Gründung des Globusmuseums in Wien 1956
Das Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek ist weltweit einzigartig. Es wurde im April 1956, also vor 70 Jahren, mit 63 Erd- und Himmelsgloben in den Räumen der Nationalbibliothek feierlich eröffnet. Standort war der Augustinertrakt der Wiener Hofburg am Josefsplatz, als Teil der Kartensammlung der Nationalbibliothek.
Seit Dezember 2005 befindet sich das Globenmuseum im barocken Palais Mollard in der Herrengasse im Zentrum von Wien. Das Museum gliedert sich in einen offenen Ausstellungsbereich mit mehr als 250 Exponaten für die Besucher und in eine separate Studiensammlung mit rund 570 Exponaten für Forschungszwecke.
Eine erste Sammlung von Globen wurde bereits 1921/22 aus den Beständen der Nationalbibliothek zusammengestellt und in die Geographische Sammlung gebracht. Das älteste Objekt ist der Erdglobus von Gemma R. Frisius (um 1536); ein Glanzpunkt der Sammlung sind die Globen des venezianischen Universalgelehrten von Vincenzo Coronelli (110 cm Durchmesser), ein Globenpaar von Gerhard Mercator von 1541 und 1551 (41 cm Durchmesser), ein Globenpaar von Willem Janszoon Blaeu (68 cm Durchmesser) sowie zwei Armillarsphären aus dem 18. Jahrhundert.
Nach 1948 erhielt die Wiener Globensammlung durch den Privatgelehrten Robert Haardt (1884–1962) eine ständige Erweiterung und Pflege; seine private Sammlung von 25 Globen und seine Fachbibliothek gelangten 1954 in den Bestand der Nationalbibliothek. Zur Unterstützung der Globensammlung besteht die "Internationale Coronelli-Gesellschaft für Globenkunde", die 1952 von Globenfreunden als „Coronelli-Weltbund der Globusfreunde“ in Wien gegründet wurde; sie ist eine der ältesten mit der Geschichte der Kartographie befassten Gesellschaften und die einzige, die ausschließlich den Globen gewidmet ist.
(Jan Mokre/Peter Altmayer-Beck (Hg.): Das Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek, Wien 2005).