitrag von Wilfried Grunau zum Thema „Die Digitalisierung ist ein gesellschaftlicher Prozess“ (siehe Mitt. 636). 

             Die in der Jubiläumsfeier vorgelegte Festschrift und Chronik wird eingeleitet von Grußworten des Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Bürgermeister  Dr. Carsten Sieling, des für das Vermessungswesen zuständigen Senators für Umwelt Bau und Verkehr, Dr. Joachim Lohse und des Präsidenten des VDV Wilfried Grunau, sowie von dem o.a. fachlichen Rückblick seit 1973. Das Wirken des VDV-Landesverbandes Bremen/Unterweser wird in der von Uwe Linnemann mit Heinz-Dieter Roesler und Dieter Wölk mit großem Engagement und außerordentlich gründlich recherchierten Schrift durch zahlreichen Berichten und Kopien auf über 180 überwiegend farbigen Seiten noch einmal in Erinnerung gerufen – eine lohnende Lektüre einer wechselvollen und erfolgreichen Arbeit über 50 Jahre. Darin wird auch die aktive Mitwirkung an der „Bremer Erklärung“ besonders gewürdigt, die von den Vorsitzenden des DVW, BDVI und VDV anlässlich der INTERGEO in Bremen 2008 verabschiedet worden war. Harald Lucht hatte in seinem o.a. Rückblick gerade auch das darin vereinbarte Zusammenwirken im Deutschen Vermessungswesen gewürdigt, wie es im Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund lange vorgelebt worden ist.

             Ergänzend zur Vorgeschichte: Das große Engagement des VDV im „Stammland“  Nordrhein-Westfalen begann 1949, als sich „Studierende der Vermessungsabteilung der damaligen Staatsbauschule in Essen zur Gründung eines eigenen berufsständischen Verbandes entschlossen…“ schrieben Wolfgang Beicken, Kurt Kröger und Hans Soest 1999 einführend zu der großartigen Chronik „50 Jahre 1949 -1999 Verband Deutscher Vermessungsingenieure“. In der dort wiedergegebenen Chronologie des VDV bis 1999 wird deutlich, welche weitreichenden Entwicklungsschritte dieser Verband gestaltet hat in einer Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, gerade auch im dicht besiedelten Nordrhein-Westfalen mit vielfach zerstörten Städten.  Ebenfalls vor 50 Jahren, am 21.11. 1967,  schlossen sich dann die Landesgruppen Nordrhein und Westfalen-Lippe zum VDV-Landesverband Nordrhein-Westfalen zusammen, mit Kurt Kröger als erstem Vorsitzenden (Siehe auch Mitt. 444). Dieser größte Landesverband des VDV begeht seinerseits in diesen Tagen am 25. November 2017 feierlich seine Jubiläumsfeier zum 50. Gründungstag in einem würdigen Rahmen in der Stadthalle in Soest. Vergl. auch unsere Mitt. 219. – 21.11.2017

 

 

 

636.   50 Jahre – ein Jubiläum des VDV – von der „Automation“ zur Digitalisierung

              Zu einer Jubiläumsveranstaltung 50 Jahre VDV Landesverband Bremen/Unterweser 1967 – 2017 hatte der Verband Deutscher Vermessungsingenieure am 17. November 2017 nach Bremerhaven eingeladen. Neben anderen Entwicklungen lassen sich jene 50 Jahre u.a. auch mit dem „Zeitzeichen“ von der beginnenden „Automation“ damals hin zum heutigen „digitalen Zeitalter“ kennzeichnen.

