Zwei vermessungshistorische Erinnerungen in Hofgeismar
Am 25./26. Juli 2026 fand im nordhessischen Hofgeismar die jährliche Briefmarkenmesse und Tauschbörse "Märchenposta" statt. Daran beteiligt war auch die Arbeitsgemeinschaft und Motivgruppe "Landkarten - Vermessung - Entdeckungsgeschichte der Erde" (siehe Infoblatt und Rundschreiben); aus diesem Anlass gab die Motivgruppe einen Sonderstempel auf Schmuckumschlag zur Erinnerung an den in Hofgeismar geborenen Landmesser und Astronomen Friedrich Wilhelm Klinkerfues und den Marburger Astronomieprofessor Christian Ludwig Gerling heraus. Desweiteren hielt auf Einladung der Motivgruppe der hessische Vermessungshistoriker Bernhard Heckmann einen Bildvortrag zu "Bedeutenden Orten der Geodäsie in Hessen", über die er in einem DVW-Sonderheft 2025 publizierte (siehe Mitt.-Nr. 938).
Friedrich Wilhelm Klinkerfues (1827-1884) legte in Kassel 1844 die Prüfung als Geometer/Landmesser ab. In den Jahren 1846/47 war er als Vermessungsingenieur beim Bau der Main-Weser-Bahn beschäftigt. Danach studierte er in Marburg bei Prof. Gerling Astronomie und Mathematik. Gerling förderte den begabten Studenten Klinkerfues und beteiligte ihn an erdmagnetischen und astronomischen Beobachtungen, die 1850 veröffentlicht wurden.
Mit Gerlings Empfehlung begann Klinkerfues 1851 seine Arbeit als Observator an der neuen (zweiten) Göttinger Sternwarte, deren Leitung Prof. Carl Friedrich Gauß (1777-1855) innehatte. Klinkerfues war als Astronom durch die Entdeckung mehrerer Kometen und die Berechnung von deren Bahnelementen erfolgreich. Seit 1863 war er Professor an der Göttinger Universität und wurde 1868 zu einem der beiden Direktoren der Sternwarte ernannt. Seine bedeutsamste Veröffentlichung (mit Georg Lichtenberg) betraf 1775 die Zeichnungen der Mondkarte des bekannten Astronomen Tobias Mayer (1723-1762), der 1751-1762 die alte (erste) Sternwarte geleitet hatte und der als Kartograph und Erfinder des Repetitionsmessprinzip bei Geodäten anerkannt ist (siehe Mitt.-Nr. 899).
Christian Ludwig Gerling (1788-1864) war ein Schüler des Mathematikers Carl Friedrich Gauß. Von 1817 bis zu seinem Tod war er Professor für Mathematik, Physik unsd Astronomie an der Universität in Marburg. Gerling war der Leiter der kurhessischen Haupttiangulation 1822-1837; diese wurde in den Jahren 1835 bis 1855 fortgeführt und diente der kurhessischen Landesvermessung zur Herstellung einer topographischen Karte und zur Besteuerung des Grundeigentums (siehe Mitt.-Nr. 932).
Bernhard Heckmann beschreibt ausführlich in seiner Publikation, wie auch in seinem Bildvortrag in Hofgeismar, die Örtlichkeit von rund 40 Vermessungsstationen der hessischen Landesvermessung und des Katasters der letzten 200 Jahre. Zu diesen geodätischen Standorten gehören so markante Orte wie der Herkules in Kassel, der Hohe Meißner in den Kasseler Bergen, der Große Feldberg im Taunus, der Taufstein im Vogelsberg und die Wasserkuppe in der Rhön. Alle diese Vermessungspunkte sind für Vermessungshistoriker eine Erkundungstour wert (siehe Mitt.-Nr. 938).