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150 Jahre Geodäsie an der Universität Bonn

Vor 150 Jahren begann die geodätische Ausbildung der preußischen Feldmesser in Bonn-Poppelsdorf.

Die Universität Bonn feiert in diesem Jahr (2026) 150 Jahre geodätische Ausbildung in Instituten der Landwirtschaftlichen Fakultät. Im Sommersemester 1876 startete die Landwirtschaftliche Akademie Poppelsdorf bei Bonn einen neuen Studiengang der Geodäsie (neben einem Studiengang der Kulturtechnik) mit Zustimmung des Preußischen Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Formale Grundlage war das preußische "Reglement für die öffentlich anzustellenden Feldmesser" sowie die "Vorschriften über die Prüfung der öffentlich anzustellenden Feldmesser" vom 2. März 1871 (siehe Mitt-Nr. 775). Die Ausbildungszeit der Feldmesser erhöhte sich danach von bisher einem Jahr auf zwei Jahre. Zudem wurde auch erstmals das Meter als Einheit des Längenmaßes bestimmt, das bereits 1868 in der "Maß- und Gewichtsordnung für den Norddeutschen Bund" die preußische Rute ersetzt hatte. Im Jahre 1880 wurde der erste Lehrstuhl für Geodäsie gegründet, erster Inhaber war Dr. Christian August Vogler (1841-1925) vom Polytechnikum Aachen, 1882 zum habilitierten Professor ernannt.

Auf der Jahresversammlung des Deutschen Geometer-Vereins (DGV) schlug Prof. Wilhelm Jordan (siehe Mitt.-Nr. 935) eine einheitliche Geometerausbildung vor mit dem Ziel aus dem Arbeitsgebiet des Geometers einen Ingenieurberuf zu machen. Preußen folgte diesen Anregungen; die "Vorschriften über die Prüfung der öffentlich anzustellenden Landmesser" vom 4. September 1882 verlangten die Primarreife, 1 Jahr Vorpraxis und 2 Jahre Studium an den Landwirtschaftlichen Hochschulen in Bonn oder Berlin. Durch Erlass wurde 1885 die Berufsbezeichnung "Feldmesser" in "Landmesser" und 1920 in "Vermessungsingenieur" umgewandelt (siehe Mitt. 670). Im Jahre 1890 erhielt der Lehr- und Forschungsbereich Geodäsie ein eigenständiges Institut. 

Der Studiengang gewann schnell eine Vielzahl neuer Studenten, so dass im Jahre 1888/90 ein großes Lehrgebäude an der Meckenheimer Allee/Ecke Nußallee errichtet werden musste, später befand sich dort das 1965 gegründete Institut für Kartographie und Topographie (heute: Arbeitsgruppe Geoinformation). Mit Erlass des preußischen Ministers vom 15. November 1896 war auch die Zulassung weiblicher Personen zum gastfreien Besuch der Vorlesungen an der Akademie unter den gleichen Bedingungen wie an der Universität genehmigt worden. Die erforderlichen Übungsflächen für die praktischen Vermessungsübungen wurden im Jahre 1895 in den Gemarkungen Endenich und Ippendorf erworben, die bis heute bestehen. 

Die Landwirtschaftliche Akademie Bonn-Poppelsdorf wurde 1919 in eine Landwirtschaftliche Hochschule mit Rektoratsverfassung und Promotionsrecht umgewandelt; dazu gehörte die Geodätisch-Kulturtechnische Abteilung mit 2 Professuren für Geodäsie, 1 Professur für Kulturtechnik und 1 Professur für Mathematik. Die Hochschule wurde 1934 als neue Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Bonn eingegliedert. Letzter Rektor der Hochschule war der Geodäsieprofessor Paul Samel (1877-1962). 

Aufgrund des Gesetzes über die Neuordnung des Vermessungswesens vom 3. Juni 1934 (siehe Mitt.-Nr. 901) erließ der Reichsministers des Innern am 3. Juli 1937 die "Verordnung über die Ausbildung und Prüfung für den höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst". Damit war erstmals reichseinheitlich die Ablegung einer Diplomprüfung in der Fachrichtung Vermessungswesen vorgeschrieben. Danach war eine wissenschaftliche und praktische Ausbildung zu erwerben sowie durch das Bestehen zweier Staatsprüfungen nachzuweisen: der Diplomhauptprüfung an einer Technischen Hochschule/Universität nach einem Studium von mindestens 7 Semestern und der Großen Staatsprüfung nach einem Vorbereitungsdienst von 31 Monaten (Referendarausbildung) vor einem Oberprüfungsamt. Diese Studien- und Ausbildungsregelungen gelten als Länderrecht nach 1946 praktisch bis heute fort. 

In den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte das Studium des Vermessungswesens in Bonn durch die Einrichtung weiterer Institute neuen Aufschwung: 1950 Institut für Photogrammetrie, 1955 Institut für Theoretische Geodäsie, 1965 Institut für Kartographie und Topographie. Daraus ergaben sich neue Institutsbauten in der Nußallee für die Bodenkunde, die Photogrammetrie und die Geodäsie. Die Zahl der Geodäsieprofessoren betrug im Jahre 2000 13, im Jahe 2010 nur noch 6 mit weiterhin schrumpfender Zahl der Studierenden. 

(Aloys Heupel: 100 Jahre Geodäsie in Bonn, Bonn 1976; Bernhard Wittstock: Rechts- und Verwaltungsvorschriften Grundsteuerkataster, 2001, Nr. III/37, S. 114; Erich Weiß: 200 Jahre Entwicklungen zur heutigen Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn, Bonn 2013)