            Aus diesem Anlass der hat der WESER-KURIER in Bremen ein seiner heutigen Ausgabe einen Gastbeitrag „Die Digitalisierung ist ein gesellschaftlicher Prozess“ von Wilfried Grunau, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Vermessungsingenieure und zugleich Präsident des Zentralverbandes der Ingenieurvereine veröffentlicht. Darin werden die heutigen Chancen wie Risiken treffend umrissen: Die Digitalisierung stellt Gesellschaft und Arbeitswelt vor neue große und nicht nur wirtschaftlich-technologische Herausforderungen, man spricht in diesem Kontext von disruptiver Innovation. Digitalisierung hat erhebliche neue Wechselwirkungen auf die Sozialgesellschaft.  Wie können Schulen, Hochschulen, Universitäten adäquate Kompetenzen vermitteln? Wie lassen sich digitale Verlierer verhindern? Nur wenige denken im Kontext von Digitalisierung auch an den einhergehenden Kulturwandel. Wichtig sei es, „die Herausforderungen zu erkennen, sie anzunehmen, dem Umfeld eine Vision zu geben, den Wandel aktiv zu gestalten, zu evaluieren und in einem offenen, transparenten Dialog gegebenenfalls nachzujustieren,  fasst Wilfried Grunau zusammen. 

             Der hier kurz skizzierte Beitrag ist unter www.weser-kurier.de  Suchwort „Grunau“ nachzulesen.

             Die eingangs erwähnte Jubiläumsveranstaltung  werden wir an dieser Stelle in einer weiteren Mitteilung würdigen. – 17.11.2017

 

 

635.   Über 200 Jahre alter Bordakreis

             Unser Erster Vorsitzenden Ingo von Stillfried ist (auch) ein großer Instrumentenfreak und als solcher immer wieder auf der Suche, die große Instrumenten-Sammlung unseres Förderkreises um seltene alte Instrumente zu ergänzen. Als aufmerksamer Beobachter der Angebote des  Dorotheums in Wien konnte er nun für den Förderkreis einen sehr alten BORDA-Kreis erwerben. Das Instrument, signiert "Troughton London“,  um 1800, Messing (poliert), mit Holzgriff, Fernrohr, Lupenablesung der Teilung, hat einen Durchmesser von 27 cm –  eine große Bereicherung unserer Sammlung! Das Instrument kann gegenwärtig noch unter der „Lot-Nr. 444“ unter Historische wissenschaftliche Instrumente und Globen - Klassische Fotoapparate und Zubehör betrachtet werden. – 21.10.2017

 

634.   INTERGEO 2017 in Berlin

             Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum kann wiederum ein rundum sehr positives Fazit ziehen.

             Der Erste Vorsitzende Ingo von Stillfried berichtet, selbst sehr angetan von spannenden Tagen in der INTERGEO in Berlin 2017: „Unter der erfahrenen Standleitung von Jürgen Lagoda und Dmitri Diener konnten wir viele Mitglieder und neue Interessenten begrüßen und über die Arbeit und die Ziele des Förderkreises informieren. Einige Studierende haben sich sogar intensiver nach der Vermessungsgeschichte gefragt und ein wenig beklagt, daß dieses Thema im Studium vernachlässigt wird. Auch konnte die analoge Thematik des Wiehen-Wagen mit dem allerneuesten digitalen „Ortungswagen“ von Trimble zusammengedacht werden, da gab es quasi die Ursprungsidee auf der Lenkstange eines „hippen“ Wagens.

             Besonders interessant wird aber das sog. Messenachgeschäft. Zu einigen großen Instrumentenfirmen konnten gute Kontakte aufgebaut werden. Im Gegensatz zu Inhaber-geführten Firmen werden bei manchen anderen Firmen keine einmal angefertigten Instrumente als Archivstück aufgehoben. Hier kann der Förderkreis mit seiner Sammlung in eine Lücke einsteigen und für nachfolgende Generationen eine gewisse Produktdokumentation übernehmen. Gespräche dazu werden in den nächsten Wochen aufgenommen. Auch andere private und weitere Spender haben Kontakte gesucht - und gefunden. 

