Gründung der Bodenseekonferenz in Konstanz 1926
Auf Betreiben des Markscheiders und Geomagnetikers Geheimrat Prof. Dr. Karl Haußmann (1860-1940) wurde 1926 in Konstanz die Bodenseekonferenz gegründet, eine freiwillige Vereinigung von Geodäsieprofesoren der Bodensee-Anrainerstaaten Bayern, Württemberg, Österreich und Scweiz. Sie vereinbarten Untersuchungen zur tektonischen Schollenbewegung im Bodenseegebiet. Die geodätischen Arbeiten erstreckten sich auf astronomische Azimutbestimmungen, gravimetrische Messungen, Bodensee-Triangulation, Feinnivellement rings um den Bodensee sowie auf geologische Gutachten. Diese Arbeiten sollten in Abständen von etwa 25 Jahren wiederholt werden. In den Jahren 1929 bis 1939 wurden regelmäßig Tagungen abgehalten. Die Deutsche Geodätische Kommission veröffentlichte 1953 die Arbeitsergebnisse der Bodenseekonferenz der Jahre 1926-1952 (Reihe B, Nr. 8), insbesondere über das Bodenseenivellement und die geologischen Gutachten über die allgemeine Tektonik des Bodenseegebietes.
Die erste Nachkriegstagung fand wieder 1950 in Zürich statt. Da die Konferenz über keine eigenen finanziellen Mittel verfügte, war sie auf die Unterstützung der Landesvermessungsämter der beteiligten Länder angewiesen. Später übernahm das Deutsche Geodätische Forschungsinstitut (DGFI) in München den deutschen Anteil dieses Forschungsprogramms.
In den 2000er Jahren entsteht im Rahmen der Bodensee-Konferenz der Vermessungsverwaltungen der Anrainerstaaten (Baden-Württemberg, Bayern, Österreich, Schweiz) ein Forum zur partnerschaftlichen und pragmatischen Lösung fachlicher Aufgaben, insbesondere zur Führung und Bereitstellung der Geobasisdaten des Raumbezugs, der Landschaftsmodelle, Landeskarten, Luftbilder, Höhen- und Schweremodelle sowie des Liegenschaftskatasters
So wurde u. a. 2011 eine Vereinbarung über die technische Grenzdefinition im Bodensee abgeschlossen. Bei dieser Technischen Grenze nehmen sie Bezug auf das Übereinkommen über die Schifffahrt auf dem Bodensee zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz von 1973. Darin sind Ausschließlichkeitszonen und Vollzugsbereiche für die örtliche Zuständigkeit der nationalen Behörden geregelt. Diese Grenze ist in einer Übersichtskarte und einem Koordinatenverzeichnis dokumentiert.
Die gleichnamige, 1972 gegründete Internationale Bodensee-Konferenz (IBK) ist das politische Dach einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Bodenseeregion ohne gesonderte geodätische Beteiligung. Ziel der IBK ist es, die Bodenseeregion als attraktiven Lebens-, Natur-, Kultur- und Wirtschaftsraum zu erhalten und zu fördern und die regionale Zusammengehörigkeit zu stärken.
(Scheel/Mohr: Die Entwicklung der Deutschen Landesvermessung, Wiesbaden 1978, S. 22)