REISS-Liebenwerda – Vermessungsbedarf in historischer Zeit

Der Name REISS-Liebenwerda erweckt bei älteren Vermessungsingenieuren Erinnerungen an Vermessungsgeräte, an Planimeter, Lichtpausanlagen, Rechenschieber, Laufwagenzeichengeräte, optische Meßgeräte aus Liebenwerda – vielfach in den Fachzeitschriften annonciert, insbesondere in den Jahren der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts im Einsatz in der täglichen Praxis von Vermessungsbüros.

Unser langjähriges Mitglied Öffentl. best. Vermessungsingenieur i.R. Werner Buchmeier aus Bad Liebenwerda sandte uns Unterlagen zur langen erfolgreichen Geschichte der Firma REISS.

Hermann Robert Reiss (geb. 1844 in Ostpreußen, gest. 1911 in Liebenwerda) hatte den Beruf des Landmessers erlernt und wirkte seit 1881 beim königlichen Katasteramt Liebenwerda in Brandenburg.  1882 gründete er dort – zunächst im Nebenverdienst – den Versandhandel für Vermessungsbedarf und Bürohilfsmittel. Schon 1885 begann die Firma mit der Fertigung von Vermessungsgeräten in den eigenen Werkstätten. So kamen u. a. seit 1912 erste REISS-Rechenschieber aus Buchenholz von REISS – und 1928 konnte die Produktion des 20.000 Vermessungsinstruments gefeiert werden.  Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg hinterließen schmerzhafte Spuren. 1945 wurde das Unternehmen enteignet und demontiert. – REISS-Mitarbeiter sorgten jedoch für das Überleben der Firma und produzierten zunächst Dinge des täglichen Bedarfs. Schon 1960 folgte eine zunehmende Konzentration auf die Fertigung von Zeichenanlagen und Büromöbeln auch für weltweiten Export. Die Produktpalette der Firma hat sich im Laufe der Jahrzehnte häufig gewandelt. Nach der deutschen Wiedervereinigung konzentrierte die Firma sich auf Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Büromöbeln. –

Unser Vermessungsmuseum in Dortmund besitzt neben mehreren Präzisions-Maßstäben und kleineren optischen Geräten (darunter auch ein seltenes 45° Pentagon Winkelprisma) auch Nivelliere und Theodolite aus der Fertigung von REISS. Wir danken Werner Buchmeier, der uns auf die bewegte Geschichte der Firma REISS-Liebenwerda aufmerksam werden ließ – vermessungshistorisch eine einst gute Adresse für hochwertige Vermessungsgeräte in Deutschland. 

In der jüngsten Ausgabe des VDVmagazins 5/2016 berichtet Dieter Badstübner ausführlich über Leben und Wirken von Herrmann Robert Reiss, seine verbürgte Ausbildung zum Landmesser, die Firmengeschichte einschließlich des Wandels in den vergangenen Jahrzehnten. Siehe seinen Aufsatz „135 Jahre Innovation aus Brandenburg – Herrmann Robert Reiss, ein Landvermesser mit Visionen“, VDVmagazin 2016 S. 392 – 397.

Quellen: Anzeigenbeilage „130 Jahre Reiss – 130 Jahre Design & Innovation“, der Lausitzer Rundschau für den Elbe-Elster-Kreis  vom 9./10. Juni 2012  und Wikipedia zu Hermann Robert Reiss .