             Unser Stand direkt am großen Verbändestand war stets gut besucht, über Langeweile konnten sich die drei „Diensthabenden“ nicht beklagen. „Drei Messetage sind zwar anstrengend, aber der Einsatz hat sich gelohnt“, zieht Jürgen Lagoda als Resümee. „Vielleicht interessiert sich der eine oder die andere für einen Tag Standdienst auf der nächsten INTERGEO 2018 dann könnte man Lust und ‚Last‘ gemeinsam teilen.“ Die nächste INTERGEO wird in Frankfurt a.M. stattfinden“, schließt der Kurzbericht des Ersten Vorsitzenden – Siehe auch unsere Vorankündigung in Mitt. Nr.630. – 02.10.2017

 

 

 

633.   17. Museumsnacht in Dortmund – wieder ein Erfolg

             Die 17. Dortmunder Museumsnacht am 23. September 2017 ist wiederum gut gelaufen.  Eine ganze Anzahl meist jüngerer Leute haben sich für unsere Vorführungen zum Wandel der Rechentechnik interessiert. Nach ersten „Berührungsängsten“ konnten sie dank der Erläuterungen von Ingo von Stillfried und Enrico Kramer mit Rechenschieber und Logarithmentafel umgehen – man kannte das ja nur noch aus Erzählungen der Eltern bzw. Großeltern. Auch die rasanten Entwicklungen in der modernen Speichertechnik und bei Taschenrechnern konnte mit eigenen Exponaten anschaulich präsentiert werden. 

             Die angebotenen Führungen durch die Abteilung standen dieses Jahr unter dem Motto „4000 Jahre Grenzen“. Hier wurde der Bogen geschlagen von den Grenzstelen des Echnatons, anhand der gerade neu erschienenen 2. Auflage des Bandes 21 der Schriftenreihe unseres Förderkreises („Der Horizont des Aton“ von Peter Mintert), über babylonische Grenzvermessungsrisse und historischen Grenzsteinen aus der eigenen Sammlung zu modernen Abmarkungseinrichtungen. Die Erläuterungen zum Schnadgang wurden von eigenen Erfahrungen aus dem Publikum von solchen Rundgängen durch verschiedene Heimatvereine noch farbiger. 

Insgesamt hatten wir ein gutes und sehr interessiertes Publikum. Wir freuen uns umso mehr darüber, weil zeitgleich sehr hochattraktive Parallelveranstaltungen nicht nur im Hause des Museums für Kunst und  Kulturgeschichte MKK liefen. – Und nach den vier angesetzten Terminen von 16-20 Uhr ging es noch in die Verlängerung, Ingo von Stillfried und Enrico Kramer haben das Haus erst 90 Minuten später verlassen!

             Bei einer insgesamt in der Dortmunder Museumsnacht sehr großen Vielfalt von über 500 Veranstal­tungen so zu bestehen, ist das großartig und gibt uns für das nächste Jahr Kraft genug, am 22. September 2018 wieder dabei zu sein. Das Thema steht schon fest: Vermessen in der Antike. 27.09.2017

 

 

 

632.   Friedrich Robert Helmert – Symposiumsband liegt vor

             Der  Förderkreis Vermessungstechnisches Museum hatte das 13. Symposium für Vermessungsgeschichte in Dortmund Friedrich Robert Helmert gewidmet (vergl. dazu ausführlich unsere Mitt. Nr. 614). Rechtzeitig zur INTERGEO in Berlin liegt nunmehr der Symposiumsband vor, mit den Vorträgen von Christoph Reigber, Karl Heinz Ilk, Wolf-Dieter Schuh, Joachim Höpfner, Harald Schuh und den Vitae und Wirkungsfeldern der Autoren.  In seinem Geleitwort umreißt Professor Erich Weiß, Initiator und Organisator auch dieses 13. Symposiums, wie Helmert die Geodäsie zur Wende des 19./20. Jahrhundert prägte – und auf 125 Seiten werden Lebensbild, Wirken und Werk Helmerts ausführlich in Erinnerung gerufen, zugleich untermalt mit einer Reihe von oft mehrfarbigen Abbildungen. Ihr Redakteur sah das Symposium im Februar in Dortmund gleichsam als eine Sternstunde der Vermessungsgeschichte (siehe auch zfv2/2017 S. n-31/32). Der hervorragend gestaltete Symposiumsband erlaubt jetzt, jene Sternstunde nachzuerleben. Als Band Nr. 42 der Schriftenreihe des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum (und zugleich als Jahresgabe für die Mitglieder) erschienen, ist Ingo von Stillfried für die Drucklegung und Erich Weiß zugleich auch als Herausgeber für den Förderkreis besonders zu danken. Der Symposiumsband ist am Stand des Förderkreises Nr. 4.037 bei der INTERGEO Berlin zum Messepreis von nur 9 € zu erhalten. – 20.09.2017

