Anfänge des Katasters in Sachsen zu Beginn des 18. Jahrhunderts

Es ist immer wieder hochinteressant, die Wurzeln des Katasters in der Geschichte unseres Landes zurückzuverfolgen und zu erforschen. Dies zu realisieren und uns daran teilhaben zu lassen, gelingt ganz besonders unserem Eratosthenes-Preisträgers 2001 Frank Reichert.

In seiner jüngsten Veröffentlichung „Anfänge der preußischen Katastervermessung im Herzogtum Magdeburg 1720-1726“  können wir die vielgestaltige Vorgeschichte von Grundstücksvermessungen und Nutzungsdokumentationen insbesondere im sächsischen Raum nachvollziehen. Anhand einer Reihe von historischen Quellen zeigt er darüber hinaus, wie seit Ende des 30-jährigen Krieges in anderen deutschen Regionen mit zunehmender Zahl Feldfluren vermessen und kartografisch dargestellt worden sind. Hintergrund war neben administrativen Interessen insbesondere die Dokumentation der ländlichen Besitzverhältnisse und Bodennutzung als Grundlage für die Erhebung der grundherrschaftlichen Einkünfte bzw. Pacht und später auch Steuern. Schwerpunkt der Forschungen von Frank Reichert ist das brandenburg-preußische Herzogtum Magdeburg, doch auch Entwicklungen u. a. in den Fürstentümern Sachsen-Eisenach, Sachsen-Weimar sowie in Sachsen-Merseburg werden betrachtet, ebenso die Landgrafschaft Hessen-Kassel. In einer Reihe von Territorien sah man dabei noch vom Kartieren der Vermessungsergebnisse ab, z. B. 1713-1736 im Herzogtum Württemberg oder 1718-1720/23 im Kurfürstentum Trier, wo man diese jedoch lediglich in den sog. Lager- bzw. Landmaßbüchern festhielt. Allein anspruchsvolle Vermessungs- und Katasterprojekte scheiterten letztlich oft am Widerstand der um ihre Steuerprivilegien fürchtenden Landstände.

Im Herzogtum Magdeburg wurde  mit der Instruktion für die Städte-Bau-Inspektoren der Kur- und Neumark, der Herzogtümer Magdeburg und Pommern, sowie des Fürstentums Halberstadt vom 26. September 1720  die (landesweite) Vermessung der zur Akzise bzw. Aussaatsteuer zu veranlagenden städtischen Ackergrundstücke ins Auge gefasst.

Die Kosten spielten auch damals eine wichtige Rolle. Da die in ihrer Stellung den heutigen Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren vergleichbaren Feldmesser im Gegensatz zu den beamteten Bau-Inspektoren kein festes Grundgehalt genossen, fielen die festgelegten täglichen Feldmesser-Diäten mit 16 Groschen höher aus, als die in der Instruktion für die Städte-Bau Inspektoren vorgesehenen täglichen 12 Groschen. Während die Personalkosten aus der Akzisekasse eines jeden Orts bezahlt werden sollte, waren die zusätzlichen Kosten für „die zur Schleppung des Meßketten benöthigten Leuthe aber auß jedes Ohrts Cämmerey“ zu bestreiten. Darüber hinaus kamen auf die Städte noch die Unterkunftskosten sowie Aufwendungen für den Transport der Feldmesser hinzu.

Daß die Katastervermessung der Stadtfluren im Herzogtum Magdeburg schließlich doch nicht weiter verfolgt wurde, lässt sich nur dadurch erklären, daß der dagegen stehende immense Kostenaufwand die Fortführung nicht gerechtfertigt erscheinen ließ. Trotz der vielbeschworenen Idealvorstellung allgemeiner gleicher Steuern blieb die Steuerpolitik im absolutistischen Steuerstaat eben immer auch eine an den Staatsfinanzen ausgerichtete fürstliche Interessenpolitik.

Wenn auch erst in Folge der preußischen Steuergesetze vom 21. Mai 1861 die östlichen preußischen Provinzen durchgehend Steuerkataster auf der Basis vermessener bzw. von älteren Grundlagen kopierter Gemarkungskarten erhielten, so ist es doch hochinteressant, frühere Vermessungen, Dokumentationen und Teilkartierungen der Stadt- und Feldfluren aufzuhellen, wie es Frank Reichert in seinem jüngsten, erneut gründlich recherchierten Beitrag einmal mehr gelingt. Die bislang wenig beachteten Anfänge des preußischen Katastervermessungswesens insbesondere in Sachsen werden anhand der 1720 geplanten Vermessung des Herzogtums Magdeburg in der besprochenen Veröffentlichung ausführlich und kenntnisreich dokumentiert. Und wir erinnern in diesem Zusammenhang gerne an unsere Mitt. Nr. 288, betreffend die vorpommerschen Katasteranfänge Ende des 17. Jh. .

Quelle: Frank Reichert: „Anfänge der preußischen Katastervermessung im Herzogtum Magdeburg 1720-1726“ in der Zeitschrift für das Öffentliche Vermessungswesen des Landes Sachsen-Anhalt LSA Verm 1/2016 S. 1-14;  mit weiteren Literaturhinweisen.