70 Jahre technisches Referendariat in Deutschland

Mit einer Festveranstaltung am 8. November 2016 würdigte das Oberprüfungsamt für das technische Referendariat (OPA) sein Wirken seit den Anfängen 1946.

Als Vorsitzender des Kuratoriums des OPA stellt Professor Dr.-Ing. Klaus Kummer, FRICS, Abteilungsleiter im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt in Magdeburg, in seinem einleitenden Vorwort unter dem Titel „Das neue technische Referendariat“ die in den Jahren 2010 bis 2015 umgesetzte Reform des technischen Referendariats vor. Grundlagen der Reform waren u.a. eine wissenschaftliche Wirkungsanalyse zur Attraktivitätssteigerung der Ausbildung.  Motivation heutiger Referendarausbildung ist im wesentlichen eine fundierte,  durch den Staat zertifizierte fachlich geprägte Führungsqualifikation für Wirtschaft und Verwaltung. Gegenüber früherer Referendarausbildung hat sich inzwischen ein Paradigmenwechsel vollzogen, der den Einsatz der Absolventen sowohl  in den Verwaltungen wie jedoch insbesondere in der Wirtschaft in besonderer Weise betont und zusätzlich zertifiziert und damit auf die heute wesentliche  interdisziplinäre Berufspraxis vorbereitet. Und auch schon vor 20 Jahren hatte der damalige Kuratoriumsvorsitzende Dr. Jürgen Huber vorausschauend auf den notwendigen Ansatz „Führungsqualifikation für Wirtschaft und Verwaltung“ als Ausbildungsziel im technischen Referendariat hingewiesen, der nunmehr realisiert wurde – man erkennt auch eine hohe Kontinuität im Wirken des OPA.

Für die Geodäten gehörte das Vermessungs- und Liegenschaftswesen zu den Gründungsfachrichtungen des OPA. In den vergangenen 70 Jahren  waren hier Jahr für Jahr rund 80 Prüferinnen und Prüfer im ehrenamtlichen Nebenamt tätig. Sie haben in jenem Zeitraum mehr als 5.500 Geodäten und Geodätinnen geprüft, 30 Prozent sämtlicher technischer  Assessoren und Assessorinnen, wie Klaus Kummer in seinem Fachbeitrag der o.a. herausgegebenen Fest schrift des OPA berichtet. „Sie haben mit ihren Leistungen bei der Eigentumssicherung, für den Grundstücksverkehr, bei der Planung und Bodenordnung, der Immobilienwertermittlung sowie mit den topographischen und thematischen Karten wichtige Grundlagen geliefert“, hebt Klaus Kummer in der Festschrift hervor. Für die jüngere Vergangenheit ist darüber hinaus hervorzuheben, daß ihm die Direktaufnahme in die Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS)  für Geodäten mit Staatsexamen wesentlich zu verdanken ist. Siehe hierzu den Bericht in der zfv 2015.

Der langjährige frühere Prüfungsausschuss-Vorsitzende Klaus-Jürgen Barwinski beschrieb in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des OPA die seinerzeitigen Aufgaben mit dem Wirken für den Wiederaufbau, die Zeit der Konsolidierung, der Normalisierung und bei der Wiedervereinigung Deutschlands. Weil sich das fachliche Berufsfeld der Geodäsie insbesondere in den vergangenen 20 Jahren in immer stärkerem Maße in weite Bereiche der Geoinformationen erweitert und deutlich gewandelt hat, war es nur folgerichtig, daß der Prüfungsausschuss inzwischen in „Geodäsie und Geoinformation“ umbenannt worden ist.

Quellen: Festschrift  „70 Jahre technisches Referendariat in Deutschland“ des Oberprüfungsamtes für das technische Referendariat beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Referat Z 35 in Bonn; Klaus Kummer u.a.: Direktaufnahme in die RICS für Geodäten mit Staatsexamen, in zfv 2015 S. 129 – 135, Klaus Kummer: Interdisziplinäre, länderübergreifende Foren für das technische Referendariat, Zs. fub Heft 5/2016 – Nachtrag: Siehe auch Kummer, Klaus: 70 Jahre technisches Referendariat in Deutschland, in zfv S. 428-429.