 

 

 

631.   Lektüre in der zfv zur Vermessungsgeschichte – die noble Wissenschaft der Landvermessung im Spätmittelalter

             In der Zeitschrift für Vermessungswesen zfv 3/2017 (S. 187 – 196) lesen wir einen hochinteressanten Fachaufsatz über „Grenzvermessungen und -abmarkungen im Spätmittelalter …“. Dr. phil. Thomas Horst von der Universität der Bundeswehr in München berichtet am Beispiel einer illustrierten Handschrift von um 1400 von der schon damals besonderen Wertschätzung für die Landvermessung. In jener Handschrift werden nicht nur die spätmittelalterliche Landvermessung und Abmarkung ausführlich erläutert, sondern auch mit mehr als 180 kolorierten Illustrationen untermalt. Sechs der Illustrationen sind in dem hier besprochenen Beitrag abgebildet.

             Einleitend umreißt Thomas Horst die Leistungen mittelalterlicher  Landvermessung (ein umfassender Terminus, wie ihn auch Walter Seele noch bis in die Gegenwart gerne benutzte) mit besonderen Schwerpunkten auch in der international-südländischen Praxis der Grenzfestlegungen. Er führt die Leserschaft über die Stationen Sachsenspiegel (sich dabei u.a. auf unseren Eratosthenes-Preisträger Frank Reichert stützend), daran erinnernd, daß sich „der damalige Landvermesser noch ganz im christlich geprägten Weltbild einer biblisch verbürgten Ordnung bewegte“, verweisend auf das apokryphe Buch der Weisheit 11,20f: „Du aber hast alles nach Maß, Zahl und Gewicht geordnet ….“ und bedenkend, nach der Interpretation des Heiligen Augustinus entspräche jene Trias der Triade „Regel, Gestalt und Ordnung“, übertragbar auch auf den Trinitätsgedanken im Sinne von Vater, Sohn und Heiliger Geist – eine herrliche Tour d’Horizont, gründend in der mittelalterlichen Landvermessung. –

             Jene didaktisch einzigartige 300 Seiten umfassende Abhandlung über die Landvermessung, das „Manuskript Carpentras“, wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Arles an der Cote d’Azur von Bertrand Boysset verfasst, mit 183 kolorierten Illustrationen in provenzalischer Sprache. „Es handelt sich um die erste umfangreiche mittelalterliche Sammlung empirischer Anleitungen, die sich im Detail mit der damaligen Vorgehensweise für die unterschiedlichsten Situationen bei der Landvermessung auseinandersetzen. Das Werk ist dem König von Neapel, Robert von Anjou …1309-1343 …gewidmet“, schreibt Thomas Horst und schildert die Geschichte des lange in Vergessenheit geratenen Werkes und die sich um seine Wiederentdeckungen rankenden Forschungen.

             Das vom  „Praktiker Bertrand“  erstellte „Manuskript Carprentas“ umreißt inhaltlich die vermessungstechnischen, geometrischen und arithmetischen Grundlagen damaliger Landvermessung und der Grenzabmarkung im provenzalischen Recht. Die ausführlichen Beschreibungen von Thomas Horst kürzen wir hier ab, indem wir die in hervorragender Bildqualität in der zfv abgedruckten farbigen Abbildungen kurz erläutern – in den Abbildungen werden die Sachverhalte wunderbar deutlich: Jesus überreicht dem betenden Landvermesser die Messlatte. Grenzsteinsetzung mit deutlich erkennbarem Grenzstein über einem Erdloch, einem Landvermesser und wohl zwei Nachbarn mit zustimmenden Handbewegungen und zwei Knaben mit Ministeinen als Sicherungsvermarkung. Vilanova erteilt 15 Schülern Unterricht in der Landvermessung, hält einen Grenzstein und eine Messlatte in den Händen und sagt in der Übersetzung der Sprechblase, „die Wissenschaften der Landvermessung als auch die der Grenzabmarkung sind wahrlich sehr nobel“. Vermessungsarbeiten im Felde, Abmarkung, mit einem Lot oberhalb der Messlatte, hier verraten die Sprechblasen: „Das sind sehr scharfsinnige Wissenschaften wie das zivile Recht, das kanonische Recht und die heilige Theologie. Aber noch viel subtiler ist die Wissenschaft der Landvermessung und Grenzabmarkung. Denn diese erfordert einen sehr guten Kopf und große Geschicklichkeit. Und für die Ausübung gute natürliche Sinne.“  Und in den weiteren Kapiteln des Werkes werden neben zahlreichen Spezialfragen vermessungstechnische Grundlagen erläutert, so etwa die Besitzteilung mit Hilfe von Winkeln, das Messen mit dem Mess-Seil, aber auch anspruchsvollere Vermessungen von Grundbesitz – bis hin zur Parzellarvermessung in einem Obstgarten.

             Mit dem hier besprochenen Aufsatz wird der Fachwelt ein historisches Dokument ersten Ranges eindrucksvoll vorgestellt und neu in Erinnerung gerufen. Die Illustrationen erläutern nicht nur die vermessungstechnischen Verfahren, sie visualisieren – so hebt der Autor hervor – „auf beeindruckende Weise die Vermessung des geographischen Raumes, indem sie sie mittelalterliche Landschaft samt Bäumen, Feldern, Häusern und Arbeitsgeräten, aber auch die handelnden Personen mit ihren unterschiedlichen Gewändern, Mützen und Schnabelschuhen darstellen, weshalb sie als optimale, bislang noch nicht ausgewertete Quellen für die Kulturgeschichte herangezogen werden können.“ – In seinem Fazit berichtet Thoma Horst u.a., wie schon 1953 der Technikhistoriker Franz Maria Feldhaus In der Vermessungstechnischen Rundschau VR (frühere Vorgängerin der Zs. Flächenmanagement und Bodenordnung - fub) schrieb: „Die große Gruppe technischer Handschriften, zumal Bilderhandschriften, ist für das Vermessungswesen noch nicht erschlossen.“ Und der damalige Schriftleiter der VR, Dr.-Ing. Heinz Wittke, regte einst bereits an, sie durch Dissertationen und wissenschaftliche Arbeiten zu erschließen.

             Es ist dem Redaktionsteam der zfv zu danken, diesem Beitrag von Thomas Horst so breiten Raum gewidmet zu haben. Er ist mit seinen zusätzlich ca. 90 Literaturstellen ein besonderes Zeugnis vertiefter internationaler vermessungshistorischer wissenschaftlicher Forschungen. Der Aufsatz steht im Internet unter zfv_2017_3_Horst.pdf  zur Verfügung – eine vermessungshistorisch außerordentlich reizvolle Lektüre in der zfv. – 09./11.09.2017

 

 

 

630.   INTERGEO Berlin starten in 4 Wochen - Stand des Förderkreises Nr. 4.037

             Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum in Dortmund ist auch  bei der kommenden INTERGEO in Berlin vom 26. bis 28. September 2017 wieder mit einem eigenen Stand vertreten, Stand des Förderkreises Nr. 4.037. Dort werden unter der kompetenten Leitung von Dipl.-Ing. Jürgen Lagoda und der bewährten Assistenz von M.Sc. Dmitri Diener die vielfältigen historischen Entwicklungen des Vermessungswesens aufgezeigt. Auch der Erste Vorsitzende des Förderkreises Ingo von Stillfried ist am Stand anzutreffen. Zahlreiche  Veröffentlichungen des Förderkreises, darunter das zeitlos beliebte Museumshandbuch mit seinem Streifzug durch 5000 Jahre Vermessungsgeschichte und bis in die Gegenwart werden angeboten – und der Stand bietet auch gerne wieder Gelegenheit zu vermessungshistorischem Gedankenaustausch.

             Dmitri Diener hat sich seit 2012 stets gerne ehrenamtlich für die Betreuung unseres Standes bei der INTERGEO eingesetzt, einst als Student aus Hannover, empfohlen von Professor Wolfgang Torge. Wir freuen uns, den Kollegen Dmitri Diener nunmehr an dieser Stelle zum erfolgreichen Masterdiplom an der Leibniz Universität Hannover  gratulieren zu können,  und – wie erst jetzt bekannt wurde  - ebenfalls zum Sonderpreis der Victor-Rizkallah-Stiftung  für Studierende mit ausländischen Wurzeln, mit dem er bereits am 13. 01. 2015 ausgezeichnet worden war. – 29.08./20.09.2017

 

 

 

629.   17. Dortmunder Museumsnacht

            Die 17. Dortmunder Museumsnacht am 23. 09. 2017 steht unter dem Motto "Nacht der klugen Köpfe" und  der Erste Vorsitzende des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum Ingo von Stillfried, wird die Benutzung von Abakus, Rechenschieber, Rechentafeln, Logarithmentafeln, Kurbelrechenmaschinen bis hin zum PC, vorführen, unterstützt von Enrico Kramer von der Technischen Hochschule Agricola, Bochum. Die Vorführungen werden in diesem Jahr nicht im Außenbereich, sondern in den Räumlichkeiten der Dauerausstellung durchgeführt. „Besonders spannend wird der Programmpunkt ‚Erkundung auf eigene Faust‘ sein, bei dem über einen eigenen Audio-Guide die Besucher durch alle Abteilungen des MKK-Hauses gelenkt werden. Je nachdem, wie dieses Angebot angenommen wird, werden wir dieses Jahr wohl doch noch eine Nachtschicht einlegen“, äußerte von Stillfried in Vorfreude. – 11.08.2017

 

 

628.   Briefmarken - Bedeutende Personen der Kartographie, Geodäsie und der Entdeckungsgeschichte der Erde – ein philatelistisches Register

             Wir hatten mit unserer Mitt. 616 auf das segensreichen Wirken der 1967 gegründeten Motivgruppe Briefmarken hingewiesen, auf die „Thematische Arbeitsgemeinschaft und Motivgruppe Landkarten-Vermessung-Entdeckungsgeschichte der Erde“. Nunmehr liegt das hervorragend ausgestattete Kompendium „Bedeutende Personen der Kartographie, Geodäsie und der Entdeckungsgeschichte der Erde“ vor. Es enthält 478 Namen von Persönlichkeiten, die von den jeweiligen Postverwaltungen wegen ihrer Verdienste um die Vermessung und Kartographie ihrer Länder gewürdigt worden sind. Darunter sind u. a. Entdecker, Mathematiker, Astronomen, Geodäten und Kartographen. Sie trugen dazu bei, die Grundlagen der Landesaufnahmen und topographischen Kartenwerke zu schaffen.

             Jede Persönlichkeit ist mit kurzen Lebensdaten und oft mit einem Markenbild aufgelistet. Von A wie Abbe bis Z wie Zuse. Der Liebhaber und Sammler von Motivmarken der Themenbereiche Landkarten, Vermessung und Entdeckungsgeschichte der Erde findet in den vielfältigen Abbildungen Anregungen für eine vertiefende Beschäftigung mit diesem Hobby.

             Das von Dipl.-Ing. Dieter Hertling (&1994) erstellte Grundwerk ist in den letzten Jahren von Dipl.-Ing. Ulrich Mailand systematisch ergänzt worden. Es sind alle Marken berücksichtigt, die bis 12/2015 in der Michel-Rundschau katalogisiert worden sind. Weitere Ergänzungen zu den Personenbeschreibungen finden sich in den Rundschreiben der Arbeitsgemeinschaft; deren Fundstellen und vertiefende Literaturangaben sind aufgeführt. Ein Gesamtregister erschließt das Werk.

             In seinem Vorwort hebt der frühere Vorsitzende 2012/15 der Motivgruppe, Volker Woesner, u.a. die Vielzahl von Briefmarken mit Bildern verschiedenster Landkarten aus allen Zeiten und Epochen hervor, die von vielen verschiedenen Staaten ausgegeben worden sind. Das Kompendium eignet sich als ein vermessungs- und kartographisch-historisches Nachschlagewerk und ist eine bestens strukturierte Informationsquelle für den thematisch interessierten Motivmarkensammler. Wir danken Manfred Spata und dem heutigen Vorsitzenden der Motivgruppe Klaus-Günter Tiede, dem umfangreiche Recherchen im Internet und auch die sehr umfängliche Korrekturlesung zu verdanken sind,  für das Rezensionsexemplar. Der Förderkreis Vermessungstechnisches Museum ist erfreut, wie damit auch der immaterielle Teil der Sammlung Hertling nunmehr der Öffentlichkeit zugänglich geworden ist.

             Quelle: Hertling, Dieter & Mailand, Ulrich, Philatelistisches Register Bedeutender Personen der Kartographie, Geodäsie und Entdeckungsgeschichte der Erde. 120 S. Glanzpapier, A-5, 200 farbige Abb.; Softcover. Hamm: ArGe Landkarten – Vermessung – Entdeckungsgeschichte der Erde, 2017. Preis 15 € + Porto. – Bezug: ArGe Landkarten, Klaus-Günter Tiede, Josef-Wiefels-Str. 2, 59063 Hamm. E-mail: Land.verm.entd@gmx.de. – 02.08.2017

 

 

627.   Ein Brief von Gauß – und ein Zufallsfund zum 200-jährigen Fahrradjubiläum.

             In der jüngeren Vergangenheit haben wir mehrfach über das Wirken von und Erinnerungen an Carl Friedrich Gauß (1777 – 1855) berichtet. Ein aktueller Presseartikel, in dem ein Briefwechsel zwischen Gauß und einem Staatsrechtler erwähnt wurde, machte erneut neugierig:

             „… Herr Barry (möge) bei jedem Stern die Anzahl der Beobachtungen, worauf sich die Position gründet, hinzufügen, weil man dadurch desto besser über den Wert derselben entscheiden kann. Piazzi und … haben es ebenso gemacht“, schrieb Gauß unter dem 17. Jan. 1811 an den berühmten badischen Staatsrechtler Johann Ludwig Klüber (1762 – 1837) ….ein doch ungewöhnlicher Adressat. Warum korrespondierte Gauß mit einem hohen Juristen?

             Zum Hintergrund: Roger Barry wirkte seit 1790 als Hofastronom in Mannheim und war Gauß bekannt. Der Erlanger Professor Klüber war 1807 zum  Staats-und Kabinettsrat im Großherzogtum Baden berufen worden, hat am Wiener Kongress teilgenommen und u.a. die Akten des Wiener Kongresses in den Jahren 1814 und 1815 veröffentlicht.Klüber bekam seit 1807 seitens der Badischen Regierung auch die Aufsicht über die Sternwarte in Mannheim. Nach den erheblichen Zerstörungen während der Napoleonischen Kriege auch dieser Sternwarte konnte Roger Barry seine früheren Beobachtungen mit dem Mauerquadranten von John Bird wieder aufnehmen (der Mauerquadrant war ein präzises Instrument zur Beobachtung von Sterndurchgängen im Meridian im 17. Und 18. Jahrhundert und lange das Hauptinstrument der Mannheimer Sternwarte). Barry erkrankte 1810 und starb 1813.

             Angesichts der Erkrankung von Barry schrieb Klüber 1810 an Gauß mit Fragen, die den Barry’schen Sternkatalog betraf, u.a. zur Nummerierung der Sterne. Gauß ging in seiner Antwort zunächst auf diese letztlich jedoch „als gleichgültig“ eingestuften Fragen ein, um dann zu antworten wie eingangs zitiert. – Gauß vergaß jedoch nicht hinzuzufügen, „Ich wünsche sehr, daß Hrn. Barry’s Spezialtafeln der Nutation … nicht umkommen mögen, sondern gedruckt werden,“ wohl Ausdruck der Wertschätzung für den erkrankten Astronomie-Kollegen. – Letztlich blieben die zahlreichen Beobachtungen Barry’s mit dem Mauerquadranten unpubliziert, da sie von seinen Nachfolgern als nicht mehr zeitgemäß eingestuft wurden. –

             Auf die mitgeteilte kleine Geschichte wurden wir aufmerksam, als die F.A.Z. am 10. Juni schrieb, „Es sind blos zwei Räder“. Eine Archivarin im Generallandesarchiv Karlsruhe, dem Gedächtnis des badischen Landesteils, war auf der Suche nach Unterlagen zur „Laufmaschine“, dem Urtyp des Fahrrads, der „Draisine“, den der Mannheimer Forstmeister Karl Freiherr von Drais erfunden hatte und am 12. Juni 1817 mit einer Fahrt zwischen Mannheimer Innenstadt und der 7 km entfernten Poststation vorgestellt hatte – mit 14 km/h – vor 200 Jahren. Die Archivarin fand nicht nur jene Unterlagen mit interessanten Skizzen – sondern eben auch den o.a. Schriftwechsel Klüber-Gauß, der uns gerne zur Verfügung gestellt wurde. – So entstand daraus eine kleine Sommergeschichte mit gauß-geodätischen Ratschlägen zur Genauigkeit von Beobachtungen – und einem aktuellen Jubiläum.

             Quellen: Hans-Eberhard Lessing: „Es sind blos zwei Räder“ – Rechtzeitig zum 200. Jubiläum des Fahrrads findet eine Archivarin einen Augenzeugenbericht über eine Probefahrt, in F.A.Z. vom 10. Juni 2017, S. 9; Wikipedia zur Sternwarte Mannheim und zu Johann Ludwig Klüber. – 24.07.2017

 

 

 

626.  Kirche und Kartographie – Kirchentags-Ausstellung in Dortmund
             Im Juni 2019 findet in Dortmund der 37. Deutsche Evangelische Kirchentag statt. Anläßlich dieses Großereignisses und in Fortführung der derzeit in Duisburg laufenden Ausstellung zur Kartographie zu Luthers Zeiten (siehe unsere Mitt. 625) soll in einer Ausstellung des Förderkreises die Thematik "Kirche und Kartographie" weiter aufbereitet werden. Das Motto des Kirchentages lautet "Glückauf und Halleluja". Dementsprechend werden auch zwei weitere Themenbereiche aufgespannt. Zum einen sind es Karten aus dem bergbaulichen Bereich, die an die Geschichte des Ruhrgebietes anknüpfen - denn zum Ausstellungszeitpunkt wird auch die letzte Zeche im Ruhrgebiet geschlossen haben - und zum anderen werden auch Karten mit Kirchenbezug (u.a. auch die üblichen "Verdächtigen" wie Ebstorf, Etzlaub, Mercator) sowie Werke des Schwelmer Pastor Friedrich Christoph Müller zu sehen sein - oft haben Pastoren in der Vermessungsgeschichte gewirkt, erinnert sei hier nur ergänzend an Johann Friedrich Benzenberg, geboren in einer Pastorenfamilie in Schöller (heute zu Wuppertal), auch er hatte zunächst Theologie in Herborn und Marburg studiert (vergl. Mitt. 95 und 286). –

             Angesichts der zu erwartenden großen Vielfalt des Kirchentagsprogrammes wird die Ausstellung "nur" eine begleitende Studioausstellung sein, die dem den Besuchern einen weiteren, vermessungshistorischen Aspekt des Themas "Kirche" nahebringen soll. – 28.06.2017

 

 

 

 

 

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